Nr. 258 Zweites Blatt 165. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Montag, 3. November 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Unioersitäts - Buch- und Sleindmckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnteigerGießen« Tie „Giehener Zamtlienblätter" werden dem »Anzeiger^ Diennal wöchentlich beigelegt, dar „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 5rfparnismöglid)feiten im hessischen Staatshaushalt. Aus varlamentarischcn Kreisen schreibt man uns: Wir haben schon seit Beginn des vorigen Jahres dem logenanntcn „Pcreinfachungsausschuß", dessen eigentlicher Zweck darin besteht, Wege auszufinden, die zu dem Ziele füh- ren Jollen, daß das ganze Hessische Staatsverwaltungs- und Kassenwesen, tvcsentlich vereinfacht und verbessert und dadurch verbilligt locrden kann. Ucber diese sehr zu begrüßende Absicht besteht bei der Großherzogl. Regierung sowie in der Volksvertretung völlige Einigkeit. Rach einigen regierungsseitigen Ausführungen jüngster Zeit, die auch dem Vereinfachungsausschuß vorliegcn, ist es jedoch bis heute, nahezu am Schlüsse des Jahres 1913, zu greifbaren Ergebnissen aus dem bezeichneten Gebiete noch nicht gekommen. Es ist und muß zugegegeben werden, daß bisher verschiedene Ursachen zusammenwirkend, dem Erfolge der bekannten guten Absicht hinderlich gewesen sind. Dagegen drängt aber um so schärfer mit jedem Tage die von der Regierung den Ständen zugegangenc Beamtenbesoldnngsvorlage zu durchgreifenden Vereinfachungen und Verbilligungen des Staatsverwaltungs- und Kasscnwesens: damit es möglich wird, der Vorlage zu entsprechen, ohne die Steuerkraft des Landes noch weiter wie seither in die Höhe treiben zu müssen und dadurch die große Masse der Bevölkerung in Aufregung zu versetzen. Aligesichts solcher dringender Faktoren kann ein längeres, unsicheres Hin- und Herschwanken, bei der Regierung sowohl, wie beim Vereinfachungsausschuß nichts nützen, sondern nur schädigen nach allen Richtungen. Es sollten daher mit Ernst llnd Kraft die bereits zu Tage getretenen Vereiufachungsvorschläge, abgesehen und losgelöst von jeder bürokratischen Voreingenommenheit und zimperlichen Gleichgültigkeit in einzelnen Kreisen, auf ihren tatsächlichen Bestand einer scharfen und gerechten Prüfung unterzogen werden, damit sich aus dem Widerstreit persönlicher Meinungen die greifbaren Vorteile solcher Vorschläge für Land und Volk herausschälen lassen und zu wirksamer Betätigung gelangen, oder weitergeführt werden können. Beispielsweise kommt hier der bereits seit dem 28. Juli 1912 vorliegende Antrag, die Erhebung der Staats- st e u e r n durch die Gemeinden in Betracht. Der Antrag konnte bisher noch nicht im Finanzausschuß der Zweiten Kammer zur Verhandlung gebracht werden. Der Inhalt des Antrags ist klipp und klar ein vollständiger Bruch mit dem seit alter Zeit in Hessen geübten Staatssteuererhe- bnngswesen. Es ist daher sehr leicht erklärlich, daß nicht nur in den fraglichen Regierungskreisen, sondern ebenso sehr auch in der breiten Masse der Bevölkerung, dem Anträge int ersten Anlauf Widerspruch entgegengesetzt wird. Allein, iit der dem Antrag beigegebenen Begründung, sowie der inzwischen von feiten der Regierung gegen diesen Antrag erfolgten Regierungsantwort, und, in einer daraufhin erfolgten weiteren Erläuterung zu fraglicher Regierungsantwort, ist hinreichend Beweismaterial enthalten, wodurch es jedem unbefangenen Beurteiler nicht schwer werden kann, den tatsächlichen unbestreitbaren Sachbestand des Antrags zu erkennen und sich darüber ein zutreffendes Urteil zu bilden. Eine solche Beurteilung ist von größter Bedeutung, denn die Volksvertretung kann unmöglich ein Interesse daran haben, oder sich dazu berechtigt fühlen, nachweisbare tlnd tatsächlich nicht zu bestreikende Vereinfaebungen der Staatsverwaltung und Ersparnisse, die sicher sich auf 2,63 Proz. vom ganzen Staatssteuerergebnis beziffern, einfach irgendwelcher untergeordneten Umstände wegen der Bevölkerung zu entziehen. Ein solcher Schritt wäre für die Volksvertretung eben auch dann nicht entschuldbar, wenn innerhalb der Großh. Regierung selbst Veränderungen notwendig erscheinen würden oder vorauszusehen sein sollten. Der neue „Urupp-Proz»h". Berlin, 1. Nov. Zu Beginn der heutigen Verhandlung erklärte der Oberstaatsanwalt in Bezug auf seine gestrige Feststellung, betreffend des Neichsmarineamts, das; in einem Teile der Presseberichte ein wesentlicher Punkt fehle. Er habe seine Feststellungen erst getroffen, nachdem er Herrn von Metzen unö den Angeklagten Brandt ausdrücklich gefragt hatte, ob von ihrer Seite etivas anderes behauptet worden ist, als von Seiten des Neichsmarine- amtes. Er stelle nochmals ausdrücklich fest, daß nichts Entgegenstehendes behauptet ist. Rechtsanwalt 2r. L ö w c n st c i n bringt darauf zur Sprache, in einem Zeitungsartikel sei behauptet worden, daß Brandt zum Schreibtisch des Herrn v. Metzen Nachschlüssel gehabt habe. Zeuge n. Metzen erklärt, keinerlei Anlaß zu einem derartigen Verdacht gehabt zu haben. Rechtsanwalt Tr. Löwenstein bemerkt darauf, daß er im Laufe dieser Verhandlung noch nachweisen werde, daß Herr v. Metzen einen solchen Verdacht ausgesprochen hat. Es wird nun in die Vernehmung des Zeugen Kaufmann Win gen eingetreten. Er bekundet: v. M.'tzen. habe bald nachdem sie sich in Italien kennen gelernt hätten, von den großen Chancen gesprochen, die die italienische Vertretung Krupps in Italien habe, und bemerkt, er fahre nach Essen, um dort eine Anregung zu geben, durch die das italienische Geschäft noch weiter gehoben werden würde. Er habe sich dafür interessiert, da er früher selbst gern der Vertreter Krupps in Italien geworden sei. In einer Unter-- redung habe Herr v. Metzen geäußert, er (der Zeuge) könne nur dann a l s Vertreter in Frage kommen, wenn er Geld genug habe, um ihn für seinen Vermögensausfall zu entschädigen. Er sei ganz überrascht gewesen, daß ein Herr, wie v. Metzen, der bei Krupp eine einflußreiche und angenehme Stellung bekleidete und Reserveoffizier sei, eine solche Bemerkung machen konnte. Seiner persönlichen Ueberraschung habe er aber nicht Ausdruck gegeben, weil er fürchtete, daß v. Metzen ihn sonst in Essen an schwärzen würde, v. Metzen reiste dann nach Essen und nach seiner Rückkehr betonte er, seine Vorschläge hätten in Essen sehr gute Aufnahme gefunden: es sei nun eine sehr erhebliche Ausdehnung des italienischen Geschäftes zu erwarten. In einer Unterredung in Rom, an der auch sein Vertreter, Herr Fabers, teilgenommeu habe, habe Herr v. Metzen das Gespräch auf diesen Punkt gebracht und für den Verkauf der italienischen Vertretung 100000 Franks gefordert. Der Zeuge läßt sich eingehend über die weiteren Verhandlungen bis zum Abschluß des Vertrages aus und bemerkt, er habe nicht die Absicht gehabt, Herrn v. Metzen lvegen des Vertrages bei der Firma zu denunzieren. Er schildert dann weiter, daß er nach Essen fuhr, um dort zu sondieren, ob er überhaupt in Frage kommen könne. Er habe den Eindruck gewonnen, daß dieses sehr wohl der Fall sein könnte. Nach seiner Rückkehr nach Italien habe der Zeuge mit mehreren Personen, darunter auch dem deutschen Konsul in Mailand, über seine Verhandlungen mit Herrn v. Metzen gesprochen. @3 folgt nun die Gegenüberstellung der beiden Zeugen, o. Metzen bleibt dabei, daß Herr Win gen zuerst an ihn herangetreten fei; e£ set aber möglich, daß Gingen eine von ihm gemachte Bemerkung über die Gewährung einer Provision so aufgesaßt habe, als wollte er damals das italienische Geschäft verkaufen. Zeuge Wingcn hält demgegenüber ebenfalks mit Bestimmtheit seine Aussage aufrecht. Er erklärt ivcitcr, bet einer Unterredung mit Dr. Mühlon sei es fast zur Unterzeichnung des Vertrages gekommen. Er sollte nur eine Bescheinigung beibringen, daß man in Rom nichts gegen seine Person einziovenden habe und daß die Behörden bereit seien, durch ihn mit der Firma nrupp zu verhandeln. Diese letztere Bescheinigung sei aber nicht zu erlangen gewesen, da man direkten Verkehr ohne Mittelsperson pflegen wollte. Bald daraus sei Herr v. Metzen, wie er annehme, in Essen gegen ihn a u f g e trete n iiu- habe von den Uebcrredungskünsten gesprochen, auf die er hineus* gefallen sei, und habe die Sackte so dargestellt, als ob er die Firma vor ihm, der ihn habe bestechen wollen, ivarnen müsse. Der Oberstaatsanwalt erklärt erregt, daß der Zeuge derartige Kombinationen nicht als Zeugnis vorzutragen berede tigt sei. . Ter Zeuge sagt weiter aus, später sei er zufällig wieder nach Deutschland gekommen und habe telegraphisch gebeten, ihn in Essen zu empfangen. Es wurde ihm geantwortet, fein Besuch wäre nicht erwünscht. Trotzdem sei er tags daraus nach Essen gefahren und von Dr. Mühlon sehr kalt empfangen worden. Es wird nun Direktor Mühlon vernommen, der seit 190V in Krupps Diensten steht. Im Jahre 1912 vertrat er zur fraglichen Zeit etwa 6 Monate lang Herrn Eeeius. Er habe Herrn v. Metzen die italienische Vertretung angeboten, weil er ihn für geeignet hielt. Gelegentlich feiner Anwesenheit in Berlin habe er mit Brandt über die Berliner Vertretung gesprochen; dabei habe Brandt ihm gesagt, er halte einen Vertreter wie Herrn v. Metzen für überflüssig: die großen Sachen mache der Generaldirektor Dräger, und die kleineren könne er besorgen, 5 um al er auch bei den Referenten Zutritt habe. Es war in dieser Unterredung nicht die Rede davon, daß Brandt sich zur Erlangung von Informationen an Militärpersonen wende. Zeuge habe Brandt versprochen, wenn die Geschäfte der Berliner .Vertretung in der vorgeschlagenen Weise geführt würden, ihn im Gelwlt besser zir stellen. Eine Gehaltserhöhung wäre and) bald nach feiner Rückkehr in Essen erfolgt. Tie Gehaltserhöhung sei nicht wegen der Kornwalzertätigkeit erfolgt. Es wird nun das Schreiben vom 22. Juli erörtert, in dem sich v. Metzen ausführlick) über die Brandtsche Tätigkeit äußert und von der besprochenen Erhöhung der Bezüge Brandts abrät, da sonst die Version nicht mehr aufrechtzuerhalten sei, daß die Firma mit den Aufwend un gen Brandts nichts zu tun hat. Der Zeuge erklärt, daß dieser Brief aus ihn einen sehr üblen Eindruck gemacht habe. Er sei daraufhin sofort nad) Berlin gereift, ohne jedoch vorher die Sad)e im Direktorium zur Sprache gebracht zu haben. In Berlin hatte Zeuge zunächst eine Unterredung mit Herrn v. Metzen. Dieser sagte, er habe den Bries schreiben müssen, weil in Berlin sehr üble Dinge vor sich gingen und er Brandt nicht traue. Er wolle mit der Sache nichts zu tun haben, Brandt aber wolle ihn in die Sa die herein,; i eben. Bleibe er aus dem Spiel, so habe er gegen die Tätigkeit Brandts nichts cinzuwenden. v. Metzen habe später gesagt, Brandt befasse sid; nur mit der Einholung von Informationen und es sei am besten, wenn er Um Bbrlijnt wegNme. Weiter sagte er^ Brandt sei im Besitze eines Nachschlüssels, und man möchte Schritte dagegen tun, damit der Firma Krupp Feine Unannehmlichkeiten bereitet werden könnten. In einer Unterredung mit Brandt erklärte dieser, v. Metzen behandle ihn schleckst. Er wäre ftoh, wenn er Weggehen könnte, denn er wolle ein anständiger Mensch bleiben. Er wolle gern aus seine Repräsentationszulage verzichten, wenn er die Geheimberichte nicht mehr zu liefern brauche. Aus die Frage des Zeugen, was er denn eigentlich mache, sagte er, er' verkehre mit Kameraden und erklärte weiter, was er getan habe, habe er im Einverständnis mit der Firma getan. Er selbst finde nichts darin, aber Herr v. Metzen habe ihm das Herz schwer gemacht. Brandt habe sodann von Nachrichten gesprodsen, die er von Zetigfeldwebeln und Milttärbeamten erhalten habe. Der Zeuge erklärt weiter, et habe Brandt gesagt, er solle die Geheimberichte lassen und den Verkehr langsam abbrechen. Er sei ein geschätzter Beamter, wenn er nidsts Unrechtes tue. Mit Bezug auf die Unterredung in Essen mit Brandt und v. Metzen erklärt der Zeuge, er habe Brandt gefragt, was eigentlich los sei. Dieser habe ihm erklärt, er wolle mit den Geheimberichten u ichts mehr zu tun haben. Dabei verlangte der Zeuge, daß die Sache durchaus sauber sein müsse, sonst hätte sie überhaupt keinen Wert. Brandt fei daraus einigermaßen um- gefallen und habe erklärt, er werde b i e Sache weiter machen. Es sei nidsts dabei, wenn er anständig behandelt werde, v. Metzen erklärte, er wolle nichts davon wissen, wie Brandt die Berichte zu Stande bringe. Der Zeuge berichtet barm weiter, nachdem er in Berlin die Feststellung getroffen hätte, brachte er die Angelegenheit Brandts in einer Direktorialsitzung in Essen zur Sprache. Des Jubiläums der Firma Krupp wegen wurde die Sache nicht weiter verhandelt. In der nächsten Direktorialsitzung kam man über- cin, daß Brandt öon Berlin weg müsse. Ucber das Wann war man allerdings verschiedener Auffassung. Man sagte sich, wird Brandt abberufen, bann hätte es ben Anschein, als hätte man ein schlechtes Gewissen, lasse man ihn aber weiter auf seinem Posten, so sei bas ebenfalls nicht in Ordnung. Cs wurde in der Folgezeit versucht, eine Versetzung Brandts in das Grusonwerk in Magdeburg einzuleiten. Der Zeuge erzählt bann weiter, daß ihn Herr von Metzen bei seinem Besuche in Essen vor Herrn Wingen gewarnt und ihm weiter mit geteilt habe, Wingen habe ben Versuch gemacht, ihm bie italienische Vertretung abzukausen. Der Zeuge habe erregt gesagt, lassen Sie sich in bieser Weise beleidigen? Der Zeuge gibt hierbei auf Befragen des Oberstaatsanwalts Auskunft über bie Art und Weise, wlie er bie leitenden Herren der Firma Krupp nach seiner Rückkehr aus Berlin über die Korn- walzer unterrichtet habe. Der Zeuge erklärt, er habe ben Herren erzählt, bie Gehei mbericht e beruhten auf einerzwei felhaftenGrunblage unb es könne ein großer Schaben entstehen, wenn bie Sache herauskomme. Er habe weiter gesagt, die Firma müsse mit allem rechnen. Branbt revanchiere sich für die Nachrichten. Er habe zwar gesagt, er gebe kein Geld, aber wenn er es trotzdem tue, so solle es ihn, den Zeugen, nicht wundern. Der Oberstaatsanwalt stellt darauf fest, daß er bei der Vernehmung der Zeugen Hugenberg und Haux sich vergeblich bemüht habe, das, was d e r Z e u g e b e k u n d e t e, f e st z u st e l l e n; darauf erklärt dieser, es sei auch möglich, daß diese Bemerkung vor der Tirektorialsitzung im Gespräche mit einzelnen Herren von ihm gefallen sei. Zeuge Hugenberg erklärt gegenüber dem Vorwurf des Staatsanwalts, er habe bei seiner Vernehmung das angegeben, was ihm als das Wichtigste im Gedächtnis geblieben sei. _ Im geschäftlichen Leben sei man nidjt immer in der Lage, auf der Grundlage eines oollftänbigen Tatbestandes zu urteilen; man mache seine Beschlüsse nicht auf Grund der klaren Ertcnnt- nis der Dinge, sondern instinktiv. Er übernehme für bie Behandlung ber Angelegenheit auch jede Verantwortung. Darauf wirb ber Generalvertreter der Firma Krupp, Dr. Dräger vernommen. Er sprach sich insbesondere über die Ber- Line Bismarck-Gedächtnisrede des Herrn von vechmann Hollweg. In der Versammlung des.Vereins zur Errichtung eines Bismarck-Nation al-Denkmals auf der Elisen- h ö h e bei Bingerbrück hielt am Samstag im Bürgersaal des Berliner Rathauses der Reichskanzler folgende Rede: Ich banke dem Herrn Staatsminister Freiherrn v. Rheinbaben aufrichtig für die freundlichen Worte, mit denen er mich begrüßt hat. Als ich seinerzeit aufgefordert wurde, das Ehrenpräsidium dieser Organisation zu übernehmen, nahm ich es mit großem Tanke an. Wenn je ein Ehrenpräsidium Ehre in sich schließt, so hier; denn im Verein 'mit den Männern, die sich an die Spitze der Organisation gestellt und die schon bisher ein unendliches Mas; vom Mühe und Arbeit auf sich genommen haben, mitwirken zu dürfen an der Errichtung eines Tenkmals, das Deutschland Bismarck setzt, ist allerdings ein Amt, das die größte Ehre mit sich bringt. Wieviel noch zu tun bleibt, hat Erzellen; v. Rheinbaben uns allen gesagt. Ich wüßte aber nicht, wie dieses großen vaterländischen Erinnerungen geweihte Jahr einen besseren Abschluß finden könnte, als in dem Appell, Bismarcks eingeb enf z u sein unb Su bleiben. Tas Werk ber Befreiung Deutschlanbs von ber Fremdherrschaft, alle Mühen unb Siege, bereit wir in erhebenben Feiern gebucht haben, wären vergebens gewesen ohne bas Werk ber Einigung, das uns Bismarck gebracht hat. Daher bars sein Name am wenigsten fehlen in ber Reihe ber großen Deutschen, beren wir in biesen Tagen gedenken. Darum aber sollen auch alle, bie sich Deutsche nennen dürfen, zusammenhalten, wenn es gilt, mit einem Teukmal hoch über dem Rhein ein Wahrzeichen aus- surirfiten nicht nur der Dankbarkeit gegen Bismarck, sondern auch als ein Symbol heißer Vaterlandsliebe und einer zu jedem Opfer bereiten Hingabe an die Nation, in der Bismarcks Leben aufging. Diesen Bismarckschen Geist, ber sein heiligstes Vermächtnis an Deutschland ist, soll uns bas Denkmal mahnenb unb warnenb verkörpern Möge von ben heutigen Verhandlungen im Herzen der deutschen Reichshauptstadt die einmütige und begeisterte Förderung dieses vaterländischen Werkes! einen neu en, kräfttg en Anstoß erhalten' Ta^ ist mein Wunsch. Auch ta) fchttetze mit der Bitte: Helfen'Sie uns, dieses Werk bald zu einer würdigen Vollendung °U ^Dann erstattete der Landtagsabgeordnete Beumer- Düsseldorf Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vereins. Er bemerkte dgbei, daß die gesamten Baukosten des Denkmals et w a 3 Mi 11 ion en M ar k betragen würden. Vorhanden seien etwa 1 200 000 Mark. Wenn die fehlenGiehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen den 1800 000 Mark nicht aufgebracht werden könnten, wären wir das verächtlichste Volk der Erde. Nachdem Geheimer Baurat Hoffmann-Darm^ stadt, Vorsitzender des Werkausschusses, nähere Mitteilungen über die Verträge mit den ausführenden Künstlern gemacht hatte, hielten Geheimrat Professor Muthesius Berlin und Professor Wilhelm Kreis-Düsseldorf Vorträge über die endgültige Gestaltung des Kreis-Ledererschen Tent- malsentwurfes. K'reis erläuterte seine Ausführungen durch zahlreiche Lichtbilder alter Werke, die ihm bei dem Entwürfe manche Anregung und manchen schönen Gedanken brachten. Der Regierungsantritt des Herzogs Gruft August. Die amtlichen „Braunschweigischen Anzeigen" veröffentlichen folgendes Patent des .Herzogs E r n st A u g u st zu Braunschweig und Lüneburg: Von Gottes Gnaden, wir Ernst August, Herzog zu Braunschweig unb Lüneburg, königlicher Prinz von Großbritannien und Irland, tun hiermit funb und zu wissen: aNchdent die Hindernisse, welche seit dem Ableben des hochseligen Herzogs Wilhelm der Ausübung der Regierung des Herzogtums seitens der Berechtigten aus dem fürstlichen Gesamthause Braunschweig-Lüneburg entgegenstan- ben, burchGottes gnäbigcFügung in beglückenderWeise beseitigt finb, haben wir bie uns durch ben hochherzigen Berzickst unseres innigst geliebten burchlauchtigsten Vaters, des Herzogs Ernst August, Königliche Hoheit, angcfallcne Regierung bes Herzogtums mit bem heutigen Tage angetreten. Es brängt uns zunächst, bem Gcsühle tiefer, tiefer Dankbarkeit Ausbruck zu geben gegenüber bem hochseligen Prinzen Albrecht von Preußen, König!. Hoheit, und gegenüber Sr. Hoh. bem Herzog JohannAlbrecht z u Mecklenburg, ben Erlauchten Regenten des Herzogtums die getreu ihrer Zusage beim Antritt ihrer Regentschaft bas Wohl bes herzoglichen Landes stetig unb kräfttg aeförbert, uns bie Ueber- nahme unb bie Erfüllung unserer hohen schweren Pflichten in allen Wegen erleichtert haben. Wir versichern sodann bei unserem fürstlichen Worte, baß wir bie Lanbesverfassung unb alle i hreBe st immungenbeobachten,aufrechterhalten unb beschützen wollen. Als b e u t s ch e r F ü r st werben wir stets in unerschütterlicher Treue zum Reich unb s ein c m erhabenen Oberhaupte stehen unb im Verhältnisse zu unseren hohen Bcrbünbeten allezeit unsere Verpflichtungen erfüllen, bie uns burch bie Reichsverfassung unb bie ihr zu Grunbe liegenden Bündnisverträge auferlcgt sind. Wir geloben, auf dieser Grundlage ber Gerechtigkeit unb Fürsorge alle unsere Kräfte dem Wohle des Laubes zu weihen unb bitten Gott um seinen gnäbigen Beistand, damit unsere Regierung dem Herzogtum zum Segen gereiche. Mit hoher Freude haben wir aus den vielseitig und bedeutungsvollen Anzeichen entnommen, daß die Herzen ber Braunschweiger uns unb ber Herzogin, unserer vielgeliebten Gemahlin, entgegenschlagen. Auch unsere Herzen empfinben warm für bas braunschweiger Volk, und wir hoffen zuversichtlich, daß aus diesem Gefühle ein unzerstörbares Band gegenseitiger Liebe und Treue erwachsen werde. Wir erwarten andererseits von den erfahrenen Beamten, allen Geistlichen unb ferner weiter von allen Angehörigen bes Herzogtums, daß sie uns als ihrem rechtmäßigen Laubesherrn Treue unb Gehorsam erweisen unb uns nach Kräften in ber Erfüllung unserer Pflichten zur Wohlfahrt ber Gesamtheit unterstützen werben. Wegen Ableistung ber verfassungsmäßigen Huldigung erfolgen bie erforderlichen besonderen Verfügungen. Urkundlich unserer eigenhändigen Unterschrift mit beigebnicftcm Siegel, gegeben Rathenow, am 1. November 1913. (Unterschrift.) Ernst August, Hartwieg, O. Wolff-Radkau. Eine Sonderausgabe der „Braunschweigischen Anzeigen" veröffentlicht einen Straferlaß des Herzogs Ernst August. ^Freiheitsstrafen bis zu sechs Wochen und Geldstrafen bis zu 150 Mark werden erlassen; außerdem sind Straferlasse in besonderen Einzelfällen vorgesehen. a M i Inn 3er t ►ie Lic lad: litt i rats mal- Trö nete .Hcd I/äu nn füh: >ur Nur auf ein ao( müssen Sie ""^V- nur 'dann ist de «dN setzung Brandts nach Berlin und über dessen Tätigfcit aus Er lehnte cs ab, mit Erretten; v. Surfing roegen der Anstellung t :• Leutnants Hoge bei der Arntterievrür'uncfskommtnwn verhaut».!: zu "haben. Es müsse unb düngt eine mißverständliche Auffassung einer scherzlrasten Aeußerung vorliegen Tie Vernehmung wird nicht zu Ende geführt. Nach 3'2 Uhr wird die Verhandlung aus Momag 9 Uhr vertagt. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 31. Oktober. W u d) c r. Unter der Dinklage bc3 Wuchers in zwei Fällen hatte sich der hiesige "Althändler H. G. zu verantworten. In dein einen Falle batte er sich für zwei Ringe, die er für Mk. 10,— gekauft hatte, am folgenden Tage bei dem Nürfkauf von dem Verkäufer eine Vergütung von 3 Mk. zahlen lassen. In dem anderen Falle standen Leistuna und Gegenleistung in noch auffälligerem Mißverhältnis. G. hatte hier einen kinematogravhifchen Avvarat für 25 Mk. gekauft und sich dabei als Rnckkaicksvreis, unter der VorauSfehung, daß der Rückkauf in der Zeit von etwa einem Monat erfolge, 18 Mk. versprechen laßen. Bestrafung wegen Wuchers erfolgte mir in diesem zweiten Falle, da nur hier daS weitere Erfordernis der Ausbeutung einer Notlage gegeben war. DaS Gericht hielt eine i^efänguisstrafe von drei Tagen und eine Geldstrafe von 10 Mk. hierfür für angebracht. Weiter erkannte es noch auf eine Geldstrafe von 3 Mk., da der Angeklagte das Buch, das er als Trödler zu führen hatte, nicht ordnungsmäßig geführt hatte. Betrügerische Wechselgeschäfte werdeii dem Kaufmann 5k. ö. S in Nidda, früher in Bellmuth, in der Anklage zum Vorwmf gemacht. S., der Prokurist eines Basalt- werkcS war, trat mit der Firma R. in Mannheim auf deren Zeitungsannonce hin, in der sic gegen Hingabe von Wechsel- akzeptcii Geld suchte, in Verbindimg. Er erhielt von ihr 10 000 Mk. in Akzepten und versprach, ihr dafür 5000 Akk. in bar und 5000 Mk. in Kundenwechseln zu verschaffen. In Wirklichkeit erhielt aber die Firma keine brauchbaren Gegenwerte, während sie selbst durch die Einlösung ihrer Akzepte um den Betrag von etwa Mark 6000 geschädigt ivurde. Die Kammer eraditele icdoch einen Betrug für nicht gegeben, da nidit feftgufteUen war. daß der 53er- mögeusverlust der Firma R. auf eine Täuschung des Angeklagten zii'ückzuführen ivar. Es erging daher Freisprechung. Zu demselben ErgebuiS führte die Verhandlung über die beiden weiteren Anklagepuukte, wonach S. den Bürgermeister 91. in Blofeld um Ttf. 3450 betrogen und einen ihm zur Diskontierung übergebenen Wechsel von Akk 3000 unterschlaaen haben soll Weacn btrfer Gutachten zu dem Schluß, daß der strafausschließende § 51 des Str.-G.-B. für Professor Lehmann-Hohenberg nicht in Betracht kommen könne. Die Vernehmung einer ganzen Anzahl von Zeugen und Sachverständigen wird vom Gericht abgelelmt. — Segen der Vor- öffentlichung des Artikels in der Äeimarischen Landeszeirung ,,Deutschland", steht deren früherer Chefredakteur, der fettige Zer- ningSoerlcger tGcorg Kohl Brackenheim WürNemberg) mit unter Anttage. Er ist jedoch wegen der weiden Entfernung vom Er- icheinen zur heutigen Hauptverhandlung entbunden worden. Er hat den Artikel im Vertrauen aus die Persönlichkeit seines Mitangeklagten ausgenommen. Nach längerer Verhandlung stellt der Verteidiger R.-A. F r 0 e. b er umfangreiche Bewcisanträgc, zu deren Begründung er mein als eine Stunde braucht. Er beantragt die Ladung von 30 Zeugen, ^runter den Kronprinzen des Deutsche n Reiches. Er wird befunden, daß Tatsachen vorliegen, die geeignet sind. Den früheren Kanzler des Deutschen Reiches, Fürsten Bülow, • 'eneralmaior a la suite unwürdig erscheinen lassen, dem DreuBi schen Lsfizierkorps anzugel-ören, daß Fürst Bülow an dem Kaiser Verrat geübt habe. Der Staatsanwalt beantragt, die Dewnsantrage der Vcr teibigung abzulehnen. Tie Stellung der BeweiSantrage zeige aber deutlich, daß der Angeklagte von vorn herein öaraui aus- gegangen ist, alle korrumpierten Zustände, wie er behauptet, tm Prozeß zur Sprache zu bringen. Tas war seine beleidigende Abricht und ba her lege er als Staatsanwalt viel Den daraus, cav.bicie Beweisantr gc gestellt wurden. Tas rocrde für die «traszumessung von großer Bedeutung sein. . _ _ Es wurde sodann beschlossen, die Sitzung auf 212 stunden auszusetzen. um dec Verteidigung Gelegenheit zu geben, die Anträge schriftlich zu fixieren. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung und längerer 'Beratung wurde :>er Beschluß de.- Gerichts verkündet, bad Protokoll über bic Schöffengericht: rcrl)andlung zu verlesen, in der der Bcschttlß gefaßt worden >var, den Angeklagten zur Beobachtung «eines Geistes- .ustandes in eine öffentliche Irrenanstalt zu überweis cm Alle übrigen BeweiSantrage wurden abgelehnt, da, einmal die Tatsache cL:> wahr unterstellt werde, daß gegen Ofsizierc ehrenrührige Beschuldigungen erhoben worden sind, ohne das; dagegen etwas unternommen wurde; ebenso mürben sämtliche Anträge zum üger Prozeß, des jetzigen stommanoeurs der 13. Feldartillerie-Brigcfae in Münster, General Wischer, und des Großher.zogl. tuet mar ifdicn Amtsrichters Lemmerzahl (Weimar, zu verantworten hat. Der Strafantrag ist auf Grund der §§ 185, 186, 196, 200, 72 und 47 StrGB. von dem früheren preußischen .Eriegsminister General v. Einem unb dem Großhcrzogl. weimarischen Staats-1 Minister Dr. Rothe gestellt worden. Professor Lehmann-Hohenberg ist der Vorsitzende der Deutschen Mittelstands-Vereinigung, Landesverband Thüringen, und der Deutschen Rechtshort Vereinigung. Als solcher hat der Angeklagte wiederholt in Aussehen erregenden Prozessen eine Rolle gespielt, da er in dem Kampfe um eine Reform des Strafgesetzbuches nachzuweifen versuchte, daß die gegenwärtigen Zustände auf dem Gebiete der Rechtsprechung militäriicher und Zimtgerichte unb ins-, besondere auch auf dem Gebiete des Irren- unb Entmündigungswesens unhaltbar seien. Seine Erfahrungen in dem Hüger-Prozeß schilderte nun Pro fessor Lehmann.Hohenberg in einem Artikel, den er in der Weimarischen Landeszeitung „Deutschland" vom 29. November 1908 unter der Ueberfchrift „Ein Wort aus dem deutschen Volke" er scheinen ließ. In diesem Artikel wurde darüber Klage geführt, baß im Deutschen Reiche feine Gerechtigkeit berrfdx Als Beispiel wurde der Fall des Kaufmanns Grosser herangezogen, der, wie erinnerlich, nach jahrelangen Bermögenspro.zessen gegen seine hochgestellten Familienangehörigen, — von allen Instanzen abge- wiesen, — während der letzten Verhandlung vor dem Reichsgericht einen Reichsgerichtsrat schwer verletzte unb den Protokollführer erschoß. Professor Lehmann-Hohenberg gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß Grosser das Opfer schwerer Rechtsbeugungen geworden sei und sagte unter deutlicher Ampielmtb auf den Fall des früheren Obersten Häger u. a.: „Sonst galt es in bürgerlichen Kreisen und noch mehr in denen der Offiziere, eine Ehrverletzung durch Anzeige bei Gericht oder Genugtuung jnit der Waffe von sich abzuhalten; heute Tann man im Amte bleiben ober als Offizier kommandieren, selbst wenn man als Halunke ober Meineidiger gebranbinarfr worden ist. Das ist keine Uebertreibung, sondern Tatsache, bic belegt werden kann. Ebenso besprach der Angeklagte den Fall Hüger in einem Leitartikel, der von ihm selbst herausgegebenen Zeitschrift „Rechtshort" unter her Uebcrschrift „Gibt es noch eine Offiziers- ehreTiefer Artikel behandelte den seinerzeit wochenlang vor dem Dortmunder Landgericht verhandelten Hüger-Prozeß, in dem der frühere Oberst des Felbartillerie Regiments in Ulm, Häger, eine gerichtliche Klarstellung seiner Verabschiedung herbeizuführen sich bemühte. Die wegen dieser beiden Artikel erhobene Mlage sollte am 23. September 1910 vor dem Amtsgericht Weimar unter dem Vorsitz des Amtsrichters Lemmerzahl verhandelt werden. Damals wurde beschlossen, die Verhandlung zu vertagen unb Professor Lehmann-Hohenberg ausgegeben, an Stelle der von ihm als voreingenommen ertlärten Irrenanstalt Jena eine andere als Beobachtungsstation auszuwählen, um der zwangsweisen Ueberfährung in eine solche nach Ablauf von ztvei Monaten zu entgehen. Die Nechtsgültigkeit dieses Beschlusses wurde damals in der juristischen Fachpresie wie in ber Tagespresse Gegenstand eingehender Erörterungen. Tatsächlich erfolgte auch nicksts »veiteres gegen Professor Lehmann--Hoheul»erg, der inzwischen "pme weitere Publitätion erscheinen ließ, die sich an das Grosch-rzoglich Wefa marische Amtsgericht in Weimar richtete, und in ber ber Angeklagte das Verfahren gegen ihn einer f dürfen Mritit unterzog. Zum Schluß stellte Professor Lehmatin-Hoheiiberg den Antrag, den Amtsrichter Lemmerzahl wegen Rechtsbeugung feiner amtlichen Funktionen zu entheben. Wegen dieses Artikels wurde nunmehr ein weiteres Verfahren gegen Professor Lehmann-Hohenberg auf Antrag des Großhcrzogl. Weimarischen Justizministeriums an- hängig gemacht, so daß er sich heute wegen dreier verschiedener Vergehen der Beleidigung zu verantworten hatte. Als Zeugen waren u. a. geladen: General Wischer (Münster i. W.), Oberst a. D. Häger (Münster i. W.>, Oberleutnant a. D. Tr. Wirk 1 Braunschweig<, Graf^ Rhode «Freiburg i. B/, Oberst v. Lepe! (Weimar» und äls Sachverstätibige Sanitätdrat Tr. Ganser «Dresden) und Erzellen.; v. Lindenau (Leipzig). Den Vorsitz in der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Obbarius, die Anilagc vertritt der Erste Staatsanwalt Blochmann, während die Verteidigung des Angeklagten Rechtsanwalt Dr. tfrrocber (Jena) übernommen hat. Professor Lehmann-Hot)'nberg ist ein hochgewachsener, würdig aussehender Mann mit schneeweißem .Haupt und Barthaar. Er steht gegenwärtig int 62. Lebensjahr und war nacheinander Professor in Bonn, Breslau unb Kiel. Der Eröffnungsbeschluß gegen ihn lautet nicht nur auf einfache und vttleunwerisclfe Beleidigung des preußischen Cimicr korps unb des Generals Wischer, sondern auch des tonimanbicrcuben Generals v. Scktefser Bonadel in Dassel als früheren Vorgesetzten des jetzigen Generals Wif'cknw, da ber Angeklagte in seinem ,Lüger"-Artikel dem General v. Sckxffer-Boliadel Unkenntnis ber ehrengerichtlichen Bestimmungen unb voreingenommenes Ver^ halten nachgesagl hat. Zur Persotialfeststellung gibt Professor Lehmann Hol)enberg an, daß er Johann Georg heiße, im Jahre. 1851 in Königsberg geboren sei und im Jahre 1900 wegen Beleidigung des früheren preußischen .striegsministers v. Goßler zu 600 Mark Geldstrafe venirteilt worden fei. Während seiner vieler Amtstätigkeit nt der Angettagte 11. a. auch mit dem bekannten Sozial- Politiker Oberstleutnant a. D. Moritz v. Egidh in Berührung gekommen, den er längere Zeit moralisch unb materiell unterstützte, wobei er einen großen Teil seines Vermögens einbüßte. Er begründete auch die „Kieler Neueste Nachrichten", wobei er fahnd) in einen Konflikt mit ber Regierung loegen einer abfälligen Kritik des damaligen pr-eußischen .striegsministers v. (Hohler geriet. Nack) einem Riesen Prozeß kam es zu seiner Verabschiedung, iedoch behielt er seinen Professorentitel bei und bekam den höchsten Pensionssatz zugebillrgr. Seit dem Jahre 1904 lebt der Angettagte in Weimar, wo er im Jahre 1906 den Allgemeinen Deutschen Kulturbund gründete. Neben der Anslrebung der über die Fran Amtsgerichtsrat Burd.me, x.,liciinnncn> verhängten Entmündigung ist dem An geklagten, wieder hervorhebt, auch gelungen, dem Schuldirektor Tr Heine in Saalfeld, der wegen angeblichen C.umtlaiilcnivchn-1- auf ein Gutachten des Geh Medizinalrats Professor Dl Bins wanflcr (Fena) hin entmündigt worden war, in einem fünf jähiigen^Mamvie zu seinem Recht zu verlielfen, worauf Herne wieder Scknildirektor im Meiningschen wurde. Der zur heutigen Verhandlung vorgela^ne Sachverständige Sanitätsrat Tr. Wanfer (Dresden> kommt denn auch in seinem Fälle hatte die Staatsanwaltschaft selbst im Laufe der Verhandlung die Klage fallen lanen. Viehseuchen vergeben. Ter Viehhändler A. A. in ießen hatte im Mai d. Is. einen ViebtranSport vom hiesigen Vahobof wegaebractit, ohne dem loüieiamt Oie erfordert ick en ‘)lu8iveife erbracht zu haben: Mk. 15 etrafe oder 3 Tage Geiängnis.— Die gleiche Strafe wurde gegen den "Dlanrer H. :'t. in Hönie.en ansgefvrocheu, rocil er von Preußen Schweine au4ae)nhrt batte, ohne sie in einem von Klauenvieh nicht bestellten Dehöste zu quarantämeren. Freisprechung von der Anklage loencn fahrlässiger Tötung erfolgte in der Sache gegen den Maurermeister I. W. in Rockenberg. W., brr zugleich eine Ziearlei betrieb, hatte nnterlafien, sur den vorsck ristSmäßigen Abbau seiner Lehmgrube in eotonen zu ioraen. Hierdurch soll der Tod des ZieielcioorarbeiterS Bartl) verursacht worden sein, ber be m Unterhöhlen einer ?• m hohen Lehm wand durch daS verabftürien der Vehinmafic sckuver verletzt wurde. Die Kammer erachtete den Angeklagten für den Unfall des Barth nicht für verantwortlich und sprach ihn daher frei. ftcridyufaaL 11 Marburg, 31. Okt. E i n Wucherprozeß. Die Strafkammer verhandelte beute längere Zeit negen einen flauf- mann aus Soangcnberg, der in einer HyvotHekenvermitUungSsache einen Einwohner anL f?l(Iniiith3banfen bewuchert haben sollte. Das Gericht erkannte aus Fieilorcchung, weil festgestellt wurde, daß der Angeklagte bei dein Geschäft sogar zu kurz gekommen war. Sport. X Schwimm- und W ass ersport-Derein. In der (ehten Versammlung wurde beschlossen, am Sonntag, 30. November l. Zs., vormittags 10 Uhr, em Anschwi in m e 11 im Volks bad abviballen Ferner wurde der Jahresbeitrag für Mitglieder unter 18 fahren auf Alk. 2,—, über 1* Fahre an» Mk. 4,— lcigeietzt. Gutscheine zu ermäßigtem Preise für Einzelschwimmbäder sind 'Montags und DonnerSlagS luähvcnb der UeDungfitunben bei dem Vorsitzenden, sonne in den Persammlungen für Mitglieder zu erhalten Die nächste Versammlung findet am Montag, den 3. Nov., abends 9 Uhr, im Restaurant .Raiferhof* statt. Univcrfüät$«21acbricbten« — Der außerordentl-che 'Urofafior und Direktor der medizinischen Poliklinik au der Universität Freiburg i. B. Tr. Paul M 0 rawi tz bat einen Ruf als Ordinarius und Direktor der medizniischen Klinik nach Greifswald als Nachfolger von Pro- feffor A. Stegter erhallen. — Zum chirurgischen Chefarzt des DiakoniffenkrankenhausoS in Freiburg i. Br. ist anstelle ocS verstorbenen Ptofcffors Tr (ttoldmann Vrofesior' Tr. Gerhard potz von der Universität Würzburg gewählt worden. Der Privatdozent für mittlere nntf neuere Geschichte Dr. phil. Alfred »ermann in Bonn ist als Nach'oluer von Prof. Hötzsch an die Kgl. Akademie zu Vosen berufen luoiben. PcrmifcbtcSe * Zur Erinnerung an die Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig stifteten der Privatmann Jakob Landsried und Geh. Kotnmerzienrat Wilhelm Landfried 10000 Mark, deren Zinserlrckgnis alljährlich, wenn tunlich am 18. Oktober, zu einem Besuche des Riederwald-Denkmals durch ältere Schüler der Voll.« schulen in Heidelberg verwendet werden soll. Rach Fertigstellung des geplanten Bismarck-Rational-Denkmals auf der Elisenhöhe sollen beide Denkmäler abwechselnd besucht werden. * Familiendrama. Aus München, 1. Rov., meldet ein Privattelegramm: Ter Arzt Hallmever ist mit durchschnittener Kehle in seiner Wohnung aufge- sunden worden. Er hatte vorher seiner Frau, seinem zehnjährigen Sohn und seiner zwölfjährigen Tochter ebenfalls den Hals durchschnitten. Das Motiv der Tat ist Unglück« liche Spekulation. * Groß feuer in Hamburg. In einer Kork- steinfabrik im Hamburger Industrieviertel brach in einem großen Laderaum Feuer aus, das sich über die Hauptgebäude und die angrenzenden Nebengebäude ausbreitete. Schließlich bildete die Fläche von 80 Metern Breite und 30 Metern Tiefe ein einziges Feuermeer, das erst nach mehrstündiger Arbeit der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt wurde. * Juwele ndieb stahl. Aus K ü st r i n wird gemeldet: Bei dem Juwelier Koch haben in der Nacht Diebe ein- gebrochen und Wertsachen im Betrage von 10 000 Mark gestohlen. Ten Wachhund haben sie vergiftet. *Der be st oh lene Polizeipräsident. Dem ehemaligen Polizeipräsidenten voll Paris und jetzigen Abgeordneten Lepine wurde in einem Abteil des Amsterdam-Pariser Schnellzuges eine Briestafche gestohlen, die angeblich Werte von etwa 16000 Mark enthielt. vüchertisch. — Schillers Gespräche und andere Zeugnisse aus feinem Umgang. Volkstümliche Auswahl von Flodoatd Frhrn. von Biedermann. In Leinen 3 Mk. Ein Buch, reckt für das deutsche Volk geeignet, das ja immer wieder in guten und erst recht in bösen Stunden zu feinem Schiller uirüdlcbren wird. Ein würdiges (Gegenstück zu Eckermaniis Goetheges^räckfen: Uott höchst merkwürdiger Selbstbekenntnisse und Uneile Schillers unb mit einer erstaunlichen Fülle von Zeugnissen Großer und Kleiner, Alter und Junger aus) den Kinder - und Lehrjahren bis zu den Meisicriahren. All der wohlgeordnete Reichtum gibt jedem genußvolle C-falegenHeit, in das Verständnis des großen Dichters tiefer einzudringen, den edlen Menschen in seiner Eigenart würdigen zu lernen und einem großen Kreise interessanter Menschen nahe zu treten. Die Ausgabe ist wirttich volkstümlich: preiswürdäg-rn jeher Beziehung, nicht nur dem Inhalte nach. Meteorologifche veobachtungen der Station Giehcn. Wetter 12 9 10.5 11,1 Okt Nov. IW:; 2. 2" 2. v" 3. 7- 750,2 749,6 747,9 töchste Temperatur am Niedrigste . , Niederschlag: 0,1 mm. 69 WSW 2 10 Bed. Himmel 8ß SW 2 8 Bew. Himmel 91 8 2 10 Sprühregen 1. bi « 2. Nover über — 4- 13,5* 0. L . 3. ■ + 9,6* C. 6 J. U- H; 10 Al-Avr Oberes .ic.wni'y1 nuMabim würdig v au veiM j>ofmobel fS»'- «I '4 Zinn»' bebör au •'tr.b- - Pcricvui per iosor norm-. •. Vicbi nro« ' sofort zu «07! Aei vt irr' r-Zim. S Zu twi Srtu’ii all. 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Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift „Angebot auf Ausführung von Arbeiten bei der Adolfshütte" bis zmn Eröffnungstermine amL.No- uember 1913, vormittags ll*/2 Uhr bei der Bauabteilung Dillenburg einzureichen. ID3 Zuschlagsfrist 4 Wochen. Dillenburg, den 31 Okt. 1913. Kgl. Eisenb.-Bau-Abteilung. Gemmecker, Pfandmeifter. - Krautfässer firautftänber, Fleisch- und Waschbiitten, neue und gebrauchte, empfiehlt Käserei pH. Lommerkorn, vleichstr. 12. E4 Zimmer möiiv 1-Z. Woln,.. II. St., gegenüber d. Botan. Garten, m.KabinettiBadezim.l vreis- ivürdig per bald oder später zu veimieten. Tb. Briick, •Vofujöbcliabr., Brandvl. 5366[ Glanbrechtstrahc 5 I -> Znnmcrwobnung mit Zubehör zu vermieten. Näh. Nord-'Anlage 31 I. I 3 Zimmei" BX” 3=ßini.=!ffio[jiiunq sofort zu vermieten. 108696 Alicestrake 80» 087s7i 'Jleu herger.3-Zim.W» l" nei. Stciustraüe 70 I. Student erteilt Schülern höherer LehranftaltenUuter- ridit u. Nachhilfe. Schriftliche Angebote mit. 08694 a. d. 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Äls er Hauern und Ärd schlugen, als er her unteren Äaf heil, mit dem Wa lühm den (Segne :ejt mit 377 Äi durchs Siel, greift it baten [affen toin M für alles, Mas irin \n der neue itfhft't aber mit ei (t-Kt die Beschicht, Md am meisten ' rr^etibroie antittei Mitti muß setzt bm Päpstlichen, Welche voliti beton hat schon leben, der dem 6 Parlaments bei( M> Italien die über Erwarten । irrten unddc b-r es seine Mack a--:-iedelmt ljabc »Eser lichten *:r innere fr-ienS laßt nod rerung gibt of Pnt*c zu Di energis, Io p' Der F Mu der Erm £ sanier Acad TL ®ror,en Ope Fier tielfeiligcr fc, ^'(lnismä ^auilcbens cir "°lbnen Tage Ebr- aber Pari b5..Wci r ,’'W in L, SS rrfl E-.^^iPlcr 6 ?? war, der der $ F ^rdn-5 cm< Irr -S, -taaksn e* int - -.17 ionber ' 4atkaut - 3'"olto u Teil dlte’Jön -’S- Q