Nr. 52 Ter Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich KietzenerZamilienblätter, zweimal wöchentl.Ureir- blatl fiirden Ureis Eiehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse Hit Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnililiiiier vts vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 165. Jahrgang Montag, 3. März 1915 SietzenerAnzeiger Beznasvrel •; monatlich 75 Ls., viertel- jährlich Bit. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel-' jährt. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., ausivärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuille- ton", „Verniischtes" und „Genchtssaal": R. Neurath; für .Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. General-Anzeiger für Gberhessen ttofaftonsörutf und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinbruderei H. Lange. Redattkon, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße lös. Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten. Die Deckung. der zahllosen, sich offiziös gebärdenden „Ent- yüllungen" über dre kommende Militärvorlage wird es mit Befriedigung begrüßt werden, daß der Reichskanzler fetzt in der „Nordd. Mlg. Ztg." einiges, zwar nicht über den Inhalt, aber doch über das Drum und Dran der geforderten Rüstungsverstärkungen mitgeteilt hat. Ans der Kundgebung des amtlichen Blattes geht zunächst hervor, daß die Wehrvorlage durch die Erfahrungen bei den Vorgängen auf dem Balkan veranlaßt wurde, denn es wird mitgeteilt, daß der Entschluß zur erneuten Verstärkung unserer Wehrkraft alsbald nach dem Umschwung der Verhältnisse im Südosten Europas gefaßt worden ist. Aber aus dem Hinweis, daß die zu treffenden militärischen Maßnahmen frühestens am 1. Oktober 1913 durchgeführt werden können, erhellt zugleich, daß sie nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit den gegenwärtigen internationalen Wirren, wenn auch mit der allgemeinen, man muß wohl sagen chronischen internationalen Krisis stehen. In der amtlichen Auslassung wird die Regierung gegen den Vorwurf einer' Verzögerung der Wehrvorlage mit der Begründung verwahrt, daß die Entscheidung des Kais e rs im Januar gefallen fei, und wenn cs g lnrge, die Vorlage um die Mitte dieses Monats an den Bundesrat zu bringen, so sei das eine anzuerkennende Leistung. Wenn nun weiter der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß der Reichstag die Vorlage noch vor Pfingsten unter Dach und Fach bringen werde, so muß doch gesagt werden, daß hier von der Volksvertretung ein schnelleres Arbeiten verlangt wird als vom Bundesrat. Wenn die Vorlage an diesen erst Mitte März gelangen soll, so würde sie dem Reichstag erst nach den Osterefrien zugestellt werden können, so daß also nur die Zeit zwischen Ost-nm und Pfingsten für die Durchberatung des Gesetzentwurfes neben den anderen Aufgaben, die der Reichstag dann noch zu erledigen hat, bliebe. Nun ist bekanntlich ebenfalls in der „Nordd. Allgem. Ztg." erklärt worden, daß H eer e s v o r l a g e und Deckungsvorlage dem Reichstage gleichzeitig zugehen sollen. Daß mit der Heeresvorlage zugleich die Deckungsvorlagc zwischen Ostern und Pfingsten erledigt wird, kann natürlich als ausgeschlossen gelten, und es könnte hier nur eine grundsätzliche Einigung zwischen Regierung und Parteien über den Modus der Deckung in Frage kommen. Die Erledigung der Deckungsvorlage müßte dann entweder, wie das schon angeregt worden ist, in einer Sommertagung des Reichstags erfolgen, oder aber, wenn diese an dem Urlaubs- und Erholungsbedürfnis der Volksvertreter scheitern sollte, bis zum Herbst vertagt werden, was den schweren Mißstand mit ftch brächte, daß am 1. Oktober ganz außerordentlich hohe Mehrkosten den Voranschlag belasten würden, für die es an einer gesetzlich festgelegten Deckung fehlt. Wie groß diese Kosten sein werden, darüber erfährt man auch in der amtlichen Auslassung nichts, doch stimmen die meisten Angaben darüber überein, daß die dauernden Mehrkosten sich auf rund 200 Millionen M k., nach einer anderen Version auf 220 Millionen M k., belaufen, während für die einmaligen Ausgaben die Angaben zwischen einer halben und einer ganzen Milliarde mit einer starken Gravitation nach der letzteren schwanken. Auf Einladung des Reichskanzlers hat am Samstag eine Besprechung der stimmführenden Mitglieder des Bundesrats über die Deckungsfrage slattgesun- den, und wenn auch Beschlüsse bei dieser vorbereitenden Konferenz nicht gefaßt wurden, so gilt es doch, da die großen Bundesstaaten bereits ihr Einverständnis damit bekundet haben, als sicher, daß die einmaligen Ausgaben auf dem Wege einer Art Kriegs st euer, das heißt durch eine einmalige Abgabe vom Vermögen gedeckt werden sollen. ' Voraussichtlich wird die Negierung sich dafür entscheiden, die Vermögen unter 20 000 Mk. von der Steuer frei zu lassen und, wie es heißt, haben sich die deutschen Bundesfürstcn bereit erklärt, in diesem besonderen Falle auf ihr Privileg der Steuerfreiheit zu verzichten. Wird doch ein angeblich aus dem Munde des Kaisers gefallenes Wort kolportiert: „1813 war ein Opferjahr: lassen wir es 1913 für jedermann auch sein, denn die Zeiten sind heute kaum weniger ernst als vor hundert Jahren." Was nun die Höhe dieser Kriegssteuer betrifft, so kommt in Betracht, daß das steuerpflichtige Vermögen in Preußen nach der Veranlagung für das lausende Jahr 104 056987 221 Mark beträgt, die 50509 580 Mark an Steuern erbrachten. Rechnet man dementsprechend, daß das steuerpflichtige Vermögen für das ganze Reich — es werden sich hier große Schwierigkeiten ergeben, da es in etlichen Einzelstaaten bisher noch keine Vermögenssteuer gibt — rund 160 Milliarden Mark beträgt, so würde diese einmalige Steuer auf das Vermögen rund ein halbes Prozent betragen müssen. Als selbstverständlich müßte es, wenn der Reichstag dieser Form der Deckung zustimmt, angesehen werden, daß dadurch nicht etwa das Besitz st euer Problem als abgetan gelten kamt, sondern es darf kein Zweifel darüber oestehen. daß auch für die laufenden Mehrausgaben nur eine Belastung der starken Schultern, nur eine Steuer auf den Besitz in Frage kommt. Dieses Besitzsteuerproblem wird aber durch die Heranziehung des Vermögens zu den einwaligen Kosten nicht etwa eine Vereinfachung, sondern vielmehr, wie das aus der Hand liegt, noch eine weitere Verwickelung erfahren. Ter Wortlaut der amtlichen Mitteilung. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In der Öffentlichkeit und in der Presse zerbricht man sich die Köpfe darüber, warum die Regierung mit der Einbring- ungderHeere^vorlagezögert. Bon einem Zoaern kann aber gar nicht die Rede sein, die Vorlage ist eben noch nicht so wait, daß sie bereits eingebracht werden konnte. Auch von einem Verpassen der Gelegenheit darf man nicht sprechen, denn der Entschluß, unsere Wehrkraft erneut zu verstärken, ist, wie an dieser Stelle bereits Mitte Dezenkber angedeutet wurde, alsbald nach dem Umschwung der Verhältnisse im Südosten Europas gefaßt worden. Wie das zu geschehen habe, bedurfte der gründlichen Erwägung und zwar um so mehr, als es für uns nicht auf einen Bluff oes Auslandes ankommt, sondern nach dem Ernst der Lage es sich mir um einen wohl überlegten großzügigen Ausbau unserer Wehrmacht unter Ausnutzung des gesamten 'bisher brach liegenden Teiles unseres wehrkräftigen Volkes handeln konnte. Eine Uebereilung wäre, wenn irgendwo, gerade hier schädlich gewesen. Die für die Durchführung dieser, wie aller Maßnahmen auf dem Gebiete des Heerwesens grundlegende Entscheidung des Kaisers fiel im Januar. Seit diesem Zeitpunkt sind die beteiligten Stellen der Reichsvegierung mit dem Uebcr- trag der gefaßten Entschlüsse in die nun einmal notwendige ! Etats- und Gesetzesform mit fr er Anspannung! aller Kräfte beschäftigt, und wenn es gelingt, die Vorlage um die Mitte des Monats an den Bundesrat zu. bringen, so ist das eine anzuerkennende Leistung, die allerdings nur derjenige einzuschätzen in der Lage ist, der sie selbst einmal zu leisten gehabt hat. Wenn dann fr er Reichstag d i e V o r l g g e no ch vor P fing st en unter Dach bringt, so ist auch keine Zeit verloren, denn die geforderten Heeresverstärkungen können sämtlich frühestens am 1. Oktober 1913 durch geführt werden. Nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist ein anderer! Zeitpunkt a l s d e r H e r b st für die Durchführung größerer Organisationsänderungen nicht möglich, ohne eine bedenkliche Erschütterung des Gesamtorganismus des Heeres und ohne eine Schädigung frer sorgfältigen Ausbildung der bestehenden Truppenteile. Um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, ist es allerdings erforderlich, daß die Heeresverwaltung spätestens um Pfingsten die Vorlage zum Gesetz erhoben sieht. Wenn aber befurchtet wird, daß die eines großen Heeresvorlage günstige Stimmung im Volk und Parlament abflauen könnte, so schätzen wir beide höher ein. Nicht augenblickliche Stimmungen, sondern ti e f e i n- gewurzelte Ueberzeugung von der Notwendigkeit, unsere Rüstung nachhaltig zu verstärken, wenn wir in frer Welt uns fernerhin durchsetzen wollen, haben nun in aller Kürze der kommenden Vorlage den Boden im deutschen Volke bereitet, wie es seit langem bei keiner Heeresvorlage frer Fall war. Daher ist fric Ungeduld und Erwartung des Volkes erklärlich. Diese wird nicht enttäuscht werden. Auch die Deckung s frage wird überall lebhaft erörtert. Wie wir erfahren, besteht bei frer Reichsleitung die Absicht, die wegen ihrer Höhe ganz besonders .ins Gewicht fallenden einmaligen Kosten der Heeresvorlage durch eine einmalige Abgabe vom Vermögen zu decken. In dieser Angelegenheit ftndet heute nachmittag auf Einladung des Reichskanzlers eine Besprechung der stimmführenden Mitglieder des Bundesrats statt. Die „B. Z." teilt nach einer Korrespondenz mit, daß die Absicht bestehe, die einmaligen Kosten der neuen Heeresvorlage durch eine einmalige prozenMale Vermögensabgabe an das Reich zu decken, wobei die Vermögen von 20000 bis 30 000 M t freibleiben sollen. Daneben und neben frer Reichs oer - mögenssteucr in der einen oder anderen Form, auf der hie Regierung zu bestehen scheine, istdieBescitigungderSreuer- freiheit der Fürsten in Aussicht genommen. (Notiz des Wolffschen Telegraphenbureaus: Zuverlästige Meldungen von amtlicher Seite liegen noch nicht vor; es sind aber anscheinend demnächst zu erwarten.) Blatterstimmen. Berlin, 3. März. Zu der Ankündigung einer einmaligen Abgabe vom Vermögen zwecks Deckung frer einmaligen Kosten der mstten Heeresvorlage schreibt die „V o s s i s ch e Zeitung^: Eine Milliarde soll einmal vom Vermögen genommen werden. D. h. man nimmt die eine Milliarde einmal und dazu alljährlich die Zinsen, die sic abwersen, also 40 ober 50 Millionen Mark. Man nimmt die Einkommen und schmälert die Quellen des Einkommens. Tie einmalige Neichsvennögensabgabe ist so ziemlich eine Banke- rotterklärung der Finanzvcrwaltung. Das „Berliner Tageblatt" hält den Vorschlag für eine gerechte unb gewissermaßen anständige Lösung des Problems, und sieht im Prinzip keinen Grund zur Ablehnung, falls der Reichstag die angeforderte Summe, die wie es heißt, jetzt nicht eine Milliarde, sondern 700 Millionen Mark Gsefzener Stadttheater. Madame Bonivard. Gießen, den 3. März. Es gibt ieinc, gescheite Menschen auf der Welt, die trotz all ihrer Klugheit das große Geheimnis des Gcldverdicnens nicht lernen, und es gibt hinwiederum Menschen ohne jede Kenntnisse, unter deren regem Geschäftssinn sich alles zu barer Münze wandelt. Das sind Anlagen, und ohne eine solche Veranlagung kann man nicht einmal ein regelrechter Spitzbube werden. Frau Bonivard, die ehemalige Tänzerin, hat solche Anlagen und ohne irgendwie bedeutend zu sein, cs sei denn in der beharrlichen Verfolgung ihrer Ziele, versteht sic es, sich und ihrer Tochter rasch ein beträchtliches Vermögen zu erwerben. Indem diese gute Dame die verschiedenen Männer ihrer Diane bis zur Handgreiflichkeit reizt, veranlaßt sie die Scheidung und zieht dann mit den vorher vertraglich zugesicherten 100 000 Mark „Unterhaltungsgebühren" vergnügt ihrer Wege. Wesentlich heiterer und in ihren Folgen von drastischster Komik wird diese schlau eingefä Delte Spitzbubengeschichte dadurch noch, daß die liebe Diane durch ihre zweite, vorübergehende Heirat die Schwiegermutter ihres ersten Mannes wird. Mit dieser ulkigen Wirrnis, die von dein stark besetzten Haus außerordentlich beifällig aufgenonrmen wurde, feierte Fräulein Lore Scholz ihren Abschied von der hiesigen Bühne, die sie vor vier Jahren zuerst als Soubrette betreten hat, um bann mit Glück den Schritt zu den Müttern zu tun. Als Frau Bonivard zeigte die beliebte Künstlerin wieder all ihre mutwillige Laune, all ihre erfrischende Munterte' , die sie hier so häufig liegretd) ms Tressen geführt hat Die zahllosen Hervorrufe und die vielen zarten Angebinde bewiesen, welche Shmpathicn die Gießener Theaterbesucher für die liebenswürdige Künstlerin hegen. Ein besonderes Interesse geuxmn der Abend durch tierrn C Rott eck vom Deutschen Theater in Hamburg, der als Henn Duval aus Anstellung spielte. Hoch und schlank gewachsen, sicherer Gang und gute Haltung sind die autzeren Merkmale, die sofort für den Gast einnahmen. Ein gewandtes, sicheres Spiel, das in feinen Abst'-üingen den erfahrenen Künstler erwies, cmc schone, flugc Art des Vortrages, der von einer wohltönenden etimuic angenehm gestützt wird, sind die inneren Vorzüge des Gastes der trotz einer kleinen, kaum merklichen Eigentümlichkeit gut und klar zu reden versteht. Es ist daher wohl anzunehmen daß wir Herrn Rott eck im nächsten Jahre als den „Unwiderstehlichen unserer Bühne seheii werden. Auch in den übrigen Rollen war das Stück, das Herr Goll leitete, gut besetzt Fräulein Ra p po spielte die Diane frisch und neckisch Herr Grosser als Cham- pcaur war ein tadelloser Kavalier betveglich und gemesiem .\)crr V o I ck gab in der Gestalt des Onkels Corbillon einen prachtvollen alten Seebären. Als Bourganeus zeigte sich Herr Norden wieder von seiner besten Seite und in Fräulein de Bruyn sahen wir sein allerliebstes, kleines Töchterchen. Etwas auffällig war es, daß die Zofe unmittelbar in den Zuschauerraum sprach, was heutzutage unnatürlich wirkt. N. * Siehener Uonzertverein. 9. Konzert. Gießen, 2. März 1913. Das Programm des heutigen Kanimermusik-Abends war einer Reihe von österreichischen Komponisten gewidmet, deren bedeutendster (Brahms) allerdings nur durch äußere Beziehungen mit Wien verknüpft ist: innerlich ist er der Mann des Nordens geblieben, dem das leichtere Naturell des Oestcrreichers zeitlebens versagt war. Ter solistischc Teil des Abends stand nickst ganz aus der sonst gewohnten Höhe; Die Sopranistin Frau M. Lahner-Rebner verfügt zwar über ein nicht unsympa- patisches, indes wenig ausgiebiges und ausgeglichenes Stimm- material; es bedarf iwch gründlicher Weiterbildung, besonders, wenn Kompositionen gewählt werden, die eine so hohe Stufe technischer und geistiger Sicherheit beanspruchen, wie die Lieder von Mahler und Zemlinsky. Es läge wohl im Interesse der Künstlerin, wenn sie vorerst einfachere und dankbarere Lieder bevorzugen würde, worin sic sich gewiß erfolgreicher betätigen könnte: so gelang ihr auch heute am besten das flotte „Frisch vom Herd" in der gefälligen, leicksteingänglichen Vertonung von A. Dvorak. Voll ben Mahierschen Liedern gefiel uns am besten ber „Frühlingsmorgen" unb ber Schluß von „Liebst du um Schönheit". Um bie Begleitung machte sich Herr Pros. Trautmann verdient. Das Trautniann-Trio, mit den Herren Redner und Heg ar in der Partie der Streichinstrumeiite, erfreute wieder mit seinem ausgezeichneten künstlerischen Zusammenspiel. Das bie Ein- leitungsnummer bilbenbe B-molLJrio von Volksmann ist zwar nicht gerabe bebeutenb ober hochoriginell, bietet aber eine Reihe ansprechenber Momente, besonders in den lyriscks-weichen Partien: in bet Thenrabilbung stark klassizistisch beeinflußt, zeigt bas Werk im übrigen ein mehr rhapsodisch lockeres Gefüge. Als interessante „Neuheit" hörten wir eine Sonate für Violine unb Klavier bes alten Salzburgischcn Kapellmeisters Biber, bie recht dankbar ist unb in ber Tat verbicnte, der Vergessenheit entrissen zu werben. Den Abschluß und zweifellos auch ben künstlerischen Höhepunkt bes Abends bildete das bk-ckur-Trio dou Brahms (in seiner ursprünglichen Fassung). Schon in diesem frühen Werk zeigt Brahms, trotz gelegentlicher Eklektizismen, seine starke, männliche Eigenart und bomben auch stellenweise eine Gefühlswärme, bie später bei ihm nicht so häufig zu finden ist. Das schwierige und umfangreiche Werk lag unserem wackeren Künstler-Trio offensichtlich ganz besonders am Herzen und wurde mit so viel Sc^vung und, Hingabe zu Gehör gebracht, daß die Hörerschaft zu lebhaften Beifallskundgebungen hingerissen wurde. — Die Ferienzeit machte sich leider durch einige Lücken im Saal bemerklich. Die Beleuchtungsverhältnisse, besonders am Ausgang des Universitätsgebäudes, bedürfen ber Verbesserung. P. * Gberhessijcher Nunstverein. Es ist eine Freube, zu erfahren, welche Anerkennung bie schöne Ausstellung moberner Baukunst finbet, bie bas Hagener Museum für Kunst unb Gewerbe zusammengestellt hat. Der kluge Aufsatz des Begrünbers jenes Museums, des so zielbewußten und selbstlosen Bahnbreckiers moderner Kunst E r n st O st h a u s, in diese, Zeitung, mag das seine dazu beigetragen haben. Wer sich vcr- traut gemacht hat mit den Lösungen moderner Bauaufgaben, wie sic uns hier von Messel, der doch ivohl zum Vergleich nicht fehlen durfte, Olbrich, unferem Darmstädter leiser so früh dahingegangenen Meister, von Endell, Behrens, Muthesius unb vielen anderen vorgeführt werben, bem wird auch das Verständnis für ernsthafte Arbeit bei unseren einheimischen Architekten geschärft werden. Die Baukunst ist noch immer die Mutter aller Künste und der Stand der künstlerischen Kultur eines Volkes hängt wcseMlich von seiner Baukunst ab. — Der Anklang, den diese Ausstellung gefunden hat, auch darum, weil sie eine wohltuende Abwechslung in die Reihe der Gemäldeausstellungen brachte, veranlaßt uns, bald — im Juni — wieder eine ähnliche Ausstellung zu veranstalten, die moderne Raumkunst zeigen soll. Die Shinft von Barnas-Friedbcrg gewitmt durch ihre Bescheidenheit. Das durchaus künstlerische Betnühen des Malers um die Licht-, Luft- und Farbenstimmung unserer Gegend, die Vermeidung grober Effekte, sollte eigentlich jedem sympathisch fein. Man hat das Gefühl, daß dteser Künstler ehrlich an seinem Talent arbeitet und sich entwickelt. Eine Seltenheit in deutschen Sammlungen sind die feinen Radierungen moderner Italiener aus bem Besitze des Geheimrats A. Schmidt. Die Technik an sich gilt ja als besonders nordisch und so ist es vor allem für den kunstgeschi chtlich Interessierten sehr anregend, zu studieren, wie diese Südländer, Galeazzo, Botazzi, Grimaldi, die Landschaft ihrer Heimat, dic Campagna, das Ufer des Arno, die Küste des tyrrhenischen Meeres u. a. malerisch auf zu fassen fudxn, die wir von den deutschen unb anderen Romfahrern heroisch-plastisch dar- gestellt zu sehen gewöhnt sind. Ein besonders feines Stück ist die „camcriera" von «Enrico Lionuc, der den Reiz des französisch gebildeten Linienstickfes mit italicnifdjem Temperament durchdringt. Es ist ein großer Verlust für das Gießener Kunstleben, daß die Privatsammlung, der diese feinen Blätter entstammen, aus unserer Stadt verschwindet, Tie Ausstellung von Klingers Grifsellunst trägt, verringert soweit es irgend geht, falls ferner die Vermögen unter 50 000 Mk. freiLloiben und dem Besitz noch etwas größerer Vernrögen tunlichste '5r[ ich^rungen gewährt würden. Tann ntulic die liberale Linie cnrid teben die Aushebung der Ltcucrfrechcil der Landcsfürsten verlangen, auch mühten die einmaligen und die dauernden Forderungen gleichtzeittg geprüft werden und cs müßte gleichzeitig für ihre Deckung gesorgt werden. Die „Deutsche Tageszeitung" will sich,grundsätzlich das Ovser tüi das Vaterland nickt versagen, nur muß das mobile Kapital in stärlerer Weise herangezogen roerben. Tie freikomer vativc „Post" will den von der Negierung eingeschlagenen Weg für diesen besonderen Fall als annehmbar und gangbar gdten lassen, will aber nicht verschweigen, daß einer derartigen Abgabe vom Vermögen in anderen Fällen, oder auch nur ganz allge mein, grundsätzliche schwere Bedenken gegenüberstchrn. Der Wille zum ßriedeu. Aus Konstantinopel werden bedeutungsvolle Nachrichten übermittelt. Eine Meldung über Rom stellte fest, daß die Pforte der Friedensvermittlung durch die Grvß- mächte sich bedingungslos fügen wolle. Tas wird nun -war in einer späteren Notiz aus Konstantinopel derncn- tiert, aber den leitenden Fungtürken hat vielleicht nur die Form der Mitteilung nicht gepaßt. In Wirklichkeit steht das dringende Friedensbedürfnis der Türkei fest, die ja auch schon mit der Zurückbeförderung von Truppen aus dem Gefechtsgelände begonnen hat. Auch unsere amtlid)e „Nordd. Allg. Ztg." erklärt, daß „voraussichtlich" die Türkei die Vermittlung der Großmächte angerufen hat. Konnte sie sich nicht etwas bestimmter ausdrückcn? So kommt es also nur auf die geschickte Form des gemeinsamen Vorgehens an, das dem Stolz der jungtürkischen Regenten etnws entgegenkonnnen muß, um in wenigem Tagen den Frieden zu verwirklichen. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Rom, 1. März. Die „Agenzia Stefani" meldet aus London: Die vttomanische Regierung teilte der englischen Regierung mit, sie gevc sich bezüglich des Friedensschlusses vollkommen in die Hände der Mächte. Auf sder Pforte wird die Londoner Meldung der Agencia Stefani, daß die Pforte England geantwortet habe, sie vertraue sich wegen des Friedensschlusses vollständig den Großmächten an, dementiert. Die Meldungen, daß in Petersburg mit offiziellen Vertretern der Türkei Friedens- besprechungeu stattfinden, werden gleichfalls dementiert. Trotzdem geht das Gerücht, daß ein ottomanischer Diplomat demnächst nach Petersburg reifen werde, oder bereits dort weile. Das nach Gallipoli entsandte 10. Armeekorps scheint vollständig oder zum größten Teil zurücktransportiert worden ui sein. Zehn Bosporusdampfer haben Truppen in San Stefano ausgeschifft, andere Truppen wurden hier gelandet. Die Regierung beabsichtigt die Offiziere, denen Schuld an den Niederlagen bei Kir kkiliss e und Lüle B ur-- g a s beigemessen wird, vor ein K r i e g s g e r i ch t zu stellen. Es heißt, auch der Kommandeur der Ostarmee Abdullah Pascha würde sich zu verantworten haben. Der heutige Ministerrat wird sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die „Norddeutsche Mgem. Zeitung" schreibt: Für die Klärung der Orrentlage ist nunmehr voraussichtlich ein entscheidender Schritt erfolgt. Die Türkei hat sich erfreulicherweise bereit erklärt, die Vermittlung der Großmächte zwecks Friedensschlusses anzunehmen. Im Besitz dieser Mitteilung wenden sich die Mächte ungesäumt an die Regie rungen des Balkanbundes, um sestzustellen, ob diese ebenso wie die Pforte, die Vermittelung Europas anpehmen wollen. Man wird mit Rücksicht auf den überall geltend gemachten Wunsch nach Wiederherstellung des Friünms erwarten können, daß auch die Balkanregierungen sich den Großmächten anvcrtraucn. Gelingt es, europäische Friedensverhcrndlungen endgültig in Fluß zu bringen, darf man sich von dieser gemeinsamen Arbeit der Diplomatie auch eine günstige Rückwirkung auf die Lösung der von den Großnüichten bisher noch nicht erledigten, ihre eigenen Interessen berührenden Fragen versprechen. Konstantinopel, 1. März. Der russische Bot schafter hatte heute nachmittag auf der Pforte eine Unterredung mit dem Minister des Auswärtigen. Man mißt dieser Zusammenkunft, der auch der Großwesir beiwohnte, große Bedeutung bei. Adrianopel Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Konstantinopel: Die Regierung erhielt heute ein wichtiges chiffriertes Fun kentelegrnmm von S ch ü k r i-P a s ch a, das betreffs der Widerstandsfähigkeit Adrianopels genaue An gaben enthält. Danach soll Adrianopel noch für eine verhältnismäßig lange Frist ausreichend Proviant und Munition haben und oer für nahe bevorstehend angekündigte Fall «der Festung nicht M erwarten sein. Gegenwärtig weilen in Adrianopel 42 Reichsdeutsche, 73 österreicksische Staatsangehörige, einige deutsche und etwa 400 österreichische Schutzbefohlene, die noch alle wohlauf sind. wird noch in aller Gedächtnis sein. Wie gern hätten wir z. B. noch die schönen Blätter der deutschen Kl ein meister aus dieser Sammlung vorgefillxrt. Der Obcrl>cssische Zkunstverein aber darf Herrn OKHcinirat Schmidt zum Abschied noch einmal für die Güte danken, nut der er und seine Mappen öffnete und es so ermöglichte, das Ausstellungsgut, das von außen kam, wirksam zu bereichern. * Ehr. Rauch. — Der Ausbau des Go e the-N a tio n al- M u scumö soll, wie aus Weimar geschrieben wird, von der Großh. Staatsrcgierung, auf Anregung und Begründung durch den Direktor, Geheimrat von Dettingen, in Angriff genommen werden. Es werden dem versammelten Landtage 114 000 Mark als Forderung vorgelegt, zur baldigen Errichtung eines feuersicheren Sam mlu ugöbaueS. Dieses Gebäude soll errichtet werden zwischen dem Hanptbau, dem alten Goethe-Haus am Frauenvlan und den anschließenden Häusern an der rechten Seite der alten Scisengassc. Damit soll die Einrichtung einer Zentralheizung und elektrischer Beleuchtungsanlage verbunden werden. Die Zustände in den Bauten des Cfoctbc Hauses sind nicht mehr derart, daß die volle Sicherheit der unersetzlichen Sammlungen unbedingt gewährleistet werden kann. Auch widerspricht die bisherige Auibewahrunqöwcise den ausdrücklichen W ü n scheu Goethes. In seinem Testament hat der Dichter genaue Be stimmungen über seinen Nachlaß an Naturalien und Kunstwerken getroffen. Da beißt es „Meine Rachlassenschast ist so mannig faltig, so bedeutsam, nickt bloR für meine Nachkommen, sondern auch für das ganze geistige Weimar, ja für das ganze Deutsch land, daß ick nicht Vorsicht und Umsicht genug anwenden kann um zu verhüten, daß großes Unbeil augeriebtet werde Meine Sammlungen jeder Art sind der genannten Fürsorge wert. Nicht leicht wird jemals so vieles und so vielerlei an Besitztum inter essantester ?lrt bei einem einzigen Individuum zusammenkommen Ich habe nicht nach Laune ober Willkür, sondern jedesmal mit Plan und Absicht zu meiner eigenen iolgmchti ich Bildung gesammelt und an jedem Stück Meines Besitzes <-twa-- gelernt. In diesem Sinne möchte ick diese meine Sammlungen konserviert sehen." Die Vorlage wurde von der ä1 ilm <■;b n In. ,ur äußersten Linken mit Zustimmung begrubt, und fcic Ausführung dieser Ehrenpflicht gegenüber Goethe scheint gesichert. Türkisches Elend. Saloniki, 1. März. Ueber 300 Familien türkischer Offiziere trafen heute aus Monastir und Ues- üb hier ein. Sie befinden sich in größtem Elend und wurden teils in Herbergen untergebracht, teils nach Kon-- 'tantinopel eingeschisft. Silistria. Sofia, 1. März. Anläßlich der 35. Wiederkehr des Tages der Befreiung Silistrias richtete der Bürgermeister im Namen der Einwohnerschaft an den König und an den Kaiser von Rußland, den russischen Minister des Aeußern Sasanow und an den Staatssekretär Grey Depeschen, in denen sie um Unter stützunb gegen )ie Einverleibung Silistrias in Rumänren ge- reten werden. Bulgarische Uebergrifsc? Die „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Konstantinopel: Bulgarische Feldbatterien beschossen einen englischen, einen französischen unb einen italienischen nahe bei Eharköj nach Konstantinopel vorbeifahrenden Dampfer. Der italienische Dampfer wurde schwer beschädigt und mußte bei Eharköj vor Anker gehen. Die beiden anderen Dampfer trafen leicht beschädigt in Kon- tantinopel ein. _____________________ Eine irrtümliche Mobilisierung in England. Die Engländer brauchen über den Hereinfall der Straft* rurger Ctarnifon auf eine angebliche Mobilisierungsordre res Kaisers nicht mehr zu lachen: ihnen ist jetzt ein ähnlicher Fall passiert, wie folgende Meldung beweist: P o n t y p o o l (England), 1. März. Der hiesigen Polizei ist, vermutlich auf Veranlassung der Frauenrechtlerinnen, eine scheinbar am flicke Verfügung zu- gegangen, die Territorials zu mobilisieren. Die Polizei hat den Befehl durch Anschläge zur allgemeinen Kenntnis bringen lassen und hatte sich bereits mit einer Reihe von Territorials und Reservisten in Verbindung gesetzt, bevor der Streich entdeckt wurde. Die Polizei erklärt, daß es sich bei der gestrigen Mobili- tcrung der Territorials nicht um einen Streich der Frauenrechtlerinnen handle. Die Mobilisierungsbefehle waren irrtümlich durch die Post verbreitet worden, da sie durch Unachtsamkeit mitten unter andere militärische Papiere geraten waren, die mit der Post versandt wurden. Aus Stafct und fand« Gießen, 3. März 1913. Die Beerdigung Professor BiermerS. Eine solche Beteiligung, wie sie am Samstag nachmittag ne Beerdigung 4>es Geh. Hofcats Professor Dr. jur. et ph 1. Magnus Biermer sah, hatte unser neuer Friedhof woh noch nicht oft anfzuweisen- In der stimmungsvoll aus- zeschmückten Friebhofslapellc hatten die Chargierten der ludentischen Korporationen unserer Landesuniversität mit ihren umflorten Bannern Aufstellung genommen. Auch der Artillerieverein hatte seine Fahnendeputation entsandt. Tie tiefempfundene Leichenrede hielt Pfarrer Bechtols- heimer. Nach einigen allgemeinen religiösen Betracht tungen kennzeichnete er das glückliche Fainilienlcben des Entschlafenen und schllderte dann seine öffentliche Wirk- amkeit und seine schriIstellerische Tätigkeit. Am Grabe widmete zunächst der Rektor Prof. v. E ck dem entschlafenen Kol- egen einen herzlichen Nachruf. Hierauf sprach im Namen )ct philosophischen Fakultät Prof. Tr. Sch Wally. Für die juristische Fakultät sprach Geh. Iüstizrat Pros. Dr. Leist. Weitere Ansprachen hielten unter Niederlegung von Kränzen ein Vertreter des staatswissenschaftlichen Seminars, Geheimerat Provinzialdirektor Tr. U sing er für den Prp- vinzialausschuß und den Provinzialtag, Cberbürgermciftcr Mecum für die Stadt Gießen, Stadtv. Fabrikant Eichenauer für die Loge Ludwig zur Treue, indem er dem verstorbenen Bruder die üblichen drei Rosen auf seinem letzten Weg mitgab, ein Vertreter der Studentenschaft Schuhmachermeister Bernhardt für den Artillerieverein und ein Vertreter der Bayern-Vereinigung. Kränze hatten gesandt das hffs'sche Ministerium der Finanzen, das durch Ministerialrat Tr. Weber vertreten war, die Landes-Universität, die philosophische Fakultät, die juristische Fakultät, her Lehrkörper der Landesuniversität, das staatswissenschaftliche Institut, der Ausschuß der Studierenden, der Provinzialausschuß der Provinz Ober- Hessen, die Stadt Gießen, die Bezirkssparkasse Gießen, die Loge Ludwig zur Treue, das Kloster, der Akademische Dürerbund, die Verbindung Hasso-Rhenania, die Burjchen- schast Arminia, die studentische Reformverbindung Adel- phia, der Verein bcutjdjcr Studenten, die christliche Verbindung Wingolf, die Burschenschaft Germania, die Burschenschaft Frantonia, die Verbindung Chattia, die Landsmannschaft Darmstadtia, das Korps Teutonia, das Korps Stackenburgia, der Verband wissensckaftlicher Vereine, die Burschenschaft Alemannia, daS Korps Hassia, der mittelrheinische Fabrikanten verein, der Artillerieverein und die Bayernvereinigung. ** Beerdigung ScduchardS. Am Freitag nachmittag fand unter zahlreicher Beteiligung die Beerdigung des Herrn G^. Schuchard statt. Bei der Feier hielt Psarrer Becktholdsheimer die Gedächtnisrede. Er schilderte die Vorzüge des Verstorbenen, der nicht allein ein guter Christ, sondern auch in seinem Berufe ein tüchtiger Mann gewesen sei. In ihm betrauerten wir einen Menschen, der es so recht verstanden habe, durch seinen Charakter und seine Herzensgute sich die Sympathien aller derer zu erobern, die ihn gekannt haben. Ein großer Wohltäter sei nun abberufen worden, der so manches Elend unb manche Not gelindert habe. Aber auch in sozialer Beziehung fei er tätig gewesen, unzählig seien seine Verdienste, die er sich hier erworben hat. Nunmehr wurde der Sarg von sechs Angestellten zur letzten Ruhestätte getragen. Am Grade selbst wurden zahlreiche Kränze mit Ansprachen niedergelegt und dann schloß sich das Grab. ** AbschiebSfcier für Geheimrat Schmidt. Zu Ehren des Geh. ^ustizrates Professor Dr. Schmidt, her demnächst nach )einem neuen Wirkungskreise Tübingen übersiedelt, veranstalteten die Alterskvllegen des Jahrgangs 1861—1911 am Samstag abend im Hotel Köhler eine Ab s chieds feier. Die Beteiligung war sehr stark. Nachdem der Vorsitzende, Bureauvorstcher M ö b u s, die Altersgenossen aufs herzlichste begrüßt hatte, feierte Reallchrer Salomon den Ähcidenden als treuen Wächter von Staat und Gtemeinbe. In bewegten Worten dankte Geheimrat Schmidt Er wies auf die schönen Stunden bin, die er im Kreise der Altersgenossen verlebt habe unb gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm noch vergönnt sein werde, den größeren festlichen Veranstaltungen der Vereinigung beiroohnen zu können. Die Herren Pro' K o v d . B i e r a u unb Möbus trugen durch humoristische Vorträge sehr zur Hebung der Stimmung bei. • • Militärpersonalien. Ter Großherzog hat den Oberleutnant a. D. Reinh. Lotheißen zum Hauptniann ä la suite der Infanterie ernannt. - Anleihe. Zu der Notiz in der letzten SamStagS- nummer, noch der daS Picußenkonsortiilm $O000 0<>0 Mk. 4pcoz. Deutsche Neichßanlcihe unb 100 000 <>00 Mk. 4vroz. Preui.ifche kons. Staatsanleihe sowie 400 000 000 Mk. 4proz. Preußische Schatzanweckunaen übernommen hat, ist nachzu- tiagen, daß auch bie Bank für Handel und Jn- du'strie (Darinstädter Bank) sowie alle anderen Bankgeschäfte Zeichnungen auf diese Anleihen unb Umtauschanmeldungen auf die Schatz- anrocifungen entgegennehmen. - Vom Predigerseminar. Der Gr?ßHerzog hat den 2. Professor am coang. Predigerseminar zu Friedberg D. Dr. Jak. Schoell zum Direktor und 1. Profeffor ernannt. • • Stadttheater. Da baS dritte Gastspiel der Darinstädter Hofoper sich nur am Freitag, den 14. März, ermöglichen läßt und auch am Karfreitag keine Aufführung flaltrinbcn kann, muß die 20. FreitaaS-Abonne- mcnl-Vorstellung aus SaniStag, 15. März, verlegt werden. — Die Direktion teilt uns mit, daß Herr C. Rottcck anstelle deS Herrn Brüdjarn für die nächste Spielzeit als Bonvivant verpflichtet wurde. • • Feld bergfest. Ter gestern in Frankfurt-Niederrad abgehaltene 74. Fel d berq turntag bestimmte als Tag des Festes den 1. Juni. Als Wettübungen wurden bestimmt: Laufen über 100 Meter, Kugelstoßen (20 Pfund), Frechoch- iprung ohne Brett, Weitsprung und eine Freiübung. Zum Sieg berechtigen 56 Plinkte. Für den Völsungen- Wanderpreis wurde Schleuderbatlweitwerfen, Kugelstoßen, Laufen über 100 Nieter und eine Freiübung alß Wettübungcn bestimmt. ** Der Bezirkstag des HassiabezirkS Gießen sand gestern hier statt Be.strksvorsteher Daab-Lollar begrüßte besonders den als Gast anmcsendcn Berbandsschristfübrer Dr^ Vogt-Butzbach. Tr. Vogt erläuterte bie Frage des „Hessischen Kamerad". Das Bestreben des Präsidiums, das Verbandsorgan allen Mitgliedern der „Hassia" zugänglich, zu machen, wurde allerseits begrüßt. Es mürbe ein Ausschuß gewählt, ber Erkundigungen einziehen und dem nächsten Bezirkstag Vorlage machen soll. Die Beteiligung an dem Iubelscst der 116 er wird einstimmig beschlossen. Der schwere Unfall des Herrn W. Bolp in Oberseibertenrod wurde günstig behandelt. Der Vorsitzende mahnt dringend zur Versicherung beim ^rcheibeiklckießen. Rechtsanwalt Kaufmann kommt auf die französische Fremdenlegion zu sprechen. Mit dem itächsten Bezirkstag wird voraussichtlich ein ausklärender Vortrag darüber verbunden. ** Einbruch. In der Nacht auf, Samstag wurde in ein Lumvcnlager an der Krofdorser Straße ein gebrochen und für etwa 300 Mk ausgelesene weißwollene Lumpen sSkrunwi abfälle) gestohlen. AIS Verkäufer der gestohlenen Ware, der als der Dieb in Betracht kommt, wurde der K?UtbänDlcr aus Rodheim a. d. B. gestern ermittelt. Er war in der kritischen Nacht bemerkt worden, wie er vor einem Hause in der Neustadt mit dem Wagen hielt und Lumpen an eine dort wohnende Auskäuscnn absetzte. Das gestohlene Gut wurde beschlagnahmt und die Käuferin tmrö sich wegen Hehlerei zu verantworten haben. Der Täter mürbe gestern verhaftet, als er gerade seinen Koffer packte. Zur Aufklärung trug wesentlich ein Wächter des Wach und Schließ-Instituts bei, der das Fuhrwerk an dem Tatort bemerkt hatte unb der Polizei Mitteilung machte. * * Schlägerei In der Nacht zum Sonntag kam es in den Neuen Banen zwischen jungen Leuten zu,einer Rauferei, in deren Verlauf ein Student einen Messerstich in den Arm erhielt. . * * Zusammen sto ß In der Bahnhof,traye fließen gtitcrii abend zwei Wagen der elektrischen Straßenbahn infolge eineß Defektes an einem Wagen zusammen. * * Unfall. Am Samstag nachmittag 3 Uhr wurde her sechsjährige Sohn der Frau Hemm .Mühlgasse 2, von einem Auto in ber Balmhofstraße, Ecke Mühlstraßc, überfahren. Das Kind wurde sofort von dem Chanffair zur Klinik gebracht. Den Chaussenr soll keine Schuld treffen, ba das Kinb birekt in das Auto hineingelausen sei. r , ” Preußische Klassen-Lotterie. Tie Lose ber 3. Klasse 22-<. Lotterie müssen unter Vorlegung bc§ VorklastenlofeS b:6 zum 7. März, abends 6 Uhr, einaclöft fein. Auch müssen die Freilose acaeit Rlickgabe der gezogenen Lose bis zu obigem Termin z»,r Einlösung aelangen. •• Die Mnul» und Klalienfeuchc herrscht ,ioch m AngerS doch. Festgeftellt wurde die Seuche in Kranichstein. Landkreis Gießen. = Lang-GonS, 2. üstarz. Ter von hier stammende Vizefeldwebel d. Res. O. Rompf, z. Zt. Oberförster in Baltatesti in Rumänien, wurde zum Leutnant der Reserve deS 2. Bayerischen Jnsanterie-ReyinientS beföcdert. -m. Hungen, 2. Mörz. Gestern feierten hier Flm> schütz Heinr. Jockel V. und Frau daS Fest ihrer goldenen Hochzeit. — Am glichen Tage begingen Hernr. Sch m idt I. und Frau daS Fest ihrer silbernen Hochzeit. — Vergangene Woche sind die auf dem Schlöffe nistenden Störche au§ dein Süden hierher zuruckgekehrt. Universitätr-Nacbrrchten. Mk. Marburg, 2. März. Professor Dr. med. Leonhard Jo res, ordenllickx's Mitglied der Kölner Akademie rür praktische Medizin und Direktor des pathologischen Instituts der städtischen ürrantenanftalten daselbst, hat den Nus an bie hiesige Universität als Nachfolger von Pros. Dr. Martin B. Schmidt angenommen unb wird sein neues Lehramt im Sommersemester übernehmen. vermischtes. Der Hotelbranb in Omaha. Zu dem am Samstag schon kurz gemeldedm Hotelbranb, in Omaha Nebraska wirb noch mitgeteilt, daß von 50 Gästen des Hotels amchcüicnb nur 16 gerettet nxnbet sind Das Feuer verbreitete sich mit cmßerordenllicker Schnelligkeit über das ganze C^cbäubc, so daß die Feuerwehren machtlos waren. Fast alle Personen, die in die Sprungtücher ber Feuerwehr bmab- fprangen, verschlten sie und blieben zerfcknrcttert auf der Straße liegen. Das Feuer ist mabn'drmlid) dueck rate Gasexplosion entstauben unb richtete einen Schaben von etwa 2 40 000 Dollars an. Einige Bewohner des Hotels konnten das Nachbarhaus erreichen, aber viele wurden unter den ein- stürzenden Trümmern begraben. Mehrere Personen sprangen aus bei Fenstern unb Tarnen auf biefc Weise ums Leben » ♦ Automvbilbanbiten bei Berlin. Aus Berlin, 2. Marz, wird gemeldet: Als in ber späten Abendstunde brr Berliner Juwelier Plunz mit seiner Familie von einem Automobilausflug aus der Umgegend von Berlin zurückkehrle, rannte er auf der Elmufsee zwischen M arwitz und Hennigsdorf mit feinem Kraftwagen gegen zwei Dahtseile, btc Verbrecher quer über die Landstraße gespannt harten. Der Iu- ivcftcr unb seine Frau wurden von den Seilen stranguliert und fo» fort getötet, die 19 jährige Tockter lebensgefährlich verictzt. E-n- befreundete Familie des Juweliers und desfen 17 jährige iztcr ic'gtcn in funer Entfernung in einem zweiten Auw- «u6B, dessen Führer iwch rechtzeitig bremsen konnte. Sie fuhren mit den SBennitrl&ften nach .Hennigsdorf, wo das Ehepaar nach der Friedhofshalle gebracht imirbc, während die schwer verletzte Tochter nach Berlin übergeführt rocrben konnte. Die Verfolgung der unbekannten Verbrecher, die durch das zweite Automobil von dem beabsichtigten räuberischen Ueberfall abgehaltcn worden fehl dürften, wurde sofort aufgnwmmen. Tampser bekam ein Leck, das aber verstopft werden konnte. 'Der italienische Botschafter fordert die Entsendung eines Panzerschiffes nach Scharköi. Die Verteilung der türkischen Staatsschuld. Sofia, 3. März. Das Finanzmini st eri um hat ein Expose über die Frage des Anteils der Balkan st aaten an der ottomanischen Staatsschuld ausgearbeitet. Das Verfolgungen eines Lehrers. Paris,' 1. März. Die Liga der Menschenrechte richtete an das Unterrichtsministerium das Ersuchen, den im süd- lichen Frankreich lebenden Volksschullehrer C o u f o u l e d , der von den kirchlichen Behörden verfolgt wird, weil er ein anderes als das vorgeschriebcne Religiousbnch benutzt, vor Gewalttätigkeiten zu schütz em__________ a) für b) für Zu. jeder weiteren schriftlichen sowie mündlichen Auskunft sind wir gerne bereit. lieber Mgopn Vorzüge derKnor r-Suppen-Wurfel **/. Reiche Geschmack. Grosse 3 gute Teller Suppe. Billiger C‘/3 nur 10 Pfg. Neu! Cafe Ebel Neu! Inh.: Kari Ohm. CQ ?idiluiiil68gd«Pil|tnai$5iei giessen Neuen Weg 10 Neuen Weg 10 Sonntags geschlossen! 1336 Der Borstand. D“/, Meldescheines melden v’/s Die 5. ESkadron Häger-Regiments zu Pferde Nr. 3 in Eolmar i. Eli. stellt Anfang Oktober 1913 Dreijährig-Freiwillige ein. Grobe, gutgewachsene Leute können sich unter Beifügung eines Lebenslaufes und unter Verrechnung von 4% Stückzinsen. Beginn Sommerhalbjahres am 3. April in den neu eingerichteten Schulräumen Bleichstr. 6. für für a) b) Für Preussische Schatzanweisungen: Barzeichnungen beträgt der Zeichnungspreis 99% unter Verrechnung von 4% Stückzinsen. 0) M O PU --• cv 3 C 2 ÖQ Ä CD CD Giessen, den 3. März 1913. Johannesstrasse 17 gegenüber der Johanneskirche Individuelle Vorbereitung auf alle Klassen höherer Lehranstalten, besond. Einj ähr.- Abiturienten- Examen. Gute Erfolge! Wiederholt bestanden Schüler mit bedeutendem Zeitgewinn die Prüfungen. Prospekte, Referenz, (des. Gießener) d. Direktor Brackemann, Bismarckstr. 6a Nährstoffe werden vom Körper viel besser ausgenützt als feste Speisen. Auswahl: Es gibt 45 Sorten Knorr - Suppen passend für jeden Ausgiebigkeit: I Würfel reicht für Preis: I Würfel (3 Teller) Mr Bedarf bat V-/- Der Vorstand. Lntsettungz-Uur i von verblüffendem Erfolg, angenehm und unschädlich durch Avoth. Wagners Entfettungs-Tee. In Dosen ä Mk. 3.—. Will,. Schrader, Biktoria-Drog., Marktstr. 5. 5 PädagojiDin Neuenheim-Heidelberg. °(8. KL); Einj.-Freiw. Moderne Einrichtungen. Förderung körpcrl. Schwacher. Anstaltsarzt Spiel. Sport. Wanderungen. Werkstätte. Gartenbau Vorzügl. empfohL Familienheim. Einzelbe- handluns. Aufgaben unt.-r Anleitg. in Arbeitsstunden. Programm u. PrüfnrigsergebniKse. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen für Dienstag, den 4. März 1913: Trüb, AegenfäUe, milde-, südliche Winde. Hervorragende Qualität: Jede Sorte hat den richtigen Eigengeschmack, von hausgemachten Suppen nicht zu unterscheiden. Hoher Nährwert: Die in der Suppe gut aufgelösten 1376 » verzinslich am 1. April und 1. Oktober jedes Jahres, der erste Zinsschein ist am 1. Oktober 1913 fällig unkündbar bis 0. April 1925 M, 400000WO 4% Pretsssäsc^e Schatzaitweisiingen davon M. 200 000 000 fällig am B. Mai E9B7, M. 200 000 000 fällig am I. Augrast 1067 verzinslich am 1. April und 1. Oktober jedes Jahres, der erste Zinsschein ist am 1. Oktober 1913 fällig. Wir nehmen von heute ab bis einschließlich Freitag, den 7. März d. J. mittags 1 Uhr Zeichnungen entgegen. Der Zeichnungspreis beträgt: lür Deutsche Reichsanleihe and Preussische Consols: diejenigen Stücke die unter Sperrung bis 15. Januar 1914 in das Reichs- oder Staatsschuldbuch eiuzutragen sind, 98)40 Mark für je 100 Mark Nennwert; Htaler Heu Direkt: Hermann Steingoetter Dienstag, 4. März 1913, abends 8 Ubr: 19.DienStag-Abonw°Vorstell. Gewöhnliche Preise! Die versunkene Glocke Ein deutsches Märchen drama in 5 Sitten von Gerhart vmuvtmann. Ende 1071 Uhr. a’/s £ Anfang wochentags 7’/2 Uhr. Programm 20 Pfg. Illltglleder gegen Vorzeigen der Einladungskarten frei. Von flichimltglledern wird ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben, Schüler zahlen die Hälfte. l >”/, ■v Fanfaren-Märsche. Umtanschanmeldungen stellt sich der Bezugspreis ebenfalls auf 99%. Die zum Umtausch bereiten Besitzer geben ihre am 1. April 1913 fälligen Schatzanweisungen bis spätestens zum Zeichnungstage (7. März) zu pari in Zahlung und erhalten bei Aushändigung der neuen Stücke eine Barvergügtung von einer Mark für je 100 Mark Nennwert. a3/s Giessener Lesehalle-Verein. Mittwoch, den 12. März 1913, abeudS 8'/« Uhr Ortete vßckr-l«teq im Schütz. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht über das abgelauiene Vereinsjahr, Zeichnung auf 1.50000000 4X Deutsche Reichsanleihe 1.100000000 47»Preuss. cousolidierteStaatsanleihe alle übrigen Stücke 9 396O Mark für je 100 Mark Nennwert. Die Eintragung in die Schuldbücher erfolgt gebührenfrei. Der amtliche Schriftwechsel in Schuldbuchangelegenheiten erfolgt als portopflichtige Dienstsache. m uir..> t., Hui achetidtedtu $0- liHßcr Stahlwaren bestelle sofort in eigenem Interesse unteren ßanptka- taioa über lausende firlihel aller Hrl, den wir gratis und franko versenden. Gebr. Bell, Grälrath137 b. Soling ---■ Tabrik-Uenaidbani. ■--- Ortsgruppe Gietzen. Mittwoch, den 5. März ds. IS., abcndS 9'/- Ubr im Vereinsbeim „Hotel - Stobcl": - Monats-Yersaimnlung mit besonders wichtiger Tagesordnung. Allseitiges Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Letzte Nachrichten. Der Kaiser bei Helgoland. Dekgoland, 3. März. Die Kaiscrschiffc trafen gestern nachmittag hier ein und warfen hinter der Düne Anker. Das Wetter ist unfteundlich. Die Kaiserin in Gmunden. Ginunden, 2. März. Nach der Familientafcl begaben sich die Herrschaften in die für die Soiree bestimmten Räume, wo sich die Gäste bereits versammelt hatten. Während der Tee gereicht wurde, und ein Wiener Quartett in einem Ncbcn- saal verschiedene Musikstücke zum Vortrag brachte, hielten die Fürstlichkeiten Cercle. Gegen 11 Uhr gab die Kaiserin das Zeichen ginn Aufbruch, worauf sich die Herrschaften. in ihre Gemächer zurückzogen. Ein italienischer und ein französischer Dampfer beschossen. Konstantinopel, 3. März. Am Samstag wurde der italienische Dampfer Monta-Raissent, sowie ein ftanzösischer Dampfer, dessen Name unbekannt ist, von den bulgarischen Batterien bei Scharköi beschossen. Ter• italienische Dampfer wurde erheblich beschädigt und mutzte auflaufcn. Der französische Expose, das den der Botschafterrqunion unterbreiteten Plan der lieb ernannte eines Teils der gesamten ottomanischen Staatsschuld durch die verbündeten Balkanstaaten einer Prüfung unterzieht, führt aus: Wenn die siegreichen Verbündeten einen Teil der Verbindlichkeiten der Türkei auf sich nehmen, so geschieht dies, um die Rechte und Interessen Dritter nicht zu verletzen. Dies zugegeben, muß eine Unterscheidung gewacht werden, ntcht nur zwischen der konsolidierten und der schwebenden Schuld, sondern auch zwischen den fünf Kategorien der konsolidierten Schuld, denn die schwebende Schuld steht in keinerlei Beziehung zu diesem oder jenem Teile des ottomanischen Staatsgebiets oder seiner Einkünfte. Die Berechnung des zu übernehmenden Teiles der Schuld und die Haftung hierfür muß auf der Grundlage der nach dem Beispiele des Artikels 10 des Vertrages von Ouchy zugestandenen Eitr- künste erfolgen. Bulgarien seinerseits wird, nachdem es wirkliche Garantien für die Zahlung einer Kriegsentschädigung erhalten hat, dieselben Garantien 8en durch die Dette Publigue vertretenen Gläubigern der Türkei einräumen können. Die Kokainsucht in Paris. Paris, 3. März. Die Polizei bekämpft seit einiger Zeit hier energisch die immer nrehr um sich greifende Kokainsucht. Im Quartier latin, wurden gestern abend ein Student der Medizin, zwei Studenten der Pharmazie, eine Grisette nnb ein Kellner verhaftet, die seit Monaten Kokain verkauft hatten, namentlich an Studenten und Damen der .Halbwelt. ' Spitzen - Reste Stickerei-Reste sehr billig. V A.Salomon&Cie. MU Für Erholungsbedürftige und leichtere W Kranke. ,wstn%"besucht. i M EsÖl # WMÄ « i» Kuranstalt Hofhelm i. T. Bä wjj BnZ n ET " G K i/i Stunde v. Frankfurt a. M. Prospekte 1 nl M u Mäte Ä.Ä. durch Or. Schulze-Kahleya«, Nervenarzt. Reiche Auswahl in Gesanglicher« GcsdtcnHartiHelii and fite ratar zar Konfirmation Bom 1—9. März täglich im unteren Saal Konzert des »Trompeter-Corps „Rhenania"| 's 10 Personen. — 10 Personen. ® DeutscherFrauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien Landesverband Hessen Abteilung Metzen. Wir machen unsere Mitglieder auf den Vortrag des Herrn Oberstleutnant a. D. Richelmann- Berlm aufmerkmm, der am 6. März, abends 81/« Uhr, in der neuen Universitätsaula über „Wie ich Ost- afrita zur Witzmann-Zeit u. 20 Jahre später gesunden habe" sprechen wird. a3 3________________________Der Vorstand. Deutsche Kolonlalgesellschaft flbt. Giessen. Frauenbund der Deutschen Kolonial" gesellschaft, flbt. Giessen. Vortrag mit Lichtbildern Donnerstag, 6. März, abends 8V4 Uhr in der neuen Hula der Universität: ßerr Oberstleutnant z. D. Richelmann „Wie ichOstafrikazurWissmannzeit u. 20 Uahre später gefunden habe“ Mitteldeutsche Credithank „'ZT?"..« Filiale Griessen. Kasse Nr. 2089 Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen 61«! Helene Kessler Gustav Königsthal Giessen (Neuenweg 33). Carlshafen März 1913. „Henneherg-Seide“siy= "' Blusen u. Roben. Franko und schon verzollt ins Haus geliefert. Reiche Muster- auSwahl umgehend. D’/n G. Henn berp, Hosl. I.M. d. deutschen Kaiserin, Zü ich. Entstellungen heute nur kurz * -je zur restlosen Aufklärung des Publikums nötigen Tatsachen. In einer mit „Reichardt der Feinste" und „Reichardt der Reinste" betitelten Anzeige vom April führten wir aus« datz sich in Reklamen anderer Fabrikanten übertriebene Behauptungen hinsichtlich der Kornfemheit ihrer Kakaos mehren, seitdem die Erkenntnis ins Publikum gedrungen ist, datz trinkbare Nahrung mit dem Grade ihrer Verfeinerung an Appetitlichkeit und Verdaulichkeit gewinnt. Wir wiesen darauf hin, datz unsere Kakaos eine nur mit kleinsten Sonnenstäubchen vergleichbare Feinheit besitzen und datz nach Feststellungen von Fachgelehrten bis zu 20,000,000,00® Teilchen in einem Gramm Rcichar-t-Kakao, also bis 100 Milliarden in einer Tasse Getränk vorhanden sind. Diese äutzerste Feinheit lasse sich nur durch das uns patentierte Luftdruckverfahren erzielen. Eine auch nur annähernd gleiche Kornfeinheit sei bei anderen Marken nicht nachzuweisen. - Weiter führten wir aus, datz die unerlätzliche Vorbedingung für die ideale Kornfeinheit der Reichardtkakaos in der Auswahl der Bohnen nach Grundsätzen, die über den Rahmen der sonst im Kakaohandel üblichen Qualitätsprüfung hiausgehen und in ihrer ungemein sorgfältigen Behandlung und Reinigung bestände. Ferner, datz wir bei der Säuberung des Materials auch schon um der Appetitlichkeit willen die Vorschriften befolgen, die auf internationalen Kongressen leider immer noch erst als erstrebenswertes Ziel ins Auge gefaxt sind, datz wir demnach nicht nur dieSchalen, sondern auch die denGenutzwert und dieReinheit beeinträchtigendenSamenhäutchen undKeime entfernen. Dadurch werde der ungenietzbare Bodensatz im Kakaogetränk völlig beseitigt. An diesen Tatsachen konnte Niemand rütteln! Was den 30 Gegnern unter den zirka 200 andern Fabriken in der Industrie nicht gefiel, datz waren einige Worte, durch die wir entsprechend unseren Reinheitsbegrifsen lediglich alle Interessenten für die Herbeiführung der idealsten Reinheit bei allen Kakaofabrikaten gewinnen wollten. Eine Kammer für Handelssachen, sowie ein Berufungsgericht entschieden in einem einstweiligen und dann ordentlichen Prozetzgange - ohne jede Beweiserhebung -, datz die gewählte Wortstellung einen Hinweis aus Grundsätze der übrigen Industrie enthalte, den wir aus Achtung vor dem Richterspruche nicht wiederholen. Es handelt sich also nur um die Auslegung einer Redewendung in einem Prozetzgang. - Diesen Worterfolg bauschen die Gegner zu einer „fünfmaligen" Verurteilung „von deutschen Gerichten" auf. . Bereits im Jahre 1905 hatten wir uns der heftigsten Angriffe unserer Konkurrenz zu erwehren, als mir für die Starkentfettung der Kakaos kämpften, um deren Trinkfähigkeit und Bekömmlichkeit zu erhöhen. Auch damals waren die Gegner gegen eine solche Umwälzung -, heute ist jeder von ihnen ftoh, wenn er stark entfetten kann, und der Konsum hat sich in sechs Jahren verdoppelt. Ebenso wirken wir seit Fahren aus die möglichste Reinheit aller in der Kakaoindustrie hergestellten Fabrikate hin. Das geschieht im Int,reffe von 60,000,000 Konsumenten, denn nur ein absolut reiner Kakao ist schmackhaft und leicht bekömmlich. Auch jetzt dankt uns ein Teil der Industrie zunächst wieder mit Angriffen, obschon hier ebenso wie bei der früher bekämpften „Starkentfettung" eine allgemeine Konsumvermehrung die Folge sein mutz, die die Gegner ebenso anstreben mützten. Und nun der Eid! Unser Prozetzvertreter hat wiederholt dazu aufgesordert, der Vorsitzende hat an den Anwalt der Gegner eine entsprechende Anfrage gerichtet, dieser zunächst Einwendungen erhoben und erst auf nochmaliges Befragen soll er eine Erklärung von der Entscheidung des Gerichts abhängig gemacht haben. Gelegenheit zur Annahme des Eides war also vorhanden. Durch ihre neuerlichen Darstellungen wollen die Gegner offenbar den Eindruck erwecken, sie seien sämtlich bereit, den Eid, datz alle ihre Kakaofabrikate auch von Keimen und Samenhäutchen gereinigt wurden, zu leisten. Wir haben nichts dagegen, - erinnern aber die Gegner zum mindesten an den Inhalt der Analysen, die Bekämpfung der Genfer Beschlüsse und die Kalkulation der Preiskonvention mit nur 20 Prozent Gewichtseinbutze durch Rösten und Reinigen. Selbst unsere verbesserten Maschinen liefern aber im Durchschnitt nur 75 Prozent völlig reines Fabrikat. Wir beschränken uns auf diese objektive Darstellung, ohne die verunglimpfende Form der Gegner der Beachtung zu würdigen. Die Entwickelung von Mark und Kraft im Körper zu fördern, mutz der oberste Grundsatz bei der Herstellung jedes Nahrungsmittels sein. Deshalb werden uns keine Angriffe der Gegner davon abhalten, weiterhin ausklärend zu wirken, damit diese Erkenntnis Gemeingut aller Kreise der Bevölkerung wird. Deshalb auch fahren wir fort, unser ganzes Wirken auf die Veredelung des so köstlichen Naturproduktes zu richten, damit die Reichardt-Fabrikate wie bisher so auch in Zukunft durch die Anerkennung des Publikums als Edelfabrikate ausgezeichnet werden. Kakao-Compagnie Theodor Reichardt in Gießen: Fran Lnrnra Scllbeint, Bisnrarek strafe 58 Hardt der Feinste, der Bertel Ohne neue Veranlassung haben die Reichardtgegner den vor Fahresftist begonnenen, aber seit sechs Monaten ruhenden Streit um Worte vor breitester Oeffentlichkeit wieder ausgenommen. Einen Zweck hätte der neue Dorstotz nur, falls die Gegner die Absicht verfolgen, Kakaokunden von den Läden ihrer Händler fernzuhalten. Dieses Beginnen mutz doch notgedrungen zu immer weiteren Offenbarungen führen. So unklug kann kaum einer der Gegner sein, zu glauben wir Netzen verletzende Unterstellungen unwiderlegt. Immerhin wiederholen wir zur Abwendung weiterer Nachreden und