Jel Die heutige Nummer umfahr 12 Seiten. Ztm. Durch Ztm. Durch Ztm. Duch Ztm. Duri 30 Ztm. Durchmeß unL it holz 5 ■:# — Columbus — ein Korse. Napoleon hat Christoph Columbus als seinen größten Landsmann in ^ürspruch genommen, auf "Die Tradition vertrauend, die in Korsika herrschte, obwohl damals alle Welt Genna als den Geburtsort des Entdeckers Amerikas ansah. Napoleons Annahme wird nun in ihrer Wahrschein lichkeit durch eine große Anzahl von neuen Gründen gestützt, Cho Henri Schoen in einem1 umfassenden Aussah des Mereure de France zuscrmmenträgt. Tie Korsen haben, wie Paoli und Napoleon, immer mit Begeisterung die Ueberliefeinng aufrecht er- halten, daß Columbus in Calvi auf Korsika das Licht der Welt erblickt habe. Vor einigen Jahren wurde nun eine lateinisckze Elegie aufgefnnden, die der große Literaturhistoriker Gaston Paris für ein authentisches Werk vorn Anfang des 16. 'Jahrhunderts erklärte, und die keinen Zweifel darüber läßt, daß auch schon zu Zeiten des Entdeckers die korsische Herkunft ansgesprockzen wurde. Wenn man zudem die Angaben genau prüft, die der Sohn von Columbus hinterlassen hat, so sieht man, daß Christoph weder in Genua noch in einer benachbarten Oertlichkrit geboren worden sein kann. Ton Fernand berichtet, daß sein Baker, ans einer wenig bekannten Familie stammend, der Sohn eines Webers, „aus dem Meere und nicht aus den Palästen",gekommen sei: zwei andere Mitglieder der Familie hätten einen großen Ruhm als Seehekden erworben: er selbst sei bereits mit 14 Jahren zu Schiff gegangen, habe dann in Pavia studiert, um' die Werke der Weltbeschreibung lesen zu können, und sei vom König Rene nach Tunis geschickt worden. Nun hat der Abate Peretti in Calvi Tokumente entdeckt, die erweisen, daß zwei Männer mamens Colmnbus Fregattenkapitäne waren, und daß die Straße, die heute den Namen des Entdeckers trägt, weil die Bewohner von Calvi 'hier das Haus seiner Geburt annehmen, früher die Faden- au' 6,1 Kl„ 26 Ztm. Durchaus Kl, unter 25 Ztm. Duch 50 Ztm. Durihmch'. der heutigen bulgarischen Mstenlinie erhalten. Darüber müßte Bulgarien mit sich reden lassen, denn die rumänische Regierung steht einer zum Teil stürmisch drängeirden Volksvertretung gegenüber. Tie gestrigen Anfragen in der rumänischen Kammer wurden zwar in aller Ruhe erledigt und die Regierung erhielt ein Vertrauensvotum, allein dies würde sich ändern, wenn Bulgarien seine bisher anscheinend entgegenkommende Haltung ändern sollte. Rumänien verlungt auch noch allerhand völkische Garantien für die von Bulgarien zu erwerbenden Gebiete. Wenn alle diese Schwierigkeiten endgültig überwunden sein wer- deir, wird der Friede auch mit der Türkei bald hergestellt sei. Tie Pforte irrt sich daher, wenn sie glaubt, aus Verzögerungen diplomatischen Gewinn zu ziehen. Wir erhalten folgende Meldungen: Der Text der Note derBalkanverbündeten lautet: An Ihre Exzellenzen, die Herren Bevollmächtigten Delegierten der Hohen Pforte auf der Friedenskonferenz! Da die Bevollmächtigten der verbündeten Staaten seit der Suspension der Arbeiten der Friedenskonferenz vergeblich während dreier Wochen eine Antwort der ottomanischen Bevollmächtigten auf ihre letzte Forderung erwarteten, und da, wie es scheint, die Ereignisse in Konstant!- nopel die Hoffnung beseitigen, zu einem Friedensschluß zu gelangen, sehen sie sich zu ihrem großen Bedauern, gezwungen, zu erklären, daß die am 16. Dezember 1912 zu London angeknüpften Verhandlungen am 26. Januar 1913 abgebrochen wurden. Tie Urkunde trägt die Unterschriften aller Delogierten der Balkanstaaten, als erste diejenige Dr. Danews. Die Kündigung des Waffenstillstandes Sofia, 29. Jan. Laut Beschluß des Ministcrrats ist das Armeehauptquartier angewiesen worden, den Waffen st ill st and mit dem morgigen Tage z u kündige n. Ein Armeebefehl dcö Generals Sawow. Sofia, 29. Jan. General Sawow richtete einen Tagesbefehl an die Armee folgenden Inhalts: Aus dem Gange der Friedensverhandlungen geht klar hervor, daß der Feind nicht einen Zoll breit Landes abtreten will, das von unseren siegreichen Armeen erobert worden ist. Sollen die Helden von Kirk Kilisse, Bunar Hissar, Luele Burgas und Tschataldscha diese Beleidigung der ruhmreichen bulgarischen Armee, hinnehmen, ohne sie zu vergelten ? Bereitet Euch deshalb für neue Siege vor! Mit Euerem unwiderstehlichem Vorwärtsstürmen beweiset dem Feinde und der ganzen Welt, daß das bulgarische Vaterland mehr Rücksicht verdient. Verwirrungen im türkischen Lager. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Tas Kabinett Mahmud Schefket Pascha befindet sich in einer üblen Lago, d a i n d e r A r m e e a l l g e m e i n e Unzufriedenheit herrscht, weil die angeblich zufällige Erschießung Nazim Paschas als abstchtlich angesehen wird. Wie im vorigen Jahre ist das Heer von neuem in zwei feindliche Lager für und gegen das Komitee geteilt. Hier erzählt man, nicht nur in den Befestigungen der Dardanellen, im Bosporus bei Bulair und St. Stefano, sondern auch in den Linien bei Tschataldscha und in der Kriegsschule bei Pankaldi sei es zu Zusammenstößen zwischen den beiden Parteien gekommen. In Hademkoei sollen sie seit Sonnabend andauern. Angeblich kommen hier täglich Verwundete dorther. Vorgestern 72, davon 32 Offiziere, gestern 123, davon 21 Offiziere. Die Zahl der Toten sei unbekannt. D e r M i li t ä r b u n d, d er d em Komitee feindlich gesinnt ist, hält Versamm- Fstm. SL, v. ° ,M-NZt«-Dch^ ^KM-Dchm.' ausschuß des Deutschen Luftfahrerverbandes zu gemeinsamer vaterländischer Arbeit verbündet ist, eine Verdeutschungskarte herausgegeben, die samt einem Flugblatt mit Erläuterungen von der Gesck)äftsstelle des Allgemeinen Toutschen Sprachvereins, Berlin W. 30, Motzstraße 78, unentgeltlich bezogen werden kann. Tie Geschäftsstelle vermittelt auf Wunsch, gleichfalls kostenlos. Sonder abzüge der 4>om Sprachausschuß des Liiftfahrerverbandes neuerdings ausgestellten „Einheitlichen Fachausdrücke im Flugwesen", das Ergebnis mühevoller kaufmännischer und sprachlicher Erwägungen, das auch die flugtechnischen Einzelheiten berücksichtigt. Deutsche Luftfahrt. Die mynv Deutschen Lus tfahr verbände ein geführten Fachaus- drücke für Luftfal^rt l-aben sich im Deutschen Reich und den übrigen Ländern deutscher Zunge, besonders auch in Oesterreich, über Erwarten rasch eingebürgert, ein Beweis dafür, wie dringend nicht bloß von den nächstbeteiligten weisen, von Fachschriftstellern von Reichs- und Landesbehörden bei Gesetzen und Verordnungen über den Luftverkehr, sondern auch von der deutschen Presse das Bedürfnis nach Einheitlichkeit diefer Fachausdrucke empfunden worden mar. Bei der Volkstümlichkeit aber, deren sich Luftschisfahrt und Flugwesen in Deutschland erfreuen, ift zu wünschen, daß jene Ausdrücke, wenigstens die allgemeuieren^uMer ihnen, immer mehr Eigentum des ganzen Boltes werdew xarum sei erneut auf sie hingewiesen. Ter Oberbegriff'für jede Bewegung in der Luft ist Luftfahrt. Tiefe zerfällt in zwei große Gebie e: 1 ' Tie Luftschiffahrt mit gasgetragenen Fahrzeugen, leichter als Luft, also mit Freiballonen und mit Lustichiften, die man auch Kraft- oder Lenlballone nennt. Na^ ihrer Bauari sind die Luftschiffe teils Starlschiffe ohne Lnftfack, teils Pia lschipe mit Lustsack. Die Prallschisse sind entweder ol)/ne Hullenver- steisung, unstarr, oder mit Hüllmversteisuiig, Halbs arr. 2. Tas Flugwesen oder der Flug (Nicht Aviatik!) mit Fahr zeugen ohne Gassüllung, schwerer als Luft, also mit H-lugzeugen (nicht Aeroplanen!). , L . . o , ,, Der Flieger .nicht Aviatiker!) beginnt jeine Laufbahn als Fluggast oder Mitflieger (nicht Passagier!), wird dann Flugschüler oder Führeranwärter (nicht Aspirant!), wenn er sich als Führer ausbilden läßt, erwirbt durch Ablegen einer, Prüfung das Zeug nis (nicht Diplom' oder Patent!) als Flugsuhrer (nicht Pilot!), und wenn er eine zweite Prüfung mit »erhöhten Ansprüchen bestanden hat, als Flugmeister (nicht Chefpilot!), Die vorläufig bewährten Flugzeuge sind Eindecker (nicht .cono plane!) und Zwei- oder Doppeldecker. Dm Eindecker. werden so genannt, weil sie nur ein Tragdeck oder ^eck (nicht L,ragflache.) haben, an dem man wieder eine obere und eine untere Flache, einen rechten und einen linken Flügel unterscheidet: Doppeldecker haben zwei Decke. Bewegt werden sie durch Triebwerke und Luftschrauben (nicht Propeller-!), deren Geschwindigkeit von der ' Zahl ihrer Pferdestärken oder PS (nicht Horsepower od. HP!) abhangt. Um die Verbreitung der Fachansdrücke zu erleichtern, Hal der Allgemeine Deutsche Sprachverein, der mit dem Sprach- ■ftm. 91., unter 25 Ztm. Dm Fstm. Kl., 40—49 Ztm. Duck Fstni. j?L, 30-39 Ztm. Duck fftm. U, 2ö-29 3mt. J Zstm. , Ktz, 20-24 Zlm. Durchs , Fftm. Kl., unter 20 Ztm. Durch , 5teht der Krieg wieder bevor? Zwischeu der Türkei und Griechenland bestand in der setzten Zeit auch ein Waffenstillstand, wenn er auch nicht vertragsmäßig abgeschlossen war. Die Frage: Steht der Krieg wieder bevor? betrifft aber in der Hauptsache die Lage vor den Toren Konstantinopels. Die Balkanstaaten haben die Londoner Verhandlungen abgebrochen: London, 29. Jan. Heute wurde den türkischen Delegierten eine Note der Balkan delegierten überreicht, in der erklärt wird, die Friedensverhandlungen seien abgebrochen. Das Reuter-Bureau teilt dazu noch mit: Ter serbische Geschäftsträger Gruitsch erschien um drei Uhr nachmittags int Carlton-Hotel, wo er von dem Sekretär der türkischen Mission empfangen und nach den Zimmern R e s ch i d Paschas geführt wurde. Gruitsch überreichte hierauf formell di,e Note der Verbündeten. Sodann verließ er das Hotel wieder und bsgub sich sogleich in das Auswärtige Amt, um Staatssekretär Grey eine Abschrift der Note zu übermitteln. Damit ist der Waffenstillstand aber noch nicht gekündigt. Man sucht in London Zeit zu gewinnen — in der Hoffnung, daß Adrianopel endlich fällt — und rasselt wieder ein bißchen mit dem Säbel. General Sawow, der bulgarische Oberkommandierende, feuert in einem Tagesbefehl an seine Truppen die bulgarische Kampfesbegier und Siegeszuversicht an, und von Sofia läßt man verlauten, daß die Kündigung des Waffenstillstandes unmittelbar bevorstehe. Tas scheint festzustehen: lange kann dieser Zustand des Stillstandes und der Spannung nicht mehr dauern. Tie Mächte müssen, ehe sie wieder zur Einigung „raten" können, die türkische Antwort in Händen haben, deren Llbsendung in Konstantinopel auch wieder verzögert wird. Gründe für ein solches längeres Zaudern haben die Türken eigentlich nicht, es sei denn, daß die letzte Meldung der „Köln. Ztg." richtig ist und int eigenen Heere zwei feindliche Lager gegenüberstehen, die vor dem Ausbruch einer etwaigen Schlacht zuerst beschwichtigt werden müssen. Es ist das alte Elend der Parteizerr'issenheit, an der das osmanische Reich auch in diesen schweren Entscheidungstagen wieder krankt. So ist es denn kein Wunder, daß die Wiener Politik sich schon auf neue türkische Niederlagen einzurichten scheint und ihre friedlichen Beziehungen zu den Balkanmächten anzubahnen versucht. Ob man den Stand der rumänisch-bulgarischen Verhandlungen heute noch als einen rettenden Faktor für die Türkei ansehen kann, ist höchst zweifelhaft geworden. Es scheint, als ob man in Bukarest darauf dränge, daß Bulgarien, bevor die neuen Schläge geführt werden, die rumänische Rechnung begleicht. Rumänien nutzt die Lage gegenwärtig freilich nicht im Interesse der Bethmännischen europäischen Einigkeit, nach Kräften für sich aus und spielt zum Aerger der bulgarischen öffentlichen Meinung mit dem Gewicht seiner Kriegsstärke. Was Rumänien übrigens nach einem im beiderseiligen Einverständnis über bt£ bisherigen Verhandlungen hergestellten Protokoll von Bulgarien verlangt, entspricht ungefähr der Hälfte des Gebietszuwachses, bett Bulgarien nach den von den Türken vorgeschlagenen Friedensoedingungen erhalten würde. Rumänien würde ein gutes Stück des unteren Laufes der Donau, von Siliftria bis Turtukai, in seinen alleinigen Besitz bringen. Zwischen diesen beiden Städten war bisher die Donau die Grenzlinie. Ferner würde, wenn nach dem rumänischen Vorschlag die künftigen Grenzlinien in gerader Richtung von Turtukai bis Baltschik am schwarzen Meere gezogen würde, Rumänien etwa den dritten Teil M^*”**» 10 H ’itaÄ"® '913. tun ltre^t9 MttV« her 3. 9L7S. littet anuar 1913. dOCob’ ’twtet 64el8b,ti —-------- schchvclkauf. '9tn, der Gcnieindk Nieder Ä:* k“ 91., 50-59 Ztm. Durch Äl„ 40-49 Ztm. Durch |tm. ■ 4. Kl., 30-33 Ztm. Durch flm. j 5. Kl., 25—28 Ztm. Durch ihn 6. Kl., 18-21 ihn. SL, 40-41 ; itm. KL, 30—37 . jhn. 21, 25-29 . l u n gen an verschiedenen Stellen der Stadt ab. Ab u k Pascha, der Kommandeur der Truppen in der Tfchatald- sckhilinie und die dortigen Offiziere waren immer für die Fortsetzung des Krieges, aber sie sind auch die Feinde des Komitees und verlangen den Kopf des Mörders N a s i m Paschas und drohen mit einem Rachezug hierher. Der Großwesir und der Kriegsminister Mahmud Schefket fahren täglich im Automobil von einer Kaserne zur anderen und feuern die Truppen an, besonders die berüchtigten kurdischen Reiter in Skutare, die das besondere Vertrauen der Komiteepartei zu genießen scheinen. Ter Großwesir hat dadurch kein« Zeit, sich um feine allgemeinen Geschäfte zu bekümmern. Man spricht auch von einem Gegensatz zwischen Mahmud Schefket und dem Chef des Generalstabes, Jssed Pascha, der die Stellen des Kriegsministers und Oberbefehlshabers verlange. Die türkischen Finanzen. Konstantinopel, 29. Jan. Die Pforte erhielt von einer Finanz gruppe das Anerbieten für die feste Hebernähme türkischer Schatzbonds im Betrage v o n e i n e r Million türkischer Pfund. Tas Finanzministerium verständigte die Ottomanbank, welche statutengemäß zu gleichen Bedingungen das Vorkaufsrecht besitzt. Der Entwurf der türkischen Antwortnote wurde am Dienstag ins Französische übersetzt: Wie es heißt, erklärt die Pforte in diesem Entwurf, der wahrscheinlich nochmals vom Ministerrat geprüft werden wird, daß sie die von den ottomanischen Bevollmächtigten in der Sitzung vom 3. Januar bereits gemachten Zugeständnisse aunchme, also, was das Wilajet Adrianopel anbetrifft, die Grenzlinie, die der alten Grenze bis zum Flusse Arda folgt, dessen Laufe sic bis zur Einmündung des Socguedlue Tschai folgen wird, um, Guemueldschina östlich liegen lassend, am See Buru Goel zu enden. Ihre Rechte auf die Inseln h a l t e d i e Pforte aufrecht. Der frühere Großwesir Said Pascha ist zum Präßi- denteu des Staatsratcs ernannt worden. Ter Eintritt SaN Paschas wird als beträchtliche Verstärkung der Stellung des Kabinetts betrachtet. Die Kämpfe um Janina. Konstantinopel, 29. Jan. Der Kriegsminister hak ein Telegramm des Kommandanten von Janina erhalten, das besagt, daß die feindliche Armee im Norden von Janina sich seit 20 Tagen untätig in Verteidigungszustand verhalte. Die feindlichen Kolonnen in der Gegend von Aidonat feien zurückgeworfen worden. Westlich von Metsoven hat zwischen türkischen Abteilungen unter bem Kommando des Hauptmanns Bekir und zwei feindlichen Bataillonen ein Kampf stattgefunden. Letztere seien geschlagen worden. Anfragen und Erklärungen in der rumüuifcheu Kammer. B u f a r c ft, 29. Jan. In der Kammer stellte der MgeordnetS G r a b i ft e a n u an den Ministerpräsidenten die Anfrage, o b die Winkelzüge Bulgariens mit den Interessen und der Würde Rumäniens vereinbar seien. Der Redner erklärte, die Vorschläge Bulgariens seien nicht e r n ft e r N a t u r. Er fragte, ob die Regierung mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung nicht durch eine energische Handlung den Willen Rumäniens zur Geltung bringen und dadurch die Erklärung der Thronrede, daß die Stimme Rumäniens Gehör finden werde, verwirklichen wolle. Der Abg. I o r g a, der früher der nationalen Partei angehörte, erklärte, seine Partei enthalte sich ebenso wie im Jahre 1907 jeder Kundgebung, die den Interessen des Landes schaden könnte. Der Redner glaube, die wahre öffentliche Meinung müsse auch eine* wnrdigeRuhe bewahren. Angesichts der Ueberfülle der Wider- Straße hieß, woraus man schließen kann, daß hier die Zunft der Weber ihren Sitz hatte. Also muß auch der Weber Columbus hier gewohnt haben. Nach den Berichten des Sohnes benutzte Columbus für feine Expedition korsische Pferde uird Hunde: er stellte die ersten Häfen und Inseln, die er entdeckte, unter den Schutz von Heiligen, die grade in dem Gebiet von Calvi besonders verehrt wurden; er spricht in seinen Berichten von Fischen, die er „Toninas" nennt, ein in Spanien wie in Italien gleich unbekanntes Wort, das sich nur in Korsika im landläufigen Gebrauch findet. Ueberdies hatten die Bewohner von Calvi sich 1459 unter den Schutz Frankreichs gestellt, es ist also natürlich, daß König Rene Columbus in feine Tienste nahm. Ta-u fn™mt noch, daß Columbus, wenn er in Genua ge oren worden märe, nicht nötig gehabt hätte, in Pavia zu studieren. Alle diese yrmnoe sprechen für die korsische Ucbcriieferung, und wenn sich in Calvi kein bestimmtes Geburtsdokument gefunden hat, so läßt sich dies daraus erklären, daß die Pfarrarchive um 1580 durch Brand zerstört wurden, eine Entschuldigung, die Genua, das ebenfalls leinen bindenden Beweis anführen kann, nicht hat. — Höhlenmalerei im Sudan. In der Wüste Sahel im Sudan, zwischen KaheS und Timbuktu, fjtat der Archäologe Franz de Seltner zahlreiche mit Malereien geschmückte Höhlen entdeckt, die an ähnliche Denkmäler in der Sahara, in Südafrika und sogar an die Höhlenmalereien von Frankreich und Spanien gemahnen. Tie Grotten, die sich hauptsächlich im' oberen Teil des Senegal finden, zeigen Zeichnungen von Menschen und Pferden, daneben sehr rätselhafte Zeichen, alles mit rotem Ocker ausgemalt. Die menschlichen Darstellungen sind in sehr primitiver Form gehalten: die Wiedergabe der Hände erinnert an die der Grotte von Gargas, die ganze ßinienfiftyrung an die Malereien von Niaux und Altamira, lieber Alter und Bedeutung all dieser Darstellungen weiß man nichts; die Eingeborenen Wen sie für sehr alt. — Ter Leiter der deutschen Südpol-Expedition Oberleutnant F i l ch n e r ist mit dem Dampfer „Königin Elena" aus Buenos Aires in Genua eingetroffen. Zugleich nut ihm kam Dr. Koenig an, der mit feiner Expedition das Print-- regent-LuitPold-Land und die Wilhelm-II.-Barriere entdeckte. Dßt beiden Forscher setzten die Reise nach Berlin fort. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wisfen- schäft. In New York hat sich Weingartner nut der Sängerin Lueile Marcel vermählt. hoh -1§t ' 6 ' liefern1 * 1400 " Aöven- ' V« ' (liefern1 - InD - MÜH| i’te io’rttmmt unb W> < 5. auf unlerzttchnrter munqeii eingWen L ->?. Januar IW. M-i n —---- a ->er «eac n werben: Nr. 25 ____ Erstes Blatt 163. Jahrgang Bonnerstag, 30. Januar 1913 Ter Siebener Anzeiger Ä A Veznasvrer »: erfcheml täglich, auuer V FV ▼ monatlich75 Bf.,oiertet- 11 M W V W jyM ® MD? W M Vi E&Jf H dieVoftck'!k.2.-viertel- dlattfürdenNreisOiebcii M M W W MM W W W W W W M M H jährl. ausfchl. Bestellg. (Dienstag und irrettaa); ÖJF M M W W W JRl W W M M. W M Ä H Zeile.ivrelS: lokal 15Pf., nwnai . Land- W W l| Hy kJ w W auswärts 20 Pieuuiq. wirtschaftliche Seitfragen ” S ß» ■■ ” S3 XT W Chefredakteur: A Goetz. Ferujprech - Anschlüsse: IJr AV Verantwortlich für den •für die Redaktion 112, *2”^ politiichen Teil: August BLS General-Anzeiger für Gberhessen WSckL «tnbE"wLn!m«" Hor o l l c k t i v n o t e der Mächte dieselben jede isolierte Aktion unterlassen müßten. Deuticbe» D ie Flei sch Versorgung Berlins. Die Stadt Berlin erhielt auf den Antrag, ihr die Ein führu ugs erlaub nis für frisches Rind- und Schweinefleisch aus Rußland über den 31. März d. I. hinaus bis zum 31. März 1914 zu verlängern, vom Landwirtschaf tsministcr den Bescheid, daß die Einfuhr bis zum 1 Oktober 1913 zugelassen werde, daß dagegen kein ausreichender Anlaß vorliege, die Genehmigung schon jetzt bis 1. April 1914 auszudehnen. Heer und Flotte. Veränderung in hohen Vommanbofteflen der Marine. Berlin, 29. Jan Admiral v. H o l tz e n b o r s f, Ches der Hochseeflotte, ist von seiner Stellung enthoben und Vizeadmiral v. I n g e n o h 1, Chef des zweiten Geschwaders, mit der Führung der Hochseeflotte beauftragt worden, v. Krosigk, zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee, ist zum Direktor des allgemeinen Marinedepartements im Reichsmarineamt und gleichzeitig zum stellvcrtretimben Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt. Konteradmiral Scheer, Tiixk or des allg meinen Marinedepartements des Reichsmarineamts, i|t unter Aushebung des seinerzeit erteilten Mandats zum stellvertretenden Be- pollmächligten des Bundesrats mit der Führung des zuzeiten Geschwaders beauftragt und gleichzeitig der Marinestation der Ostsee zugeteilt worden. Aus Stadt und Tand. Gießen, 3u. Januar 1913, -InS dem städtischen BerwaltungSbericht. VI. Der Arbeitsnachweis Benn Arbeitsnachweis gingen im Berichtsjahr 6908 Gesuche ein, 2359 von Arbeitgebern und 4549 von Arbeitnehmern Besetz, wurden UM Stellen (62,78 Proz.) des Arbeitsangebots und 32,5; Proz. der Arbeilsnachfrage. Aus 100 offene Stellen kamen 192,8;. Arbeitsuchende gegenüber 153,79 im Vorjahr Tic Zahl der Arbeit gebergesnche ist um 541, die der Arbeitnebmergesuckie um 175: und Die der besetzten Stellen nm 2b6 mwachsen Aus 982 offene Stellen für gelernte Arbeiter kamen 1836 SlcUenfuchendc und 592 besetzte Stellen, während für die suchenden 2338, ungelernte Arbeiter 986 Stellen vorhanden waren, von denen 695 besetzt!waren. Tie Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises von auswärts hat roefenthd) Angenommen. Es meldeten 983 (609 auswärtige Arbeit gebet Stellen an, 3364 1629 auswärtige Arbeiter suchten um Arbeit nach und 542 T355 Arbeitsuchende erhielten auswärts Arbeit Nach 90 Orten wurdet, Arbeiter vermittelt, außer nach oberhessischen Orten nach Altenhunden, Aßlar, Atiendorn, Aybach, Bcmdors, Braunfels, Burgsolms, Kassel, Daaden, Darmstadt, Dillenburg, Tietz, Dorlar, Ehringshausen a. d. Dill, Frankenberg, Fulda, Garbenheim, Gladenbach, Gleiberg, Hassenhausen, H.Idelberg, Herborn, Hermaunstein, Katzenfurt, Krofdors, Kraftsolms, Limburg, Lohra, Lützellinden, Naunh im, Neustadt 'M. W. B. , Oberbiel, Rodheim a. d. B., Rüsselsheim, Siegen, Sinn, Vetzberg, Weidenau, Werlburg, Wetzlar >120Stellen wurden besetzt, Wißmar und Völkersdorf. Tie landwirtschaftliche Stellenvermittlung nahm trotz der ungünstigen Witterung zu. Tie Zahl der Stellenangebote betrug 251 1910: 213,', der Stellensuchenden 404 (272> und der besetzten Stellen 183 -163'. Auch die Lehrstellenvermittelung nahm zu. Offene Lehrstellen waren 61 (38> gemeldet, 61 >28, Lchr- stellensuchende waren vorhanden und 15 (7) stellen imirbe» besetzt Von den im Herbst zur Entlassung gekommenen Reservisten erhielten 10 Stellen vermittelt. Die Stellenvermittlung im Gastund Schankgewerbe hat sich günstig weiterentwickell. Es waren 255 offene Stellen und 266 Stellensuchende vorhanden, während 205 Stellen besetzt wurde,:. Am 1. Oktober 1911 trat bte für Oberhesscn neugeschassene Wanderordnung in Kraft. Nach ihr müssen hier die Wanderer, ehe sie Anspruch aut Verpflegung gegen Arbeit haben, sich beim städtischen Arbeitsnachweis um Arbeit bemühen Erst wenn von dieser Stelle aus keine Arbeit nack^e- wiesen werden kann, tritt für sie die Hilfstätigkeit ein. Mit dem Inkrafttreten der Wanderordnung gingen die Verpfleguitgs- statiouen in Butzbach, Groß-Karben, Grünberg und Hungen an, während die Stationen in Gießen und Faedberg bestehen blieben, lieber die Wirkung des 1910 in Kraft getretenen Stellenvermittler gesetzes ist zu berichten, daß eine Stellenvermittlerin ihr Gewerbe ausgegeben hat. Neue Konzessionen wurden nicht erteilt. Zu den 2330 Mk. betragenden Mafien des Arbeitsnachweises leistete der hessische Staat einen Zuschuß von 290 Mk. Von 1907 bis 1911 stieg die Zahl der besetzten Stellen von 667 auf. 1481. * * * Tageskalender für Donnerstag, 30 Jan. Verein für Lust'alnt: Fortran von Generalmajor z.D.Neurenther aus München: lieber Verwendung von Flugfalirzengen zu kriegerifcheu Zwecken. Abends 8X Uhr in der Neuen Aula. * ** Ordensange lcgcpheiten. Der Großherzig Tyat dem ständigen Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt, Kais. Regicrungsrat Tr. Ernst Sch m i 11 in Berlin die Erlaubnis zur Annahme und znm Tragen des ihm von dem König üon Preußen verliehenen Roten Adler-Erdens 4. Klaffe erteilt. Der König von Preußen hat aus Anlaß seines Geburtstages die Rote Kreuzmedaille dritter Klasse verliehen dem Kammerherrn Kreisrat Freiherrn Schenck zu Schweins berg in Alzey, dem Großiaufmann Karl Aug. Fischer in Bingen und dem praktischen Arzt Tr. Ludiv. Orth in Darmstadt. * * Aus dem Militär-Wochenblatt, v. Jordan, Prcuß. Oberstlt. und Batls.-Kommandeur im 10. Inf. Regt. Nr. 180, wurde von dieser Stellung behufs Versetzung zum Stabe des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 enthoben. * * Erledigte Lehrerstelleu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Gemeindc- schule zu Nack; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nackenheim. * * Eisenbahn-Personalien. Verliehen wurde das Allgemeine Ehrenzeichen. in Silber dem Bahnhofs- aufseher Daußer in Dortelweil beim Uebertritt in den Ruhestand. Versetzt wurde Technischer Eisenbahnsekretär Fleck von Frankfnrt ne«h Fulda, Eisenbul)npraktikant Kliff müll er von Herborn nach Gießen, Balz von Pad-Nauheim nach Herborn Belohnungen erhielten Bahn- hofsvorsteher Hildebrand, Bahnmeister Kilian, Bahnmeister Mirka, Gütcrvorsteher Schmüter, Eisenbahnasistent Beier, Lokomotivführer Röddiger, Lokomotivheizer Stein, Hilfs- rangicrführer Schmidt, Weichensteller Jöckel, Eisenbahn- gehilfc Zulauf, Lademeister Knauer, Rangierführer Heuser, Bahnsteigschafsner Boppert, Hilssweichensteller Birkenstock, Hilfsbahnwärter Hanitsch, Streckenarbeiter Wollrab, Bücking, Bauer, Güterarbeiter Dotzert und Klein sämtlich in Alsfeld, weil sie beim Brande eines Sägewerks durch rasches tatkräftiges Handeln das llebergrcifcn des Feuers auf die Bahnanlagen in Alsfeld verhinderten. •• Der Provinzial-Ausschug hält am Samstag, 8. Febr., vorm. 3/49 Uhr, eine Sitzung mit folgender Tagesordnung: 1. Klage dcS Ortsarni en verdandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Allendors a. d. Lda. wegen Unterstützung der Marie Käß auS Allendorf a. d. Lda. 2. Klage der Firma Schade L Füllgrade in Frank- >urt a M. gegen die Stadt Gießen wegen Heran zieh u na zur Filialstcuer. 3. Gesuch deS Georg Erhard zu Gießen um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft in dem Hause Walltorstraße 19 4. Gesuch des Moses Hecht zu Eckartshauscn um Erlaubnis znm Kleinhandel mit Branntwein. 5. Klage des O rts a r rn c n v e r b a n d e s Friedberg gegen den Ortsarmenoerband Schwa l hOi in wegen Unterstützung der Theodor Müller Ehefrau. *' Aerztekonf ercnz. DieKonferenz der Aerzte der Beratungsstellen der Zentrale für Mutter- und Säug- Ungsfürsorge, die am 1. Februar in Gießen stattfinden sollte, muß verlegt werden. Der neue Termin wird noch bekannt gegeben werden. " Opernvorstellungem Das zweite Gesamt- wstspiel des Großh. HoftheaterL und der Hofmul'ik findet Mittwoch, 5. Fedr., statt. Zur Aufführung kommt die uidische Märchenoper „Wenn ich König wäre", von Adolphe Adam, die heute schon zum siebenten mal in dieser Spielzeit in Darmstadt gegeben wird. ♦♦ lieber die Bedeutung der Flur- n n b Straßennamen für die Heimatkunde sprach im Lesehalleverein Obcrbibliothekar Dr. Ebel Erst in neuerer Zeit hat man die außerordentliche Bedeutung dieser Namen erkannt und mit ihrer Erforschung gelingt es vielfach, sich über die Zustände und Ereignisse unserer Heimat Ilar zu werden. So hat man mit Zuhilfenahme der Flurnamen jetzt genau festgestellt, wo der von den Römern angelegte Pfahlgralwn vom Rhein bis zur Donau in allen seinen Teilen hinzog. Allenthalben ist man im Hesseulandc eifrig an der Arbeit, die Flur- und Ortsnamen festzustcllen und sie zum Ausgangspunkt weiterer Studien nutzbar zu machen. Der Vortragende führte zunächst aus, mir sich entsprechend den Bedürfnissen der Bewohner die Besitz- .'erl'ältnissc änderten und wie aus dem gemeinsamen Grruid- öefitz Teile gemacht wurden, Fluren und Gewannen, denen man entsprechende Namen beilegte, und die man den ein» .einen zusammengehörenden Sippen anwies. Wald und klcibc blieben ungeteilt unb sind auch an rnancheii Orten bis auf ben heutigen Tag ungeteilt geblieben. Der ge- s i tz lt n g von gestern legte Herr Regicrungsbaumeister Kuhlmann ben Voranschlag für bic Wieberherstellung Walpurgiskirche vor. Er beläuft sich im Ganzen 69 800 Mark. ber auf freien Studentenschaft spricht am Steins Garten Profeffoc Dr. Messer übet •• In der Freitag abend in Frchte. ** Kinder te4' neu Kreis Friedberg. ---- Ilbenstadt, 29. Jan. Der Gras zu Leinin« gen-Westerburg-Alt-Leiningen hat ben Referen- bar Lubw. Grein zum Kammcrrat ernannt. h. Oppershofen, 29. Jan. Hier feiert morgen bet Altbürgerrneister Schmidt mit seiner Gattin das Fest bei Diamantenen Hochzeit. DaS Jubelpaar ist 86 und 84 Jahre alt. $ Steinfurth, 29. Jan. Im letzten Jahre hatte man überall eine verspätete Ernte zu verzeichnen. Daß man setzt noch nächt ganz damit fertig ist, fürste aber Kreis Lauterbach. — 2 anterb ckch, 29. Jan. Die Mutter der beiden Freiherren Riedesel zu Eisenbach, Martha Riebesel, Freifrau von Eisenbach, geb. von Rabenau, ist im Schlosse zu Stockhausen im 82. Lebensjahr geworben. Tie Beisetzung findet am Freitag nachmittag zu Stockhausen statt. i n en tg el tli chcr P f le g e. Nur mit Erlaubnis ber Ortspolizei dehörbe bür feit Känber unter sechs Jahren in entgeltliche Pflege untergebracht werben. Bor Erteilung biefer Erlaubnis siub bie persönlichen und häuslichen Verhältnisse ber Pflegeeltern eingehenb burd) bie Behörbe zu prüfen Personen, bic Kinbcr in Pflege bei sich aufnehmen wollen, haben fick) bahcr vorher bei bent Polizeiamt zu melben Bevor bic ortspolizeiliche Genehmigung erteilt ist, darf kein Pflegetinb angenommen werben. Im Falle ber Zuwiberhandlnng werben bie Eltern sowie bie Mittelsperson, bie bas Ktnb in Pflege gegeben hat, in eine Ge 1 bstrafe von 40—150 Mk. genommen. Außerbem ist bie Auflösung bes Pflogeverhältnisses zu gewärtigen. * * Leicht sin n. Am 27. L Mts. abends, als ein sünßehu- jähriges Märxlien in der Marburger Straße an einigen gleichalterigen Burschen vorbei ging, gab einer der Burschen, um bad Mädcheu zu erschrecke», einen Schuß ab. Der Schuß enthielt Schrotpatrone unb traf das Mädchen in den Oberschenkel und verletzte es nicht unerheblich. Gegen den Täter wurde Strafantrag gestellt. * * Schwindel. Ein Deutschamerikaner mit größerem Vermögen suchte Unterkunft bei einer guten bürgerliche» Familie, ivo er de» Rest seines Lebens zubringen will. Angebote liefen daraufhin in Menge ein und bie Bewerber erhielte» fobami ein großes Schreiben, worin zunächst gesagt würbe, daß tl.-.v.-rbn eine Berücksichtigung gefunden habe, der Amerikaner loerbe fr-r Familie sofort 6—10 000 Mk. zürnenden intb bann monatlich 250 Mk Pension zahlen. Bevor jedoch feste Zulage erfolgen könne, müßten Erkundigungen über die Familie des Bewerbers eingezogen werden und zu diesem Zweck feien zunächst 5 Mark einzusenden. Selbstverständlich wird Rückzahlung der 5 Mark versprochen, salls die Wahl auf jemand anders falle. Die Hauptsache sind also die 5 Mark, die der Wann einsteckt. * * Ilm 5 00 Mark geprellt. Eine hier wohnende Galizierin erhielt vor einigen Tagen den Besuch ein cd Verwandten ihres Mannes, der von ihr getrennt in ihrer Heimat lebt. Ter Man» freu »bete sich an, versprach ihr die Heirat, sobald ihre Ehescheidung zustande gekommen sei, und überredete sie, ihr bei einer auswärtigen Bank deponiertes Guthaben von 500 Mk. abzuhebe», was sie auch tat. Tas Geld wurde da»» hier aus einer Bank deponiert und zwar besorgt^ dies aus Gefälligkeit im Auftrag ber Frau ber Verwandte. Er ließ den Betrag auf feinen Namen chitragen, hob ihn am andern Tage ivicber ab unb verschwanb bannt. ** Zeitschriften unb Bücher für bic Heil- unb Pflegeanstalt. Abgängige illustrierte Zeit« s ch r i f t c n, womöglich ganze Jahrgänge, I u g c n b s cst r i f- t c n, Bilderbücher, überhaupt geeignete Lektüre, bittet man freundlichst ben unbemittelten Kranken ber H e i l - u u b P f l e g e a n st a l t Gießen zur Unterhaltung währenb ber unfreunblichen trüben Wintertage zukommen zu lassen. Senbungen finb an bie Anstalt zu richten. Mitteilungen nimmt ber Vertrauensmann bes Hilfsvereins für bie Geisteskranken in Hessen entgegen. Kreis Büdingen. □ Blofeld, 28. Jan. Vom hiesigen Gemeinde« rat wurde die Erbauung einer Wasse rle it ung (HauS- leitung) genehmigt. Da kein natürlicher Druck vorhanden ist, ging man mit dem Plane um, baS Master mit einem Motor ans ben nahe liegenben Eichelberg zu schaffen; ehe dieser Plan verwirklicht werden mag, will man auf Anfrage bei der Kulturinspeltion Friedberg auf anderen Stellen dec Gemarkung nach Wasser suchen, daS ohne künstlichen Druck zur Leitung bienen kann Auch zieht man den Anschluß an daS Wasserwerk in Erwägung. Kreis Alsfeld. OK. A l s f e l d , 29. Jan. In der S t a d t Vorstands- meinfame Erlös aus diesem Wald- oder Weibemarfen wurHe gleichmäßig an bie Bürger als Allmenbe verteilt. Die Beilegung ber Flur- und Ortsnamen erfolgte nach den verschiebenarttgsten Gesichtspunkten. Es konnten bic Bebauung bes betrerfenben Lanbes, gewisse Erzeugnisse, bie Lage unb Beschaffenheit bes Bobens, wohl auch Personen ober merlivürbige Ereignisse bei der Namengebung maß- gebenb fein. Immer aber finben wir bie Tatsache bestätigt, baß biese in ber Regel ursprünglick>en Namen mit ben munbartlid) gebrauchten ^usarnmensallen, baß also häufig ber an Stelle ber unverständlichen alten Bezeichitung getretene hockibeutschc Ausdruck falsch unb sinnwibrig tst. Ter Rebner bespricht bann bic Flurnamen ber Gemarkung Gießen, bie glücklicherweise bei ber FeUKiereini- gnng erhalten geblieben finb unb gibt sehr interessante Aufschlüsse über Cmtstehung unb Bebentung dieser Bezeichnungen, deren Vorkommen er in alten Chroniken unb Hanbschriften aufsuchte. Die Straßennamen lehnen sich viclsack) an bie Flurnamen an. Sie finb int Laufe ber Jahrhnriberte manchen Wanblungen ausgesetzt gewesen, so bast ihr heutiges Aussehen bic ursprüngliche Form kaum er» kennen läßt. Zum Schluß ermahnte ber Bortragenbe bic in ansehnlicher Zahl erschienenen Zul örcr, bazu beizutrageu, baß bic guten alten Straßenbezeichnungen nicht, wie dies leiber auch in Gießen in letzter Zeit geschehen fei, aus Unkenntnis ober Eitelkeit bei Seite geschoben und dafür nichtssagenbe Namen gewählt würben. * * Die große Gießener Karneval-Gesellschaft hat, wie aus bent Anzeigenteil ersichtlich ist, ru ermöglichen gewußt, für bie am Sonntag stattsinbendc letzte Sitzung biefes Jahres auch wieber mehrere auswärtige Rebner hierher zu bringen. Bei ber letzten Sitzung kam Köln zu Wort, diesmal kommt Mainz an bic Reihe unb zwar mit bent hier höchst vorteilhaft bekannten Herrn Martin M u n b o unb mit dem schlagfertigen Karnevals- rebner Mauer. ) z ■s «C« 9» ifi iverde Stl KZ fei man ol ZBSru«dl- w. »b"kro; mK ,m™ ' X.bli.b'" Luwi* '„,,e j. Vkarbui i.iltknschaft i M Hey Mle, einen hAiegenh W Gnnthe Menttotff mb m-d- Zahre abzn i Seid versch l Hanau ^td Lttauf »fj) für eine ' tir. bat. Dei des Gefcl habe. 5 jWc auf kurz Wl Ms si kreme, daß i titen. Der 3 to Muß füll m Arbeit nadx K gelma, den M er sich uaä I Suite. Der Der! imommen, wo kn Mami erl Äsm sah. M bie vermißten pinnte sich Jc feollanb beschö h. Fran treises We einer W werde Don IO' 3al)ic M können bis i 10 Stüä V umfaßt 150 gebracht tot die Benuhu, reife Stück ! toeiferc Jcti nmerhalb 2i rechnet, ihre l'mie zu bea jchlach t re heiligen Geij 'rbernehinen. ?r Lieferum * Hospital lerei für {je die Stadt Ftoerne dm' Dschluß. ch Gieße Klagte in i Z.^gerid)1 ®DiengC)föt: 3 N'öer-der: A Wtmini1 Sch Kriegsat^ i. es C80/: Steinftrahe 45. ID15/, C30/, Bismarckstrasse 6a. Beginn des Sommerhalbjahres am 3. April in den neu eingerichteten Schulräumen Bleichstr. 6. TRAUERHÜTE laVil A.Salomon&Cie. - Ma- W Pfa- Pfg. 1- Individuelle Vorbereitung auf allo Klassen höherer Lehranstalten, besond. Einjähr.-Abiturienten- Examen. Gute Erfolge! Wiederholt bestanden Schüler mit bedeutendem Zeitgewinn die Prüfungen. Prospekte, Referenz, (bes. Gießener) d. Direktor Brackemann, Bismarckstr. 6a GroheWäfckc haben, ohne sich zu vlaaen, ohne einzuseifen, ohneNeib., ohne3fasenbleiche, kann jede Hausfrau heutzu- taae, wenn sie die schniutziae Wäsche 5 ,St.mit Gtolii kocht. Kochen, auSsplll.u.dteWäsche ist gereinigt und schneeweiss. Giotil voll- ständia unschädlich, vcr '/rPak. nur 30Pia. Fabrikanten Hanauer SeisensabrikI. Giotb, G.m. b.H. Allein. Niederlage bei Willi. Wagner,Gicsrcn, Letzte Nachrichten. Die Balkandelegierten verlassen London. London, 30. Jan. Die Delegierten des Balkanbundes verlassen am Samstag und Sonntag London. Die meisten Delegierten wollen sich nach Paris begeben und sich einige Tage dort aufhalten, nm bald zur Stelle sein zu können, wenn unvorhergesehene Ereignisse die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen ermöglichen. Herabsetzung von amerikanischen Zöllen. Washing ton, 30. Jan. DieBndgetkommisson des Repräsentantenhauses nahm einen Antrag ihres Vorsitzenden Underwood an, die Zölle auf Stiefel und Schuhe herabzusetzen. Der nächftc Friedens-Nobel-Preisträger. Stockholm, 30. Jan. Die interparlamentarische Friedensgruppe des Reichstags hat dem Storthing den Vorschlag gemacht, für den Friedens-Nobelpreis den belgischen Senator Lafontaine in Vorschlag zu bringen. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Dessen für Freitaa, den 31. Jan. 1913: Wechselnd beiuöltt, meist trocken, Temperatur wenig verändert. Invenlur-Aiisverkaii! M KilbiiW Packen n. Braten emvnehlt in irischer Ware ansgelassen. Metzger- Schmalz Psd. 80 Pfg. Kokos-Pflanzenfeft Psd. 60 Pfg. Mädchen u. Frauen, auch Kindern, mit dünnem, schwachem Haar, zumal wenn Haarausfall, Juckreiz und Kopf schuppen sich entstellen, sei folgendes bewährte und billige Rezept zur Pflege des Haares empfohlen: Wöchentlich 1 maliges Waschen des Haares mit Zucker’s kombiniertem Krünter - Shampoon (Pak. 20 Pf.», daneben regelmäßiges kräftiges Emreiben des Haarbodenö mit Zuk- ker’s £)rifltnol«Kriintcr- H aarwaeRer (Fl. 1.25) und Zncker’s Svezial-Hctto- ter-Haarntthrfett (Dose 60 Pf.). Großartige Wirkung, vonTaltsenden bestätigt. Eckt bei A. Noll, E. Noll, (?. Seibel, Q. Schaaf, E.Karn, W.Kilbiuaer, Drogerien, u. H. Tichy, Parfümerie, [sl*7/? Optima-Fahrräder fir.b eon unüterfreHtnet ernt u. fUKbirttll. Btrlontt tu nttbrlg, ftcnOngin«tir,Hm. Zrrlangtneir loftm- i»|, j.iraeung ectn« fiauplkatalogts. ^Jhnmann, HeinnouenOG “ Otjründn 1162. ad raMrr ad werke. Palmin . . Psd. 75 Vegctalin . Psd. 70 Knnnerol . Psd. 70 ÄnNwhuttcr Psd. 60 Kaltschlag-Rüböi Liter Mk. vermischte». _* Schiffsunsalle. Wie aus Havre gemeldet wird, stieß der Dampfer „P h r h n e" mit dem Hamburger Viermaster „Tangoni", der nach anderen Berichten „Balgand" heißen soll, zu- sammen. Der Viermaster befand sick; auf der Fahrt von Kainburg ÄII-FiA auf Eis in la. feinster lcbendsrischcr Ware soeben eingetr. u. billigst bet Aug. Wallenfels Marktplatz 17 Telephon 262 Prompter Versand auch nach auswärts. (84 Rheinperle-Rutter- F.rsatz, . Psd. 100 Pfg. Palmona-Bui ter- Ersiatz . . Psd. 90 Pfg. mit Zugabe d. Rabattmarken fT. Land- und SiiNisrahm- Butter sow. frische Eier billigst -WX Georg Wallenfels Telephon 46 !94 nur Marktplatz 21 gegenüber d. Engel-Apotheke Landwirtssöhne und dutirrc junflt Heute erhallen kostenlos aiiSfiibrl Prospekt der Landw. L.hr- aiiftnlt u.t!ct)rnioltcrci, Brauuschwrin. Direktor grause. In 20 fahren über 3S00 Besucher. Beste Referenzen. MESSMERV^ vorzüglich im Geschmack, billig im Gebranch. Das Pfand von Mk.2.60 an, 100 Gramm ab 55 Pfg» Gerich^saal. th. Gießen, 29. Jmr. (Kriegsgericht.) Gestern nachmittag tagte in der Zeughauskaserne nach langer Zeit einmal wieder ein Kriegsgericht. Der Gerichtshof war für den ersten Fall zusammengesetzt: Verhandlungsleiter: Kriegsgerichtsrat F-uchsmann, Sorsitzendcr: Major Rücker, Beisitzer: Kriegsgerichtsrat Wolf, Hauptmann Schroeder .und Oberleutnant Wolf. Die Anlage »ertrat Kriegsgerichtsrat Heß; während Geh. Justizrat Metz die Verteidigung führte. Angeklagt war der Rekrut Karl G. aus Offenbach von der 6. Kompagnie des 116. Jnf.Mcg. wegen zlver- maliger heimlicher Entfernung (Fahnenflucht), wegen Bedrohung mit totschlagen, wegen tätlichen Vergreifens, frecher Antworten und wegen unmilitärischen Benehmens gegenüber von Vorgesetzten. Der Angeklagte gibt zu, daß er, nachdem er ausgehoben und zum Dienen bei der Infanterie bestimmt war, nach Belgien ausgewandert sei, um sich der Militärpflicht zu entziehen, »veil er bet der Marine habe dienen wollen und sich geärgert habe, daß er Infanterist werden sollte. Von Belgien aus wollte der Angeklagte zur See gehen, er wurde aber von dort aus, «weil er mittellos war, überj>ic deutsche Grenze zurück abgeschoben. Er versuchte dann in die Schweiz zu kommen, wurde aber an der Grenze festgenommcn und im Regiment Nr. 116 eingestellt. Er benutzte den ersten Ausgang der Rekruten, um sich unterwegs heimlich von den Kameraden zu entfernen, verlangte aber am Bahnhof vergeblich eine Fahrkarte nach Offenbach. Als ihm nach seiner Festnahme etn Sergeant das Seitengewehr abnehmen wollte, soll er sich tätlich widersetzt haben. Einem anderen Vorgesetzten gegenüber hat sich Günther weiter unangemessen betragen, indem er freche Antworten gab. Ter Angeklagte erklärt, es sei ihm ganz gleichgültig und wenn er 3 Jahre Zuchthaus bekomme, er wolle nicht bet der Infanterie dienen, sondern bei der Marine. Wegen der Vor- lommnisse am Bahnhof und wegen seines Benehmens den Vorgesetzten gegenüber entschuldigt er sich damit, daß er an dem Tage 5 Glas Bier getrunken und daher nicht gewußt hat, was er tue. Geh. Justizrat Metz bezieht sich aus das bet den Akten befindliche Gutachten des medizinischen Sachverständigen indem ausgeführt wird, daß der Angeklagte im hohen Grade schwachsinnig sei. Oberarzt Dr. Weckerling erklärte, der Mann sei geistesschwach und die Tat müsse unter diesem Gesichtspunkt beurteilt werden. Der Gerichtshof) beschloß, dem Antrag des Verteidigers stattzugeben und den Angeklagten der psychiatrischen Abteilung des Mainzer Garnison-Lazaretts zu überiveisen. — Es wurde Hann gegen den Rekruten Herrn. Eckert von der Leibkompagnie des 116. Jnf.-Regts. weg eit Ungehorsam und Nichtbefolgung eines Befehls vor versammelter Mannschas.. verhandelt. Kriegsgerichtsrat Wolf vertrat die Anklage, statt seiner trat Hauptmann v. Thünen als Beisitzer in den Gerichtshof ein. Vor dem Dienstantritt ist Eckert tviederhvlt bestraft. Er hat beim Gewehrreinigen die Waffe unrichtig behandelt und trotz wiederholter Ermahnungen nicht gehorcht. Der Angeklagte lvurdc zu einer.Gefängnisstrafe von 2 Monaten verurteilt. 4 Frankfurt a. M., 28. Jan. Der Leiter eines hiesigen Jünglingsvereins Emil Stenzel, ein verheirateter Mann von 42 Jahren hatte sich vor der hiesigen Strafkammer unter der Anschuldigung zu verantworten, mit Mitgliedern des Vereins Verfehlungen nach § 175 StGB, begangen zu haben. Als durchsickerte, daß Stenzel seine Stellung den ihm anvertrauten inngcn Leuten gegenüber mißbrauchte, und er ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft zu befürchten hatte, floh er nach der Schweiz. Bon dort schrieb er an die Staatsanwaltschaft, daß die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen unrichtig seien und daß er stch stellen werde, wenn man ihm freies Geleit zusichere. Dies geschah auch, und Stenzel kehrte wieder nach Deutschland zurück. Nachdem er sich mehrere Monate in einem Sanatorium aufgehalten hatte, wurde auf Grund des vorliegenden Materials dies Verfahren gegen ihn eingeleitet. Tie Verhandlung war während der ganzen Dauer der Beweisaufnahme unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Mehrere der von dem Angeklagten verführten jungen Leuten sagten zu seinen Ungunsten aus. Die medizinischen Sachverständigen erklärten zwar, daß der Angeklagte degeneriert sei, aber nicht in dem Maße, daß der strasausschließende § 51 in Anwendung kommen könne. • Das Urteil lautete auf vier Monate Ge - fängni s. Leipzig, 29. Jan. Das Schwurgericht begann heute den Prozeß gegen den Flieger Wiencziers wegen Meineides, ^.'nkursvergehens und Betruges und gegen die Privatin Frau ^osefine Hensel- Berlin wegen Beihilfe und Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung. ):( Hamburg, 28. Jan. Schiffsjungen-Leiden. Tie hiesige erste Strafkammer verhandelte gegen den Führer des Segelschiffes „Pamir", Gustav Becker, der sich wegen Vergehens gegen die Seemannsordnung zu verantworten hatte, weil er den Schiffsjungen Giese auf der Reise von Hamburg nach Valparaiso mißhandelt haben soll. In der Beioeisaufnahme wurde festgestellt, daß das Schiff auf der Reise nach seinem Bestimmungsort auch Antwerpen anlief. Hier beschwerte sich eilt anderer Schiffsjunge auf dem deutschen Konsulat, daß er von dem Kapitän geschlagen worden sei. Giese war als Zeuge geladen worden und scheint nun Aussagen gemacht zu haben, die den Kapitän belasteten. Nach der Vernehmung begann jedenfalls für den Schiffsjungen eine wahre Leidenszeit. Er hatte überaus schweren und langen Tienst und wurde bei dem kleinsten Versehen von dem Kapitän mißhandelt. Einmal ivar er nahe daran, über Bord zu springen, er konnte seinen Vorsatz nur deshalb nicht ausführen, weil er infolge der Schläge in Ohnmacht fiel. Der Kapitän entschuldigte sein Verhalten damit, daß der Junge seine Arbeiten schlecht ausgeführt habe. Dagegen bekundeten mehrere Mann von der Besatzung, daß der Junge willig war, nur hätte der Kapitän berücksichtigen müssen, daß er seine erste Reise machte und hätte etwas Nachsicht üben müssen. Der Vertreter der Anklage beantragte nur eine Geldstrafe von 200 Mark. Das Gericht berücksichtigte aber die Schwere der Mißhandlungen und ging über diesen Antrag hinaus, indem cs auf eine Geldstrafe von 500 Mark erkannte. Nur dem Um stände, daß er noch unbestraft war, hatte es der Angeklagte zu verdanken, daß er nicht eine Gefängnisstrafe erhielt. nach Iquique. Das von dem Kapitän Jung e befchltgte Segelschiff erlitt ein großes Leck und sank alsbald. Don der 34 Mann zählenden Besatzung konnten nur vier von der „Phryne" gerettet werden, nämlich der zweite Offizier, zwei Matrosen unb ein Schiffsjunge. Man befürchtet, daß die übrigen Leute, die bei dem Zusammenstoß im Schlafe lagen, nicht die Zeit gehabt haben, die Rettungsboote ins Meer zu lassen und ertranken. Der Kapitän der „Phryne", die beträchtliche Havarien erlitten hat, behauptet, daß der „Tangani" ohne Ltchter gefahren sei. — Ter französische Torpedojäger „Darandal" stieß gestern mit dem Unterseeboot „R ubis" zusammen. Der Torpedojäger wurde schwer beschädigt nach Cherbourg geschleppt. „Rubis" setzte seine Fahrt fort. — Schiffahrtsexpedition nach Alt- und Neu - kamerun. Tas Kolonialwirtschaftliche Komitee in Berlin entsendet im Januar d. I. eine Expedition mach Kamerun mit der besonderen Aufgabe, die Flußläufe der alten Teile der Kolonie wie der neuerworbenen Gebiete auf ihre Schiffbarkeit zu untersuchen und sestzustellen, wie groß ihre Leistungsfähigkeit als Zubringer für die im Bau befindliche Kamerun—Mittellandbahn sein dürste. Nack) „Peterm. Mitt." soll die Tätigkeit dieser Schiffahrtsexpedition, die unter Leitung von F. Michell stehen wird, sich zunächst auf die Flüsse Njong, Dume, Kadei, Sangha und Mombere erstrecken: sie soll zügleich Pläne und Kostenanschläge für die Verbes'erung dieser Wasserstraßen und Ertragsberechnungen für die Errichtung von Motorschleppschiffahrt auf diesem Flusse ausarbeiten. Michell, der bereits auf der Rückkehr vom belgischen Kongo Gelegenheit gehabt hat, den Sangha und Likuala zu befahren, bestreitet entschieden die Berechtigung, das Mündungs gebiet dieser Kongozuflüsse als Sumpfland zu bezeichnen, da es mir zur Regenzeit auf weite Strecken überschwemmt ist, und dann auch so, daß selbst auf den Stationen der Verkehr zwischen den einzelnen Häusern nur mit Booten möglich ist.. Kleine Tageschronik. In Duisburg ist die große 9)? üble der Firma Rofen- tbal & Neumark bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Schaden wird auf mehrere 100000 Mark geschätzt. Der Direktor der Badischen Anilin- und Soda - fabrif in Ludwigshafen, Kommerzienrat Hütten müller, vermachte zmn Besten der Angestellten und Arbeiter des Werkes eine Stiftung von 100 000 Mk. Hiervon sollen 70000 Mk. für die Erbauung oder Erwerbung und Einrichtung eines Erholungsheims für erkrankte Frauen und Kinder der Arbeiterschaft der Fabrik benutzt werden. Die restlichen 30000 Mark sind für einen Fonds zur Unterstützung der Beamten und deren Angehörigen in Notfällen bestimmt. In Neukölln suchte in der Verzweiflung über den Tod ihres Geliebten die 28jährige Schneiderin Kaufmann sich und den zehnjährigen Sohn ihres Geliebten mit Leuchtgas zu vergiften. Sie wurde heute morgen bewußtlos aufgefunden und in die Charit6 gebracht. In einer Versammlung der Filmfabrikanten erklärten die deutschen Fabrikanten endgültig ihren Austritt aus der Konventton, so daß dieser jetzt nur noch die auswärtigen Fabrikanten angeboren. In Moskau durchschnitt ein Besucher der Trett akow- galerie das Gemälde Riepins „Johann der Schreckliche tötet seinen Sohn" mit einem Messer an drei Stellen. Tie Wachter ergriffen den Täter und führten ihn in das Zimmer des Galeriekustos, wo er als der 29 jährige geisteskranke Sohn des Heiligenbildmalers Balaschow festgestellt wurde. Auf dem vom La Plata heimkehrenden deutschen Dampfer „Hannover" entstand, wie der Kapitän drahtlos nach Bremen meldete, unterwegs im Vorderschiff Feuer, durch das mehrere Zimmer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es gelang, das Feuer zu löschen. In Mroezen (Kreis Wirsitz) wurden sieben Einwohner wegen Brandstiftung verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Innerhalb sechs Wochen wurde der Ort über zwanzigmal von Bränden heimgesucht. Auf dem Dampfer „Cap Blanco", der gestern in Vigo einlief, wurde eine Kiste mit 100 000 Mark in Gold gestohlen. Alle Nachforschungen blieben erfolglos. Im Nordosten Deutschlands waren gestern früh 14 Grad Kälte zu verzeichnen und im skandinavischen Norden wurden Temperaturen bis zu 28 Grad unter Null erreicht. wohl eine außergewöhnliche Seltenheit fein. So hat in der nahen Wisselsheimer Gemarkung ein dortiger Pächter noch mehrere Morgen Kartoffeln stehen, die jetzt allerdings verloren sein dürften. Das betreffende Feld stand feit dem Spätherbst unter Wasser und konnte daher nicht abgeerntet werden. Starkenburg und Rheinhessen. Rm. Darmstadt, 29. Jan. Die P f l i ch t s o r t b i l - bungsschule für Mädchen in Hessen wurde in der heute hier abgehaltenen Versammlung des Vereins für Jugendfürsorge besprochen. Fräulein Schweisgut stellte eine Anzahl Leitsätze auf, deren erster lautet: Tie künftige Pflicht forlbildungsschule für Mädchen hat die Aufgabe zu lösen, die hauswirtschaftliche und berufliche Ausbildung der die Volksschulen verlassenden Mädchen miteinander in Einklang zu bringen. Sie bedarf bei dieser Zweiteilung einer größeren Anzahl von Jahresstunden als die Fortbildungsschule für Knaben. Tie weiteren neun Leitsätze betreffen die Einteilung des Unterrichtes, die Besuchszeit in den Städten (3 Jahre) und auf dem Lande (2 Jahre), den Lehrplan usw. Grundsätzlich ist man darüber einig, daß man bei der Errichtung die hauswirtschaftliche Fachschule als Grundlage benutzen soll. Kreis Wetzlar. — Hörnsheim, 29. Jan. Am Sonntag, 2. Febr. nachmittags, wird der Leiter der Rechtsberatungsstelle des Evang. Arbeitervereins Gießen im Saale der Wirtschaft zur Traube einen Vortrag über die Invaliden- und Hinterbliebenenversichernnq halten. Nach dein Vortrag, zu dem jedermann freien Zutritt hat, findet eine allgemeine Aussprache statt. Hessen-Nassau. h. Marburg, 29. Jan. Die Marburger Studentenschaft bringt am Freitag abend dem Professor Dr. Ernst Heymann, der einen Ruf nach Tübingen ablehnte, einen Fackelzug. h Ziegenhain, 29. Jan. Der Zuchthausgefangene Adam Günther aus Frankfurt, der aus der hiesigen Anstalt entwichen war, wurde in Treysa fe st genommen Und wieder hier eingeliefert. Günther, der noch sechs Jahre abzubüßen hat, war mit Einbrechwerkzeugen und Geld versehen. X. Hanau, 29. Jan. Im Kontor der Diamantschleiferei Strauß erschien am Dienstag ein junger Mann, der sich für einen holländischen Schleifer aus gab und um Arbeit bat. Der Geschäftsinhaber verwies ihn nach der Filiale des Geschäfts in Homburg, die holländische Einrichtung habe. Während der Mittagszeit begaben sich zwei Reiber auf kurze Zeit weg und versäumten die Tür zu schließen. Als sie nach fünf Minuten zurückkamen, merkte der eine, daß ihm 26 Steine im Werte von 500 Mark fehlten. Der Inhaber stellte Ermittelungen an, die zu dem Schluß führten, daß der fremde Diamantschleifer, der rum Arbeit nachgefragt hatte, der Täter gewesen sein mußte. Es gelang, den Gesuchten am Westbahnhof zu entdecken, Ino er sich nach Aussage des Wirtes zweimal umgezogen Hatte. Der Verdächtige wurde mit zurück nach dern,Geschäft genommen, wo der ihm gegenübergestellte Arbeiter in ihm Len Mann erkannte, den er nach 1 Uhr den Hof verlassen sah. Man fand im Aermelfutter des Ueberziehers die vermißten Steine und auch noch andere. Der Täter nannte sich Jak. Maurer und Mohrer, er will zuletzt in Holland beschäftigt gewesen sein. h. Frankfurt, 29. Jan. Der neue Vertrag des Kreises Westerburg mit Frankfurt über die Herrichtung einer Fettviehweide liegt jetzt vor. Danach stellt her Kreis eine musterbültig eingerichtete Fettvieh- wei.de von 70 Morgen (ursprünglich 120 Morgen) auf sechs Zahre zur Verfügung. Zu Beginn der Weideperiode 1914 können bis zu 20 Stück, in den Jahren 1915—1919 bis -10 Stück Vieh crufgetrieben werden Die Weideperiode umfaßt 150 Tage. Die Tiere müssen bis zur Schlachtreife »gebracht werden und sind von Frankfurt zu liefern. Für sie Benutzung der Weihe zahlt Frankfit ri für jedes' schlachtreife Stück Vieh bei Abnahme 50 Mark. Richtet der Kreis weitere Fettviehweiden ein, so hat die Stadt das Recht, -innerhalb 20 Jahren vom Abschluß des Vertrags an gerechnet, ihre Ueberlassung zum Auftrieb von Vieh in erster Linie zu beanspruchen. — Die Versorgung der Stadt mit IchkachtreifemGroßvieh will auch das Hospital zum heiligen Geist, das über ausgedehnte Lärrdereieu verfügt, -Übernehmen. Es hat mit einem Gutsbesitzer einen Vertrag mr Lieferung von Großvieh vereinbart; ebenso läßt das Hospital durch einen anderen Gutsbesitzer eine M ä - fterei für Hunderte von Schweinen einrichten, die die Stadt wöchentlich mit einer größeren Anzahl fetter Schweine versorgen soll. Verträge darüber stehen vor dem Abschluß. ■**£ M Gießener padagogium Wogen der Neueinrichtung der Schule Bleichstrasse 6 worden Anmeldungen für das am 3. April beginnende Schuljahr schon jetzt erbeten. Dspefcios* Brackemann ten. folgte nQx L>el*X'n «ü 2?,al'en, b°6 > & 7ett alten ^1° ham'w Mich b ^'e bei ber = 9ibt s^ ?ebculung biefe .alten ßhrnn'r$W3 ^ennamen L" und „ » m fr "M imsge btt ^SlichL«^ i» 3?tc der SortS IQUnt er- ^'l°rer L ?e die in Segnungen nickt er Beit gef& dies f fr»» taS chrichi lm Wt St. Weifet iibtt W $ur mit dürfen rinder unter sechs avtergebracht werden. Vor 1 du persönlichen und häu -- eltern eingehend durch die I bic rinder in Pflege bei itd) daher vorher bet dem bte ortspolizeiliche Geneh. gelind angenommen werden, werden die Eltern sonne die Wege gegeben hat, in eine genommen. Außerdem ist imiifed zu gewärtigen. I 'AKis.^abenbd, als ein fmßebn- iger an einigen gleist? ab einer der Burschen, um bi? d>uR ab. Der Lchuß enthielt dchen in den Oberschenkel rnib 111 6” “ ,,b” d»ich--stürdi- H-U- b|Ü,W illusmkU. z-'t ,'.r: 3t uitett Setture. Md >■ ..’nen ft ran Fe"'6,1 " af Juit i« Unterftaitune yrs Hilts«-"-- iien entgegen- *£■ Ä ^laiserlettnng (9 L vorhanden i' noturl'dl,r/n,ui, . giotö- dv- derg auf'Anfrage b' Reichardt Der Feinste. 3n unserer Sache veröffentlichen die Gegner wiederum Auffassungen, welche in der Sachlage eine Begründung nicht finden. Dergestalt zwingen sie uns zu immer neuen Aufklärungen im Interesse des Publikums. Das Berufungsgericht hat den Wortlaut der in der Hauptsache ergangenen Sentenz der Kammer für Handelssachen abgeandert und in seinen Entscheidungsgründen finden sich die früher von den Gegnern veröffentlichten Sätze nicht vor. Bestehen bleibt nach wie vor das unbestrittene Recht zu der den Tatsachen entsprechenden Behauptung, das; wir alle unsere Kakaos besonders sorgfältig auswählen und nicht nur von Schalen, sondern auch von Samenhäutchen und Keimen reinigen. Bestehen bleibt nach wie vor das Recht zu der Behauptung: Reichardt der Reinste. Verboten sind uns nur Angaben über die Grundsätze der übrigen Kakao-Industrie im allgemeinen. Selbst diese Entscheidung hat aber noch die Revision des Reichsgerichts zu passieren, durch die eine völlige Aenderung der Sache herbeigeführt werden kann. Beweise wurden auch diesmal nicht erhoben. Dadurch wird der folgende Kern der Sache in nichts geändert: Die Keime des Kakaos i sind die Teile, um die sich leicht jene Fremdstoffe ablagern, die durch schädliche Einflüsse in den Tropen entstehen. Aber schon allein durch ihre Härte und Geschmacksarmut beeinträchtigen sie bei Miiverarbeitung den Genutzwert des Kakaogetränkes und fördern die Bildung von Satz in der Taffe. Da es besondere Maschinen zum Entfernen der Keime gibt, darf der Konsument erwarten, datz dieser Bestandteil des Rohmaterials bei der Reinigung ausgeschieden wird. Deshalb fordern die internationalen Vereinbarungen, an deren Festsetzung sich Industrielle der verschiedensten Kulturländer beteiligt haben, mit Recht die Beseitigung der Keime aus Kakao- und Schokolade-Fabrikaten. Aber der unter Mitwirkung deutscher Industrieller für das Nahrungsmittelbuch festgelegte Reinheitsbegriff für Kakao fordert die Entfernung der Keime nicht. Als Grund hierfür gaben die Gegner laut Urteil des Oberlandesgerichts Kiel wörtlich folgendes an: „Wenn die Vorschriften nicht höher gespannt würden, so geschehe das nur mit Rücksicht auf die kleineren Unternehmungen, die zugrunde gehen mühten, wenn von ihnen auf einmal indirekt verlangt werde, daß sie sich zum Zwecke der intensivsten Reinigung neue und teuere Maschinen anschaffen sollten". Demgegenüber stellen wir fest, datz laut uns vorliegender Offerte die Keime aus einer Tagesproduktion von mindestens 50 Zentnern Rohbohnen mit einer Maschine für nur 500 Marl beseitigt werden können. Die Entkeimungsmaschine ist also gerade eine sehr billige Maschine. Dieser Sachverhalt kennzeichnet die Taktik der Gegner. Es sei nur noch hinzugesügt, das; wir die Gegner zu folgendem Eid aufgefordert haben: „Ich schwöre, daß schon vor dem Erscheinen des Inserats der Beklagten mit den Stichzeilen „Reichardt der Feinste" und „Reichardt der Reinste" am 3. April 1912 bei der Fabrikation in meiner Fabrik sämtliche Kakaos und Kakaofabrikate, insbesondere auch bei der Fabrrkatlmi bei lose vertriebenen Konsum-Kakaos und Haushalts-Schokolade ganz ausnahmslos die Bohnen gleichmäßig nicht nur von Schalen, sondern auch oon Samenhäutchen und Keimen, soweit dies mittelst Anwendung von Entkeimungsmaschinen möglich ist, gereinigt wurden" — „ich schwöre, daß ich vc>. dem 3. April 1912 bereits Entkeimungsmaschinen in genügender Anzahl hatte." Dieser Eid wurde nicht geleistet! Welche Zuftände in unserer Industrie vereinzelt herrschen mögen, geht aus einem dieser Tage eingegangenen Briefe eines Kakaomeifters an einen Chemiker und Verfasser eines Fabrikationsbuches hervor. Darin stellt ei die Reichardt-Fabrik, die er kennen gelernt hat, als Musterbetrieb hin, beklagt sich, dah seine jetzigen Ches; Verbesserungen und Neuanschaffungen abgeneigt sind, bittet um Vorschrift, wie er die seinem Kakao anhaftenden Mängel beseitigen kann und sagt alsdann wörtlich: „Ium weiteren möchte ich Herrn Doktor noch mitteilen, daß die Bohnen ungereinigt in die Trommel geschüttet werden, außerdem auch nicht entkeimt werden nach dem Brechen." . idr Kakao-Compagnie Theodor Reichardt Verkauf in Gieszen: tfrau (Emma Sellheim, Bismarckstr. 38.