m. 95 Zweites Blatt 565. Jahrgang Erscheint tLgttch n;ü Ausnahme des Sonntags. Die „Lietzener Kamilienblätter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisfclalt filr den Kreis Sichen" zwennal wöchentlich. Die „LandwirtschaftlichLN SelL- fragrd" erscheinen monatlich zweimal. Donnerstag. 24. April X9|3 RotatronSdruck und Äerlag der Brühl'schen Universiräts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. >----------- Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGieben. Nur den Neichrtagrausschössen. :: Berlin, 23. April. Der Budgetausschuß führte heute mit der Beratung des Voranschlags des Reichsschatzamts die zweite Etatslesung zu Ende. Tie Forderung eines zweiten Direktors wurde von Zentrum und Sozialdemokratie gestrichen. Beim Allgemeinen Pensionsfonds kündigte Schatzsekretär Kühn für die Attpensio- närc eine gesetzliche Regelung ihrer Bezüge an, der Ausschuß beschloß eine Entschließung, die um eine entsprechende Vorlage noch für das laufende Rechnungsjahr ersucht: zugleich imirde die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Invalidenversicherung vom 70. auf das 65. Lebensjahr gefordert. Endlich unterhielt man sich noch über das Buchmacherwesen und nahm eine Entschließung an, die die Regierung um Vorbereitungen ersucht, um der gesetzwidrigen Hinterziehung der Totalisatorsteuer durch die Buchmacher entgcgenzutreten. Darauf wurde der koloniale Nachtragsetat beraten, der -die Forderung für die neue landwirtschaftliche Kreditanstalt für Süd westafri ka enthält. Es wurde eine Reihe oon Bedenken geäußert, die aber Gouverneur Dr. Seitz zu zerstreuen verstand. Schließlich wurde der Voranschlag ge^en die Stimmen der Sozialdemokratie genehmigt, ebenso das Schutz- truppengesctz, letzteres einstimmig. Der Mahlprüf'Ngsausschuh erklärte die Wahl des Abg. Haupt mit 8 gegen 4 Stimmen für ungültig. Die Prüfung der Wahlen der beiden der Wirt- schastlichrir Vereinigung angehörigen Abgeordneten Dr. Werner- Gießen und Dr. Bur ck Hardt gedieh noch nicht zu Ende. Der Bittschriftenausschuß hat Anträge um Herabsetzung der Altersgrenze für die Erreichung der Altersrente von 70 auf 65 Jahre dem Reichskanzler als Material überwiesen. Bekanntlich soll bis zum Jähre 1915 eine Revision der Vorschriften über die Altersrenten erfolgen. Ein Ersuchen des Deutschen Handelstages um schleunige Aufhebung des Scheck- und Bankauittungsstemvels wurde ebenfalls als Material überwiesen. Eine Bittschrift betreffend feste Anstellung des im deutschen Reichsdienst beschäftigten ständigen Hilfspersonals nach einer von der Regierung festzusetzenden Reihe von Tienstjahren und Einführung der Pensionsberechtigung wurde einstimmig zur Berücksichtiaung überwiesen. Anträge um Einführung der Niederlassungsfreiheit im Apothekergewerbe. wurden zwar als Material überwiesen, doch ließ der Ausschuß keinen Zweifel daran, daß er gegen diesen Wunsch gewisse Bedenken habe. Es wurde sogar für Berstaatliehung und Kommunalisierung der Apotheken eingetreten. Eine Bitte, gute Wandertheater reichs gesetzlich zu unterstützen, wurde verworfen, da es eine so große Reihe von gemeinnützigen Einrichtungen für die Volkserziehung gäbe, daß nicht abzusehen sei, wo das Eingreifen des Reichs mir seinen Mitteln aufhören solle. Eine Unterstützung der Wandertheater sei Sache her Einzelstaaten oder von Kömmunen. Ferner wurden als Material überwiesen Bittschriften betreffend Einführung eines billigen Cinheitsweltportos und gesetzliche Regelung des Kinematographenwesens. Preußischer Abgeordnetenhaus. Berlin, 23. April. Nachdem sich heute der Abg. K o r f a n t h (Pole) noch eine rabiate Siebe geleistet, die ihm, u. a. wegen Beleidigung preußischer Könige, zwei Ordnungsrufe einbrachche, wurde die Ostmarkenvorlage in einfacher Abstimmung in dritter Lesung verabschiedet. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend Abänderung der rheinischen Zusammen- legungs- und Gemeinheitsteilungsgesetze. Wg. Weisermel lKonsZ befürwortete den Antrag von Pappenheim, die Beschränkung des.Gesetzes auf die Rheinprovinz, die der Ausschuß cheseiligt hatte, wieder herzustellen. Der Landwirtschff tsminister Frhr. v. Schorlem er ljat zwar gegen den. Ausschuß beschluß, die Besttmmungen auf die ganze Monarchie aitszudebneu, nichts einzuwenden, hält ihn vielmehr für zweckmäßig, glaubt aber doch aus Opportunitätsgründen den Antrag Pappenheim befürworten zu sollen. Er teilt überdies dem Hause mit, daß in Aussicht genommen sei, in der nächsten Session dem Landtage eine Vorlage zu machen, durch welche in den «Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Posen unter Aufhebung der G e n e r a l ko mm i s s i on in Königs der g die Geschäfte der Auseinandersetzungsbehörden auf die ordentlichen Gerichte und die Behörden der allgemeinen Landesverteidigring übertragen werden. Bei Erörterung dieser Vorlage werde sich dann Gelegenheit bieten, die ganze Rechtsfrage allgemein zu besprechen. Der Vorlage in der 'Ausschußfassung stimmen zu die Abg. Frhr. v. Los (Ztr.) und Glatze! Matt.). Tie Volkspartei lehnt, wie der Abg. Dr. Flesch erklärt, den Antrag ab, verlangt also Ausdehnung des Gesetzes auf die ganze Monarchie. Der Antrag von Pappenheim wird schließlich angenommen. Im übrigen werden die Ansschnßbeschlusse angenommen und in dieser Fassung wird der Gesetzentwurf sogleich aud)i in dritter Lesung verabschiedet. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förderung der L a n d e s k u 1 t n r N n d d e r i n n e r e n K o l o n i s a t i o n. Durch die Vorlage werden. gefordert: 12 Millionen Mark zur Urbarmachung fiskalischer Moore. 3 Millionen für Melivrati^nsarveiten ■ auf Domänen und 10 Millionen für Stammeinlagen bei gemeinnützigen Ansiedlnngsgesellschaften. Ter Ausschuß beantragt unveränderte Annahme und Zustimmung zu einer Entschließung, in der die Regierung ersucht wird, der inneren Kolonisation durch besondere Maßnahmen eine weitere kräftige und planmäßige Förderung .zuteil werden zu lassen. Von der Fortschrittlichen Volks Part ei ist der Anttag -eingegangen, anstatt 25 Millionen 115 Millionen zu bewilligen. Es fand eine Aussprache statt, die morgen fortgesetzt wird. Berlin, 23. April. In der heutigen Besprechung des Präsidenten des Abaeordnetenbackses mit den FrccktionsvorfU-enden zur Frage einer eventuellen Revision der Geschäftsordnung imirde dabin eine Uebereinstimmung erzielt, daß diejenigen von dem Gefchästsordnungsausschuß gemachten Vorschläge, wobei eine ausgedehnte Debatte und möglicherweise ein Widerspruch zu erwarten sei, nicht mehr verhandelt, sondern die Verhand- lunaen auf die voraussichtlich unstrittigen formalen Aenderimgen beschränkt werden sollen. Tie Beratungen des Landtages sollen bis zum 30. April abgeschlossen werden. * Im Landtage werden in der Hauptsache vier Vorlagen unerledigt bleiben, nämlich die S t e u e r g e sc tz e , der Nachtragsvoranschlag für 1913 wegen des Ankaufs des Grundstücks Priirz-Mbrecht-Straße 6, das Eisenbahnanliegergesetz und die Hannoversche Jagdordnung. Das Eisenbahnanliegergesetz bleibt bereits zum zweitenmal unerledigt. Tie Steuergesetze werden vorläufig nicht wieder eingebracht werden. Jedenfalls nicht in der ersten Session des neuen Landtags. DeALrcbes tteidb. Ein Vortrag im Reichspostamt. Im Kuppelsaale des Reichspostamtes versammelten sich am gestrigen Mittwoch abend Staatssekretär K r ä t k e und eine zahlreiche auserlesene Gesellschaft um das Denkmal des verewigten Generalpostmeisters v. Stephan, zu einem Vortrage des Geheimen Obervosttates Professor Strecker über den Fernsprechverkehr. Seine Ausführungen gipfelten in praktischen Vorführungen der Sprechverstärkung durch Anwendung der v. Liebens- schen Lampe, wobei unter Einschaltung eines künstlichen Widerstandes die Ueberwindung der Entfernung Berlin-Rom unter außerordentlich erhöhter Tonstärke vorgesührt wurde. Der Abg. Mum m hat tut Reichstage folgende Anfrage gestellt: Ist der Herr Reichskanzler bereit, Lluskunft über "die Gründe des ergebnislosen Verlaufes der Brüsseler Spirituose n k o n f e r c n z- 1912 zu geben? Die Mder-MaSauer Genoffsnschastrtrise. bs. D a r m st a d t, 23. April. In der Vernehmung des Justizrats Dr. Bender wird fortgefahren. Es soll die Spekulationswut des Angeklagten Jjaak näher beleuchtet werden. Dr. Bender sagt aus, daß die Verwandten Isaaks seinerzeit große Opfer brachten, um den Angeklagten aus seinen Engagements herauszubringen. Von den Beziehungen zu Pattmann hat der Zeuge keine Kenntnis. Wieder wird die Sanierung des Isaak eingehend besprochen, ohne daß aber wesentlich neue Momente dabei zutage treten. Der Hauptzeuge der heuttgen Verhandlung ist Dr. Struck, der jetzt in Berlin eine Anstellung gefunden hat. Dr. Struck war früher Kommissar der Reichsgenossenschaft bei dec Land- wirtsawstlichen Kreditbank und wurde später eine Zeitlang Geschäftsführer der Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft. Dabei hatte er aber noch seine Haupttätigkeit bei der Kreditbank. Die Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft ist gegründet worden, um Grundstücke und Hypotheken der einzelnen Genossenschaften zu verwalten, ivozn es bei diesen an der nötigen Sachkenntnis fehlte. Huf die Frage des Vorsitzenden, welche Vergütung die Gesellschaft dafür erhielt, antwortet der Zeuge, daß eine solche nicht vereinbart worden sei. Man beschränkte sich auf die Spesen, wie sie überall bei Bankgeschäften erhoben wurden. Das ursprüngliche Stammkapital der Gesellschaft betrug 100000 Mk., später 300 000 Mr. Bors.: Wie ist das Geld verwendet loorden? Ter Zeuge weiß das nicht. Der Vors. hält ihm Heer seine frühere Aussage vor. Damals habe er sich auf alles das noch sehr gut besinnen können. Der Zeuge verwahrt sich entschieden dagegen, daß es sich bei der Gründung der V.-V.-G. nicht um eine Bargründung gehandelt habe. Vors.: Warum übernahm denn die Gesellschaft die Sanierung Isaaks? Zeuge: Daran war vor allem die Landwirtschaftliche Kreditbank interessiert. Der Zeuge gibt dann Auskunft über die Vorgänge bei der Sanierung Isaaks. Es war angenommen, daß sich dabei für die Gesellschaft ein hoher Gewinn ergeben würde. Vors.: Wer hat das Risiko dabei getragen? Zeuge: Die Verwaltungs- und Ver- wertungsgesellschast. Vors.: Damit also die Mitglieder der Genossenschaften. Was hatten denn die für ■ ein Interesse an der Sanierung Isaaks. Zeuge: Damit Nieder-Modau keinen Schaden erleide. Bors.: Inwiefern war denn Nieder-Modau interessiert? Zeuge: Ich habe das alles im Moment vergessen. Die Angelegenheit liegt schon zu weit zurück. Vors.: Ich nehme also znr Kenntnis, daß Sie das vergessen haben! Der Zeuge bemerkt hierzu, daß es ihm beim Untersuchungsrichter passiert sei, daß ihm gesagt wurde, daß er alles das vergessen hätte, was evtl, ungünstig sein könnte. Gegen eine derartige Auslegung müsse er sich wehren. Sein guter Ruf sei noch durchaus jntzakt. Die Verhandlung wendet sich mm der Sanierung der Land- wirlschaf: licken Kreditbank zu. Die, Auskünfte des Zeugen hierzu find aber nur sehr unvollkommen, so daß sich bei dieser Gelegenheit «eine eingehende Behandlung auf die ganze verwickelte Transaktion nicht umgehen läßt. Es stellt sich heraus, daß das Ler- fahren bei dieser Sanierung doch nicht ganz korrekt gcioefen sein kann. Besonders die Genoffenschiften seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Längere Zeit nimmt die Erörterung über den Wert dw Pfandbriefe der Landwirtschaftlichen Kreditbank in Airspruch. Diese Pfandbriefe find von den Genossen- ßchaften Ku pari übernommen woroen, obwohl sie nur 80 standen. Die Kreditbank versprach sich von der Sanierungsaktion einen vollen Erfolg. Worauf sich diese Hoffnung aber aufbaut, kann der 'Zeuge auch nickst ttarmachen. Immer wieder muß die Frage aufgerollt toerben, warum man denn eigentlich die Genossen- schaflen darin verwickelte. Wenn der „innere Wert'" der Pfandbriefe wirklich so gut Ivar, wie der Senge behauptet, hätte die Genossenschaftsbank doch die ganze Sanierung allein Machen können, d. h. also die ganzen Pfandbriefe selbst übernehmen können. Die Frage des Beisitzers Konradi, ob man denn den Genossenschaften davon überhaupt Mitteilung genmcht hätte, bejaht der Zeuge. Tie Frage aber, ob man ihnen auch von dem Risiko Mitteittmg gemacht hätte, muß, er verneinen. Ter Beisitzer Konradi bemerkt, daß die Vorstandsmitglieder in Nieder-Modau doch sicher die ganze Transaktion nicht verstanden hätten. Aruch davon, daß die Pfandbriefe, die sie zu pari übernehmen mußten, 80 standen, hat man nichts gesagt. Me diese Tinge vermag der Zeuge nickst genügend aufzuklären. Im toeUeren Verlauf der Sitzung kommt es zu langatmigen fachlichen Auseinand er setzungen, an denen sich der Sachverständige Regierungsrat Bastian und der Angeklagte Kommerzienrat Ihrig lebhaft beteiligen. Der Kernpunkt aller dieser Fragen ist aber immer: Welches Interesse bestand für Nieder-Modau, sich an der Sanierung Isaaks $t beteiligen, lieber die Persönlichkeit Isaaks befragt, sagt der Zeuge, daß er mehrmals mit Isaak aneinander- geraten sei. Er habe ihm auch einmal geschrieben, daß er Gelder, die ihm anvertraut wurden, für eigene Zwecke verwendet habe, lieberI;aupt hätte sich Isaak oft Rechte angemäßt, die ihm nickst zustünden. Tie Verhandlung schließt gegen 2V-i Uhr. Der Zeuge wird nur unter dem Vorbehalt der Wiederladung entlassen. Fortsetzung morgen vormittag 8V2 Uhr. Leben. — Große Preise, d i e noch, zu vergeben sind. Es gibt eine stattliche Anzahl von großen Preisen für wichtige Entdeckungen und Erfindungen, die noch des glücklichen Gewinners harren. Der bedeutendste dieser Preise ist nach einer Ausstellung der englischen Zeitschrift „Populär Mechanies" der 400000- Mark-Preis, den die Internationale Vereinigung von Automobilklubs für den besten Ersatz von Gasolin ausgeworfen bat. Von der zu findenden Substanz wird gefordert, daß sie für die feist im Gebrauch befindlichen Motore mit innerer Verbrennung muß verwendet werden können, und daß sie außerdem derart ist, daß sie nicht, von einem Trust monopolisiert werden kann. Für den Fall, daß dieses Heizmaterial ans Stoffen hergestellt werden kann, die in England selbst produziert werden, ljat die Britische Gesellschaft von Motorfabrikanim und -Händlern noch einen weiteren Preis von 40 000 Mark in Aussicht gestellt, so daß der, dem die Lösung des schwierigen Problems gelingt, sckwn durch diese Preise ein wohlhabender Mann werden würde. Ter höchste Preis, der in Amerika gegenwärtig zu vergeben ist, beläuft sich auf 40 000 Mark und soll dem Erbauer einer Masckstne zufallen, die Zuckerrüben automatifch herauszieht und zerschneidet. Ein Preis von 80 000 Mark ist in Frankreich für die natürliche Heilung einer der häufigsten Kckankcheiten ausgeworfen lvorden, ohne bisher einen ernsthaften Bewerber gefunden zu l>aben. Das amerikanische Rote Kreuz hat verschiedene Preise int Werte von 12 000—20 000 Mark denr zugesick)>ert, der 'Apparate und Vor kehrungen an geben kann, die die Leiden der Kraitken und Verwundeten in Kriegsfällen lindern. Einer der wichtigsten Preise, die Iden Schutz und die Erhaltung von Menschenleben zum Gegen- ftxrnb haben, ist die Summe von 25 000 Mart, die von den Minen- bcsitzlern in Dortmund für die Erfindung einer elektrischen Berg Mannslampe ausgesetzt wurde, die zitgleich eine Vorrichtung für die Feststellung der Litswerhältnisse unter Tag enthält und so als Warnungssignal vor schlagenden Wetterit dienen kann. Einen kleinen Preis von 400 Mark will die Britifche Gesellsckwft der Künste dem zu erkennen, der ben praktischsten Apparat erfindet, um bei Unglücksfällen in Bergwerken die Retttmgsarbeit zu er leichtern. Tie Vereinigung der englischen tz-Krber hat ihre be sondere ylufmerksamleit einer gegerrwärlig int allgemeinen Gebrauch befindlichen Maschine für das Schrei den von Leder zu gewendet, die viele ernsthafte Unfälle beroorgmifcn hat. Dem, der eine ausreichende Sicherung dieser Maschine angeben kann, bietet sie 400 Mark. Auch einige große Flugpreise stehen nock> aus, so einer von 100000 uttt> einer von 200 000 Mark, die die Daily Mail verheißt. Der erste Preis ist für den bestimmt, der in einem in England erbauten Wasserflugzeug rund um Ärosf- britannicn fliegt, der andere dem, der den erftcit Flug über den Atlantischen Ozean vollbringt. — Der Preisträger des Sonzogno-Wettbewerbes. Ans Mailand wird berichtet: Das Preisrichterkollegium, das über den jüngsten von dem italienischen Musikverleger ^onzogno ausgeschriebenen Wettbewerb zu bestimmen hatte, fällte tu diesen Tagen sein Urteil zugunsten des jungen, bisher kaum bekannten Komponisten A rr i g 0 P e d r 0 l l 0. Insgesamt waren 54 Opern und 3 sinfonische Kompositionen eingereicht worden, von beneit 7 Opern in den engeren Wettbewerb kamen. Das preisgekrönte Werk Pedrollos ist eine breiaftige Oper „I uan a", das Libretto stammt von de Earli. Pebrollo ist der Sohn eines Musik lebrers und begann schon im jugenblichen Mter sich durch Klavier Vorträge durchs Leben zu schlagen. Mit 13 Jahren kam er ans Mailänder Konservatorium, wurde Schüler Eoronaros und verließ die 9(nftalt mit 19 Jahren im Besitze seines! Diploms, naehdem^er die Aufführung einer von ihm komponierten „romantischen Sinfonie" miterlebt hatte. Dann aber begann das Vagantenleben eines jungen mittellosen Musikers. Pedrollo zog als Dirigent kleiner Kapellen durch die Welt, spielte in Hotels und in Kaffeehäusern, an Badeorten und überall, wo in öffentlichen Lokalen Musik verlangt wirb. In seinen knappen Mnßc- ftunbeii komponierte er, und vor 5 Jahren wurde bereits von ihm eine breiaftige Oper „Das gelobte Land" in Cremona mit bescheidenem Erfolg aufgeführt. Nun rückt bei- junge Musiker durch die Erlangung des Sonzogno-Preises mit einem Schlage in die erste Reihe der modernen italienischen Opernkomponisten. — Wie ein Engländer Berlin wiedersah. Der englische Journalist Valeniine Williams, der in früheren Zeiten als Korrespondent in Berlin lebte, veröffentlicht jetzt in der Daily Mail eine Schilderung der Eindrücke, die er bei seiner Rückkehr nach Berlin empfing. Wie fort sich Berlin ne räubert! „Diese Stadt ist heute von Willenskraft durchsättigt. Sie gleicht einem! Mafchinensaal, der durch den tvang gewaltiger Maschinen bebt und zittert. Und sofort spürt man, daß hinter dieser gewaltigen Arbeit Zielbewußtsein und der Wille zum Errolg stehen." Ter Engländer spricht bann von der ^gewaltigen Organisation bes äußeren Lebens, von Ordimng, Sauberkeit und von den „palastähnlichen .Hotels und den pruntvotten Restaurants, in denen 'man für billiges Geld aus einer märchenhaft reichhaltigen Speisekarte ein sDäal)( auswählen kann"; mit den besch'ideneren Bemühungen anderer Hauptstädte fei der Vergleich verblüffend. „Und doch wie sehr dieser konzentrierte Witte und die Entwicklung Berlins Beimmderung heischm: behrebigenb ist das Endergebnis doch nickst." Noch hat der nette Geist seine Formen nicht gesunden, und die Grazien müssen oft trauernd beiseite stehen. Ms Wenwis dafür nennt der Engländer den gewaltigen Gegensatz zwischen der edlen Mtberliner Arck ckettur arrs Sckinkels Zeit und der Baukunst des modernen Berlin, die er umschreibt als eine „chaotische und schauerliche Mischrmg, in der jeder bekannte oder unbelaniTtc Stil von den Pharaonen bis zu Wilhelm II. vertreten ist. Wohin man immer im modernen Berlin den Blick richtet, sieht man die Bemühung, eine neue Note anzuschlagen. Und oft genug wird dabei die Schönheit durch den übertriebenen Ehrgeiz, Eindruck zu machen, erstickt. Es bleibt das Gefühl, daß 9leu Deutschland vor allem die Kraft aiibetct. Die Fassaden vieler neuen Riesen re stanrants und Eafss sind mit gewaltigen bildhauerischen Torsos im Stile Rodins geschmückt: oft strebt die Phantasie des Bildhauers zum Erotischen, oft auch zum Dämonischen". Und eine ähnliche Unausgeglichenheit, ein ähnlicher Ehrgeiz, unter allen Umständen, einen großartigen ^Eindruck zu erzielen, spürt der Engländer in ben neuen großen Straßenzügen des Westens. „Da stehen altdeutsche Häuser mit geschweiften roten Dächern unb Giebelarchucktur in Holz neben Sandsteinbauten im Renaissancestil. Blanche Häuser sehen wie Feuerlvachen aus, andere itne Kirchen, unb dann wieder andere wie Häuser. Aber mit ihren blitzblanken Fronten und ihren liebten Dächern verleihen sie diesen Vororten Berlins gewiß eine heitere fröhliche Note." Aber ber Gesamt ein druck für den Ausländer ist dock der, daß der gewaltige Fortschritt der Reichshauptstadt vielfach den Sinn für Proportionen und den Sinn für das Angemessene zerstört. Zweck imb Mittel geraten miteinander in Streit. Der Engländer «empfindet es als nnzusannneirgehörig, meint er ein einfaches Mittagessen in einem Prunkgebäude cimtclymen soll, das „eher an die Westminster Hall als an ein Restaurant gemahnt", und das' selbe Geft'chl beschleicht ilyn, wenn er in einer „prächtigen dom- artigen Halle mit gotifd>en Fenstern und gewaltigen Pfeilern - Socken kauft". Mn meisten aber hat ihn die gewaltige Ausdehnung überrascht, die das Berliner Nachtleben genommen hat. Er sieht darin ein Anzeichen für eine der schwersten Gefahren, die das neue Deutschland bedroht: das Zeichen für eine zunehmend niateria listische Lebensbetrachtung. „Oft ist in Deutschland dagegen der Waruuitgsrus erhoben worden. Denn diese Tendenz zum Mate- rialisnms muß schließlich die sittliche Wohlfahrt des beuifeben Volkes gefährd en." bflS- der geb, Ga Abf bis sich tan Be Da' toei. tat (fdb der, ger; bis vol tob ntai 'seii tat Be un tob ritt VA bal' m an ael Dc bil rer fte' Vie gei üoi sei« M NU Be > bet ert bei 1 ba en ’ Ar gei tat §e D»; M T[< M'' so ih in Nk sch 9 fr, a f • 1 T sL t i v a b/ s- .• £ Ip I N'.g . Jj,' z Ar-s Stadt rrnd Land. Gienen, 24. Avril 1913. _ ** Neber di-e Säuglingssterblichkeit in 113 basisch eit Gentcmden mit mindestens 2000Einwohnern im Jahr 1912 berichtet die neueste Nummer der Mitteilungen her Kress. Aentralst-'lle für die Lcmdesstattstik. Hiernach kam in diesem Jahr fast überall auf 100 Lebendgeborene eine erheblich geringere Zahl gestorbener Säugling' als im Jahresdurchschnitt 1906/10. Eine Ausnubme machen nur einige Gemeinden in Rheinhessen, im Kr-ffe Offenbach im Odenwald und b ei 6)i eß en. Den höchsten Proze-ntsa; der Gestorbenen weist Finthen bei Mainz mit 26,9 auf, dem Laubenheim mit 24/2, Wimpfen mit 24,1 und Münster bei Dieburg mit 18,9 folgen. Am günstigsten steht Schotten , mit 1/9 da, aber auch in Butzbach und Nidda mit 3,7, , Nieder-Ramstadt mit 4,1 und Arheilgen mit 4,5 Broz-'nt sind bP Verhältnisse noch erheblich besser als in Rheinhessen, wo Prozentsätze unter 8 nur vereinzstt verkommen. Das Jahr 1911 hatte durch seinen ungewöhnlich heißen Sommer an den meisten Orten eine teilweise sehr erh-bliche Verschlechterung gebracht, während sich im Fahr 1912 die Besserung von 1906 bis 1910 noch weiter fortgesetzt hat. ♦* Landesvereinigung des Deutschen Schulschiff-Vereins. Am Sonntag fand unter dem Vorsitz des Neflierungspräffdenten Dr. von Meister im Frankmrier Hoi zu Frankfurt die Gründung d^r Landesvereinigung des Deutschen Schulschiff-Vereins für Hessen und Hesscn-Rassuu statt, zu der der erste und zweite geschäftsführende Vorsitzende Geh. Kommerzienrat Max v. Guilleaume-Köln und Professor Dr. Schilling, Direktor der Seefahrtsschule Bremen, anwesend waren. Dem vom Vorsitzenden des Deutschen Schulschiff-Vereins, dem Großherzog von Oldenbura, ernannten Vorstände gehören u. a. an: Regierungspräsident Dr. v. Meister-Wiesbaden als 1. Vorsitzender, Dr. Willy MerA-Darmstadt als 2. Vorsitzender. Anschließend an die Gründung folgte ein Vortrag des Professors Dr. Schilling über ,.Ziele und Zwecke des Deutschen Schulschiff-Vereins", der mit großem Beifall ausgenommen wurde. .** lieft er bte Entwicklung des deutschen Seeschiffbaues bis sunt1 Imperator sprach am Dienstag abend bei gutem Besuch Ingenieur Burrne fte r im Saale des Einhorn. Der von der Orcsgr. Gießen des Bundes!d. techn.-ind. Beamten veranstaltete Vortrag stellte an die Auffassungslraft der Zuhörer kein" geringe Anforderung, sprach docl. Herr Burmester weit über zwei Stunden. Es darf anerkannt werden, das er ein ungewöhnlich reichhaltiges Material msamniengetragen hatte. Herr Burmester gab. zunächst eine kurze Ueberficht über die Entwickelung des Schiffbaues überhaupt, um dann an Hand zahlreicher prächtiger Lichtbilder die Entwickelung der deutschm großen Schiffahrtsgesellschaften, der von ihnen immer größer, prächtiger und — was schließlich die Hauptsache ist — betriebssicherer gebauten O?,eandampsrr und der deutschen Reederei zu schildern. Unter Benutzung des ihm von der Hamburg—Amerilalinie überlassenen Lichlbildermaterials zeigte er dann den Bau und di? Einrichtung des „Imperator", der belanntermast'n das größte Schiff der Welt ist. Wir Jfafcen verschiedentlich Beschreibungen des „Imperator" gebracht, so daß sich ein Eingehen auf diesen Teil des Vortrags erübrigt. ** Regiments-Jubiläum. Am letzten Sonntag wurde zu Gießien im Hotel Großherzog der diesjährige allgemeine Vertreter tag des Jubiläums-Verbandes e h e m a l i g e r 116 e r abgeh alten. Zu ihm waren der Herr Regimentskommandeur mit einer großen Abordnung des Offizier-Korps und der gesamte Verbandsvorstand und außerdem 60 Vertreter der einzelnen Vereinigungen erschienen. Aus dem Bericht, den der 1. Vorsitzende des Verbandes Rechtsanwalt Kaufmann in Gießen erstattete, war zu entnehmen, daß dem J.-V. fetzt 52 Vereine mit 11 600 Mitgliedern an gehören. Bei dem Regiment selbst haben sich nahezu 700 Veteranen aus den Feldzügen 1848, 66, 70, China und Süd-West-Afrika direkt gemeldet. Tie Vorbereitung der 10 Arbeitsansfchüsfe des Gießener Vereins läßt eine würdige Durchführung des Jubiläums als gesichert erscheinen. Zum gemeinsamen Mittagessen haben sich schon 5500 Kameraden angemeldet. Für Nachmeldungen zum Eintritt in den J.-B. zur Teilnahme am Mittagessen und zur Einquartierung durch den Wohnnngsausschtlß wird als äußerster Termin ber 15. Mai bestimmt und beschlossen, daß später sich meldende Kameraden nicht naehr in die allgemeine Festteilnehmerliste aufgenommen werden und die Festdenlmünze, sowie das Fest'buch nur gegen Zahlung eines besonderen Festbeitrags von 3 Mark erhalten können. Staatsminister von Ewald hat zugesagt, daß allen hessischen Staatsbeamte Urlaub zum Fest gewährt wird, ohne daß dieser auf den Jahresurlaub Anrechnung findet. Ebenso ist den Kameraden der Beitritt zu der J.-V. von deut Kommandeur des Gendarmerie-Korps gestattet worden. An die anwesenden Vereinigungen wurden Muster der Regiments- geschichte, der Jubiläumsdenkmünze, des Festbuchs und der Festpostl'arte ausgcgeben, damit n-och rechtzeitig bis zum 15. Mai Bestellungen erfolgen können. Vom Verpflegung aussch'.lß ist eine Tischordnung ausgearbeitet worden, die es ermöglichen soll, alle Kameraden, die sich zum Essen gemeldet haben, zufriedenstellend zu verpflegen. Bis zum 1. Mai können noch Wünsche in Bezug aus Einlegung von Extrazügen bei dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses Oberbahnassistenten Schmidt in Gießen, gemeldet werden. Auf dem Festplatz wird ein besonderes Postamt mit Fernsprechanschluß errichtet und es werden alte dort aufgegebenen Postsachen mit einem besonderen Festpoststeinpel „Regiments-Jubiläum Gießen, Festplatz" abgestempelt werden Für die Angehörigen der Mitglieder der J.-V. hat der Gießener Verein eine Preisermäßigung für Eintrittskarten eintreten lassen. Die letzte Sitzung des großen Ausschusses der J.-V. wird auf Sonntag, den 18. Mai, vormittags 10i 2 Uhr, angesetzt und soll aus der Liebigshöhe stattfinden. Mit dem Dank für die seither geleistete Mitarbeit schließt der Vorsitzende bie Sitzung, indem er auf den erhabenen Regimentschef ein begeistert aufgenommenes „Hurra" aus bringt. Namens des Osjizierkorps spricht Herr Major Frei Herr von Biebra denn J.-V. und seinem Vorstand wärmsten Dank aas für die tätige Mithilfe bei den Vorarbeiten für das Regimentsfest, dar- nach allem zu schließen, einen glän zenden Verlauf zu nehmen verspricht. " Jung Viehweide Tiergarten. Der Austriel auf der Iuuaviehwcide Tiergarten erfolgt Montag, 28. April. Angemeldet sind 35 Folgen und 68 Rinder. Die zulässig Besetzungsstärkc ist hinsichtlich der Fohlen erreicht, hinsichttw der Rinder dagegen noch nicht. Es können noch clm. 30 Tiere zugelassen werden, wenn ihre Anmeldung bau Landwirlschaftskammer-Ausschuß sofort erfolgt. Kreis Lauterbach. ~ Frischborn, 23. April. Am 22. März ds. I- I wurden, wie bereits berichtet, durch Knaben in dem Wale I an der Kreisstraße Lauterbach—Herbstem und Abzweigun i nach Frischborn Teile eines vermutlich menschlichen ke leit es ohne Kopf gefunden. Die daraufhin vorgenommenen Feststellungen ergaben, daß es sich um Ueber- reite eines menschlichen Knochengerüstes handele. Man Hal auch sogleich in dem Fund ein Verbrechen festgestellt, das im vorigen Jahre an einer Frau verübt worden sein soll, die lieh mit zwei anscheinend dem Zigeunerstande angehörenden Männern hier herumaetrieben habe. Rach einem bei der 'Anatomie an der Landesuniversität in Gießen eingeholten Gutachten handelt es sich jedoch nicht um menschliche Knochen- übetreffe, sondern um die eines großen Hundes. Der anfangs recht lebhaft besprochene Fall hat somit eine recht harullose Aufklärung gesunden. Starkenburg und Rheinhessen. d. Mainz, 23. Avril. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten teilte der Oberbürgermeister ein Schreiben der Eisenbahndircktion mit, wonach mit dem 1. Mai mehrere direkte Eiscnbahnzüge von Mainz nach dem Rheingau bis Rüdesheim fahren. Ein alter Wunsch der Stadt sei damit befriedigt iiorben, und er sprach dem Eisenbahndirektionspräsident Laury für seine Bemühungen besten Dank aus. — Die abgeänderte Polizeivervrdnnng über die Ein- und Durchfuhr von frischem Fleisch, wonach es von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr auf dem Schlachthof einer Beschau unterzogen werden muß, wurde angenommen. — Es wurde beschlossen, für die von der Baugenossenschaft des Stadtteils Mombacb aufgenommenen hypothekarischen Gelder bei der Hess. Landeshypothekenbank in Darmstadt in Höhe von 100 000 Mk. die Bürgschaft zu übernehmen. Daran ist die Bedingung geknüpft, daß ein Vertreter der Stadtverwaltung bei den Sitzungen der Baugenossenschaft zugezogen wird. ,— Ein Teil der Stallgasse wurde auf Wunsch der Bewohner in Gallusgasse umgetauft. — Ein Platz am Binger Dor für die Erbauung der Feuerwehrzentrale entsprach nicht den Wünschen der Mehrheit der Stadtverordneten und die Wehr wurde zur toeiteren Prüfung zurückverwiesen. Kreis Wetzlar. — Atzbach, 23. April. Die Gemeindevertretung hat die Jagdmitznng den Pächtern Schrapper und Thomas ans Duisburg-Meiderich zutn JvhrespreiS von 1600 Mk. zu- gesprochen. Diese Herren haben auch die Waldgirmser Jagd gepachtet. — Dorlar erzielte diesmal nur 1210 Mark für ihr Jagdrevier. O Erda, 23. April. Pfarrer Schilp ist zum 1. Mai nach dem Städtchen Prünn in der Eifel versetzt. tfkric&MaaL Der Fall Borchardt und Seiner! vor dem Reichsgericht. Leipzig, 23. April. Vor dem zweiten Sttafsenat des Reichsgerichts sand heute die R e v i s t o n s v e r h a n d l u n g in dem Prozeß gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten des preußischen Landtages Borchardt und Lein ert statt, die am 28. September 1912 vom Landgericht Berlin verurteilt worden sind. Die beiden Angeklagten waren zu der Verhandlung selbst nicht erschienen: sie ließen sich durch die Rechtsanwälte Dr. Heinemann, Dr. Haase und Dr. Wolfgang Hein e vertreten. Die Revision stützte sich im wesentlichen darauf, daß der 8 64 der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses, aus den sich der Präsident Frhr. v. Erffa berufen hatte, als er den Abg. Borchardt von der Sitzung ausschloß und gewaltsam durch Polizeibeamte entfernen ließ, rechtsunwirkfam sei und gegen die preußische Verfassung verstoße, die den Abgeordneten die Immunität zu- sichere und einen zeitweiligen Ausschluß eines Mitgliedes von den Sitzungen nicht vorsehe. Der Reichsanwalt Richter führte in einer mehr als zweistündigen Rede aus, daß er sämtliche Revisionsanträge für unbegründet halte: er beantragte Verwerfung der Revision. Rach 5V-stündiger Verhandlung vertagte der Gerichtshof'die Verkünd i g u n g d es U r t e i l s a u s d e n 6. M a i. Wrtterle gegen die „Strassburger Post". Colmar, 23. April. Vor dem. hiesigen Schöffengericht sollte heute die Privatslage des Abgeordneten W e 11 c r l e gegen die „Straßburger Post" verhandelt werden. In ihren Artikeln über die Vorträge, die Herr Wetterlv im Januar d. I. in Frankreich gehalten hotte und die auch in Deutschland großes Aufsehen erregt haben, batte das genannte Blatt Herrn Wel- terle u. a. auch ein feiges Verhalten vorgetoorfen. Wegen dieses Vorwurfs barte Abgeordneter Wetterlö Beleidigungsklage auf Grund des Paragrapl-en 185 des Reichsstra f g e sctzbuches erhoben. Kurz vor Gintritt in die auf 10 Uhr vormittags angesetzte Vcrl-andlimg reichte der Anwalt des Klägers einen Vertagungsantrag ^ein mit der Begründung, daß Herr Wett er le heute an einer Fraftionssivung der Zentnrmspartei in Straßburg teil nehmen müsse. Die beklagte Partei meinte dagegen, es sei in die Verhandlung einzutreten. Tas Gericht lehnte die Vertagung des Klägers ab, weil die angegebenen Gründe nicht stichhaltig und ausserdem das persönliche Erscheinen des Klägers wie des Beklagten weder angeordnet, noch nottoenbig seien. Nun beantragte der "klägerisch? Anwalt, die beiden Schöffen wegen Besorgnis der Besonnenheit ubzulehnen, weil sie beide Altdeutsche seien (der eine ist Badenser, der andere Rheinländer von Geburt, beide sind seil 1871 int Landes und weil in altdeutschen Kreisen eine Animosität gegen Herrn Wetterle bestehe. Das Gericht zog sich zur Beratung dieses Antrages zurück. Als Ergebnis nerfünbete ^er Vorsitzende ben Beschluß auf Ablehnung des Antrages, weil dieser nicht begründet sei. Dagegen nranbte der klägerische Anwalt das von der Prozeßordnung gebotene Mittel der sofortigen Ve- scl/tverde an. Infolgedessen wurde die Verhandlung bann auf unbestimmte Zeit vertagt. * w. Zweibrücken, 22. April. Tas pfälzische Schwurgericht verurteilte den italienischen Staatsangehörigen Fabrikarbeiter Johann Walceschiui in Ludwigshafen, der am 23. Februar b. I. in feiner Wohnung seine Ehefrau und deren Liebhaber, feinen Landsmann Morini, überraschte und beide mit einem Eisenprügel erschlug, zu 10 Monaten Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände. Humoristischer. Deshalb. „Warum war denn die Kaiserin mcht mit hier," fntg gestern mein Sohn Karl. „Ei," sagt mein Fritzchen mit feinem schönen Straßen deutsch,' du dummer Kerl, iver soll dann dehaam bet de Kinn er bleiwe." * A ch so! „Wie geht's denn unscrem alten Freund 5 ent in?" „Der ist Armeelieferant geworden!" — „Was du sagst. Wohl in Konserven?" — „Ree, acht Buben hat er." fandet und Verkehr, Volksu-rrtßcbnkt. Frankfurt, 23. April. Tie heute hier abgehaltene ordentliche Hauptversmnmlung der Buderus sch en Eisenwerke, Wetzlar, zu der ein Mien-Kapital von 10 094 000 Mark angemeldet war, genehmigte den vorgelegten Rechnungs-, ilschluß für 1912 und beschloß, den Reingewinn nach dem Vorschläge der Verwaltung zu verteilen. Hiernach gelangt eine Tivi- dende von 7 v. H. gegen 6 v. H. im Vorjahre sofort zur Auszahlung. Tie aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Rentner Karl I. Stiebet tu Frankfurt a. M. und Apottzekenbesitzer Albwt SeyheN zu Wiesbaden wurden wiedergewählt. Aus Anfrage aus icr Versamimltmg teilte die Verwaltting mit, daß die einzelne. Abteilungen durchweg eine befriedigende Besckeäftigung auftorifer Infolge Freigabe der Förderung bis zu 105 Prozent wird aus : 3 eche Maßen die Beteiligung erheblich überschritten wer ' "-en. In Roheisen hält der starke Begehr andauernd an. | 'n- haben Mülw, die .Dindschaic nach Wunsch zu befriedigen,» I'ibalb wir uns entschlossen haben, die Vorarbeiten zur Ei I ■ u iing eines neuen Hochofens auf der Sophienhütte in Äugt, j . nehmen. Tie Gießereien in Wetzlar und Staffel find befriedigend beschäftigt, wenngleich auch bte .Abrufe Ntckck mehr ganz so zahlreich eingeheit, als zur selben Zeit des Vorjahres. Dagegen hat das Darniederliegen der Bautätigkeit die Abrufe in Radiatoren und Kesseln vermindert, so daß wir uns veranlaßt sahen, auf der Abteilung Lollar die Erzeugung vorübergehend etwas einzuschränken, wir dies «rück) in früheren Jahren in der stillen Saison des öfteren nötig war. In den letzten Wost-en scheint aber wieder ein? Belebung finge, rennt zu sein. Das Ergebnis de-s 1. Vierteljahres stellt sich nicht unwesentlich höher als in derselven Zeit des Vorjahres. Wenn nicht unvorher- gejebene Verhältnisse eintreten, hofft die Verwaltung auf weiter steigende Erträgnisse. Märkte. le. Frankfurt a. M. Schiveineinarktberkcht vom 23. April. '?h!betrieben waren 1446 Schweine. Vollflei'ck'igc Schweine von 80 bis 100 kg Lebendaewicht 57.00—60.00 Alk., Schlachtgewicht 74.00 — 76.00 Alk., vollfleischige Cchiveinc unter 8u kg Vebenbaeioicbt 5G.0u—ösOO Alk., Schlachtgewicht 73 — 71.' 0 Alk.: vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendge>»>icht 57.00—60.00 Alk^ Schlachtgewicht 74.00—76 Alk.: vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 57.00— 60.00 Mk., Schlachtgewicht 73—75.00 Alk. toetebäft mäßig rege, bleibt Uebcrflanb. ic. Frankfurt a. M., 23. WvtiL (Criq.-Telegr. des „Gieß. 2bi3.”) 2lnckliche Notierungen der l eutinrn Frucht marktv rei ie. Weizen lbiesigerl 21.25—21.35, Kurbessischer Mk. 21.25—21 35, Wetterauer Alk. 00.00—00.00. Roggen (bienger) Äk. 17.50 bis 17.75, Gerste (Wetteraner) Alk. 17.00—1^.00, Gerste, kranken, Pfälzer. Ried Alk. 17? -0—l'.Oo, £>afev Alk. 17.50—18.60, Mais Mk. 15.50 bis 16.00, D eizenwelck 0 Alk. 32.50—32.75, Weizenmehl I Dlk. 30.50—30.75, Weizenmehl III Alk. 27.25—27.5 Roggen- mehl 0 Mk. 27.75—28.00, Roagenmehl 0/1 Alk. 2-1.50—26.75. Noggenmehl I Alk. 00.00—00.00, Wetzenkleie Dlk. 10.60—11.80' Weizenschalen Alk. 1100—11.15, Roggenklete Alk. 11.25 — 11.50. Malzkeime Alk. 11.00—1',.25, Biertreber 14.00—14.20^ Raps Alk, Ou.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. , fc. Frankfurt a. M., 23. April. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anzeigers”.) Ra rto Hel m nrft. Man notierte: Kartoffeln in 'Woggons Mk. 4.^5—4.75, int Kleinhandel Mk. 5.50—6.00, für j: 100 Ko. F.C. Wiesbaden. Diehhok -M a r e t b e r i cht vom 23. Avril Au'tnev: Rinder -2 (Cdjfen 10, Lullen 0, Kühe 12), Kälber 171, Schale 23, Schweine 407. Geschäft mittel. Preise sür lOO Md. Lebend- Schlacht- O cM c it. »«ewicht Pellfleischige, miSgemäftete, hächsten Schlacht- Mk. Mk. wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 51—56 91—97 Tie noch nicht gezogen haben (ungejocht) . . 50—65 90—96 Lunge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästetr..... . ..... 46—49 82—88 Bull en. Vollfleischige, ausgew^ höchsten Schlachtw. . . 49—53 83—88 Vollfleischige, jüngere 44-48 76—83 L ä rs e>r. R ü ij ?, Vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtivertes . 51—56 91—95 Vollfletfchige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis z»> l Jahren ... . 42—45 75—80 Wenig gut ciitiuicfelte Färjen 45—50 80—89 Sichere ausgemästete Kühe und wenig gut ent- wictelle jiingere Kühe 37—41 68—76 Mäßig genährte Kühe uns Färsen 30—35 61—68 Rai be:. feinste Diastkälber 64—65 107—110 ^rttllere Dtail» und beste Saugkälber .... 60—63 100-105 Eeriugere Aiast- :mi> gute Saugkälber . . . 55—59 93—100 Gernigere e-auglalbec 48—53 84—90 Scha L‘. Weidemastschafe^ Masllämmer und Alasthammel . . . 47.00-49.00 96—98 Schwein!. Vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht 56-58 72—74 Vollfleijchige Schweine untec 80kg Lebendgewicht 55-57 71-73 Vollfleifchige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 57'/. .59 72—74 Dollstetjchige Schweine von 120—150 kg Lebend- gcwlcht..............55-56 71-72 Limburg a. d. Lahn, 23. April, ruchtinark t. Durch. schnittspreis vro Alalter. Rolcr Weizen lnassanischer) 17,10 Alk., weißer Weizen (angebaute Fremdsortcn) 16,60 v f,, Korn 12,70 Mk., Gerste: »utlergerste 10,50 Alk., Braugerste 0,00-0.00 Alk., Haier 7,00-8,50 Alk., Caot 0u,g0 Alk., Erbsen 0,00 Alk» Kartoffeln 4,00, bis 4,60 Mk. Meteorologische Beobachtungen der Ltatiou Sießen. Hochfle Temperatur am 22. bis 23. April ----- 4- 16,4’0. Niedrigste „ , 22. w 23. u *= + 2,5' J. Lliederschlag: 0,0 mm. April 191; Baronteter aus 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative | Feuchtigkeit - Windrichtung i Windstärke kvrad der Bewölkung in gchntel der 1 gchld. Jöimmet&flj ---m Wetter 23 ! 27il 747,0 16,1 4 9 36 X 2 o ^onneincheln 23. 9:fc! 746,2 10 1 54 59 N ■> o Klarerbimmel 24. 7U| 744,4 6,3 5,0 70 XNE 2 0 Sonnenschein Georg AJasmatzi' Akt Ges. Dresden j Grösste deutsche f Ci'g a re hf en Fa b n k ä H g—' • 1 " - - IJJnsere rkiarung m©ht ippefführen Jttraain d»/3 Landwirte! Giessen ist die Sehnsucht aller Mäd Jttmann strasre 10. S»iesseBis Bahnhofstr. 29 Goldperle Eingang der Ictzlm neubeiten in Kleiderstoffen Sammet und Seiden^eugen (2575 Telephon 375. chen und dünnem, sondern decken Sie Ihren Bedarf in Geschäften, die durch langjähriges Bestehen ihre Leistungsfähigkeit bewiesen haben. Das grösste oberhessische Möbelversandhaus Ein Hegen für die Lindwlrtschitt Ist fiöfer's Hedrkh-Pulver. entsprechenden Lokalitäten Bahnhofstr. 29 stattfindet. 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Noch immer, trotz der vielen Abwehrmittel, die in den letzten Jahren erfunden worden sind, blüht und gedeiht der Hedrieh, und mit Bedauern musst en wir auch im letzten Jahre wieder die blühenden gelben Hedrichfolder be trachten, wo doch bei den jetzigen schweren Zeiten gute Ernte-Erträge so sehr erwünscht und erforderlich sind Der Erfolg wird Sie überraschen und Sie zu Nachbestellungen sofort veranlassen. Höfer’s „Hedrieh-Pulver“ ist über ganz Deutschland verbreitet und stehen lobenswerte Anerkennungen jedem ■ Landwirte zur Verfügung. ===== General-Vertretung: Fritz Rumpf, Gießen Privat-Lehr-Institut für Schnittzeichnen und Kleidermachen Die Sommerkurse beginnen ab Wontag, den 28.Aprib wozu ich Anmeldungen jede Woche entgegen- nehme. Für diebevorstehenden Gesellen- u. Meisterin nerr prüfungen empfehle den Damen ebenfalls kurze und gründliche Kurse im Zeichnen, Zuschneiden und der Kleideranfertigung. Bflarie Sack, ak. ausgebildete Lehrerin Schanzenstrasse 22 [2814] Ecke West-Anlage. 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DaS nachstehend bezeichnete Grundstück, das ztir Zeit der Eintragung des VersteigerungSvermerks atif den Namen des Wilhelm Gerhardt in Offenbach am Main im Grundbuch eingetragen war, soll Samstag, den 24. Mai 1913, vorm. 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Justizgebäude, Zimmer Nc. 18, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangs- vollstreckttng. Der Versteigerungsvermerk ist am 8. März 1913 in das Grundbuch eingetragen ivorden. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigeritngsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerunqs- termin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt tverden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung cnt- gegenstehendeS Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung deS Verfahrens herbei- zitführen, widrigenfalls für das Recht der Ver- steigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Gießen, den 28. März 1913. Grobherzogliches Amtsgericht. (B‘% Bezeichnung des Grundstücks. Grundbuch für Gießen, Band 28 Blatt 1310: Flur 4 Nr. 2959/10 — 262 qm Hofrcite am untersten Niegelpfad auf das Bruch (Bleichstraße Nr. 31) Mk. 40000.— Flurgarderoben ständeril. Spiegel PH. Henkefl | Möbel -Handlung 14 *onnenstrastc 14 - Gartenkies liefert prompt und billigst Tel. 259. C. RBbsamcn. Tämtl. Kttd. z. Fabr.-Pr. um. War. an Händler. Prosp. iratiß. 102962J Kren» 9 I. Familie Julius Rosenthal. 2817 Lä Für die uns beim Hinscheiden unsrer geliebten Entschlafenen in so reichem Masse bewiesene Anteilnahme sagen wir herzlichen Dank. A.Salomon&Cie sofort u. bereitwillitrst zur Auswahl u. 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Mai 1913, vormittags 8 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Rr. 18, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Genteinschltldner zu verabfolgen ober zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Ansprlich nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 13. Mai 1913 Anzeige zu machen. ß-/t Grobherzogliches Amtsgericht in Gießen. Billiger Gesräse-Vtrlpurf. Verkaufe fri'chen Spinat Pfd. 15 Pfg., frischen gelben Butter-Kopfsalat 2 Stück 25 Pfg., Steckzwiebeln Pfd. 25 Pig., alle Garten-Sämereien billigst. 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