kheim. er Art 5 preiswert die Schulstr. 7 ms mg- >11» [en en in» .en ;en hen il« ine hen v\ Ur. 94 Erscheint layNch wta Ausnahme des Sonntags. hinzu- zu den Militärsondern im fricbenS- Verwcnbnng gebilligt. Unrecht- der Gelder im Spandaucr Falle bat der Rechnungshof Also keine Spur von Schiebung, Verschleierung und Mäßigkeit. erhalte eine Zulage. Warum wird der Erlaß gegen arbeiterverband nicht zurückgenommen? Generalleutnant Wandel: Der Erlaß bleibt bestehen, da eine Betätigung störenden Sinne nicht geduldet werden kann. Tie Abg. Bohle (Soz.) führt Beschwerde, daß die Feuerwerkoffizlere hinter den andere» Osfizieren zurückgesetzt werden. Der Redner brinat dann Beschwerden aus Straßburg und Metz vor. Abg. Schirmer (Zentr.) wünscht Besserstellung der Beamtenanwärter. Abg. Müller-Meiningen (Vp.) kommt nochmals auf den Spandauer Fall zurück. In der Kam» miffion klang cs etwas anders als heute. Dort sagte Herr Wandel: Jeder Verein, der nicht absichtlich Opposition mache. Abg. Büchner (Soz.): Die Friedensstörer sitzen nicht bei den Arbeitern, auf einer ganz anderen Seite. Abg. Hegenscheidt (Rp.): Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^112. Tel.'Adr.iAnzeigerGießen. Die Staatsbetriebe müssen Musteranstalten sein, aber ine Handwerker dürfen hinter den Arbeitern nicht zuruckgesetzt werden. Das Kapitel: Artillerie- und Waffentoesen wird erledigt. Die Ergänzung zum Schutzgebictsctat lvird in erster Lesung angenommen und der Budgetkommission überwiesen. Mittwoch 2 Uhr: Militäretat, Rcichsschatzamt. Schluß 714 Uhr. Mittwoch, 25. April M Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UliiversitätS - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Die „Hietzener Zamilienblütter" werden dem .Anzeiger" viermal ivöchentlich beigelegt, das „Breisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dis „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen rnonatiich zweimal. Mb. Deutscher Reichstag. 146. Sitzung, Dienstag, den 22. April. Dm Tische des Bundesrats: v. Heeringen. Präsident Dr, Kaemps eröffnet die Sitzung um 2 Uhr. Kürze Ariftaze. Abg. Dr. Heckscher (Vp.) fragt an: Sind der Reichsregierung Nachrichten über die Ermordung des De lit sch enrcichsangc hörigen Hans Arp in Santo Cruz zugcgangen? Hat die Rcichs- rcgicrung bereits Schritte unternommen, um die Bestrafung der Schuldigen und eine entsprechende Sühne herbeizuführen? Geheimer Legationsrat Dr. Lenz: Im Auftrage der Reichs- Verwaltung habe ich zu dem betrübenden Vorfall folgendes zu erklären: Nach einer Meldung unseres Konsularvertreters in Santa Cruz an die Kaiserliche Gesandtschaft in Mert ko .st dec Deutsche Hans Heinrich Arp nach einem Streite mit einem Heer nird FSotte. Glänzende Rechtfertigung der deutschen Offiziere durch die türkische Regierung. Von einer Persönlichkeit, die mit den türkischen Heeres- verhältnissen sehr wohl vertrant ist, wird aus Kon stanti- n 0 p e l, 15. April, geschrieben: Nach dem militärischen Zusammenbruch der Türkei wurden Stimmen besonders in der fremden Presse tank, die die Ursaclxm 511 diesem dem verfehlten Wirken der in der türkischen Armee befindlichen deutschen Offiziere zuschreiben wollten. Diesen Gerüchten, tritt nun Die türkische Militärverwaltung selbst entgegen. Sie beweist, daß sie bei der Reform der Armee nach dem Kriege, unbedingt an dem deutschen Sn st em festhalten will. Wie ich non gant kompetenter Stelle erfahren habe, beabsichtigt die tür kische Regierung n a ch d e m M' liege u 0 ch eine g a n z b e deutende Anzahl deutscher Offizier e z u e n g a gieren. Man hat türkischcrseits erkannt, dass die i)ahl' der bisher in der türkischen Armee tätigen deutschen Offiziere eine viel zu geringe war. Die Türkei verfügte vor dem Kriege im ganzen über 14 Armeekorps auf einem Raum von Adrianopel bis Bagdad. Zur Reform dieser 14 Korps waren bisher etwa 30 deutsche Offiziere tätig. Natürlich war an eine wirksame Tätigkeit besonders bei den schlechten Verkehrsverhältnissen nicht zu denken. Tann wurden bis vor dem Kriege seitens des tür - tischen Kricgsministerirnns nur Offiziere bis zum Stabsoffizier einschließlich engagiert, die danit entweder an die Spitze von sogenannteit Modellregimentern und Baiaillonen gestellt oder aber als Lehrer an den verschiedenen Militürschuleit verwendet wurden. Man wollte von jeder Waffengattung in jebeni Virnn'e- korps je einen Modelltrichperrteil unter einem dentsck«n Offizier ausstellen. Hierzu rcidjte aber die bisherige Zahl der deutsctvn Reformer, wie man am Bosporus zu sagen pflegt, nicht aus. Zecht nach dem Kriege soll dieser Plan voll zur Ausführung kommen. Dies bedingt also bereits eine bedeutende Vermehrung der Stellen für deutsclw Offiziere. Tann sollen s ä nr 11 i ch. e S ch ulen des M i l i t ä r erz-i e hn n g s u n d Bildungs wesens, die Schief schulen der Infanterie, F e l d und F-ußa rti l l e r i e. dcntsch e n O f fi z ierett 11 n t e r teilt werden. Auch niedren' I>öl>ere Stellen, niie von D 1 visi 0 nsk 0 m m a udeure n und t 0 m m andierende n G e neralen sollen mit höheren deutschen Offizieren besetzt werden, um ein sicheres unbehindertes Arbeiten der nnteiTit Stellen zu gewährleisten. An die Spitze sämtlicher hm fielt er Offiziere wird ein deutscher General, dem die deutsttien Herren in allen Sachert unterstellt sind, treten. Damit hört bann auch der Bet kehr in Dienstangelegen'heitett der deutschen Offiziere mit den türkischen KomMmldvbehvrdrn auf, der früher oft zu MiHver Dritter Blatt 165. Jahrgang Mehener Anzeiger General-Allzeiger für Oberhessen konservativ sind, so kann es uns nur recht sein. Der Bund nimmt aber alle Handwerker ohne Rücksicht auf ihre Gesinnung auf. Den Kriegsminister möchten wic dringend bitten, er möge sich durch diese Vorwürfe nicht irre machen lassen, und nur Leute von reichs- trcucc und nationaler Gesinnung berücksichtigen. Abg. Weinhausen (Vp.): Die Annahme, daß 80 Prozent aller Handwerker dem reaktionären Bund der Handwerker angehören, ist wohl eine Selbsttäuschung der Konservativen. Dec Redner begründet eine Rc- iohttion Ablaß, wonach die Anstellungs- und Arbeitsverhältnisse der Staatsarbciter und Staatsangcstellteu anders geregelt werden sollen. Danach sind Berufsorganisationen, aber ohne St reik - recht cinzuführen. Neben den Arbciterausschüsser. sind auch A n - g e st e l l t e n a u s s ch ü s s e einzurichten. Die Löhie und sonstigen Arbeitsbedingungen sollen mit denen der Privatindustrie in Ein- klang gebracht werden. Seit fünf Jahren beschäftigte Angestellte und Arbeiter dürfen nur von den Direktoren und zwar aus wichtigen Gründen entlassen werden. Nach dreijähriger Tätigkeit ist den Arbeitern ein regelmäßiger Urlaub zu gewähren. Pensionen und Ruhegehälter sind derart zu bemessen, daß die Leute oder ihre Hinterbliebenen nicht der Armenpflege anheimzufallen brauchen. Der Redner bespricht eingehend die Verbaltnisse der Angestellten und Arbeiter der verschiedenen Militärwecke. Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.): Kollege Jckler hat mich gefragt, ob ich als Arbeiter- füljrer billige, daß an Organisationen Schmiergelder gezahlt werden. Selbstverständlich tue ich das nicht. Der Handwerkerbund braucht nicht zu den gelben Gewerkschaften gerechnet werden. Diese erhalten im Westen und Südwesten Deutschlands Echmiecgeldec von nationallibcralen Arbeitgebern. Daher war diese Frage gerade aus dem Munde des Kollegen Jckler höchst verkehrt. Die Angelegenheit selbst, die Dr. Müller-Meiningen hier borgetregen hat, ist nicht ganz richtig beurteilt worden. Das Verhalten dec Verwaltung ist durchaus zu billigen. Für Kinderfürsorge, Jugendpflege und bergt solle sie stets Mittel zur Verfügung stellen. Die fortschrittliche Resolution faßt nur frühere Anträge der Rechten geschickt zusammen. Aber fie_ hat das Wesen der Gewerkschaften nicht richtig erfaßt. Ausschüße der Militärhandwerkec empfehlen sich vielleicht doch nicht. Die Löhne geben noch vielfach Anlaß zu Klagen. Die Sicherung des Arbcitsvechältnisses muß wic bei der Poft und bei der Eisenbahn nach zehnjähriger Tätigkeit cintreten. Eine bessere Regelung der Urian befrage ist dringend zu wünschen. Mexikaner getötet worden. Tie Gesandtschaft hat ohne Verzug das Erforderliche zur Feststellung und Ergreifung der Schuldigen bei der mexikanischen Regierung in die Wege geleitet. Das Auswärtige Amt hat die Gesandtschaft telegraphisch angewiesen, auch weiterhin auf die Durchführung des Strafverfahrens bei der mexikanischen Negierung ' wirken, und Entschädigungsansprüche geltend machen. Nach einem am 20. April aus Mexiko eingegangenen Telegramm ist die Untersuchung bereits eingeleitet und der Name des flüchtigen Täters ermittelt worden. Lec Miköreiak. (Fünfter Tag.) Die Beratung wird fortgesetzt beim Artillerie- und Waffenwesen und bei den technischen Instituten. Abg. Müller-Meiningen (Vp.): Anläßlich der Besprechung der Interpellation über die Koalitionsfreiheit der Arbeiter in den Militär werk- stätten haben wir verlangt, daß die Militärverwaltung alles tut, um die politische Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Arbeiter zu gewährleisten Wir haben verlangt, daß die Arbeiter und Handwerker mit sozialem Geist behandelt würden. Wenn es eines Beweises bedurft hätte dafür, wie notwendig ein solches Verlangen war, so ist es bet E - laß, den ich schon in der Budgetkommission vorgetragen habe, der eine umso bedenklichere Erscheinung ist, als er auch einen ganz ungewöhnlichen Vor-; stoß gegen den Reichstag bedeutet. Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, daß ich irgend etwas von diesem Erlaß unterschlage, muß ich ihn leider verlesen. Der Erlaß ist vom 9. November 1912, also vier Wochen vor unserer Interpellation zum Schutze der Koalitionsfreiheit der Militärarbeiter datiert. Dieser Erlaß ist für bas Parlament von zwei Gesichtspunkten aus von Bedeutung: Er lautet: «Der Ortsverein Spanbau bes Bunbeö Der Handwerker her Kaiserlich Königlich Technischen Institute Deutschlands hat eine Beihilfe zur Förderung der Bildung des HanbweckernanbeS erbeten. Da ber genannte Bunb dem „Ausschuß zur Förderung der Bestrebungen vaterlänb'. scher Slrbeitcrbercinc*' (Förderungsausschuß) beigetreten ist (Hört! Hört! links), soll nach mündlicher Angabe der Antragsteller der Vorsitzende des Förderungsausschusses, Generalmajor z. D. von Loebell. eine Beihilfe von 200 Mk. zu ben runb 540 Mk. betragenben Kosten zugesagt haben urrb würbe ber Bunb ber Handwerker für eine Uebecwcisung von 170 Mk. sehr dankbar sein, den Rest — 170 Mk. — gedenkt er selbst zu tragen. Wenn auch nicht zu verkennen ist, baß im allgemeinen ber Felb- zeugmersterei kein besonberer Vorteil burch berartige Kurse zu erwarten ist, glaubt bie Felbzeugmeisterei im vorliegenben Falle mit Rücksicht auf bc- Zugehörigkeit bes Bunbes ber Hanbwerrer zubem r e 1 ch ö t r c u e n F ö r b e r u n g s - aus schuß (Hört! Hört! links.) sich nicht grunbsätzlich ablehnenb verhalten zu wollen. Für die übrigen int Bereiche der Felbzeugmeisterei vorhandenen Arbeitervereine, die sämtlich dem Förderungsausschuß nicht angehören, wird eine Befürwortung ähnlicher Gesuche nicht beabsichtigt. (Lebhaftes Hört, hört! links und große Unruhe.) Seit der Zugehörigkeit des Bundes ber Handwerker zum Förderungsausschuß ist derselbe, abgesehen von seinen zu weit gehenden Forderungen in seiner Petition an ben Reichstag, nicht unliebsam hervocgetcetcn. Die Felbzeugmeisterei verspricht sich von dec Bewilligung ber in bem Gesuch erbetenen Unterstützung einen günstigen Einfluß auf die fernere Haltung des Bundes der Handwerker. lLebhaftcs Hört, hört!) Ob für die nächsten Jahre eine Unterstützung für ähnliche Zwecke befürwortet wirb, würbe von dem weiteren Verhalten des Bundes auch in etwaigen Petitionen an den Reichstag lGroße Unruhe, Zurufe links: Unerhört) abhängig gemacht werden. Diese Angelegenheit hat zwei Seiten, eine politisch-staatsrechtliche und eine etatrechtliche. Vom politischen Standpunkte aus handelt eö sich um ein so schwerwiegendes Schmicrgclberunwesen ärgster Art, baß man mit aller Energie dagegen Front machen muß. Diese Zuschüsse werben vctwenbct als Pressionsmittcl, baß bie Handwerker sich in Zukunft nicht beikommcn lassen, weiter Petitionen an den Reichstag einzugeben. (Sehr richtig! links.) Eö heißt ausdrücklich darin, baß bet Handwerker sich in den M lilärwerk- stättcn unliebsam bemerkbar macht, und bann heißt es: Mit derartigen Petitionen an ben Reichstag macht er sich unliebsam bemerkbar. Damit sinb die Zuschüsse als reines P r es si 0 u S m. 111 c I gekennzeichnet, bamif die Vereine keine Eingaben an Den Reichstag machen. Die dilatorische Seite ist dabei gan/, gleichgültig für ben Reichstag. Der Wortlaut dieses Erlasses ist die denkbar stärkste Provokation des deutschen Parlaments und widerspricht bem in der Verfassung gewährleisteten Pctitionscecht. (Beifall 1 intet.) Sclbst- verstänbllch muß bas Pctitionsrecht aller Staatsbürger gewahrt bleiben. Die Ausgaben zur Förderung des Handwerks sind als Betriebsausgaben gebucht. Aus welchen Fonds werden diese Gelber bewilligt? Welche Gelber werden außerdem noch bewilligt und für welche Vei< ine? Es ist gesagt worben, baß es sich hier um Wohlsahctsausgaben handelt. (Lachen links.) 28 ir banken für berartige Wohlfah rtsau sgabeu (Zustimmnng links), welche zu ganz einseitigen parteipolitischen Zwecken verwenbet werben. Wenn aber derartige Ausgaben gemacht werden, wollen wir wissen, auS welchen Fonds sie bewilligt werden. Ein derartiges Vorgehen der Militärverwaltung müßte von allen Parteien auf das energischste bekämpft werben. (Zustimmung links.) Ich betone noch, baß die Mitteilung des Erlasses keinen Vertraucnsvruch bedeutet, denn er ist in keiner Weise als vertraulich bezeichnet. (Zuruf v. b. Soz.: Das ist ja auch ganz gleichgültig.) Wir müssen einmal hinter biese Schliche der Militärver- waltung kommen. (Beifall links.) Eö handelt sich babei nicht um einen Einzclfall, denn Generalleutnant 28anbcl hat selbst zugestanben, daß seit vielen Jahren derartige Ausgaben gemacht worben sinb. (Hört! Hört!) Wir halten eine solche Verwendung von Staatsgeldern für einen Unfug schlimmster Art, dec bas Vertrauen -u der politischen Objektivität ber Militärverwaltung gegenüber: den Handwerkern und auch gegenüber bent Parlament zu erschüttern in höchstem Grabe geeignet ist. (Sehr wahr', links.) Wir erwarten infolgebessen Aufklärung über bie Verwendung dieser Gelder und, wenn keine Auskunft gegeben werden kann, wenigstens über ben Fonds, aus bem die Gelber genommen werden. Auf die Dauer dürfen berartige Mißbräuche mit Staatsgeldern unter keiner. Umständen geduldet werden. (Zustimmung links.) Die Parteien des Reichstags haben allen Anlaß, eine derartige Ausgabe von solchen Schmiergeldern sür politische Organisationen aufs Schärfste zu verurteilen. (Lebh. Beifall links.) Generalleutnant Wandel: Ter Vorredner hat gegen die Militärverwaltung die hcf- tigstenAngriffeunb schärf st en Vor würfe erhoben. Es hat sich überhaupt nicht um einen Erlaß gehandelt. Es war eine Verfügung von einer untergeordneten Stelle im Kriegsministerium. Das Kriegsmiriisterium hat noch keine Ste,llung dazu genommen, sondern hat den Geldbetrag, 170 Mk., bewilligt. (Unruhe links.) Von Schmiergeldern, von einem Preßmittel in politischer Beziehung ist keine Rede. Eine solche Auffassung Dr. Müllers vermag ich wahrhaftig nicht zu teilen. (Lärm der Soz.) Weber die Militärverwaltung noch insbesondere das i^riegominiiterium hat irgenbeine Rücksicht genommen auf die politische Stellung bes Vereins. (Lachen und Unruhe bei den Soz.) W i r behandeln alle nationalen Vereinigungen gleich, bie auf nationalem Bobcn stehen. (Lärm bei den Soz.) Den Ausdruck, daß es sich um Schliche ber Militärverwaltung handelt, muß ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Es handelt sich um ein Spiel mit vollkommen offenen Karten. Das Gelb ist aus dem Betriebsfonds^ den wir für alle Wohlfahrtszwecke haben. In diesem Falle ist er zum Besten dec Handwerker verwendet. Die Summe ist bewilligt, wie auch zahlreiche andere Summen, weil wir keine anderen Gelber haben, um sie für ähnliche Zwecke zu bewilligen. Ich kann Ihnen bie Ausgaben, bie wir 1912 aus denselben Mitteln gemacht haben, Vorträgen. Es sinb 13 Positionern Der General verliest bie Posten: Haushaltsuntecricht im Mäbchenheim, Kinbcrspielplätzc, für ben Männer-, Jünglings- unb Jungfrauenvercin, (Gelächter links) — bas sind vollkommen neutrale Vereine. (Lachen lin/s.), Ktzinkinbcrhewahranstalten usw. Das sinb alles Ausgaben, die nach unserer Meinung durchaus geleistet wecben diirscn, da wir nick:', wie die Marine ein besonderes Etatkapital dafür zur Verfügung haben. Ich habe bereits gestern in ber Kommission erwähnt, baß wir bereits dabei sinb, mit dem Rechnungshof über bie Etatisierung ber er= forderlichen Mittel zu verhanbeln, so baß bie Ausgaben auf den Etat übernommen werden können. Von einem Mißbrauch Don Staat sgeldern, der stattgefundcn hätte, kann keine Rede sein. (Lärm b. d. Soz.) Abg. Jckler (Natl.): Wir sind der Ansicht, baß es verfehlt ist, solche Schm lergel ber zu geben. Es ist nicht Sache ber Militärverwaltung, für Wohlverhalten derartige Unter Nützungen an Be- russvereine zu gewähren. General Wandel hat erklärt, baß man gegen Vereine, bie auf staatstreucm Bobcn stehen, nicht vorgeht. Ta wunbert es mich, daß der Erlaß gegen ben Militär- arbetterücrbanb noch nicht zurückgezogen ist. Auch bieser steht auf nationalem Boden (Lachen des Avg. B'chrenS.) Wollen Sie, Herr B c h r c n s , als Arbeiters ä G r c r bas verantworten, baß derartige Dinge einreißen? Als Arbeiterführer sollen Sie bie Rechte bcr Organisationen und niemals für Schmiergelder cintreten. Für bie Handwerker ber ver- schicbcnen Waffen werben verschiebcuc Probezeiten ge- forbert. Bei ber einen bauert sie fünf Moiwte, bei ber anbeten zwei Jahre. Die Ungleichmäßigkeit der AnSbübun zSzcit ist ungerecht. Ebenso sinb bie Lohnklafsrn nicht richtig geordnet. Ueber- haupt fehlt es in anderen Fragen, der der Stücklöhne, des Erholungsurlaubs u. a. an Eiicheitlichkcit. Die Militärverwaltung sollte hier bem Beispiel anderer Verwaltungen folgen. Die Ll r b c 1 t c r a u s s ch 11 s s e braucht man nicht .11 überschätzen, man soll sie aber auch nicht unterschätzen. hednifallS soll die Verwaltung das Not gc tun, um sic in Täligkei. zu srtzcn. Auf die Dauer kommen wir mit ihnen nicht aus, wir brauchen c i n Arbeiterrecht für die Staatsarbeitec, da die Organisation für sic in bcr Weise, wie für oic Privatarbeiter, nicht in Frage kommt. Der M i l i t ä r a c b e i t e r v e r b a 11 b hat das Recht, die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Er ist ein staatötroucc Bund und ich verstehe nicht, wie man ibn hier bekämpfen kann. Mindestens soll sich die Verwaltung solchen staatstreuen Organisationen gegenüber neutral halten, ihnen möglichst tolerant cnt- gegcntceten. Sie wirkt damit im Sinne ihrer Verpflichtung für das Vaterland und sorgt dafür, daß die Arbeiter nicht zuc Sozialdemokratie hinübergeführt werden.' Abg. Schwarze-Lippstadt (Zentr.): Die Strbeiter sind mit ben Arbeiterausschüsscn nicht zufrieden. Das Verhältnis zwischen Verwaltung und Slrbeiterausschuß ist wie zwischen Mann und Frau: die Frau hat immer recht, und ebenso die Verwaltung. (Heiterkeit.) Die alten Wünsche der H a n d w e r l e r und Arbeiter auf Besserstellung sind immer noch nicht erfüllt worben. Stuf das alte Duell Zubcil—Pauli, daS früher bei dem Kapitel der Militärwerkstättcn stattfand, haben wir jetzt verzichten müssen. Generalleutnant Wandel: Stuf alle angeführten Beschwerden ausführlich cinzugchen, entspricht Wohl auch nicht den Wünschen des Hauses. Wir wecben sic aber wohlwollend prüfen. Die Slrbeiterausschüsse werben bei Acnderungen ber Arbeitszeit und Arbeitsorbnung stets gehört werden, ihre Wünsche werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Abg. b. Graefe (Kons.): Stach diesem überraschenden Szenenwechsel möchte ich ein wenig Ruhe in bie Debatte bringen, an der wir unS bisher nicht beteiligt -haben. Zunächst möchte ich seststellen, baß b i c Treibereien bes „L 0 k a l a n z c i g e r s" nach unserer Auffassung nicht auf militärische Kreise zurückgeheu. (Sehr- richtig! rechts.) Wic müssen aber sagen, baß bie Petitionen bes Handwcrtcrbundcs so maßvoll und loyal abgesaßt sinb, baß sie bcr Beachtung und ber ernsten Prüfung wohl wert sind. Sic sollten doch öffentliches Gehör finbcn. Natürlich ist cs bas Bestreben ber Verwaltung, bie Höchstlöhne möglichst cinzu- schränken. Aber es sollte boch ein Unterschieb gemacht werden zwischen gelernten Handwerkern und nicht gelernten Arbeitern. Ein Handwerker, bcr Jahre auf seine Slusbilbung verwandt hat, muß enttäuscht sein, wenn er nach 35jährigcc Dienstzeit und im 60. Lebensjahre immer noch ben Lohn der dritten Lohnklassc erhält. Es ist übrigens doch sehr zu erwägen, ob ber Wunsch bieser Handwerker, eigene Ausschüsse zu erhalten, nicht erfüllt werben kann. Der M i u i st e c sollte einmal bie Handwerker empfangen und für ihre etatsmäßigc Anstellung sorgen. Dec Bund der Handwerker verfolgt feine politischen Tendenzen. Daß er konservativ sei, ist wieder die alte Gespenster- sehetei bcr Liberalen. (Widerspruch links.) Ja, Herr Müllcr-Meiningen, wir freuen uns, wenn für sie national und teichstreu dasselbe ist, wie konservativ. (Oho! links.) Wenn *80 Prozent der Handwerker dem Bunde anydjören und deshalb 3 •> ,je )tr »n. ä fite ft -s In it Ä ic n 1, d •TC' at e sie1 it! Ä n S b r* t t e t e c. > Mndtmreri uud Ncitzhelligkeiten führte. Ten deutschen ^Reformern füll tut werter WrrküngÄreiS und ein? rm eingeschränkte Macht- besirgnis ringer.wnt iurrbeir. Sie erhallen auch, was sie bisher nicht befaßen, die Strasgewalt über ihre Untergebenen. .Kürzlich wurden scyon s-iuc i deutsche Fli ege rosfi z ierc in der lürfrschen '2lvnree angcftftlr. Tas Gereicht, das Feldmarschül Freiherr tmn der GolK-Pascha an die Spitze sämtlicher in der türkischen 'Jtrntec tätigen deutschen Offiziere treten werde, bestätigt sich rucht. Nach benr Kriege tverden sofort etwa 200—300 Zöglinge aus der türiischeu Militärschule nach Deutschland geschickt, wo sie als Fahnenjunker in bnnicüe Truppenteile einireicn und erst, toeun sie den Gang der Ausbildung der deutschen Offiziere durch-- getnackt haben, in Dkutschlaud zu ^entnanty befördert werden, in «relcfent Tienstgrad sie dann nock mehrere Jahre Dienst tun. Die bisherige sofortige (finftelliiug als Leutnant hatte nämlich zur Folge, daß die türftfdiicn Ofsiziere den deutschen Tienstbetricb nicht rirtitig kennen lernten, und die drei Jahre ihres Kommandos sich titeln amüsierten als Dienst taten. Die Mder-Modauer Genosseirschaftrkrise. bs. Dar m sta dl, 22. April. 1 3 en g en d e r n e hm itn g. Als erster Zeuge wird heute der Instizrat Tr. Osann- Darmiftadt oernommen. Er war Vertreter der Nieder-Modaner Kiffse und batte als solcher die Beitreibung von Außenständen zu betör gen. Zn seiner Tätigkeit hat er mehrfach die Beitreibung der Zinsrückstände beanstaitdet. Ein.großer Teil davon ist durch große Lässigstil des Pereinsvorstandes verfallen, lieber die Geldgeschäfte selbst, insbesondere über die Wechselangelegenheiten des Vereins hatte der 3enge keinen Einblick. Schon vor mehreren Iahreitz als ihm diese Wechselgeschäfte bekannt lvurden, hat sich Dr. Osairn an den Vorstand der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank gewandt, um Ansilirung über die Verbindlichkeiten der beiden Vorstandsmitglieder Adam imb Roßmamr zu erhalten. Eine genügende Antwort hur er aber nicht erhalten. Immer luiticrer wurde ihm! der Bescheid, daß die dazu nötigen Unterlagen noch nicht fertiggestellt seien. Als man ihn 1911 zu Rate zog, hat er roegat der hohen Verluste nnbebingt zum Konkurse geraten. .Kommerzienrat Ihrig wollte aber hiervon nichts wissen und schlug deshalb die lieber nähme des Verlustes durch den Vorstand und den Aufsichtsrat vor. Dr. Osann hat dann mit seinen Bedenken dagegen nicht zurückgehalten. Besonders warnte er davor, die hohe Summe nur auf wenige abzuwälzen. Er empfahl auch eine .Hilfe durch die Landwirtschaitlick e Genossenschaftsbank: denn diese sei in erster Linie verpflichtet, hier einzugreifen, einmal des ge- uosseusckmsilicheu Gedankens wegen und bann auch, »veil dem Vvrftcuw der Bank belannt war, das Unregelmäßigkeiten dor- gelommen seien. Es wäre seiner Ansicht nach Pflicht der Bank gewesen, hier rechtzeitig einzu sch reiten. Ter Zeuge legt an Hand seiner Akten eingehend dar, bar er gegen die Geschäfte Adams Einspruch erhoben habe. Im weiUren Verlauf der Vernehmung merben die Sanierungsversuche oesprockeu. Der letzte Rechner der .Kasse, Nesi, wollte sich mit den Vorschlägen Ihrigs nicht einverstanden erklären. Der Staatsanwalt weist darauf hin, daß «Ihrig zu Nesi gesagt habe: „Wenn Sie nicht parieren, werden Sie rausgeickiuifsen". Ihrig bezeichnet das als eine „grobe Lüge" des Nesi. Tie Veneidigung Ihrigs fragt den Zeugen, luarunr er brnn nicht auf Grund der vorhandenen Wechsel selbst gegen Dldam und Rostmann eingeschritten sei. Tr. Osann betont, daß dazu fede rechtlichc Unterlage gefehlt habe: denn die Wechsel waren rechtsgültig für den Verein ausgestellt und mußten von diesem' auch eingelöst werden. Und gegen den Verein hätte er als Vertreter des Vereins doch keine .Klage anstrengen können. Es mußten also andere Unterlagen vorhanden sein, uw ein Einschreiten möglich zu machen. Ein weiterer Zeuge ist der I-ustizrat Tr. Reist. Dieser ist Rechtsbeistand des Aussichtsratsmitgliedes Jakobi, der als solcher ebenfalls die Uebernahme-Urkiinde unterzeichnet hatte. Um Jakobi von dieser Verpflichtung zu befreien, hat er ihm ein Schreiben an den Vorstand des Vereins entworfen, worin er die Rechtlichkeit der Unterschrift anfechtet, da diese Unterschrift durch Arglist und Täuschung gewisseimasten erzwungen wurde. Jakobi hatte seinepzeck nur unterschrieben,^ weil Ihrig gesagt habe, zu zahlen soäre nichts, der Betrag ließe sich abnirtschaften. Dieser Brief ist dahin beantwortet worden, dast man den Brief zu den Akten genommen habe. Von den Wechseltransaktionen der Kasse weist der Zeuge nichts. Der Zeuge war auch Rechtsbeistand Pallmanns. Diesen hat der Zeuge für einen wohlhabenden Mann gehalten, lieber Pallmanns Verbindung mit der Nieder-Modaner Kasse kann der Zeuge keine Auskunft geben. Aus der Verhandlung geht hervor, das; Dr. Reist offenbar nur der Beistand Pallmanns in seinen anständigen Geschäften war. Ein anderer Zeuge ist der Nachlaßverwalter Pallmanns, Kausinaim Wilhelm Schneider. Bei der gerichtlichen Eröffnung einer Geheimkassette Pallmanns fanden sich darin n. a. auch drei Blankowechsel mit Adams Unterschrift. Von einer Verpflichtung Rieder-MödauS Pallmanu gegenüber ist dem Zeugen nichts bekannt. Es wird dann ein Vertrag verlesen über die Abtretung aller Rechte des Pallmannschen Baukonsortiums an die Verwaltung^ und Verwertnngsgesellschast. In diesem Vertrag heißt es. daß das Konsortium alle Rechte an die V. V. G. abtritt. Daß es sich ferner bereit erklärt, alle Verluste, die der V. V. G. aus der llebernahme der Häuser entstehen sollten, tragen zu wollen. Von irgend welchen Rechten des Konsortiums ist in benr Vertrag keine Rede, lieber diesen merkwürdigen Vertrag ist die Verhandlung bestrebt, Aufschluß zu erlangen. Ter Zeuge hat diesen Vertrag angefochten, bis jetzt aber ohne Erfolg, da der Prozeß noch schwebt. Im weiteren Verlause bestreitet bei- Angeklagte Isaak ganz entschieden, zu dem Konsortium gehört zu haben. Isaak will nur der Geldgeber gewesen sein, lieber die Zugehörigkeit des AngeU. Isaak zu diesem Konsvrliirm must aber längere Zeit debattiert Serben, ebenso über die geschäftliche Verbindung zwischen Pallm'ann und Isaak. Es werden noch eine ganze Reihe weiterer Verträge verlesen die bann ivicber an anbere Personen abgeschoben wurden. Es ist schier unmöglich, aus all diesen verwickelten Transaktionen sich berauszusinden. Als letzter Zeuge wird der Iustizrat Dr. Bender-Darmstadt gehört, der , früher der Rechtsbeistand Isaaks gemeßen ist. Der Zeuge legt in längeren Ausführungen dar, was ihm von den Geschäften Isaaks bekannt ist. Er hat auch die Sanierung Isaaks durch die Landwirtschaftliche Kreditbank besorgt. Als sich später heransstellke, daß Isaak einige Werte, die er trotz seiner gegenteiligen Versicherung noch besaß, verschwiegen hatte, bat sich der Zeuge von Isaak getrennt. Tie waghalsigen Spekulationen Isaaks haben ihn auch an der Lauterkeit Isaaks zweifeln lassen. Die Verhandlung schließt um 2 Uhr. Fortsetzung morgen vormittag S1/., Uhr. GerichtssaaZ. Vom Reichsgericht. Der „Hausfriedensbruch" der sozialdemokratischen Abgeordneten Borchardt nnb Leinen im P r eustis cb e n Landtage. Der befannie Strafprozeß gegen die beiden sozialdeMo- kratischeu L a n d t a g s a b g e o rd n e t e n Julian Borchardt nnb Robert Sciitcrt wird mir heutigen Mittwoch das Reichsgericht beschädigen. Es lmirdelt sich hier um chic Frage von wei11ragendst er Itaatsrechtlich^r und parlamentarischer Bedeutung, die ihre Lösung durch den lwck'sten deutschen Gerichtshof finden soll Tas Landgericht I Berlin bat die beiden Abgeord neten durch Urteil vom 28. September 1912 wegen Haussriedens- bruc^' imb WwerstandoS gegen die Staatsgewalt, begangen gelegentlich der gewaltsamen und mit polizeilicher Hilfe erfolgten Ausschließung des Abgeordneten Bvrdacbl aus der Sitzung des Preustisckwn Mgeorbnetenhauses vom !'. März 1912, zu 100 bezw. '>0 Mark Geldstrafe verurteilt Tie Angeklagten imb die politische Partei, der sie angehören, selbst die äußeren Vorgänge, die den Anlaß des Prozesses gebildet haben, treten jetzt bei ber Revisionsverliandlung vor dem Reichsgericht vollkommen in tun Hintergrund; als Ankläger ooet, wenn man nuh, auch als ?(u geklagter erscheint jetzt vielmehr lediglich der § 64 der Sc- schäftsordnung d-es Preußischen Abgeordnetenhauses, mit dessen rechtlicher Würdigung das Urteil steht und fÄlr. Denn wenn ixt^et § 64 der Geschäftsordnung, soweit er die Ans Weisung von Abgeordneten enthält und foweit darin 3um ^Ausdruck kommt, dast der Präsident einen Abgeordneten wahrerrd der Sitzung für den Ziest des Tages zeitweise ans s ch l testen kann, mit der prentzischen Verfassung oder mit dem Reichsreckcke in Widerspruch stehl, nyenn dieser § 64 etwa dem Strafgesetzbuche widerstreiter, dm den schwer bestraft, der einen LLbgeordneteir an der Ausübung seines Berufes hindert oder gar die Immunität der Mgeordneten verletsi, dann wäre die Polizei, auch 'formt vom Vorsitzenden zur Tnrcksuhrung des eigenen Geschäftsganges und der eigenen Disziplin herbeigehvlt, nicht in der „rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes" gewesen, als sie gegen die Angeklagten einschritt. Damit würde der Anklage von vornherein der Boden entzogen fein. Tas landgerichtliche U r- t e i l bejaht bas rechtsgültige Zustaubekommen bieses Paragraphen ber IGcsch iscsorbuung unb lehnt and die 'Annahme der Verteidigung ab, bas ber § 64 rechtlich unzulässig sei. Ter Artikel 78 der preußischen Bersassirng, so führt bas Urteil aus, bestimmt für Preußen, bas; jede ber beiben Kammern ihren Geschäftsgang unb ihre Disziplin durch eine Geschäftsordnung regele. Inwieweit aber eine Regelung dieser Disziplin und durch welche Mittel sie zu erfolgen habe, sei in ber Verfassung nicht bestimmt. Daraus entnimmt das Landgericht, dast ber Gesetzgeber dies den Kammern habe selbständig Überla s s c n wollen. Tas individuelle Reckst des Einzelnen finde seine Grenzen an dem Rechte der Gesamtheit auf eine ordmrngswästige Durchführung der Parlamentsgeschäftc. Der Präsident des MgeorbnetenhauseS sei also sehr wohl berechtigt gewesen, den Abgeordneten Borchardt für den Rest des Tages auszuschließen, er sei aber auch befugt gewesen, zur Wahrung seines HauSrechts die Hilfe ber Polizei anzurufen, Die baruni in rechtmässiger Ausübung ihres Amtes gehandelt habe, als sie zur Beseitigung bes .HauSfriebensbruches bic gewaltsame Entfernung Borchardts bewerkstelligt habe. Tas Landgericht stützt sich bei diesen Ausführungen auf die Urteile namhafter Rcchts- lmd Staatswissenschaftler, verkennt aber am Schlüsse ferner Ausführungen selbst nid?:, dast auch für die gegenteilige Ansicht der Verteidigung wichtige Gründe vorlägen. Damit hat das Landgericht wohl selbst den Weg zum Reickis- gerickt gezeigt, den die Revision der Angeklagten bann auch beschritten hak, und m'ait darf gespannt sein, wie das Reichsgericht in dieser Frage entscheiden wird. Gietzener Strafkammer. t . 63 ieben, 22. April. " Ein unverbesserlicher Dieb ist der Stallschweizer K. W. von Behle bei ©cfmeibenuibL Seine Vorstrafenliste weist fast aus jebein Jahre eine Tiebstahlsstrcsie auf. Im ganzen hat er nicht weniger als elf Bestrcnnnaeu wegen Dieb- slalsts erlitten. Die letzte Strafe hatte er am 31. Januar I. Is. verbüßt. Gleichwohl hat er sich bereits am 9. März I. Is. wieder an fremdem Eigentum vergriffen Er hat in Friedberg in der Wohnung des Schreiners K., als er hier beim Betteln niemand antraf, einen Schrank durchwühlt, einen Rock und einen Stehkragen daraus an sich genommen und sich damit entfernt. Tas 63ericht hielt es für geboten, dem Gewohnheitsverbrecher mildernde Umstände zu versagen unb ihn wegen Rückfallsbiebstahls mit 1 Jahr B u ch t h a u § zu bestrafen. Ein Monat Untersuchungshaft kam von ber Strafe in Abzug Urtu nbc nf ä [fehlt ng und Unterscblagung. Der noch nicht vorbestrafte Schweizer O. S. von Offenbach war im Sommer vor. Is. gegen geringen Lohn in Bab-Nauheim in einer Wäscherei als Ausläufer beschäftigt unb bat babei, angeblich weil fein Verbienst zur Ernährung seiner Familie nicht ausreichte, mehrere Unreblichkeiten verübt. In bem einen Falle hat er eine Quittung über 2,50 Mk. in 2,80 Mk. iimqeänbert unb bie ihm zuviel bezahlten 30 Psg. für sich behalten. In den beiben anderen Iä'llen hat er Kundengelber in Höhe von 1,89 Mk. unb 4,25 Mk. nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht. Tie Strafkammer sprach wegen ber Urkunbensälfchung die geringst zulässige 63efängni§- strase von einer Woche und wegen bet Uiiterfchlagungen Geldstraien von Mk. 10.— unb Mk. 15.— aus. veremsnachrichten. — Heuchelheim, 22. April. Den Beweis, daß auch kleinere Stenographen-Vereiue auf dem Lande recht schöne Leistungen erzielen können, lieferte am Sonntag der hiesige S t e n o g r a p H e n - V e r e i n G a b e l s h e r g e r bei dem vom Bezirk Gießen in Lich abgehaltenen Wettscbreibeu. Folgende Preise wurden errungen: 2( 0 Silben Herrn. Rabes und Herrn. Schleenbecker je ein 1. und Ehrenpreis, 140 Silben Rich. Sack 2. Pr., Alb. Seipp 3. Pr., 120 Silben Aug. Lenz 1. Pr., 80 Silben Hans Rinn 2. Pr. und 60 Silben Art. Sack 1. Pr., Karl Weller und Adolf Rinn je 1 3. Preis. — G r o ß e u - B u s e ck, 22. April. Am Sonntag wurde im Saale des Gastwirts Wagner ein Verein der Naturfreunde, genannt ^Wanderklub", ins Leben gerufen. Rach kurzer Beratung konnte man zur Vorstawswahl fchreiten. Gewählt wurden Zahntechniker Hochüätter als 'V orsitzender, Spengler und Installateur Karl Alüller als Schriftführer Fril; Hühnergarth als Kassierer. AzTrVerfttätL-Nachr»eehten. — Professor Tr. meb. Ernst Sch tv albe, Ordinarius und Direktor des pathologischen Instituts in R o st o ck hat einen flhif in gleicher Eigenschaft an fric Universität Königsberg i. Pr. als Nachfolger von Prof. Henke erhalten. — Der Romanist Prof. Dr. O. Schnitz-Gora in Straßburg i. E., der einen Ruf au die Universität Kiel erhalten hat, bleibt in Straßburg. — Der Bouner Kunsthistoriker, Goheincrat Prof. Dr. P. Elemen erhielt vom Großherzvg von Hessen das Ehren kreuz des Verdienst- ordens Philipps des Großmütigen. — Ter a. o. Professor Dr. phil Johann Pleuge in'Leipzig hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl der 9tationalökonomie an der Universität Münster i. W. als Nachfolger bes verstorbenen Professors M. v. Heckel erhalten. — Der Privatdozent an der Berliner Universität Professor Tr. Ifsui Schur hat einen •Ruf als a. o. Professor der Mathematik an die Universität Bonn als Nachfolger von Prof. Hansdorff erhalten und angenontmen. Lanöwirtfchaft. n. Düdelsheim, 22. April. Die hier abgehalteue Bezirk s p f e r b c s ch a u war von den Pfcrbebesitzern ber Umgebung sehr gut beschickt. Im ganzen wurden etwa 30 Pferde zur Prämiierung vorgesührt. Preisrichter waren (Gustav Mogt-Grund- Schwalheim, Fenchel-Griedel und Rullmann-Mittelckf/ründau. Außerdem war Freiherr von Stark-Darmstadt als Vertreter des Lanbos-P f erde zücht Vereins anwesend. Das Präniiicrungscrgebnis i|t folgendes: I. Belgier: Ed. 9iobrian, Erbacher Hof, Ehren preis des Landes-Pferdezuchrvereins: Adolf Güugcrich, Engelthal, zwei 1. Preise: Heinr. Straft, Voubaiisen. ei n J. Pr.: Rob. (*üngc rief?, Engelthal und Heinr. Baumann, Eckartshausen je ein 2. Pr ; Fr. Titzel, Eckartshausen ein 3. Pr.; Heinr. Brück. Düdelslreim, Wilh. Ros, Düdelsheim unb Heinr. Will). Höchstem, Dübelswsim je eine Anerkennung. II. Oldenburger: Wilh. Titzel, Herrn- haag und Phil. Fr. ?üeicheit, Altwiebermus je ein 1. Preis: Heinrich Wilhelm Kraft, Dübelsheim ein 2. Preis: Fr. (V3ertb, Ticbad) a. H., Wilh. Straft, Bleickieiibacki unb Wilh. Titzel, Herrn haag je ein 3. Preis: Karl Sckneiber. OSlauberg, Jöhs. Fr. Muller, Eckartshausen und.Karl Schreiber, (Nauberg je eine Anerkemtung. VermNichLes. K K. Wie entsteht ber amerikanische Scnsations- fitan? Mit der technifcheii Vervollkommnung des Lichtfpiels steigerte der Anderikaner auch die 'Ansprüche, die er an bie Tac- ck Klung en richtete. Man begnügt sich jetzt nicht melyr bamit, Aufnahmen vom fahrenden Zug zu machen, nein, man mietet eine 'verkehrsarme Erfeiwahnstreckc für einen Tag, fauft ein Wrt alte Lokomotiven und Eifcnhahnwagen an, bic man mit Wieder- pupveii besetzt, und läßt zwei Züge mit Volldampf aufeinander- fahren, um bem Publikum den Vorgang eines Eisenbalm-Zu-- jantinenftof c-3 vvrsühren zu können. Auf die gleiche Weise konstruiert man, wir wir int neuesten Heft tk-r Monatsschrift „Film unb Lichtbild" lescn, künstlich Automobilzufarnmenstößr, um den Leuten, die etwas Terartiges noch ihr erleid haoeu, dicjen Gnmst, wenigpens im Bilde zu versckräsien. Schifte nx?rben auf offenem Meere Wit eleltrischer Fernzündung in bic Luft gesprengt, bamit man bic Erploswu und den Untergang festhalten kann, ganze Städte werden mis Fachwerk errichück und bann niebergebrannt, bamit man bem .Kinobefticher eine halbe Stunbe eblen Entzückens verschaffen kann. Selbst Menscheickeben setzt man aufs Spiel, und das uittcr den Augen der Obrigkeit. So flatterte während eine-5 Grofsieuers in Los Angeles mit GenelMigung des Feuer- wehrhaupcmanns em als Fenerwehrmamt verkleideter Schau- fviclrr oie RettungSleitcr empor, versckiwand inmitten der Flammen unb rettete aus dem obersten Fenster unter dem Jubel der Menge eine in höchster Todesgefahr sich verzweifelt gebärdende Frau, eine ^cknuspielerin, die für eine Handvoll Dollars ihr Leben wagte und in bas brennenbe Gcbäuec eingebrungen war, um sich bann unter Lebensgesahc wieder retten zu lassen. Natürlich bleiben Ungliirtswlle bei solchen künstlich herbeigeführten 6kfahren nicht aus, tiitb der ncitcftc Tob, ber „Kinotob", f)*it schon manches Opstr gerorbert. Es sinb schon Fälle vorgelonintcn, baß ein Filmschaw (Vieler, ber bic Tobesaitgst eines Grtrinlcnbcn mit aller Realistik barzultcllcn schien, plötzlich wirllich von Krünpfen ergriffen wurde und unter beit Augen ber entsetzten Zuschauer versank. Einmal wllte ausgenommen werben, wie ein Bahnwärter von einer Räuber- banbe aus bic Schienen gebunden wirb, bamit ber Zugführer den Bug anhält unb bic Bug rauher ihr Plünbcriiitgslverk bcgtiturn können. Durch einen unglücklichen Zufall gelang es aber nicht, ben Zug, ber ausgenommen werden sollte, vor dem gefesselten Bahmvärfer, wie bcabfidtigt war, zum Stehen zu bringen, er Tuftr oielmehiz einige Meter weiter unb zermalmte ben Wehr- loien. äic Staatsaiuvaltschast beschlagnahmte sofort den Film, der den ganzen Vorgang deutlich zeigte, und benutzte ibn zur Feststellung des Tatbcftanbed. Häufig werden Schauspieler auch bei ^Ausnalmie von Kriegsbildern burch scharfe Schüsse oder durch unerwartete Explosionen verletzt, aber auch die Photographen entgehen manchmal, z. B. bei Ausnahmen von wilben Tieren, mit tttapper Not dem Tobe. Für den Unternehmer spielen die hohen «summen, die er ben für solche Wagnisse sich hergebenden Schau- fpielern und Photographen bezalilen muff, keine Rolle, denn dafür erzielt er wieder einen außerordentlichen Gewinn, wenn er dem Prchlikuin etwas bietet, das alles übersteigt, was vorher dagewesen war. ■“ Gut Hohl! Gut Hohl! Das ist nicht etwa ein Druck- fehler, ein verstümmeltes Gut Holz!, sondern es heißt wirklich io:_ Gut Hohl! Man darf ruhig tausend gegen eins wetten, dal/ der geivöhnliche Staatsbürger nicht hwauSbekommen wirb, was bie beiben Worte bedeuten. Vielleicht >oird ein phaMassvoller Leser an das Hohlschleifen denken und einen Sportruf aus der Gegend von Solingen daraus konstruieren: er ist voUständig aus berrr 5)olzwegc Tic Deutung ist vielmehr folgende: Manche oder richtiger^ viele Leute sind Liebhaber von Kanarienvögeln und ergö’. cn sich an ihrem Gesänge. Aw begehrtesten sind unter den gefieberten Sängern die sogenannten Hohlroller, die besonders angenehm ins Ohr klingen. Wie jede Liebhaberei hat auch diese zu Verein^ Zündungen geführt, nnb es gibt eine ganze Reihe ber Vereine von Kanaricnvögelzüchtem. Einem' Verein in einer mittelbeutscheu Stabt blieb es Vorbehalten, bic Entdeckung des „Gut Hohl" zu mackwn. Er entlehnte von den Hohlrollem das erste Wort unb verband es mit dem üblichen „Gut". So entstand das scheußlickw „Gick Hohl", das bem! betreffenden Verein anscheinend so gut gefallen hat, daß er es zu seinem Vereins- namen erkürte. Wenn die Methode NachalLmer finden sollte, könnten wir schließlich iwch erbauliche Dinge erleben. Das für die Briefmarkensammler vorgcschlagcne „Gut Papp" Würbe ben Reigen toürbig anführen. Eingesandt. [Für Form und Inhalt aller unter dieier Rubrik stehende» SfrtiM übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Eiießeu. Weil unser Kaiser wieder zu uns kommt, werden auch die Straßen in der Nähe ber Stadt wieder etwas ausge- bcssert. Traurig erweise ist babei zu bemerken, baß in ber Frankfurter Straße ein in ber vorigen Woche erst frisch chauffiertes Wegestück für kaiferliche Autos passierbar gemacht werben muß baburch, baß man sämtliche in bieseS Stück fallenbe Verschlußbeckel ber Kanalisation etwa 15 Zentimeter hoch mit Erbe unb Kleinschlag auffüllt. Für sonstige Fuhrwerke sinb biese ticfliegcnbcn Deckel ebenfalls ftörenb, ber Fehler, der auch s Zt. in ber Robheimcr Straße äußerst unangenehm zu ernp- finbt’tt war, sollte eigentlich von unseren Wegebaurneiftern allmählich übenvunben werben können. Meteorologisch^ Beobachtungen der Station Sieben. Höchste Temperatur am 21. bis 22. April — -l- 17,1*0. Niedrigste , „ 21. , 22. „ - + 2.0*0. Niederschlag: 0,0 mm. Zlpril 1913 Barometer auf 0° reduziert Temperatur i der Lust Absolute Feuchlusieil Relative Feuchtigkeit ßmu(pu Windstärke Grab der Bewölkung in Zehntel ber sichtd. Hiinmelofl^ Wetter 22.1 256 750.3 16,8 50 35 NE - 0 Sonnenschein 22. 914 750,0 109 46 48 ESE 2 0 Klarerpimmel =T‘ 749,4 7,5 5,1 66 N 4 0 Sonnenschein önTern Zwülingshmdem Martha unb Grete, die gesunb, ober zart auf die Welt kamen, batte unser Arzt von ihrem 11. Monate an Scotts Emulsion zu ihrer Sträftigung verordnet. Es war^wirklick? eine Freude, zir sehen, wie sich die beiden barauihin von Tag zu Tag Iferausmacksten, wie ihr Appetit sich stänbig besserte und die Gesichtsfarbe frisch unb rosig wurde. Von ber Zahnzeit spürten Weber sic noch wir etwas, beim bic Kinder, von denen jedes jetzt 8 Zähnckfcn bat, waren nie unruhig oder verdrießlich, fonbern immer gleichmäßig munter. Mit 12 Monaten begannen die Kleinen ihre Gehversuche, unb nach kurzer Zeit konnten beide ganz allein laufen. Die Kinder sind jetzt 16 Monate alt unb haben sich nicht nur körperlich, foitbcm auch geistig überraschend entwickelt. Scotts Enrulsion nehmen sie nach wie vor sehr gern und greifen mit beiden Häubchen nach bet Flasche, denn jebes will zuerst seinen Löffel voll haben. Siegen, Wests. den 28. August 1911. (gez. Adolf P»tz.) Unierheimerweg 20. Die Herren Aerzte verordnen Scotts Emulsion, weil sie dieses seit bald 40 Jahren eingeführte Präparat als ein durchaus zuverlässiges und wirksames schätzen. Es gibt zwar viele Emulsionen, aber nur eine Scotts Emulsion, und wer sich den Nutzen dieses langerprobten .Kckäf- tigunbS'Mtttels zuteil werden lassen will, kause nur Scotts Emulsion. C4/i Scott« Emulsion wird von un8 auösLließlich im großen «erkauft, und z-oar ntc lose nach Gewicht ober Matz sondern nur in versiegelten Originalstaschen in Kanon mit linieret Schutzmarke (Fischet mit dem Dorsch). Scott & Bownc, ä. m. b. H-, Frankfurt a. M. Bestandteile: Feinster Mebizinal-Lebertran 150X). vrinia Glyzerin 50,0, untcrvlioSphotigsaurer Kalk 4,3, unterphokvhongsaure» 'Jiatron z,0, tmlu. Tragant 3,o, feinster titob. (Summt pnlv. ?,Q, Wasser 189A Alkohol ILO. Hierzu aromatische Emulsion mit Zimt-, Manbel- unb Gaulthertaöl je s Tropfen. Drucksachen aller Art Ausstattung stilrein u.preiswert . ■■ ■ ............. die Brühl'sche Ueiv.-DruckereL