m. 251 Zweites 165. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. gestaut- Hotel M ei. 1*2011 als Person darstellt, weil es den geistigen Mittelpunkt, das Haupt der Gemeinde bilden soll. Liegt nun die alte Klinik in diesem Sinne gut? — Verkehr ist wohl dort oben, aber nur zum Bahnhof und zu den Kliniken. Ein Platz ist nicht da, auch keine schöne breite Straße. Breit ist sic wohl, die Liebigstraße, aber in diesem oberen Teil doch gewiß nicht „schön"! Ter Berg in einer graden Straße ist, vom städtebau-künstlerischem Standpunkte aus, iTic schön. Man hat im Weitergehen nicht Gebende vor sich, sondern Luft, man sieht nicht die Bestandteile der Stadt, die man betritt, sondern das leere Nichts, hier in der einen Richtung noch „verschönt" durch Eisenbahngleise und leere Wagen. — Wie es unsere Vorfahren gemacht haben, einen Buckel in der Straße zu verdecken durch Abbiegen der Häuserwand an der höchsten Stelle und andere Mittel, gehört nicht hierher. — Auch „praktisch" ist die LiebigstraßeGlicht für den Verkehr, der ihren oberen Teil benutzen "muß. Wer hat sich noch nicht darüber geärgert, daß er den Bahnhof vom Selterstor aus nur in einer 2-Linie erreichen kann? — Es wäre eine besondere Aufgabe für den Städtebauer, hier Besserung zu schaffen. Eingeklemmt zwischen eine buckelige Straße und den Eisenbahneinschnitt — von dem Lärin und dem Ruß der Bahn will ich nicht sprechen, weil die Bahn dort doch bald verschwinden muß. Dieser geradezu unwürdige Zustand an der Frankfurter- und Liebigstraße darf in einer Stadt von Gießens Größe und Bedeutung Nicht mehr lange dauern —, an zwei Hauptstraßen, deren Verkehr gewiß nicht ins Rathaus führt, dort sollte für alle Zeiten das Gießener Rathaus liegen? daß alle Bürger erst den Berg hinauf steigen müßten, um zum „Mittelpunkt" der Stadt zu kommen? — Nein! Das hat sicher auch unsere Stadtverwaltung nicht im Sinn. Es ka n n sich nur uni ein Provisorium handeln. — Ich möchte noch erwähnen, daß auch die Lage der jetzigen Bürgermeisterei nicht die richtige ist für einen Rathausneubau. Wenn auch von der Süd-Anlage her ein freier Blick und eine Platzgestaltung eveirtuell möglich wären, die Entfernung vom'Verkehrsmittelpuntt ist doch zu groß im Verhältnis zur Größe der ganzen Stadt. Der kürzlich gemachte Vor- sucher auch nur einen Augenblick im Glauben sein können, die Stadt Gießen habe dort ihr Rathaus für die Tauer eingerichtet. — Soweit die Lage. — Ter bauliche Zu st and des Gebäudes läßt auch nur die Einrichtung eines Provisoriums zu. Für einen modernen Rathausban sind die Flure und Treppen zu dunkel — ein Uebel, das kaum gut zu machen ist — die vorderen Zimmer zu tief (vom Fenster bis zur Flurwand fast 8 Meter!), die Fenster zu klein, die ebener Erde gelegenen Räume zu feucht, u. a. m. Kurz: ein Kasernengrundriß paßt nicht für ein Rathaus, wie schon sehr richtig gesagt wurde und ein alter nicht unterkellerter und nicht isolierter Bau kann nur mit sehr großen Kosten trocken und hygienisch einwandfrei ge- bogis aus Genf eine stimmlich und technisch vollendete Juterprc tin sanden, wollten sich ebenfalls nicht in den Rahmen sugem Ueber Otto Lohses nicht minder bedeutsame Tätigkeit als Wag nerdirigent werden wir bei nächster Gelegenheit berichten. Leipzig, Oktober 1913. . Dr. Heinrich Roc 1 c. Die „Siehener ZamttiendlStler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS wKrdsblott für den Kids Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. Samstag, 25. VNober 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. rungsbedürftig: alle Eisenteile, Schlösser, Beschläge usw. sind im ganzen Hause verrostet und müßten durch neue ersetzt werden. Der Verputz ist auf den inneren „Lchmstcin"-wändcn an vielen Stellen lose, müßte abgcklopft und erneuert werden. Die Fußböden sind teilweise sehr schlecht: zu den Zimmern geht man oft eine Stufe aufwärts. Heizung und elektrische Leitungen für Licht, Telephon und Klingelanlagen wären neu einzubäuen. Von Einrichtungsgegenständcn für Befund Entwässerung ist auch fast nichts mehr da. Maler und -iaK zierarbeitcn würden im ganzen Hause notwendig. — Und das alles nur für wenige Jahre! — . . Das Liebigmuseum, die alte Klinik und die letzigc Ohren klinik bilden eine noch immer gute und schöne Baugruppe zu sammen, wenn nur der Zerfall nicht zu deutlich zu erkennen wäre. Es wäre schade an diesem Beispiele alten, in geldarmer Zeit entstandenen Stiles zu ändern und zu verderben. — Daß man aber ein für fast alle Zwecke unbrauchbares Gebäude nun als „Denkmal" für alle Zeiten bestehen lassen soll, das ttt a n ch n i ch t mein Sinn. Was überlebt ist, gehört weg aus der Welt, und wenn es auch noch so schön wäre. Ausgenommen besonders charakteristische und kunstvolle Bauten, aus deren Studium die Nachwelt lernen kann. — Es bleibt sehr zu überlegen, ob die Stadt nicht besser daran täte, das Haus aut Abbruch zu verkaufen, ehe sie neues, verlorenes Geld hinein- ^^'Doch diese Erwägungen gehören nicht hierher. Es sollte nur gesagt werden, daß die Verlegung der städtischen Acmter in die alte Klinik nur als „Provisorium" Überhaupt denkbar wäre, und daß für diesen Zweck so wenig wie möglich am alten Bau verändert werden dürfte. Ob die Einrichtung eines solchen immerhin recht kostspieligen Provisoriums zur Zett notwendig ist und wirklich nutzbringend wäre — ist eine andere Frage. -choen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktiom^El 12. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Die Gießener Rathausftage. Die Verlegung der städtischen Acmter in die alte Klinik vom — Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik Dieser Sondergruppe der nächstjährigen Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig wurde durch die Großherzigkeit einer ungenannt bleiben wollenden Dame in diesen Tagen ein besonderer Anziehungspunkt gesichert; eine eigens für die Ausstellung zusammengestellte Privatlamm- lung graphischer moderner Blätter. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Künstlerbund und der Künstlcr- genvssenschast war man schließlich übereingekommen, eine ©arnm* hing, die naturgemäß den Verkauf der einzelnen Blätter ausichließt, auszustellen Damit waren aber die Schwierigkeiten noch nicht gelöst: sie waren erst mit einem Schlag aus dem Wege geräumt, als der obenerwähnte Vorschlag gemacht wurde, der vorbildlich wirken möge. Die Leiterin der Abteilung „Freie und angewandte Graphik" ist die bekannte Graphikerin, Malerin und Bildhauerin Frau Cornelia Paczka-Wagner, Berlin; sie fordert nunmehr die graphisch tätigen Künstlerinnen zur Einsendung von Holzschnitten, Kupferstichen, Radierungen, Schabblättern, Vernis Mous ,Steindrucken usw. in schwarz und farbig, auf. Frau Paczka- Wagner wurde die Zusammenstellung der Sammlung zugleich mit dem Vorsitz der Jury übertragen; ihre reife Künstlerschaft bietet Gewähr dafür, daß diese Gruppe der Ausstellung ein einzigartiges Bild der zeitgenössigen graphischen Frauenkunst gibt. — Ein Riesenkuchen. Bei jeder englischen Hochzeit spielt seit altersher der Hochzeitskuchen eine besondere Rolle; er will gleichsam das fünftige Lebensglück der jungen Gatten symbolisch andeuten und sttebt daher gewöhnlich einer Große und Breite zu, die ihn seinen eigentlichen Endzweck, gegessen zu werden, leicht vergessen lassen. Am weitesten darin ging aber wohl der Hochzeitskuchen, der in diesen Tagen zu der Hochzeit der Herzogin von Fife mit dem Prinzen Arthur von Con- naught mit Fleiß und Mühe gebacken oder besser gesagt gebaut wurde. Denn der Anblick dieses Kuchens gemahnte weniger an ein Backwerk als an ein Werk der Monumentalarchitektur. Auf einer mit allerlei Süßigkeiten gebildeten Basis, die unzählige fürstliche Wappen zeigt, und von Blumenkörben umgeben istz ragte ein ganzer Kiosk, eigentlich ein Tempel empor Sechs maulen trugen das gebackene Rundgewölbe, unter deßen Schutze die.kunstvoll aus Zuckerguß hergestelltcii Gestalten der Neuoermahlten thronten. Tas ganze, reichlich mit Zuckerbewun ^faMucktt Teig- bauwerk wies die für einen Kuchen gar stattliche » ? « 'S weniger als 2 Meter auf, und nach altem Brauche mutzte der Bräutigam, der in diesem. Falle Herosttatendienste verrichtet, mit dem Messer diesen Kuchen tranchieren, um der Braut das erste Stückchen darzureichen. rwe§47 ytii • Stein macht werden. Ter Beschluß der Stadtverordnetenversammlung spricht nun von einem Wettbewerb unter den hiesigen Architekten zur Gewinnung von Umbauentwürfen, insbesondere für die Fassade. Wie ist wohl dies Ausschreiben gedacht? — Ter eine wird in richtiger Erwägung der Nebenumstande möglichst wenig in und an dem Bau ändern, damit es sich als Provisorium, als Notbehelf, offen zeigt und möglichst wenig Geld kostet. Man müßte sich eben dann „behelfen" in der „Not". Tem würde dann wahrscheinlich die Stadtverordnetenversammlung zurufen, wie kannst du Vorschlägen, daß unsere Beamten in solchen Räumen sitzen sollen. Wenn wir weiter nichts wollten, wie den alten Kasten „not"dürftig wicderherstellen, brauchten wir keinen Wettbewerb. — Ganz meine Meinung! — Ein anderer Bewerber wird versuchen, den Bau innerlich und äußerlich zu einem richtigen modernen Rathaus zu machen. Er muß dann Fenster vergrößern, Risalite oder Vorbauten anbringen, damit dem Riescnviereck eine andere Form beigebracht werden kann — denn der moderne Stil verlangt eine wenn auch geringe Gliederung —, er muß innen fast alle Wände umstellen, ein neues Dach aufsetzen, kurz: Es könnte kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. — Das ist natürlich viel zu teuer für einen „Notbehelf". — Alles was aber dazwischen liegen könnte, wäre vom Uebel, denn es wäre nicht gehauen und Nicht gestochen; es bliebe eine Gewaltkur, die niemals zum Guten führt. — Da die im Preisgericht sitzenden Baukünstler, wie sie die Stadtverwaltung zweifellos heranziehen würde, nur dem Entwurf den Preis zuerkennen könnten, der unter möglichster Sparsamkeit im Aeußeren wie im Inneren den Charakter und den Stil des alten Baues beibehielte, erscheint ein Wettbewerb wirklich nicht nötig. Die Verteilung der Räume im Innern ohne wesentliche bauliche Aeiiderungen ist woh nicht so schwierig, und wie man das Haus im Aeußeren herzurichten hätte, kann man am Liebigmuseum sehen, dessen Erhaltung im alten Zustand doch gut gelungen ist. Eine solche Instandsetzung des Baues kostete immerhin schon Geld genug. Fenster und Türen sind alt und ausbesse- Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejjen ;’^ons Wq Preise] Der neue „Nrupp-Prozeh". + Berlin, 24. Dft. Ter Vorsitzende eröffnet kurz nach 9 Uhr die Verhandlungen nnd teilt mit, daß er voraussichtlich morgen mit der Zeugenvernehmung beginnen werde. Zunächst sollen die Direktoren der Firma Krupp vernommen werden Cs wird in die Vernehmung des angckfagten Direktors C c - cius eingetretcn. Er erklärt: Ich habe selbstverständlich meiner Firma gegenüber die volle Verantwortung für das, was ge,chchcn ist, übernommen. Baldmachdem die Angelegenheit in Fluß gekommen war, habe ich beim Aufsichtsrat der Firma Krupp ein T em i s s ions g es u ch eingereicht, was jedoch abg elc h n t wurde, worauf ick meinen Dienst in bisheriger Weise weiter: versah Direktor Eccius schildert dann eingehend seinen Werdegang bei der Firma Krupp und führt aus: Ich trat bei der Firma 1897 ein, wurde schließlich in das Direktorium beritten und erhielt u. a. das Dezernat für die Preisfestsetzung-Bureaus für in- und ausländisches Kriegsmaterial. Bei dem so großen Umfange der Geschäfte mußte ich vieles meinen Mitarbeitern überlassen, namentlich während der umfangreichen Auslandsrei,en. ^as Dezernat für das Berliner Bureau wurde mir übertragen, als ich mich nach langer und schwerer Krankheit im Süden befand Da meine Hauptaufgabe das ausländische Kriegsmaterial betraf, so konnte ich mich um das inländische so gut wie gar nicht kümmern. Das Berliner Bureau sollte den Geschäftsgang erleichtern und -unterstützen. Das Berliner Bureau sollte ferner mit den Wnehmcm Fühlung neunten und Informationen über die die Firma interessierenden Tinge besorgen Der Leiter der Vertretung hat besondere Direktiven nicht erhalten. Selbstverständlich war es uns in t c r c i i an t, die Preise der Konkurrenz und die ausstehenden Vertrage zu erfahren. Zu den offiziellen Berichten des Herrn v. Schütz kamen später die Geheimberichte des H e r r n B r a n d l. Darüber, daß diese nicht unterschrieben waren, habe ich mir Gedanken nicht gemacht. Ebenso über die Art, ivie sich Brandt seine Informationen versck-affte. L>ein Verkehr Leipziger Musilbricse. Die folgenden Zeilen sollen aus mancherlei Gründen nicht als musikalische Kritik angefaben werden. Sie stellen Schilderungen lebhafter Eindrücke, Bekenntnisse eines begeisterten Künstlerherzens dar und haben also einen völlig objektiven. Charakter. An anderer Stelle können sie sowjohl einmal kritischen Betrachtungen zum Ausgangspunkt dienen, die sich weniger mit der Person des Künstlers als mit dem Wesen, der Wertung und der Darbietung der musikalischen Kunst befassen werden. Am 7 Oktober spielte Herr Wilhelm Backhaus im städtischen Kaufhaus. Wie viele seiner hiesigen Verehrer war ich äußerst überrascht, da er sich als ein wunderbar gestaltender, poettich tief Empfindender Voriragsküustler zeigte. Diese Wandlung hatte vor einem Jahr wohl niemand vorausahnen können. An sich ist en der rechte Typus des klassischen Virtuoseii, der mit schrankenloser, nie versagender Technik die eminentesten Schwierigkeiten überwindet und auch im Vertrag äm unfehlbarsten da wirkt, wo er mit urwüchsiger Kraft nachschaffen kann.. So wußte er durch eine acrabew monumentale Wiedergabe die jo ost mißhandelte zweite Rapsodie von Liszt zu einem ganz neuen Tongebilde umzugestatten. Aber — wie schon oben angebeutet — ist seine Leier viel modul- lationsfähiger, die Ruaneenskala seines Anschlags ungemein reiche«? aewordeu So konnte er mit seinem Vortrag, der letzt vom berückendsten pianissinw, vom flüsternden sotto voce bis zum vollsten orchestralen^forte über alle miii'ikalilckfen Ausdrucksmoglichkeiten frei verfügt die Mondscheinlyrik der Romaistik wirklich lebendig erklingen lassen. Da wiegten sich die 'bäume, vom Wind umkost, im Waldesrauschen" (Lisztft murmelnd eilte das Bachlein dahin < Fch stört ein Bächlein rauschen" Schubert-Li, ztft ein,am wan- betaber Freund im Frühlingsgarten („Adelaide" Beethoven-Likt^. ^ii tönenden Perlen gestalten stch die grazwsen Passagen in Schuberts B-dur-Jnipromptu unter den Händen des Spielers,, der auch die kindlich naive Eleg-anz des gottlicktzm Franz (Soirae de Vimne 2>dur Schubert-Liszt, mit liebkosender Hand den Tasten entlockte Den echten Schuinann ließ Herr Backhaus aus der großen fis-moll-Sonate zu uns reden - so schwärmerisch und ver- E''tJ i mir ihn altle kennen und heben. Ganz meisterlich! gelangen ^eni Künstler dfa außerordentlich schnneriMi Variationen Ä^r ein Originalthema des Jungpolen Jules Wertheim, der darin unstet und nervös hinundherslatternde Gedanken musikalisch festtubalten sucht Die Vaterstadt ehrte ihren weltberühmten Sohn S tofanben Seifaasftürmeii und nicht endenwollenden vervor- ™f%n Gegensatz zu dieser jugendlich stürmischen Meisterschaft leiate uns der Beethovenabend des Herrn Frederic Lamond (14. W bi? gaS nach innen.gerichtete Kunst des reifen Mann^ Die äondns früher viel umstrittene Jnterpretattonsweile des, «fl 5 Beeistovenspieler genannten Künstlers wird mit ™f alte A«.h--Mkeiten ihrem mmw. £ Sachen auf die Intentionen des Komponisten und ihrer nianchnml fast eigenwillig strengen Rhythminerung den herben Schönheiten den starken Akzenten in der Tomprache des großen Wieners Mübertrefflich gerecht. Das Programm verzerchnet zum Beginn die 33 Veränderungen über einen Walzer von Diabelli, C-dnr op 120, die Hans von Bülow vor Zeiten in den Konzertsaal eingeführt hat. Die Wahl einer solcl^n Komposition, die vom Hörer die allergrößte Konzentration verlangt, bedeutet eine offene Absage an allen Effekt, ein Hinabsteigen und entiagungsvolles Vordringen zu den Urguellen des musikalischen Geschehens. Herr Lamond spielte sie Mit einer zu willigem Mitfolgen zwingenden» Vergeistigung. Durch den Vortrag der d-moll-Sonate (op. 31,2), ber 6 Variationen über ein Thema aus dem Ruinen von Athen (Türkischer Marsch) und des Andante fewari (op. 57, s-moll) zeigte er den vielen, die Beethoven nur noch als weltentrückten Genius kennen, die überzeugende Lebensbejahung und Sinnensreudia- keit des Meisters. Die Appassionata bildete den Ausklang. Nicht die schwärmerische Sehnsucht des Jünglings, — des reifen Helden gewaltige Leidenschaft sand hierin ihren hinreißendsten Ausdruck. Man inuß es wohl als eine Schmach bezeichnen, daß cm >o außerordentlich bedeutsames künstlerisches Ereignis sich vor einem halb- leeren Saal abspielte. Noch schlechter erging es dem jungen Weimaraner Konzertmeister Robert Reitz, der nur durch Ausgabe von Freikarten eme kleine Schar von Hörern zu einem hochinteressanten Konzert um sich sammeln konnte. Bon Herrn P!rofessor Walter Petzet ,ehr feinfühlend begleitet, brachte er drei alte Violinkonzerte (A-dur von Tartini, D-dur von Pisendel, G-dur von Stamitz) m eigener Bearbeitung mit eigenen recht violin- und stilgemäßen Kadenzen zu Gehör. Diese opfermutige Tat des jungen Künstlers, eines Fachspielers von Ruf, der über einen sonderbaren schmelz des Tones und eine seelenvolle Kantilene verfügt, verdient nicht nur wegen des zum Teil hohen musikalischen Wertes der dargebotenen Kompositionen, sondern auch im Interesse der Musttwisien,chatt den allergrößten Beifall — und vor allem eine wirkliche Unterstützung durch zahlende Konzertbesucher. In einem anderen jungen Geiger, Herrn Sascha Culbertson, lernten wir ein ganz ursprüngliches technisches Talent und einen Meister des sotto voce-Spiels kennen, dem die Soloionate B-dur von Reger und Mozarts C-dur-Sonate brillant gelangen. Zur vollen Ausdeutung des tiefen Gehaltes der d-moll-Sonate von Brahms und der .Kreutzersonate von Beethoven, deren Klavierpart Herr Otto Nikel mit großer Feinfühligkeit auswendig spielte, fehlte es ihm jedoch entschieden an Kraft des Ausdrucks und Innerlichkeit des Empfindens. Im ersten Gewandhauskonzert spielte das Orchester, das einen idealen Klangkörper darstellt, unter Prof. Nikischs hinreißender Leitung Beethovens Egmontouverture und Eroica überwältigend schön. Schade, daß dies einheitliche Programm durch die^Ein- schiebnng von Liszt's Heldenklage, die wohl recht gut zu der Stimmung der Jahrhundertfeier paßte, in zwei Teile gerissen wurde! Allerdings konnte der berühmte Dirigent, der zum Teil, auswendig dirigierte, in der Darbietung dieser mehr interessanten als bedeutenden sinfonischen Dichtung feinte geniale Kunst der Stil stehandlung ins hellste Licht setzen. Drei orchestral aumeputzte Liszttiärer, die Arie der Jole aus „Herakles" (G. .3'?- Handel' unb der Monolog der Armida (Ehr. W. .Gluck), die in Frau baukünftlerischen Standpunkte. Gießen, 25. Oktober. Bon ebnem hiesigen Sachverständigen erhalten wir folgende Ausführungen, die zu demselben Ergebnis ckonnnen, wie die meisten der bisher veröffentlichten „Eingesandts" und sich mit dem von uns vertretenen Stand'- Punkte in allem wesentlichen decken: Das Rathaus der alten deutschen Stadt lag immer mögi- lichff in der Mitte des Weichbilds, mindestens aber im ver- ri.~T' t " fa* * gab und gibt man dem Rathaus diese besondere Lage? Zuerst aus praktischen Gründen, weil der Verkehr zum Rathaus doch nur aus der Stadt selbst, nicht etwa von auswärts mit der Eisenbahn kommt. Noch mehr aber aus dem Gefühl heraus, daß dieses Haus gewissermaßen die Stadt Sonntac abend von 6 Ihr ab Soupers M.1.60 Cardin alsuppe Steinbutt,Sauce Colbert oder VoJ au Vent ä la ( Toulouse \ ■RtükevAe, 'm Salmen- Sam Salat nnd Kompott Eis 7076 Konzert angeführt von Mitgl. d. Kap. des Kaiser-Wilhelm-Reg. lllßer Abonnement °bne Pension Unstr Malier &llv Unheil! 9lcu6^e!8leitieNfti Lppchen Sündenbocy SäF...... L-S- MjW schlag, die alte Reitbahn dem Staate abzukaufen und dort unter Hinzuziehung der umliegenden .Hokreiten ein Rathaus zwischen Landgraf-Philipp und Lindenplatz zu bauen, ist sehr beachtenswert. Ter alte Brandplatz ist ja heute unser „Marktplatz. Nicht im direktesten Verkehr aelegen, aber leicht erreichbar von dort, wenn vom Kanzleiberg nach der Schulstraße und etwa bis zum Kreuzplatz oder nach dem Markt durchgebrochen würde. Das Spritzenhaus und die Marktlauben müßten natürlich in das Gebiet des Rathauses einbezogeu werden: bann würbe auch bieses zwar neuere, aber boch recht häßliche Gebäube endlich verschwinden. — Also ein Provisorium soll es nur sein, wenn die । tartsitelÄsto fHÄ HSSS:1913 DtchmM -SS® i&?8*** 4 Sportfest- _s/ bitltt^^-^7^ mit alten Kameraden hat keinen Anstoß erregt. Bon Brandt ist viel gesprochen worden, von unlauteren Machenschaften aber nicht. Ter bei dem neuen Vertragsabschluß mit Brandt ihm zugestandene Mehrbetrag war nicht ausfällig: auch Herr v. Metzen erhielt einen solchen von 10 000 Mark. Herr v. Metzen ist niemals an mich mit dem Bedenken herangctreten, daß Brandt vielleicht strafbare Handlungen begehe Auch hat er nie davon gesprochen, Brandt los zu werden. Es ist niemals der Verdacht ausgesprochen worden, daß eine Bestechung vorliege. Der Vorsitzende geht dann auf das Jahr 1912 über. Es wird festgestellt, daß Eceius bis 1. Oktober wegen Krankheit sich von allen Arbeiten zurückhielt. Eeeius sagte dann weiter: Anfang Oktober wurde die Affäre v. Metzen und Brandt in einer regulären Sitzung der Tirektion zwischen Geheimrat Mühlberg und Tr. Mihlon und mir besprochen. 'Ich habe ausgesprochen, daß v. Metzen Trohungen ausgesprochen und sich geweigert hat, eine Anzahl ftornwalzer, die er beiseite geschafft hatte, herauszugeben. Tie Unterredung des Herrn Tirektor Träger mit Brandt in Berlin bezog sich auf die Neubesetzung der Berliner Stelle, für die ich Herrn v. D e witz für geeignet hielt, v. Dewitz wurde aber in Essen für dort unentbehrlich erachtet. Mit Rücksicht auf die Trohungen v. Metzens hat Brandt dem Direktor Dr. Dräger mitgeteilt, er sei sich nicht bewußt, etwas Unrechtes getan zu haben. Dräger erllärte sich daun bereit, die Leitung des Berliner Buroaus vorläufig zu übernehmen und die Berichterstattung zu beaufsichtigen. Er unterschrieb dann die Berichte. Die Kornwalzer betrafen in der Hauptsache Zubmissionsresultate und Vergebungen. Wir erfuhren die Konkurrenzpreise er st nach der Abgabe un seres Angebotes. Die Kenntnis dieser Preise hatte nur Wert für spätere gleichartige Vergebungen und für die Prüfung unserer Kalkulationen. Falls bei dieser Fehler vorgekommen waren, wurde der Preis herabgesetzt. Bei richtiger Kalkulation wurden keine Preisönderungen vorgenommen, auch rocim die Preise der Konkurrenz höher waren. Ich selbst bearbeitete die Kornwalzer nicht, sondern habe nur einen Blick hinein getan Tie Bearbeitung war Zache des Herrn Mauther und später des Herrn v. Dewitz. Tie Heeresverwaltung hat nicht nur feilten Nachteil, sondern nur Vorteile von dem ganzen Verfahren gehabt. Nach Beendigung der Vernehmung des Angeklagten Eeeius wurde in die Verhandlung über die Korn walz er eingetreten, die unter Ausschluß der Oeffentlichketl stattfindet. Für heute ist die Wiederherstellung der Oeffentlichkoit nicht mehr zu erwarten. Canfctvirffcbaff« Zchädlingeaufden Saatfeldern. Ueberall in der weiten Umgegend machen sich in diesem Herbst als lästige Schädlinge die g r a u e n A ck c r s ch necke n bemerkbar. Durch die feuchte Witterung des Spätsommers ist ihre Entwicklung außerordentlich begünstigt worden, so daß ihre Nachkommenschaft sich außerordentlich vermehrt hat. Namentlich haben unter ihrer Gefräßigkeit die jungen Saaten gelitten. In der Nähe der Straßenböschungen haben sie die Saatfelder völlig kahl gefressen. Nahe an Wiesen gelegene Saatäcker sind gar von dem Ungeziefer völlig abgeweidet worden, trotz der Anwendung von Vertilgungsmitteln, so daß sich die Landwirte genötigt sehen, zum zweitenmal die Saat vorzunehmen. Geheimnisvolle Augen. Nicht nur verliebte Seelen kennen bft „Sprache der Augen". Beschäftigen sich auch jene mit Vorliebe damit, im Blick des anderen die sämtlichen Geheimnisse des Himmels und der Erde im allgemeinen und die der Liebe im besonderen zu entdecken, so weiß andererseits jedermann, daß die Augen im prosaischen Alltagsleben unaufhörlich „ja" und „nein" sagen, daß sie vor Freude »oder Zorn glänzen, begehrlich blicken oder Trauer und Entsagung ausdrücken, energisch sind ober traumverloren usw. Daß aber bie sviegelglänzenbe Iris außer bieser mehr oder minder poetischen spräche auch mitunter wirkliche Inschriften trägt, dürste wenig bekannt fein. Der französische Schriftsteller Boncheny de Grandval hat nun jüngst eilte fesselnde Studie über den Gegenstand veröffentlicht, der wir nachstehende merkwürdige Details entnehmen. Der Arzt Borelli verbürgt, auf das Zeugnis eines Chirurgen aus Montpelliers namelns Fornuus, den Hall eines jungen Mannes, der auf der Ijris des linken Auyes in deutlich lesbaren römischen Leitern die Inschrift trug: „LOVE SOIT DIEV", d. h. „Loue soit Dien" oder in korrektem Französisch: „Dieu soit loue." - Gott sei gepriesen. Ein anderer Fall, der eine gewisse Josephine Louis betrifft, beschäftigte seinerzeit Mehrere französische, belgische und irländische Augenärzte und findet sich in den Schriften der hervorragendsten Mediziner jener Zeit beglaubigt. Das junge Mädchen war im Jahre 1825 tu Paris geboren worden: da es von armen Eltern stammte, nahinen diese das Anerbieten eines Schaustellers an und ließen das Kind als Sehenswürdigkeit zunächst in Frankreich, später in Gent und alsdann in England zeigen. Es trug auf der Iris des einen Auges das Wort „Napoleon", auf der des anderen „empereur". Von den Acrzten, die Josephine Louis untersuchten (es befanden sich darunter Autoritäten wie Roguctta, Gsiraldös, Cornaz, Wilde , schreibt der letztere: „Vor einigen I'aliren zeigte man ein Kind, auf dessen Netzhaut bie Worte Napoleon empereur geschrieben waren. Diese Erscheinung dürfte durch eine ungewohnte Anordnung der Vertiefungen, Fäserchen und Streifen hervorgerufen sein, die für bie Oberfläche der Seescheibewaud charakteristisch sinb." „Ich besitze", sagt derselbe Autor, damals Arzt in Dublin,- in einer anderen Schrift, „eine sehr gute Lithographie der Josephine Louis . . In der unteren Hälfte der rechten Iris gleichen die Zeichen den Buchstaben, die bas Wort „empereur" bilden: und das Wort „Napoleon" nimmt ungefähr denselben Platz auf der linken Netz baut ein." Es versteht sich, daß die Zeitungen den merkwürdigen Fall damals erwähnten: aber auch bie medizinischen Revuen nahmen von ihm Notiz, ohne daß es ihnen übrigens gelungen wäre, eine haftbare Erklärung des seltsamen Phänomens zu geben.--- Bereits im achtzehnten Jahrhundert hatte der berühmte Augenarzt Iacgnes Dariel den wissenschaftlichen Kreisen mitgeteilt, er habe in den Augen einer aus der Umgegend von Rouen stammenden Bäuerin eine Inschrift beobachtet, die den lateinischen Worten „T’osl mortem" glich. Der Mediziner? Tenon schließlich, dem niemand eine Mystifikation leichtgläubiger Leute zutrauen wird, schreibt über einen Fall, der einigermaßen dem ber Josephine Louis nleidit: „Auf ber im Hintergründe blauen Netzhaut erscheinen weiße Striche, die einen gradlinig wie bestimmte ;3jffem, ein anderer von ber Form eines großen „T"." Bemerkt sei noch, daß Tenou ein Modell dieses merkwürdigen Auges auf Email malen ließ. Der Maler lieferte gleichzeitig eine Kopie, die der Kuriositäten- lammlung ber ehemaligen „Accabömie de Paris" einverleibt würbe und die sich gegenwärtig int Museum Dupuytren in Paris befindet vermischte». x c Frauen N n d der Vogelschutz. Hervorragende Führertnncn ber amerikanischen Gesellschaft, bie sich zu einem Frauenhilfsverein des New Parker Zoologischen Vereins zusam- mengetnn haben, nehmen nun mit aller Kraft den Kampf gegen den Vogelmorb auf und wollen alles tun, um die Reiher und Paradies, vögcl, denen der Untergang droht, zu schützen Eine dahingehende Resolution wurde von dem Verband angenommen, und bie Mit glich er gelobten, nicht nur selbst keine Federn mehr zu tragen, sondern auch überall gegen diese barbarische Sitte zu wirken Eine weithin reichende Propaganda ist in die Wege geleitet, und die amerikanischen Freundinnen des Vogelschutzes haben sich bereits mit ihren Gesinnungsgcnossinnen tu Groß-Britannien, Deutsch lanb, Frankreich und Italien in Verbindung gesetzt — Die Post als Gläubigerin, lieber die Einziehung der Fernsprechgebühren sind neue zusammenfassenbe Bestimmungen vont Reick)spostamt getroffen worden. Sie sind zum Teil auch vorn Interesse für die Fernsprechteilnehmer. Die Einziehung ber Einzelgebühren, heißt es darin, ist nicht in allen Fällen bis zum Monatsende zu verschieben. Erreicht die Schuld des Teilnehmers bis Ende des Monats die Höhe vvw 100 Mark, so ist in der Regel schon Zahlung zu verlangen. Die Ober'Postdirektionen können Ausnahmen zulassen, aber auch die Stundungsfrist bet besonders regem Berüchr noch weiter verkürzen. Von Teilnehmern, deren Zahlungsfähigkeit zweifelhaft erscheint, sind bie Gebühren einzuziehen, sobald sie sich auf 10 Mark belaufen. Denn das Vermittlungsamt oder das Verkehrsamt, dem die Vermitt- luTtgsstelle zugeteilt ist, ein Postscheckkonto hat, so kann dieses nutzbar gemacht werden. Die Teilnehmer, die ein Postscheckkonto haben, werden befragt, ob sie damit einverstanden sind, daß die Fernsprechgebühren von ihrem Postscheckkonto abgeschrieben werden. Sie erhalten die bekannte Tasche mit den (Yebührenzetteln. Drei Tage nach Absendung der Taschen teilt bas Vermittlungsamt dem Postscheckamt die abzuschreibenden Beträge mit. * T e r Z i r k u s B u s ch und d i e L u ft b a r k e i s st e u e r. Wie die Tirektion des Zirkus Busch schreibt, ist die Meldung, daß der,Fiskus den Pachtvertrag nicht zu verlängern gedenke, unzutreffend. Ter Mietvertrag zwischen dein Kommissionsrat Paul Busch und dein preußkschen Fiskus, vertreten durch die königliche Ministerial-, Militär- und Daukommisfion, über das Zirkusarund- stück sei bis zum 31. März 1925 verlängert worden und die Bestätigung hierüber von dein Finanzininifter bereits unter dein 12. August 1912 erfolgt. Ter Entschluß deS Herrn Kommisfious- rats Busch, den Zirkus auszuloien, sei durch die LustbarkeitSsteuer betbeigefiihrt worden. Nach den Erträgen der vergangenen Spiel- zer gerechnet, iverde in bieicr Saison an Lustbarkeitsfteuer ein Beitrag von rund 160000 bis 170000 (hundertsiebzigtauiend) Mark abzuführen sein. * A bstinente Studenten. Ter Rektor der Greis 5- walder Universität sah sich genötigt, eine Reihe von abstinenten Studenten zu relegieren, da diese sich offen gegen seine Autorität ausgelehnt hatten. Sie hatten gegen die Veraiistaltnng von öffentlichen Kommersen in durchaus ungehöriger Weise protestiert und dann gegeii ben ihnen erteilten Verweis durch bie Verbreitung eines Flugblattes protestiert. Wenn der Rektor zu der schwersten Strafe, die ihm zu Gebote stand, zur Relegakion, gegriffen hat, so kann man annehmen, daß die Form ihrer Verteidigung mehr wie ungehörig war. * Eine Gefchmacksfrage. „Nun, warst du zufrieden, wenn ich dir heute so 'nen hübschen fetten Hasen nach Hause brächte?" fragt der Sonntagsjäger die Gattin beim Abschied. „Ach, weißt du, wenn du nett bist und es dich nicht mehr kostet," antwortet sie, „bring' mir doch lieber 'nen frischen Hummer mit." Börsen-Wochenbericht. — Frankfurt a. M., 24. Oktober. Die Börse verkehrte in dieser Woche wieder in st a r k s ch w a n - f c n b c r Haftung, ein Zeichen für die Unsicherheit, in ber sich Spekulation und Kapitalistenkreise befinden. Eine allgemeine Mutlosigkeit ergriff die Börse zu Beginn der Berichtsperiode infolge des östetreichisch-iingarisck)en Ultimatums an Serbien. Der Eindruck dieser Störung war um so tiefgehender, als die Spekulation kurz zuvor zu umfangreichen Rückkäufen geschritten war im Hinblick auf den vorzüglichen Ausweis unseres September-Außenhandels, die anhaltende Besserung im Reicksbankstatut und bie Steigerung ber Kupserprcise. An politische Komplikationen dachte man umsoweniger, als gerade der Anleiheabschluß Rumäniens bekannt geworden war, was als ein Zeichen ber völligen Entspannung der Balkanlage angesehen wurde. Die serbisch albanische Differenz war jedoch nach dem Vorgehen Oesterreichs bald wieder erledigt und da sich auch die griechisch-türkischen Differenzen dem Ausgleich nähern, darf erwartet werben, baß die politische Bern hi gung nun allmählich dazu beitragen werde, eine Besserung der Börsenstimmung herbei zuführen. Die Hoffnung auf eine hierdurch begünstigte Belebung des Geschäftsverkehrs war in den letzten Tagen allerdings sehr schwach. Da die außerhalb der Börse stehenden Kreise keine Gefolgschaft leisteten, hatte die von der Spekulation inszenierte Aufwärtsbewegung rasch wieder ein Ende gesunden. Es ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn das Privatpublikum angesichts ber Unsicherheit ber wirtschaftlichen Konjunktur unb des teuren Geldstandes vorerst noch keine Neigung verspürt, sich von neuem mit Jndustriepapieren zu beladen, die gerade in der letzten Zeit vielfach redn unliebsame Enttäuschungen gebracht haben. Bieten doch die zahlreichen jüngst emittierten Renten Gelegenheit genug zu hochverzinslicher Kapitalanlage. Wie die Dinge am Geldmarkt liegen, ist nicht mehr damit zu rechnen, daß noch im laufenden Jahre ber Ruf nach billigerem Geld erhört werben wird. Der letzte Reichsbankausweis konnte allerdings die Hoffnung auf eine Tiskontermäßiguncs wohl wieder aufleben lassen, aber nach wie vor steht London hin dernd im Weg. Noch immer grenzt dort derPrivatsatz bedenklich an die offizielle Rate unb bas Gleiche gilt auch von Paris. Bei uns zeigt der offene Geldmarkt eine entschieden willigere Haltung und die Erleichterung ist auch in den letzten Tagen in einem Nachgeben des Privatdiskonts auf 413/i« Proz. zum Ausdruck gekommen. Tägliches Geld ist reichlich angeboten unb unter 4 Proz. zu haben. Ebenso steht Schiebungsgelb in genügender Menge zur Verfügung und man rechnet denn auch für die diesmalig» Liquidation nur mit einem Satz von etwa 5Vs Proz. Wenn sich trotz dem vorwiegend Realisationslust geltend machte, so war dies in der Hauptsache aus wirtschaftliche Momente zurückzuführen. In erheblichem Maße trug zu ber Verstimmung der Börse bie reckt angespannte Bilanz ber Deutsch-Lupemburgischeu Bergwerks- und Hüften A.-G. bei, die Befürchtungen neuerlichen Kapitalbedarfes aufkommen ließ. Außerdem lagen aus ber Eisenindustrie wieder verschiedene den werteren Niedergang der Konjunktur bestätigende Nachrichten vor, namentlich die trüben Verhältnisse am Stabeisen markte und die neuerlichen Preisrückgänge am belgischen unb nmeri konischen Eisenmarkte. Montanpa viere verloren unter Schwankungen 1—3 Proz. Von anberen Jndustriepapieren fielen Dürkopv 5 Proz., Höchster 6 Proz., Naphta 7‘/2 Proz., Scheideanstalt 9 Proz., Kleyer 11 Proz. und Akkumulatoren Ber lin ll1/» Proz. Handel. w Wetzlar, 23. Oft. Tie Bnderusscken Eisenwerke beabsichtigeu, eine bedeutende Vergrößerung ihres S?nnptbctriebc§, der Sophien h n tte, vorzuuehmeu. Tas bestehende Hochofen- werf soll gegen Osten in den Zwickel zwischen Koblenzer und Kölner Bahn eine Erweiterung erfahren, die die Errichtung von drei neuen Hochöfen »fit den dazu gehörigen Maschinen- und Transport- aiilaaen, mit Gießhallen, Gebläfehaus und Gasreinigung umfaßt. Gleichzeitig ist von Naunheim-Waldgirmes nach dem Schöffengrund eine eleftrische Straßenbahn geplant, um für den ausgedehnten Betrieb die erforderliche Arbeiterzahl zu erlangen, beziv. derselben einen bequemen Zugang zu schassen. Frankfurt a. M., 24. Oft. (Fr üb er er K assen scklllß im Bonkgcwerbe am Samstag.) Im (5inber nehmen mit bet hiesigen Reicktsbankhanptstelle ist beschlossen tuor den, den versuchsweise eingeführten Kassensckstuß an den Samstag Nachmittagen in der bisherigen Weise bis auf weiteres beizube halten. — Im Zusammenhang damit wurde der r> 4 ber Be bingimgcu für bie Geschäfte an ber Frankfurter Börse bis ans meitereÄ balfin abgeänbert, bas bie Lieferzeit an den Samstag- Nachmittagen statt von 3—4 Uhr auf 2—3 Uhr festgesetzt wirb. Markte. Gießen, 25. Oft. Marktbericht. Auf heutigem Wocken- markte kostete: Butter das Pfund 1,05—1.15 g B^/io Amtlicher Teil Feld bah nfabrik LFraMfurta.U. Amt I, 1570. Pumpen und 3aucheverteiler ßeüen-rialiauüdier ßüffenperein kudwigshütte I Soaip! t Gleisanlagen LLT Kaufu.Mfeie Hegender und stehender Bauart, für Rohöle aller Art, nach uns patentiertem Verfahren auch mit billigen Steinkohlenteerölen arbeitend, erhielten in Dresden 1911 [hv6/s den König!. Sachs. Staatspreis, die höchste Auszeichnung. Gasmotoren - Fabrik Deutz Zweigniederlassung FrankfurljM., Taunusstr.47. Bekanntmachung. Betr.: Wasserversorgung Göbelnrod. Wegen Vornahme von Rohrverlegungsarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Göbelnrod vom 27. d. Mts. ab bis auf weiteres für den Automobil- und Juhrwerksverkehr gesperrt. Der Verkehr wird über Grünberg bezw. Winnerod— Reinhardshain geleitet. Gießen, den 24. Oktober 1913. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. U fing er. 1 DEUTZER DIESEL-MOTOREH Kaust transportable H»aus- backöf. UNd Flcisch- räuchcr nur bei der ersten u. größten Spezialsabr.Dentschl.Anton Webcr,Niedcrbreisigi.Rhl. der.Fabrik. als d. besten u.bill. bekannt sind. Neueste Preisl. firot. VieleZeuan.üb. 10-Mr. Gebr. Neber40000St.gelief. Welt4l“fck Ofen Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde heute bezüglich der Firma Bakofs-Kammer-Lichtspiele zu Gießen eingetragen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 23. Oktober 1913. B25/10 Grvffberzoaii es Amtsgericht. St. B. 29/13. 3m Hamen des Grotzherzogs ’ In der Privatklagesache des Neichstagsabgeordncleu Dr. Werner in Butzbach, vertreten durch Rechtsamvalt Fischer, Gießen, Privatklägers, gegen den Redakteur F. Vetters in Gießen, vertreten durch R.-Ae. I. R. Grünewald & Schneider, Gießen, Angeklagten, iuegeii Beleidigung , hat das Großh. Schöffengericht in Gießen in der Sitzung vom 10. Oktober 1913, an welcher Teil genommen haben: Gerichtsassessor Seibert als Vorsitzender, Johannes Wallbott, Garbentcich, Johannes Fittk, Gießen als Schöffen, Keitzcr als Gerichtsschreiber, für Recht erkaimt: Der Vrivatbeklagte Friedrich Vetters, geboren 6. Augult 1861 zu Zschieren, Kreis Dresden, evangelisch, verheiratet, Redakteur in Gießen, i*"i des Vergehens gegen §§ 185,! 186, 20U St -G.-B. in Verbindung mit § 20 dc-3 Preß- gesetzes schuldig und ivird deshalb in eine Geldstrafe von Dreißig Mark, die im Falle der Uneinbringlichkeit inil sechs Tagen Gefängnis zu verbüßeit ist, und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Zugleich ivird den: Beleidigten, Reichstagsabgeord- neten Dr. Werner in Butzbach die Besugilis zugesprochen, den entscheidenden Teil dieses Urteils binnen zwer Wochen nach Zustellung einer vollstreckbaren Ausfertigung aus Kosten des Privatbellagten je einmal im Gießener Anzeiger und Oberhessischc Volkszeitung öffentlich bekannt machen zu lasseu. , Tie Nichtigkeit der Abschrift der UrteilSsormel wtrd beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Gießen, beit 23. Oktober 1913. Der Gerichtsschreiber Großh. Amtsgerichts. (L. S.) gez. Keitzer. Für die Abschrift und Veröffentlichung des Urteils Gießen, den 24. Oktober 1913. Fischer, Rechtsanwalt.D /io Versteigerung. Windhof, Restaurant, Neubau, an Haltestelle der Biebertalbahn, zirka 30 Minuten zu Fuß von Gießen entfernt, auch für Fabrik oder Sanatorium sehr geeignet, wird am 14. November 1913, nachmittags 5 Uhr, auf dem Ortsgericht Heuchelheim öffentlich versteigert. Gießen, 20. Oktober 1913. Großh. Amtsgericht. Die Hauptmarke! „ .Unsere Marine Schläfer in Qualität Diebesfe2p£Cf$aretie (Marke Schwan) ist in Verbindung mit dem modernen garantiert unschädlichen Bleichmittel Seifix das beste selbsttätige Waschmittel. Zu haben in allen Verkaufsstellen von Dr. Thompson’s Seifenpulver. die Vorführung der Apparate stattfindet. Deutsche Akustik-Gesellschaft Berlin-Wilm., Motzsiraße 43. 8$r Allcinverkans zu vergeben. Kipp-Dämpser (Sijftcm Bentskys Johns Herddämpfer — Kartoffelquetsche „Fix" erzielen Sie einwandfreies Futter. Vorrätig bei I. B. 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Oktober 1913. Butzbach—Licher Eisenbahn Attien-Gefellschaft Der Borftand. Kl und den Herren Obren Aerzten geben wir Gelegenheit, unsere WM neuesten . clekttischcn .Yör-Apparaie die von medizinischen Größen erprobt und empfohlen werden, tauch Westentaschcnsormall in einigen -ragen iu Greffen kostenlos und unverbindlich auszuprobieren. Wir bitten um Bekanntgabe Ihrer genauen Adre >e, bannt cv uns möglich ist, Ihnen Gratis-Broschüre und Nachricht senden zu iiiSima Königin der Milchschleudern in Konstruktion und Veiitiutfi; erhaben iiber jedoronkurrenz Buttcr-JIaschincn s Eutterformen etc. - NiF.B.Hüttser Giien-ii.Maschmenhandlnng. Wintereier erzielt man in großer Menge durch die tägl. Beiiütternng pro Huhn von 15-20 Grannn des sehr berühmten ltzcflügel- sutterS „Nagut". ?>n haben bei: Aua. Wallenfels, Tro- gerie, Gießen, Atarktplatz D. ’ Landwirt»“! Ihv-/6 Friedrich Sondermann Kostenvoransctüaee u. 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