Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. — Der neue Pr 6 vost. Aus Paris wird uns geschrie- ben: „Tie Schutzengel", eine Komödie in drei Akten nach dem Roman „Les Anges gardiens" von Marcel P r 6 v o st, wurde soeben in der Comödie Marchny ausgeführt. Gegenüber diesem Werk bleibt das eine tröstlich, daß man sich, zum wenigsten in Deutschland, nie über die literarische Physiognomie Prevosts getäuscht hat. Man hat von seinen: ersten Buche an begriffen, daß dieser Autor es auf das trefflichste versteht, nw- Die gesprochenen Worte „Da steht der Mensch" hatten einen bitter anklagenden Unterton; „Erlkönig" und „Tie Forelle" waren vor trefflich charakterisiert. „Das Lied im Grünen" atmete unendliche naive Freude an der Natur und die letzte Strophe dieses entzücken den Liedes war mit einer innig wohlmeinenden Aufforderung an das Publikum verbunden. Die Brahms schen Gesänge „Kein Haus, keine Heimat" und „Wie bist du, me ne Königin", dann die beiden Lieder von Schumann „Aufträge" (besonders als Kabinettstück zu verzeichnen) un d„Ich grolle nickt", Posas Lied „Der Handkuß" durch eine augenblickliche Indisposition in der sonst unübertrefflich fein ironischen Wiedergabe etwas verschleiert, Hugo Wolfs „Ter Feucrreiter", eine geniale Komposition dieses unerreichten Liederkomponisten, wie Sindings ,.Ein Weib" waren vortreff liche Darbietungen.. Bei „Cäcilie" störte mich die tiefe Transposition; das Original „E-Dur" klingt besonders im Klavierteil viel leuchtender. Der reiche Beifall nach der dritten Abteilung nötigte dem Künstler eine Zugabe „Die beiden Grenadiere" ab. Die vierte Gruppe bildete „Tas Hexenlicd" von Wildenbruch mit der begleitenden Musik von Max Schillings. Daß Wüllner nach dieser seiner oft ' gerühmten Kunstleistung besonders gefeiert wurde, braucht kaum erwähnt zu iverden. Coenrad v. Bos, der als ganz prächtiger Begleiter am Flügel vollständig den Intentionen Wüllners folgte, brachte die Schillingssche Musik zu eindrucksvoller Wirkung, wenn er auch nicht vergessen machen konnte, daß die Komposition nicht für Pianofortc, sondern für Orchester geschrieben ist. A. Z. Die gescheitert Hamburger Universität. (db.) Aus Hamburg wird uns geschrieben: Die Hamburger Bürgerschaft hat nun, wie bereits telegraphisch gemeldet, die Universitätsvorlage des Senats ab gelehnt. Man hat nicht einmal einen Beschluß zuwege gebracht, die Vorlage durch einen Ausschuß prüfen zu lassen. Die Tatsache der Ablehnung ist natürlich für alle Freunde einer Hamburger Volluniversität ein harter Schlag — aber man muß bedenken, daß ja nicht die Universität selber gefallen ist, sondern nur die Vorlage des Senats, die in ihrer Fassung selbst Anhängern der Universitätsfrage nicht genehm war. Man hofft zuversichtlich, daß die Unioersitätsfrage nicht in allzulanger Zeit mit besseren Aussichten wieder aufgerollt wird Es t|t nicht uninteressant, stellenweise auch ganz amüsant, den Gründen nachzugehen, die man gegen eine H am- bürger Un iver sität ins Treffen geführt hat. Man sprach, nicht mit Unrecht, von einer Gefährdung des großartig ausgebauten Hamburger öffentlichen Vorlesungswesens, das der ge- lamten Hamburger Bevölkerung reiche Bildungsmöglichkeit bietet und das man ftolz die Universität des Volkes nennt. Man fürchtete den finanziellen Ruin Hamburgs, sprach von einem „finanziellen .Abenteuer" und meinte, das Geld Hamburgs go Zu den ltammerverhandlungen über die hessische Grdensgesetzgebung. Die hessische Zentrumsfraltion hat, wie der Oeffent- sichkeit schon bekannt ist, am 19. Dezember 1911 in der Zweiten Kammer der Stände einen Antrag auf Abänderung der hessischen Ordensgesetzgebung eingebracht. Die geforderte Abänderung, der Gesetze vom 29. April 1875 und 1. Juni 1895 erstrebt eine „freiere Tätigkeit" der Ordrns- leute auf den Gebieten der Seelsorge, des Unterrichts und der Fürsorgearbeit und schließt damit nicht nur eine weitere Vermehrung der Niederlassungen, sondern auch die Zulassung weiterer, bis jetzt in Hessen nicht ansässiger Orden ein. Im .Hinblick auf diese Wünsche ist es für die Oeffcnb- lichkeit gewiß von großem Interesse, zu wissen, welche Entwicklung das Ordenswesen der römischen Kirche, in Deutschland und insbesondere in unserem engeren Vaterland in den letzten 5 Jahrzehnten, also etwa seit dem Bestehen des Reiches, genommen hat. Der Statistiker Schulte (in Bonn Professor der Rechte seit 1872) zählte 1866 für Deutschland ohne die Reichslande 148 männliche und 848 weibliche Ordensrnederlassungen mit 1940 männlichen und 7795 weiblichen Ordenspersonen, das waren zusammen 996 Niederlassungen mit 9735 Mitgliedern. Schulte zählt ferner für seine Zeit 12489 371 Katholiken in Deutschland. Demnach kam danrats auf 1283 Katholiken je ein Ordensglied und aus 1602 Katholiken ein weibliches Ordensglied. Wir stellen neben diese Zählung und Berechnung das Ergebnis der Statistik, wie sie sich aus Krose „Kirchliches Handbuch" für 1912/13 ergibt. Danach gibt cs im Jahre 1913 in Deutschland 7081 Ordensniedertassungen mit 70 284 Ordensgliedern Es sind 325 männliche Niederlassungen und 6756 weibliche Niederlassungen. Bon den Ordcnsglie- dern sind 7206 männlichen, 63 078 weiblichen Geschlechts, d. h. also in dem Zeitraum von noch nicht 50 Jahren sind die Niederlassungen von 996 aus 7081, die Ordensglieder von 9735 auf 70 284, die männlichen Niederlassungen von 148 auf 325, die weiblichen Niederlassungen von 848 auf 6756, die männlichen Ordensglieder von 1940 auf 7206, die weiblichen Ordensglieber von 7795 auf 63 078 gestiegen. Die Seclenzahl der Katholiken beziffert Sck)ulte, wie erwähnt, für die Zeit seiner Statistik auf 12 489 371. Am 1. Dezember 1910 zählte man 23 821 453 Katholiken im Deutschen Reich. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich also für das deutsche Reichsgebiet ein gewaltiges Anwachsen des katholischen Ordenswesens in einem Zeitraum von nicht ganz 50 Jahren. Elsaß-Lothringcn eingeschlossen ist die Seelen- zahl der Katholiken um 90,4 Prozent, die Zahl der Ordens- niedertassungcn dagegen um 610,9 Prozent gewachsen. Die Zahl der männlichen Ordensgliedcr hat sich um 271,4 Prozent vermehrt, die der weiblichen Ordensgliedcr ist um nicht weniger als 709,2 Prozent in die Höhe gegangen. 9coch von einer anderen Berechnung aus fällt die Ausbreitung der katholischen Orden in Deutschland recht in die Augen. Im Jahre 1866 kam aus 1283 Katholiken ein Ordensglied, und aus 100 000 Katholiken kamen 78 Ordensglieder. Dieses Verhältnis hat sich sehr geändert. Gegenwärtig kommen im Deutschen Reich schon auf 339 Katholiken ein Ordensglied und demnach auf 100 000 Katholiken 295 Ordensglieder. Und vollends, zählt man nach demselben Grundsatz, den Gießener Aonzertvcrei«. Erster Solistenabend. Gießen, 3. Nov. Das erste Abonnementskonzert gestaltete sich gestern zu einem Kunstgenuß erlesenster Art, war in so hervorragender Weise ein Festkonzert, das; die tmjßanfe der Wintersaison nachfolgenden Konzerte schwerlich eine Steigerung in Hinsicht auf solche Festcs- ftintmung bringen können. Dr. Ludwig Wüllner betrat das Podium, und schon breitete sich ein zauberhafter Bann über die in hoher Erwartung harrenden zahlreich erschienenen Zuhörer. Und die Erwartungen, die das hiesige Konzcrtpublikum in den Namen Wüllner gesetzt hatte, wurden ganz erfüllt; in nicht endenwollendem herzlichen Beifall bekundeten die andächtigen Lauscher am Schlüsse des Konzertes ihren aufrichtigen Dank für des Künstlers so tief zu Herzen gehende Darbietungen. Worin besteht nun eigentlich die Größe der Wüllnerschen Vortragskunst, die Größe dieses „Sängers ohne Stimme", wie Wüllner in Amerika genannt wird, dieses Mannes, über den schon so viel geschrieben wurde und dessen Biographie in kurzen Worten im Samstagsblatt des G. A. erschienen ist? Außerordentliche Intelligenz gestattet dem Künstler sicherstes Erfassen des geistig'poetischen Ivie musikalischen Inhaltes der einzelnen Werke; eine vollendete Atemtechnik, eine wunderbare Vokalisierung, und nicht zuletzt eine höchst kultivierte musikalische Phrasierungskunst, getragen von einer souveränen Kraft des Rhythmus, ermöglichen das Zustandekommen jener „großen Linie", die Wüllner von Anfang in die Reihe der Auserwählten stellt. Und dennoch sind bei diesem Künstler zwei Eigenschaften besonders her- vorzuheben, die ihn über alle feine Kollegen so weit erheben: erstens die, trotz aller äußerst konzentrierten und genau überlegten, wohldurchdachten Auffassung, einem „momentanen Muß" unbedingt Foltw leistende Ausdrucksweise und vor allem der Mangel schönklingender, klanglich sinnlich wirkender Stimmittel. Gerade das ist bei Wüllners Kunst das Charakteristische und Suggesttve, daß der aufmerksame Hörer nicht durch eine klangprächtige Stimme, die durch ihre blendende ftraft berauscht, vom wahren Kumtgenuß ab- gdenft wird, sondern sich eben durch ihr Fehlen in die Ideenwelt des Komponisten versetzen, sie ganz mitfühlen und nnterleben kann. Die Vortragsfolge umfaßte vier Gruppen, deren erste ganze Franz Schubert, dem Großmeister des Liedes, gewidmet war Wer gclefat hat unter welch unsagbar traurigen Umstanden Schubert aerobe die Lieder „Ter Wanderer" und „Der Doppelgänger" komponiert hat, der wird die restlose Ausdeutung Wüllners gerade dieser beiden Gesänge so schnell nichr vergessen. Wie düster klang im .Wanderer" die Stelle „Im Geiiterhauch tönt's mit zurück" oder wie dumpf kam die ganze erste Strophe von „Der Doppelgänger". Schulte einst mit der Bemerkung, daß er damit nach statistischen Gesetzen zwar zu weit gehe, aber um so nxmiger der Uebertreibung geziehen werden könnte, anwandte, heute in Deutschland etwa 6 Millionen erwachsene weibliche Katholiken, so kommen jetzt auf 95 erwachsene weibliche Katholiken ein weibliches Ordensglied, oder auf 100 000 erwachsene weibliche Katholiken 1052 weibliche Ordensglieder. Die Statistik des Jahres 1866 dagegen ergab erst aus 401 erwachsene weibliche Katholiken ein weibliches Ordensglied und auf 100 000 erwachsene weibliche Katholiken 249 weibliche Ordensglieder. Ein besonders großer Bestandteil der deutschen Ordcns- leutc wird von Bayern und Preußen gestellt. In diesen beiden Bundesstaaten ist die Zahl der Ordensglieder mächtig gewachsen, seitdem hier die Ordensgesetzgebung einer Aenderung nach römischen Wünschen unterzogen worden ist. Stieg doch in Bayern die Zahl der Nonnen seit 1905 um 3590, sodaß 1910 überhaupt jede 124. Frau in Bayern ins Kloster ging, während die Gesamtzahl nach Kroscs Handbuch 1912/13 2321 Mitglieder klösterlicher Männcrorden und 15 472 Nonnen, insgesamt 17 793 Ordensleute betrug. Denselben Verlauf nahm die Entwicklung in Preußen. So wurden hier im Jahre 1875 nur 596 Ordensniederlassungen gezählt, deren Mitgliederzahl unermittelt blieb. 1886 zählte man 746 Niederlassungen mit 7248, 1889: 988 mit 10 428; 1894: 1399 mit 17 398; 1908: 2113 mit 30825 Mitglieder. Am 31. Dezember 1911 aber waren nach der staatlichen Zusammenstellung 2377 Ordensniederlassungen mit 35 329 Ordensleuten vorhanden. Das Deutsche Reich besitzt damit einen ungeheuren Vorsprung in der Ausdehnung des Ordenswesens und in der Zahl der Ordenspersonen selbst vor ganz katholischen Ländern. Das „Kirchliche Handbuch" des Jesuiten Krose, S. 231, zählte für 1912,13 bei einer katholischen Volkszahl von 23 821453 im Deutschen Reich 7Ö81 Ordensnieder-i lassungen mit 70 284 Insassen. Oesterreich hatte dagegen im Jahre 1908 mit seinen mehr als 24 Millionen Katholiken nur 2900 Niederlassungen mit 38000 Ordensangehörigen aufzuweisen. Die Ausdehnung des Ordenswesens hat in Hessen einen ähnlichen Verlauf genommen. Im Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahr hunderts, als Schulte seine Statistik schrieb, -gab es in der Diözese Mainz bei einer römisch- katholischen Bevölkerung von 225 775 Seelen 4 männliche und 26 weibliche Ordensniederlassungen mit 29 männlichen und 252 wechlichen, zusammen 281 Ordensgliedern. In einzelnen Verhältniswahlen hieß das, es kamen auf 803 Katholiken 1 Ordensglied, auf 396 Katholiken 1 weibl. Orden sglied, auf 224 erwachsene weibliche Katholiken 1 weibl. Ordensglied und endlich auf 100 000 Katholiken kamen 124 Ordensleute. Das ist im Jahve 1913 gründlich anders geworden. Es gibt gegenwärtig im Hessenland nach dem „Kirchl. Handbuch" von Krose 1912/13 S. 230: 5 männliche Orden und 117 bezw. nach Seite 469: 128 Niederlassungen weiblicher Orden mit 63 männlichen und 1252 weiblichen, zusammen 1315 Ordensgliedern. Berechnen wir die Entwicklung dieser 50 Jahre, so ergibt sich in Hessen eine Vermehrung der männlichen Ordensglieder um 117 Prozent, der weiblichen Ordcnsniederlassungen um 350 Prozent, der weiblichen Ordensglieder um 397 Prozent, der Ordensleute überhaupt um 368 Prozent. Die römisch-katholische Bevölkerung stieg in demselben Zeitraum von 225 775 auf 397 549, also nur um 76 Proz. höre allein dem Handel und der Schiffahrt. Mkn entsetzte sich vor einem kommenden „Geschlecht akademischer Kaufleute", das die Eigenart Hamburgs in Frage stellen würde; sprach von einem sicherlich nicht ausbleioenden „Gelehrte nproletaria t", aus dem sich viele der Sozialdemokratie anschließen würden. Und es gab Kaufleute, die allen Ernstes befürchteten, durch das neue Element der Univcrsitätsprofessoren gesellschaftlichen Schaden zu erleiden. Es ist Tatsache, daß in einer öffentlichen Versammlung ein Kaufmann unter starkem Beifall gesagt hat: „Bisher spielten wir Kaufleute die erste Rolle in der Gesellschaft. Kommt die Universität, dann werden die Herren Professoren an die erste und wir an die zweite Stelle rücken!" Auch eine Art von Han- seatcnstolz! Sicherlich steht der überwiegende Teil der Hamburger Kaufmannschaft nicht auf solchem kleinbürgerlichen Boden — das Schlimmste aber war, daß Vertreter dieser Meinung in einflußreichsten Kreisen /aßen. Jedenfalls ist der Versuch, die Hamburger wissenschaftlichen Einrichtungen zu einer Universität auszubauen, durch das Zusammentreffen hervorragender Kaufleute und hervorragender Wissenschaftler ein Institut zu sckaffen, das geeignet gewesen wäre, wirtschaftliches und wissenschaftliches Leben einander befruchtend durchdringen zu lassen, vorläufig gescheitert. Man wird in Hamburg nun alle Kräfte daran setzen, das bestehende Kolonial- i n st i t u t, das unserm ganzen Kolonialbetrieb eine wissenschaftliche Grundlage geben und Leute aller Berufe für das wirtschaft, licke Leben in den Kolonien Dorbereiten soll, nach Möglichkeit auszubauen. Doch wird sorgenvoll die Befürchtung ausgesprochen, datz eine Anrechnung der Semester das Hamburger Kolonialinstitut sich nicht die nötige Stoßkraft bewahren könne, um sich als Zentrum der Kolonialwissenschasten zu behaupten. Dieses Bedenken ist wichtig und nicht unberechtigt. Denn die Uniticnitätcn des Reiches, zumal Berlin, beginnen bereits die Ueber?ee-Wissenschaften ihrem akademischen Betrieb ciiizugliedern eo erwächst dem Hamburger Jnstiiut eine empfindliche Einbuße' denn gerade die I^rtrorragenbften Gelehrten dieser Wissenschaften werden es vorziehen, in vollausgebauten Universitäten zu lehr'n, als an einem Institut, das einen akademischen Lehrbetrieb im Sinne der Universitäten und damit eine breitere Wirkung vorläufig nicht bieten kann. Kurt K ü ch l e r. Ans Hessen. Aus dem Finanzausschuß der Ersten Kammer. rb. Darmstadt, 2. Nov. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hat in seiner jüngsten Sitzung sich u. a. auch mit der Regierungsvorlage, betr. die Nachweisung der Staatseinnahmen und -Ausgaben für 1908 und 1909 beschäftigt. Es kam dabei nameittlich der von der Oberrechnungskammer beanstandete Punkt zur Sprache, daß die durch die Ausstattung des Schmuckhoses und der Wartehalle des Badehauses 70, sowie der Fürstenzelle in Bad-Nauheim (auf der Landesausstellung für freie und angewandte Kunst 1908> entstandenen Kosten von 12000 Mark zu Lasten der Badeanstalt verausgabt worden sind. — Die Zweite Kammer hatte das Monitum der Oberrechnungskammer als berechtigt anerkannt, aber mit Rücksicht darauf, daß der Ueberschuß der Ausstellung im Betrage von 60 000 Mark zu einer Stiftung für das hessische Kunstgewerbe und für zukünftige Ausstellungszwecke bestimmt worden ist, und da der Großherzog, die Stadt Darmstadt und andere Stifter auf die .Rückzahlung der eingezahlten Zuschüsse verzichtet haben, sich damit einverstanden erklärt. Die Zahlen für 1912/13, die Krose gibt, beruhen nach seiner Angabe auf kirchlichen Mitteilungen, sind also nicht zu hoch gegriffen. Die Großh. Regierung hat nun in ihrer Erklärung vom 9. April 1913 zum Zcntrumsantrag bemerkt: „der Antrag der Abgeordneten Dr. Schmitt und Genossen enthält keine ins einzelne gehenden Fordernngen." Das Bischöfliche Ordenariat hat indessen inzwischen der Regierung die kirchlichen Wünsche vorgelegt und ihr damit näher präzisiert, was' unter der freieren Tätigkeit der Orden „in religiöser, charitativer und sozialer Richtung", wie es im Antrag heißt, zu verstehen ist. Es handelt sich danach nicht nur um die Beseitigung von gesetzlichen Einschränkungen, die den in Hessen tätigen Orden in ihrer Arbeit vorgeschrieben sind, sondern man fordert kirchlicherseits die Zulassung neuer Orden in Hessen. Cs wird verlangt, daß l. die krankenpflegenden Orden ihre Tätigkeit ans das Gebiet der charitativen Fürsorge unbeschränkt erweitern dürfen, daß 2. der Orden vom guten Hirten den krankenpflegenden Orden gleichgestellt werde und damit beliebig viele Niederlassungen gründen und Mitglieder aufnehmen kann, daß 3. die „Englischen Fräulein" ihre Mitgliederzahl in 5 Niederlassungen nach Bedürfnis vermehren Können, daß 4. ein männlidier Orden für die Zwangserziehungsanstalten in Älein-Zimmern und Drais und der eine oder andere männliche Orden zum Zwecke der Aushilfe in der Seelsorge zugelassen werde. Eine Zusammenstellung zeigt also, daß sich in dem allgemeinen Inhalt des Antrages viele und sehr weitgehende Forderungen verbergen. Betrachtet man insbesondere die in Punkt 4 zusammengefaßten Wünsche, so sieht man, daß der Antrag überhaupt über den Rahmen einer bloßen Abänderung des hessischen Ordensgesetzes hinausgeht. Diese Forderungen können nämlich nur dann erfüllt werden, wenn die Grundlage der hessischen Ordensgesetzgebung, wie sie im Artikel I des Gesetzes vom 29. April 1875, Absatz 1 niedergelegt ist, außer acht gelassen wird. Hier heißt es nämlich: „Neue Niederlassungen oder Anstalten von religiösen Orden oder ordensähnlichen Kongregationen werden im Großherzogtum nicht zugelassen". Angesichts der Entwicklung, die nach den angegebenen Zahlen und statistischen Berechnungen das Ordenswesen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und auch in Hessen genommen hat, ist zu hoffen, daß die gesetzgebenden Körperschaften unseres Landes dem Zentrumsantrag nicht stattgeben. Nr. 258 Erster Blatt 163. Jahrgang Montag, 3. November M3 Der Eichener Anzeiger HM y f* LH BezngSvr iS: Erscheint täglich, außer «SffiÄÄ Fw monatlich75’Bi.,viertel- Sonntags. - Beilagen: A A A a. A ▲ A A Ä ▲ ▲ jährlich 'IW. 2.20; burc$ viermal n-öckentlich M -LM XxA Ablwle- u. Zive- vollen •iefiener$amilienblätter; fl M ffi wk EÄ M HM MS W HM ■ ■ D M Hf M monatlut zweimal wockcntl.Nreü- ■0 0 ® y Sä Ey kW Ej ÄB B ® ES roe diePostPik.2.— viertel* blatt fift den Ureis Eiehen ML ■ W K wr Bfwa M H Br B M B H Hf I B I WT B wbrl. ausschl. Beitellg. (Tteuschg und Freitag); WL0T M El B ffl E M JeL Jjgk H Q HM M BL B B Zeilenprets: lokal 15Pf^ Lwemml monatl. Land- HL Ä W ■ W M EL B W M W W auswärts wirtschaftliche Zeitfragen ▼ H M ■ ” ▼ El ▼ ~ eyeiredakteur: A Goetz. Fernjprech - Anschlüsse: N M BM Verantwortlich iür den fiir die Redaktion 112, Wr polit. Teil: Aug. Goetz; MW General-Anzetger für Oberheffen ZWM bis vörntitta^ü'uhr^ Rotationsörucf und Verlag der vrützl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Anzeigenteil: H. Beck. daß die beanüanbete Summe von 12 000 Mark zu Sailen fron Bad-Nauheim verrechnet wird. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer ist diesem Beschluß der Zweiten Sammer bechetreten unb beantragt, die RechTruuge» für die Etatsjahre 1908 und 1909 als richtig und gerechtfertigt gnzu erkennen. Noch ein Antrag zur Hilfe für die Genyssen- schäften. Die Abgeordneten Fenchel, Lutz und K o r e 11 - Angenrod Haben bei der Zweiten Kammer folgenden dringlichen Antrag ein- gereicht: Eine (Gewissheit über die schnelle Hilfe zur Sicherstellung der Lage der in Not geratenen Genoii'enscharten und Genossenschaftler Hessens ist dringend erwünscht. Die Unterzeichneten fragen daher bei der Grossh. Regierung an: 1. Sind die Verhandlungen mit der Zentralgenossenschastsmne wegen Gewährung des zu diesem Zweck benötigten Kamt als abgeschlossen '? 2. Ist Gwssh. Reglerung alsdann bereit, die in Aussicht gestellte Borlage an die Stänockammcrn zu beschleunigen? mißlänge vom Baifan. Sofia, 2 Nov lAgcmee Bulgare.) Zahlreiche bulga- rische Familien klagten bei der Regierung gegen das Vorgehen der Griechen, welche die bulgarischen Kaufleute, die auf griechischem Gebiete reisen, in Hast nähmen, auf alle mögliche Weise belästigten und sogar manche töteten.— Bei dem Austausch der griechisch-bulgarischen Kriegsgefangenen fehlten beim Ausruf zahlreiche bulgarische Gefangene, deren Namen auf einer von der griechischen Regierung vor- aelegten Liste stehen. Tic bulgarischen Kommissare machten die griechischen .iwmmtssare darauf aufmerksam, doch diese weigerten sich, irgendwelche Aufklärung darüber zu geben. Die fehlenden Gefangenen sind wahrscheinlich umge- bracht worden. Belgrad, 2. Nov. (W. B.). Vierzig bis fünfzig bulgarische Kvmitadschi überschritten zwischen Toiran und Strumitza die serbische Grenze. Sie überfielen zwanzig nach Strumitza wandernde türkische Familien, obgleich sie mit Passagierscheinen der bulgarischen Regierung versehen waren, «nd richteten ein Blutbad an. Der Thron Albaniens. Die „Berliner Morgenpost" meldet aus Rom: Fürst zu Wied hat die Kandidatur für den Thron Albaniens angenommen. Italien, Oesterreich-Ungarn und Deutschland sind dafür, die Zustimmung Frankreichs, Englands und Rußlands wird erwartet. Ausland. Som Befinden des Oberstleutnants v. Winter-- feldt wird berichtet, daß die ihn behandelnden Aerzte und der an das 5rrantenbett berufene Professor Dr. Hartmann von der Pariser Chirurgischen Klinik am Sonntag früh folgenden Bericht veröffentlichten: Der Verletzte hat gegenwärtig das Stadium der ernsten Komplikationen hinter sich. Ter lokale Befund macht noch einen Eingriff notwendig, der in den nächsten Tagen vorgenommen werden wird. ' Der russische Ministerpräsident Kokowtzow, der vollständig wieder hergestellt ist, wird, wie ein italienisches Matt erfährt, Dienstag nach Paris reisen, wo er, obwohl seine Reise keinerlei politischen Charakter bat, mit Poincar 6, Bar- thou und Pichon Zujarnrnenkünftc haben wird. Von Paris wird sich Kvkowtzow wieder nach Petersburg begeben. Die ruf» fische BÄschastrr in Rom, Krupenski, wird einige Wochen Urlaub nehmen und den MinKcrpräsidenten nach Paris begleiten. Kampfe in Fra-nzöfisch-Westafrika. Das französische Kolonialministerium erhielt vom Gouverneur Französisch-Westafrikas eine Depesche, die besagt, nach den ersten Berichten über den .Kampf bei Boutilis am ,18. September seien seitens der Franzosen 25 Eingeborene gefallen, jedoch sei fern Europäer verletzt worden. Die Depesche fügt hinzu, daß der ReWouftamm, der den Angriff am 18. September unternahm, später von dem Hauptmann .Mangeot verfolgt und am 10. Oktober in Outfoun ein geholt wurde, wo ihm eine völlige Niederlage beigebracht worden sei. Die Franzosen erbeuteten über 600 Pferde, 15 Gewehre, das gesamte Gepäck und die Lebensmittel. Auf französischer Seite seren nur zwei Eingeborene gefallen. 'rattficrtnbc Ideen in daS Gewand nnverhMtrr Pikanterie zu kleiden Auch später, als Marcel Prövost seine ftanbibatur für die Akademie dadurch vorbereitete, dass er in nationalistischer Propaganda arbeitete und in dem täppischen und abgeschmackten Roman „Mr. et Me. Moloch" dem modernen Deutschland seinen Hass und seine Verachtung kundgab, auch dann haben gerechte Beurteiler bei Prövost nur die verblüffende Geschicklichkeit be wundert, mit der er moralisiert und dabei der Pornographie ein unschuldiges Mäntelcknrn nmznhängen weiss. In der dra- matisckun ^lusschrotung seines letzten Romans setzt er nun den deutschen (Gouvernanten bissig zu : eS wäre wirklich schade, über dieses Maäflverk ein Wort zu verlieren, falls man da nicht zwei Tatsackren konstatieren müsste: erstlich, dass das Pariser Publikum das Thema der .Komödie mit sichtlichem Unbehagen aufnahm, weil sich der künsüick gesckmrte Patriotismus des Vorjahres bereits in normalen Dahnen bewegt, zum grossen Leidwesen der dramatischen Kärrner: und zweitens, dass die von dem Autor nicht sehr sanft behandelten CKmverrranten auS Italien und Eng- laitb letzt in dem Stück zu engelsansten, svmvathischen Wesen wurden, und mir die blonde Magda ist dafür sozusagen der Sündenbock, spioniert, feiert Orgien in ihrer Privatwohnung, verftibrt in der Familie, wo sie mit „Güte" ausgenommen wurde, den Papa und mid> den Herrn Sohn usw. Mnseguenz in literarischen Dingen ist also nur ein leeres Wort: vor allem kommt das Geschäft, und da man mit England jetzt gute Beziehungen ausrechterhält und auch Italien nicht vor den Kopf ftofam will, so sind die zwei Kolleginnen von Magda „geläutert" worden. Tem deutsck»en „Fräulein" liess man svlck>e Gunst nicht widerfahren. (CD Eine neue Operette von Lconcavallo. Ans London wird berichtet: Im Prince os Wales-Theo ter soll am kommenden Dienstag eine neue Operette von Leoncavallo ihre Uraufführung erleben. DaS Werk, das sich in seiner Anlage sehr stark dem Charakter einer Revue und eines Ausstattungsstückes nähert, umfasst zwei lange Akte und führt den Titel „Are von tberc?" „Sinb Sie da?" Der erste Akt fvidt auf einem Televbcmamt unb bringt n. a. eine Satire auf das Telephonwefen, während der zweite Akt ein Spielkasino auf die Bühne bringt. Der Tert stammt von dem weiten Direktor des Londoner Hippodroms de Courville, und die weibliche Hauptrolle wird von der amerikanischen Sänge rin Mrs be Courville kreiert werden (CK) Der grösste Radium kauf. Für 1 200 000 Mark hat daS Londoner Radio Active Crügen Institute 2000 Milli «ramm Radium, faß ein Drittel alles dessen, was von der faßbaren Substanz gegenwärtig vorhanden ist, zu Heilzwecken angelauft. Diese 2 Gramm stellen die gesamte Produktion der beiden Pariser Anstalten dar, die unter Aufsicht der Tinte. Curie Radium rr zeugen. Wie der Direktor deo Londoner Institutes mitteiltc, begehrt rn auch noch verschiedene anbav Länder, so Belgien, Russland und Anrrrika, den Vorrat, der sich durch besondere Reinheit auszeichnet, und England gelang es nur durch rasche» Sngrvifcn, sich den kostbaren Schatz zu sichern. Die Rachfrage nach Radium bei dem Institut ist sehr gross: sie war in diesem Jahre 600mal grösser als im vorhergehenden. Das Radium roirb an die großen Krankenhäuser ohne iedes Entgelt verlu-bci, und auch nir die private "Behandlung zu einem sehr niedrigen Preis zugänglich gemacht werden. K. B. schaftliche Bilder aus. •• Fainilienabend des Oberhess. Vereins für innere Mission. Herr Kirchenrat D. Schlosser schreibt unS: Der Gedanke, daß das christliche Gemeindeleben nur da recht gedeihe, wo die Gemeinde selbst es für ihre eigene Aufgabe erkennt, wo die Gemeindeglieder selbst ihre Verantwortung dafür fühlen und Hand dazu anlegen, ist innerhalb der evangelischen Kirche in den letzten 30 Jahren ganz besonders von dem ausgezeichneten Pastor D. Sülze in Dresden eifrig vertreten worden. Im Grunde ist fre viel älter. Er wurzelt tief in den Grundgedanken des Christen- tuniS. Vor allem gehört er zu dem Programm der inneren Mission, wie c§ Wichern aufgestellt hat. Deshalb hat sich der Oberhessische Verein für innere Mission von Anfang an gerade darum lebhaft bemüht. Dazu sollten unter anderern die Familie na den d e dienen, die er jedesmal bet einem JahreSsest zu veranstalten pflegt. Auch in diesem Jahre lädt er dazu auf den Abend deS 4. November nach Steins Garten ein (s. Inserat). Solche Mittel, daS Gefühl der Zusammengehörigkeit zu wecken und zu pflegen, sollten auf daS Verständnis und die Teilnahme aller derer, die noch ür christliches Gemeindeleben Sinn haben, rechnen können, unb bie Teilnehmer früherer Versammlungen wissen, dass auch sie dabei auf ihre Rechnung gekommen sind. Der Kirchenvorstand hat außerdem mit Rücksicht auf diesen bevorstehenden Familienabend darauf verzichtet, einen solchen am Jahrhundert- est zu halten. Der morgende Abend gilt denn auch noch der großen Gedenkfeier unserer Gemeinde. ** Vom fortschrittlich-politischen Bildungsverein wird uns geschrieben: Um Missverständnissen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß die öffentliche Versammlung des fortschrittlichen politischen Bildungsvereins keine Agitationsversammlung sein soll, die vorwiegend durch Polemik gegen Junker und Bund der Landwirte ausgefüllt mirb. Die Versammlung soll vor allem der Aufklärung dienen. Professor U r ft a d t wird deshalb die geschichtliche Entwicklung der ostelbischen Verhältnisse behandeln, unb der Hauptredner, Rittergutsbesitzer Becker aus Bartmannshagen in Pommern, jetzt in Bensheim, wird die gegen nm rtigrn Zustände auf den grossen Gütern schildern, Leben und Treiben, Wirtschaft und soziale Verhältnisse. Ucber die ostelbischen Güter herrschen bei uns vielfach noch ganz falsche Vorstellungen. Wirkliche Aufklärung durch einen Kenner wird jeder begrüßen, wie er auch politisch gesinnt sein mag. ** 4 0 jähriges Dienstjubiläum. Auf dem Giessener Draunsteinbergwerk begeht heute der Bergmann Gottfried Bender aus Grüninaen sein lOjähriges Dienstjubiläum. Bender wurde von seinen Vorgesetzten unb Mitarbeitern zu seinem Ehrentag beglück- bie Direktion übergab ihm für seine treue Pfltchterfullung in ber langen Reihe von Jahren ein größer^ Gelbgeschenk. Möge es bem Jubilar vergönnt fein, nod) recht lange'seinen Dienst auf bem Gießener Braunstein- bergmerf nnc jeither in voller Rüstigkeit zu versehen. 1 a hrt gc «r beitSjubiläum konnte am Sams- Heller m ber Eisenbahn- ihm * -Wt ar bei ter überreichten w geschmückten Arbeitsplätze ein tvert- rnCbft nnem ^eenbiplom Von ber Eisen- bahnbeborbc bekmn er cm namhaftes Geldaefchenk. Am Abend sand eine gemütliche Feier im Restaurant Kobel statt. Eingcleitet von einem Prolog wurde ui einigen «w- Xus Stadt und Land. Giessen, 3. November 1913. Trinker-Fürsorge stelle für Stabt unb Landkreis Gießen Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Dienstag abend 6'/, bis 8 Uhr. ♦* Veränderungen im Schulwesen. Uebcrtra- gen wurde dem Lehrer Georg Hopp zu Nieder-Kinzig, Kreis Erbach, die zweite Lehrerstelle an ber Volksschule zu Steinbach, in demselben Kreise; dem Lehrer Johannes M a y e r zu Kelsterbach, Kreis (vroß-Gerau, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Nieder-Ingelheim, Kreis Bingen; der Schulamtsasvirantin Gertrude Hammer aus Mainz eine Lrhrerinstelle an der Volksschule zu Heides heim, Kreis Bingen. ** In den Ruhestand versetzt wurde auf fein Nachsuchen der Weichensteller in ber Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Philipp Leißer zu Wixhausen vom 1. November an. "Ernannt würbe am 1. November der Gerichtsvollzieher-Aspirant Friebrich Reichert in Schlitz zum Gerichtsvollzieher mit bem Amtssitz in Schlitz. ** Giessens Lichtbühnen bringen seit Samstag neue Silber, auf die näher einzugehen es sich verlohnt, da sie in beiden Theatern dem Besten, was dort schon geboten worden ist, in nichts nachstehen. Das lln i o n- Theater hat ein Programm aufzuweisen, das in seiner enormen Länge an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Das Hauptaugenmerk bei der Zusammenstellung ist diesmal in lobenswerter Weise auf den Humor, das ur- eigentliche Gebiet des Kinos, und auf das prunkhafte Ausstattungsstück gerichtet worden. Dem Humor ist das reizende breiartige Lustspiel „Seine Kammerjungfer" gewibmet, ein allerliebstes Werkchen, bas schon durch seine behagliche Aufmachung ungewöhnlich fesselt. Tie Tarsteller befleißigen sich einer großen, pathetischen Geste, die, in recht komischem Gegensatz zu der humoristischen Handlung, die Lachmuskeln unwillkürlich kitzelt. Eine glänzende Aufmachung weist dagegen das Drama von der Eroberung Konstantinopels auf. Hier sind dem Film Möglichkeiten gegeben an Massenwirkungen und durch den blitzschnellen Wechsel der Schauplätze, wie sie das Theater niemals erreichen kann, und unser Schauspiel nützt diese Wirkungsmöglichkeiten nach Kräften aus. Neben den belehrenden Bildern aus dem westlichen Senegal weiß auch der übrige Teil des Programmes sein Publikum zu unterhalten. — „Die Sumpfblume" ist der neueste Schlager des L i ch t s p i e l h a u s e s, der erste Film der neuen Treuma'un-Larsen-Serie, für welche das Lichtspielhaus das alleinige Aufführungsrecht in Gießen erworben hat. Ter Vierakter greift in die innersten Tiefen des Lebens y^b schildert in grellen Farben die Geschicke eines Mädchens aus den tiefsten Schichten der Menschheit, einer Sumpfblume, die auf fremdem, vornehmem Boden nicht gedeihen kann und elend zugrunde gehen muß. Die Handlung ist spannend und geschickt aufgebaut. Seinen Erfolg ver- )ankt das Drama jedoch zumeist ber glänzenden Darstellung der einzelnen Schauspieler. Wären Wanda Treumann und Viggo Larsen, die Spieler der Hauptrollen, nicht so überzeugend wahr in ihren darzustellenden Charakteren, so würde das Stück mit seinem unbefriebtgenben Schluß wenig Einbruck hinterlassen. Auch bie Ausstattung ist prächtig. Den Zeitraum zwischen ber Aufführung ber „Sumpfblume" füllen humoristische unb allgemein intereffierenbe wissensprachen von seinen Vorgesetzten der besonderen Verdienste des Jubilars gedacht, die er sich um den 3taat und s«ue Mitarbeiter erworben hat. - Sie gipfelten alle in dem Wunsche, daß bem Jubilar noch ein recht langer, sorgenfreier Lebensabend bq(hieben sein möge. Ter nachfolgende Kommers, bestehenb in humoristischen Klaviervorträgen und gemeinsamen Liebern, hielt die zahlreichen Teilnehmer bis lange nach Mitternacht in fröhlicher Stimmung zusammen. “ Baumfällen. Das K aiserliche Telegraphen amt Gießen bittet uns, mitzuteilen: In der Zeit des Baumfällens werden an den Straßen unb in den Ortschaften die Reichs-Telegraphen- und Fern sprech- lei t u n gen durch umstürzende Bäume oder durch herabfallende Acste häufig beschädigt, weil bie Personen, denen das Baumfällen obliegt, rn der Regel die zur Sicherung der Telegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaiipt nicht ober in ungenügendem Maße treffen und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten ber nächsten Postanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen Ta auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, wird den Baurnbesitzem empfohlen, die nächste Post- anstalt von der bevorstehenden Baumfällung so zeitig zu be- nachrichtigen, daß die Entsendung eines Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werden kann. Tadurch erspart sich der Baumbesitzer Unannehmlichkeiten: alle Kosten für die Sicherung der Telegraphenleitungen trägt außerdem in diesem Falle bie Telegrap l-enverwaltung. Landkreis Giessen. = Rn t t ershau sen , 2. Nov. Heute nachmittag sand bei schönem Wetter unb reger Beteiligung ber ganten Gemeinde die Einweihung unserer neu erbauten schule statt. Nach bemJMang der Schüler an ber alten Schule sprach Schulverwalter Sarer herzliche Abschiebsworte, worauf Dekan Gussmann an ber neuen Schule bie Wei berede hielt. Regierungsrat Weicker bcqlück- wünsckite im Namen der Behörde die CKmemde tu ihrer bcroicicnen Cpfenvilliglrit und auch Professor Alles richtete anerkennende Worte an die Versammelten. Nach bem Vortrag eines Gedichtes durch die älteste Schülerin übernahm Bürgermeister Ä l i n k e l das neue Haus in den Schutz der Gemeinde, übergab cs mit Segenswünschen seiner Bestimmung und öffnete die Türe. Die beiden Gesangvereine waren erschienen und umrahmten die Feier mit schönen Gelängen. Ein grocr Strom von Neugierigen, jung und alt, besichtigte nun bie inneren Räumlichkeiten, die — nach den Plänen von Baurat Hechler erbaut — die Bewunderung unb das JÜob aller fanden. = fiid), 3. Nov. Am Dienstag feiern Dachdeckermeister Christ. Vater und Ehefrau das Fest der silbernen Hochzeit. 4 Lich, 1. Nov. DaS Fest der silbernen Hochzeit begingen heute Buchhändler Wilhelm Dietz und Frau. Kreis Büdingen. △ Ober-WidderShetm, 2. Nov. Bürgermeister unb Brauereibesitzer Weiß ist plötzlich gestorben. Er ist jetzt 27 Jahre als Bürgermeister tätig gewesen unb war erst vor einigen Wochen einstimmig zum vierten Male gewählt worden. Kreis Alsfeld. A Alsfeld, 2. Nov. Der veraltete Brauch, die KreiS- straße mit grobem Basaltschotter zu bedecken, hat eS mit sich gebracht, daß die Automobilpost Kirtorf — Ehringshausen ihren Betrieb einstellen musste. Leider werden hier immer noch nicht die Straßen gewalzt, vielmehr bleiben die Steine so lange liegen, bis sie eingefahren sind. ok. Alsfeld, 2. Nov. Das Wohnhaus des in Konkurs geratenen Steinmetzen unb Kuiematographenbesitzer« Emil Martin II. ging nebst anderen Gebäuden und Garten bei der zweiten Versteigerung zum Preise von 20 000 Mk. in den Besitz des Herrn Sattlermeister Koch, Obergafle, über. Die erste Versteigerung, bei der 17JD00 Mk. geboten worden waren, war nicht genehmigt worden. Die Kinoeinrichtung ist noch nicht verkauft worden. ok. Alsfeld, 2. Nov. Nächsten Dienstag feiern Schuhmacher Andreas Schmidt unb seine Ehefrau, Elisabeth, geb. Köhler, ihre silberne Hochzeit. — Am 10. b. Mts. finbet hier v.t Neuwahl von 7 GemeinberatSmitgliedern statt. ok. Münch-Leusel (bei Alsfelb), 1. Nov. DaS Kroßh. Ministerium beS Innern hat genehmigt, daß daS Dorf vom 1. November b. IS. ab eine eigene Bürgermeisterei erhält. Bisher war es mit ber Bürgermeisterei Schwadenrob verbunden unb das Dorf hatte nur einen Bei- georbneten aufzuweisen. Kreis Lauterbach. A Ilbeshausen, 2. Nov. Auf eine 2bjährige Tätig- feit als Maschinist blickt Sebastian Greb zurück. Die Maschinenbaufirma Platz-Weinheim sandte bem Jubilar 25 Mark. Kreis Friedberg. — Friedberg, 2. Nov. Unter zahlreicher Beteiligung wurde am Donnerstag im „Hotel Trapp" die KreiS- lehrerkonfer^enz des Kreises FrirHberg abgehalten. Es erschienen die Mitglieder der Krelsschullornmission, die geladenen Gäste unb 250 Lehrer und Lehrerinnen Zri?eisvat prbr. u. Schenk hielt die Begrüßungsansprache, darauf hielt Schulrat Süss einen Vortrag über „Die wahre Bil- bung". Lehrer Bur k-Vilbel fprud) über „Deutschlarrds tiefste Erniebrigilng, seine Befreiung vorn Joche Napoleons unb sein glorreiches '.Serben nach 1870". Den Schluß bet Feier bilbete ein Festmahl mit 220 Gedecken. L. Friedberg, 2. Nov. Der Voranschlag bei HanbelSkammer Friebberg für baS Jahr 1914 beträgt in Ausgabe 10 000Mk. —Vom 1. Jan. 1914roirb bie hiesige Ortskrankenkasse in eine KreiSkrankcnkasse umaewanbelt. Die ver- schiebenen Krankenkassen beS Kreises Haden bereits ihr Eingehen beschlossen. Butzbach, 2. Nov Sein 25jähriges Jubiläum als Braumeister der „Gambrinus-Branerei" konnte Braumeister Franke begehen. I Ossenheim, 1. Nov In der Gemeinderatswahl würben gewählt: Landwirt G Kopp, Schmiede- meiftcr Plftlipp Wagner, Arbeiter PH. Cfübler. $ Schwalheim, 1. Nov Sein 25,ähriges Jubiläum als Straßenwärter im Kreise feierte heute L. Peter- mann von hier. — Groß-Karben, 2. Nov. Hier und in zahlreichen Orten unserer Gegend tritt der Scharlach mit Heftigfeit auf und hat schon verschiedene Opfer gefordert. 4- Münster, 2. Nov. Auf der vorn Naul>eimer Jagd- vcrein am Samstag im Münsterer Walde abgehaltcnen Hirschjagd wurden von 32 Jägern 7 Hasen zur Strecke gebracht. Starkenburg und Rheinhessen. ch. Darmstadt, 3. Nov. In Rimbach im Odenwald wurde heute nacht nach der Kirchweihe ber 28 Jahre alte Obsthändler Nikolaus Blatt von dem Landwirt Michael Mader im Streit erstochen. Der Täter ist noch in der Nacht flüchtig geworden. Hessen-Nassau. X Bi^b er b. Rodheim, 2. Nov. Die an der Halte- .stelle gelegene „Waldmühle* ist heute nacht bis auf den Grund nie berge bräunt. Ihr Besitzer, Leib, war bekanntlich in die Affäre Borngässer verwickelt. (:) Hohensolms, 2. Nov. Winterschuldirektor Dr. Koch hielt seinen ersten Vortrag in Altenstädten über Anwendung der künstlichen Düngemittel. Marburg,1. Nov. Tie medizinische Fakultät der hie- stgen Universität hat Bürgermeister Dr. jur. Schröder- Hamburg die Würde eines Ehrendoktors verliehen. — Hachenburg, 2. Nov. Um die erledigte Pfarrstekle waren 8 Bewerbungen eingegangen. Zu Probcprcdigten wurden die Herren Mü ll e r --Espa, Fr e s e n i u s - Nieder- tiefenbach und Zimmermann-Frankfurt ausgcwählt. s. Marburg, 2. Nov. Gestern morgen fand man in ihrer Wohnung in der Frankfurter Straße die 38 Jahre alte Malerin Frieda Knrtze aus Landshut in Schlesien, die hier seit einiger Zeit wohnte, als Leiche vor. Die Dame hatte Lysol getrunken. Ihre ebenfalls hier wohnende Schwester, die 42 Jahre alte Gertrud Kurtze benachrichtigte ihre einige Jahre ältere Schwester A n n a, die in Braunschweig als Lehrerin angestellt ist, welche dann auch im Laufe der Nacht hier eintraf. Beide begaben sich in die Wohnung der toten Schwester und blieben auch dort. Als man heute mittag den Sarg für die Verstorbene brachte, mußte man die Türen gewaltsam öffnen. Es stellte sich heraus, daß auch diese beiden Schwestern ihrem Leben durch Lysol ein Ende bereitet hatten. Man fand sie in Totenklei- dern, auf dem Tisch stand Lysol, daneben lagen zwei geladene Revolver. Die Lebensmüden hatten während der Nacht eine Airzahl Briefe geschrieben, in einem Schreiben hatten sie sich ein. Familiengrab bestellt. s. Marburg, 2. Nov. Die landwirtschaftliche Wintn- smule begann ihren Unterricht mit 64 Schülern. s. Ma rbnrg, 2. Nov. Das seit einiger Zeit ausgetauchte Projekt, eine Eisenbahnverbindung zwischen Marburg und Wildungen herzustellen, wird in Marburg sowohl wie in allen beteiligten (tiememben, die von der Bahn berührt werden sollen, lebhaft besprochen. Wird doch dadurch der dem Bahnverkehr so fern liegende nordöstliche Teil des Kreises Märburg, wie auch nn Teil des Kreises Frankmberg, besonders die Burgwald- und Hmnaer Gegend, erschlossen. /Schon im Interesse der Märburger Universität liegt es, eilte unmittelbare Verbindung mit dem Landes- hospital Haina herzuftellen. Alle von Süden kommenden Reisenden, die nach Wildungen oder in dos Gebiet der Edertalsperre wollen, jutben durch diese Bahn einen geraden. Ungekürzten Weg, und durch die von der Wilduuaer Seite aus betriebenen Bahnprojekte auch weiteren Anschluß. Auch der Güterverkehr dürfte nicht zu gering veranschlagt werden, führt doch die vorgeschlagene Bahnlinie allein aus preußischem (Gebiete durch die vier großen Ober- fixrftereten Bracht, Rosenthal, Haina-Ost und -West. Ferner würde die Eisen-, Küpser-, Ton- und Jiegelindustrie eine große Belebung erfahren. Besitzen doch die Firma Krupp-Essen und die (Gewerkschaft Höchst-Wetzlar dort sclwn Grubenfelder. Da sich dos Marburger Landratsamt, die städtischen Behörden und kommunale Vereine letzt der Sache angenommen haben, dürften bald weitere Schritte in der Bahnfrage erfolgen. h Bad Homburg v. d. H., 2. Nov. In einem Kaffeehause schoß ein Einjähriger, der unvorsichtig mit einem Revolver umging, einem Kameraden, namens Berger, eine Kugel in den Kopf. Der Unglückliche kam schwerverletzt ins Krankenhaus. Der Ritualmorbproseß. Kiew, 1. Nov. Sachverständiger Professor Bekteref, etfiärt, feiner Ansicht nach handele es sich nicht um einen Ritualmvrd. Karpinsky schloß sich den Ausführungen Bek- tereffs an. Gterid?tsfaaL Berlin, 1. Nvv. In dem Prozeß gegen den Schriftsteller Sebald wegen Beleidigung des Wirkt. Geh. Krtegs- rates Selle im Zusammenhang mit dem Ankauf des Zossener Schießplatzes Beantragt der StaaKonwal! eine Go sängnisstrafe von 9 Monaten. Das Gericht nahm nicht an, daß der Angeklagte wider besseres Wissen bandelte und verurteilte ihn nur wegen übler Nachrede im Sinne des § 186 zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten. XV Potsdam, 1. Nov. Bor dem Schwurgericht ftndet heute die Verhandlung gegen den Mthändler Rudolf Händel statt, der beschuldigt ist, am 4. April das Fräulein von Schönfeld in ihrer Wohnung ermordet zu haben. Im ganzen sind 48 Zeugen geladen. W Prag, 31. Okt. Am 29. Mai d. Js. hallen die Hc^ teliersgattin Elsa Flusser und ihre Freundin Therese Eisner sich wegen eines Magenleidens von dem prakllsclieu Arzt Dr. Theodor Frankl durchleuchten lassen, wobei dieser zur Ausfüllung des Magens Bairum fulfuricum mit Mich vermischt verwendete. Am selben Abend starb Frau Flusser, während Frau Eisner schwer erkrankte, jedoch gerettet werden konnte. Es wurde fest- gestellt, baf: das Präparat nicht Bairnm sulfuricum war, welches ungefährlich ist, sondern Bairum carbonatum, ein schweres Gift, das auch als Rattengift Verwendung findet. Ter Magister Polajek, der dem Arzt das Präparat in Vertretung eines Apothekers verkauft hatte, wurde zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, eine Reihe anderer Personen, die gleichfalls angellagt waren, wurden sreigesprochen. wehrte Jkb und schrie aus LeLeskoMen, so baß die lOfäStigc Tochter und ein Zjähriger SCnabc erwachsen. Daraufhm üeß er von weiteren Mordversuchen ab irrtb er bängte sich * Geschoßexplosivn. Ans Pilsen luirb gemeldet: Ms auf dem Schießplatz der Skodawerke ein 71/2 Ztm - Feldgeschvß, das nach dem Äbschießen nicht explodiert mar, von einem Ekffchoßmeifter benroutiert werden sollte, fiel das Geschoß zu Boden und explodierte. Der Gesclwßmeister inib ein Arbeiter wurden getötet, zwei andere Arbeiter schwer verletzt. * Sein Grund. „Warum gehen Sie eigeMlich so gern in die Kirche, Mr. Smith?" „Ach, es ist für mich ein so erhebendes Gefühl, einen Mann zu sehen, der so viele Frauen eine Stunde ruhig halten kann." Kleine Tagerchrdmk. Im Alter von 108 Jahren sta r b in dem Ocrtchcn EJuffcI nach einer Meldung aus Brüssel die älteste Belgierin, eine Frau D i d d e n s. In Oberschönweide wurde unter dem dringenden Verdacht, seine drei kurz nach ihrer Geburt gestorbener? Kinder vergiftet zu haben, der Magistratsgehilsa Kikebusch verhaftet. Landwirtschaft. = Wetterfeld, 1. Nov. Bei der Obstbaumzählung in der hiesigen Gemarkung wurden festgestellt: 3763 tragbare Aepfell 1271 junge verpflanzte Aepfel, 604 tragbare Birnen, 92 junge verpflanzte Birnen, 2147 Pflaumen und Zwetschen, 269 Kirschen, 326 Mirabellen, 18 Pfirsiche, 58 Walnüsse, 9 Aprikosen, insgesamt 8557 Stück. Sport. Mannheim, 1. Nov. Der Ausschuß des Deutschen Rudervcrbandes hat als Ort der Deutschen Meisterschasts-* regatta 1914 Mannheim gewählt. Voraussichtlich kommt sie am 9. August auf dem 2 Km. langen Mühlauhasen zum Austrag. Lnftschiffahrt. w. Hannover, 1. Nov. Bei leichtem Regenschauer und. böigem Winde stieg der französische Flieger Pegoud heute nachmittag vor vielen Tausenden auf der Bultrenn- bahn zu zwei Flügen auf. Er zeigte Kurvenflüge und Ueber- schläge. w. Berlin, 1. Nov. Das neue Parsevalluft-i schiff „P. L. 16", das heute morgen 7 Uhr unter Füh-, rung des Oberleutnants Stelling in Bitterfeld aufgestiegen war und über Hamburg, Lübeck, Güstrow und Neustrelitz flog, ist nachmittags gegen 5 Uhr wegen starker vertikaler Böen bei Neustrelitz unbeschädigt gelandet. Die Ballonhülle wurde durch die Reißvorrichtung entleert. Das Luftschiff wird mit der Eisenbahn nach Bitterfeld zurückgeschickt. w. Johannisthal, 1. Nov. Heute morgen 7 Uhr ist Hauptmann Göbel auf Albatros-Taube zu einem Fern-- sluge nach Wien gestartet. Vermischtes. * Großfeuer in Lübeck. Am Sonntag nachmittag gegen 4 Uhr brach ein riesiges Feuer auf den weit ausgedehnten Holzplätzen der Firma Brügmann u. Sohn am Hafeneingang aus und wütete bis zum späten Abend mit unverminderter Gewalt. Die Stadt und Umgebung waren tagehell erleuchtet. Hilfe leisteten die Feuerwehr in Lübeck und zahlreiche Wehren der Umgegend, ebenso die Matrosen der ersten Minensuchdivision. Den vereintet: Anstrengungen gelang es, ein Uebergreifen des Feuers auf die benachbarten Holzplätze zu verhindern. Der Brand erinnert an die großen Feuersbrünste, die im Mai und Juni sich hier ereigneten und deren Urheber noch unermittelt sind. * Mord und Selbstmord. Aus Dresden wird berichtet: Ein stellungsloser Maler, dessen Frau zum Zeitungsaustragen weggegangen war, zog am Morgen in aller Frühe seine beiden Töchter im Alter von 5—6 Jahren aus dem Bett und ertränkte sie in einer mit Wasser gefüllten Wanne. Sein 8jeitriger Sohn, an dem er die gleiche Untat vollbringen wollte. Handel. — Die Großherzogliche Handelskammer Gießen bittet uns, folgenden Hinweis aufzunehmen. Ter Handclssachverständige bei dem kaiserlichen Genera5konsul.it China, Herr Zickermann, wird demnächst eine Reibe von Handelskammern besuchen, um durch deren Vermittelung mit den am Handelsverkehr mit China intereflierten Firmen Fühlung zu nehmen. Am 4. nnd 5. November be- sindet sich Herr Zickermann bei 'der Handelskammer Frankfurt a. M. Er ist dort am 5. November vormittags 9 bis 1 Uhr im Sitzungszimmer der Kammer (Börsen-gebäude) für Interessenten aus den Franrfurt a. M. benachbarten Handelskammer-Bezirken zu sprechen. Amtlicher Wetterbericht. Deffentlidter Wetterdienst, Gießrrr. Wetteraussichten in Hessen tut Dienstag, den 4. Nov. 1913: Wechselnde Bewölkung, zeitweilig Regenfälle, westliche Winde. Letzte 21 Christen. Der Wechsel in Braunschweig. Braun schweig, 3. Nov. Wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, wird der Besuch der Kaiserin erwartet. Der Kaiser dürfte erst nach Erledigung des dem Herzog von Cumberland noch schuldenden Besuches in Gmunden nach Braunschweig kommen. Die Sozialdemokraten fordern schon jetzt im Namen von 48000 Wählern vom Herzog Ernst August das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für den Landtag. Die Sozialdemokratie in England. Brüssel, 3. November. Das internationale Sozia- listen-Bureau ist für den 13. d. M. zu einer Sitzung nach London einberufen, um die erfolgreich eingeleitetcn Verhandlungen über die Vereinigung der sozialdemokratischen Kräfte Großbritanniens zu einer geschlossenen Partei womöglich abzuschließen. Ledferrin ausgezeichnet mit der goldenen Medaille ans der internationalen Weltausstellung, Gent 1913. Gibt den Schwachen neue Kräfte, den Blutarmen neues Blut, den Schlaflosen erfrischenden Schlas. Die Nerven werden bernbigt und gekräftigt, das Ansseben wird frisch, dix Augen klar. Kinder, die in der Cutwickeluna zurückgeblieben sind, und Mädchen in den Jahren der Reife, finden in Veciferrin ein wertvolles Präparat, um das Blut zu bereichern, und die Entwickelung zu befördern. (**) Preis M. 3.—die Flasche. Man achte beim Einkauf genau auf das Wort „Leeiserrin". In Apotheken, ganz sicher von: Universitäts-Apotheke, Hirsch-Apotheke und Pelikan-Avotbeke __in Gießen. [('»'/o T3 W Färberei Oebr. Rover “ffir ävää 1 Chemieehefi Reinigen n. Farben von Damen-, Herren- n. Kindergarderobe, Vorhängen, Decken, Teppichen, Portieren, Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, Kindermtltzen, Handschuhen etc. | Xirka 1OOO Angestellte. D9/Io Einrichtunff und Organisation unserer Werke sind in der gesamten Fachwelt a’s musterßätltiff anerkannt Wieseck, den 3. November 1913. 17234 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir allen, insbesondere den 'Mitarbeitern, innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Ludwig Kreiling. Dr. Geyer von der Reise zurück 7222 Jagd - Verpachtung. D’/h Montag, den 17. November d. Jö., nachmittags 2 Uhr, sollen in der Wohnung des Unterzeichneten die hiesige Gemeindejagd, ca. 270 ha Feld und Wald, und die Fi'.teressentenwaldjagd, ca. 160 ha groß, öffentlich meistbietend aus 9 Jahre verpachtet werden. Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben. Die Gemarkung Hasscnhansen liegt ca. 40 Minuten vom Babnbos Fronbausen lM.-W.-B.» entfernt. Hassenhausen, den 81. Oktober 1913, Der Jagdvorsteher: Breitstadt. Bekanntmachung. Die unten verzeichnete Krankenkasse wird am 31. Dezember geschlossen. Forderungen an dieselbe sind binnen 3 Monaten anzumelden. Bei späterer Anmeldung kann Zahlung verweigert werden. Gießen, den 31. Oktober 1913. 7224 Fahrik-Kmnkenkafle Louis Scheid. Nutz- und Brcnnholz-Vcrkauf in der Freih. Oberförfterci Rabenau, Londorf. Für den Submissionötermiu vom 10. November d. Js. haben mir zum Verkauf ausgeschrieben: A. Nutzholz, Stämme Fstm.: 125 Eiche, 100 Buche (Schnittholz», 970 dieser, 640 Fichte, 15 Birke, Dcrbstangen Fstm.: 80 Fichte: Reisstangcn Fstm.: 20 Fichte: Fichtcn-Zellu- loicholz: 120 Rm.: Nutzknüvpcl: 20 Rm. Erle, 60 Rm. Nadelholz. — 16. Brennholz: 200 Rm. Buchenschener, 100 Rin. Niesernknüvvel. — Nähere Auskunft durch die Oberförsterei. Die Gebote sind verschlossen mit der Aus- schrist „Holzverkaus in Gießen" bls Samstag, den 8. November d. Js. au das Für st l. Stolberg'sche Rentamt in Ortender« zu senden. Eröffnung derselben am Montag, den 10. November, vorm. 10 Uhr, im Lenz scheu Felsenkcller zu Gießen.___________________________B3lu BuKenverkanf. Die Gemeinde Staufenberg beabsichtigt einen schweren Simmentaler Bullen auf dem Submissionswege zu verkaufen. Angebote sind pro Zentner Lebendgewicht, verschlossen, dis Freitag, de» 7. Novbr. l. Fs., vormittags 11 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle einzureichen, wo alsdann die Eröffnung stattfindet. Auch ersuchen wir um Angebote zum Ankauf eines sprungfähigen Simmentaler Bullen. Staufenberg, den 2. November 1913. Großherzogliche Bürgermeisterei Staufenberg. Stephan. 7995 Brrllen-Verkaus. Donnerstag, den 6. November l. I., nachmittags um 1 Uhr, sollen auf dem Faselhofe dahier zwei fette Bullen (1 Vogelsberger, 1 Simmentaler Rasse) öffentlich meistbietend gegen bare Zahlung versteigert werden. Großen Buseck, am 1. November 1913. Großh. Bürgermeisterei Großeu-Buseck. Schwalb. 7236 Konkursverfahren. Heber das Vermögen des Gutspächters Karl Brennemann auf Hofgut Heibertshausen bei Dau- bringen wird heute am 3. November 1913, vormittags 9 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Dec Kaufmann Louis Althoff zu Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 22. November 1913 bei dein Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfaffung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubiger- ansschuffes und eintretenden Falls über die in § 132 derKonkurSordmingbezeichnetenGegenständeaufFreitag den 28. November 1913, vormittags 9 Uhr und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag, den 28. November 1913, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer 18, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasie etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 22. November 1913 Anzeige zu machen. bs/u Großherzogliches Amtsgericht in Gießen. Fauslring- La nolirrS^i Fe Der Haut zuträglichste, wohlfeilste Toilette« seife,Stück 20 Pfennig, 5 Stück 95 Pfennig. Angefertigt vom langjährigen Fabrikanten der Pfeilringseife . C. Naumann, Offenbach a. M. 1TKAUERHÜTEI A. Salomon & Cie. | Roggenbrot | garantiert rein, empfiehlt u. lief, frei Haus Kinzenbachcr Müblc. Tel. 770 Amt Gießen. tyifhnusBrtechniRiinih Frankenhausen M Ing.-u.Werkm.-Abt Gr.Masch.-Lab. 88 ttnd Tieibau. Ortsgruppe Gießen. Mittwoch, den 8. ds. Mts., MoiiMersminliiH im Hotel Kobel, abds. 9 Uhr. Tagesordnung: L Kauslnannsaerichtswahlcn 2. Unterrichtskurse. 3. Weihnachtsfeier. 4. Verschiedenes. v3/“ Der Vorstand. Kriegerverein Gießer, j Wir machen die Kameraden auf das aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der freiwilligen Sanitäts - Kolonne vom roten Kreuz zu Gießen Mittwoch, den 5. Novbr. I. Js., abends 8 -Uhr, in der neuen Aula der Uni' öcrntät stattfindende Wohl- tätigkeitö-Konzert aufmerksam und bitten uni zahlreiche» Besuch. v’n Gießen, den 2. Nov. 1913, Der Vorstand. rrr- Sri Wegen Einführung einer Loden erfp Damen-«. Herrenstiefel an W ! Loden-Mäntel Wilhelm Benner Marktstr. 34 Marktstr. 34 in ür Weihnachten! SrtiotnitrlititrtiH. NB. An Club-ScW Lcdenmöbcl in rcWcr :Husinabl: J ■ fier rats wall Trö netc Med hau wie Hb* bildung neuen Fassons aufknöpfbar bene fluten um n den < biirdn etnnl wirb, Land« und d zu ve Hl j 'Hrm Berl die Tic [täbi Al* trag f ten Si des « dem i bungir nur in ftbr an frage it Mein, ii 6er mzmi trag eiio hin nsol rung^an1 wodurch wndrn des Ant Urteil; Eir beim t daran bare u der St 2,63 P, lach ir Vcvölle die Vo wenn ii flen not sollten. Freie Aussprache. Prof. Urstadt. Lüberstrasse 12. einem Schüler - Kursus können in wetterfesten Stoffen res, i luohL bern daher iten ' jeder Meid Bcsta werd« NllNfl und X getan 2 1912 Jedermann willkommen. 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U? dknn im msation Mühe H an der G flflerb U Ml i -ich wüß sangen q 'n dem Vblei aremdhex nnern q( f*“ »fir ö,f sich Z m,f. einem ^richten, ein § vdten fr > tert bkllen Sj' iU b^nge, 7-..* Qnt »bot J «hnei y^eh ^anbet der Bewohner des M Seltersberges 0111 Sienötog, heu 4. Rsiember, obenhS'/,«Uhr, im votcl Prinz Heinrich (Frankfurter Straße). Betr. Stadtratswahl k. (R<5S Die vinbcrufcr. MlIlMMsta Dir.: Hermann Steingoetter. Dienstag, d. 4. Nov. 1913, abends n llbr: 6. Dienstag Abonnements' BorfteUung. -- Gewöhnliche Preise! — ?ir StkissmiSsAiltf Drama in 6 Akten von Hinrich von »leist. Ende 10'.', Uhr. lCe/n Wiener Hemdblusen in Wolle, Halbwolle und Baumwolle deolsche o. französische sowie Kognak - Verscbnilte Bekannte Spezialität per Literflasche Mk. 2.25 empfiehlt [675 E. Dort, Walltorstr. 45. Kasse zu haben. Angehörige unserer Mitglieder zahlen die Hälfte. Loden-Kostüme in äusserst strapazierbaren Qualitäten Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission. Versammlungen: ÄLÄ- liniere wcibl. Tugend, Bfr.fio,sermann-Caub. AbS'/.tthr l^ketuö Garten, unter Dlitwirkung des Ev. fiirchengesang üeretoy: ^amilienabend. Pros. I) Sdjinn: Die Zeit ^^.^^reintigSkämvfc in ihrer Bedeutung für die Viebe»tiHiflfeit. Mittwoch, den 5. vor». Ii» Ubr im (lobanneSfaal: Pfr. Kenner auS Binsförth: Tie religiöse Not des Landes. D“/1(, 'Tvcitftötf Ctfbiflth ’ Dienstag ab 6 Ubr in der ♦ Stadtkirche. Pfr. Glock. Zur Teilnahme lädt die Gemeindeglieder in Stadt und Vnnb herzlich ein Der Vorstand: Adolph tf. finit ffttinnn Hofmann O.Schian v. Schlosser Schmeckenbecher Schwabe D. Stamm Dr. Weimar. Sofas etc. in eignen iDerhftättcn angefertigt, unter jeder Garantie ai I1 Ch.vrück öießen öroßhcrzoglirt) Ucssischcr hoflitfcrant Cdic Sdiloßgaffc / BrandplaB u. Kanp leibcrg Disä/pis dem alten Schloß In den nächsten Tagen erscheint i Burgen und Schlösser des Stein-, I* n. Mosellales 12 Orig.-Steinzeichnungcn von Ilan* Ktidolf Rchulee; mit kurzen geschichtlichen Erläuterungen von Professor C. Luthnier*. nebsl einem Geleitwort von Professor Bodo Eb- hardt. — Eine Mappe mit 12 farbigen Original - Lithographien. I,ndenprei* 15 JI. Subskriptionspreis 3G M. Letzterer erlischt mit dem 20. Nov. 1913 Ansführl. Prospekte auf Wunsch gratis Zur Subskription ladet ergebenst ein Jahressest des Oberhesfischen Vereins für innere Mission. Familien-Abend DicnStag, l.Novcmber,abdS.^"«Ubr,inStcinS(«arten unter Mitwirkung des bv. Rirchcngcfangvcrcins. Vor trag von Herrn Prof. D. Schian: Welche Bedeutung bat die nroRc ;$cit vor hundert Jahren für die LicbcS- arbeit unseres Volkes. Die Dlilglieder unserer ßicnicittbcn lädt zu recht zahlreicher Teilnahme herzlichst ein „ .. Der Vorstand: Vlbolvb iv. finuffmnnn Hosuinnn 1). Sdnan I). Schlosser Schmeckeubektier Zchmabe D. Stamm Dr. Weimar. Donnerstag, den 6. Rov. 1913, abends pünktlich 8lä Uhr, in der großen Univerfitäts-Anla: II. iWtlichkl lortreg Herr Prof. Dr. Rauch, Gießen: „NoidkrLsvimNm.kiie hüiiflitrifdj? WßuöeriiHtj“ mit Lichtbildern. Eintrittskarten zu einer Mark sind abends an der folge benutzen.“ ss i T...... den 8 Joni 1013. S. v. D., K. K. Oberbcitrkeant. In Apotheken und Drorerien; in Gteeeen bei: Adler-Drogerie Ctto Schuf und Centnil-Drohen« Emil Karn: wo nicht, xu.-h ilirukt poi tofrri Proben mltZeugn. Ober lerxügl. Erfolge kniterios von itakteriol. Luboratorlum v. Dr. Krnwt Klebe München 33. Tango / <7änj= Kursus sVud^eVden. Der Unterricht beginnt Dienstag, den 4. November, abends 8 Uhr. Tanzabende Dienstag und Freitag. Gefällige Anmeldungen nehme noch in meiner Wohnung entgegen. Hochach- •‘ftr Universitäts ■ Turn - lungsvoll W. Will, und Tanzlehrer C’/n Garderobe 10 Pfg KuWijilnischtt $trtin. zur U an nicht aut' löst lör cn i VI1 Gehr. Imheuser Markt 9—10. 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