m. 249 Zweites Blatt 163. Jahrgang Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. 9 umM! Billigte ein K' B gezogenem LeuM wüstlich. y "Srmanj] Idratit- Die „Giehener Zamflienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Xreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. ru । m 31 nen Ibaa. IER- ilark. Donnerstag, 23. Oktober 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universität^ - Buch- und Sremdruckerei. R. Lange, Gießen. Skandal auf dem Friedhof. Ern haarsträubender Vorfall wird der „Post" aus dem potififdte Tagesschau. Heber den VorfaN von Lausanne Mrd den authentischen Sachverha.lt wird von dort geschrieben : 2fn dcc Nacht vvm Sonnabend, den 18., zum Sonntag, den 19. Oktober, ist die Fahne des deutschen Konsulats in Lausanne schwer beschädigt worden, -bie Fahne war am Freitag, den 17. Oktober, nachmittags, znr Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht .ausgehängt worden und sollte bis zum Sonntagabend hängen bleiben. Kurz vor 12 Uhr am Sonntagmittag wurde der deutsche Konsul von zwei deutschen Studenten benachrichtigt, daß die Fahne beschädigt sei. Der Konsul begab sich im Auto zum Konsular und stellte fest, daß die Fahne, die sich über der Tür zum Hauseingang des Konsulats befand, l>erabgelassen nxir, und daß etwa ein Drittel des Fahnentuches abgerissen war und fehlte. Der Konsul suchte sich sofort telephonisch mit dem Präsidenten des Staatsrats in Verbindung zu setzen: dieser war krank, sein Vertreter abwesend, erst dreiviertel Stunden später gelang es, den rangältesten Staatsrat E 0 s s y , Vorsitzenden des waadtländischcn JustizdcpartEents, zu erreichen und ihn von dem Vorfall zu benachrichtigen. Staatsrat Cossy begab sich bereits um 2 Uhr in die Wohnung des deutschen Konsuls und drückte ihm offiziell im Namen der Regierung sein lebhaftes Bedauern über den Vorfall aus. Die vom Konsul energisch verlangte Untersuchung wurde trotz des Sonntags sofort eingeleitet; um 4 Uhr fanden die ersten Vernehmungen statt. Bei dem zielbewußten Auftreten des deutschen Konsuls und dem Eifer der waadtländischcn Regierung, die Untersuchung zu fördern, dürfte die Aufklärung des sehr zu bedauernden Falles zu erhoffen sein. Nirche und Schule. Kirchlich- positive Vortragstagung in Gießen. Gießen, 21. Okt. Am heutigen Vormittag fand zunächst um 81/2 Uhr eine Sitzung des Vorstandes und um 91/2 Uhr eine geschlossene Versammlung der Mitglieder der kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen statt. Nach einem Gebet von Herrn Pfarrer Lic. Dr. Dieckmann erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, aus dem hervorzuheben rst, daß die Zahl der Mitglieder 576 beträgt. Der verstorbenen Mitglieder wurde in üblicher Weise ehrend gedacht: auch für Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition uni) Verlag: Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzergerGießen, Heer und Flotte. Weitere neue Truppenübungsplätze. Die Erweiterung des deutschen Heeres macht die Errickftung weiterer Uebungs- plätze, namentlich für die Korps, die bisher ohne Plätze find, notwendig. Nachdem kürzlich für das 2. und 17. Korps in West- Preußen ein neuer großer Platz angekauft ist, werden zweiter Verhandlungen geführt über den Ankauf von Gelände für das 16. und 21. Korps im Westen und für die Erwetterung bestehender Uebungsplätzc, die durchschnittlich nur 4000 bis 4500 Hektar groß sind, in Zukunft aber allmählich um das Doppelte vergrößert werden sollen. Die Mittel aus dem Verkaufe des L.empel- hofer Feldes dienen in erster Linie dazu, die neuen Uebungsplätze zu schaffen, aus diesen Mitteln limrbe auch der Ankauf des neuen Uebungsplatzes für die Garde bei Zossen bestritten. Kenner 8 Grosse Auswahl b-, ■ Borne •enhandlung 6" Xenstadt | finden ihn zuscrmmengebrochen. Am 17. Februar gegen Mitternacht sttrbt er. Und dann beginnt auch Dates zu wanken. Er leidet entsetzlich an erfrorenen Füßen und schleppt sich mit letzter Kraft vorwärts. Acht Tage lang kämpft er sich, von den Freunden aufgemuntert, durch. Am 10. März .trägt Scott in das Tagebuch ein: „Wir haben noch Nahrung für neben Tage,und sollten ungefähr 45 geographische Meilen vom Lager entfernt sein 6 mal 7 ist 42. Wir sind dreizehn Meilen zurück, sogar wenn die Ereignisse nicht schlimmer werden. Ich zweifle, ob wir es machen werden." , Der Wind setzt mit unerhörter Wucht ein. Das Thermometer fallt bis auf 43° und das Tagebuch verzeichnet: „Wir müssen es durchkämpfen bis zum letzten Bisguit." Am 16 Marz bricht Oates zusammen. Scott schreibt unterm 17.: „Er war eine brave Seele. Dies war das Ende. Er schlief die Nacht, tn der Hoffnung, nicht mehr zu erwachen. Aber am Morgen wachte er auf. Es wehte ein entsetzlicher Blizzard. Dann sagte er: „Ich gehe auf einige Zeit hinaus." Dann ging er in den Schneesturm hinein und wir haben ihn nie mehr gesehen. Die drei Ueberlebenden, Scott, Bowers und Wilson leiden alle an erfronenen Gliedern und Schneeblindheit, aber sie wanken nicht und klagen nicht. Ein unerhört starker Schneesttirm, bei dem es absolut unmöglich ist, vorwärts zu kommen, hält sie zurück. Uiid dann kam auch für sie das Ende. Am 29. März schreibt Scott Mit fester, sicherer Hand seinen letzten Willen und seinen Aufruf an das Volk nieder. Darauf legen sie sich tn ihre Schlafsäcke, unt zu sterben. — Mommsen und Napoleon III. Von einigen interessanten, bisher unbekanitten Briesen Mommsens machte Prof. Maurice Besnier in der letzten Sitzung der Pariser Akademie der Inschriften Mitteilung. Im Jahre 1864 hatte Mommsen der Akademie der Inschriften mftgeteilt, er wolle ihr seine Ausgabe des „Testament des Augustus" widmen, als Ausdruck seiner Dankbarkeit für die Hilfeleistungen, die ihm tue Mmron Georges Perrot hatte zuteil werden lassen. Der Gelehrte Leon^) Renier gab ihm daraufhin den Rat, die Arbeit doch liebei_ dem Kaiser Napoleon III. zu dedizieren. Doch der große Hmo- riker lehnte diesen Vorschlag, wie cms den neuen Brugm ^ vorgeht, rundweg ab. „Ich habe^ IKrreb-"' Serine 2Ö‘ zahlreiche Vorreden verfaßt, aber ich habe noch nie emc W mung an einen Herrscher "As^ÄA^^widmet. Werk wurde daraufhin der Akademie der Inschriften gewidmet. Elsaß gemeldet: Die konsessi. nelle Hetze des Jungklertls in Lothringen hat, wie erst jetzt bekannt wird, am Sonntag, dem 12. Oktober, wieder zu einem Friedhofsauftritt gefüllt, der ein häßliches Seitenstück zu dem bekannten Fall von Fameck bildet, der seinerzeit dem Deutschen Kaiser Veranlassung gab. dem Bischof Benzler in Metz eine ernsthafte Rüge wegen des Verleitens der katholischen Geistlichkeit zu erteilen. Am Sonntag sollte ein pensionierter Beamter, Vorstand des K r i e g e r v e r e i n s für die Gemeinden Goin und Markt; im Landkreis Metz, in Goin beerdigt werden. Der Verstorbene hatte vor mehreren Jahren für den .Kriegeiverein eine Musikkapelle ausgebildet, die den Namen St. Marttn führt und in deutschem Sinne geleitet wurde. Tas war dem Pfarrer von Goin ein Dorn im Auge und er gründete ebenfalls eine Kapelle, die den Namen „La Ehoral" erhielt. Die zwischen der deutschen und her französisch dirigierten Kapelle im Laufe der Jahre ausgefock;tenen Kämpfe erhielten nun den häßlichsten Abschluß am Grabe des Beamten, der an einem schweren Nervenleiden gelitten hatte und, wie man sagte, freiwillig aus dem Leben geschieden war. Am Sonntag tollte die Beerdigung stattfinden. Der Bürgermeister von Goin hatte dem Totengräber die Grabstelle bezeichnet inmitten der übrigen Gräber Der Pfarrer sttäubte sich dagegen und wollte dem Verhaßten nur einen Platz an der Kir ch Hofs ma 11 er cm- räumen. Zwischen dem Totengräber, der den Befehl des Bürgermeisters anssührte, und dem Abgesandten des Pfarrers kam es zu einem heftigen Auftritt auf dem Kirchhof. Der Streit wurde schließlich auf den Dorsttaßen fortgesetzt, wobei beide Parteien sich heftig befehdeten, so daß die Gendarmerie auf Ersuchen des Bürgermeisters cinschreitcn mutzte. Als die Beerdigung vor sich ging, erschienen die Mitglieder des vom Pfarrer geleiteten Musikvereins „La Choral" und voll- sührten mit ihren Instrumente n vor dem Kir ch- hvf einen wahren Höllenlärm. Erst das Eintreffen der Gendarmerie machte dem Austtitt ein Ende. Ter Fall wird die bischöflichen Behörden noch be- schäftiqen. Man darf gespannt fein, ob Bischof Benzler diesmal eine andere Stellung als im Fall Fameck einnehmen heftigen Wind und einer Temperatur von 22° ist es ein besonders schleckster Tag. Es ist, wie Scott schreibt: „diese eigenartige, feuchte Kälte in der Luft, die einem das Mark in den Knochen erfchauern macht . . ." Sie folgen den norwegischen Spuren und kommen nach ungefähr 3 Meilen zu zwei kleinen Eishngeln. Am folgenden Tage unternehmen sie wissenschaftliche Beobachtungen und bestimmen, daß sie immer noch drei und eine halbe Meile vom Pole entfernt sind. Eine Merle weiter entdecken sie ein Zelt, auf dem die norwegische Flagge weht. In dem Zelt finden sie die Namen der fünf Norweger: Amundsen, Biaaland, Haussen, Wisting und Hassel, die am 16. Dezember 1911 den Pol erreicht hatten. Mehrere Gegenstände find in dem Zelt, das nur von einem einzigen Bambusstab gehalten wird, zuruckgelaften. Es scheint, als ob das Wetter damals wärmer gewesen ist. Auch eine Notiz von Amundsen an Scott liegt dabei, der ihn bittet, emert Brief an König Haakon zu befördern. Am Pol selbst errichten sie einen Eishügel, in den sie die englische Flagge stecken und photographieren sich. Zwei Tage blieben sie am Pol mit ernsten wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigt. Am 19. -Januar geht es zurück. Ein neuer, fürchterlicher Kampf beginnt, der Kamps mit den eigenen Spuren. Sie müssen ihnen folgen, wenn sie die einzelnen 'Nahrungsdepots, die sie unterwegs angelegt haben, erreichen wollen. Tie Witterung ist zunächst erträglich. Ter 'Wind weht im Rücken und gelegentlich tritt sogar die Sonne hervor. Tann aber setzt das Unwetter schreckhaft em. Der Kampf gegen die Elemente muß mit Aufbietung aller Kräfte gefichrt werden. Mehrmals haben sie die Spuren verloren und werden zu Umwegen gezwungen. Ter Hunger wächst und mit ihm die entsetzliche Ängst. Aber immer finden Bowers scharfe Augen sich zurecht und retten die kleine Kolonne. Anfangs Februar beginnt der Rückmarsch über den schwierigen Gletscher. Er dauert 11 Tage. Trotz der schwierigen Bedingungen und der drohenden Nahrungssorge wird noch ein Tag auf dem Gletscher zugebracht mit geologischen Studien. So wird unter anderem ein Kvhlenflötz gefunden. Der 11. Februar wird als „der schlechteste Tag, den wir aus unserer bisherigen Reise gehabt haben", verzeichnet. Tee und Bisgufts müssen genau berechnet und auf das Minimum beschränkt werden. Das Schrecklichste aber ist, daß einer der Gefährten, Evans, zusammenbricht. Er, der kräftigste und tapferste von allen, ist bei dem Marsch über den Gletscher zweimal in Gletscherspalten gefallen und hat dabei eine innerliche Erschütterung erlitten. Er muß langsamer gehen und verschleppt so das Tempo der Anderen. Dann bleibt er plötzlich zurück. Aks er nach einiger Zett nicht wiederkehrt, suchen sie ihn auf und r ,7chivc w Heere und Flotten aller Staaten der Erde (herausgegeben von Oberleutnant Rottmamsi Preis 2 Mk., Verlag von Zuckschwerdt u. Co., Berlin-Steglitz, Schloß-Straße 41, ist soeben im 12. Jahrgang 1913 erschienen. — Das beliebte kleine Werk ist in seiner neuesten Ausgabe wieder einer grunt^ liehen Durcharbeitung unterzogen worden. Die Angaben sind bei einzelnen Staaten von Grund aus umgearbeitet, die Gliederung ist nach einhettlichen Gesichtspunkten streng durchgeführt worden, so daß eine schnelle Orientierung über die verschiedensten Fragen ermöglicht ist. Unter „Deutschland" sind die auf Grund der neuen Wehrvorlage am 1. 10. 1913 eintretenden Veränderungen in der Organisation des Heeres berücksichtigt, ebenso unter „Frankreich" und „Oesterreich" die in der Durchführung befindlichen bezw. bevorstehenden Neuerungen und Vermehrungen. Das Buch bringt eine leichtverständliche, umfassende, aber doch räumlich beschränlle Zusammenstellung sämtlick>er Wehrmittel der einzelnen Staaten. Es enthält insbesondere Angaben über Größe und Einwohnerzahl, Wehrverhältnisse, Gliederung und Stärke des Heeres im Krieg und Frieden, Bewaffnung, ferner über Anzahl, Tonnengehalt und Alter der Schifte, sowie über Flottengliederung und Flottenbau- pläne der Großstaaten. Programm ifit U tag. den 21., Mi! den 22., Tonntr: den 23. und Arden 21. Cftoitri Senlations^proiF Minoeiängeriik Vretaauc! Herrl. 8omödic,ift Tie höhere W Soannenbebroni.'; Tie neue 8öckin! ko m-Szene. laten. 0 Als biulaak ' Telektio-Tramaw Der .Vachon » Zn ber nroRC, weltbeM Teielliv NatPmkc ftiefebuid; kauit ' Polizeihund. WordcnUedttB UnionTbca'ci Neuestes aus am- gjlobe, Sv°n- «eo und das bünbAen.J 2tblngcr.9aro.o- - Ä'.«- 6® Vie Landessynode bedeutet der Tod zweier treuer Mitglieder, Justizrat Lucius-Mainz und Dekan und Oberpfarrer Schmidt-Schlitz einen wohl unersetzlichen Verlust. Nachdem dem Rechner Entlastung erteilt und ihm der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen worden war, trat man in eine längere Besprechung über den Jahresbericht ein, die sich zu folgender einstimmig angenommenen Entschließung verdichtete: „Mit lebhaftem Bedauern hat die Jalnesversammlung der kirchlich positiven Bereinigung davon Kenntnis genommen, daß wieder ein hessischer Pfarrersohn, der sich für das Predigerseminar meldete, abgewiesen worden ist, weil er das Examen nicht in Gießen gemacht hat. Wir verlangen, daß eine Aenderung des betr. Paragraphen der Dienstpragmatik hcrbei- geführt und der Examenszwang aufgehoben wird. Wir verstehen nicht, daß man dem Gewissen der jungen Theologen mcht Freiheit gewährt, daß man in solchen Fällen nicht, wie frühen, Ausnahmen macht. Wir wisseii uns .eins mit den Positiven der Landessynode, welche über solchen Zwang ernste Klage geführt haben. Wir finden eine solche Abweisunfi heftfick-er 2Wogen um so auffallender, als man fremde Theologen aufnimint untl intime Gegenwart Mangel an jungen Theologen Fonttatiert ist. werden in dieser Sache nicht nachlassen und immer wieder dies- zu beteiligen. Bei Ansprackien und Hochrufen bleiben die Sozialdemokraten sitzen. Zum ersten Male wird dies am 20. November im Reichstage geschehe. Statistik der Schiffsunfälle. Aus den Nachweisungen über die im Jahre 1912 gemeldeten Schiffsunfälle wird ersichtlich, daß an der deutschen Küste, mit Einschluß der von Seeschiffen befahrenen Binnengewässer, 576 Schiffe mit 194 330 Mttoregiftertonnen (davon 263 Dampfer mit 162188 Reg.-Tonnen) Unfälle erlitten haben, darunter 438 deutsche Schiffe und Fahrzeuge mit 113 524 Reg.-Tonnen (187 Dampfer mit 89 067 Reg - Tonnen). Außerhalb der deutschen Küstengewässer ereigneten sich ferner die Unfälle von 308 deutschen Schiffen mit 353 767 Reg.-Tonnen (238 Dampfer mit 313 716 Reg - Tonnen). Insgesamt sind demnach 746 deutsche Schiffe mit 467 291 Reg.-Tonnen (425 Dampfer mit 402 783 Reg.-Tonnen) als von Unfällen betroffen gemeldet worden. Gänzlich verloren gingen nach den für das Jahr 1912 vorliegenden Meldungen 83 deutsche Schiffe mit 29 671 Reg.-Tonnen (20 Dampfer mit 22680 Reg.-Tonnen). Ums Leben kamen bei den Schiffsunfällen deutscher Schiffe aller Art auf See und in Binnengewässern 193 Menschen (183 Mann der Besatzung und 10 Reisende), davon an der deutschen Küste selbst unter Einschluß der von Seeschiffen befahrenen Binnengewässer 36 Menschen (27 Mann der Besatzung und 9 Reisende); von diesen befanden sich auf deutschen Schiffen 35 Menschen (26 Mann der Besatzung und 9 Reisende). «mieten h 9«ten Oeu Statten. ldei«us. Neuer aus Kapitän Scotts Polartagebuche. Unter den schwierigsten Bedingungen, vorn Blizzard umtobt Und von den scharfen Eiskrusten wie mit Messern geschnitten, bringen Scott und feine vier tapferen Begleiter unaufhaltsam vorwärts dem Pole zu. Die körperliche Verfassung ist verhältnismäßig gut. Dr. Wilson leidet zwar an Schneeblindheit, und Evans hat Uch bei der Reparatur eines Schlittens eine Wunde an der iöanb beige* bracht die nicht zuheilen will. Aber der Wille pt^ungebrochen und der Mut vorzüglich. Am 7. Januar schreibt Scott in sein fVAAoftitrfi • Fch hoffe, es wird keme weiteren Schwierigkeiten mehr machen Unsn Vorräte reichen völlig aus. Welches G ück M u7s daß wir uns so reichlich versehen haben Wir find n der Tat eine ausgezeichnet ausgerüstete Expedition Am folgenden Tage wird der Rekord Shackletons gedruck. 92ur noch 85 Meilen vom Pole! Durchschnittlich werden 12 Stunden marschiert was bei dem schweren Gewicht des Schlittens, den ne nach sich ziehen, eine überaus tüchtige Leistung ist, vor der man ün?« gMrJft haben muß. Der' munterste von allen ist der kleine Wert d-n öumor nicht und ist stets bereit den anderen zu helfen. Mitte Januar wird das Wetter etwas bester. Sonne tritt hervor. Wind und Kalte laßen etwas nach. Am U Januar lynchtet das Tagebuch: Nur noch 2 c Meilen vom Pol entfernt und Vorräte für neun Tage^ Wir werden es macken können'" Sie machten es - aber nicht, wie fie fmf ten Fhre Flagge war nicht die erste, die am Pole flattette Am Morgen des 16 nachdem sie bereits zwei ^6ind/n marschiert find, entdecken die scharfen Augen Bowers einen Geaenstand iit der Ferne, den er noch nicht recht beftmunen ann Sn r aber für einX Stcinhügel hält. Eine besondere Un- lann, oen aoer 1 . a $ ^te Anderen rauher sMer entdeckt er iogar einen schweren beweglichenPunkt über dem Sügel und jetzt sehen ne auch Ms Spuren: SfflittengefaK, Shmuirn und ne£n «nen qans deutlich Hundes-ihrten. Das tonnen nur bic SxSLJr rtPhScn fein Sie sind ihnen zuvorgekommen. Scott ZMch seift'die ttLtlosen Zeilen: Es ist eine (ö* Snttäutoung. Ich bin traung, namentlid) ntetner tapferen .Gefährten wegen. Trotz dieser Entdeckung beschlossen sie dock noch weiter vorzudringen und den Pol aufzusuchen. Am 17. Januar schlagen Ire N 69. Lager in der Nähe des Poles aus. Bei einem nberauA Dir; g-cf -- A^Dliibe Giehener Nmetzrr General-Anzeiger für Oberhessen bezügliche Anträge stellen." Tie öffentliche Versammln ng begann mit einer Andacht, die von Herrn Konsistorialrat B a l tz e r - Frankfurt gehalten wurde. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden hielt Herr Konsistorialrat Professor D. Bruch? Häuser-Marburg seinen Vortrag über die Fruge: Gibt es einen vollkommeneren Glauben als den christlichen Glauben? Tie Verneinung dieser Frage könnte dem Laien ohne weiteres als selbstverständlich erscheinen, die Zuversichtlich-' Feit unserer Missionare wäre vorbei, falls sie die Mogfich-t Feit annehmen könnten,'daß es vielleicht einen vollkommene-' ren Glauben als den christlichen geben könne. Darum sagen wir: Es gibt keinen Glauben, der etwa über den christfichen Glauben hinauswachsen könnte. Die Fragestellung selbster- Flärt der Vortragende als hervorgegangen aus dem Entwicklungsdogma in seiner optimistischen Form, sowie aus dem vergleichenden Studium der verschiedenen Religionen, bei denen sich gewiß auch einzelne wertvolle Tinge finden. Man kann sagen: Bis heute ist eine vollkommenere Religion als die christliche tatsächlich nicht gefilnden worden. Hier; handelt es sich für uns um den Glauben. Er wird definiert als „ein ganzes Vertrauen auf den in Jesus Christus uns offenbarten und in ihm gnädigen Gott." Dieses ganze: Vertrauen auf Gott fordert die Persönlichkeit, die ihrer selbst bewußt und ihrer selbst mächtig ist. Fällt der Glaube an diesen persönlichen Gott, dann gibt es überhaupt Feinen Glauben mehr. Mit der Tatsache des Vertrauens auf Gott ist seine ganze Allmacht gegeben. Er muß der Welt gegenüber ganz selbständig sein, sonst können wir ihm nicht ganz, vertrauen. Gott muß auch ganz Herr der Geschichte sein. Wäre er es nicht, so wäre das Vertrauen auf ihn an deg Wurzel geschädigt. Daraus geht die Gewißheit hervor, daß dieser unser Gott ganz Liebe ist; dem allein können wir ganz vertrauen. In all diesen Beziehungen ist eine Steigerung, ein Ueberbieten unmöglich. Was wir von Gott wissen/ der Glaube an seine ganze Persönlichkeit, die ganz allmächtig, ganz selbständig, ganz Liebe ist, der kann nicht überboten werden. Dieselbe Unmöglichkeit ergibt sich aus der Betrachtung des Menschen, sein gaiizes Vertrauen schließt jedes Selbstvertrauen aus und schließt die völlige Abhängigkeit von Gott ein. Auch hier ist eine Steigerung unmöglich. Der Mensch, der mit wahrem Wirklichkeitssinii das Wider- göttliche der Sünde bei sich erkannt hat, findet erfahrungsgemäß allein Hilfe in Jesus Christus. Auch darin ist kein Ueberbieten denkbar. An Paulus als Christen und Christus selbst wurde dann das Einzigartige des Christenglaubens aufgezeigt und daraus die Unmöglichkeit einer Bejahung der Hauptfrage gefolgert: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat! Wohlverdienter Beifall lohnte dem Vortragenden; in der Besprechung wurden einzelne Punkte des Referats noch unterstrichen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen begcmn um i/24 Uhr die letzte Versammlung, die ebenfalls gut be- wird. e Eine neue Praxis der Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten werden, so schreibt man uns aus Ber - lin ihre Praxis bei Kundgebung en für den Kaiser mit dem Beginn der neuen parlamentarischen Saison ändern. Die Angelegenlzeit wttd in der sozialdemokratischen Reichstagsfiaktion beim Wiederzusammentritt des Reichstags zur Erörterung kommen Die neue Praxis verpflichtet jedes Mitglied, aud) bei solchen Kundgebungen anwesend zu sein, sich aber nicht an ihnen IoantaS' HüdingeN'A^E BeWmüen MM MM« u «Seltersweg 81 sind n. n. c 1 I 1 1 i 1 1 < 3 1 i i i b s S r <■ e r s t i i < h sucht war. In klarem, begeisterndem Vortrag beTymbfttc Herr Direktor Sellschopp - Rostock sein Thema: Der altgläubige Religionskehrer und die Theologie ber Gegenwart. An fünf wichtigen Lehrstücken wies er auf Grund eigner Erfahrung gangbare Wege für den Religionsunterricht, der m unseren Tagen seine besondere Schwierigkeit bietet. Mit gespanntem Interesse wurde auch dieser Vortrag entgegen* genommen und dem Redner der herzliche Dank zum Ausdruck gebracht. — So können wir auch diesmal auf eine .reiche Tagung zurückblicken, von der wir nur wünschen können, daß sie eine gesegnete werde. S. Zusammenschluß der deutschen Geschickts - lehrer. Auf der letzten Vbilologcntagung in Marburg ist ein ,.Verband deutscher Geschichtslehrer" georfinhet worden. Tie von über 50 Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands besuchte erste Versammlung verlief in der erwünschtesten Weise. Aus den anregenden Vorträgen und lebhaften Auseinandersetzungen, ergab sich die einmütige Ueberzeugung der Anwesenden, daß die historische Unterweisung der Jugend, auf der sich die staatsbürgerliche ausbaut, eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Schul' ist, und der ernste Wille, an der Vervollkommnung dieses Unterrichts Tröftin mitzuarbeiten. Lehrer aller Schularten sind als Mitglieder willkommen; erfreulicherweise haben auch eine Anzahl Universi- tätsprofessoren durch sofortigen Beitritt ihr Interesse bekundet. Zum 1. Vorsitzenden wurde Gvmnasialdirektor Dr. Friebr. Neubauer in Frankfurt a. M. gewählt. Stellvertreter ist (tteh. Negierungsrat Universitatsprofessor Dr. E. Peru heim in Greifswald Anmeldungen sind an den ersten Schriftführer. Lehrer Walter Behrendt, Leipzig-Schönefeld, Stöckelstr. 6, zu richten. Provinzial-Arrsschust der Provinz Dberheffen. Gießen, den 22. Cft. 1913. Anwesend Provinzialbirektor Geheimerat Dr. Usinger, als Vorsitzender, 5 ordentliche Mitglieder und ein Ersatzmitglied. Beginn 9, Ende 12r/s Uhr. 1. Gesuch des Adolf Kölsch zu Friedberg um Erlaubnis zu m Betrieb einer G a stw i r t scha f t. Kölsch, der seither schon Schankwirischast betrieb, war um die Erlaubnis eingekommen, auch Gastwirtschaft betreiben zu dürfen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Bedünuissraae beiaht. Da aber die Ortsvvlizeibehörde Einwendungen erhob, die sich gegen den baulichen Zustand der Gastzimmer richteten, auch behauptete, daß durch den mit dem Wivtschaftsbetrieb verbundenen Lärm die Nachbarschaft und insbesondere die Kranken in dem städtischen Spital belästigt würden und außerdem ein Bedürfnis für eine weitere Gastwirtschaft absolut nicht vorhanden sei, trug das Gr. Kreisamt Bedenken, die nachgesuchte Erlaubnis zu erteilen. Es legte deshalb die Akten dem Provinzialausschuß vor. Nach Vernehmung verschiedener Zeugen entschied dieser Ijcute, daß dem Gesuch stattzugeben fei. 2. Gesuch des Konrad Dinkel z u Friedberg um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Die Verhältnisse liegen hier fast genau, wie bei dem vorherigen Gesuch, mir daß die Nähe des Spitals ausscheidct. Da zwei der zum Beherbergen vorgesehenen vier Zimmer nicht den polizeilichen Anforderungen entsprechen, entschied der Provinzialaus- schuß. das; nur für die anderen beiden Zimmer die nachgesuchte Genehmigung zu erteilen sei. 3. Klage des Stadt Magistrats Fri edberg (Bayern) gegen die Ortskrankenkasse Bad-Nau- Heim wegen Zahlung v on Verpflegungskosten für 'A. H. f A. D. ist seit längeren Jahren in Bad-Nauheim bet einer Herrschaft als Zimmermädchen bedienstet. Den Winter verbringt sie in ihrer Heimat, erhält aber ihren Lohn weiterbezahlt, damit sie zu Beginn der Saison zur Verfügung steht. Der Arbeitgeber meldete sie für den Wintw bei der Kranken- und Invalidenversicherung regelmäßig ab. — So geschah es auch im Jahre 1912. Am 10. Dezember 1912 nun schrieb die H. im Auftrag des Arbeitgebers, der sich auf Reisen befand, an dessen Diener, er solle sie wieder bei der Ortskrankenkasse Bad-Nauheim anmelden, was auch geschah. Am gleichen Tage wurde die H. in das Krankenhaus in Friedberg in Bayern ausgenommen und längere Zeit behandelt Die entstandenen 491 Mark verlangte der Ortsarmenverband Friedberg von der Ortskrankenkasse Bad- Nauheim zurückersetzt. Tie Kasse weigerte sich mit der Begründung, die H. sei nickt versicherungs pfltchtig , sondern nur versicherungs berechtigt gewesen. Da sie zur Zeit ihrer ?ln- meldung krank gewesen wäre, habe sie gemäß $ 19 III deS Krankenversicherungsgesetzes keine Ansprüche au die Kasse. Friedberg machte demgegenüber geltend, die H fei versicherungs- pflichtig gewesen und erbeb Klage. Inzwischen wurde von dem Vrovinzialcrusschuß dann sestgestellt, daß die H. nicht in dem von dem Arbeitgeber betriebenen Sanatorium, sondern nur als Privat- zimmermädchen desselben gewesen sei. Daraufhin kam der Pro- vinzialaivH'chuß zur Abweisung der erhobenen Klage. Aus Stadt un- Gießen, 23. Oktober 1913. * • DaS Großh. Hess. Regierungsblatt Rr. 23 voin 20. Oktober enthält die Anweisung für die Aufstellung deS Gemeindevoranschlags. * • Das Union-Theater (früher BakhofS Kammei- lichtspicle) bringt in seinem letzten Programm neben einer Reihe netter Humoresken und spannender dramatischer Szenen, die ihre Wirkung nicht verfehlen, zwei große dreiaktige Dramen .Nachtwanderer' und „DaS Todes- theater'. Beide Stücke sind treffliche Schlager und halten die Zuschauer in atemloser Spannung. Trotz der Wirkung und der augenscheinlich der Direktion angenehmen Rückwirkung auf die Kasse sollte man doch das Wort ,Sen - sja ti on' nicht gar zu sehr in den Vordergrund stellen. Zum Verständnis für das .TodeStbeater' wäre eS ratsam, die Bilder und besonders die den Abschnitten voraufgehenden Erklärungen etwas langsamer laufen zu lassen. — Am Freitag wird ein neues Programm beginnen. • • »Die Schrecken deS Krieges'. Auf den heute abend pünktlich um 8l/4 Uhr im Neuen Eaalbau stattfindenden Lichtbilder vortrag unseres berühmten Landsmannes, deS KriegS-BerichterstatterS Eugen Reichsfreiherrn v. Binder-Kriegl stein, sei nochmals mit dem Bemerken hingewiesen, daß eS sich empfiehlt, um das Gedränge au der Abendkaffe zu vermeiden, die Eintrittskarten möglichst schon im Vorverkauf in der Buchhandlung deS Herrn Ernst Ehallier zu lösen. Kreis AlSfcld. A M ücke, 22. Okt. Zurzeit findet ein sehr siotteS Verladen von Weizen auf dem Bahnhofe statt. Der Weizen wurde auS den umliegenden Ortschaften direkt nach dem Ausdrusch durch Händler aufgeka uft, der Toppel- wntner zu 19 Mark. Kreis Lauterbach. R. Lauterback, 2». Okt. In letzter Zeit wurde auS vor- jicbcnen Garten Wäsche gestohlen, die von den Eigentümern jh Bleichen iiber Nacht bin gelegt war. Auch Gemüse und sonstige ickenbedüUmsfe hießen die Diebe bet DeleieuheU mitgeben. Tie zlizei kam Den Tätern jedoch bald auf Die Spur. Sie nahm im rmeuhause eine Haussuchung vor, wo eine unverheiratete Frau »ade mit Bügeln der gestohlenen Wäsche beschästigt tvar. Das einüfe war im Keller für den Winterbedars ausgeslapcll. Nach a ckäuglicheiu Leugnen gestand ste Den Diebstahl z >, Den sie mit einem von sein r Frau gctiennt IcbettDen ArmenbailSiufaßen gemeinsam ausgcfiihrt hat. Das Vaar wurde zur '."nzeige gebracht. Kreis Schotten. = Wetterfeld, 21. Okt. Bei Der Beigeord rieten- wähl wurde der bisherige Beigeordnete Johannes Kühn IV. zum zweiten Male mit 124 Stimmen wiedergewählt. Starkenburg und Rhein Hessen. rm. Darmstadt, 21. Okt. Städt. Arbeitsamt. Eine Versammlung von Vertretern und Vertreterinnen der Behörden, Körperschaften und Vereine vollzog gestern unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Muller in Anwesenheit eines ReaierungZvertteters die Gründung des Verbandet zur Pflege des Arbeitsnachweises in Darmstadt und fand der Satzungsentwurf einstimmige Annahme. DaS Arbeitsamt wird seine Tätigkeit voraussichtlich am 1. Januar 1914 beginnen. Tie Organisation umfaßt alle wichtigen Arbeitsvermitt limgSftellen der Stadt. — Ter Hessen-Darm- städter Volksfestverein in New Pork, der im Juni d. I. auf seiner Deutschlandfahrt auch Darmstadt besuchte, hat durch seinen Präsidenten Der Stadtverwaltung und der Bevölkerung für die die Erwartungen weit übertroffene gastfreundliche Ehrung und Aufnahme Herzlicken Dank sagen lassen. Hessen-Nassau. (!) Herborn, 22. Okk. Am 2. November, dem Tage des ‘"-'forinntionoicftec-, niirb i:i den evangelischen Kirchen Des fion» orialbezirkS Wiesbaden eine Sammlung für Die Gnslav- Ado!i-S i tunq v ranstaliet. — Tic um 17. August in Den ci nngc- liicken Kirchen pv.-obcuc Sammlung für Die Anstalt „Bethel" m Bielefeld hat 1938,77 Mk. ergeben. Baronin Saldern vor Gericht Unter Anklage der Hochstapelei. In Wiesbaden wird morgen ein Prozeß seinen Anfang nehmen, der schon im vorigen Jahre ein Vorspiel erlebt hat, das seinerzeit großes Aussehen besonders in Berliner GxiellschaftZkreisen erregte. Tic Verhandlung, tic morgen beginnt, wird mancher tragischen Momente nicht entbehren, denn Die Baronin Saldern, die auf der Anklagebank sitzt und sich wegen Hochstapelei zu verantworten haben wird, ist vvr allem das Opfer ihres Sohnes geworden, der sich nicht gescheut hat, seine Mutter in seine unsauberen Händel mit allen nur möglichen Mitteln zu verstricken. Vor einigen Jahren kam der Gras Saldern-Ahlemb-Ringen- waldc nach Wiesbaden. Der Graf war Inhaber des völlig verschuldeten Fideikommisses Ringemvalde in der Uckermark. Er pflegte den Sommer auf seinem Rittergut oder auf Reisen, den Winter in Berlin zuzubringen. In der hiesigen Gesellschaft, wo er sehr bekannt war, genoß er den Ruf eines verschwenderischen Lebemanns. Der eigentstchc Zweck seiner Uebcrsiebcllmg nach Wiesbaden war, seine völlig zerrütteten BermögensverHal 1 nisse durch eine reiche Heirat zu sanieren. Seine Schulden betrugen damals gegen fünf Millionen Mark. Er hatte kurz vor seiner Ueversiedclung in Berlin eine reiche Russin l’enn-cn gelernt, die bei der außerordemlichen. Höhe ihrer Mitgift geeignet erschien, den Zusammenbruch der Existenz des Grasen Saldern zu verhüten. In Wiesbaden hatte der Graf mit der Russin eine Zusammenkunft verabredet. Es schien, als ob die Verlobung zustande kommen sollte, und um nun seiner zukünftigen Braut und der Wiesbadener Gesellschaft gegenüber, in der er sehr bald eingesührt war, standesgemäß aurtreten zu können, bezog der ,Graf eines der fashwnabelsten Hotels und lebte auf großem Fuße. Bald jedoch mietete er eine Villa, in der er das üppige Leben, das .feinen finanziellen Ruin herbeigcsührt hatte, von neuem begann. Er stattete die jBllla glänzend aus unb verstand es, sie bald zum Mittelpunkt .Des gesellschaftlichen Lebens der Residenzstadt zu machen. Er kaufte sich — natürlich nicht gegen Barzahlung, sondern gegen Ausstellung von Schuldscheinen — Automobile. Kutschwagen und teure Wagen- unb Reitpferde. Eine zahlreiche Dienerschaft mietete er sich ebenfalls. Endlich erstatteten jebod) die Wiesbadener Geschäftsleute, die vergeblich aus die Bezahlung warteten, Anzeige wegen Betruges. Die Königliche Staatsanwaltschaft zu Wiesbaden eröffnete das Verfahren gegen den Grafen. Der sPrvzcß war in seinen Einzelheiten recht interessant. Der Angeklagte, den ber Berliner Rechtsanwalt Dr. Puppe verteidigte, batte, wie im Laufe der Verhandlung sestgestellt wurde, innerhalb der letzten zwei Jahre nicht weniger als 1' _> Millionen Mark Schulden kontrahiert. Allein den kleinen Wiesbadener Geschäftsleuten schuldete er 150 003 Mark. Das Hotel, in dem er gewohnt hatte, hat feinen Pfennig von ihm ^u sehen bekommen. Auch auf das Geschlechts.eben des Grasen ivarien die Mitteilungen einiger Ticusttn idchcu, .Deren Kinder den Grafen zum Vattr Hatton, ein seltsames Licht. Es gelang, den Beweis zu erbringen, daß der bljäh.ige Graf geisteskrank sei. Er wurde freigesprocken. Schon vor dem Prozeß hatte der Graf in Anbetracht seiner bevorstel>enden Verlobung mit der russischen Tarne seine Mutter, die Baronin Saldern, zur Uebersicdlung nach Wiesbaden veranlaßt. Es gelang ihm bald, die Baronin seinen Plänen gefügig 511 machen. Er.witzle sie in der unglaublichsten Weise ans. Er veranlaßte sie ihm Blankoakzepte auSzustellen und sich an feinen Transaktionen zu beteiligen. Die Folge war, daß sie sich derselben Vergehen schuldig machte, die ihren Sohn auf die Anklagebank gebracht hatten. Wiesbaden, 22. Okt. In dem Betrugsprozeß gegen die Baronin von Salderu-Ahlimb wurde die Angeklagte nach fünfstündiger Verhandlung freigesprochen, weil ihr eine Schuld nicht nackgowieseu werden konnte. Der Staatsanwalt hatte einige Tage Gefängnis beantragt. Berlin, 21. Oft. In dem Prozeß gegen die Vorstandsmitglieder der Nordwestbank G. m. b. H. verurteilte heute die erste Strafkammer dos Landgerichts Berlin I Albert Engel wegen Betruges, Verleitung zum Börfenfpiol, KonkurL- vergehens. unlauteren Wettbewerbes, Verletzung des Stompelftouer- gefetzes, Verletzung der Bestimmungen, betreffend die Gesellschaften mit bcfchränlter Haftung, zu 5 Monaten Gefängnis und 3000 Mk. Geldstrafe oder noch 300 Tagen Gefängnis .Otto Haedicke wegen derselben Vergehen zu einem Jahr einer Woche Gefängnis unb 2700 Mk. Geldstrafe ober für je 10 Mk. einen Tag Gefängnis, unter Anrechnung von sechs Ädonaten der erlittenen Untersuchungshaft Fritz Kolbe zu einem Jahr vier Monaten Gefängnis intb 2500 Mk. Geldstrafe oder noch 250 Tagen Gefängnis, unter An rechnung von vier Monaten der erlittenen Untersuchungshaft unb den Angestellten der Bank Alfred Beyer wegen Betruges unb Verleitung zum Börfenspiel zu sechs Monaten Gefängnis, wovon zwei Monate auf die Untersuchungshaft abgerechnet werden. Lingesairdt. .Für Form nnb Inhalt aller unter Dieter Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 21. Oktober. Am vergangenen SamStag nachmittag waren Die städtischen Bureaus wegen der LötteAcklacki-GeDenNeier geschloffen, wie Dies and) au sonnigen patriotischen Festtagen üblich ist. Gewiß sehr anerkennenswert. Schöner und gereckter wäre es, wenn man Die fläDt liehen Arbeiter an solchen Tagen auch feiern ließe, natürlich ohne Lohnabzug. WaS nützt Den Arbeitern all dieses ^lockengekaute, Musik, Gesang und was alle die Veranstaltungen, ivenn er einer Arve t nachgeben muß! Hoffentlich nimmt sich in Znkim't unsere Stadtverwaltung auch ihrer Arbeiter an. e ö a r t m a n n 3 b a i ti, 21. Oft Nach Herausgabe deS neuer fighrulanes vom 1. Cftober bleckt der von^guterbad) kommende Zug, welcher abends 8 Uhr mit Dem von Stockheim kommende' biet kreuzt, m Ortenberg liegen. Scharfe Urte le werden darüber laut, baß man kurz vor einem Zweigbahnhos mit nur noch einer Zivisckenftation liegen bleiben muß, wo sogar bie borl passterendeu Züge für Das Auge ersichtlich sind. Tie er Zug war wohl einer VON Den meist besetzten. Denn mandjen Soldaten, Arbeitern imd onftigeu Reuenden war baDuvb Die 'J?lönlid)feit geboten, abends snock ihr Ziel zu erreichen. ES ist Dies Der zweite Zug, Der auf Der Strecke liegen bleibt; Der anDere, Der um 10 Uhr hier durchfährt, bleibt in Gedern liegen. D. Märkte. th. Gießen, 22. Oft. Ter heutige Zwiebel markt in üä-'rt'.b« (Satten batte einen Vorrat von etwa 80-90 Zentnern Ware, überwiegend sächsische? Gewächs. Tie VerkauKr au8 der Weiteren, welche sonst ihr vorzülstiches heimisches Gewächs Direkt an unseren Markt bringen, waren beucr infolge Der schlechten Ernte bi» auf einen vanbwirt auS der Friedberger Gegend auSgcblieben. Tie angebotene Ware war Durchschnittlich nicht ausgewachsen und weit unter Dem Mittelmaß, 'l ei Dem geiotDerteu hohen PreiS ivnrde Das (Seidiäf, mehr im Kleinen gemacht. Bezahlt wurde der Zentner Zwiebeln mit 'Mk. 5,50, bei kleinerer Abnahme wurden für Das Pitmd 6 Psg. bezahlt, gemeffen kosteten 10 Liter 80 Mennig. Knoblauch wurde Das MuuD zu 40 Pfo. ober das Bünocheu zu 3 Kuolleu nut 8—10 P'g. abgegeben. Meerrettich war zu 20 Plg. DaS Pfund zu kaufen. Ter Vorrat wurde bis zum Schluß des Marktes geräumt. FC. Wiesbaden. Vie hhof-Marktbericht vom 22. Okt. Austrieb. Rinder 98 (Odifeu 10, Bullen 10, Kühe 78), .(kälber 250, Eckase 44, £d))veine 465. Prelle für 100 Md. Geschäft mittel. Vebeub- <5d)(ad)t- Ockfen. gereicht Vollsteiidüqe, auSgeinäslete, lwdisten Sdftgcht- Mk. Alk. wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 52—57 93-102 Tie noch nicht gezo.ien haben (unoeiodite) . . 51—56 91 — 100 Junge, fleischige, nicht anSgemaslete und ältere auSgemästele............45—50 81—89 Bullen. Vollkleifdnge, ausgew^ Höchsten Sd)lacktw. . . >9—52 83—83 Pollffeifchige, jüngere 44—48 75—81 Färsen, K ü H e. Vollfleifckige anSgemästete Färsen Höchsten SebladftiverteS 51—55 92—100 Yollfleiicbige ausgemästete Kühe höchsten Schlacktwerles bis zu 7 Jahren 45—49 87—89 Wenig gut entwickelte Färsen 45—49 83—89 Aeitere auSgeinäslete Kühe unb wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40—44 74—82 Mäßig genährte Kühe unb Färsen 33—39 63—78 Kälber. Keinste Moflkälber ........ 70-73 117—122 Mittlere Mast- und beste Saugkälber .... 65—69 107 — 115 Geringere Mast- unb gute Saugkälber . . . 58—64 97—107 Geringe Saugkälber.......... 58—57 90—96 Schafe. Weidemaflschale: Mastlämmer und Maslyarnmel .... 45,50—00.00 94—00 Sch ioeitre. ?ollsteischige Schweine von 80 -100 Kg Lebendgewicht ' . . - . 61-61l/s 78-80 Vollfleisdüge Sdiweiue unter kO kg Lebendgeivicht 61-61*/, 78—79 'Lollsletschige Echrveiue von 103 — 120 kg 2ebend- geiviiht ........ 62-34 78—90 T oltsleischige Schweine vonl20—150 kg Lebend- gewtcht 61*/, —90 77—09 5eit)d)reeine über 150 k» Leben)gewicht . 57*/,-60 72—75 Limburg a. d. Lahn» 22. Cft. frucht mar ft. Turd)« sdmitlspreis vro 9)ialter. Roter Weizen lNaffauiscker) 16,00 Mk., weißer Weizen (angebaute ?vcmDfortcu) 15/0 "if^ Korn 11,90 Pik., Gerste Futter) : 0,00 'Mk., Braugerste GO,00 Pik., Hafer 7,80—0,00 Pik., (Srbien 0,00 9)ifN Kartoffeln 3,60-4,00 Mk. kirchliche Nachrichten Evangelische Gemeinde. Donnerstag, den 23. Cftober, abends 8 llyr, im Markussaale: 3 i b c l ft u n D e. Pfairer <5 d) re a b e. Meteorologische Beobachtungen der Station (Sieben. ert 2E13 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative | Feuchtigkeit • Windrichtung Windstärke (Brob ber BrwSUmng in Iehniel ber ffchlb. Himmelsfl. Wetter 22 ' 2” 1 745,3 13.2 84 74 SW 2 10 Ved. Himmel 22. 9“ 746,4 10 7 8.7 91 W 2 10 Regen 23. 7“ 748,9 9,5 8,7 98 still still 10 Nebel höchste Temperatur am 21. bis 22. Oktober — 4- 13,3 Niedrigste , , 21. „ 23. , -ft- 70 0. Niederschlag: 3,7 mm. 8 chlager in Quelifäf. Diebesfe Die Hauptmarke! „Unsere Marine bcn letzten Rest verzehren 17015 QJicücn, den 23. Oktober 1913. Danksagung. Für bic vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir hierdurch nllcn innigsten Dunk. Familie Herm. Bender, Schutzmann und Anni Rühl. gut ent- . 33-39 94-« Weller chlacht' e s . b filtere 70-73 117-VSi 65-69 W-Xlo . 33-37 «eb, Hinmr Siegen Siebei 97-10i 90-96 7MG 78-79 78-89 77-0) 72-76 93-10J 91-100 81-89 83-88 <5-81 M. 82-57 51-56 45-56 49-52 44-48 51-55 45-49 45-49 40-44 l)öchslen höchsien 93—100 87-89 83-89 74—82 65-73 . 45,50 -00.00 - Lebend- ... 61-61V, ldgeivicht 61*61*/, * Lebend- . . 62-34 brichten - Lebend- . . 617, -90 ichi . 577.-60 . 7-ruchtmarkt. zen rMmiW .J} i5-o »IL Rorn 11,90 WL 'ÄN« 7'8M‘9i -4,00 'DU. rL'L"-?;-" ° • Tie Beninern l)eiln^eS d5^.bet DK ■* >d»°L'L ■«■te ober das ^ünörtje, Meerrettich wot! «d> biSntmeä fJtbericht uom 22. Ctt 10' Ne 781, Mbct 2ö{ Melih 100'M i'ebenb- Lchlach!« aeroidjt + 13,3 f + 7.0'6. 1 u? 'varei! Aber. )"ll°s mit m?CU bfitiibe: Oqar b>e dön n'M einn e-er Qllft Wilierenbe? -5olb°len, ti?1 Welt aed unb '111,110 «6 »Viy 26000 Mk. Nr. 10) 6841 Versetzung. CREME DEHNE beste' 50^ in gg Nachhiilfk Stniihtn Gießener Dkinizoginm Bleichstraße 6 standes tritt. Gießen, den 19. September 1913. Großherzogliches Amtsgericht. Kandidat d. Philologie erteilt Unterricht u. Nachhilfe. Schristl. Angebote iint. 07544 an den Gien. Anzeiger erbet. Bezeichnung des Grundstücks. Grundbuch für Gießen, Band 8, Blatt 364: Flur 1 Nr. 1188i/10 = 68 qm Hosreite bei der Kirche (Kirchenplatz Nr. 15) M. 18000 gesetzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung ent- gegenstehendes Recht haben, werden ausgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbei- zuführeu, widrigenfalls für das Recht der Ver- steigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Gießen, den 19. September 1913. Großherzogliches Amtsgericht. Zwetschen kaust jedes Quantum 1 Chr. Inderthal. Bezeichnung des Grundstücks: Grundbuch für Gießen, Band 3, Blatt 114: Flur 1 Nr. 279 — 212 qm Hosreite in den neuen Bauen (Neuen Bäue Eins, uiöblicitcö Ziincr in der Lahm'lraffe an ein« fach, solid. Herrn v. 084411 Schön möbl.. Zim. a» vermieten. Licbigitr. 72 it. «>nlmödl.Züu.i°>.°d,'L!; z. v._Franks, ^tr.31 1 in____ —Böblierteö Simmet z» vermieten. _ 16804 SeltorSwca 67 I. Zwangsversteigerung. Das nachstehend bezeichnete Grundstück, das zur Zeit der Eintraguug des Bersteigerungsvermerks auf den Namen des Heinrich Gcngnagcl und dessen Ehefrau Christiane geb. Schucidcr, beide von Gießen, als Gesamtgut der ErruugenschaftS- gcmeinschaft im Grundbuch eingetragen war, soll Samstag, dcu 45. November 1913, vorm. 9Nhr, durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer Nr. 18, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. , Der Bersteigerungsvermerk ist am 2o. August 1913 in das Grundbuch eingetragen worden. Insoweit Rechte zur Zcir der Eintragung des Dcrstcigcrungsvernlerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens int Bersteige- rungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellunb des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bet der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nach- Hamlmröer Ranee-GroDtirma sucht tüchtigen, eingesührte» Vertreter siir Rohkaffee, hauvlsächl. ium Besuche der bessere» Delaillisten. Offert. ». ». j. 46t 9 an Rudolf Moste, •önniburn. ss27i» ßckpViz Mittwoch, den 29. Oktbr. d. Fs., nachmittaaci 3 Uhr, sollen im städt. Psandlokal Seltersweg 11 dahier, die wegen rülkuändiger Gemeindesteuer ».Kai,algebühren gepfändete» Gegenstände wie: SofaS, Sekretäre, Schreibtische, Schränke, Kommoden, Spiegel, 3 Büfetts, 1 Handwagen, 3 Klaviere, 4 Tevvich - Kehrmaschinen, 1 Schneidmaschine, zwei Nähmaschinen, 4 Kassen- schränke, 3 Fäffcken Wein, 4 Pferde u. n. anderes verweigert werde». 7012 Kessel, Pfandmeisler. TüchtiKcr Htichhaller selbständiger Arbeuer» sucht Stellung für bald od. spater euentl. auch aushilfsweise. Schristl. Angebote u»t. 08406 a^d. G i egen er A mci ge r erb. Sichere gebildete Dame mit gut. (vmvTcblnnocn lucht Beschäftigung als Borlescriu, Privatsekretärin oder Korrektorin. Gütige Anerbieten nimmt die Geschäftsstelle des Gien. Anzeig. unter 08493 entgegen. Mädchen sucht von 3 Uhr ab Beschält. Schottitr.7H. zuitgcs, bcjscrcS Möbchcii welches etwas nähen kann, sucht ver 1. Novbr. Stellung A» Kindern oder als Zweitmädchen. Schristl. Angebote »nt. 7020a d.Gieff.Anzetg.erb. 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