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Zweites Blatt
|63. Jahrgang
Nr. 61
Erscheint täglich mir Ausnahme des Sonntags.
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Das Bombardement von Zkutari und ein Protest Oesterreichs.
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Donnerstag, 20. März 1913
Rotalionsdrrrck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
N. Lange, Gießen.
Die ,,-iehrner Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für -en Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dü „Landwirtschaftlichen Zeit- fraqen" erscheinen monatlich zweimal.
Deutsches UcSch.
Der Prinz von Wales
traf am Mittwoch auf der Reise nach Heidelberg in B o n n ein, stieg im „Hotel Royal" ab und nafyin dort das Mittagessen ein. Darauf erfolgte die Weiterfahrt im Automobil nach K o b l e n z, wo er im Hotel Fürstenhof Wohnung nahm.
Vom Bundesrat.
In seiner Sitzung am Mittwoch hat der Bundesrat der Vorlage betr. das Abkommen zwischen dem Deutschen Reiche und Italien über die Arbeiterveriicherung zugestimmt.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Das Plenum des Bundesrates hat sich am Mittwoch mit den Heeres-undSt euer vor lagen beschäftigt. Sicherem Vernehmen nach hat sich der Bundesrat bei der einmaligen Vermögensabgabe für einen festen unbeweglichen Abgabesatz ausgesprochen und einen solchen in Höhe v o n 3 5 Proz. in Aussicht genommen.
Der hessische Vottrschristenverem
der den Kamps gegen die Schundliteratur nicht durch bloße Ab- wchrmaßregelu, sondern durch tätiges Eingreifen, insbesondere durch Empfehlung, Bereitstellung und Beschaffung guter und billiger Volksschriften und Bücher zu führen beftrebi ist, und derbem vorhandenen Lesebedürfnis einen sorgsäl.ig ausgewähltcu Lesestoff darbietet, hat in dem lebten Winter erfreuliche Fortschritte gemacl t. Von der Großh. Regierung imb von vielen Bclstirben wurde er unterstützt und gefördert und l)at eine erhebliche. Vermehrung seiner- Mitglieder zu verzeichnen. Besonders erfreulich ist es, das- die Hälfte der Hessischen Kreisausschüsse dem Verein mit Beiträgen beigetreten ist, und daß Hoffnung aus den Beitritt der übrigen Kreisen! sschüssc besteht. Durch den bedeutsamen Ein sluß dieser Vcrwaltungskörper wird dein guten Gedanken der Wohl fahrtsbestrebungen des Vereins ein günstiger Boden bereitet. In einer ganzen Reihe von Gemeinden sanden Bücherausstellungen statt. Sehr viele Ausstellungen waren mit einem Vortrag des ersten Schriftführers bcs Vereins, des Lehrers Hassinger aus Alzey, verbunden. Durch Gem.ein.belolporta.ge wurde eine beträchtliche Anzahl von Büchern in die Häuser unserer .Landbewohner gebracht. Bei der Bücherausstellung in Alzey wurden gute Bücher für Schund hefte aus getau scht. Viele Bibliotheken erhielten vor Weihnachten Bücherausgaben.
Nun aber ist der Verein iroch einen Schritt weit er gegangen. Er will auch den Kampf gegen den Sckpmb im -Bilde führen.
Brianös Sturz.
Die Herrlichkeit des zweiten Kabinetts Briand hat nicht lange gedauert-. Am 18. Januar dieses Jahres wurde Briand nach der Wahl Poineares zum Präsidenten der Republik, mit der Bildung des französischen Kabinettes betraut. Vordem hatte Poineare als Ministerpräsident den Waylreformentwurs noch glücklich durch die Deputicrteu- lantmcr gebracht. Den Senat sollte sie aber nicht passieren. Dort hatte Clemeuceau von Anfang an viel Aussicht, das Kabinett Briand zu stürzen und so Revanche für die Wahl Poincares zum Präsidenten der Republik zu nehmen. Diese Rache ist ihm geglückt. Sitzen doch im Oberhaus die Häupter des Radikalismus, die unter keinen Umständen die Ab- schlachtung ihrer fortschrittlichen Truppen zulassen wollen, und so ist denn richtig das Experiment, die Gefahr für die Wahlreform im Senat durch den Rüstungsrummel zu überwinden, gescheitert.
«Clemenceaus Vertreter, Peytral, war es, der bei der entscheidenden Senatssitzung über die Wahlreform den Antrag einbrachte, in den Gesetzentwurf der Regierung din- .zufugen, daß kein Abgeordneter gewählt ist, der nicht mindestens die einfache Stimmenmehrheit auf sich vereinigt. Briand erklärte sofort diesen Zusatz als unannehmbar für die Regierung und knüpfte die Vertrauensfrage an die Mstimmuug. Er blieb in der Minderheit. 161 Senatoren stimmten für den Abänderungsantrag Peytral, der in Wirklichkeit den Proporz illuforisch machen wollte, 128 dagegen, also für Briand. Dessen Sturz und die augenblickliche Ablehnung der Wahlreform treffen aber auch Poincare; denn Briand war Poincarös Mann und die Einführung der Verhältniswahl betrachtet Poincarö als fein Werk. Zugleich bedeutet die Ablehnung der Proportionalwahl im Senat einen schweren parlamentarischen Konflikt: einen Konflikt zwischen Senat und Kammer. Aber der Sieg der Radikalen ist nur ein Eintagssieg, und die radikale Clique wird sich hüten, irgendwie an das Volk zu appellieren. Es besteht kein Zweifel, daß Poincarö auf der Durchführung seines Werkes bestehen und daß dieses, die Einführung der Proportionalwahl, am Ende doch glücken wird.
Die Preße.
Paris, 19. März. Fast in der gesamten Presse gelangt die Ansicht zum Ausdruck, daß noch selten eine Kabinettskrise unter so schwierigen Verhältnissen eingetreten sei. Der Gegensatz zwischen Kankmer und Senat gestalte nicht nur die Aufgabe des künftigen Ministeriums außerordentlich schwierig, auch der Präsident der Republik habe sich nod) nie in einer so verwickelten Lage befunden. Vielfach wird betont, das; es den radikalen Senatoren in erster Linie darum zu tun gewesen sei, die Schlappe zn rächen, die sie in Versailles bei der Präsidentenwahl erlitten haben.
Der „Figaro" schreibt: .
Briand büßt die unermeßlichen Dienst, die er Frankreich erwiesen hat. als er ant 17. Januar in so entschiedener Weise zur Wahl Poincares bei getragen hat welchem das Land die tarkrästige Entscheidung über die Organisierung der Armee und die dreijährige Dienstzeit verdankt.
Der nationalistische. „GauloiS" schreibt:
Der -Senat, den die Volkstümlichkeit des neuen Präsidenten erschreckt, möchte diesen zwingen, sick) zurückzuziehen. Poincare hat jedoch sehen können, daß es ihm ein Leichtes wäre, sich auf das Land zu stützen und den Prätentionen des Parlaments Schranken auszuerlcgen.
I a u r ö s kündigt in der „Humanite" an, baß die proportio Holistisch gesinnten Republikaner eine Entschließung einbringen werben, in der die Kammer aufgeforbert wird, bei der von ihr angenommenen Wahlreform zu verharren. Der Senat habe den Konflikt gewollt, er werbe auch bie Verantwortung für die dadurch entfesselte politische Verwirrung tragen.
Paris, 19. März. In den Wandelgängeu der Kammer wird erzählt, daß Präsident Poincarö beui Rate Briauds folgend, sich bemühen werde, ein Ministerium zu bilden, welches eine Verständigung mit den verschiedenen republikanischen Gruppen in den Fragen der inneren Politik, namentlich über bie Wahlreform herbeiführen und mbg liehst rasch die militärischen Vorlagen erledigen könne. Bc- merkenswert ist das Gerücht, daß Poincarö alles aufbieten wolle, um Elemeueeau, welcher entschieden für bie dreijährige Dienstzeit eingetreten sei, zur Uebernahme des Kriegsportefcuilles zu bewegen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schub straße 7. Expedition und Verlag: L^öl. Redaktion: 112. Tel.-2lbr.:AnzeigerGießeu.
Da ber 1. Schriftführer des Vereins schon seit etttfer Reche von Jahren in Verbinbung mit Pfarrer Meisingcr in Fränkisch- Crunchach Bilberausstellungen des Karlsruher Künstlerbunbes veranstaltete und biefc überall großen Anklang fanden, io wurden sie von bem' Verein zunächst übernommen und wandern jetzt im Austrage des Vereins.
Jeder, der die idealen Ausgaben des Vereins Torbem will, ist willkommen. Annietbungen lMinbestbeitrag 2 Mk.) irimmt Lehrer Hassinger in Alzey, entgegen, ber audp zu jeber näheren! Auskunft über den Verein gern bereit ist. ____________
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Wien, 19. März. Die Abendblätter besprechen Bombardement von Skutari, welches nicht den Fortifilakionen, sondern auch der wehrlosen Stadt und der Zivilbevölkerung zu gelten scheine, und bereits schweren Schaben an gerichtet habe, in sehr ernster Weise Außer ben früher genannten Gebäuden sollen auch das o st e r reichisch - üngarische Waisenhausnahezu volist a n d i q und das Franziskanerkloster teilweise zusammengeschosseu sein. Es wird dre Ansicht ausgesprochen, baß die Montenegriner nut dem Boni barbemcnt die Stadt zerstören wollen, von der he wissen, das; sie niemals ihr Eigentum werben könne. Eine gleich ernste Beurteilung findet der Zwischenfall von Sau Giovanni bi Medua. einige Blatter drucken die Meinung aus, daß die Vorkommnisse zu einem ernsten Konflikt zwischen Oesterreich Ungarn und Monten c g r o füb en konnten. Wie die „Reichspost" erfährt, steht ein energischer Schritt O e st e r r e l ch- Ungarns zur Wahrung der Interessen au der Westküste Albaniens gegenüber dem eklatanten Bru ch d e s -e, o l - r e r r e ch t s durch die Kriegführenden bevor, xer Gesandte in Cekinje sei beauftragt, bei der montenegrinischen Re gierung energisch zu intervenieren. Smii Bericht soll sur die weiteren Entschließungen Oesterreich-Ungarns eutschei-
Verm Ulis.
Morgens: 9.00 Uhr.
Nachmittags: 3.30 Uhr. Schmfterklärung.
Sabbatausgang: 7.30 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst.
Sabbat lei er am 22. März 1913:
Freitag abend 6.15 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr.
Samstag nachmittag 3.30 Uhr.
Sabbat-Ausgang 7.30 Uhr.
Sonntag, den 2 3. M ä r z 1913: Purim.
Morgens 6.30 Uhr.
Wochengottesbienst: Morgens 6.45, abends 7.30.
Die nach* A a r <7 f A sind von 12 Uhr mittags bis 12 Uhi stehenden u>vi « l nachts nur für dringende Fälle sicher anzntreffen : D 2%
Freitag, den 21. Jllärz (Karfreitag):
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Für dringend- Fälle nt. Freitag, den 21. ITfarz (Kar1 ■'•'"3 sicbp anzutreffen:
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Tie Anhaltung eiites Dampfers durch die Montenegriner.
Wien, 19. März. Zu der An Haltung eines Dampfers vor San Giovanni di Medua meldet das „Reue Wiener Abendblatt", daß es sich um den Dampfer „S k o d r a" der ungairsch-lcoatischen Schiffahrtsgesellschaft handelt. Die bisherigen Nachrichten über den Vorfall deuteten auf eine ernste "Verletzung des Völkerrechts hin.
Weitere monteilegrinifchc Ncbergrifte.
Der Wiener „Neuen Freien Presse" liegen aus Albanien Nachrichten vor, wonach die moutenegrinischen Truppen in der Gegend von Djakova die dortige katholische Bevölkerung mit Drohungen und Versprechungen zum Uebertrilt zur griechisch-orthodoxen Mrche auffordern. Ter kat'holifche Geistliche Palic, der sich dem Ueber- tritte widersetzte, wurde ermordet. Etwa 70 Familien des Stammes Kacinari sind bereits zum lieber tritt gezwungen worden. Dem übrigen Teile der Bevölkerung wurde eine Frist von einigen Tagen zum Uebcrtritt gewährt, wobei Drohungen und Versprechungen angesvcndet wurden.
Die Forderungen Rnmäuiens.
Sofia, 19. März. Ter Militärkommandant l)Q_t es wegen des Belagerungszustandes der Abordnung untersagt, welche nach Sofia gekommen ist, um gegen die Abtretung von Gebietsteilen an Rumänien zu protestieren, Straßenkundgebungen zu veranstalten.
Bukarest, 19. März. Angesichts gewisser Bestreb- ungen, die rum än if ch e Juden frage mit dem bul - g a r i s ch e n S t r c i t f a l l zu verquicken, weist der Minister des Innern im „Bukarester Tagblatt" darauf hin, daß. Ru- mänien selbstverständlich das internationale Recht anerkennen werde, wonach die Bürger des ancFticrten Gebietes mit allen Rechten übernommen werden, die sie bei ihrer früheren Staatsangehörigkeit hatten, wie dies auch bei der Annexion der Dobrudscha gesckiehen fei.
Line serbische Abwehr.
Belgrad, 19. März. Die Nachrichten der Blätter über die Erschießung von 600 Albanesen in der Umgebung von Ueskiib und Prizren sowie über die Bewegung im Liuma-Gebiet und über eine unmenschliche Behandlung der albanesischen Bevölkerung seitens der serbischen Behörden werden von berufener Stelle als absolut unwahr erklärt.
Lin türkischer Kriegsbericht.
Konstantinopel, 19. März. Amtlicher Kriegsbericht. In Adrianopel ereignete sich gestern nichts Bemerkenswertes. Unsere vom rechten Flügel aufgebrochenen Streitkräfte konnten gestern bis östlich von Sofaskoej, Kälfakjoej und Undaakaan vorrückeu, den Feind vertreiben nub seine Stellungen besetzen. Die Al'teilnngen des ersten Korps, die sich in Cakil und Suer- guenloej befanden, vereinigten sich mit den Truppen des Zentrutns, rückten bis Kad i ko es vor, und besetzten dieses sowie die Stellungen der Umgebung, welche sich in den Händen des Feindes befanden nach blutigem Kampfe, der bis Sonnenuntergang dauerte. Ein Bericht über die auf beiden Seiten Gefallenen und Verwundeten liegt noch nicht vor. Die beiderfeitigcn Streitkräfte stehen längs der ganzen Front in engem Kontai'l. Nach den eingelaufenen Berichten befinden sich zwei feindliche Torpedoboote bei der Insel Galidaro.
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Gießen, den 15. März 1913.
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