Nk. 202 Ter Äkfctner Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntag-. - Beilagen: viermal loöditutlid) GießenerZamiliendlaner, zweimal,pochenil.Areir> bUitfiiidcnKrn$6i wirtschaftliche -ettfraoen f^eriisprech - Anschlnsie: liir die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresie für Depeschen: Anzeiger «ießen. Annahme van Anzeigen hir die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt 165. Jahrgang Zreitag, 29. August 19(5 GietzenerAMger General-Anzeiger für Gderhessen Rofationsdrud und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Steinbruderei R. Lange. Redaftion, Lrpedition und Druderci: Schulstrahe 7. Geschäftsstelle Büdingen, vahnkfosstrahe 16a. vc ina »vrei »: n,onallich75Vf^ viertel» jährlich 3)11. 2.20; durch jlbljole- tu Zweigstellen inonatlich 65 Pf.; dnrch die Post '19t.2.— Vierteljahr!. ariSschl. Bestellg. ZeilenpreiS: total lüPf^ anSivärt-r 20 Pfennig. Chesredattenr: A Goetz. Perantivonlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Fruüle- lon', .Vermischtes' und .Gerichissaal-: R. 9leu- ratb: für .Stadt u>id Land": E.Heß; für den Äuzeigenleil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten. Tagcskalcn-er aus Dem Jahre 1813. 2 9. u. 3 0. Auau st Ter preußische General v. Kleist fällt über die Nollendorser Höhen dem französischen Marschall Ban dämme in den Rüden und schlägt ihn bei Kulm, „Kleist von Nollendors". Gemeinderatswahlen in Hessen. Au-- T a r m ft a b t »vird uns geschrieben: Mt jeder Tag bringt jetzt neue Meldungen über Ge- mcinderatswahlen in den kleineren Städten und Landgemeinden unseres GroßherzogLurns, und zlva.r Meldungen zumeist erfreulicher Natur. Es ist geradezu überraschend, loic glänzend sich bei den bisher abgehaltenen Gemcinderats- lvahlen nicht nur in zahlreichen Landgemeinden, sondern aud) in den größeren Hodchurgen der Sozialdemokratie die bürgerttchc Wählerschaft erfolgreich betätigt und den sich ihres Sieges vollkommen fidzerfühlenden sozialdemokratischen Kandidaten Niederlage über Niederlage bereitet hat. Um diesen erfreulichen Umschwung in der Betätigung am öffentlichen Leben besser zu verstehen und zu würdigen, mögen hier einige nähere Erläuterungen über die lzcssi- schcn Gemein berat sw ahlen im allgemeinen am Platze sein. Die gegenwärtig im Laude stattfinbenben Gemeinde- ratswahlen sinb bie erstell, die liach der neuen Land- ge m eindeorbnung zu erfolgen haben. Sie bilbete im Verein mit den anderen großen Regierungsvorlagen der Verwaltungsgesetzrcform bekanntlich bas letzte schwierige <^esetzgcbungsmerk, das vom verflossenen 34. Landtag im Juli 1911 verabschiedet wurde. Die neue Landgemeindeordnung mit ihren 223 Gesetzes Paragraphen trat an die Stelle der gänzlich veralteten Landgemeinde-Ordnung vom Jahre 1874, und erhielt am 1. April 1912 (Gesetzeskraft Die Be stilmnungen über die Wahlen zum OKmeinderat idie Wahl erfolgt aus 9 Jahre; alle 3 Jahre scheidet ein Drittel aus), siiid darin im allgemeinen dieselben geblieben, wie in dem früheren Gesetz, bod) sinb — wie auch von radikaler Seite ausdrücklidi anerkannt werden mußte — in dem neuen Gesetz zahlreidze wesentliche Verbesserungen zur Durchführung gebracht worden. Es wurde nicht nur in vielen Punkten auf Grund der im Laufe der Jahrzehnte gewonnenen praktischen Erfahrungen abgeändert und namentlich mehr den modernen Anschauuinsen und Zeitverhältnissell ange- paßt, sondern aud) durch mancherlei Bestimmungen zugunsten der Wähler zum Gemeinderat Verve rbcss er t. Wad) dem alten Gesetz waren stimmberechtigt alle in der Gemeinde wohnenden Ortsbürger mit vollendetem 25. Lebensjahre (das besondere Wahlrecht der sog. „Ortsbürger" ift im neuen Gesetz in Wegfall gekommen», welche seit 2 Jahren in der Gemeinde ihren Unter stützungswohnsitz hatten, den sie nad) den Bestimmungen des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz in der Regel erst nach zweijährigem ständigen Wohnen in der Gemeinde erlangten. Im neuen Gesetz ist dagegen ein fad) bestimmt, daß jeder 25 Jahre alte Einwohner, der seit 3 Jahren in der Gemeinde wohnt und, wie früher, seit dem 1. April des der Wahl vorhergehenden Jahres aemeindestcuerpflichtig ist, die Wahlberechtigung besitzt. Weiter sind aud) die Bc stimmungen über das Ruhen des Dahlredns zu Gun-» sten der Wählerschaft verbessert worden. So bestimmt das neue Gesetz, daß nicht mehr als eine das Wahlrecht aus- schlicßcnde Armenunterstützung angesehen werden soll: Die Ärankenunterstützung, die einem Angehörigen wegen kör perlichcr oder geistiger Gcbred)en gewährte Anstaltspflege, ferner Unterstützungen zum Zwecke der Jugendfürsoge, der Erziehung oder der Ausbildung'für einen Beruf, sowie sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form ver- einzelter Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt worden sind und endlich Unterstützungen, die erstattet worden sind. Durch diese Bestimmungen, die in den früheren Regierungsvorlagen nicht enthalten waren, sind zweifellos aud; die Interessen der minderbemittelten Gemeindemitglieder mehr als bisher berücksichtigt worden. Um so erfreulicher ist es nun, daß trotz dieser Erweiterung des Wählertreises nickst die Sozialdemokratie die frucht daraus geerntet, sondern sich das Wahlergebnis vielfach stark zu Gunsten der bürgerlich gesinnten Bevölkerung geändert hat. Am auffallendsten zeigt sich der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen im Reichstagswahlkreis Osfen-, bad) und in einigen anderen Hauptzentren der Sozialdemokratie in der Nähe großer Städte. OVerabc Orte mit start überwiegender Arbciterbevölkerung haben bei der jüngsten Gemeinderatswahl eine sehr bemerkenswerte Veränderung im Abstimmungsergebnis erfahren. Bei der Reichs- tagswahl im Januar 1912, die wir hier zum Vergleick) heranzichcn, obwohl itnr wissen, baß eine direkte EKgen- überstellung der Stimmenergebnisse wegen der verschiedenartigen Wahlberedstigungsbesrimmungen nicht ganz zutreffend ift — wurden z. B. in dem jetzt so glänzend für die bürgerliche Sache gewonnene?) Bieber 649 sozialdemokratische und nur 246 Zentrums- und 57 nationalliberale Stimmen abgegeben, in Dieburg standen bei der letzten Reid)stagswahl den 356 sozialbemvtratischen Stimmen 521 Zentrumsstimmen gegenüber. In G r o ß -Z i m m cm, das ebenfalls einen Sieg der Bürgerlickzen brachte, waren 1912 für Ulrich 389, für das Zentrum 176 und für den National- liberalen nur 84 Stimmen abgegeben worden und in Klein-Steiuheim standen 1912 den 368 sozialdemokratischen Stimmen nur 187 Zentrums- und 52 national- liberale Stimmen gegenüber. Einen gapz besonderen Aufschwung hatte die Sozialdemokratie in Eberstadt (Kreis Tarmftabt) erfahren, wo die sozialdemokratische Stimmenzahl von 679 bei der Reichstags-Hauptwahl im Jahre 1907 auf 866 im Jahre 1912 in die Höhe ging, während im letzteren Jahre für Dr. Osann nur 244 und für den fortschrittlichen Kandidaten Dr. Strecker nur 237 Stimmen abgegeben wurden, der Sozialdenrokrat also die doppelte >stimmenzahl den beiden bürgerlichen Kandidaten gegenüber erhielt; ganz ähnlich war es in Naunheim, wo Dr. Osann 38 und Dr. Strecker 83 Stimmen den 254 sozialdemokratischen Wählern gegenüber erhielt. In allen diesen und zahlreick)en anderen, bisher von der Sozialdemokratie beherrschten Ortschaften haben jetzt die bürgerlichen Parteien mehr oder minder große Siege bavong-c- tragen. Schon bie wenigen, hier angeführten Zahlen beweisen wohl zur Genüge, daß die sozialdemokratische Bewegung in Hessen auf dem Lande zum Teil recht stark im Rückgang begriffen ist und alle in den letzten Jahren unternommenen Bemühungen der Partei, das Land (II erobern, vergeblich gewesen sind. Es wird hiermit auch die auf Grund des diesjährigen Berick)ts des forialdemokratisckjen Parteivar- standes in der bürgerlichen Presse vielfack) ausgesprochene Ansckstmung bestätigt, daß in der Entwickelung und beut riesigen Aufschnmng der Partei der Höhepunkt überschritten und ein Stillstand, wenn uick)t gar bereits ein allgc* meiner Rückgang eingetreten ist. Tic jetzigen Erfolge waren aber, dessen sollte man sich allenthalben klar sein, nur möglich durch das einmütige, Zusammengehen der bürgerlichen Wählerschaft und durch Hintansetzung aller persönlichen und kleinlicheu parteipolitischen Meinungsverschiedenheiten. Dies vorbildliche Verhalten sollte auch den bürgerlichen Wählen in den größeren (stabten, in denen ja gleichfalls in wenigen Wockzcn die Ersatzwahlen zur Stadtvertrctung bevorstehen, eine ernste Mahnung zur Einigkeit und ein Ansporn zu energischer, entschlossener Wahlarbeit fein. Wir wollen hoffen, daß die jetzt so vielfach und unerfreulich in den kleinen Städten und Landortcn zutage getretene Wiederbelebung oder Stärkung des gesunden Bürgersinnes auch bei den Wahlen in den Städten eine wirksame Fortsetzung erfahren wird! Der Kaifcr in Breslau. Breslau, 21. Aug. Zum Empfang der Majestäten und der fürstlichen Cfäftc ist Breslau prächtig geschmückt. Die öffentlichen und fast ausnahmslos alle Privatgebäude zeigen Mahnen und Girlandenschmuck und die Schaufenster schöne Dekorationen. Die Ausschmückung des Einzugsweges ift in lichten Farben gehalten und nach dem Plane des Stadtbanrats Berg, des Erbauers der Jahrhunderthalle/ einheitlich dnrchgeführt. Dec Kaiser und d»e Kaiserin trafen um 3 Uhr 45 Min. im Sonderznge hier ein. Ans dem Bahnhofe fand großer nnlilärischer Empfang statt. Tann hielt daS Kaiserpaar feinen Einzug in die Stadt, der Kaiser und die Prinzen zu Pferde, die Kaiserin mit der Kronprinzessin und der Prinzessin Anguss Wilhelm in offenem Wagen. Mit brausenden Hochrufen wurde das Kaiserpaar beim Verlafsen deS Bahnhofs von den vielen Tausenden begrüßt, die sich eingefunden hatten. Die Ansprache des Oberbürgermeisters M a 11 i n g. Beim Einzuge des Kaisers und der Kaiserin hielt Oberbürgermeister Matting eine Ansprache, in der er zunächst den Kaiser und der Kaiserin für ihr Erscheinen dankte und dec historischen Ausstellung gedachte, von der ans lebendige Ströme der Vaterlandsliebe und KönigStreue sich in daS Land ergießen würden. Der Cberbürgennciftcr erinnerte dann an die enge Verbindung zwischen dem Königshaus und dem Geschick des Vaterlandes vor hundert Jahren. Das Verhältnis gegenseitigen Vertrauens zwischen König und Volk und des Sichzusammengebens mi einem Treuebund von unzerreißbarer Festigkeit und heiliger Weihe matty* erst das deutsche Volk unüberwindbar. Nach einem Hinweis werkhäusern so reich entfaltete, ist ja nur noch an wenigen Orten in eindrucksvollen Formen erhalten. Nur in Braunschweig und Hildesheim bilden sie heute noch eine köstliche Zier, die gewisses Stadtteilen ihren Charakter aufpräqt. In Hildesheim betrogt ihre Zahl noch über 400, und wieviel bat nicht der Dreißigjährige Krieg und die trübe Folgezeit zerstört! Ein melancholisches Dokument berichtet, daß allein im Jahre 1634 in Hildesheim 245 dieser Häui'er abgebrochen wurden, weil die armen, von dem ewigen Elend ausgesogenen Leute des Hol^s zur Feuerung dringender bcdurslcn. Mit den Braunschweiger Fachwerkhäusern verglichen, sind die Hildesheimer kleiner, bewahren weniger den konstruktiven Ernst der Gotik, sondern ergehen sich im reichen Spiel einer beweglich malerischen Behandlung. Tie strenge Gotik ist hier nur in wenigen Bauten rein bewahrt, fo im alten Trinitatis-Hospital mit dem stark ausladenden Obergeschoß von 1 459, im Kramergildenhaus u. a. Tas älteste dieser Häuser, am Altemarkt gelegen, trägt stolz auf feinen Ständern die Zahl 141* Rascher uno stärker als anderswo wird im Fachwerkbau Hildesheims die Renaissance heimisch und breitet einen ungemessenen Reichtum phantanevoller Schnitzereien, bunter Ornamentik und reichen Figurenschmucks übet die Fassaden aus. Tie Erker, „Ausluchten" genannt, und Zweiggiebel gliedern bie Bauten in einer reich bewegten, anmutig freundlichen und überaus persönlichen Weife, so daß jede dieser Häuserpersönlichkeiten ihr eigen Gesicht, ihr eigen Temperament zur Schau trägt. Tieser kecke und kühne Renaissaneegeist regt sich sogar schon in seinen frühesten Arabeskenspielen in der Lrnamentik der Krone aller Hildesheimer Holzhäuser, des Knochenhauer Amts- bauses von 1529, in dem die monumentale Ausgestaltung der Holzarchitektur einen in Teutschlano nicht wieder erreichten Ausdruck gefunden hat. Noch rein gotisch in seiner .ttonftruftion, noch streng und fast feierlich in der Verwendung des Materials, dabei bäuerlich einfach in der großen rundbogigen Einfahrt, ist dieser Bau ein Muster jenes mächtigen und doch dabei gemütvoll intimen Kunstgeistes, der das 16. Jahrhundert beseelte. In den späteren Bauten treten bann die Renaissancedekorationen in den Verkröpfungen der Profile, in den bunten Trolerien der Schwellen und Fenster immer mehr hervor und führen hinüber zu dem reinen Renaissancestil, wie er nch am imposantesten in dem Wedekind- schen Hause am Markt von 1598 offenbart. Mit dem Einbrechen des 17. Jahrhunderts hatte diese Herrlichkeit ein Ende, die Hildes- 6am zu einem Edelstein altdeutscher Baukunst gemacht. ^te bürd; sie dem Boske auf erlegten Cpfer seien nicht annähernd fo bitter wie die, die das Volk Dor 100 Jahren bringen mupie. I(3iibem erfülle die Armee in ihrer Arbeit an den Söhnen des Voltes ein. hervorragende soziale Ausgabe, die um so mehr an Bedeutung gewinne, je mehr die Armee als rechtes Bottsheer olle in ihre Reihen hineinziehe. iTen Schluss der Ansprache bildeten Segenswünsche für den ^Kaiser Iwnb sein ganzes Daus. Die Antwortrede des Kaisers. Auf die Rede des Oberbürgermeisters erwiderte der Kaiser etwa folgendes: Er danke in dem Ramien der Kaiserin und in seinem eigenen Namen für die eben gehörten Worte des Oberbürgermeisters. Die Stadt Breslau hat ihn und die Kaiserin bei ihrem Einzug einen Empfang finden lassen, der ihn durch eine Wariritzerzigkeit und Grossartigkeit mit dem aufrichtigsten Dank erfülle. 'Der Oberbürgermeister möge diesen Dank an die Stadt und die Bürger- ;fchatt übermitteln. Es habe ihn zumal deshalb gefreut, in diesem Jahre nach Breslau kommen M. Tonnen, weil die Stadt ihren so >ganz besonderen 5?Intcil jan den grv ßen Erinnerungen der Zeit vor hundert Jahren habe, denn es )ci der Bürgerschaft Breslaus Vorbehalten gewesen, in die .Derzcn des unter dem Druck der Zeit schwer leidenden Königs^ und der Königin den ersten Sonnenstrahl hineinMführen. Dieser Sonnenstrahl habe das Jener angesacht, das dann durch das ganze Land gegangen sei: die Erhebung gegen die Jremdenherrschatt. Der Kaiser hoffe, daß es auch ferner gelingen werde, unter dem Schutz des mächtigen deutschen Heeres, das einer der .Hauptpfeiler des europäischen Friedens sei, diesen Fried e n dauernd aufrecht zu erhalten und so auch diese Stadt .unter den Segnungen .>des Friedens an friedlicher Arbeit teilnehmen zu lassen. Die Provinz Schlesien bereitete dem Kaiserpaar heute abend im Landeshause ein glänzendes Fest. Als das > Kaiserpaar den Lichthof betrat, ertönte der Festhymnus „Mit Gott für Kaiser und Reich" von Werding für Männerchor und Orchester. Dem Kaiser wurde eine Anzahl von Radierungen des Maler-Radierers U lbri ch überreicht. Zur Tafel führte Herzog Ernst Günther die Kaiserin, der Kaiser die Herzogin von Ratibor. Im Kaisersaal und in den angren- den Räumen wurde an einzelnen Tischen gespeist. Rach der Tafel hielt das Kaiserpaar längere Zeit Cercle. Der Reichskanzler nahm an einem Frühstück bei 'dem Kardinal Fürstbischof Dr.v. Kopp teil, das dieser zu Ehren des bei ihm wohnenden Prinzen Rupprecht von Bayern gab. P o s e n, 28. August. Mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug um 3.30 Uhr erfolgte die Abreise des Prinzregenten von Bayern nach München. Ein Dankerlaß des Kaisers. Der Kaiser richtete an den Oberpräsidenten der Provinz Posen folgenden Danke rlaß: An unseren diesjährigen Aufenthalt in der Residenzstadt Posen können ich und die Kaiserin und Königin, meine Gemahlin, eine schöne Erinnerung bewahren. Diesem wohltuenden Empfinden will ich unseren herzlichen Dank für die freudige Teilnahme weiter Schichten der Bevölkerung an unserem Besuch und für die vielen Beweise treuer Ergebenheit hiermit nochmals kundtun. Mit besonderem Wohlgefallen gedenke ich zugleich der treuen Begrüßung an dem Paradetage durch meine iaiten Soldaten her Provinz und die Angehörigen iber Sanitätskolonnen, die an der Pflege vaterländischer ! Gesinnung so verdienstlich teil haben. Diesen braven Männern zolle ich meinen königlichen Dank und beauftrage Sie, dies der Provinz sogleich bekannt zu geben. Posen, 27. Aug. Heute vormittag 10 Uhr erfolgte 'die Abfahrt des Sonderzuges mit den fürstlichen Herr- 'schäften, den Gästen und den Gefolgen nach Breslau. Im Sonderzuge befand sich auch der Reichskanzler. (Ein Lefttag in Haag. Haag; 28. Aug. Bei prachtvollem Wetter bietet die Stadt ,twz reich geschmückt ist, zum 100jährigen Gedenktag der Erringung der nationalen Unabhängigkeit einen heiteren Anblick. Die dichte Menge drängt sich in den Straßen um den Friedenspalast, wo die Königin, die Königinmutter und der .Prinzgemahl gegen 2yt Uhr anlangten. Nachdem die Königin sich Andrew Carnegie und dessen 'Gemahlin Vörstetten ließ, betrat , sie den groben Saal des Palastes, wo 400 Gäste versammelt ' waren, die Minister und fremden Gesandten, vierzig Mitglieder des internationalen Schiodsgerichtshofes, unter ihnen Prof. Dr. v. Martttz für das Deutsche Reich. Nachdem der Chor die alte ' Nationalhymne gesungen, würdigte van Karnebeck. der Präsident der CaMegie-Stiftung, in ausführlicher Rede die Bedeutung des ständigen Schiedsgerichts und sprach sich sodann gegen die Einrichtung eines obligatorischen sowie ständig tagenden Schiedsgerichts aus. Weiter gedachte der Redner Carnegies, 'des hochherzigen Stifters, welcher l1/^ Millionen Dollars für ; einen würdigen Rahmen dieser Institution gab und richtete in englischer Sprache Worte des Dankes und der Anerkennung an 'ihn. Nach der eingehenden Beschreibung des Palastes überreichte er dem Präsidenten des Verwaltungsrates ein Etui mit dem Schlüssel, den die de utsche Regierung für die große Eintrittspforte anfertigen ließ. Der Redner schloß mit Worten des Dankes an die niederländische Regierung, die die Ausführung des Baues erleichtert habe. Nach einem abermaligen Chorgesang drückte der Minister des Aeußern bc Mare es van Swinderen, der Präsident des ständigen Schiedsgerichtshofes, im Namen des Berwaltungsrates des Schiedsgerichtshofes seine Genugtuung aus, daß die Eröffnung des Palastes der internationalen Justiz zur Tatsache geworden sei und dankte allen Beteiligten. Die Feier schloß mit einem Chorgesang und wirkte in ihrer Einfachheit sehr eindrucksvoll. Der Kampf um Nanking. Nanking, 28. Aug. Gestern abend fand eine allgemeine Beschießung statt. Die Regierungstruppen griffen drei Tore an und wurden zurückgeschlagen, aber die Verteidigung war infolge der demoralisierenden Wirkung des Feuers weniger energisch als vorher. Die Re- gier'ungstruppen haben neue Geschütze herbeigeschafft und haben, abgesehen von den Batterien in Punkau und anderer schwerer Geschütze, auf dem Tigerberg weitere Batterien auf dett drei Seiten des Berges aufgestellt. Das'Feuer wurde die ganze Nacht hindurch fortgesetzt und viele Geschosse explodierten in dem dicht bevölkerten Teile der Stadt. jTruppenabteilungcn Fertgkuotschengs setzten oberhalb Nankings über den Jangtse, schlossen die Stadt im Westen ein und schnitten ihr so die Lebensmittelzufuhr ab, die bisher nicht unterbrochen gewesen war Nach einer Meldung aus Tschingtu vorn 20. August breitet die Rebellion sich aus. Man nimmt an, daß die Ursache wesentlich in der Unpoplllarität des Gouverneurs liegt. — 'Die Truppen von Lungtschang rebellierten, töteten ihren Gouverneur ■unb gingen zu den Aufständischen über. — In Hsicmgtscheng er griffen die Tibetaner die Offensive und die Feindseligkeiten wurden wieder allgemein an der Grenze eröffnet. Die Vereinigten Staaten und IHerifo. New - Iork, 28. August. Einem Telegramm aus Mexiko zufolge beobachtet die mexikanische Regierung Still schweigen betreffs der von Wilson an den amerikanischen Kongreß gerichteten Botschaft. Der mexikanische Minister Gamboa unterbreitete dem ständigen Ausschuß des mexikanischen Kongresses alle EinzÄheiten des Streitfalles ohne Kommentar. Der Ausschuß nahm das Kommunique eben- falls ohne Kommentar an. In der zweiten Note besteht Wilson nur hinsichtlich der Forderung, daß Huerta aus dem Wahlkampfe ausgeschaltet werde, auf einer sofortigen Beantwortung. Wilson sagt, er würde, wenn Mexiko sogleich seinenVor- schlägen entsprechend handelte, den amerikanischen Bankiers die Zusicherung geben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten eine sofortige Anleihe Mexikos begünstigen würde, die genügte, die zeitweiligen Bedürfnisse der gegenwärtigen Verwaltung zu befriedigen. Gamboa antwortete, daß keine noch so große Anleihe diejenigen, die damit betraut würden, die Würde der Nation zu wahren, zur Preisgabe dieser Würde bestimmen könne. Der Forderung des Rücktritts Huertas könne unmöglich entsprochen werden, denn Mexiko gäbe damit nicht nur seine Souveränität aus, sondern kompromittiere sich auch in Zukunft, indem die zukünftigen Präsidentenwahlen dem Veto des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgesetzt wären. Deutsche- Reich. Wirkl. Geh. Rat Frhr. von Richthofen f. Aus Baden-Baden roirb gemeldet: Der seit einer Reihe von Jahren hier im Ruhestande lebende Wirkl. Geh. Rat Freiherr von Richthofen ist im 70. Lebensjahre gestorben. Von Richthofen machte als Offizier die Feldzüge von 1864, 1866, 1870, 71 mit und trat spater in türkische Dienste, wo er mit der Würde eines Kaiserlich Ottomanischen Bala ausgezeichnet wurde. Der Verstorbene war Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse und Inhaber vieler hoher türkischer Orden. Ausland. Ein Heb er fall auf den englischen Premierminister. 1 Als Premierminister Asquith in Lossiemouth Golf spielte, griffen ihn zwei Vorkämpferinnen des Frauenstimmrechts an, hielten ihn fest schleppten ihn umher und schlugen ihm den Hut herunter. Seine Tochter eilte ihm zur Hilfe. Zwei Detektivs brachten die Frauen auf die Polizeiwache. Das Publikum pfiff sie aus und rief, man solle sie in die See werfen. Ein Deutscher und ein Engländer in Mexiko ermordet. Die „Morning Post" erfährt, daß Privatdepeschen aus Mexiko die Reutermeldung von der Ermordung des Engländers Laughton und des Deutschen von Thaden bestätigen. Beide hatten bedeutende Jngenieurarbeiten unter sich und zwar etwa 100 Meilen von der pazifischen Küste bei Manzanilo. Aus Stafct und Gießen, 29. August 1913. Die Sonnenblume blüht. Ihre tiefschwarzen, von einem reichen goldgelben Strahlenkranz umgebenen Strahlenblüten, die sie immer dem Stande der Sonne zugewendet trägt, leuchten vom Rande der Kartoffel- oder Rübenfelder, sie grüßen den Reisenden an jedem Bahnwärterhause, man sieht sie über die Gartenzäune der Dörfer ragen und auch mitten im Walde in den füllen PflanKgärten steht sie stolz wie eine Königin zwischen all den Tausenden junger und jüngster Tannenkinder, sehr zur Freude der Meisen und anderen Singvögel, die im Winter mit den ölreichen Samen gefüttert werden. Diese Mesin unter den Sommerblumen, die in knapp vier Monaten eine Höhe von 3—31/» Metern erreicht und Blumen hervorbringt, die unter günstigen Umständen einen Durchmesser bis zu 60 Zentimeter und ein Gewicht bis 10 Kilo haben, hat ihre Geschichte. Ihr Vaterland ist Peru. Nach Europa tarn sie 1560 durch die Spanier. Der gelehrte Dodonaeus, Leibarzt des Kaisers Maximilian II., berichtet, daß die „indische Sonne", wie die Sonnenblume damals genannt wurde, in den Königlichen Gärten von Madrid einen arms- dicken Stamm getrieben habe und 24 Fuß hoch geworden sei. Von Spanien verbreitete sich die Sonnenblume alsbald über das übrige Europa und derselbe Schriftsteller berichtet, daß ihm ein reicher Patrizier erzählt habe, in seinem Garten zu Padua sei „die indische Sonne" zu einer Höhe von 40 Fuß gänehen, ein Beweis, daß die Italiener, wenigstens zu jener Zeit, den Spaniern in Punkto Ausschneiden noch erheblich über gewesen sind. Doch nicht nur als Zierpftanze war die Sonnenrose geschätzt, man wußte sie auch sonst nutzbar zu machen. Der markige Blütenboden ward gleich Attischoken, die jungen Blattstiele wie Spargel zubereitet und dienten — auch ein Zeichen jener sinnlich-abergläubischer Zeit — als Mittel, um Liebe zu erwecken. Aus den großen Samen preßte man ein wertvolles Oel. Da sie sich aber durch den reichlich erzeugten Samen überall fortpflanzen ließ und die äußerst anspruchslose Pflanze überall gut gedieh, kam sie aus den Gätten der Reichen bald unter das gemeine Volk. Die stolze Südamerikanerin sank zur Bauernblume herab und ist es geblieben. Im Lause der Zeit erzog man eine gefüllt blühende und eine solche mit gelber Sckwibc. Auch eine mit hellgelben Blumen hat man gezüchtet. Man hat solche mit schwarzen, weißen und grauen Samenkorn. Außerdeck Niesen- und Zwergformen im Wüchse. Doch ist ihr anscheinend die Fähigkeit zur Erzeugung eines größeren Formen- und Farbenkreises versagt, der anderen Pflanzen, z. B. der verwandten Dahlie, eigen ist. Män hat zwar vor einigen Jahren etwas von einer roten Sonnenblume gehört, aber die Sache stellte sich als Schwindel heraus und auf dir weiße Sonnenblume märten die Gartenliebhaber ebenfalls noch vergebens. Man hat auch den Anbau der Sonnenblume zur Oelgewinnung empfohlen, wie er in einzelnen Teilen Rußlands betrieben wird, doch die Versuche scheiterten an dem zu geringen Ertrage im Verhältnis zu den Unkosten, denn die Wurzelstrünke der Sonnenblume sind selten mit dem Pfluge herauszubringen, sondern müssen ausgerodet werden. Doch ist die Sonnenblume in anderer Weise dem Menschen nütz- lich geworden. In Fiebergegenden, wo der australische Blaugummibaum nicht mehr gedeiht, baut man Sonnenblumen an, die durch ihren enormen Wasserverbrauch das Land austrocknen und somit zur Verbesserung des Klimas wesentlich beitragen. Das weiße Mark der Stengel findet bei dem Bau von Kriegsschiffen Verwendung. Wird nämlich der Stahlpanzer von Geschossen durch- schlagen, so wird das eindringende Wasser von einer Schicht fest- gestampften Sonnenblumenmarkes aufgesogen und indem dieses Äterial aufquillt, verschließt sich dadurch die entstandene Ceffnung in ganz kurzer Zeit von selbst. * i ** Wegfall der Losung beim Heereser- gänzungsgcschäft. Die seit längerer Zeit bestehenden, auf Vereinfachung des Hecresergänzungsgeschäfts ab- zielenden Bestrebungen haben durch Aenderung des § 13 des Reichsmilitärgesetzes ihren Abschluß gefunden. Diese Aenderung beseitigt die reicht mehr zeitgemäße Losung. Früher wurde die Reihenfolge, in der die der gleichen Jahresklasse angehörigen Militärpflichtigen auszuheben, also zum Dienste cin&u|tcllen waren, innerhalb eines jeden Aushebungsbezirkes durch das Los bestimmt. Die Freigelosten, deren Zahl in ben letzten Jahren stark zurückgegan- gen ist, blieben zunächst als Neberzählige von der Einstellung befreit, konnten jedoch im Bedarfsfälle innerhalb der zwei nächsten Jahre noch zum aktiven Dienst einberufen werden: geschah letzteres nicht, so wurden sie im dritten Pflichtjabre in der Regel der Ersatzreserve überwiesen. Diesem Verfahren hafteten manche Unzuträglichkeiten an. Zunächst die Unsicherheitb der Frergelosten über die fernere Gestaltung ihrer militärischen Verhältnisse, dann besonders der Umstand, daß manch vollkommen Tauglicher durch den Zufall einer hohen Losnummer vom Dienste frei blieb uftS für ihn ein weniger Ofeeigneten enxjeffellt fixrbett wußte. Sehr häufig verzichteten denn auch Leute, denen an einem baldigen endgültigen Entscheid ge-eoeu war, auf ihre Losnummer. Die einschlägige Gesetzesbestimmung lautete nunmehr: „Für die Reihenfolge, in der die Militär- pflichti^n auszul)eben sind, ist der Grad dar Tauglichkeit zum Militärdienst maßgebend. Ein Abweichen von dieser Reihenfolge ist nur zulässig zugunsten der in einem Schutzgebiet, der im Auslande lebenden Militärpflichttgen oder auf Antrag anderer Militärpflichtiger, sofern diese ihre sofortige Einstellung wünschen, oder im Interesse einzelner Waffengattungen, an deren Ersatz besondere.Anforderungen zu stellen find." ** Zu der Mitteilung über die Submissionsergebnisse für Betondecke n-Her st eil ung am Mannschaftsgebäude der Maschinengewehrabteilung in Nr. 199 des G. 21. wird uns mitgeteilt, daß die Firma Rautenberg & Co., Frankfurt a. M. Mk. 8181 — und nicht wie berichtet Mk. 10181 — für die Arbeit gefordert hat. Die Angebote können als Maßstab für die Leistungsfähigkeit der Bewerber nicht in Betracht kommen, da es sich um verschiedene Systeme und Patente von Deckenherstellung handelt. Gabelsberger Stenograp hen-Verein Gießen E. V. gegr. 1861. Nachdem unsere Mitglieder erst am 16. d. M. durch einen sehr interessanten Vortrag des Herrn Alex Karnbach über Gabelsbergers Leben und Streben" erfreut wurden, hielt am 27. ö. M. Her r Bankbeamter Otto Keßler einen Vortrag über „Wechsellehre und Wechselrecht". Der Vortragende verbreitete sich eingehend an Hand der gesetzlichen Erfordernisse eines Wechsels über alles das was auch für die Allgemeinheit in Bezug auf einen Wechsel wissenswert erscheint und erwähnte hierbei sehr treffend, daß gerade die jüngste Zeit gezeigt hat, daß es für die weitesten Kreise von Interesse ist, wenigstens über die elementaren Begriffe des Wechsels orientiert zu fein. ** Zur Einweihung der Gießener Hütte ist unserem gestrigen Berichte nachzutragen, daß auch die Sektion Oberhessen des deutsch-österr. Alpenvereins durch ihren Schriftführer Oberbibliothekar Dr. Heuser dec Sektion Gießen einen telegraphischen Glückwunsch übersandt hat. ' Landkreis Gießen. i ~ ? Lich, 28. Aug. Die Beerdigung des am 30. Ium in Pagan (Südfee) verstorbenen PrinzenMaximilian zu Solms-Hohensolms-Lich, Leutnant zur See, findet Mittwoch, den 3. September, nachm. 4 Uhr, statt. -m. Villingen, 28. Aug. Der hiesige 58jährige Maurer Johs. Pfarrer stürzte so unglücklich vom Scheunengerüst, daß er das Genick brach und sofort tot war. Kreis Büdingen. § Kohden, 28. Aug. Hier entzündeten die Funken der Lokomotive eines Güterzugs heute mittag um 12 Uhr Mi st und Stroh im Hofe der Friedrich Kimpel Witwe. Die Flammen verbreiteten sich mit unglaublicher Schnelligkeit durch den ganzen Hof bis zur gefüllten Scheune. Nur mit größter Mühe konnte man den Brand der Scheune verhüten. Es ist ein schon oft beklagter Mißstand, daß die Bahn hier durch die Ortsstraße führt und an manchen landwirtschaftlichen Gebäuden noch nicht 1 m entfernt vorbeigeht. Kreis Friedberg. Friedberg, 28. Aug. Durch den Bahnhassumbau ist hier eine Kolonie polnischer Arbeiter entstanden, deren Mitglieder bestrebt sind, die heimatlichen Gebräuche hier mit Gewalt einzuführerr. So sind seit 14 Tagen Messerstechereien, Wirtshausstreitigkeiten, Ueb er fälle und ©in* brüche an der Tagesordnung. Ihrem Arbeitgeber stahlen die Polen neulich die Lohngelder, am Freitag stachen sie einen Herrn nieder und gestern abend wurde ein Bahnwärter int Dienst von den edlen Polen böse zugerichtet. = Bad-Nauheim, 28. Aug. Die einzelnen Klassen unserer Ernst^Ludwig-Schule unternahmen heute ihren Jahresausftug in die nähere und weitere Umgebung. Homburg v. d. H. und Saalburg, Arnsberg und Lich, Feldberg, Niederwald, Rhein und Bergstraße waren die hauptsächlichsten Wanderziele. Starkenburg und Nheinhessen. rm. Darmstadt, 29. Aug. Ter Rücktritt des Provinzialdirektors Geheimerat Dr. Brei- dert in Mainz gab in der Presse Veranlassung, diese Tatsache mit der Stellungnahme der Regierung gegen das Projekt eines Wasserkraftwerkes bei Gernsheim, das von Breidert bekanntlich unterstützt wurde, in Verbindung zu, bringen. Wie nun amtlich in der „Darmft. Ztg." festgestellt wird, entbehrt diese Annahme jeder tatsächlichen Grundlage, da Dr. Breidert im 45. Dienstjahre stehe und schon im vergangenen Winter den Wunsch ausgedrückt habe, aus dem praktischen Dienst auhzuscheiden. d8. Darmstadt, 28. Aug. Zu der Ernennung des Dr. Fresenius erfahren wir noch, daß sich der Berufene bereits seit einiger Zeit in Berlin alifhält, wo er informatorisch beschäftigt wird. Die Bank, die errichtet werden soll, ist eine Landwirtschaftsbank für Südwestafrika, die die Aufgabe haben soll, ländliche Siedlungen in der Kolonie mit AmortisationSkrediten zu versehen. va Offenbach, 29. Aug. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung brachte Stadtv. Ulrich eine Eingabe ein, die sich vorbeugend gegen die ungerechte Heranziehung der Portefeuiller-Heimarbeiter zur Gewerbesteuer richtet und nach der die Verwaltung ersucht wird, auf Grund des Art. 16 des hessischen Gemeindcumlagengesetzes ein Ortsstatut auszuarbeiten, das eine andere Form der Veranlagung der Heim- arbeiter zur Gewerbesteuer enthalten soll. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag des Stadtv. BruhnS bezweckt die Bewilligung von Mitteln zur Beisteuerung der großen Arbeitslosigkeit, die schon jetzt recht erheblich ist und in Anbetracht der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage im kommenden Winter ihren Höhepunkt erreichen dürste. Die Arbeitslosigkeit könnte durch die Ausführung der Arbeiten im Waldpark und Kanalisation, für die allerdings die Mittel noch nicht bewilligt sind, verringert iperden. In Anbetracht der Lage sei man schließlich gezwungen, für diese Arbeiten eine Anleihe auch zu ungünstigeren Bedingungen aufzunehmen. Bei dieser Gelegenheit forderte er, die Arbeitslosenversicherung in Kraft treten zu laffen, die bis auf die formelle Verabschiedung im Plenum vorbereitet sei. Bei Ergreifung dieser Maßnahmen würde man bester fahren, als wenn man die Arbeitslosen der Armenunterstutzung überließ. Der Angeleaenheit soll nach Möglichkeit entsprochen werden. Pa: fabritati Koisi« ziltceten Apparat» die ■ besonder» -Leip ... So« * nettirteill Iofesine« D streikenden schuldig ° hatte Landstraße soll er btt X lässige H Kind en Diagnose Mwendr sich, daß an 2iB N' des Da : vcrgaog !Der zn , umgefoa .wurde k Direktor Feuer se Jei, besch । Gobrecht! HeldeaM ! des Fem 1 i das Was Mansarde ruhige .416 nag] inni 59061 Jin itrM 2 best. aus 4 mit 3 ans Zubehör! ÖUD. 'Jtäb cs 'Kfntiai Echei c l*)778] ÄMtr •WHhT und z » mit sev.i rarvne , [Miö ÄevicbfsfaaL - SeRätigung eines Todesurteils. Leipzig, 2H. Äug. Tas Jieidjögeridjt verwart die Revision beS 51 lästigen Tischler- Deorg Gras, den da- €dm>uraeri(t;l in Konstanz am 11. Juli 1913 wegen 9)1 o t b e 6 -um Tobe uerurieiü Halle. Gras Halle am 3. Dia, in Radolfszell die Witwe Joseftne SBöniet aus Eifersucht ermordet. » • [] Marbu r g, 28. August. T«S CchSssengrricht verurtrilte einen firnfenben Maurer, der beschuldigt wurde, s,ch des Soalitionszwang» schuldid gemacht ,u haben, zu 3 Tagen Getängms. Der Angeklagte batte in Gememschast mit noch anderen streikenden Maurern auf der Landstraße arbeitswillige Maurer angehalten und bei dieser Gelegenheit soll er bieten mit dem 6lod gebrobt haben. X Hanau, 28. Ang. Ter früher dahier, jetzt in Heilbronn ansässige Heilkundige Karl Bahner halte da4 dreijährige Rmb einer hiesigen Familie tu Behandlung aenommen, die Diagnose falsch gefüllt und demgemäß auch falsche Mittel zur Anwendung gebracht. TaS Kind itarb. Bei der Sektion ergab sich, daß da- Kind an den Folgen einer verkannten Erkrankung an Diohtheilti- gestorben war. Wegen fahrlässiger Tötung unter Anklage gestellt, wnrbc heute Bahner von der S t r a s k a in in e r zn 6 Monaten Gefängnis verurteilt. CinticbifTdbrf. Die UncintgTcit der Flieger in Frankreich. Pari-, 28. Aug. Eine Anzahl der bedeutendsten Flugzeug- iabrilantcn, darunter Dl 6 riol, Gcdr. Farman, Breguct, B o i s i n und Ma-r a n e haben bn'dMvffcn, aus dem Aeroklub nuS- utrclen und ihre zum Gordon-Beniiet Wettbewerb angemeldeten Apparad' zurückzuüchcn Tiefer Entschluß wird voraussichtlich die Spaltung des Aeroklubs und die Gründung eines neuen besonderen Klubs für Aviatiker zur Folge haben. Heuer im „Imperator". New«Dort, 28. August. Im Hinteren Proviantranm des Dampfers „Imperator" in Hvboken brach in der vergangenen Nacht Feuer aus, das alsbald gelöscht wurde. lDer zweite Ofsizier (^obrecht ist dabei durch Erstickung iuingetommrn. Der für tot gehaltene Matrose Stumpf wurde bewußÜoS aufgefunden, sein Zustand ist ernst. Der Direkt«.- der Hamburg-Amcrika-Linie, Meyer, erklärte, das "Fetter sei auf den Proviantraum, in beni cs auSgcbrochcn sei, beschränkt geblieben. Ein wahres Unglück sei der Tod GobrechtS, dessen Handlungsweise ein neuer Beweis deS Heldenmutes deutscher Seeleute sei. Die sichere Bewältigung des FevcrS tue den hohen Wert des Feuerlöschsystems deS . „Imperators" dar. Als das Feuer gelöscht wurde, war das Wasser in der überfluteten Abteilung 35 Fuß hoch. vermischter. e Unfälle in den Bergen. AuS Jn-bruck wird gemeldet: Der 25 Jahre alte Student der Philologie Gerhard aus Frankenhausen ist bei einer Tour auf die Drelschnsterspihe in den Sextener Dolomiten tödlich verunglückt. Er wurde sterbend nach Sexten gebracht. — Die Nachforschungen nach dein aus dein Monte CristeÜo verunglückten Wiener BankierSsohn Markus bestätigen, daß der Vermißte auf dem Monte Christallo unter eine Schneelawine geriet. An den Bergungsarbeiten beteiligen sich neben mehreren Führerexpeditionen Militär- Abteilungen aus Cortina und Schluderbach. Kleine Tageschronik. Der Schuh.wolsisr Gustav Baer in Pirmafen-, besten 8ruber Friedrich Boer vor einigen Tagen unter Cintcilaflimg größerer Schulden flüchtig gegangen isl, würbe nm Donnerstag wegen betrügerischen BankerolkeS vcrliastel Da den Passiven in Hohe von 150 OOO Ml. feine nennenswerten Aktiven gegenüber- flehen, ist von der Groffmmg eines KoukurSveriahreus abgesehen worben. In der Filiale der Deutschen Aflgemeineii Elektrizitatsgefellschast in HelsingkorS wurden Unt erfdilagungen von mehr als 200000 Mark anfgcdeck. Tie Kassiererin und der Verwalter Tegner wurden veihauet. Amtlicher wetterverimt. Oessentlichcr Wetterdienst, Gieß ml Wctteraussichten in Hessen kür Samstag, den 30. August 1913: Wechselnd bewölkt, noch meist trocken, ivarm, OlciDittevneigimg. Letzte 21civbrid}tcn. Zur Beschießung deß Kreuzers „Emden". Berlin, 29. Aug. Tie hiesige chinesische Gcsandtfchasl hat in einem Schreiben dem Auswärtigen Amt baß Bebauern ihrer Regierung über die Vorfälle, die zu dem Angriff des Kreuzers „Gmben- führten, ausgesprochen. Große Zollhinterziehungen in Frankreich. Paris, 29. August. Tie sehr reichen Kolouialwarenhändler (Sehr. Föritz und Georg R a u r in Nantes sind gestern verhaftet worden. Sie ivcrbcn beschuldigt, an großen Zollhinterziehungen tcdgenoinmen zu haben, welche der Zollkontrollenr H a m o n in St. Nazaire organisiert hat. Die Hmterziehungeu, an welchen sich der toctreibehanbler Manceau in St. Nazaire beteiligte, lüiirben in her Weise begangen, daß Kolonialwaren, welche zollfrei im Eutrepot eingelagert waren, vermittelst g c - s^ä l s'ch l c r C. it i 11 ii n g c n in den JnlanbSverkehr gelangten, ohne baß die Zostgebsihreil cntriditet wurden. Hamon und Manccau bcsindeu sich seit mehreren Tagen in Halt. Ter neue russtsche Botschafter in Wien. Berlin, 29 Aug. Tie Ernennung bc-> bisherigen russischen Gesandten in Bukarest S che b e ko nun Botschafter in Dien wird, wie verlautet, in her ersten fältle des September erfolgen. Tem Gesandten kchebeko werden in Regierungskreisen besondere» Verdienste um Rußlands Politik gegenüber Rumänien nachgerühmt. Ter bisherige Wiener Botschafter v. GierS wird zum Senator ernannt. Ein Geständnis Steegs. Düsseldorf, 29. Aug. Ter wegen Nnterfchlagungen verhaftete Prokurist Steeg von der Filiale de- 91. Schaffhaufeuschen vankvereinS legte ein volles Geständnis ab, aus dem hervor- geht, daß er in allen möglichen Vörsenobjekten spekulierte: Getreide, Zucker, Zinn, Rupfer und Effekten. Allem in Kuxen betrug sein Engagement im letzten Jahre 3'/.Millionen. Großfeuer in Mülhausen im Elsaß. Mülhausen, Els., 29. Aug. Ein Schadenfeuer großen UmfangS entstand in vergangener Nacht in dem in Riedes- heim gelegeneil Zweiggeschäft der Imprägnieranstalt Gebrüder ImmelSbach in Oberweier. Das Feuer brach gegen 11 Uhr aus und verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit. Der Schaden wird auf 20000 Mark geschätzt. Man ver- ,nutet Brandstiftung. Eine Schlacht zwischen Schuljungen. Berlin, 29. Altg. Am Rü ft rin er Platz kam c- gestern Abeiid zu einer regelrechten Schlacht zwischen 500 bis 600 Schuljungen. Bor einigen Tagen war zwischen zwei Schülcrii ein Streit ciitstanden, der in Tätlichkeiten ausartcte. Die beiden Feinde wandten sich an gleichgesinnte Kameraden in ihren Bierteln. Zwei Parteien bildeten sich schnell. Es kam zunächst zu kleinen Reibereien. Gestern trafen sich die feindlichen Haufen zu einer Entscheidungsschlacht. Ein Steinhagel, der den Verkehr erheblich störte und die Passanten in Gesahr brachte, et öffnete den Kampf. Bald waren die Kämpfer im Handgemenge. Ein wüstes Dilrchcinandcr und ein ohrenbetäubend der Lärm entstand. Einige Schutzleute erschienen aus dem Plan und führten die Anführer ab. 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