Nr. 248 Drittes Blatt 163. Zahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „«iehener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Krcisblatt fir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Mittwoch, 22. Moder M Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Aus Ktudt und Land. Gießen, 22. Oktober 1913. Mehr Natnrsinn. „Frühjahrsgebauken gleichen Auferstehungsgedanken. Ten finsteren, starren, allgewaltigen Winter, den Feind des wieder aufkeimenden Lebens, hat der Frühling mit den unwiderstehlichen Strahlen der jungfräulichen Sonne nicder- gcrungen, und die Natur schmückt sich mit neuer Blurnen- und Blütenpracht fürs kommende Jahresfest. Der scheinbare Tod war kein Tod, es war nur ein Jungborn. Ostern i't vorbei, das Fest der Auferstehung. Wir dachten an unsere Toten. Gingen an ihre Ruhestätten. Aber nicht umgibt uns dort Leben, werdende Natur, an ihren Gräbern, sondern öde wie ein geometrisches Reißbrett mit rechteckigen Figuren, der vorgeschriebene Abstand peinlich gewahrt, liegt der Friedhof da, kalt, schmucklos und leider meistens verwildert. Kein Baum spendet der leidtragenden Mutter Schatten für ein Viertelstündchen am Grabe ihres einzigen Sohnes. Keine Trauerweide, keine Zypresse teilt mit ihr den bitteren Kummer. Tas einzige Baumartige sind vielleicht zwei, drei Dannen, nur erkenntlich an der Baumkrone, die übrigen Aeste sind abgeschnitten, oder eine verwilderte Hecke, die als Einfriedigung dienen sollte, den tüchtigen, praltischen Hausfrauen aber einen brauchbaren Ersa» für eine allzu kostspielige Waschleine bietet. Scheinbar war cs eine falsch ausgefaßte Friedhofsordnung, die jeden Baum aus dem Friedhof verbannte und das Ganze so mathematisch pedantisch anlegen ließ, vielleicht auch grasser Materialismus, schnöde Geldsucht oder auch das Fehlen jeglichen Sinnes fürs Schöne und Edle. Ter Friedhof sollte sein ein Abglanz der Ewigkeit, des jenseitigen Leebns; in Wahrheit ist er ein ganz blasser Ab- Redaklion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag' e=g§>51. Rcdaltion:^KH2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Deutsche Kolonie«. Staatssekretär Solf und die Südkameruner. ... Staatssekretär Tr. Solf hat bekanntlich, wie iuir ausführlich berichtet haben, am 2. September in Kribi auf dem ihm zu Ehren von der Handelskammer für Südtäme- run veranstalteten Bankett eine Rede über die wichtigsten Wirtschaftsangelegenheiten des Schutzgebietes gehalten, die deil ihm von der Mehrzahl seiner Hörer vorgetragenen Wünschen tvenig Entgegenkommen zeigte. Nach seiner Abreise ins Innere des Landes trat daher die Handels-- kanrrner am 3. September zu einer Sitzung zusammen, um über die durch die ablehnende Haltung des Staatssekretärs geschaffene Lage zu beraten. In dieser Sitzung gab die Handelskammer in mehreren Beschlüssen, u. a. über die Kameruner Süd bahn, den Ausfuhrzoll auf Kautschuk und die Verbesserung der Güte des Kautschuks, ihrem dem Kolonialsekretär scharf entgegengesetzten Standpunkt lebhaften Ausdruck. In einer zweiten Besprechung mit der Handelskammer am 7. September erklärte der Staatssekretär, daß er offenbar mißverstanden worden sei. Er habe lediglich festgestellt, daß es dem Handel nicht möglich gewesen sei, der Krisis aus eigener Kraft vorzubeugen. Die Reformbestrebungen der Kammer seien ihm bekannt und würden von ihn: vollauf gewürdigt. Demgegenüber betonte die Kammer, ein gruud- fätzlicher Unterschied zwischen den beiderseitigen Auffassungen scheine darin zu bestehen, daß der Herr Staatssekretär es als eine Aufgabe des Handels erkläre, veredelnd auf die Produktion zu wirken. Nach der Uebcrzeugung dev Kammermitglieder feien Handel und Produktion in ihrem Verhältnis zur staatlichen Wirtschaftspolitik und Wohlfahrtspflege zwei selbständige, von einander unabhängige Faktoren, die auf unmittelbaren staatlichen Schutz gleichermaßen Anspruch hätten. Gelinge es dem Handel, durch festgefügte Handelsorganisation die Produktion zu veredeln, so nehme er Funktionen wahr, die zur eigentlichen Zuständigkeit des Staates gehörten. Am Schluß der auf beiden Seiten mit entgegenkommendem Verständnis geführten Verhandlungen (der Handelskammer von Südkamerun vom 7. September) gab der Staatssekretär Tr. Solf über die koloniale Selbstverwal- tung folgende bedeutsame Erklärung ab: ,,Dic Verhandlungen mit dieser Kammer haben mir die Richtigkeit meiner Ueberzeugung bewiesen, daß das Schivergewickst der kolonialen Verwaltung, auch der Selbstverwaltung, in den Kolonien liegt. Das Vertrauen, das die Reichsregierung zu ihren kolonialen Beamten hat, müssen auch die Inhaber der Kameruner Unternehmungen zu ihren Hauptvertretcrn besitzen. Fast scheuet cs, als ob eine Äuffassung, die von der Verwaltung schon seit langer Zeit überwunden ist, — nämlich die Meinung, als ließe sich eine Tausende von Seemeilen entfernte Kolonie von der Heimat, vom grünen Tisch aus, regieren —, für die Leitung der wirtschaftlichen Unternehmungen der Kolonie noch Geltung behalten hat. Ich kann die Kolonie nicht zusammen mit den heimischen Geschäftsleitern regieren, und der Gouverneur der Kolonie kann nicht von einem Stab von Personen umgeben sein, die keine Vollmachten besitzen. Hier Wandel zu schaffen und die Selbstverwaltung! d er K o lo n i e auf eine gesunde,Grundlage zu stellen, wird eine meiner nächsten Sorgen sein." Tagung öes Zungdeutschlandbunde;. W Berlin, 21. Okt. Heute nachmittag begann hier die Tagung der Bundesleitung des Jungdeutschlandbundes unter Vorsitz des Generalseldmarschalls Freiherrn von der Goltz. Erschienen waren u. a. Exzellenz von Kissing, Exzellenz Freiherr von Seckendorf, Exzellenz von Borries, Oberbürgermeister Do- minikus als Schriftführer, Generalkonsul Franz von Mendelsohn als Schatzmeister, Exzellenz Bernburg, Exzellenz von Moltke, ferner Geheimer Oberregierungsrat Hinze als Vertreter des Kultusministers, Major Kortegau als Vertreter des Kriegsministeriums, Exzellenz von Naegelsbach als Vertreter Baverns, Exzellenz von Broisem als Vertreter Sachsens, Generalmaior Freiherr von Hügel als Vertreter Württembergs, Exzellenz Jaegerschmidt als Vertreter Badens. Nach Eintritt in die Tagesordnung hielt Generalmajor Jung einen längeren Vortrag über die Entwicklung des Bundes. Darin führte er iin wesentlichen aus : Der Jungdeutschlandbund ist in der Absicht entstanden, ein Mithelfer der in Preußen ins Leben gerufenen, staatlich geförderten Jugendpflege zu fein, um mit dieser an der Erstarkung der Heranwachsenden Jugend zu arbeiten, und in den anderen Bundesstaaten, in denen eine solche staatlich geförderte Jugendpflege noch nicht ins Leben gerufen ist, an deren Stelle zu treten. Zu dieser werbenden Tätigkeit kommt die vereinigende Tätigkeit in Vertretung gemeinsamer Interessen der in Betracht kommenden Vereine und die ergänzende Tätigkeit, die schwächeren Vereinigungen zu unterstützen und, wo nötig, Neugründungen ins Leben zu rufen. Die Truppenübungsplätze »sw. sollten für die Wandererabteilungen mehr als wie bisher ausgenützt werden: vom Kriegsministerium ist besonders darauf hin- aewiescn worden, daß sich dieser Aufenthalt besonders billig gestaltet. Um mit den Zünglingsvcreinen beider Konfessionen einträchtig arbeiten zu können, ist es unbedingt erforderlich, auf die religiösen Pflichten der Jugend bet Ansehen der Hebungen gebührend Rücksicht zu nehmen. Zwischen der Bundesleitung und dein Ausschuß der Deutschen Turnersckaft besteht das beste Einvernehmen. Eine der wesentlichsten Aufgaben für den Jnng- deutschlandbund ist, die aus nationalem Boden stehenden Arbetter- verbände für seine Bestrebungen zu gewinnen. Tie ganze Jugendbewegung steht und fällt mit der Führ er frage; nur wenn es gelingt, ein tüchtiges und hingebungsbereites Führerkorps zu gewinnen, wird die Entwicklung des Bundes von Dauer und Nutzen sein. An den Vortrag knüpfte sich eine längere Ausetnander- setzuitg an, in der den Richtlinien des Vortrags zugestimmt wurde. Die Verhandlungen sind auf morgen vormiitag vertagt worden. qläuz' der Wirtlichkeit. Er sollte einem efeuüberwachsenen Walde gleichen, in den man mit einem frommen Schauer der Ehrfurcht eintritt, in dem man Gott durch das 'Dieben des Waldes am Grabe der Liebsten fürchten und lieben lernt. Nicht füllte man ihn betreten muffen mit einem röstelnden Schauer und einem Gefühl der Hätte und Verlassenheit. Unsere meisten städtischen Friedhöfe sind mit großem Verständnis und inniger Liebe angelegt, so erscheint besonders der alte Friedhof in Braunschweig als das wahre Ideal eines Friedhofes: angefüllt von Blnmenduft und Vogelsang, eseuumrantte Kreuze rind überall mit den schönten Gewächsen bepflanzt. — In der Verehrung der Toten zeigt sich der Wert und die wahre innere Liebe des Einzel- meuschen und eines ganzen Volkes. Wir leben in einer Zeit der Ernüchterung und des Ausklärens — doch setzt schon die Reaktioii mächtig ein — alles muß praktisch und nutzbringend fein. Besonders schädlich ist in dieser Hinsicht oft ein allzu radikales Borge Heu bei der Feldbereinigung. — 'Wie schön und herzerquickend wäre cs doch, wenn man einen solchen Waldfriedhof einmal auf einer Wanderung in unserem sonst so sinnigen und natur- schönen Vogelsberge mit senien liebevollen freundlichen Be- ivohnern anträfe! Wie weihevoll würde sich ferner eine Leichenrede in fo stimmungsvoller Umgebung gestalten, wo die Esche betrübt ihre Zweige hängen läßt, die silberhaarige Birke lauschend horcht und die ganze Umwelt mitzutrauern scheint! ' So wie die Leute in der Stadt ihre Friedhöfe schön machen können, so noch viel, viel schöner können wir es auf dem Lande. Darum sei für die Gegenwart die Losung: An die Arbeit!" M. Fahnen, eine Deputation der Studentenschaft der Berliner Technischen Hochschule. Aus der Empore hatten Marinemannschaften und andere Truppenteile Platz genommen. Bor der Kirche sanden sich ein der Kronprinz und die Kronprinzessin, sowie die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim. Unter Glockengeläute nahte um 12 Uhr das Automobil des Kaisers und das der Kaiserin. Dir Kaiser begrüßte zunächst den Großadmiral v. Tirpitz und sodann den alten Grasen Zeppelin, und sprach längere Zeit mit beiden Herren. Sodann begrüßte der Kaiser den Kronprinzen und seine anderen Söhne. Die Majestäten nahmen daraus in der rechten Seitenloge der Kirche Platz. Die Feier begann mit dem Gesang „Jesus meine Zuversicht". Alsdann hielten der evangelische und der katholische (tzarnisonpsarrer Ansprachen. Gesang schloß die Feier. Dann setzte sich der Trauerzug in Bewegung, voran die Leichcnparade, dann die Leichenwagen. Der Kaiser und die Kaiserin ließen die Leichenwagen an sich vorüberziehen und kehrten alsdann in das königliche Schloß zurück. Hinter dem Leichenwagen schritten die Angehörigen der Verunglückten, die Vereine und die .übrige Trauerversammlnng. Aus dem Garnisonsriedhof war die Gruft von Tannengrün ausgelegt. Kraftfahrer senkten die Särge in die Grust. Infanterie und Artillerie feuerten Salut. München, 21. Okt. In der Abgeordnetenkammer gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung der Vizepräsident v. Fuchs des schmerzlichen Verlustes den die deutsche Marine durch die Kata- sttophe des Luftschiffes „L. 2" erlitten hat und brachte das herzlichste Beileid für die Hinterbliebenen der Verunglückten zum Ausdruck. Tas Haus erhob sich zum Zeichen des Gedenkens von den Sitzen. Das Beileid Oesterreichs. Berlin, 21. Okt. Bei dem Staatssekretär des Reichsmarine- amts ist folgendes B e i l e i d s t e l e g r a m m eingegangen: Wien. Mit tiefer Ergriffenheit wurde die erschütternde Nachricht von der Ervlosion des Marineluftschifses „L. 2" zur Kenntnis genommen. Eine innige Anteilnahme erfüllt die Armee umsomehr, als das tückische Element nicht nur das Luftschiff gänzlich zum Opfer forderte, sondern auch das teuere Leben so vieler tüchtiger Kriegskameraden unbarmherzig vernichtete. Ich beehre mich bei diesem neuerlichen so betrübenden Anlaß der verbündeten deutschen Kriegsmarine mein und des f. u. k. Heeres ausrichtigst gefühltes Beileid zu diesem schweren Verlust auszudrücken. — gcz. Krobatkin, Feldzeugmeister. Politische Tagesschau. Arbeitslosigkeit. Zurzeit mag in der einen oder der anderen Industrie, im Handwerk oder int Gewerbe die Möglichkeit, Arbeit zu finden, gegenüber den Vorjahren erschwert sein. Beispielsweise im Baugewerbe ist die Beschäftigung entschieden zurückgegangen. Hier ist nicht nur das jedesmal mit dem Hcrannal>en der kälteren Jahreszeit festzustellendc Abflauen der Bautätigkeit zu verspüren. Die Flauheit geht weiter und tiefer. Forschen wir nach dem Grunde, so finden wir, daß das so häufig auf die Konjunktur angewandte Bild tioit der sich überschlagenden Welle gerade hier zutrifft. Tie Ar - bei tslöhite im Baugewerbe haben besonders in den in erster Reihe in Betracht kommenden Großstädten eine 5Me erreicht, daß das Bauen ein Luxus geworden ist, den sich nur noch sehr reiche Leute — abgesehen natürlich vom Staat und von Kommunen — leisten können. Dazu kommt, daß der sozialdemokratische Verband der Maurer jüngst in Berlin mehrere Versammlungen einberufen hatte, die sich mit der Frage der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe befassen sollten Es wurde von Staat und Kommune verlangt: 1 1 alle Arbeiten, besonders alle Bauarbeiten in Angriff nehmen zu lassen, deren Herstellung zurzeit irgendwie möglich Fstt Dabct ist Vorbedingung, daß der Lohn und dte Arbeitszeit nd) nnrft hen tariflichen Arbeitsbedingungen richten. n %^ieVermittlung aller Arbeitskräfte bcncr zu gestalten und eine Regelung der Arbeitsnachweisfragc anzubahnen; unö o .ine Unterstützung aller Arbeitslosen durchzusuhren, denen Arbeit nicht nachgcwiesen werden kann, die ihren beruflichen ^ährg- ketten entspricht Diese Unterstützung darf nickst als 'Dlrmen» H eu de Besserung wird damit vielleicht erreicht, aber ob die Baulust im allgemeinen großer wird, ist recht zweifelhaft. _________________ "Veränderungen in der 25. Divifion. Riedesel Frhr. zu E i f c n b a di (Ludwig), Obertt. im Leib-Drag.-Regiment (2. Großh. Hess.) Nr. 24, in dem Kommando zur Dienstleistung bei e. K. H. dem Grobherzog von dessen und bei Rhein bis Ende Oktober 1914 belassen. — Zu Oberleutnants bc'ötbcrt die Lts. Kienitz, Koch int Juf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Grosch- Hess.) Nr. 116, Sieger im Jw.-Leib-Rgt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. — Zum Fähnrich befördert die Unteroffiziere Telleu- b a ch int Inf-Leib-Negt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Dupuis int 5. Großh. Hess. Jns.-Regt. Nr. 168, Maaß, Heyne im Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feld-Art.°Regt. 9k. 25, Hahn im 2. Groß!). Hess. Feld-Art.-Negt. Nr. 61. — Der Abschied mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Regimentsuniform bewilligt: Ning, Hauvtm. im Jnf.-Negt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. — Ter Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt dem Major v. Lehmann, Bats.°Kom. int 2. Lothr. Jni.-Regt. Nr. 131, mit der Erlaubnis zum Tragen der Unis. d. Leibg.-Jns.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115. — Befördert zu Oberleiituants die Lts. d. Res.: Frhr. o. N o r d e ck z. R a b e n a u (Ludwig) des Garde-Drag.-Regts. (1. Groß. Hess. Nr. 23 (Sprottau), 91 a t al e (I Köln), des Jns.-Leib-Negts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Martins (Bonn), des Leib-Drag -Regts. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, Ansch ü tz (Bonn), des Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feld-Art.-Negts. 9k. 25, Hilsdorf (I Frankfurt a. M., Traub, Micha elfen (Worms), des Ius.-Regts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr: 118 — Befördert zum Assistenzart: S ch m i dt beim Leibgarde-Inf.-Negt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115. — Im Beurlaubtenstande : Zum Oberarzt befördert der Assistenzarzt d. Res. Dr. 9t o r d m a u n (Gießen). — Zum Assistenzarzt befördert der Unterarzt d. Nes. Dr. P ö l l o t (I Darmstadt). ** Erweiterung der Abfertigu ngsbefugnisfc. Mit Gültigkeit vom 1. November 1913 werden, wie die König!. Eisenbahndirektion bekannt gibt, die Abfertiglingsbefugnisse _bcr Station Saasen erweitert. Die bisherigen Absertigungsbefug- nisse für Saasen, die aus Personen- und Gepäckverkehr sowie. Stückgutverlehr in Sendungen bis 250 Kilogramm Einzelgewicht bestanden, sind auf die Abfertigung von Wagenladungen der an- geschlossenen Werke erweitert worden. Die Abfertigung von Sprengstoffen und von Gegenständen, zu deren Ver- oder Entladung eine Kopframpe erforderlich ist, bleibt ausgeschlossen. *' Bei den, ärztlichen Fortbildungskurs, der im W.-S. an unserer Universität abgchalten wird, iverden folgende Vorträge gehalten: Prof. Dr. Bostroein: Neuere praktisch ivichtige Fragen der allgemeinen und speziellen Pathologie. Prof. Dr. Voit: a) Allgemeine Behandlung akuter Infektionen; b) Behandlung des Diabetes mellitus. Privatdozent Dr. Hohlweg: a) lieber Nierenbeckenerkrankungen; b) Pneumothoraxbehandlung. Privatdozent Dr. Weber: Behandlung von Blutkrankheiten. Privatdozent Dr. Stepp' Pankreaserkrankungen. Prof. Dr. Strahl: Topographie der Leistenregion mit Demonstrationen von Leistenhernien. Prof. Dr. Geppert: Neuere Jodpräparate. Prof. Dr. So mnter: Die Diagnostik des primären Schwachsinns (Dementia praecox) mit Anwendung der Abdcrhaldenschen Methode. Privatdozent Dr. Berliner: Demonstrationen aus dem Gebiete der klinischen Gehirnanatomie. Prof. Dr. Opitz: Beziehungen derDarmerkrankungen und Frauenleiden. Privatdozent Dr. Jaschke: Neuerungen in der Pflege und Ernährung der Neugeborenen. Prof. Dr. Poppert. Krankenvorstellungen. Prof. Dr. Brüning: Chirurgische Behandlung der Epilepsie. Privatdozent Dr. Thies: Behandlung der Phlegmone. Prof. Dr. Neumann: Uebcr den gegenwärtigen Stand der Jmmunitätslehre. Prof. Dr. Voss ins: Die moderne Behandlung des Schielens. Privatdozent Dr. Jeß: Kopfschmerz und Auge. Prof. Dr. v. Eicken: lieber Diagnose und Therapie von Empyemen der Nasennebenhöhlen. Prof. Tr. Koeppe: a) Klinische Demonstrationen; b) Albuminurien im Kindesalter. Landkreis Gietzen. Burkhardsfelden, 19. Okt. Am 1.8. Oktober wurde hier eine Gedeukeiche gepflanzt, woher Bürgermeister Hofsmann der Bedeutung des 18. Oktober gedachte. Lehrer Reusch hielt einen rührenden Vortrag über die Bedrückung vor 1813. Am Abend sand ein großer Lampionzug zur Friedenslinde statt, wo Gedenk- Teuer abgebrannt wurde. Darnach waren gesellige Zusammenkünfte Am 19. Oktober war Festgottesdienst. Nachmittags wurde unter Leitung des Lehrers Reusch in dem Saale von Hofmann die Feierlichkeit fortgesetzt. Kreis Büdingen. -- Selters, 21. Okt. Wie wir hören, soll der im Jahre 1903 erbohrte BenedikluSsprudel an eine Gewerkschaft verkauft werden, welche das Wasser zum Versand bringen und die darin enthaltene Kohlensäure verwerten will. Gichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejfen £ 2. Trauerfeier für die Verunglückten. Berlin 21. Okt. Heute mittag wurde in der neuen evan- A^infnntirdic auf dem Katter-Friedrich-Platz die Traner- gelüchen Gar in w a, H^jiw-Lnstschiff L 2 Verunglückten abge- feier für bi weihevoll geschmückt. Zn Seiten des Altars halten. DuKirch . ^^orflaggen herab. Vor dem Altar waren äärae'mckaebahrt, die unter einem Hügel von Blumen und du„23 Garg^ anigeo , s)(bü[bert ^ttc um 10 Uhr einen Kränzen ?^ 'rs unb einen solchen der Kaiserin niedergelegt. Von rriTllbr an erschienen die leidtragenden Angehörigen der Ver- ,AVÄ mürben von Marineoffizieren zu ihren Platzen füttesich allmählich bie Kirche Mit emer großen geleitet. Dann lullte l ) bemetfte u. a. den Reichskanzler, der Trauerveriammlimg^ Man Freiherrn v. Sell einen großen Kraiz nb Staatssekretäre, bie Abnnrali- meberltgen Großadmiral Tirpitz. ben mit Kreis Friedberg. 3 Bad - N anheim, 19. Cft. Tas erste musikalische Ereignis der Wrnteriaison war die heutige Aussührung der „Schöp- fuxg" durch den hiesigen Künstler L. Marguth mit dem von ihm gde^ticn Butzbacher (Gemischten Chor. Erstklassige Kräfte wirkten als Solisten mit: der bekannte Frankfurter Bassist Adolf Müller, der Tenorist Heinrich Kühlborn-Frankfurt und Frl. Seifert-Ofien- bach. Der große Saal des Sprudelhotels war vollkommen aus- Nerkauft. Die Mitwirkenden ernteten stürmischen Beifall, besonders Herr Marguth, der als Dirigent seine schwierige Aufgabe glänzend gelöst hat. Kreis Lauterbach. R. L a n d c n h a u s e n , 21. Lkt. Aus Anlaß der goldenen Hochzeit des Polizeidieners Kaspar Lang und seiner Ehefrau Dro- thea geb. Schäfer wurde ihnen am 18. Oktober vom Groß Herzog dessen Bild mit Namensunterschrift verliehen. Unseren Anzeigenkunden zur gefälligen Beachtung. Hm den größeren Anzeigen für die Samstagsnummer eine sorgfältige Satzausstattung zu sichern, empfiehlt es Zich dringend, die Aufgabe ein bis zwei Tage vorher zu bewirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nur bei rechtzeitiger Bestellung eine tvirkungsvolle Anordnung gewährleistet werden. Verlag des Siebener Anzeigers. ur Fortsetzung an. Laut schriftlichem Vertrag wurde Bauer mit 3000 Einzahlung Geschäftsteilhaber des Kappes, und die von diesem sowie von einem Bruder Bauers aus Frankfurt gelieferten Einrichtungen wurden nunmehr im letzten und im lausenden Jahre mittels ähnlicher Inserate und sonstiger Aufmachungen schwunglwst vertrieben. Außer der ersterwähnten Wohnung diente als Verkaufslokal noch eine Rhönring Nr. 101. Mit- WRter wurde der „Rückgang der Verlobung" durch „Hinscheiden der Braut" ersetzt. Die Vertretung nach außen lag meist in den Händen Bauers. Kappes will jene Wohnung vorsorglich zum späteren eigenen Beziehen gemietet und vorläufig als Lager lbenntzt haben. Allerdings ist einem Bruder des Kappes die Braut gestorben, und es soll eine Einrichtung vorhanden gewesen sein, doch war die Veräußerung oem Kappes überlassen und dieser an- M»ciertc „wegen Todes meiner Braut". Beide Angeklagten bc streiten jede unlautere Absicht; Kappes will in bestem Glauben an Bauer zeitweise und bis zur Auslösung des OKsellsclwftsvcrtrags geliefert haben, ohne sich um dessen Veröffentlichungen zu küm mrar In dem Urteil erachtete das Gericht beide Angeklagte Nfc schuldig und nahm bei jedem ztvei fortgesetzte, durch das Ur teil der Kammer für Handelssachen getrennte Vergehen an, bc - zchglich eines dritten selbständigen Falls vom Juni d. I. erfolgte Freisprechung. Bauer wurde als die Seele des strafbaren Treibens, Kappes als der geringer beteiligte, weniger schwer belastete Mittäter angesehen. Inwieweit die gelieferten Aaren minderwertig und deshalb die Abnehmer benachteiligt waren, btieb mangels ausreichender Feststellungen unentschieden und ist auch für den Tatbestand des unlauteren Wettbewerbs au ficki belanglos. Die lange Tauer der Verfehlungen kam straf- crhöheud in Betracht, doch wurde, da bezüglich der Schädigung Anhaltspunkte fehlten, von der seitens des Staatsanloalts beau- tragteu Gefängnisstrafe abgesehen. Kappes wurde für beide Fälle M je 300 Mark, Bauer zu je 1000 Mark Geldstrafe verurteilt, die bei Uneinbringlichkeit mit je 1 Tag Gefängnis für TO Marl zu verbüßen sind, und ferner die Veröffentlichung des Urteils angeordnct. Citfficbiftiibrt. Johannisthal, 21. Cft. (Priv.-Tel.) Der Flieger Nölle, der in der letzten Nacht zum Fluge nach Paris gestartet ist, ist bei Hannover abgestürzt. Er zog sich dabei einen N a s e n b e i n b r u ch und leichtere Verletzungen am Knie zu. Paris, 21. Cft. Bei Chaumont sind zwei Militär-- fRccicr, ein Pionierleutnant und ein Soldat infolge einer Motor- expivsion abgc stürzt. Beide Flieger sind tot. Isst) les Moulineaux, *21. Cft. Der Flieger Tau court ist heute früh um 8 Uhr 20, begleitet von dem Passacher Moux, bei strömendem Regen .nach Schaffhausen zur ersten Etappe Paris — Kairo ausgcstiegen. Sport. * Schwi in in » und Wassersport-Verein Gießen. Es wird uns mitgeteilt, daß die Uebungsstunden vorerst auf Montag und Donnerstag abend 7—8 Uhr festgesetzt worden sind. Um den Mitgliedern und allen denen, die sich mit dem Schwimmsport beschäftigen, Gelegenheit zu geben, näheres zu erfahren, ist aut Donnerstag, den 23. d Mts., abends 81,- Uhr, in der Gastwirtschaft Kaiserhof eine allgemeine Versammlung festgesetzt worden. Das akademische O l n m v i a in Leipzig. Leipzig, 20. Oft. Der Samstag wurde ivegen der Einweihung des Denkmals nur in seinem Nachmittag für die Kampfes- Ipielc deS Deutsch-Akademischen Olympia verwendet. ES sanden statt: Die Schlußrunde der akademischen Fnßballmeisterschast zwischen den akademischen Abteilungen der Vereine für Bewegungs- Ipielc zu Marburg und Leipzig, ferner die Vorkämpie in den 93er- «mSstasettcn über vier mal 1(X) m und in der 103 m-Meisterschait, sodann Speerwerfen und Kugelstoßen, sowie Cchleuderball und Schlagball. Die Ergebnisse dieser Wetlkämpie waren folgende: Schlnßrnnde Fußball V. B. Leipzig siegt gegen Marburg 8:2, Halbzeit 3:1. Faustballspiel von gestern, Schlußrunde: Sucvia- Bonn gegen Titmarsig-Kiel wird morgen um 2 llhr ausgetragen. Schlagballschlutzrnnde: Männerturnverein von 1876 (München) schlägt den A. T. V. Berlin 60 :40. Akademische Schleuderball- metsterschast. Mitteldeutsch-Akadennscher Verband für Leibesübungen schlägt A. T. V. Berlin mit 1:0. Speerwerfen 1. Bnck- oeifter mit 44 m, 2. Bäg mit 48,82 m, Jung mit 41,50 in. Tic Resultate vorn Kugelstoßen kommen erst morgen beraus. Universitäts-Nachrichten. — Zum Mteilungsvorsteher am pliysikalisch-chemifcheu In stitutdtt Berliner Universität ist an Stelle von Prof, von Wat- tenverg der Privatdozent für physikalische überaic und erste Af- fistent am genannten Institut Tr. Arnold Gutfen m Aussicht genommen. Tr. Eucken, der Lohn des Jenaer Philosophen Prof. Tr. Rudolf Eucken, ist seit mehreren Jahren Assistent bet Geheimrat Nernst am Berliner physikalisch-chemischen Universitätsinstitut. Im Jahre 1911 erhielt er die venia legendi. — Ter Leipziger Privatdozent Tr. jur. Walter Jel- linet hat den Ruf als. a. o. Professor an die Universität Kiel als Nachfolger von Pckof. Gmeltn angenommen und wird noch zu Beginn dieses Wintersemesters sein neues Lehramt antreten. — Ernannt wurde der a. o. Professor Tr. Karl Boehm in Heidelberg zum ordentlichen Professor der Mathematik an der Universität Königsberg i. Pr. als Nachfolger von Prof. G. Faber. wandern und Reisen, Bäder und Sommerfrischen. — Friedberg, 20. Cft. Tie 7. Wanderung führte den Taunusklub „W e t tc r a u" (Zweigverein Friedberg-Dad- N au heim des P. H. C.) gestern von Bad-Salzhausen über Ulfa und Friedrichshütte zunächst nach Laubach. Auf herrlichen Waldwegen wurde dann Grünberg, das Endziel der Wanderung, erreicht. Tie gesamte Wanderung, die von Lehrer Hofmann-Bad-Nauheim geleitet wurde, nahm 6 Stunden in Anspruch. Der Riewer Ritualmordprozeh. Kiew, 21. Oft. Heute fand ein längeres Verhör des Journalisten Bruschkowsky statt, der aus eigener Initiative Ermittelungen über die Ermordung Juschtschinskis angestellt hat und der zu beweisen sucht, daß der Mord von gewöhnlichen Verbrechern verübt worden sei. Der Zeuge gibt Gespräche mit Wera Tscheberjak wieder, die, wie er zugibt, erfolglos geblieben sind. Wera sprach lachend von einem Ritualmord. Tie Frage des Aeltesten der Geschworenen, ob Margolin und der Zeuge Wera große Geld summen versprochen hätten, wenn sie die Sckfuld auf sich nähme, verneint der Zeuge. Gelegentlich des Verhörs des Journalisten Bruschkowskt wurde gestern Wera Tscheberjak abermals vorgeladen. Sie wiederholte dabei, sie habe es im Gespräch mit Bruschkowsky und Margolin abgelehnt, die Schuld auf sich zu nehmen. Zeuge Rechtsanwalt Margolin erklärte, Wera habe bet ihrer Zusammenkunft in einem Hotelzimmer in Charkow gesagt, sie habe den Mord von Prichodjkv, Niejinski, Mifsle und Nazarenko verübt, weil ihnen von Suschtschinski zu vieles bekannt war. Bon Geldsummen sei, sagte Margolin aus, während des Gespräckfes mit Wera durchaus nicht die Rede gewesen. Dermiicbtef. * Gatte nmo r d oder Unfall? Aus Paris, 21. Cft., wird gemeldet: In Thouard, Dep. Teux-Sevres, wurde der Gutsbesitzer Philipon verhaftet unter der Beschuldigung, daß er aut einem Spaziergang aus Eifersucht seine Frau mit einem Gewehr erschossen habe. Philipon behauptet, daß. seine Gattin während eines Jagdausflugs das Opfer eines verhängnisvollen Unfalles geworden sei. Sein Gewehr sei mit dem -Hahn an einem Brombeerstrauch hängen geblieben, der Schuß set losgegaugeu und halw der Frau die Lunge durchbohrt. * I u Seenot. Aus Ochotsk, 21. Oft., wird gemeldet: Ter Dampffutter des Dampfers „T u l a", der drei bemannte Barken schleppte, rannte auf eine Sandbank auf und wurde von den Wellen ans Ufer geschleudert. Tie erste Barke sank mit 11 Mann Besatzung und der Fracht. TrerMann wurden gerettet. Die zweite Barke erreichte ungefährdet durch Rudern das Ufer, die dritte Barke wurde mit der Mannschaft ins Meer hinausgetrieben. Ihr Schicksal ist unbekannt. * Eine Ki no s ch a ii s p i e l e r i u von einem Leoparden angefallen. Die Suche nach sensationellen und aufregenden Kinodramen hat, wie bereits kurz gemeldet, in Turin bei einer von der Savoi Film-Gesellschaft veranstalteten Ausnahme zn einer blutigen Szene geführt, die die italienische Oeffent- lichkeit lebhaft erregt, denn das Opfer des aufregenden Vorfalles wurde eine in Italien sehr bekannte Schauspielerin und Kino-Darstellerin, die Adriana Costamagna. Ter Film sollte in der letzten Szene schildern, wie die Heldin von einem liebes wahnsinnigen Marineoffizier mit Anträgen verfolgt wird, die sich zu Trohungen und zu dem Versuche von Gewalttätigfeiten steigern. Im kritischen Momente ersck-eint im Zimmer der Heldin, die in ihrem Privatleben Tierbändigerin ist, ihr Leopard: entsetzt ergreift der Offizier die Flucht, die Heldin ist gerettet und zum Schluß liebkost sie dankbar ihren Leoparden. Man versprach sich einen großen Erfolg und scheute feine Kosten: und so hatte man zur Aufführung auch einen wirklichen Leoparden beschafft, der unter der Aufsicht seines Bändigers, des Schweizers Piver, als vierbeiniger Kino-Schauspieler debütieren sollte. Tie Vorstellung verlief ohne Zwischenfall, die Schauspielerin, die durch ihren Beruf an gefährliche Situationen gewohnt sein mochte, zeigte keinerlei Angst, aber als sie sich im Schlußakt der Bestie näherte, merkte der hinter den .Kulissen stehende Bändiger bereits, daß das Tier nervös zu werden begann. Die Costamagna tnicte neben der Bestie nieder, legte ihre Hände auf den .Nopf und murmelte noch: „Welch prachtvolles Tier". Tann näherte sie, wie die Rolle das vorsah, ihren Kopf dem des Leoparden: das war der beabsichtigte Schlußeffekt. Aber die Nähe der Fremden, die zudem ein weitausgeschnittenes Gesellschaftskleid trug, elektrisierte die Bestie: plötzlich richtete sie sich aus, streckte mit einem furchtbaren Tatzenhiebe auf den Kops seines Opfers die Schauspielerin zu Boden, fiel über die Unglück liche her und riß ihr die Kleider vom Körper. Es war eine ent schliche Szene, der Geruch des Blutes entfesselte die Wut des Leoparden, in sein zorniges Fauchen und Brüllen mischten sich die Hilferufe der unglücklichen Frau, die über und über mit Wunden bedeckt und wohl für ihr ganzes Leben entstellt, erst nach einem harten Kampfe durch den Bändiger dem Raubtiere entrissen werden konnte. Und während dieser ganzen Szene stand der Operator an seinem kinematographischen Apparate und kurbelte unverdrossen. . . ♦ Der Einfluß der Nahrung auf das Blut. Das Blut enthält bekanntlich zwei Arten von Körperchen, die eine bedeutende biologisch Nolle spielen: die roten und die weißen Plutkörperchcn. In normalem Zustande zählt man 4—5 Millionen roter Blutkörperchen auf den Kubikmillimeter Blut. Tie Zahl der weißen Blutkörperchen dagegen, die gewöhnlich etwa 10 000 beträgt, wechselt sehr leicht. Um die Einflüsse dieser Ver änberung zu erkennen, hat der französische Biologe Richet die Veränderung der Zahl der weißen Blutkörperchen aus einen Kubik Millimeter unter dem Einfluß verschiedener Ernährung beobachtet und festgestellt, daß die Zahl der weißen Körperchen^ nach dem Genuß von Fleischsaft 17 300, nach dem von rohem Fleisch 16 800 und nach dem Genuß von gekochtem Fleisch 9500 beträgt. Nach dem Genuß von rohen Eiern beläuft fiejid) aur 15 100. Die Injektionen organischer und anorganischer Substanzen rufen ähnliche Veränderungen hervor. ' Bismarck über die Kriegs Möglichkeit i in Jahre 1889. Im Jahre 1889 war Fraukreick) bekanntlich geneigt, sich auf Italien zu stürzen. Es suchte augenscheinlich nur nach einem guten Vorwand, um loszuschlageu. Am 12. Juni erhielt Crispi von dieser Möglichkeit zum ersten Male genaue Kunde, und am 14. war bereits Francesco Cucchi nach Deutsch land abgereist, um mit Bismarck über die Haltung Teutschlands zu verhandeln. In einem Briefe, den soeben das „Giornale d^Jtalia" veröffentlicht, berichtet Cucchi über den Erfolg seiner Sendung und über die Ansicht Bismarcks. „Bismarck", so schreib* er, „glaubt auf Grund der von ihm eingezogenen Erkundigungen nickt unbedingt an die Möglichkeit eines Angriffes auf Italien. Er meint, daß eine solche Tat den Abscheu der ganzen zivili fierten Welt erregen würde. Die Verantwortung, einen neuen Krieg durch einen Rauberstreich hervorgerufen zu haben, fnnv Frankreich unglaublich, teuer zu stehen: er käme eines iinis galliae gleich. Der Schaden wäre bedeutend größer, als die 5 Milliarden von 1871. Vom materiellen und EinigkeUsgesichts- punkte aus wäre allerdings ein solcher Angriff zu wünschen. In den höheren militärischen Kreisen würde man einen raschen Krieg vorziehen und ihn nicht auf spätere Zeil verschieben, in welcher Zeit Frankreich seine Heere vervollständigen könnte. Aui alle Fälle, sagt der Fürst, sei Deutschland bereit. In zehn Tagen könnten 1200000 Mann in französisches Gebiet ein rücken." ff. Sonderbar e A em ter nm englischen Königs- hofe. Am englischen Königshofe haben sich bis in die jüngste Zeit mehrere sonderbare Aemter erhalten, die in ihren Anfängen bis ins Mittelalter zurückgehen. Da ist zunäckst der lönigliche Mäusefänger, der von König Eduard VII. im Jahre.1905 aller dings abgeschafft worden ist. Er erhielt ein jährliches Gebalt von über 5000 Mk. und außerdem eine Entschädigung für die Anschaffung der Fallen und den Unterhalt feiner Geräte. Tiefes Amt war während der Herrschaft Karls II. eingerichtet worden. Der königliche 'Sier prüf er bat die verschiedenen Biersorten, die auf der königlichen Tafel aufgefahren werden, genau zu überwachen und zu prüfen. Sein Posten wird aber nur mit 1000 Mk. jährlich bezahlt. Dafür hat der Bierprüfer das Reckt, über alle halbierter Flaschen der königlichen Tafel zu verfügen. König Eduard hat iwck ein anderes, eigenartiges Amt aufgehoben, das des „Oefsners der Flaschenposten". Tiefes Amt wurde während der Regierungszeit der Königin Elisabeth geschaffen, und zwar aus folgendem Anlaß. An der Küste von Davonshire wurde eine Flasche mit einem Schreiben an den ersten Lord der englischen Admiralität aufgefiidit, aus dem hervorging, daß die Holländer von Nova Semlja Besitz genommen hätten. Unter der Königin Viktoria war das Amt des Prügelmeisters der königlichen Kinder abgeschafft worden. Der Träger dieses Amtes — es durfte natürlich nur ein Edelmann sein— hatte an den königlichen Kindern, je nach Bedarf und Ver dienst, die körperlichen Züchtigungen auszuüben. Eittgesandt. Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 21. Oktober. 1913. Dem allgemeinen, so sehr berechtigten. Streben nach guten Vorstellungen aus dem Gebiete der dramatischen Kunst dient das vorzüglich geleitete Stadttheater Gießen. Um diesem Streben auch Tür die Nachbarbevölkerung Gießens Wetzlar, Lollar, Lich, Großen-Linden, Hungen, Nidda, Butzbach, Großen Buseck, Grünberg und Umgegend gerecht zu werden, also den Besuch guter Schauspiele zu erleichtern, sind die Sonntags nachmittags-Borstellungeu eingerichtet worden. Leider ist der Besuch dieser Vorstellungen durchaus ungenügend. Man fragt sich, w o bleibt die kunstverständige Bevölkerung der benachbarten Wohnorte, herunter Angehörige des Höch sten Adels, hoher Beamtenstelluitgen, hervorragende Industrielle und Kaufleute, Reckstsanwälte, OKtlsbesitzer, Gutspächter usw., die mit ihren hohen Einkommen sich und ihren Angehörigen wohl den Besucydes schönen Tl, eatersderoberhessi scheu Provinzialhauvtstadr leisten können. Man soll die loben» werten Bestrebungen der Gießener Theaterleitung durch guten Besuch ft ä r f c n und st ü tz e n. Dem gestrigen Einsender, der den Vorschlag brachte, die alte Reitbahn am Braudplatz für den neuen Rathausbau zu erwerben, sage id) hiermit, und mit mir jedenfalls alle Hypotheken.zinszahler Mitte der Stadt, meinen herzlichen Dank, wenn es auch nur ein Vorschlag war. Wir hoffen aber, daß er an kompetenter Stelle Anklang finden wird. Damit entstände nicht nur eine Zierde, fon • dem auch ein geschäftliches Aufblühen des arg vernachlässigten Zentrums unserer schönen Stadt. Tics hat ja auch der Herr Stadtverordneter Löber, der jedenfalls die Verhältnisse genau kennt, mit vollem Recht in der fragt. Versammlung betont. Ter Herr Oberbürgermeister und die Herren Stadtväter mögen den Vorschlag mal näher ins Auge fassen. Sie würden den meisten Bürgern von Gießen bannt eine Wohltat erweisen und fidi einen unauslöschlichen Denkstein in bet Geschieht erridyten. Man käme auch dadurch vielleicht billiger zu einem mo bernen Rathaus, als wie es eine alte Klinik barftcllt. I. K. Die Marktpreise für Bieh mtb Frucht und die Gießener Fleisch- nnd Brotpreise am 20. Oktober 1913. Schlachtviehpreise m Frankfurt a. 9)1. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kalber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 83—98 Mk. Kg. Schlachtgiv. 102-llbPf. V, , , 78-82,, 7, Kg. 92-100 Pfg. , 94—98 , '/, 90-110 , Getreibepreise in M a n n h e i m Brotpreise in Gießen Wetzen 100 Kg. 19.7b-U0.00 Mk. Roggen 100 Kg. 16.60-00.00 Alk. Märkte. 1 Wetßdrot 2 Kg. 62 Ptg., | Schwarzbrot 2Kg. 54 Psg fe, Frankfurt a. M., 21. Okt. Heu- und St roh markt. Am heutigen Markt war weder Hen noch Stroh angefahren. Meleorologijche Beobachtungen der Station Sieben- Cft. 1813 7,8 6,5 6,6 -ff & 73 87 86 12,2 7,1 7,5 8S S eo <5 ZZ 21. 2?t 744,2 21. 916 742,3 22, 7“ 744,0 Wind- richlting Windstärke Grad twr 'vewvlkung in gehnirl btr R, Sinsheim kirn jetzt konferval ) Zitze. Tic Fortschr .and lietzt konf'ervi 3tobt jetzt 3mtn Die Soziali kirn IV, bisher na' heidelberH-WieÄoä natl., Karlsruhes Man sieht, । Linke eine regest 'M tert; im testet ttttn, 26 Manda I'eüngebracht hatt .'>auptwahl iiberl trumstaktik hatte Mlerstützte alle r '-ozialdemokratie vermocht hat, ha :toße Enttäuschui seit besteht nicht ^ichsfinanzreforn mir zahlenmäßig, den, denn von bet bild darauf hinge ihr monatelanges Lblvägen der Mac dorben haben. Den täen der Rechten । . 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