163. Jahrgang Zlveues Blatt M. 92 Erscheint tögllch mit Ausnahme des Sonntags. til 1913. ft nach ervater, ier statt. 2726 liebenen: irijei. Der ZWischensall in Nancy. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu der Stellungnahme der französischen Regierung zu dem Zwischenfall in Nancy nach Mitteilungen der getroffenen Strafmaßnahmen: Hiernach wird an zu e rke nnen sein, daß die französische Regierung unverzüglich, und noch bevor sic von —»rx«- -.ra.-erVJMKÄLT.- . ----EM»! -E ^ril 1913 Sen*ittag ucn ^riedbvstz 2729 — Der Fall Weingartner lebt wieder auf. Rechtsanwalt Arthur Wolfs, der Sachwalter Hülsens und des Deutschen BülmenvercinS, veröffentlicht im Berlage von Oesterheld u. Co., Berlin, eine „aktenmäßige Darstellung" der Angelegen- beit, die die Position seines Mandanten in eine vorteilhaftere Beleuchtung rückt. Wolff seht den temperamentvollen Ausbrüchen Weingartners kühle juristische Darlegungen, nüchterne Aktenstücke und briefliche Belege entgegen, und die Ergebnisse dieses Verfahrens werden voraussichtlich das öffentliche Urteil zugunsten Hülsens in dem Maste beeinflussen, wie cs die ©Dmthitbic des Publikums für WeingarMer schmälern wird. Man ersieht aus der Broschüre, daß der dienstliche Verkehr mit dem von Stimmungen abhängigen Künstler nicht immer leicht gewesen ist. Weingartner hat während der Zeit seines Berliner Wirkens nicht weniger als elf Entlassnngsgefuche eingereicht: dabei ist das durch Akten bezeugte Verhalten der Intendanz gegenüber dem reizbaren Kapellmeister stets von -unverkennbarer Schätzung für die hohen musikalischen Fähigkeiten Weingartners bestimmt worden. Man lvird aus den Proben ersehen, daß das Urteil, das sich das Publikum über den Fall Weingartner gebildet hatt ans immerhin einseitiger Information beruht. Die Intendanz hat es gegenüber den Ansprüchen des Künstlers» an Entgegenkommen und Langinnt keineswegs fehlen lassen: man tut ihr offenbar unrecht, wenn man sic als inhuman und unsozial per schreit. Durch Wolffs Veröffentlichungen wird Weingartner gewiß nicht ins Unrecht gesetzt; daß ein Wirken eines Musikers von seinem Range in Berlin an dem Einspruch Hülsens scheitert, ist überaus bedauerlich: aber man lvird ihm die Rolle des sckmld - losen Märthrers fortab nicht mehr recht glauben können: eine Zu spitzuug des Konfliktes wäre, lvie Wolff dartut, zu vermeiden gewesen, wenn Weingartner sich die mildere Auffassung des Grafen Hülsen 511 eigen gemacht hätte. . . , Vie hessische Erste Kammer und die Finanzlage. rb. Darmstadt, 21. April. (Tel.) Der erweiterte Finanzausschuß der Ersten Kammer hat dieser Tage eine eingehende Beratung über die durch die geplanten neuen Reichssteuern geschaffene finanzielle Lage und deren Einwirkung crnf Hessen abgehalten. Das Ergebnis dieser Beratung wurde in der folgenden Erklärung niedergelejgt: „Die Erste KaMnrer hat bereits wiederholt darauf hingelviescn, daß ihre Zustimmung zur Beamtenbesuldungsvoringe weitere Ersparnisse auf ben verschiedenen Gebieten der Staatsverwaltung zur Voraussetzung habe. Ter Finanzausschuß hat dieser An- schauung insbesondere noch in seinen Schreiben an die Ministerien voM 17. Dezember 1912 Ausdruck gegeben. Eine weitere Voraussetzung der Zrl.stiMmu.ng des Ausschusses zur Besoldungsvorlage bildet die Annahme des Gesetzes über die Kosten der höheren Schulen, das der Staatskasse eine EMlastung von .230 000 Mark bringen soll. Bei dieser Stcllungnahnre ließ sich der Ausschuß von der Ab- ficht leiten, bei diesen erhöhten dauernden Anforderungen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes nach Möglichleit Rücksicht zu nehmen und die Vertretung der Lasten auf eine gesunde Basis zu stellen. Mittlerweile ist nun in nahe Aussicht gerückt worden, daß die Leistungsfähigkeit des Landes durch die Aufbringung der Mittel für die Reichswehrvorlage in ganz besonderem Maste weiter hin in Altspruch genommen werden must. Indem der Ausschuß voraussetzt, daß die Frage, wie die für das Reich notwendigen Mittel vom Lande aufgebracht werden sollen, durch Landes gcfetz geregelt wird, ersucht er die Großh. Regierung, die hierzu notwendigen Ausführungsgesetze so zeitig den Kammern vorzulegen, daß sie zu gleicher Zeit Mit der Besoldungsordnung und den dazu gehörigen Vorlagen von den Kammern beraten werden können." Dieser Beschluß, des Ausschusses, der zweifellos auch das Plenum der Ersten Kammer geschlossen hinter sich hat, ist namentlich insofern von besonderer Wichtigkeit, als derAns- fchutz „voraussetzt", daß die Aufbringung der für das Reich erforderlichen Mittel durch Lu n d e s g e s etz erfolgen wird, während die Regierung nach dem jüngst von uns mitgeteilten ausführlichen Bericht im Finanz,ausschuß! der Zweiten Kämmer die Ansicht geäußert hat, daß man in Hessen wohl die Besitzabgabe steuer des Reiches zur Einführung kommen lassen werde. Der Beschluß, des Ausschusses soll, wie uns von informierter Sette versichert tvirch keineswegs die Absicht verfolgen, eine Verschleppung in der Beratung der Besoldungsvorlage herbeizuführcn. Die Absicht des Ausschusses sei nur die gewesen, zu vermeiden, daß jetzt bei Erledigung der Besoldungsvorlage die finanziellen Verhältnisse des Landes einer Prüfung und Regelung unterzogen werden und daß bei Ausführung der Reichsfinanz-- vorlage, die mit der Erhöhung der Wehrfähigkeit des Reiches int Zusammenhang steht, das Land sich wiederum mit einer Regelung seiner finanziellen Verhältnisse beschäftigen muß. Die „Giehener §amilienblätter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krctsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: e-zA112. Tel.-Adr.: AnzeigerGreßen. Montag, 21. April W3 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. mittelmäßig und 3 als absolut ungeeignet erwiesen: 22 von 25 Hebammen konnten also zu unserem Zweck, mit Erfolg heran- gezogen werden. Die Stillzahl, welche vor Einrichtung unserer FürsorgelNastnahme 60 Prozent betrug, ist auf 83 Prozent gestiegen. Es gibt bereits vereinzelte Dörfer, in denen sinnliche Kinder nach'dem Abstillen mir Sorhlet ^lpparat sterilisierte Milch er* hielten. Die Säuglingssterblichkeit i|t bedeutend znrückgegangen. Von 27 Prozent des l 0jährigen Zeitraumes vor Einführung der Fürsorge ist sie 1912 auf 16,3 Prozent zurückgegangen, obwohl 1912 erst das erste Jahr war, in welchem' in allen 66'Gemeinden die Fürsorge nach obigem Organisationsplan durchgeführt worden ist. '“""Kult« *•> l'LSilji lhb ij zur Hundert- Wilhelm“ I*1'"6 m r 1912 M >vsnm-Verein orn-Tteinbera L richt. 2/12 jeden Vierteljahres die einzelu.cn Bogen dem Amtsärzte zur Besprechung jedes einzelnen Säuglings vor. 5. Die HebamMe erhält eine der Zahl der befürsoratcir Kinder unb der Entfernung ihres Wohnortes von dem des Kindes entsprechende Bezahlung. Die Höhe des jährlichen Honorars schwankt je nach Zahl und Entfernung zwischen 25 und 60 Mark pro Jahr. Eine Erhöhung dieses Honorars fann nach Ablauf des Fürsorgejahres bei lleberschreitting der Durchschnittszahl der zu befür- sorgenden Kinder erfolgen. 6. Bei besonders hervorragender Leistung (höchste Stillzahlen, geringste Säuglingssterblichkeit) wird eine Zusatzprämie von 10 bis 20 Mark einzelnen Hebammen gewährt. 7. Für jede von ihr versorgte Gemeinde erhält, je nach bereit Größe, die Hebamme einen oder zwei Soxhlet-Apparate, die sie den Müttern nur dann zur Verfügung stellt, wenn die natürliche Ernährung ein Ende gcfnnbeit Ijat oder von vornherein ausgeschlossen war. Gebrauch des Apparates und die sür das Alter verschiedenen Mischungen der Mitch werden von der Hebamme gelehrt (Fürsorgerinnenm crl'blatri; bei besser situierten Familien soll die Hebamme die Mütter nadj dem Abstillen zur Ansclfaffung eines eigenen ^lpparates anregen. 8. Bei der alljährlichen Impfung kontrolliert der Amtsarzt die Häufigkeit des Stillens durch Ausfragen jeder Mutter und trägt das Ergebnis in die Impfliste bei der Rubrik: „Bemerkungen" ein. Gewissenlose, nichtstillende Mütter verwarirt. der Amtsarzt. In einer kurzen Ansprache wird an jedem Jmpsorte-die Notwendigkeit der natürlichen Erirährung hervorgehoben. 9. Ws sehr empfehlenswert und nachahmenswert fcit sich die von dem Kgl. Bezirksamte an alle Ortsbürgermeister hinaus gegebene strenge Weisung, jeden Todesfall eines im ersten Lebens- sahr ohne ärztliche Behandlung verstorbenen Säuglings dem Kgl. Bezirksamt zn melben, bewährt. Je nach Sackilage ordnet das Bezirksamt Recherchen in der vom Anttsarzte beantragten Richtung an. Bei offensichtlicher Vcrnaclchissigrmg erhebt der Amtsarzt durch das Kgl. Bezirksamt Mage vor den öffeittlichen Gc- richten. 10. Einfüllung der BernfsvonUnndschaft, verschärfte Kostkinderaussicht sind beabsichtigt. 11. Zur Aufbringung der Mittel, die für HebaMmenfürsorge- rinnenbesoldung, Soxhlet-'Slpparate und Drucksachen im ^alyrc 1912 bei 66 Gemeinden 988 Mark betrugen, haben bic das Bezirks - amtsgebiet zusammen versehenden 3 Distrikte in Gesamtsumme 600 Mark pro Jahr bewilligt. Der Rest des Bebarss wird durch Zusckmsse von. seilen der Versicherungsanstalt, der Krcisregierung und des Staates leicht artsgebracht. Die Einrichtung hat sich glihtyenb bewül)rt. Vmr 25 HebamMen Ijabcn sich 8 als vorzüglich geeignet, 12 als gut geeignet, 2 als keine auffälligen Gesten wahrzunehmen, noch Rufe zu hören, wesl-alb die Sckmtzleute. am Point Central die Gruppen als vollständig norntal ansehen konnten. Die Polizeibeamten folg- len der Schar auf einer Strecke von 40— 50 Metern vom Point Central bis zum Platz Saint-Jean, ohne dast ein schreien, Gesten, Rufe ihre Aufmerksamkeit erregten.^ Vom Platze Saint- Jean bis zum Bahnhofe ist es noch eine Strecke von 150—200 Meiern, die die Gruppe unter denselben Bedingungen zurücklegte. Die Gruppe der fünf Dcuischeit langte auf dem. Bahnhofe an, beständig von etwa 20 Personen begleit et. In diesent Augenblick bat die eine Dame a n s der deutschen Grtippeden Schu tz M a n n, der sch in der Wandelhalle befand, sie gegen die Leute zu schützen, die ihneit von Point Central gefolgt waren. Ter Beamte riet der Gruppe, in den Wartesaal zu gehen. Dann wandte er sich an die jungen (Leute |unb forderte sie auf, die Fremden in Ruhe zu lassen. Die meisten Don den Leuten, die den Deutschen von der Bierhalle gefolgt waren, scheinen dem Rate nachgekommen zu sein, aber an Stelle dieser Gruppe von Manifestanten, welche sich im! Augenblick fast ganz entfernt hatte, trat sofort eine andere. Hierfür ist die Erklärung notwendig, dast sämtliche öffentlichen Lokale in, Ranch, Cafes undBierHäuser, um! ein Uhr nackts schließen müssen. Was das Bahnhofsrestaurant betrifft, so schliesst cs uM 12,53 Uhr nachts, um um 1,40 Uhr morgens wieder geöffnet zu werden.' VonQiefcr Stunde an ist es also für.den Rest der Nackt das'einzige in Ranch geöffnete Lokal, und dorthin begeben sich sämtliche Nachtbummler. Dies ist eine aus ganz verschiedenartigen Elementen zusammen- gesctzteMenge, in der aber neben einigen Leuten aus besseren Gesellschaftskreisen, die hier die Rächt durchschwärmen wollen, weit mehr Elemente angctroffen werden, die der Hefe der Bevölkerung Rauchs angehören. Ta das Bahnhofsrestaurartt nicht als ein öffentliches Lokal betrachtet wird, hat bild Publikum steinen offenen Zugang von austen. Um bineinzugelaitgen must man mit einem! Billette versehen sein. Alle diejenigen, die dorthin gehen wollen, versehen sich mit einer Bahnsteigkarte. Marc kann fest- stellcn, dast in 15—20 Minuten vor der Eröffitung dcs Bahnhof- restaurantS stets in der Wandelhalle ober auf dem Bahnsteig eine ziemlich große Zahl Personen vorhanden ist, die mit Bahnsteigkarten versehen sind, itnt sich in das Restaurant zu begeben und in die Wartesäle hineinzugehen. Eine der Damen kam zu dem Beamten, der die Falsttärten kontrolliert, unr sich bei ihm zu beklagen. Dieser rief einen Kameraden herbei, der die fünf Fremden auf einem Umwege passieren l t e fe und sie zu dem auf dem dritten Bahnsteig, d. I)._ 'zu Dein dem Eingang gegenüberliegeitden Teil dcs Bahnhofs jtchenden Zug führte. Während ein Beamter des Bahnhvss die deutsche Gnippe, drei Herren und zwei Damen, auf dem Bahnsteig zum Zuge geh eit liest, bemerkten die Manifestanten im Wartesaal ztveitcr Klasse zwei kurz vorher a n g c 1 n n g t c Deutsche, ofien- bar diejenigen, welch« int* Kasino gewesen und von denen seitdem nicht mehr die Rede gewesen war. Nachdem diese von einem saus derMcngc als Deutsche bezeichnet waren, schrie man hinter ihnen her und es kam zu einem Handgemenge, wobei der Hut des einen Deutschen Ur Erde fiel. Als der diensthabende U n t e r - chef des Bahnhofs den Lärm int Wartesaal zweiter Klasie hörte, begab er sich sofort dahin, nahm! die beiden Deutschen fr1ut sich mtb führte s i c zu ihrem Zuge. Er ging sodann narb seinem Buremt zurück, bemerkte aber in dem Augenblicke, als er cs betreten wollte, dast die Manifestanten sich nach deM dritten Bahnsteig wandten, und wieder den Wagen besttegen. Er ging zurück, stieg sodann in den Wagen, worin die Lärmeitdcn sich befanden und brach sich ditrch dieselben Bahn. Nach zwei bis drei Minuten gelangte er in das mittlere Abteil, wo sich »ie 'bret Herrn und eine Tante befanden. Er bemerkte, mic einer der Manifestanten den rechten Arm' über einen Reisenden erhoben hatte, der mit deut Rücken nach der Lokomotive säst, ergrtsf ihn v.m Arm und liest ihn ebenso wie die anderen Manifeltantett aus pem Wagen steigen. Sobald der Wagen geräumt war, wurden die Türen geschlossen. Die Polizeibeamteit, welche den Dienst auf dem Platze hatten, waren, als sie dm Lärm auf^dem Bahnhofe gehört hatten, hineingegangen, ohne andalicrnde Tättgkeit auszuüben und ohne die Unordnung zu verhiitderu, bereit Zeugen sie waren Aus verschißenen Aussagen des Personals, welckes auf dem Bahnhöfe in der Nacht vom 13. zum 14. Dienst Hatte, 'geht hervor, dast feiner der Beamten vom Dienst sah, dast die Deut - sckwn geschlagen wurden. In einem einigen Punkte war cs Nicht Möglich, die Zeugenaussagen in dieser Hinsicht zu sammeln. Das bezieht sich auf den Zeitraum, der verstrich zwischen dem Augenblicke, als die. Manifestanten an deut Unterchef des Bahn^ den Aussagen brr beteiligten Deutschen in Kenntnis gesetzt werden konnte, eingegriffen und die Versäumnisse der Beamten geahndet hat. Die politische Seite der Sache scheint uns daher in befriedigender Weise, selbst- perständlich unter Vorbehalt der Ansprüche der Geschädigten, ^erledigt Ku sein. Paris, 19. April. (Agence Havas.) Der Minister des Aeußern Pichon empfing heute den Botschafter Frei- herrti v. Schoen, der ihm die deutsche Darstellung der Zwischenfälle in Ranch mitteilte. Paris, 19. ?lpril. Im heutigen Minister rate im Elhsee berichtete Ministerpräsident Barth ou über den Zwischenfall in Ranch und die Maßnahmen, wodurch der Zwischenfal.l erledigt wird. Der frühere Präfekt, Titu- lardirektor im Ministerium des Innern Re boul ist an Stelle des Präfekten Bonnet zum Präfekten des Departements Meurthe et Moselle ernannt, während Bonnet zum Generalschatzmeister des Departements Aisne ernannt wurde. Der nationalistische Deputierte von Nancy, Major Driand, welcher als Präsident der Militärliga für Anfang Mai eine große Versammlung zugunsten der dreijährigen Dienstzeit nach Paris einberusen hatte, gibt unter Hinweis auf den Rancher Vorfall bekannt, daß der Ausschuß der Militärliga die Vcrsammluttng verschoben habe, um denjenigen, welche Herausforderungen suchen, keinerlei Vorwand zu auslvärtigen Verwicklungen zu bieten. Der nationalistische Deputierte von Nancy, Major Driant, äußerte sich einem Berichterstatter gegenüber in sehr scharfer Weise über die von der Regierung getroffenen Maßnahmen und erklärte, diese Zurückweichuug vor Deutschland sei vollständig überflüssig gewesen. Driant deutete an, daß er die Angelegenheit in der Kammer zur Sprache bringen werde. Ter Bericht des StaatZrates Ogier, dessen Anfang iviY gestern mitgctcilt haben, lautet weiter wie folgt: In der Nachr vom Sonntag zum Montag gegen 121 -1 Uhr oder 121/9 Uhr nahm eine andere Gesellschaft von fünf Deutschen, drei Herren und zwei TaMcn, an einem Tische des Gasthauses Platz. Zwischen ihnen und einer Gesellschaft von vier Gästen begann eine Unterhaltung. An den Nachbartischen saßen einige Studenten, von denen einige sich für das erste Examen im Deutschen Oorbereitctcn. Dies erlaubte ihnen, dem Gespräch" zu folgen. Tic Studenten begannen, sich anszuregcn, weil bic Deutschen einige beleidigende Ausdrücke laut ausgesprochen hatten. Einer von den Studenten sagte: Ich werde Ihnen jetzt den Vers aufschrcibcn, den ein Deutscher für bic Deutschicn selbst verfaßte: ,Ihr Deutschen seid ein großes Volk, so simpel und so begäbet, man sieht es euch wahrhaftig nickt nit, daß ihr das Pulver erfunden habet." Einer der Sttldenten ließ das Papier auf den Tisch der Deutschen fallen, die ohne Aergcr diesen Sckerz von zweifelhaftem Geschmack ausnahmen. Ta der Wirt der Gasthäuser in diesem Augenblick hinzukam, sagte einer der Deutschen zu ihm, daß, da er selbst Student fei, er ävüßtc, lvie sich die akademische Jugend zu unterhalteir liebe. Der Zwischenfall ztvischen der beut)eben Gesellschaft und den Stubcntni in der lothringischen Bierhalle )var demnach^ ohne Be- bcuiintg, aber der Wortwechsel dauerte fort, wenn auch weniger lebhaft zwischeir der deutschen Gesellschaft und vier Gästen, bereit Persönlichkeit übrigens ebensowenig festgestellt werben konnte. Von letzteren weiß man nur, daß sie von zwei Frauen begleitet waren, wovon die eine Schwarzgekleidete mit ab reiste, während bic anbcrc Graugekleidete, aus beut' Bahnhof sich von ihnen trennte. Sie scheint eine Französin zu sein. In der lothringischen Bierhalle trug sich während der Nacht Dorn''13. zum 14. April kein weiterer Zwischenfall zu. Als bic Bier Halle geschlossen wurde zwischen 1,10 Uhr und 1,15 Uhr Morgens, brach die deutsche Gesek l s ch a f t z it m Bahnhofeauf. Ein W o r t iv ech s e l scheint zwischen den Deutschen und bentjenigen der vier Gäste sich fortgesetzt zu haben, mit dem er begonnen hatte. Eine Anzahl Studenten folgte ben beiden Gruppen, mehr als 15—20 Personen waren jedoch in keinem' Augenblick zuscunmmgcschart. Auch waren General-Anzeiger für Sberheffe» Die Tätigkeit des beamteten Arztes auf dem Gebiet der Säuglingsfürforge. Hofrat Dr. Do er fi er, der Leiter der Säuglingsfürsorgestelle des Bezirksamts Weißenburg i. Bayern, macht tm folgenden eine Reihe beackstenswerter Vorschläge, die h-oftelrtltch von vielen Gemeinden befolgt werden,: Um auch in den llcinstcn Landgemeinden den SLug- V fingen die notwendige Fürsorge zuteil werden zu laufen, empftehlt es sich, eine Einrichtung zu schaffen, die folgende Bedrngungen erfüllt: _ , . . 1. Ueberwachung jedes Neugeborenen bis zum Enoc des er reu Lebensjahres durch lltägig ztt wiederholende Besuche: btefc Besuche Müssen von Personen ausgeführt werden, die eine genüge Sachkenntnis in Säuglingspflege besitzen. 2. Gewinnung von geeigneten Persönlichkeiten, btc ohne zu große Kosten jederzeit zur Verfügung stehen und unter steter Kontrolle gehalten werden können. _ 3. Anwendung aller Mittel, die imstande sind, das Verant- wortlichkeitsgefühl der Mütter ihren Kindern gegenüber zu steigern. 4. Ueberwachung aller Maßnahmen durch den Amtsarzt oder sonst geeigneten Fürsorgearzt. . Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, hat der Verfasser in feiner damaligen Eigenschaft als Amtsai^t des Bezirkes Weißenburg in Bayern folgende Einrichttmg geschaffen: 1. Für das ganze Twzirksamtsgebiet, 66 Gemeinden (mci)t Dörfer und 2 kleinere Städte umfassend) in sich schließend, wurden die sämtlichen Hebammen als Säuglingsfürsorgerinncn auf- geftrflt und zwar jede elnzelne Hebamme für die Kinder, bei bereit Geburt sie Beistand geleistet hockte. 2 Die Hebammen würben vor Beginn ihrer Tätigkeit von dem Verfasser in wiederholten Versammlungen eingehend über ihre Aufgaben unterrichtet. .Sie wurden verpflichtet, fürs erfü mit allem Nachdrucke auf möglickfft allgemeines und langes Stillen der Mütter zu bringen, und belehrt, wie sie etwaigen Hinbcrnlffcn von feiten der Mütter mit Erfolg gegeitübertreteujbnncii. Der Unterricht ürfbg sich aber auch auf die beste Art und Weise der künstlichen Ernährung und die erste 5chlfc bei eintretenben Verdauungsstörungen. UM den -Hebammen ftrtd das. Gelernte vor Augen zu fiihren, erhielt jebe Hebamme em Furiorgemere- blatt, nach welchem^ sie ihre Beratung ansznüben hatte. 3 Die HetzaniMe hat bas .Kind wahrend des ersten Lebens jahres olle fl Tage, während des zweiten alle 4 Wochm zu besuchen gesundheitlich zu übe-cwachen und die Mütter zu beraten. Sie hat int Bedarfsfälle auf Einholung ärztlichen Rates zu dnugcn. 4. Die Hebamme trägt den bei ihrem jctvciligen, '-besuch erhobenen Befund in einen Fürsorgebogcn ein und legt im Anfänge M goT 14 ;;S „ Frankove^' D Sortiment111 * Teiepiwn 804 :ekitl«n 13916.58 oinmjtte 600.- Wntä 2797 21 «läge 2727^45 Skonto 1800.- huß 3917.52 25758.76 912 , 190 Hofs borTxnraitntm und m den Wagen enthrangcn und demjenigen, als bet Unterchef in das Abteil gelangen konnte, in dem 'sich ibir denkschen Reiseirden befanden. Das ist ein Zeitraum' von ßtnei bis drei Minuten, worüber genaue Aufklärung nicht erlangt werden konnte. In der Zusammenfassung ergibt sich, also: Kein Zioischenfall im Kasino, int lothringischen Bierhause Wortwechsel persönlicher Art Zwischen beit Gästen, der auch nicht einen Augen blick einen Mgefpitzten Charakter annahm, anfbem Wege.vom Bierhanse zum Bahnhof keine derartige Kundgebung, die die Ordnung störte und die Einmischung der Pol izei.be amten erforderte. Tie Vorgänge auf dem' Bahnhof haben jedoch einen ern.steren Charakter. Indessen ist zu bemerken, haft nach den gesammelten Aussagen kein Soldat an den Kundgebungen Teil genommen hat, und daß diese nicht aus Leute zu r üchzufüb^r en sind, welche den Deutschen folgten und in der ^5tobt mit ihnen diskutierten, sondern auf eine Zusammengewürfelte z we i'f e l ha f t c Bevölkerungsklasse, welche sich UM diese Zeit gewöhnlich auf dem Bahnsteige befindet. Tic Beamten der Ostbahngescllschaft vom Bahnhofsdienst taten, was in ihren Kräften stand, um den Schuh der deutschen Reisenden zu sichern. Wenn, dieser Schuh nicht ein wirksamer war, ist dies auf die geringe Zahl von Beamten >00 m Nachtdienst und auf den Umstand ZUrückzufübren, daß sie Zur Wahrnehmung ihres Dienstes auf dem verhältnismäßig ausgedehnten Bahnhossgebiete verteilt waren. Durch eine noch am Wend des 13. April vorgekominene Entgleisung war die Anwesenheit mehrerer von ihnen außerhalb des Bahnhofs notwendig. Ferner ist ZU bemerken, daß die Polizisten, welche auf demBähnhof wären, f i ch in ungenügender Weise betätigten. um die Ordnung und Achtung vor der Person zu schützen, weiter, daß in dem Zeitraum, während dessen die Deutschen ohne den Sdjufr der Beamten der Ostbahü waren, nur 2— 3 Minuten gedauert haben kann, daß für das wäh- renddieferZeitGeschehenekeinZeugnisbeschafft werden konnte. Die Note schließt Mit der Mitteilung, daß der Minister des Innern beschlossen habe, die bereits gemeldeten Verfügungen zu erlassen. Das Nachspiel von Nancy. Maar schreibt Uns : In Ihrer gestrigen Nr. 90, daselbst in der Abhandlung„Die Schuldigen in Naney" kann die transparente Inschrift der französischen Ansichtskarte nur heissen: „Mcrde pour le roi de prussc." (Ein Druckfehler hatte „Morde" gesetzt. D. Red.) Zur Hebersetzung dieses volkstümlichen Wortes muß man schon einige Kenntnisse in der aus tiefster Gosse hervorgeholten französischen Volkssprache besincn. Es ist eine Schmach für uns, wenn von Seiten unserer Behörden nichts getan wird, um derartige Machwerke zu unterdrücken. Eine nmh größere Schmach für uns ist es aber, daß unsere deutschen belletristischen Zeitschriften nicht müde werden, den französischen Geschmack, die französische .Höflichkeit, den französischen „esprit" in den höchsten Tönen zu besingen, wodurch sie doch nur die Eitelkeit unserer westlichen Nachbarn fördern und das deutsche Volk herabsetzen. Wer wie ich mehrere Jahre in Frankreich gelebt hat, der weiß, daß die landläufigen Vorstellungen über den Kulturstand in Frankreich stark übertrieben sind, und daß wir Deutsche nicht den mindesten Anlaß haben, uns Frankreich nachzuordnen. Im öffentlichen Verkehrswesen, Volksschule, Betätigung von Reinlichkeit jmb öffentlicher Gesundheitspflege, Gerichtsbarkeit und nickst zum letzten in der Arbeitskraft des einzelnen sind wir Frankreich unbedingt über, das sollte den süßlichen Lobeshymnen des französischen „esprit" gegenüber einmal klipp und klar ausgesprochen werden. !Di« „NmL deutsche Mgemeine Zeitung" schreibt: „Nach den Maßregeln, die die französische Regierung zur Korrektur der gegen deutsche Gäste in N a n e n verübten Ausschreitung getroffen hat, können wir l-offen, daß nun auch die Versuche französischer Blätter auiböreit, bic Vorfälle zu beschönigen, oder als deutscherseits künstlich aufgebauscht binzu- stelleu. Insbesondere wurde behauptet, daß ein von dem Wölfischen Telegravhenburean übernommener Bericht der „Lothringer Zeitung", dessen Angaben die Untersuchung des Staatsrats Ogier in den meisten Punkten bestätigte, in tendenziöser Absicht verbreitet worden sei. Wir erinnern daran, daß die erste Nachricht von der „Agenee Havas" stammte, die die Sache so darstellte, als ob die deutschen Gäste, anaeblich Offiziere, durch Verspottung der französischen Armee die schimpflichen Szenen provoziert hätten. Das wurde auch durch die französische Untersuchung Positiv widerlegt. Wenn die f r a n z ö s i s ch e P u b l i z i st i k aufrichtig wünscht, daß . solche Ausbrüche eines überhitzten Chauvinismus wie in Nancy vereinzelt bleiben, wird sie selbst durch ihre künftige Haltung viel dazu beitragen können. Französische Presiestimmen. Die von der Regierung in dem Nancyer Zwischenfall getroffenen Entschließungen werden von einem ansehnlichen Teil der Presse rückhaltlos gutgeheißen, von den konservativen und nationalistischen Blättern aber scharfgetadelt. Der „F i g a r 0" schreibt: Das Land wird die von der Regierung mit ebensolcher Raschheit als Energie getroffenen Strafmaßnahmen einmütig billigen. Der Zwischenfall ist damit erledigt. Unsere Nachbarn, die nunmehr über die Einzelheiten der Ausschreitungen voUständig unterrichtet sind, werden in den freimütigen amtlichen Entscheidungen und der offenen Bekundung unseren Wunsch erblicken, zwischen zwei großen Nationen, die miteinander in Frieden leben Uwllen, jeden Änsck ein einer Herausforderung ober auch nur der Unhöflichkeit vermeiden zu wollen. Sie werden unseren aufrichtigen Wunsch anerkennen, ihnen wie allen anderen gegenüber den guten Ruf der Gastlichkeit zu erhalten, den die Völker uns stets zuerkannt haben. Die radikale „L a u t e r n e" schreibt: Die Regierung hat gut daran getan, die Fehler zu erkennen, die sich die Beamten in Naney zuschulden kommen ließen. Die Maßnahmen sind nicht unter dem Eindruck eines verächtlichen Einschüchterungsversuches getroffen worden. Trotz der Haltung gewisser deutscher Blätter hat die Regierung diejenigen bestraft, Vie durch ihre Pflichtverletzung die bedauerliche Kundgebung veranlaßt hatten. Der Zwischenfall ist nunmehr geschlossen. Wir kümmern uns wenig um die Erörterungen jenseits des Rheins, da wir unsere Pflicht getan haben. Der „Petit Parisieu" schreibt: Frankreich bat bewiesen, daß cs seiner traditionellen Höflichkeit und Gastlichkeit treu bleibt. Der „Radien T" schreibt: Wir sind überzeugt, daß die deutsche Regierung diese Lösung geziemend würdigen wird nnd wir hoffen, daß 'die alldeutsck>e Presse die Ungerechtigkeit einsehen wird, die sie dadurch begangen hat, daß sie ganz Frankreich mit den von einigen Schreiern begangenen Ausschreitungen solidarisch erklärte. Die „Republique" sagt: Hofsentlick wird Deutschland einsehcn, daß es in dieser Affäre von seinem Ansehen nichts eingebüßt hat. Frankreich ist über die Feststellung glücklich, daß kein Offizier und kein Beamter in direkter Weise in dieser albernen Geschichte kompromittiert wird. Das ^rationalistische „Echo de Paris" schreibt unter dem Titel „Eine bedauerliche Lösung": Die amtliche Mitteilung wird im ganzen Lande peinliches Erstaunen Hervorrufen. Die Strafmaßnahmen finden in dem Bericht keinerlei Rechtfertigung. Die öffentliche Meinung wird daraus den Schluß 'ziehen, daß für die Maßnahmen nur diplo rnatische Gründe maßgebend waren, deren Geltendmachung die Wurde Frankreichs nicht gestatten sollte. Man wird daraus Hinweisen, daß die französische Regierung nicht erst die Heber mittelung des Ergebnisses der deutschen Untersuchung obg entart cf habe, um ein zuschreiten. Aber was hätten die Deutschen auf Grund ihrer Untersuchung noch mehr verhangen können? Tie „2i.br e Par ole" schreibt: Man wird mist peinlichem Gefühl erfahren, daß die Regierung eingewilligt hat, Strafmaßnahmen zu treffen, die in keinem Verhältnis zu dem Zwischenfall steheir. Die „Liberte" erklärt in einer Erörterung der gegen die Naneyer Beamten getroffenen Maßnahmen, Frankreich habe nunmehr das Recht, von Deutschland zu verlangen, daß cs in der Angelegenheit des in Speyer verhafteten Haupt m anns L e m e r f c ohne Verzug und ohne Vorbehalt eine ähnliche Gutgläubigkeit und Gefälligkeit an den Tag legte. Man könne nicht zugeben, daß der Zwischenfall von Speyer den Zwifchetrfall von Naney überdauere. Der „Temps" schreibt u. a.: Der Zwischenfall ist erledigt, aber in Deutschland dauert die franzosenfeindlichc Kampagne fort. Die Haltung der öffentlichen Meinung Frankreichs in dieser Angelegenheit war von Anfang an bis zu Ende tadellos und sie bat sich von den unziemlichen Treibereien der deutschen Presse nicht beeinflussen lassen. Ein deutscher Minister hat bedauerlicherweise Anspielungen auf unseren Chauvinismus gemacht. Dieser Chauvinismus hat unsere Kaltblütigkeit nictzt beeinflußt. Wird das genügen, uns Ruhe zu verschaffen? Wenn man die heutigen deutschen Blätter liest, so nniß man das bezweifeln. Diese halten es nicht für ausreichend, daß französische Beamte, die sich in verschiedenem Maße der Nach lässigkeit schuldig gemacht haben, besttaft werden. Einzelne Berliner Blätter verlangen nach den Ausdruck des Bedauerns und weitere Genugtuung. Man kündet uns an, daß der Zwischenfall nicht beendet ist. Auf 'diese neuerlichen Wutausbrüche antworten wir nur, daß der Zwischenfalls für uns abgetan ist. Aber wir können zwei Lehren aus der tsacbe ziehen. 1. Mögen wir über die Nachlässigkeit in unserem Berwaltungswesen Nachdenken, von her uns der Naneyer Zwischenfall ein Beispiel geboten hat, und die ohne den Zornausbruch der Deutschen fortbestehen würde. 2. Wir haben die öffentliche Meinung in Deutschland kennen gelernt. Unser Parlament wird zu entscheiden haben, ob Frankreich sich dahin entscheiden soll, Deutschland gegenüber um die Hälfte schwächer darzustehen. Es handelt sich da um keine Aufreizung, sondern um Feststellungen. Wenn die französische Regierung, anstatt die gerechtfertigte Genugtuung zu billigen, diese verweigert hätte, könnte der Ton der deutschen Presse nicht agrcs- sivcr sein. Deshalb drängt sich wohl die Frage auf, was nützt es, mit Courtoisie vorzugehen, wenn diese Courtoisie nicht erwidert wird. Anläßlich der verdächtigen Art des Zeppelin z w i s che n fa l l e s hat Frankreich von keinem Rechte Gebrauch gemacht, welches ihm der internationale Brauch gestattete, Verhaftung der Offiziere und Zerlegung des Luftschiffes. Es hat die Angelegenheit galant erledigt. Ebenso hat Frankreich durch die Lösung des Naneyer Zwischenfalles seine Gastlichkeit bekräftigt. Europa weiß dies und ist der Ansicht, daß die Nörgeleien und Chikanen nicht auf unserer Seite sind. Das „Journal des Debats" schreibt: Einzelne Berliner Blätter fordern die deutsche Regierung a'ckf, kn Paris den Ausdruck des Bedauerns zu verlangen. Das Berliner Kabinett wird dieser Forderung nicht entsprechen, denn es weiß, daß man amtlich Vas Bedauern nur ausdrückt, wenn Beamte in der Ausübung ihres Amtes im Spiele sind. Die Deutschen, die am Sonntag in Naney waren, batten keinerlei amtlichen Charakter und ihre Beschäftigung trug keinerlei Regierungscharakter an sich. Es kann deshalb zwischen beiden Regierungen von einem Ausdruck des Bedauerns keine Rede sein. In Frankreich hält in a n die getroffenen Maßnahmen für zu streng. Unserer Ansicht nach waren diese Strafen nachweislich notwendig, denn was in einer Stadt ’m Innern Frankreichs eine bloße Nachlässigkeit war, wird in Nancy zu einem schweren Fehler. Verbot einer chauvinistischen Aufführung. Paris, 19. April. Aus St. Dio wird gemeldet: (Sitte Thentertruppe wollte igeftcTit ein chauvinistisches Stuck „La Revanche" aufführen. Die Theaterzettel, die in der Stadt angeschlagen waren, waren mit einem Bilde versehen, das einen Streit zwischen einem französischen Soldaten und einem deutschen -Offizier darstellte. Jim Hinblick auf den Naneyer Vorfall verbot der Bürgermeister die ^Aufführung des Stückes. * ~ Der Hauptmann Lemerle aus der Haft eutlaffen. Speyer, 20. April. Der hier verkraftete französische Hauptmann Lemerle ist aus der Haft entlassen worden. Die Entlassung geschah auf die von ihm an den Reichsantvalt gerichtete Beschwerde, nicht weil seine Unschuld nach^ewiesen ist, sondern weil keine begründeten Verdachtsmomente vorliegen. Preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 19. Avril. Die heutige Sitzung galt zwar ausschließlich den Eisenbahn- VerlehrsverhälMissen der Stcidt Berlin, sie entbehrte aber doch in mancher Beziehung auch nicht des allgemeinen Interesses. Die Regierung hatte in dem Eisenbahnanleihegesetz von 1912 50 Milli0 nen zur Einrichtung elektrischer Zugsörderung aus den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen geiorbert. Der Sonderausschuß hat beschlossen, die Regierung zu ermächtigen, zur Vorbereitung eines elektrischen Betriebes auf den Berliner Stadt- Ring- und Vorortbahnen unter vorläufiger Beschränkung auf die von den Stadt- und Ringbahnzügen befahrenen Strecken 25 Millionen zu verwenden. Minister v. Breitenbach trat warm für die Vorlage ein. Er führte ans, die Verantwortung für den Betrieb auf der Berliner Stadt- und Ringbahn könne nur getragen werden, wenn alsbald der Betrieb geändert wird, und zwar könne nur durch die Elek- trisiernng Abhilfe geschaffen werden. Er wies dabei mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß der Vorlage jede Grundsätzlichkeit fehle, daß sie keinesfalls der erste Schritt zu einer allgemeinen Elektrisierung der Staatseisenbahn sei. So einleuchtend die Darstellung des Ministers, nicht zum wenigsten der Hinweis auf die zu erwartende Steigerung der Leistungsfähigkeit der Berliner Bahnen, auch war, der Abg. v. Pavpenheim (Kons.) wollte von der Vorlage und sveziekl der Elektrisierung nichts wissen. Er behauptete sogar, baß bic Ne- aiernna von einem großen Konzern einseitig beinslußt worben ist. Er befürchtet ferner Nachteile für bic Mobilisierung unseres Heeres, Störungen für ben Telegraphenbctrieb nnd andere mehr. Daß die Heeresverwaltung keinerlei Bedenken hat gegen die Umwandlung des Dampfbetriebs in den elektrischen Betrieb, erklärte, klipv und klar der Oberstleutnant Groener vom Großen Generalstabc. Unterstaatssekretär Michaelis bekundete bas Einverständnis beS Finanzministers zu der Vorlage, unb bann erklärte der Abg. Schmiebing- Dortmunb (Natl.), daß seine Partei mit wenigen Ausnahmen für die Vorlage bezv. die Ansschuß- beschlüsse eintrete. Dagegen konnte sich das Zentrum, wie der Abg. Dr. Wuer- mcling bekannt gab, für die Vorlage auch nicht sonderlich erwärmen, es will aber, großmütig, wie es nun einmal ist, der Regierung zunächst 9 620 000 M, zur Verfügung stellen. Für die Vorlage traten namenS ihrer Parteien ein die Abgg. Dr. Woyna lFreik.), Kreitling (Volksp.) und Hoffmann (Soz.). Dann vertagte sich bas Haus. Die Nieder-Modauer Genossenschastskrise. bs. Darmstadt, 19. April. Als erster Zeuge wird heute der Lehrer Schuchmann vernommen, der seit 20 Jahren Mitglied des Vereins ist und die Stelle eines Vorsitzenden des Aussichtsrates seit 1906 bekleidet. Ms er sein Amt übernahm, galt Adam überall als ein ehrcnnxrtcr Mann. Der Zeuge wird dann über die Bürgschaflsurtunde über 300 000 Mk. befragt, bic sich bekanntlich später als ein Wechsel herausstellte. Er hat damals das Blankoformular unterzeichnet, weil ihm gesagt wurde, es handele sich nur um eine .formale Bürgschaftsurkunde. Die Gestalt eines Wechsels habe die Urkunde erst später erhalten. Er habe sich bann geschämt, daß man ihn so überlisten konnte. Der Zeuge muß zugeben, daß er die Satzungen des Vereins lange Jahre nicht gekannt habe und auch über bic Pflichten eines Aufsichtsrates nicht informiert gewefen sei. Wie wenig der Zeuge als Vorsitzender des Aussichtsrates zu sagen hatte, geht daraus hervor, baß er weder verhindern konnte, daß trotz eines, Verlustes eine Dividende verteilt wurde, noch daß er ein Verjähren gegen Abam anheischig macken konnte, als sich herausgestellt hatte, daß 1908 Unterschlagungen vorgekommen waren. Die Zeitungsnotiz, die damals in einem Mainzer Blatte erschien, wurde einfach durch eine Gegennotiz beantwortet, im übrigen hieße es aber immer, man müsse jeden Skandal vermeiden. Auch Kommerzienrat Ihrig habe dem Zeugen gesagt, trenn er den Adam auzeige, sei dec Skandal da. Auf Ihrigs Veranlassung sei Adam nach seinem Abgänge als Rechner auch.Kontrolleur geworden. Lieber die Auszahlungen, die Bcck an Adam um diese Zeit machte, sagt der Zeuge, daß er den Eindruck gewonnen hatte, daß hier „abgekartete Sache" gemacht werde. 1 Auch dieser Zeuge bekundet, daß Beck stets sehr grob gewesen sei. Auf Vorhalttiugen habe er immer ein „böses Maul" gehabt. Davon, baß dem Adam geholfen werden müsse, wie Beck immer behauptet, ist dem Zeugen nichts bekannt. Es wird dann zu der Aufstellung der Bilanzen übergegangen. Von Fälschungen war dem Zeugen w chts bekannt. Nun wird'das Prototoll der Hauptversammlung 1908 verlesen. Darin steht, baß "die voraussichtlich uneinbringlichen Posten von etwa 79 000 Mark als „sonstige Außenstände" einziitragen seien. Bors.: ' Was haben Sie sich denn dabei gedacht? Zeuge: Das habe ich alles dem Beck überlassen. Ich war ßaic. In diesem Protokoll ist weiter gesagt, daß ein Zinsrückstand von 300 000 Mk. vorhanden sei. Vor s.: Wie kam es denn, daß ein so unglaublich hoher Zinsrückstand cintreten konnte, der noch dazu unvcrzinst blieb? Zeuge: Davon weiß ich nichts. Vor s.: Ist Ihnen denn das alles gar nicht zum Bewußtsein gekommen? Zeuge: , Die Zahlen wurden damals so rasch verlesen, daß man gar nicht darüber Nachdenken konnte. Vors.: Ist denn auch den Leuten ’ von diesen hohen Ausfällen keine Mitteilung gemacht nrorben? Zeuge: Wir haben die dubiosen Forderungen nicht alle sür verloren gehalten. Bors.: Und wenn nur die Hülste oder ein Drittel davon verloren war, so,blieb doch immer noch ein großer Verlust. Zeuge: Der Vorstand hat immer selbständig ge- lmndelt. Wir waren nicht Herr in unserem Hause. Bezüglich der Verteilung von Dividenden war der Zeuge entschieden dagegen, daß eine Dividende verteilt wurde. Er wurde ober ük«r- stimmt. Er erreichte lvenigstens so viel, daß statt 10 Proz. nur 5 Proz. verteilt wurden. Die Vernehmung wendet sich nun dem großen Wechselverkehr zu. In dem Protokoll vom Januar 1908 heißt es, daß der Aufsichtsrat „mit Entrüstung" von dem hohen Wechselkonto Adams (90 000 Mk.) Kenntnis genommen habe. Vors.: Warum hat man denn das nicht beanstandet. „Mit Enttüstung" allein ist cs doch nicht gctän? Zeuge: Ich habe inich auf die Autorität Becks verlassen. Vors.: Hier bat ' sich immer einer auf den anderen verlassen. Wie kann ich mich denn bei solchen Zuständen noch auf eine „Autorität" verlassen? Zeuge: Kommerzienrat Ihrig hat auch immer gesagt, man sollte kein Aufsehen nach außen hin machen. Angkl. Ihrig: Herr Schuchmann ist mir als ein Mann geschildert worden, der immer schwatzt. Er kam immer zu mir, um zu klagen. Darauf habe ich ihm gesagt, die internen Angelegenheiten des Vereins gingen mich nichts an, er solle keinen Skandal machen. Staatsanwalt: Ich frage den Zeugen, hat der Herr Kommerzienrat es jemals abgelehnt, Rat zu erteilen ? Zeuge: Ich habe den Herrn Kommerzienrat als einen Freund und Berater angesehen. Da es über die Art der Fragestellung zwischen dem Staatsanwalt nnd der Verteidigung zu einem kleinen Intermezzo kommt, ermahnt der Vorsitzende nochmals, wie icfyn früher, eindringlich die Parteien, ihm doch fein ohnehin schon schweres Amt nicht noch zu erschweren. Bei einem so großen Prozeß 'sei eine gewisse suggestive Fragestellung entschuldbar. Heber die Wechselgeschäfte geht ans der VerboLdlung weiter hervor: der Aufficktsrat wandte sich energisch gegen die Einlösung der Wechsel. Kommerzienrat Ichig und der Rcchts- bcistand der Landwirtsch. Genossenschaftsbank, Iustizrat Kleinschmidt machten darauf aufmerksam, daß die Wechsel von zwei Vorstandsmitgliedern unterzeichnet wären, und daß inwlgcdesse.i die Einlösung durch den Verein zu erfolgen habe. Der Meinung des Zeugen nach hätte Ilwig es in der Hand gehabt, diese Wechselgeschäfte zu verhindern. Interessant ist auch, daß das Wechselkonto mehrfach seine Bezeichnung geändert habe. So hieß es einmal Adam und Ballmann, dann wieder nur Adam, ein andermal Adam und Roßmann usw. usw. Diese Aenderungen wurden einfach durch Streichungen vollzogen. Zeuge Schuchmann wird dann über die 275 000 M?.- Hrkundc vernommen. Auch er mar der Ansicht, daß Zahlungen nicht zu leisten seien. MlerdingZ glaubt der Zeuge, daß viel' leicht später einmal, wenn sich der Betrag nicht „abrenten" sollte, zur Zahlung geschritten werden könnte. Der Hauptversammlung sei der Fehlbetrag nicht genannt worden. Von der Zedierung dieser Hrkimdc an die Genossenschaftsbank hat der Zeuge erst später Kenntnis erhalten. Der Zeuge hat auch die zweite II eher nähme im Betrage von 52 000 Mk. unterzeichnet. Damals habe 3Orig geäußert, die Vorstands- und Aufsickstsrats- mitglieder könnten das ohne Bedenken tun, da er noch in einem besonderen „Schächtelchen" 60 000 Mk. zur Verfügung habe. Beisitzer Konradi: Wenn dieser Betrag zur Verfügung stand, wozu brmichten Sic bann noch die Urkunde? Zeuge: Das ist eben eine unerklärliche Geschichte. Auf die Frage des Staatsanwaltes, ob ein Widerstand gegen die Maßnahmen Ihrigs überhaupt einen Zweck gehabt hätte, erwidert'der Zeuge: nein. Heber die Anwerbung neuer Mitglieder weiß der Zeuge keim beftimmten Angaben zu machen. Durch die Gründung der Ver» w-altungs- und Verwcrtungsgesellsckaft hoffte man von der LandR wirtschaftlichen Genossenschafts-Bank loszukommen und damit auch den hohen Zinsen. Auf die Frage des Verteidigers Neuschäffcr. ob sich der Zeuge auch an den Trinkgelagen beteiligt hätte, antwortet dieser, daß auch er dabei war. Er sei ein guter Klavierspieler, und habe so zur Hntcrhaltung beigetragen. Wer die Zech' bezahlt habe, wisse er nicht. Er jedenfalls nickst. Der nächste Zeuge ist der Zirnmermeister "Mbarn Lorenz, her seinerzeit von Isaak und Roth Baugelänbe gekauft Ixittc. Er bat Mehrere Bauten ausgeführt, ohne einen Pfennig Geld zu besitzen. Er habe mit Pallmann einen Vertrag geschlossen, nadü dem 'er Nur feinen Namen geben sollte. Mit den Hänsern selbst sollte er aber nichts zu tun haben. Für bic StrohMaun-Tättgkcit bat der Zeuge 1000 Mark erhalten.. Der Zeuge hat «viele Klanko- formulare bet Pallmann .gesehen. Pallmann sei ein „robuster Bursch" gewesen, vor dem sich Adam gefürchtet habe. Er habe 'mehrfach geäußert: „Wenn ich bloß von dem schwarzen Kerl loskäme!" Der Zeuge ist seinerzeit von einem Konsortium, dem auch Pallmann, Isaak nnd Adam angehörten, saniert worden. Der Verteidiger Schöbler stellt sest, daß Isaak sich nur daran beteiligt habe, weil es hieß, wenn Lorenz fiele, dann gäbe H einen gesunden Antisemitismus! So sei Isaak gewissermaßen beigeschleift worden. Der Leuge bekundet auch, nur mit Pallmann zn tun gehabt zu haben. < _ Auch der folgende Zeuge, Schrciuernicister Pfaff, war ein StrohMänu, der dem Baukonsortinm biente. Er bezog seine Gelder in der Hauptsache von Pallmann unb Isaak. Woher das Geld gekommen sei, wisse er nicht. Bei den Tvinkgelagen fei fcr auch zugegen gewesen. Um 1/22 Uhr wird die Verhandlung bis auf Montag vormittag 81/2 Uhr ausgesetzt. ♦ Eine Anfrage in der Zweiten Kammer. Der Abgeordnete Wolf-Stadecken hat in der Zweiten Kammer folgeu.be dringliche Anfrage eingebracht: Ich frage hiermit nn: Hat die Großh. Regierung Kenntnis von der lehr mangelhaften Tätigkeit des Kommerzienrats Ihrig bei der hessischen landwirtschaftlichen Genoffenschaftsbank- Ist Großh. Regierung bereit, evtl, sofort nach Kenntnisnahme Seiner 2 tat Inhaber d E tai MbMrt dab^r' g^tag dnntea" MÄZ aud} siche W) in Dc- vac .)Q Person ’VJÄdft und pttw lang Ma ein . ■ qrtüijTt halien, I Stass bsffiS MN EinkauUreis. A.' bis 5 Mk. verdient z Drei* nur ö,W va- iaucmnild), bic M l Flasche lofteien, wmd mnsett, dermEmla Tiefen Preisen ei qcmcht wurden. CS Beträge. ein anderer, nn M ben Men Teü,em kassenguthabms her ii Tiegen öctzliert feine jein Kundenkreis ktiiic die solche Verluste le Angchltts der er brachten, mi ,T,dam nur häufig die Einhal dem aud) geduldet, da der Feicrabnidstundc Tas Jchnxrgcwic vr- mit srillschweigm W selbst vorqing, iii, um unerlaubte B Um zu Barmitteln. Nt Telephongestr yß Autofahrten mit Wir machen ™t bekannt, ^unsere Kasse Rwvartnslaö % Ntreuuu Wein, bei ^gen Qic1 " C|Haup Gusta ih j tu m Prozchft P/M» ■eittii v füvforneitcKe beantwortet. D3*A W ■ Meiski. 2701 Schürzen L. A ■ 3.75,3.-, 2.50 Reform-Schürzen D»/, Landwirte! 2.-, 1.50,90 pfg. Mädchen-Hänger Mädchen-Reform-SchürzenMhwarz unU“b‘g’in Knaben-Schürzen J. Schmückei’ hdrt Mmons Brot far. umi'chen dem Stoßt! n ^nlranej» tanm!. Verm- taatL- NW hm fommmicnrof 3 e u g e: Ich W ) nab dcrcKr (Uig-:- itfon inchn, tonn ,'chon iÄMki r zu ilawn. •nbtitrn de? il madxn. ö wegen Unterstützung der A. .Hartmann u. a. Di« Mn der A. und H. .Hartmann rnußten ihren Eltern roegeK Mißlftrndlung abgenommen und in anderer Pflege untergebracht werden. Auf Grund der angcstetlten Ermittelungen wandte sich die Armenbehörde in Frankfurt an den Orts- armcnver'band Schlitz und meldete dort ihren Ersatzanspruch au, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Nach Beschtperdc bei dem Kreisamt Lauterbach erkannte dann Schlitz den Unterstützungswohnsitz an, zahlte aber nicht. Frankfurt klagte deshalb bei dem Provinzialausschuß gegen Schlitz auf Zahlung von 234.30 Mk. nebst Zinsen. Nachdem Termin anberaumt war, erkannte Schlitz den Klageanspruch an, unterließ aber immer uotf) die Zahlung, weshalb htzute verhandelt werden mußte. Schlitz wurde entsprechend dem Klageantrag verurteilt. 4. Enteignung von Ge lande in Gemarkung Saasen zur Verbreiterung der Mittelgasse. Ter Provinzialausschuß hatte die Zulässigkeit der Enteignung ausgesprochen, die Bürgermeisterei Saasen es aber versäumt, rechtzeitig den Ausspruch der Enteignung zu beantragen. Deshalb gab der Provinzialausschuß dem verspätet gestellten Antrag nicht statt. Der Bürgermeister beantragte deshalb Wiedereinsetzung in den vorigen Stand und begründete di.es damit, daß ihm der Gemeinderat die Mittel verweigert'habe, um die zuerkannte Entschädigungssumme auszuz-ahlen. Erst auf VerfügnnA des Kreisamtes habe das Geld flüssig gemacht werden können. Durch die entstandene Zeitversäumnis sei es unmöglich gewesen, die vorgeschriebene Frist zur Antragstellung einzuhalten. In. der heutigen Verhandlung gewann der Provinzialausschuß den Eindruck, daß der Bürgermeister die Frist hätte wahren rönnen trotz.der entstandenen Hindernisse. Er wies deshalb die Klage auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kosten- fällig ab. Blusen- u. Mieder-Schürzen 3.50,2.75,2.-, 1.40 Zier-Schürzen weiss und farbig-mit and ohne Träf” 75 «t. an können sich — trotz aller Abhärtung — die wenigften danemd schützen. Ein Witterungsumschlag, eine Erkältung und die Besdiwerden sind da. 4 Für solche Falle sind die Coryfin - Bonbons em besonders wertvolles Linderungsmittel. Das darin enthaltene; Coryfin (Aethylglycolsäurementhylester) ist eine neue Mentholverbindung, die trotz prompterer, nachhaltigerer Wirkung] von den störenden Nebenerscheinungen älterer Präparate frei ist. Der angenehm kühlende, schmerzlindernde Einfluss auf die überreizten Schleimhäute wird rasch bemerkbar, der) .Hustenreiz lässt nach, die Stimme wird wieder frei und wohlklingend. Man verlange die Originalschachtel zu M. 1,50 in der nächsten Apotheke oder Drogerie. ' r i.: Hin bat j tarnt ich mich i lüiuat" verlassen? V w r, gyaqk, man i ilngv. Ihrig- ,1 altert n-orbtn, her @ Künigü Hol;, dem Großherzog zu empfehlen, dem Kommerzienrat Ihrig diesen doch mtv als Anerkennung für tüchtige Leistungen im Genossenschaftsinteresse verliehenen Ehrentitel z n entziehen? Gießener Strafkammer. Gießen, 19. Llpril. Der Kuppeleiprozeß gegen beit Inhaber der Wirtschaft yitnt „Vater Jahn", Ost-Anlage dahier, den Gasüvirt W. Pf., für den zwei Tage vorgesehen waren, konnte am Samstag zn Ende geführt werden, ixt der Angeklagte lyattc erllären lassen, daß er geständig sein wolle. Wenn dieses Geständnis auch sicherlich nicht erschöpfend und vollständig war, so war es bodt in Verbindung mit der Beweisaufnahme, die sich auf etwa 20 Personen — im! wesentlichen frühere Kellnerinnen und Gäste des Angeklagten — erstreckte, durchaus genügend, nm über die .Zustände im „Vater Jahn" und bas Leben und Treiben des Angeklagten Licht zu verbreiten. Der Angeklagte, der aus deut! Wäldeckscheu stammt, hätte im Jahre 1909 das .Haus, in deni er Wirtfckwft betrieb, zum Preise von 85 000 Mark erworben, aber nur 5000 Mark auf den Kaufpreis angezahlt und die Restsumme in Dtzpothelen übernommen. Etwa ein Jahr lang will er die Wirtschaft ohne Danrenbedienung geführt haben, seine Einnahmen hätten aber zur Deckung seiner Verpflichtungen nicht ausgereicht und deshalb habe er schließlich 2 bis 3 Kellnerinnen gehalten. Diesen behauptet er ein anstmr- diges Benehmen ausdrücklich erngeschärft zu haben, was auch die Zeuginnen bestätigen. Gleichwohl ist es .im Lause der Jahre in zahlreichen Fällen zur Unzucht in sein ent -Haus gekommen. Bezeichnend für den ganzen Charakter der Wirtschaft ist vor allem der Unterschied zwischen dein Verkaufspreis der Weine^und ihrem Einkaufspreis. Pf. selbst gibt an, an einer Flasckw Sekt V Mk. bis 5 Mk. verdient zu haben. In Wirklichkeit aber kostete die Flasche Sekt in seiner Wirtschaft 10 Mk., ivährend ihr Einkaufspreis nur 3,20 Mk. betrug. Dienheimer, Pisporter und Lieb- frauemnilch, die im Einkauf 1,50 Mk., 1.40 Mk. und 2 :0it. die Flasche losteten, wurden M 4,50, 5 und 6 Mk. verkauft, Apfelweinsekt, der im Einkauf 1,50 Mk. kostete, sogar zu 8 Mk. Diesen Preisen entsprechen die bedeutenden Zeehsehulden, die gemacht wurden. Es sind fast durchweg in die Hunderte gehende Beträge. Bei einem Gast belief sich die Schuld auf etwa 1300 Mk., ein anderer, ein Bauersmann aus einem benachbarten Ort, hat den größten Teil eines mehrere 1000 Mk. betragenden Sparkassenguthabens bei ihm geopfert, und ein Banunternelfmer aus Siegelt beziffert seine Ausgaben auf 6000 Mk. Dabei setzt sich sein Kundentreis keineswegs ans vermögenden Leuten zusammen, die solche Verluste leicht verschmerzen könnten Angesichts der erheblichett Gewinne, die ihm die Zechgelage brachten, l>at Pf. dann weitgehende Nachsicht geübt. Er hat nicht nur häuftg die Einhaltung der Feierabendstunde unterlassen, sondern auch geduldet, daß sich Gäste und Kellnerinnen nach Eintrttt der Feierabendstunde iit die Küche zurückzogen. Tas SchoergewickÄ der Mklage ruht indessen nickst in dem, was mit stillschweigender Duldung des Angeklagten in der Wirtschaft selbst vorging, sondern barin, daß er sogar tätig gern ei en ist, um unerlaubte Beziehungen zwischen seinen Kellnerinnen und Gästen -u vermitteln. Es wird ilM vorgeworfen, daß er zu dte,em Zwecke Telephongespräche geführt, «riefe geschrieben und Wagen- und Autofahrten mitgemacht halK. Eine Neihe von Briefen und -T. flirte ober über « l'tßrt 10 Prvj. nut ft wnbrt sich nur, ft Jwfali rom 3muiir Urnitung" von dm 1 errrntiö genommen Ü verelnrnachnchten. m Dorn-Assenheinr, 20. April. Das 3. Bezirksturnfest deS 5. Bezirks des Gaues Hessen, tuirb am 28. ruid 29. Juni in nnseretn Orte gefeiert. Mit dem Turnfest ist die Fahnenweihe unseres Turnvereins verbunden. in. Steinfurth, 20. April. Aus dem hier abgehaltenen Bezirkstage des Verbandes der Hafsia Militär-Vereine wurde beschlossen, den nächsten Bezirkstag am 27. Juli in Ober- Mörlen abzuhallen. Als wichtigster Beschluß des Bezirkstages ist zu erwähnen, das; der Antrag des Verbandsvräsidiums, den „Hessischen Kamerad" für die Mitglieder obligatorisch eiuzuführen, einstimmig abgeiehut wurde. Kaiser Friedrich Quelle Offenbach am Main düngt mit VuBkan- Phonoisth Der Phonolith - Düngung gehört die Zukunft. Ausk. kostenl. durch Vulkan • PhonoHth-Ver- triebs-Gesellschaft, Frankfurt a M.,Battonn- strasse 4-8 u. Goldenberg & Marens, Giessen. Ein Oeckbett mit 7 Pfund doppelt gereinigten neuen J-edern gefüllt Mk. 9.50 12.- 14.70 16.50 22.- re. |/:eeon mit 2 Pfund Federn gefüllt IMSbeil Mk. 3,_ 3,(i0 4.40 6.20 re. Vo 11 st ä n d i g e B e tte n Schlafzimmer-EiDrichtaDgenSiGom" Teilzahlungen nach Uebercinknnft gestattet. Göbr*- Wei! Neustadt 10 GIESSEN Fernspr.506 Provinzial-Ausschntz -er Provinz Oberhessen. = Gießen, 19. April. Anwesend: Geheimerat Dr. Usinger als Vorsitzender, vier Mitglieder und ein Ersatzmitglied. Beginn 9, Ende 121/2 Uhr. 1. Gesuch der Firm a I. H. Ihr:uj fr 11 Lrch um Erlaubnis zu m Betrieb einer Schankwrrt- sch-aft in dem .Hause Asterweg 12 zu Gießen. Das Gesuch mar von der Stadtverordnetenversammlung und von dein Polizeiamt Gießen nicht befürwortet worden. Tas Kreisamt trug deshalb Bedenken, ihm zu entsprechen und legte die Akten deni Provinzialausschuß zur Entscheidung vor. In der heutigen Verhandlung erweiterte, der Vertreter der Gesuchstellerin .sein Gesuch dahin, daß er auch mit der Verleihung der Konzession >- r an k -- f u r t a M. g e g e n d e n O r t s armenverband schlitz Alle Magen- u.Dnrinloidende, .stucker« kranke. Blutarme ithu. essen, um zu gesunden, das echte Kasseler DM- SimoiiNbrot. "®8 verseheit mit Streifband und schwär» weih-roter Schubmarke. lüv»-/, Siels echt und frisch AU haben in («ichcn bei Karl Schwand, Gberb. Mcbacr Bachs., (Scora Lvallcufels. Marktpl.nur21,geaenüb.d.Engelapol. von 50 Pfg. an Wolle und Musseline hübsche neue Ausmusterung für jedes Alter in reicher Auswahl, Grösse 45 von M. 2.75 an die Aussage eines Zeugen, der bekunde!, Pf. habe ihn durch du Worte, er l-abe fetzt eine „Siebzehnjährige" zum Besuch seiner Wirtschaft veranlasst, geben namentlich ein stark belastendes Zeugnis ab. Der Angeklagte will geglaubt haben, nicht für das Verhalten seiner Kellnerinnen außerhalb seines Hauses verantwortlich zu sein, und sie lediglich zu ihrem Schutze begleitet haben. Jcdock nickst nur die Staatsanwaltfckxift sieht in ihm' den Mann, in dessen Hand die Fäden des gesamten unerlaubten Verkehrs zusammenliefen und der ihn zu seinem Vorteil ausbeutete, sondern attrf> die Verteidigung muß zugestehen, das; die ^chuld- srage nach Kuppelei zu bejahen fei. Nur über die Höhe der strafe lüeicbcii ihre Ausfafsungen voneinander ab. Staatsanwalt TrüM- p e r t betrachtet das Unternehmen als eine Pestbeule an der Volks- frc.it, die geeignet sei, die Gesundheit und wirtsckmftliche Existenz des Einzelnen zu untergraben unb beantragte daher eine Gefängms- strafe von 3 Jahren, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte ans die Dauer von 3 Jahren und Anrechnung eines Teils der Untersuchungshaft. ~ . r . Der Verteidiger Jnstrzrat Dr. Jung hob hervor, daß in größeren Städten von der Polizei zahlreiche Betrnebe tmc der des Angeklagten, geduldet würden, weil es unmöglich ser, sie zu unterdrücken, unb da st deslsalb dem einzelnen nicht so hock)! angerechnet werden könne, was vielen straffrei lstngehe. Der Gerichtshof, in dem Landgerichtsdirektor P rat or t ns den Vorsitz führte, erstaunte auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahre unb rechneie einen Monat der llntersuck>ungsl;ast aus btc Strafe an. Auf Antrag der Verteidigung hob das Gericht den .Haftbefehl gegen Stellung einer Sicherheitsleistung von 5000 Mk. wozu sich der Mgeklagte erboten batte, auf. K btt Serlw^f Cltttji'Ä «• rä nti bet ,nl, 3uüiiiat Sto BeStel M M> M mb iniotgebeilö w y*. Ter Annust fanb gehabt, biflt D 'ist aurh, dah ... Zo ki;: ‘ X nur Mm, Tirft 'Mbtrungö r s;t -275000 Sl’ ' x. t)3g Zrblungn vr W- bäk -1 mtkii ..abrknleit . Tn; Hallphkk' , Trtben &n ifSn! hd da ‘ fliat Imi \ « iwlbcinL” DS a^iügung |V; - Staav, d'k Ä " 3^5;^ /u;t bo'".,' 1 u "lst Pi -Ä B H T ui M - .00 WUW Crklärung! Wir machen in Geschäftsver- hiermit bekannt, m© bindnng mit der daß unsere Kasse GenoffenschastS- rafie zu Darmstadt gestanden hat; gegenteilige böswillige Ausstreuungen beruhen auf Unwahrheit. Ulrichstein, den 19. April 1913. $par-o.ktt«IMslih.ö. kräftigt Kranke verjüngt Gesunde -’x«. MW gibt Jugendkraft -J | V'"; und Frische. QIslQ M (Olrklither naursalzgehain tfFI 1] Dosen Mk.1^- und Mk. 1.60. j Verlangen Sie Qulctamalz ___ " “~J x g In Apotheken und Drogerien, r Ä Wo nicht erhältlich, schreiben F X ~~ Sie en ^1JcOarttwJEL,,AmesMj Quietawerke :: Bad Dürkheim, MA Für Erholungsbedürftige und leichtere rcS traMTim MÄ Kranke.» (T' vin a Kuranstalt Hofheim I. T. a M S” n M W ra m l/i Stunde v. Frankfurt a.M. Prospekte ffl Zs HD Ä. 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