Nr. 201 Zweites Blatt 165. Jahrgang Gießener Anzeiger Grfryetnt täglich mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Oberhessen Tw „Gieheaer $aeilitnbläher" werden dem »Aissrrqer^ Biennal wöchentlich beigelegt, da» „Ereisblatt ffir den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seil- tragen" erscheinen monatlich zweimal. Donnerstag, 28. Augvst 19(5 Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universität» - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießer!. Redaktion, Expedition und Dntckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Apolitische Cagcsfcbatt, Neber den Wehrbeitrag der BuadeSiursten wird der „Tägl. Rundschau" von unterrichteter Stelle geschrieben: Tic Aufstellung von Vermögensverzeichnissen für den kommenden Wehrder trag ist von den bundessürstlichcn Vermögensverwaltungen schon seit einiger Zeit in Angriff genommen. Ta die Bundes fürsten bisher weder Reich S- noch Staatssteuern bezahlt haben, so fehlt eine geeignete Unterlage für die Beurteilung des wehrsteuerpflichtigen Ber- möaens und es verursacht den verantwortlichen Leitern der fürstlichen Vermögen große Mühe, die Ziffern einwandfrei festzustellcn. Zn den Aussührungserlässcn des Bundesrats wird sich die Bestimmung finden, daß zur Entgegennahme der Wehrbeiträge der Bundessürsten die obersten Finanz- behörden der Bundesstaaten zuständig sind. Tiefen sind die Vermöqensbekenntnisse einzureichen. Nachdem aber die Beiträge freiwilliger Natur find, so können für die Fürsten die gesetzlichen Ueberprüfungsmittel nicht in Anwerrdung fonimm und wird eine Kontrolle nur dann stattfinden, wenn fte ausdrücklich verlangt wird Für die Feststellung des kaiserlichen Privatvcrmögens ist das königliche Hausmmi- fterium zuständig. Uebrigens dürften die Bundesfürsten von dem Recht, den Wehrbeitrag in drei iährlichen Teilzahlungen abzustatten, keinen Gebrauch machen, sondern ihren gesamten Beitrag im Frühjahr 1914 bezahlen. Postscheckgesetz, Telefonreform und Reichspostamt. Tas Postscheckgesetz sollte bekanntlich schon am 1. April 1913 in Kraft treten, im Reichstage waren bei der Aus- fchußberalung aber bezüglich der neuen Gebührenordnung Schwierigkeiten entstanden, sodaß der Entwurf unerledigt blieb. Tas Reichspoftamt wird beim Wiederzusammentritt des Reichstags mit den Parteien auf Grund einer Besprechung, die kurz vor der Reichstagsvertagung stattgefnnden hatte, neue Verhandlungen anknüpfei^, um die Verabschiedung des Entwurfes zu beschleunigen. In der angebeuteten Besprechung war eine Einigung zwischen dem Rcichspost- amt und den Fraktionen über die endgiltige Gestaltung des Postscheckgesetzes, im allgemeinen erfolgt. Die gesetzliche Regelung des Postschcckverkehrs soll zum 1. April 1914 erfolgen. - Von der Vorlegung einer Telefon reforni will das Reichsposlamt vorläufig Abstand nehmen. Die frühere Vorlage bat keine Aussicht auf Annahme int Reichstage, nach dem sic zweimal gescheitert ist. Es sind zwar andere Systeme, u a. auch das schwedische, im Reichspostamt für eine Reform der Telefongebührenordnung bearbeitet worden, diese Vorarbeiten sind aber eingestellt worden, weil sich diese Systeme für deutsche Verhältnisse als nicht brauchbar erwiesen. Es bleibt also vorläufig bei den alten Telefongebühren. * Die Industrie und der Bund der Landwirte. Aus der Tagung des Reichsdeutschen Mittelstandsver bandeS am letzten Sonntag in Leipzig ist, wie wir berichteten, die angekündigtc Interessengemeinschaft zwischen bestimmten Grupen des gewerblichen Mittelstandes, ferner dem Zentralverbande deutscher Industrieller und dem Bunde der Landwirte begründet worden. Dazu wird von der Geschäftsführung des Bundes der Industriellen folgender Einspruch verbreitet: Zunächst einiges zu der neuen Interessengemeinschaft zwischen dem Zcntralverl^nde dentsäu'r Industrieller und dem ioaenaiurtcn Reichsdeutschen Mütelstandsverband. Dieser Mittelstandsverband umfaßt diejenigen Gruppen des Handwerks und Kleinhandels, ivelche jederzeit nut besonders scharfen Forderungen gegenüber der Industrie und dem sogenannten ^Großkapital" hervorgetreten sind, so in Bezug aus das Submissionsweien. die Abgrenzung von Fabrik und Handwerk, die Innungspslicht der Industrie- Spanische ttüstensahrt. Valencia, int August. Lieber als mich dem Unbehagen längerer Eisenbahnfahrten auszusetzen, ziehe ich es in Spanien vor, Neptuns Zorn zu tvoyen. Wo nur möglich, habe ich mich meinem Reiseziel stets zu Wasser genähert Es tarnen dabei fast immer das Eabo Sant Antonio und die E a st i l l e in Betracht: zwei Sckstne, die im Interesse von zwei miteinander wetteifernden Reedereien sämtliche spanisciie und sranzösisdre Häfen von Bilbao bis Marseille, Jahr aus Jahr ein hin junb her anlausen. Ich betrat fie immer wieder mit geteilten Gefühlen, aber im großen und ganzen habe ich beiden Schiften ein sreundliäies Angedenken bewahrt Nur ilmen verdanke ich cs, daß es mir vergönnt war, in das Wesen des spanischen Volkes einen tieferen Einblick zu gewinnen, als es mir je auf dem Festlande möglich gewesen wäre: und hier an Bord konnte ich mir die Miseren der untersten Volks- f(hieltenJn unmittelbarer Nähe ansehen. Zwischen hoben Bergen von Fässern, Häuten, Säcken voll von Tungmittcln, Pyramiden von Korkbolzringen, traf ich auf dem „Eabo Sant Antonio^ immer wieder dieselbe bunte Gesellschaft: Dauern, Handwerker, Hirten, Zollwäckt r, blinde Rlapsoden, Zigeimer, — Hühner, Hunde, Katzen, Ziegen, Melkkühe. Vierfüßler und Zweifüßler stbersckvvemmten Mv Verdeck wie ein alles niederreißender Girant, jeder Tarifunterschied war ausgehoben: wir, ein paar Passagiere sogenannter erster Klosse, Hanen keine andere Zuslucht als die Kommandobrücke: zuletzt mußten wir sogar unsere Mahlzeiten da oben einnebmen. Irgend ein Bandit oder Strolch — übrigens die harmlosesten Leute — fing an, wenn ihn die Lust dazu anwandelte, eine jener wehmütigen Melopeen, das Vermächtnis der Mairrc-i, zu summen, die übrigen fielen mit voller Stimme ein: im 9?u tanzte alles, die Hände rhmhmifck zusammen schlagend, wie besessen. Nachts schlief diese Unmenge von Mmschen und Tieren unter freiem Himmel, wie auf einem Schlachtfeld. Ich mußte die größte Vorsicht anivenden, um nicht über Leichen zu schreiten! Plötzlich erschollen die Angstrufe einer Mutter, die ihren Liebling schön im Magen irgend eines Seeungeheuers ge gebettet iräbnte: der Vermißte, em wandelndes Lumpenbündel. kam gähnend wieder zum Vorschein, eine rührende Diederbe gcgnung spielte sich ab — heilige Stille sank wieder aufs Schift. ausS Meer. Auf der Fahrt von Malaga nach Barcelona hatte ich das uvafelhafte Vergnügen, in einer wundervollen Herbstnackt eine Kajüte der „Eastilla" mit drei Musen söhnen zu teilen. Ihr Erstaunen nur anzudeuten, als ich Miene machte, das elektrische Licht auszudrehen, ja, sogar die Luke zu öftnen, um etwas Luft cinzulassen, bin ich außerstande. Am Morgen tröstete mich meine Reisegefährtin mit dem Bericht, was für eine qualvolle Nackt betriebe, die Heranziehung der Industrie zu den AuSbildungs- kosten der HandwertLlehrlmge ufw Son den bekannten Angriffen betriebe, Großkapital und Kapitalismus" iwr auch der Leipziger Mitielstandstag mit den Reden der Herren Eberle, Friticke und Fahrenbach erfüllt. Es wird interessant sein zu beobackuen, wie sich die neue Interessengemeinickaft zwiicken diesen idtarfen Gegnern des Großkapitalismus und dem Zenlraloerband deutickcr Industrieller gestalten wird, der doch gerade sehr hervorragend« Vertreter des industriellen, syndizierten Großkapitals, wie das Kohleninndikat und den Stahlwcrksverband, zu seinen Mitgliedern zählt Wenn bei dieser Tagung die Rede von einem Zusammengehen von Industrie und Landwirtschaft gewesen ist, io ,lt zunächst festzustellen, daß es sich in der Leipziger Versamm lung keineswegs um Vertreter der Gesamtheit der beiderseitigen Interessen gehandelt Hot. Weite Kreise der deutschen Industrie haben bisher in der Politik des Bundes der Landwirte, soweit sie bereits von Erfolg gewesen ist, und in den Forderungen, die der Build der Landwirte rur die Zukunft aufstellt, eine idm>ere Schädigung und Gefährdung industrieller Interessen erblicken müssen. Nach der sür die Industrie überaus schädlichen Finanz» resorm des Jahres 1909 hatten weite Kreise der beutfdxn Industrie gerade gegenüber dem Bunde der Landwirte einen festen Zusammenschluß von Industrie, Handel und Gewerbe im Hansa- Bunde sür notwendig eradstet, und sie sahen in diesem einigen Zusammenschluß ein Mittel, den notwendigen größern Einfluß am die Gesetzgebung auch sür die Industrie zu erlangen Leider ist es damals der Zentralverband deutscher Industrieller gewesen, welcher burd, seine Abkehr vom Hansa-Bund den notwendigen Zu sammenschluß durchbrach. In der letzten Zeit waren Hoffnungen laut geworden, daß auch die im Zentralverbande vertretene schwere Industrie erneut ihren Anschluß an die verwandten Organisationen der übrigen Industrie und des Handels finden werde Tie Hosf- nungen erscheinen nunmehr zunichte gemacht, da her Zentral verband deutscher Industrieller gerade den entgegengesetzten Weg einscklägt und in eine Intercslengerneinschaft mit dein Bunde der Landwirte,, der radikalsten Vertretung rein agrarischer Interessen, eintritt. Radi dieser Kundgebung wird w^hl auch der Zentral- vcrband sich öffentlich äußern. * Verabschiedete Offiziere als Kaufleute. Ter Vorgänger des jetzigen Kriegsministers v. Falkcn- hayn, General v. Heeringen, hatte an die.Handelskammern ein Rundschreiben gerichtet, in dem er um möglichst weitgehende Berücksichtigung verabschiedeter Offiziere bei der Besetzung leitender kaufmännischer und industrieller Stellungen bat. Diese Anregung hatte, wie gemeldet, in kaufmännischen Kreisen, besonders in denen der.Handelsangestellten, wenig Anklang und vielfachen Widerspruch gefunden. Auch die „Soziale Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Angestellten", die in Leipzig ihren Sitz hat, hatte sich dagegen mit einer Eingabe an das Kriegsministerium gewandt, auf die nunmehr ein Bescheid ergangen ist, in dem es u. a. heißt: Die Zahl der Dcrabfdyiebctcn Offiziere ist im Verlxiltnis zur Zahl der im Handel, in der Industie und im Bankfad) vorhandenen Stellen nur gering. Bedenkt man außerdem, daß von diesen Oftizieren ein großer Teil im Staats- und Kommunaldienst Anstellung finbet, daß ein anderer, vielleicht noch größerer Teil auf Anstellung weder im Staats- und Gcmeindedienst, noch im Privatdienst überhaupt Anspruch macht, so ergibt sich ein solches Verhältnis der beiden Zahlen, daß meiner Ueberzegung nach von einer merkbaren Herabminderung der Aussicht der von Anfang an in diesen Betrieben tätigen Angestellten auf Erlangung besserer Stellungen weder jetzt nod) in Zukunft wird gesprochen werden können. Die in jüngerm Lebensalter und also meist ohne lebenslängliche Pension ausscheidenden Offiziere müssen hier m. E. überhaupt außer Betracht bleiben, denn es ist ganz selbstverständlich, das; diese in jedem von ihnen nad) der Verabschiedung gewählten Berus wie alle andern von der Pike aus beginnen müssen. Ein weiterer Grund, der die kundgcbenden Besorgnisse als zu weitgehend erscheinen läßt, liegt darin, daß die verabschie- detcn Osftzierc sicher nur bann in leitenden Stellungen Verwendung finden werden, wenn sie sich für solche Stellungen eignen. Gerade dem frühem Cffijier stellen sich in seinem Streben, vorwärts zu kommen, ganz besondere Hindernisse in den Weg, zumal, sie mit vier Tarnen ein und derselben Familie im Tarnen» quartier verbracht habe. Auf der schon achttägigen Fnhrt tvar die Lute kein einziges Mal geöffnet, das einzige vorhandene Handtuch nod) nie gcwedn'elt worden — die Luft geschwängert von allerlei Parfüms und Ausdünstungen. In keinem der vielen Zwisdrenhäfen wagten sich die Schönen aus Angst, die Mahlzeiten zu versäumen, ans Land; die Zeit brachten sie mit der Pflege ihrer leuchtenden Mähnen,das einzige, worauf sie mit Recht stolz sind —, Plaudern, Schmökern, Knabbern fron Süßigkeiten zu — rin wandernder Harem! Dir hatten zeitweise sogar rin paar Offizierdamcn an Bord: ganz einwandfrei und appetitlich, solange sie ausgetakelt auf dem Verdeck paradierten, aber der Zauber zerfloß ganz, sobald sie sich etwas gehen ließen. Ter Kapitän, der sich wohl selbst für seine nächsten Unter- gcbcncrt ^rür zu gut hielt, nahm die Mahlzeiten allein in seiner Kajüte. Ter erste und zweite Offizier, ausgezeichnete, überarbeitete Lasttiere, herzlich und gutmütig, aber außerstande, mir rin Wort über etwas anderes als ihren harten Beruf zu reden. Ter gewichtige Steward, Ton P^ro . . de Eastilla — ein komischer Kauz. Er tat zwar seine Schuldigkeit, aber mit einer so sauersüßen Miene, daß er das Geschick immer wieder zu fragen schien: Mußtest du denn gerade mich zum Steward an Bord dcr „Castilla" erwählen? Ter Abstand zwischen diesen einheimischen Schiften und denen z. B. der Hamburger Reederei Sloman, die mit Waren und einigen Passagieren dieselbe Strecke befahren, ist derselbe wie — zwischen deutscher und spanischer Kultur. An Bord des „Cabo Sant Antonio" hätten wir um ein Haar Sckifsbruch gelitten. Aus klarstem Himmel fiel vlö&lid) ein w undurchdringlicher Nebel, daß wir uns stundenlang nur durch unablässiges ängstliches Tuten unterer Sirenen vor bösen Zu fammenltvtzen in dem sehr belebten Fahrwasser schützen konnten — das Antwortruten anderer besorgter Schiffe, das Lauten der Glocken von Malaga drang besorgniserregend klar bis zu uns sehen konnten wir aber nichts — plötzlich teilte sich der Nebel' und wir iahen buht vor uns die offenen Anlagen rtm Malaga aunaucken: Die täonntagStmmmler, erstaunt über diesen uner- nxrrtetcn Anblick, blieben bewundernd stehen. Ter Führer eines murerbcotes, das an uns vorbeischoß, rief unserem Kapitän zu- Para, aue fr merbes! Halt' an — du läufst ins Verderben' An dem ^ag gelangten wir nicht mehr nach 'Maga. Wir mußten uns begnügen, im äußeren Haien vor Anker zu gehen. Nie ward an Hrid.w ubenckwenglick gefeiert, wie Kapitän Sanchez für tne glücklich überstandene Gefahr! In der Wirklichkeit verlief all dies nicht so glatt wie hier auf dem Papier, aber unge- lchehen möchte ich es doch nicht machen! E. Gagliardi. * 1 * » da er in Wettbewerb mit Männern treten muß, die dem Beruf seit langen Jahren angehören. Tic Bewerber aus alle Schwic- rigleiten hinzmvrisen, ilmen die AiiForderungen, die ihrer warten, ausrinanderzusetzen, ihnen aber auck nad) MöglidFeit die Wege zu zeigen, aui denen sie ihr Ziel vichadn erreichen, ist als die weitere Ausgabe der Auskunftsstelle in XusfidH genommen, die keineswegs als Vermittlungsstelle int gewödUicben 2innc gedacht ist. Es ivar der HauptzN'eck dcS au die Hrnbclsdamnier gerichteten Sdweibens, Unterlagen zu erbahcn, um ihr diese Ausgabe zu erlridüern. Tie eigenartigen VerIxilmisse des Soldaten- beruss zwingen vielfach auch besonders tüchtige und scvafsens- freudige Männer — oft wegen bestimmter, in anderen BerusS- zwrigen gar nicht zur Geltung kommender Mängel 'insbesondere icher "Jirt _ ben Beruf ohne auSkömmlickre Pension in einem Alter auizugeben, in dem die Angehörigen anderer Berufe mitten in der besten Tätigkeit stellen. Deswegen halte auch ick es gleich meinem Herrn Vorgänger für eine ernste Pflidit des Kriegsministerium», uad) Kräften da'ür zu sorgen, daß die hierin liegende Hörte gemildert wird und daß zu diesem Zwecke alle sich bietenden Möglidikriten ausgenutzt werden. and> wenn jede einzelne nur einet geringen Anzahl von Offizieren zu weiterer Betätigung Gelegenheit bieten sollte. Und wie id) sicher bin, daß bas tiricgsminutcrium in diesem Bestreben von weiten Kreisen. deS Volkes unterstützt werden wird, so würde es mir bei der Bedeutung der „sozialen Arbeitsgemeinsdiaft" eine besondere Freude sein, wenn auch diese sich entfdjlichcn könnte, ihre Bedenken beiseite zu lassen und unter ihren Mitgliedern im Sinne obiger Ausführungen aufklärend zu wirken, v. Falkenl)al)N. » Die gesetzliche Abgrenzung von Fabrik und Handwerk soll, so wird uns aus Berlin geschrieben, durch eine Novelle zur Gewerbeordnung fcftgclcgt werden. Die dementsprechenden Vorschläge der Regierung werden deninächst den Interessenten vorgclegt werden, sie bauen sicki auf die kürzlich veranstalteten Besprechungen im Reichsamt des Innern auf. Auch die Stellung des Handwerks im Handelsregister wird gesetzlich geregelt und der § 1009 der Gewerbeordnung dahin ab- geänbert, daß den Innungen bei Preisfestsetzungen die Festsetzung von Mindestpreisen zugestanden wird. Die Einweihung der Gieftener Hütte. Gmünd in Kärnten, 25. August. lieber der feierlichen Eröffnung dcr Gießener Hütte aus dem Gößbichl, er nnr gestrigen Sonntag erfolgte, waltete ein glüd lidxv Stern Schon am Freitag nahm man bie Anzeichen einer Besserung des in diesem Sommer andauernd schledsten Wetters wahr, und am Samstag und Sonntag strahlte denn and) der Himmel in wolkenloser Bläue. Die Mitglieder bet Sektion Gießen, die an dem Feste teilnahmen, hatten sich schon in den Vortagen, teils von Gmünd burd) den Gößgrabcn. teils von Mallwitz über die Dössener SchiNte.komm lefunden. Einige verbanden die? Wanderung mit einer Besteigung des Säulecks, eines der schönsten Gipfel in unmittelbarer Nähe der Hütte. In der Hütte selbst gab es noch mannigfache Arbeit. Die Inneneinrichlung mnrjiod) nickt gan; vollendet. Täglich kamen die schwer bepackten Träger — sie trugen schier unglaubliche Lasten, bis zu 160 Pfund — den überaus steilen, steinigen Pfad von der unteren Kohlmanralrn — Höl-enuntcrsdned 1100 Meter — herauf und brachten die letzten Bänke, Stühle, Betten. Matratzen, Bilder und andere Gegenstände, die von den anwesenden Mitgliedern in Empfang genommen und an ihre Plätze brioi-bcrt wurden. So wurde es möglich, den Festteilnehmeru den Ban in fast vollendeter Ausstattung zu srigen. Er fand ungeteiltes Lob. Bon allen Seiten hörte man freiwillige Worte der Anerkennung, denen man es an merkte, daß sie aus dem Herzen kamen. Viele, die schon Jahrzehnte lang das Hochgebirge durchstreifen, behaupteten, noch nirgends rin so schmuckes, gemütliches Alpenlfeim gefunden zu haben. Schon im Lause des Samstags kamen mehrere Vertreter der Schwesterscktionen, ebenfalls über das Säulcck kommend, an, so daß die Hütte vom Samstag auf Sonntag bi* ;um letzten Matratzcnlager belegt war. Besonders zahlreich erschienen drc Herren von der Sektion Hannover unter Führung ihres verdienstvollen Vorsitzenden, des Geheimen Regierungc-ratcs Prof, -ir. Arnold, in dessen Gesellschaft wir einen vergnügten Abend im gemütlichen Erkerzimmerchen verleben durften. — Tic Kartause der Schauspieler. Aus wird berichtet: Zwei Monate beinahe sind nun schon verstrichen, inrbem in dem bescheidenen Bahnhof von La Ferte-sous-T umrrc eine Gruppe von Bühnenkünstlern- und Künstlerinnen aussttegen und ohne sich aufzuhalten, zu dem kleinen Weiler L i m o n hinauf, chritten, fron wu nod) heute kein einziger dieser Schar zurück- g,'lehrt ist. Tort oben, zwischen malerisdvn Häuschen inmitten eines großen schattigen Gattens lebt dieses Dühnenvolkchen in wunderlicher Eintracht: man sieht cs im Gatten einhenvradeln, miteinander beraten, memorieren, sieht cs in den Ni schm her Laubengänge einander klaftische Meisterwerke der Tich'knnst fror» lescn: und nur hin und wieder sielst man diese friedlichen Gruppen zusammen,tränten, auf einem ,Rasen beieinander stehen und die ländlich stille Einfachheit des Milieus durch einzelne Gesten und Stellungen durchbrechen, die an Bühnenproben gemahnen. Was ist das Ziel dieser Künstlerichar, die erst nad) einem hirrmonalhrf>cn Aufenthalt in stiller ländlicher Ab- gc,d)iedenh7it nach Paris zurückkehren will? Die sich dort oraußen zu einem neuen künstlerischen Eroberungszuge rüsten, sind die rünmgen Mitftrriter^acques Eopeaus, des feinsinnigen und emhunastiichen Begründers und Herausgebers der Nou- velle Revue Fran«xnfe", der sich das Ziel gesetzt hat, in rinem eigenartigen neuen Tbeateruntemcf?men, das am 15. CPtober als das Tbeafre du Vieux-Colombiw srinc Pforten ö»'''nen wird, „der dramattichen Kunst ihre wirklich,e Würde wiederzugeben und dem Theater bxt Zuneigung des besten Publikums zi'rüd,u- erobern.' Eingeweihte fprecden bereits von einem neuen „Th-'ätre hbre , fron einer neuen BühncnrinrichNing, die rc:e einstmals Antvmc das französische Theaterwesen glücklich beeinflussen roerix-- und bock und jn der Tat die Ziele, die der von cnthusiasttsck>em ^dealismus^erfüllte Leiter sich für die ersten Monate gesctzi bat- Molrsre, Ll/akespeare, Müsset. Ten ersten Beweis für seine ideale Betrachtung feiner Aufgabe hat aber Eoreau bereits erbracht: mit dieser sommerlichen „Kartause der Schauspieler" in dem lieblichen Simon. 9richl nur aus der Bühne, bet den er,'ten Proben, sollten die künftigen Kamp'genvs'en sich kennen lernen, rin enger menfchlicher Kontakt zwischen allen, die an dem Werke nritarbriten wollen, wllte vorausgehen. Und der neue idealistische Direktor tat, was jeder Geschäftsmann ihm als ein Verbrechen anrechnen würde: er engagierte ,'rine Künstler und Künsttermnen bereits vom 1. Juli ab, zahlt ihnen volle Gagen unb ;og mit ihnen hinaus nad) Limon in bie Natur, wo fern von c-em hastigen Theatergetriebe der Großstadt alle im gegenseitigen Verkehr mit Muße beginnen [offen, sich gemeinsam für die bald beginnende Arbeit frorzuberriten. Und so entstano durch diesen neuen Theater- btreftor, der mehr Mäcen als Geschäftsmann zu sein scheint, die Kartaufe der Schauspieler. Ter Festtag btach an. Noch blauer als am Vortag strahlte her öimmcl. Die Berge des gewaltigen Felsenrundes der Göß hoben sich mü wunderbarer Marheit vom Simmel ab. 'Das blendende Weift des in diesem ^ahrc besonders reichlich liegenden Schnees verbreitete ein saft allzu starkes Licht. DaS Schwarzgrau des Urgesteins verlor sich nach der Tiefe hin in dem Weiftgrau des Gerölls, das hinwiederum stufenweise von dem blumen gesprenkelten Grün der Almen bedeckt wurde. Wer in der Hütte übernachtet hatte und nun der feierlichen Handlung harrte, dem wurde die Zeit nicht lange. Die Pracht und Herrlichkeit, die sich an einem solchen Tag auf unserem Hüttenplatz zeigt, läßt sich nicht so rasch ausgenießcn. Von allen Seiten strömten nun Scharen von F e st g a st c n herbei. Die meisten kamen von der unteren Kohlmayralm herauf, viele von der Grazer Nachbarhütte die Scharte herunter auf dem neugdbauten Weg der Sektion Gmünd. Aber auch auf den Bergen rührte es sich. Die Gletscher der Hockwlm schienen lebendig gc> worden zu fein. Immer neue Wandertrupps sah man von der Hütte aus auf dem Trippkees rechts und links von den Steinernen Maudlu auftaudjen, schwarze Punkte, die man mit dem bloßen Auge kaum sah. Eine besondere und allgemeine Aufmerksamkeit fand eine Gesellschaft von sieben Personen, die die steile Schneerinne abftiegen, die unmittelbar von der Spitze auf den Gletscher herunterführt, ein nicht ungefährlicher Abstieg. Sie gingen offenbar mit der allergrößten Vorsidst, denn sie schienen fast Nicht vom Fleck zu kommen. Unten machte man sich Sorgen über ihren Abstieg, sie kamen aber unversehrt an, wie denn der ganze Tag auch in dieser Hinsicht glücklich verlies. Außer einigen Hautabschürfungen beim Abfahren über den Schnee gab es keine Verletzungen. Die Stunde der f e i e r 1 i che n Eröffnung war gekommen. Die Festteilnehmer versammelten sich vor dem Eingang der Hütte, auf dessen Vorbau stehend der Vorsitzende der feiernden Sektion, Herr Prof. Hedderich, das Wort zu folgenden Ausführungen nahm: Sehr geehrte Feftaenossen! Im Namen der Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins entbiete ich ' Ihnen herzlichen Gruß und kräftiges Bergheil. Sie alle, die Sie die Güte hatten, unserer Einladung zu folgen und sich heraufbemühten, um unseren Ehrentag mitzufeiern, seien Sie auf das herzlichste willkommen geheißen! Es war in der Psiugstwoche des Jahres 1911, an einem wunderbaren Frühlingstage, als auf dieser Stelle drei Män- n e r standen, die damit beschäftigt waren, das großartige Panorama auf photographische Platten zu säubern, um es im Bilde zu Hause vorführen zu können. Es waren der Vorsitzende, der Schriftführer und der Kassenwart der Sektion Gießen, die auf die Suche gcfdndt worden waren nach einem geeigneten l.H üt t en platze. Heiter strahlte die Sonne auf uns herab, jungfräulicher Sdjncc bedeckte die Berge ringsum, wild losend stürzten die Bäche 51t Tal: über uns' zog ein mächtiger Geier seine Kreise, im Innern vielleicht erbittert über die, die es wagen konnten, in fein ödes Heiligtum einzudringen, und auf dem Winterleiten stand ein Gamsbock und schüttelte bedenklich den Bart ob des frechen Treibens der Menschen. So gerne wir nun auf die berechtigten Gefühle dieser Tiere Rücksicht genommen hätten, so haben wir uns bennofd) durch die bezaubernde Schönheit der gewaltigen Landschaft hinreißen lassen zu dem Ausruf: „Hier lasset imS Hütten bauen, hier ist gut sein!" Und damit war der Gießener Hüttenplatz gefunden. Zwei Jähre sind seitdem dahingegangen, zwei Jahre voller Mühe und Arbeit. Heute nun sehen wir das Werk vollendet vor uns stehen, größer und großartiger, als wir es uns damals hätten träumen lassen. Stolz darf beim Anblick dieses Hauses heute jeden Gießener erfüllen, und Stolz empfindet audj meine Brust: aber bei mir, dar ich kennen gelernt habe, welche Unsumme von Arbeit und Opfertvilligkeit dazu gehört, ein alpines Untertünftshaus wu bauen, bei mir wird dieses Gefühl zurückgedrängt durch ein stärkeres und edleres Gefühl, das Gefühl der Dankbarkeit allen denen gegenüber, die zur Erstehung dieses Werkes mit beigetragen haben. Und 'so erblicke ich heute meine schönste Aufgabe darin, allen denen zu danken, die sich in irgend welcher Weise Verdienste darum erworben haben. Dank vor allem den Herren im Hauptausschuß ' d e s G e s a m t v e r e i n s! Dank für die reiche Unterstützung sowohl wie für das Wohltvollen, das sic unserem Unternehmen entgegenbrachten! Wir wagen den Schluß daraus zu ziehen, daß wir ganz im Sinne des Alpenvereins ein alpines Heim an echt alpiner Stelle erstehen ließen. Dank aud) den Behörden, die in liebenswürdiger Weise unsere Bittgesuche befürwortet haben: so der k a i s e r l.-k önigl. Be zirkshauptmannschaftin Spittal, so dem g rä fl. L 0 d r 0 ns ch en Waldamt in Gmünd, so der Gemeindevertretung von Malta. Dann will ich hier noch einmal öffentlich danken dem Besitzer des Gößkars, Herrn Kohl m a h r in Gmünd. Selbst angehaucht vom Geiste des Alpinismus, hat er uns alle jene Gerechtsame hier eingeräumt, die &ur Existenz eines alpinen Unterkunftshauses notwendig sind. — Heil und Dank den lieben Schwestersektionen, die uns heute durch Vertreter hier beehren; besonderen Dank aber den Nachbarsektionen, dic uns so liebevoll in ihrem Arbeitsgebiet ausgenommen haben. Mit offnen Armen empfing uns der König des Ankogelgebietes; möge er stets so gnädig zu uns herüberschauen von seiner stolzen Arnoldhöhe. Mcht weniger freudig empfing uns der Vorfitzendeder Sektion Graz, Herr Dr. Ott. Hat er sich doch bei der Generalversammlung in Koblenz dermaßen für unsere Sache begeistert, daß ihm ein Mahnruf wegen fttuhestörung drohte. In ruhiger, aber ebenso liebenswürdiger Weise empfing uns Herr Direktor Aich inger, der Vorsitzende der Sektion Villach, die wohl die .ältesten Ansprüche auf die Erschließung der Hochalm- gruppe hat. Dank auch den 9?ad)bam auf der Nordseite der Hochalm, den Osnabrückern, und einen ganz besonderen Willkommengruß der Sektion Rudolstadt, die beschlossen hat, die Gießener Hütte in großmütiger Weise durch Wegbauten zu unterstützen. — Und wo bleibt Frid 0 K 0 rdvn? wird sick) mancher im geheimen fragen. Oh, ich habe ihn nicht vergessen und werde ihn nie vergessen. Es wird wohl kaum eine Dankrede hier zu Lande gehalten werden können, ohne daß sein Name rühmlichst dabei genannt werden müßte. Wär er es doch, der burd), sein warures Herz für feine heimatlichen Berge und durck) seine glühende poettsckne Sprache uns in das schöne Märntnerlanb gelockt hat: war er es doch, der uns bei unsrem ersten Hiersein die Zusage gab, uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und wahrlich, er bat sein Wort gehalten, wie es eine so kerndeutsche Natur nur halten kann. Heil ihm und Dank seiner Sektion Gmünd, die einen für uns so wichtigen Weg zu unserem Hause gebaut hat. — Aber auch in d i e Heimat zurück führt mich mein Tankgefühl bcimJMnblid der Gießener Hütte. Denn, verehrte Anwesenden, wenn Sie bedenken wollen, daß dieses stolze Haus im Werte von über 30 000 Kronen vollendet steht ohne einen Schuldschein und ohne einen Gutschein darauf, und »venu Sic bedenken, daß die Mittel aufgebracht tvurden von einer Sektion von nur 130 Mitgliedern, so werden Sie tvohl verstehen, daß in Gießen so mancher weilt, dem Dank gebührt für feine Opserwilligkeit. Ich kann sie nicht alle mit Namen aufführen, die edlen Spender; sie haben alle gleich gern gegeben, und so fasse ich sie auch alle zul- sammen in meinen Tankesworten, von dem, der die Zeichenliste mit 2000 Mark eröffnete, bis herab zu den Spendern einzelner Ausschmückungsgegenstände. Auch die Herren Stadtver. ordneten, die wohl einsahen, daß hier im Kärntnerland etwas vorgeht, was der Stadt Gießen zur Ehre gereichen muß, haben es sich nicht nehmen lassen, einen ansehnlichen Beitrag zur Gießener Hütte zu bewilligen, und ich bitte den anwesenden Bettreter der Stadt Gießen zu Hause berichten zu wollen, daß ich an feierlicher Stelle nod) einmal der Spende dankend gedachte. Haben die bis jetzt Enm'chnteil das Unternehmen ideell und pekuniär nntersttitzt, so gebührt dock) astch ganz besonderer Dunk denen, die wirklich Hand angelegt und durch ihrer Hände Fleiß zur Vollendung des Werkes beigetragen haben. Da habe ich «uiiächst zu erwähnen unser hier anwesendes Mitglied, Herrn A r di i t e I ten M eher, der um so liebenswürdiger gegen mich wurde je mehr Pläne ich von ihm verlangte; tat er es doch als Mitglied ans retnent Interesse für die gute Sache. Da habe idi gant besonders zu danken dem Bauunternehmer Joses Pacher für seine mühevolle Arbeit, ©inen harten Kamps hatte er zu kämpfen gegen die Unbilden der Witterung während der zwei Jahre, und gar manchesmal stieg er zu Tal mit sorgenschwerer Miene. Heute, wo er da§ Haus vollendet vor sich, sieht, wird er hoffentlich seinen schönsten Lohn darin finden, daß er sich sagen darf, daß er seine Pflicht getan und einen Bau hingestellt hat, der dazu beitragen wird, feinen guten Ruf als Bauleiter weiter über das Land zu verbreiten. — Zuletzt, aber deshalb iricht weniger Herzlid) sei allen Arbeitern gedankt, die unter so schwierigen Verhältnissen treu ausgehalten haben bei ihrer Pflicht. So haben sid) Hunderte liebevoll bemüht um die Gießener Hütte, und nun ist es Ehrensache für sie, sid; all dieser Liebe würdig zu erweisen. Ich darf milch wohl als ihr Dolmetscher aufwerfen; denn sie hat mir während der wenigen Tage meines Verweilens in ihr durck) manche Anzeichen zu verstehen gegeben, was fie fein möchte. Und so kann ich in ihrem Namen verkünden: Die Gießener Hütte will sein ein starker Eckpfeiler urdeutschen Wesens; die Gießener Hütte will fein ein trautes Heim für alle, die herauf- kommeu, um Erholung zu suchen und die Großartigkeit der Natur zu genießen; sie hüll Obdach bieten denen, die mit Seil und Steigeisen von den Bergen herabsteigen, um ihre müden Glieder auSzuruheu und zu neuen Taten zu stärken; die Gießener Hütte null sein der Stolz der Sektion, die sie erbaut hat, und sie will leben allezeit zu Ehren des Deutschen und Oesterreichi -1 chen Alpenvereins. Als würdiges Glied ivill sie sich ein- reiben in die starke Kette, mit der der mächtige Verein die Ostalpen umspannt; seine zielbewusste Kulturarbeit will sie fördern bdfen, denn nur ihm und seinen Bestrebungen verdankt sie ihr Dasein. Möge dieser mächtige Verein wie seither so immerbar blühen und gedeihen, und in diesem Sinne, hochverehrte Anwesenden, bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den 9hif: Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein hock), hoch, hoch! Begeistert stimmte die Menge, die diese meisterhaften Aus- übrungen an vielen Stellen durck) laute Heilrufe unterbrochen hatte, in das Hoch ein. Darauf sprack) Herr Direktor Nafe aus Wien, der Vertreter des Hauptausfchusses, der Sektion Gießen feine Anerkennung und Glück!wünsck)e zur Vollendung der Hütte aus, die er „ein Juwel, ein Schmuckkästckxm, ein Meisterstück der .Hüttenbaukunst" nannte; der Gesamtverein könne stolz darauf ein, sie in den Kranz Iber übrigen Hütten einzureihen. Seine Rede klang in ein .Hoch auf die Sektion Gießen aus. Nun be- tieg Herr Frido Kordon, der .Vorsitzende der Sektton Gmünd, den Vorbau, brachte .ben Dank und die Glückwünsche seiner Sektton dar Und übergab gleichzeitig den neuen Gmünder Weg von der Gießener Hütte bis zur Dössener S ch a r t c dem allgemeinen Verkehr. Sein Heil galt der Freundschaft der Nachbarfekttonen, worauf wiederum namens des Hauptausschusscs Herr Direktor Nafe den Gmündern für den Wegbau dankte, und die Sektion und ilften verdienten Vorfitzenden hochleben ließ. Dann sprachen die beiden Vertreter der Sektton Graz, Herr Pvof. Sieger und &err Oberbuchhalter Wagner, und überreichten als Geschenk ihrer Sektton ein Nebelhorn, wie es in alten Zeiten die Wirte der Tauernhäuser besaßen und bei ungünstiger Witterung von Zeit zu Zeit blasen mußten. Auch Herr Kordon überrcidüe eine Reihe von Bildern zur Ausschmückung der Hütte als Geschenk der Gmünder Sektton. Sodann teilte das älteste Mitglied unserer Sektton, Herr Renttrer Kühn, 'einen Beschluß der Sektion mit, nach dem dem 1. Vorsitzenden, Herrn Prof. Hedderich, für seine Verdienste um den Hütten bau dadurch eine Ehrung zuteil werden soll, daß ein Platz in der .Umgegend der Hütte nad) seinem Namen benannt und mit einer Ehrentafel versehen werde. Er überreichte Herrn Pros. Hedderich eine Ehrenurkunde, durch die iljut dieser Beschluß zur Kenntnis gegeben wird. Die Feier endigte mit der Ueberreichung des Schlüssels toion Jetten des Bauunternktzmers Pacher an den Vorsitzenden der Gießener Sektion, der ihn wiederum dem Hüttenwart Andreas Klampfer er aus Malta übergab mit der Mahnung, das Haus allezeit in treuer Verwahrung zu halten. - Die Sektion 'Gießen hatte schon vor der feierlichen Einweihung alle Feftteil nehmer mit Speisen und Getränken bewirtet; nun spendete sie Kaffee und Kuchen, dem eifrig zugesprochen wurde. Man aß und tränt in den Gastzimmern und im Freien; denn !die Hütte konnte nicht alle Teilnehmer fassen. Daß die Versorgung einer so großen Menge mit Speise und Trank so glatt vonstatten ging, dafür gebührt insbesondere ben Gmünder Damen dank, die sofort nach ihrer Ankunft mit Zugriffen. Gegen zwei Uhr begann der Abstieg nach dem Pflüglhof, der manchen Tropfen Schweiß kostete. Von dort fuhr man in Kutschen und 'S teil wagen nach Gmünd hinunter, wo die Feft- tei(nehmet in ihre Quartiere begleitet wurden. Abends 9 Uhr begann die Festf e ier i m Gasthaus H10 finger, die gleichfalls außerordentlich zahlreich besucht war und durch einen reichen Flor von 'Tarnen verschönt wurde, unter denen sich auch solche reichsdeutscher Sektton en, aus Gießen, Darmstadt und Magdeburg, besandeu. 'Der Gmünder Männergesangverein, die Gmünder Streichmusik, sowie eine eingeborene Solosängerin erfreuten die Anwesenden durch ihre Darbietungen, die ben Abend einlcitaten Und die Reden unterbrachen. Die Reihe der Reden eröffnete auch hier Herr^Prof. Hed- d eri d), der die Vertreter des Haupt au sschusses, der Stadt Gießen, Gmünd Und Malta, sowie per Einzelseittonen begrüßte. Fast vollständig hatten fid) die Vertreter der Nachbarsettionen cin- gefunben. Die beiden Vertreter von Graz waren wieder erschienen, aus Villach war Herr Aidstnger gekommen, der hier auch den Hauptcmsschuß vertrat, aus Hannover Herr Arnold mit mehrer n Sekttonsgenossen, aus Spittal Herr Kunstm-ühlenbesitzer Brückmann, ans Mallnitz Herr Oberlehrer Lackner, von der Sektion Mölltal Herr Straßenmeister Köppl, aus Winklern Herr Dr. Mschbachcr, aus Klagenfurt Herr Oberlehrer Ober- lerdmcr, aus Wolfsberg Herr Inspektor Meyer, vom Gau Karawanken Herr Musealkustos Proßen, von der Wiener Sektion Austtia Herr' Franz Kellner', v-on der akadem. Sektton Wien Herr Dr. Defner und Herr Karl Witzeisberger, aus Baden bei Wien Herr Schriftsteller Pavikowsky, ans Darmstadt Herr S a n i t ä t s r a t Dr. B r ü d n c r, ans Magdeburg Frl. Kläre Schede, von der Sektton Warnsdorf Herr Franz Paul, von der Sektton Küstenland Herr Dr. Verdansky, ans Hagen Herr Prof. Wcstertrölkc. Uebcraus zahlreich waren auch die fckmftlichen Grüfte der Schwestersektionen aus dem Reid) und Oesterrrich, sowie die von Einzelpersonen, die der Sektion Gießen oder Gmünd angchörten, dem Feste aber nicht beiwohnen Founten. Von den gleichfalls cingelabcncn Gieße nerTouri ft envereinen war ber !V 10 gesenkt ub durch seinen 1. Vorsitzenden, Herrn Zahnarzt Jäger, vertreten, nnb der Zweig verein Gießen des RS id g c l 5 b e r g e r Höhenklubs hatte einen warmen Drahtgruß geschickt. Auch Herrn Maier-Höffern, den Sekretär des Kärntner Landesverbandes für Fremdenverkehr, durfte Herr Professor Hedderich begrüßen. Seine Begrüßungsrede schloß mit einem Hock) auf die beiden verbündeten Monarchen von Derrtsch- land und Oesterreich. Herr Stadtverordneter Eichenauer-Gießen begann die Reihe der Erwiderungen. Er begrüßte namens der Stadt Gie^n die Gießener Sektion und sprack) ihr den herzlichsten Glückwunsch aus zur Eröffnung der neuen Hütte. Dieser Glückwunsch ergebt um so freudiger, führte der Redner etwa aus, als wir hier in Kärnten ausgenommen werden von einer treudeutschen Bevölkerung, und um so herzlicher, »veil uns hier die Herzen aller derer entgegenschlagen, die mir uns Freude empfinden an der stolzen Alpenwelt. Inmitten der Wunder dieser großartigen Natur fühlen wir Gießener uns l>eimisch, in diesen Borgen »düngen un sine Herzen höher, wo uns in ben Farben Kärntens entgcgenflatteni die rottveißen Farben unseres eigenen engeren Vaterlandes. Der herzliche Empfang der Einwohnerfchaft von Gmünd und des ganzen schönen Tales bewegt uns tief) und mir, als dem beauftragten Vertreter ber Stadt Gießen, ber allen hessischen Universitätsstadt, liegt die ehrenvolle -Ausgabe ob, Ihnen allen zu danken namens unfercr Stadt Vertretung und unserer Einwohnersdiaft für all das Schöne, nms Sie uns an dem heutigen Abend bereiten, unb für die tatkräftig? Unterstützung, die Sic unserer Sektton bei der Errichtung unb bei ber Einweihung ihrer neuen Hütte haben angedeihen Lassen. Möchten die Bande zwischen uns immer inniger werden und daraus ein reicher Segen erblühen für unsere beiderseitigen Städte und für das deutsche Volkstum. Die Staatskunst unseres großen Kanzlers Bismarck hat c8 verstanden, nach den schweren Kämpfen, die zur Begründung des Deutschen Reiches führten, dem österreichischen Brudervolk wieder die treue deutsche Bruderhand zu reichen und uns zu verbinden zu einem innigen Freundschaftsbündnis. Diese treue deutsche Bruderhand feftzuhalten, sei unsere Iwhe Aufgabe, unb immer beseele uns unseres großen Dichters Wort: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen unb Gefahr". Mit einem dreifackxn Heil auf bie Stadt Gmünd und das Kärntnerland schloß die mit starkem Beifall ausgenommene Ansprache. Direktor Aichinger sprach darauf namens des Hauptausfchusses des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Herr Maier-Höffern namens des Kärntner Landesverbandes für Fremdenverkehr, Herr Geheimrat Prof. Dr. A r n 0 l d im Namen aller Vertreter ber Schwestersekttonen. Der letztere überbrachte dabci auch die Grüße des 1. Vorsitzenden des Gesamt- vereins, des preußischen S t a a ts m in i ft e r s Epz. v. S v d 0 w, mit dem er zwei Tage vorher in Mallnitz zusammen- getroffcti 'roar Und der sein Bedauern aussprechen ließ, daß er an den Einweihungsfeierlichkeiten nicht teilnehmen konnte, wie er gerne gewollt hatte, weil er zu gleicher Zeit den Verein in Trient vertreten mußte. Darauf wurden noch manche launigen Ansprachen gehalten und humoristtsche Vorträge bargeboten, bis die späte Nacht die Teilnehmer trennte. Heute morgen hat es nun noch einen feuchtfröhlichen Frühschoppen i»n Gasthof Kohlmaper gegeben, wo von Prof. Hedderick) gespendete Rhein- und Moselweine nickst nur bie an sich leicht entflammbaren Kärntner Herzen, sondern auch bie härteren hessischen in die heiterste Stimmung versetzten. Ihr Berichterstatter hat sich diesen Genuß „verkneifen" müssen, um Ihren neugierigen Lesern möglichst rasch die hiesigen Ereignisse mitzuteilen, aber er hat beim Mittagessen mit einem gewissen Behagen, die durch die Weinlaune näher gebrachten deutschen Männer verschiedener Stämme und ihre Verbrüderung beobachtet unb fid) dabei im geheimen ben Wunsch ausgesprochen, daß dies Gefühl auch die Probe ernster Gefahr, falls sie kommen sollte, bestehen möchte. Nun haben fast alle fremden Feftteilnehmer die Mauern des alten Städtchens verlassen, sind hinuntergefahren an den lieblichen Millstättersee, um noch einmal eine gemein» fame kurze Rast zu mad)en; dann »vird .die Eifenbvhn sie nach versdstedenen Plätzen entführen. Sickwrlich nehmen sie von den Festlichkeiten gelegentlich der Einweihung unserer Hütte, von ber Hütte selbst und ihrer großartigen Umgebung, von der Pracht und Herrlichkeit der hiesigen Gebirgswelt, von dem biederen, kernigen Sinn der Kärntner Bevölkerung die besten Erinnerungen mit. Wir, von her Gießener Sektton, dürfen deswegen hoffen, daß mancher von ihnen wieder kommt und daß alle ihre Freunde und Bekannte anregen werden, einmal die Reise in das Gebiet der Gießener Hütte zu unternehmen. hauptversammlunq des Zentralverbande; für handel und Gewerbe. ~ Leipzig, 27. Ang. Bei der heutigen Schlußsitzung des Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe sprach Ernst Wolters (Hannovers über die De t a il h a n d e l sb e r u f s g e n 0 s s e n s ch a f t. Er teilte mit, daß Ende des Monats eine Vorstandssitzung in Berlin stattfinden werde, auf der die Vorbereitung für die demnächst stattfindenden Detaillistenwahlen zur Detailhandelsberufs- genossensdMft getroffen werden sollen. Hierauf sprach Janssen (Barmen) üher „Bildung einer Zentralstelle «oder eines Nahrungsmittelbeirates beim Kaiserlid»en Gesundheitsamt zur Vorbereittiug ber. Entwürfe unb Verordnungen von Festsetzungen über Lebensmittel". Er empfahl schließlich folgende Entschließung, die angenommen wurde: „Die Hauptversammlung des Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe erwartet vom Vorstand, daß, er zur Be- fd)lcunigung der bei ber Regierung geplanten Reform der Nal>- rungsmittelgesetze und deren Ucbcrtoadtung nochmals einwirkt. Die Versammlung bestätigt, daß die Eingaben des Verbandes aus dem Jahre 1909, sgdaun aber and) die Entschließung des Doutsck^en Handelstages vom 19. Februar 1913 die meisten Wünsche der Nahrungsmittelinteressenten enthalten. Die im Bortrage cm- gebeuteten Forderungen, besonders der Schutz des Nahrungsmittelverkäufers vor .Härten bei Ausführung der Bestimmungen, fallen in einer erneuten Eingabe den Behörden unterbreitet werden." Ebenso fand folgender Antrag Annahme: „Der Verbandstag wolle beschließen, den Verbandsvorstänb zu beauftragen, bei den zuständigen Stellen dalftn zu lvirken, daß sämtliche zum Verkauf in Deutschland bestimmten gepackten Waren mit Angaben von deutschen Maßen und Gewichten versehen sein müssen." Zu dem Thema „Gegner und Schädlinge des' berechtigten Handels" und zwar zu dessen erstem Teil „Kathedersozialismus und der reguläre Detail handel "sprack) zunächst an Stelle des erkrankten Berichterstatters Nientimp (Bock)um) Dr. Ehrhardt. In dem verlesenen Vorttag wird zunächst des längeren auf den Evangelisch-Sozialen Kongreß in Hamburg eingegangen, der für die K0nfumvereinsbewegnng Propaganda gemacht habe. Es wird bedauert, daß die Professoren der Nationalökonomie, so häufig sozialistische Ideen verfechten und dadurch für die Sozialdemokratie Propaganda mack>en. Zum zweiten Teil, „Die neuzeitliche Entwicklung der Warenhäuser", sprach Pfannkuchen (Barmenh der einen Antrag vorlegte, in dem empfolflen wird, daß a) zunächst durch Ergänzung des Gesetzes gegen ben unlauteren Wettbewerb gewisse Warenhaus- prakttkeu noch mehr verhindert werben, b') daß die Besteuerung der Warenhäuser in Einklang gebracht wird nrit der steuerlichen Belastung des regulären Kleinhandels, c) lieber die Ausdehnung ber Warenhäuser als Aktienunternehmen soll der Oeffentlichkeit und ben Behörden mehr Aufklärung zuteil werden." Hierzu begründete Saufen (Barmen) folgenden weiteren Antrag: „Der Zentral verband wird beauftragt, der Einrichtung von Verkaufshäufern der Wohliahrtsvereine und gemeinnützigen Körperschaften große Aufmerffamkeit zu widmen und bei Gelegenheit durch Eingaben an die in Frage kommenden Behörden und Verbandsleitiingen einzufchreiten, gegebenenfalls innerhalb der Vereine des Zentralverbandes und anderen befreunbeten Tetaillisten- Verbänden Selbsthilfe anzuwenden." An diese drei Vorträge knüpfte sich eine lebhafte Aussprache. Die Anträge wurden angenommen. Zum Punkte „Reform der Gewerbesteuer für den Detailhandel" legte Dr. Lohmann (Duisburg-Meiderich) folgenden Antrag vor: Der Zentralverband wolle beschließen: Sowttt eine Aufhebung der Okrocrbeftcuer, insbesondere in den preußischen Gemeinden, nicht zu erreichen ist, verlangt der Verlmndstag eine Ausgestaltung ber Gewerbesteuer in der Richtung, daß der Detailhandel von ber Gewerbesteuer in benv Maße entbunden oder entlastet wird, als er den betr. Gemeinwesen keine Lasten aufbürdet oder deren Einrichtungen nicht in besonderem Maße in Anspruch nimmt. Er betont, daß, sotveit dies der Fall ist, nur in geringem Maße nachgewiesen werden kann, und er verlangt dementt'prechend Steuerfreiheit oder eine angemessene Steuerminderung. Ganz entschieden nimmt er Stellung gegen jede vom Staate erhobene Getverbe- l'teucr, da sie eine Doppelbesteuerung darstellt, die mit ben Steuer» Prinzipien unb der Steuergerechtigkeit pickst in Einklang zu bringen ist. Der Zentralverbanb wird beauftragt, eine Untersuchung über die tatsächlichen Verhältnisse anzustellen, um auf Grund dieses Materials posittve Vorschläge für eine Reform vorlegen zu können. Insbesondere wird er beauftragt, dem Vorschlag einer Gewerbe- umsatzftcuer für ben Detailhandel näherzutreten. In der Aussprache erklärte Syndikus Dr. Rocke (Hannover), mit dem Antrag könne man grundsätzlich einverstanden sein, es könne aber gefährlich fein, den Verband Wort für Wort auf einen derartig wichtigen Antrag feftzulegen. Er beantrage dahe^ die .Versammlung wolle befchiießen, dem Antrag grundsätzlcch tuinftimmcn und ihn dem Botihmb zu überweisen Die Verfamm- jung bcWofo bemqemött. ®ei den 23 a hl en wurden die ausicheidenden Borstands' mitglicbtr wiedergcwahlt und Lausmann ftalbfufc Tarrnstadl in ben Bor stand neugewühlt. Zum nächsten Tagungsort wurde 3c rüxrdbaufrn bestimmt Aus Hessen. *xHt Beamtenbesoldongsresorm. bs. Darmstadt, 27. August. Die sogenannte Wirtschaftliche Bereinigung der Zweiten Kammer dielt heule vorunltag eine ausgedehnte Sitzung ab, an der fast sämtliche Mitglieder der Kammer, die dieser Bereinigung angehoren, teilnahmen. Den Borsitz führte der Abg. Korell- Angenrod. Gegenstand der Beratung war die Beamten- bcsoldunqsordnung. In der Hauptsache wurde über die Lehrer frage gesprochen. Die Mehrzahl der Mitglieder der Bereinigung war für Gleichstellung mit den mittleren Beamten. Die Einzelheiten der Beratungen waren geheim. Es wurden dann zwei Ausschüsse gewählt, die sich mit Vorarbeiten und Durcharbeiten der Regierungsvorlage nach den festgesetzten Grundlinien befassen sollen. Die hste Sitzung wird in ungefähr drei Wochen ftattsinden. Aus Statt und Land. Dieben, 28. August 1913. •• Fahrpreisermäßigung. Das deutsch-akademische Clgmpia in Leipzig 1913 gilt gleichwie daö vorjährige Olympia in Danzig als eine belehrende Veranstaltung, so das; den Teilnehmern unter Voraussetzung der Erfüllung der tarssarischen Bedingungen Fahrpreisermäßigungen gewährt rverden. ■** Eine Mahnung: Reise im Vaterland! ver- üffentticbt der Bund Deutscher Berkebrsvcrcinc in der ..Welt aus Reisen" .Hamburg . „Es werden sehr häufig Reiseschilderun gen in den Vordergrund gestellt, welche in umfangreicher Weise die Reize ausländisklrer Hochgebirge und Küstengebiete preisen und damit die Borliebe der deutschen Bevölkerung, ihre Ur- laubszeit im Ausland zu verbringen und ihr Geld dort anszuge- ben, fördern Wir nehmen durchaus nicht den engherzigen Stand punkt ein, das Reisen nach dem Ausland überhaupt bekämpfen zu wallen. Den Ruben der Auslandsreisen erkennen wir voll an. Wir wissen jedoch auch, daß viele unserer Landsleute, die infolge einer herrschenden Mode regelmäßig ihre Ferienzeit im Auslande verbringen, unser eigenes Vaterland in recht geringem Maße kennen, ja man die sogar gcringsch ätzend von der Schön- hat unserer deutschen Natur denken, namentlich auch von der unserer deutschen Mittelgebirge im Ofegensatz zum ausländischen Hock)gebirge. Ebenso werden die Bäder des Auslandes den deut scheu Kurorten sehr häufig ohne Grund vorgezogen. Diesen Tat suchen iwgenüber halten wir es vorn nationalen. >oie vom Volks wirtschaftlichen Standpunkt aus für wünschenswert, daß die bcuriebe Bevölkerung ihre eigenen Fluren höher schätzen und mein aufsuchen lerne als bisher. Es ist balxr dringend zu wünschen, dah das allgemeine Augenmerk nicht nur aus die ausländischen Reiscgebiere gc- rirht't itnro, sondern das; die deutschen Erholungsstätten und Wan berge biete mehr als bisher in den Vordergrund treten. Die etwas abseits der großen Heerstraße liegenden (Gebiete, die zwar weniger befnnnf sind, aber stellenweise bod) Motive von besonderem land- scvaftlichon Reize in sich bergen, sollten viel mehr, als es bisher geschehen ist, gewürdigt werden. Kreis Büdingen. H. Büdingen. 26. Äug. (Gemei ndera ts sr tzu n g ) Anwesend: Bürgermeister Svnbl, die Gcmeinderäte Schulz, Andräe, Schäfer, Keil, Rullmann, Allein, Ticmcr, Wittekind. Methfessel, Hinkel. Ms Sachverständiger Kreisstranenrnmier Straub. Zur Herstellung des Spielplatzes am Schul haus waren nach dem Voranschlag 20 000 Mark vorgesehen worden. Man ist aber der Ansicht, daß diese Summe unter heutigen Verhältnissen nicht auigaixnibet werden könne. Gemcindcrat R u l l m a n n glaicht, man könne mit einem kleineren Teil des Spielplatzes auskomnien. Auch die von den Lehrern verlangte Pflasterung eines Ganges durch den Spielplatz wird abgelehnt. Ofemeinbrrat Schulz empfiehlt, den Platz einfach z-u verebnen und mit Kies zu überdecken. Schließlich wird der Sackwerftöndige beauftragt, einen Voranschlag auHmarbeiten, in dem vorzusehen ist, das- der Platz mit Bäumen bepflanzt, verebnet, mit einfachen Packlagen aus Sandstein mit Kiesbeschöttung versehen wird - Die Arbeiten zur Herstellung der Bureau räume im Kr e is v e r Messung samt sollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. — Der Zuleaung eines Grabens in derGymnasiu m s st ra ß e wird tzugestimmt. - Die Herstellung des Stoppertsgrunds- weges soll ausgeführt iverden, nxnit die dortige Villenbesitzerin 1 i der mosten, die insgesamt 400 M«rrk betragen, übernimmt. — Die Arbeiten zur Herstellung eines RohrkanalS in der Keller- gasse werden an Maure rin erster Faßbinder und die zur Herstellung einix- Kanals aus dem Wagenplatz an Hch. Mörschel III., beide in Büdingen, vergeben. Die Pslasterarbeiten am Würgen' vlatz, Strong und Färbergasse, sowie Junkernlx'fweg erhält zur Ausiübrung die Firma Friedrich Zipf u. Söhne, Gelnhausen. — Die Höhe des Scheckkoutos, das die Okmteinhe Büdingen bei dem diesigen Vr'rschuß- und Strebttm-rein unterhält, wird vom (^e mein berat auf 60 000 Mark (gegen seither 30 000 Mark» fest gesetzt. Zur Sickierung hat die Marie der Stadt ein Depot in guten Wertpapieren von 80000 Mark gestellt — Tas Kreisamt verlangt, daß auck, die Gehaltsve rhältn i sse der Wiesenwärter, des Sch-isers, Nachtwächters und der £hi n bar beite- lebtenii durch Ortssatzung geregelt tverden. Der Gemeinderal lehnt die Ausnahme der Wieienwäner und des Schäfers ab. Ter Gehalt der ersteren richtet sich nach der Größe der zu bc und entwässernden Fläche. Die hiesig« Schäferei ist eine Gesellschasts schäferei und imrb das Ol br.Ir des Schäfers durch den betreffenden Vorstand festgesetzt. Rachtn«chter und Handarbeitslehrerin werden in die Besoldungsordmtng ausgenommen mit dem Zusatz, bar der zurzeit beftehenbe Gedalt ein für allemal angenommen wird. — Von verschiedener Seite wurde angeregt, man solle bei den Einauartterungen ben Luartiergebern zu den von der Militärvenvaltung gezadlren Sätzen aus der Stadlkasse einen Zuschuß geben. Der Bürgermeister teilt mit, daß Kredit im ftäbtifdTcn Budget für eine derartige Ertraausgabe nicht vor banden und auch ohne Kapitalwlfnalmte nidn zu beschossen sei. £b die Aussichtsbekörbe eine derartige Kapitalaufnabme genest migt, sei zweiselbaft. Es wird bemnach beschlossen, daß an die Quartiergeber nur die Sätze Mie^ezahlt werden, die die Militär Verwaltung vergütet. -^Nachdem das Lberlandesgericht in Tarrn stadr im Prozeß her Stabt gegen die Aktienzuckerfabrik Stockheim zu llnaunftcn der Stadt entschieden bat, verzichtet der Estrnteinberat auf einen Rekurs an eine höhere Instanz. — Bor einigen Wochen batte,brr Gemeinderat den Beschluß gefaßt, daß bis zum Jahresschluß den Mstglredern der Gemeinde krankenversickerung nur .freies Aerztehonorar, Bezab!ung der Rezepte und Krankengeld gewährt wird, wenn ne sttssige Aerzre nehmen. Dieser Beschluß war seinerzeit Herrn Tr. Pavvler in Düdelsheim, der in den umliegenden Crtfcbaften und auch in Büdingen^eine größere Aumbl Kassenmitglieder behandelt, mit geteilt worlxm. Der genannte Arrl erhel't gegen diesen Beschluß Einspruch und macht gelttmb. daß rr sckvn längere Zeit Mitglieder der Kasse behandle und ihm die Rechnungen honjncrt worden feien. Er könne seine Patienten nicht cmfad) im Stich lassen Die G-.-meinderäte Rullmann und Keil sind für An ist? bring des- Beschlusses. Da aber die Abstimmung Stimmen - gleichleit ergab, konnte nicht werter über diesen Punkt ver- lanbelt werden und wurde vertagt. d. Echzell, 27. August. Am 6. September finden hier die Ersatzwahlen zum Gemeindcrat statt. Da eine ganze Anzahl Kandidaten ausgestellt ist, ist man auf den AuSgang der Wahl gespanut, umsomehr als eine leohafte Agitation im Gange ist, die den Zweßugclstoßen, Diskuswersen, Scbleuderball» werfen und das traditionelle Fußbollweüstoßen^ 1. A. Sauer. 2 D. Liltmann. 3. W. Kraushaar. 4. Wacker. 5. Römer 6. Gerhardt. 7. Dietrich. 8. Plerick und Abel. 10. Siegel. 11. Lieh und W. Schneider. — Die besten Leistungen wurden im Fußballweitstoß und im 400 Meter Lauf erzielt Ten Schluß bildete ein 10-Äilometer-Lauf, den der higcnblithe Listmann knapp in rund 40 Minuten vor Siegel gewann. In Kürze folgt ein Quer- fcldeinlaufen. Bei ber internationalen Aulomobilfahrt „Rallne automobile bc Spaa" über 263 Kilometer wurde TVoer n auf Opel Sieger unter 38 Konkurrenten. In dem gleichzeitig nattgefunbenen Schnelligkeitsrennen über 7 Kilometer erzielte Joerns auf einem kleinen 8,30 kL.-Oml-Rennwagen die enorme Dnrckrickmittsgescksmnbigkeit von 100,4 ftiLom. in der -stunde und erhielt den ersten Preis des Gesamtklasfements Ein Telegramm meldet, daß Baruch-Stettin auf Opel die Lhnehvlt Wbrt des 8. Gaues des Adac nach Ostseebad Misdroo ftraf- punkllos surüdqelegt und bat 1. Preis gewann. Gcrichtrsaal. Weibliche Spielratten. '22 T e flau, 26. Äug. Taß Frauen ebenso eifrig ber Spick- lcibenschaft huldigen können wie Männer, bewies eine Verhandlung vor dem hiesigen Schöfsengericht, vor ixm sich die Inhaberin eines Hotels wegen Duldens von Glücksspielen zu verantworten hatte. An dem Ser fahren trug die Frau eigentlich elbst schuld Lie hatte nnen Reifenden, der seine Zeche nicht bezahlen tonnte, wegen Zechprellerei angezeigt. Als bre Polizei sich mit ber Sacke befaßte, konnte sie feststellen, daß der Reisende beim ^ncl tn Dem betragenden Hotel fein gan^s Geld verloren hatte. zic vauptimrgiieder der Lpielergesellscvast, die in dem Hotel -uiammenzukommen mlegten, waren fünf Tarnen der guten Gefellsckaft, die mit Vorliebe dem „Mauscheln" huldigten. >zn der enten Seit blieben die Tarnen unter sich, später nmrben auch Njcrren $ugelanen, die mit Grazie ihr Geld verlieren durften: Wie m der Verhandlung von Zeugen behmbet wurde, dauerten bte Tmclparticn mitunter bis in ben frühen Morgen Die An- gekla^e entimidbigte sich damit, fie habe nicht gewußt, daß e- tim um verbotene Glücksspiele gehandelt habe: sie habe eine Der Tanten einmal nach dem Spiel gefragt unb die Auskunft er- haltal, es imirbe nur zur Unterhaltung gespielt. Eine weitere Konttolle habe ne nicht ausüben können, denn die Tarnen hätten ci9cnen Karten mitgebracht. Der Gerichtshos iah die schuld der Angeklagten als ziemlich leicht an und erkannte nur auf eine Geldstrafe von 20 Mk. Sandel und verkehr, Volkswirtschaft. Darum sinken die Kleinhandelspreise für Kaffee n i d>t? Nach den „Deutfch'Brasiliani'chen Blättern", bcranegcacben von der „Deutschen Zeitung" in Sao Paulo bat kürzlich bet ber Eröffnung des pruliftvner Staatskongresses der Staatsprajident Dr Paula Rodrigues Alves mit Bezug auf die Lage de>> Maffec- markt es, einen Lebensnerv be? Staats Soo Paulo, wörtlich geäußert: „Selten fiub in ber Wirklichkeit so viele ungünstige Umstande für den Preisrückgang eines Produktrs zu gleid>*c Zeit erschienen, unb mir wissen wirklich nicht, ob ber Kaffee in irgend einer früheren Periode schon einen heftigeren Angriff auf seinen Preis erlitten bat. " TaS soeben erschienene Juli heft ber „Monatliäxn Naliuvirife über ben auswärtigen Hanbel DeittsckUanbs" verzeichnet als Großhandelspreis des Monats Juli für unverzollten Santos ooob ai» Bremen 1 Doppelzentner 111 Mark, »vährend ber Jul,preis des vergangenen Jahres für bicfelbe Kasseeforte, die Haupliorte beS bculfdxn Hanbels, 142,50 Mark betrug Nock im Juni 1913 notierte dieser Kaffee für 1 Doppelzentner 119,6.3 Mark unb im Mai t*. I sogar 127,25 Mark In ben drei letzten Monaten find also die Großhandelspreise für Kafiee um 16 Mark, feit dem 1 Juli vergangenen Jahres sogar um 31,60 Mark für den Dopi'elzenlner gesunken, also u Ni über 2 2 Prozent? Der Kleinhandel wird immer recht auSfabrcnb, wenn man ihm vonvirit. daß er oft weit über Gebühr die Preise steigere In manchen Füllen ist er an ber Verteuerung der Waren auch nnrRid) weniger schuld, als eine ge- ivissc Art von Zwischenhändlern, die, mögen sie Kommissionäre, Bezirksimvvrteure oder ähnlich sich nennen, außerordentlich bob\' Ausschläge erzielen. Die Differenz zwischen (Großhandels-' und Kleinhandelspreis wird dadurch natürlich immer größer. Märkte. ■i. «ledern, 25. Ang. Heute wurde ber erste Weben et Markt abgehalteii, welcher mit Schweinen stark befahren war, an Rindvieh aber nichts aufgetricben wurde. Der Handel mit fetten Schweinen unb bellen Läufern ging gut. Auch bet den Ferkeln ging er anfangs flott, würbe aber durch die stets wachsende Zufuhr ins Stocken gebracht. Wer absehen wollte, mußte sich zu einem billigeren Preise verstehen. L. Friedberg, 27. Slug. Unser heutiger Viehmarkt war außerordentlich stark mit Schweißen befahren, wie seit längeren Jahren nicht. 1600 Schweine waren airiqclricben. Die Preise gingen et nm8 herunter, kleinere rierfcl kosteten 36 'Ulf. bafl Paar, größere 45 Mk., Lauser 50—60 Mk., Springer kamen aus 70 Mk. Der Handel, anfangs flau, wurde später lebhaft. FC. Wiesbaden. Diehhos-Marktbericht vom 27. Aug. ?luftrieb: Rinder 73 (Ochsen 15, Bullen 13, Kühe 45), Kälber 236, Schafe 32, Schweine 486. Preise für 100 Pfb. Geschäft mittel. Lebend- Schlacht- Ochsen. gewicht Dollsieischige, miSgemästete, höchsten Schlacht» Ack. Alk. werte- int Alter von 4—7 Jahren .... 62 —67 93 — 102 Die noch nicht gezogen haben lungejochle) . . 51—66 91—100 Junge, fleischige, nicht anSgemäslete unb ältere MiSgernästete 47—50 85—90 Bullen. Dollsieischige, jüngere 51—64 88—92 Dolllleischige, auSgero., höchsten Echlachtw. . . 47—50 81—86 Färsen, ft ü h c. Dollfleischige auSgemäftcte Färsen höchsten SchlachtiverieS .... ... ... 50 —55 91 — 100 Dollsletfchige aii5gemäflete Kühe höchsten SchlachtiverteS bi- zu 7 Jahren 44—48 83—88 Aeltere auSgemästete Kühe imb wenig gut entwickelte jüngere Kühe 45—49 83—90 Mäßig genährte Kühe und siärsen 88—42 73—82 Gering genährte Kühe unb Färsen 82—36 63—72 Kälber. Feinste Maslkälber 70—73 117—122 Mittlere Mast- und beste Saugkälber .... 66—70 110—119 Geringere Mast- unb gute Saugkälber . . . 60—65 100—109 Geringere Saugkälber......... 58—58 89—95 Schafe. Weibeiuallschase: Mastlämmer und Aiastharnrnel .... 45,50—00.00 94—00 Schweine. Lollsleischtge Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht . . . . 62'/,-63 80-81 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 61M-621/, 79—80 Dollsieischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 64-64'/, 80—81 Dollsieischige Schweine vonl20—150 kg Lebend- gewicht 62 - 6.3 78—79 Fetisch weine über 150 kg Lebendgewicht . 59-60 74—75 Limburg a. d. Lahn, 27. Aug. siruchtmarkt. Durch schntttSvrei'S vro Maller. Roter Weizen luafjauischer) 17,00 1.3g FrWc liier10 fl.85 Ksch-Käsem 0.60 Seltersw. 12 ( 5571) Tel. 285 WrfifllttA I Mora. Freitag ^11)1111111! trifft eine grobe Send. Cinmach- und Salat- (9urf. u. Einmach Bohnen zu bill.Pr.ein. Berk.v.8Uhr an SolmserHof,Bahnhofstr.^^ Delikateß- Kochkäse frisch eingetroffen 6525 Reformhaus Kreuzplatz 5. GIOl-W Schreinerleim Malerwerkzeuge Pinsel Bürsten Leitern liefert billigst 3052 J. soll Tel. 136. Nord-Anlage 13. Günstige 50-Pfg.- Geld-Lotterie Ziehung sicher 6. Sept. 1616 Geldgewinne IOOOO Hauptgewinn 5i5J 4000 1616 Geldgewinne 6000 m. 11 Lose 5 M. Porto u. Liste 25 Pf. empf. Lott.-Unter- nehmer J. Stürmer, Straßburg i. Els., Langstr. 107. In Gießen: Die Kgl. Lott.-Einnehmer u. alieLoseverkaufsstellen Neue FrühkartoKelll der Wetteran Perle und Kaiserkrone, per Zentner zu 2.65 'Mk. versendet unter Nachnahme [M73 Wilhelm Watzenborn, Södel (Wetterau). 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