Nr. 201 Erstes Blatt - 165. Jahrgang Donnerstag, 28. August 1915 biä vormittags 9 Uhr. SeschäflLstele Bübingen, Bahnhofftrahe (6a. Ter Stetzener Anzeiger Ä >*TK 'Wf erscheint täglich, nutzer y GichenerAnzeiger Ferniprech - Änschlusie: M ■ AW für die Redaktion 112, WS General-Anzeiger für Gderhefsen tt^^!7^^esnun.mer Kofatiottsbmd und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch: und Stcinbruderei H. Lange. Nedaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. vezugsore«»: nronatiich 75 viertel» jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- iu Zweigstellen inonatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel« jäbrl. ansjchl. Aenellg. ZeilenvreiS: lokal 15Pf^ nuSiDdvi» 20 Pfennig, ö befredaktenr: A Goetz. Verantwortlich für den volitifchen Teil: August Goetz; für .Feliitle- ton', .Verwischtes* imb „®eiichiSfnal": W. Neurath; iiir „otabt und Land-: E.Hcß; für den Anzeigenteil: £». Beck. Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten. Tagcskalcnder aus dem Jahre 1813. 28. August. Schwieriger Marsch der hessischen Brigade durch das überschwemmte Queitztal nach Lauban. Spekulationen der Bankangestellten. Die Unterschlagungen des Untcrdirektors und Kollektiv- prokuristen Steeg, der die Düsseldorfer Filiale des Schaas- hc 'en scheu Bankvereins um 239 000 Mk. geschädigt hat, habe: starkes Aufsehen erregt, einmal weil es sich um eine so beträchtliche Summe handelt, und weiter, weil dies ja nicht der erste Fall derartiger Unterschlagungen beim Schaashau- senschcn Bankverein ist. Wie schon früher bekannt wurde, hatten die wiederholten Unterschlagungen bei diesem Bankin- stilul eine Verschärfung der Kontrollorganisation zur Folge gehabt, der cs ja auch zu verankcn ist, daß die erst aus dem Juli ds. Js. hcrrührendcn Unterschlagungen des mit bemerkenswerter Schnelligkeit sestgcnommcnen Steeg so schnell entdeckt wurden. Bei dem Schaafhausenschcn Bankverein ist eine Kontrollmaßnahme eingeführt worden, die jetzt wohl bei den meisten größeren Bankinstituten angewendct werden dürfte, daß nämlich, -sowie ein Angestellter seinen Urlaub antritt, Revision seines Ressorts erfolgt. In der Leitung der Berliner Dcpositenkassc findet ferner ein häufiger Austausch der Depositenkassenvorstehcr statt, und jetzt soll auch für die Lei- !ung der Provinzsilialcn eine schärfere Kontrolle in Aussicht genommen sein, nachdem sich die bisherige, wie der Fall Steeg gezeigt, nicht als ausreichend bewährt hat. Der in Donaueschingen sestgenommene Steeg hat bekanntlich, um Börscnverluste zu decken, die er durch bei verschiedenen Banken eingegangene Spekulationen erlitten hatte, Unterschlagungen von Wertpapieren begangen, die der Düsseldorfer Filiale des Schaafhauscnschen Bankvereins anvertraut waren. Die Frage liegt nun sehr nahe, wie Steeg überhaupt die Möglichkeit zu seinen Spekulationen erlangt hat, da ja, wie bei früheren Unterschlagungen dieser Art -bekannt geworden ist, auf Anregung des Zentralverbandcs des deutschen Bank und Bankicrgewcrbes seinerzeit die Vereinbarung getroffen würbe, daß Bankangestellte nur dann Geschäfte bei anderen Firmen machen dürfen, wenn sie die ausdrückliche Genehmigung hierzu von Seiten ihrer Chefs beibringen. Das heißt, die Bankbeamten können bei der Firma, in der sie tätig sind, spekulieren, da ja hier die Leitung des Unternehmens die Kontrolle über die Angestellten behält und die Höhe ihrer Engagements überwachen kann; Spekulationsgeschäfte bei anderen Firmen sollen dagegen besonderer Genehmigung bedürfen und werden wohl aus naheliegenden Erwägungen zumeist grundsätzlich verboten werden. Wie war es nun möglich, daß Steeg ohne Wissen der Bankleitung bei anderen Firmen spekulierte? Das Geheimnis liegt hier in dem Titel „Subdircktor". Die vorhin erwähnte Vereinbarung im Bankgcwerbe bezieht sich nur aus die Angestellten, zu denen die Direktoren der Bank nicht gerechnet werden. Steeg war zwar kein wirklicher, sondern nur ein Titulardirektor, aber die Banken, die mit ihm arbeite» ten — er betrieb seine Geschäfte vorsichtigerweise mit mehreren, um so die Höhe seiner Engagements zu verdecken — Lilhard Mitscherlich. Zu seinem 50. Todestage, 28. August. Am 28. August vor 50 Jahren starb einer der größten Chemiker, die den Lehrstuhl für Chemie an der Berliner Universität inne gehabt haben: Eilhard Mitscherlich. Mitscherlich, der am 7. Januar 1791 zu Reuende bei Jever geboren wurde, gelangte auf einem seltsamen Wege zur Chemie. Ursprünglich wollte er Sprachwissenschaften studieren. Auf Rat feines Onkels, des Göttinger Professors Mitscherlich, entschied er sich für die orientalischen Sprachen und begab sich nach Paris. Als 20jährigcr war er schon soweit, daß er Aussicht darauf hatte, mit einer Gesandtschaft Rapoleons nach Perfien zu gelangen, aber der Wirbelsturm der Freiheitskriege stürzte alle Pläne Mitscherlichs um. Er begab sich 1814 nach Göttingen, um Medizin zu studieren, weil er glaubte, als Arzt im Orient seiner Sprachliebhaberci Folge leisten zu können, doch mußte er beim ärztlichen Studium auch Chemie treiben, und dieser Gegenstand fesselte ihn so, daß er sich ihm dauernd zuwandtc. Als er sich in Berlin als Privatdozent nie» derlassen wollte, machte er eine Bekanntschaft, die entscheidend für sein ganzes weiteres Leben werden sollte: er lernte B c r z c l in s, den großen schwedischen Chemiker kennen, und dieser erkannte bald in Mitscherlich den großen Forscher. Bcr zelius schlug dem Minister von Altenstein vor, den jungen Mitscherlich, der noch nicht eine einzige Arbeit veröffentlicht hatte, als Klaproths Nachfolger zum Ordinarius der Chemie an der Berliner Universität zu berufen. Das tar. Altenstein zwar nicht gleich, wohl aber schickte er Mitscherlich mit einem Reisestipendium nach Stockholm zu Berzelius; als Mitscherlich 1822 von Stockholm nach Berlin zurückkehrte, wurde er zum außerordentlichen Professor. Bis zu feinem Tode war er an der Berliner Universität als Lehrer tätig. Seine Lehrtätigkeit stand aber hinter seiner Forscher- tätigfeit zurück. Drei Gebiete find es, auf denen er forschend tätig war: auf dem chemisch-kriftallographischen, auf dem der organischen Chemie und auf dem geognostischen Gebiete. Als Mineralchemiker hat er eine ganze Reihe wichtiger Entdeckungen gemacht, und die wichtigste glückte ihm gleich im Anfang bei seinen Untersuchungen über Phosvhorsäure und Ärsen- fäure, nämlich die Entdeckung der Isomorphie: die Atome des zogen cs offenbar vor, ihn als vollwichtigen Direktor anzu- fehen, denn zum Schluß streicht jede Bank gern Provision ein. Aber noch ein weiterer merkwürdiger Umstand ist im Falle Steeg zu verzeichnen. Wie von der Direktion des Schaasshausenschcn Bankvereins festgestellt wurde, hat Steeg in seiner früheren Stellung als Prokurist eines großen Berliner Privatbankhauses bereits ganz erhebliche und zwar un glückliche Spekulationen betrieben, und obwohl er aus jenem Bankhause mit Hinterlassung einos umfangreichen Deb-et- saldos ausfchied, ist ihm von der Firma ein günstiges Zeugnis ausgestellt worden, in dem von jenen Dingen, die doch für die Beurteilung eines in verantwortlicher Stellung befindlichen Bankbeamten sehr wesentlich find, nichts zu lesen war. Tie Direktion des Schaafshausenschen Bankvereins hat denn auch bereits erklärt, daß sic gegen jene Firma eine Regreßklage anstrengcn will, über deren Aussichten sich jetzt natürlich noch nichts sagen lätzt, schon weil die näheren Umstände und vor allem der Wortlaut des Zeugnisses nicht bekannt sind. Anscheinend beruht der hcikcle Punkt bei diesem Zeugnis darin, daß zwar keine falschen Angaben gemacht, wohl aber wesentliche Umstände, nämlich besagte unglücklichen Spekulationen und ihre noch nicht erfolgte Deckung, verschwiegen wurden. Der Schaafshausenschc Bankverein gründet seine Regreßansprüchc nun darauf, daß es sich hier um einen wesentlichen Umstand handele, dessen Verschweigen in dem Zeugnis die Auskunft zu einer irreführenden mache. Bleibt der Ausgang dieser Regreßfrage, die vom juristischen Standpunkt pus jedenfalls sehr interessant und unter Umständen von grundsätzlicher Bedeutung sein kann, abzuwarten, so wird hieraus jedenfalls für alle Banken eine Mahnung zur Vorsicht bei der Ausstellung von Zeugnissen zu entnehmen sein. Weiter aber sollte man sich im Bankgewerbe ernstlich überlegen, ob es wirklich eine berechtigte Maßnahme ist, daß man der Masse der Bani- angestellten die Spekulationen bei anderen Banken für eigene Rechnung verbietet, sie den Direktoren und Oder- beanrten aber freistellt. Der Schaafl-auscnsche Bankverein ist nicht der cin^icjc, der die Folgen davon gespürt hat, daß hier ohne ersichtlrchen Grund mit so ungleichem Maße gemessen wird. Der Kreuzer „Emden" vor Nanking von den Aufständischen beschossen! Berlin, 27. Aug. Rach einer telegraphischen Meldung des Chefs des Kreuzergeschwadcrs wurde der Kreuzer „Emdcn" von den Rebellen in dem besetzten Fort bei Wuhu mit Geschütz und Gewehrfeuer beschossen. Der Kreuzer erwiderte sofort das Feuer und brachte mit 25 Schuß das Fort zum Schweigen. Es hat also, von den Rebellen provoziert, ein regelrechter Kamp! stattgefunden, bei dein, so schreibt das „B. T.", der kleine Kreuzer sich als der Stärkere erwiesen hat Es verstand sich von selbst, daß das Feuer auf der Stelle erwidert wurde. Ter Sfr einer konnte nicht daran denken, diese Ausgabe den chinesischen Behörden zu übertragen. Diese würde natürlich die Verantwortung für die von Rebellen begangene beispiellose Bölkerrechtsverletzung abgelehnt haben. Zudem waren sie gar nicht im Stande, eine sofortige Bestrafung der Aufständischen vorzunehmen, mit denen sich die Regierungstruppen am Bangtse noch immer mit ungenügendem Erfolge herumschlagen. Tie deutschen Schiffe siird also auch bei Phosphors und die des Arsens kristallisieren in ihrer Kaliverbindung, wie er zuerst erkannte, in der gleichen Form, und diese Entdeckung konnte er verallgemeinern. Auf der Reise durch Schweden machte er in Falun eine wichtige Beobachtung, als er die Schlacken bei der Kupferverhüttung untersuchte: er fand darin nämlich Kristalle, die nichts anderes waren, als Augit, Olivin, Glimmer usw., und sogleich durchzuckte ihn der Gedanke, es müsse möglich sein, aus feurig- flüssigen Massen in rascher Zeit Mineralkristallc künstlich zu erzeugen, die, wie man solange angenommen hatte, zu ihrer Bildung lange Zeiträume brauchten. Seit dieser Entdeckung stellt der Chemiker im Schmelztiegel künstliche Mineralien her. In den 30er Jahren kam er zu seinen großen Entdeckungen in der organischen Chemie. Es gelang ihm, die Benzösaure zu spalten, und das Spaltungsprodukt heißt seit seiner Entdeckung Benzol. Durch Auflösen des Benzols in Salpetersäure erhielt Mitscherlich das Nitrobenzol, und aus dieser Entdeckung entwickelte sich eine gewaltige Industrie: „Tie Anilinfarbstoffe," so sagt A. W. o. Hofmann, „sind Kinder des Benzols, an dessen Wiege Mitscherlich gestanden und welche die erste große Etappe auf feiner farbenreichen Laufbahn, dem llebcrgang in Nitrobenzol, gleichfalls unter Mitscherlichs Führung erreicht hat." Tas dritte Arbeitsgebiet Mitscherlichs hängt mit der Mineralogie eng zusammen. Mitscherlich hatte sich schon frühzeitig mit Spekulationen über die Bildung der Erdoberfläche beschäftigt, und allmählich wurde hieraus ein sorgfältiges Studium der oulkanischen Erscheinungen, der Geisire, der Erzgänge und der Mineralauellcn, und auf allen Reisen, die Mitscherlich unternahm, beschäftigte er sich mit solchen Untersuchungen. Mitscherlich hat fast alle vulkanischen Gebiete Europas besucht, er war in der Eifel, wie in Böhmen, am Mont Tore, am Vesuv, am Aetna, auf Stromboli, auf der Insel Ischia, aber sein Leben reichte nicht aus, die gewaltige Arbeit, dtc er sich vorgenommen hatte, zu beenden. Einzelne Teile seiner Arbeit über den Vulkanismus sind jedoch aus seinem Nachlasse veröffentlicht worden. 9 — Das Pettenkoferhaus München, das zur dauernden Erinnerung an den großen Hygieniker errichtet werden soll und das die wissenschaftlichen Vereine Münchens, in erster Linie die ärzllichen Vereine aufzunehmen bestimmt ist, ist nach de» etwaigen weiteren Angriffen der Rebellen auf den Weg der Selbsthilfe angewiesen. Ob es noch zu solchen kommen wird, ist ungewiß, da nicht bekannt ist, ob noch andere Forts an der von der ..Emden" zu durchfahrenden Strecke sich in den Händen der Rebellen befinden. Immerhin dürfte der Erfolg des gestrigen Abenteuers die undisziplinierte Gesellschaft der Vangtscrebellcn etwas cingeschüchtert haben. Man vermißt in der amtlichen Depesche aber eine Angabe, daß irgcndeltvas zur Unterstützung des angegriffenen Kreuzers eingeleitet wurde, daß etwa der >brcu.zcr „Sckxrnllwrst" ihm zu Hilfe gesandt ist, überhaupt welche Maßnahmen der (Sbet des Krenzergeschwaders ergriffen hat. Tic Beziehungen znnschcp den Rebellen und der „Emden" sind, wie erinnerlich, schon seit langer Zeit gespannt. Dem Kreuzer wurde bereits in der vorigen Woche die Beschießung angcdroht, angeblich, weil er die Stellung der Aufständischen aus dem Nankinger Löwenhügel angegriffen Hobe. Das war eine plumpe Unwahrheit. 9lbcr die Frage, ivarum die Rcbellensührer gerade gegen die Deutsären auf dent Aangfte und gegen sie allein so sehr aufgebracht sind, bildet noch ein sehr dunkler Punkt. Die Posener Kaifertage. Einweihung der Kapelle im Residenzschloß. Arn gestrigen Mittwoch vormittag um 10Vs Uhr wurde in Posen die Kapelle im kgl Residenzschloß durch einen liturgischen Gottesdienst feierlich etngeweiht. Der nicht sehr große, aber holsc Raum, ganz in Marmor und herrlichetn Glasmosaik, ist ein Meisterwerk romanischen Stils. Der große Christuskopf in der Altarnische, die Figuren der Propheten und Apostel, die Wappen der Provinz Posen, treten aus dem schweren, goldenen Hintergrund in fein abgetönten Farben hervor. In jeder der beiden Ecken, schräg gegenüber vom Altar, erhebt sich ein brcitsitzigcr> hochlehniger Thron über einigen Stufen. In der Lehne des für den Kaiser bestimmten Thrones sieht man den Reichsadler, in dem der Kaiserin das Jerusalemkrcuz. Auf dem ersten Thron nahm der K a i f e r zwischen dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich Platt. Auf dem zweiten Thron die Staifertn zwischen der Krott* Prinzessin und derPrin z'c s s i n Ä u g u st W i l h e l m. In der Umgebung des Kaiserthrones saßen ferner die Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim,.der Reichskanzler, Fürst Fürstenberg, Graf v. Wilczek, Oberhofmarschall Graf Eulenburg, Generaloberst v. Plessen und Herren des Gefolges. Der Kaiser iüberreichte nad} dem Gottesdienst dem Maler Professor O et ke n-Berlin persönlich den Kronenorden zweiter Klasse. DaS Kaiserpaar im Rathaus. Gegen 12 Uhr fuhr das Kaiserpaar im offenen Straft» tvagen bei prächtigem Wetter vom Schlosse nach dem Rat- hausc. Oberbürgermeister Dr. Wilms hielt dort eine Ansprache, in der es hieß: Euere kaiserlichen und königlichen Majestäten bitte ich, den ehrfurchtsvollsten Dank der Bürgersck)aft huldvollst entgegenzn- nchmen für die hohe Ehre, die der Stadt durch den Besuch Euerer Majestäten auf dem alten Rathause zuteil roirb. Es ist ein historischer Boden, auf dent wir stel-en. Nicht allzulange nach der Zeit, als im Jahre 1253 Thomas von Aubcn deutsche Kolonisten zu einer Siedlung nach magdeburgischem Recht zum westlichen Ufer der Warthe bei Posen führte, ward auch mit dem Ban eines Hauses für den Rat begonnen. Durch Feuer und Zeit beschädigt, erstand das Haus in neuem Glanze durch die „Münch. Med. Wochenschr." jetzt soweit fundiert, daß noch in diesem Jahre die Ausarbeitung der endgültigen Plane in Angrift genommen werden kann. ES ist zu hoffen, daß, wenn im Jahre 1917 der große internationale medizinische Kongreß in München tagen wird, das Pettenkoferhaus im Betrieb sein und seine dann dringend nötigen großen und modernen Hörsäle dem Kongreß zur Bersügung stillen roirb. Das Pettenkoserhaus wird auch sonst den auswärtigen Aerztcn zugute kommen. Kollegen, die sich besucktswefte in München aushalten, roirb es gastlich osfenstehen, die reichhaltige Bibliothek und das Lesezimmer des ärztlichen Vereins München, die jetzt schon viel von auswärtigen Aerzten benützt werden, rc erben nach ihrer systematischen Ausstellung in den künftigen Bibliothekräumen in noch viel ausgedehnterem Maße der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden können. — Zur Förderung des Unternehmens, das zu seiner würdigen Durchführung noch reichlicher Geldmittel bedarf, hat die bayerische Staatsregierung eine große Geldlotterie genehmigt. — Gin Naturtheater in den Vogesen. Aus Straßburg i Els. wirb uns geschrieben: Im Wildromantischen Fcchttal zwischen jäh abstürzenden Bergrücken und unruhig sich auftürm enben, rnoosübersponnenen Granitblöcken liegt die Freilichtbühne, auf der Hans Karl Abel, der elsässische Dichter, seine Bauerntragödie „Die silbernen Glocken vom Jlien- kovf" durch Bauern und Bäuerinnen des Münstertals aufführen läßt. Das Motiv zu dem Stück bildet die alte elsässische Sage von den Drei silbernen Herdenglocken. Ein Bauer hat in seinem Herzeleid über die innere Zerrissenheit feiner Heimat diese Glocken in der dunklen Bergerbe des Jlienkopies vergraben; wenn die höchste Not über das Münstertal ausbricht, werben sie zu läuten beginnen unb dem Elsaß Retter und Helfer zusammcnrusen. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Dem Bildhauer Ludwig Cauer in Kreuznach ist der Professortitel verliehen worden. — Aus Anlaß des hundertsten Todestages Theodor Körners wurde in Barmen auf der Höhe der romantisch gelegenen Anlagen im Fischertal ein Denkmal errichtet. Es ist ein Werk des jungen Düsseldorfer Bildhauers C. M. Schreiner. Auf einem schlanken Obelisken, dessen Vorderseite ein Medaillonbildifts des Dichters, sowie Sprüche aus seinen Werken zeigt, steht eine modern stilisierte Statue Jung-Deutschlands. Tas Tenkmal kam durch sahrelanges opferwilliges Sparen einer durchschnittlich nur aus 20 Mitgliedern bestehenden Dilettantenvereinigung zustande, nämlich des Barmer Dramatischen Vereins Theodor Körner. — Tie burleske „Heimkehr des Odysseus", zu der Leopold Schmidt aus Oft'enbachschen, Melodien die Musik zusammenge- ftellt und Karl E11linger und Erich Motz den Text verfaßten, ist, wie uns aus München geschrieben roirb, in stark gekürzter Form und von drei aus zwei Akte gebracht, bort im Künstlertheater au'geführt worden. Sie hatte im Gegensatz zu Frankfurt, wo die Urauftührung als Dreiakter staktfand, eine recht beifällige Aufnahme, Um- und ErwmterunssboktLN des italienischen damaligen stadt- bLumersters Battrsta von 1550. Der Turm, durch Feuer und Mtz mehrfach beschädigt, Wird 1783 erneuert. Am Bau selbst nagte mehr und mehr der Zahn der Zeit derart, das? 1 >99 unter KSurg Friedrich Wilhelm III. dem damaligen Posener ^tad: b; um erster bei Strafe ausgegeben wurde, mmmehr die Revifwn 'des Rathauses bald vorzunehmcn. Die endgültige Ausführung der Rnrovatton hat lange auf sich warten lassen. Prächtig und wirkungsvoll sehen wir Ijcutc den ehrwürdigen Bau in neuem Wanze vor unseren Augen, als ein Wahrzeichen aus alter Zeil in einer gewaltig vorwärtsstrcbeuden Gegenwart. Unter dem machtvollen Schlitze des geeinten Deutschen Reiches und der besonderen landesvätcrlichen Fürsorge Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät wahrend einer 25jährigen, segensreichen, friedlichen Regierung hat sich, wie unser ganzes deutsches Vaterland, so auch unser Gemeinwesen in einer ungeahnten Weise entwickelt. Der Redner schloß mit 'einem Hoch auf das Kaiserpaar. Eine Rede des Kaisers. Der Kais er erwiderte mit folgender Rede: Mein lieber Oberbürgermeister! Nehnien Sie für, das Gelöbnis der Treue, welches Sie namens der Bürgerschaft Meiner Residenzstadt Posen hier soeben erneuert haben. Meinen königlichen Dank. . Was vor hundert Jahren unter der Regierung Meines Ahnherrn die Rot des Vaterlandes auszusühren verbot, das i|t unter Gottes gnädigem Beistände heute zur Wirklichkeit geworden. Durch die Kunst der Bauleute ist diese, altehrwürdige Ratsstätte zu der Pracht früherer Tage wieder erstanden, und gern bin Ich heute 'gefomntcn, dem Bau die Weihe zu geben. Mit Befriedigung habe ich wahrgenommen, wie ine Stadt Posen sich entwickelt und verschönt hat, seit Ich sie von dem steinernen Gürtel der alten Festungswerke habe befreien können. Eine neue Zeit raschen Emporblühens ist für sie angebrochen. Mit stattlichen Bauten und freundlichen Anlagen, geziert, sieht sie jetzt in neuem Kleide da, und als Zeichen dieser neuen und, wie Ich hosie, glücklichen Zeit hat nun auch ihr Rathaus ein neues Gewand angelegt. Allezeit sei dieses Haus eine Pflanzstätte einträchtigen Ge- meinsinns und wahrer Vaterlandsliebe. Dann können die, so darin raten Und taten, dessen gewiß sein, daß Meine landesvätcr- liche Huld, als deren Symbol Meine Königskrone dieses Hauses ragenden Turm ziert, sie bei ihrer Arbeit zum Heile der Stadt geleiten wird. Und so erhebe Ich diesen Pokal, gefüllt mit deutschem Weine, und leere ihn auf das Blühen und Gedeihen Meiner Residenzstadt Posen. Es folgte ein Rund gang durch das Rathaus. Um 123/4 Uhr verließen die Fürstlichkeiten das Rathaus. Die Kaiserin fuhr nach dem Residenzschlosse zurück, der Kaiser begab sich zum Offizierkorps der Königssäger zu Pferde, wo er an dem Frühstück teilnahm. Prinz regent Ludwig von Bayern frühstückte am Mittwoch mittag beim Offizierkorps seines' 47. Infanterie- Regimentes und ist nachmittags von den städtischen Behörden im Rathause empfangen worden. Posen, 27. Aug. Der Reichskanzler machte heute nachmittag um 4 Uhr in Begleitung des Regierungspräsidenten Krahmer eine Fahrt durch und um die Stadt Posen und wurde um 5 Uhr vom Prinzregenten Ludwig in Audienz empfangen. Mittwoch abend um 7 Uhr war bei den Majestäten im königlichen Residenzschlosse Festtafel für die Provinz Posen. Der Prinzregent Ludwig führte die Kaiserin, der Kaiser die .Kronprinzessin, der Kronprinz die Prinzessin August Wil- ihelm. Roch Eine Ansprache des Kaisers. Der Kaiser hielt folgende Ansprache. Im Namen Jhver Majestät der Kaiserin wie im eigenen Namen heiße Ich Sie, meine Herren, hier in Meiner schönen Pfalz herzlich willkommen. Wir freuen Uns, daß die diesjährigen Manöver Uns für einige Tage in Ihre Provinz geführt haben und mit ihren bewährten Vertretern und treuen Bewohnern in nähere .Berührung bringen, wobei Ich es mit ganz besonderer Freude ; begrübe, daß Mein treuer Freun d u n d Verbündeter, S. K. H. der Prinz-Regent von Bayern die Gnade gehabt hat. Meiner Einladuirg zu folgen und an Meiner Seite an den festlichen Tagen in Posen teilzunehimen. Ich benutze auch gern diese Gelegenheit, nochmals wärmsten Dank zu sagen für die freundlichen Glückwünsche und Kundgebungen der Anhänglichkeit, welche Mir zu Meinem 25jährigen Negierungsjubiläum aus Stadt und Land der Provinz Posen in reicher Fülle zugegangen sind. Heute früh ist es mir vergönnt gewesen, der Weil;« der fertiggestellten Kapelle dieses Meines Residenzschlosses beizuwohnen. Als ein prächtiges Zeugnis deutschen Kunstschaffens bildet sie einen würdigen Abschluß der ausgezeichneten Arbeit, d i e hier geleistet ist. Vollendest ist der festgefügte, harmonisch gegliederte Bau, ein Wahrzeichen landesherrlicher Macht und Fürsorge und lobt seinen Meister. So möge auch die treue Arbeit und Fürsorge, die Preußens Könige der Proviirz Posen in langen Jahren zugewendet haben, mit Erfolg gekrönt werden und die Provinz sich immer mehr zu einem fest gefügten, zuverlässigen Gliede des herrlichen Baues unseres preußischen, unseres deutschen Vaterlandes entwickeln. Mögen ihre Bewohner — gleichviel welcher Nationalität und Konfession —, eng verbunden durch das Band der Liebe zur gemeinsamen schönen Heimat und das Band der Treue gegen König und Vaterland, sich die Errungenschaften deutscher Kultur zu eigen machen und ihres Segens froh werden. Gleich Meinen Vorfahren wird Mir das Wohl Meiner Provinz Posen stets besonders am Herzen liegen. Ich trinke auf eine glückliche und segensreiche Zukunft der Provinz und ihrer Bewohner! Um 9 Uhr brachte der Provinzialsängerbund von Posen im Ehrenhofe des Residenzschlosses den Majestäten eine Serenade dar. Am Nachmittag fuhren der Kronprinz und die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar im Automobil nach den Ansiedelungsdörfern jenseits der Warthe, allenthalben von den Ansiedlern freudig begrüßt. Die Sonderbotschast des Präsidenten Wilson über Mexiko. Washington, 27. Aug. Präsident Wilson verlas heute mittag 1 Uhr im Kongreß die Sonderbotschaft, in der er betonte, Amerika wünsche Mexiko gegenüber im Geiste aufrichtigster, uneigennützigster Freundschaft und im eigensten Interesse Mexikos zu handeln. Tie betrübenden Zustände in Mexiko berührten Amerika nahe. Es werde Mexiko noch beweisen, daß es ihm zu dienen wisse, ohne zuerst an sich zu denken. Die gesamte Welt, heißt eS weiter in der Botschaft, wünscht Mexikos Frieden und Fortschritt. Angesichts des Panamakanals birgt die Zukunft viel für Mexiko. Mexiko kann die besten Gaben aber nur genießen, wenn es sie ehrenvoll genießt. Tie Entwickelung Mexikos ist nur dauernd gesund, falls sie ein Produkt der echten Freiheit einer gerechten und gesetzmäßigen Regierung ist. Wir warteten Monate vergebens auf die Besserung der Zustände. Es war unsere Pflicht, unsere guten Dienste anzubieten. Wilson besprach sodann die Entsendung und die Instruktionen Linds und fuhr fort: Wir bieten unsere Dienste nicht nur aus Freundschaft an, sondern, weil die Weltmächte rauarten, daß wir als nächster Freund handeln. Die gegenwärtigen Zustände sind unvereinbar mit der Erfüllung der mternationaten Verpflichtungen Mexikos, der zivilisierten Enttvickelung Mexikos und der Erhaltung der wirtschaftlichen und politisck>en Zustände in Zentralamerika. Amerika sehe keine *9 e r c rf) t i g u n g_ für eine Ab - weisungsei nerangebvtenenDiensteundFre uno s chaftt. Alles, was Amerika inzwffckZen tut, müsse in Geduld und in ruhiger und uneigennü^iger Ueberlegung wurzeln. Ungeduld auf Seiten Amerikas sei unangebracht. Es müsse eine weitere günstige Gelegenheit abwarten, um 'seine Dienste zu erneuern. Allen Amerikanern müfse nahegelegt werden, Mexiko sofort zu verlashen, ihnen müsse dabei geholfen werden. Jegliche Waffenausfuhr nach Mexiko müsse aufhören. Es freue ihn, erklären zu können, daß mehrere Großmächte Amerika moralisch unterstützt hätten. Wilson teilte gleichzeitig die abweichende Antwortnote Huertas und sein Verlangen mit, daß Amerika den mexikanischen Botschafter in Washington wie auch seine eigene Regierung anerkenne. Deutsches Reich. Keine französisch-deutschen Abmachungen über die Bagdad-Bahn. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Nichtigkeit der Meldungen über eine französisch-deutsche V er stän d i gu n g in den a sia tisch enEisenb ah n fra g en unterliegt sehr starken Einschränkungen. Die deutsche und ranzösische Negierung pflogen über die vom „Tentps" bc^ rührten kleinasiatischen und syrischen Eiscnbahnfragen keine Verhandlungen, auch nicht in Gestalt vertraulicher Vorbesprechungen. Tatsächlicherfolgte nur ein Privater un- verbindlicher Gedankenaustausch zwischen der deutschen und französischen Finanzgruppe, die in der asiatischen Türkei Rechte und Interessen besitzen. Verhandlungen über türkische Interessen führte Deutschland mit Frankreich nicht. ______________________________________ AusLnrrD. Das Königspaar von Griechenland hat sich für Anfang September bei dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Heffen zu einem Erholungsurlaub auf Schloß Friedrichshof bei Eronberg i. Taunus angesagt. Von Eronberg aus nimmt der König von Griechenland auf Einladung Kaiser Wilhelms auch an den Ka isermanövern teil. Ein österreichischer Ballon in Italien beschlagnahmt. Der am Dienstag bei Innsbruck aufgestiegene Freiballon „Graf Zeppelin" überflog die italienische Grenze und wurde in Galeriano (Provinz Udine) von den italienischen Militärbehörden beschlagnahmt. Die vier Insassen, sämtlich Oesterreicher, sind fest genommen worden. Das Wiener Auswärtige Amt hat die notrvendigen Schritte eingeleitet. Heer und Flotte. Die Neuformationen, die auf Grund der Heere sw orlage am 1. Oktober d. I. zur Aufstellung kommen sollen, werden ohne Ausnahme trotz erheblicher Schwierigkeiten aufgestellt werden können, ^eit Verabschiedung der Heeresvorlage sind erst acht Wochen vergangen und doch konnten infolge umfassender Vorbereitungen alle Vorbedingungen erfüllt werden. In einer Reihe kleinerer Garnisonen, die neu geschaffen werden, werden die Truppen zunächst provisorisch untergebracht werden. Die Abgabe der Stammformationen für neu zu bildende Truppenteile erfolgt sofort nach den Manöoern. Die Lieferungsausschreibungen für Armeebedarf konnten bereits Anfang Juli erfolgen. Es sind zahlreiche mittlere Lose an die einschlägigen Firmen vergeben worden, damit bei der Kürze der Zeit die Lieferungsbedingungen auch innegehalten werden können. Selbstverständlich werden auch die Bekleidungsämter große Posten ihrer Bestände an Einkleidungsgegenständen abgeben. Auch die Gewehr- und Munitionsfabriken sind durch die Heeresverstärkung stark beschäftigt und haben vielfach Arbeiter neu eingestellt. Für die Innenausstattung d erneuen Kasernen werden hauptsächlich die Handwerker der betreffenden Garnisionstädte Bestellungen erhalten, um dem Mittelstände seinen Bitten gemäß entgegenzukommen. Aus StaSt und Gießen, 28. August 1913. Warum die Kundschaft ausbleibt! Ein hiesiger Kaufmann schreibt uns: Bor einigen Tagen hatte ich eine Unterredung mit einem Gießener Geschäftsmanne, der sich viel Mühe gab, durch Verabfolgung nur guter und preiswürdiger Waren, durch einladende Ausschmückung seiner Schaufenster und dergleichen mehr neue Kunden zu erwerben und die alten zu erhalten. Seinen weh- mütig 'klingenden Ausführungen entnahm ich, daß ihm dieses nicht so recht glückte. Er erzählte mir, daß er sich keine Ruhe gönne, daß er Tag und Nacht grüble und arbeite, um sein Geschäft aut der Höhe zu erhalten und es so zu gestalten, daß ihm nach feiner Meinung die Kundschaft das Haus erstürmen müßte. Ich kannte nun diesen Gesck-äftsmann ganz genau, kannte auch sein Geschäft und wußte auch, wo hier Hand angelegt werden mußte, um sein Geschäft nutzbringender zu gestalten. Mit Worten wollte ich ihm nicht raten, sondern zog es vor, ihm an einem Beispiel zu zeigen, morauf es im Geschäftsleben so sehr ankommt, um sich das zu sichern was der Geschäftsmann notwendig braucht — nämlich Kundschaft. — Ich schlug dem Herrn vor, mit mir zwei andere Geschäfte zu besuchen, die Heide andere Waren, als er sie vertreibt, seilbieten. Beide Häuser machten schon seit geraumer Zeit wegen der Art der Geschäftsführung einen eigentümlichen Eindruck auf mich — das eine abstoßend, das andere anziehend. Wir machten uns auf den Weg. Es sind zwei gleichartige Geschäfte, die wir besuchen wollten. Die Auslagen sind in den beiden Geschäften die gleichen: die Preise auch. Die Läden haben beide eine gute Lage in verkehrsreicher Straße. Wir traten in einen der Läden ein. Mein Begleiter spielte den Beobacksier, und ick kaufte. Unser Gruß schreckte den Ladenbediensteten von seiner Arbeit auf. Er trat, ohne unseren Gruß zu erwidern, man hörte wenigstens nichts davon, ziemlich ungelenkig auf uns zu. Es schien, als ob die ungewöhnliche Höhe seines Kragens ihn daran binderte, den Mund zu öffnen. Da er nach uuservm Begehr, wie sich's gehört, nicht fragte, sondern uns mit mürrischem Gesicht nur forschend ansah, mußte ich nach einigem Zögern meinen Wunsch ungefragt zum Ausdruck bringen. In der Zeit, in der der Angestellte, ohne ein Wort über die Lippen gebracht zu haben, weggegangen war, um die gewünschten Sachen zu holen, hätte sich mein Begleiter gerne einen Augenblick gesetzt. Leider war aber der einzige Stuhl, der zu erspähen war, so mit Büchern beladen, daß man sich dieses Bedürfnis aus dem Kopfe schlagen mußte. Obwohl die Auslagen gefällig und ordnungsmäßig dem Blicke des Besuchers sich boten, und auch sonst nichts da war, was etwa abstoßend gewirkt hätte, fühlte sich mein Begleiter, wie ich es seinen Zügen ablas, bedrückt und enttäufdit. Der „bedienende" junge Herr trat wieder ein und überreichte mir stumm das Gekaufte. „Zwei Mark fünfzig" klang es dumpf auo seinem Munde. Ich mar angenehm überrascht, denn nun hatte ich doch die Gewißheit, daß dieser junge Herr nicht etwa stumm icar; das wäre in Anbetracht seines schmucken Aeußeren auch schade gewesen. Er nahm das Geld an sich und verschwand wieder, ohne etwas zu sagen, hinter seinem Pult. Daß er uns an die Türe geleitete, konnten wir nicht verlangen, denn wir waren ja stark genug, um die Türe selbst hinter uns schließen j zu können. Vor der Tür sah mich mein Begleiter stumm an. j Mit Absicht ging ich einer Unterhaltung über das Erlebte aus ! dem Wege. Gleich darauf betraten wir das zweite Geschäft. Hier 1 liefe ich meinen Begleiter vorangehen. Kaurn waren wir cingetrcten, I als mit fröhlichem Gruß und freundlicher Miene ein gut aus- 1 sehender junger Herr auf uns zu trat und höflich nach unserem I Begehr fragte. Ich hatte meinen Wunsch noch nicht richtig ge- I äußert, als er schon hurtig zwei Stühle bereit gestellt hatte, und 1 sich eilenden Schrittes entfernte, um das Verlangte zu holen. I Ein etwas älterer Herr trat aus dem Bureau heraus und kam 1 unter großer Verbeugung zu uns in den Laden. Mein Begleiter I war so angenehm überrascht, daß er dem Geschäftsinhaber, ohne 1 daß er ihn näher kannte, beinahe die Hand gedrückt hatte. Nach I einigen verbindlichen Worten, und nachdem uns der Herr um I etwas Geduld gebeten hatte, ging er wieder orach seinem Bureau, ] indem er noch dem Bediensteten zurief, die Sache etwas zu be- I schleunigen. Wieder sah ich meinen Begleiter von der Seite an. I Ich bemerkte zu meiner Genugtuung, daß sein Gesicht vor Freude I förmlich strahlte. Inzwischen trat der junge Herr wieder ein, I mit einer Beweglichkeit und freundlichem Gesichtsausdruck, als 1 reute er sich darüber, daß er sich für uns bemühen dürfe, sind I als wäre er nur für uns da. Er jrug höflich, ob er uns das? I Gekaufte zuschicken dürfe, was wir verneinten. Beim Weggehen I verabschiedete er uns mit Dankbezeugungen und mit einem Gruß, I die von innerer Wärme und von feurigem Geschäftsinteresse zeugten. 1 Sogar der Herr aus dem Nebenraum war wieder hervorgetreten I und rief uns mit einer einnehmenden und wohl tu enden Ver- 1 beugung ein frisches „Auf Wiedersehen" nach. Stuf der Straße I lvidmete ich mich wieder meinem Begleiter. Er ging nachdenkend I neben mir her. Ich schreckte ihn aus seinen Träumereien auf I mit den Worten: „Nun, Herr X, wenn Sie gelegentlich wieder I ettvas zu kaufen hätten, welches der beiden Geschäfte würden I Sie vorziehen?" Er blieb stehen, drückte mir die Hand und sagte I bewegt: ,^Ich danke Ihnen, Sie haben es geschickt angefaßt, mir I zu zeigen, worauf es im «geschäftlichen Leben antommt." Und I fügte noch einige Bemerkungen hinzu, die von Selbsterkenntnis I zeugten. Wir wollen nun hoffen, daß einzelne Gießener Ge- j chäftsinhaber nach dem Wunsche des Einsenders von )ieser Geschichte auch etwas profitieren werden. Zu große I Verbeugungen sind ja zwar entbehrlich. Der anspruchsloseste I Kunde aber wird es herausfühlen, wo er freundlich und wo I er barsch und kalt behandelt wird. * ** Bahnpersonal- Nachrichten. Durch Ministeriell- | erlaß ist den förmlich zum Unterassistenten geprüften Eisen- bahngehülfen die Amtsbezeichnung „kommissarischer Unter- | assistent" und den als Aushelfer beschäftigten, förmlich zum 1 Weichensteller geprüften Hilfsweichenstellern die Bezeichnung „kommissarischer Eisenbahngehülfe" beigelegt worden. Verliehen wurde beim Uebertritt in den Ruhestand: das Verdienstkreuz in Gold dem Betriebsfekretär Kucharski zu Gießen, das allgemeine Ehrenzeichen in Silber dem Rottenarbettcr Moos zu Lollar, das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze dem Handarbeiter Birk zu Holzheim. Die Prüfung bestanden: Stationsaspirant Weißt nger zu Nidda zum Eisenbahnassisteutcn, Lokomotivheizer Fain zu Gießen, Niemeier zu Bebra, Hausmann zu Nidda zum Lokomotivführer. Belohnungen erhielten: Reservelokomotivführer Ben dl er zu Homburg wegen Entdeckung eines Brandes und Verhütung größeren Schadens, Weichensteller I. Klasse Grunz zu Bebra für Abwendung einer Betriebsgefahr, Lokomotivführer Spcitmann zu Engers, weil er ein Kind vor dem Ueberfahrenwerden gerettet hat. Kreis Alsfeld. OK. Al sfeld, 27. Aug. Die Arbeiten am Bahn bau in der Nähe von Alsfeld schreiten rüstig vorwärts. Die Firma Werner & Lücke hat jetzt in der Nähe der Lauterbacher Straße einen Trockenbagger aufgestellt, der seit einigen Tagen in Betrieb ist. Dieser hebt jedesmal ca. einen Kubikmeter. Die Erdmassen werden mittels einer Feldbahn eine Strecke weit fortgebracht und dort aufgefüllt. lieber das sog. Jngeltal wird ein ca. 9 Meter hoher Damm aufgefüllt, der von einer aus Beton hergestellten Durchfahrt und einem ebenso hergestellten Wasserdurchfluß durchbrochen wird. Die Uebersührungen an der Altenburger Straße und die Schwalmdurchlässe gehen ihrer Vollendung entgegen. Kreis Wetzlar. — Hohensolms, 27. Aug. Bei dem am Sonntag, 31. August, hier stattfindenden Mission8 fest wird der frühere Pfarrer von Hohensolms, Pfarrer Löhr aus Elberfeld, die Festpredigt halten und Missionar Diehl aus Neuguinea erzählen. Missionar Welsch, ein Kind unserer Gemeinde, wird vor seiner Ausreise nach Neuguinea eine Ansprache halten. Eine in mehreren Blättern erschienene Notiz über das Missionsfest beruht auf einer falschen Berichterstattung. Hessen-Nassau. Wem gehört der Altkönig? Es sind recht verzwickte Verhältnisse, die dort oben auf dem grauen Taunushüter obwalten, so eigenartig, wie sie glücklicherweise nur noch selten in deutschen Landen zu treffen sind. Der Altkönig ist nicht preußisch und doch preußisch, nicht hessisch und doch hessisch. Auf den Höhen des Berges besitzt die jetzt hessische Gemeinde Steinbach ein 223 Morgen großes Waldgebiet. Steinbach hat bis 1810 recht oft seinen Herrn wechseln müssen, cs war nacheinander Besitz von Münzenberg, Falkenstein, Eppstein, Stolberg, Hanau, Hessen-Kassel, Frankreich (1806—10): seitdem liegt es als Exklave inmitten preußischen (bezw. bis 1866 nassauischen) Besitzes. Das Altköniggebict war ehedem Kronberger Markwald, in dessen Besitz sich viele Orte teilten. 1809 wurde der uralte Waldvertrag aufgelöst und 10 Gemeinden teilten sich in die 3370 Morgen Wald; hiervon bekam die hessische Gemeinde Steinbach 223 Morgen. Der Herzog von Nassau behielt sich im Vertrag zahlreiche Rechte und Nutzungen über das Steinbacher Gebiet vor, ein Recht, das 1866 von Preußen übernommen wurde. Daraus haben sich nun ganz' merkwürdige Verhältnisse entwickelt, und zwar: Das Gebiet, Wald und Wild gehören Steinbach, die staatlichen Rechte übt aber Preußen aus, die kommunalrechtlichen Befugnisse liegen in Eronberg. Die Forstverwaltung bewirkt die hessische Oberförsterei Obereschbach, den Wildschutz aber übt die preußische Polizei in Eronberg. Die Jagdverpachtung steht Steinbach zu, aber der Jagdschein muß in Preußen gekauft werden. Jagdpächter sind diesmal Cronberger Herren. Eronberg heimst natürlich die Grundsteuer ein, wie auch die Wies-, badener Landwirtschaftskammer die üblichen Kammer-^ beiträge von Steinbach heischt. Den Förster darf natürlich Steinbach wieder besolden usw. Um diesen eigenartigen Ver-§ hältnissen ein.Ende zu machen, bemühen sich jetzt die Steins Dcrmifd^e». l'dMnrn letzte 21ncbrid?tcii i । •j Dr. Oetker’s Man versuche: Vanillin-Zucker 1 Päckchen 10 Pfg. 3 Päckchen 25 Psg. 5416 Neustadt 11 als erste Hvvotbek auf ein 'yabrifgcbäube in erfror Vage ii - i iveroen. ertönen der iBrsidißniflflslächüiäDfl hpsxpp Rnpnppkppisp gesucht. Neben reichliärenBe- UuUUui । uulyulululuu rüge«. Gehalt, Reifesoesen u. in Gießen feit langem an- 'UrnnniniiPH vrhn t txa:. _ r,. - , . uu gesucht. zu geu. Gehalt, Reifeivefen u. Morgen abend 31 an den Gieß. Anz. erb. Gucke hinge, faub. Hausfrau morg. 2 St. Ltevhanslr. 261. [06738] eine Geschäftsstelle errichtet werden. Yen'onen der M. J 0000. II WWk gegen hohe Binfen gesucht. ^ojrxhL 'Angebote um. 06772 a. d. n wird. Tie die Schwalm« t am Sannlaa. fest wird der ht aus Elber« i-h> »• inb *" ® üleuguinca cm Als Nachtisch: der Päckchen von Tr. 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Posen, 28 Aug Zu Szenen, die so ernsten Cha- r a r t e r annahmen, datz die l! n [ i 11 i e i n i di r e i t c n muhte Farn et? heute abend vor dem Portal de> vokelS Basar, als sich' öie dort nvhnenden Mitglied, r des polnischen .hochadels xur tn'fnafcl ins Schlost begaben Es rottete s t ch eine !•< e n g c nationalistischer Pole n infam men, die gegen die horfahrenben Wagen und Automobile eine bedrohliche Haltung finnabmcn. Tie deutsche i^rSsui Buten auj smoiie, die im votel Basar abgefhegcii war, wurde, da man sie für eine Tarne m der polnnklxm «rntofratic hielt, mit einer BIed> b ü chs e |gerocrjcn btc nut Soifer gefüllt war 9lelmlich > wieder Mte sich bet der Abiabrt des polnischen 'Grafen Mieleumdki, der ai^ er in ferner vmuntsorm das Hotel verliest, mit lauten polnischen ^dnmnrvortcn einpsangen wurde. Ter Polizei gelang eS nur in nnrrnL'/a - ri”f ®rThnfriin*l v-.'rzunebmen Ta4 Lch.itzmannS Der 20 Jahre alte Metzgergesellc Lahn au« Hülscheid nm I Ini«, i3bcm ' ,,ori) verstärkt worden. Die eteqflufi, der vor einiger Zeit bei einem SiubruchSdiebstah? oer- beicht 6 Ü trobbent die DrottmrS der mnltegcndon Strafen ha’tct wurde, gestand den 9)1 orb an der Haushälterin eines! P RavlaiiS in M ü n ch e n - G l a d b a ch ein unb gab weiter ;u im m , - Adnanopeler J^rage herein mit dem Setristfetzer Volker, welcher sich noch auf freiem ark Berlin, 28. Ang. lieber die bcvorftchcnbc Lösung bet dune befindet, m acht Fällen maskiert in die väuler eingedrungen m "vvs? l e r ,v rage schreibt ba-< „Verliner Tageblatt": gu sein und die Bewohner mit vorgehaltenem Revolver zur ßerauS- ^on utr>crlai,iget Seite criabrcn wir, das, in den letzten 24 Stunden gäbe von Geld gezwungen zu haben. 11" ofra ein U m schwu ng z ugunstc n einer direkten In der Nähe von llap Cormvall fuhr ber Heine t v a n t f eb e t>rr V forte eingctrcten ist. &. be- DauiDfer (^alaico- dem Hapag-Dampfer,Sebwar,. " '™K «"••=-*-** ' r5' " ' ' ~ ' m.?h? jteöC,te-r Tcr.Olatoico* sank. Tie Mannschaft wurde ro‘.,*«.fie „°ch F°l,n°..tt) ßrnnhitHiftÄÄ ^diri'tl. «ngeb. m. Preis unt 067( ^anb.cyichcnertinieifler. 5421 ,)n einem konkurrenzl. ^-tabtteil neu hergerichtete Bäckerei fofort zu vervachten. Näh. t>. Vanadborf, N. ftrofb. Str. 44. Achtung! 5 Mark Belohnung dem. tentgen, ber mir die Person namhaft macht, die das tarusiellbesiv. Entlausen ein junger brauner 3aab- stund. 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