Die „Lietzener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ,.Krcis6latt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitsragen" erscheinen monatlich zweimal. Nr. i(9 Dritter Blatt 163. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. X /&, KTa, ,*■ ja a* - A Metzener Anzelger General-Anzeiger für Oderhefjen Samstag, 24. Mai 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=^ 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Die Antimilitariften in Sranfreid). Paris, 23. Mai. In Orleans veranstalteten Soldaten des 32. Artillerieregiments im Speisesaal ihrer Kaserne eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit. Abends wurden mehrere Gruppen von Soldaten, die vor dem Standbild der Joanne d'Arc Stufe gegen die dreijährige Dienstzeit ausstießen, von Patrouillen vertrieben. Der „Matin" veröffentlicht einen im Dezember vorigen Jahres von dem früheren Sicherhoitsdirektor und gegenwärtigen Polizeipräfetten Hennio n erstatteten Bericht über die a n t i in i l i t a r i st i s ch e n Treibereien. Der Bericht bemerkt, daß zunächst der katholische Klerus den Gedanken gehabt habe, seine Beziehungen zu den unter die Fahnen gerufenen jungen Leuten ausrechtzuerhalten, und zu diesem Zweck seien katholische Zirkel errich- t c t und für diese Soldaten eine Art U n t e r ftü tz u n g s k ässe gegründet worden, die man „L e S 0 u d u S 0 l d a t" genannt habe. Der allgemeine Arbeitsverband habe diese Idee vor 13 Jahren aufgegriffen und in a n t i - militaristischem Sinne ausgebeutet. Eine Gewerkschaft sei sogar so weit gegangen, daß sie auf dem Kongreß des Arbeitsverbandes in Lyon im Jahre 1901 die Errichtung einer eigenen Kasse für Militärflüch klinge beantragt habe. Nach den Berichten mehrerer Blätter arteten die im 122. Jn- fanterie-Negiment vorgekommcnen militärischen Kundgebungen in eine sehr e r n st e Meuterei aus. Ein Major faßte einen Hornisten, der das Signal zur Kundgebung gegeben hatte und warf ihn nieder. EinSoldat st ürztesichaufden Offizier, worauf dieser das Gewehr eines Wachtpostens ergriff und den Angreifer mit einem Kolbenschlag zu Boden streckte. Die Meuterer hatten sich des Schlüssels des Pulvermagazins bemächtigt, doch gelang es, ihnen diesen zu entreißen. Die Haupträdelsführer, 27 an der Zahl, wurden fest genommen und nach dem Arrcstlokal abgeführt. Der Oberst hielt eine Ansprache an das Regiment, in welcher er sagte, er müsse seine Entrüstung und seine Betrübnis über das Vorkommnis ausdrücken. Tie Soldaten dürften sich nicht in einem Augenblick, wo das Ausland alle erforderlichen Opfer bewillige, gegen die Gesetze ihres Landes auflchncn. Die Untersuchung hat ergeben, daß einer der Hauptanstifter der Meuterei ein dem allgemeinen Arbeiterverbande angehöriger Soldat sowie ein Lehrer seien, der als Offiziersaspirant der Reserve dient. Unter den übrigen Rädelsführenr sollen sich 10 Korporäle befinden. Es heißt, daß heute 20 dieser Meuterer nach Montpellier gebracht und vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen. Die heeresvorlage im Sudgetausschuh Berlin, 23. Mai. - Der Budgetausschuß des Reichstages begann heute seine Arbeiten mit der Beratung einer freisinnigen Errtschließung, die die Vorlegung eines Gesetzentwurfes verlangt, der die Unterstützungen für die Familien der bei Mobilmachung eingezogenen Mannschaften erhöht. Tie Entschließung wird angenommen. Cs folgt die Beratung der Entschließung betr. Herbeiführung größerer Sparsamkeit. Eine Z e ntr ums entschließ ung verlangt Maßnahmen, um unter Ausschluß des Parademäßigen und des Luxus nur die Kriegs- tüchtigkcit des Heeres zu erhalten und zu fördern. Von konservativer Seite wurde beantragt, statt „Ausschluß" zu setzen „die möglichste Einschränkung des Parademäßigen und Ausschluß des Luxus". Mit dieser Aenderung wurde die Zentrumsentschließung einstimmig angenommen. Eine fortschrittliche Entschließung will Ersparnisse herbeiführen erstens durch den Ersatz von'aktiven Offizieren für alle Stellen, für welche die Felddiensttauglichkeit nicht mehr die un- bddingte Voraussetzung ist, durch inaktive Offiziere, zweitens durch Reform,unseres Pensionierungssystems in dem Sinne, daß Offiziere, die für ihre Stelle noch vollkommen geeignet sind, nicht deshalb pensioniert werden, weil ihr Nachmann sie übersprungen hat. Zu !dem 2. Punkt erklärte der Kriegsminister, einen Offizier, der nicht die Befähigung für die nächsthöhere Stelle besitze, in semer Stelle zu belassen, habe insofern Bedenken, als im Kriege der Betreffende bei eintretenden Verlusten die nächsthöhere Stelle wahrnehmen müsse. Tie Verabschiedungen erfolgten auf Grund der Urteile der Vorgesetzten, die dafür verantwortlich seien, daß an der Spitze der Truppen Offiziere ständen, die in Krieg und Frieden durchaus ihren Aufgaben gewachsen seien. Bei den Qualifikationsberichten würde mit größtem Wohlwollen verfahren, ober das Interesse des Dienstes gehe natürlich vor. Es sei falsch, anzunehmen, das Schicksal eines Offiziers hänge von einem Be- sichtigungstage ab. Die fortschrittliche , Entschließung wurde mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die Beratung der fortschrittlichen Ent- schneßung, die verlangt, a) die Bekämpfung der Soldatenmißhandlungen, insbesondere durch Reform des militäri- ichen Beschwerderechts, h) Regelung der Verhältnisse der nicht mehr dem aktiven Militärstand angehörenden Personen in einer dem Rechtsgefühl entsprechenden Weise und unter Anerkennung ber allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte. Kriegsministe'r v. Heer in gen erklärt: Ehrengerichte wie Beschwerdeordnung seien ein Ausfluß der kaiserlichen Kommandogewalt zur Aufrechterhaltung der Disziplin. Bei sehr vielen unbegründeten Beschwerden trete keine Bestrafung ein wegen Beschwcrdeführung. , In eingehender Aussprache trat ein starkes Maß von Pessimismus zutage, weil die Militärverwaltung cs an dem guten Willen fehlen lasse, den Wünschen des Reichstages Rechnung zu tragen. Als von konservativer Seite die Fassung der Anträge bemängelt wurde, ergänzte ein Antragsteller den Schlußsatz deS ^sten Punktes dahin: In dem Sinne, daß nur bei erwiesener Böswilligkeit oder Fahrlässigkeit eine Bestrafung eintreten dürfe. Ter Kriegsminister erklärte, über Verbesserung der chrengericht- üchen Bestimmung lasse sich streiten. Eine Aenderung der Unterlagen, auf denen sie beruhen, könne aber nicht eintreten. Auf scharfe Angriffe von sozialdemokratischer Seite, von der verlangt wurde, der Reichstag solle ber Militärverwaltung einmal seine ganze Macht wegen ungenügenben Einschreitens gegen bie Soldatenmißhanblungen beweisen, antwortete ber Kriegsminister; die Beschwerbeorbnnng habe in der Praxis gut funktioniert, beim eine große Zahl von Mißhandlungen aus Grund ber Beschwerden zur Sprache gekommen. Dem Vorredner gegenüber verwahrte sich ber Kriegsminister dagegen, bafj Nibezug auf die Strafen in der Armee mit zweierlei Maß gemesseii werde. Bei Mißhanblungsfällen werde sehr scharf gegen die betreffenden Vorgesetzten eingeschritten. fe, Em nationalliberaler Redner bemerkte, aus eigener Erfahrung könne er belegen, daß 'das ehrengerichtliche Verfahren । veraltet und reformbedürftig sei. Ein Zentrumsredner bemängelte, daß auch in diese Frage wieder die Kommandogewalt des Kaisers hineingetragen und dadurch eine sachliche Erörterung der so wichtigen Materie erschwert werde. Nach kürzer weiterer Aussprache wurde die erstgenannte fortschrittliche Entschließung betr. Reform des militärischen Beschwerderechts mit der genannten von dem Antragsteller gemachten Ab- änberung mit großer Mehrheit angenommen, ebenso die fortschrittliche Entschließung betr. Revision des ehrengerichtlichen Ver- sahrcns. Ein weiterer Volks parteilicher Antrag ging auf Revision ber Militär st rafger ich tsordnung besonders in der Richtung, daß nicht unter dem Titel der Gefährdung der Disziplin die willkürlichste tatsächliche Beseitigung der gesetzlich garantierten öffentlichen Hauptver Handlung eintritt, daß ferner bie Zuständigkeit der Militärgerichte auf militärische Vergehen und Verbrechen beschränkt, und daß noch vor solcher gründlichen Reform dafür gesorgt wird, daß Offiziere a. D. und z. D„ wenn sie einen bürgerlichen Beruf ausüben, wegen der aus dieser Betätigung sich ergebenden Strafrechtsfälle vor die bürgcrlidyen Gerichte gestellt werden. Gegen den Ausschluß der Oesfentlichkeit wandte sich auch sehr scharf die Sozialdemokratie, die mit dem Kriegsminister scharf aneinandergerät. Auch dieser Antrag wurde gegen die Konservativen angenommen. Zum Militärstrafgesetze beantragen die Sozialdemokraten eine moderne Reform des Militärstrafgesetzes und namentlich Herabsetzung des Strafmaßes, insbesondere Einführung von Strafmilderungsgrünben. Ein nationaHibe< ralcr Abgeordneter trat für den Antrag ein. Die letzte Zeit habe in ber Tat eine Reihe pon Fällen ergeben, wo man von barbarischen Strafen sprechen müsse. Das Zentrum wünschte wenigstens die sofortige Einführung des Systems ber mildernden Umstände und sprach sich für den Antrag aus: wann bie Revision des Zivilstrafgesetzbuches wirklich erfolge, wisse man nicht, darum müsse man hier schon vorher eine Aenderung treffen. Nachoem der sozialdemokratische Antrag dahin geändert war, daß ber Reichskanzler ersucht werben soll, balbtunlichst einen^Gesetzentwurf vorzulegen, wird auch dieser Antrag gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. In ber Nachmittagssitzung setzte ber Haushaltsausschuß des Reichstags Beratung und Beschluß über die Entschließungen fort. Zur Frage der Rücksichtnahme auf bie bürgerlichen Verhältnisse bei ber Rekr uten- einftellung liegen zwei Entschließungen vor, von der Volks- Partei und dem Zentrum. Die erste wünscht, baß bie Bestimmungen der Wehrorbnung über Befreiung vom aktiven .Heeresdienst infolge bürgerlicher Verhältnisse, z. B. wo es fick um den einzigen Ernährer hilfloser Familien und Waisen handelt, in ber bisherigen rücksichtsvollen Weise auch in Zukunft Anwendung finden. Das Zentrum — „bei Verabschiedung der M i l i t ä r v 0 r l a g e" — spricht die Erwartung aus, daß nur unbedingt Taugliche eingestellt werben und keine Verringerung der Zahl by wegen bürgerlicher Verhältnisse frei werdenden Rekruten eintritt. Die beiden Entschließungen werden angenommen. Staatliche Förderung der Bestrebungen auf Hebung und Aufrechterhaltung der S ch i e ß f e r t i g k e i t insbesondere bei Reservisten und Landwehrmännern, wünscht eine Entschließung Bassermann-Erzberger. Es wird in ber Begründung verwiesen auf die anderen Länder, wo außerordentlich viel getan wird zur Hebung der Schießfertigkeit. Der Antrag wird mit allen gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommen. Die freiwillige Krankenpflege, deren Leistungsfähigkeit für den Fall ber Mobilmachung sicher- gestellt werden soll, behandelt ein Antrag von Zentrum und Nationalliberalen. Ein Nationalliberaler begründet bie Entschließung, bie keine Kritik der bestehenden Einrichtungen bilden solle, aber einen weiteren Ausbau bezwecke. Es sei zweifelhaft, ob in der Tat genügend Pflegerinnen vorhanden sein werden. Eine gewisse Kontrolle fei wünschenswert, damit wir keine Enttäuschungen erleben. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Die Zentrumsanträge: Sparsamkeit unter Ausschluß des Parademäßigen und des Luxus, Berücksichtigung der orts- an süffig en Gewerbe bei den Lieferungen und so- zialPolitischeF ordern n gen, werben gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Bei Schaffung der Eini- gungs- uni) Schiebsinftanz stimmen die Nationalliberalen wegen ihrer Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der Fassung. Der Antrag ber Bolkspartei, daß die Offiziere, die wegen ihres Lebensalters, ober wegen anderer Verhältnisse keine Wiederverwendung im aktiven Friedensdienste in Aussicht habeu, nicht zur Disposition «das ist zur Verfügung"' gestellt und damit der bürgerlichen Gerichtsbarkeit entzogen, sondern ausnahmslos verabschiedet werden und daß regelmäßig die Verabschiedung z. D. gestellter Offiziere erfolgt, sobald diese einen bürgerlichen Beruf ergreifen, wird gegen Volkspartei und Sozialdemokratie ab- gelehnt. Die Nationalliberalen: Schiffer-Magdeburg, Basser- inann und Prinz zu Schoenaich - Carvlath beantragen in einer Entschließung, den Reichskanzler zu ersuchen, sich mit der preußischen Staatsregierung darüber ins Benehmen zu setzen, ob nicht im Interesse der Landesverteidigung der schleunige Ausbau des Mittellandfa na l s in Aussicht zu nehmen ist. Der Antrag wird begründet mit deu schon früher von: General ft ab angeführten strategischen Momenten. Ein Konservativer wendet sich gegen diese Anträge. In Betracht käme für das direkte Reichsinteresse nur ber Kanal von Wilhelmshaven zur Elbe: bie strategische Bedeutung ber übrigen Kanäle falle bemgegenüber nicht ins Gewicht. Auch ein Zentrumsmitglied bekämpft bie Anträge: beim bie Kanäle hätten keine nennenswerte Bedeutung für die Lcmbesverteibigung. Ein Nationalliberaler unterstützt lebhaft die Forderung des Kanals Wilhelmshaven — Elbe und ftellt einen entsprechenden Antrag. Die Sozialdemokratie spricht sich gegen diesen Atckrag, aber für bie übrigen aus, obwohl bereu Fassung nicht einwandfrei sei. Auf Antrag des Zentrums wird schließlich mit großer Mehrheit II e b c r g a 11 g zur Tagesordnung über alle diese Anträge beschlossen. Da ber vom Zentrum und den Nationalliberalen gestellte Antrag für die Beförderung ber in Friedenszeiten während der aktiven Dienstzeit ober während einer Hebung verstorbenen Militärpersonen zur Beerdigung in der Heimat, sowie zum Besuche erkrankter Militärpersonen durch ihre Angehörigen hunderttausend Mark mehr in den Etat einzustellen, angenommen wird, ist die Reihe der gestellten Entschließungen geschlossen. Man geht über zu den Restartiteln bes Gesetzes über bie Frt ed ensp rä senz stärk e. Ohne erhebliche Erörterung wird der Artikel 3 mit den Änderungen ber Besoldungs- orbttung angenommen. Eine etwas umfangreichere Erörterung ging ber Annahme des Artikels 3 voraus, auf Aenderung des M a n n s ch a stsver so r g u n g sg e s etz es mit der Besser- fteHung der Unteroffiziere von 12 aus 20 Mark monatliche Ent- schadlgimg für die Z iv i l v e r fo r g un g und Möbung ber General-Abfindung von bisher 1500 auf 3000 Mark. Ein 3cn* t rum San trag mürbe angenommen, in pent der Reichskanzler crspcht wird, gemäß § 18 des WannschLftsversorgungsgvsetzes dafür Sorge zu tragen, daß Gemeinden di e be ft eh enden Vor-» schriftcn über Anstellung von Militäranwärtern nichtumgehen. Tie Sozialdemokratie beantragt eine Aenderung ber Bunbesratsverordnung über die Anftellung von Militär a n w ä r t e r u int Sinne einer K l a s s en e i nt e°i l un g ber Gemeinben. Ein Zentrumsmitglieb äußert bagegen Bedeuten, da bann notwendigerweise bie größeren Gemeinden mehr als bisher Militäranwärter anstellen müssen, wenn bie kleineren Gemeinden entlastet werden. Ein nationalliberales Mitglied hält den jetzigen Augenblick für sehr ungeeignet für eine Aenderung, die draußen mindestens die Meinung Hervorrufen könnte, als ob die Anstellung von Militäranwärtern eingeschränkt werden sollte, was doch nicht rnöglich sei. Der sozialdemokratische Antrag wird gegen Sozialdemokratie und Volkspartei abgelehnt. Es folgt die Beratung des Erg'änzungsvoranschlags. Die Forderung einer Fabriken-AbteilUng int all» gemeinen Kriegsdepartement wird bewilligt. Zum Kapitel: „M ilitärintendanturen" beantragt dasZentrum,fünfJntendanturräteundzweiJn- tenbanturassessorenzust reichen, mit ber Begründung, baß man erst bie allgemeine Denkschrift über das Jntendanturwesen pbwarten müsse. Der Ausschuß be» schließt dementsprechend. Die neugeforderten 10 Militärpfarrer werden bewilligt. Zum Kapitel „Militärjustizverwaltung" beantragt das Zentrum die Streichung von 8 Kriegsgerichtsräten, 8 Militärgerichtsschreibern und 6 Militärschreibergehilfen. Tie Regierung verteidigt di" Forderung, es wird jedoch erwidert, daß ^s sich hier ohnedies nur um Sinekuren handle, also die Hälfte genüge. Von der Regierung wird noch die Befürchtung geäußert, es könnte infolge der Streichung eine Verschleppung ber Verfahren ein* treten, inbes wird bie Streich ung einstimmig ange^ nom m en. Die Beratung wird morgen um 9 Uhr fortgesetzt. Der Ausfall der preußischen Landtagswahlen. Danzig. Bei den Stichwahlen erlangten bie Liberalen 80Ä die Konservativen 13, die Sozialdemokraten 21 Wahlmänner. Das Gesamtresultat ist folgendes: 547 liberale, 351 konservative und 49 sozialdemokratische Wahl mann er. Die Liberalen erzielten 72 über die absolute Majorität. Stadt Stettin. Auf Grund der heute tiorgenommenen Stich- und Nachwahlen gestaltet sich das Wahlbild in Stettin- Stadt für den fortschrittlichen Kandidaten, Justtzrat Lippmann, noch günstiger als nach der Hauptwahl. 292 fortschrittlichen Wahl- männern stehen nur 234 sozialdemokratische gegenüber; 2 Wahlen sind nicht zustande gekommen. Im Wahlkreis Kolberg -Köslin verteilen sich die Wahl- männerftinrmen wie folgt: 431 konservative, 50 liberale und 33 sozialdemokratische. Liegnitz «bisher F. und Nl.ß Das Gesamtresultat ist auch nach den Stichwahlen ungewiß. Die „Breslauer Zeitung" berechnet 272 Liberale, 270 Konservatilw und 62 Sozialdeino- kraten, die „Schlesische Zeitung" aber 276 Konservative, 274 Liberale und 60 Sozialdemokraten. Berlin, 24. Mai. Nach dem Ergebnis der Stichwahken in Berlin 12 «bisher Fortschr. Vp.) sind endgültig gewählt: 336 sozialdemokratische, 322 fortschrittliche, 46 konservative und 30 nationalliberale Wahlmänner. Der Kreis hat im ganzen 746 Wahl männer zu wählen. Ta sechs Wahlen nicht zustande gekommen sind, beträgt die absolute Mehrheit 371. Der Sieg des fortschrittlichen Kandidaten Dr. R u n z e erscheint gesichert, da die Nationalliberalen für ihn eintreten und auch die Konservativen zum Teil für iHv stimmen werden. Potsdam (bisher Fk.). In Potsdam kandidiert der kon- servattve Tischlermeister Pauli gegen den Frei konservativen Major v. Stössel und den NationaUiberalen Professor Leidig. Für Stössel sind 43, für Pauli 22 und für Leidig 12 WaUinänner gewählt worden. Jetzt hat Herr Pauli mit den Natwnalliberalen ein Kompromiß geschlossen, wonach beide Parteien sich gegenseitig Wahlhilfe bei den Sttchwahlen empfohlen haben, um die Kandidatur des Majors v. Stössel zu Fall zu bringen. Heute haben die Stichwahlen ftattgefunden unb das Ergewris ist bis zur Stunde: es verfügt Leidig jetzt über 93, Stössel über 71 und Pauli über .40 Wghlmanner, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach Herr Leidig gewählt werden wird. Der Vorstand des freikonservativen Wahlkomitees nennt das eine Ungeheuerlichkeit. Eharlottenburg. Im Wahlbezirk Charlottenburg sind nach genauer Zählung gewählt 673 freisinnige, 246 sozialde- motratische und 7 konservative Walftmänner. Bei 41 außerdem gewählten Wahlmännern ist die Parteizugehörigkeit angeblich imbeftimmt, doch ist änzunehmen, daß der größere Teil dieser Wahlmänner den Liberalen Mzuzählen ist. Es haben 76 Stichwahlen ftattzufinden, zwei Wahlen sind nicht zustande gekommen. Der freisinnige W-ahlsieg ist hiernach nickst mehr zu bestreiten. I Brandenburg-qWe ft Havelland. Nachdem auch die vier noch ausstehenden Wahlmänner-Stichwahlen für die Fortschrittliche Bolkspartei ausgefallen sind, ist das endgültige Ergebnis : 365 Konservative, 45 Nationalliberale, 185 Fortschrittler und 179 Sozialdemokraten. Die Stichwahl findet also zwischen den Konservativen und der Fortschrittlichen Volkspartei statt. Kiel (besh. Fortschr. Vp). Nach den jetzt beendeten Wahl- männer-Stichwahlen sind für den bisherigen Vertreter Hoff (Fortschr. Vp.) 380, für Lohmeier (nl.) 199, für Bree 0 ur (S.) 470 Wahlmänner gewählt worden. Flensburg. Der Ausfall der Wahlmänner-Stichwahlen in Flensburg (bisher Fortschr. Bolksp.) betätigt, falls die Ergebnisse vollständig sind, die Annahme, daß es in diesem Wahlkreise zur Stichwahl zwischen ber Fortschrittlichen Volkspartei und den Otattonalliberalen kommt. Im ganzen haben danach die Na- tivnalliberalen 202, bie Fortschrittliche Volkspartei 142, die Sozialdemokraten 65 Wahlmänner. Altona . Die Wahttnännerstichwahlen ergaben für Waldstein (Vp.) 334, für Marlow (natl.) 57 und für Sldler (Soz) 238 Wahlmänner. Die Wahl Walbfteins ist somit sicher. Halle a. S.- Die Wahlmännerftichwahlen brachten 97 liberale und 5 konservative Wahlmänner. Der NattvnaMberalck Keil und der Volksparteiler Delius haben noch die absolute Aiaiorttät. , diele selb. (Bisher 2 Konservative unb 1 Nationalliberaler.) Nach dm Sttchwahlen stellt sich da§ Resultat wie folgt: Fortschrtttliche Bolkspartec 114, Sozialdemokraten 335, Natio- ualltberale 290, Elstistlichsoziale 101 und Konservative 330 Wahlmänner. D ildes heim sbiSH. v. Campe, Nl.). Gewählt mürben in den Stichwahlen 7 Konservattve und 13 Nationalliberale. Im ganzen sind bana chgewählt: 257 nationalliberale, 201 korrser- raltve, 48 sozialdemokratische Wahlmänner unb 2 Welsen. Die Wiederwahl v. Campes ift gesichert. T 0 r tmun d. Tie Wahl des Nationalliberalm «SchN'ecken- bieck erscheint nach dem Ergebnis ber Wahlmäimerstichwahlen sicher. Osnabrück. Das ^Ksamtergebnis bes Wahlkr-eises Osnabrück ist nach, den jetzt ftottg^ahtcu Stichwahlen: 261 National liberale, 110 Zentrum, 10 Sozialdemokraten. Tie Wahl Wachhorst de Wcntcs lNtl.) ist somit gesichert. Wetzlar. In den Stichwahlen erhielten die fortschrittliche Bolkshartci und die Nationalliberalen je 10Wahlmänner. Tas Gesamtergebnis ist danach: fortschrittliche Vollspartei 49, Na- tionalliberale 94, Konservative 74, Sozialdemokraten 12 Wahl männer. Tie Wahl des nationalliberalen Kandidaten ist gesichert. Der Ausfall der im Wahlkreis Elberfeld-Barmen vorzunehmenden 144 Stichwahlen für 280 Wahlmänner hat an dem Ergebnis der Hauptwahl nichts geändert. Die geeinigten Liberalen stehen mit einem Vorsprung von rund 70 -Stimmen mit den Sozialdemokraten in Stichwahl, obgleich die rechtsstehenden Parteien in letzter Stunde ein Wahlmanöoer versuchten, um die Liberalen an die zweite Stelle zu drücken, die dann um die Unterstützung der Konservativen hätten betteln müssen. Diese gaben an derster Stelle die Parole aus: Keine Stimme dem Liberalismus! Das taten die Wuppertaler Konservativen. Und da wagen btc konservativen Blätter noch, den freisinnigen aus ihrer Parole für die Wahlmännerstichwahlen einen Vorwurf zu machen. Essen-Stadt (bish. Zentrum). Bei den Wahlmänner- Stichrvahlen erhielt das Zentrum 318 Wahlmänner, die National- liberalen 131. Tas Zentrum verfügt jetzt über 650, die Nationalliberalen über 402 Wahlmänner. Ter bisherige Vertreter, Justizrat Tr. Bell, ist somit sicher wiedergewählt. Die Sozialdemokratie hat sich an den Stichwahlen nicht mehr beteiligt. Bochum. Bei den heutigen Wahlmänner-Stichwahlen im Wahlkreise Bochum-Herne lbish. Z.) wurden 140 national- liberale, 9 Zentrums- und 2 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt. Auch ohne diese Stichwahlen stand schon fest, daß die Nationaltiberalen diesen Wahlkreis dem Zentrum entrissen hatten. Mülheim-Ruhr. Nach den Wahlmännerstichwahlen im Wahlkreise Mülheimi'Rulw)-D)linslaken-Hamborn sind für Mathies iNl.) 568, Sauermann (Z.) 435 und für Schlüchtmann (Sä 38 Wahlmänner gewählt. Tie Wahl von Mathies erscheint als sicher. Frankfurt. Tie W a h l m ä n n e r - S t i ch w a hl e n brachten der fortschrittlichen Volkspartei einen großen Erfolg. Mehr als 200 volksparteiliche Wahlmänner wurden beute gewählt, ferner 43 sozialdemokratische und 50 nationalliberale. Einige Wahlen sind noch nicht bekannt, sie ändern aber nichts an dem Gesamtergebnis, daß die Fortschrittliche Volkspartei über eine große Mehrheit der Wahlmänner verfügt. Ta eine Anzahl Wahlen — im ganzen sollen es 1554 sein — nicht zustande gekommen ist, beträgt die absolute Mehrheit rund 770. Gewählt sind bis jetzt insgesamt 850 fortschrittliche Volkspartei, 260 Nationalliberale, 420 Sozialdemokraten. Tie Wahl von Flesch und Oeser ist somit im ersten Wahlgang der Abgeordnetenwahl am 3. Juni gesichert. Im Wahlkreis Stolv-Lauenburg-Bütow wurden nach den vorliegenden Feststellungen 9 polnische Wahlmänner gewählt, sämtlich im Kreise Bütow. Ter konservative „Bütower Anzeiger" klagt die „Lauheit" der deutschen Wähler an. Zur Silberhochzeit im deutichen Uaiserhause. Die „traurigste aller Hochzeiten" ward vor einem Vierteljahrhundert im deutschen Kaiseryause geschlossen. So bezeichnete Graf Molkte die Hochzeit desPrinzen Heinrich mit der Prinzessin Irene von Hessen, die am 24. Mairin Silb e rjube lp a ar sind. Kaiser Friedrich, der Sterbenskranke, hatte gewünscht, der Eheschließung seines zweiten Sohnes beizuwahnen, und so fand diese in der Schloßkapelle zu Charlottenburg statt, wo damals der Kaiser noch residierte. Kaiserin Augusta, die noch schwer unter dem Schmerze um den Tod Kaiser Wilhelms litt, sollte auf Wunsch des Arztes, sobald das Befinden es erlaubte, nach Baden-Baden reisen, aber auch sie verlangte, der Feier beizuwohnen, zu der auch der Prinz von Wales, der spätere König Eduard, gekommen war. Glücklicherweise hatte Kaiser Friedrich einen günstigen Tag, er hatte des Morgens die Äerzte mit den Worten empfangen: „Heute bin ich in Hochzeitsstimmun?;' da kann ich nicht krank sein." Während das Brautpaar, geleitet von der Geistlichkeit, zum Altäre schritt, präludierte die Orgel das Largo von Händel. Unter diesen Klängen wurde die Kaiserin Augusta in ihren Trauerkleidern ohne den geringsten Schmuck im Rollstuhl in den glänzenden Kreis der Hochzeitsversammlung gefahren. ^,Tie Tränen kamen mir in die Augen, als ihre Kinder und Enkel vor ihr niederknieten, um ihr die Hand zu küssen," schrieb Moltke an seinen Bruder und setzte in Bezug auf Kaiser Friedrich hinzu, der, später eintretend, seiner greisen Mutter die gleiche Ehre erwies: „Es war herzzerreißend, ihn seine schwere Last mit solcher Geduld und Ergebenheit tragen zu sehen, den einen Fuß auf dem Throne, den anderen im Grabe." Na ch dem Largo sang der .Chor den Mendelssohn-Bartholdyschen Gesang „Wie lieblich sind die Boten, die den Frieden verkündigen". Tann fang die Gemeinde „Lobe den Herrn". Während des Gesanges war Kaiser Friedrich eingetreten. Ein Kammerdiener stand hinter dem Monarchen, um ihm Luft zuzufächeln, aber sonst erinnerte nichts daran, daß man es in dieser hohen Gestalt mit einem Schwerkranken zu tun habe, ja ab und zu ging über seine Züge ein freundliches Lächeln. Zur Seite des Altars neben seiner Gemahlin sitzend, hörte er die Traurede des Oberhofpredigers Tr. Koegel an, welche zum Text Ev. Joh. 14, 27: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch" hatte. Als der Moment des Ringwechsels'gekommen Ivar, machte der Kaiser mit einer Bewegung der Hand und lächelnden Blickes den Bräutigam daraus 'aufmerksam, daß jetzt der Moment gekommen sei, um niederzuknien. Tie Gemeinde saug: „Ach, 'bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr, dein' Gnad' und all's Vermögen in uns reichlich vermehr'." Als der Segen über das Paar gesprochen war, nahte es sich der kaiserlichen Großmutter und Kü^se und Umarmungen in .stummer Rührung bedeuteten deren Segenswunsch. Während Prinzessin Heinrich sich der Kaiserin nahte, schloß der Kaiser den geliebten Sohn innig in seine Arme, ihn so recht fest an sein Herz drückend. Dann machte der Kaiser eine jener Grußbewegungen gegen die Versammlung, wie man sie oft zu sehen von ihm gewohnt war, und betrat elastischen Schrittes die Kapelle; ihm folgte die kaiserliche Mutter, alsdann das neuvermählte Paar, um bei geschlossenen Türen in dem Nebengemach vor der Abreise von dem Vater und der Großmutter'Abschied zu nehmen, da an der Tafel, die im Trompetensaale stattfand, weder der Kaiser noch die .Kaiserin-Mutter teilnahmen. Der Kronprinz, jetzige Kaiser Wilhelm, vertrat die Stelle seines Vaters und brachte den Toast auf die Neuvermählten aus. Das war die Hochzeit, die von den Tränen um einen verstorbenen Kaiser lind.von solchen um einen sterbenden benetzt war. Aber aus den Tränen quoll Segen für das Brautpaar, das in glücklichster Ehe um ein Vierteljahrhundert vereint ist. wandern und Reisen. Bäder. — Salzungen, 2$. 'Dlai. Bis zmn heutigen Tage finb 496 Personen zur Kur hier eingetrosscn. ** W i e f o m m t man nach Bad Salz hause it._ 91 ach dem diesjährigen Commeriahrplan gelangt man ab Gieren 8"° über Nidda (an 950, ab 9") um 932 nach Salzhausen; ab Gießen mit Cilzug IO16 an, Nidda 1(P muß man den Fußweg ab Bah'" hoi Nidda (ca. 25 Minuten) wählen oder einen Wagen vorher beheben. Ab ließen 12", an Nidda 1" besteht ivieder Bahnanschluß, ab Nidda 20:l, an Salzhausen 210. Ter Zug 2'6 ab Gießen, an Nidda 3'", fährt ab 1. Juni durch nach Balzhausen. Ankuu't daselbst 3’°. Ab Gießen 504 und 8^2 an, Nidda um 6£2 und bezw. 9^, gelangt man von da 6££ bezw. 9^ nach Salzhausen. bracht und gekrönt werden sie durch die soeben erschienenen „Bilder von der Entstehung des Deutschen Reickzes", die in noch höherem Maße verdienen, überall gelesen uiw geliebt zu werden. Auch dieser neue Gustav Freptag ist nicht etwa eine gelehrte Geschick tc: es sind Bilder, ebenso wie seine „Bilder aus der deutscken Vergangenheit". Wo diese aufhör.n, mit 1813, knüpfen die Bilder von der Entstehung des Damschen Neichies an und führen bis zum Sedanfesle 1871. — Ter Verein für das Deutschtum im Ausland, (Allg. Deutscher Schulverein) E. V., hat soeben zehn Postkarten „Mit Gott für König und Vaterland" herausgegeben, die von den Professoren Hans W. Schmidt, Weimar, und R. Knötel, Berlin, entworfen sind. Tie auv dem Vertrieb der Postkarten erwachsenden Beträge werden den vaterländischen Zwecken des Vereins dienstbar gemacht lvcrdcn. Spklpkm des Kurhaus-Theaters 3aö Nauheim. Sonntag, den 25. Mai: „Sündenböcke.* Montag, ben 26. 9?lai: „Mein Freund Teddy." Mittwoch, den 2^. Mai: Einmaliges Gast» sviel der Tanzkünstlerinnen «Geschwister W i e s e n t h a l. Hierzu : „Tie Vore/ Freitag, den 30. Mai: „Moral." Sonntag, den 1. Juni: „Tie fünf Frankfurter." Vermischter. * T i e Einführung automatischer Sicherheitssignale auf den französischen Eisenbahnen. Zum erstenmal wird nun eine jener automatischen Signalvorrichtun- gen, die in ben letzten Jahren von der Technik ersonnen wurden, in großem Stile aus einer europäischen Voll bahn eingeführt: die französische Südbahn Paris—Lyon—Mittelmeer erstrebt den Ruhm, in dieser Frage auf dem Gebiete der Praxis Bahn zu brechen. Das neue Signalsystem ist zunächst auf eine Strecke von etwa 500 Klm. ausgedehnt worden und umfaßt 268 automatische Signalstationen. An allen wichtigen Einfahrten, Weichen und Schicncnkreuzungen ist in der Mitte des Schienenweges ein elektrischer Hebel angebracht, der sich automatisch hebt, wenn das Signal auf gesperrte Fahrt steht. Eine Lokomotive, die die Stelle dennoch überfährt, kommt durch eine entsprechende elektrisch' Einrichtung mit dem Hebel zwischen den Schienen von selbst in Kontakt, und als Warnungssignal ertönt nun ein schriller Pfiff, den der Lokomotivführer nicht überhören kann, wenn er das Signal übersehen hat. Der elektrische Strom geht von einer Batterie aus, die unter der Lokomotive befestigt ist. Tie Bahn- verw-altung hat lange gezögert, ehe sie sich dazu entschloß, den Apparat einzuführen. Tie Bedenken richteten sich nicht gegen die Zuverlässigkeit der Vorrichtung, denn diese steht außer Frage: man befürchtete aber, daß das Bewußtsein von der Anwesenheit des automatischen Sicherheitssignals die Lokomotivführer sorglos machen und ihre Aufmerksamkeit verringern könnte. Man wollte anfangs dem Führer die Ausgabe geben, in ein Signalbuch alle Signale während der Fahrt einzutragen, aber die damit verknüpfte Ablenkung der Aufmerksamkeit von der Strecke erregte Bedenken und so beschloß man, sich auf die Pflichttreue der Beamten zu verlassen. * Tie javanische „Invasion" in Amerika. Aus New Pork wird berichtet: Ter Konflikt zwischen dem Staate Kalifornien und der amerikanischen Bundesregierung wegen der Frage der Zulassung von Japanern zum Bodenerwerb erfährt jetzt, da die Frage zu einem formellen Proteste Japans in Washington geführt hat, eine interessante Beleuchtung durch eine soeben veröffentlichte Statistik durch das amerikanische Arbeitsamt. Darin zeigt sich, daß die Befürchtungen Kaliforniens zumindest sehr übertrieben sind. Heute besitzen Japaner in Kalifornien insgesamt 12 726 Acres Land: 2000 Acres mehr als vor 13 Jahren. Bon Japanern gepachtet sind 17 500 Acres, 2698 Acres weniger als 1909. Der japanische Grundbesitz in Kalifornien erreicht also kaum ein Tausendstel des Landes. Die Zahl der Japaner, die selbständig in Kalifornien Landwirtschaft betreiben, ist zwar auf 2215 gestiegen, aber der Umfang des von ihnen bewirtschafteten Landes zeigt, daß fö sich nur um unbedeutende Kleinbetriebe handelt. Aus dem amtlichen Berichte ergibt sich ferner, daß in Kalifornien während der letzten drei Jahre die Anzahl der seßhaften Japaner um 4933 zurückgegangen ist. 1910 zählte man int Staate 41000 japanische Untertanen, in den ganzen Vereinigten Staaten 72 000. Vüchertlsch. — Meuers Historischer Handatlas. 62 Hauptkarten mit vielen Nebeukärtcheu. einem Geschichtsabriß in tabellarischer Form und 10 Negisterblättem. In Leinen gebunden 6 Mark. Verlag des Bibliogravhischen Instituts in Leipzig und Wien. Dieser Atlas stellt sich als der jüngere Bruder des bewährten Meyerschen „Geographischen Handatlas" dar: er zeigt das gleiche handliche Lexikoulormat und ist von erstaunlicher Reichhaltigkeit. Die Karten sind klar und korrekt gezeichnet und durch die geschmackvolle Kolorierung gut leserlich. Eine Anzahl Blätter ist dem Grenzgebiet zwischen Geschichte und Geographie gewidmet, was man früher vergeblich in Geschichtsatlanten suchte. Hierher gehören z. B. die Karlen über die Züge und Staatengnindungen der Normannen, über die Entwickelung des Kolonialbesitzes der Groß- niächle und die Karten der Ozeane und ihrer Randgebiete. Wertvoll sind auch die 10 Registerblätter, die den Karten größerer Zeitabschnitte beigegeben sind und die bis zu einem gewissen Grade ein Gesamtregister ersetzen. Was aber den Atlas ganz besonders auszeichnet und ihm ein eigenartiges Gepräge verleiht, das ist der jeder Karte aus der Rückseite ausgedruckte Geschichtsabriß, der zugleich eine vorzügliche Erläuterung der Karte bedeutet. In ihm sind die großen Geschichtsabschnitte und Marksteine durch Fettdruck hervorgehoben. Zahlreiche Verweise auf andere Karten und Tabellen leiten aus die Nachbargebiete über und verknüpfen die geschichtlichen Vorgänge. — Gartenbuch für Anfänger. Unterweisung im Anlegen, Bepflanzen und Pflegen des Hausgartens, im Obstbau, Gemüsebau und in der Blumenzucht. Von Johannes Böttner, Königl. Oekonomierat, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. 10. Auflage (64.—80. Tausend). Mit 627 Abbildungen im Text, Frankfurt a. d. Oder, Verlag von Trowitzsch & Sohn. Mit den: einziehenden Frühling erscheint Johannes Böttners Gartenbuch in neuer Ausgabe und will wiederum allen Gartenfreunden ein Führer und Berater in allen gärtnerischen Fragen fein. Tie bisherige Verbreitung von über 63 000 Exemplaren ist der beste Beweis für die Brauchbarkeit des Praktischen Buches, das in unvergleichlicher Weise in die Geheimnisse des Gartenbaues einführt und zu erfolgreicher Betätigung im Garten anregt. Ueberaus anregend geschrieben, lehrt es die notwendigen Gartenarbeiten, sei es im Obst- und Okmüfebau oder im Blumengarten, kurz und bündig, klar und leicht verständlich, erinnert stets zur redeten Zeit daran, was zu tun ist, und macht auf oft begangene Fehler aufmerksam. Treffliche Abbildungen ergänzen den Text in glücÜicher Weise. — Gustav 5 r e D t a g , Bilder v on der Entstehung des Deutschen Reichs. Herausgegeben von Wilhelm Ru- deck: 496 Seiten gebunden in eleg. Original-Leinenband, Mk. 6.—. Verlag von Walther Fiedler, Leipzig. Gustav Freytags „Bilder aus der i)eutfd:#en Vergangenheit"", die bis 1813 heran freiesten, sind volkstümlich geworden. Gewissermaßen zum Mschluß ge- Spictplan der vereinigten frankfurter Ztadtcheater. Opernhaus. Sonutag, den 25. fDlai, al end* G Uhr: „Tie Meistersinger von Nürnberg." Montag, den 26. Mai, abends */,8 Uhr: „Ter. liebe Augustrn." Dienstag, den 27. fDlai"): „Figaros Hochzeit." Mittwoch, den 28. Mai: „Tie verkaufte Braut." Donnerstag, den 29. Men: „Tie Negimentstocbter." Hieraus: Ballet-Tivertissement. Freitag, den 30. Mai, abends Uhr : „Ter Kuhreigen." Sams' tag, den 31. Mai: ..Ter Rosenkavalier." Sonntag, den 1. Juni, abends 6 Uhr: „Siegfried." Tloiitag, den 2. Juni, abends 1 .8 Uhr: .La .Boheme.“ Tienstag, den 3. Juni, abends */,8 Uhr: „Tie Jüdin" Mittwoch, den 4. Juni, abends '/,8 Uhr: „Ter liebe Augustin." Schauspielhaus. Sonntag, den 25. Mai, naebm. 2'/3 Uhr: „SUiom/ Abends 7 Uhr. „Und das Licht (euditet in der Finsternis." Montag, den 26. Mai*): „Un'd das Liebt leuchtet in der Finsternis." Dienstag, den 27. Mai: „Ter Herr Senator" fDhltiuocb, den 28. Mai: „Liliom." Donnerstag, den 29. Mai, abends */,8 Uhr: /Wilhelm Tell." Freitag, den 30. Mai, abends 8 Uhr: „Püppchen." Sains- taa, den 31. Mai: Zmn ersten Male: „Ter Kammersänger." Drei Szenen von Frank Wedekind. Hierauf, zum ersten Ata le : »Das Säuglingsheim." Burleske in einem Aufzuge von Ludwig Thoma. Zum Sd;luß, zum ersten Male: „Tod und Leben." Torfkomödie in 1 Akt von Ludwig Ctiangbofer. Sonntag, den 1. Juni, abends 8 Uhr: „Ter Kammersänger." Hierauf: ,Tas Säuglingsheim." Zum Schluß: „Tod und Leben." ih'outag, den 2. Juni, abends 8 Uhr: „Der Kammersänger." Hierauf: „Das Säuglingsheim." Zum Schluß: „Tod und Leben." Tienstag, den 3. Juni, abends h Uhr: „Und ba§ Licht leuchtet in der Finsternis." Mittwoch, den 4. Juni, abends 8 Uhr: „Der Kammersänger." Hierauf: „Tas Säuglingsheim." Zum Schluß: „Tod und Leben." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Meteorologische Beobachtungen der Station Stehen. Höchste Temperatur am 22. bis 23« Mai ■== + 14,8* C. Niedrigste „ „ 22. „23. „ = + 6,1*0. Niederschlag: 0,6 mm. Mai 1913 2 5 -2 c « S Temperatur . der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke (Mrab der Bewölkung In Zehntel der fichld. Hinime'.bst. Wetter 23. 2,6| 752,5 13,7 6,5 55 W 2 10 23. 956 752,2 10,6 9,0 94 SSW 2 10 24. 7U 753,7 11,6 9,7 95 SSW 2 10 Regen DRESDEN Grösste deutsche Ciqa reiten Fabrik -V-'Z. I MotorM^genlaihrräder Man Preisliste. KOPEL^ Kuverts mit Firma billigst vrühl'sche Universitätr-DruSerei. R. Lange, Sicher £axin -Konfekt f beliebtestes Mittel zur Regelung des Stuhlganges ' und Verhütung von Verstopfung für Erwachsene und Kinder. Höchster Wohlgeschmack, milde, sichere Wirkung, ärztlich glänzend begutachtet und empfohlen. Li ■ ...... - - Dose (20 Fruchtkonfitüren) Mk. 1.20. ............. Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen und verlange ausdrücklich LAXIN-KONFEKT S 2 s a Rimmern* nnö allem Zulick jtr fneitet zu v IHWer-L Weit. Stock!, vol hfificr., mit alte Weiten, sofort Ljuli ah veunie Plockflrane 9 6 Zim: Plockitraitcri! 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