248 (Erlies Blatt 163. Jahrgang Mittwoch, 22. SMober 1913 |8»Ä JV« * AW 9 .Mi,. «SyB. litt Att Aii AI* 11 tt^At AAi*=uBS ^VilEKtlitl ZLIluUlEl bs SS”KAfi ,'.nonn,t- Land: WJr GL W W H w W rL W auswärts 20 Psenniq wirtschaftliche Zeitfragen ▼ ^F W M ^F H V H O ^F ▼ ^F Chefredakteur: AGoey. Aeniipved) - 2lji(d)lüf)c: m Verantwortlich für dcu ^.r die Redaktion 112, polit. Teil: Aug. Goetz; MM . General-Anzeiger für Gberheffen DZW bis vormittags 9 Uhrl Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Ulliv.-Vuch- und 5teindruckerei H. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil:' H? Beck! Die heutige Nummer umfaßt 12 Seilen. Tagcskalender aus dem Jahre 1813. 22. Oktobcr. Dänemark erklärt Preußen und Rußland den Krieg. — Der in Leipzig gefangen genommene König von Sachsen wird nach Berlin gebracht. Die in Leipzig gefangenen Dessen marschieren nach Reu- Ruppin, wo sie am 2. November ankommcn. Dänemark erklärt Preußen und Rußland den Krieg. — An demselben Tage wird der König von Sachsen gefangen _______nach Berlin gebracht. Safonow bei Vethmann-hollweg. An diesem Dienstag und Mittwoch weilt der russische Minister des Aegtßern Sasonow in amtlicher Mission in Berlin. Er wird vielleicht von Kaiser Wilhelm empfangen, jedenfalls aber mit dem Reichskanzler und Staatssekretär v. Iagow Konferenzen pflegen, nicht nur über die albanische Krage, sondern auch über wichtigere Dinge. Rußlands deutschfeindlichstes Hetzblatt, die „Nowoic Wremja" hat sich bemüht, Herrn Sasonow einen unfreundlichen Empfang in der deutschen Presse zu bereiten. Es bestellte sich bei seinem Pariser Vertreter ein Sasonow-Jnterview, in dem sich die „friedliche" 'Stelle findet: „Sollte einmal in Petersburg Trommelwirbel ertönen, so stände Frankreich an Rußlands Seite". Dieser Ton kann natürlich Pariser Mache sein. Sasonow beobachtete stets in Worten und Werken eine weniger feindliche Haltung zum Dreibund als sein Vorgänger I swolski, was sich bereits zu Potsdam bei der berühmten Kaiserbegegnung zeigte. Aber derselbe Minister Sasonow erklärte doch auch im vorigen Fahre in der Duma, daß die Grundlage der russischen auswärtigen Politik unerschütterlich die Allianz mit Frankreich bleibe. In feinen Pariser Konferenzen habe er sich überzeugt, daß die leitenden französischen Kreise ebenso wie Rußland feste Anhänger der Allianz seien und danach strebten, sie zu beiderseitigem Vorteil sowie zur Sicherung des europäischen Friedens auszunützen. Jene Erklärung bot inhaltlich dasselbe wie jetzt das unerfreuliche, im Ton so säbelrasselnde Pariser Interview. Was Deutschland betreffe, erklärte Sasonow vor der Duma, so halte Rußland an der alten traditionellen Freundschaft und guten Nachbarschaft fest, die es aufrichtig schätze. . . . Das war alles, und mehr hat Rußlands Aus'landsminister seitdem ßür deutsche Ohren nicht gesagt. Die „traditionelle Freundschaft", wie Bis m a r ck sie sich dachte, verlangt allerdings ein stärkeres diplomatisches Arbeiten, als bis jetzt zu vermerken war; sie sollte sich gründen auf die dringende Notwendigkeit eines Zusammengehens von Rußland und Deutschland. Sogar bei Abschlusses Dreibundes vergaß der erste Kanzler diesen, seinen Grund- und Kardinalsatz, nicht, indem er neben dieser „strategischen Stellung" sofort auch die Erneuerung des Dreikaiserbundes ins Auge faßte. &ie Bismarckschen Gedanken der deutsch-russischen Politik harren noch immer ihrer Wiederauferstehung und Verwirklichung. Beabsichtigt Herr von Bethmann Hollweg, diese schwierige Aufgabe in Angriff zu nehmen? Der Reichskanzler und Herr v. Sasonow haben sich zum letzten; Male auf der Reede von Baltischport am 4. Juli 1912 gesehen und gesprochen. Herr v. Bethmann Hollwcg hatte damals lediglich einen Legationsrat vom Auswärtigen Amt -nitgenommen und stand drei gewiegten Auslands diploma- ten gegenüber, eben Herrn v. Sasonow, dem Ministerpräsidenten Kokowzow und dem russischen Kriegsminister Su- chomlinow. Und es kam auch für Deutschland im vorigen Jahre nichts heraus. Die offiziöse Petersburger „Rossija" sprach rückschauend nur wieder von den „traditionell-freund-» fchaftlichen Beziehungen" zwischen den Kaiserhäusern und den beiden Nachbarreichen, während das Auswärtige Amt in Berlin in einer amtlichen Note zwar vielmehr Worte machte als das russische Blatt, sachlich aber auch nicht den kleinsten politischen Gewinn auf die Kreditseite des deutschen Kontos buchen konnte. Es gedachte der Begegnung von Baltischport „mit Genugtuung" und warum? Tie nichts sagenden Worte der nun mit Spannung erwarteten Begründung find charakteristisch sowohl für die deutsch-russischen Beziehungen, wie für einen inhaltlosen Tiplomatenstil überhaupt: „denn während sie (die Genugtuung!) einerseits die feste und dauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland bezeugt, bedeutet sie andrerseits auch einen beredten Ausdruck der friedlichen Grundrichtung, welche die Politik beider Länder in gleichem Maße bestimmen." Unterdessen hat Herr v. Sasonow nicht nur häufig in deutschen Bädern und Städten geweilt, sondern auch den vielbesprochenen Teeabend mit zwanzig Dumaabgeordneten abgehalten, dabei Rußlands Rolle auf der Londoner Bot- schaftcrkonferenz und die Ergebnisse des Balkankricgs besprochen. Sasonow hat ausdrücklich erklärt, die russische Diplomatie sei nicht gesonnen, die Dardanetlenfrage aufzurollen; Rußland habe keine kriegerischen Verwicklungen zu fürchten; dem europäischen Frieden drohe keine Gefahr. War das die persönliche Ueberzeugung des Ministers? Gewisse Vorgänge und Pressepolemiken, die sich in den sechs Monaten seit jenem Teeabend abgespielt haben, weckten wieder manchen Zweifel, wer in Rußland Politik macht und was als offizielle Politik anzusehen ist. Hinter dem wohlwollenden und stets dem Frieden das Wort redenden Minister macht sich immer wieder ein inoffizielles Rußland geltend, das, in undurchdringliche Kulissen versteckt, deutschfeindliche Gesinnungen pflegt und propagiert. An der Newa machen nach wie vor zwei verschiedene Richtungen Politik. Die Kriegspartei darf auch in Rußland nicht die führende Politik machen. Wenn Herr v. Sasonow in seinen Berliner Konferenzen die deutsche Diplomatie aufklären und beruhigen t!önnte, wäre wenigstens ein kleiner Gewinn dieser Tage zu verzeichnen. Berlin, 21. Oft. Der russische Minister des Aeußern Sasonow ist, von Paris kommend, hier cingetroffen und bei der russischen Botschaft abgestiegen. Berlin, 21. Oft. Der russische Aäinister des Aeußern Sasonow hat das Frühstück in kleinem Kreise beim Reichskanzler eingenommen. Heute abend fand zu seinen Ehren auf .der russischen Botschaft ein Diner statt, an dem 14 Personen teilnahmen. Unter den Geladenen befand sich der Reichskanzler, der Unter st aatssekretär im Auswärtigen Amte Zimmermann und mehrere Mitglieder der Botschaft mit ihren Damen. Sasonow l>at heute abend um 11 Uhr 30 Berlin verlassen und ist nach, Warschau abgereist. Zum Abschied waren u. a. auf dem Bahnhof Untcrstaatssekretär Zimmermann, der russische Botschafter Swerbejewhrnd die Mitglieder der russischen Botschaft. Ministerpräsident Kokowtzow erkrankt. Rom, 21. Oft. Der russische Botschafter K r u p i n s k i erklärte einem Vertreter des „Giornale d'Jtalia" Ministerpräsident K o k ow tz o w sei an einem ganz leichten Anfall von Rose erkrankt. Krupmski fügte hinzu, die Unterhaltung, die Kokowtzow mit dem Ministerpräsidenten G i o l i t t i und dem Minister des Aeußern Marquis di San Giuliano gehabt hatte, habe den Charakter größter Herzlichkeit gehabt. Kokowtzow habe davon den besten Eindruck gehabt. Das Ausland und die Jahrhundertfeier. Dresden, 21. Oft. Auf die von dem König von Sachsen an die Souveräne Oesterreichs, Rußlands und Schwedens am Nachmittag des 18. Oktober gerichteten Telegramme sind nachfolgende telegraphische Antworten eingegangen. Der Kaiser v o n O e st e r r e i ch sandte folgendes Telegramm: Ties bewegt ob der Von Dir freundlichst an mich gerichteten Worte des Gedenkens, das Du mir an dem heutigen bedcutungs- reichen Tage in sinniger Weise zu widmen die besondere Liebenswürdigkeit hattest, bitte ich Dich, meinen wärmsten und innigsten Dank sowohl hierfür als auch für die von Dir mir und meiner Armee kundgetancnen Wünsche entgegenzunchmcn, welche ich aus ganzem Herzen erwidere. Sei versichert, daß es mir und meiner Wehrmacht zu erhebender Genugtuung gereichte, bei dieser glänzenden, stets unvergeßlich bleibenden Feier vertreten gewesen zu sein, um damit nicht nur der glorreichen Erinnerung an jene Helden, die vor einem Jahrhundert unvergängliche Lorbeeren an ihre Fahnen knüpften, rühmende Ehrung zu zollen, sondern auch jenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, von welchen ich und meine Armee für die verbündeten Für ft en Deutschlands und dessen Heer beseelt bin. Das Telegramm des Kaisers v o n Ru ß l a n d lautet etwas kühler: Ich bin tief gerührt durch die herzlichen Gefühle, die Eure Majestät mir ausdrückten anläßlich der Jahrhundertfeier der ruhmreichen Schlacht bei Leipzig und der Einweihung unserer Kirche. Ich bitte Sie, den Ausdruck Weines aufrichtigsten Dankes für den wannen Empfang entgcgenznnehmcn, den Sie dem Großfürsten Kyrill und den Vertret".» meines Heeres zu bereiten die Güte hatten. Ich ergreife diese Gelegenheit, um meinerseits Eurer Majestät die freundlichsten Wünsche zu übermitteln, die ich für die Gesundheit und Ihr Glück, wie auch für die Wohlfahrt Ihres schönen Sachsenlandcs hege. Der König von Schweden telegraphierte: Für die liebenswürdigen, so wann empfundenen Worte war es mir eine besondere Freude, meinen Sohn sowie auch Vertreter meiner Armee zu der heutigen bedeutungsvollen hundertjährigen Erinnerungsfeier entsenden zu können. Für die fteundlichcn Wünsche für meine Genesung möchte ich noch meinen besonderen Tank hinzufügen. Paris, 21. Olt. Nach einer Blättcrmcldung ließ die sächsische Regierung der französischen Regierung mittcilcu, daß die Gruft der in der Schlacht bei Leipzig gefallenen französischen Soldaten fortan am 18. Oktober von der Leipziger Stadtvertretung geschmückt werden wird. Berlin, 21. Oft. Der Erzherzog Franz Ferdinand wird als Gast des Kaisers an der am 30. und 31. Oktober in Göhrde stattfindenden großen Hofjagd teitnehmen, zu der u. a. der Reichskanzler und der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin Einladungen erhielten. Deutsches Reich» Die Arbeitslosigkeit in Bayern. In der Abendsitzung der bayrischen K a m m e r d e r A b- geordneten am Dienstag wurde die Anfrage Kassel- mann (Liberal) in Verbindung mit den Anträgen des Zentrums und der Sozialdemokraten behandelt, welche von der R e g i e r u n g M a ß n a hm en wegen der herrschenden Arbeitslosigkeit verlangt und die Einführung einer ArbeitslosenversicherungdurchdasReich bezw. Bayern fordert. Der Minister des Innern er- klärte namens der Staatsregierung, daß sie, um der Arbeitslosigkeit zu steuern, alles getan habe, was nach Lage der Verhältnisse geschehen konnte. Was die Frage der Arbeitslosenversicherung betreffe, so müsse er erklären, daß an die Einführung einer reichsgcsetzlichen Arbeitslosenversicherung, die die verhältnismäßig beste und zweckmäßigste Lösung des Problems zu ermöglichen scheine, in absehbarer Zeit nicht gedacht werden könne. Noch weniger werde '?$ möglich sein, das Bayern allein mit der Landesgesetzlichen Zwangsversicherung vorgeht, da Bayern kein selbständiges Wirtschaftsgebiet bildet. Zudem 'besinde sich die bat) e.r ische Induft r i e in einer wenig günstigen Lage und habe ohnehin schon mit inißlichen Verhältnissen zu kämpfen. Dieselben Gründe sprechen dagegen, durch Landesgesetze die Städte zur zwangsweisen Einführung der Arbeitslosenversicherung und Heranziehung der Arbeitgeber für die Beitragsleistung zu leisebilder aus Sem größeren Griechenland. Aus Südalbanien. Vierzigheiligen (Santi Quaranta), 13. Oft. Für mich, der ich vor einem Menschenalter das damals noch sehr kleine Griechenland in der Kreuz und Quere durchwandert mrd den damalige Zustand des Landes mit Augenschcintreue in meinen „Griechischen Frühlingstagen" festgehalten habe, ist cs ein im Tiefsten bewegendes Gefühl, jetzt in den Zeiten nationaler Hochspannung dieses Land wiederzusehen, von dem dieselbe Kurzsichtigkeit wie einst gegenüber Italien als „dem Lande der Toten", so geringschätzig geurteilt hatte. Ich hatte das letzte Kapitel meiner ,Griechischen Frühlingstage" mit den begeistert hoffnungsvollen Worten eines noch heute lebenden gelehrten Griechen in Athen geschlossen: „Ein Volk sind wir; eine Sprache reden wir; zu einem Gott beten wir; einen und denselben .Willen haben avir; den .Willen, als Nation LU leben, — und wir werden leben *" Ich schreibe dies in dem „Regierungspalast" von Santi Quaranta einem zweistöckigen Holzhäuschen, dessen Obergeschoß auf das Haus der ehemaligen Bürgermeisterei gesetzt lvurde. Die Bürgermeisterei war das einzige Gebäude, das von den geschlage- -cinen Türken und ihren unvergleichlich ichcutzlichen Spreßgeiellen, den Albanesen, unzerstört gelassen war, weil sie es bis zum letzten Augenblick als Behördenobdach brauchten Als die griechischen Kanonenboote diesen Hafenort zu beließen begannen, geichah die T-lucht in solcher Eile, daß zur nichtsnutzigen Zerstörung keine Zeit blieb Ueberall jedoch, nw die Albanesen, völlig unbe- Mliat durch die türkischen sogenannten Behörden, m den langen bangen sechs Monaten zwischen dem Ausbruche des Krieges und der Ucbergabe von Jannina an die siegreichen,griechischen gruppen in diesem Bezirke baujen durften, haben sie gegen die griechische Bevölkerung tterisch, teuflisch gelvutel. Ich habe gestern auf einem langen Ritt in die Berge fest- gestellt was die demnächst hier zu ermattende Kommission der 'Großmächte zur Grenzregulierung , zwischen Südalbanien und Nordevirus unzweifelhaft wird feststellen Mussen, wenn ste der offeiisichtlichen Wahrheit,die Ehre geben wckk Der ganze Bezirk von Santi Quaranta ist ,o gut wie ausschlieylich von Menschen griechischen Stammes, griechischer Sprack)e und griechischen Willens bewohnt, auch seit MMschengedenken nur von ihnen bewohnt gewesen. Was ich aber bei meinem Ritt durchs Land, bei meinen Rasten in den Dörfern, z. B. in Wrioni, Aliku, Eimili, zu sehen unb zu hören bekam, ist so herzzerreißend, daß jeder Besucher dieses jetzt noch umstrittenen Bezirkes in seinem Gewissen verpflichtet ist, die Stimme der sonnenklaren Wahrheit und der reinen Menschlichkeit so laut wie möglich zu erheben, auf daß nicht durch Beschlüsse über, die Köpfe der eigentlichen Besitzer dieses Landes, der ureingesessenen Menschen Hinweg eine unerträgliche Ungerechtigkeit begangen und eine unerschöpfliche Quelle der dauernden Beunruhigung für Europa und des schändlichsten Blutvergießens gegen Wehrlose ergraben werde. Es gibt zwei amtliche Statistiken über die Bevölkerungsverhältnisse in den umstrittenen Grenzgebieten Südalbaniens, eine türkische und eine griechische, und ich werde mich weiterhin auf sie zu beziehen haben. Stattstik ist gut, Augenschein ist besser, und ich bin int glücflicfjen Besitz beider Erkenntnisquellen. Die Wahrheit des Augenscheins ist diese: ruhige griechische Bauern bewohnen diesen ganzen Bezirk, — räuberische Albanesen aus dem Innern Albaniens, die zukünftigen Untertanen des Fürsten von Albanien, haben alle diese reingriechischen Dörfer des Bezirkes von Santi Quaranta verbrannt und Schandtaten gegen die unglückseligen Dorfbewohner verübt, die es unmöglich machen, dieses jetzt von den Griechen befreite 'Gebitt wieder Albanesen auszuliefern. Es Handelt sich in diesem Falle durchaus nicht um die rein diplomatische Frage, ob dieser oder jener Landstreifen diesem oder jenem geordneten Staatswesen zugesprochen werden soll; sondern um eine Frage, bei der -es auf Tod und Leben geht: soll eine ruljige Bevölkerung, die den einhelligen Willen hat, mit ihren Stamrnesgenosseit, den Griechen, vereinigt zu bleiben, wiederum räuberisckum Schlächterbanden ausgeliefert werden, die von den früheren türkischen Machthabern nicht an Raub, Brand und Mord gehindert werden? Der Wille dieser jetzt aufatmenden Bevölkerung, auf ewig pngeteilt griechisch zu bleiben, zwingt sich jedem Wanderer auf Schritt und Tritt auf. „Enosis i thanatos!" steht auf jedem zerstörten oder aufgebauten Hause in Santi Quaranta. Jedes Kind in den Gebirgsdörfern bis auf die Kleinsten hinunter, die schon auf ihren Beinchen stehen, trägt sein blauweißes Griechenfähnchen und weigert cs dem Fremden, der es auch nur zum Besehen aus der Hand nehmen will. Aber noch viel ernstere Willenszeugnisse habe ich gesehen: Die Dorfbevölkerung der griechischen Grenzbezirke ist eisern entschlossen, nicht wieder unter die Botmäßigkeit der Mörderbanden zurückzukehren, die vor dem Einzuge der griechischen Truppen Hier geraubt und gemetzelt haben. $n allen Dörfern versammeln sich die Männer und die Jünglinge, ja schon die älteren Knaben, täglich unter der Leitung eines erprobten Schützen zu Schießübungen mit Büchse und Revolver. Tie Gewehre sind m«ist die von den Türken beim Abzüge aus Jannina abgelicferten Mauser, doch habe ich auch Gras- und Mannlicher-Gewehre im Gebrauch gesehen, und ich kann versichern: diese Dörfler, deren fast jeder einen Vater, einen Sohn, einen Bruder durch die Bürger .des zukünftigen Fürstentums Albanien verloren hat, werden sich nicht wieder wie die wehrlosen Lämmer abschlachten lassen, falls das.Ungeheuerliche Wirklichkeit werden sollte, daß diese nordepirotischen Gebiete durch den irregeleiteten Willen der europäischen Großmächte an das albanesische Schlachthaus, genannt Fürstentum Albanien, aus- geliefert würden. Unter der türkischen Herrschaft oder Scheinherrschast — denn in Wahrheit hat hier niemals eine andere Herrschaft bestanden als die der albanesischcn Räuber unter dem Schutz oder doch der Duldung der türkischen Mndios oder Beys, — war es der Ve- vötlerung des Landes, d. h. den Griechen, bei Todesstrafe verboten, Waffen zu tragen ober in den Häusern zu halten. Hingegen hatten die türkischen Behörden nicht das mindeste dagegen, daß die bis an die Zähne bewaffneten glbanesischen Banditen aus bem, Innern Albaniens das ganze griechische Land von Argyrokaftro und Koritsa bis nach Chimara und Santi Quaranta als eigentliche Herren .durchstreiften und überall Raub, Mord, Schändung und Brand verübten. Tie Namen der größten Missetäter, der Bandenführer, waren vor dem Kriege und sind jetzt überall hier in der Runde bekannt. Ich habe sie durch Befragung glaubwürdigster Zeugen sestgestellt. aber zugleich er fahren, daß diese Scheusale zur Zeit Hie Stützen der o^bane- sischcn Gesellschaft sind, hervorragende Mitglieder der Gendarmerie in Valona, dem Regierungssitze Seiner Exzellenz Ismail Kamal Bey, der in Südalbanien dieselbe seltsame Rolle spielt wie Seine Exzellenz Essad Pascha in Durazzo, dem vorläufigen Sitze der Regierung von Nordalbanien. Da ich vor einigen Tagen das Vergnügen hatte, der Valonaer Exzellenz, übrigens einem feingebildeten Manne, ehemals einem der Führer der iungtürkischen Parlamentspartei, vorgeftellt zu werden, so habe ich mir die Freiheit genommen, ihm in einem eingeschriebenen Brief die Namen der ihm unterstellten albanesischen Mordge- ermächtigen. Die Staatsregierung sei erneut der Prüfung der Krage näher getreten, um denjenigen Gemeinden, die eine den Anforderungen der Staatsregierung entsprechende Versicherungseinrichtung schatten, staatliche Zuschüsse in Aussicht zu stellen. Der Minister fuhr fort: Die Staatsregierung sei bereit, ungeachtet der Fortdauer der ungünstigen Finanzlage eine Gewährung staatlicherZuschüssezuden gemeindlichen Arbeitslosenversicherungen in Aussicht zu nehmen. (Eine endliche Aenherunq. London, 21. Okt. Die „W e st m i n st e r Gazette" schreibt: Wir können den Stimmungswechsel in der Balkan frage ermessen, wenn wir die fast völlige Gleich- v ii l t i g k e i t, womit Oesterreich-Ungarns einseitige Intervention in Belgrad ausgenommen wurde, mit den erregten Protesten vor ein vaar Monaten vergleichen, als Oesterreich eine ähnliche Aktion in dem Skutarifalle plante. Diesmal sprach niemand von der Kriegsgefahr zwischen Oesterreich und Rußland. Die Panslawisten Rußlands geben kein Lebenszeichen, Frankreich allein scheint sich wegen der Serben und Griechen zu beunruhigen: aber schließlich fefrt Oesterreich nur die Entscheidung der Mächte betreffend Albanien durch, wenn seine Intervention Erfolg hat, haben wir anderen kein Recht zur Klage. Wien, 21. Okt. Die Blätter nehmen die Mitteilung van dem vorbehaltlosen Einlenkcn Serbiens mit großer Befriedigung auf. Sie betonen, daß in Oesterreich-Unaarn keine feindlichen oder unTmntbfidwn Gesinnunaeu gegen Serbien bc stehen und hoffen, daß endlich die Herausforderungen des Nachbarstaates g"shören und eine Zeit freundschaftlichen und wirtschaftlichen Verkehrs beginnen möchte. Aus fielen. Vereinfachung der Staatsverwaltung. rb. D a r m st a d t, 21. Okt. Der par lamen tarische Sonder-Ausschuß für die Vereinfachung der Staatsverwaltung hielt heute unter Vorsitz des Staatsministers Dr. v. Ewald am Vor- und Nachmittag zwei längere Sitzungen ab, die sich bis 6 Uhr abends ausdehnten. Als Regierungsvertreter wohnten außer dem Staatsminister auch Finanzminister Dr. Braun, sowie Geheimrat Dr. B e ck e r und Ministerialrat Lorbacher der Sitzung bei. Zur Beratung standen zwei Punkte, die V e r - einfachung des staatlichen Kassenwesens und die Verstaatlichung des Gerichtsvollzieher- wesens. Die letztere war durch eine Vorstellung der Interessenten an die Großh. Regierung angeregt worden. Diese hat daraufhin eine Denkschrift ausgearbeitet und dem Ausschuß vorgelegt, worin sie die Verstaatlichung des Gerichtsvollzieherwesens a b l e h n t, da irgendwelche Ersparnisse von Belang dadurch nicht erzielt werden könnten. Sie stimmte aber einigen wünschenswerten Aenderungen im Gerichtsvollzieherwesen zu, durch welche eine Ersparnis von> etwa 50 000 Mark erreicht werden soll, z. B. bei kleineren Gerichten Zusammenlegung der Stelle des Gerichtsdicners mit der des GcsangenwärterS usw. Der Sonderausschuß erklärte sich im allgemeinen mit den von der Regierung gemachten diesbezüglichen Vorschlägen einverstanden. Zu einer umfangreichen Verhandlung gab die Frage des staatlichen Kassenwesens Veranlassung. Es lagen hierzu schon seit längerer Zeit zwei Anträge von Mitgliedern beider Kammern vor. Abg. Schönberger hatte unter eingehender Motivierung beantragt, die Kammer möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, daß die Erhebung der Staatssteuern auf die Gemeinden übertragen wird und daß hie dafür seither bestehenden Dczirkskasscn aufgehoben wer den. Das Mitglied der Ersten Kammer, Fürst Isenburg- Birstein, wünschte in dem von ihm im Ausschuß gestellten jAntrac;, daß unter Gewährung bestimmten Vergütun- .gen die Gemeinden mit der Einziehung aller Staats Steuern und Gefälle beauftragt werden sollen und daß ferner zu dem Steuerveranlagungsverfahren statt der bisherigen akademischen Beamten mehr mittlere Beamte zur Verwendung gelangen möchten. Die Regierung hat auch zu den hier angeregten Fragen eine Denkschrift vorgelegt, worin sie in längerer Begründung besonders der Forderung entgegcntritt, daß die Staatssteuern von den Gemeindebehörden eingezogen werden sollen. In der Aussprache wurde besonders darauf hin- gewiesen, daß es sich empfehle, mehr mittlere Beamte zu den Veranlagungsgeschäften namentlich bei der zweiten Klasse zu verwenden und daß die Veranlagungsbehörden nur mit einem akagemisch gebildeten Beamten als Vorsitzenden, ini übrigen aber mit mittleren Beamten besetzt werden möchten. Der Ausschuß beschloß nach eingehender Erörterung, einen aus fünf Mitgliedern beider Kammern bestehenden Unter- a u s sch u ß zu wählen, der die beiden Anträge und die Denkschrift der Negierung nach den im Ausschuß gegebenen Anregungen näher beraten und formulieren und der nächsten Sitzung des Gesamtausschusses geeignete Vorschläge unter breiten soll. Aus Stadt und Land. Handwerkskammer zu Darmstadt. Die Meistervrüfung haben vor der Prüfungskommission für die Provinz Obcrhessen im Frühjahr 1913 bestanden und dadurch die Befugnis zur Führung des Meistertitels in Verbindung mit ihrem Handwerk sowie die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen erworben: V i n d i n g , Heinrich, Bäckermeister zu Ober-Bissingen: D e i ch e r t Adolf, Bäckermeister zu Gießen: Engel, Wilhelm, Bäckermeister zu Gießen: Hartmann, Ernst, Bäck erm ein er zu Groß-Felda: K r a me r , Wilhelm, Bäckermeister zu Vilbel: Kramer, Willy, Bäckermeister zu Vilbel: Lucke, Wilhelm, Bäcker meister zu Gießen: Schilling, Georg, Bäckermeister zu Vilbel: Stein, Friedrich, Bäckermeister zu Klein-Linden: Muhl, tCto, Buchbindermeisicr zu Reichelsheim: Steuerwald, Georg, Buchbindermeister zu Gießen: Bolz, Wilhelm, Buchdruckernreister zu Gießen: Dornberger, Job., Buchdruckermeister zu Gießen : M c l ck e r, Heinrich, Buc^>ruckermeister zu Gießen; Oe st e r reich, Robert, Buchdruckermeister zu Gießen: Rühl, Adolf, Buchdruckermeistcr zu Alsfeld: Straßburger, Aug., Buchdruckermeister zu Bad-Nauheim: Kröck, Wilhelm, Dachdecker- meister zu Gießen: Anacker, Anna, Tamcnfchncidermeisterin zu Gießen; Eichelmann, Frieda, Tamenschneidermcisterin zu Berstadt: Herr, Marie, Damenschneidermeisterin zu Gießen: Heyner, Anna, Damenschneidermeisterin zu Bad-Nauheim: K r e u t n e r , Margarete, Tamenschncidermeisterin zu Bad aNu- heim: Krieger, Johanna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen: Landgraf, Marie, Tamenschneidermeisterin zu Vilbel; Lö- ber , Marie, Tamenschneidermeisterin zu Gießen; Sailer, Marta, Tamenschneidermeisteiin zu Gießen: Rabenau, Minna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen: Rätter, Frieda, Tamen- schneidcrmeisterin zu Als'eld: Schmidt, Lina, Tamenschneidermeisterin zu Butzbach: Sigmund, Sovhie, Tamenschneidermeisterin zu Nieder-Er'enbach: Spieß, Minna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen: Uhr bahn, Karoline, Tamenschncidermeisterin zu iLch: Bogt, Anna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen; Weinberg, Rosa, Tamenschneidermeisterin zu Lauterbach; Werner, Minna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen; Schmidt, Wilhelm, Elcktromechanikermeister zu Gießen; O t t e r b e i n , Christian, Feinmechanikermeister zu Gießen; Wurstius, Johann, Friseurmeister zu Alsfeld; Ranft, uLd- wig, Glasermeistcr zu Beuern: Römer, Ernst, Jnstallatcurmei- ster zu Gießen: Flecken st ein, Karl, Lackierermeister zu Gießen: Kövvler, Wilhelm, Maler- und Weißbindermeiiter zu Vilbel; Krämer, Hans, Maler- und Weißbindermeister zu Butzbach; Rau, Karl, Maler- und Weißbindermeistec zu Gießen: Gieß, Hermann, Maurermeister zu Giessen: Helfrich II, Wilhelm, Maurermeister zu Bingenheim: Menz II, Heinrich, Maurermeister zu iLndenstruth: Schaub, Friedrich, Maurermeister zu Vilbel; Schäfer, Karl, Maurermeister zu Utphe; Grimm, Ferdinand, Mechanikcrmeisier zu Vilbel; Vömel, Heinrich, Mechanikermeister zu Vilbel; Betz, Anton, Messer- schmiedmcister zu Gießen; Georg, Wilhelm, Messerschmied- meister zu Gießen; Bender III, Philipp, Metzgermeister zu aLngsdorf; D a a b , Friedrich, Metzgermcister zu Hungen; Hein, Ferdinand, Metzgermeister zu Ober-Widersheim; Helm, Ludwig, Metzgermcister zu Homburg; Henzel, Reinhard, Metzgermeister zu Büdingen; Heck mann, Karl, Metzgermcister zu Gießen; Kron er, Ph. Reinhard, Metzgermcister zu Vilbel; Löb, Adolf, Metzgermeister zu Vilbel: Nagel, Robert, Metzgermcister zu Gießen; Möller, Johannes, Metzgermcister zu Angersbach: Peter, Karl, Metzgermcister zu Weitershain; Reitz, Karl, Wilhelm, Metzgermcister zu Vilbel; Rosenbaum, Moritz, Metzgermcister zu Gießen; Schmidt II, Hermann, Metzgermeister zu Hungen; Schüler, Peter, Metzgermcister zu iLch; Wenzel, Gustav, Metzgermcister zu Vilbel; Bürk, Engelbert, Photographenmcister zu Gießen: Jen sch, Robert, Polsterer- und Tapeziermeister zu Lich; Hartmann, Karl, Sattler- und Tapeziermeister zu Alsfeld: Jüngel, Karl, Sattler- und Tapeziermeister zu Bellersheim; Pauly, Theobald, Sattler- u'nd Tapeziermeister zu Vilbel: Amcnd, Heinrich, Schlsseromeister zu Grünberg: Bender, Karl, Schlossenneistcr zu Steinberg; Ebcrsohn, Hermann, Schlossenneistcr zu Hungen: Faber, uLdwig, Schlossermeister zu Großenlinden; Verlach, Karl, Schlossermcister zu Stockheim: Hasselba ch. Ad., Schlossermeister zu Gießen: Hofferberth, Ehr., Schlosser- meister zu Vilbel: Klink, Wilhelm, Schlossermeister zu Düdelsheim : Le h r, Wilhelm, Schlossermeister zu Vilbel; Pfaff, Karl, Schlossermcister zu Gießen; Rettberg, Hennann, Schlosser- chlossermcimeister zu Nidda; Ruppel, Wilhelm, Schlosscrmci- ster zu Butzbach; Schmidt, Friedrich, Sckstofsermeister zu iLch; Schnabel, Georg, Schlossermcister zu iLch; Alles III, Konrad, Schmicdmeister zu Gambach; Arnold, Karl, Schmied- meister zu Altenbuscck; Kaltcnschnee, Heinrich, Schmiedmeister zu Büdingen; Kehr, Karl, Schmiedmeister zu Heimertshausen; Koch, Otto, Schmicdmeister zu Melbach; Kuhwcde, Alfred, Schmiedmeistcr zu Burg-Gräfenrode; Pabst, Heinrich, Schmiedmeistcr zu Münzenberg: Paulus, Heinrich, Schmiedmeistcr zu Altenbuscck: Ratz, Heinrich, Schmicdmeister zu Grebenau ; Schäfer, uLdwig, Schmiedmeistcr zu eZll; Schaaf, Georg, Schmiedmeistcr zu Engelrod: Schimmel, Friedrich, Schmicdmeister zu Klcinlinden: Stumpf, David, Schmicdmeister zu auLterbach; Weber, Heinrich, Schmiedmci- ster zu Grünbcrg; Weber, Karl, Schmicdmeister zu Gießen: Wenzel, uLdwig, Schmicdmeister zu Fauerbach: Heibertshausen, Ludwig, Schneidermeister zu Lollar: Moller, Heinrich, Schneidermeister zu Augersbach; Naumann, Joh., Schneidermeister zu Büdingen; Oppenheim, Jam., Schneidermeister zu Gießen: S ch w ö b e l, Joh., Schneidermeister zu Weitershain: Schneider, Karl, Schneidermeister zu Gießen; Zeiß, Heinrich, Schneidermeister zu Holzheim: seilen mitzuteilen, ihm die Zeugen zu benennen, unb die feste Zuversicht auszusprechen, daß er sie schleunigst an den Höch .sten Galgen hängen werde. Was abzuwartcn ist! Was haben die Griechen tnx der ja nur kurzen Zeit nach der Beendigung des Krieges gegen die Türken aus ihren hinzu wonncncn Provinzen gemacht? Santi Quaranta samt dem umliegenden Gebiet auf etwa 25 Kilometer hin ist eines der beweiskräftigsten Beispiele, denn hier hat noch im März dieses Jahres die greulichste Ludenvirtschaft bestanden. Man denke sich einen .Hafenort, der die Ein- und Ausfuhr des ganzen nordwestlichen Epirus zu vermitteln bestimmt ist, mit Handelsmöglichkeiten, die unter der richtigen Verwaltung hier einen großartigen Aufschwung nehmen müßten. Tie Grieckn'n haben in den eroberten Landestcilcn zunächst mir den niedrigen türkischen Zoll von 11 Proz. aitfj alle Maren bestehen lassen, und siche da, in den kaum sechs Monaten, da Santi Quaranta in griechischen Händen ist, haben sich die Zollcinnahmen auf monatlich rund 60 000 Trab in en gehoben, auf mehr als das Treifache der einstmals türkischen Einnahmen. Man braucht nur die eine ziemlich lange, gutgevstastcrte Hafenstraße entlang zu gelten, um fast vor jedem Hause große Wanmausspcicherungcn zu sehen. Eigentliche Wohnhäuser gibt eS hier noch nicht, sondern so gut wie ausschließlich Warenhäuser, will sagen Spcicherräume. denn die Unsicherheit für Leib und Leben war vor der Einnahme durch die Griechen so grvß, dotß frier nur aushielt, wer durchaus mußte und wer uni hohen Handelsgewinnes willen den täglichen Gefahren der Brandsck-atziing durch die wenigen türkischen Beamten und die vielen <\u4 dem Innern Albaniens herein brechenden albanisckxen Räuber Trotz zu bieten den Mut hatte. Man sieht nock, beute feind einzige städtische Frau am Ort, denn es war bis in* ddn Marx: hinein nicht möglich, hier ein Weib den Sckieußlichkeiten der türkisch^albanischcn Barbarei auszusetzen. Vollkommen Sirhcrlrcit .für Gut und Leben — das ist die ungeheure Errungenschast der griechischen Eroberung in allen früheren Gebieten mit griechischer.Bevölkerung. Wir „guten Eurv- bäer" können uns ja überbauet keine Vorstellung machen von dem Zustande, der in diesen Schreckensländern mit einem vcr- schleieniden Worte Unsick-crheit genannt wurde. In Santt Quaranta gab cs vor der Eroberung vier ganze türkische Gendarmen, die aber selbst durch ausgiebiges .Bakschisch trickst: zum Widerstande gegen die Herren albanesischcn Räuber aus dem Innern zu gewinnen waren. Der eine Friedensrichter, der jetzt in Santi Quaranta seines Amtes wallet und für bürgerlicksc wie strafrechtliche Fälle von der griechischen Justizverwaltung eingesetzt ist, hat in_ den 6 Monaten seiner Amtsführung noch nicht einen einzigen Strafrcchtssall abzuurteilen gehabt. Und so wie in diesem Hasen st ädtclum steht es in allen griechischen Dörfern rundum. Es ist für den reisenden Fremden tiesergreifend, die Freude der Landbevölkerung^ sich aussprechen zu hören, daß sie nun endlich, endlich die Sicherheit des nackten Lebens genießen. Diese Freude tröstet die Bevölkerung und den Fremden über das furchtbare Elend, das uns in fiebern Dorfe des Bezirkes begegnet. Vicrundvierzig Dörfer, sämtlich griechische Dörfer, gibt es im engeren Bezirk von Santi Quaranta: nicht vierundvierzig Häuser, nicht zwanzig, stehen unverbrannt da. Mit einem Blick übersieht man vom Pferdcrückcn 5, 6 Dörfer an den Hängen der Vorbcrge, und überall schaut Himmel durch die ausgebrannten Mauern. Es wäre zum Weinen, wenn man nicht von diesen schwergeprüften Menschen selbst die freudige Hoffnung auf eine glückliche Zukunft des Landes aussprechcn hörte. Wen immer ich gefragt: Was tust Du, wenn Euer Land zu Albanien geschlagen würde? hat mir mit äußerster Leidenschaft, oft mit wutverzerrtem Gesicht geantwortet: Wir töten die Albanesen, oder mir lassen uns alle töten! Keiner denkt an Auswanderung. hier auf diesem ihrem Boden wollen sic ausharrcn und sich, wenn es nottun sollte, bis auf den letzten Mann verteidigen gegen das albanesische Räubertum, selbst wenn es den Titel „Fürstentum Albanien" führte. Nach der Sicherheit — die Schule? Es ist ja in Eu- 5°.?^ luNgst nicht mehr unbekannt, mit welcher Liebe das griechische Volk sein Schulwesen pflegt. In diesem Falle handelt es sich natürlich zunächst nur um die Volksschule, und hierbei ist zu bedenken, daß der größte Teil der Volksschullehrcr seit einem Jahr bei den Fahnen steht. Selbst die 40- und 50- jobyigcn Lehrer die nicht mehr wehrpfftchttg waren, sind frei- willig zu den Waffen geeckt, wie beroi überhaupt ohne den ge* wattigen Zuzug der noch nicht oder nicht mehr dicnstpflickstiger, Freiwilligen das gneckstsche Heer, das eines Volkes von nur 2*/» Millionen vor dem .Kriege, niemals die ungeheure >vriegs^ stärke von etwas mehr als 250 000 Mann hätte erreichen können. Gaub, Heinrich, Schornsteimcgermeister zu Homburg: Reich- wald, Hermann, Schornsteinwgermeisrer zu Lich; Feldmann, Karl, Schreinermeister zu Nieder-Gernündcir: Gan^, Karl, Schrcinermeister zu Engelrod; Glitsch, Friedrich, Schreinermeister zu Lauterbach: Grün, Wilhelm, Schrcinermeister zu Ober-Widdersheim; Hartmann, W., Schrcinermeister zu Mün- zcnberg: Hcß, August, Schreinermcistcr zu Gießen; Fnghardt, Heinrich, Schreinermeister zu Gießen; K a m b c i tz , Karl, Schrcinermeister zu Lich; Lind, Otto, Schrcinermeister zu Groß-Felda; Marburger, Hermann, Schrcinermeister zu Vilbel; Müller, Albert, Schrcinermeister zu Altenbuscck: Müller, Heinrich, Schreinermeister zu Wieseck: RcinhardZ, H., Schrcinermeister ;u Tauernhcim; Schäfer XI., Heinrich, Schreincrmellter zu Wie st'ck: Schmelz, Johann, Schreinermcistcr zu Stockhausen: S cb o m b e r , Johannes, Schrcinermeister zu Londorf: Seibel. Wilhelm, Schreinermeister zu Vilbel: Stotz, Friedrich, Schrciner- mcister zu Laubach; Vetter, Louis, Schrcinermeistcr zu Gießen; Wagner, Karl, Schreinermcistcr zu Gießen; Wasser, Fried rief), Schrcinermeister zu Rixfeld: Fran z, Heinrich, Schuhmacher- meister zu Holzheim: Jäger II., Wilhelm, Schuhmachermeister zu Holzheim: Diefenbach, Gustav, Schuhmachermeister zu Bernstadt: Kötter, Heinrich, Schuhmachermeister zu Nieder-Erlenbach: Müller, Hermann, Schuhmachcrmcistcr zu Fauerbach; O st heim, Rudolf, Schuhmachermeister zu Heuchelheim b. Büdg.. Schmidt, Matthäus, Schuhmachermeister zu Vilbel: Schnell, Georg, Schuhmackrermeister zu oLllar; N e b h u t h, Wilhelm, Sei- lermcistcr zu Gießen: Müller, Karl, Spcnglcr- und Jnstalla- teurmcistcr zu Großen-Buseck; Schnabel, Karl, Svenglcr- und Jnstallatcurmeister zu iLch; W i ß n er, Adolf, Spengler- und In- stallatcurmeister zu Wieseck; Will, Wilhelm, Spengler- und Jn- stallateurmcistcr zu Vilbel; Hofmann, Anton, Steinhauermeist. zu bOer-Mörlen; Nickel, Wilhelm, Steinhauermeister zu Treis a. d. Ida;; Werner, Robett, Steinhauermeister zu Hungen; Aufdermauer, Joh. Jos., Stukkateurmeistcr zu Gießen; Berg, Heinrich, Tapeziermeister zu Wisselsheim; Kaiser, Jakob, Tapeziermcister zu Vilbel; D i e tz II, Heinrich, Wagner- meister zu Weitershain; K n a f, Heinrich, Wagncrmcister zu Büdingen; Löchel, Georg, Wagnermeister zu Nieder-Florstadt: S ch ä s e r, Heinrich, Wagnermeister zu Alsfeld; S u p p e s , udL- wig, Wagnermeister zu Eichelsdorf; Feuerbach, Wilhelm, Weißbindermeister zu Gießen; Fink, Karl, Weißbindermeister zu Klein-Linden; Herzberg er, Heinrich, Weißbindermeister zu Nidda; Kehr, Karl, Wcitzbindermeifter zu bOcr-Ohmen; Mar^ b u r g e r , Georg, Weißbindermeister zu Vilbel; Möser, Karl, Weißbindermeistcr zu Eschenrod; Werner, Wilhelm, Weiß- bindcrmeistcr zu Burg-Gemürrden: Bebling, Karl, Zimmer^ meister zu Heuchelheim; Schmidt, Heinrich, Zimmermeister zu Dortelweil. Gießen, 22. Oktober 1913. * * Tageskalender für Mittwoch, den 22. Okt.: Stadttheater: „Das Buch einer Frau." Anfang abends 7 Uhr. • • • Im Kolosseum werden, wie uns mitgeteilt wird, in nächster Zeit wieder Variöts-Vorstellungen gegeben werden. Tie zweite Vorstellung des Zauberkünstler? B e l l a ch i n i am Sonntag abend hatte übrigens einen außerordentlich starken Besuch zu verzeichnen. Auch die Oeien, die, wie wir schriebe», nachmittags nicht so recht ihre Pflicht tun wollten, sollen abends eine ganz erhebliche Wärme ausgestrahlt haben. " „Dic Schrecken des Krieges". Wie schon vor einigen Tagen gemeldet, findet am Donnerstag im neuen Saalbar um 8V« Uhr ein Vortrag des Kriegsberichterstatters Engen Reichs freiherrn von Binder-Krieglftein über dic lcnten kriege- rischen Ereignisse auf dem Balkan statt. Es dürfte sich empfehlen sich die Eintrittskarten bereits im Vorverkäufe bei Musikbdl Ernst Challier zu sichern. • • .Lebendig tot" nennt sich der neueste Schlager iir Lichtspielhaus, der nach dem Roman von JuleS Marn .Roger Laroque^ von der bekannten Film-A.-G. Pathk FrßreS ausgenommen worden ist. DaS Stück ist ein echtes Sensationsstück, es fesselt trotz seiner sechs langen Akte von Anfang bis Schluß; daß eS auf künstlerischen Wert feinen Anspruch erheben kann, liegt auf der Hand. Es ist bezeichnend, daß die Plakate, die für da? Drama Reklame machen sollen, zum Teil französische Aufschrift tragen. Sc weit sollte man doch nicht gehen, wenn daS Stück auch ii Frankreich spielt und von französischen Schauspielern dar. gestellt worden ist. "Sprechstunde für Stotternde. Auf die am Freitag, den 24. d. MtS., im Hotel Schütz, Bahnhofstraße, ilattsindende Sprechstunde für Stotternde sei auch hierdurch nochnialS aufmerksam gemacht. ** Der Verband der Burcauangestell'ten in Deutschland, Bezirk Hessen-Nassau und Groß- hcrzogturn Hessen hielt am Sonntag in Hanau seine Br zirkskonsercnz ab. Nach den üblichen geschäftlichen Erledigungen verbreitete sich in längeren Ausführungen Göller (Frankfurt a. M. über die Verschmelzung mit dem Zenttalverband der Handlungs gehilfen. indem er warm für die Verschmelzung eintrat. Schließlich sprach sich die Bezirkskonfercnz für eine Verschmelzung aus. — Die Besprechung über die Tienstordnung für die Kassenangcstcllten und die Pcnsionsftagc wurde Don der Tagesordnung abgefetzt. — Die Versicherungsangestcllten und die Volksfürsorge behandelte Elbcrs (Frankfurt a. M'.) in längerer Ausführung. Es wurde folgende Entschließung angenommen: Der Bezirkstag hält eine besondere Agitation unter den Versichemngsangcstcllten für notwendig. Ferner spricht sich der Bezirkstag dahin ans, daß die von In Santi Quaranta gibt es eine wundervolle Zelt- und Hüttenschule für etwa 50 Kinder, die nicht nur unterrichtet, sondern mich behaust, gclleidct und beköstigt werden. Die Kosten trägt ein aufopferungsvoller Wohltäter. Im Anschluß au diese Schule wird zugleich für die armen Md ärmsten Mütter bet Kinder durch Arbeit gesorgt: .sie spinnen urrd weben präckttgc weiße und farbige schwere Wolldecken, die szu guten Preisen auf dem Londoner Markt verkauft werden. — In dem Dorfe Aliku sand ich ein Schulmeisterlein von höchstens 18 Jahren, der gleich den Männern seine Büchse führte; um ihn versammelt gegen 90 arme Kinder aus .den Dörfern des Umkreises, darunter Dutzende solcher, denen der Vater, der Oheim, die Mut ter von den albanesischen Raubmördern jetötet worden. Und alle diese Kinder schwangen ihre blauweißen Fähnlein und stimm ten in den Hochruf ihres Lehrerchgns ein: Es lebe Hella-! — Es lebe König Konstantin der Siegreiche! — Es lebe Germania! Sito o Kaiser! Eduard Engel. — Ein neues Werk von Richard Strauß. Au. Wien wird uns geschrieben: Das Wiener Konzcrtlmus, das dem immer weiter sich auSdchncndcn Musikleben Wiens drei neue Räume verschiedener (hrößc auftut, wurde am Sonntag in feierlicher Weise eröffnet. Am 20. Oktober abends fand das erste der vier Festkonzerte statt, das die Uraufführung eines neuen symphonischen Werkes von Richard Sttauß brachte. Strauß hat das „Festliche Präludium" auf Einladung der Konzerthausgesell schäft eigens für dic Eröffnung des Konzetthauses geschrieben. Es ist ein Gelegenheitswerk, aber ein Gelegcnhcitswerk von Richard Sttauß. Dadurch ist der ganze Cboraktcr des Werkes gegeben. Bor allem der prachtvolle Orchcsicrklang in seinem festlichen (man;, die feine tbcmattsch-konttammkttschc Struktur, eine Anzahl geistvoller Einfälle im Bau, wie etwa der feierliche Beginn durch die Orgel allein, zu der erst nach scchszehn Takten das volle Orchester tritt: anderseits aber wieder dic eigentliche innerliche Leecc'der auf Bestellung gefertigten Arbeit. Nicht etwa, als ob das Werk oberflächlich konzivictt wäre, dazu ist Sttauß zu sehr rbrlttbrr, echter Künstler, aber scheinbar chemmtc der Zwang des einmal gegebenen Versprechens die Freude am eigenen Schaffen. Dr. Johannes Brandt. „B^ksfürsorge" eingerichtete neben- und ehren- «Ük Ä ^rkassQ-nnd Afonisitwnstütigkett wegen ihrer pro krischen uno technischen Unmöglichkeit aus die Dauer nicht durchzusLhren ^ErernbanungSgcm ä B sind die im Verband der Bureau- angesteuten Deutschlands organisierten Versicherungsangestellten *n erft|Cr Linie zu berücksichtigen. — Zur Wahl r* •• ct^tn® ttnrr^>c beschlossen, in Fran kfurt eine Gc- l M ... | gfl 6 OIZ i Qualitäten jetzt WO Pf». Mk. IllUl Bütklinae, 3 St. 25Pf. Sprotten i.Pid. 35Ps. LacksheringeLt.20Pf. Lachs, gerünch., '/«Psd.50Pf. empfiehlt sich zurVertilgung ■ von Ratten, Mäusen, Schwa- j den, Wanzen n. tlngezreser jeder Art. Schriitl. Angeb. mit. 6992 an d. Gieh. Anz. erb. worden. Gießen, den 15. Oktober 1913. Grosib. Amtsgericht. 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Bieber, Band XII Blatt 462, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf ftocKKorde! etc- Schwarz Merveilleux, rein Seide Mk. 4.50, 3.25, Schwarz Tafft, rein Seide Mk. 3.50, 2.50, Vorfrag mit Licht-Bildern ffliffwodi, 29. Oktober 1913, abends 8V. Uhr in der neuen flula der Universität: Damen-Strümpfe engl. Länge, früher M. 1.75 rj jetzt IVg—5 Pfund Nia schwer Psd. 4MH* Nordsee-Kabliau ohne Kopf Pfd. 22 Pfg. IasBMtilltrzran Lustspiel in 3 Akten von Lothar Schmidt. Ende 9' . Ubr. C*/„ Für Stotternde! Trotzdem in Gleiten schon öfters eine Sprechstunde abgebalten wurde, mehren fick die Heilungsuchenden noch ständig. Am Freitag, den 24. d. Mts von 11—1 und von 2—7 Uhr findet int Hotel Schütz, Babnbontraüe, abermals eine Sprechstunde statt, in welcher über eine vortreffliche Methode und bereit Wirkung nähere Auskunft erteilt wird. Biele Hunderte haben eine schnelle und dauernde Heilung gesunden und die Methode in dankbarer Weise als ganz vorzüglich anerkannt. 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