m. 44 Drittk Blatt 165. Jahrgang Erschein, ISgNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Eichener ZannliendlSNer" werden dem ySlnAcifler" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblati für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen SeU- fragcn" erschemen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Srelmg, 21 Sebruar 19|3 Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universiläts • Buch» und Steindruckereu R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: S-sA 112. Tel.-Adr.: AnzeigertSiehen. Stadtv. L ö b e r ist der Ansicht, daß man der Genossenschaft weit genug entgegengekommen sei. Mindestens 1,50 Mark müsse jod) für die Stadt übrig bleiben. Durch die Baugenossenschaft -wirbelt bloß die Hausbesitzer geschädigt. Stadtv. Vetters HÄt es nicht für richtig, dast die Kosten Der Verbreiterung der £id}er Straste auf dieStraßenkostenbeitrage jer Baugenossenschaft angerechnet werden sollen. Stadtv. W i n n ist der Ansicht, dast 2 Mark für den Meter Straßenbau nicht reichen werden. Im Gegensatz zu Stadtv. L ö b e r sei er der An,icht, dav Mangel an Kleinwohnungen vorhanden sei. Verschiedenes. Kirchenrat D. Schlosser hat um Ueberlassung der alten Klinik für eine Kolonial-- und Missionsausstellung nachge ucht. Die Versammlung'stimmt zu. Für die Errichtung einer Trinkerfürsorgestelle werden für abends Räume im Armenamt überlasten. Die Kosten der F u ß w e g u n t e r führung zwischen Ebel- und Stephan st raste, die auf 13 000 Mark veranschlagt war, hat 14 860,76 Mark gekostet. Die Kreditüberfchreitung wird genehmigt Die Vergebung der freien Lernmittel soll nneder aus freihändigem Wege erfolgen. c Ter Reubatt des Eichamts, der überschläglich auf 45 000 Mark berechnet war, wird nach den jetzt ausgearbeiteten genauen Bläuen 50 000 Mark kosten. Ein Gesuch des Herrn Adam um Erlaubniszum Schank- wirtschaftsbemeb im Hause Reuen Baue 24 (Ca's Ernst Ludwig) wird befürwortet, dagegen das Gesuch der Firma I. H. Jhring in Lich für Asterweg abgelehnt. Tas Gesuch des Gg. W e n i für Ludwigstrastc 62 wird befürwortet. Stadtv. Simon fragt an, ob sich das Kreisamt schon geäußert habe wegen der Anpflanzung der Lahnstraße. Ties ist nach Mitteilung des Oberbürgermeisters der Fall. Mb. Deutscher Reichstaq. 117. Sitzung. Donnerstag, 20. Februar. Am Tische des Bundesrates: Kühn, Kraetke. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung 1 Uhr 20 Min. Die revidierte Parisi-r Uebereinkunft zum Schutze des tzewerbiichen Eigentums wird nach kurzer Debatte in dritter Lesung angenommen. Ter Vo"elal. (Sechster Tag.) Zunächst wird über die Lstmarkenzukage namentlich abgeiuinmt. Der Antrag Basser mann, unwiderrufliche Zu. lagen für die in den gemischtsprachigen Teilen des Reichsgebietes ongesteklten Mittlern und unteren Postbeamten in Höhe von 2 100000 Mark statt der ursprünglich geforderten 1 100 000 Mark zu gewähren, wird mit 213 gegen 142 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Der Antrag Behrens- Schultz-Graf Westarp will außerordentliche unwiderrufliche Zulagen für die in der Provinz Posen und in den gemischtsprachigen Kreisen der Provinz W stpreußen und in Elsaß-Lothringen angestellten, mittleren, Kanzlei- und Unterbeointen 2 000 000 Mk. in den Etat einstellen. Abgegeben werden 359 Stimmen. Ter Antrag wird mit 209 gegen il48 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgel.hnt. Der Antrag Hubrich-Kopoch beantragt die Qstmarken- zutage nach der Vorlage zu belvilligen. Es stimmen 354 Abgeordnete. Der Antrag wird mit 211 gegen 141 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Zum Titel Beihilfen an bedürftige Pensionäre, deren Ruhegehalt hint.-r 300 Mk. zurückbleibt, sind 675 000 Ml., künftig weg- fallend, auSgeworfen. Eine konservative Resolution Arnstadt verlangt die Aufstellung allgemeiner Grundsätze für eine angemessene Unterstützung der Altvensionäre. Abg. Graf Westarp (Kons.), begründet die Resolution. Abc,. Erzberger (Zentr.): Meine Freunde schließen sich dem Anträge an. Wir erwarten eine Regelung der Angelegenheit dahin, daß den Altpensionären die notwendig gewordenen erhöbten Bezüge nicht auS Gnade und Wohlwollen, sondern, weil sie ein Recht darauf haben, gewährt werden. । Abc,. Beck Heidelberg (Natl.): Wir freutn uns, der Resolution zustimmen zu können und beantragen Ueberweisung an die Budgetkommission. Abfl. Kopsch (Vv.): ' Erfreulicherweise hat unsere im Landtage gegebene Anregung hier allseitige Zustimmung gesunden. Auch wir sind für Äom- missionsberatung. Die Resolution wird der Budgetkommission überwiesen. Beim Titel „Unterstützungen an Arbeiter und deren Hinterbliebenen" tritt Abg. Heckmann (Natl ) für Gewährung von hohe- ren Zulagen an die Arbeiter ein. Die Löhne der Arbeiter sind den wesentlich gestiegenen Lebensmittelpceisen nicht mehr angemessen. Der Redner begründet eine Resolution, die eine allge-- meine Erhöhung der Löhne und Zulagen der Telegraphenarbeiter, die Nicht-Anrechnung der Sonntage als Urlaubstage und der Schasfung einer Kleiberkasse fordert. Abg. Hnbrich (Vv.) stimmt dieser Resolution zu und begründet die Resolution, das Besoldungsgesetz insoweit abzuändern, als es der Anrechnung eines angemessenen Teils der im Arbeitsverhältnisse zurückgelegten Dienstzeit auf datz, Besoldungsdienstalter entgegensteht. Diese Forderung ist nich» neu. Leider hat der Bundesrat ibr keine Folge gegeben aus Gründen, die wir nicht billigen können. Deshalb haben wir diese Resolution nochmals eingebracht. Unsere Resolution geht weiter als die ebenfalls vorliegende Resolution Behrens, die nur Erwägungen darüber verlauat. inwieweit den Arbeitern ihre Arbeiterdienstfahre auf da? Besoldungsdienst- alter angerechuet werden können, damit sie nicht hinter den Postboten zurückstehen. Dieser Resolution können wir zustimmen, Abg. Behrens (Wirtsch. Vflg.) begründet die vorstehende Resolution und weiter eine Reso^ l u t i o n Mumm, die Kosten der ärztlichen Untersuchung der k^elegraphenarbeiter für die elatsmätzige Anstellung auf d,e Postkasse zu übernehmen. Tie von uns geforderten Denkschriften ober die Tätigkeit der Arbciterausschüssc und die Gründung einer Pen- swnskasse sind uns immer noch nicht zugegangen. Staatssekretär Kraetke: Wir können unsere Statistik nicht früher erscheinen lassen, als die amtliche Statistik erscheint. Die Denkschriften lassenl sich «icht so schnell auSarbelten, do wir viele technische Gutachten ,einfordern und abwarten müssen. Die,Wunsche des Hause- bezüglich der Arbeiter gehen zu weit. Wurden wir sie alle er-- ifüllen, dann würden alle Arbeiter sofort zu Beamten. Sw fordern für jeden Arbeiter ein festes Verhältnis (Große ^Heiterkeit), wir aber müssen doch darauf sehen, daß die Arbeiter Kei bleiben. Die Arbcitsvcrhältn.ssc sind ,o gesichert, daß Es Prozent unserer Arbeiter dauernd be° chäftigt werden. Wenn unsere Löhne wirklich zu niedrig ären bekämen wir keine Arbeiter. Erne. Schematisierung ist mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse unmöglich. Eine Ausbesserung der Lohne findet .ständig statt. Die allmähliche Gleichstellung unserer Arbeiter mit den Ort-- arbeitern schreitet fortgesetzt weiter. Eine ärztliche Untersuchung bei der Einstellung der Arbeiter mit bet Bestimmung, daß sie die Grundlage einer späteren etatmäßigen Zustellung wird, ist d^h ganz unmöglich. Wohin sollte daS fuhren? Die Forderung Ner Kleiderkasse ist nicht durchführbar. Wir sind gewiß gern Em bic nfrfe der Arbeiterschaft nach Möglichkeit zu er- & aber Z ist doch bedauerlich, za wettgehe.U>- Wünsch- zu ilCtUn" Aba. Ickler ffiatO: Unsere Beschlüsse sind notwendig, um auch einen Druck von ..* t-n mtfiiH'iLn Es ist zuzugeben daß die Lohne dauernd dienen ft e° ist nicht g?nug. dab oinsnch gesagt wird. Ungleichm^igl'iwn werden Dr t-7 fönnk WZ-ZM-LM wirken, nicht aushören. Abfl. Zubeil (Soz.): Der Staatssekretär hat geglaub». das HauS sch u l m - i st e rn mi sollen, und ihm geraten dle emgeg g. mit 6en gezahl- verwaltung vorzulegen. Sie veweue . ' unb ihrer Familien ten Löhnen der LcuenSunterhalt der -aroener u 53k & L-7'Kd ÖÄ w'ü n d'e n ; nur die ^-nMch.,t ÄÄ ÄÄ WK«*- Staatssekretär STrneffe: Nur um fesizustellen, daß unsere Löhne nicht so ganz niedrig sind und daß doch etwas gescheben fet, teile ich mit, daß nuc neunzehntel Prozent aller Telcgraphenarbei-^ t e r Löhne bis zu 3 Mark erhalten. Alljährlich werden auchs die Löhne aufgebessert, so noch 1911 und 1912 und zwar in tast! allen Bezirken. Auch in sozialdemokratischen Betrieben würden doch nicht höhere Löhne gezahlt als die ortsüblichen. Wenigstens sind Klagen der Arbeiter darüber recht oft laut geworden. Abfl Behrens (Wirtsch. Vflg.): Unser Antrag soll nur verhinvern. daß die junge Leute sich nicht erst in einen Beruf HMeinarbeiten. für den sie nachher un- ?eeignet sind. Tie Arbeiter wollen die Abzüge aus der Kleider- ässe gar nicht umsonst haben. Abg. Noske (Soz.): Ter Staatssekretär sagt, daß wir über Sachen reden, von denen wir nichts verstehen. Er selbst spricht über die Arbeitsbedingungen in den sozialdemokratischen Betrieben, von b.nen er gar nichts versteht. Ich bestreite ihm das Recht, die Löhne, die unsere Betriebe zah'en. irgendwie zu vergleichen mit den Löhnen, die die Post einer großen Anzahl ihrer Arbeiter fortgesetzt zahlt. Tie Zulag n sind so gering, das; sie keinen Ausgleich für die gesteiger- ten Änfork > ungen an die Lebenshaltung bieten. Abfl. Dr. Certel CQonL): Es ist unnötig Wi'ii^che zum achten Male zu unterstreichen, die schon sieben Mal >> »ederholt sind; daraus darf man nicht schließen, daß wir uns utd-t für die Wünsche der Arbeiter interessierten, im Gegenteil I Ter Staatssekretär hat nicht von dem beschränkten Untertanenverstand gesproch n, sondern uns nur die berechtigte Warnung zuteil werden lassen, nicht unberechtigte und unerfüllbare Wünsche der Arbeiter usw. in Resolutionen zu gießen. Keine Partei des Haus § läuft den Beamten nach. (Heiterkeit.) Auch wir nicht, aber wir hören uns ihre Wunsch.' gern an und lassen uns auch gern von der Regierung über die Erfüllbarkeit auf» klären. Die Resolutionen werden angenommen. Abfl. Chrvsant (Zentr.) fordert größere Heranziehung der Handwerker zu Lieferungen. Ab". Barlschat (Vv.) klagt gleichfalls darüber, daß die Postverwaltung die Handwerkergenossenschaften, besonders im Schncidergewcrbe, zu wenig berücksichtige. Die Ausschrcibungsfriften sind zu kurz und die etn» seinen Lose zu groß. Der Redner begründet weiter eine auch von anderen Parteien gestellte Resolution, die an genommen wird, bei Lieferungen, die ganz oder teilweise in der Hausarbeit hergestelli werden, die Hausarbeiterorgamsationen zu berücksichtigen und die Lieferanten, die dieselben Löhne wie Organisationen zahlen, vor anderen zu bevorzugen. Abg. Haberland (Soz.) wünscht schnellere Fernsprechverbindung zwischen Berlin nnd Düsseldorf. Der Postetat wird erledigt, ebenso der Etat bet Reichsdruckerei. Ekal des RelchEiOahnmnis. Am Tische des Bundesrats: Wackerzapp. Abg. Hasenzahl (Soz.): Nötig sind Richtlinien über die Vereinheitlichung der Eisen- bahnen. Sie haben dem Verkehr und nur dem Verkehr zu dienen, und das ist nur möglich durch allmähliche Uebernahme der Bahnen auf das Reich. „. ,, , Der Redner bezieht sich auf die Autorität Kirchhofts und aus den Deutschen Handelstag g.'gen widerstrebende Auffassung des Ministers Breitenbach. Ter einzelstaatliche Eiscnbahnparti- kularismuL muß beseitigt werden. Wir Hessen, auch die von meiner Partei, erkennen durchaus die Opfer an, die Preußen bei der Eisenbahngemein schäft gebracht hat, aber der Verteilungsvertrag bedarf dringend der Revision. Der Junkerpreutze von Zedlitz beschuldig uns Sozialdemokraten, wir wollten w't der Forderung der Reichßeisenbabn nur die Disziplin der Ellenbahner untergraben-, gewiß wollen wir sie einheitlich organisieren, um ihre Lohn- unb Arbeitsverhältnisse zu bessern. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr pünktlich; vorher klirre Anfragen. Schluß gegen 6% Uhr, Sihuna der Stadtverordneten. Gießen, 20. Febr. Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Beig. Keller, die Stadtv. Tr. Ebel, Eichenauer, Faber, Habenicht, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Fann, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Plant, Schaffstäbt, Simon, Tr. Sommer, Troß, Vetters und Wmn. Als Urkundspersonen rocrbcit die Stadcv. Orbig nnd Plant bestimmt. Mitteilungen. Ter K r o n b a u e r s ch e Quartetlvercin hat als Ertrag seines diesjährigen Konzerts 810 Mark für das Frühstück für arme Schulkinder nbgelicfcrt. Herr Hch. Simon II. hat der etabt em Kapital von 80 0 0 Mark vermacht, dessen Zinsen alljährlich an einen bedürftigen Handwerker und eine Witwe je zur Hälfte verteilt werden soll er,. m Eine Eingabe des Vereins ehemaliger 116er feit et darum, daß an den Festtagen die Schulen geschlossen werden, der Trieb als 'Festplatz, sowie die alte K.in.k und die Schule,t für Massenquartiere überlassen werden und auß.erdein ein Barzuschuß gewährt wird. . , Tie Billett--, die Filial. und W a r e n h a u s st c n c r wurden vom' Ministerium genehmigt. Die Klage der Firma Schade u. Füll grabe wurde vom Provinzlalausschuh ab- getviescn. Bangesuche nnd dergl. Tic Bauflucht für beit Neubau des Amtsgerichts- aebäudes sicht an beiden Straßen hinter den Straßen zurück. Tie Versammlung ist damit einverstanden.. Ein Baugesuch Launspach für Lcebigstraße 32 wegen Ausführung des Tachgeschofses in geliefertem Fachwerk wird be- ürwortet. . . . _ .. . ~ _ oo Johs Hirz hat in ieiner Hofteitc Seltersweg 22 einen Anbau errichtet. Ta seither schon der vorl-andene Hofraum zu Nein war, wird das Baugesuch, abgelehnt. Ein Gesuch des L. Troß wegen Bela,sung eines Schornsteins im Backsteinmacherhäuschen im Nenstädter Feld wird gutgeheißen. . ' „ . , Landverkauf an die gememnuhtqe Bauaenon-nschaft. lieber den Verkauf von Ä r u n d st ü ck e n an die gemeinnützige Baugenossenschaft liegen jetzt die Verträge zur Genehmigung vor. m Auf eine Anfrage von Stadtv. Vetters teilt der Vorsitzende mit, daß von 26 243 Quadratmetern 18 640 Quadratmeter der Baugenossenschaft überlassest werden. Stadtv. Tr. Ebel ist für ein weitergehendes Entgegenkommen. Er halte es auch für richtig, nur die ortssatzungsmäßigen Straßenbeiträge zu berechnen.. Ans Stadt und Land. 6),eßen, 21. Februar 1913. Der Eisvogel. Fast täglich kann man jetzt in her Löberstraße und» auf den Wieseckbrücken große Ansammlungen staunender Menschen sehen. Was ist der Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit? „Ein entflogener Papagei!" Und wirklich könnte man den hübschen Vogel wegen seines bunten Gefieders für einen Exoten halten, denn in der einheimischen Vogelwelt gibt es "kein anderes Geschöpf, das dem Eisvogel (Alredo ispida L.) - ein solcher ist es — nur annähernd an Farben. Pracht gleichkommt. Jeden Winter kommt er, sobald der Oberlauf der Wieseck zuzufrieren beginnt, oft schon Anfang Oktober, hinunter in unsere Stadt. Eigentlich ist er ja ein sogenannter Standvogel, doch in .der rauhen Jahreszeit zwingen ihn Nahrungssorgen, die offenen, eisfreien Gewässer aufzusuchen. Von der Löberstraße aus können wir ihm am besten zusehen, wie er oft stundenlang auf einem Zweig des jenseitigen Ufers, offenbar seinem Lieblingsplätzchen, das er immer wieder aufsucht, sitzt und mit großer Geduld spähend die Wasserfläche beobachtet, bis sich ein argloses Fischlein zeigt. Pfeilschnell stürzt er sich dann auf das Wasser und kommt fast an ebenderselben Stelle mit seiner Beute wieder hervor, um sie auf sein Lieblingsplätzchen zu schaffen, wo er sie mit dem Kopf voran ganz'hinunterwürgt. Häufig kann man auch beobachten, wie er mit einem schrillen drei- oder viermaligen „iit, tit, tit" dicht über die Wasserfläche streicht. Dann fliegt er allerdings so schnell, daß sein farbenprächtiges Gefieder nur wenig oder gar nicht zur Geltung kommt. Sein verhältnismäßig seltenes Vorkommen erklärt sich aus seiner großen Unverträglichkeit. Jedes Pärchen hat fein eigenes Revier, aus dem es seinesgleichen mit schrillem Geschrch vertreibt. Auch mit allen anderen Vögeln verträgt sich der Eisvogel nicht. Der Fischerei fügt er keinen besonderen Schaden zu, dazu ist er zu selten. Auch nährt er sich nur von ganz kleinen Fischün und deren Brut, die doch für den Fischer wertlos sind. Deshalb sollte man den prächtigen Gesellen nicht nur nicht verfolgen, sondern auch mit allen Kräften ihn, den „Edelstein" unter der- einheimischen Vogelwelt, zu schützen versuchen. ** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die 2. evang. Pfarrstelle zu Erbach präsentierten Pfarrverwalter Rud. Zentgraf daselbst für diese Stelle bestätigt. ** Steuerpersonalien. Der Steueraufseher Friedr. Knöß zu Bingen wurdx in den Aufseherbezirk Assenheim und der Steueraufseher Theod. Freitag zu Wimpfen in den Aufsehe^bezirk Vilbel versetzt. ** Lehrerperson assien. Uebertragen wurde dem Lehrer Karl Roth in Kelsterbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim. ** Erledigte Stellen: Eine Oberlehrerstelle an der höh. Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz. Oberlehrer oder Lehramtsassessoren mit Lehrbefähi- gung in Deutsch, Geschichte und — wenn möglich — Englisch wollen ihre Meldung bis zum 28. Februar an die Abteilung für Schulanaelegenheiten richten. Eine mit einem evang. Lehrer zu iiesetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Lais. Tie Stelle eines Steueraufsek)ers bei dem Hauptsteneramt Bingen. Die Stelle eines Salz- steueraufsehers bei dem Salzsteueramt W impfen. ** Eisenbahn-Personalien. Zum Krönungs- unb Orbensfeste erhielten bie Lokomotivführer Klein unb Amenb in Gießen das Verbienstkreuz in Silber. — Versetzt würben Bureau-Aspirant 1. Klasse Wittig von Ortenberg nach Frankfurt, Gersten berg von Frankfurt nach Gießen, Bahnmeister- Aspirant Sommer von Frankfurt nach Ortenberg. — Beurlaubt würbe Bahnmeister-Tiätar Werner in Friebberg auf 3 Jahre nach Ostafrika zum Bahnbau der Teilstrecke Tabora— Kigoma. — Belohnungen erhielten Bahnmeister Dammer in Grünbcrg, Wagenmeister Kliffmüller in Gießen, Hilfs- wctchcnfteller H e e st in Gießen, Bork in Fronhausen (Lahn, Hilfsbahnwärter Willershausen in Lohra, Hilssrangierfuhrer S ch o m b e r in Ullendorf a. Lumda, bie Streckenarbeiter Phil, unb Wilhelm M üller in Gießen für Entbeckung unb Beseitigung betriebsgefährlicher Schäden. Kreis Lauterbach. ~ Lauterbach, 2(). Febr. Am Montag findet tm Saale der Keutzcrschen Gastwirtschaft, Lindenstraße 4 hier, eine Versammlung der neugegründeten Sanitätskolonne statt, m der die endgültige Wahl des Kolonnenoorftandes erfolgen, sowie über die weitere Ausbildung der Kolonne beraten werden soll. Personen, die für daS gemeinnützige Unternehmen Interesse haben und nicht anwesend waren, können noch ihren Beitritt erklären. Gießener Strafkammer. Gießen, 19. Februar. Die BriefUnterschlagungen das Taglöhners K. K. in Gießen, der um Weihnachten und Neujahr bei der Post als Aushclser beschäftigt mar, bilderen den Gegenstand einer Anllagc, die davon ausging, daß St. als Beamter anzusehen sei und sich daher der Unterschlagung im Amte schuldig gemacht habe. Die Strafkammer nahm indessen an, daß sich der Angeklagte zum mindesten der Beamteneigenschaft nicht bewußt gewesen sei, und verurteilte ihn unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft wegen einfacher Unterschlagung tzu 3 Monaten Gefängnis, ^traferschwerend fiel ins Ge wicht, daß der Angeklagte gerade nur solche Briefe erbrochen hatte, in denen Papiergeld oder Wertpapiere vermutet werden tonnten. Schwerer Diebstahl und Verleumdung. Der erst 20 Jahre alte, aber tvegen Diebstahls bereits zwci- mial vorbestrafte Arbeiter W. Sch. von Dresden stahl int Januar dieses Jahres aus dem Ladenzimmer des Sattlermeisters Karl Hieronimus mehrere Hundert Marl, gab das Geld aber zurück, als ihn die Ehefrau erwischte. Aus der Polizei verdächtigte er die Frau in gemeinster Weise. Xr wurde wegen Rückfallsdieb stahls und verleumderischer Beleidigung zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt 1 Monat Untersuchungshaft wurde aut die Strafe angerechnet. Erfolgreiche Berufung. Der Agent G. Ä- in 'Frankfurt a. M. hatte im Jahre 190? dem Landwirt £>. B. I. zu Ganrerstirchen ein Pferd,zum Preirn von 1050 Mk. verkauft, die Forderung aber alsbald an den Vorschuß und Kreditoernin in Nidda abgetreten. Gleichwohl nahm er von B. 150 Mk als Abzahlung an und veranlaßte iHv auch noch, weitere 150 M* ru zahlen. Auf die Berufung de, Änllagebehördc gegen ein freisprechendes Erkenntnis des Schöffen- gerichts Schotten erkannte die Straffammer auf eine Woche Gefängnis. Gemeinschaftliche Körperverletzung. Die Eheleute G. Hr. M. von Jebenstadt sollen über ihren Knecht hergefallen sein und ihn verprügelt haben. Das Schösfen- giwicht Friedberg hatte sie freigesprochen, da es sie für nicht überführt erachtete. Dagegen gelangte die Straslantmer auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin zn einer Verurteilung des Ehemannes M. zu 15 Mk. Geldstrafe. Tie Freisprechung der Ehefrau aber wurde bestätigt, da angenommen wurde, daß sie ihrem Manne habe helfett luoUen. Freisprechung erzielte der Versicherungsinspektor CH. 3. in Friedberg, der im August v. I. von dem Schöffengericht Friedberg wegen Körper- verletzung bestraft worden Ivar. Der Angeklagte, der Hauseigentümer' ift, war mit den bei ihm in Miete wohnenden Eheleuten Lau in Streit geraten und hatte bei dieser Gelegenheit mehrere -Straftaten begangen. Er gab diese auch int wesentlichen zu, dagegen bestritt er, die Frau L. geschlagen zu haben. Allein das Schöffengericht erachtete ihn auch dieser Tat für schuldig und erkannte auf eine Geldstrafe. Seine gegen diesen Teil des Urteils eingelegt« Berufung hatte den Erfolg, das; ihm die Strafe megen Körperverletzung abgenommen wurde. In der Privettlagesache des Versicherungsinspektors CH. Z. in Friedberg gegen die Ehefrau des Architekten E. L. früher in Friedberg, jetzt in Hanau, verglichen sich die Parteien. Ter Privatlläger über- nahm i/z, die Angellagte % der Kosten. Universitäts-Nachrichten. ht. Marburg, 19. Febr. Der Oberlehrer an der Oberrealschule vor dem Holstentore in Hamburg, Dr. Hch. Jung, früher Privätdozent in Marburg, ist zum Nachfolger des verstorbenen Prof. G. Landsberg auf dem Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Kiel ausersehen. Hk. Köln, 19. Febr. Professor Dr. med. Leonhard Jo res, ordentliches Mitglied der Akademie für praktische Medizin und Direktor des pathologischen.Instituts der städtischen Krankenanstalten, hat einen Ruf. an die Universität Marburg als Nachfolger von Prof. Dr. Martin B. Schmidt erhalten. vermischtes. z£ Das Begräbnis eines oeröienten Iourna- l i ft e n. Unter bemerkenswerken Ehrungen ist in Müncl'en der Zeitungskorrespondent Josef Ritter zu Grabe getragen worden, der seit länger denn 30 Jahren Milarbeiter der „München Angsburger Abendzeitung" gewesen ist, und für diese die Landtagsberichte angefertigt hat, deren Objektivität und Zuverläss.gkcit das Blatt so,zusagen zum amtlichen Protokoll des Bäuerischen Landtages machten. In dem Trauergefolge befanden sich neben dem Staatsminister v. Frauendorfer die Vertreter der Ministerien, des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, Oberbürgermeister v. Borscht, sowie zahlreich Vertreter der M ün - chener Zeitungen. Die Bedeutung des Verstorbenen würdigte der Chefredakteur der „München-Augsburger Abendzeitung" Karl Stolz. Das Beispiel Ritters zeige, daß in den sogenannten freien Berufen, und dazu gehöre Gottlob der Journalismus, die natürliche Begabung sich nodi frei entfalten könne. Er hoffe und wünsche, und mit ihm wohl viele andere, das dies immer so bleiben möge! Ritters Gaben seien ein Heller Stopf, ein gesunder Menscheitvcrstaud, ein ehrlicher Wille, eine fast mtde- grenzte Arbeitslust unb Arbeitskraft, eine Energie, die alle Hindernisse überwand und ein fester ctyr(id)er Charakter gewesen. Und noch eine Gabe habe er besessen: die eines vollstäitdigen Mangels an Schüchternheit. Er sei ebenso weit entfernt-von Seibftübend,ät.ung wie von Selbstunterschatzung gewesen. Seine Berichte seien trotz seiner großen Gewissenhaftigkeit and) angefochten worden, aber wer in der Journalistik stehe, der wisse, daß, wenn ein Redner entgleise und Tinge sage, die er nachher nicht gejagt haben wolle, hieran niemals der Redner, sondern immer nur d e r Berichterstatter sdmld sei. Unter solchen Umständen hätten auch die Berichte des Verstorbenen dann und wann Anfechtung erfahren. Aber aus den 35 Jahren, während welcher der Redner Gelegenheit hatte, mit ihm zu arbeiten, sei ihm teilt Fall bekannt, tn dem Josef Ritter ein Irrtum nadr gewieselt werden konnte. In ähnlichen anerkennenden Worten äußerten sich namens des Landesverbandes der baverischen Presse Chefredakteur Dr. Mohr von den „Münchener Neuesten Nach richten", Redakteur Prager als Vertreter der Pensionsanftalt deutscher Journalisten- und Schriftstellervereine, Generaldirektor Schwartz vom Verlage der „München-Angsburger Abendztg." und Redakteur Kunkel vom Verbände baverischer Landtags jonrnaliften. Aus Anlaß des Todesfalles gingen der „München- Augsburger Abendzeitung" Beileidsschreiben zu von dem Staatsminister v. Crailsheim, dem Königl. Präsidenten a. D. Tr. v. Haag, dem Bankdirektor Frhrn. v. Pechmann, der liberalen Arbeitsgemeinschaft Bayerns u. a. Hk. Möbiuspreis. Ter Preis der Möbiusstiftung kommt Anfang des Jahres 1914 abermals zur Verteilung. Als Aufgabe ist gestellt: Tie Erfolge der operativen Behandlung der Basedowschen Krankheit. Die Preisarbeiten sind bis zum 1. Oft. 1913 in Begleitung eines versiegelten Zettels mit dem Namen des Verfassers und einem auf den Umschlag geschriebenen Motto an den Universitätsprofessor Geh. Med.-Rat Tr. v. Strümpell in Leipzig eingeschrieben einzusenden. Ter Preis besteht aus ungefähr 600 Mk. und einer Bronzeplakette. Den ersten Preis < 1912) haben die Herren Prof. Dr. Alzheimer in Breslau und Dr. E. Reiß in Frankfurt a. M. erhalten. Hohenzol 1 ern und Welfen. Als Stammburg des Hohenzoilerngeschledstes ist der vielbesuchte schlanke Kegel des Hohenzollern in der Sdnväbischen Alb mit seinem weit in die Lande schauenden 'Prachtbau allbekannt. Eigenartig fügt es sich, daß audt das Geschlecht der Welsen einst aus schwäbischem Boden zu Hause war. Ueber der unweit Friedrichshafen und des Bodensees gelegenen Stadt Ravensburg erhebt sich der jetzt Veitsburg geheißene Stammsitz, wo im Jahre 1088 der Bischof Siegfried von Augsburg von Welf III. gefangen gesetzt und 1129 Heinrich der Löwe geboren wurde. Mit dem Tode Welfs VI. wurde Burg ünd Stadt Besitz des Hohenltausenkaisers Friedrich (Bar- barossa). In dem nahen Kloster Weingarten befindet sich neben dem Belfendenkmal die Welfengruft, um deren Wiederherstellung König Georg V. von Hannover sich verdient machte. Ein? Drucksache über diese Gegenden ist kostenlos erhältlich im Internationalen öffentlichen Berkehrsbureou, ?lbt. Württemberg, Berlin W. 8, Unter den Linden 14. Handel. -L Der Zusammens . luß der Dachziegel- Fabrikanten am Niederrhein ist jetzt zustande aekommen unb wird firmieren „Verband 9li.beirhenüid)er Zieaelwei ke*. -U Tas Bleiweis-Kartell bat die Preise wiederum um 2 Mk. herabgeient. 4- Preisermäßigung auf H a u s b r a u d k o bl en in Belgien. Durch die augehäusteu Vorräte in Hausbrand- kohlen veranlaßt, haben verschiedene Zechen im Beeke» Charleroi diese Kohlen um Fr. 1 pro Tonne ermäßigt. Dagegen liegen Jndustriekoblen febr test und es werden durch Streikatcsstchten sogar Preissteigerungen hierfür erwartet. O a r a ii r c n b a cb , 19. Febr. Am Dienstag war hier die erste N u t; h o 1 z - V e r ft e i g e r u n a Jrn Distrikt .Cichenbardt* kamen allem 30 Cichenstämme mit 42,33 Acitmeler zum Ausgebot. Cruklasstges Schnittbolz, für Schreiner und wiaiev geeignet, ko lete burdiidmittlid) 100 Alk. der Acftmeter. Auch Kiiier und Wagner mutzten durchweg höhere Preise zahlen, zumal für ihren Bedar' das Angebot sehr gering war. 9labelboljfiämmc «insgesamt 289 Fest- metet' winden gleichfalls gut bezabli; es stellte sich der Festmeter au« 20—25 Äkk. Die Auswahl in Stangen war wie immer wieder sehr groß und viel begehrt. Gemeuidewald und Jagdnutzung jetjt 10 50 Mk.- sind schon von altersher gute Cinnahmequellen für unser Dort. Märkte. fc. Wiesbaden, 20. Febr. £> e u- unb C krohMgrkt. Ange>ahren waren 9 Wagen mit Heu und Stroh. Plan notierte: Hen h.6o—"<.>"0 Pik., Stroh (Richtüroh) 1.60—0.00 Mk. — Fruchtrnarkt. Ha'er lA.OO—-17.0 ■ Pik. 'Alles stir 100 tiilo. Meteorologische veohachtungen der Station Siehe» 191 a's b. w *» S'L c — 20, 2:f 48.5 1 1 4 । 36j 1 70 20. 9 ' 48,8' -25 251 65 21. 7 -50,2 - 6,2 i 2,5 87 Wmd» rtchtung Windstärke Grad •et yrwBtkung tu gehnlt! der sich'.d tzimmctsfl. Wetter NE 2 0 Somrenscheiu V 1 1 leid)t bewölkter vuninel N 2 I o Nebel Höchste Temperatur am 19. bis 20. Febntar = 1,4’ J. 9Hebrtgfte , „ 19. „ 20. „ = — 7,1 • c. Lliedersd;lag: 0,0 mm. Gardinen i"urä£i&hbee- A. Salomon & Cie. § eZ Pfeffer ♦ giessen bringt seine Tilassanfertigung für Jferren> 'Sarderoben, tarnen Jtosfüme aus prima Stoffen su sehr soliden Preisen in empfehlende Erinnerung a1*/1 6) M (b S" L 8 w o S - - o CL IC o K* »5 O O O CM cm a 2.5 ra ra "5" = 3* S-S- c 8 8 S. (E, C B & t-2 dl ä o - I L cc cs - I I CO W — » 8 TT fO CS X 8 6.7 M B O •=B ■a 77 c ~ = x> Z- 2 SZ- t» I I -» 13- §5? S. cs —1 isl a2.“ 3 _ ' O er § G E. 2 6« a 5 o S B S er — ® OJ = BZ » 2. — ss> -- ?=2 82 i.1 G' C5 Sg.= 5 — G:«. W <<■ 3 - — CB ir,1»- »ä> 5? o® r' & g-'S" (siB, B " = j er—n I •• r» •So = CL «U •— «2 « 3'2'=-" ~ 2 ° . j - —s §♦3 t3 2 ~ 5 ‘ = B = CD = 3 n (öt£ s = K-’P 3:* 1 7MD- — Cb ro cz __ r ro O 2 e o O ÄJ) o» ■ S — 2? ^•>So TT" .T er L SS" a • • G *2. o -> <* — 5 -n=- LL-.-B £^7 sg a 2 cr^* SS s. Ci? ® S a* a >> D 5-= 2-5- 5 el Sj ES« = a e ZA o> \2 6-72 5* r* B er - 3 ’ G 03. |. Z = • s latt su