Nr. 272 Drittes Blatt 163. Jahrgang 6rfd)ttn4 lS-llch mtt Ausnahme des Sonntags. Die „Siehener Lamillenbkätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „KreMlatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Sett- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger Seneral-Anzeiger für ©berufen Mittwoch, <9. November 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schei» Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition rnrd Verlag' ^851. Redaktion: eE II2. Tel.-Adr.: ÄlnzergerDieben. Das falsche deutsche Reichrwappen. iöetotbifer erhebcir neuerdings ihre Stimme und verlangen die Wiederherstellung des echten dentsckten Reichswappens. Leider verhält sicll die grofjc Menge der Deutschen der Heraldik gegenüber recht gleichgültig, weder die eigene Familienforschung wird gepflegt, iroch kümmert man sich um das Landeswappcn, kauni baß man Landesfarben in ihrer richtigen Reihenfolge zu nennen vermag. Die Ansicht, es handle sich dabei um feudale Spielereien, die heutzutage veraltet und längst überwunden seien, stellt die ganze Angelegenheit grundfalsch dar. Jede Familie hat seit alters ihr Wappen, die des Fürsten Ivie die des Bauern oder Arbeiters. Weil heute fast nur noch der Adel sein Wappen führt, ist deslfalb die alte gute derltsche Sitte doch nun nicht ein Vorrecht des Adels geworden, und jeder Handwerker, jeder Kaufmann, jeder Gelehrte, der das alte Wappen seiner Familie wieder aufnimmt, kann es mit demselben Stolze führen, wie seinen guten, ehrlichen Namen. Denn was ist das Wappen von jeher anderes gewesen als der bildliche Ausdruck des Namens? Wie man heute seinen Namen zur Bezeichnung des Eigentums auf einem Gegenstand an bringt, io wurde früher auf dem Eigentum der Familie das Wappen angebracht. Und wie man einew Namen nicht willkürlich ändern kann, wie die Reihenfolge der Buchstaben in einem Namen genau festgclegt ist, so auch die einzelnen Zeichen und Farben ims Wappen. Man kann sie nicht willkürlich ändern. Wenn nun heute die Heraldiker klagen, das deutsche Reichs- Wappen sei falsch, dann lohnt es sich, diese Behauptung nachzu- weisen. Das deutsche Wappentier ist der 9ldler. Wir wissen, daß >Kaiser Karl der Grosse auf seiner kaiserlichen Pfalz zu Aachen einen Adler ausgepslanzt hatte, den er so als Zeichen des Deutschen Reickws einführte. Der Adler oder Ar ist aber schon seit Urzeiten bei allen arischen Völkern das Zeichen der Sonne, das Zeichen der höchsten Gottheit und das Zeichen der höchsten Herr- scherwürde gewesen. Kaiser Karl der Grosse hat also nicht willkürlich den Adler zum Wappentier.des Reiches erwählt, sondern der Adler war für ihn nach uralter germanischer Ueberlicferung der Ausdruck und die bildliche Kennzeichnung des Reiches. Und diese Eigenschaft besitzt der Adler noch heute. Er ist aber lediglich das Bild, er kann als solches.nicht frei in der Lust schweben, sondern muß auf irgend einem Gegenstand .angebracht sein, auf dem Mäntel des Kaisers, auf dem Helm und auf dem Schild des Kaisers. Der Schild ist untrennbar.verbunden mit dem Begriff des Wappens. Er bedeutet in diesem Zusammenl-ang nicht etwa die Schutzwaffe der Ritter früherer Zeiten, sondern ist lediglich der Träger des Wappcnbildes, mit dem zusammen er erst das klappen bildet. Dieser Schild fehlt unserem heutigen Reichswappen und das ist sein Hauptfehler. Das; auch andere Staaten, wie Oesterreich und Rußland, ihr Wappen ohne Schild darstellcn, ist für uns keine Entschuldigung. . Bei der Gründung des neuen Deutschen Reiches und der Kaiserkrönung .Wilhelms I. am 18. Januar 1871 in Versailles, war .auf Veranlassung des damaligen Kronprinzen Friedrich das richtige Reichswappen im Krönungssaale angebracht worden. Es zeigte jmf goldenem Schilde den einköpfigen schwarzen Adler, rot bewehrt und im Brustschilde das Zollernwappen führend. Das ist das echte Reichswappcn. Außer dem fehlenden Schild ist an dem heute gebrauchten Reichswappen noch falsch, daß der Reichsadler auf dem Brustschildc den wieder mst dem Hohenz-ollernschild belegten preußischen Adler führt. Dazu kommen noch einige mehr nebensächliche.Zutaten, die zum mindesten überflüssig sind unb das .Reichswappcn wie überladen erscheinen lassen. Das bei der Kaiscrkrönung in Versailles verwendete Wappen befindet sich im.Hohenzollcrnniuscum in Berlin, nach diesem Vorbild sollte unser Reichswappen jetzt endlich richtig wieder hcrgestellt werden! Reisender ars dem größeren Griechenland. In Makedonien und Thrakien. Saloniki, 1. Nov. Wer Goethes sämtliche Gedichte bequem zur Hand hat — ich muß hier ans dem Gedächtnis schöpfen —, der schlage seine wohlgelungcne Uebersetzung einer der schönsten neugriechischen Votksballadcn auf, die sicher schon aus dem 17. Jahrhundert stammt, den Zank zwischen dem Olynipos und Kissawos (der Ossa): „Ter Olyrnpos und Kissawos, die beiden Bergen zanken" —. Ter Olymp, in dessen höchste Gipfelschluchten sich nie ein Türke gewagt, obwohl der Berg selbst seit nal-ezu 500 Jahren türkischer Besitz war, schmält die Ossa, daß sie sich gefallen lassen müsse, von den Türkenhunden betreten zu sein, und die niedrige Ossa weiß gegen den Hohn des „uralten Olymps" nichts zu erwidern. Die großartige Anschauungspoesie dieber noch heute in ganz Griechenland jedem Kinde bekannten Ballade hätte Goethen doppelt entzückt, wenn er vom Meere aus das packende Bild hätte gewahren können: hier int Süden die in all ihrer Höhe gedrückt erscheinende spitzig gipfelnde Ossa, noch südlicher die lange niedrigere Hochfläche des Pclion > daher: die Ossa auf den Pclion setzen!), — und im Norden, hart am Mceresbuscn von Saloniki, die gewaltig emporragendcn Toppelgipsel des schneebedeckten Olymps. Kein Grieche vergißt im Borbeisahren zwischen Süd- makedonieit lind der dreifingrigcn Chalkidike den Fremdling stolz zu bedeuten: Jetzt ist dec Olymp griechisches Land! Ein wahrhaft bedeutsames Sinnbild der sich ankündigenden neuen Entwicklungsstufe Neugricchenlands. Die Götter können auf ihren geheiligten Ursitz zurückkehren, ohne die Laute einer stemdcn Barbarensprackie zu sich heraufdringcn zu hören. Und wiederum wie aus jedem hinzugcwonnenen althellenischcn, dann veriürktcn Landstrich, worin die blauweiße Griechcnfahne stottert, habe ich vor allem zu berichten: ungestörte Sicherheit für Leben und Eigentum der Einwohner aller Stämme und aller Glaubensbekenntnisse. Dem Regierungspalast, in dem ich diese Zeilen schreibe, jetzt dem Sitze des gttechisckxm Stadthalters in Makedonien und Thrakien, nahte bis vor einem Jahr kein Christ noch Jude ohne Zittern: denn das Recht mußte erkauft, ja schon der Zutritt zu den höheren türkischen Rcgierungsbeamten, nun gar zum Pascha- durch erpresserische Trinkgelder an die niederen Schergen und Schreiber erbettelt werden. Und jetzt geht jeder, auch der hiergcblicbenc Türke, frank und stei in den Palast, braucht nicht eine Drachme zu zahlen, um überall vorgelassen zu werden, und wo Jahrhunderte hindurch die schmachvollste Rechtlosigkeit herrschte, da waltet jetzt das unbeugsame Gesetz tu seiner gerechten Anwendung. , t , ... .. Das haben sogleich nach der Etnnahme von -Saloniki dte Brandstifter, Totschläger und Mörder erfahren, die sich einbil- deten sic könnten ihre Schandgewerbe wie unter der türkischen Luderwirtscbaft weiterbetreibcn. Die Feuerversick)crungsgesellschf- tcn, die früher mit 800 bis 1000 Bränden, fast durchweg Brandstiftungen. jährlich in Saloniki rechnen mußten, machen jetzt mit d u hohen Prämiematzen und der ganz geringen Brändezahl glänzende Geschäfte. Das Räubcrwesen in Saloniki und im vge- ncn Lande bis zu den Hängen des Olymps ist ausgetilgt, und gleichwie im alten Neugriechenlaird herrscht vollkommene Sicherheit auf allen Straßen und Wegen bei Nacht tme bei Tage, ^elt- sant, daß nach Europa keine Kunde gedrungen i>t von einer -vat- sack>e, die wie wenige andere den großen Umschwung der Verhältnisse beleuchtet: von der Räuberbande, die vor einigen Jahren Der Kampf um die Zugspitze. ** Innsbruck, 18. November. Seit Jahren verfolgt nicht allein die Technikcrwclt, sondern auch die große Zahl tion Touristen aus aller Welt ein Projekt, das eine Bahn auf die 2944 Meter hohe Zugspitze, den hoch- sten Gipfel des Weltcrsteingebirges, führen will. Nach dem Plan soll von Grainau bei Garmisch- eine Drahtseilbahn über die Risfelwände auf den Zugspiygipsel gebaut werden. Das kühne Projekt stammt von dem Ingenieur C a t h r e i n und cs bildetc sich ein vorbereitender Ausschuß, dem neben der Maschinenbau Gesellschaft Augsburg Nürnberg auch die Bcrgmann-Elektrizitäts-Untcr- nehmungcn A.-G. in Berlin angchören. Bereits vor dem Aus- tauchcn des Cathreinschen Projekts hatten dem Bayerischen Ver- kehrsministerium mehrere andere Projekte Vorgelegen, darunter auch ein solches der Firma Schuckcrt u. Co., das finanziell bereits gesichert war. Im letzten Augenblick scheiterte jedoch dieses Projekt und das Cathreinsche wurde von dem inzwischen verstorbenen Prinzregcnten Luitpold von Bayern genehmigt. Nach dem kühnen Projekte würde die Bahn eine Länge von etwa 4800 Metern erhalten und der Verkehr durch Wagen ermöglicht werden, rson .dencn jeder zirka 16 Personen einschließlich des Führers aufnehmen könnte: die Fahrgcschwindgikeit soll an steilen Strecken .etwa 11 Meter in der Sekunde, an weniger schroff ansteigenden Stellen bis zu drei Metern betragen; die tägliche Betriebszeit ist mit 10 Stunden angcsetzt und auch ein Betriebsdienst tm Winter geplant. Ein zweites erst neuerdings aufgetauchtes Projekt einer öslerrcichischen Firma will die Bahn ausschließlich aus österreichischem Boden an den Bcrgriesen beran* und auf dessen Gipfel heraufführen. Zur Besprechung dieses Projektes sand in dem Zugspitzdorf Ehrwald eine amtliche Konferenz statt, an der Vertreter des Eiscnbahnministeriums in Wien, der Statt- halterci Innsbruck, der Handelslämmer, des Landcsoerkchr ratet» für Tirol, der Staatsbahndirektion Innsbruck, der unternehmenden Firma Stern u. Hafferl in Mion und andere teilnahmen. Tie Teilnehmer an der Konferenz erhoben gegen das Projekt selbst keinerlei Cinwendungeu, vielmehr wurde der Plan als höchst erfreulich und wünschenswert bezeichnet, namentlich mit Rücksicht darauf, daß Tirol eine solche Bahn noch nicht besitzt. Besonders lebhaft wurde die Absicht begrüßt, Ehrwald zum Ausgangspunkt der Bahn zu machen, da sich hier die Scharen der Zugspitzbcsucher ans dem gesamten Norden einznfinden pflegen. Die unternehmende Firma Stern u. Hafferl ließ durch ihren .Vertreter auf der Konferenz erklären, daß sie hoste, innerhalb zwei Jahren mit dem Bau der Dahn beginnen zu können. 2hts Staöt rind Land. Gießen, 19. November 1913. Konkurse im Grohhcrzogtum Hessen. Das neueste Vierteljahrsheft der Statistik des Deutschen Reichs bringt lehrreiche Tabellen über die Konkurse des Jahres 1912. Daraus seien die nachfolgenden, das Großherzogtum Hessen besonders interessierenden Angaben mitgeteilt. Im Jahre 1912 wurden in .Hessen 227 Konkurse neu angemeldet, davon wurden aber nicht weniger wie 60 wegen Mangels an Masse abgekehnt. Diese 227 Konkurse verteilen sich auf 102 natürliche Personen, 86 Nachlässe, 26 Einzelfirmen, 4 offene Handelsgesellschaften, 1 Kommanditgesellschaft, 2 Gesellschaften m. b. H., eine bergbauliche Gewerkschaft, 3 eingetragene Genossenschaften und 2 Vereine. Im ganzen Reich wurden 12094 neue Konkurse beantragt, darunter aber 2885 wegen Mangel an Masse abgelehnt. Beendet wurden im Großherzogtum Hessen im Jahre 1912 151 Konkurse, davon 91 durch Schluß- TI'Miimi-I I IHM III III Verteilung (Ausschüttung der Masse), 30 durch Zwangsvergleich, 4 durch allgemeine Einwill'igung und 26 wegen mangelnder Masse. Von den durch Schlußverteilung und Zwangsvergleich beendeten 121 Konkursen hatten 11 eine Schuldenlast von unter 1000 Mk., 17 zwischen 1000 und 5000, 22 zwischen 5000 und 10 000, 33 zwischen 10 000 und 20000, 21 zwischen 20 000 und 50 000, 9 zwischen 50 000 und 100 000, 7 zwischen 100000 und 500000 und einen über 500 000 Mk. Von diesen 121 Konkursen wurden beendet 18 nach einer Dauer von höchstens 6 Monaten, 34 innerhalb eines Jahres, 43 dauerten über ein Jahr, 14 über zwei Jahre, 9 über drei Jahre, 1 über vier Jahre nutz zwei dauerten sogar länger als 5 Jahre. Tie Konkursrosten aller dieser Konkurse zusammen- genommen betrugen 170 855 Mk., darunter Vergütung an die Konkursverivalter 91 924 Mk., wozu noch deren Auslagen in der Höhe von 21363 Mk. treten. In den Konkursen luaren angemeldet worden 4 4 14 918 M davon 160 720 Mk. bevorrechtigte Forderungen und 4 254198 Mk. nicht bevorrechtigte Forderungen. Die verfügbaren Teilungsmassen betrugen 985 721 Mark ober 22,4 Proz. der angemeldeten Forderungen. Davon mußten jedoch erst die Kostcir bezahlt iDerben. Bon bem Rest würben bann zuerst die bevorrechtigten Forderungen befriedigt unb dann der Rest unter die nicht bevorrechtigten verteilt. Dabei reichte die Masse bei mehreren Konkursen nicht für die bevorrechtigten Forderungen aus, so daß 'bei diesen noch ein Ausfall von 29 073 Mk. tzw verzeichnen war. Bon den nicht bevorrechtigten Forderungen aber fielen nicht weniger wie 3616 548 Mk. aus oder 85 Prozent. Im Reich betrug die Summe der bei den beendeten Konkursen angemeldeten Forderungen 399 497 226 Mk. Dia zur .Verteilung verfügbare Masse erreichte nur eine Höh«' von 95638 580 Mk. oder 24 Proz. der angemeldeten Forderungen. Der Ausfall bei den nicht bevorrechtigten Fordo- rungen betrug die ungeheure Summe von 333 796 350 Mk. ober 84,5 Proz. der Forderungen. Im Jahre vorher war der Ausfall noch größer, denn da betrug er sogar 362 Millionen Mark. Es scheint also bas Jahr 1912 ein Durchschnittsjahr zu fein. Wenn man bebenkt, baß bei bem Binnenl>anLel allein burch Konkurse runb jedes Jahr eine drittel MiKiarde Mark verloren gehen, baß .Hanbel und Industrie auch noch anberweittge Verluste zu verzeichnen haben, namentlich auch beim .Handel mit dem Auslände, bann kann man trotz, des Gefühls des Bebauerns über diese ungeheuren Verluste doch den Gedanken nicht los werben, baß es um unserkn Handel und Industrie im großen und ganzen recht gut bestellt sein muß, baß sie solche jährlich wiederkehrenoen Verluste ohne nennenswerte Schwankungen ertragen kann. •• LU. Dem Herrn Dr. Alfred Brüggemann, 1. Assistent der Universitäts-Ohrenklinik, wurde die venia legendi bei der medizinischen Fakultät der Landesuniversität für das Fach der Oto-Laryngo-Rhinologie erteilt. Seine Habilitationsschrift lautet über: „Das erschwerte Döcanulement und seine Behandlung mit besonderer Berücksichtigung der Dilatationsoerfahren." I ** Die Kriegsmarine-Ausstellung in der I alten Klinik wirb heute abenb 8 Uhr geschlossen. ben unvorsichtigen Herrn Eduard Richter zwisckxm den türkischen Dörfern am Nordabhangc des Olymps herumgeschleppt, bat die griechische Gendarmerie schon vor mehreren Monaten zwei Rädelsführer gepackt, unb diese sitzen jetzt im Gefängnis mit der Aussicht auf ein unbarmherziges Urteil. Man darf sich jene Räuberbande nur gar nicht umwittert vom gerinqRcn Hauche der Romantik vorstellen: die Räuber betrieben ihr Geschäft in behaglicher Sicherheit und waren eines hohen Gewinnes aus dem Lösegcld sicher, daß in solchen Fällen fast immer von der türkischen Regierung gezahlt wurde. Vor den türkischen Behörden brauchten sie sich nicht im mindesten zu fürchten, denn mit diesen standen sie in dein angenehmen Verhältnis der Betriebsteilhaber, mit denen sie allerdings die gesal/rlos erschnappte Beute ein wenig teilen mußten. Auf diesem niederträchtigen Bunde zwischen türkischer Regierung und Verbrechern jeder Art beruhte ja bas, was man die türkische Schandwirtschaft nennt. Durch die Eroberung von Saloniki sind der Regierung des Größeren Griechenlands schwerere Aufgaben zugesallcm als in irgendeiner der neuen Provinzen, lieberaH sonst hat sie es mit einer so gut wie einheitlichen griechischen Bevölkerung zu tun, und Griechen sind, wie König Konstantin so richtig erkannt hat, sehr leicht zu regieren. In der einen Stadt Saloniki aber wohnen noch jetzt gegen 10 000 Türken und 70—80 000 Juden. Die Juden bilden in dieser Stadt mit 160 000 Seelen nahezu die Mehrheit: sie geben ihr ein höchst eigentümliches Gepräge, denn hier ist der Jute keineswegs bloß oder überwiegend der Händler, sondern zum größeren Teil der arme Teufel, dem die schwersten körperlichen Arbeiten aufliegen. Er ist der Barkenführer, der in Sturm und Nebel hinaus muß. der Lastträger mit Bürden von 1—2 Zentnern, der Kutscher, hier und da auch der Maurer, der Schlosser und der SckMied. Daß die jüdische Bevölkerung Salonikis sich in den ersten Monaten nach der Besitzergreifung durch die Griechen vor diesen fürchtete, ist nicht schwer zu begreifen: an die Unterdrückung durch die Türken hatte sich dieses aus Knccht- sichaft in Knechtschaft gehetzte Volk gewöhnt, und nur zu gut weiß der Jude aus seiner traurigen Erfahrung vieler Jahrhunderte, daß noch jeder Wandel der ihn verfolgenden Regierungen eher eine neue Bedrückung als ein Aufatmen bedeutet. Jetzt leben die Juden in Saloniki, dieser zweit- oder drittgrößten Judenstadt der Welt, friedlich und hoffnungsvoll neben ihren griechischen Mitbürgern, und mit dem Tage des Einzugs des siegreichen Griechenheeres haben sie, wie übrigens die Türken auch völlig gleiches Bürgerrecht im griechischen Königreich gewonnen. Tie Duldung der gttechischen Regierung geht so weit, daß sie den Juden ihr eigenes Familienrecht läßt, ebenso wie ben Türken, die in familienrechtlichen Fragen nicht unter ben griechischen Gesetzen, sondern unter denen des Korans stehen. — Bei dieser Gelegenheit sei die Mitteilung gestattet, die mir von allen befragten griechischen Offizieren und Soldaten übereinstimmend gemacht wurde, daß die nicht wenigen jüdischen Mitglieder des gricchisck-en Heeres sich in den zwei letzten Kriegen „wundervoll" (thasmasivs) geschlagen haben. Was hat die griechische Stallhalterei in Makedonien und Thrakien an Taten der Menschenliebe vollbracht und noch zu vollbringen! Nicht jede Regierung würde mit er gleichen Verhältnissen nach der siegreichen Austreibung einer barbarischen Fremdherrschaft, das Gleiche tun. z. B. die Hundette von mittellosen Famili-m der geflohenen türkischen Beamten ein Jahr hindurch, und wohl noch auf längere Zeit, unterhalten, statt sie nach der Türkei abzuschiebcn oder von der türkischen Regierung die Mittel für diesen Zweck zu fordern. Und bann muß man die Massen griechisc^r Flückstlinge aus ben von den Bulgaren besetzten Küstenländern am Aegäischen Meer sehen, die nach den Greueltaten der bulgarischen Offiziere und Soldaten mit gutem Grunde das Schlimmste fürchten, wenn sie unter der Herrschaft der rachsüchtigen Besiegtim ausharren. Wie die griechische Regierung allen Anforderungen des letzten Jahres hat genügen können, das grenzt ans Wunderbare: Herr Michalopulos, der griechische Handelsminister, dem ich hier auf feiner ersten Studienreise durchs Land begegnete und diese Frage stellte, antwortete mir mit einem heiteren Lächeln: Das ist ein Geheimnis. Als ich ihn dann fragte, ob die griechische Regierung vielleicht den Stein der weisen Goldmacher, gefunden, meinte er: Vielleicht! — Daß nicht etwa die gefällige Notenpresse mit unbegrenztem Nachdruck den Stein der Weisen ersetzt hat, das folgt aus dem unverändert hohen Kurse des gttechischen- Papiergeldes: Tag st'ir Tag verzeichnet der Bericht der athenischen Börse, daß 20 Pavierdrachmen gleichwertig mit bem goldenen Zwanzigfrankenstück sind. In Wahrheit herrscht seit einem Jahr in Griechenland die reine Goldwährung, was in der £at angesichts der ungeheuren Geldopfer der zwei Kriege ans wunderbare grenzt. In Salonili wird jetzt in großem Stil gebaut, und die Riesenbauten stehen noch bevor. Dieser größte Hafen Griechenlands hatte zur Türkenzeit nur einen elenden, ganz unzulänglichen Wellenbrecher und ein Endchen winzigen Kai. Tie Vorarbeiten zu einem Wellenbrecher, der ben größten Schiffen das Ankern in einem ruhigen Hasen ermöglicht, sind in vollem Gange, unb großartige Kaianlagen werden folgen. Saloniki wird nach dem Ausbau des Verbindungsstückes der gttechischen Nord-Südbahn ein Eisenbahnknotenpunkt ersten Ranges in der Levante werden, und der Platz für einen gewaltigen Personen- und Güterbahnhof unmittelbar am Meere ist schon ausgesucht. Saloniki wird sto etwas wie das Hamburg ober Bremen Griechenlands werden, und abgesehen von dem großen Durchgangsverkehr in nordsüd- licher und westöjtlicher Richtung — auf Konstantinopel zu verspricht das an Naturschätzen ungemein reiche Hinterland Makedoniens dem zukünftigen Handel Salonikis einen unabsehbaren Aufschwung. Schon erheben sich hier nagelneue sehr stattliche Warenhäuser, bereit eines in den nächsten Tagen eröffnet werden soll: die Kaffeehäuser überbieten an Größe die größten in Athen, und die besten Gasthöfe verraten nichts mehr von der früheren türkischen Schlamperei. Stellt man nicht allzu hohe Anforderungen an die Sauberkeit der Straßen, denkt man an die traurigen Zustände in wielen Vierteln Londons, Newyorks, Patts nicht zu vergessen, so erscheint einem Saloniki als eine der anständigsten Städte des Ostens, und einige Hauptstraßen sind wesentlich besser gepflastett als viele wichtige Verkehrsstraßen Newyorks. Traumhaft erscheint selbst bett chofsnungsfreudigsten Griechen der Besitz Salonikis in griechischen Händen. Erst durch die Eroberung dieser Hauptstadt Makedoniens und Thrakiens tritt Neu- Hellas in die Verkehrsgemeinschaft mit Europa ein. Schon jetzt fängt man in den gebildetsten Streifen an, nicht mehr Europa sondern Westeuropa zu sagen, und wenn nur erst der tägliche Schnellzug zwischen Athen und Wien verkehrt, so wird sich in der Auffassung der Griechen, wie der des Abendlandes ein gründlicher Wandel vollziehen. 'In Saloniki aber, wo der europäische Reisende die erste gttechische Stadt erreicht, wird sich das neueste Gttecbenland ihm mit einer Achtung, ja Bewunderung erzwingenden Machttülle darstellen, Eduard Engel. Landkreis Gießen. -- Großen «Buseck. 18. Nov. beute feierten Heinrich Wagner XVin, und Dlargar.. neb. Tckeld, ihre silberne Hochzeit. Zugleich konnte ihr ältester Lohn Wilhelm seine grüne Hochzeit feiern. Kreis Alsfeld. h. Alsfeld, 18. Nov Wiederum wurde unsere Stabt in der vergoltenen Jicdn von Einbrechern hctmatmdT* uno wiederum Hotteten c ic Cmbrech'r dem Schuhwarenbünbler Adolf Levi einen Sxfiid) ab. T> r Ti?b versuchte in derselben Weile wie beim ersten Einbruch, durch Herausnehn.cn eines G, faches, in den Laden zu gelangen. Er hatte seine "lr' >t soweit vollendet und die Lennung hergeftellt, cU der Haii^fin r auf di. Tun ausmerk'am würd' Der Dieb wurde 5-ocurch renckeu : inis,c Filzoantoff.ckn. fcatr: er in den lange Zeit beschäftigte der Stanopunki der Schulbehörde die Leffcnttich- feu. bis letzt die richterliche vfnntteibunq die umstrittene Krage zugunsten der Lehrerinnen entschieden hat. . Illufferglück und Hlufferftolz bilden liebe, schöne Kinderchen. Wie bekümmert aber ist ein Mutterherz, wenn der kleine Liebling kaum trinken oder essen, mit dem Laufe» nicht anfangen will, sein Gewicht nicht zuniuimt, kurz die ganze Entwickelung zu stocken scheint. In solchem Falle heißt es zur rechten Zeit mit Scotj- Emulsion an« fangen, die wohl jedes Kind sofort freudig nehmen wird. Da stellt sich bald Eßlust ein, da kräftigen sich Knochen und Beinchen, das Fleisch wird fester und die Gewichtszunahme stetig. Bald hat die Mutter ihr fröhliches Kind wieder, daS mit Eifer und Erfolg an die Kunst des Laufens geht. Scotts Emulsion ist ganz leicht verdaulich und läßt sich auch in der Milch ober in dem Breicheu geben. Man verlange und kaufe nur die echte ScottS Emulsion, die Fischermarke. Cllu Ter Fischer mit dem Dorsch! VISITKA RTEN In i-0 183 639 784 844 966 151038 61 85 236 440 620 950 152076 414 23 153189 496 781 858 934 154001 370 480 67 631 66 626 48 69 800 155023 108 68 71 (500) 97 344 88 (600| 481 661 705 911 S2 156112 (1000) 85 211 22 96 361 458 536 679 86 035 88 1500] 157072 (1000) 182 207 61 433 98 695 737 158070 98 259 859 63 623 39 717 64 [3000] 159’09 45 48 291 368 591 960 [1000] 160109 El 402 49 533 91 613 719 20 812 35 85 966 161316 57 524 629 44 64 (500] 953 162024 233 430 67 94 623 75 624 [1000] 709 88 810 ,909 163016 (1000) 183 365 678 811 Oll 61 73 164002 [ 3000] 181 259 376 689 737 840 1 65 003 83 140 245 56 425 685 [1000] 601 59 783 166128 (500) 308 365 424 35 96 529 7 55 ( 500 ) 979 1 67 u87 131 216 29 334 [1000] 493 87 M4 81 [600] 938 69 160015 150 369 [3000] 439 "4 [3000] 611 37 63 612 84 819 16»088 146 59 81 609 89 807 170024 (500] 77 153 279 313 640 (600] 683 780 811 85 900 (1000) 77 171314 90 (3000) 434 533 93 654 (500) 795 961 172078 '22 743 878 173048 188 293 M7 791 (1000) 844 174018 203 5 419 897 912 94 175028 84 157 212 471 675 926 64 88 176303 659 [500] 69 82 773 83 86 883 177042 134 248 .343 96 506 86 895 932 II 178110 399 419 93 627 [1000 ] 38 639 947 179148 70 230 486 662 87 [1000] 180040 112 53 273 [500] 74 320 401 3 31 95 [1000] 181104 24 (1000) 47 79 91 670 706 820 89 182099 224 340 447 618 098 796 805 24 31 54 67 [3000] 183002 36 185 364 81 414 58 620 1600) 80 718 45 184017 [500) 390 602 760 (1000] 185230 532 46 831 62 836 903 33 71 18 8016 8ö 108 (5000] 25 75 238 11000) 454 68 811 187081 177 [500] 232 455 602 66 69 704 829 1 8 8015 70 25 2 400 9 83 64 1 9» 189223 418 96 [500] 414 17 850 (1000) 93 190003 32 69 80 164 93 253 431 734 88 832 [3000] 191001 2 73 83 173 [1000] 614 807 1 92193 277 612 18 24 6 2 96 683 842 1 93'07 25 81 163 221 392 407 [600] 673 736 921 37 [1000) 194110 722 93 838 46 ( 500) 195085 289 [10000 ] 353 [500] 61 443 66 92 543 610 (1000) 707 8 813 14 928 196002 16 24 82 83 65 [ 500) 156 423 38 57 68 651 857 919 1 9 7 240 51 360 679 737 70 904 46 [10000] 82 72 198235 413 26 66 691 767 812 199400 [3000] 648 [3006) 87 96 628 811 MO 200032 81 158 214 68 356 499 kLS 91 [500 ] 615 23 26 [600] 688 076 81 20 1 084 ( 500] 133 65 (1000) 94 [ 500 ] 611 765 13000) 826 900 202038 (600) 2*9 348 87 489 673 794 976 2 0 3037 72 147 233 386 480 507 18 626 831 98 971 204160 273 611 749 74 [600] 859 205248 61 (10001 3B3 424 ( 500 ) 623 7 64 2 06150 (503] 230 11000 ) 70 97 322 [ 5001 428 669 661 90 726 879 2 0 7 062 152 67 8 4 650 (1000 ) 57 [500] 208130 218 3’® "0 639 43 2 09108 98 206 67 331 33 423 4 5 668 871 880 834 911 845 90 nM?10415 529 [500^ 10* 13 M [1000] 904 211253 [ 1000) 430 36 681 811 97 098 [5001 212147 87 1500] ?B4 inn 61 704 53 972 1500) 213370 81 154 100 8 426 52 534 60 72 [600] 725 2 1 4010 11 47 472 61* 9,8 436 80 215145 304 16 443 78 638 777 940 2 1 60 43 73 8 1 253 323 M 488 612 76 764 “ “ l«»’ W9 71 217311 46 2 503 66 «5 700 ‘4O°2.89 2!6010 128 31 85 209 96 337 414 42 174 4" 501 23 IWO] 876 1 80 802 Met 16 303 18 (1000) 343 67 4« 634 823 »43 221530 41 959 222000 205 524 011 730 53 7» 2031 7W 802 130001 7 994 2 2 4 2C0 40 331 40 433 [500 ] 06 522 82 705 032 9) 2260» 17 233 1310001 » U8 802 228055 61 110 442 43 13000] MO^TOO 948 91 227295 538 W 838 '8000) 83 818 2280 15? 290 ( 3060) 603 (1000) 83 '78 947 229103 (30001 21 98 3M 479 699 052 (600) 89 710 ( 600) 634 23eOA5 142 (100CI M 338 9 9 1500 ) 476 894 WTO (800) 870 211 138 83 250 (600) 3*2 419 633 13006) 94 662 970 21203* 63 167 213 317 61 499 640 711 231037 168 79 638 781 M Im Gewinnrad- verblieben 2 Meine ■ 800000 M, I Gewinne ee 160000. 2 ro 100000. > «a 80000. 4 au 60000, 10 M 00000, 22 n 16000. 72 ■ 10000. 140 ■ W, WM * wee» W8 •• WO M, 10. Ziehung 5. Kl. 3. Preuss.-Suddeutsche (229 Königlich Preuss.) Klassen Lotterie Ziehung vom 18. November 1013 nachmittags. A«f Jede K**oe«-ie frommer «lud zwei gleich hohe Ge7| wlune gefallen, und zwar Je einer aef die Loee I gleicher frommer In den beiden Abteilungen I and il I Nur die Gewinne Ober 240 Mark sind den betreuenden Nummern In Klammern beigefOgt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 124 [500] 206 84 [1000] 626 69 72 650 67 741 82 89 16001 900 13 1240 663 766 91 812 69 62 904 2020 201 [600] 77 94 694 056 706 868 991 3000 405 66 69 78 672 605 45 62 713 909 4034 60 306 63 451 609 30 (600) 677 (3000] 823 932 8013 268 83 326 628 64 [1000] 701 41 6145 396 643 660 878 7122 [600] 24 90 216 490 689 609 77 736 8003 72 00 112 331 [3000] 442 98 679 [600] 808 32 967 9040 237 610 42 62 815 980 10131 387 93 484 620 72 86 961 11006 667 743 12001 84 117 81 [3000] 220 89 348 538 831 [3000] 976 13020 28 86 [600] 121 206 45 63 80 [1000] 317 581 614 21 824 67 920 14198 [600] 203 (3000) 31 79 408 534 878 958 [1000J 15013 19 136 267 73 328 75 491 665 80 612 40 900 6 65 72 16041 194 205 (1000) 85 629 731 854 949 17008 160 237 46 351 62 475 (600) 632 48 (500! 999 18072 107 815 11^001 028 19077 [600] 118 353 405 616 01 723 24 870 954 20003 69 362 [3000] 820 80 769 944 21222 46 47 358 402 23 776 854 75 90 (600] 929 22913 84 183 310 44 (600) 490 672 (3000) 720 894 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