Nr. 231 165. Jahrgang Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die neuen Vorschläge de; 5trasrecht;au;schusse;. | ®Sn°antc bcn^iSnlftcr "b erteilt und mit ihm dessen Ein- durchgesprochen. Er komme daher tiotb behandeln, oas Deutschtum Ä hier als Schutzl-uk- ein. verlangt. M ist ein als Mittäter in Frage und sei als befangen abzulehnen. Nach kurzer Beratung beschloß das Gericht, daß der Ablehnungsantrag des Vertreters des Nebenklägers begründet ist, da glaubhaft gcinacht ist, daß Dr. Schön als Berater des Angeklagten tätig gewesen sei, so daß das Mißtrauen in seine Unparteilichkeit gerechtfertigt erscheine. — Tr. Schön muß darauf Am Nachmittag begannen dann die Erörterungen über die Gestaltung des deutschen Unterrichts an höheren Schulen. Studienanstaltsdirektor 'Dr. Klaudius B o j u n g a (Frankfurt a. M.) führte dazu aus: Es gilt unser Volk zurück- zusühren zu den Quellen volkstümlichen Lebens und Schaffens. Vor wenigen Tagen war ein halbes Jahrhundert verflossen, seitdem der Begründer unserer Wissenschaft Jakob Grimm die Augen schloß. Von den Ausgaben, die er uns stellte, dürfte keine dringender sein als die, die eine größere Würdigmig unseres Volkstums tums wecken. .. , m 2 Zur 'Erreichung dieses Zieles muß er einen zweifachen Weg gehen: er muß die Bedingungen und Aeußerungen des deutleben Lebens in ihrem Wesen, Wachsen und Wandel eingeb K *“ " er muß die Einwirkungen fremden Volkstums auf i— — . , aufdecken und verstehen lehren. 3. Seine Ziele kann der deutsche Unterricht nur erreichen unter zwei Voraussetzungen: ihm muß die Sicherheit gegeben werden, daß die benachbarten Lehrfächer nicht nur in den Lehrplänen, sondern auch in deren Ausführung stets Bezug auf ihn nehmen und mit ihm enge Fühlung halten: ihm muß eine hinreichend große Stundenzahl eingeräumt werden. 4. Eine solche Vertiefung, Erweiterung und Vereinheitlichung des deutschen Unterrichts ist nur möglich unter zwei Bedingungen. der deutsche Unterricht darf nur von fachmäßig ausgebildeten Lehr-- kräften erteilt werden: an die Ausbildung der Lehrkräfte mühen erheblich höhere Anforderungen gestellt werden. Hierzu beantragte Professor Dr. Dietz (Bremen) folgenden Zusatzantrag: „Damit der deutsche Unterricht die ihm zukommende Aufgabe erfüllen kann, ist er auf der Mittel- und Oberstufe aller höheren Schulen wesentlich zu verstärken." Der Redner betonte, daß der deutsche Unterricht an den Realschulen Not leide. Das Deutsch muß der Mittelpunkt werden. Das zu betonen ist unsere Pflicht, damit, wenn die deutsche ^chul- welt wieder verteilt wird, das Deutsche nicht wieder zu spat kommt. Kein anderer Gegenstand ist so berufen auf die Charakterbildung einzuwirken, wenn er von dem richtigen Mann erteilt wird, wie der Unterricht im Deutschen. Nicht darauf kommt es an, möglichst viel Einzelheiten in ben Kopf des Schülers hineinzu- stopfen, sondern auf das »Gesamtbild. (Beifall.) Geheimrat Graeber vom preußischen Kultusministerium überbringt die Grüße des Kultusministers mit dem Wunsche., daß es dem Verband gelingen möge, greifbare Wege zu einer besseren Ausgestaltung des deutsck)en Unterrichts zu weisen. Der Herr Minister ist auch der Meinung, daß in unseren heutigen Lehrplänen nicht alles mustergültig sei, daß manches brüchig sei, das ausgemerzt werden müsse. Das kann aber nicht im Schoße des Ministeriums beschlossen werden, das muß aus der Praxis' heraus an uns herantreten. Es wird beschlossen, daß die beiden Entschließungen als Grundlagen für die weiteren Erörterungen des Verbandes dienen sollen. Die Verbrechen der letzten Monate scheinen auch am Strafrechtsausschuß nicht spurlos vorüb ergegangen zu sein. . So hat der Ausschuß beschlossen, nicht nur die Gefährdung der Straßen durch Substanzbeschädigung, sondern auch eine Hindernisbereitung ohne Substanzbeschädigung (Spaimen eines Seiles, Glasstreuen) unter Strafe zu stellen, die Strafe wird verschärft bei Todesfolge. Der Versuch ist auch strafbar. In § 243 des 15. Abschnittes ist bestimmt worden, daß bei Brandstiftung an Wohnhäusern usw. event. Zuchthausstrafe eintritt, bei Todesfolge ist auf lebenslanges Zuchthaus zu erkennen. Auch zwei andere Beschlüsse sind noch interessant. Für Straftaten sinnlos Betrunkener wurde die Strafe auf 2 Jahre Gefängnis oder 3000 Mk. Geldstrafe erhöht. Zur Bekämpfung des Z i g e u n e r u n w e s e n s wurde bestimmt, daß auch Personen bestraft werden können, die bandenmüßig aus Arbeitsscheu oder aus Hang zu ungeordnetem Seb en umherziehen, auch wenn sie im Besitze von Mitteln sind. Das Wolff-Bureau meldet über die Ergebnisse der Be- ratungeir des Strafrechtsausschusses, der seine Arbeiten vollendet hat, noch folgendes: Bei der Beratung des dreizehnten Abschnittes, Gefährdung der Reck)tspflege, wurde in erster Lesung die zurückgestellte Frage über die Bestrafung falscher u n e i d l i ch e r Aussagen erledigt. Bei besonbers leichten Fällen soll von einer Strafe ab- gesehen werben dürfen: eine fahrlässig abgegebene falsche uneid- liche Aussage ist nicht mit Strafe bebroht. Die Vorschrift über die Straflosigkeit falscher Aussagen bei Widerruf erstreckt sich auf uueidliche Aussage. Im vierzehnten Abschnitt, Urkundenfälschung, ist der Tatbestand der Urkundenfälschung schärfer begrenzt. Neu ist die Vorschrift, die T ä u s ch n n g s v e r sn ch e n bei Prüfungen entgegenwirken soll. Im fünfzehnten Abschnitt, gemeingefährliche Handlungen, Störung des öffentlichen Verkehrs, ist der Ausschuß in den Beschlüssen zur B r a n d st i f t u n g zu der Grundlage des geltenden Rechts zurückgekehrt. Die Vorschrift über Versicherungsbetrug ist der Bestimmung über Brandstiftung angereiht und in Strafdrohung erhöht. An Aenderungen des sechzehnten und siebzehnten Abschnitts, Tötung, Körper Verletzung, sind nur hervorzuheben, daß die Qualifikationsvorschriften über schwere Körperverletzung in dem Tatbestandsmerkmal schärfer abgegrenzt sind und daß durch besondere Vorschrift die mit Einwilligung des Verletzten begangene Körperverletzung, sofern die Tat nicht trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt, für nicht rechtswidrig erklärt ist. Im achtzelmten Abschnitt, Zweikampf, ist bei Anreizung zu einem Zweikampf in der Strafdrohung unterschieden zwuchen Anreizung zu einem ernstlichen Zweikampf und Anreizung zu einer S chl ä g er m e n sur. . Bei der Beratung der Sittlichkeitsdelikte, zwanzigster Abschnitt, prüfte der Ausschuß die Frage der Heraufsetzung des Schutzalters erneut und entschied sich nach eingehenden Beratungen für die Beibehaltung der bisherigen Altersgrenzen. In den Vorschriften über Mädchenhandel und Zuhälterei wurden die Strafdrohungen erhöht. Aufgegeben ist der Standpunkt, daß die Ankündigung von Gegenständen, die zur Verhütung von Geschlechtskrankheiten bestimmt sind, aus der Vorschrift über die Ankündigung von Gegenständen zu unzüchtigem Gebrauch ausscheiden, unb nur für den Fall mit Strafe zu bedrohen sei, daß die Ankündigung geeignet ist, Aergernis zu erregen. Gegenstände, die sur Verhütung von Empfängnis dienen, sollen aus- schließlich von Aerzten, sowie von ärztlichen Zeitschriften ange- knndiat werden dürfen. Die Vorschrift über die Veröffentlichung von Mitteilungen aus Gerichtsverhandlungen, für welche wegen Gefährdung -der Sittlichkeit dieOefscntlichkeit ausgeschlossen wirb, entsprechend den Beschlüssen, die bei ber Beratung des Entwurfs einer neuen Strafprozeßorb nun g vom siebenten Ausschuß im Reichstage gefaßt worden sind, werden umgestaltet. Donnerstag, 2. Gttobsr 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brüh ('scheu Universiläts - Buch- und Steinbruderei. R. Lange, Gießen. Aus Neffen. Erste Sitzung des Finanzausschuffes. bs. Darm stabt, 1. Ott. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hielt heute nach längerer Sommerpause seine erste Sitzung ab, um die neue Befoldungsordnung durch- frirberaten. Man beschränkte sich heute damit, allgemeine Gesichtspunkte zu erörtern. Zu einer Aussprache im einzelnen kam es noch nickst. Morgen 1verben einige Regierungsvertreter an der Sitzung teilnehmeu. Mau will die Arbeiten so beschleunigen, daß die Kammer möglichst in den ersten Tagen des November zusammentreten kann. Kirche und Schule. EineKonferenzdeut scher Kultusministerien. Ende Oktober findet, wie der „Schwäbische Merkur" meldet in Eisenach eine Konferenz der Vertreter deutscher Kultusministerien zur näheren Fühlungnahme in den Ange l e g e n h e i t e n der Volksschule statt. Schwurgericht. th. Gießen, 2. Oktober. Gestern verhandelte das Schwurgericht gegen die noch mi- bestrafte 24 Jahre alte Dienstmagd Marie Theiß von Weiters- hain wegen Kindestötung. Die Anklage verttat Staatsanwalt Dr. Brill. Tie Verteidigung führte Rechtsanwalt SchenkzuSch Weinsberg. Es waren 8 Zeugen und als medizinischer Sachverständiger Medizinalrat Dr. Bötticher zu hören. Die Angellagte war geständig, am 15. Juli d. Js. m der Nähe von Londorf ihr uneheliches Kind unmittelbar nach der Geburt getötet zu haben. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeßentlichkett statt. Nach dem öffentlich verkündeten Urteil haben die Geschworenen die Schuldfrage bejaht, ber Angeklagten aber auch milbembe Umftänbc zugebilligt, worauf ber Gerichtshof auf die geringste zulässige Strafe von 2 Jahren erkannte und 2 Monate Untersuchungshaft als auf die Strafe verbüßt in Abrechnung brachte. Die Verurteilte erkannte die Rechtsstrafe des Urteils sofort an. Die Geschworenen unterzeichneten ein vom Verteidiger einzureichendes Gnadenge s u ch. Tie „Siebener Familienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Aus Stadt und Land* $ Gießen, 2. Oktober 1913. ** Der Großherzog hat dem Hofrat Alexander Koch, Kunstschriftsteller und Verleger zu Darmstadt, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Maie- stät dem König von Sachsen verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Albrecht-Ordens erteilt. ** O r d c n s a u s z e i ch n u n g e n. Der Großherzog hat durch Entschließung vom 27. September l. Js. verliehen; das Komturkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberst Ncuhauß, Kommandeur des 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Nr. 168, vom 1. Oktober ds. Js. ab Generalmajor und Inspekteur der Landwehr-Inspektion Düsseldorf: das Ehrenkreuz desselben Ordens: dem Oberstleutnant Nücker, Bataillons-Kommandeur im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, vom 1. Oktober ds. Js. ab Oberstleutnant beim Stabe des Jnf.-Regiments von Lützow (1. Rhein.) Nr. 25; die Krone zum Ritterkreuz 1. Kl. desselben Ordens: dem Hauptmann Schotte, Kompagniechef im 5. Großh. Hess. Jnfanterie-Rtg. Nr. 168, vom 1. Oktober ds. Js. ab Major beim Stabe des 3. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiments Nr. 172; das Ritterkreuz 1. Klasse desselben Ordens: dem Hauptmann Freiherrn von der Osten gen. Sacken im Generalstabe der Großh. Hess. (25.) Division, vom 1. Okt. ds. Js. ab Rittmeister und Eskadronchef im Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 13; dem Hauptmann von Eickstedt,Kompagniechef im Leibgarde-Inf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr 115, vom 1. Oktober ds. Js. ab Major beim Stabe des Großh. Mecklenburg. Füsilier-Regiments Nr. 90 Kaiser Wilhelm; das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens dem Oberleutnant Schultze im 5. Großh. Hess. Jnfanterie-Regiment^Nr. 16b. vom 1. Oktober ds. Js. ab Hauptmann beim Stabe de» 1. Oberrheinischen Infanterie-Regiments Nr. 97. ** Schulangelegenheiten. Erledigt ist eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Laubenheim. Mit der Stelle kann Organistendienst verbun- Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. den werden. t. »♦ Dienstjnbiläen. Die Ratsdiener Gobel uns Ochs begingen am 1. Oktober 1913 ihr 35jähriges Dienst, jubiläum. Sie traten am 1. Oktober 1878 bei Gründung d- daß man mit ihm alles erreichen kann. Von den'L eich chende^ Auslandes stehen allein die österreichischen Deutschen m Nibelungentreue zu uns, ein Beispiel, baß zwei Stämme über die Laiides- grenzen hinaus sich bic Brnderhanb reichen können zur For- berung ber gemeinsamen Interessen. Es handelt sich um die Zukunft, um Sein ober Nichtsein unseres Volkstums, 'Sahcr müssen wir aus bie schweren Schöben Hinweisen, die scl-on vor- hanben sind, und auf bic Heilmittel, bie Erziehung zum Volkstum Unsere Schüler Tennen bas Haus des Odysseus, aber- nicht bas Friesenhaus, in dem noch taufenbe unserer Bolksgenopen wohnen. (Lebhafter Beifall.) o Der Redner begrünbet bann eine Reihe von Leitsätzen, in benen gesagt wirb: z 1 Der beutsche Unterricht aus bcutjdxn höhnen schulen hat ein breifaches Ziel: er will in die wichnglten Seiten des beutschen Volkstums einführen, er will lierzliches Vmtanbnis für die Einheitlichkeit, bie Eigenart unb den Wert meies Volkstums heranbilden, er will den Willen zu ratfreubiger Mitarbeit an ber Läuterung, Vertiefung und Entfaltung des dnitschen Volie denn als einfacher praktischer Arzt überhaupt in ber Lage, ein Gutachten über ben Geisteszustand eines Menschen abfrugeben ? Zeuge: Ich kann, nur meinen allgemeinen Eindruck befunben. — Angekl.: Haben Sie schon selbständig so schwere Schadel- verletzungen geheilt? — Zeuge: Nein. Es wird bann ber prakt. Arzt Dr. Schön als Zeuge vernommen. Er befunbet, daß er Oberarzt der Reserve gewefen, aber freiwillig ausgeschieben fei, weil ihm bic Sache bei bem Bczirkskommanbo nicht mehr gefallen habe und ihm auch bie Rybnikcr Vorfälle nicht mehr gepaßt hätten. — Vors. '. Welches war Ihr Einbruck bei Ihren Gesprächen mit Knittel? — Zeuge: Ich merkte, daß er nicht ein so verbohrter Zentrumsmann war wie andere. Er sagte, es gefiele ihm nicht, daß das Zentrum mit den Polen ein Kompromiß abgeschlossen hatte, er wollte sich deshalb der Wahl enthalten. Das wollte ich auch. — B o r s.: Warum? — Zeuge: Mir gefielen bie ganzen Wahlverhalt- nisse in Rybnik nicht, auch Knittel gefiel bas Kompromiß nicht und daher glaubte er sich zum Zentrum bekennen zu müsten. Ich war über bie Stellungnahme Knittels nicht sehr erbaut, konnte sic aber immerhin verstehen. — Bors.: War bie Erbitterung in Rhbnik über bie Wahl nicht groß? — Zeuge: Nein, man sagte wohl, cs wäre besser gewesen, wenn _ er nicht gewählt hätte, aber erbittert war man nicht. — Vors.: Halten Sie ben Hauptmann Kammler für geistig normal? — Zeuge: Nein, nach meiner Ansicht ist er nicht normal. Mir hat er ja immer leib getan, da er wegen seiner Kopfverletzungen nichts dafür konnte, unb weil sich andere über ihn luftig machten, wenn er Unsinn redete, habe ich mich an seinen Tisch gesetzt und mit ihm gesprochen. Ich hebe das hervor, damit niemanb sagen kann, ich sei ein persönlicher Gegner des Hauptmanns. Stammler ist auch Epileptiker. — Vors.: Haben sic solche Anfälle selbst beobachtet? — Zeuge: Nein, Kammler hat es selbst verschiedentlich anderen Leuten erzählt. Dr. Großmann hat früher auch anders gesprochen als jetzt. Er hat zu mir einmal gesagt, Kammler sei ein Eocainist unb Morphinist. Zeuge Postamtsdirektor Braun war von 1904 bis 1910 in Rvbnik und hat mit Kammler verkehrt. Er sei etwas „eigenartig" gewesen 'unb habe viel gesprochen, so daß es einem bisweilen langweilig würbe (Heiterkeit). Der Zeuge hat inbessen nicht den Einbruck, daß Kammler geistessckiwach oder geisteskrank sei unb hat auch bei ihm von Bösartigkeit unb Heimtücke nichts bemerkt. Der Zeuge bekundet rocitcr, baß er empört gewesen sei darüber, daß der Angeklagte als Rescrveosfiziervind Amtsrichter für das Kompromiß zwisckxm Zentrum und Polen gestimmt habe. Es fei möglich, daß er dies Kammler gesagt habe, er habe aber hinzu- gesügt, dieser solle keinen Gebrauch davon machen, weil er mit niemanb in Unfrieden leben möchte. — Angekl.: Ich habe mich zweimal dienstlich über das Postamt Rybnik beschweren müssen, deshalb ist ber Zeuge wohl etwas animos gegen mich. — Der Zeuge bestreitet das — Zeuge Generalmajor z. D. Wunbt befunbet als früherer Kommandeur des Regiments, in dem Knittel Reserveoffizier mar, daß er diesen besonders geschätzt habe, und baß Knittel bei ben Offizieren sehr beliebt gemeien sei. Aitt das Schreiben des Bczirkskommandcurs hin habe er aus dienstlichen Erwägungen die Versetzung .Knittels zur Landwehr beantragt. Maßgebend dafür sei das Aufsehen gewesen, welches bic Stellungnahme Knittels bei der Bürgerschaft in Rybnik erregt habe. Der §all Knittel erneut vor Gericht. ~ Gleiwitz, 30. Sept. on Reainn ber heutigen Sitzung gab ber Verteibiger des Angcklagttn Justizrat Mamroth (Breslau), folgende Er- aTl®er gärigen Anregung des Herrn Staatsanwalt und des Herrn Vorsitzenden entsprechend, habe ich mit meinem St' 11 c u ten einaeljenD Rücksprache genommen. Er ist bereit , „ erklären- Soweit das Urteil der Strafkammer Ratibor vom 29 August 1912 den Wahrheitsbeweis für die Behauptung, & Stauben an ihre Richtigkeit in ber.Eingabe an ben Srk&minifter auigcft.rttl. habe, nicht für geinlhrt eracht °t erkenne ich die R,cht>g!ert der I.rteüsmalngen Fest. unb verzichte auf ben von mir angegebenen Wahr- * Un4St bab genannte Urteil ben Wahrheit-, ■ gefi hrt erachtet, sichte ich ani die weitere B-. ioroeit eine solche nicht bereits gestern Itattgc- ßindc^ htt Fch ertläre ausdrücklich, daß ich damit nicht die Unrichtiakcit ber diesbezüglichen Zeitteilungen des Ratiborer ' Uttclls behaupten loill, sondern ihre Würdigung dem Ge- rickt anlwimftelle, baß ich aber meinerseits das Gelingen bes KL äwm as?«®: Der Er st e S t aa ts a n w a 11 erklärt, da!-, er über eine «er» ffaiifulierte Erklärung nicht verhandeln könne. Haufuherte Lrtiar 8 g?ct,rnn ä<,crä Hauptmanns Sammler, erg, 1. Okt. Dienene Garniso n. Eine vielhundertköpfige Menge und reicher Flaggenschmnck an den Häusern bereiteten heute dem in zwei Abteilungen einziehenden Bataillon der 116er einen herzlichen Empfang, den der Vorsitzende des Vereins ehemaliger 116er, Sekretär Finck, am Bahnhof in herzliche Worte kleidete. Den Tank des Bataillons sprach .Hauptmann Sold an aus. h. Vilb-el, 1. Okt. Der hier im Amt stehende Pfarrassistent Happel stürzte in Langen, wo er zu Besuch 10eilte, von einem Pferde und zog sich außer mehreren Kopfver- letzungen auch eine Gehirnerschütterung zu. Kreis Wetzlar. D Kr 0 fd 0 rf, 30. Sept. Hier wurde an der Gießener- Straße eine dritte Zigarrenfabrik durch die Firma Rinn und Cloos in Betrieb genommen. Hessen-Nassau. sh) Frankfurt a. M., 30. Sept. Wegen umfangreicher Betrügereien wurde heute der Inhaber des weitbekannten Ambulatoriums von Dr. Thisguent, Alfons Weinert, verhaftet. Ihm wird zur Last gelegt, Stoffwechselpillcn, die absolut wertlos waren, mit 50 Mark pro Schachtel verkauft zu haben. — Einer bet bekanntesten Aerzte Frankfurts, Dr. Otto Neu bürg er, ist heute nacht int Alter von 49 Jahren einem Schlaganfall rtrlcgen. — Wie verlautet, ist gegen bic Personen, die am Sonntag die Predigt des altkatholischert Pfarrers Dr. Alberti in der Nikolaikirche störten, Strafantrag wegen Störung eines Gottesdienstes gestellt nrorbcn.v w Wiesbaden, 30. Sept. Der deutsche Botschafter in London, Fürst Lichn 0w 8ky ist hier znm Kurgebrauch eingetroffen und im Hotel „Rose* abgestiegen. verelnsnachrlchten. ** Der Bauerscbe Gesangverein in Gießen, der durch seine Erfolge auf größeren Nationalen Gesangswettstreitcn, sowie durch seine alljährlich stattfindendcit, gerne besuchten Konzerte aufs Beste bekannt ist, begeht im nächsten Jahre sein 50jähr. Jubiläum. In einer demnächst ciuzuberusenden Mitgliederversammlung soll über die Abhaltung der Jubelfeier Beschluß gefaßt werden. * Heuchelheim. Der hiesige Turnverein, der im letzten Frühjahr das Fest seines 25 jährigen Bestehens feiern durfte, hat in diesem Jahr mit seinen Leistungen recht erfreuliche Ergebnisse zu verzeichnen. Gelegentlich der Veranstaltungen zu Heuchelheim, Frankenberg, Wilhclmshöhe, auf der Wassersuppe und dem Hoherodskops erzielte der Verein insgesamt 34, darunter einige fast an erster Stelle stehende Preise. Besonderes Lob verdienen die Zöglinge des Vereins, die bei einigen der Festlichkeiten sehr gut abschnittcn. Allen Preisgekrönten zu Ehren sand am verflossenen Samstag eine kleine Siegesfeier statt, an welche sich am Sonntag ein Turngang nach Kloster Arnsburg anschloß. Universitäts-Nachrichten. B e r l i n , 30. Sevt. Ter Erlaß des K u l t u s in i n i st e r s über die B e s ch r ä n k u n g der Z u I a i f u n g ausländischer Studierender zu den preußischen Universitäten hat nach der ,F. Z-" für die Berliner Universität bereits zu einer Spezial- Verfügung für russische Studenten geführt. Tie amtliche akademische Auskunitsstelle hat den Auftrag erhalten, allen russischen Studenten ans '-Befragen mitzuteilen, daß neue Jnni,atrikulationen vorläufig nicht vorgenommcu werden. Der Kultusminister bebalte sich jedoch für einzelne ganz besonders geortete Fälle von Ausnahmesuchenden die Entscheidung vor. Dieser Tlitteilunq fügt der „Lokal-Anzeiger' folgende Ziffern an: Jin Wintersemester 1912 13 studierten an der Berliner Universität 552 Rlissen, barunter 449 Mediziner, und 59 Russinnen, darunter 47 Medizinerinnen. Im verflossenen Sommersemester stieg die Zahl der Männer auf 593, darunter 478 Mediziner, während die der grauen auf 52 zurück- ging, unter denen sich 37 Studentinnen der Medizin befanden. Gerrchtssaal. rd. Darmstadt, 1. Ch. Mit einer interessanten Rechtsfrage halte sich das Verivaltungsge richt zu beschäftigen. Die Firma Dyckerhoff & Widmann zu Biebrich hatte in den Jahren 1911 und 1912 in Rüsselsheim verschiedene Bauten aiiSgemhrt und war bofür von der hessischen Stelierbehörde zur Zahlung einer Ö e ro e r b e ft e u e r von je 56 Mark 57 Pfg. hcraiigezogen worden. Tie Firma beschäftigte daselbst in der genannten Zeit mit der Bauleitung etroa 50 Perionen und halte auch eigene Bauhütten für bxeielbcn errichtet. Gegen die Heranziehung zur Geiverbesteuer erhob die Finna zunächst beim Kreis- Ausschutz Groß-Gerau Wtderlvruch. Sie führte aus, bas; sie in Preußen zur Steuer veranlagt sei und in Hessen keinen ständigen Gewerbebetrieb unterhalte. Sie habe in Rüsselsheim nur bauliche Ausführungen gehabt und die Ausstellung ambulanter Bauhütten sei keine ®eiverbeanlagc im Sinne des Gesetzes. Der KrciS- Ausschus; hatte die Beschwerde mit dem Hinweis darauf verworfen, daß nach der bestehenden Rechtsprechung tu den Bauhütten die Er» fordentiffe der gewerblichen Anlage gegeben gewesen seien. Nachdem schon früher der Drovinzial-Atisschitß die Berufung gegen dieses Urteil verworfen hatte, entschied jetzt auch der Verwaltnngs- gerichtshof als oberste Instanz in demselben Sinne. Vermischte». * Wieder ein Eisen bahn Unfall! Aus Frei- bürg (Breisgau) wird gemeldet: Auf der Station Hcei» t e r s h e i m rollten am Dienstag *rüb Uhr infolge Versagens der Bremse 15 Wagen eine? Güterzuges von einem toten Gleis auf die Station zu und zerstörten dieEcke des Stationsgebäudes. Vier Wagen wurden aus dem Gleise geworfen und vollständig zertrümmert. Gegen 1/28 Uhr kam ein .Hilfszug von Freiburg an, der sofort mit den Aufräumungsarbeiten begann. Personen sind nicht verletzt worden. Kleine Tagerchronik. " >' Bei dem K l e i n b a h n u n g l ü ck auf der Station Bonn- Ellerstraßc wurden ein Reisender gelötet und zwölf verletzt, von ihnen fünf schwer. Acht Verletzte wurden ins Kraukenhau«- gebracht. Drei wurden schon wieder entlasten. Ferner wurden zwei Bahnbedienstete leicht verletzt. Der auf der Fahrt von Hamburg nach Baltimore befindliche Dampfer ,^Arcadia" der Hamburg-Amcrika-Linic erhielt am 29. September kurz vor Mittcrnack;t von dem englischen Dampfer „Tcmplemvre" die drahtlose Meldung, daß dieses Schiff in Flammen stehe und schnelle Hilfe benötige. Die „Arcadia" änderte sofort ihren >kurS und konnte nach wenigen Stunden die Mannschaft des brermatben Schiffes aufnehmen und nach Baltimore bringen. Das Wrack des „Templemore" trieb 39 Grand 27 nördlicher Breite und 65 Grad 26 westlicher Länge. Vandel rrnd Verkehr, Volkswirtschaft. Köln, 30. Sept. In der heutigen Hauptvnsammluwg des Do h eisenverbandes wnrde über die Marktlage berichtet: Der Abruf in Roheisen sowohl seitens der Eisengießereien als auch der Stahlwerke ist immer noch befriedigend, wie der Juli- und Augustversand, der je ca. 88 Prozent der Beteiligung aufweist, gezeigt hat. Der Septemberversand dürfte ebenfalls befriedigend ausfallen und sogar die Angustziffer um mehrere Prozent überschreiten. Eniige inländische Verbraucher lxrben noch Zusatzmengen für diesjährige Lieferungen in Auftrag gegeben. Die Nachfrage aus dem Auslande ist reger geworden und erstreckt sich teilweise schon auf das erste Semester 1914, doch macht sich bei der Hereinnahme der Aufträge der ausländische Wettbewerb sehr stark fühlbar. Die Hauptversammlung beschloß alsdann, die bisher gültig gewesenen Verkaufi-bedingungen für das erste Semester 1914 mit folgenden Säten zu ermäßigen: öaematit 2 bis 3 Mark, Ofteßereiroheisen Nr. 1 2 bis .3 Mark, Gießereiroheisen 9h:. 3 3 bis 4 Mark, alles je nach Verkaufs gebiet, Siegener Zusatzeisen, Puddeleisen, Stahleisen und Spiegeleisen je 3 Mark. Die Preisfestsetzung für die Luxemburger Roheisensorten findet in einer auf den 8. Oktober' dieses Jahres anberaumten gemeinsamen Versammlung statt. Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof-Marktbericht vom 1. Okt. Auftrieb: Rinder 77 (Ochsen 28, Bullen 4, Kühe 55), Kälber 244, Schafe 53, Schweine 448. Treffe für 100 Pfd. Geschäft mittel. Lebend- G chlacht- Ochsen. gewicht Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht« Mk. Mk. wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 52—66 93—100 Tie noch nicht gezogen haben (ungejochte) . . 51—55 91—99 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemäslete............ 46—50 82—89 Bullen. Vollsteischige, ausgew., höchsten Schlachtw. . . 48—50 81—85 Vollfleischige, jüngere 44—48 76—81 Färsen, K ü h e. Vollfleifchige ausgemästete Färsen höchsten Schlacht wertes . . ......... 50—64 91—98 Vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren..... 43—46 78—84 Wenig gut entwickelte Färsen 44—49 80—89 Äeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe.........38—42 70—77 Mäßig genährte Kühe und Färsen .... 81—35 62—70 Kälber. Feinste Mastkälber 70-73 117—122 Mittlere Mast- und beste Saugkälber .... 66—70 110—117 Geringere Mast- und gute Saugkälber . • • 60—64 100—107 Geringere Saugkälber......... 53—58 90—98 Schafe. Weidemastschafe: Mafllämmer und Masthammel .... 45,50—00.00 94—00 Schweine. Vollfleifchige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht * . . 61-62*/, 78-80 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 60-611/, 78—79 Voltfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht .............. 62-34 78—80 FeUschweine über 150 kg Lebendgewicht . 57*/,-60 72—75 fc. Frankfurt a. M., 1. Ökt. (Drtg.-Teleqr. de? »Gien. Anzeigers*.) Ka rt 0 f je l m a rft. Man notierte: Kartoffeln in Waggons Mk. 3.50—3/75t im Kleinhandel Mt. 4.75—5.00 für je 100 Kg. io, Frankfurt a.M., 30. Sevt. Heu- und Strohmarkt. Am heutigen Warft war weder Heu noch Stroh angefahren. Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen. Höchste fEemperatut am 30. Septbr. bis 1. Oktober — 4- 18,5' C. Niedrigste „ , 30. „ , 1. - 4- 7,0 ‘ C. Sept. Okt. 1913 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Nelatwe Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke fiO ep-?'5*' CXd ■s-i -- Wetter 1. 2" 746,4 18,3 8,7 55 E 2 4 Sonnenschein 1. 9'* 746,2 12,1 8,7 82 NE 3 Bew. 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Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nach- QlnUunn <1- 2—5 mon. Kurs als oluinilly Buchh.,Rendant, Verw.Pr.fi-. Dir. Küstner Eeipzis;-E1.15O.r700Chefs suchen Beamte hier. ss*/i0 Zwangsversteigerung. Die nachstehend bezeichneten Grundstücke, die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks aus den Namen des Georg Bill zu Nieder-Wcisct im Grundbuch eingetragen waren, sollen Samstag, den 15. Novbr. 1913, vorm. 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer Nr. 18, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. . Der Versteigerungsvermerk ist am 28. August 1913 in das Grundbuch eingetragen worden. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sic bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Anspruchs des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt Mädchen für Küche und Haus gesucht. Fran I>r. Knau», 6469j Stepbanstraße 16H. Kit Harb* gesucht. 16491 Rrühlsche Druckerei. Bezeichnung des Grundstücks: Grundbuch für Gießen, Band 3, Blatt 114: Flur 1 Nr. 279 = 212 qm Hofreite in den neuen Bäuen (Neuen Bäue Nr. 10) 26000 Mk. Geb. Engländer erteilt Unterricht. Schriftl. 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