:attnetr 743. I*1 J der irznglieher selbst« Hgter Qualität zu gen Preisen unter intie f. Haltbarkeit Äse» ig erhöht weiß und iO-pf.btl irabcr, Seibel. R-2.75 mcholz ,d)t, ros» ll-weißer irzeugt ;t Kifcjer 79 Seltersweg 79 B , (C*/« trin* ieflen |erl»D ö. A [i.3.0ö jejucht’ huiranzen icolade! m ^g-bt’ssonrtleichtDnrchfain '*> ~ Telephon 634 SÄTÄ »“^^Testamenten. [05418 7 Uhr, Sonntags: 10-2 ühr. (WanzeDt0 ; iRoblIa °!SZS- iLE WM Ti® •)iadin.at"§Ajlcnb— v Meter- ***»iÜÄ8* MflQ* . 5#Nt2»N8U sä fft&ss? Kräuter H ii)QnnßTiinb: ...... s ssti&fe! —— Tausenden veM^Se,bkl, O. gdiaflir -w H Dcbu. M Herren mit ftotfenem,^ am bem, dünnem E das zn Ql! Haarausfall, Juckreiz und Nr |ö9 Smettes Blatt 463. Zahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme DcS Sonntags. Tie ..Eichener Scmtlicnblätter“ werden dem ,9ln3ciflcve viermal wöchentlich beigeleot, daS „Krcisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen seil- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gbrrhesfen Dienstag, 22. Zun lOfo Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universttäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=sä»31. 9tebafti9n:e=^ 112. Tel.-Adr.: AnzetgerGießen. Der prodrtttive Lharatter der t?eere$= imd Klottenrüstrmgen. Februar bi I. halt der bekannte Berliner Wirt-. stiXtstshistottiker Professor Hoeniger in der Gehc-Stif- lurog Dresden einen Vortrag über: „Die wirtschaftliche Bedeutung des deutschen Militärmcsens" gehalten, der nunmehr beim Verlag von B. G. Teubner, Leipzig, im Druck erschienen ist. Tiefe ausgezeichnete Schrift ist gerade gegen- wärtäg von besonderem Interesse, als darin mit der fozial-- bemolrnlifdyen Phrase von der Unprodultivität der Heercs- imb Flottenrüslungen gründlich aufgeräumt wird. Als besonders wertvoll müssen diese Ausführungen deshalb gelten, weil cs sich nicht um eine politische Streitschrift, sondern um eine rein wissenschaftliche Darlegung handelt. Daß das Militärwesen zu allen Zeiten eine wesentliche, vielfach sogar entscheidende Nolle im Wirtschaftsleben unseres Volkes gespielt hat, ist heute allgemein anerkannt. Schon Friedrich Naumann hat das Wort geprägt: „Es gibt keine Wirtschaftsgeschichte, die nicht zugleich 5)eeres- geschichte ist". Indessen hat sich ein lebhafter Streit darüber erhoben, ob die Ausgaben für Heer und Flotte produktiv oder wenigstens reproduktiv seien, d. h. ob sie in irgendeiner ^orm der Volkswirtschaft wieder zugute k'om- Daß die laßenden Kosten der Heeresverwaltung bis auf einen verschwindenden Bruchteil im Lande bleiben, wird ja kaum noch bestritten, dagegen richten sich die Beschwerden der Sozialisten gegen das Endergebnis, indem sie meinen, daß nur den Neichen und Uebcrreitijen, den Panzerplattenpatrioten usw., der Gewinn zufließe. Demgegenüber weist .Hoeniger nach, daß sich eine ungerechte Benachteiligung der niederen Klassen nicht herausrechnen läßt. Erstens ist es bekannt, daß die Heeres- unb Flottenverwaltung, wo irgendwie möglich, auch Kleinbetriebe zu Lieferungen heranzieht. Es wird möglichst unter Ausschluß des Zwischenhandels gekauft, bei Tuchlieferungen werden Innungen und Kleinhandwerker berücksichtigt. Dabei wird, um Lohndrü-ckereien vorzubeugen, verlangt, daß die Arbeiter ortsübliche Löhne erhalten. Zweitens sind in den Militär- und Marinebetrieben Zehntansende von Zivil- arbeitern angestellt; 1911 waren es rund 64 000. Sie sind dauernd beschäftigt, gut bezahlt und erfreuen sich weitgehender sozialer Fürsorge. Drittens bemüht sich die Heeresverwaltung, ihre Bestellungen den Bedürfnissen und Wünschen der Industrie anzupassen, in stillen Zeiten Liefe- nmgen aufzugeben, bei unverhofften Aufträgen der Privatindustrie die Lieferungsfristen hinauszuschieben. So fordert das Reichsmariueamt ein zeitlich weit bemessenes Bau- Programm, um spätere Arbeitslosigkeit zu verhindern. Viertens kommen in Betracht die große Beträge, die Offiziere, Einjährige und Mannschaften über Gehalt und Löhnung hinaus in den Garnisonen verausgaben, die Riesensummen, die Kaufleuten, .Handwerkern, Gastwirten, Zimmervcrmie- tem usw. unmittelbar zufließen. Taher der Wunsch aller Städte nack) Garnisonen. Fünftens werden durch unsere Wehrmacht materielle Wirkungen ausgelöst, indem die verschiedensten Zweige unseres Wirtschaftslebens erziehlich fördernd beeinflußt werden. So infolge der hohen Anforderungen der Militärverwaltung die Pferdezucht, die Lederindustrie, die Waffenfaorikatiou, die Feinmechanik, die drahtlose Telegraphie, die Automobiliudustrie, Schiff- und Luftfahrzeugbau. Sechsteus bringen die Errungenschaften auf diesen Gebieten, an denen das Heerwesen hervorragenden Anteil hat, der deutschen Industrie und dem deutschen Arbeiter Dom Auslande neue Aufträge und neue Beschäftigung. Siebentens endlich ist noch ein Faktor in Rechnung zu ziehen: die gesundheitsördernde und charakterbildende Eiu- wiriung der Erziehung, die jedem gedienten Manne zuteil wird. Diese Tatsache ist allgemein anerkannt, daß darüber teilt Wort mehr zu verlieren ist. Zieht man alle diese Punkte in Rechnung, so ist irgendein erheblicher Verlust an Volksgut nickst zu verzeichnen. Kein Zweifel, unsere Wehrmacht bringt mehr ein, als sie kostet. Gewiß, vom Einzelnen werden Opfer gefordert. Aber verloren ist — so schließt.Hoeniger feine Betrachtungen —, was er leistet, für den (HesamtvolksbesiH nicht. In tausend Kanälen fließt das weitaus Meiste der Volksgemeinschaft wieder zu, belebt in wohltätiger, selten genügend gewürdigter Weise.Handel und Wandel. Was als Verlust für Lieferungen aus dem Aiusland zu buchen bleibt, wird vermutlich in vollem Maße aufgewogen durch Erzielung unmittel barer materieller Vorteile durch die erhöhte Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Auslandsindustrie. D. I. C. hessischer Lanterverein für Krebsforschung. Gießen, 20. Juli. Am 19. Juli sand, wie bereits mitgeteilt, in der Aula dcr Universität die Gründung eines ärztlick)en Landesvereines zur Ersorscknmg und Bekämpfung der Krebstrankheit statt. Tie Versammlung ivar cinberusen worden von dem Großh. Ministerium des Innern in Darmstadt und der McdizinisclZen Fakultät in Gießen. Der Rektor der Universität und der Prorektor, sonne der .Hosmarsck>all der Großherzogin mußten wegen Krankheit ihr Erscheinen absagen, bekundeten aber ihye Teilnahme durch schriftliche Wünsck>e tüt einen günstigen Verlauf der Sackx'. Herr Geheimrat B e st ging dann kurz aus die von uns ebeu- salls schon nntgeteilten Gründe ein, welche die Veranlassung zur Gründung eines hessischen Landcsvereines sind. Der Vortragende wies daraus hin, daß die bisherige Behandlung des Krebses doch nur unvollkommene Erfolge zeitigen konnte, und daß man deshalb nach anderen Mitteln Umschau halten muß, die wirksamere Hilfe versprechen. Die weitere Aufgabe eines Landes Vereins muß es sein, die Bevölkerung über das Wesen des Krebses auszuklären, damit die Kranken rechtzeitig in die Behandlung des Arztes kommen; auch die Fortbildung der Aerzte und die Aufklärung von Hebammen und Krankenpflegerinnen gehört dazu. Neuerdings hat die Behandlung des Kremes mit Röntgen- und anderen Strahlen einen großen Ausschwung genommen und verspricht, Gutes im Kampfe gegen den Krebs zu leisten. Ihre Benutzung ist jedoch mit so hohen Kosten verknüpft, daß die Unterstützung weiterer Kreise h.'rangezogen werden muß. Daraus ergrifs Professor Opitz zu einem einleitenden Vortrage das Wort. Er führte zunächst aus, daß die statistisck^n Feststellungen ein immer weiteres Anschwellen der Zahl der Erkrankungen an Krebs erkennen lassen. Wir haben jetzt mit einer Sterblichkeit von etwa 8 aus 1OOOO Einwohner im Jahre nach den statistischen Feststellungen zu rechnen. Bei Berücksichtigung der Sektionsbesunde an großen Krankenhäusern zeigt es sich aber, daß diese Zahl, die an sich schon erschreckend hoch ist, in Wirklichkeit noch zu niedrig gegriffen ist. Man kann damit rechnen, daß von den Todesfällen, welche die' Menschen zwischen dem 40. und 60. Lebensiahrc betreuen, durchschnittlich etwa ’/6 bis Vs aus Krebs zurüazuführen ist. Der Krebs muß demnach als eine wahre Volkserkranlüng bezeichnet werden, deren Bekämpfung als eine Ausgabe weiterer Kreise anzusehen ist. Die ärztliche Wissenschaft bat sich ständig bemüht, durch Nutzbarmachung aller Errungensckxlften der Arznei!unde, oct Tcck>- nil, der Chemie und Physik, immer iveitere Erfolge zu erzielen. Bis vor kurzem mußte man aber sogen, daß die einzige aussichtsvolle Behandlung des Krebses, trotz vielsacher gegenteiliger, in der Presse austauchender Behauptungen, immer noch das Messer des Chirurgen ist. In der Tat sind auch die Erfolge in Bezug auf dauernde Heilung des Krebses durch Operationen allmählich immer besser geworden. Bei der eigenartigen Natur ocs Krebses und der aller bösartigen Geschwülste jedoch sind die besten Ersolge nicht höher gestiegen, als daß etwa Vs *!ler den Arzt zu Rate ziehenden Kranken mit Krebs durch Operation dauernd geheilt werden können. Es ist wichtig, dies sestzustellen, weil im Volke immer noch der Glaube verbreitet ist, daß der Krebs ein unheilbares Leiden sei. Aber freilich können diese Erfolge noch nicht befriedigen, wenn -/., der unglücklichen Kranken ihrem Schicksal überlassen werden müssen. Eine Aenderung in diesen ungünstigen Heilungsoer hältnisfen ist erft durch Einführung der Behandlung dieser Geschwülste mit Röntgenstrahlen und mit denen von gewissen Metallen ausgesandten Strahlen zu verzeichnen. Der Vortragende geh: dann näher auf die Art der Behandlung mit Röntgenstrahlen ein und schildert schließlich die langwierigen, mühevollen Untersuchungen, welche der zweckmäßigen Anwendung dec von Becquerel entdeckten Strahlungen gewisser Metalle, insbesondere de§ Radiums und Mesothoriums, für die Behandlung des Krebses vorausgehen mußten. Es sind in der Hand einzelner hervorragender Aerzte, die in den glüdJIicben Besitz genügender Mengen strahlender Metalle gelangten, schon sehr bemerkenswerte Erfolge erzielt worden, die freilich noch keine Sick^crheil gc«, währen, aber die Belxmdlung als zum mindesten höchst au such ts- voll und weit wirtsamer als alle bisher verwandten Mittel erscheinen lassem Das größte Hindernis für die breitere Anwendung dieser Strahlenarten aber ist ihr ungeheurer Preis. Ein Milligramm Radium sowohl wie Mesothorium kostet beute ungefähr 700 Mk. Die nötige Menge für eine wirksame Anwendung beträgt aber ungefähr 200 Milligramm, so daß zu. ihrer Beschasfung rund 150 000 Mark erforderlich sind. Der Redner kommt zu dem Schluß, daß es ein unbedingtes Erfordernis sei, auch der Landesuniversität Gießen die nötigen Mittel zur Beschasfung dieses kostbaren Materiales zur Verfügung zu stellen, und er hofft von dem Opfer sinn der hZsiscl>en Bevölkerung, daß sie sich durch das Beispiel an anderen örtert — in Düsseldorf z. B. sind aus privaten Mitteln in kurzer Zeit 200 000 Mark für diese Zwecke gestiftet worden — wird anscuern lassen, diesem so wichtigen und nötigen Zweck die kräft tigste Hilsc angedeihen zu lassen. Nach diesem Vortrage erfolgte die einstimmige Annahme bet von Geheimrat B e st vorgelegten Satzungen für den Verein und die Wahl zu einem Istgliedrigen Arbeitsausschuß, der sich nach Schluß, der Sitzung sofort konstituiert und seine Tätigkeit aufnimmt. In den Landesansschuß werden gcwähck: die Professoren Boström, Neumann, Olt, Opitz und Popper t, G heim rat Obermedizinalrat Tr. Hauser-Darmstadt, Geh. Medftincilrat Dr. Reisinger-Mainz, Professor Dr. Heidenhain-Worms, Medizinalrat Dr. Fischer Darm- stadt, Direktor Dr. Rebentisch-Offenback., Sanilätsrat Tr. Habicht- Darmstadt, Sanitätsrat Tr. Vogel-Laubach, Sanilätsrat Dr. Pullmann-Offenbach, Geheimrat Dr. Dietz-Darmstadt, Oberbürgermeister • Dr. Köhler-Worms, Provinzialdirektor Fey-Darmstadt, Vrovinzialdirektor Dr. Usinger-Gießen und Geh. Kommerzienrat Dr. L. Mercks Darmstadt. Ter Landesausschuß wählte aus seiner Mitte den Vorstand: 1. Vorsitzender Prof. Dr. Opitz-Gießen, Stellvertreter Tr. Dietz-Darmstadt, Schriftführer Dr Rcbentisch- Osfcnbach, Schatzmeister Geh. Kommerzienrat L. Merck-Darmstadt. Aus Sta-t und Land. Gießen, 22. Juli 1913. Spiel und Entwicklung. Es ist falsch, anzunehmen, das kindliche Spiel sei weiter nichts als ein für die Jugend angenehmes Mittel, die Zeit tot» zusckckagen. Und eine vollständig schieß Aussassung wäre die Ansicht, das Spielen der Kinder schade diesen mehr als es ihnen nütze. Jeder Jugenderzieher hat Gelegenheit, wahrzunehmen, daß gerade die spiellustigsten Kinder die intelligentesten sind — oder werden! Spiel und Arbeit wecken und entfalten die Kräfte des Kindes nur, daß die Arbeit die einseitig nachdrückliche, strenge und bewußte, das Spiel dagegen die vielfältigere, allgemeinere, mildere und dazu unbewußte Betätigung ist. Da die Arbeit immer mehr in der geistigen Leistung ihren Ausdruck findet, neigt das ergänzende Spiel «mmer mehr der körperlichen Leistung zu. Die Tatsache, daß die häuslichen Spiele und Beschäftigungen immer augenscheinlicher hinter allerhand Leibesübungen (Sport) zurücktreten, ist eine keineswegs zufällige Erscheinung, sondern ein notwendiges Ergebnis der Lebensbetätigung. Die Natur läßt sich nicht bändigen, nicht einseitig verschieben: der Ausgleich folgte wie das auslösende Gewitter gleich hinterher. Und das ist unser Trost und Heil! Fände dieser Ausgleich nicht statt, die Menschheit hätte sich schon tausendmal umgebracht! Der Ernst, mit dem ein Kind spielt, ist zuweilen noch tiefgründiger als der, mit dem es arbeitet, wenn auch der junge Körper beim Spiele hüpft, das Auge leuchtet, der Mund lacht und scherzt! Denn das Spiel ist ein von dem Kinde gewollter Zustand, den es mit Leib und Seele unterstützt. Die vorgeschriebene Arbeit aber wird nur zu gern als „Zwangsarbeit" aungefaßt und empfunden. Je selbständig-kräftiger der Wille ist, um so mehr! Damit soll aber nicht gesagt werden, daß man den Eigenwillen der Kinder unterstützen und befürworten soll. Das Kind muß früh lernen, fremden Wünschen nachzukommen nnb den eigenen Willen dem Willen des Erziehers unterzuordnen. Dentsch-engüsche Ltitcttengogrnsotze. In den Ferienkursen der Londoner Universität, an denen gegenwärtig 250 Ausländer, darunter viele Deutsche, teil nehmen, ist die Vorlesung über englische Gesellschastssitten und englische Etikette zu einem Gegenstand sehr lebhafter Diskussionen geworden. Eine der Dozentinnen, Miß Violet Partington, erzählt in einem Londoner Blatte von diesen eifrigen Erörterungen, bei denen die Gegensätze zwischen deutsck-cn und englisckjen Gesellschastssitten im Vordergrund stehen. Bekanntlich gift es in allen angelsächsischen Ländern als ein schwerer Verstoß gegen den guten Ton, wenn ein Herr eine ihm bekannte Dame aus der Straße zuerst grüßt. Man steht aus dem Standpunkt, daß es das Recht der Dame ist, darüber <\u entscheiden, welchem Herrn ftc erlauben will, sie in der Oessent- lid)icit zu begrüßen; der Mann aber, der vor einer Dame den Hiit zieh., ei,.- sie ihm mit einem diskreten Lächeln oder einem leichten Nicken dazu die Erlaubnis gegeben hat, gilt als schlecht erzogen, gilt als Mann ohne Taft und Lebensformen. „Eine junge deutsche Dame," so erzählt nun die englische Dozentin der Universität, „war nicht wenig erstaunt, als ich ihr erklärte, es sei ihre gesellschaftliche P'licht, auf der Straße dem bekannten Herrn das erste Erkennungszeichen zu geben." „Ich würde das für hockst unziemlich halten," crroiberic mir die junge Deutsch-, „in meinem Vaterlande verbeugt sich stets der Herr zuerst." Dann berichtete die Dozentin, wie sich speziell die deutschen Hörer darüber wundern, daß der Herr auf der Straße stets am äußeren Rande der Bürgersteige gehen muß, auch wenn er damit seinen Platz zur Rechten der Dame einnimmt. Der Engländer geh. an der äußeren Seile des Bürgersteiges, um seine Dame gegen Staub und den aufgewirbeltcn Straßenschmutz zn schützen, der besonders bei feuchtem Wetter von vorübersausenden Gefährten ausgeht. Der deutsche Herr dagegen geht unter allen Umständen links und setzt auf den Straßen daher die Dame diesen kleinen Unannehm- lichkeiten sorglos aus. Im Verlause der nritcren Diskussionen ergaben sich dann noch eine Fülle von interessanten kleinen Gegensätzen zwischen deutscher und englischer Etikette. Wenn der Deutsche Suppe ißt, führt er das Ende oder die Spitze des Löffels an die Lippen: das sieht der Engländer roiederum als unfein an, man führt nur die Mitte bezw. die Seite des Lössels an den Mund. Bn einem Besuche nimmt der englische Herr stets Hut und Stock mit in den Salon, er betont damit, daß er Besucher und Gast ist, wähnend in Deutschland der Herr vielfach den Stock draußen läßt. Das gilt in England als zu familiär. Wenn der deutsche Gast nach einer Mahlzeit sich zurückzieht, dankt er der Dame des Hauses für ihre Gastfreundschaft oder wünscht gesegnete Mahlzeit: Der Engländer empfindet das als ungehörig und will jede Anspielung auf die gewährte Mahlzeit unter allen Umständen vermieden sehen. In England gilt es als unpassend, wenn nach einem Diner wie in Deutschland Herren und Damen sich zur gleichen Zeit erheben. Die englische Dame hat das Vorreck t, zuerst auszustehen und den Speiscsaal zu verlassen, während die Herren zurückbleiben. ♦ Aus der Luche nach dem Sensationsfilm. Eine Abteilung der französischen Gebirgstruppen erklettert mit unsäglicher Mühe die steile, gefährliche Spitze des Mont P el - non x, der sich 4000 Meter cmporrcckt. Einige hundert Meter von ihr, im Schutze der Felsen, erscheint von Zeit zu Zeit einige» heimnisvolles Wesen, das immer wieder rasch verschwindet. «Lwl- baten und Offiziere sind in Unruhe. Eine Patrouille nnrd aus- geschickt, das Geheimnis zu erforschen, aber jedesmal entzieht es sich geschärft ihren Nachstellungen. Erst aus der Spitze des Berges, wo die sonderbare Gemse nicht mehr ausweichen kann, erklärt sich Das Rätsel: es ist ein Filmoperateur, der die interessanten Gebirgsübungen des französischen Heeres im Film festhalten wollte und infolgedessen Der Truppe vorausgeeilt war. Andere interessante Züge aus dem Leben und der Tätigkeit des Filmoperateurs berichten die „Lcctures pour Tous". Als vor einem Jahre die Automobilbanditen von Choisy-le-Roi belagert wurden, stand ein Filmoperateur ohne jede Deckung dem Hause gegenüber, aus dem die Banditen ihre Salven abgaben. Der Polizeipräsekt machte ihn auf die große Gefahr, in der er sich befand, aufmerksam, und forderte ihn auf, den Platz zu verlassen. „Lassen Sic mich bitte hier: ich kann keinen besseren Platz sindcn: dcr Film wird zur Erziehung der Massen beitragen!" „Gut," antwortete Lcvine, „so mögen Sie bleiben, aber ich kann keine Garantie für Ihr Leben übernehmen." Noch an demselben Abend erzitterte das Publikum bei den aufregenden Bildern dieser Belagerung. Eine eigenartige Karawane hat vor kurzer Zeit in Stijabe in Afrika großes Aufsehen erregt. Sie bestand aus einer Truppe von 30 Trägern, Cowboys, Pferden und Hunden, die sich mit dem berühmtesten Cowboy Amerikas, Buffalo Jones, auf die Löwenjagd begaben. Bei Der ganzen Karawane befand sich nicht ein einziges Gewehr, da Bussalo Jones mit dem Lasso, Den er mit untrüglicher- Sick-erheit zu werfen versteht, dein König der Tiere zu Leibe rücken wollte. Der Filmoperateur sollte ihm bei dem gefährlichen Beginnen aus dem Fuße folgen. Die Jagd gelang, nur daß der Operateur es mehrere Male für gut fand, sich ans einen dornigen Akäzienbaum zu flüchten, der ihm Die Haut arg zerstach. Schlimmer erging cs dem Filmoverateur Fiörc, Der im letzten Jahre einen deutschen Offizier auf einer Lowen- jagD in Jnnevasrika begleitete. Die beiden WHrvrr standst auf 20 Schritte Entfernung dem König der Tiere gegenüber. Der Offizier schießt, aber der Löwe hat noch die Kratt, sich auf den Operateur zu stürzen und ihn zu Boden zu schlagen. Fiere ist Denn auch an den Folgen dieser Verletzung gestorben. Mit knapper Not dem Tode entronnen ist der Filmkriegskorrespondent Lavanture, der im Auftrage einer Filmgesellschaft den Balkanftieg mitgemacht hat. Er wurde gefangen genommen und wäre beinahe als Spion erschossen worden. Eine sehr gefährliche Ausnahme hat jener Filmoperateur gemacht, der vor einiger Zeit mit dem Vizedireftvr des Observatoriums aus dem Vesuv, Professor Meladra, etwa 180 Meter tief in den Krater des Vesuv hinuntergestiegen ist. Die beiden Wagehälse waren ost dem Erstickungstode durch giftige Gase ausgesetzt. Eine eigenartige Vcnvendung hat der Film im Tripolis- kriege gesunden. Die italienische Militärbehörde gestattete zu gewissen Zeiten den Angehörigen und Freunden der Soldaten, sich im Kasernenhose zu einer tinematographischen Aufnahme ciip jufinben. Die Films wurden dann bei den seltenen Ruhepausen den tapferen Kriegern in Tripolis vorgeführt. * — Fürstliche Schuljungen. Unter den vierzehn Public Schools in England nimmt Eton in sozialer Hinsicht den ersten Rang ein. Es zählt nicht wemger als sechzehn Herzöge unter seinen Alten Herren. Es ist deshalb nicht verwunderlich, Daß man sich bei der Wahl einer Schule für Prinz Henry, den Dritten Sohn König Georgs, für Eton entschieden hat. Trotzdem ist es Das erstemal, daß Die Schule einen euglisck^en Königssohn ausgenommen hat, es ist also gewissermaßen eine soziale Auszeichnung rür Eton. Der erste englische Prinz, Der dort erzogen wurde, war Der Sohn des Herzogs von Connaught, dem bald der junge Herzog von Albany fber jetzige Herzog von Sachscn-Koburg-Gotha) solgte. Man erzählt sich, daß die jungen Aristokraten, die unter sich eine strikte Gleichheit int er par es walten lassen, den fürstlichen Genossen manch heimlichen Tritt verabfolgten, um später einmal sich rühmen zu können, einen Prinzen, wenn nicht sogar einen öerricivr, mit Füßen getreten zu haben. Eton ist schon immer eine Schüfe für alle möglichen Potentaten gewesen, besonders für indische Radschahs. Selbst Ungarn hat seinen fürstlichen Repräsentanten dort gehabt in der Person eines ferner größten Magnaten, des Fürsten Batthyany-Strattmann. Dafür hat Harrow den Kronprinzen von Siam, Winchester den (englischen > Radschah von xu, er-Gießen u. a. Gleichzeitig'wirb ^ne dt'vrechung der Vere.nc über die Abhaltung eines Fialen Rur- fuS in Gießen stattfinden. surt a. M Es seien bedeutende Verbesserungen zugunsten der Kassenmitglieder erzielt morden. Tie schönen Erfolge seien dem Zusammenschluß der Babnarbeitrr und dem Zusammenarbeiten der Organisationen zu verdanken. Tie Kasse wirkt jetzt mustergültig. H i l b e r g - Taubringen spricht über die allgemeine Lage der Eisenbahner und fordert die Mitglieder auf, die Vertreter mit Material zu versorgen, damit sie stets über alle Vorgänge unterrichtet sind. Bahnarbeiter Stein stattete den Rednern den Tank der Versammlung ab. Kreis Alsfeld. O. K. Alsfeld, 20. Juli. Ter am Dahnbau beschäftigte Tiesbauunternebmer Thiemann wurde vor einigen Tagen mittags gegen 5 Uhr plötzlich von sieben seiner Arbeiter anqesallen. Vier Mann konnte er abschütteln, den übrigen gelang es, ihn mit großen Steinen zu werfen. Er wurde derart verletzt, daß seine Heber sührung ins Kreiskrankendaus zu Alsfeld nötig wurde.,Tic Ar beiter, die aus Russisch-Polen stammen, wurden verhaftet. Ten Arbeitern war Steuer angefordert worden. Ta sie nicht bezahlen wollten/ hatte die Firma diese am Lohn abgezogen. Kreis Lauterbach. ~ Lauterbach, 20. Juli. Auf dem 12. deutschen Turntest zu Leipzig errang sich der Finanzamtsgehilfe Hermann Möller hier, Sohn des Gastwirts und Metzgermeisters K. Möller in Altenschlirf, im Sechskamvl mit 8%'? Punkten unter 3700 Turnern den 25. Preis. Er hat unter sämtlichen Turnern aus dein Gau Hessen die höchste Punktzahl erreicht und somit die beiden Sieger vom diesjährigen Feldbergturnfest — Koster und Schneller aus Vad- Hornbnrg - überflügelt. — Gestern land durch den Generalarzt des 18. Armeekorps, Dr. Lindema im, eine Prüfung der am 15. Februar d. Js. ueugegründeten Sanitätskollonnen von Lauterbach uud bem benachbarten Blitzenrod statt. Tie Prüfung erstreckte sich auf den theoretischen Unterricht, überden Bau des menschlichen Körpers, auf die Anlegung von Verbänden und ersten Hilfeleistungen sowie das Tragen von Verwundeten. Der Inspizient sprach sich sehr lobend über die Leistungen während der kurzen Uebungszeit der Kolonnen aus. Diese haben mit der Ablegung der Prüfung Einspruch auf Verleihung des Neutralitätszeichens, da sie sich im Kriegsfälle der Militärbehörde zur Verfügung stellen. In nächster Zeit wird sich per Unterricht über den Verwundeten-Transport auf der Eisenbahn ausdehnen, wozu praktische Uebuugen an Eisenbahnwagen vorgenommen werden sollen. Ter ganze Unterricht beider Kolonnen wird durch Hernr Tr. Pyroth erteilt. Kreis Friedberg. h Friedberg i. Jo., 20. Juli. Eine Versammlung rübenbauender Landwirte der Wetterau beschloß heute nach einem Vortrag des Gutsbesitzers Secrctan aus .Hohenau ihre Beteiligung an der Neugründung der Zuckerfabrik Rheingau. Für eine große Anzahl nassauischer Landwirte gab Gutsbesitzer C h r i st i a n aus Unterlicderbach ebensalls zusagende Erklärungen ab. Tie aus genossenschaftlicher Grundlage aufgebaute Gründung ist somit gesichert. Starkenburg und Rheinhessen. Bingen, 20. Juli. Tas Hotel „Pariser Hos" hier, das seinen Besitzer seinerzeit 110 000 Mk. gekostet hat, wurde bei der gestrigen Versteigerung für 40 000 Mk. der Kreissparkasse zugeschlagen. dj. Bin gerbrück, 21. Juli. In ber Zeit vom 25. bis 29. Juli wird das Pionier-Bataillon 21 zwischen Trechtingshausen und Kaub Brücken schlagen. Am 25. wird d/.s Material von Kastel nach Trechtingshausen befördert, am 25. und 26. werden die Brücken während des Tages ge- chtagen bis auf 100 Meter weit in den Strom, am 2’8. wird der ganze Strom übrrbrückt, und am 29. erfolgt die Beförderung des Materials nach Kaub und dort tagsüber ein Brük- kenschlag über die ganze Breite des Rheines. Kreis Wetzlar. — Salzböden, 19. Juli. Unter herzlicher Anteilnahme der Gemeinde wurde heute nachmittag der am Dienstag verunglückte Landwirt Ludw. Schneider zur letzten Ruhe gebettet. Ter Verunglückte war am Dienstag morgen nach Fronhausen ge- ahren, um Baumaterial zu holen: am Bahnübergang bei der Baumaterialienhandlung von Wilh. Finger scheuten die Kühe und Schneider geriet unter sein eigenes Fulrrwerk. Schwer verletzt wurde er nach Marburg in die Klinik gebracht, wo er verschieden ist. Für die Gemeindevertretung legten Gemeindevorsteher Müller und für den Evang. Männerverein Jak. Rau Kränze am Grabe nieder. Ter Verstorbene hinterläßt eine Witwe mit uns zum Teil noch schulpflichtigen Kindern. Hessen-Nassau. h Homburg v.d.H., 20. Juli. Nack dreitägigen Verhandlungen gelang es den Bemühungen des Oberbürgermeisters und dem Ein- flub der öffentlichen Meinung, die ausnahmlos die Straßenbahner unterstützt, eine Einigung zwischen der Verwaltimg und dem Personal herbciznsühren. Dem Werkstättenpersonal, daß im Fall eines Streiks Fahrerdienste versehen sollte, hatte man schon Samstag früh eine Lohnerhöhung sowie Urlaubsaewährung zugestanden. Am Nachmittag billigte man dann den Fahrern eine monatliche Lohnanfbessennlg von 5 Mark zu. Eine in später Nachtstunde abgehaltene Personalversammlung erklärte sich schließlich, obwohl bei einem solchen Zugeständnis von einer wirksamen Aufbesserung kaum die Rede sein kann, vorläufig mit dem Angebot der Direktion zufrieden; sie beschloß einstimmig, nicht in den Streik einzutreten. ch. Rüdesheim a. Rh., 21. Juli. Der in Rüdesheim am Rhein vor kurzem im Lklter von 80 Jahren verstorbene Turner und T'urnfreund Anton Jung hat der Turngemeinde Rüdesheim letztwillig 5000 Mark vermacht. Bei Lebzeiten hatte er srlwn eine Schenkung von 10 000 Mark gemacht. Jung war im Besitz des Ehrenbriefes der DeutsckM Turnersck)aft. ch. Biebrich a. Rh., 21. Juli. Anläßlich seines 70. Geburtstages hat Professor Tr. Rudolf Dyckerhof f in Biebrich a. Rh. 45 000 Mark für einen Spielplatz geschenkt, der der gesamten schulentlassenen Jugend zur Verfügung stehen soll. Dem Turnverein schenkte er 2000 Mark Anteilscheine. Dem Ortsaussckmß für Jugendpflege überwies er im Vorjahre 1000 Mark zur freien Verfügung; ihm schloß fick) Geheimrat Dr. Kalle mit 500 Mark an. vrozetz Borngäffcr vor der Straffammer. # Gießen, /?. Juli. Es wird darauf der inzwischen durch den Staatsanwalt sistierte Lehrling des Bankhauses Herz, Cziva, darüber vernommen, welchen Bescheid er seinerzeit seinem Chef von der Reichsbank gegeben hat. Der Zeuge erhärt, daß der betreffende Beamte ihm erklärt habe, die Firma Herz dürfe einen bestimmten Wechsel, der bei ihr zahlbar war und den sic unter Vorbehalt eingelöst hätte, noch am dritten Tage namens der Reichsbant zu Protest geben. Aus Befragen erklärt der junge Mann, er habe dies auch zu Hause genau so bestellt und nicht ctwa die Sache so dargestellt, als ob diese Erlaubnis der Rcichsbank im allgemeinen für alle Wechsel gegeben sei. Wilhelm Geller von Rodheim a. d. B. bekundet, wie er in Amerika einen Arm verloren hat und dafür eine Entschädigung von 10 000 Mark bekommen sollte. Mit 6000 Mark in der Tasche sei er in die Heimat zurückgckehrt und habe das Geld bei der Tarmstädter Bank hinterlegt. Er kannte Leopold Born- gässer und dieser engagierte ihn als Reisenden, indem er ihn veranlaßte, ihm die 6000 Mark ins Geschäft zu geben. Borngässer sagte ihm, er solle der Darmstädter Bank, bei der er das Geld kurz vorher eingezahlt hatte, mitteilcn, er wolle wieder nach Amerika, wenn der Beamte sich etwa darüber wundern sollte, daß Geller das Geld nach so kurzer Zeit wieder abhebe. Geller hat außerdem noch 4000 Mark Akzepte an seinen Chef gegeben, die bei Fälligkeit der Wechsel immer prolongiert wurden. Geller hatte nock einen Rest von 4518 Mark aus Amerika bekommen; die Anweisung darüber überließ et dem Leopold Borngässer, her den Betraa für ihn durck das Bankhaus Herz cinziehen lassen sollte. Schließlich gab er Borngässer noch Vollmacht, den Betrag bei Her; in Empfang zu nehmen. Ter Zeuge hat bei der Herrschen Bank wiederholt telephonisch angefragt, zuletzt noch gegen Ende Oktober, ob das Geld schon aus Amerika eingeqangen sei, aber stets eine verneinende Antwort bekommen. Am 26. Oktober erhielt er dann von Herz eine Anzeige, worin dieser mitteilte, daß dos Geld eingegangen und dem Konto Borngässer gutgeschrieben sei. Der Zeuge versichert, daß es ihm gar nicht eingefallen sei. auch diesen Betrag dem Borngässer zu überlassen, und "er habe sich gewundert, daß Herz sein (Mb einfach dem Borngässer gutbringe, der nur dem Herz gegenüber als Empfangsberechtigter gelten sollte. Durch Vorlegung der Vollmacht stellt sich heraus, daß sich unter dem Text noch eine handschristliche Anweisung befindet, worin Borngäfser unter dem 26. Oktober dem Bankhause Herz mitteilt, daß der Betrag nach Eingang seinem Konto gutgeschrieben werden solle. Im Laufe der Beweisaufnahme hat sich herausgestellt, daß das Geld des Geller aus Amerika, für beffen Einholung hie Herzbank sich eine Provision von 50 Mar' rechnete, schon am 15. Oktober ein gegangen war, währcnb her Betrag erst volle 14 Tage ibätcr bem Borngässer gutgebracht würbe, so baß die Zinsen während dieser 2 Wochen dem Bank- Hause Herz zu flössen. Es steht auch fest, daß der am 15. Oktober 1912 schon eingeoangene Betrag dem Geller sowohl als auch dem Borngässer gegenüber noch als ausstehend bezeichnet wurde. Es folgen nun eine Reihe von Zeugen, die Rechtsanwalt Kaufmann zur Klärung der Sache geladen hatte. Mühlen- besitzet Marx von Dorlar stand mit der Firma Borngässer in Verbindung und hat etwa 60 000 Mark jährlich mit ihr umgesetzt. Er hat nur mit Leopold Borngässer ;u tun gehabt, den er für fleißig, strebsam und solide gehalten hat. Samuel Rosenbaum, früher in Firma Gebt. Rosenbaum, hat die gleiche Ansicht über Borngässer. Er hat ihm einen Vertraiienskrehit gegeben, her wohl zeitweilig über 20 000 Mark betragen Hat. Die Firma Borngässer Hat mit Akzepten bezahlt, auch ab und zu baar, seltener Kundenwechsel gegeben: ab und zu wurde auch wohl einer der Wechsel prolongiert. Tie Seele des Geschäfts war Leopold Borngässer; Nathan ist sehr wenig Kaufmann, ja sogar ein beschränkter 'Mensch. Ein Geschäftsfreund von ihm, Moritz Strauß, von her Firma Goldenberg u. Markus, sprach einmal im Juli 1912 die Ansicht aus, daß Borngässers Verhältnisse nicht mehr derart seien, daß man ihm Kredite einräumen könne: derselbe Herr meinte, die Verbindung mit Herz mahne zur größten Vorsicht. Er, Rosenbaum, hat auch mit Borngässer über diese Verhältnisse gesprochen und ihm vorgestellt, daß Pas fremde (Mb doch viel zu teuer sei, um daraufhin zu bauen. Rosenbaum habe sich so nach und nach aus der Affäre gezogen, verliert aber doch noch 1500 Mark, die er zur Masse angemelbct hat. Auf Befragen des Rechtsanwalts K a u f m a n n erklärt her Zeuge, daß das Jahr 1911 für den Getreibehandel sehr ungünstig war. Tie Preise für gewisse Artikel, hie sehr hoch waren, sielen plötzlich ganz erheblich, und es könne wohl möglich fein, daß Borngässer dadurch Verluste gehabt hat. Wer int Jahre 1912 in der Lage war, zu den billigen Preisen einzukaufen, der konnte, als die Waren wieder ausschlugen, den Schaden ausgleichen. Ob Borngässer bei dieser Konjunktur Verluste ober Gewinne gehabt hat, wisse er nicht. Der Zeuge Liebmann Baer von her Firma Baer u. Wetterhahn äußert sich im gleichen Sinne wie txr Vorzeuge über die Persönlichkeiten der Angeklagten. Er ist der Ansicht, das; Nathan Borngässer bis unmittelbar vor dein Zusammenbruch her Firma nicht gewußt hat, wie die Verhältnisse lagen. Seine Firma habe mit Borngässer gearbeitet, ihm auch einen großen Vcr- trauenskredit gegeben; sie sind schließlich ebenfalls mit einer größeren Forderung in die Masse gegangen. Ter Kaufmann Louis Troß crflärtc, er habe seinerzeit als Vertreter des Ortsgerichtsvorstehers den Kaufvertrag zwischen Joseph Herz und dem Angeklagten Borngässer wegen des Bauplatzes an her Rodheimer Straße entgegcngenommcn. Er sei, um hie Notul' zu machen, in bas Haus des Bankiers Herz bestellt loorbcn, durch wen, weiß er nicht mehr. Vereinbart sei in sc>:r Gegenwart weiter nichts nwrden, als was im Protokoll stehe. Auf Befragen des Verteidigers gesteht Troß zu, zu Jemand gesagt zu haben: Hat der Herz aber da Glück gehabt! Er habe damit sagen wollen, daß er einen guten, zahlungsfähigen Käufer dafür gefunden hat. Aus Befragen, ob der Bauplatz mit 19,50 Mark für den Quadratmeter, der doch cigcntli chnickt an der Rodheimer, sondern an der Schützenstraßc liegt, nicht sehr teuer bezahlt sei, bemerkt her Zeuge, er könne nur sagen, daß an der Rodheimer Straße Platze an Scheppelmann u. Winn u. Co. verkauft worden seien, hie nur 10 bis 12 Mark per Quadratmeter gekostet haben. Ter Reisende Friedrich Haas und der Buchhalter Beruh. Strauß waren beide im Hause Borngässer tätig. Beide haben wich er holt im Auftrage des Lcopolo Borngässer Blankoakzepte von der Kundsäfast geholt. Haas bemerkt, daß die betreffenden Leute gar feine langen Worte machten, sondern glatt ihren Namen quer schrieben. Aus Befragen des Vorsitzenden, ob es denn nicht ausfällig nxir, als der Eb.f ifmen solche Auftrage gab, und ob sie denn nicht daran gedacht haben, daß man diese Wechsel auch mit höheren Beträgen ausfüllcn könnte, afä die Leute schuldig waren, erklärten beide, es sei ihnen bei der 3ad)e nichts ausfällig vvrgekornmen. Strauß erklärte noch, Leopold Borngässer habe ihm angeboten, ihn zu feinem Prokuristen zu machen, wenn er 15 000 Mark in bas Geschäft einlege, er habe soviel Zutrauen zu her Solidität der Firma gehabt, das; er den Betrag auch eingelegt hätte, wenn er ihn damals gehabt hatte. Ter Vorsitzende fragt Strauß, ob er als Buchhalter denn nicht einen gewissen Einblick in die Verhältnisse der Firma bekommen habe: er hätte doch aus dem bedeutenden Wcchsclumlauf fchcn müssen, wie der Stand der Tinge eigentlich gewesen sei. Ta raus- hin erklärt Strauß, er ha6c sich nur gesagt, daß das Geschäft einen ziemlich starken Wechselumlaus habe. Borngässer habe er für einen reichen Mann gehalten. Auf ipeitcre Fragen muß er zu gestehen, daß er in seinen früheren Stellungen nie davon gehört hat, daß seine Chefs sich von der Kundschaft Blankowechsel haben geben laßen. Durch Vorlage einer Blankoabsckrist durch den Zeugen Joseph >>erz, bic über L. Borngässers Baukonto lautet, wirb dargetcrn, baß die Herzschr Bank, wie Borngässer angegeben hat, tatsäclrlich Anxi Konten für ihn geführt hat. Ter von der Lanbeshypothcken- bank für hie 1. Hypothek gezahlte Betrag wurde auch nicht auf Aber das Kind fall nicht mit Leib und Seele durch bie Fepeln der Arbeit eingeschnürt werden; die nötige Bewegungstreihrii ist dem jugendlichen Körper und Geist durchaus zu geitatten. wenn die Entwicklung eine gedeihliche sein soll. , m . Laßt die Kinder spielen? So oft als möglich ivrelcn Skim einfachsten Ringelreihen werden leibliche und geistige Fähigkeiten geweckt, gefördert. c, ,, Vieles Spielen führt zu einer guten, geistigen vlufraffurtg, macht aber auch körperlich gefchickk und begabt. Leider nur werden die Fertigkeiten der Hand und des Fußes^ in unserem überbürdeten Zeitalter noch viel zu wenig gewürdigt, w?nn es im cm in dieser Beziehung, wie unser vielseitiger Leibessport beweist, um vieles besser geworden ist. Dock) was nützt alle Klugheit und alles Win en, wenn pabei der Körper vernachlässigt wird? Ach, und das ^ötet ist so vielseitig bildend und schon allein als ausglcichenh^r Faktor für die geistige Entwicklung unentbehrlich! Darum laßt die Kinder spielen — je mehr, desto besser. * - Justizpersonalien. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden die Referendare Dr. Ludw. berliner auS WormS, Karl Dingeldey au§ Darmstadt, Dr. Siegst. Drucker aus Mainz, Dr. (Aust. Fehr er aus Darmstadt, Otto Hellwig au8 Gießen, 9(ug. Niebergall au§ Udenheim, Gust. Reis anS Darmstadt, Dr. Nud. Rutb au6 Büdingen und Friedrich Scholl auS Mainz zu Gerichts - asiestoren ernannt. " Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Rudolf Weyrich zu Erbes-BudeSheim eine Lehrerftelle an der (Semeinbeschule zu Flonheim. " Zu Neqierungßbaurnciftern sind ernannt worden bie NegienmgSbanflihrer Theobor Der la m au? Frankfurt, Karl Goehner aus Straßburg unb Aböls Heiß aus Darmstabt. ** Diamantenes Musiker-Jubiläum. Gestern sind 60 Jahre verflossen, seitdem der Musiklehrer Ehr, Kruse als 14jähriger Knabe bei bem Musikdirigenten Roßbach in der Waldeckschen Residenz Arolsen in die Lehre trat. Ehr. Kruse entstammt einer allen Musiferfamilie: sein Großvater war Musiker und ebenso sein Vater, bei bem er schon in frühester Jugend Unterricht im Violin- spiel bekam Nach beendeter Lehrzeit trat er als 17jähriger Jüngling 1858 als Musiker bei dem damaligen Fürstlich Waldeckschen Bataillon ein, dessen Kapelle während der besseren Jahreszeit Pyrmont als Kurkapelle diente. Als nach dem Kriege 18G6 für Waldeck die mit Preußen^ abgeschlossene Militärkonvcntion in Kraft trat, ließ sich ftrufe pensionieren und zog nach Kassel, wo er beauftragt wurde, für das ehemalige Thaliatheater unter seiner Leitung eine Kapelle zu bUbcn. Im Jahre 1877 folgte der tüchtige Violinvirtuose einem 9iuf an das Palmengarten-Orchester in Frankfurt a. M., dem er mit Ehren bis 1888 angehörte. Inzwischen waren die drei Söhne des Jubilars herangewachsen, vom Vater unterrichtet. Die beiden ältesten Söhne Heinrich unb Willi hatten unter Direktor Raff Tr. Hochs Konservatorium in Frankfurt a. M. besucht, ber eine war ein vorzüglicher Cellist, ber andere ein hervorragender Violinkünstler. Die Familie fttufc siedelte nun nach Bad- Nauheim über, da alle vier bei der Großh. Kurkapelle angesteUt worden marctk Der Konigl. Kammermusiker Heinrich Kruse ist heute als hervorragender Cellist in Deutschland bekannt; er wohnt in Hamburg und läßt sich nur noch in einigen Konzerten in Berlin in der Konigl. Singakademie hören. Der König!. Kammermusiker Willi Krufe ist ein sehr geschätztes Mitglied der Kapelle des Ktmitzl. Hoftheaters in Kassel und zwar als erster Geiger. Ehr. Kruse zog 1892 nach Gießen, wo er uud fein Sohn Georg ihre zweite S^cimnt sanden. Beide sind gesuchte Musiflehrcr. Dem Wirken des Jubilars ist es zu oanfen, wenn sich in unserer Stadt zahlreiche Leute befinden, die neben ihrem Berus ganz achtungswertes auf der Violine oder dem Cello leisten. Fa^t alljährlich gibt der Jubilar mit seinen Schülern ein öffentliches Konzert; er versteht heute nach trotz seiner 75 Jahre den Taftstock genau so sicher und meisterhaft zu handhaben wie den Bogen. **Die Ortsgruppe Gießen des Verbands be u ts ch e r Ei s e n b a l> u-H a n bw e rke r unb -Äl rbe ite r beging am SamStcig unb Sonntag aus Anlaß ihres 15. Stistungs- t e ft e s bas Fest ber Fahnenweihe, wozu sich zahlreiche a'us- wävtigc Vereine ciiigchmben hatten. Tie Fahnenweihe würbe am Samstag abeub im Katholischen Vercinshans vorqenonnncn. Der VorfUienbe W e n z c l hielt bie Begrüßungsansprache. Unter Leitung bes Dirigenten Görlach trug der Banersche Gesangverein das Mieberlänbiche Dankgebet vor. Fräulein Bellnhöser sprach ein Festgebicht und (»eueralsekretär C. Niebel-Berlin weihte die Fahne, die Fräulein Tcibcl bem Präsidenten übergab. In einer Festrede brachte der Generalsekretär daS Kaiserboch aus. Auszeichntmgen mürben überreicht an die Herren Gg. Größer unb Gg. Heller für bvjährige Dienstzeit, an Hch. Schnutt tiir 40jährige und an Hch Nölzcl-Wicseck für 25jährige Dienstzeit. K. Straub trug zwei heitere Eiuzelstückc unter lebhaften Beifall vor, lebende Bilder mürben gestellt lind ber Männerlurnvcrein stellte unter Leitung deS Turn rnarlS Gerhardt, Stntzhantcl-Pvramiben. Die Fahne zeigt auf roi- ivernein Grnnbc auf ber Vorbei seile den Namen bes Vei banbes mit Flugclrab auf der Rückseite die Wappen der Hanbrnerler lind Arbeiter und bcn Wahlsprnch: „Einer für alle, alle für einen". An, «onntag mittag 2 Uhr bewegte sich ein Festzng nach ber Lielngshohc, wo Schneiber-Betzborf die Festrede hielt. Zorn- Gießen sprach über den Daseinskampf des werktätigen Volkes, über bic 'Jloliücnbigtcit her Organisation. Rubols - Frankfurt forderte bie dem Verband» noch nicht Angehörcnben zum Anschluß au, unb appellierte an die Mithilfe der Frauen unb Jungfrauen benen sein poch galt. Tie Mmbcr, die mit Bretzeln beschenkt ivurdeN'führten eine Polonaise auf unb sangen „Deutschland über alles . Em -ranz hielt die Fesltcilnehmer noch lange zusammen . L ic W a i i c nv e r n i m i u ng beutf chei W a chteln pn nner Zufchriil an bei, „Teutschcn Verein für ländliche Wohl fvhrls unb peilllatpflege gibt ein einfadjer Soldat seiner Em Pvning Ausdruck über bie Massenvcrilidnung unserer Wachteln ES tH auch ui der £at höd>ite Zeit, bas, unmal von allen gtegic- rungen energisch gegen den Singvögel mord im südlichen Europa vorgegangcn wirb. In ber Hauptsache ist ihm das Wasser abgcqraben, wenn die Absatzgebiete für tote Vögel verschlossen werben. Während nun aber Frankreich z. B. bie Grenzen für den Transport roter 2Aachteln gesperrt hat, unterstützt Trutsch- lanh burd) Zulassung ber Ein- und Ausfuhr birelt bcn Voget- mord. Aus den Bahnyö;en ut Basel und Straßburg kann man in den Enbinoiiatcn eines jeden Jahres ganze Transportzüge mit Wad telleichen beotwdftcn, bic durch Deutschland unb über Luxem bnrg nach England gehen. In einem Wimeriadr wurden in Basel W,id)telstudunge,i in Höh, von nino oOUOU kg nad) Deutsch lanb obgaertigt. . Jährlich satten dem Pkordcn in Aegypten, Italien, auf bcn italienischen und griechischen Inseln etwa ad» bis zehn Millionen Wachteln zum Opfer (Mjt das so weiter, bann wird Ixilb and) hie Wachtet zu den ausgestordenen Tieren zu rechnen sein. Unb doch gehört biefcr nützlidie Vogel in die deutsche Landschaft, in unsere getrcibemdxm Ebenen, und sein Lvdrus ist nidit umsonst von brutschen Dichtern seit Walther von der Vogettveidr besungen worden Landkreis Gießen. h. Danbringrn, 20. Juli. Tic Mttalirdcr der Eisenbahn Betriebs Krankentassc hielten gestern abend eine gut besuchte Brrsainmliing ab. Vertret er Zorn-Gwßcn erstattete Beridn über bic Generalversammlung der Krankenkassen am 28. Juni in Frank- Meteorologische Beobachtungen der Station Eichen. arbeit der Wetter L 6 5-Eg Juli 16,4 13,3 12,4 tut gut, sich von Zeit daran zu erinnern, daß Sonnenschein Bed. Himmel 17,1 • 0. 10,3 6 d. SW SW SW Man zu Zeit Juli 1913 748,9 748,9 747,8 Denkmal, das die naturgetreue Abbildung des in der Siegesallee in Berlin ausgestellten Denkmals ist. In Pillau Kaiser der Stadt statt. General von 8S5 Kleine Tagerchronik. sand am Samstag die Einweihung des vom geschenkten Denkmals des Großen Kurfürsten Kluck, als Vertreter des Kaisers, übergab das als Portier unb KeKner sein Brot verdiente, die Tochter jenes Hoteliers kennen gekirnt und hatte, nachdem ihm die Familie des Hoteliers sogar eine Ausbildung lxrtte zuteil werden lassen, die Tochter geheiratet. Das in ihn gesetzte Vertrauen hat er nun dadurch gelohnt, daß er einen Teil' des Vermögens seiner Frau an sich genommen hat und damit wie mit dem Automobil München verließ. * Ein Kampf mit Wegelagerern. Im Walde bei Oberschöneweide sind zwei Kaufleute aus Berlin überfallen, worden. Sie fuhren auf ihren Zweirädern ahnungslos die Chaussee entlang, als .plötzlich zwei Strolche, die sich int Chausseegraben verborgen gehalten batten, auf sie zustürzten und sic von den Rädern farunterrissen. Tic Wegelagerer vernichten, den Radlern die Maschinen zu entreißen. Es entstand ein erbitterter Kamps, dem erst die Dazwischenkunft eines mit mehreren, Personen besetzten 'Zbrtonuybils ein Ende machte. Als der Chauffeur bremste, ergriffen die Strolche die Fluckst und entkamen in den Wald. ein wahrer Basar des Todes. Was Menschen tragen oder gebrauchen, alles, alles findet man hier, Papiersetzen und yiotiz- bücher, Hemden, .Kleidungsstücke, Unisormabzeichen, Säckel, Fla- fefoen, Töpfe, Kissen und Tücher, ja sogar Spielkarten. Und zwischen all dem liegt noch der Same, der diese trostlose Ernte reiben ließ, Geschosse und Geschoßsplitter. Tie Rickching des Rückzuges, der Weg der Flucht hebt sich deutlich ab: er ist von Schuh- werk besät, von Stiefeln und Strümpfen, die die Flüchtenden ab streiften und liegen ließen. Aber das Bild der Verwüstung endet nicht mit dem Schlachtfelds, es setzt sich fort nach allen Seiten. Stundenlang kann man der Rückzugslinie folgen: unb, überall stoßt man auf menschenleere, niedergebrannte Dörfer, selbst Felder und Bäume wurden den Flammen ausgeliefert. Und das setzt sich fort, Meile um Meile, Landschaft um Landschaft, bis hinauf gegen Strumnitza. Hier, in dem weißen Städtchen mit den roten Dächern, suchen die Flüchtenden Asyl, Frauen, Kinder und Greise mit kleinen Handkarren oder Eseln und man scheut sich, diesen jetzt heimatlos und besitzlos gewordenen Menschen ins Äuge zu schauen, denn auf allen Mienen liegt der gleiche Ausdruck dumpfer, trostloser Verzweiflung, von der der Fremde weiß, er kann sie nicht lindern . . . dem Baukontv verrechnet, wie cs nach Ansicht des Vorsitzenden wohl richtig gewesen wäre, sondern auf das Geschäsiskonto. 1 Bauunternehmer Martin Abermann bekundet, er wisse bestimmt, daß Joseph Herz seinerzeit den Ortsgerichtsmann Troß itt sein Haus bestellt habe. Ter Zeuge, der'den Bau für Borugässer auSsühren sollte, nxtr bei den Abmachungen, die dieser mit Herz getroffen hat, teilweise zugegen. Herz hat dabei versprochen, das Daugeld zu igdben. Es war auch abgemacht, daß der Rest für den Bauplatz bis zur Regelung der 2. Hypothek stehen bleiben solle. Nachher sei aber die Bauschuld mit Wech'eln bezahlt worden. Abermann I>ot den Eckbauplatz von Herz erworben, der etwa r/z so groß, ist, als der Platz, den Borngässer erwarb, und dasüc 5000 Mark zahlte. Daraus nimmt der Staatsanwalt Dr. Brill das Wort zur Begründung der Anklage. Leopold Borngässer, so führt er aus, habe sich in Rodheim als kleiner, solider .Händler anj, ständig ernährt: die Bevölkerung habe dem fleißigen und sparsamen Rdanne Vertrauen cntgegcngebracht, und er konnte jährlich einige Tausend Mark zurücklegen, so daß man sagen muß, Borngässer kam langsam voran. Auf die Tauer genügte ihm aber das kleine solide Geschäft nicht, er wollte Großkaufmann werden, und selbst an id>er Börse einlaufen. Darum zog er freiwillig, nicht etwa von Herz veranlaßt, nach Gießen, und wollte hier eine Hof reite kaufen. Der Angeklagte stellt cs als sein Verhängnis hin, daß er mit Herz zusammengckommen ist, daß dieser ihm den teuren Bauplatz verkauft hat. Es ist sicher, daß die Firma Herz sich den Platz recht gut befahlen ließ, und an Borv gässer zu verdienen verstanden hat. Es ist auch zuzugestefau, daß die Firma Herz in der Affäre Geller unzulässig gehandelt unh Borngässer zu was bestimmt hat, was diesem heute als Betrug zur Last fällt, cs sei auch Äuzügestehcn, daß die Tätigkeit der Firma Herz nicht einwandfrei gewesen ist, aber es geht nicht an, dieser .Firma die ganze Schuld aufzubürden, die Borngässer auf sich geladen hat. Wenn der Angcllagte zu Grunde ging, so lag dies daran, daß er im Jahre 1911 ohne Mittel den kostspieligere Ban hm stellen ließ: dazu kam in jenem Jahre die schlechte .geschäftliche Lage. Diese Umstände haben Borngässer auf die schiefe Ebene gebracht. Wenn der Angeklagte damit begonnen hat, sich von den Leuten Blankowechsel geben zu lassen, und diese mit höheren Beträgen austzufüllen, als ihm die Akzeptanten schuldig waren, ist nicht festzustellcn. Es ist aber schließlich in einem solchen Umfange geschehen, daß eine große Anzahl von Existenzen im Hinterland an den Rand des Ruins geführt wurden, als die Finna Borngässer zusammcnbrach. Die Art, wie er sein verbrecherisches Vorhaben ausgcführt hat, wie er die Leute zur Vergabe einer Unterschrift auf ein Wechselformular veranlaßt hat, ist bczeiclmend. Abends spät, kürz vor Mgang des letzten Zuges ist Leopold Borngässer zu den Opfern seines Schwindels gekommen: er hatte Eile, ober er gebrauchte die Ausrede, er habe die Wechsel versclwieben, oder sie seien beschmutzt worden. Damit erreichte er, daß die Leute neue Wechsel annahmen., deren Beträge er dann nach Belieben ausfüllte. In einzelnen Fällen gingen die ausgeßüllten Beträge weit über die Zahlungsmöglichkeit der Bezogenen hinaus. Dr. Brill bespricht im einzelnen die 10 Wechselfälschungen, die unter Anklage stehen, und die Fälle, in denen einfache Betrugsfälle vorliegen. Es handelt sich in all den Fällen teilweise um bedeutende Beträge, durch die sich der Angellagtc Leopold Borngässer zum Nachteil anderer Leute mit einem gewissen Raffinement bereichert bat. Hierzu kommt noch das Vergehen wegen einfachen Banker otts. Nathan Borngässer sei schuldig, in drei Fällen seinen Bruder Leopold wissentlich Hilfe geleistet zu haben: ebenso sei er des einfachen Kvnkursvergehens schuldig. Verantwortlich für den politischen Teil I. V.: R. Lange. Der Staatsanwalt wendet sich daim zur Strafzumessung, und weist darauf hin, daß auf Urkundenfälschung Zuchthausstrafe siehe, ivenn dem Angeklagten nicht mildernde Umstände zuzubilligen seien. Der Angeklagte Leopold Borngässer habe dem ganzen Hinterlankw eine große wirtschaftliche Schädigung zugefügt. Eine Reihe von Eristcnzen seien ruiniert und zahlreiche andere Personen dadurch in Mitleidenschaft gezogen, und dafür habe der 'Angeklagte die vrdcnllicfa Strafe, die das Gesetz ausspricht, voll und ganz verdient. Ein einziger Milderungsgrund liege wohl vor, er sei immer strebsam und fleißig gewesen, aber dies wiege die Schwere der Taten, die er begangen, nicht auf. Ohne Skrupel hat der Angeklagte die Wechsel gefälscht, davon zwei mit, nicht gewöhnlichem Raffinement. Der Grund der Handlungsweise des Angeklagten war das Bestreben, sich unter allen Umständen über Wasser zu falten. Man kann ja zu dem Ergebnis kommen, daß bei den Fälschungen sowohl, wie bei den Betrugsfällcn^in gewissem Sinne je eine einheitliche Begangenschaft vorliegt. Dies zu ermessen, überläßt der Vertreter der Anllage dem Gerichtshof, und beantragt gegen L e op v l d Bv r ng ä s s er eine Gesamlzuchl- hausstr a s e von 6 Jahren und Ehrverlust auf die Dauer von 5 Jahren. Gegen Nathan Borngässer, für den zweifelsohne mildernde Umstände vorliegen, sei auf 3 Monate Gefängnis und wegen des Konkursvergehens auf eine angemessene Geldstrafe zu erkennen. Der Verteidiger des Leopold Borngässer, Rechtsanwalt K a u f in a n n, erklärt zunächst, daß sein Klient selbst zugestehe, sich strasbar gemacht zu haben, und er wäre der letzte, der dies bestreite. Mer er müsse sagen, neben dem Angeklagten gehörten auch noch andere Leute auf die Anklagebank, die den Mann dazu gebracht fabelt, zu den Fälschungen und Betrügereien seine Zuflucht zu nehmen. Bis zu dem Augenblicke, wo Leopold Borngässer mit Herz sich eingelassen habe, Ivar er ein ehrlicher Geschäftsmann. Dieser erblickte in ihm den Mann, dem er seinen Bauplatz mit den Ruinen des Bill darauf zu hohem Preis verkaufen konnte. Herz Vater und Svhn wollten 'als Zeugen nicht wissen, daß sie an Borrrgässer, ehe sie den Kaufvertrag wegen des Bauplatzes abgeschlossen hätten, Baugelder ?.it 5’.- Prozent Zinsen vcrzuschießcn versprochen hatten. Als die Zahlungen für den Bau fällig wurden, veranlaßte 'Herz jr. den nun einmal dreinste lenden Borngässer, Wechsel an den Unter» mchmcr Abermann zu geben, die das Bankhaus Herz'mit 11 Pröz. Zinsen diskontierte. Es war dies allerdings sür Herrn 'Herz ein lohnenderes Gcschäst, als wenn er dem Bauherrn die zu 51/2 Prozent versprochenen Batmelder gegeben falle. Vater und Sohn, beide Inhaber des Bankgeschäfts Herz, haben sich übereinstimmend als Zeugen darauf bezogen und eine Rechnung aufgemacht, wonach eigentlich Bvrngäsfir noch ein Geschäft gemacht habe. Die sonst -guten Rechner haben aber bei dieser Bereckmung sogar die Zinsen, die sic für die Stundung des Restkaufgeldes auf den Bauplan bekommen haben, vergessen mit in Ansatz zu bringen. Tatsächlich stimmt diese Rechnung der beiden Herz nicht, denn das Haus hat mit dctm Platz rund 95 000 Mark erfordert. Pttlßtc dock) Borngässer, um von der Rodheimer Straße 'einen Zugang zu seinem Anwesen zu bekommen, von der Stadt Gelände erwerben, wofür er rund 1000 Mark auszuwenden hatte. Selbst dasür, daß Joseph Herz bei der Stabt.für den Erwerber seines Grundstücks Bürgschaft für die Straßenkosteu bei der Stadt Gießen leistete, hat er sich Provision von Borngässer bezahlen lassen, der im übrigen an die Herzsche Dank, wie man vorn Konkursverwalter weiß, int Jahre 1911/1912 jährlich 8.500 Mark Zinsen und Provision bezahlt h.ir. Wie diese Parteien hiernach zueinander stand en, geht doch aus diesen Tatsacfan klar hervor. Der Verteidiger fommt dann auf die beiden Kontos zu sprechen: Tie Firma L. Borngässer, deren handelsgerichtlich eingetragene Inhaber beide Brüder waren, hatte ein Konto, und Leopold Borngässer, der mit seiner Ehefrau gemeinsam den Bauplatz erworben und privatim für seine alleinige Rechnaug baute hatte bei der Herzbank ein getrenntes Haus-Konto. Hierauf hätte man den Betrag, den die Landeshypothekenbank gezahlt hat, gutbringen müffen. Aber man wollte sich, nachdem man dem Manne den Bauplatz aufgehalst, nacktem man die versprochenen Baugelder zu 5% Prozent nicht gegeben, endlich aus der Affäre ziehen. Man kürzte dem Manne den geschäftlichen Kredit, auf den er angewiesen war. Borngässer konnte hiergegen nichts tun, weil ihn die Firma Herz vollständig im Sack hatte und nun kam er aus 'den unglücklichen Gedanken, sich Geld und Kredit zu verschaffen durch Fälschungen. Unb wie hat bie Firma Herz die Llbhüngigkeit des Borngässers ausgcnutzt. Sie hat chn veranlaßt, ihr die 4000 Mark von Geller zur Gutschrift zu über» Handel. Preußische Schatzaniveil ungen. Nach ber nun« mehr erfolgten Auflösung der für die im Monat Marz ausgegebenen 400 Millionen Alk. Preußischer Schatzanweisungen gebildeten lieber» nahmegruppe verbleibt den an dieser beteiligt Gewesenen noch ein Betrag von 163 Millionen Mark. Somit haben die ein’einen Banken je nach ihrer Größe 4 Millionen Mark bis 12 Millionen Mark Schatzanweisungen selbst zu übernehmen; dabei ist indessen zu berücksichtigen, daß eine Anzahl von Beteiligten von Unterbeteiligungen abgesehen hat. §. Kolonialgesellschaft Südwestafrika. Der Dor- ftanb dieser Gesellschaft wird in seiner demnächst stattfindenden Bilanzsitznng eine Dividende von 40 Proz. Vorschlägen: im Vorjahr betrug die Dividende 35 Proz. Aus der erhöhten Tiamanten- fordernng erzielte die Gesellschaft höhere Abgaben, die das Ergebnis günstig beeinflußten. 1909/10 erreichte die Dividende mit 64 Proz. ihren höchsten Stand. Arbeiterderoeauirg. Hamburg, 20. Juli. Bei der Ortsverwaltung des Deut- chen Mctallarfaitcrvcrbandes ging heute ein Schreiben der ^Lcrftbesitzcr ein, in dem die Forderungen der Arbeiter a b g c l e h n t 1 verben. Eine Versammlung ber Jtreifenben Kupfer- chmicbe kritisierte scharf bert Standpunkt des Deut f d)en M c - tallarbeiterverbandes, der den Streik bisher noch nicht anerkannt fabc und beschloß, daß die Arbeit unter keinen Umständen eher ausgenommen werden dürfe, bis die Arbei.- geber weitere Zugeständnisse gemacht fallen. bis 21. , 2L von all den Maßnahmen, die ber moderne Mensch zur Gesund- erhaltimg seines Körpers vornehmen muß, die richtige Pflege der Zähne beinahe die wichtigste ist. Wenige ahnen, daß schadhafte Zähne nicht nur unser Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen, sondern — neue Untersuchungen haben das in überraschender Weise bewiesen — häufig den Ausgangspunkt mannigfachster Krankheiten bilden können, deren Ursache oft rätselhaft blieb. Als richtig kann eine Zahnpflege nur bezeichiiet werden, wenn die zahnzerstörenden Gährungs- und Fäulniserreger, die sich im Munde täglich neu bilden, auch täglich unschädlich gemacht werden. Tas ist nur zu erreichen durch den täglichen Gebrauch eines antiseptischen Zahnpflegemittels. Die Wirkungsweise des Odols ist eine ganz eigenartige. Während andere Mund- und Zahnreinigungsmittel, soweit sie sür die tägliche Zahnpflege überhaupt in Betracht kommen, lediglich während der wenigen Sekunden der Mundreinigung ihre Wirkung aus- üben, wirkt das Odol noch stundenlang, nachdem man sich die Zähne geputzt hat, nach. Diese einzigartige Dauerwirkung ist aller Wahrscheinlichkeit nach darauf zurückzuführen, daß sich das Odol beim Mundspülen förmlich ht die Zahne und die Mundschleimhäute einsangt, diese gewissermaßen imprägniert unb so gleichsam einen antiseptischen Vorrat hinterläßt, der noch stundenlang den zahn- „ erstörenden Fäulnis- und Gärungsprozeffen entgegenwirkt. [C”/T Höchste Temperatur am Niedrigste , , Niederschlag: 0,1 mm. 20. 20. * Was er genießt. Leutnant: „Was genießt,der brave Soldat im Frieden?" — Rekrut: „Brot, Fleisch, Kartoffeln . . — Leutnant: „Das wohl, was aber außerdem?" — Rekrut: „Suppe, Brei ..." — Leutnant: „Schafskopp — er genießt die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und die Achtung der Zivilpersonen!" * Vergeltung. „Aber so fahren Sic doch schneller, ich versäume ja den Zug!" - „Geht nct, erst vorige Woche bin i um zwanzig Mark'l g'straft wor'n weg'n Schnellfahren, von Ihne, Herr Amtsrichter." weisen. Und in welcher Weise ist dies geschehen? Herz hat sich diese Ucbcvtociiung verschafft für erst noch cinzugehenbcs Geld, obschon er mußte und wissen mußte, daß der Bellag längst ein gegangen war, er hat auch den Geller, wie dieser behauptet, hinter» Licht geführt. Erst als er die Anweisung von Borngässer in Händen hatte, daß er den Betrag auf seine offene Buchschulb gutschreiben durfte, hat Herz den Eingang des Gelbes und dessen Gutschrift für Rechnung Borngässer angezeigt. Weiter hat Herz cs verstanden, zu seinen Gunsten die Lage Borngässers auszunutzen. Die Deckung, die ihm Borngässer für Wechsel gegeben hatte, die er für dessen Reclmung eingelöst hat, nickt etwa dafür verwendete, sondern ein fort) zur Gutschrift gebracht und dann den Gerichtsvollzieher veranlaßte, die schon gedeckten Wechsel im Namen und Auftrag der Rcichsbank zu protestieren. Alle diese Tatsachen bilden dock; eine Reihe von Umständen, die sehr zu Gunsten des Angeklagten Leopold Borngässer sprechen, die bartun, daß ber Mann unfrei war als Geschäftsmann unb — rein menschlich betrachtet — keine Freude mehr haben konnte, an einer Tätigkeit, die ihm unb seiner Fckmili keinen Gewinn mehr brachte, weil durch eine Verkettung von Umständen dieser Gewinn in andere Taschen floß Der Verteidiger geht bann bie einzelnen unter Anllage stehenden Straftaten durch und, hebt in. jedem einzelnen Falle, in dem Borngässer beftreitet, sich strafbar gemacht zu haben, die Zweifel hervor, die gegen dessen Schuld sprechen. Der Mann verdiene Strafe, aber es würde eine zu harte Sühne sein, wollte man ihn ins Zuchthaus schielen. Es genüge ür das, was sein Klient gefehlt habe, eine entsprcchcicke Ge- ängnissllafe, cs seien, wie der Fall liege, so viel Gründe gc- icbcn, daß es dein Gerichtshof möglich sein wird, dem Angeklagten Leopold Borngäsier mildernde Umstände zuzu- biliigen, wohin er seinen Antrag richtet. Rechtsanwalt Dr. Leopold Katz, der Vcrterdrger des Nathan Borngässer, plaidicrt für diesen in längerer Rck>e auf Freisprechung. Wegen des Konkursvergehcns bittet tr, auf eine geringe Geldstrafe zu erkennen. _ Der Vorsitzende, Landgcrichtsdircktor P r ä t 0 r 1 u s, verkündet, daß das Urteil in ber Sache am Freitag vormittag um 8 Uhr gesprochen wirb. fehlen bie Türen, die Fenster siub verkohlt ober zerschlagen, unb jedes einzelne Haus gewährt einen unheimlichen, abschreckendes Eindruck mit seinen leeren, schwarzen Oeffnungen. Hin und wieder sieht man dann auf Straßen und Feldern Frauen, Kinder und Bauern, die umhcrirren und die Stätte i'ucfan, die einst ihr Heim war. Der Anblick dieser Leute ist erschütternd, sie irren über bie Felber unb völlig ratlos beginnen sie schließlich mechanisch irgenb etwas zu tun, nüifan Gras für Haustiere, bie nicht mehr b'a sinb ober sie slefan vor leer gebrannten Häusern und schweigen." Sein Wcg führt Saroo bann über das verlassene Schachtsekd von Kilkitsch: eine einzige weile Ställe des Grauens. Nock) sieht man zwischen Feldern unb Wiesen bie schwarzen Slrcisen aufgeworfener Erbhügel: bie Schützengräben unb Verschanzungen. Jrn weilen Umkreise ist bie Erbe zerfetzt und von Granaten ausgeriffen, die Geschosse hoben .Hügel getürmt und Gruben gegraben, wie erloschene Krater anzuschauen. Und über all dem ein wirres, buntes Chaos von unzähligen Gegenständen, vermischtes. * Die geheimnisvolle Automobilcntfüh- rung. Die geheimnisvolle Entführung eines Automobils bildete in den festen. Tagen in der bayerischen Hauptstadt das Tagesgespräch. In einer Polizeinotiz hieß cs, daß ein Automobil, Fabrikat MieW, Nr. 3076, abhanden gekommen sei. Das Automobil sei, so hieß es weiter, grün! lackiert, habe grüne Lederpolster, Sportcarofferie, Sechssitzer, graues, amerikanisches Verdeck, voMändige Ausrüstung, zwei Scheinwerfer und zwei elektrische Augen. Für die Herbeischaffnng des Kraftwagens war eine hohe Belohnung zugesichert worden. Man munkelte, durch die Fasstmg tiefer Polizeinotiz verführt, bereits davon, daß es sich um die gleichzeitige Entfichrung einer hochgestellten Persönlichkeit handelte, bis die Pottzei sich selbst veranlaßt sieht, festzustellen, daß es sich um das Automobil eines hiesigen Hoteliers handelt, dessen Schwiegersohn damit durchgebrannt ist. Dieser hatte vor Jahren, als er noch^ hingen des.Völkerrechts gewesen ist. R. Laroo, der auf den Kriegsschauplatz entsandte Korrespondent des (Sortiere della Sera, hat jetzt eine Fahrt durch_das verwüstete Mazedonien unternommen, ist von Saloniki übet Doi- ran bis nach Strumnitza, dcni fauligen griechischen Haupchuat- ticr geeilt: und überall auf dem Wege empfingen ihn die furcht-- baren Spuren von Gewalttätigkeiten, von Feuer, Tod und Vernichtung. Das beginnt schon kurz nach Saloniki: unb je weiter man in bas schwer heimgesuchte Lanb rorbringt, umso entsetzlicher wirb bie Sprache ber Tatsachen. Die meisten Hauser sinb zerstört, wo nicht bie Geschütze ihr Betnickktungswerk vollenbcteTl, walteten bie Flammen unb nur bie rauchgeschwärzten lieberrefte von Mauern erzählen noch bavon, baß hier einst bie Heimstätten friedlicher Mcnscfan waren. „Selbst die wenigen nicht zerstörten Häuser tragen die Spuren von der Vernichtungs- Flammen. Weile Risse gähnen in den Mauern, überall Türen, die Fenster sind verkohlt ober zerschlagen, unb von ZtMn, bie Misonwalt Lache geladen haste. MWen- mil ber Firma 'Lorngaster in 00 Mark jährlich mit ihr um- Borngässer zu tun gehabt, den )c gehalten hat. Samuel Roicu- Rosenbaum, hat die gleiche An- n einen Vertrauenslredit gegeben, Mark betragen hat. Tie Firma hll, auch ab und zu baar, seltener :n wurde auch wohl einer her cs &efd)äftä imt Leopold Stern* ifmaitn, ja sogar cm beschränkter ihm, Mach Strauß, Don ber rach einmal int Just 191‘- die BeihMfc nicht bc?Tt nraunM könne-, dnM Sen ri mahne M großen orngäiser übet diese Berhütmls- daß das stemdc Geld dock viel bauen. Wnbaum hak stch so gezogen, verliert aber doch noch gemeldet hat. hin feil’- hock W WM 11 Vetter- 1 6t btt 6«'" »IWÄ, groB« s“; ihm auch e,inv,(f= .»it einer 6 «liejM Saufmann giaiit MaÄ,ritet« te? «13 STa; **• ld-' M-m-r t fei. 6I(J burÄ W”. 5 " ä. sSt an 01 ... .jj benier hväsc an SMS Ms»' vüchertisch. — Griebens Rci^cführcr, Bd. 67: „Tirol und Vorarlberg", 28. Auflage. Mil 12 Karten. (Mk. 3.—.) Verlag Albert Goloschmidt, Berlin W. 35. Das Wertvollste eines Rcisc« buches ist seine Verläßlichkeit und Aktualität. Beides trifft bei ber Neuauflage beS soeben erschienenen Führers burch Tirol biescr bewährten Sammlung zu. Der Banb enthält wieder alles Wissenswerlc und Nötige in Bezug auf Verkehrs- und Unter- kiinftsverhältnissc, die bis auf den Stand der jüngsten Gegenwart genauestens Berücksichtigung gefunden haben. Auch die bet Touristik gcwibmeten Kapitel siub sorgfältig revibicrl unb ergänzt worben. Neu behanbelt würbe bie kürzlich in ihrer ganzen Länge bcm Betrieb übergebene Karwenbelbahn (Mittenwald- Sck)arnitz-Seefeld-Jnnsbruck), bie ein neues bebeulendeS Touristen- gebiet erschließt. Nebst bcm Text würben bie reichlichen kartographischen Beilagen um eine Karle über das Gebiet der »ar- ivendelbahn vermehrt, so daß dieser gediegene, und dabei billige Führer durch Tirol als derzeit aktuellster Reisebegleiter bet bcm Besuch bes schönen österreichischen Mpcnvorlanbes bestens empfohlen werben kann. (5crid)tsfaaL Tolstois Werke vor bcm Richter. Moskau, 20. Juli. Der Gerichtshof orbnctc on, tue ersten frei Bünbe der Werke Leo Tolltois, Verlag Gorbunow, in benen seine llebersetzung ber vier Evangelien und die baran getniipften Erörterungen abgebruckt sinb, zu vernichten. Eine Lahrt durch dar verwüstete Mazedonien. Die kriegsührcnben Balkanftaatcn überbieten sich gegenseitig in telegraphischen Meldungen, in denen sie einvndcr ber furchtbarsten Grcueltaten bezichtigen. Wie parteiisch biese Nachrichten auch zugespitzt sein mögen, unziveiselfaft an ihnen i)t leib er bie Tatsache, baß das unglückliche, seit Jahrzehnten von Mord, Gewalttat unb Banbcnkriegen so schwer heimgcsuchlc ma^boni)che Lanb in den letzten Tagen der Schauplatz grauenvoller Ausfchrn- V- das &V0.n hcr Ä5 a. b ® t 1 unb ^knnbet, mi, JMeÄ cr> ft Äank ■öornqa[|>r etlM bttüÄ '?*' *(6 « Seit «n feinen & 6,11,1 «r Vtolongiert nSt8Än' Mark aus Ammte kk ®c|[et c dem Leotmlb R 'ankhaus L bei Q9t Sulcfet noch gegen Äen aus 9Imprirn a- 9en 6nbe ? Ä KW . B ’u. uberla»cn, unb 'er '.Geld einfach dem Borngässer als Empsangsberechtigter r, VAE steht sich heraus, Anweisung bc- Oktober dem Bankhaus- ich Eingang seinem Konto hat sich, herausgestellt, hast 'a- tür dessen Einholung die 11 50 Mark rechnete, schon en war, während der Betrag Borngäsier gutgcbracht wurde, Mr 2 Vochen dcm Bank- 1 sieht auch fcji, daß der am >ene Betrag dem Geller sowohl >rr noch als ausstehend bc- ■ Unterfertigter C.C. erfüllt hiermit die tramige Pffidit. «ine lieben E. M. E. M.. A. H. A. H. und L a. L B. >- a. 1. B. von dem m iNeu Kamerun erfolgten Ableben seines lieben A. H. Dr.med.et phil. Reinhard Houy Suevia-München (XX) aktiv 04 Kaiserlicher Regiernngsarzt bei der deutsch-französischen Grenzregulierungs-Koinniission D“/? geziemend in Kenntnis zu setzen. -- Der C.C. der Hassia, la. viekenbach Qßw/ Todes-Anzeige. Heute vormittag 6 Uhr entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden unsere unvergessliche, liebe, treusorgende Frau, Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Franziska Bergmann. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: G. Bergmann, Oberbahnassistent. Giessen (Bückingstr. 5), 21. Juli 19 1 3 . 05830 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. V22A Der Vorstand. Evangelischer Arbeiter Verein Am Sonntag starb nach langem Leiden unser langjähriges Mitglied Herr Peter Erle. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung, Mittwoch, 23. Juli, nachmittags 3 Uhr, aus dem neuen Friedhof. Gestern nachmittag verschied mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater und Schwager Herr Wilhelm Heinz im 45. Lebensjahre. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Susann« Heinz. Gießen (Riegelpfad 32), den 22. Juli 1913. Die Beerdigung ist am Mittwoch nachmittag um 31/, Uhr auf dem neuen Friedhof. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher ■ Teilnahme anläßlich des Ablebens unserer B mnigstgeliebten, unvergeßlichen Mutter B SS sagt tiefgefühlten Dank Familie A. Fröhlich M H 4781 Nord-Anlage 31. ■■■■■■■ Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an Leopold Blum und Frau Jenny geb. Löwenstein owei 4 Zimmer Vernietungen 5 Zimmer Scneril-ÄrttttW für die Kreise SitBtK-etottti. ist iu vergeben. Es bandelt sich um einen Artikel von grösster volkswirtschaftlicher Bedeutung, der nach Aussagen erster Sachverständiger in seiner Wirkung unerreicht datteht, einem unbedingten Bedürfnis entspricht und bobe Berdienstchaneen bietet. Tao Unternehmen hat in kurzer Zeit über .Hk. 400000.— ivielend umgesetzt was die Abfatzfähigkeit gewährleistet Glänzende Gutachten der Behörden und der leitenden Crganc der Presse. Zur llcbcrnabmc der Vertretung für dort find nur Mk. 2500.— erforderlich zur Deckung des zur Verfügung gehaltenen Lagers. Nur ernstliche Reflektanten wollen sich unter F. 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Jede Sclratten auch übei : der Friede nicht s I Bulgarien noch ein . wird eine solche ab ■ dritte Komputation: diese ist vielleicht b : schiert, hat längst d Grenze überschmten mcht mehr weit vor sernt. Enver Bey ui 1 dicht vor den Toren 1 Darüber hinaus in j grenze schwärmen. Ilel ungen der Grohn | ^Uer Ironie gcan die Minister und die tuillfchen MinifT Kdmm sich 'tz bden i^ren safje Lurch Wortwechsel mj ktäTüV'u ,»oÄ3'^ 'ne«, wie ilt bii™ ■S rj heb‘9tc" et«ti «0) |0 bequem viel > L^o^ragen Ä slchdre Großmächte "ns?as b(ghe2e^ei °us der TnL- S- ?» rechnen^N^H »«nbe'S »n - I f bcstimm-m 7°^uck Egung cinp. "nd im ismshitze den '^Mes ? ' der für s Mracht den sj 1 ,llt' «ife «J .U I I S°°L°7/n °"i «WML MUM Mndeln ' ?ärf» 7 I.^sFä - -»fc t