Nr. M Erscheint tazttch mit Ausnahme deS Sonntags. stein mit so hohen von ihm ist nichts a*1/« onummern. ssel au/. nao jöODOO stleris^. vom lieber liegt daß nicht tisch. n noch l,is nents- .. Recher Abg. Graf Westarp (Kons.): Ich bitte um das Wort zur Geschäftsordnung. (Große Unruhe bei den Soz. — Zurufe: Der Abg. Dr. Frank hat bereits das Wort.) auch Antisemit.) Ich bedauere, das; bei Sjcrrit £>cinc mit zunehmendem Alter die Vernunft seiner Jugend Qbgcnommcn hat. Große Heiterkeit rechts.) Aber schließlich ist Verstand immer nur bei wenigen gewesen. (Große Heiterkeit rechts.) Es ist gesagt worden, die Juden würden, wenn sie nicht berücksichtigt werden, nicht geneigt sein, den Wehrbeitrag zu zahlen. Nun, ich glaube, wenn es sich darum handelt, die Juden plus Vermögen los zu werden, dann wurde das deutsche Volk sehr gern auf den Wehrbeitrag verzichten. Wir lehnen also jüdische Offiziere ab, erst recht, wenn sie getauft sind. Man soll dock, wie schon einmal hier vorgeschlagen wurde, rein jüdische Regimenter bilden, ein Regiment mit Juden als Offizieren, Junker», Unteroffizieren und Mannschaften. Tann, wenn ich das erste jüdische schwere Reiterregiment wie die Pappenheimer über die Felder stampfen sehe, dann werde ich dabei stehen rrnd aus vollem Herzen singen: Tas ist Bernsteins wilde, verwegene Jagd! t Große Heiterkeit recksts.) Abg. Schöpslin (Soz.): Von einer antisemitischen Bewegung können wlr kaum mehr sprechen, da diese Bewegung in so jämmerlicher Weise z u so m m e n g e k r a ch t ist, daß sie heute kaum mehr existiert. Diese ganze antisemilische Bewegung war von der ersten Stunde, wo sie aufkam, bis zu dem kläglichen Ueberreft Dr. Werner-Gießen (Große Heiterkeit!) nichts weiter als eine fort, gesetzte Schändung der Kultur und der Reinlich, seit. (Lebhafte Zustimmung links.) Man braucht sich nur die edle Reihe anzusehen von Herrn Ahlwart bis hinunter zu der jüngsten Blüte, um zu wissen, waö diese Bewegung wert ist. Ich nehme das Wort Antisemitismus in anständiger Gesellschaft nur zwangsweise in den Mund. (Sehr gut! links.) Herr Dr. Werner möchte im Interesse der Rassenreinheit nicht, daß eine Vermischung mit den Juden erfolgt. Wenn Herr Dr. Wenier-Gießen wirklich derTypbc S G ermuntn ist, dann glaube ich, daß die Rassen. Vermischung für das Germanentum außerordentlich vorteilhaft wäre (Gr. Heiterkeit und Sehr put! links.) Wenn Herr Dr. Werner der Vertreter des Germanentums ist — dann Germania verhülle beschämt dein Haupt! Und wenn weiter jemand wie Herr Dr. Werner-Gießen darauf Anspruch macht, ein Vertreter des Christentums zu sein, dann läßt es sich parlamentarisch nicht bezeichnen, wenn er so auftritt wie Dr. Werner. Weiß der Herr nicht, daß die ersten Christen Juden waren und daß sie alle Opfer der Unterdrückung ertragen haben, um dem Christentum«: zum Siege zu verhelfen? Ich will das Verhalten deS Herrn Dr. Werner nicht mit dem richtigen Aus. druck bezeichnen, weil er mir nicht wert ist, einen Ordnungsruf seinetwegen z u erhalten. Vizepräsident Tove: Ich habe den Redner bisher nicht unter, brachen, weil er nur auf die Ausführungen des Vorredners antwortet. Aber es wäre doch angebracht, wenn die Debatte zur Wehrvorlage zurückkehren würde. (Sehr wahr! und Heiterkeit.) Abg. Schöpslin (Soz.) fortfahrend: Wir verlangen, daß mit dem jetzigen System der Bevor, zugung und der Protektion gebrochen wird. Selbst die ge» mäßigten Fortschrittler laufen ja jetzt schon Gefahr, wegen ihrer politischen Gesinnung nicht mehr zu Offizieren be* fördert zu werden. Nun hat Gen. cal von Wandel behauptet, daß bei den Avancements nur nach Gerechtigkeit und frei von jeder Protektion vorgegangen werde. Wir haben nach der gestri- gen Erklärung des General von Wandel allen Grund, feine Be- Häuptlingen mit Vorsicht aufzunehmen. General von Wandel sagte gestern, daß der Deutsche Gastwirteverband mit mehr als 1OOOOO Mitgliedern sich für den Boykott ausgesprochen habe. Dem. gegenüber ist uns ein Telegramm zugegangen, worin gegen diese Behauptung des Generals von Wandel auf das energischste protestiert wird. Der allergrößte Teil aller Mitglieder der Gastwirtekorporation, heißt e5 darin, ist gezwungen, um existieren zu können, allen politischen Richtungen seine Räume zur Verfügung zu stellen und ist ganz besonders auf die Kund» schäft der großen Mengen der Arbeiterbevölkerung angewiesen. Wir bitten daher, wenn irgend möglich, diese ErÜärung heute dem Reichstag vor der Abstimmung zur Kenntnis zu bringen. Unterzeichnet: Verband der Gast- unb Schankwirte für Berlin und Brandenburg, Gastwirteinnung zu Berlin usw. (Zuruf: DaS ist wohl das Telegramm des Dr. Franke?) Jawohl, meine Herren, das ist allerdings das Telegramm. Sie sehen, zum Ziele kommen wir so oder so. (Heiterkeit.) Generalseutnant b. Wandel: Ich habe von meiner gestrigen Erklärung nicht ein Wort zurückzunehmen. Ich habe ein Schreiben des Reichsver- Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straßc 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Gegenteil, wir halten solche Verbote für durchaus berechtigt, aber nur so lange die Versammlung dauert. (Stürmische Unter- brechung der Soz.: Na also, das sagen wir ja auch!) Hören Sie nur weiter. Wenn dagegen ein Gastwirt nur der sozialdemokratischen Partei (Zuruf bei Soz.: Das gibt's ja gar nicht!) bezicl'ungsweise seinen Anhängern sein Lokal freihält und sich vielleicht selbst noch zu der Sache bekennt, so halten wir das Militärverbot ebenfalls für berechtigt. (Hört! Hört! rechts, Lachen b. d. Soz.) Das ist das aktenmätzig vorliegende Schreiben. Ich habe dem nichts hnizuzufügen. Die „Gießener Zamlllendlätter" werden dem .Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Tiv „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. innen Fcldzugsbriefen als die wahren Schlachtenräuber bejeirfmet, otc den Ruhm des Heeres vernichte». Auch die Desertionen jüdi- idicr «oldsten sind ganz unverhältnismäßig groß. Seine inneren Eigenschaften und auch sein Aeußeres machen den jüdischen Stamm für den Heeresdienst ungeeignet. Ein Truppenteil wird durch sic geradezu demoralisiert. Als Prinz Heinrich nach China ging, wieviel Juden haben sich da gemeldet? Taß ein Jude in Tüdwest- afrila gefallen sein soll, bedeutet nur, daß es hier mal einen weißen thaben gegeben hat. Diese jüdischen Heldentaten sind int ganzen masts als Fabeln. Zum Offizier gehört nicht nur die persönliche Eignuug, sondern auch noch etwas anderes. Der bayrische Knlkus- mintfter von Wehner hat auf eine Anfrage wegen der jüdifcheir Mittelschullehrer geantwortet, man habe mit ihnen nicht viel günstige Erfahrungen gemacht. Das gleiche zeigt sich auch im Heeresdienst^ Tas Berliner Tageblatt hat sich darüber lustig gemacht, daß die Soldaten stramm stellen müssen. Ja, wenn ntan Jude ist, wie kann man denken und reden, wenn man die Hände an der Hosennaht hat! t bem Reichskanzler bekannt, baß bie K ö n i g I i ch Preußische Bcrgwcrksbirektion Zabrze bic sem Beschluss^ entsprechenb handelt? Was gedenkt der Reichs- wnzler zum schütz ber einheimischen Arbeiter gegen diese, ber Reichsgewcrbcorbnung wiberstteitige Maßnahme zu tun? Ministerpräsibent Tr. Caspar: Eine Aussperrung von brei Monaten ft in Oberschlcsien nicht verhängt worben. Später wurde eine Aussperrung ausgesprochen, der sich auch bic Bcrg- werksdirektion Zabrze angeschlosseii hat. Sobald ber Hanbcls- nnnistcr davon Stcnntnid erlangt hat, hat er bas Erforberliche veranlaßt, um die Aussperrung aufzuheben. Sie hat übrigens nur zwei Wochen gebauert. Der Reichskanzler hat also ke:»e Veranlassung, sich weiter mit ber Angelegenheit zu be- fajscn, Bie zweite Lesung dec Myroorlage. (Achter Tag.) Präsident Tr. Kacmpf: Vor Eintritt in bie Tagesordnung will der Ab geordnete Dr. Frank ein Telegramm verlesen, bas sich auf bie gestrige Boykottfrage bezieht. Ich erteile bas Wort bem Abg. Dr. Frank. Istücke Gardinen erster Auswahl yebt 0 0 0 Abg. Erzberger (Zentr.): Her Abg. Werner-Gießen sprach hier von Der nationalen Pflicht, die Wehrvorlage zu bewilligen. Gewiß, wir haben die nationale Pflicht, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß d i c Vorlage bis zum 1. Juli verabschiedet werden iann. Wenn dieses Werk aber in den wenigen Tagen, die un3 noch bleiben, vollendet werden soll, dann ist es nicht angebracht, hier so deplacierte antisemitische Reden loszulassen (Lebh. Zustimmung im Zentrum und links.) Die- jenigen Herren, die den Antrag auf völlige Gleichberechtigung im Seer eingcbracht haben, sind mit keinem Wort irgendwie den Anhängern einer christlichen Konfession zu nahe getreten. Daher Ijat auch kein Angehöriger einer christlichen Konfession einen Anlaß, die andere Glaubensgemeinschaft anzugreifen. (Sehr richtig!! Wenn ich als Angehöriger der katholischen Konfession und wenn Sie, Herr Werner, als Angehöriger der evangelischen Kirche Nespekt und Achtung vor Ihrer religiösen Ueberzeugung verlangen, dann muß Sie daß schon abhalten, in dieser Weise die religiöse Ueberzeugung Andersgläubiger an- z u g r e i f e n. ILebh. Zustimmung.) Es mutz um eine Sache äußerst schlecht stehen, die mit solchen Mitteln verteidigt wird, wie sie hier der Abg. Dr. Werner angewandt hat. (Beifall.) Ich protestiere mit aller Entschiedenheit dagegen, wenn Herr Werner sagt, ich hätte manchmal antisemitische Aeuherungen getan. Das habe ich nie getan und daß werde ich nie tun, _toei! schon mein Geschmack mich daran hindert, jemand zu schmähen, der einer anderen religiösen Ueberzeugung zuneigt. (Beifall.) Ein wirklich religiöser Christ mutz auch den jüdischen Mitbürgern im deutschen Vaterlande dieselbe Achtung und denselben Respekt entgegenbringen, die er für seinen Glauben verlangt. Darin stimme ich allerdings Dr. Werner durchaus bei, daß scharf zu verurteilen sind diejenigen Juden, die wegen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorteile dem Glauben ihrer Väterohne innere Ueberzeugung entsagen. Diese Verurteilung gilt aber auch allen denen, die einem solchen Mann, der nur aus äußeren Gründen seine Religion verleugnet, die Tore öffnen, die ihm bisher verschloffen waren. (Zustiimnung.) Rach der deutschen Rcichsverfassung ist jeder Bürger gleichberechtigt, auch jeder Jude. Wenn Dr. Werner den Juden die Eignung zum Militär abspricht, so sollte er doch einen Antrag ei «bringen, wonach die Juden nicht militärpflichtig sind. Aber er wird selbst nicht den Mut zu einem solchen Antrag haben. (Sehr gut I) Ich bebaute, dah wir durch solche antisemitische Reden, die mit der Sache nichts zu tun haben, so lange aufgehalten werden. (Beifall.) Ein Wort der er« st en Mahnung muß ich an den K r i c g S m i n i st e r richten. Er weiß, daß er die 4000 Offiziere, die er fordert, in den nächsten Jahren nicht restlos erhalten kau«, selbst, wenn die Stellen bewilligt werden. Um die Besetzung der Stellen zu ermöglichen, sollte er endlich dem wiederholten Drängen des Reichstags Rechnung tragen und den u n ♦ sittlichen Due11zwang im Heere restlos befei- ti ge M Viele hundert katholische Familienväter führen ihre Söhne dem Offizierkorps nur deshalb nicht zu, weil dieser Duellzwang noch besteht, der ihrer religiösen Ueberzeugung widerspricht. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Namens meiner politischen Freunde kann ich erklären, wir sind bereit, die Stellen und alles, was notwendig ist, für das Vaterland zu bewilligen, wir bit- tenaber auch, daß allejeneSch ranken und Hemm- nisse, die jetzt tveite Kreise des katholischen Volkes vom Heere fernhalten, fallen, daß alle die alten Zöpfe einmal abgeschnitten werden, um freie Bahn auch den Katholiken im Heere zu schaffen. (Lebhafter Beifall im Zentr.) Abg. Bernstein (Soz.): Dem Kriegsminister gegenüber muß ich entschieden bestreiten, daß ich das Offizierkorps in seiner Gesamtheit angegriffen hätte. Solche generellen Angriffe liegen mir ganz fern. Wir halten an unferejn Antrag durchaus fest. - 5Tbg. Heine ° Dessau' (Soz.):1 Eß ist eine bekannte Tatsache, daß ich n l§ S t u venlk erNem tt tri i o n a I < n Studentenvereine angehört habe. Aber wie Sie (nach rechts) sich Ihre deutsch-nationale Zukunft vor- ftellen, habe weder ich, noch hat einer meiner Freunde sie sich gedacht. Ich habe noch heute ein starkes nationales Empfinden. Und gerade vcm diesem Standpunkte aus mutz ich die Zumutung, daß wir Deutsche nach dem Rezept des Herrn Dr. Werner behandeln sollen, als eine exorbitante Ungerechtigkeit, Unwahrhaftigkeit und Gesetzwidrigkeit ablehnen. Schon als Jurist würde ich mich eines solchen Verhaltens schäme«. Ich schäme mich aber auch als Deutscher über die Unwahrhaftigkeit, daß man sagt, ein Jude könne nicht Offizier werden. Es liegt nur daran, daß immer nur eine Kleinigkeit fehlt. (Stürmische anhaltende Heiterkeit.) Wo bleibt da die Disziplin und die Kommandogewalt und die Autorität des allerhöchsten Kriegsherrn? Die jetzigen Verhältnisse sind ei ne Verhöhnung des Gesetzes und eine Auflehnung gegen bie Disziplin, daß jeder auch noch so tüchtrge Jude abgelehnt werden Iann. Sie (nach rechts) können sich nicht brüsten mit der militärischen Ehrenhaftigkeit, solange diese Heuchelei in der Armee herrscht. Als ein national empfindender Deutscher (Lachen rechts) schäme ich mich einer derartigen Unwahrhaftigkeit. Auch ich habe einst mit Antisemiten verkehrt. Aber es hat nicht vier Wochen gedauert, dann hat mich das so gegrault, daß ich aus Reinlichkeitsgefühl heraus mich von her Geschichte ferngchalten habe. (Beifall und Heiterkeit bei den Soz.) Abg. Dr. Werner-Gießen (Wirtsch. Vgg.)? Mir fehlt das Lexikcm vom Dresdener Parteitage, um dem Dbg. Schöpflin zu antworten. Abg. Heine hat genau wie gestern sein Freund Bernstein uns lediglich einige Unliebenswürdigkeiten gesagt und int übrigen nichts bewiesen. Abg. Bernstein verlangt von der kaiserlichen Kommandogewalt einen Zwang auf das Offizierkorps, Elemente aufzunehmen, die die Offiziere nicht haben wollen. Das ist Ihre (zu den Soz.) Freiheit. (Lachen der Soz.) Es handelt sich hier gar nicht um die Gleichberechtigung der Konfessionen. Ich sprach vielmehr vom jüdischen Stamm, von >der jüdischen Rasse und von der jüdischen Nation. Abg. Erzberger hat sich a l s O b-e r z e n s o r a u f g e s p i e 11. Ich habe mich doch lediglich gegen die maßlosen Angriffe des Abg. Bernstein verteidigt. Die Angriffe des Abg. Erzberger waren deshalb völlig überflüssig. Wenn er cS ablehnt, mein Parteigenosse zu sein, so beruht das gewiß auf Gegenseitigkeit. Wenn übrigens alle Antisemiten meine Parteigenossen wären, so wäre unsere Fraktion die größte. Die Religion spielt hier keine Rolle. Abg. Erzberger weise mir doch erst nach, wo in der Verfassung steht, dah Juden Offiziere werden müssen. Abg. Waldstcin (Äp): Herr Dr. Werner fragt, wo es in der Verfassung stände, daß Juden Offiziere werden muffen. Er ist etwas schwerfällig in der Auslegung der Verfaffung. Das liegt eben in der Verfassung drin, daß niemand seiner Konfession wegen von irgendwelchen Aemtern ausgeschlossen werden darf. Ich stelle aber fest, daß gegenüber dem früheren Tatbestand, wo damals jüdische Männer Reserveoffiziere und aktive Offiziere wurden, eine veränderte Praxis Platz gegriffen hat. Wenn der Kriegsminister sagt, er sei zu diesen Punkten nicht in der Lage, die Verfaffung dnrchzusetzen, so steht er da nicht in Ucbereinstimmung mit den Gesetzen, und das mutz ich außerordentlich bedauern. Trotzdem werden wir den Antrag der Sozialdemokratie nicht unterstützen können, weil wir es für ganz unzulässig und geradezu gefährlich halten, eine selbstverständliche Bestimmung der Verfaffung noch einmal im Gesetz festzulegen. WaS soll das bedeuten? Glauben Sie, dah unsere Behörden die Verfaffung nicht beachten oder dah sie ein Gesetz bester beachten würde«! Dan« wären also die Sätze unserer Verfassung nut ganz allgemeine Redensarten, ■bie durch em besonderes Gesetz bekräftigt werden müßten, um die Behörden zii verpflichten, sie auch zu halten. Es geht nicht an, solche Bestimmungen in ein Gesetz hinein^ zuschreiben, um einen Anspruch zu begründen, der einfach aus der Verfassung entspringt. Man bringt dadurch alle anderen Satze der Verfaffung in den Verdacht, daß sie nun von den Behörden vernachlässigt werden können. Ich glaube, es entspricht dem Empfinden des Hauses, wenn ich die Rede des Dr. Werner ebenso wie die anderen Herren nicht einer befon- deren Erwiderung würdige. Alle, die überhaupt aus diese Rede cingegangen sind, haben sich mit Recht entschuldigt, wenn sie «3 getan 'tzschea. Das Hat der Abg., Erzberger iajif jener Seite getan, 5er Abg. Bernstein und die anderen Sozialdemokraten aus dieser Seite. Ich kann als Reichstagdabgeordneter nur bedauern, daß eine derartige Rede hier gehalten tverden konnte, es genügt aber, was von anderer Seite dieser seltsamen Rede ontgogen- gehalten wurde. (Beifall links.) In meiner Eigenschaft als deutscher Jude kann ich nur sagen: Herr Dr. Werner, halten Sie noch viele solcher Reden, und Sie werden das bischen Rest von Antisemitismus, das leider noch in Deutschland besteht, vollends totschlagen. (Beifall links.) Abg. Dr. Fran? (Soz.): Die Erklärungen des Generals v. Wandel beweisen durchaus nicht, daß auch nur einzelne Gastwirtsvereine den Militärbohkott billigen. Es gibt wohl keinen Gastwirt, der seine Säle ausschließlich den Sozialdemokraten zur Verfügung stellt. Damit schließt die Debatte. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. Verwendung des Heeres zrr polizeilichen Zwecken. Zum Artike Ig fordert ein sozialdemokratischer Antrag: Die Mannschaften dürfen nicht verwendet werden: 1. zu polizeilichen Zwecken im wirtschaftlichen ober politischen Kamps; 2. als Ersatz für streikende oder ausgespcrrte Arbeiter. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.)' begründet den Antrag. Er verweist auf Kaiser reden und Aeußc- rungen boher Offiziere, aus denen hervorgehe, daß das Heer als Waffe gegen die Sozialdemokratie betrachtet werde. Die Befugnis, Trappen gegen eine Volksbewegung oder einen Aus stand aufzubietcn, liegt bei den preußischen Verwaltungsbehörden, den einseitigsten und parteilichsten der Welt. Sie zum Patron der Gerechtigkeit und der Ordnung einzusehen, heißt den Fucks zum Patron des Hühnerstalles machen. Heute wird es als Veroienst des Kaisers gepriesen, daß er das Testament Friedrich Wilhelms IV". vernichtet und nicht das Verbrechen des Verfassungsbruches begangen hat. Das ist so charakteristisch. Und vielleicht hat der Kaiser sich bloß nicht sicher genug gefühlt, um dies Testament durchzuführen. Präsident Krrcmpf: Wegen dieser Aeußerung über .Seine Majestät den Kaiser rufe ich Sie zur Ordnung. Aba. Dr. Liebknecht (Soz.) fortfahrend Die Junker fühlen sich nur noch hinter den Bajonetten wohl. Aber auf Bajonetten kann man nicht sitzen, selbst wenn man, tote sie, eine noch so dicke Haut an einem getoissen Körperteil hat. (Präsident Dr. Kaempf bezeichnet diese Ausführungen als un- parlamentarisch.) Die Armee in ihrer jetzigen Gestalt fft lediglich gegen den inneren Feind bestimmt. Dieser sitzt längst in der Armee drin. Kriegsminister 5. Heerrngrn: Der Vorredner hat wieder die Behauptung aufgestellt, die Ar m ee sei in er st er Li nie gegen Den inneren Feindda, und die ganze Wehrvorlage sei nur aus diesem Grunde geplant. Außerhalb seiner Partei wird er mit dieser Ueberzeugung kaum Boden gewinnen. (Beifall rechts.) Der Vorredner hat auch wieder alte Klatschgeschichten mit Äabetten erwähnt. (Lärmende Zurufe b. d. Soz.: Klatschgeschichten?) Ich halte sie dafür. (Lärm der Soz.) Abg. Lieoknecht erwähnte ferner eine Aeußerung des früheren Abg. v. Oldenburg. Diese Worte sind nicht vonseiten der Armee gesprochen. Und wenn wirklich ein Offizier die Aeußerung getan haben sollte, die Abg. Liebknecht über dasVorgehen gegendenRetchs- t a g angeführt hat, so muß der betreffende Herr wohl noch recht jung gewesen sein. Seine Majestät der Kaiser hat die Verfassung beschworen und das .deutsche Heer ist ein sicheres In st rum ent in der Hand des allerhöchsten Kriegsherrn. Was muten Sie (zu den Soz.) also mit Ihren Vorwürfen dem Kaiser zu? Es könnte auf der anderen Seite doch höchstens noch der Fall borlicgen, daß die Verfassung vom Reichstage gebrochen wird (Lärm der Soz.), und das werden Sie doch wieder nicht, dem Reichstage zumuten wollen. Die Armee ist für den inneren Feind nicht in er st er SinieJ)a. (Höhnische Rufe der Soz.: Nicht in erster Linie!) Wenn Sie in die deutsche Verfassung hineinsehen, toerben Sie erkennen, daß wir unter Umständen verpflichtet sind, durchaus nicht zu unserer Freude und Genugtuung, für die Freiheit der Mitbürger und die Ordnung des öffentlichen Lebens einzutreten. (Lachen bet Soz.) Anberen Zwecken kann auch ber Erlaß bes Generals von Bissing nicht bienen. Darüber haben wir uns ja schon vor zwei Jahre« unterhalten. Der Paffus über bie Immunität bet Reichs- tagsabgeorbneten wat schon lange vorher aus bem Erlaß herausgestrichen, weil der General zu der Ueberzeugung gekommen wat, daß der Passus nicht haltbar sei. Natürlich mutz die Armee in solchen Dingen borbereitet sein. (Sehr wahr! rechts.) Gerade weil ber innere Feinb im täglichen Leben so gut wie keine Rolle spielt, mutz mau, wenn plötzlich solche Dinge auftreten, einen Anhalt haben unb auch über bie gesetzlichen Vorschriften orientiert sein. Abg. Liebknecht irrt sich auch über bie Verwendung der einzelnen Truppenteile. In dem Erlaß steht ausbrucklich, daß c9 sich um eitle Stubie des Generalstabs handelt. Es lag also keine Instruktion ab hoc bor, sonbern eine historische Abhanblung, zur Aufklärung unserer Kommanbeure. In ben Jnstruktionöstunbe« aber kommt eine derartige Instruktion gegen De« inneren Feinb überhaupt nicht vor. (Widerspruch der Soz.) Das würde doch ganz unnütz sein. In der Jnstruktionsstunbe kann doch immer nur gelehrt werden, tvas der gewöhnliche Soldat zu tun hat. Ich Ian« nur wiederhole«: Deutschland verwendet die Armee gegen den inneren Feind so wenig wie kein anderer Staat in der ganzen Welt. Der Vorredner ist dann auf den Mannsfelder Streik eingegangen und hat der Armee borgclvorfcn, daß sie damals auch Maschinengewehre mitgenommen habe. Ich habe schon damals hervorgehoben, daß die Maschinengewehre ein integrierender Bestandteil unseres Heeres sind. Ebenso konnte man den Soldalen auch sagen: Laßt die Gewehre zu Hause. (Heiterkeit rechts.) Gerade brr Anblick ber Waffen wirkt auch beruhigend. (Sehr richtig? rechts, Luchen b. D. Soz.) Das haben nicht nur die beteiligten Generale anerkannt, sondern auch sozialdemokratische Blätter, daß das Erscheinen der Armee beruhigend gewirkt hat, So ist es auch beim Streik im Ruhreviec gewesen^ '> Dann hat Abg. Liebknecht in sehr wenig angenehmer Werft! vom ungarischen Ministerpräsidenten gesprochen. Dagegen lege ich Verwahrung ein. (Beifall rechts.) Endlich ist Abg. Liebknecht auf die Vorgänge von 1848 und 1849 eingegangen und hat dabei scharfe Kritik an verschiedene Hohenzollernkönige geübt. Die Hohenzollern stehen so hoch, als daß die Kritik des Herrn Liebknecht an sie heranreicht. (Lebhafter Beisirll rechts. Lärm und Lachen ber Soz.) Ich weise das zurück uni) namentlich auch die Tatsache, daß der Vorredner Kaiser Wckhelmi den Gründer des Deutschen Reiches, mit dem abgeschmackten Ausdruck „Kartätschenprinz" bezeichnet hat. (Widerspruch der Sc^)! Ich weiß sehr wohl, daß Sie mit diesem Ausdruck ben allerhöchsten Herrn gemeint habe«, u«b ich toeife bas abermals energisch zurück. (Beifall rechts.) Ich schließe: Wir können uns nach wie vor auf unsere Soldaten verlassen. Die Armee ist treu und zuverlässig und wird ihre Pflicht und Schuldigkeit tun im Kriege unb, wenn es nicht zu vermeiben ist ■— hoffentlich tritt das nicht ein — auch im Frieden. (Lebhafter^Beifall ^rechts upd im Zentrum.) Abg. Sachse (Soz.)r' Die Heranziehung von Militär zur Unterdrückung tmrt Streikbewegungen ist tief beschämenb; nicht nur wir tuenben uns dagegen, auch die ZentrumSpreffe und die katholischen Arbeiterführer haben sich wiederholt höchst abfällig r darüber geäußert. Abg. Dt. Liebknecht (Soz.) spricht pogen ben Kriegsminister unb wiederholt feine Vorwürfe. Was sollen die Maschr-nengewehre beim Streik? Daß der KrieaSminister für Ruhe und Ordnung hat sorgen wollen, das bestreite ich ihm nicht. Aber wie formier das mit Maschine«gewehren machen?^Im Großen GenevMab werden ^olche^Pkän^ ausgoarbeit^. 3 ‘ KriegsmmMr v.' HeerWgen: * Nein, der Große Generalftab tut das nicht, der tterbtHiskorrfche Studien, über den Aufstand in Brescia, in Triest usto. Lesen Sie doch daS durch. Es hat einfach den Zweck, wenn die ernsten Momente kommen (Lachen bei den Soz.), und wenn sie durch Gesetz und Verfassung gezwungen sind (Hörtf Hört! b. b. Soz.), dann auch wissen, wie sic sich zu verhalten Ijaben. Es geht wirklich harmlos zu. Der Kriegsminister zitiert einen Bericht aus bet „Kölnischen Zeitung" über bie Schilderung eines in das Ruhrrevicr kom- mandierten Hauptmanns. War es denn so schlimm? Keine Spur! Wer, sagte der Hauptmann, ich habe bei Zeiten dafür gesorgt. Als er sah, daß sich die Leute am Orte, wo es war, zusammengerottet hotten, da ließ er das Seitengewehr aufpflanzen und sagte den Leuten: Leute, Sie tun am besten, nach Hause zu gehen, da kann es keinen Schaden geben I Da sahen sie mich, sägte der Hauptmann weiter, und die Truppe und die Seitengewehre an und sagten dann: Herr Hauptmann, Sie haben ganz recht! (Lachen der Soz.) Die Hauptsache ist, daß rrichts von Störungen und Unruhen zu^merken war und die Ruhe und Ordnung erhalten wurde. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.)k ' Der Kriegs-Minister begeistert sich für bas >r-&Tt£ e n5 e Bajonett. Diese Drohung mit Gewalt ist eine brutale Vergewaltigung, Zynismus.. ,(L e deb ou r : Das sind Wegelagerer!) Vizepräsident Dove:" Sie dürfen nicht von "brutaler Der- gewoltigung sprechen, wenn es sich nm amtliche Pflichterfüllung handelt. (Gr. Lärm der Soz.) Es ist Pfticht- erfüllnng, wenn den Soldaten befohlen. wird, mit Waffen dort zu erscheinen, . 7. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.)': Das ist Militärdiktatur. Das ist ein rücksichtsloser'Geist der Gewalttätigkeit gegenüber der Zivilbevölkerung. Der sozialdemokratische Antrag wird gegen die Antragsteller unb Polen abgelehnt. Ein Antrag Beb?l (Soz.)' auf Vertagung-wird umc6^ Uhr abgelehnt, MilitärjusLiz. Resolutionen der Budgetkommissron 'fördern^erne'Re- form des MilitärstrafgesetzbucH:s int Sinne moderner Rechtsanschauungen, eine Revision der Militärstrafgerichtsordnung. Die Soldatenmißhandlungen sollen auch durch eine Reform des Militärbeschwerderechts belämbft werden. Der strenge Arrest als Disziplinarstrafe soll beseitigt werden. Eine Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Offiziere ist notwendig. Abg. Stadthage« (Soz.)v begründet sozialdemokratische Anträge, wonach im'Militärstrafrecht mildernde Umstände gugelnffcit unb bie Strafart strengen Arrestes abgeschafft wirb. Ferner sollen Beleibi- g u n g e n ober Körperverletzungen, die sich ein Untergebener gegen Vorgesetzte zuschulden kommen laßt, straffrei bleiben, toemt sie auf ber Stelle in ©rtoiberung einer vom Vorgesetzten gegen ben Untergebenen verübten Beleidigung oder Körperverletzung begangen sind. Auf Vater unb Mutter zu schießen, ist bas größte Verbreche«, gleichviel ob in ber Armee ober im zivilen Lebe«. Der Man«, bem ein solcher Besohl erteilt wirb, muß bas Recht habe«, ben betreffenden Vorgesetzte« als gemeingefährlich wegen Anstiftung zu einem Verbrechen feftzunehmen. «"Präsident Dr. K a e m p f ruft ben Redner unter Lärm und Gelächter der Sozialdemokraten zur Ordnung.) Herr Vorsitzender, wie können Sie mich deshalb zur Ordnung rufen? Sogar beim Militär/ in meiner Justruktionsstunde ist uns gesagt worden, daß wir di< Pfticht haben, einen solchen Vorgesetzten festzunehmen. In später AbxndstMdL. wird^die^Verhandlung,auf<(5o H gbend vertagt. ' Spielplan der Uvrhaus-Thcaters Baö Nauheim. Sonntag, ben 22. Juni: .Goldfische." Montag, den 23. Juni.' „Die schöne Helena." Mittwoch, den 25. Juni: „Mein Freund Teddy." Freitag, den 27. Juni: .Der Gras von Lnxeinburq." Samstag, den 28. Juni: »Die schone Helena." Sonnwg, ben 29. Juni: .Sünbenböcke." Spielplan der vereinigten zrankfurter Stadttheater. Opernhaus. Sonntag, ben 22. Juni, abends l/„8 Uhr: „Die Regiluents- tochtor." Hieraus, zunr ersten Mole: „Les petits riens.“ Ballett in I Akt von W. A. Mozart. Montag, den 23. Juni, geschloffen. Dienstag, den 24. Juni, abeuds 128 Uhr i „Die Ennühruna aus dem Serail." Mittwoch, den 25. Juiri, abends 7 Uhr: .Tannhäuser." Donnerstag, den 26. Juni, abends ,/28 Uhr: Zum ersten Tlnle: „Wiener Blick." Operette m 3 Akten von Johann Strauß. Freitag, den 27.J»l«i, abends 728 Uhr: „Undine." Samstag, de« 28. Juni, abends */28 Uhr: .Die Zauberflöte." Sonntag, den 29. Juni, abends 7.8 Uhr: „Wiener Blut." Moiite.g, den 30. Juni, abends 7-8 Uhr (letzte Vorstellung vor den Ferien): .Fidelio." Schauspielhaus. Sonntag, ben 22. Juni, abends 8 Uhr: .Robert und Bertram." Montag, den 23. Juui, abends 738 Uhr: „Maria Stuart." Dienstag, den 24. Juni, abends 8 Uhr: .Der Pfarrer von Kirchield." Mittwoch, ben 25. Juni, abends 8 Uhr: „Prinz Friedrich von Homburg." Donnerstag, ben 26. Juni, abends 8 Uhr: .Alt-Hetdel- berg." Freitag, den 27. Juni, abends '/,8Uhr: .Egmont." Sains- tag, ben 28. Juni, abends 8 Uhr: .Robert und Bertram." Sonntag, ben 29. Juni, abends 7.8 Uhr: „Wilhelm Tell." Montag, ben 30. Juni, abends 8 Uhr (letzte Vorstellung vor den Ferien): „Tör Pfarrer von Kirchfeld." GEORG A. JA5MATZI A. G. DRTöDEN’ GRÖSSTE DEUTSCHE CIG-A1LETTENEABRIK ? Unsere