163. Jahrgang zn Erstes Blatt jährl. mrsschl. Beste llg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 91. Goetz. Verantwortlich für beit politischen Teil: August Goetz; für »Feuilleton". »Vermischtes" und „Gerichtssaal": K. Neu-- Nr. 117 Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich EiehenerZamilienbiätter: zweimal wöchentl.Nreis- blatt sick den Ureis Siehe« (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: iür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. stir^Ä^Tagesnummer Rotationsdruck und Verlag der Vruhl'schen Unw.-Vuch- und Zterndruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchrüstrahe 7. l‘nb biß vormittags 9 Uhr.Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Vahnhosstrahe 16a. 21^1960^V.UVed. Donnerstag, 22. Mai (9(3 Bezugspreis: monatlich 75Pf., viertel» jäbrlich Mk. 2.20; durch Aohole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.—viertel» Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten, Tageskalender aus dem Jahre 1813. 2 2. Mai: Rückzugsaefecht bei Reichenbach a. d. Neisse, in dem Valast-Marschall Duroc schwer verwundet wird. Die Hochzeitsfeier. Fürstliche Ehen werden nicht allzu häufig im Simmel geschlossen, sondern die Staatsraison spielt hier vjt genug bie entscheidende Rolle. Mit um so mehr Befriedigung ist es b'egrustt worden, daß, bei dem Bunde zwischen der einzigen Tochter des Deutschen Kaisers, der Prinz-essin Viktoria Luise, und dem' letzten Sprossen aus dem Welfeuhause, dem Prinzen Ernst August, zugleich der Zug des Herzens mit der Staatsraison ein Bündnis abschliefit.' Und so sind die Glückwünsche, die das deutsche Volk zu der am Samstag stattfindenden Vermählungsfeier darbckingt, zwiefacher Art. Zu den Gefühlen herzlicher Anteilnahme an diesem glückverheißenden Familienfest unseres Herrscher- hauses gesellt sich die Befriedigung darüber, daß ein so lange währender Streit damit Begraben, die Versöhnung zwischen Welfen und Hohenzollern vollzogen worden ist. Aber wenn sich auch hier das Wort unseres Kaisers bewährt, daß die Entwicklung nicht stillsteht, so wird sie sich doch kaum so schnell vollziehen, wie das viele wünschen und meinen. Entgegen einer vielverbreiteten Ansicht ist es nickt anzunehmen, daß Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, bald nach seiner Vermählung mit d-er Prinzessin Viktoria Luise von Preußen als Landesherr in Braunschweig einziehen wird. Tenn bis auf weiteres steht dem. der Beschluß des Bundesrats vom 28. Febrr 1907 entgegen, worin erklärt wurde, daß, so lange der Herzog von Cumberland oder ein Mitglied feines Sauses sich in einem dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden unter Dun des gliedern widerstreitenden Verhältnisse zu dem' Bundesstaat Preußen befindet und Ansprüche auf Gebietsteile dieses Bundesstaates erhebt, auch die Regierung eines anderen Mitgliedes des herzoglichen Hauses Braunschweig-Lüneburg in Braunschweig mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung nicht vereinbar sei. Von einem ausdrücklichen Verzicht des Herzogs von Cumberland auf seine hannoverschen Ansprüche ist bisher nichts bekannt geworden. Aber wenn er in seinem Telegramm an den Kaiser zu der im Februar erfolgten Verlobung dein Wunsche Ausdruck gab, „daß der Bund dieser deutschen Fürstenkinder gedeihen möge zum Segen der Verlobten und unserer beiden Häuser", so spricht das ebenso wie seine jetzige Teilnahme an der Vermählungs- seier dafür, daß der alte Herzog den alten .Haß begraben und rückhaltlos seinen Frieden mit hem Hohenzollern- Hause gemacht hat. Und darauf beruht die Hoffnung, daß sich der Weg zu einem Kompromiß finden wird, welches dem Bundesrat eine Revision seines Beschlusses und damit dem Prinzen Ernst August ermöglicht, in nicht zu ferner Zeit an der Seite der Kaisertochter in die Burg Heinrichs des Löwen in Braunschweig als Landesfürft einzuziehen. 'Aber neben diesem bedeutungsvoll nationalen weist das prunkvolle Hochzeitsfest am Deutschen Kaiserhofe zugleich einen hervorstechend internationalen Charatter auf hurch die Anwesenheit zweier mächtiger Herrscher, des Zaren von Rußland und des Königs von England, mögen diese Hochzeitsgäste auch nur als nahe Verwandte der Häuser Hohenzollern und Cumberland erschienen sein. Und wenn offiziös hüben wie drüben versichert worden ist, daß es sich hierbei nur um private Besuche handele, und wenn man auch von der früheren Ueberschätzung der Fürstenzusammenkünfte längst zurückgekommen ist,' so wird man doch den politischen Einschlag dieses Monarchenkongresses nicht ganz ableugnen können, sondern darin zumindest ein bedeutsames Symptom erblicken dürfen. Ein Symptom pes Friedens, der Klärung der weltpolitischen Lage. Muß man doch dem Zaren Nikolaus Tank' dafür wissen, daß er sich während der Zuspitzung der Balkankrisis den kriegerischen Plänen der Panslavisten entgegen^ gestemmt und die Friedenspolitik des Ministers Sasonow gestützt hat. Was aber den König Georg betrifft, so weiß man, daß er sich von vornherein von der „Einkreisungspolitik" seines Vorgängers Eduard VII. abgewandt und die vom Kabinett Asquith eingeleitete Versöhnungspolitik jedenfalls nicht erschwert, sondeim eher gefördert hat. Es scheint ja auch, als ob diese Versöhnung jetzt endlich praktische Folgen haben soll, obwohl abzuwarten ist, ob diese Folgen — wir denken dabei besonders an die heißumstrittene Bagdadbahnfrage — für Deutschland Erfolge bedeuten werden. Aber wenn man auch gut tun wird, fich nicht überschwänglichen Hoffnungen hin'zugeben, wenn auch durch Festlichkeiten und Fürstenbesuche der die europäische Politik beherrschende Ju.teressengegensaß zwischen Dreibund und Tripelentente nicht aus der Welt geschafft werden kann, so wird man doch mit den Worten der offiziösen London. „Westminster Gazette" gern „ein glückliches Omen darin sel)en, daß der Besuch des Königspaares in Berlin mit der Beilegung des alten Streites zwischen den Häusern der .Hohenzollern und der Welfen zusammenfällt", und man wird das Omen gern auf diesen fürstlichen Ehebund überhaupt ausdehnen, der in einem glücklichen Zeichen steht und dem fürstlichen Paare hoffentlich so viel Glück bringt, als ihm das deutsche Volk aus vollem Herzen wünscht. * Berlin, 21. Mai. Heute früh 8 Uhr 25 Min. traf Prinz Ernst Augüst, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, hier ein. Der Prinz begab sich im Automobil nach, dem töniglichen Schlosse, wo er von der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise begrüßt wurde. Der Prinz nahm im, königlichen, Schlosse Wohnung. Von heute ab flaggen alle öffentlichen Gebäude in Berlin und Potsdam. Vom Schlosse wehen drei Standarten. In der Umgebung des Schlosses und „Unter den Linden" haben viele Gebäude Flaggenschmuck angelegt. Zur,Vermählungsfeier sind bereits eingetroffen Prinzessin Adelheid von Holstein Glücksburg und Prinzessin Mathilde von Holstein-Glücksburg. Der Kaiser machte heute morgen einen Spazierritt im Tiergarten. | Der Einzug des englischen Königspaars. Berlin, 21. Mai. Das englische K ö n i g s p a a r ist um 11.30 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof eingetroffen, wo sich zum Empfange das Kaiserpaar sowie die Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses eingefunden hatten. Es fand großer Empfang statt. Die ScibEombagnic des 1. Garde-Regiments zu Fuß, die int Schmucke der historischen Grenadiermützen zeitig angerückt war, präsentierte, die Falmen senkten sich und die Regimentsmnsik spielte die englische Nationalhymne. Tann entftiegen dem Salonwagen die allerhöchsten Gäste mit Gefolge und dem Ehrendienst. Nachdenr sich die Fürstlichkeiten herzlichst begrüßt hatten, verließen sie im Galamagen den Bahnhof, König Georg in preußischer Generalsuniofrm mit dem Abzeichen eines Generalfeldmarschalls wird dem. Orangebande des Schwarzen Adlerordens und der Kaiser in der Uniform des Königlichen Großbritannischen 1. Dragoner- Regiments mit dem Bande des Hosenbandordens, nahmen im ersten Wagen Platz. Im zweiten Wagen saßen die Königin, die ew_e wasserblaue Brokatrobe trug, und die Kaiserin, in meergrün ent Kostüm. Tann reihten sich in zahlreichen Hofeguivagen die Fürstlichkeiten, die Hofstaaten, die Ehrendienste usw. an. An die Spitze des Zuges setzte sich eine Eskadron des 1. Garde-Trag.-Regi- mentes Königin von Groß-Britannien und Irland, dem Wagen der Königin folgte eine Eskadron der Garde-Kürassiere. Am Wagenschlage der beiden Herrscher ritten rechts der Komman- dtcrende General des Gardekorps, Freiherr von Plettenberg, lmls der Oberstallmeister .Freiherr von Reischach. Tann bewegte sich der glänzende Zug durch bie Sieges-Allee, die Charlottenburger Chaussee durch das Brandenburger Tor auf der Mcktelprornenade „Unter den Linden" nach dem königlichen Schlofte. Bereits um 10 Uhr hatte eine Kompagnie des Regimentes Königin Augusta die Fahnen und Standarten bes Berliner Truppenteil Z aus Fern Schlosse abgeholt und int Vorbeimarsch an die tn der Garnison anwesenden Regimenter abgegeben, die vom Brmt- benburger Tor bis zum Schlosse Spalier bildeten. Beim Heran- nahen der Majestäten präsentierten die Regimenter, das Spiel wurde gerührt und ein dreimaliges Hoch burdjbrauftc die Luft. Als man die Friedrichstraße kreuzte, begann die im Lustgarten ausgestellte Letbbatterte des 1. Garde-Feld-Artülerie-Regiments mit dem Absenern des Ehrensaluts von 101 Schuß. Die fürstlichen Tarnen begaben sich in die oberen Gemächer des ^stosses. Ter Kaiser und der König schritten im Kleinen Schloßhof die Ehrenkontpagnien des 3. Garde-Regimentes zu Fuß ab und nahmen deren Vorbeimarsch entgegen. Hier fanden sich auch die Botschafter Für lv. Lichnowsky und Sir Edward Goschen ein In den Prunkräumen der ersten Schloßetage war sodann Empfang und Großer Vortritt, zu dem sich die Palast- und Ehrcndamen der Kaiserin, die Hofchargen, der Hausminister Graf zu, Eulenburg und der Chef des Zioilkabinetts v. Valenttni ein- gefunben hatten. Die Schloßgaroekomvagnie und bie Ehrenwache her GardeS du Corps hatten Ehrenposten gestellt. Während des Einzuges führte das Z e p p e l i n l u f t s ch i f f „H a n s a" über dem Lustgarten mehrere Schleifenfahrten aus. Um 1 Uhr war Familien früh st ückstafel. Abends um 8 Uhr war Abendtafel im Elisabethensoal. Ter König von England führte die Kaiserin, der Kaiser die Königin, Prinz Ernst August die Prinzessin Vik- tona Luise. Bei der Tafel saßen bie Königin rechts neben der Kaiserin, rechts von der 'Königin folgte zunächst der Kaiser, bie Herzogin von Devvnshire, Prinz Oskar, Frau v. Bethmann-Hott- weg, der Herzog zu Drachenberg, Fürsttn zu Inn- und.Knyp- hausen. Links von der Kaiserin saßen: der König, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Ernst August, die Erbprinzessin zu Salm-Salm, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, Fürst Pleß, gegenüber den Majestäten saßen der Reichskanzler, diesem zur Rechten zunächst Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff, Botschafter Sir Edward Goschen, die Herzogin von Trachenberg, Fürst Solms-Barut, Fürstin Miuster v. Dern:burg, Staatssekretär v. Jagow, zpr Linken Solms-Barut, Lord Annalv, bie Herzogin von Ärenberg, Earl of Shaftesbury, Palastdame Gräfin A. Eulenburg, Lord Stamfordham usw. Das englische Königspaar unternahm nachmittags im Anschluß an Besuche beim Kronprinzen und der Kronprinzessin sowie änderen Mitgliedern des Kaiserhauses eine längere Automobil- faljrt nach den Havelsee n. Am "Donnerstag beabsichtigt das Königspaar, den Rennen auf der Grünewaldrenn- bahn beizuwohnen. Unveröffentlichte Briefe Richard Wagners. (Zum 100. GÄstrrtstag Wagners am 22. Mai.) Zum 100. Geburtstage Richard Wagners sind in Paris einige bisher noch unbefännt gebliebene Briefe des Meisters veröffentlicht worden. Sie entstammen seiner Pariser Zeit und erwecken in höchst lebendiger Weise die Erinnerung an den furchtbaren Kampf gegen die Not, den der deutsche« Künstler damals nn fremden Lande zu führen hatte. Die Briefe entstammen der Sammlung des verstorbenen Charles Malherbe, früheren Bibliothekars der Großen Oper, aus dessen Nachlasse sie in die Bibliothek des Konservatoriums übergegangen sind. Ter Adressat ist der bekannte Musikverleger Schlesinger, für b«t Wagner während mner Pariser Zeit als Kopist tätig war, um sich nur das liebe Brot zu erwerben. Der eine dieser Briefe lautet: „Lieber Herr Schlesinger, seit Sonnabend morgen acht Uhr bis zum gegenwärtigen Augenblicke (der Brief ist von Dienstag morgen neun Uhr datiert, habe ich mit Ausnahme von ein paar Stunden Schlaf an der Arbeit über der Partitur gesessen. lTie Partitur war die von „La Favorita", deren Korrekturbogen Magner für Schlesinger las.> Mit Hilfe der größten Hart- näcklgkeit, habe ich nun den 42. Bogen erreicht. Manche Seiten kosten mich eine Stunde Arbeit. Tas Weinen war mir oft näher als das Lachen, wenn ich mich vor Seiten sah, die jeder anöere Glatt kopiert haben würde, während ich mir Mühe gebe, sie in Brorm zu bringen. Ich bin ein armer .Teufel und muß mich mit allem zufrieden geben, was ich verdiene. Aber ich habe mich oft verzweiflungsvoll gefragt: was wird mir wohl Herr Schle- smger für diese Arbeit zahlen? Bei meinem Eid, ich könnte, wenn nh vier Arrangements der Oper mache, mehr verdienen, als durch die Korrektur der Bogen, der Partitur." In einem zweiten Briefe bittet Wagner den Musikverleger um 800 Mark. Darin heißt es: „Vorbemerkung: Dies muß in sehr gutem Humor gelesen 'werden. Hochgeehrter Herr Schlesinger, ich werde heilte toegen der Korrektur der Bogen Nicht ausgehen. Aus diesem Grunde Ichreibe ich Ihnen ein paar Worte über meine Angelegenheiten, Bor einigen Tagen versprachen Sie ‘mir etwas Geld und das war großartig. Aber wissen Sie, wieviel ich brauche? Ich kann es Myen nicht sagen, und ick- Mächte lieber, daß Sie selbst es ab- ja^hon, wenn ich Ihnen sage, welches meine Ausgaben sind. 300 Franken, welche ich auf Grund meines verdammten Schuldscheines am 15. zahlen muß, oder ich habe ein gerichtliches Vor- ßeben gegen mich zu erwarten (der Brief ist am! 14. Januar 1841 geschrieben!. 200 Franken schulde ich einem Freunde, der am . • d. Mts, eine Rechnung nicht hat einlösen können, weil ich Win nicht zahlen konnte." In dieser Weise rechnet Wagner unne Verbindlichkeiten auf, wobei er zu dem Resultate fomnrt, es von SMleimger pchhängt, üb' es um ihn geschehen sein oder ob er neuen Mut fassen solle. Nach dieser Aufzählung fährt er folgendermaßen fort: „Verehrter Wohltäter, nun ist der Zeitpunkt gclommen, um den fürchterlich.'n Streich zu führen und mit aller schuldigen Achtung eine Tausendfranknote herauszuschlagen. Ich sehe Sie svrachlos, aber hören Sie mir zu: Wenn Wagner die tausend Franks beiommt, so verspricht er, drei Monate lang nichts mehr zu fordern, ausgenommen, was unmittelbar zum Leben erforderlich ist, und das ist, wie Sie sich denken fömten, nicht viel." Der Nest des Briefes wird ausgefüllt von Einzelheiten über die Korreltur der Favorita. Ein dritter Brief ist vom 27. April 1841 datiert. Er lautet: „Hoch geehrter Herr und Wohltäter, ick- kann nicht zu Bett gehen, ohne ihre dlufmerksamkeit auf die Wichtigkeit des Gegenstandes des Besuches zu richten, den ich Ihnen morgen früh avzustatten gedenke — nämlich die Ordnung unserer Abrechnung und einen Vorschuß von hundert .Franlen. Dieser Gegenstand erfordert einige Vorbereitung, und es ist sehr wichtig, daß ich Sie in der bestmöglichsten Stimmung mir gegenüber antreffe, da ich Donnerstag morgen umziehen soll, und ich nicht einen Sou habe. Hören Sie denn und erwägen Sie wohlwollend den Stand unserer -Abrechnung, wie er sich aus meinen Belegen ergibt, die zweifellos mit ihren Büchern übereinstimmen müssen. Ich habe 2350 Franken erhalten, abgesehen von 90 Franken Vorschuß auf meinen Artikel in der „Gazette Musicale". 'Auf Grund der von Ihnen festgesetzten Honorarsätze habe ich eine Anzahl von Suiten für das Comet ä Piston geliefert, 500 Franken: für das Arrangement der ^Favorita" 1150 Franks; die Korrektur der kläglichen Orchesterpartitttr 300 Franken: zwei Arrangements des vom Guitarrevo, jedes 100 Franien, 200 FrankenOuvertüre zu Guitarrero für zwei und für vier Hände, leider Nur 30 Franken: Summe 1280 Franken: Restiguthaben 170 Franken. Andererseits lieferte ich der „Gazette Musicale" drei Bogen und 10 Spalten zu leider nur 60 Franken den Bogen, was 217 Franken 10 Sous macht. Wenn wir ferner die Zahlung für den schon geschriebenen und demnächst erschernenden Aufsatz über den Freischiit' rechnen, welcher nach Ihrer eigenen Schätzung 8'? Spalte umfassen wird, so wird das .Honorar für meinen Artikel 249 Franken ?i/2 Sous betragen. 90 Franken, müssen aber für den Vorschuß, den ich bereits erhielt, in Wug gebracht werden, sodaß die Summe meiner Forderung 159 Franken 7‘ 2 Sous betragen würde. Bringe ich diesen Betrag in Abzug, so würde ich Il>nen nur 10 Franken 12'5 Sous schulden. Sie sehen, habgierig, wie ich bin, übersehe ich auch nicht einen Son: und nickst allein dies, fonbern ich habe noch die Kühnheit, Sie inn' einen weiteren Vorschuß zu bitten. Es ist absolut nötig, lieber Herr Schlesinger, daß <Äe mir weitere 100 'Franken vorschießen. Ich weiß nicht, was für eine Figur Sie machen würden, wenn Sie vor dem Urteile dev Nachwelt erschienen uub einer sagen könnte: Moritz SÄesingLr, der höchst wohlwollende und Fluge Moritz Schlesinger, verweigerte einen Vorschuß von 100 Franken dem dereinst höchst berühmten Richard Wagner, in einem Augenblick, als er in voller Wahr- lst't gerade auf dem Punkte stand, nach Rußland aufzubrechen, um )cutc glänzenden Geschäftsverbindungen unter der wohl wollenden Aegis der „Favorita" und des Guitarrero bis zu den Grenzen von Asien auszud-ehnen. Gewiß, Ihre Phantasie erbebt, und das glückliche Ergebnis dieses Erbebens wirb fein, daß Sie mir den Vorschuß -zahlen, um den ich Sie an flehe . Ich kann nickst weiter. Ich erschöpfe mich selbst in ooetischeu Ergüssen und all das megen 100 Franken, um mit meme-n' HauSrate 'umziehen zu können ... Ich bin Ihr zerschmetterter und ganz ergebener Diener Richard Wagner." — Tie Einweihung des Münchener Richard- a g n e r - D e n t in a l s. Tie baherische Residenz, der Wagner einst mit schmerzlicher Enttäuschung den Rücken kehrte, beherbergt nun als erttc süddeutsche Stabt fein Marmorbild. Seitlich vor dem Prinzregententheater, dem Wagner-Festspielhaus, leuchtet das Monument aus dem Grün der Bäuine hervor. Auf mächtigem Sockel ruht, in faltigen Mantel gehüllt, die sitzende Gestatt des Meisters, den Blick ins Weite gerichtet. Das Werk entstammt der Hand des Professors Heinrich W obere. Ein enger Kreis von Freunden und Verehrern hat es geftiftet. Zur Einweihung, bie am Tage vvr der Zentenarfeier begangen würbe, war eine stattliche Wagnergemeinbe erschienen. Der Hof, die staatlichen und städtischen Behörden, zahlreiche Theaterleiter und Vertreter der Musikwelt aus ganz Deittschlanh bilbeten bie Festmrsamm- htug Geheimrat Ernst v. Poss art, dessen Initiative das Dennnal hauptsächlich zu danken ist, hielt eine Ansprache. Mit Wartendes Dankes für die Stifter gab der Prinzregent das Zeichen, und wahrend der Chor „Wach auf" ans den „Meistersingern" erklang, trat das Bild Wagners aus seiner Hülle ans Licht ^lnn nahm Oberbürgermeister Tr. v. Borscht das Denkmal in btc Obhut der Stadtgemeinde,, die mit diesem bleibenden Zeichen der Verehrung des Meisters um ein Werk der Kunst reicher- r als hundert Vereine und Korporationen mit mehr als^6000 Fattelträgern bestand, im Innern des Schloßhofes ein. Stadt- vcrordnctcmvorstand Dr. Ahl mann begrüßte das hohe Paar, das mit den Prinzen-Söhnen von bem Podest der Treppe am westlicl^en !Flügel Aufstellung geiwrninen hatte. Nachdem der Prinz seinen D-ank für die Ehrung ausgesprochen hatte, setzte sich der Zug zum Abmarsch durch die von einer dichten Menschenmenge besetzten Straßen in Bewegung, um auf dem Wilhelmsplatz die Kachel n zu sammenzniverfen. Vie Wehrvorlage im Budgetausschuh. :: Berlin, 21'. Mai. Der Bu dgetaus schuß setzte in der heutigen Sitzung die gestern abgebrochene Beratung über die von niehreren Parteien beantragten Entschließungen betreffend die Bevorzugung des Adels und der Eliteformationen fort. Ein konservatives Mitglied wandte sich namens seienr Partei gegen sämtliche Anträge. Die Zusammensetzung der Offizicrkorps der verschiedenen Regimenter sei vielfach lffstorisch begründet. Eine Aenderung sei weder notwendig noch möglich. Der Antrag der Sozialdemokratie sei verfassungswidrig, aber auch der natiouallibe- rale Antrag Basscrmann sei für seine Partei unannehmbar. Der K r i e a s in i n i st e r betont die B e r f a s s u n g s - Widrigkeit des Antrags. Es werde sehr viel an Werten zerstört, wenn die historischen Zusammenhänge zerrissen werden. Es habe allerdings eine tiefe monarchische Bedeutung, wenn aus der ganzen Monarchie, aus dem' kleinsten Dorf, Mannschaften unter den Augen des allerhöchsten Kriegsherrn dienen. Die glänzenden Leistungen der Garde, auch im siebziger Krieg, seien doch ein Beweis, daß die Pflege des inneren Zusammenhanges einer solchen Truppe und des gesunden Regimentsstolzes nicht unterschätzt werden dürfe. Eine Erschwerung der Mobilmachung liege nicht darin. Die Annahme des sozialdemokratischen Antrages ivürde für dieRegierungdas Gesetzunannehmbar machen. Diese letzte Bemerkung ruft lebhaften Widerspruch eines votksparteilichen Redners hervor. Wenn das „G a r d e p r i n z i p" wichtiger sei als eine ganze W e h r- vorlage, so beweise dies, welch völlig schiefe Vorstellungen herrschten, wie sie einst zu Jena und Auerstedt geführt hätten. Der gegenwärtige Kriegsminister wolle überhaupt alles konservieren in der Armee. Eine solche Haltung müsse allmählich Konfliktsstoff ergeben, nicht bloß im Reichstag und im Volke, sondern auch in der Armee selbst. Es sei das ein ganz gefährliches Spiel mit dem Feuer. Die Offiziere des Gardekorps besitzen doch keine „besondere Intelligenz". Es sei ja in den letzten Jahren besser geworden. Daß ein bürgerlicher Offizier Korps- kominandeur werde, das sei jetzt möglich geworden, aber einen solchen Offizier in die Garde zu bringen, sei nicht einmal dem Kaiser gelungen gegenüber dem Zusam m en h^alt des "feudalen Klüngels. Das wäre eine Tat des .Kriegsurinisters und des Reichskanzlers, wenn einmal mit dieser Klüngel wirt schäft aufgeräumt würde. Der Redner bestreitet die Ber- fassungswidrigkeit des sozialdemokratischen Antrages und sucht das im "einzelnen nachzuweisen. Der Kriegsminister verweist demgegenüber auf die Beseitigung aller besonderen Vorrechte oer Gardeofsi- ziere und Mannschaften. Die Darstellung' der Stimmung im Offizierkorps sei falsch. Der Leutnant „schimpft" natürlich auch jetzt, aber ci" hat auch vor 50 Jahren schon geschimpft, das l>abe mit allgemeiner Unzufriedenheit nichts zu tun. Die Sozialdemokratie bedankt sich bei ferner Partei gegen sämtliche Anträge. Die Zusammen- dem Kriegsmiuister für seine Aeußeruug, daß die Agitation der SoAialdemokratie die besten Dienste leisten würde. Es sei ausgeschlossen, daß die Garde etwas Besonderes in rein militärischen Dingen leisten könne, da sie viel zu viel zu Paradezwacteu herangezogeu werde. Der Kriegs Minister erklärt, seine Aeußerungen hätten sich nicht nur bezogen auf die Garde, sondern auch auf zahlreiche andere Regimenter. Es handle sich dabei, bei dem Wort „unannehmb ar", um die Ko m m a n d o - gewalt des Kaisers. Ein volksparteilicher Vertreter wendet sich gegen die Auffassung des Kriegsministers. Es wäre erwünscht, xu wissen, ob die Aeußerung des KricgS- ministers im Einverständnis mit den verbündeten Regierungen abgegeben worden sei. Der Kriegsnrinister erklärt, daß es sich hierbei bloß um seine persönliche Auffassung gehandelt habe. Im übrigen seien seine Worte verdreht worden, es habe sich nach seiner Auffassung darum gehandelt, ob die Kommandogewalt angetastet und ob der innere Geist der Armee einer Veränderung unterzogen werden soll. Ein Zentrumsvertreter kritisiert im einzelnen den sozialdemokratischen Antrag, der in der Tat die Aufhebung der Garde und eine Verfassungswidriqkeit enthalte, rnr übrigen aber gar nicht die aufzuhcbenden Bestimmungen nenne. Den richtigen Weg gehen die Anträge Bass ermann. Ein nationalliberalcs Mitglied erklärt, der Standpunkt seiner Partei sei in den Anträgen Basscrmann niedergelegt. Die Aeußerung des Kriegsministers gehe doch nicht dahin, daß eine Auflösung des Reichstags erfolgen würde wegen Antastung etwaiger Vorrechte der Garde; vielmehr habe cs sich um die Kommandogewalt des Kaisers gehandelt. Der richtige Weg zur Beseitigung wirklicher Mißstände seien die Anträge Basscrmann. emoTre Redner suchen den Nachweis zu führen, daß der Antrag gerade die Verwirklichung des Geistes der Verfassung bezwecke Die Bedeuten gegen den Antrag seien hinfällig. Der Kr i cg s m i n i st e r bespricht nochmals den nationqllibcraleu Antrag dem er durchaus sympathisch gcgcnüberstchc, wie er ja auch ausgoführt habe, daß er schon Fortschritte in der Richtung des Antrags erreicht halbe. Von heute auf morgen lassen sich natürlich solche Dinge nicht durchführen. Scnne Aeußerung, die im Ausschuß beanstandet wurde, fei dahin gegangen, daß nach seiner Auffassung nach Annahme dieses Artttels das Gesetz für die Regierung nuurtuvijmuai würde, da dadurch das Gardekorps überhaupt abgeschafft würde, und da damit ein Eingriff in die Komma u dog e walt erfolge. Ein Zentrumsmitglicd erklärt das Märchen, daß der Reichskanzler einen „Götterboten" an das Zentrum gesandt habe, um eine freundlichere Haltung zu erreichen, für so abgeschmackt, daß man in einer ernsthaften Kommission darüber gar nicht zu sprechen brauche. Ein anderes Zcntrumsmitglied begründet noch einmal eingehend die Auffassung, daß es sich um eine Verfassungswidrigkeit handeln würde. Nirgends sei in der Verfassung, wie die Sozialdemokratie glaube, besttmmt, daß jedes Gardekorps einen abgegrenzten Rekrutierungsbezirk haben müsse. Auch bei anderen Truppen, wie z. B. bei den Verkchrstruppen und Pionieren, werden Rekruten auf dem ganzen Lande aus- gehoben. Die Ab st immun g. Damit endet die Aussprache; es wird ab gestimmt. Der Antrag der Sozialdemokraten, Beseitigung jeder Ausnahmebestimmung für die Garde und die sonstigen Eliteformattonen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Voltspartei und der Elsässer ab g elehnt. Mit derselben Mehrheit wird auch die volksparteilrche Entschließung, die sich gegen jede Privilegierung einzelner bestimmter Truppenkörper (Garde usw.i nach Garnisonsort, Avancement usw. wendet, abgelehnt. Der Antrag Basscrmann, der Entwicklung in der Armee entgegenzuwirken, die in wachsendem Maße zu Regimentern mit ausschließlich oder überwiegend adligen Offizierskorps geführt hat, wurde mit allen Stimmen gegen die der Konservativen angenommen. 'Ein nationalliberales Mitglied begründet darauf die weitere von Basscrmann beantragte Entschließung, der Reichskanzler möge dahin wirken, daß ein ständiger Austausch zwischen den Offizierkorps der .Grenzregimenter, sowie der unter ungünsttgen Lebensbedingungen stehenden Garnisonen und den in großen Städten oder unter bevorzugten örtlichen Verhältnissen garnisonierenden Truppenteilen stattfindet. Ein solcher Austausch wäre von größtem Vorteil für die ganze Ausbildung der jungen Offiziere und für ältere Offiziere mit Familie und mit schulpflichtigen .Widern vielfach eine wesentliche Erleichterung. Die Verführungen der großen Garnisonen werden für jüngere Offiziere bei längerem Aufenthalt gefährlich. Unter den jetzigen Verhältnissen leide auch der Zugang zu den Grenz- rcgimentern. Darunter aber leide wieder die Landesverteidigung, und der Dienst werde erschwert. Die hohen Anstrengungen des Grenzdienstes lassen daher einen Wechsel angezeigt erscheinen. Es kommen hinzu die Schwierigkeiten in den Wohnungsverhältnissen. Bei der jetzigen Vermehrung der Armee werden dann in den Grenzgärnisonen die Wohnungsverhältnisse noch erschwert. Man müsse also einigermaßen Erleichterung schaffen durch starken Austausch von Offizieren, wie dies auch in anderen Ländern geschehe. Der Kriegsminister steht dem Antrag gar nicht unsympathisch gegenüber, wiewohl er die Klaaen aus den Grenzgärnisonen für übertrieben halte. Es werden dabei vielfach die teuren Verhältnisse der großen Städte vergessen, sowie die Tatsache, daß'in einer kleineren Garnison der Offizier mehr freie Zeit zur Fortbildung hat, aber trotzdem bemüht man sich feit Jahren, Verbesserungen zu erzielen. Nach einer Statistik über die östlichen Grenzgarnisonen war die Gesamtzahl der Offiziere 295. davon standen dort 127 mehr als fünf Jahre. Davon hatten eine große Zahl längerenIlrlaub. Auch der Zugang an Fahnenjunkern sei nicht so gering, wie angenommen werde. Aehnlich sei es int Westen, speziell in Mörchingen. Eine Regelmäßigkeit in den Versetzungen wäre kaum zü/erreichen. Der Begriff von „Stra f g arn i- sonen" dürfe nicht auftommcn. Es komme nie vor, daß etwa tüchtige Existenzen in diese kleinen Garnisonen geschoben werden. Durch.andere Einrichtungen wird es den Leutnants der entfernten Garnisonen ermöglicht, ihre Bildung durchaus zu vervollkommnen. Im (Ganzen stehe die Kriegsverwaltung dem Anträge freundlich gegenüber. Die Sozialdemokratie will für den nattonallibe- ralen Antrag stimmen, doch soll er nicht Anlaß zu planloser Versetzerci geben. Ter AntragBassermann wird schließlich mit allen gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Die beantragte Ersetzung sämtlicher Ockono- m i eh andwcrterdurch Zivilhandwerker hält der Kricgsminister für unmöglich, «da dies ja gar nicht Plötzlich vor sich gehen könnte. Es müßte doch auf dem Wege einer Entschließung geschehen. Selbstverständlich würde der Antrag eine sehr starke Verteuerung ergeben. Ganz könnte man natürlich die Oekonomiehandwerter wohl nicht ersetzen, wo es sich um Arbeiten innerhalb der Truppen selbst handelt. Der Betrieb mit Zivilhandwerkern sei teurer, aber auch gut. Das Richtige wird in der Mitte liegen. Das Zentrum erklärt sich aus Ersparnisgründen gegen den Antrag. Innerhalb der Truppe, der 'Kaserne usw., brauche man natürlich den Oekonomichandwerker immer noch. Eine dem Anträge entsprechende Entschließung wird eingebracht, indes gegen die Stimmen der Sozialdemokratie und der Polen abgelehnt. Darauf tritt die Mittagspause ein. Ein merkwürdiges Mißverständnis. Ein Berliner Blatt hatte in seiner geitrigen Abendausgabe in auffallender Fassung die Meldung gebracht von neuen großen Streichungsanträgen des Abgeordneten Erzberger bei der Wehrvorlage. Es handle sich um mehr als tausend Leutnants, um mehr als tausend Unteroffiziere und dergleichen. Tie Tatsache, daß Erz- bcrgcr einen folclren AMrag in der gesttigcn ersten Ausschußsitzung nach den Pfingstfetten hatte^ Perteilen lassen, ist richtig; aber die von dem Blatte gezogenen Schlußfolgerungen eMsprechcn durchaus nicht den Umständen. Es lprndelt sich lediglich um die Betteiluitg der neuen Formationen auf die nächsten drei Jahre und die Strttchung bezieht sich auf die Offiziere, Unteroffiziere uffw., die erst in den nächsten Etat eingestellt werden sollen. Dies wurde 511 Beginn der gestrigen Ausschußsitzung pttvatim unter den Mitgliedern sofort Nargestellt und niemand batte an eine so mißverständliche Darstellung der Bedeutung des harmlosen Antrags, der erst in den nächsten Tagen zur Mstrnrnrung kommen wird, gedacht. In der heutigen Sitzung wies der Antragsteller vom Zentrum die Auffassung in der crlvähntcn Zcitungsiwtiz mit sarkastischen Worten als ein abgeschmacktes Märchen zurück. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst die Burschenfrage behandelt. ' Die Sozialdemokraten verlangen in ihrem Antrag die völlige Abschaffung des Buri'ck enwesens. Es habe heute leine Berechtigung mehr; Gefechtstruppon sind die A) uJü Burschen nicht, und wenn nicht für etne tüchtige 'eeus- bildung dieser Mannschaften gesorgt werde, so sei das ein Betttoß der Komma ndogervalt. Das Zentrum lehnt die Forderung einer Beseitigung der Burschen ab, beantragt aber eine 'Entschließung, daß die erforderlichen Maßnahmen zur Verringerung der Burschen getroffen werden sollen. 9ütr diesem Wege sei die Milttärvenvaltung, so erllärt hierauf ©eneraHeut* nant Wandel, bereit, fortzu schreiten, und zwar sei in Aussicht genommen, für die zur Tumanftalt kommandierten Leutnants nur noch eine kleine Zahl von Burschen zu stellen. Nicht richtig sei es, daß die Burschen nicht ausgebildet werden. Die berittenen Offiziere brauchen natürlich einen Burschen, die übrigen, nichtdienstfreien Burschen, etwa 11000, werden durchaus ausgebildet. Im übrigen sei es Vorschrift, daß alle Bursck)en ein volles Jahr ausgebildet sein müssen. Die Militärverwaltung h.'iRc die Verwendung von Burschen zum Einkauf, zum Jndicsck ulesübren der Kinder und ioas sonst ähnliches angeführt sei, nicht für gut: es entspreche auch den Bestimmungen nicht. Das Bursäfenireftu sei durch Kabinettsorder vor mehr als hundett Jahren geschaffen, aber die Etatsgesetze rechnen durchaus damit, wie z. B. ihre Pensions-' beftimmungen zeigen. Ein volksparteiliches Mitglied hält eine völlige Be-' seitigung des Burschenwesens für unmöglich; aber zahlreiche Mißstände könnten beseitigt werden. General Wandel verweist noch auf die Offiziere, die in der Kaserne wohnen und unmöglich eine andere Bedienung haben können. Wenn einzelne Offiziere ihre Burschen in Livreen liefen, so handle es 'sich doch um eine Ersparnis. Im Vergleich zum Ausland ist in Deutschland kein besonderes Offizierreckü vorhanden. Die Stellung von zwei Bnrfchen ist verboten außer bet der Kommandierung berittener Offiziere bei besonderen Verhältnissen. Von nationalliberaler Sette wird gewünscht, daß auch die 11 000 Burschen berittener Offiziere zum Dienst herangezogcn werden. Von volkspar tcilicher Seite wird das Verbot von zwei kommandictten Burschen als Zusatz zum Zentrums- an t r a g gewünscht und mit dieser Erweiterung die beanttagte Entschließung des Zentrums bezüglich 'ber Verringerung der Burschen mit großer Mehrheit angenommen. Der nächste Verhandlungspunkt betrifft die Militärkapellen. Die Sozialdemokraten beantragen Abschaffung und wollen militärische Gründe für ihre Beibehalttmg nicht anerkennen, wenigstens nicht in der jetzigen Form; eine Marschmusik fei natürlich notwendig. Der .Kriegsminister erinnert an die erhebliche Herabsetzung der Regimentsmusiken vom vorigen Jahre. Weite, zu gehen, wird nicht möglizch 'sein. Der Wettbewerb gegen die Zivilmusik wird möglichst eingeschränkt. Nach großen Anstrengungen einer Schlacht spielt die Musik eine sehr große Rolle: der .Kriegs- Minister bezieht sich auf Beispiele des siebziger .Krieges. Es seien das Imponderabilien, die in der Praxis ihre hohe Bedeutung haben. Tie Militärmusik bilde auch eine wesentliche Verbindung zwischen Volk und Militär. Ein volkspartciliches Mitglied hält den Antrag der Sozialdemokraten für zu weitgehend. 11 n - lautere Konkurrenz gegen d i e Zivilmusik bekämpfe auch feilte Partei, aber jeden Wettbewerb zu verbieten, wäre unmöglich, da in manchen Gegenden andere Kapellen gar nicht vorhanden sind. Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt' für ihn stimmen nur die Antragsteller. Zur Urlaubsfrage beantragt das Zentrum eine Entschließung,die iür die Soldate einen mindestens durchschnittlich vierwöchigen Urlaub jährlich wünscht, erhöhten Umfang für die berittenen Waffen und lunlichsre Erteilung der Urlaubszeiten für die aus der Landwirt- sehaft stammenden Soldaten in der Erntezeit. Ter Begründer dieser Forderungen erklärt, es handle sich nicht um die Schaffung eines Rechtsanspruchs, es solle aber mit Rücksicht auf die erneute starke Belastung des Volkes doch auch eine Erleichterung geschaffen werden, insbesondere für die landwirtschaftliche Bevölkerung unter Voraussetzung guter Führung. Die Sozialdemokratie äußert Bedenken wegen der in dem Antrag zugelasfeneu Willkürttchkcit nach Laune des Vorgesetzten. Ter K r i e g s m i n i st e r erklärt, daß ein Urlaubsrecht gegeu jede militärische Erziehung sprechen würde; es müsse das abhängig bleiben vom diskretionären Ermessen des Vorgesetzten. Der Kompagniechef habe die ganze Ausbildung des Mannes und die Strafgewalt in der Hand.' Die Urlaubserteilung fei für den Kompagniechef bis auf vierzehn Tage beschränkt. Im Jahre 1907 wurden in der preußischen Armee allein auf Ernlc- urlaub 92 000 Mann frciqegeben. Die beantragte Entschließung wird einstimmig angenommen, nachdem die Konservativen noch einmal aus' drücklich festgestellt haben, daß ein Recht auf Urlaub dadurch nicht festgelegt werden soll. Der strenge Arrest als Disziplinarstrafe soll nach einer Entschließung, die das Zentrum beantragt, beseitigt werden. Der K r i e g s m i n i st e r äußert Bedenken; er müßte zunächst nut den entsprechenden Behörden in Verbindung treten. E§ fei jedenfalls nicht unbedenklich, die kurze strenge Strafe ganz zu beseitigen. Auch andere Armeen haben eine ähnliche Einrichtung. Durch die höheren Vorgefetzten wird indes darüber gewacht, daß die Strafgewalt nicht übermäßig ausgedehnt wird. Ein volksparteilicher 2lutrag wünscht den Zusatz „u nd Milderung des M i t t e l a rr e st e s". Die S o z ia l d e m okratie beantragt Streichung des Wortes „T i szip l iuar st ra f e". Es handle sich bei diesen Bestrafteii meist um psychologisch minderwertige, kranke Menschen. Die Nationalliberateu erklären sich für die Entschließung des Zenttums. Strenger Arrest wird namentlich sehr häusig auqeweudet im Wachdienst, und zwar nicht wie sonst durch die Regiipentsvorgefehteii. Ein Volkspartciler führt zur Begründung des ZilsatzantrageS Beispiele an, wo die Delinquenten auch vom Mittelarrest erhebliche Schädigungen erfahren. Ter Kriegsminisler versichert, daß die Canitätsofsizicre ganz besonders in der Richtung ausgebildet werden, daß sie psycho- vathifche Erscheinungen erkennen können. Es wird auch jedermann, für den strenger Arrest angeordnet ist, vorher auf seinen Gesundheitszustand untersucht. Der Kriegsniinisler verliest eine Aeußerung des früheren Präsidenten Grafen Ballestreni über die Notwendigkeit auch strengerer Strafen. Tie Sozialdemokratie erklärt den Dunkelarrest als Strafvollzugsmittel für eine Barbarei. Der Zusatzantrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt, der der Dolksoartei ebenso. Der Antrag des Zentrums wird gegen die Konservativen angenommen. Zur Frage des Mililärboykolts liegen Anträge der Sozialdemokraten, der Polen und der Volkspartei vor. Es werden besonders von den Sozialdemokraten und den Polen die bekannten scharfen Klagen erhoben. Ter Kriegs- in inister verwirft zunächst rundweg den sozialdemokralsichen Antrag der mit der Forderung eines Gesetzentwurfs in die Kommandogewalt des Kaisers Eingreifen würde; denn es handelt sich um eine Disziplinarfache, wie er im einzelnen nachweist. Die Militärverwaltung steht auf dem Standpunkt, daß der Militärboykolt keine politischen Z w e ck e verfolgt. Schon 1910 habe er eine entsprechende Verfügung erlassen. Tie Bestimmungen beruhen auf den Aeußeruiigen der Zioilbebörde. Ter Antrag d e r F o r t f ch r i t t s p a r t e i, der ein 13 e r - bot des Saalboykotts fordert, der seinen Grund in einer bestimmten politischen Ueberzeugung des Inhabers des Saales oder der Hergabe des Saales zu politischen Versamm- hingen hat, wird mit den Slimnien der Ratio nalliberaleii, der Sozialdemokraten, Polen und Elsässer angenommen, die Anträge der Sozialdemokraten nnb Polen werden abgclehnt. Weiter wirb ein Z e n l r u m s a n r r a g angenommen, die Mannschaften des Beurlaubten-Standes, soweit militärische und wirtschaftliche Gründe es gestatten, nur in den Wintermonaten z u Hebungen einzuberufen. Wegen des morgigen Fronleichnamtages wird die Beratung erst am Freitag fortgesetzt. Salomon L Cie Ophma Fahrräder g*. flnb oon unii6rr!rof|om S«I» u. flaltbarkrlt. Oerfonb ,u nkftrin- ywTyy ftta0rl|in6lvrelin>. '^4=5' tkilonftmeic toftm« *4ol< ßulcnkung meine« BlkdUl0fl<» H. Tlmmann, Hannover 106 Mnheber Hwtid Ueng*. O.rrOed« 1M2. NihmuLkkncn Paket 30 Psg. 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Es werden darin verschiedene in manchen Zeitungen verbreitete Irrtümer Auf L i ^Mirigen, S”llng fefe m, .ul- IUI mit- .««■ völlige ,et iahlrciche. fe' bic in der » .haben "Wen j gleich zum Emt Dorbonbm '°!cn außer bei ""deren Bnhälst wünscht, daß ontfj enstherangezvgm ’ das Verbot von a Zentrums, e beantragte ngerung der tnommen. Reguliert die Verdauung. Löwe«,50Min. v. Stat.Geln- Haus., eig.Fubr w., Pens.3.50^ Inh. Jean Bohlender. l^/< ’ldiaffungunh nicht anerkennen, Marschmusik [d erbeblithe verüb' ihre. Veiler zu 1 gegen die Zivil- n Anstrengungen ollec der Kriegs- er .mneges. e bohe Bedeutung klicke $e'bin6ung licke- Mitglied eitgehend. Un- ilmuiik be- i verbieten, toäxt irffat gar nicht Moore geben. Wenn möglich, wird die Reise in Wilhelms- havetr enden. Den Landwirten, die Interesse an der Förderung ihrer Viehzucht, besonders der Schweinezucht haben, ist hier Gelegenheit .gegeben, ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu erweitern. Anmeldungen sind, du die Zahl der Teilnehmer eine beschränkte ist, alsbald an die Landwirt- schaftsmmrner ^u richten. Die Landwirtschaftskammer- Darmftadt, Rhernftraße 34, ist bereit, nähere Auskunft zu erteilen. ** Die Priv atbauten in unserer Stadt, die im vergangenen Fahr begonnen wurden, gehen ihrer Fertigstellung entgegen. Dagegen sind die Aussichten um lohnende neue Avbeit für private Bauherrn bisher sehr schlecht. In der ganzen Stadt ist bisher nur ein einziger Neubau, der des Stadtv. Plank in der Mühlstraße angefangen worden. In den sich streckenden Straßenzügcn der Außenbezirke sind zwar eine ganze Anzjahl von Privathäusern noch im Bau begriffen, mit deren Innenausbau das Bauhandwerk bc- schäfttgt ist, aber die Unternehmungslust, weitere Wohnhäuser zu errichten, scheint wenig vorhanden zu sein, und mit Sorge sehen schon jetzt Bauunternehmer und Handwerker dem Winter entgegen, wo es an Arbeit mangeln wird. Ein Beweis, wie wenig ermutigend für die Gewerbetreibenden die Verhältnisse in unserer Stadt liegen, ist wohl die Tatsache, daß im ersten Vierteljahr d. I. nur sechs Baugesuche wegen Errichtung von Wohngebäuden gegen 15 solcher Gesuche im Vorjahr, vom Wohnbauamt genehmigt sind. Die Gründe, die die Unt ern etym u ng s fit st zurückdämmen, sind zweifellos die knappen Geldverhättnisse und der damit bedingte hohe Zinsfuß, die hier mitsprechenden Stempel kosten, die bei jedem Neubau erhoben werden, und die zahlreichen leeren Wohnungen in der Stadt. Tie Baudeputation und das ihr untergeordnete Stadtbauamt sollte aber bei Baugesuchen, selbst wenn sie an noch nicht eröffneten Straßen bauen wollen, den Gesuchstellern weitgehend entg^genkommen und damit wenigstens dazu beitragen, daß Handwerker und Arbeiter Lohn nnd Brot haben. 60 Perlen M150 A. Diefenbach, tk Apotheke WheuaW J. SONN Tesil3<^or^nla^l3. 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