Die Antwort der Pforte. lieber die Entschließungen der Pforte liegen nur unbestimmte Nachrichten vor, die aber auf Nachgiebigkeit schließen lassen: Konstantinopel, 19. Ian. Nach sicherem Vernehmen soll sich fast der gesamte Ministerrat für den Frieden ausgesprochen haben. Nur einige Minister hätten für den Krieg gestimmt, seien aber in der Minderheit geblieben. Man glaubt, daß die Antwort der Pforte, ohne eine kategorische Ablehnung zu enthalten, Anlaß zu einem schriftlichen Verkehr mit 5en Mächten bieten wird. Die inspirierte türkische Presse bereitet die öffentliche Meinung auf die Antwort vor, welche der Note der Mächte entgegen kommt. „Jeni Gazetta" hebt hervor, welche großen Schwierigkeiten für die Türkei angesichts der Mächte durch die Ablehnung entstehen würden, und erklärt, es sei in einem solchen Augenblick nicht geboten, Rechtsprinzipien und Verträge zu prüfen. Die Rettung des Landes sei nur möglich, wenn man mit den Tatsachen rechnete und ohne Zaudern vernunftgemäße Entschlüsse fasse. „Ikdam" behandelt die Mitteilungen einiger Zeitungen in denen erklärt wird, die Pforte würde durch fortgesetztes Nachgeben ihre Prestige verlieren und durch Opfer nichts erreichen und sagt, die Pforte müßte die politische und militärische Lage berücksichtigen und nicht zaudern, den durch die Umstände ihr auferlegten Opfern zuzustimmen und versuchen, die von den Großmächten gemachten Versprechungen ausznnützen. Wie das Reutersche Bureau erfährt, ermächtigte der bulgarische Premierminister Geschow die Delegierten in London, dem Oberkommandierenden General Sawow direkt zu telegraphieren, die Feindseligkei - tcn wieder auszunebmen, wenn sie meinen sollten, daß für den Friedensschluß keine begründete Aussicht mehr bestehe. — Im Zusammenhang damit wird darauf hingewiesen, daß die Soldaten der Balkanverbündeten spätestens im Februar zur Bestellung ihrer Aecker zurückkehren müssen, da sonst eine Hungersnot unvermeidlich wäre. Die türkische Nationalversammlung Konstantinopel, 20. Jan. Der Tag der Zusammenkunft der beratenden Versammlung ist noch nicht endgültig festgesetzt. Da der Ministerrat morgen zusammen^ treten soll, könnte die Versammlung erst übermorgen zusammentreten. Die ratgebende Versammlung wird im Palais unter dem Vorsitz des Großwesirs tagen und es werden in ihr die meisten Senatoren, die Präsidenten der Sektionen des Staatsrats, die Unterstaatssekretäre, die Sektionschefs der Ministerien für Justiz, Krieg und Marine und einige Direktionen der Departements der Kulte teilnehmen. Das Beamtenelement scheint vorherrschen zu sollen. Soweit bisher bekannt ist, werden die bisherigen Großwesire und ehemaligen Minister der jungtürkischen Kabinette nicht eingeladen werden. Die Seeschlacht. Der türkische Minister des Aeußern Noradunghian erklärte dem Vertreter des Wolff-Bureaus, daß bte Seeschlacht gestern bei der Insel Luros zwischen einem Teil der türkischen Flotte und der vollzähligen griechischen Flotte ftattgefunden habe. Der Kampf hätte B1/» Stunden gedauert. Auf beiden Seiten habe es Havarien gegeben. Auf türkischer Seite sei genau beobachtet worden daß der griechische Panzerkreuzer „Gerogios Ameroff" Beschädigungen erlitten habe. Tie türkische Flotte sei heute morgen vollzählig in die Dardanellen zurückgekehrt. Kurz vor dieser Erklärung des Ministers hatte die offiziöse Agenee Ottomane die Athener amtliche Darstellung der Seeschlacht veröffentlicht. den redlichen Friedrich Wilhelm den Dritten! Als der Wagen jidübar wurde, schwenkten wir die Mützen und schrien ilynt jubelnd entgegen, und Alle jauä>zten ihm zu: Gegen Frankreich! Und ich jauchtzte mit, die Augen voll Thronen, zum ersten Male von einem Gedanken ergriffen, von einer Meinung, von einem Gefühle des Vaterlandes!" Im Theater — man gab Kotzebues „Deutsche Hausfrau" — entfaltete sich dann die erste Huldigung. „Die versannneltcn Zuschauer achteten wenig oder gar nickst auf die Darstellung. Alle Blicke waren auf eine Loge gerichtet. Der König sand sich erst in der Mitte des zweiten Aktes ein. Heiliger Gott, welch ein Augenblick! Das waren ruckst Untertanen, die, weil es eben hergebracht ist, von flückstigem Enthusiasnnls oder von eingeborener Anhänglichkeit bewegt, dem Monarchen huldigen wollen: das war nicht ein König, der diese Huldigung mit gnädigem Läckreln hinninrmt und sich darm bequem nach der Bühne wendet: Nein, das waren Menschen, die in rein inensckstidrer Empfindung dem Manne Treue schwuren, den sie in Seinenr Unglück achten und lieben gelernt. Jhrn wollten sie sagen: Da sind wir. Alle für Einen, und du, unser König: Einer für Wie! Niemand mockste in diesem Augenblicke an Orden und Ehrenstellen denken: Kanrpf, Blut, Rache, Freiheit, Sieg, und Tod! Um Ihm näher zu fein, dem ritterlichen Vater, von Seinen holden Kindern umgeben, stiegen die Leute im Parterre auf die Bänke. Die „Deutsche Hausfrau" ging dabei zu Grunde. Tie Schauspieler hatten gut weiter spielen, sie brachten Nichts mehr zu Stande: bnm teils erregte jede Silbe in ihren Reden, die nur irgendwie eine Be> zichung gestattete, neuen ?lusbruch der dröhnenden Freude. . /' * Neue Heilerfolge mit Saloarfan, Frankfurt a. M ., 18. Jan. Bor einend glänzenden Auditorium, das den großen Festsaal und die Wandelgänge des Senckenbergmuseums bis in dcm entlegmtsten Winkel dickst besetzt lstelt, sprack) heute abend Geheimrat Exzellenz Ehrlich über „Moderne Heilprinzipien" und beleuchtete dabei auch die jüngsten Forschungsergebnisse und Heilerfolge mit Salvarsan, die ganz ungeahnte neue Richtlinien für die neuzeitliche Therapie erschließen. Nach einem kurzen Rückblick aus die Entwicklung der chemischen Theravic seit Pasteur verbreitete fick; der Redner- über die Wirkungen und Anrvendungsformen des Salvarsans auf die Spirochäten, um dann eingehend die glänzende Reihe der neuesten Erfolge zu üiertuigcH ■Merci Laubach. iuat, nach SmemmtntuuH i bei Sttknktn. L W Lckcu 1. u. 11 RL 1<1 c, t> Ä'ncvervrüqel, Ibl A» u H. SL. 12 MkenM ^Tlcnprügel 1 Gicbenitamn nm. 2. Wctlerauw 3. Tcaakbach, Wkideaau, n flitcnbaa. Luchen W. 1 u I16I..13SÄ . . HunWIW«*1 lrrtäl«n«te* V-mMtl MWl «: S™ .-'ÄL. wl ■ n iirttn'WaRi bei 7d)Cil I. u- II. „MU i'fmtw«- 4?r 3 u. 4 wird UN' rvih unter 7>r. o ä»niet 7,W.. „it 8,89 <1 8 31 21- * ststvl" 49 stD. 9 2t. Ä =L 1 61 ®b Äl. I5 SL ..^7c7waltun»_,----- steigerittig -»»i.« s i:. 1 wt, al 3 St. ’t* Fstvl., 41 mit 0,70 M „ irUnbb' „VßÄ®8*' tim. W ' ^^nraarten- 01 d 18. 3an 2innba. Nr. \l Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Siebener,'familienblätter, zwkimalwöchentl.Ureis- blatt für den Nreis Sichen (Dienstag und Freitag); zweimal monntl. Landwirtschaftliche Zeitsragen Fern sprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für dle Tagesnmnmer bis vormittags 9 llhr. 41 ■ ,yü> -S: ''X\- Erstes Blatt 165. Jahrgang Anzeiger für NotationröruS und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Steindruckerri U. Lange. Nedattion. Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Lmch":^E.Heß-^ür den Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck. Dienstag, 2\. Zanuar 1915 Beznasvrei >: monatlich 75 Bf., vierteljährlich Mk. 2.20: dilrch Abhole- u. Zweigstellen moimtlich 65 Pf.; durch diePost 'btt. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellq. Zeileuvreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Ehefredakteur: A Goetz. Verantivortlich für den potitiichen Teil: August Goetz; für .Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": 51. Neu- Die heutige ‘Kumme: umfaßt 10 Seiten Vnanvs Wiederkehr. Die Wiederkehr eines bedeutenden Mannes, der schon einmal die höchste Stufe der politischen Macht erreicht hatte und gestürzt wurde, erzeugt in der Politik dramatische Spannungen, die denen der Bühnenwelt an Stärke und Reiz nicht nachstehen. Aristide Briand, der Gastwirtsohn von Saint Nazaires, der als Journalist auf dem Montmartre in einer bescheidenen Achthnndert-Franken.Wohnung hauste und nach seiner ersten Ministerpräsidentschaft (vom 27. Juli 1909 bis 27. Februar 1911) ein fürstlich ein gerichtetes Heim in der Nähe des Trocadero zum Mietpreise von 4000 Franks bezog, will mit seinen 50 Jahren nicht am Ende seiner politischen Laufbahn angelangt sein. Er, der von Poincare ersucht worden ist, das Kabinett zu bilden, fordert sein Jahrhundert nochmals in die Schranken. Und merkwürdig, angesichts seiner jetzigen Bemühungen, das Nachfolgekabinett Poincares zusammenzubringen, zeigen sich auch die erbittertsten Feinde Briands nachgiebig. Und er selbst erklärt, er wolle in seinem Ministerium das Maximum der Aussöhnung zwischen den Republikanern erwirken. Wie ganz anders klingt dieser Ton, wenn man fid) der schweren Anklage erinnert, die Briand bei seinem Rücktritt vor zwei Jahren gegen die republikanische Mehrheit schleuderte. Er erklärte damals, daß die Spaltung der republikanischen Mehrheit und die Hindernisse, die seine Feinde ihm systematisch in den Weg legten, seine Tätigkeit lahm legten. Unter diesen Umständen könne er die Geschäfte nicht führen. Es sei ihm zuwider, inmitten von Fallstricken und Winkelzügen fruchtlos arbeiten zu müssen. Die Feindschaft, die sich hauptsächlich gegen seine Person richte, mache es ihm unmöglich, fein Reformprogramm, „das kühnste, bas je dem Parlament vorgelegt wurde", durchzusetzen. Briand empfahl damals dem Präsidenten Fallieres, ein Ministerium einzusetzen, das sich auf die vereinigten republikanischen Parteien stützen könne. Den von Briand damals gebrauchten Ausdruck von der „erweiterten Majorität verstand man nicht recht. Die einen glaubten, daß Briand seinem Nachfolger den Rat geben wollte, auch die Progressisten, die ehemaligen Parteigänger Melines, nicht zurückzuweisen. Die anderen deuteten jenen Ausdruck dahin, daß Briand endlich zu der Erkenntnis gelangt sei, es gehe nicht weiter an, gegen die große sozialistische Gruppe der Kammer, mit anderen Worten gegen das Proletariat, zu regieren. Was Briand gemeint hat und ob er konsequent bleiben kann, das wird er jetzt, bei seiner eigenen neuen Kabinettsbildung zu beweisen haben. Briand legte bisher auf jedem Ministerposten die feste Entschlossenheit an den Tag, selbst zu regieren, und mit der Tyrannei der Kammerausschüsse und Parteibonzen endgültig zu brechen. Besonders schroff kehrte er den Diktator, wie seine Gegner ihn nennen, den Radikalen und Radilalsozialisten gegenüber hervor, gegen deren Einschüchternngsversuche er sich stets unempfindlich zeigte. Briand, der sich nie einer blühenden Gesundheit erfreute, der durch die Mühen und Plagen des Amtes sehr angegriffen wird, und nach seinem Sturz im Frühjahr 1911 nur durch eine längere Mittelmeerreise vor schwerer Erkrankung bewahrt blieb, läßt sich doch im politischen Kampf nicht unterkriegen. In den aufregenden Tagen des französischen Eisenbahnausstandes, in oer denkwürdigen Kammersitzung vom 30. tob er 1910 versuchten ihn seine verbündeten Gegner durch physische Erschöpfung zu iiberwältigen, ihn durch Schreien und Drohen am Reden zu verhindern, in der Erwartung^ er werde, em Opfer der Müdigkeit und des Ekels, freiwillig von seinem Amte zurücktreten. Vergebens. Briand hielt ■—hi w t I 'n in iw» .............. a dem wüstesten Ansturm stand und trat erst vom Posten ab, als ihm die politische Macht durch Mißtrauensvotum beschlußmäßig aus der Hand genommen wurde. Freilich, uneingeschränkte Bewunderung kann ihm auch der unparteiische Beobachter nicht zollen. Wenn auch niemand das hohe Können und die bestrickende Begabung Briands bestreitet, so waren doch die Ergebnisse seines politischen Wirkens nicht immer völlig einwandfrei. Während er, der die „Ord nung" als höchsten Grundsatz der Staatsweisheit hinstellt, Justizminister war, geriet die „Milliarde der Kongregationen" in allerlei ungetreue Hände. Es ist auch durchaus noch nicht ausgemacht, ob der Eisenbahnausstand seinerzeit nur durch Briands Energie oder vielleicht mehr durch den Mangel an Organisation und Geld so schnell zu Ende ging. Berechtigte Zweifel dürften auch daran bestehen, daß Briands überraschend schneller Uc'bergang von den revolutionärsten Anschauungen zn einer gemäßigten und bürgerlichen Staatsdoktrin lediglich von der wachsenden Erkenntnis der Staatsbedürfnisse beeinflußt war. Vielmehr mag die persönliche Nützlichkeitsfrage auch eine Rolle bei dieser Wandlung gespielt haben. Dank Briands sog. „Beruhignngs- polikil" hat sich das Ordenswesen in Frankreich wieder einzunisten begonnen, und vorausschauende Politiker fürchten bereits, daß ein neues Kabinett Briand wieder zu der freunb» lichen Duldungspolitik der Meline und Genossen zurückführen könnte. Solche Bedenken machen eine unbegrenzte Bewunderung der Politik Briands nicht möglich, aber fest steht doch im Jnlande wie im Auslande, daß Briand zu den hervorragendsten Persönlichkeiten der dritten Republik gehört. Sein erstes Kabinett war kein „grand miniftere", aber er selbst war ein sehr glänzender Ministerpräsident. Umso gespannter ist man nun darauf, ob er diesmal ein großes Ministerium mit seiner starken Person an der Spitze zustande bringt. Paris, 20. Jan. Briand besprach sich im Laufe des Vormittags insbesondere mit Jonnart, Pichon, Andre, Lefevre und Etienne. Er wird die Bemühungen, ein neues Kabinett zu bilden, heute nachmittag fortsetzen. Er ist bestrebt, möglichst viele der zurückgetrctencn Minister zu gewinnen, da das Kabinett Poineare angesichts der Wahl seines Führers zum Präsidenten sozusagen an dem Uebermaß des cntgegengebrachtcn Vertrauens gestorben ist. Aber Bourgeois weigert sich, Poincares Nachfolger für das Auswärtige zu werden. Telcasse will weder die Marine behalten, noch Kriegsnrinister werden, obgleid) Briands wiederholtes Ersuchen an die beiden von Falliöres und Poincare warm unterstützt wird; Bourgeois und Tcleafsö begründen ihre Weigerung mit ihrer erschütterten Gesundheit. Lebrun endlich lehnt das Kriegsministerium aus Gründen ab, bte anscheinend nur der Bescheidenheit entspringen. Trotz allem hofft Briand, dem Präsidenten nodj heute abend eine definitive Antwort geben zu können. Staatssekretär Dr. Sols in Hamburg. Hamburg, 20. Jan. Staatssekretär Dr. Sols ist hier eingetroffen und im Hotel „Zu den vier Jahreszeiten" abgestiegcn. Er besuchte die Handelskammer und machte einen Rundgang durd) die Börse. Ferner wird er das Kolonialinstitut eingehend befiel) tigen. Morgen gibt die Deutsche Ostafrikalinie an Bord eines Reichspostdampfers zu Ehren des Staatssekretärs ein Frühstück Am Abend folgt ein Gastmahl der Handelskammer. Ter Senat gab heute abend im Rathaus zu Ehren des Staatssekretärs ein Festmahl. Staatssekretär Dr. Sols dankte für die ihm zuteil fielt orbene Einladung. Er betonte dann die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens zwischen dem Auswärtigen Amt und der Kolonial Verwaltung und gedachte hierbei in herzlichen Worten des ver storbenen Staatssekretärs v. Ki d e r l e n - W ä ch te r , mit dessen Anschauungen über auswärtige Politik und Kolonialpolitik und deren Jneinandergreifen er selber stets ü b er e i n g e st i in m t habe; insbesondere sei cr mit Herrn v. Kiderlen-Wächter darin einer Ansicht gewesen, daß in Afrika nid)t eine oder die andere Macht besondere Rechte für sidi in Anspruch nehmen dürfe, sondern daß Afrika eine internationale Aufgabe biete, an deren Lösung alle Nationen zu arbeiten berufen seien. 4 ■■■ nr in 11 n in ........... i um——— HMHir Oos Signa! der Zreihei skriege. (Des Königs Reise nad> Breslau.) iDie Abreise König Friedrid) Wilhelms nad) Breslau am 2 2. Januar früh bedeutet den eigentliä>m 9btbrud) der großen Zeit vor 100 Jahren: nach man derlei Schwanken und Zaudern wird nun das Signal zum Freiheitskriege gegeben, und Sdstag auf Schlag folgten die Befehle zur Einleitung des großen Kampfes. Schon seit vielen Wochen loar in der Umgebung Friedrich Wilhelms der Plan erwogen worden, daß sid> der König in das »oit französischer Seite für neutral erklärte Schlesien und zwar Mir besten nach Breslau begeben solle. x’Cber der Monarch zögerte noch immer, während im Volke immer lauter das Gerücht aus tauchte, die Franzosen beabsichtigten, fidj der Person des Königs tzu bemächtigen und ilstr als Geisel fortzuführeu. Stefhens erzählt in seinen Erinnerungen, wie tief man von der Angst betroffen war, „die Reste der svanzöfischen Annee könnten fid) in dem von ihnen besetzten Berlin Gewalttätigkeiten gegen seine geheiligte Person erlauben." „Jettt erst trat jene geheim bewahrte Treue, die den rechten Mitielpunll aller zuküirftigen Tat gesunden hatte, wie sie mächtig während des .fkrieges heranschwoll, .wie sie während Les langen Leidens still im Innersten, oft denen, die sie pflegten, unbemertbar, fid) erhielt, hervor, und alles, wozu ein jeher bereit war, hatte sein göttliches Siegel erhalten." Ein schlesischer Adliger wandte fick in einem Brief direkt an den König und befebtoor ihn, Berlin zu verlassen; aber cr wurde aufgehoben und itad) der Lausvogtci in Berlin gebracht. Die unschickliche Ermahnung eines Einzelnen, Unberufenen, sollte nicht herbeiführen, was das Resultat der reifen Beratungen derer sein müsse, denen der König fid) selbst anbertrauen sich entschließen wollte." Die Abreise erhielt erst ihren politischen Zweck, nachdem die Ziele und Wsichten des Zaren Alexander klargelegt waren. Als nun der an ihn abgesandte Major von Natzmar am 19. Januar auf Umwegen vor den Häschern Eugen Beauharnais' nad) Berlin zurückkehrte und völlig befriedigende Zusid)erungen Alexanders mitbrachte, war der rechte Augenblick da. Tie Gefahr für die Person des Königs erschien größer als je. Mitt Januar bereits war die italienische Division Grenier in Berlin erfd)icnen; mir mit Mühe gelang es, sie abzuhalten, in Potsdam, der Residenz des Königs, die nach dem Vertrag von 1812 von französischer Besatzung frei bleiben sollte, Quartier zu nehmen. Am 17. Januar oettsuchten sic in Potsdam eiirzurücken; an demselben Tage sah man bereits das Sechsgespann am Wagen des Staatskanzlers Hardenberg angespannt. Nun ergriff auch den König die allgemeine Besorgnis; nock) am Abend des 17. Januar ließ er unter dem Vorwand eines militärischen Sd-auspiels für den Herzog von Koburg die Truppen der Potsdamer Garnison mit scharfen Patronen ausrücken. Jn^Derlin, wo das Leibregiment zum Ab- marfd) Befehl erhielt, kam es zu tumultuarischen lAustritten. Mau loar auf das Aeußerste gefaßt und dachte daran, das Volk durck) Glockengeläut von den Kirchtürmen zum Schutze des Herrfck)ers aufzurufen. Trotzdem zögerte Friedrid) Wilhelm nod) immer, Potsdam zu verlassen; Böhen erzählt in seinen Erinnerungen, Hardenberg sei von der Größe des Augenblicks fottgerissen, vor dem König auf die Knie gefallen imdchabe ferne Hand mit Tränen bedeckt, ohne indeß von ihm einen festen Entschluß erhalten zu können. Am 20. aber gab der König endlich den Befehl zum Abmarsd) der Potsdamer (tiarnifon nach Schlesien. Dann feierte noch am 21. Januar das königliche Hmis die Konfirmation des Kronprinzen. „Kein Auge blieb thränenleer; allen war, als ob der Schatten der verklärten Königin unter ihren Kindern erschiene, während das bedeutungsvolle Bekenntnis des Thron folgers verlesen wurde: „Fest und ruhig glaube ick) an den, der zum llcbermutbe spricht: hier sollen sich legen deine stolzen Wellen! Das Morgenroth eines besseren Tages bricht an." Am 22. Januar reiste der König ab: Hardenberg folgte, ebenso der französische Gesandte Gras St. Marsan. Der Staats- kanzier hatte am Tage vorher dem Gesandten und den höchsten Offizieren der französischeu Besatzung bei einem1 Diner-des Königs Abreise und seine Msidst m tgeteilt, dort eine neue Armee für Frankreich zu schassen. Berlins Ennwohner ersuhren die Tatsache am 23., zugleich mit der Bekanntmadmng von her Einsetzung einer Ncgieriingskommission, die in des Königs Namen die lausenden Geschäfte erledigte. Manchem erfdneii die Tat des Herrsd)ers wie eine plötzliche Flucht; die meisten aber'wurden wie von einem Alp befreit und bejubelten dieses Signal als die Einleitung zum Befreiungskrieg. In Breslau wurden unterdessen mit sieber- haster Eile die Vorbereitungen getroffen, alle verfügbaren Lokale mit Besdstag belegt. Und dann kam der König, begleitet von seinen Kindern, Hardenberg an seiner Seite, die höchsten Beoniten und Generale um ihn her. „Ick) lief lstnaus vor Tor," erzählt Holtci, „und erwartete mit einem Häuslein Breslauer an dem Gasthause zum „Bären", eine Viertelstunde von der Stadt, auf der Lanhsttaße Den erfetynten, den geliebten, den guten König; Vereini- t — n VI •U*lt IVUIVUI l “»v A.uu'iu.nn|i -IV vu l U . I i' T - .. öorriialicbev AnschauungSmater ial ergänzt würbe, |iiicr wurden für seine Darbietungen, die durch ein Die Geschäftsstelle der Freien Vereinigung hessischer Rationalliberaler hat — so wird uns geschrieben —, nachdem int Laufe des Dezember mehrere Versammlungen in den Wahlkreisen Gießen und Mainz—Oppenheim stattgefunden haben, ihre tagswahlkreis Erbach—Bensheim, fo; Donnerstag, 16. Jan. sprach der Generalsekr. gung Tr. O. Lins e in Bensheim a. d. B. (Bahnhofbotel), am 17. in Jugenheim (zur Sonne), am 18. in ^celjeim '»otel Viktoria), am Sonntag, den 19., nachmittags 4 JU)T, in Alsbach und abends 8 Uhr in Hühnlein über die Stellung der nationalliberalen Partei zur politischen Lage, insbesondere gab er im R ahnt en seiner Ausführungen die Anlässe berannt, die zur Gründung der „Freien Vereinig gung" geführt haben und legte die Richtlinien fest, nach der die Vereinigung zu arbeiten gewillt ist. Unterstützt wurde der Redner von dem bei der letzten Neichstagswahl mit wenigen Stimmen unterlegenen nationalliberalen Kandidaten des Wahlkreises, Herrn Fabrikant Scior aus Erbach, von Herrn Finanzrat Bangel-Darmstadt und anderen Parteifreunden. Sämtliche Versammlungen, vornehmlich die in Bensheim, Alsbach und Hühnlein, waren außerordentlich stark von Angehörigen aller Parteien besucht. Für seine Ausführungen erntete der Redner allenthalben reichen Beifall und allseitig gab man in der nachfolgenden, teilweise recht lebhaften Aussprache der Freude Ausdruck, daß imnmehr ein jrifdyer Zug in die nationalliberale Partei in Hessen hineinkomme und daß die Arbeit der Geschäftsstelle zu der sicheren Hoffnung berechtige, daß nach dem nächsten Wahlgang die nationalliberale Fahne wiederum über bem diesmal an die Sozialdemokratie verloren gegangenen Wahlkreis wehe. — In den nächsten 14 Tagen wird Dr. Linse in weiteren 10 Versammlungen im Wahlkreise Erbach—Bensheim sowie in 3 Versammlungen im Wahlkreise Mainz—Oppenheim über die Ausgaben und Ziele der nationalliberalen Partei sprechen. erläutern. Tie schwerste Form der Tropen rühr, die'Amöben rufrr, eine bisher fast unheilbare ftranfbeit, wird seit kurzer Zeit mit dem Salvarsan in ivirksamster Art bekämpft. Hier wurde mit dem Mittel die stärkste bisher beobachtete Desinfektion des Tariukanals erzielt. Eine gleiche lyeroorragcnbe Wirkung übte das Salvarsan bei den Frangoesie aus, indem bei Versuchen im Krankenl>ause zu Surinam von 1200 Kranken nur 10 Personen ungeheilt blieben, lieberbaubt scheint das Salvarsan berufen zu sein, bei der Bekämpfung der Tropenkrankheiten eine bedeutende Rolle zu spielen. Auch die örtliche Bebandlung der Angina durch Salvarsanpräparale zeitigt immer bessere Erfolge. In der Bekämpsung der Schlafkrankheit wird das Mittel mit stets wadrsenden Erfolgen angewendef. durch eine einmalige intensive Einspritzung, die nrährend der ersten Krantheitsperiode vollzogen wurde, genasen in kürzester Frist 90 Prozent. Bei der Malaria tertiana wirkt das Salvarsan schneller als das bisher übliche Elnnin. Gegen die anderen Formen der Malaria konnte noch kein Erfolg verbucht werden. footnfh Mcl Hinrich Stea Ms Ans Hessen» Der Streit Grünewald Winkler. Wir treten nur ungern dazu heran, in der leidigen Angelegenheit, die auch nicht alle unsere Leser interessieren wird, noch weitere Veröffentlichungen zu bringen. Soweit der Tatbestand, wie er demnächst den gerichtlichen Verhandlungen vorliegt, berührt wird, sehen wir uns indessen heute noch zu einigen Mitteilungen veranlaßt. Der Abg. Grünewald, mit dem wir in imfercr Nummer vom 13. d. IM. übereinstimmten, nur das N o t w e n d i g st e in der Angelegenheit uw ch zu veröffentlichen, sandte uns ein Schreiben, aus dem hier einige sachliche Momente entnommen werden sollen. Er schreibt, daß bei seiner maßgebenden Rücksprache mit Herrn Tr. Wallau am 8. Januar die Annahme der Forderung, wenn sie komme, vereinbart worden sei. Bis heute, 18 Januar, sei sie nicht gekommen. Erst vor einigen Tugen habe er, Grünewald, aus einem Briese des Herrn Anitsrichters Schneider entnommen, daß Herr Tr. Winkler ihm schon vor Weihnachten mitgeteilt habe, er Hube ihm (Gr.) eine Säbelforderung überbringen lassen. Tas habe also Herr Dr. Winkler seinem Beauftragten in einem Zeitpunkte geschrieben, in dem noch nicht einmal Herr stud. Landrh mobilisiert mar. Ebenso steht — so fährt Herr Gr. fort, „fest, daß ernsthafte Verhandlungen mit Herrn Amtsrichter Schneider im Gange waren, daß ich eine Antwort desselben zu erwarten hatte und daß sogar bis heute noch eine Mitteilung, ob der Auftrag, den Herr Dr. Winkler diesem Herrn erteilt hatte, erloschen sei, aussteht. Bei dieser Sachlage bestand durchaus kein Anlaß, den Herrn stud. Landry, den Herr Tr. Winkler nun plötzlich zu entsenden für gut fand und dessen Instruktion ich durchaus nicht kannte, zu empfangen." Damit wollen wir nun die Debatte schließen; Die gerichtlichen Verhandlungen werden das weitere klarftellen. Von Herrn Amtsrichter Schneider, dessen Name bei den Erörterungen schon genannt worden ist, erhalten wir vom 20. d. Mts. aus Bad-Nauheim noch. folgende Zuschrift, der wir aus Gründen der Billigkeit Raum geben müssen: „Die Nr. 14 des „Gießener Anzeiger" vom Freitag, den 17. d. M. enthält einen Artikel zur Sadjc: Grünewald-Tr. Winkler, der auch meine Person ermähnt. . . Aus Grund des § 11 des Preßgesetzes eriuche ich um geft. Berichtigung, indem ich Ihnen Nachstehendes zur Kenntnis bringe: Ich habe Herrn Justizrat Tr. Grünewald nicht bei der ersten Unterredung gesagt, der Streitfall zwischen ihm und Herrn Dr. Winkler werde mit der Waffe ausgetragen werden, wenn jener nicht eine diesem genehme Erklärung abg^be. Das wäre eine Nötigung gewesen, die ich wohl-bewußt vermieden habe. Ich habe Herrn Dr. G. damals vielmehr folgendes gesagt: „Herr Dr. Winkler hat mir eigentlich die Erledigung eines anderen Auftrages angesonnen; ich habe diesen aber mit Rücksicht auf meine Stellung als Amtsrichter abgelehnt." Herr Dr. Winkler hatte mich am 17. Dez. gebeten, Herrn Dr. G. zu fragen, ob er die beleidigende Aeußerung zurücknehme; andernfalls möge ich ihm eine schwere Säbelforderung überbringen. Er erwähnte dabei auch noch, daß er erst jetzt Kenntnis von den beleidigenden Worten des Herrn Dr. G. durch die Zeitung erhalten habe. Ich antwortete Herrn Dr. Winkler sofort, ich wolle eine vermittelnde Tätigkeit gern übernehmen, und erklärte ihm am nächsten Tage noch ausdrücklich, eine Forderung möchte ich mit Rücksicht auf meine amtliche Stellung nicht überbringen. Ich erklärte daher auch Herrn Dr. G. bei der ersten Unterredung, ich entfalte eine lediglich vermittelnde Tätigkeit im Interesse einer gütlichen Erlangung der Sache. Bei dieser Unterredung verlangte Herr Dr. G., daß Dr. W. seine Beleidigung zuerst zurücknehme. Ich erklärte ihm, das werbe Dr. W. nicht tun. Doch könne vielleicht ein Weg gefunden werden, daß beide Herren gleichzeftig die Rücknahme erklärten. Jedenfalls wolle ich versuchen, Dr. W. dazu zu bewegen. Ich schrieb ihm auch am 19. und am 20. ober 21. Dez. in diesem Sinn. Am 23. Dez. fragte Dr. G. telephonisch bei mir an, wie sich Dr. W. zu seinen Vorschlägen stelle. Ich antwortete ihm, ich hätte noch keine Antwort. Am 24. Dez. schrieb mir Dr. W., er könne den Vorschlag Dr. G s. nicht annehmen; er hätte diesem daher eine Säbelforderung überbringen lassen. Da ich daraus nur entnehmen konnte, daß ich einer vollendeten Tatsache gegenüberstehe, hielt ich meine Tätigkeit für durchaus beendet. Ich schrieb auch sofort an Dr. W. in diesem Sinn und erklärte mich bereit, vor der Austragung eines Zwei- .AM ..[t ja S( W HZ Sdi belesenem linLinc-it'ber^aI brach n Ä * e«*1® Vffl Nacht einmal m biblioM "nd e> in liebenswürdig 2 Nidd a, Kreises Äul Kersammlu erschienen warn bEÄ Verbandes, inkindeeinnehine Kerhandlungen teqchniej. Die. achast.dasbeii wie bei den Arn Aussprache ents Gründen über zutage zu entsi Heineindevorstt -s- Kesei unter dem Vo eine größere V mobil-Verb mit einer Nebn berg zu verhan entfenbet, auch v. WattenÄebci etwa 10 hessisä in Ke tracht tont allenthalben Un lichen Garanties anderer Luteres tigen Abstimmu, usw.1 unerschütterlich beharren. — Das in wenigen Worten die Grundgedanken des Vortrages, der, von religiöser Wärme und protestantischer Begeisterung getragen, einen mächtigen Eindruck machen mußte und allseitigen reichen Beifall fand. — Eine zweite kürzere Ansprache hielt der zufällig zu der Versammlung gekommene Superintendent von Oberhesseu, Geh. Oberkonsistorial- rat D. Petersen, und auch seine ernsten und mannhaften Worte dürsten noch lange nachklingen in der Erinnerung aller derer, die sie hören durften. — Den gesanglichen Teil des Abends hatte weder, wie in früheren Jahren schon ost, der Ki r ch e u g e s a n g v er ci n übernommen. Taß er unter der Leitung seines bewährten Dirigenten, Professor Trantmann, seine (Shöre klangvoll und vollendet vortrug und die würdige Stimmung des Abends durch seine Mitwirkung noch erhöhte, bebau eigentlich keiner besonderen Versicherung, soll aber doch mit herzlichem Tank ausgesprochen werden. •• Festcssen zu Kaisers Geburtstag. Zur Feiei deS Geburtstages des Kaisers wird, wie üblich, am Montag. 27. d. Mts., nachmittags 1V? Uhr, ein Festessen im Gesell- Hörsaale der Universität. ** Der Familien-Abend des Eva n gell Bundes am Sonntag hatte sich eines außergewöhnlich zahlreichen Beaches zu erfreuen. War doch der große Saal in Steins Garten derartig überfüllt, daß manche Besucher der Veranstaltung keinen Platz mehr finden konnten. Gewiß muß der gute Besuch in erster Linie dem Redner des Abends imb seinem aktuellen Thema zugeschrieben werden. Geh. .Mrchenrat Professor D. Dr. Kr ü g er prach über „D i e Jesuiten" und hatte sein unerschöpfliches Thema durch eine Gegenüberstellung von „Jesuitismus und Protestantismus" abgegrenzt. (Sr liefe zunächst ht großen Zügen das Leben des Begründers des Jesuiten-Ordens, Ignatius von Loyola, vor den Hörern sich abspielen, des Mannes, der nach glänzender militärischer Laufbahn in langwierigem Kranket n sich entschloß, sein weltliches Rittertum mit einem geistlichen -u vertauschen, sich als älterer Mann auf die Schulbank setzte, um das Studium der Theologie, absolvieren zu können. In Paris gelingt es ihm, gleichyesimcke Seelen zu finden, die ich mit ihm zu einem Bunde zusammenschließen, zunächst mit der Absicht, im heftigen Lande Million unter den Mohammedanern zu treiben, was aber infolge von mancl^erlei Hindernissen nicht geschehen konnte. 1540 erhält dann die Societas Jesu, das „Fähnlein Jesu" die päpstliche Bestätigung als neuer Orden, in dem der Grundsatz unbedingter Subordination (sog. Kadavergehorsam) und eine straffe militärische Organisation herrschen. — Erst in einer späteren Periode seiner Entwicklung erhielt der Orden sein besonderes Gepräge als Kampforden gegen die pro testcmtische „Ketzerei". Zwar leugnet der Orden mit Recht, daß er das Wort geprägt habe: „Der Zweck heiligt das-Mittel" — in diesem Wortlaut findet sich der Satz allerdings nicht in einer jesuitischen Schrift — aber der Orden ist nicht davon freizu- prechen, daß er zur Verwertung dieses Satzes Mittel in die Hand gegeben hat, die sittlich in höchstem Grade verwerflich sind. Es kommt hier z. B. in Betracht die Lehre vom „inneren Vorbehalt" (reservatio mentalis), die gestattet, bei einem Versprechen, einem Zeugnisse usw. einen geheimen, inneren Vorbehalt zu macken, der dem Wortlaute der Aussage widerspricht, ferner die Lehre des sogen. „Probabilismus", die dem Menschen im letzten Grunde die Selbstverantwortlichkeit nimmt, insofern als sie ihm trotz vorhandener Gewissensbedenken erlaubt, eine Handlung zu begehen, wenn sich für sie die Autorität eines anerkannten Morallehrers anführen läßt. Durch die Anwendung solcher Waffen muß aber das Vertrauen unter den Menschen zerstört werden, die Wahrhaftigkeit aufhören, und so begreift es sich wohl, daß hier der Widerspruch auch innerhalb der katlwlifckien Kirche nicht zur Ruhe gekommen ist. Diese laxe yioral des Ordens, der eigentliche „Jesuitismus" hat dem Orden selbst am meisten geschadet und führte zu seiner Aufhebung durch Papst Clemens XIV. (1773\ nachdem der bekannte französlsche Gelehrte Blaise Pascal in den berühmten Leckres provinciales mit schonungslosem Ernst und beißendem Spott diese jesuitische Moral vor aller Welt blofegestellt und gegeißelt hatte. — Und gegenüber dieser Moral, die letzten Endes alles Verckauen von Mensch zu Mensch zerstören muß, di» Gestalt des Mönches von Wittenberg, zumal sein Verhalten auf tfrin Reichstage zu Worms, seine Antwort auf die Aufforderung zum Widerruf in den bescheidenen Worten, die zunächst allein geschichtlich beglaubigt sind: „Gott Helfe mir, Amen", zu denen aber in richtigem Empfinden die Worte hinzugestellt wurden: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders". Tas ist restlose Auftichtigkeit, das ist Protestantismus, der ^Gegenpol zum Jesuitismus. Und ist sckwn eine Einigung zwischen frommem Katholizismus und Jesuitismus eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, so noch viel mehr eine solche zwischen Jesuitismus und Protestantismus. Wir wollen nicht, daß das Gift des Jesuitismus eindringe in unser Volk, gleichviel, ob es auf dem Wege der Gesetzgebung ferngehalten wird ober nicht — auf alle Fälle wird es unwirksam sein, wenn wir auf dem Gottvertrauen Luthers «„Und ivenn die Welt voll Teufel wär'" verschoben. ** Alice-Frauenverein für Krankenpflege. Wie in früheren Jahren wird auch dieses Jahr der Alice-Frauenverein einen V o r t r a g s k u r s n 6 für Frauen und Mädchen, über die Pflege Verwundeter und Kranker unentgeltlich üeranftnlten. Die Kurse werden für alle Teilnehmerinnen von großem Dhifeen sein; ie vermitteln Kenntnisse und praktische Fertiglciten, durch die sich die Teilnehmerinnen, auch abgesehen von jedem Krieg und seiner Not, im alltäglichen bürgerlichen Leben, in der Familie oder sonstwie sich und ihren Nebenmenschen durch Rat und Beistand nützlich erweisen können. Der Alice-Frauenverein für Krankenpflege betrachtet es bekanntlich als seine vornehmste Aufgabe, Berufskrcrntenpflego rinnen auszubilden und an^u ft eilen. Da die Anstellungs-, Gehalts- und Pensionsverhältnisse der Schwestern des Alice-- Frauenvereins recht günstig sind und sich gegenwärtig ein Mangel an Schwestern bemerkbar macht, so ist hier Frauen^ und Mädchen eine passende Gelegenheit zur Erla-ngnug cinn^ Erwerb sstellung gegeben. Nähere Auskunft wird die Bereinsvorsitzendc Frau Geh. Justizrat Gebhardt, Berg- traße 3 gern erteilen. **Vom hiesigen Verein für Frauen st im m - recht wird uns geschrieben: Freunde und (Gegner deS Frauenstimmrechts seien hiermit auf den Vortrag von Dr. Broda aus Paris (siehe Anzeige) hingewiesen, der beiden viel Interessantes bringen wird. Herr Broda hat die Erfolge des Franenstimmrcckfts in einigen der Länder, in denen es bereits eingeführt ist, eingehend studiert und wird darüber berichten. Tie Freunde werden die Hoff' nungen, die sie an das Wahlrecht der Frauen tnüpscn, be- stätigt finden, und die Gegner werden zu der Ueberzeug'.ing! lommcn, daß die Mitarbeit der Frauen keineswegs den Umsturz herbeiführen wird. Das Gebiet der eigentlichen Politik wird nach wie vor den Männern unbestritten bleiben, die Frauen aber werden in die Lage kommen, die sozialen Verhältnisse, für die sie ein ganz besonderes Verständnis« haben, zu bessern und so die .Kultur des gesamten Volkes auf eine höhere Stufe M bringen. *♦ Die Große Gießener Karneval-Gesell schafk schreibt uns: Tie am Samslag im Hotel „Einhorn" abgehaltene Hcrrensitzimg ist sehr gut verlaufen und brachte eine ganze Reihe gediegener, witziger Vorträge, die zum größten Zeile die Tagesereignisse glossierten, wie das tarnevalisttscher Gepflogenheit entspricht. Um aber der Gießener Bevölkerung etwas ganz besonderes zu bieten, sind, wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, für die am Donnerstag in Steins Garten stattfindende große Siwing mehrere naml-afte rlyeinifchc Karnevalisten gewonnen worden. Ta es diesen Herren wegen der diesmal sehr kurzen F-aschings- zeit nicht möglich war, an einem Sonntag hierherzukommen, mußte die SiNung auf einen Werktag gelegt werden. An die Sitzung, die sich in durchaus vornehmem, würdevollem Rahmen bewegen ivird, soll sich ein Bohnenbatt anschliefeen, bei dem die glück« liehe Ziel^erin der goldenen Bohne^ Ballkönigin sein wird. ** Di e Schweinepreise fallen. Auf dem gestrig gen Vichmarkt in Frankfurt, auf dem 2453 Stück Schweine aufgetrieben waren, machten die Sck)weinepreise bei gedrücktem Handel eine merkliche Belvegung nach unten. Wurden doch für die 1. Qualität für das Pfund Schlachtgewicht nur 84—88 Pfg., 2. Qualität 83—85 Pfg. gezahlt und für 84 Pfg. das Pfund 87 Stück, 83 Pfg. = 72 Stück, 841/2 Pfg = 50 Stück, 85 Pfg. = 313 Stück, 86 Pfg. = 179 Stück Schweine abgesetzl. Die Metzger griffen trotz der fallenden Preise nicht so recht zu, deckten mir den nötig* steu Bedarf, da sie binnen kurzer Zeit mit einem größeren Preissturz rechnen — so daß der Schweinemarkt nnt Hebet' stand abschloß. — Auch auf dem Viehmarkt in Wiesbaden gingen die Preise für Schweine herab, jedoch nicht so wie in Frankfurt. Hier wurden für 1. Qualität daS Pfund Schlachtgewicht 86—87 Pfg., für 2. Qualität 85—86 Pfennig gezahlt. Das' Geschäft war gedrückt und der Markt nnrrbc nur langsam geräumt. Landkreis Gießen. --- G a r b e n t e i ch , 20. Jan. Ter ncugegrünbetc Ausschuß für Volksbildung zu Garbenteich, vom dortigen Lehrerkollegium ins Leben gerufen, versammelte gestern abend zum ersten Male seine zahlreichen Anhänger und Freunde zu einem Unterhaltungsabend, der glänzend verlaufen ist. Frau Geh. Med.-Rat Prof. Tr. Sommer aus Gießen, die in liebenswürdiger Weise ihre Sanaeskunst in den Tienst der guten Sache gestellt hatte, entzückte eine andächtige Hörergemeinde durch eine Tic neueste Aiuvcndung findet Salvarsan bei der 'Behandlung des 2 ch ar lad) Ta hier vorherige Versuche bei Tieren nicht möglich sind, weil diese unempfänglich gegen den Scharlacherreger sind, müssen die Präparate gleich bei den Mensdum Anwendung finden. Wenngleich diese Versuche erst aufgenommen und im Werden sind, so lassen die wenigen schon erzielten Heilungen er hoffen, daß im Salvarsan ein hervorragendes, wenn nicht das beftc Heilmittel gegen Sdwrlach gesunden ift — Ebenso bat sich das Salvarsan unter den T i e r a r z n e i m i 11 e l n bereits einen Ehrenplatz gesichert. Tie gesährlidic B r u st seuche der P f e r d e wird eifrig bekämpfteine einmalige Einspritzung bringt meistens sdwn Besserung Auch Milzbrand, die Rotzkrankheit der Pferde und der gchlrd)te , 1*. ; n‘*nfl^':R5t Se!K| n für Frauenstinm- LTnint)C und Gegner der ans den Bvrtrag von Anzeige- hingewiesen, der en nnib’ den Broda hat hr in einigen der Länder, ist eingehend studiert Md freunde werden die W ht der Frauen tnüvstn, bc-- oe'rdenzuderlleberzeugMg ’r Frauen kemesmgs den (Miet der e'gen lrchen Innern unbestritten blerben, T,i- kommen, die sozialen Mm des gesamten Bolles ;rGrn ^ns-Gesellfchask 5*^ ; - |dncPX;ufommfit- - Sonntag An it <*jg n-leg' "JL -fcbniflt £ ,n mild- bnn A fallen- .^2i53 6twk :rrt- ^'./'schweinep^ inMen bie unten- *8? ;üt für IjJS «sg. « 1V.i 83'7’. ,72^® : ' - 313 stn^ „oh Die Medger sLötig. rrsM sin^nemay Kies 5 -doch nud> ^SdZ fianöd. Die Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen für den Monat Dezember betragen nach der im Reichseiscu hahnamt ausgestellten Ucbersicht im Personenverkehr 68071 309 Mk. (ein Mehr gegen das Vorjahr von 5 988 531 im ganzen oder 8,47 Proz. auf 1 Km.); im Güterverkehr 164 884 792 Mk. (ein Mehr gegen das Vorjahr von 11457 401 Mark im ganz-en oder 6,20 Proz. auf 1 Km.). Für die Bahnen mit dem 'Rechnungsjahr April bis März- in der Zeit vom 1. April 1912 bis Ende Dezember 1912 im Personenverkehr 608 547 420 Mark (ein Mehr gegen das Vorjahr von 36115 291 Mk. int ganzen oder 5,01 Prozent aus 1 Km); im Güterverkehr 1377 858 290 Mk. (ein Mehr gegen das Vorjahr von 82171600 Mark im ganzen ober i 95 Proz. auf 1 Sm.). Für die Valnnn mit dem Rccknungsj hr Januar bis Dezember in der Zeit vom 1. Januar 1912 bis Ende Dezember 1912 im Personenverkehr 113 024 707 Mk. (ein Mehr gegen das Vorjahr von 4 314 687 Mark im ganzen oder 3,25 Proz. auf 1 Km.); im Güterverkehr 216134 588 Mk. (ein Mehr gegen das Voriahr von 10 569 462 Mk. im ganzen oder 4,19 Proz. auf 1 Km.). Amtlicher Wetterbericht. Oessentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Lessen für Mittwoch, den 22. Zan. 1913: Wechseln^ bewölkt, Regen- lind Cchneeschauer, etwas kälter, iveft- liche Winde. Letzte Yl<»d>vid)Un» Brände. Wimpfen, 21. Dez. Heute früh brannte die frühere Papierfabrik, in der sich jetzt das Elektrizitätswerk befindet, vollständig nieder. Tailfingen bei Balingen, 21. Dez., Gestern abend II1/2 Uhr brach in der Trikotwarenfabrik Hildebrand u. Komp. $ eiter aus, durch das die ganze Fabrik in Asche gelegt wurde. Die Nachbargebäude, die sehr bedroht waren, konnten gerettet werden. Der Schaden ist beträchtlich. Die Kinder zahnen leicht. Mit Besorgnis sieht manche Mutter der Zahnzeit ihres Lieblings entgegen, besonders wenn seinem Körper die rechte Widerstandsfähigkeit fehlt. Diese zu heben, gibt es, wie Tausende von Müttern bestätigen, nichts Besseres als Scotts Emulsion. Ihr Gebrauch läßt oft schon in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Wendung zum Besseren eintreten, das Kleine wird frischer und kommt dann sozusagen ohne jegliche Störung über die Zahnzeit hinweg. Oft lieben die Kinder Scotts Emulsion so sehr, daß sie die Scotlflasche mit Jubel begrüßen, was eine Kur mit diesem prächtigen Kinder-Kräftigungsmittel für Mutter und Kind zur Freude macht. C4/t Da Scotts Emulsion ausschließlich aus den reinsten und besten Nohstoffen hergestellt wird, in ihrer Wirkung durchaus zuverlässig ist, so ist ihr Weltruf: die beste Lebertran-Emulsion zu fein, schon lange festgegründet. Doch nur Scotts Emulsion, keine andere! Auch der hartnäckigste Küsten hält den erprobten Wybcrt-Tabletten nicht stand, so steht in einem der zahlreichen Zeugnisse über dieses ausgezeichnete Mittel zu lesen. Wer irgend zu Erkältung neigt, viel zu sprechen hat, seinen Kals schonen must, läßt sie nie ausgehen und nimmt sie regelmäßig, wobei er immer von neuem ihre erfrischende und wohltuende Wirkung verspürt. Die Schachtel kostet in allen Apotheke u. Drogerien 1. Mk Niederlagen tn Giesten: Pelikan-Avotheke und Löwen-Drogerie ss”',. Eutol-Bonbons wirken ganz vorzüglich gegen ss,5/10 Husten und Heiserkeit herrlicher Lieber, so daß sie sich Ku mehreren Zugaben verstehen mußte. Im Mittelpunkte des Abends stand ein Lichtbilder-Vortrag von Herrn Geh. Med.-Rat Pros. Dr. Sommer-Gießen: „Bilder aus den Balkanlanden". In prächtigen Bildern führte uns der Vortragende durch jene Länder, die ja gegenwärtig im Mittelpunkt des Weltinteresses stehen. Herr Seminarlehrer Lorentz hatte für die Projektion der Bilder gesorgt. Die übrigen Mitwirkenden (Stud. med. Schäfer, Lehrer Mörschel und Stud. phil. Mörschel) gaben ihr Bestes am Klavier. Die neugegründete Bibliothek wird von Herrn Lehrer Selzer verwaltet. = Beuern, 19. Jan. Am verflossenen Samstag feierten die Eheleute Adolf Finkensieper, Geschirrhändler hier, bei voller Gesundheit im Kreise ihrer Familie und Anverwandten ihre silberne Hochzeit. Der Gesangverein Liederlranz unter Fi'chrung seines 1. Vorsitzenden L. Stein brachte dem Jubelpaar ein Ständchen. — Bersrod, 20. Jan. Bei der am Samstag hier ab- gehaltenen. Bür g ermiei stereiwa h l wurde der seitherige Bürgermeister Heinrich Reu schling einstimmig wiedergewählt, nachdem er vor neun Jahren mit nur einer Stimme Mehrheit gesiegt hatte. Am Abeird brachte ihm der Gesangverein ein Ständchen. 1. Treis-Horloff, 20, Jan. Eine nachahmenswerte Einrichtung hat der hiesige Turnverein getroffen. Jede Woche einmal ist in der neuen Schule ein Lese abend, zu dem jedes Gemeindeglied freien Zutritt hat. Tie Volks- § Franken berg, 20. Jan. Gestern früh hak ein Brand das gesamte Anwesen des Gastwirts und Metzgermeisters Wilhelm Finger vollständig eingeäschert. Gegen 7 Uhr kam das Feuer plötzlich im Wohnhause und in d/n Oekonomiegcbäuden zum Ausbruch und die Bewohner gewannen kaum Zeit, das natftc Leben in Sicherheit zu bringen. Der kranke Vater, ein hoch in den 80er Jahren stehender Mann, mußte herausgetragen werden. Leider war es der Feuerwehr, die sich a*if die Rettung der angrenzenden Gebäulichkeiten (u. a. steht auch das Rathaus in der Nachbarschaft) beschränken muffte, nicht möglich, das Vieh aus den 'brennenden Ställen zu bringen. 2 Pferde, 10 Stück Rindvieh und 40 Schweine fanden den Flammentod. Auch das Geflügel ging zu Grunde. Die. Löscharbeiten dauerten den ganzen Tag und auch die Nacht noch an. Der Besitzer soll sein Mobiliar, das ihm samt den Wertpapieren verloren ging, nicht versichert haben. Hanau, 20. Jan. Die Zahl der Typhuskranken im Eisenbahn-Regiment beträgt noch 122; davon liegen 17 in hohem Fieber, 62 sind genesen. 41 wurden auf sechs Wochen in die Heimat beurlaubt. Heule nacht starb der (befreite Pieard von der 4. Kompagnie ans Büdesheim (Sreis1 Friedberg). Zurzeit befindet sich der kommandierende General des 18. Armeekorps v. Schenck hier, um' sich über den Krankheitsstand zu orientieren. Gcrichtssaal. F r a n k s u r t, 20. 3an. Tms Schwurgericht verurteilte den 31jährigeu Früeur Zofei Wimmer, der einer Time ZuhäUer» bienfte aeletftet und sie, als sie seiner überdrüssig geworden war, erschossen Halle, zu 1 0'/, Jahren Z n ch t h a u s. bibliothek und einige Privatpersonen haben das Lesematerial in liebenswürdiger W-ist zur Persüaimg gestellt. Kreis Büdingen. # Nid d a , 20. Jan. Die G c m c i n d er e ch n e r des Kreises Büdingen hielten hier in der Krone eine Versammlung ab, zu der 66 Rechner, also fast alle, erschienen waren. An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden des Verbandes, Aug. Reuning von hier, führte der Gc- meindeeiirnehmer Krick von Gettenau den Vorsitz. Die Verhandlungen befaßten sich vorzugsweise mit der Gehaltsregelung. Die Rechner wünschen ein entsprechendes Grundgehalt, das bei tadelloser Dienstführung durch Dienstzulagen wie bei den Staatsbeamten alle 3 Jahre steigt. Eine längere Aussprache entspann sich über die Frage, wer bei etwaigen Gründen über die Gewährung oder Versagung der Dienstzulage zu entscheiden habe. Dieses Recht ausschließlich dem Gemeindevorstand zu überlassen, erschien sehr bedenklich. -s- Kefenrod, 20. Jan. Im Betz schon Saale tagte unter dem Vorsitz des Kreisruts Dö ck m a n n -Büdingen eine größere Versammlung, um über die geplante Auto- mobrl-Verbindung Büdingen — Schlie rbach mit einer Nebenlinie über Leisenwald—Wittgenborn—Spielberg zu verhandeln. 19 Gemeinden hatten ihre Vertreter entsendet, auch der Landrat des Kreises Gelnhausen, Graf v. Wartensleben, wohnte den Verhandlungen bei, da außer etwa 10 hessischen auch ckensoviele preußische Gemeinden in Betracht tommen. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß noch allenthalben Unklarheit über die Aufbringung der erforderlichen Garantiesumme und über die Beiträge der Post und anderer Interessenten herrscht, mußte von einer endgültigen Abstimmung abgesehen werden. Kreis Alsfeld. X Flensungen, 20. Jan. Die Verletzung des Tele- grapbenorbeiters Seim von hier hat sich am Kopse nicht als eine Schädelverletznng, sondern nur als eine Fleischwunde erwiesen. Damit ist eine Lebensgefahr ausgeschlossen. i. H om be rg, 20. Jan. Ein bedauerlicher Unglücks- sall ereignete sich heute früh im Walde bei Deckend ach. Ein Mann namens Koch verunglückte beim Holzfällen. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Mann das Bewußtsein nicht wieder erlangte und bald starb. Er ist Vatei von neun Kindern. KrciS Lauterbach. = Hochwaldhausen, 20. Jan. Die vor einigen Wochen in Umlauf gchetzte Petition wegen der Vcrbesic- rung der Verkehrsverhältnisse im östlichen Vogelsberg ha eine unerwartet starke Zustimmung gefunden. Bis jetzt sind ungefähr 2500 Unterschriften aus Oberhcssen und darüber hinaus eingegangen, und die Zahl der Unterschrifter vermehrt sich immer noch von Tag zu Tag — ein Beweis dafür, wie sehr die Bewohnerschaft des östlichen Bogels- berges und die übrigen Interessenten unter den unzuläng lichen Verkehrsverhältnissen leiden, die auf ganz leicht- Weise verändert werden könnten. Es ift zu hoffen, daß bi Eisenbahnbehörde dem einmütigen Wunsch der gesamter Bewohnerschaft des östlichen Vogelsberges Rechnung trägt Kreis Schotten. + Sch ott en, 19. Jan. Oberlehrer Hugo Ha hi wird zum Beginn des neuen Schuljahres von der höhere Bürgerschule zu Pfungstadt an die hiesige höhere Bürger schule versetzt. Er übernimmt den mathematischen uni physikalischen' Unterricht. Hessen-Nassau. (5) 91 ob beim a. b. B., 20. Jan. Zu ber 6. Vorturner stunde des Lahn-Dünsberg-TurnerbunbeS, bi am Sonntag nachmittag int Benbcrschen Saale abgehalten rourbi n-aren 60 Turner.erschienen. Großes Interesse fanden die zum Schlüsse durch den Launsbachcr Turnverein vorgesührtcn Gewandt- heitsübungcn. CtmicbmttbrL Friedrichshafen, 20. Jan. _ Das Luftschiff „Ersa tz Z. 1" ist heute vormittag 1/210 Uhr aufgestiegen und um 3.34 Uhr vor der Luftschiffhalle in Badcn^Dos glatt gelandet. Tas Schiff hatte auf seiner Fahrt mit starken Gegenwinden zu kämpfen. Die Uebcrfahrt war zugleich als Höhenfahrt geplant und wurde bis zu Höhen von 2200 Metern durchgeführt. Tas Luftschiff hatte mit starken Wind und heftigem Schneegestöber zu kämpfen. — Ein neues Militärluftschiff ist auf der Werft der Lustschiffbau- gesellschaft bereits zur Hälfte sertiggcstcllt. Vermischtes. * Schwerer Au t o m o b i lu n f a l l. Entgegen dem Gerücht von einem schweren Automobiluwall mir töd.ichem 'Llusgang auf der Bvrnaer Chaussee bei Leipzig meldet das „Leipziger Tageblatt": In der Nacht zum Sonntag wollte in der Nähe von Espenhain ein mit vier Offizieren vom Karabinier- Regiment in Borna besetztes Automobil einem entgegenkommenden Fuhrwerk ausweichen. Es prallte dabei an eine Telegraphen- ftange und einen Apfelbaum und riß beide um. Die Insassen konnten sich rechtzeitig durch Abspringen retten. Tas Automobil stürzte in den ClMusseegraben und wurde schwer beschädigt. Während die Offiziere mit dem Schrecken davon kamen, erlitt der Chauffeur mehrere Verletzungen an Gesicht und Händen. * Vier Menschenleben vernichtet. In Neu- Cölln hatte in einem Haufe der Warthestraße der frühere Gastwirt Fabian, der seit 14 Jahren verheiratet und Vater dreier Kinder ist, einen heftigen Worlwechsel mit seiner Frau Gegen 7 Uhr abends bemerkten Hausbewohner, daß aus der Wohnung ein Gasgeruch drang. Erst gegen 11 Uhr, als der Geruch immer intensiver wurde, und auf Klopfen um Antwort schritt man zur gewaltsamen Oefsnung der Wohnungstür. In der Stube sand man F rau Fabian mit ähren drei Kinder n im Alter von sieben bis zwölf Jahren leblos auf den Betten liegen. Sie hatten einen Verschlußknopf der Gasleitung abgeschraubt, so daß das Gas mit voller Gewalt ausströmte. Sofort aufgenommene Rettungsversuche der Feuerwehr mit Sauerstoffapparaten waren erfolglos. * JJeuer auf 'einem Dampfer. An Bord des von Aden im Roten Meer liegenden russischen Dampfers „E t s o n i a" brach am Donnerstag nachmittag Feuer aus, das so rasch um sich griff, daß Offiziere und Mannschaften keine Zeit hatten, an die Löschungsarbeiten zu gehen. Der Kapitän, ein Maschinist und 10 Matrosen kamen in den Flammen um. Die übrigen Personen konnten von dem Dampfer „Priam" gerettet werden. Sie wurden in Aden an Land gebracht. * Rohe Gäste. In Charlotten bürg erschienen in dem Gasthaus „Jahn" nachts gegen 1 Uhr vier junge Leute, die, als ihnen von dem Wirt mit Rücksicht auf die bereits eingetretene Polizeistunde der Ausschank von Getränken verweigert wurde, die ganze Wirtschaft verwüsteten. Der Wirt wurde mit Stuhlbeinen derartig zugerichtet, daß er ärztliche Hilfe aufsuchen mußte. Beim Erscheinen der Polizei flüchteten die Täter, konnten aber später mit Hilfe von Passanten feftgenommen werden. * Ueberfall eines Geistlichen. Aus Posen wird gemeldet: Im Pfarrhause zu Mozyslcw bei Kouin erschienen pät abends zwei Männer, angeblich um den Probst zu einem Zchwerkranken zu holen. Während sich der Probst ins Neben- ,immer begab, feuerten die Männer plötzlich mehrere Re- wlverschüsfe gegen ihn ab. Ein Schuß verletzte den Gei st- ichen unterhalb des Her ens tötlich. Auch auf den ut Hilfe eilenden Organist feuerten die Einbrecher, ohne jedoch n treffen. Der Organist flüchtete sodann in die Kirche und intetc Sturm. Als infolgedessen mehrere Männer herbeieilten :ächteten die Einbrecher und entkamen unerkannt^ Kleine tiageschroniL Die Prinzessin Viktoria Margarethe von Preußen, ic einzige Tochter des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen at sich mit dem Prinzen Heinrich Neuß verlobt. Ein irrsinnig gewordener Korporal des 18. Jn- mtericrcgimenty in Nev esinje (Herzogewina) erschoß drei . a m e r a b e n und verwundete drei weitere, darunter einen schwer. Als die Wache anrückte, schoß er auf diese und erschoß einen Mann. Er wurde, nachdem er sich verzweifelt gewehrt hatte, heute erschossen aufgefnnden. Ank Montag früh brach auf der H o ttivetl e r Mühle bei Bitsch Feuer aus. In kurzer Zeit stand die Mühle in Brand. Bei den Löscharbeiten mürbe ber Eigentümer Conrad und z w e i Feuerwehrleute durch eine einstürzende Mauer getötet. Aus Erfurt wird gemeldet: Nach Wechselfälschungen von mehr als 20 000 Mark und unter Zurücklassung einer bedeutenden Schuldenlast ist ber Sägewerksbesitzer Veit aus Gispersleben geflüchtet. z Ein in Haida verstorbenes Frl. Marie König vermachte 150 000 Kronen für sozialdemokratische Zwecke zu Händen des Dr. Adler, 250 000 Kronen für Wohltätigkeitszwecke und 50 000 Kronen dem Deutschen Schulverein. Bälowpiaw anerkannt erstklassiges Fa- brifaijvofiircritcMicierenAcn au Diensten. Scbr günstige Jabrikationsweise durch aut emgeriditeten (Großbetrieb. Deohalb sehr billige Preise für bene Qualität u. sicherste (Garantie. Plan uerl. Matal. Pianoiorte-Fabrik Wilhelm Arnold, kgl. bayr. Hoslieser, srfiaffcuburg.___( 226 Kartoffeln Alle Sorten prima Sveise- !.i. Salatkcntoiseln einpsiehtt el. Weisel M Sonnenstr. 6. Delcvh. 88. Tau N« Bz. 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Schüler zahlen die ßälfte. nie Wgeßo v StaMtc $«>f- $t' S' fe[t=C((en L>L>L>L>L>L>L>LL>L>L>L>L>L>L'L> Unterfertigte erlaubt sich hiermit alle in Giessen und Umgegend wohnenden Burschenschafter zu dem am Mittwoch, den 22. Januar 1913 S c. t. in den Stadtsälen zu Marburg stattfindenden ftattfinben. Die Unterzeichneten beehren sich, die Bürgerschaft Gießens hierzu ergebenft einzuladen, re ro ro Der Preis für bas trockene Gebeck, einjchl. ber für Musik unb anbere erwachsenben Unkosten, beträgt 3.50 Mk. Die Cinzeichnungsliste liegt bei fjerrn Hausverwalter Tobt im Gesellschaftsverein offen, ci ro ro ro ro ro ro »9n’f für ■ JtuM ®e6®' lanuninns Stadtvero * Icguiigütiovcii bat diese tn ander KerineHrung der J ?usammcnMNg dies cnlw^r ° «euia-«ner M Geld foltcn.ba«; Abstand genomme an der ie^gm du für einen ausgrebi S die » * Anbau an der um in absehbarer einen 31 eubaO Stanbpuntt * zunächst unter L Ionen die Argei unter der i'Oiai Besserung der n vielleicht an der $ definitive B fände der alten 1 gewinnen. Durch den le sind jedoch diese nur noch darum, losen Verkauf de rf)ronii‘(f)e Elend, noch mehr gesteigi in späterer Zeit, des Gebäudes, da leriing vc.wcnd zu uhrweges zu in teil lür alle Zeitei unserer Stadl wui schweren Irttum 1 indirekter Folge d Strafe lreiizenden Lerlehrshindernis de; jerigen Geländ dieser inGleisal dieser übet die Fri ^iyintage hinter i Wmn\; werben, liefen, wenn erst Eedumw zur ^e ine b.etan; ent\w die 5ranthitier wehren können, ein Verkauf her tion für die si werben kann ui Bedingungen eri 8rcii)cnfer=$crcii!i9iino Mittwoch, den 22. Januar, abends 81/, Uhr, im Saale des Hotel Einhorn: OessenMcher Vortrag des Herrn Generaldirektors A. Horst-Sieber, Leipzig über das Thema: Bas man mm moiicrntn SdinrinM wi|en muß, um nicht selbst Darauf hineinznsallen. Giessener Konzert-Verein Sechstes Konzert Zweiter Kammermusik-Abend Sonntag, den 26. Januar 1913, abends 5’A Uhr, in der neuen Aula Fräulein Carola Hubert aus Köln Konzertsängerin (Sopran) Herren Ad. Rebner (Violine), Johannes Hegar (Violoncell), Professor G. Traut Ilia II n (Klavier). Programm: F. Smetana, Trio G-molI. S. Karg-Elert, Sonate für Piano forte und Violoncell A-dur. W. A. Mozart, Trio Es-dur. Lieder von F. Schubert und J. Weismann. vI0/i EintrittskartPn • P Platz Mk. 3.—, die weiteren Mk. 2.—, Stehplatz Mk. 1.50, _________________Studentenkarten Mk 1.—. Kleine Partitur - Ausgaben sind in der Musikalien-Handlung von ERNST CH ALLIER, Tel. 671, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter RITTER und abends an der Kasse zu haben. Frauenbund der deufichen trolonial-Selelfickalt^S Vorfrag Lichtbildern Mittwoch, 22. Januar 1913, abends 8 Uhr, im großen ßörfaal der Univeriitdt Frau Margarete von Gckenbrecher: Finl^lhlinri 3ur Feier bes Gcburtstagsfeftes Seiner Majestät bes Deutschen Kaisers wirb Montag, vlllpöUUliy* den 27. Januar b. Js., nachmittags 1 /2 Uijr, im Saale bes Gesellschaftsvereins baijier ein Zu 4. Tic bor speziell iir cldiriidien Bak dadurch gescheh I ^nd der Äahnh d'e..aus bem ßiii AZib der Eisen bellen durch Tai 3tüde, die ton M märe wahi nebergang nach m ,\ui.e sründl .Nnbor könnte “f Gebäudekomp £ L°.m,C die jetzt I teSWe m i ,on «n SEnieii I tnirrfi' dee ] vurch die Else | Mshenswette Er ■ Ä fünntc der ■ te,tcrung dich I ffÄ ®eni । £SÄ6SS‘ 1 fiWiÄn re-?' P f fltaiben »irb, ' * : m ävJSi ' ^lüärtA ^“er . kng beg'm ft ^«ktih !i bL,A"tgebaudl k ^lst^A diesk Al’« ä Asta Nielsen Ink i Ifnnl fikm Auf vielseitigen Wunsch soll noch eins der so beliebten Kostüm-Feste _ __ _ — „ IfllUanUölB Donnerstag, den 23. Januar W_a" nAJA11L T?'lephonb586 iMl arrangiert werden und zwar in Form einer echt iBf | l||gOjHO|3BB Jl ffä iS Ei ö B V k K HKIIIIIilK I Anpeilen j Fest anstatt des „Bösen-Buben-Balles“ arrangiert ist. KaPellc" i I 8 I äfl B I i I i 1111 3 6 B S I N BJ B ® 01 0.5 I Anfang 8 Uhr. Herrenkarten Mk. 1.25, Damenkarten 60 Pfg. AwÄtMll VüftäE VÄ Ja.n.wJf vti.'*5 Vorverkauf in den Zigarrengeschilftcn von Sonntag u. Loeb, Marktpl. zu crm. Preisen.