Er. 270 Der Sirhener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamNienblätteri zweimal wöchentl.ttreir- blatlsurdenUreisGiehen (Dienstag und Freilag); zweimal monntl. Landwirtschaftliche 3eitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Sieben. TlOnayme von Anzeigen für die Tagesnuminer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 163. Zahrgang Montag, 17. November 1913 sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Rofationsinid und Verlag der vrühl'schen Univ.^vuch- und Steindruckerei R. fange. Redaktion. Expedition und Druckerei - Schulftrahe 7. Anz-ig?»!-»/ H? B-ck. Bezugspreis: monatlich75V., viertel- jährlich Alk. 2.20; durch Abdole- u. Zweigstellen nwnaklich 65 Pf.; durch diePost Wit. 2.— viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal IbPs^ ausivärls 20 Psenniq. Ehefredaktenr: A Goetz. PeraiNivortlich für den polit. Teil: Ang. Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes* und„Gerichts- faal": Karl Neurath; für „Stadt und Land": Die heutige Nummer umfaßt 18 Seilen. Das alarmierte Mittelmeer. Etwas geht vor, man weiß aber nicht recht was. Dies geflügelte Wort des Abg. Sabor möchte man auf die gegenwärtigen Vorgänge im Mittelmeer anwenden, wo sich die Flotten der dort besonders interessierten Mächte zur Zeit ein Rcndez-vouS geben, das freilich keinen sonderlich freundschaftlichen Eindruck macht. Den Reigen eröffnete Frankreich, welches ein starkes Geschwader unter dem Kommando des Admirals Bone dcLapcyrörc zu einer Kreuzfahrt in die Levante entsandte, und daran schloß sich unmittelbar die Entsendung mehrerer Kriegsschiffe der „Home Fleet" zu einer Kreuzfahrt in das Mittelmeer, sodaß dort jetzt unter dem Oberkommando des Admirals Berkeley eine Flotte von etwa 70 Kriegsschiffen, 8 Dreadnoughts und 3 großen Schlachtkreuzern versammelt ist, also die größte britische Seemacht, die das Mittelmeer je gesehen hat. Wo alles haßt, kann Karl allein nicht lieben, und so folgte als dritter Streich die Entsendung der ersten Division des zweiten Geschwaders der italienischen Flotte, der Schlachtschiffe Regina Elena, Napoli und Roma, die unter dem Kommando des Herzogs der Abruzzen ebenfalls zwecks einer „Uebungsfahrt" nach der Levante gegangen sind. Da derartige Spazierfahrten nicht zum Vergnügen unternommen werden, forscht man begreiflicherweise eifrig nach ben tieferen Beweggründen, wobei man zumeist in den Fehler verfällt, sich auf ein Motiv zu versteifen, während es sich in Wahrheit um mehrere handelt. Was die Entsendung des französischen Geschwaders betrifft, so bezeugt der Jubel der Athener Presse, daß man dies dort als eine Unterstützung der griechischen Politik ansieht. Freilich galt diese Rückenstärkung wohl weniger den griechisch-türkischen Konflikten, die ja bis auf die Jnselfragen und einige andere für das internationale Schiedsgericht aufbcivahrte Differenzen durch den griechisch-türkischen Friedensschluß beigelegt sind, sondern es handelt sich hierbei in erster Reihe um eine Unterstützung Griechenlands in dem Streit mit Italien um die Aufteilung d e r A e g ä i s ch e n I n s e l n. Tas ist das weltpolitisch Bedeutsame an diesen Vorgängen, daß hier der französisch-italienische Gegensatz in einer Schroffheit zu Tage tritt, wie er seit langem nicht mehr bestanden hat. Seit 15 Jahren ist der französische Botschafter in Rom, Herr Camille Barröre, mit Eifer beflissen, ein Freundschaftsband um die beiden lateinifchen Rationen zu schlingen, und dies Bemühen schien eine Zeit lang — man erinnere sich nur an das Wort des Fürsten Bülow von den italienischen Extratouren — Erfolg zu versprechen. O Sonne, wo bist du geblieben! Bei den Forderun- den Italiens und Oesterreichs betreffs der albanesich-grie- chischen Grenzregelung hat sich Frankreich als der Vater aller Hindernisse erwiesen, und es ist das Verdienst der Republik, wenn die Arbeiten der internationalen Grenzkommission nicht vom Fleck rücken. Den gleichen Widerstand setzen die Franzosen der Forderung entgegen, wonach die Tripolitaner in Tuni s als italienische Staatsangehörige betrachtet werden sollen, und die römischen Blätter schlagen gegen Frankreich einen Ton an, der dem französischen Minister des Acu- ßerett Pichon bereits zu einer erfolglosen Beschwerde bei seinem italienischen Kollegen Tittoni veranlaßt hat. Die ganze Wut der Franzosen beruht eben im letzten 'Grunde daraus, daß Italien als dritte Mittelmeermacht auf den Plan getreten ist, und der „Petit Parisien" hat es denn ja auch offen ausgesprochen, daß „die Haltung Giebener Ponzertvereim Gießen, 17. Rov. Erster Kammermusik-Abend. Gestern stellte sich in der neuen Aula das „Traut- Imann-Trio" in neuer Fassung dem trotz des schlechten Wet-< ters zahlreich erschienenen Publikum zum ersten Male vor und der herzliche Beifall, der der neuen Vereinigung gespendet wurde, zeigte jedenfalls, daß diesem Künstlertrio jetzt schon warme Sympathien entgegengebracht werden. An Stelle des Herrn Redner trat Herr Davisson, der zweite Geiger des Rebner-Qartettes. Der Künstler bringt neben einer schön ausgeglichenen Technik vor allem jene gesunde Musizierfreudigkeit mit, die an den beiden anderen hinlänglich bekannten Künstlern, Herrn Prof. H e g a r und Herrn Prof. Trautmann so oft gerühmt wurde, und so Tonnte man daraus gespannt fein, wie sich diese drei Herren bis jetzt schon eingespielt haben. Daß man von drei Künstlern, die ihre Wohnsitze in drei voneinander ziemlich entfernt liegenden Städten auf geschlagen, kein ideales Zusammenspiel erwarten konnte, ist selbstverständlich. Sv fiel i. B. im "Brahms-Trio in C-Dur op. 87 die unsichere Temponahme der so schönen Cello-Kantilene über dem Orgelpunkt „des" im animato (gegen Ende der Durchführung des ersten Satzes) auf, ebenso an mehreren Stellen in den beiden Streichinstrumenten Nuancierungen, die nach den Partiturvorschriften wenig genau genommen wurden. Die im Zusammenspiel abgerundetste Leistung war sicher der dritte Satz, des. erste Teil, der ganz entzückend gespielt wurde. Der zweite Satz war meiner Meinung nach zu langsam, zu sehr auf den „Trauermarschton" gestimmt und war daher kein „andante con moto", sondern mehr andante maestoso Der erste Satz des herrlichen „Geistertrios" von Beethoven, war besonders in den Einleitungstakten (Haupt- thema) viel zu schnell, ebenso mar es unbegreiflich, daß der doch so ausnehmend kurze erste Teil nicht wiederholt wurde. Die ganze Durchführung litt unter diesem überhetzten Tempo. Im zweiten Satze, in diesem unheimlich düsteren und doch so wunderbar himmlischen Largo assai, sind die Vierundsechzigstel des Klage-Mvtives als gleichberechtigte, thematische Melodietöne anzusehen, hervorgegangen aus der italienischen Diplomatie anspruchsvoller geworden ist und auf die Rechte und Interessen anderer nicht genug Rücksicht nimmt". Welches sind nun diese Anderen? Als herrschende Mittelmeermacht hat sich bisher das Britenreich, betrachtet, welches nach dem Sprichwort „die Wogen beherrscht". Durch feine festen Positionen von Gibraltar bis Port Said übt England in der Tat die Wacht im Mittelmeer aus, aber Frankreichs verstärkte Stellungen in Toulon, Bizerta und jetzt auch in Ajaccio bedeuten einen für die Briten höchst unangenehmen Wettbewerb, und durch die Eroberung Tripolitaniens ist auch Italien als gleichwertiger Konkurrent im östlichen Mittelmeer auf den Plan getreten. In Frankreich stellt man es so dar, als ob England in erster Reihe diese Konkurrenz scheut und deshalb seine große Flottenmacht entfaltet hat. Es ist gewiß richtig, daß die britischen Politiker einen Erwerb Aegäischcw Inseln durch Italien verhindern wollen, aber es trifft nicht minder zu, daß sie ebenso das von Frankreich unterstützte Begehren Griechenlands nach diesen Inseln bekämpfen. Und hier kommt man zu hem Kardinalpunkt, der englischen Besorgnis vor dem französischen Machtzuwachs im Mittelmeer. Es ist noch in frischer Erinnerung, wie man sich vor just einem Jahre an der Seine damit schmeichelte, daß die Engländer, um alle ihre Seestreitkräfte in der Nordsee gegen Deutschland konzentrieren zu können, den Franzosen die Wacht im Mittelmeer überlassen wollten. Jetzt aber hat man an der Themse erkannt, wie sehr man sich durch das hypnotische Hinstarren nach dem Loch in der Nordsee die französische Konkurrenz im Mittelmeer großgezogen hat. Nimmt man zu dieser Mvalität die Erbitterung des Zarenreiches über die den russischen Interessen schroff, zuwiderlaufende Unterstützung Frankreichs der griechischen Ansprüche gegen Albanien, so sieht mau, daß es innerhalb des Dreiverbandes ernstlich kriselt. Es wird Sache des Dreibundes und vor allem auch der deutschen Politik sein müssen — der Besuch des russischen Ministerpräsidenten Kokowtzewin Berlin bietet hier eine günstige Gelegenheit, und die Churchillschen Flottenreden frühen kein Hindernis — diese weltpolitisch, günstige Konstellation auszunutzen. Die StaötDerorönetenwal)! in Gießen. Gießen, 17. November. Die Stadtverordnetenwahlen sind, das darf niemand vergessen, eine politische Angelegenheit. Wer da glaubt, er könne lediglich nach seinem eigenen besten Wissen und Willen irgend einen geliebten und verehrten Gevattersmann auf den Plan erheben, dessen Mitwirkung ist geradeso stark, wie wenn er an dem Wahlgang durch einen Ohnmachtsanfall verhindert worden wäre. Da die Sozialdemokraten einig und geschlossen für ihre Kandidaten stimmen werden (unter denen auch 7 Männer aus bürgerlichen Kreisen sich befinden), so ist damit schon die Notwendigkeit llar, politisch vorzugehen und nicht eine Zersplitterung der Stimmen herbeizuführen. Dieser Gesichtspunkt hat ja auch den Bürgerverein geleitet, als er von der Liste der liberalen Parteien die Mehrzahl der Kandidaten übernahm. Wer am Samstag die öffentliche Versammlung der beiden liberalen Parteien besucht hat, der hat so recht erkennen können, daß es nunmehr gilt, alle Kräfte gegenüber der Sozialdemokratie zusammeuzufassen. Es hat doch etwas sehr gutes, wenn dabei politische Führer den Weg zeigen, und toeün am Samstag von einigen politisch unerfahrenen Leuten versucht worden ist, „Quertreiberei" zu machen, wie ja in politischen Kreisen der technische Ausdruck lautet, so konnte das erfreulicherdem Hauptthema des ersten Satzes, daher nicht als Mordent zu behandeln. Der Schlußsatz wurde durchweg sehr fein gespielt, namentlich im Klavier kamen die beiden Solostellen — Uebergang zum Thema in Moll — ganz entzückend, wie überhaupt Meister Trautmann nach wie vor als Seele des Ganzen exzellierte. Dieser vortreffliche Künstler ist neben einer sehr hohen technischen Vollendung eine so rhythmische, feinsinnig veranlagte, urgefunbe Musikeruatur, daß man an seinem Spiel immer feine helle Freude und aufrichtige Bewunderung hat. Doch kann weder er, noch feine Triogenossen verantwortlich gemacht werden, daß man gestern sowohl keinen echten Brahms als keinen echten Beethoven zu hören bekam; erst wenn genügend viele Proben abgehalten werden können, werden die Ausführenden einem Komponisten zu seiner vollen Persönlichkeit und Originalität verhelfen können. Herr Davisson spielte noch die Ciaeeona von Bach und seine fast immer siegreiche Technik sicherten feiner Leistung einen großen Erfolg, wenn auch vorläufig dem Künstler der Aufbau der einzelnen Variationen (bes. immer die jeweiligen Schlußtakte durch ein Hetzen verwischt) sowie der ganze Zusammenhang dieses grandiosen Variationenwerkes noch ziemlich fremd sein dürfte. Mit dem Engagement von Münchener Gesangsgrößen hat der Vorstand anscheinend kein Glück. Voriges Jahr sagte der Stern der Münchener Hofbühne, Fran H. Bosetti, ab und gestern Münchens größte und schönste Altstimme, Frau Erler-Schnaudt, weshalb Frau Kämp f ert für ihr rasches hilfsbereites Einspringen besonders zu honten ist. Die Künstlerin, die im Besitze einer wunhervollen, geschulten Sopranstimme mit dunkler Färbung ist und eine glänzende Atemtechnik ihr eigen nennt, tvählte zum Vortrag je vier Lieder von Cornelius, dieses feinsinnigen Dichterkomponisten, darunter das naive reizende Lied „Veilchen", und vier Lieder von Hugo Wolf, dem unglücklichen, herrlichen Liedmeister, die alle mit der gleich hochstehenden, gereiften Künstlerschaft dargeboten wurden. Könnte sich Frau Kämpfert aber nicht entschließen, die Lieder auswendig zu fingen; es würde ihrem hier und da zu sehr zurückgehallenem Temperament nur zum Vorteile gereichen. Zum Beispiel in „Verborgenheit", dritte Strophe, wurde nach vorausgegangener Steigerung „womöglich" ganz piano angesetzt anstatt in der CreSweise wirksam zurückgewiesen werden. Die Sozialdemokraten hatten sich von der Versammlung auch etwas versprochen und nahmen die Aufmerksamkeit geraume Zeit in Anspruch. Uneinigkeit in den bürgerlichen Kreisen kommt ihnen vor- trefflich zu statten, und so suchten denn ihre beiden Redner das noch nicht lange begrabene Kriegsbeil wieder herauszukratzen. Es gelang ihnen schlecht. Einige der neuen Kandidaten der liberalen Parteien machten ihr rednerisches Debüt) und die „Genossen" probierten daran ihr krillsches und polemisches Können, auf das einzugehen viel zu weit führen würde. Eines fiel auf: daß der Genosse Riegel so wegwerfend und ironisch von dem „Arbeiter'" Wenzel sprach, und man fragte sich, ob erst die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei den Arbeiter auSmache. Dann kamen zwei „liberale" Kritiker, die Herren Boeck und Wohlmuth, die in solcher Weise die Kandidatur Wenzel anfehdeten, daß der Vorsitzende, Geh. Justizrat Metz, in berechtigter Erregung sie darauf hinwies, was eigentlich liberal sei. Tie Verächter der Parteidisziplin wurden darauf sehr kleinlaut, und so kam denn die Versammlung doch wieder ins rechte Geleise. MS der wieder besänftigte erste Vorsitzende sein geschicktes und überlegenes Schlußwort sprach, konnte er sogar noch etwas Humor hiueinverweben, was ja auch einer so wichtigen Sache wie der Stadtratswahl durchaus nicht schadet. 1 r. Gießen, 15. November. Die im Cafe Leib am Samstag abend von den liberalen Parteien einberufene allgemeine Bürgerversammlung war, wie dies bei der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet werden durfte, sehr zahlreich besuchh. Tier Vorsitzende der Fortschrittlichen Volkspartei, Geh. Justizrat Metz, begrüßte die Anwesenden, unter welchen sich auch einige Damkm befanden, und führte in längerer Rede die Gesichtspunkte an, von welchen die beiden liberalen Parteien bei der Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl ausgingen. Da sei es denn nötig, verschiedene in letzter Zeit erhobene Vorwürfe und Vorurteile zurückzuweisen: und aus ihre Berechtigung hin zu prüfen. Immer und immer wieder tauche die Ansicht »ruf, die Stadtverordnetenwahlen dürsten zu keiner parteipolitischen Angelegenheit gemacht werden. Das sei grundfalsch. Auch die Stadtverordnetenwahl sei eine hochpolitische Sache, insofern schon, als ja doch der bei weitem größte Teil der Bürgerschaft sich zu irgend einer Partei bekenne, die also in ihrer Gesamtheit sich als Vertreter der Burger ansehen könnten, und bann seien die im politischen Leben stehenden Männer die schlechtesten gewiß nicht. Auf das Rathaus gehöre die Parteipolitik nicht, denn dort gelte es, die Interessen der Stadt unb ihrer Bürger zu vertreten. Es sei darum auch nicht so sehr wichtig, ob der Fabrikant A. oder B., der Kaufmann A. oder B. usw. im Stadtparlament sitze, viel wichtiger sei es, ob der Erwählte einen klaren Blick für das Wohl der Stadt, ein warmes Herz für seine Mitbürger habe und darnach seine Entscheidung treffe. Ebenso komme es gerade diesmal in erster Linie darauf an, daß sich dieBürgerschaftGießens und die beiden liberalen Parteien, der doch die weitaus größte Anzahl aller wahlberechtigten Bürger Gießens angehört, nicht blamieren. Man habe bei der Aufstellung der Liste airdj den Minderheiten Rechnung getragen, indem man einen Sozialdemokraten und einen Katholiken auf ben Zettel gesetzt habe. Sehr bedauern müsse er die Tatsache, daß die Sozialdemokraten sich von vornherein ausgeschlossen und jede Unterhandlung abgelehnt hätten. Dann sei der Bürgerverein auf den Plan getreten und habe einen neuen Zettel aufgestellt mit der Begründung, die Art und Weise, wie die liberalen Parteien vorgegangen seien, könne seine Zustimmung und Billigung nicht finden, muchsei berechtigten Wünschen nicht genügend Rechnung getragen worden. Dieser Vorwurf treffe auch nicht zu, ebensowenig der weitere, daß nicht die persönlich tüchtigsten, nach allen Seiten unabhängigen Männer in Vorschlag gebracht worden seien. Er leite nun schon seit dreißig Jahren die Vorbereitungen zu den Wahlen, und er wisse demgemäß a»Z reicher Erfahrung, welche Schwierigkeiten, die man nicht zu niedrig einschätzen solle, sich dabei in den Weg stellen. Daß man nichts cendo-Linie weitergeführt. Die Künstlerin spendete nach dem herzlichen Beifall als Zugabe den „Tambour" von Wolf, den sie ebenso geistvoll vortrug, wie Professor Trautmann, der die Klavierbegleitung in bewundernswerter Weise durchführte, gerahe diesen Klavierpart genial meisterte. az. Gießener Stadttheater: Film zauber. Eine neue Posse Filmz aub er, die rasch ihren Weg über die deutschen Bühnen macht, hatte gestern abend bei ihrer hiesigen Erstaufführung einen riesigen Erfolg. Fast sämtliche Lieder mußten wiederholt werden und die Hauptdarsteller, vor allem Frl. Martini und Herr Grosser wurden immer wieder gerufen. Ter Inhalt des Stückes, in dessen Mittelpunkt eine lustige Szene aus der Schlacht bei Leipzig steht, die von Filmschauspielern dargestellt wird, haben wir gelegentlich der Uraufführung bereits gekennzeichnet und wir können uns heute daher auf die Feststellung beschränken, daß das Werk sehr lustig und unterhaltsam ist und in jeder Beziehung über Püppchen stehl. Es ist eine wirkungsvolle Handlung da, und die Musik ist ebenfalls recht hübsch und einschmeichelnd. Auch die Instrumentierung ist sehr glücklich. Frl. Martini, die schon im Sommer als Lore im Püppchen einen großen Erfolg errungen hatte, erwies sich auch gestern abend als eine tüchtige, gut geschulte Soubrette, die über eine warme und volltönige Stimme verfügt, die sie zweifelsohne auch für größere Aufgaben geeignet macht. Auch ihre Tar- stellung der luftigen, listigen Fränze war allerliebst. Herr Gros- s e r, der ourch seine Vielseitigkeit ein Stern unseres Theaters» ist, spielte den Filmdichter und Filmdarsteller Musenfett mit ergötzlicher Gewandtlicit und Frische, obwohl er, wie auch andere, schon am Nachmittag beschäftigt war. Die Duette mit Frl. Martini waren Glanzpunkte der Darstellung, namentlich das reizende Lied Napoleons gefiel, das Lied Unter den Linden, das Tanzduett im dritten Akt und der lustige Bärentanz. Einen äußerst amüsanten Abg. Käsebier spielte Herr G o l l, der als Komiker ganz Hervorragendes leistet — und nicht zuletzt durch seine vornehme Zurückhaltung große Wirkungen erzielt. Sehr nett als Wanda waren Frl. Lindeck und Herr Rott eck als Max. Ihr Duett: Machen wir zusammen eine Firma auf! gefiel sehr gut. Als sittliche Eniemia wirkte Frl. Nathusius sehr ergötzlich. Eine sehr hübsche Leistung bot Herr Bolck als Schieber >llemczinski. Auch Frl. Stcttncr als Wefticulatia wirkte sehr ansprechend. Ein guter Geheimrat war Herr Schubert, ein tüchtiges wirkungsvolles Faktotum Herr Bochum. Auch die übrigen alle fanden sich unter Herrn Golls Regie zu einem guten Spiel zusammen. Herr F. Adam leitete das Orchester und darf einen Teil des Beifalls für sich in Anspruch nehmen. LolllovrmLves bieten tonne, wkffc man, aber daß man sich bemüht habe, bte murüfairndten, ti4tig|ttn Männer au5iaroählcn, das dürfe die Bersammlung ans das »ort glauben. ES sei nun Ehrensache, ztffmnmenruhalten. Jeder könne und bürfe nickt seine eigenen Wege gehen, man müsse sich der Allgemeinheit fügen. 9ian unter!affie Darum alle Streichungen uno gebe den Zettel der bereinigten liberalen Parteien ab, oenn iwt im Ricktiall der lachende Dritte sei, misse jeder, und ob dann die jetzt Unzufriedenen nut einem solchen Ausfall tufaeoen seien, das betntifett er sehr. Mit der Mahnung: „Prüfet alles und behaltet das Beste" scklotz der Vorsitzende seine eindrucksvollen, durchaus sachlichen Ausführungen. Als erster der neuen Kandidaten erhielt firbrer Fischer das Won Seine Ausführungen galten in erster V nie frer beneren Ausgestaltung der Volksbildung, alS einer der Grundbedingungen jeden gesunden Fortschritts. Anknüpseno an die Jahrhunoerttcier hob er hervor, wie sich vor 100 Jahren, geboren aus dem irlcnb jener Tage, die Notwendigkeit einer tiefergehenden Volksbildung mit elementarer Gewalt lnndurchgernngen, der auch heute nock lerne Bedeutung nickt verloren habe. Auch Gießen könne au» seine Tätigkeit nach dieser Seite nöl’, sein Uno bod) bleibe iinu r noch viel zu tun übrig. Tic schon fdil 20 Jahren begonnene teilweise tmt* mittelfrei Init an bedürftige VolkS'chüler müsse weiter ausgebaut werden, denn man stehe noch im wesentlichen auf demselben Platz wie in den neunziger Jahren, trotzdem die Zeiten sich sehr geändert hätten, trotzdem insbesondere mir starke Geldentwertung ein getreten märe. In der frisch-fröhlichen, mitunter sich auch etwas wild gebärdenden Weise der Jugend sieht er envas lyefundes. Lebensvolles, das nur in die richtigen Bahnen geleitet werden müßte. Entsprechende, vassende Svielplätz« sind darum zu ickauci: Man sage nicht, daß die Zeit dazu verpaßt ' ..weil inmitten Der Stabt kein Raum dafür vorhanden ist 10ter läßt »ick ohne groi.e Kosten und mit wenig Mühe am Rande der Stabt Ersatz nnden. Auch für die Ferienkolonien kann nod) mehr geschehen. zu einer ber vielgenanntesten, weil autzerorbentlich wichtigen Frage auswüchit, steht Der Redner auf dem Standpunkt, daß die Stadt oerpflidnet ist, Grundslückskomplere anzukaufen und sie bann ju einem billigen Preise wieder abzusetzen. Unter Umständen ban sie auch einmal etwas verlieren, >venn cs nämlich gilt, lohnende Jnbustriezweme heranzuziehen. Bodenspekulation soll sie nidjt treiben, das führ zu ungesunden Zuständcn. Eng verwandt mit der Bodenfrage ist die Wohnungsfraa' Nun könne man nicht behaupten, daß die Woh nungsverbältnisse beispielsweise so schlimm wären, wie in Frank flirt a. M. und anderen (Großstädten. Wer aber einmal in der Armenpflege tätig gewesen fei, der müsse doch zugeben, daß auch hier genug Wohnungsclcnb anzutressen sei, dem abqeholsen werden müsse, wenn es mit der Volksgesundheit und Polkskrast aufwärts gehen solle. Natürlich sei es nicht genug, alte Buden abzureißen, es muß Ersatz geschaffen werden. Das aber darf nicht der Bautätigkeit von Privaten überlassen bleiben, hier muß die Stabt, die fioni mune cintreten. Tas Bau Handwerk liegt zur Zeit darnieder. Wie hier so anbenvärts. Es gilt barum, an bieses Problem heranzu- treten und nach Kräften zu helfen. Tic Berliner Stabto haben zu diesem Zweck dinen Kredit von einer Million Mark ausgeworsen. In dem Programm der Fortschrittlichen Volkspariei fordere man die Umgestaltung ber öffentlichen Betriebe zu sozialen Musteranstalten. Um diese Forderung zu erfüllen, sei b-cr schon manches geschehen, er innere nur an die kürzlich geschaffene Arbeitsordnung. Aber daß man Arbeitern, mitunter noch solchen, die schon Jahre lang an öffentlichen Betrieben tätig sind, nur einen Tag Urlaub im Jahre und mitunter nur kurze Mittagspausen gebe, das sei nicht angängig. Ter Redner streift bann noch kurz bas Elektrizitätswerk unb bebt die Maßnahme zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs unb ztrr Abänderung des Submissions wesens hervor. Zum Schluß will ber Redner seine Kandidatur nicht als eine Angelegenheit, aud) nicht als Angelegenheit ber Lehrer schäft im ganzen angesehen wissen. Sie ist vielmehr dem gewiß richtigen Gebanken entsprungen, baß ein Institut wie bic Volks schule, bas im Voranschlag eine recht ansehnliche Summe beansprucht, eine Vertretung haben Müsse, die bereit unb in brr Lage ist, sachlichen Rat und Hilfe zu leisten. Daß bei ber Beratung über Wohl und Wehe eines Gemeinwesens nur das Allgemeinwohl in Betracht kommen dürfe, sei ganz selbstverständlich. Das Kleine müsse immer im Großen aufgehen Als weiterer Redner nimmt ber von den liberalen Parteien vorgefdilagene Arlwitervertreter Zorn bas Wort. Er erklärt, baß er sich ebenfalls burdxms benmftt sei, baß bas Gk’famtnrohl dem Wohl des einzelnen voraus gehe, unb die Frage nach der Besserstellung der Arbeiter die zweite Frage in sich fasse: Ist unter den gegebenen Verhältnissen auch die geplante Maßnahme möglich? Wenn er nun die Punkte anführe, die zurzeit bie Beamten unb Angestellten beschäftigten, so fei er ber Ansicht, daß diese Fragen meistens gar nickt viel Geld kostet n. Es seien mehr Fragen et Irischer Art. In erster Linie müsse ein 23ettmten< unb Arbertrrreck' der städtischen Angestellten unb Arbeiter gefordert werden, bamr sic jederzeit wüßten, woran sie seien. Es könne ja nicht geleugnet werben, daß ein gewisses Wohlwollen und Entgegenkommen seither sdwii vorhanben genicien sei, aber das fei nichts Gewisses, das könne fid) ändern. Die Bestimmungen müßten fftiert iverben: damit werbe bann jedes Mißtrauen schwinden zum Segen für beide Teile Ein soldtes Beamten- und Arbeiterrecht müsse etwa fol genbe Punkte behandeln: 1. Gehalt unb Lohnregelungen. 2. Ur laubsfrage. 3. Nnstellnngsverhältnisse L Beschwerderecht uni» 5. Regelung ber Beamten und Arbeiterausschüsse. Im allgemeinen bedarf der weiteren zeitgemaßin Ausgestaltung: 1. Sicherung vor ber Ausbeutung der Arbeitskraft infolge Uebermaßes. 2. Ausbau der thronren- und Arbeiterverfiduruitg, also Arbeitslosen Versickerung. 3. Korrektur des Lohnshstems. 4. Armenunter ftüvung. 5 Bekämpfung des übermäßigen Alkoholgenusscs. Bei fienben Wahl will er sich von dem Gutndsatz leiten lassen: ("leidies Redst für alle. Reallehrer öaggenmüllcr erklärt, nur auf Drängen des OrtsgewerbeverdnS und der S?anbnx-rfrr habe er fid) bewegen lassen, eine Kandidatur anznnehmen. Während 21 Jahr. Sdirift führ er des Onsgew c rlv in? reinS, habe er böse und gute Zeiten er lebt. Die Tatsache, daß das öanl«i»err fid) zurzeit in sehr bedrängter Lage bennbe, unb daß ihm geholten werden müsse, fei für ihn lebten Endes bestimmend gewesen. Als geborener Gießener glaube er die Verhältnisse der Stabt zu kennen. Aber er wisse auch ans seiner Tätigkeit als Vorstand genannten Vereins, daß bie ber Stadtverwaltung unterbreiteten Wunsche inbeuig auf Aenderung des Submissionswesens imb bic Anfrage liegen städtischer Unter- hal tun g «arbeiten bis jetzt noch zu reinem Resultate geführt hatten in man habe überhaupt nod) feine Antwort bekommen ©ine Regelung brr städtischen Arbeiter unter Zuziehung der Handwerker, cdiaifung von Normal meiien, Abschaffung be-^ Güter nmiatznemvvis und Fallenlassen der Wütmpchilation burd) bie ^tnbL ""ine gelottert werden Vie verlaute, benhHdiliqe eine ber rtabt untern dir tone bic ^le.huugsgrenze von (10 auf 00 Prozent heraouucnen Ta in durdmuS unnckt In leite i Wie brr heutige fei. mimt man bie BeleiheiwSgr.mze btnaufrüden' Der Aorbwesten imieirr Stobt bah- durch Erlegung M Vieh marin > viel verloren Da« seien Zustände, bte geändert werben müßten. Wenn ihm, nachdem er nun einmal als Kandidat auf gestellt fei, die Wähler ihre Stimme gcl>en wollten, fo dürften sie zu ihm das Vertrauen haben, daß er vollständig unabhängig nach allen Seiten bin das Wvdl der Bürger vertreten werde ltrankenkassenkontrolleur Beckmann führie aus: Vor drei Iahten bestand rin stoinprorniß zwischen Soziald mokraten uns Fortsdirittlidirr Volksvarte: Auch dieses Jahr erfuckie uns b r Vorsitzende der Fortfcknttlicken Volksoartei. gemeinsam mit ihnen unb den Nationalliberalen bie Kandidaten zur Stadtverordneten wähl xu nominieren. Dabei wurde unS mitgeteiit, ban man uns zwei Mandate überlassen wolle. Auf ein solckes Angebot konnten mir nickt eingehen, da in diesem Vorschlag bie Stärke der Partei nickt zum Ausdruck kam So lehnten wir ab imb werden allein kämvsen. Tas ist keine Gleichberechtigung. Was übrigens von der liberalen Gl.ickbcrechtigunq in der Praxis zu halten ist. das zeigen die Beispiele in Kiel, wo bte liberale Stabtomvaltun ?cn Steuer satz zur ^siblhrraütigiino auf 1200 2)tarf tutb in Wandsbek, wo er auf 1500 Mk. fengefttzt wurde. Dir verlangen ein gleiche?, direktes, geheimes Wahlrecht auch zur GtemembcroahL ohne Sau» telen. Dir verlangen ferner den Ausbau unserer Volksutnae zur Einheitsschule, L-hrmitrelfreiheit, uno Unentgeltlichkeit der Leiche^ beftattung. Bezüglich der Boden- und Dohnungsfrage decken fuh seine Ausführungen mit denienigen seiner Vorredner, ebemo was v:e Fürsorge für die städtischen Arbeiter anbetnrt x ob man den städtischen Arbeitern bä Berechnung des Ruhegeldes dies um den Betrag des Alters- und Jnvalivengeldcs kürzt, hält der Redner nickt Tür richtig Die liberalen Parteien haben im C^ieeener Anzeiger ihre Kandidatenliste veröffentlicht, aber kein Wort der Erklärung hinzugäetzt, was sie denn eigentlich wollen. Wir werden nächster Tage nn Flugblatt erscheinen lassen, das untere Forderungen flipp und klar enthält. Daß man in dem liberalen Zettel 2 Arbeiter präsentiert, entspringt wohl aus der Erkenntnis, datz es endlich an der Zeit fei, aud) die Arbeiter zu berücksichtigen, zieie Erkenntnis kommt zu spät. Außerdem haben wir nut den liberalen Arbeitervertretern sehr schleckte Erfahrungen gemacht, -sie haben bei ber Beratung der R äcksversickerungsorbnung bas bischen Leibst- Verwaltung aus den fänden brr Arbeiter nehmen heben. Aut unserem Zettel stehen neben 10 Sozialdemokraten aud) 7 Vertreter ber bürgerlichen Parteien, ein Bcivcks, daß wir nicht dm eilig vorgegangen sind. Professor Krausmüller bedauert, baß £>err Beckmann den Boden der Sachlichkeit verlassen und in pcnönhrf)»*n Ausfällen fick ergangen habe, indem er bem Vorsitzenden des nationalliberalcn Vcrdns Unwahrheiten und inkorrektes Verhalten vorgeworfen habe. Tie Nationalliberalen hatten in ihren Entschließungen das Lickt ber Scifentlickkät nicht zu scheuen gehabt: sie hätten im Interesse des Zustandekommens einer liberalen Einigung ihre Einwilligung gegeben, auch einen Sozialdemokraten in den gemeinsamen Stimmzettel mit aufzunehmen. Herr Riegel von der sozialdemokratischen Partei wendet sich nun gegen verschiedene Auslassungen seiner Bdrrodner und empfiehlt zum Schluß seiner Ausführungen im Gegensatz zu den Ber tretern „der höheren Gesellschaft" in der bürgerlichen Liste den sozialdemokratischen ^hlzette!. Lehrer V Müller, als Vorsitzender des Bürgervereins, wendet sich gegen die Ausführungen verschiedener Redner. Man habe dne eigene Liste aufgestellt, weil man politische Zänkereien habe vermeiden wollen. Man nehme das Gute, woher es auch komme. Eine lebhafte Auseinandersetzung gab es über den von den Liberalen ausgestellten .Kandidaten Wenzel. Die Redner Bo eck unb Wohl m ii t h mochten diesen Namen gestrichen,wissen. Ihnen wurde von Professor Zt raus müll er erllärt, daß x?err Wenzel sein Ehrenwort gegeben habe, daß er weder Antisemit sei, noch überhaupt zu einer Partei jtehöre, unb es sei nicht ftin, an dem Ehrenworte änes Mannes zu brehen unb zu beuteln. Bc- freienb wirkte es, wie der Vorsitzende, Geh. Justizrat Metz, in echt liberaler Weise erklärte, es tue ihm leib, baß in bas mit so vieler Mühe zustanbe gebrachte Einigungswerk gcrabe von Anhängern seiner Partä ein so greller Mißton herein geworfen worben sei. Er müsse gestehen, daß bte Nationalliberalen hier liberaler gewesen seien als viele seiner Partäfreunbe, denn sie hätten in eckt liberalem Sinn auch ben rechts stehenden Partäen, die dock) auch Menschen seien, ein durchaus gerechtfertigtes Zu- gestiändnis gemacht. Ta sich keine fRebner mehr zu in Wort gemeldet hatten, schloß der Vorsitzende m.it rinem Doch auf bic Baterstabt Gießen bic Versammlung. • Prof. Dr. Krausmüllcr schrdbt uns: In ber Wählerversammlung der liberalen Parteien am Samstag hat Derr Bureauvorsteher Bocck erklärt, es sei rid)tig, daß Derr Wenzel auf sein Ehrenwort erllärt habe, er sei kein Antisemit: er behauptete aber weiter, Herr Wenzel sollte einmal an einer Siegesfeier für Herrn Tr Werner teilgenommen haben. Herr Wenzel hat mir entrüstet erklärt, baß biei'c Behauptung ebenso wie die früheren eine Unwahrheit sei. Ist es an und für sich sdwn unnobcl, einen solchen Vorwurf in letzter Stunde in Abwesenheit des schwer Angegriffenen zu machen, so ist es geradezu verwerflich, wenn der Vorwurf unwahr ist. Ans Stadt und Land. Gießen, 17. November 1913. Trinker-Fürsorge st eile für Stadt unb Landkreis Gießen Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Dienstag abend 61/, bis 8 Uhr. " Der Großherzog hat nnt 14. November den Cbcn'örftcr der Dbcrförfkrei Lich, Forstmeister Wilhelm EellariuS'auS Lich mit Wirkung vom 16. November an in den Ruhestand versetzt. •• Ter 70. Geburtstag des Professors Tr. Moritz Pasch gab ben zahlreichen Verehrern dcS verdienten Mathematikers Anlaß zu besonderer Ehrung. Von etwa hundert Kollegen, Schülern und Freunden des Gelehrten wurde dem Jubilar eine künstlerisch auSgefuhrte Adresse und eine Bronze-Plakette, eine Arbeit deS Frankfurter Bildhauers Prack, überreicht. Tiefe zeigt PafchS Bild im Profil, mit al,Sdrucksvollcr Plastik berallSgearbeitet. Von der Plakette sind Abgüffe in Medaillenform hergeftellt worden, auf deren Rückseite sich eine Sphinx unb ein Siunspruch in klassischem Latein befiudet. •• Stadtthcatcr. Bernhard ShawS neueste Komödie „Pilgmalion" ist von der Direktion für unsere Bühne erworben worden unb wird bereits in ber ersten Dezemberwoche im Abonnement zur Aufführung gelangen. Das Werk ist vor etwa 14 Tagen zuerst in Wien, kurz daraus in Berlin unb jetzt in Frankfurt a. M. gegeben worden unb hat überall auSvcrkaufte Häuser erzielt. DaS derzeitige Personal unserer Bühne ermöglicht eine sehr gute Besetzung der inter- effanten Novität. ** Leipziger Quartett -Sänger. Tie in Gießen schon seit einer Reihe von Jahren bekannten und geffchäß- teu Leipziger Quartett und >konzertsänger (früher Wilhelm Eyles Leipziger Sänger) waren am Sonntag abend zu einem einmaligen Gastspiele im Kolosseum eingekehrt und konnten mit ihrem Erfolge, auch mit dem pekiiniären Ergebnisse, utfricbcn sein. Nach dem Programm war ein humoristischer Äbenb vorgesehen und auf bem Gebiete des Humors lag auch das Beste von bem bunten Allerlei, womit bie Künstler auf- traten. Der C^fattg an sich kommt babti verhältnismäßig wenig zur Geltung, wenngleich das Wenige allerdings alle Achtung verdient. Besonders Herrn Erdmanns'dörf- f e r s Bariton fesselt ungemein unb besitzt neben seiner bieg- famen Weiche eine erhebliche straft, nur die Höhe wünschte man sich etnrns müheloser. Auch das Lied für Baß von Herrn Frenkel -Norden hatte den Beifall, den man ihm zollte, redlich verdient. Erwähnenswert ist das treffliche Vortrngs- talenl des Gängers. Ten lautesten Erfolg errang ber Vorzug- lid)e Grotesk Komiker Waldon, der fein Publikum zu nehmen weist wie kein anderer in der Seilschaft. Sein „Zucker- Ned von Amalia sind zwerchfellerschiit- Vxxbtr -"xc V.clscitigkcit unb Ausdauer Imitator ist Herr 3 e b b e n. ber gut «och beim (fkfang das Ewig-We»h?che täuick^n^E"',besser men versteht. Tie Gestalt ubnxe.uA>;? öurdi^bic dralürUckleit: daß d.e „Tarne- n.anche'dm aufzuwcnen hat, zeigte |ie gern und oft. In einem gdun. genen, vom Direktor Schmidt gut cinüubiertcn Sketch vereinigten sich zum Schluß bic Hauptkräfte. Die Gesellschaft bart bei solchen Leistungen beim nächsten Besuche in Gießen auf einen noch größeren Erfolg rechnen. St. B. ** E i n trauriges Schicksal bat der Ausflugsort t n b b o f" bet Heuchelheim, der bc’onberv in akademöcken Streifen .Helfens bekannt ist Vor ctmu-10 Jahren wurde er von dem früheren Kantinenwirt Tuill - Gießen mit einem Kostenaufwand von rund 175000 Mark erbaut. Nachdem er seit den letzten 5 Jahre« wiederholt feinen Besitzer gewechselt hat, wobei derPrds immer mehr berunicrgtng. wurde er oergdtent abermals zwangsweise verkauft. uiu> mnir für enva ein Siegel sdnes ursprünglichen Preises, nämlich für 410 0 Mark. Mei - bietender nmroc bie Schlider Bierbrauerei. Landkreis Gießen. s. Leihgestern, 16. Nov. In der Rack^ ltr noch einmal feine Flüge, besonberS fdnr ganz engen Shiroeit Buc, 15. Nov. Ter enqfifchc ülieger Hucks führte zwei Flüge au«, roobei er wiederholt mit dem Kopfe nach unten flog unb vier Eturzfchleiien machte. Dermifchtcs. * Zu dem Heidelberger Lichtfpiel-Due ll wird uns gemeldet: Wegen die beiden Studenten, die für eine hiesi, westliche Winde. Letzte Ilacbricbtett. Oberbürgermeister von Mannheim. Mannheim, 17. Nov. Der bisherige Obcrböryr« ] meister von Fürth, Kutzer, ist zum Oberbürgermeister von ' Mannheim in Aussicht genommen. Französische Spione: Gens, 16. Nov. Aus Anweisung der schweizerischen Be- 1 Horden murt* am »onnabenb abends unter ber Beschuldig- 1 ung der Spionage der Ingenieurhaupttnanii im sranzö- I sckrn Knegsministedum, Larjuier. verhaftet. Auch stehl bie 1 F-cnnähme von Beamten m Genf bepnr Larjui r hat n.id>- M mdtlid) in Vcrhindimg mit einer Anzahl von Soionen. unter W ihnen auch mit bem kürzlich in Rom verhafteten Italiener Venozzi,W gestanden. Eine umfangrdthe Kvrrki'potioenz. die Larmier mi: der 1 ftanzösischen SicherhdtSpolizci geführt Ixit, soll lx-schla-i- j nahmt werden. Amundsen in Flensburg. .. Flensburg, 17. Nov. Amundsen hielt am Sam>tagA innen Vortrag in deutscher Sprache, gestern abend in r. ^nu-W ld'er. den Zwi i- fall. Der Beifall war ebenso freudig unö stark wie am Abend M borher, an bem sich das Publikum nur au« Tentidm, baruntet I pielen Offizieren, zusammcnsetzte. Amundsen entiog sick ollen e .HUrtbncbunaen, indem er sofort nach Schluß des Vortrage« durch dne Hintertür verschwand. • Gerabronn, 17. Nov Gestern nachmittag landete mn Ubr in der Nähe von Dieseubadt ein rramoindicr du-iZballon mit dnem dnzigen Insassen, Georg Blanchcl. Rebakt ut des ..Aero- vlan" aus Pans Er war nach innen Auswi oatz'eren am Samstag nachmittag 4 Uhr in Pads aufgestiegen. Ter Bcllrkcvor'tanb, ber sofort^benachricktigt worben war. verhan?c!tc nut dem bet deutschen Sprache nicht mächtigen Ballonniheer französisch^ und ba tiro m<6te Auffälliges vorfanv. stellte man bei .•fbiohn es Luft« froitfcr« unb ber Verl abu na bes Ballons kein Hmocntis tu oeM 131 3 447 a 70041 Wm \tm\ v fre m r n 1Ä 10 fioooj 9 153 - IW 1011 V k m 38 8ÖC n 88 - IM 331 w 11 16011 11 580 93 »4 U 0»>< 168 3 633 6 Wt ii i 9 ttUD Ti * 61 u: 416 * lioax (OhD 1 144 « 131 ’ HO« 788 » »7332 36 V « 01V2 684 K 600 6 vm r. «7 II 433 M «0 14 T IM (I 883 7 •38 38 063 I 71301 feoaj; 44 411 J« 46 TM 6 ' 16001 715 > TI !» 80 35> *38 K 684 Ti 3c Hene auf t fei ni wesez (Bi ^urea Dersau ich hc «flgi hein Elt & c B. Ztebtmg 5. KL 3. Preuss.-Süddeutsche (229. Königlich Preuss.) Kl assen-Lotterie Ztefauug vom ». Neretober nu vormittags. t*5nede Naemec rind miel hxX»o v»- I wbra- Rotkllo^ llanrmi I and H I Xw die Gewinne über 240 Merk sind den betreHeeden Suminera in Khuameru beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 7 44 161 [600] 71 497 603 [500] 714 844 1065 144 2L1 27 387 846 2263 477 605 896 3062 [ 500] 600 737 808 947 4053 162 67 [1000] 229 13000] 81 506 081 [1000] 83 760 830 5087 410 90 93 541 641 [500] 811 98 928 00 6059 693 [600] 616 54 90 77 5 7 6 824 lW3 85 7331 420 636 774 8482 [1000] 83 677 96 710 873 9057 146 71 267 320 [600] 433 34 62 641 53 74 753 67 926 10130 263 326 446 [600] 770 [500] 894 11014 137 324 44 468 741 77 836 6 4 76 947 1 2058 66 189 302 9 13 45 63 492 701 14 886 76 89 993 13162 [1000 ] 254 326 76 496 [600] 567 624 764 964 1 4106 25 240 [1000] 89 393 646 773 867 15000 4 262 350 727 46 47 88 924 [3000] 16004 67 [1000] 241 [1000] 447 669 822 53 902 37 47 1 7026 53 [500] 157 358 529 [5001 38 634 851 916 18081 106 95 294 382 429 619 28 [3000] 66 806 22 37 98 1 9079 229 484 644 98 766 384 86 99 994 20140 279 334 80 520 616 35 92 803 [500] 21474 523 097 747 811 042 [500] 22294 620 630 46 718 23410 78 630 874 96 2 4394 425 969 2 5098 176 305 418 49 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Ziehung 5. Kl. 3. Preass.-Suddeutsche 229. Königlich Preuss.) KlassefrLotterie Ziehung vom 15. November 1918 nachmUtaga. *ef Jede gewogene Nummer sind zwei gMoh hebe Gewinne ewfoHcn, und nrar Je einer auf die Late gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und U Nur die Gewinne über 240 Mark Bind den betreffenden Nummern in Klammem beigefUgt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 10 17 26 87 209 70 314 65 424 606 883 94 1009 14 275 673 74 804 19 884 2121 22 69 303 8 525 74 [1000] 710 75 800 31 79 974 3050 218 79 664 71 913 38 4714 64 87 888 913 SS 5019 85 341 [1000] 435 83 643 647 786 856 83 6063 336 428 [1000] 85 509 679 840 68 [600] 86 933 38 67 [1000] 7 004 21 [1000] 86 169 265 824 67 8031 64 118 63 57 89 363 422 78 643 793 861 9001 34 141 42 429 503 676 91 785 78 987 10050 184 216 336 492 649 600 712 041 11349 651 [500] 98 913 12082 162 246 374 690 904 16 [1000] 13039 43 149 564 682 726 813 956 68 1 4091 117 19 43 [3000] 298 437 943 55 SS 15167 210 18 699 635 905 16168 226 [3000 ] 31 351 400 94 566 [3000] 915 17007 31 [500] 218 397 486 616 62 695 [500] 933 18561 748 92 [M00] 951 19234 306 [500] 94 463 5'zd 656 777 20086 131 364 453 880 21010 37 64 125 259 63 403 [500] 67 88 672 848 937 2 2010 283 91 439 .6 665 89 92 804 970 2 3027 97 153 [500 ] 67 281 362 [1V00] 406 21 40 68 [600] 696 602 86 715 SSV 918 24039 122 73 273 649 61 69 622 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Ich wiederhole, daß ich verschiedenen Herren verschiedener Parteien gegenüber auf mein Ehrenwort erklärt habe, ich sei nicht Antisemit und sei es nie gewesen. Gegenüber der Behauptung, die Herr Bureauvorsteher Boeck in der Wählerversammlung am Samstag aufgestellt hat, ich habe „einmal an einer Siegesfeier für Herrn Dr. Werner teilgenommen", erkläre ich, daß dies ebenso unwahr ist. Fritz Wenzel, v"/>. Eisenbahnhandwerker. CHEINZ GEORG. Statt Karten/ Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen zeigen in dankbarer Freude an Pastor Röhrbein und Frau Hanna, geb. Boller 7 40» Bleckede a.d. Elbe, den 15. November 1913. Zum Gambnnusbräu, SrSer Montag, den 17. November, abends '/-8 Ubr :: Humoristisches Konzert:: des beliebten Singspiel-Ensemble 09211 4 Damen „ErnstBerghans" 3 Herren ans Elberfeld. Reichhaltiges, amüsantes Programm! ZU VERMIETERS PIANINOS FLÜGEL HARMONIUMS Monatliche Mietpreise: 2—30 Mk. Bei Ankauf gemieteter Instrumente Miet- gutschrift nach besond. Bedingungen Wilh. 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Kreisbau Inspektors cinzureichen, wo um diese Zeit die Oeffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Bewerber stattfindet. Zuschlagsfrist: 5 Wochen. Offenbach a. M., 15. November 1913. Der Großh. Kreisbauinspektor: Cellarius. [D17/n Schnupfen |CREME DEHNE beste 5(H in | uarium Spezial - Ausschank der Löwenbrauerei Dortmund Morgen, Dienstag: ««». Metzelsuppe ni Konzert Morgens Wellfleisch mit Kraut. Versteigerung. Dienstag, den 18. ds. Mts. nachmittags2Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahiergegen Barzahlung: [7483 1 Schreibmasch., 1 Registrier- kane.Linolcnm-Tepviche,Läufer, Wachstuch, Tee, Mntao, Liköre, Wein, Schokolade, Konserven, Zigarren, Zigaretten, Bonbons, 1 Eisschrank. 1 Pianino, 1 Sovba, 1 Schreibtisch, 1 Tisch, 1 Glasschrank und 1 Pferd. Born, Gerichtsvollzieher in Giehen. Versteigerung. Freitag dcu 21 November lfd. IS., Nachm. 3 Uhr sollen im habt Psandlokale Seltersweg 11 dahier diewegen rückst. Ortskrankenkasse beiträge gepfänd. 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