Nr. 142 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener ZamilienblLtter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. S1— . । ..................... Freitag, 20. Juni 1913 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Cberhefien 163. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scherr Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld straße 7. Expedition und Verlag: e^&51. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 165. Sitzung, Donnerstag, den 19. Juni. 2lm Tische des Bundesrats: v. Heeringen. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. Sie zmeile Lesung vec wehrusrlage. (S i c b -e n t e r Tag.) Freiheit der politischen und religiösen Gesinnung. ©03 ia Ibemo traten beantragen einen neuen artircl Id: Den Angehörigen der Armee wird die Freiheit der politischen und religiösen Gesinnung und ihrer außerdienstlichen Betätigung gewährleistet. Tie Bekundung oder Betätigung der politischen oder religiösen Gesinnung unterliegt nicht der militärischen Disziplin. yerner verlangen sie folgenden neuen Artikel I lr. Ten 3» v i l ° und Militärbehörden ist die A u § t u n f t • ertcilung über die politische oder gewerkschaftliche Gesinnung oder Betätigung der Dienstpflichtigen untersagt. Kriegsminister v. Hecringcn: Der Abgeordnete Zubeil hat gestern und vorgestern behauptet, der 1890 verstorbene Major v. Roon habe als Premierleutnant während einer Schießübung in Guben seinen Bur, scheu erstochen, und er sei auch wegen Menschenmißhandlung im Avancement zurückgesetzt worden. Ich konstatiere, daß Herr v. Noon eine in jeder Beziehung hervorragende Dienstlaufbahn hinter sich gehabt hat und niemals int Avancement zurück- gesetzt worden ist. Ich konstatiere, daß er weder seinen Burschen erstochen, erschossen oder auf irgendeine andere Weise ums Leben gebracht hat. (Hört! Hört! und lebhafte Bewegung.) Wenn der Abg. Zubeil hier von der Tribüne des Teutschen Reichstags eine Behauptung über einen vor dreiundzwanzig Jahren verstorbenen Ehrenmanit in die Welt schleudert, die nachgcwiesenermaßen jeder Begründung entbehrt, und wenn er das tut, ohne daß er sich der Müde unterzogen hat, diese Behauptung auf ihre Berechtigung nachzuprüfen, so kann ich das nur konstatieren und muß das Urteil darüber dem Deutschen Reichstag überlassen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Zubcil (Soz.): Ich habe daS Mittel angegeben, wie man die Wahrheit feststellen kann. Alle aus demselben Jahrgang, die damals die Schießübung in Guben mitgemacht haben, werden das bestätigen, was ich hier ausgcführt habe. (Unruhe rechts.) Ich habe nur meine eigenen Erlebnisse und das, was in Guben allgemein bekannt ist, erzählt, und habe von dieser Stelle aus die Person des damaligen Premierleutnants Roon charakterisieren wollen. (Rufe: Unerhört I) Kriegsminister b. Heeringen: Ich wiederhole, daß das nicht wahr ist, was der Abg. Zubeil gesagt hat. Wenn er eine Volksabstimmung über etwas, was vor 23 Jahren passiert sein soll, vornehmen will, so bedaure ich, daß ich darauf nicht eingchen kann. Wenn der Abg. Zubeil die Behandlung, die ihm und seinen Kameraden in Guben zuteil geworden ist, derartig empfunden hat, daß er jetzt nach so langer Zeit hier von der Tribüne darüber klagt, so verstehe ich nicht und muß ich bedauern, warum er nicht schon damals dagegen eingeschritten ist. (Beifall rechts.) Abg. Heine (Soz.): Die Anträge sollen die bekannten, alle Tage vorkommenden Mißbräuche, daß auf die politische Gesinnung der Einberufenen eingewirkt wird, verhindern und damit die wahre Disziplin stärken. Tic Mißbräuche sind so offenkundig, daß selbst der Abg. Groeber sie sehr entschieden bekämpft hat. Der O b e r st G a c d k e ist gemaßregelt worden, angeblich weil er die serbische Militärrevolution als die natürliche Folge der Tyrannei des Königs Alexander bezeichnet bat. In Wirklichkeit geschah es, weil er liberal war. Die „Deutsche Tageszeitung" dagegen, deren Leiter unter uns sitzt, darf den jetzt ermordeten Großwesir Mahmud Schefket feiern, der dreimal durch Militärrevolutionen an die Spitze seiner Regierung gekommen ist. Ta ist cs natürlich etwas ganz anderes. Ebenso wie Gaedke erging es den Generaloberarzt Czerny, einen großen Gelehrten, weil er es für einen Liberalen für möglich hielt, in der Stichwahl sozialdemokratisch zu wählen. Liliencron, der seine „Adjutantenritte" im sozialdemokratischen Hamburger „Echo" ab- drucken ließ, wurde angedroht, daß ihm die zugesagte Gnadenpension entzogen würde. Er fügte sich zähneknirschend, bloß weil er das „Lumpengeld" nicht entbehren konnte. Man sollte froh sein, daß solche Schilderungen auch einmal von uns abgedruckt werden. Aber diese Beaufsichtigung erstreckt sich sogar auf sozialdemokratische W u r st p a p i c r e. Damit stimmt auch überein, daß Sozialdemokraten, wie der junge Düwell, mit einem Male nicht diensttauglich sein sollen, sobald sie als Einjährige dienen wollen. Es scheint, als ob wir unwürdig sind, in der Armee zu dienen. Dann ziehe mau die Konsequenz und stelle uns überhaupt nicht mehr ein. Allerdings würde dann jederSpießbürgerseineSöhneSo 31 ab demokraten werden lassen. Wehrpflicht und politische Pflicht sind gleichwertig. Wir wollen aber nicht als ehrlos und minderwertig behandelt werden. Aber der Militarismus ist unbelehrbar, die Reden des Reichskanzlers und des Kriegsministers beweisen es Auf ed iBitte des .Herrn Müller-Meiningen um Vertrauen antwortet er mit einem glatten Nein. Wir allerdings haben auch kein Vertrauen zu ihm. Er erzieht kein Volksheer, sondern züchtet Prätorianer gar den. Wo ist von der Treue gegen das Volk die Rede, dessen erster Diener bekanntlich der Monarch sein soll? Die Schulmeister wissen es schon seit 200 Jahren, daß die Disziplin um so stärker ist, je mehr sie von dem Bewußtsein des Gehorchenden getragen wird. Ter Reichskanzler spricht von Fremdkörpern im Heere; das allerdings kann diese bewußte Disziplin stärken! Man soll uns nicht entehren, moralisch ohrfeigen! -Lio Junker mögen sich manchmal patriotisch tapfer geschlagen haben, aber das Deutsche Reick haben sie nicht geschaffen. Selbst Kaiser Friedrich hat bezeugt, daß sie Gegner des Reiches feien. Abg. Dr. Quarck-Coburg (9?ctL): Ich brauche wohl nicht besonders zu betonen, daß meine Freunde gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmen werden. Wir empfinden diesen Antrag in seiner wirklichen Tendenz als den Höhepunkt der sozialdemokratischenAn- träne die bis jetzt gestellt worden sind. Die Lächerlichkeiten, die b9er 'Abgeordnete Heine vielfach gestreift hat, das Schnüffeln nach politischen Gesinnungen ist uns gleichfalls widerwärtig und erscheint uns überflüssig. Aber der sozialdemokratische Antrag will in Wirklichkeit nichts anderes als die gesetzliche ye st - legung der Agitatioiissreiheit in den Kasernen. Tie Hilieinbeziehung des religiösen Moments ist ja nur ein Mäntelchen für die Verdeckung dieser Absicht. Tic Annahme des Antrages bedeutete die Waffen st reckung des Staates vor dem Antimilitarismus der Sozialdemo, k r a t i e. Wenn sich die Sozialdemokraten rühmen, heute schon das Bollwerk im Innern erschüttert zu haben, warum kommen sic dann noch mit solchen Forderungen? (Zurufe bei den Soz.: Tas nennt sich liberal! — Fauler Quarck!) Ter Antrag zeugt von einer vollständigen Verständnislosigkeit für die Bedürfnisse unserer Armee. Ich glaube, wenn die Sozialdemokratie so fort. fahren wird, wird sie wohl im Auslande noch manche Freude haben, aber ich hoffe, daß das deutsche Bürgertum einen dicken Strich durch ihre geschwollene Rechnung ziehen wird. (Beifall der Natl.) Abg. Voigtherr (Soz.): Die Rede des Vorredners war nichts als hilfloses Gestammel. (Präsident Dr. Kaempf: Wegen dieser schweren Beleidigung eines Abgeordneten rufe ich Sie zur Ordnung! — Beifall rechts. Zurufe: Frechheit!) Unser Antrag wendet sich auch gegen die zwangsweisen Kirchgänge der Soldaten. Religion muß eine Privatangelegenheit jedes Einzelnen bleiben. Dissidenten duldet man nicht in der Armee. Als sich einmal ein Soldat als „Dissident" bekannte, erklärte der Hauptmann: „Ach was, Dissidenten gibt es bei uns nicht. Sie haben binnen drei Tagen eine an. standige Religion zu wählen." (Heiterkeit.) Ja man verlangt sogar eine bestimmte Religion. Der oberste Kriegsherr äußerte wiederholt zu den Rekruten: „Wer ein guter Soldat sein will, muß ein guter Christ sein." Fühlt man denn nicht, daß eine solche erzwungene Religiosität schlechter ist als gar keine Religiosität? Auf der anderen Seite aber zieht man nicht die Konsequenzen aus der Forderung religiöser Gesinnung. Das beweist die Haltung der Heeresverwaltung gegenüber dem Duellunfug. Obwohl das Duell jedem Katholiken aus religiösen Gründen verboten sein muß, steht auch heute noch die Heeresverwaltung auf dem Standpunkt, daß die Verweigerung eines Duells von Fall zu Fall zur Ausscheidung des betreffenden Offiziers aus der Armee führen muß. Ich wundere mich, daß die Herren vom Zentrum sich das gefallen lassen. Ein Ausfluß des religiösen und politischen Zwanges, den die Militärverwaltung ausübt, ist auch das Verbot des Ha u p t m a n n s ch e n F e st s p i e l s. Die Anmaßung in militärischen Kreisen geht schon so weit, daß man sich auch in literarischen Dinge ein Urteil erlauben zu können glaubt. Freilich steht demgegenüber jene liberale kleinbürgerliche Feigheit, die jedem derartigen Einfluß Folge leistet und nicht den Mannesmut besitzt, auf alle diese Instanzen zu pfeifen, auf das kronprinzliche Protektorat und was sonst noch mitgewirkt hat. Abg. Krcth (Kons.): Der Antrag in seinem ersten Teil ist überflüssig; denn die religiöse Betätigung ist in der deutschen Armee niemandem der- wehrt. Von allerhöchster Stelle ist selbst ausgesprochen, ein frommer Soldat sei der beste Verteidiger des Vaterlandes. Die Sozialdemokraten wollen nur die antireligiöse Gesinnung in die Armee verpflanzen. Dem werden wir uns mit aller Energie entgegenstemmen. Wenn die Sozialdemokraten sagen, die Disziplin müsse auf Freiheitlichkeit begründet werden, so mögen sie sich doch ansehen, wie es in ihrer Partei aussieht. Da herrscht bekanntlich der Grundsatz: Wer nicht pariert, der fliegt! Ich erinnere an die edlen Sechs vom „Vorwärts", an die Fälle Bernstein und Hildebrand. Wir wollen, daß die Betätigung politischer Gesinnung aus der Armee ausgeschaltet wird. Eine politisierende Armee ist, das beweist die Geschichte, das Ende der bürgerlichen Freiheit. Wenn wir uns gegen den Antrag wenden, tun wir es gerade, weil wir die Freiheit des deutschen Volkes und die Machtstellung des Deutschen Gleiches aufrechterhalten wollen. (Beifall rechts.) Abg. Giebel (Soz.): In den Jnstruktionsstunden und namentlich bei den Kontrollversammlungen wird mit den schlimmsten Verdächtigungen vor der Sozialdemokratie gewarnt. Von „roten Hunden" wird auf dem Kasernenhof gesprochen. Es gibt auch schwarze militärische Listen. Ich habe hier eine Verfügung, worin steht: Der N. N. ist während seiner Dienstzeit unauffällig zu beobachten. Die Besprechung schließt. Die sozialdemokratischen Anträge werden gegen die Antragsteller a b g c l e h n t. Militärverbot. Eine Resolution der B u d g e t k 0 m m i s s i 0 n ersucht den Reichskanzler, dafür zu sorgen, daß seitens der Militärverwaltung Soldaten der Besuch einer Räumlichkeit nicht verboten werden darf, weil der Inhaber eine bestimmte politische Ueberzeugung hat oder Angehörigen einer politischen Partei seine Räume zur Verfügung stellt. Die Sozialdemokraten beantragen die Einführung eines Artikels, wonach die militärische Sperre gegen Gewerbetreibende oder Angehörige anderer Berufe wegen Zugehörigkeit zu einer Partei- oder Religionsgemeinschaft oder wegen Hergabe von Räumen zu Veranstaltunyen einer Partei, eines Vereins oder einer Gewerkschaft nicht verhängt werden darf. Den Betroffenen soll Klage auf Unterlassung und Schadenersatz gegen die Behörde, die entgegengesetzte Erlaße verfügt, zustehen. Abg. Dr. Frank (Soz.)r Wir wenden uns um der Gerechtigkeit willen gegen den militärischen Boykott, obwohl er uns mehr nützt als schadet. Denn der Militärboykott treibt uns Tausende Reservisten nach ihrer Entlassung zu, die neugierig geworden sind, die Sozialdemokratie kennen zu lernen, vor der sie zwei Jahre gewarnt wurden. Heute trifft der Militärbohkott nicht mehr die Sozialdemokratie, die sich durch Gegenmaßregelii geschützt hat, sondern den staatsfreundlichen, gewerblichen Mittelstand. Ich habe festgestellt, daß in M a nn h e i m von 53 boykottierten Gastwirten nur 11 Sozialdemokraten sind, von denen zwei erst durch die Verhängung des Boykotts Sozialdemokraten wurden. Ter Militärboykott paßt nicht in ein Land der allgemeinen Wehrpflicht und des allgemeinen Wahlrechts. In Königsberg hat man nicht nur Gastwirte, sondern auch freie Berufe boykottiert. So war mein Parteifreund Haase nicht bloß in seinem Rechtsanwaltsbureau, sondern sogar in seiner Privatwohnung boykottiert. Auch Aerzte und Zigarrenhändler werden dort boykottiert. In Karlsruhe wurde ein Hutfabrikant boykottiert. Nach langen Nachforschungen hat er festgestellt, daß er vor langen Jahren zu seiner Hochzeit einen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten eingeladen hatte. (Hort! Hort! links.) Sonst hatte der Mann in seinem ganzen Leben keinen schwarzen Fleck. (Zuruf: Roten Fleck!) Ja, ganz recht, ein schwarzer Fleck ist ja meist sehr vorteilhaft. (Weiterleit) Bei den letzten Reichstagswahlcn fragte in Burg ein Wirt den sozialdemokratischen Kandidaten in einer Versammlung, wie er sich zum Militärverbot stelle. Sofort wurde das Lokal dieses Wirtes für das Militär verboten. «Hört! Hört!! Ein konservativer Brauere.direktor hatte seine Biere in sozialdemokratischen Blättern empfohlen. Die Folge war, daß alle die Wirtschaften fön der M litärvehörde boykottiert wurden, die von dieser Brauerei ihr Bier bezogen. (Hort! Hort!) Ich frage, ob wir bei solcher politischen Erpress er Praxis noch in einem Rechtsstaat leben. Ter Redner trägt weitere Fälle ähnlicher Art vor. Ist das Gewerbefreiheit? Ter Kriegs»,:nister hat sich dagegen verwahrt, daß er mit Bezug auf den Boykott die Sozialdemokraten mit Zuhältern und Dirnen auf eine Stufe habe stellen wollen. Tas Beleid gende braucht nicht in der Absicht zu liegen, c8 liegt in der tatsächlichen Zusammenstellung. Ich habe hier z. B. ein Verzeichnis der für das Militär in ter schönen Stadt Straßburg verbotenen Lokale und Straßen. Da sind in einer Reihe ausgezählt das Geschäft des Rcichstagsabgeordneten Böhle und d e Straßen, wo die Dirnen tvohncn. (Hört! Hört! bei den Soz.) Dafür ist der Kriegsminister verantwortlich. Aber auch die Liberalen sind gegen solche Maßnahmen der Militärverwaltung nicht gesichert. Tas hat ja vor nicht langer Zeit der temperamentvolle Generalmajor v. Deimling mit seinem afrikanischen Selbslbewußtscin durch sein Verbot liberaler Zei- t u n g c n in Straßburg bewiesen. Welche Verwüstungen wer. den dadurch im Rechtsbewußtsein des Volkes angerichtet und welchen Eindruck macht daö im Auslände. Nicht ein Prozent des Volkes würde bestreiten, daß das offene Recht auf feiten der kämpfenden Sozialdemokratie ist. (Beifall b. d. Soz.) Abg. Liesching (Vp.): Gewiß sollen die jungen Leute, wenn sic Soldat lücrbcn, vor manchen Versuchungen behütet werden. Aber es liegt doch anders, wenn Wirte und andere Gewerbetreibende wegen ihrer politischen Gesinnung boykottiert werden. Leider ist es nicht möglich, die Armee chemisch reinzuhalten von sozialdemokratischen Gesinnun- gen, oder wir dürften überhaupt keine Sozialdemokraten mehr einstellen. Meist wird nur der Gewerbetreibende geschädigt, der gar nicht Sozialdemokrat ist. Das Verhalten des Generals von Deimling hatte eine Interpellation im Straßburger Landtag ver- anlaßt, die durchaus sachlich behandelt wurde. Daß er nachher die „Straßb. Neue Zeitung" verbot, ist geradezu unerhört. Es handelt sich um keine sozialistische Zeitung, sondern um eine, die den Kampf gegen den Nationalismus aufgenommen hat. Aber Herr Dairnling ist jetzt noch ausgezeichnet worden! Der Kriegs- Minister muß die in Frage kommenden Stellen energisch zur Rechenschaft ziehen. Aber ein gesetzgeberisches Vorgehen, wie es die Sozialdemokraten wollen, empfiehlt sich nicht. Er kann nicht alle möglichen Fälle festlegen. Vielleicht könnte die Behörde zum Schadenersatz herangezogen werden. So aber genügt die Resolution. Generalleutnant b. Wandel: Fehler kommen selbstverständlich vor. Tie Bestimmungen über Lokalverbote sind klar und brauchen keinen Anlaß zu Beanstan- düngen geben, wenn sie richtig angewendet tverden. Es werden nur Lokale verboten, wenn sie ständig von Sozialdemokraten besucht werden oder wenn der Wirt selbst Sozialdemokrat ist. Abg. Pcirotcs (Soz.): Auch unser Kollege Gohre ist früher als Prediger boykottiert worden. (Zuruf rechts: Das war die höchste Zeit!) Abg. Dr. Frank (Soz.): Meine Fragen sind nicht beantwortet. Der Militärboykott ist ein eini ger großer Skandal. General v. Teimling läßt jetzt täglich feine Kavallerie und Artillerie durch die Straßen raffeln, um zu zeigen, wie hoch die Kommandogewalt über dem niederen Bürgertum steht. Tas ist d c offene unverhüllte Militär- diktatur. Zu diesem Kriegsminister hat die Vvlkspartei noch Vertrauen. Tie Nationall'beralen haben kein Wörtchen des Protests riskiert. Abg. Dr. Müller-Meiningen (23b.): Tic Sozialdemokratie ist kurzsichtig, wenn sie in der Wehr- Vorlage alle möglichen Materien hincinbringen will. Auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmung konnte der General von Deimling in Straßburg die liberale „Straßburger Neue Zeitung" verbieten? Er ist ein Unglückswurm. Kriegsminister b. Heeringen: Es ist doch recht unglücklich, einen kommandierenden General als Unglückswurm zu bezeichnen. Ich weise das zurück. Man wird doch in einer deutschen Stadt wie Straßburg das Recht haben, mit zwei Batterien über die Straße zu marschieren. Die Bevölkerung hat keinen Anstoß daran genommen. Es liegt keine Provokation vor, sondern militärischer Dienst. Abg. Dr. Frank (Soz.): Der Gemeinderat von Straßburg und der Landtag haben einmütig gegen den General von Deimling protestiert. Gehören die nicht zum Volk? Abg. Dr. Müller-Meiningen (23b.)* Herr von Deimling hat schon einmal eine unglückliche Rolle hier gespielt. Damals sagte er, der Reichstag sei überflüssig, die Militärs machten doch, was sie wollten. Tie Aussprache schließt. Die Abstimmung wird morgen erfolgen. Beförderung. Die Sozialdemokraten beantragen^ Die Beförderung darf nur von der persönlichen Tüchtigkeit abhängig gemacht werden, ohne Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung oder die Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft oder politischen Partei. Abg. Bernstein (Soz.)' gibt einen historischen Rückblick über die Beförderungsgrundsätze im Heere seit Cromwells Zeiten. Der Redner wendet sich gegen den Abg. v. Graefe und spricht von ihm als vom Abschaum der Menschheit. Er wird deswegen vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Abg. Graf Praschma (ZenLr.)' weist darauf hin, daß ein demokratisches Blatt, die „Welt am Montag", das Festspiel Gerhart Hauptmanns eine bodenlose Frechheit genannt habe. (Hört! Hort! und Unruhe.h Morgen 2 Uhr Weiterberatung. ' Schluß 7A Uhr. F " ■ Vie vesitzsteuer im vu-getausschuh. :: Berlin, 19. Juni. Der Budgetausschuß des Reichstages beriet heute das Besitz st euergcsetz als Grundlage einer zu schaffenden Reichs- • Vermögenssteuer weiter. Bei § 18 und folgende (Feststellung des Vermögenszuwachses) wurde die Frage der Aufhebung des t Z u wachs st euergesetzes von 1911 beraten. Ein nattonal l i b e r a l e r Redner begründete einen dahingehenden Antrag, 1 der die Einführung von Zuwachssteuerordnungen durch Gemeinden und anderweitige Kommuiiciloerbände staatlicher Genehmigung Vorbehalten will. Reichsschatzsekretär Kühn sprach sich gegen den Antrag aus Aufhebung aus. Er gebe zu, daß sich bei, Durchführung des Griindstückszuwachssteuergesetzes gewisse Mißhemg- leiten ergeben hätten, diese würden jedoch einer Aushebung des Gesetzes nicht entgcgenwirken. Die Reichsfina»tzverwaltuirg habe ! die Absicht, sobald sich die Erfahrungen hinreichend verdichtet hätten, eine Novelle vorzulegen, in welcher die hervor- getretenen Harten beseitigt, und falls inzwischen eine Vermögenszuwachssteuer in Kraft getreten sei, einen Ausgleich zwischen etwaigen Unftimmiqfeitcn beider Gesetze tunlichst herbei- zusühren. Demgegenüber niüsse der Gedanke einer A il f h e b u ii g d e r Z u w a ch s st e l« e r die erustesten Bedenken erregen. Damit würden dein Reich und den ©emeinben eine Einnahmequelle entzogen, für die sich ein Ersatz nicht würde finden lassen. Ter Ausfall des Ertrages für deir Reichsauteil würde 21 bis 23 Millionen betragen, die sich noch dadurch wesentlich erhöhen würden, daß bis z»lr Alifhebuug mit bem Umsatz zurückgehallen werben mürbe, 311111 Nachteil bes Grunbstücksmarktes. Nach alle dem würde nur in Frage kommen können, baß in Gestalt einer Entschließung eine Nachprüfung bes bestehenden Grundstückszuwachssteuergesetzes in Aussicht genommen werbe. Ein sozialdemokratischer Redner sprach sich gegen die Aushebung mit Rücksicht auf die Komunen aus, verwarf auch den von dem Reichsschatzsekretär gemachten Vorschlag auf Einbringung einer Novelle. Ein fortschrittlicher Redner wünschte, die Steuer ganz ben Kommunen zu überlassen. Ein Z e n t r u m s r e d n e r er- wiberle, der Vorschlag bes Antrages sei unvollständig und gebe keine Richtlinien. Durch die Festsetzung eines späteren Termines für die Aushebung würde der ganze Grundstücksmarkt mit einem Schlage bis zu jenem Termine ruiniert. Einem konservativen Redner erschien es unpraktisch, im Augenblick, wo man nach neuen Einnahnien suche, bestehende Steuerquellen zu beseitigen. Alan möge doch nicht nach zweijährigem Bestehen des Gesetzes Unruhe in den Grundstücksmarkt tragen. Der Antraqsteller trat nochmals für seinen Eintrag ein, der dem Bundesrat ja Zeit lasse, alle nötigen Vorbereitungen zu treffen. Ein zweiter 3 e 111 r 11 in § r e b n e r wünschte, das neue steuerliche Prinzip der Zuwachsbesteuerung restlos für das Reich auS- zunutzen. Nach kurzer weitererAussprache, in der der Reichsschatz- s e k r e t ä r wiederholte, daß die Absicht bestehe, die praktischen Erfahrungen für eine Novelle in absehbarer Zeit nutzbar zu machen, aber wann, das lasse sich jetzt noch nicht sagen, erfolgte bie9lbftlmimmg. Der nationalliberale A n trag auf Aufhebung des Zuwachssteuergesetzes von 1911 wurde gegen bie Stimmen der Nationalliberalen und der Fortschrittler a b g e l e h n t. Es folgte die Besprechung des gestern einem Unterausschuß i'iberwiesenen Paragraphen 14 und des neu einzufügenden Paragraphen 14 a. Diese lauten : § 14 Abs. 1: Vermögen, die den Gesamtwert von 20 000 Mark nicht überfteigen, unterliegen der Zuwachsbesteuerung nicht. Abs. 2: Bei Vermögen über 20 000 Mark, aber nicht über 30 000 Mark Gesamtwert unterliegt der nach § 13 steuerpflichtige Zuwachs nur insosern der Steuer, als durch ihn bie steuerfreie Grenze (Abs. 1) überschritten wird. § 14a: Zuwachsteile unter 1000 Mark bleiben bei der Feststellring des steuerpflichtigen Ver- mogenszuwachses unberücksichtigt. Nachdem der Berichterstatter über den Gang der Verhandlungen im Unterausschuß berichtet hatte, wurde diese Fassung angenommen. Zu ß 18 lag ein nationalliberaler Antrag vor, die erstmalige Feststellung des Vermögenszuwachses (vom 1. April 1916) um ein Jahr hinauszurücken und die Erhebungszeiträume, beginnend am 1. Januar 1914, auf drei Jahre statt auf zwei Jahre auszudehnen. Nachdem der Staatssekretär des Neichsschatzamtes erklärt hatte, diesem Antrag nur mit Vorbehalt zustimmen zu können, stellte sich der Ausschuß auf diesen Standpunkt des Schatzsekretärs. § 19, wonach als Vermögenszuwachs der Unterschied zwischen dem reinen Werte des steuerbaren Gesamtvermögens am Ende des jeweiligen Veranlagungszeitraums an dem reinen Werte des steuerbaren Gesamtvermögens am Anfang dieses Zeitraums gilt, wurde angenommen. Der vom Berichterstatter beantragte neu eiuzufugende § 19 a wurde in folgender abgeänderter Fassung angenommen: Als Wert des steuerbaren Vermögens am 1. Januar 1914 gilt das nach dem Wehrbeitragsgesetz festgestellte Gesamtvermögen, soweit seine Feststellung den Vorschriften des Besitzsteuergesetzes entspricht. Ein dazu gestellter Antrag, der dem so festgestellten Vermögen den Kapitalwert von Renten zurechnen will, wurde abgelehnt. § 20 Abs. 1 und 2, dessen Bestimmungen die Ausgleichung späterer Vermögensverluste ernröglichen und ferner verhindern sollen, daß die Befreiung eines kleineren Vermögenszuwachses unter allen Umständen eine endgültige wird, wurde mit zwei redaktionellen Aenderungen angenommen unter Streichung des dritten Absatzes. § 21, wonach der Vermögensstand bei Begründung der persönlichen Steuerpflicht maßgebend ist, wenn die subjektive Steuerpflicht erst innerhalb des Veranlagungszeitraums begründet wird, blieb inttieränbert. Die Schlußbestimmungen dieses Teiles (§ 22 und 23) wurden angenommen, nur wurde der Erhebungszeitraum, auf den sich die Entrichtung der Besitzsteuer verteilt, auf drei Jahre statt auf zwei Jahre ausgedehnt. Die beiden folgenden Paragraphen behandeln die Steuersätze. Zu § 24 Abs. 1 beantragte der Berichterstatter nachstehende abgeänderte Staffel: Die Steuer beträgt für den ganzen Erhebungszeitraum bei einem steuerpflichtigen Vermögenszuwachs von nicht mehr als 50 000 Mk. 0,75 v. ö. des Zuwachses, mehr als 50 000 Mk. bis 100 000 Mk. 0,90 v. H. des Zuwachses, „ „ 100 000 , , 300 000 „ 1,05 „ , , , , 300 000 , , 500 000 , 1,20 „ „ „ . „ „ , 500 000 „ , 1000 000 „ 1,35 „ „ „ w p 1000 000 „ 1,50 v. tx des Zuwachses. (Die Vorlage beginnt mit 0,5 v. H. des Vermögenszuwachses von nicht mehr als 25 000 Mark und steigert diesen Prozentsatz bis 1,5 v. ö. des Bermögeiiszuwachscs von nicht mehr als 1 Million.) Tic von der vorgeschlagenen neuen Staffel erfaßte Stener- aruppe ergibt rund 100 Millionen statt 80 Millionen der Vorlage. Von konservativer Seite wurde der neuen Staffelung widersprochen. Ebenso widersprach ein Zentrums ab geordneter, soweit das Kindeserbe von der Staffel hier erfaßt würde. , Reichsschatzsekretär Kühn erklärte, eine verschiedene Behandlung des Vermögens aus Erbschaften der Kinder und des anderen Vermögens zu Gunsten der ersteren sei nicht angängig, denn auf diese Weise wurde die Beziehung der Zuwachssteuer zu einer Besteuerung des Vermögens so sehr in den Vordergrund geschoben werden daß dadurch die Selbständigkeit der Einzelstaaten auf dem Gebiet der Vermögenssteuer berührt werden würde und sich vom Standpunkt der verbündeten Regierungen neue Bedenken gegen das Gesetz erheben könnten. Aus dem Ausschuß wurde erklärt, daß bic Abstimmung nur eine provisorische sein könne So wurde die von dem Berichterstatter vorgeschlageneneue Staffelung mit großer Mehrheit angenommen. Eine längere Erörterung rief der Antrag des Zentrums über das Kinderpriv ileg hervor. Danach soll sich die Steuer bei einem steuerbaren Vermögen von weniger als 100 000 Mark um je fünf vom Hundert für das dritte und jedes weitere minderjährige .Kind ermäßigen. Während von den Antragstellern auf die soziale Seite dieser Frage hingewiesen wurde, bestritt man auf der anderen Seite, daß neben den bisherigen Vergünstigungen für minderjährige Erben noch weitere Vergünstigungen notwendig seien. Es würde zudem für die einzelnen Steuerpflichtigen nur minimale Steuererleichterungen bedeuten. Pro Kind mache die Ermäßigung selbst bei zehn Prozent nicht mehr als 2,50 Mark aus. Der Zentrumsantrag wurde jedoch äugen 0 m men, und zwar Mit einer Mehrheit aus Nationalliberalen, Konservativen und dem Zentrum. Angenommen wurde weiter eine Bestimmung über die Wertermittelung in der von dem Abg. Schiffer beantragten Fassung: Für die Steuer bei landwirtschaftlichen und Gewerbebetrieben, bei denen regelmäßig jährliche Abschlüsse statt- sinden, kann der Vermögensfeststellung der Vermögensstand am Schlüsse des letzten Wirtschafts- und Rechnungsjahres zu Grunde gelegt werden. Zur Feststellung des Wertes bei Grundstücken lag ein weiterer Antrag Schiffer vor, der die entsprechenden Bestimmungen des Wehrbeilrages auf das vorliegende Gesetz zu übertragen wünscht. Der Antragsteller betonte ausdrücklich, daß es sich nur um eine formelle Bestinrmung hairdle; seine Partei behalte sich vor, die entsprechende Bestimmung des Wehrbeitragsgesetzes in zweiter Lesung abzuändern. Auch der Schatzsekretär erklärte seine Zustimmung zu der formell gleichen Regelung in den beiden Gesetzen. Der Antrag Schiffer wurde angenommen. Ein konservativer Antrag, der für den Fall von Erbangelegenheiten usw., soweit die Grundstücke dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen besttmmt sind, den Ertragswert nicht, wie es der Entwurf der Regierung will, auf das Fünfunbzwcmzigfache des Reinertrages, sondern nur auf das Zehnfache setzen wollte, wurde gegen Zentrum und Konservative abgelehnt. hessische Erste Kammer. bs. Dar m ft a b t, 19. Juni. Um IO1/, Uhr eröffnet der Graf G 0 r y die Sitzung. Das Hans ist gut besucht. Am Ministertische bie drei Minister und einige Ministerialräte. Der Präsident macht eine Reihe geschäftlicher Mitteilungen. Es wirb bann in bie zwanzig Punkte -umfassende Tagesordnung eingetreten. 1) Dringender Antrag der Abqq. Brauer, von Brentano und Genossen, die B e s 0 l b u n g b e r Staatsbeamten betreffenb; ber Ausschuß beantragt hierzu: die Regierung zu ersuchen, ben Gesetzentwurf eines Besoldungstarifs vorzulcgeii, der sich möglichst cur die bestehenden preußischen Gehaltssätze anschließt, ohne diese Sätze zu überschreiten. Finanzminister Tr. Braun: Tie gewünschte Zusammenstellung wirb Ende dieser ober Anfang nächster Woche zur Verteilung kommen. Ich mache barauf aufmerksam, baß daran sest- zuhalten ist, baß biete Zusammenstellung nur einen Vergleich barstellen soll; sie darf baher nicht so ausgesaßt werden, baß sie an Stelle der Regierungsvorlage tritt. Bei den Punkten 2—7 tritt bas Haus ohne Aussprache ben Beschlüssen der Zweiten Kammer bei. Es handelt ft eh um G e= hallsverhältnisse der Gerichts- unb Kreisamts- bienet-, Verkauf von Geläiibe an bie Gemeinde Rüsselsheim, Errichtung eines Amtsgerichtes in Rüsselsheim, Verkauf von Gelände an bie Stadt Darmstadt, Regierungsvorlage bas Laubgestüt bett-., Landes-Heil- unb P s l e g e a n st a l t in Gießen. Punkt 8, Vorstellung der drei Gendarmeriedistrikts-Oberwacht- mcifter i. P. Leutnant a. D. Philipp Gärtner zu Darmstadt, Wilhelm Weitzel zu Mainz unb Wilhelm P l 0 ch zu Gießen, Erhöhung ihrer Pension betreffend: Geheimrat Dr. Strecker: Ter Ausschuß hatte zunächst Ziveifel, diesem Gesuch der drei Beamten zu entsprechen und sich dein Beschlüsse der Zweiten Kammer anzuschließen. Der Ausschuß beantragt aber, bic Regierung zu ersuchen, biesen Antragstellern bie Differenz zu vergüten, bie entstauben ist zivischen bem Tag der Pensionierung, bie nicht auf eigenen Wunsch erfolgte, und bem 1. April 1912. Landgerichtspräsident Dr. Hangen: Ich halte es für angebracht, dem Gesuche der Antragsteller zu entsprechen. Es handelt sich um nationalbenfenbe Männer, bic bem Staate treu gebient haben. Minister v. H 0 m b e r g k: Geht bie Absicht des Hohen Hauses dahin, ben Antragstellern die erhöhten Bezüge zuzubilligen ohne Rücksicht auf bereit Bedürftigkeit? Das war nämlich bie Absicht der Zweiten Kammer. Geheimrat Dr. Strecker: Ter Ausschuß wünscht Bewilligung ohne Rücksicht auf bie Bebürstigkeit. Landgerichtspräsident Hangen: Wenn hierzll ein besonderer fU 11 trag nötig sein sollte, so will ich den Antrag stellen, daß bie Bewilligung ohne Rücksicht auf bie Bedürftigkeit erfolge. Da das aber im Ausschu-ßantrage enthalten sein muß, wird die Sitzung für einige Minuten unterbrochen, um dem Finanzausschuß Gelegenheit zu geben, seinen Antrag dahin zu ergänzen. Daraufhin wird der neue Antrag ohne Widerspruch angenommen. Punkt 10, Unterstützung für entstandene Hagelschäden, wird ohne Aussprache erledigt. Punkt 11, dringlicher Antrag der Abg. Dr. Osann, Brauer, Reh, Ulrich und 31 Genossen, die Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften betreffend und der Antrag des Abg. Dr. Winkler in gleicher Sache. Oekonomierat Walter dankt dem Ausschüsse für die Annahme dieser beiden Anträge. Das Haus nimmt den Ausschußantrag ohne Widerspruch an. Ohne Aussprache erledigt werden die Punkte 12 bis 15: Verkauf des Wartturmes in der Gemarkung Nierstein, Aufhebung des kurhess. Gesetzes vom 28. Juni 1865; Automobilverkehr Weinheim-Trösel; Reorganisation der Verwaltung der Waldungen des Staates. Punkt 16, Vorstellung der Haus- und Grundbesitzer von Mainz und Umgebung über die steuerliche Ueberlastung des Grund- und Hausbesitzes. FinanMinister Dr. Braun: Der Bericht des Ausschusses der Hohen Ersten Kammer enthält folgenden Satz: „Bei dieser Gelegenheit glaubt jedoch der berichtende Ausschuß dem Wunsche Raum geben zu sollen, daß bei einer Abänderung der staatlichen oder der Gemeindevermögenssteuer auf die berechtigten Beschwerden der Hausbesitzer in der Richtung Rücksicht genommen werde, daß bisher erfolgte Ueberschätzungen und so oft nachgewiesene Willkürschätzungen vermieden werden, vielmehr nur objektive und richtige Verkaufspreise in Ansatz gebracht werden". Mit diesen Worten wird ein Vorwurf gegen die Veranlagungsbehörde erhoben. Die Großh. Regierung kann es nur lebhaft bedauern, wenn sie erneut dagegen Verwahrung einlegen muß. Ich bitte den vereh-rl. Ausschuß doch zu prüfen, ob und inwieweit dieser Vorwurf gerechtfertigt ist. Der Minister macht dann im einzelnen Mitteilungen über die Art der Erhebungen. Von den eingegangenen Reklamationen habe sich ein großer Teil als unbegründet erwiesen. Man könne denmach nicht behaupten, die Einschätzung geschähe nach Willkür. Die Veranlagungskommission gehe mit großer Vorsicht zu Werke. Graf Erbach zu Fürstenau: Der Ausschuß kann auf die Ausführungen Sr. Exzellenz jetzt nicht erwidern, weil der Berichterstatter nicht da ist. Ich kann aber in Aussicht stellen, daß sich der Ausschuß noch mit den Worten Sr. Exzellenz besänftigen wird. Die übrigen Punkte der Tagesordnung, Aushebung des Brückengeldes für die Offenbacher Mainbrücke, eine Vorstellung wegen Stempelerlaß, der Antrag Ulrich 11. Gen., Einkommen-- und Vermögenssteuergesetz betr., Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für die Gemeinde,Geinsheim betr., werden alle ohne Widerspruch int Sinne der Beschlüsse der Zweiten Kammer erledigt. Das Hans vertagt sich um ll1 2 Uhr auf unbestimmte Zeit. Aus den Rcid}$tagsausfd)üffen. :: Berlin, 19. Juni. Die Konkurrenzklansel im Handelsgewerbe. Ter Ausschuß für die .Konkurrenzklausel trat h>-uic, wie ichon vor einer Woche, von neuem zusammen, in Der Abpcht, die zweite Lesung des Gesetzentwurfs zu beginnen, röor ben Reichstagsferien war bie erstg Lesung im Aussckplß beendet worden, und während der Ferien hatten die verbündeten Regierungen, wie damals berichtet wurde, zu den Beschlüssen erster Lesung Stellung genommen und den Ausschußmitgliedern ihre neuen Entschließungen zugänglich gemacht. .Sie stellten eine Art Kompromißangebot bar, das sich hauptsächlich auf das Anerkenntnis einer Beschränkung der Gültigkeit von Kvnlürrenzklauseln auf zwei Jahre erstreckte und auf die Festsetzung der Entschädigung auf ein Drittel des Gehalts bei einer G e- haltsgrenze von fünfzehnhundert Mark für die Gültigkeit der Klausel. Es ist das ein Entgegenkommen gegen die Ausschußbeschlüsse erster Lesung, die ihrerseits die Wünsche der Handlungsgehilfen in einem erheblich weiteren Maße cr- füHcn wollte; und in der Sitzung vor einer Woche, an der der Ch ef des Rei chs ju sti z ain ts mit seinem Ministerialdirektor teilnahm, machte her Vorsitzende des Ausschusses, Wein- Hausen, zugleich im Namen sämtlicher im Ausschuß vertretenen Parteien, einen Z w i s ch e n v 0 r s ch l a g , der eine Einigung nicht nur zwischen ben -lusschußvertretern, sondern auch zivischen diesen und der Regierung Herbeisuhren sollte. Er gab für sämtliche Parteien die Erklärung ab, daß sie einstimmig für die jetzigen Vorschläge der Regierung stimmen und so eine rasche positive Erledigung des Gesetzes herbeiführen würden, wenn bic Regierung noch einige der ursprünglichen Wünsche der Parteien er- ftillen wollte. Diese Verbesserungen sollten in einer Gehaltsgrenze von zweitausend Mark bestehen, die Entschädigung für das zweite Jahr nur auf ein Viertel des Gehalts gesetzt werden, statt nach dem Vorschlag der Regierung auf ein Drittel wie im ersten Jahr, aber dafür unter Wegfall der Ausrechnung für ander- weite Tätigkeit während der Geltungsdauer ber Klausel. Ferner Nichtigkeit der geheimen Konkurrenzklausel und Schadenersatzpflicht für den Prinzipal; und schließlich ein Klagereckt des Prinzipals nur auf Schadenersatz oder auf Erfüllung, nicht aber wie der Entwurf der Regierung es will, auf beide. Staatssekretär Dr. Liseo lehnte in der auf diese Erklärung Weinhausens erteilten lAntnwrt die höhere Gehaltsgrenze und die Schadenersatzpflicht des Prinzipals bei geheimer 'Konkurrenzklausel rundweg ab und bezeichnete auch von den beiden anderen Forderungen nur eine als erwägenswert. Dieses Ultimatum des Chefs des Reichsjustizamts gab dem Ausschuß dann den Anlaß, sich zu vertagen unb einstweilen unter sich zu entscheiden, Ivie weit sie auf diese Bedingungen der Regierung ein.qchen könnten. Gestern und heute früh haben diese Besprechungen vertraulich ftattgeftindcn. Es stellte sich dabei heraus, daß die vorher gegenüber den ersten Entschließungen der Regierung herbeigeführte Verständigung aller Parteien jetzt nicht mehr zustande kam. Als bann bic Regicrungsvertreter erschienen, begann eine Ausschußsitzung. Tie bürgerlichen Parteien — bei der ersten Verständigung hatten die Sozialdemokraten positiv mitgemacht, jetzt schlossen sie sich aus — wollten das Zugeständnis machen, d i e G c h a l t s - grenze, wie es bie Regierung wünscht, auf fünfzehnhundert Mark zu beschränken, aber nur bei einjähriger Dauer ber Klausel, dagegen bei zweijähriger Dauer an ber ursprünglichen Forderung des Ansschirsses von zweitausend Marl festzuhalten. Auf die an die Regierung nunmehr gestellte Anfrage erwiderte sie, eine Antwort jetzt noch nicht geben zu können. Don national- liberaler und Z entrumsseite wurde großer Wert daraus gelegt, daß das für oie Handlungsgehilfen so wichtige Gesetz durch Mitwirkung sämtlicher Parteien zustandekomme. Tie zweite Lesung des Entwurfs soll anfangs nächster Woche beginnen, damit inzwischen die Mitglieder des Ausschusses mit ihren Fraklionen über die veränderte Lage Rücksprack)e nehmen können. Der WahlprufunMusschnß erklärte heute die Wahlen ber Abgeordneten W erner -Gi eßen (Wirtsch. Vgg.), Bruckhofs (Vv., Züllichau-Schwicbus) unb H er z o g (Wirtsch. Vag., Hofgeismar) für glH ti a. Bei der Wahl des Mdg. v. B olko (Kons., SagawSprotlau) wurde Beweiserhebung beschlossen. Der Bittschriftenansfchuß verhandelte heute mehrere Eingaben über eine Acndcrung des R eb l a us g e s etz es. Die Regierung Machte die Mittci lung, daß bie '©in Berufung eines Au s s ch-nsses, wie er in ber Entschließung von Dr. Paasche und seinen Freunden im Jamiar dieses Jahres gewünscht wurde, demnächst erfolgen solle. Wenn der Ausschuß bis setzt und: nicht einberufen sei, so liege der Grund darin, daß die Regierung zunächst die Behandlung der Eingaben im Ausschuß gewünscht habe, um noch Material zu sammeln. Aus diesem Grunde sei darum gebeten worden, die Behandlung der Eingabe möglichst bald vor- znnehmen. Der Ausschuß nahm von dieser Erklärung des Regierungs- Vertreters mit Befriedigung Kenntnis. Die Eingaben nnirbcn dem Reichskanzler zur Berücksi d", t i g itn g überwiesen mit dem Ersuchen, dahin zu wirken, daß die Einzelstaaten aus die Wünsche ber Bittsteller vom Bundesrat hingewiesen würden. Aus Stadt uu§> Lauv. Gießen, 20. Juni 1913. Säuglingsfürsorae im Sommer. Die Großh. Zentrale für Mutterschutz unb Säuchlinqs- fürsorge in Hessen macht auf folgende sechs wichtige Regeln für die heiße Zeit aufmerksam: 1. Das Zimmer kühl halten! Fleißig lüften! Bei Tage Vorhänge (und Läden) ,n! Bei Nacht Fenster offen! Das Kind muß das kühlste Plätzchen in der Wohnung haben. 2. Das K i n d kühl halten! Leichte Kleidung und leichtes Bettzeug (auch im Freien'! $ur keilte Federbetten! Bei großer Hitze kann das Kind auch nackt liegen. Täglich wenn irgend möglich lauwarm baden ober wenigstens lauwarm • abwaschen. 3. Brustkinder widerstehen der Hitze am besten. Unter keinen Umständen darf jetzt abgestillt werden. 4. Größte Vorsicht in der Ernährung! Ja nicht überfüttern! Gegen den Durst gebe man dünnen, lauwarmen Tee! 5. Kuh- oder Ziegenmilch muß frisch sein, beim Bezug sofort abgekocht und gleich wieder gut gefühlt werden. Die Milch muß immer kühl stehen! 6. Jedes mit der Flasche ernährte Kind muß ärztlich überwacht werden! In den 45 Beratungsstellen der Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge erhält jede Mutter und Pflegemutter unentgeltlich Rat und Auskunft. — Bei der ersten Gesundheitsstörung muß das Kind so rasch als möglich zum Arzt. * " Land es Universität. Dem ordentlichen Professor Dr. phil. Lic. theol. Friedrich Schwally wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Nationalspende für die evangelischen Missionen. Da der Endterlnin für bic 0anun» langen auf ben 30. Juni festgesetzt worben ist, werden die lokalen Sammelstellen gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß sämtliche eingegangenen Spenden bis 311 genanntem Zeitpunkt an die Hauptsammelstelle des Landeskomitees für das Großhcrzogtum Hessen, bic Bank für Handel unb Industrie in Darmstadt, abgeführt werden. •• Vereinigung für Volkskunde. Durch die Aufführung des Odenwalder VollSstückes »Das Müllerliss'l von Michelbachs im Anschlüsse an die Mitglieder-Ver- sammlung ber Hess. Vereinigung für Volkskunde am nächsten Sonntag in Steins Garten ist zumal den Städtern die selten gebotene Gelegenheit gegeben, hessische Bräuche und Sitten aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Der Handstreich, ober wie man in Oberhessen sagt, der Handschlag, die Brait, _ ber Weinkauf, ber Hochzeitszug, Odenwälber Öriginaltänze unb Volkslieder werden in treuer Wiedergabe vor Augen ge- 20, ßuni l913, xoiumer. - das füttcÄen' inb kühl Wc"; ig(aud)ini^M lauwarm-abE ... (->i ne am beü^ 6 f fit 'N 8“‘ ffi mit * n! A metben1 üb^Ä A M-ül' '• ä 5 E K°°S hwaUY '9ej/"”lb'e 'm »* ,n bik- S i» : ; Landes " 3" s,r handel jri ***$#»*£ »«•& A-'K ü * g|nbf(rn l gitfi” -(ie $r51f L*Sthu r 2,!1 Tnh^UnöCn l doz ?[«(>,» “tonn ii MO W feinem’ - der eine Zini^ Plenen dern auch 2M n,dl; lstmmig ' 10 eine tn,-r "b'M üinsche her ils , begann eine Ausschch- 1 der ersten Verständigung aügemackt, jetzt jchlyss'n machen, die Gehalts- M, auf süufzehnhunbcn hnger Soner der Ztlauie!, urjvrünglichen jotbtrunj rk. Mtzuhalten. Äus bi: uftage emiibertc sie, ein: men. Bon national vurbe grober Wert barm' en so wichtige besetz burö anbefomme. Tie ter W:ul-e beginnen, dmi: fses mit ihren Jrafiioiu.- rehinen können, lvsschnh icten Werner-Bießku Züllichau-Schunebus» u:‘ ir gültig. Bei der Lu! Mau) nnirbe $ erntutr- isschuh über eine Henbtrw ’rnng machte biet’-' es Ausschuss^ r. Paasche uc1 r'T- gewünscht lüimV I ■ ’ er Ausschuß W/ ** , darin, dass n Ausschuß ’ diesem 0n* ln ingabe mvM w‘ rffärung bc§ Shjjg a uberwicien ’^L fen wüweu. ---_ !führt. Uebechaupt wird in kleinem Ausschnitt echt bäuerliches Leben aus dem Odenwald in großer Treue zur Darstellung kommen. Da ist nichts Geziertes und Gemachtes. Selbst die lSprache zeigt sowohl in dem Dialekte, der gar nicht sehr von nrnftrem oberhessischen verschieden ist (beide fränkisch), als auch besonders in den Nedensarten echt hessisches Odenwälder Gepräge. Dabei ist alles mit einem echten herzerfrischenden Humor durchzogen, und besonders im 2. Auszug die Szenen, die sich vor und bei dem Handstreiche abspielen, sind von -köstlichem, urwüchsigem Witze getragen. Man versteht, luenn 'inan das Stück sieht, wie cs einen förmlichen SiegeSzug durch die Starkenburger und Nheinhessischen Städte und Dörfer halten konnte. Der Dichter ist, wie wir hören, ein hessischer Lehrer, Franz Schmalbach, z. Z. in Heppenheim a. d. B., früher lange Fahre im eigentlichen Odenwalde wohnhaft. Die Darsteller, Mitglieder des Gesangvereins Eintracht in iKlein-Lindcn, sind von flinb auf im Dialekte heimisch, ein Vorzug, der sie über die allermeisten Berussschauspieler hinweghebt. ES ist auch nicht das erstemal, das; sie das Stück auf- führen. Jedenfalls können jedem Besucher sehr genußreiche Stunden in Aussicht gestellt werden. Man wird daher gut tun, sich beizeiten Eintrittskarten, die im Borvelkause in der Musikalienhandlung von E. Challier zu haben sind, zu sichern. -e. Kreis Alsfeld. oP. Alsfeld, 19. Juni. In dem Dekanat Alsfeld gingen für die Nationalspchrde zum Kaiserjubilänrn für die evangelischen Missionen ist den deutschen Kolonien und Schutzgebieten 1579.55 Mk. ein. öl’. Alsfeld, 19. Juni. Auf dem .Holzplatze der Firma Sondermann & Bücking wurde heute morgen der ctiwi 50jährige Arbeiter Heinrich Zerr aus Eudorf, der Sägespäne in das Maschinenhmts gebracht hatte, von einem mit Holz beladenen Rollwagen ersaßt und tödlich verletzt. Der Verunglückte v e r sta r b bald darauf. Erhinter- läsit Frau und Kinder. Es ist noch nicht bekannt, durch welche Ursache der Wagen ins Rollen gekommen ist. Kreis Schotten. R. Babenhausen, 18. Juni. Bei der beute hier 1 sicittgefundenen GraSversteigerung von etwa 80 Morgen Wiesen wurde nicht einmal die Hälfte des Gewinnes im vorigen Jahre erzielt. Infolge der guten Aussichten von Grünfuttcr waren keine Steigerer von auswärts gekommen. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 18. Juni. Vor einigen Tagen war eine höhere Militärkommission dahier, welche sowohl die provisorischen Kasernen und den provisorischen Exerzierplatz, als auch das Gelände der neuen Kaserne, den neuen Exerzierplatz besichtigten. Starkenburg und Rheinhessen. cf). Bingen, 19. Juni. Das gestrige schwere Gewitter brachte am Mittolrhcin einen wolkenbruchartigen Regen. . Durch das enge Gebirge brauste ein heftiger Sturm, der überall Schäden anrick)tete und durch die engen Talschluchten fuhren W-assermengen nieder, die in der kürz-esten Frist gewaltige Schutt- und Schlamm-Mengen in die anliegenden Städtchen unb Dörfer führten. Auf dem Dampfer „Rheinftein" wurden durch den Sturm die Sommertenne ^H^risl'en und davongeführt. Fast wäre unter den Fahr- gäften eine Panik entstanden, dock) konnte diese verhütet roerben. Infolge des Sturmes und Gewitters bat sich der Schleppkahn „Vadenia Nr. 3", der im Anhänge des Schleppdampfers „Niederrhein 1" bergwärts kam, beim Bacha- r ach er Werth festgefahren. Das Schiff bekam ein schweres Leck im vorderen Raum, füllte sich mit Wasser und sank. ch N i e d e r - I n g e 1 h e i m, 18. Juni. Nach der neuen Landgerneindeordnung gehört mit voller Stimmberech- tigung der höchstbestcuerte Grundbesitzer, der ein Viertel der in der Gemeinde aufzu bringen den Grundsteuern bezahlt, oder derjenige, der einen Grundbesitz im Werte von mindestens 25000 Mk., die zu Gemeindebesteuerung heran* gezogen sind, besitzt, dem Gemeinderate an. Von der zweiten Art hat die (Gemeinde zwei Besitzer. Ter eine entrichtet als .Höchstbesteuerter die meisten Umlagen, der zweite hat Grundbesitz im fraglichen Werte. Ter Besitzer, der als Höchstbesteuerter in Frage kommt, wünscht nun Zulassung zu den Gemeinderatssitzungen; das Kreisamt Bingen ist aber der Ansicht, daß nicht er, sondern derjenige, dessen Grundbesitz die Höhe erreichte, die vorgeschrieben ist, ohne Rücksicht wieviel Umlagen er bezahlt, das Recht hat, den Sitzungen beizuwohnen. Diese Entscheidung wird angefochten. .Hessen-Nassau. — Willingshausen, 19. Juni. Der Kriegerverein des lieblich an der Antrist gelegenen OrteS fescrt am 29. Juni sein 25jähriges Stiftungsfest. Es werden alle Anstalten getroffen, um ein schönes Fest erhalten zu können. Tic bunte Schwälmertracht, die so viele Maler in unser Dörfchen lockt, bietet dem Auge ein entzückendes Bild, besonders, wenn sich die Paare im Tanze drehen. X. Hanau, 19. Juni. In der Kinzig ertrunken ist hclite abend der Gelegenheitsarbeiter Hellurann von hier.] — In einer Sitzung der Handelskammer wurde mitgeteilt, daß der große Distelrasentunnel zwischen Schlüchtern— Fulda der Bebraer Bahn nicht vor dem 1. Oktober 1914 eröffnet werden kann. ok. Wasenberg, 18. Juni. Wahrscheinlich infolge eines Hitzschlages stürzte die 48iübrige Frau eines hiesigen Maurermeisters die Haustreppe hinab. Sie brach das Genick und starb kurz darauf. Tie Verunglückte ist Mutter von sieben Kindern, die zum Teil noch in die Schule gehen. = Herborn, 19. Juni. Als Nachfolger für den Generalsuperintendenten I). Maurer wurde Hofprediger Ohly in Berlin in Vorschlag gebracht. Hofprediger Ohly entstammt einer alten nassauischen Pfarrfärnilie und steht im 54. Lebensjahre. h. Dransfeld, 20. Juni. Der unter dem Namen „Papa Bühre" bekannte ehemalige Zimmermann Bühre feierte heute in verhältnismäßig großer Rüstigkeit seinen 100. Geburtstag. Ihiiverfgtäts-Kad^rictyten, 0. X. Französische Universitätsstatistik. Die Zahl der Studenten, die gegenwärtig an den 14 Universitäten Frankreichs studieren, beträgt 41109. Bor 2 Jahren, 1911, zahlte man 41190 Studenten, sod aß man also sagen kann, daß die Zahl der ©htbenben wie die der ganzen Bevölkerung stationär bleibt. Männlich- Studierende gibt es gegenwärtig 37053; die weiblichen Studierenten machen etwa '/, der Gesamtzahl, 4506 auS, während die Zahl der, Ausländer 566o beträgt. In den einzelnen Fakultäten stehen immer die Juristen nut der größten Zahl der Hörer an der Spitze, 16763; dann folgen die Mediziner mit 9744; die naturwissenschaftlichen Fakultäten zeigen einen merklichen Aufstieg, 6639 Studierende. 543 mehr als vor 2 Jahren, wahrend die schön- wissenschaftlichen Fakultäten fast ebensoviel Hörer verlieren und heute 6398 zählen. Die Ausländer bevorzugen die naturwissenschaftlichen Fakultäten, die ausländischen Studentinnen die schön- wisfenschastlichen. Bon den französischen Studentinnen gilt dasselbe; außer der schönivissenschaftlichen Fakultät hat nur noch die medizinische eine größere Zahl von weiblichen Hörern. Verantwortlich für „AuS Stadt und Land" i. B : K. Neurath. Müller'sche Baöcanftalt.- Wasser wärme der Lahn am 20. Jllili: 176 R. Meteorologische Beobachtungen der Station Sieben. höchste Temperatur am 18, bis 19. Juni «■ + 22,3 • 0, Niedrigste „ „ 18. , 19. , ■ + 15,5 • 0. Niederschlag: 1,6 nun. Juni 1913 Barometer i auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit । Relatwe 1 Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Grad btt Bewölkung in gehn«,! her stchld. Himmrlrfl. Weller 19. 2” 746,8 21,4 7,4 39 4 9 Bew. Himmel 19. 9U 748,8 17,5 11,7 79 WNW 4 10 Bed. Hin,n»»I, 20. 7U 749,0 15,5 10,6 80 A\' 4 10 ■ » Die Bauhandwerkerschule zu 5k ob lenz, Löhr- straße 100, welche 1901 gegründet, ministeriell genehmigt ist und unter dec Leitung des Architekten Jos. Mayer steht, fxtt den Zweck, praktisch vorgebildeten Dauhandtverkern jeden Berufes in kürzester Zeit diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die zur selbständlgen Ausübung des speziellen Berufes als Polier, Baustihrec oder Meister erforderlich sind. Die Slutfc umfassen in entspreche,wer Mänderung und Zusammendrängung das Programm ähnlich dem einer Baugeioerlschule. Es soll insbesondere der Einsülwung der jungen Baul-aitdwerler in das Wesen unserer heimischen Bauweise besondere Aujmerlfamkeit geschenkt werden. Es sei Ijier bemerkt, daß der Unterricht nur von besonders tüchtigen Fachleuten erteilt wird, welckre eine gediegene Ausbildung gewährleisten. Ta viele Bauhondwerker nicht die nötigen Mittel besitzen, um eine Baugewerst'chule 5 Semester lang zu besuchen, so wird manchem der Äntritt in die Bauha'.cdwerkerschule, die zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung bei genügender Vorbildung nur 1 Semester vorsieht, sehr willlommen sein, da dies eine be- beutenbe Ersparnis zu gewährleisten vermag. In den letzten Wochen haben in verschiedenst .Handwerlskammerbezirken 14 Schüler der Bauha ndwer kerschule ihre Meisterprüsnng erfolgreich abgelegt, davon 10 Schüler mit dem Prädikat „g u t". Weitere 17 Schüler stehen gegenwärtig vor der Aleisterprüsung. Ter Eintritt in die Säwle kann jederzeit erfolgen. Näl-ere Auskunft erteilt und Prospekte versendet kostenlos die Schulleitung Jos. Mayer, Architekt. ___________________________ID276]____________________________ T rinkt Sanitätskraftbier! 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Tie grab künftigen mit i [Austrocknung Hi 4 als her Boden natürliche Bode i: Kanäle, mehr c jlliern sind die Megensümpsen. !sie auch in der 'Bongo, leiblich 1 Gruppen nifye/'a ’ breiten Itfiiatd’fDi andauernd ur ßl'sweilen aus L popunga liegt । 'M» Uferstreisen Stadtverordneten Wahlen. 9Zad) Anhörung der Stadtvcrordneten-Versammlunn bestimme ich hierdurch gemäß Artikel 48 der Stabte’ orduung als Wahltag für die diesjährigen Stadtverord- neten-Wahlen Dienstag, den 18. November d.J. Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Vom 1. August bis 17. September ds. Js. wird vor aussichtlid) keine Sitzung der Stadtverordneten Per Ausbeulung einer Lizenz lEvochemachende Neuheit auf dem Reklamegebiet), wodurch jährlicher Reingewinn von Mk. 7000.— und mehr ohne Risiko zu erzielen ist, an tüchtige, organisatorisch veranlagte Herren iBranchekennt- nisie nicht erforderlich) zu vergeben oder zu verkaufen unter vorteilhaften Bedingungen. Offerten von kapitalkräftigen Herren unter F. T. 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Js. naätfolgende Gegenstände gefunden: 1 Damenhandtafche mit Inhalt, 1 Hutnadel, ein Herrenschirm, 1 Schachtel Zeichenkreide, 1 Kneiscr- futteral und 1 Kinderspazierstock. Die obigen Sachen können aus bem Bureau ber städt. Elektrizitätswerke und Strahenbahn, Lahnstr. 28, Zimmer Nr. 4 in Empfang genommen werden.____________(B*« Städt. Wohnuugsuachweis Gießen, Asterweg 9. ES sind zu vermieten: B*7<, 1 Wohnung von 7 Zimmern, 4 Wohnungen von 5 Simmern, 5 Wohnungen von 4 Zimmern, 5 Woh nungen von 3 Zimmern, 2 Wohnungen von 2 Zimmern 1 Wohnung von 2 Zimmern ohne Küche, 1 Wohnung von 1 Zimmer mit Küche, 5 möblierte Zimmer, drei Werkstätten, 1 Laden, 1 dreistöckiges Lagerhaus mi' Pferdestall und Heuboden. Zn mieten gesucht: 27 Wohnungen von 2—6 Zimmern. 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