Nr. 88 163. Jahrgang Mittwoch, 16 April 1913 Gietzener Anzeiger Erscheint ISglich mit Ausnahme des Sonntag?. General-Anzeiger für Oberheßen Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Die „Gietzener ZamiNenblatter" werden dem »Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das „KrtUMatt für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Rotationsdruck und Verlag der B'ruhl'schen Unwersitäts»Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 140. Sitzung, Dienstag, den 15. April 1913. Am Tische des Bundesrats: b. Jagow, Delbrück. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten. Der Aal für das Auswärtige Amt. (Zweiter Tag.) Dazu liegen drei Resolutionen der Budget- ko m m i s sio n bor. Die erste ersucht um Maßnahmen, durch welche der Zugang zum diplomatischen D i e n st den Befähigten, ohne Rücksicht auf ihre Vermögensverhältnisse, ermöglicht wird. Die zweite fordert eine Denkschrift über den Ausbau des orientalischen Seminars zu einer deutschen Auslandshochschule. Die dritte verlangt eine Denkschrift über diedeutschenSchulen im Auslande. Staatssekretär des Auswärtigen v. Jagow: Es ist gestern bereits bon dem Zwischenfall in Nancy Lier die Rede gewesen. Bisher ist dieser Zwischenfall nur aus den Telegrammen des Wolffschen Bureaus und aus Preffemeldun- gen bekannt. Sollten sich diese Nachrichten in bollem Umfang bestätigen, so würde ich sie allerdings als Höch st bedauerlich bezeichnen. (Lebhafte Zustimmung im ganzen Hause.) Es wäre damit auch em trauriger Beweis dafür erbracht, wie sehr das Treiben der Chauvi- nisten, bon denen kürzlich der Herr Reichskanzler hier gesprochen hat, Bedenken erregen muß. (Sehr richtig!) Unser Botschafter in Paris hat die Anweisung erhalten, die französische Regierung um eine Aufklärung zu ersuchen (Lebhaftes Brabo!) und, falls die Nachrichten sich als richtig erweisen, Vorstellungen wegen des mangelhaften Schutzes der Deutschen in Frankreich zu erheben. (Erneute Zustimmung.) Die Resolution, die sich auf die Reform des diplomatischen D i e n st e s bezieht, erachte ich als ein Zeichen Ihres Jntereffes für den auswärtigen Dienst und die Beamten meines Refforts. Gewiß sind wir Reformen nicht abgeneigt. Aber, wie die Drnge liegen, erfordern die diplomatischen Posten Zuschüsse aus eigenen Mitteln und zwar nicht nur für die Attaches, sondern auch für die höheren Stellen. Ich werde es mir angelegen sein lassen, die Wünsche der Budget- kommission sorgfältig zu prüfen und zu erwägen, welche Maßnahmen ersprießlicherweise getroffen werden können. Immerhin möchte ich schon jetzt die Versicherung abgeben, daß der Gedanke der Resolution, die Befähigsten zum diplomatischen Dienst heranzuziehen ohne Rücksicht auf ihre Vermögensberhältniffe, mir nur sympathisch ist. Aber ich möchte hinzufügen, daß bei den t e u e r n Lebensverhältnissen der meisten diplomatischen P o st e n , die ja ausschließlich in Großstädten liegen es Wohl auch m Zukunft kaum möglich fein wird, daß die Diplomaten ganz ohne eigene Mittel auskommen können, es müßte denn fein, daß ste so Hobe Gehälter erhalten, daß diese in zu krassem Widerspruch zu den übrigen Beamtengehältern und zu den Gehältern der Diplomaten anderer Länder stunden. Dem Vorwurf, daß für den Zugang zum diplo- m a t r s ch e n D i e n st Protektiv n unerläßlich ist, muß rch entschieden widersprechen. (Lachen bei den Soz.) Ja, meine Herren, ich mache einen Unterschied zwischen Protektion und Empfehlung. (Sehr richtig! rechts. Lachen b. d. Soz.) Es wird allerdings im diplomatischen Dienst niemand angestellt, der nicht empfohlen ist, und über den nicht Erkundigungen eingezogen sind. Ferner mochte ich doch auf Grund meiner langen Erfahrungen im Ausland feststellen, daß das ungünstige Urteil, welches man hier bielfach über unsere Diplomaten hört, im Ausland nicht geteilt wird. (Zustimmung rechts.) Der Hinweis sei mir gestattet, daß ein Ueb ermaß einseitiger Kritik die Arbeitsfreudigkeit unserer Beamten im Auslande nicht erhöht. An der Ausbildung unseres Nachwuchses im diplomatischen Dienst arbeiten wir fleißig. Dem Wunsch, die jungen Diplomaten gründlich in die konsularische Vertretung einzuführen, wird entsprochen. Wir haben wissenschaftliche Kurse im Auswärtigen Amt eingeführt, denen Herborraaende Männe der Praxis und der Wissenschaft ihre Kräfte zur Verfügung gestellt haben. Diese Kurse sind für alle Anwärter -es diplomatischen und konsularischen Dienstes obligatorisch. Zur Ausbildung der jungen Diplomaten gehört ferner, daß sie erie längere Zeit im konsularischen Dienst^ tätig sind. In den zw>ii Jahren, während deren sie im Auswärtigen Amt arbeiten, muffen sie hauptsächlich in der handelspolitischen und Nechtsabteilung tätig sein. Ferner wird bon ihnen verlangt, daß sie alljährlich eine größere handelspolitische Arbeit einreichen. Bei der Besetzung der höheren Stellen fehlt es nicht an aufmerksamer Berücksichtigung der handelspolitischen Kenntnisse der in Frage kommenden Persönlichkeiten. Schon jetzt werden diese Stellen vielfach mit Beamten besetzt, die aus dem Konsulardienst hervorgegangen sind, und der Prozentsatz dieser so vorgebildeten Diplomaten ist bei uns so groß, wie in keinem andern Land. Der Anschauung des Abg. v. Richthofen, daß die konsularische Vorbereitung auch für alle diplomatischen Missionen genügen müsse, kann ich mich nicht ganz anschließen. Es gibt Posten, bei denen die Bearbeitung politischer Fragen in erster Linie steht. Wir lassen deshalb schon während der Ausbildung die diplomatischen Anwärter bei den Botschaften arbeiten, um auch ihre Fähigkeiten auf diesem Terrain zu erproben und zu schulen. Andererseits erfordert die konsularische Tätigkeit neben der wirtschaftlichen eine speziell juristische Schulung, die für Diplomaten nicht in demselben Maße erforderlich ist. Wie schon vorhin ausgeführt, besteht eine Trennung zwischen diplomatischem urb konsularischem Dienst bei uns nicht in Dem Maße, tote es vielfach angenommen wird. Daß aber eine vollständige Verschmelzung des Vorbereitungsdienstes zweckmäßig wäre, der Ansicht kann ich mich heute noch nicht an= fließen. Wenn der Abg. v. Richthofen auf seine praktischen Erfahrungen verweist, so werden Sie mir doch schließlich auch nicht alle Erfahrungen auf diesem Gebiet absprechen können. (Heiterkeit und Sehr gut! rechts.) Zum Schluffe möchte ich die Versicherung abgeben, daß ich die borgebrachten Anregungen und Wünsche sorgfältig prüfen und, wenn ich sie für begründet anerkenne, auch gern berücksichtigen werde. Wenn ich Mängel entdecke, toerde ich sie gern obstellen. Aber eine bloße Aenderung ist nicht immer eine Verbesserung. (Zustimmung rechts.) Abg. Dr. Oertel (Kons.): Ach möchte dem Staatssekretär b. Kiderlen ein Wort »ehm » tiger Anerkennung nachrufen. Der Mann ist biel berfannt worden. Wir können nur hoffen, daß fein Nachfolger auch seine Wege wandelt. Nach dem, was wir gestern und heute bon ihm gehört haben, dürfen wir ihn das Vertrauen von borneherein nicht besagen. Wir können ihm in fast allen Punkten zustimmen. Der Resolution über die Neugestaltung des d-plomatischen Dienstes stimmen wir zu, obwohl ihre Durchführung nicht leicht sein wird. Wie soll man jedesmal die Befähigsten ausfindig machen? Auch bei der Entlassung bon Diplomaten wird sich das Richtige schwer treffen lassen. Wenn man heute deren Artikel in den Zeitungen liest, so fragt man sich, wie man solche prominenten Persönlichkeiten bon erstaunlicher Flugweite der Gedanken nicht im Amte halten konnte, sondern sie an andere Gebiete, wie die Preffe, abgab. (Heiterkeit.) Die Plutokratie soll gewiß nicht unsere Diplomaten stellen. Aber andere Berufe könnten wohl herangezogen werden. Man braucht n:cht an Redakteure zu denken (Heiterkeit), sondern z. D. an Offiziere, bon denen sich früher viele hier bewährt haben. Den Krieg auf dem Balkan hat niemand, nicht bloß die Diplomatie, borausgesehen. Wir ermangeln alle des diplomatischen Ruhmes. (Heiterkeit.) Nach dem Ausbruch des Krieges hat Deutschland die Politik gemacht, die uns richtig zu sein scheint. Ich bin beauftragt, das namens rne.ner Freunde ausdrücklich auszusprcchen. (Beifall rechts.) Wir sind nach dem Bismarckschen Wort in der Hinterhand geblieben, aber das Selbstverständliche dabei war unsere Bündnis- treue gegenüber Oesterreich. Selbstverständlich hätte es mancher aus dem Hause bester gemacht, es ist nur bedauerlich, daß diese Männer sich nicht zur rechten Zeit gemeldet haben. (Heiterkeit.) lieber Montenegro muß ich mich vorsichtig aussprechen, um nicht d i e Glocke des Präsidenten in Bewegung zu setzen. Für den Ordnungsruf, den er neulich erteilt hat, hat er, wie ich im „Vorwärts" leie, allerdings einen hohen montenegrinischen Oroen erhalten. (Große Heiterkeit.) Jetzt soll sich Montenegro ja beruhigen wollen, gegen eine Entschädigung. Wir wissen nur nicht, ob diese Entschädigung in bar ober teilweise in Naturalien zu leisten ist. (Schallende Heiterkeit.) Wir billigen, daß Deutschland Rumänien unterstützt, Rumänien ist der vernünftigste Balkanstaat. Wir sollen uns hüten, uns in der Judenfrage in seine inneren Verhältnisse zu mischen, solange Rumänien nicht den Beraner Vertrag mit Füßen tritt. Das ist aber nicht der Fall. Die fortschrittlichen rumänischen Juden versuchen bereits die Angelegenheit aus eigenen Kräften zu lösen. In der Türkei, die schwer geschädigt aus dem Kriege hervorgeht, müssen wir für unsere Interessen weiter sorgen. Aus keinem Punkte der Welt dürfen wir uns unsere ZukunftsMöglichkeiten verbauen lasten. Zu Rußland müssen unsere Beziehungen gut ober doch wenigstens korrekt bleiben. (Beifall rechts.) Wenn wir eine Desperadopolitik treiben wollten wie die Sozialdemokraten (Zuruf des Abg. Voigtherr: Dummes Zeug!) — Präs. Dr. Kaempf ruft Voigtherr zur Ordnung). Ich weiß nicht, ob der Ordnungsruf nicht zu streng war — (Präs. Kaempf: Ich bitte, diese Kritik meiner Geschäftsführung zu unterlassen). Unsere Beziehungen zu England sind bester geworden, wir wünschen aber, daß diese Besserung auch einen konkreten Ausdruck findet. Gegen das französische Volk und seine Regierung hegt kein Mensch in Deutschland Haß, im Gegenteil, wir haben viele Sympathien für dieses Voll. Aber über eins müssen wir uns klar sein: man muß sich dort mit den Verhältnissen, loie sie sich 1870 gestaltet haben, vollständig abfinden. Man soll nicht dort an Elsaß-Lothringen denken. Wenn ein ehemaliger Reichstagsabgeordneter gegenüber der französischen Presse meint, das Land könne gegen ein Trinkgeld an Frankreich zurück- gegeben werden, dann sind wir von dem Versöhnungsziele noch lehr weit entfernt, lieber die Fahrt des Zeppelinluft- schiffes nach Luneville wünschen wir eine amtliche Aufklärung. Wenn Frankreich hierbei loyal gehandelt hat, so können wir nur sagen, wir hätten ebenso gehandelt. Wegen des Vorfalls in Nancy möchte ich eine Frage an alle, auch die Sozialdemokraten, richten: haben Sie jemals gehört, daß in Deutschland Franzosen so ober auch nur ähnlich so behandelt wurden? Was man gehört hat, muß einem das Blut in die Wangen treiben. (Sehr richtig!) Das deutsche Volk muß von seiner Negierung verlangen, daß sie eine entsprechende Sühne mit aller Macht und Entschiedenheit fordert. Wir brauchen eine solche Behandlung deutscher Staatsbürger nicht zu dulden, sie müsten davor geschützt werden. Der Abg. Sachse hat mit einem Zuruf auf den Vorfall von Magdeburg angespielt. Nun, der dortige Polizeipräsident und der von Braunschweig haben einem französischen Abgeordneten lediglich verboten, öffentlich aufzutreten und in Versammlungen zu erscheinen. Der Abg. Bernstein hat verlangt, daß der Präsident abgesetzt wird. Das Verbot ist vom Minister des Innern angcorbnet worden. Soll er nun auch abgefetzt werden? Und müssen wir in anderen Fällen nicht verlangen, daß etwa auch ein französischer Polizeipräsident abgesetzt wird? Daran ist nicht zu denken. Wenn Frankreich Herrn Scheidemann u. a. dort reden ließ, so wußte es, daß sie französische Jnteresten nicht gefährden würden. (Heiterkeit.) Herr Bernstein hat noch die Friedensschalmei von dem Weltfrieden geblasen. Das klang etwas jugendlich. Wer den Frieden sichern will, der muß für eine tüchtige Diplomatie forgen, für eine gute kraft- und maßvolle Politik und vor allem snr eine tüchtige, kräftige, schlagfertige und daher siegessichere Wehrmacht. (Beifall rechts.) Abg. Lcdebour (Soz.)r ... Wenn die Vorgänge in Nancy in den Zeitungen richtig gc- Ichildert sind, so wird, darin gebe ich dem Staatssekretär recht, die Regierung für eine angemessene Sühne zu sorgen haben. Aber der Chauvinismus in Frankreich, den der Staatssekretär beklagt hat, ist nur eine Folge unserer herausfordernden Heeresvermehrung. Ich fürchte, der Staatssekretär wollte mit dem Hinweis auf den französischen Chauvinismus den deutschen Chauvinismus aufkitzeln. Die Folgen der Heeresvermehrung konnte nicht nur ein Blinder mit dem Stock fühlen, sondern sogar ein deutscher Diplomat merken. (Präsident Kaempf: Das ist eine Ueberschreitung der sachlichen ftritil, die 'ch SU unterlassen bitte.) Mit dieser Kritik habe ich weder ein Mit- glteb be§ Hauses noch der Regierung verletzt, sondern sogar ein Cob für einen Blinden ausgesprochen. (Präsident Kaemps: Ich halte meine Rüge aufrecht. Ich bitte, diesen Gegenstand zu ver- 9'e"-) "Der Magdeburger Fall ist das Tollste, was wir seit Jahren erlebt haben. (Zuruf b. d. Soz.: Dallwitz!) $aDnn& de. einzige Schuldige ist, wissen Sie auch nicht. Dahinter können noch viel langbeiniaere Hintermänner stehen. (Heiterkeit.) Der Magdeburger Vorgang ist viel schlimmer, als der von Nancy. Hier war es eine erregte unverantwortliche Volksmenge, dort btc ruhig abwägenden verantwortlichen Staatsmänner In Frankreich hat man die deutschen Sozialdemokraten ruhig reden lassen, weil man sich sagte: Wir würben uns in der ganzen Welt blamieren, wenn wir die Friedensfreunde am Neoen verhindern würden. In Deutschland handelte man anders; man fürchtete nicht die Friedensstörer, sondern die Nüstungsstörer. In der Beur - t e i l u n g des auswärtigen Dienstes bin ich in der angenehmen Lage, mich mit den bürgerlichen Parteien in Ueberc inftimmung zu befinden: der auswärtige Dienst ist recht manyelhaft (Heiterkeit.) Das gegenwärtige „Empfehlungs"°System führt nur in Zufallsfällen zur Auswahl wirklich tüchtiger Männer. Leider entscheidet über die Besetzung der höheren Staatsstellen ein Mann, der dem wirklichen Leben fremd ist. der, wie der Fall S o h st gelehrt hat, nicht dasjenige Maß der Kritik aufwenden kann, das ihn von den Intrigen seiner Ratgeber schützt. Es ist höchste Zeit, daß mit diesem System aufgeräumt wird. (Präsident Kaempf: Ich halte diese Kritik des Kaisers für unzulässig. Ich bitte Sie, darin nicht fortzu- fahrcn. Ich meine, daß schon die Aeußerungen, die Sie getan haben, einen Ordnungsruf erforderlich gemacht hätten. (Beifall.) Ich will aber in diesem Augenblick nicht darauf zurückkommen.) Die armenische Frage muß jetzt gelöst werden. Damit würde Deutschland sich auch den Dank der Türkei erwerben. Hätte Deutschland seinen Einfluß in der Türkei geltend gemacht und auf ernste wirtschaftliche Reformen hingewirkt, dann wäre wahrscheinlich der völlige Zusammenbruch nicht erfolgt. Dr. Oertel meldet sich schon als Erbe neben dem Zaren an. Wir aber wollen nicht, daß unter einem faulen Vorwand Deutschland eine Eroberungspolitik in Alien macht. Je klarer wir das erklären, umso größer wird wieder unser Einfluß werden. Wenn Rußland jetzt Montenegro zurückpfeift, so geschieht das nicht aus Gerechtigkeitsliebe, sondern nur, weil England die Fortführung des Krieges nicht wünscht. Der Panslawismus ist ja bloß eine elende Maske, hinter der sich das Streben verbirgt, dem russischen Zarentum zur Vorherrschaft in der Welt zu verhelfen. Der Zar und seine Helfershelfer haben z. B. in Bulgarien die ungeheuerlichsten Verbrechen angezettelt, um jede Selbständigkeit Bulgariens zu verhindern. (Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen dieses unparlamentarischen Ausdrucks zur Ordnung. Zuruf bei den Soz.: Das ist eine geschichtliche Tatsache!) Jetzt wird der Zar sich freuen. (Heiterkeit.) Herr von Bethmann-Hollweg aber durchschaut diesen unerhörten Schwindel nicht, er läßt sich von Herrn Ssasonow einseifen. Wir dürfen auch nicht jede Torheit, die Oesterreich-Ungarn macht, unterstützen. Oesterreich wird es nicht gelingen, die serbische Nation in seinen Grenzen zu unterdrücken, ebensowenig wie es dem deutschen Kaiser gelingen wird, das Polentum in Deutschland zu unterdrücken. Würden wir dieser Unterdrückungspolitik ein Enoe machen, dann würden die Polen und die anderen unterdrückten Volksstämme in Rußland unsere Freunde werden. Damit aber wäre jeder Eroberungspolitik des Zarentums ein Riegel vorgeschoben, weil sonst alle unterdrückten Volksstämme sich gegen die russische Regierung erheben würden. Wenn die Regierung aber nicht diese Entwicklung, die kommen muß, fördern will, dann wird es der Soziale bemofratic allein überlassen bleiben, jeder Unterdrückung irgend eines Volkes ein Ende zu machen. Präsident Dr. Käempsr Nach Einsichtnahme in das stenographische Protokoll ist Ihre Aeußerung über den Fall Sohst eine der schwersten Beleidigungen des deutschen Kaisers. linier diesen Umständen kann ich es nicht bei einer Rüge bewenden kaffen und rufe Sie hiermit nachträglich zur Ordnung. (Lebhafter Beifall.) Staatssekretär des Auswärtigen Amts b. Jagow: Der Präsident hat eben den Abg. Ledebour zur Ordnung gerufen wegen einer schweren Beleidigung des Kaisers. Ebenso, wie ich natürlich diese Aeußerung bedauere, so möchte ich Verwahrung einlegen gegen die Aeußerungen desselben Redners gegen den Herrscher eines uns befreundeten Landes und dessen Politik. Ich glaube, damit wird die große Mehrheit dieses Hauses einverstanden sein. (Beifall.) Präsident Dr. Kaempf: Ich habe wegen dieser Aeußerung bereits einen Drbnuug5mj erteilt. Damit scheidet die Angelegenheit aus den Verhandlungen des Reichstags aus. Abg. Prinz Schönlnch-barolath (9iotL): Bei den Vorgängen in Luneville haben die Behörden sich korrekt verhalten, wenn auch dort ein Teil der Be- völkerung eine feindselige Haltung gegen die Offiziere des deutschen Luftschiffes einnahm. In Nancy aber steigerte sich die Abneigung gegen die Deutschen zu einem Haß, der in einer gar nicht zu bezeichnenden Weise zum Ausdruck kam. (Zustim- mung.) Warum haben wir eigentlich keinen Bericht über den Niedergang des Zeppelinluftschifws in Luneville bekommen? Es ist seither schon einige Zeit verflossen, und wir wissen immer noch nichts darüber. War es notwendig, daß daS Luftschiff nieberging, dann ist der ganze Vorfall gerechtfertigt. War es aber nicht notwendig, dann möchte ich das Verhalten der Führer des Luftschiffes zum mindesten als nicht sehr geschickt bezeichnen. Denn sie mußten doch voraussehen, daß die Landung in Frankreich große Erregung verursachen müsse, und sie konnten nicht wissen, wie die Behörden und die Bevölkerung sich dazu stellen werden. Man kann sich doch in diesem Fall sticht auf die Kameradschaft berufen. DaS heißt, die Situation vollkommen verkennen. > Die Führer des Lufschisfes mußten sich sagen, welchen Empfang sie finden werden. Aus einer anderen Darstellung er- > fahren wir, daß man im Luftschiff längst informiert war dar-' über, daß die Grenze überschritten sei. Wenn man das wußte/ h)aö war das für ein falsches Gefühl zu denken, sie würden in Frankreich in kameradschaftlicher Weise auf-1 genommen werden. (Sehr richtig N Die Behörden haben sich dort korrekt benommen. Dagegen finde ich die Vorgänge in Nancy sehr traurig. Sie mahnen in trauriger Weise an bic Tage von 1870, die mit mir noch manches Mitglied be3; Hauses mitgemacht hat. Der Chauvinismus ist in Frankreich in l° bedauerlicher Weise angefacht, daß man sich nicht wundern kann/ wenn er in dieser Weise zum Ausdruck kommt. Daö muß man SJ5 bedauern, wenn man wie ich, für die frcunbsckmftliclien Ansehungen zwischen den beiden großen Reichen eintritt. Im Gefühl unserer Starke können wir ruhig sein und bleiben. ; Gegen die Ausschreitungen des Pöbels gibt es kein Mittel, aber man kann verlangen, baß die Behörden sich korrekt be. ^mrenn;. ,~a§ lchemt in Nancy nicht der Fall gewesen zu sein.' Preffe beklagt es, daß am Sonntag in! Magdeburg ein französischer Sozialist, der dort reden wollte, ini euren Eisenbahnwagen abMckoben wurde Die DendL ■\ y««h wären froh geteef«, town ötd franzöfische Behörde fle fot ein Kupee abgeschobcn und vor den tätlichen Angriffen der Bevölkerung bewahrt hatte. Statt dessen haben cs die Beamten zugelassen, daß das Kupee gestürmt und die Reisenden im Eisenbahnabteil auf das abscheulichste behandelt und angespuckt wurden. In Deutschland kann man sich auf den Schuh der Behörden verlassen. Was den Deutschen in Nancy passiert ist, das wird Steifcnben, die nach Deutschland kommen, niemals geschehen. Der einzige Balkanftaat, der sich als Freund Deutschlands bewährt hat, ist Rumänien. Es ist keine Gefühlspolitik, sondern ein Gebot der Klugheit, die rumänischen Wünsche zu unterstützen. Unser Verhältnis zu Oesterreich-Ungarn hat sich in diesen Zeiten durchaus bewährt. Die Niederlage der Türkei hat man dem Feldmarschall v. d. Goltz zur Saft geleyt. Es ist doch zu bedenken, daß er den türkischen Dienst bereits vor 11 bis 15 Jahren verlassen hat. Die französische Presse hat die türkischen Mißerfolge muh sonst gegen Deutschland auszubeuten gesucht, als ob das von Deutschland gelieferte Kriegsmaterial unbrauchbar gewesen sei. DaS ist natürlich auch nicht richtig. Meine Freunde sind fidS sür eine Verständigung mit England eingetreten. Beide Nationen haben viel Gemeinsames, auch gemeinsame Interessen, so daß eine Verständigung nur zu nahe liegt. Auf beiden Seiten des Kanals sind jetzt einsichtsvolle Männer am Werke, um diese Verständigung, diese Entente zu fördern. Mögen ihre Bemühungen von Erfolg begleitet sein! (Beifall.) Abg. Müller-Meiningen (Vp.): Wir werden jederzeit für eine Verständigung erntreten. An dem Zwischenfall von Nancy trägt doch wohl der französische Chauvinismus die Schuld, der viel älter ist, als bei uns und nach.dem Zeugnis des Franzosen Jaures selbst fortgesetzt gegen deutschen Barbarismus und deuffche Barbaren hetzt. In dem Fall Compere-Morel scheint dagegen die Kurzsichtigkeit der deutschen B u r e o u k r a t i e das Bedauerlichste, di« fiir ihn und seine Partei lediglich Reklame gemacht hat. Sie könnte wirklich etwas großzügiger handeln. Von Bernstein bis zum Loewenstein, von der „Tageszeitung" bis zum „Vorwärts" bringt die deutsche Diplomatie der jungen chinesischen Republik die höchste Sympathie entgegen. Nur soll das alte Kulturreich des Ostens nicht im Schlepptau anderer Mächte seinen Weg machen. Die deutsche Diplomatie war in China und auf dem Balkan zur rechten Zeit nicht vertreten. Wie Geheimrat von Holstein einmal sagte, sollen die Leute draußen nicht so klug sein, es genüge, wenn sie die Aufträge der Zentrale ausrichten. Die kleinen Mittel der vorgeschlagenen Resolutionen werden nicht die: nützen, wenn nicht ein vollständiger Shstemwcchsel vorgenommen wird im Sinne der Vernunft und des Rechts. Unterstaatssekretä r Zirnmermann: Ich bedauere, daß sich Herr Dr. Müller-Meiningen durch meine gestrigen Ausführungen nicht eines besseren hat belehren lassen. Der Frage der Anerkennung der chinesischen Republik werden wir, wie ich schon erklärte, nähcrtreten, sobald die Präsidentcnfrage erledigt ist. Wenn Herr Dr. Müller-Meiningen das so auslegt, daß das noch sehr lange dauern kann, so muß ich ihm erwidern: Warten Sie nur ab. Sie werden sehen, daß wir diesmal schnell arbeiten werden, lieber die Angelegenheit des ersten Dolmetsch in Peking habe ich mich bereits gestern ausführlich geäußert und berufe mich auf dies« Erklärungen, die ich in vollem Maße ausrecht- erhaltc. Unsere Berichterstattung aus China ist durchaus gut, jedenfalls viel besser als die Berichterstattung des Herrn Dr. Müller-Melningen, die auf Klatsch und Tratsch aufgebaut i st. (Große Unruhe im ganzen Hause!) In der Anleihefrage gehen wir mit den anderen Mächten zusammen vor. Sßcnn Herr Dr. Müller- Meiningen weiter rügt, daß unsere Diplomaten bei wichtigen Gelegenheiten richt auf ihren Posten waren, so bitte ich, zu bedenken, daß die Beamten >a auch nur Menschen sind. Sie brauchen auch Urlaub und Erholung. Wenn wir den Botschafter v. Wangen- beim nicht sofort von Athen nach Konstantinopel gesandt haben, so lag das daran, dast er in Athen dringende Aufgaben zu erledigen hatte, das er nicht abgeben konnte. Das ist doch verständlich und wird hoffentlich auch Herrn Dr. Müller-Meiningen einleuchten. (Unruhe.) Vizepräsident Dr. Paasche: Ich habe den Herrn Bundesratsbevollmächtigten bei seiner Rede nicht unterbrechen wollen, aber ich möchte doch glauben, daß e 5 nicht am Platze i st, einem Abgeordneten, der gewissenhaft seine Pflicht erfüllt, v^rzuwerfen, daß ] c i n c Berichter st at- tung auf Klatsch und Tratsch aufgebaut ist. (Lebhafter Beifall links.) Unterstaatssekretär Zimmermann: Ich weiß nicht, ob eine derartige Kritik des Herrn P r ä s i d e n t e n gegenüber einem Bundesratsbevollmächtigten zulässig i st. (Lekchafte Unruhe auf der Linken — Sehr richtig! rechts.) Vizepräsident Dr. Paasche: Ich habe keine Kritik geübt, sondern nur den Wunsch ausgesprochen, nicht in derartigen Ausdrücken gegen einen Abgeordneten vorzugehen. Damit habe ich meine Befugnisse als Präsident nicht überschritten. (Lebhafter Bei- fall links, Unruhe rechts.) Abg. Herzog (Wirtschaft!. Vgg.): Die deutschen Vertreter im Auslande sind in erster Linie dazu berufen, die deutschen Interessen zu fördern. Das Zusammenwirken Englands und Deutschlands in den Balkanverhand- lungcn führt hoffentlich zu der Erkenntnis in beiden Ländern, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind. Die Judenfrage ist eine innere rumänische Angelegenheit, in die wir uns umso weniger einzumischen haben, als Rumänien ein Freund Deutschlands ist — und wir haben nicht zu viel Freunde in der Welt. Die jetzige Stimmung der Franzosen hat Bismarck schon vor einem Menschenalter vorausgesagt. Die jetzigen Vorkommnisse in Frankreich machen einem Volke keine Ehre, das so stolz ist aus seine alle Kultur. Abg. Dr. Pfeiffer (Zentr.)r Ich bin der Ueberzeugung, daß an Frankreichs Grenzen gewisse Mächte am Werke sind, um den Chauvinismus zu schüren. Wir erwarten, daß die Regierung uns über diese Vorfälle die nötigen Aufklärungen geben und alles zur Sühne des unangenehmen Vorfalles tun wird. Ueber die Landung des Zeppelin in LunLville erwarten wir zum Herbst ein Weißbuch. — Mehr als Sperrforts an der polnischen Grenze kann uns der Einfluß Chinas auf Rußland nützen. Die Klagen dos Abg. Dr. Müller-Meiningen über die Langsamkeit der deutschen Diplomatie waren nicht willkürlich, sondern höchst unwillkürlich und ich möchte in aller Bescheidenheit, um nicht auch das Temperament dcs Herrn Unterstaatssekretärs gegen mich zu entfachen, bitten, in Zukunft wirklich so rasch als möglich zu arbeiten. Die Interessen über deutschen Kaufmannschaft im Ausland werden vielfach nicht genügend gewahrt. Unser Vertreter in Lima hat erklärt, daß er für die deutsche Schule lein Geld habe. Das sind Zustände, die keine Zustände mehr sind, sondern Mißstände. Diesem Ge° sandten ist es nicht einmal gelungen, den Handelsvertrag mit Peru zum Abschluß zu bringen. Die Reden des Staatssekretärs 'itnb Unterstaatssekrctärö enthielten eine solche Fülle von guten Anregungen, daß wir der besten Hoffnung sein können, wenn sie alle in Erfüllung gehen. Unterstaatssekretär Zimmermann: In meinen Ausführungen gegen Herrn Dr. Müller-Mernin- ge» habe ich die gelvijjenhafte Prüfung der ihm zugegangcnen Informationen nicht im entferntesten bezweifeln wollen. Ich habe nur den objektiven Wert dieser Informationen kritisieren wollen und diese Kritik — das müssen Sie mir schon ge- itatten — mutz ich mir immer Vorbehalten. Unsere Interessen sind in Tibet und der Mongolei daraus gerichtet, unserem Handel 'fric offene Tür zu erhalten. Der Handelsvertrag mit Lima ist ^tatsächlich schon abgeschlossen. Es fehlt nur die Zustimmung deS i dortig en Parlaments, das im Juni Zusammentritt und de» trag hoffentlich annehmen wir.d. , 1.89 r-r ®Aj[icV Bella ftS Die heutige H gestern abc $cr9Qhron und JE««* ** ff .»ach c ner xlemsmus mit e S? nm der Vl. ^gangspuM iSttv» toi toeitefto,1 i unter S betrete die ^..l.-egen 3< MN >°- II . Kd Die gestrige? zehntägigen Waffe Se Meldung mefir nur w Mindestens [W stand in ihrer Wg Mchn-Lmievorc Tagen M der a, Vo? Tschatalds^ mm dort doch ern. Politiker und Tst vorgelegt haben, - Mächte einfach bei allerlchten Zeit Umlauf, alarme gebliche W ru erstürmen ur fe Md sogar bo bulgarischen Schtvc diesen Fall gespro trollierbare Geruch fachen widerlegt st sassung hat das, f Zeit große Fortsck einen baldigen Fri mß. Rußland n Fäden fortspinnet um die schwierige Aallmberbündete welche Entschlüsse Mt der Einigker weit her, und Hk einen förmlichen tenegrinern. nicht nachgegebe der blusigen Au dvn und Petersk aber die Wege, . läufig in tiefes 1 Mr erhallen Konstautil ftanb^^T^a seligkeiten kM bericht erschiene von dem Wschs Tetinje, Großmächte lektivschrit Athen bereits ii lungsten Gegen £2 ^ßern üb ber Mächte dem Markttage in Haier Roggen Weizen (+ (+ 2) - 2) (+ 4) (- (- Cfgarefferx 37z 4- 5 6 <3 lOgfaLS&k. l (+ i) (+ 6) f+ 4) (+ 4) 3) 1) 3) Königsberg Danzig Stettin Vosen Breslau Berlin Ttaqbeburg Halle Leipzig Dresden Hamburg Hannover Düsseldorf Köln Frankinrt a. Mannheim Straßburg Leipzig, 13. April. Mit welchen Praktiken manche Te- tektivbureaus arbeiten, bewies eine Bcrlwndlung vor dem Schöffen gcricht Altenburg. Unter ber Anklage der Kuppelei hatte sich der Inhaber eines hiesigen folcfen Bureaus zu Dcrantimortcn. Der Anklage lag folgerrder Sachverhalt zu Grunde. Die Ehefrau eines Kellners,, die in Zeitz wohnte, während ihr Mann (+ 5) (- ) (4- 3) nach für gerechtfertigt erklärt worden. Dagegen bat das Oberlandesgericht Darmstadt die Klage i, u einem Vierte abgewiesen und die Beklagte nur zur Tragung von drei Vierteln des Schadens verurteilt. (Kegen diese Entscheidung hatte die Eisenbahn Revision eingelegt, indessen ohne Erfolg: das Reichsgericht hat das Urteil des Oberlandesgerichts bestätigt und die Revision zurückgewicsen. 207 196 195 195 206 198 203 203 206 207 198 215 219 in Altenburg in Stellung war, glaubte Grund zu haben, aÄ ihren Mann eisersüchtig zu sein. Dieser Glaube war bei der Frau aber erst entftanben, als sie mehrere anontjme Postkarten erhalten hatte, in denen ihr Ehemann der Untreue beschuldigt wurde. Um Gennßheit zu erhalten, beauftragte sie ein Leipziger Deteksivinftitut mit der Ueberwachung des Mannes. Das Bureau entsandte einen Angestellten, der den Mann auch eine ganze Reihe von Tagen beobachtete, ohne jedoch seiner Frau ein greifbares Resultat melden zu föiinen. Da kam der ingeniöse Inhaber des BureauS auf folgende Idee. Er beauftragte eine Angestellte, die wohl sä-on öfter zu derartigen Zwecken verwandt worden war, den Mann zu verführen. Das gelang der Agentin schließlich auch. Der Rus des Instituts war gerettet und die Ehe des Kellners wurde geschieden. Als aber daS Gericht von den merkwürdigen Manipulationen des Detektivdirektors hörte, erhob es gegen ihn Anklage wegen Kuppelei. Das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis. Abg. Dove (Vp.): Das beste Mittel für eine Verständigung zwischen den Völkern ist eine Verflechtung der Volkswirtschaft. Der Volkswirtschaft muß auf die Dauer auch d.e Rechtscutwicklung folgen. Danach hat sich auch die Ausbildung der Konsulatsbecnnten zu richten. Die englische Sprache bietet so große Vorteile, daß auf sie nicht verzichtet werden kann. > Abg. Müller-Meiningen (Vp.)r Ich halte dem Unterstaatssekretär gegenüber die Zuverlässigkeit meiner Informationen vollständig aufrecht. Mittwoch 1 Uhr Weiterberatung. Schluß 6% Uhr. 215 (- ) 225 (- ) (- 1) I (- 1.50), (+ 1.25; I- L15). Rcichsgerichtsbrief. (Nackdeutck verboten.) iS. Leipzig, im! April 1913. Haftpflicht der Eisenbahn bei erhöhter Betriebs- gef a br. Der Gastwirt und Metzger W. wollte am! 6. Oktober 1910 abends gegen 8 Uhr mit seinem Einspärmei-wagen auf einer Straße imioeit des Bahnhofs Grünberg in Hessen über das Gleis der B n h back — Licher Eisenbahn fahren. Eine Wegcschranke ist dort nicht vorhanden. Der ahne Laterne fahrende Einfpänner wurde von einem Rangicrzug erfaßt; dabci erlitt W. erhebliche Verletzungen. Vom! Landgericht Gießen istj der Klageansvruck dem Grunde (f 1) (+ 2) (- ) (f 3) H- 5) Es stellten lieb die Preise für inländ. Getreide am letzten Mark per 1000 kg wie folgt: Salem Aldkiim mit Hohhmindsfuck SademGold. Goldmundsölck Getreide-Wochenbericht der PreisberichtSstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 8. bis 14. Avril 1918. Der Weltmarkt bekundete auch in der Berichtsmoche vorwiegend feste Haltung. 3nfolqe lebhafter Kauflust Weüeurvpas, wobei besonders die andauernden Ansprüche Frankreichs ins Gewicht fallen, haben die Exportländer ihre Forderungen weiter erhöbt. Wetteren Anlaß zu der festeren Tendenz gab die mit der Fr ühjahrsbestellung zusammenhängende Einschränkung des heimischen Angebots, auch der Umichwuüg zu kalter Witterung '-lieb nicht ohne Einfluß und ebenso ging in der ersten Wochenhälste von den polilsichen Verhältnissen eine befestigende Anregung h'ir den Getreidehandel aus. Für die Gestaltung der Marktlage im Inlands war vor allem der Umstand maßgebend, daß hier Weizen andauernd zu Exportzwecken gesucht blieb und da auch die Mühlen Beaehr zeigten, so bot sich für das mäßige Angebot bei 3—5 Mk. höheren Preiien schlanker Absatz. Trotz der festen Situation des Warengeschäftes war Lie>e° vung eher schwächer, so daß die noch vor einiger Zeit sehr erhebliche Differenz zwischen der Ware und ber Maiuoliz stark zusammeu- geschmol^eil ist. Auch Roggen konnte in der Berichtswoche bessere Pretse erzielen, da sich etwas mehr Erportuachsraae zeigte und auch die Akuhlen, die gleichfalls Absatz nach dem Auslande hatten, mit Ansprüchen hervortraten. Int Zusammenhänge mit Waren- di Positionen gab sich im Lieierungsgeschäft Deckungsfrage kund, ohne daß sich die Preise dauerud zu bessern vermochten, da es andererseits nicht nn Begleichungen fehlte und die für die Mai- anbienunfl bereit liegende Ware einen Truck auf die Tendenz ausübt. Für Hafer hat die Besserung in der Berichtsivoche weitere Fortschritte geniachl. Das ^lngebot behielt mäßigen Umfang, und das machte sieh umsomehr fühlbar, als der Export fortgesetzt viel Ware ableukt. 2luch im Koufllmgeschäft hat sieh der Ablay merklich gehoben imb so waren die Händler wieder mehr zu Anschaffungen geneigt. In'otgcdesien >var auch Lieferung fest, zumal gegen weiterverkauflen argentiulschen Hafer Rückdeckuugen erfolgten. Das Braugerstegeschäft ist zwar als beendet anzusehen, hoch finben beivubers feine Posten hier nnb bei noch Aufnahme. Russische Gerste ist knapp und findet zuletzt wieder etwas mehr Beachtung. Für Mais hat Amerika ferne Forderungen erhöht; argentinischer Alais ist in greifbarer Ware spärlich nm Markte und für neue Ernte ist bas s2(imebot auch keineswegs reichlich. (~h 5) All 2127,(4- 2’/2) tMenti9abak-u.. Abg. Dr. Paasche OtafL)? Richt mit Unrecht ist darauf hingewiefen worden, daß wir bei unseren diplomatischen Vertretungen nicht sparen sollen. Jede Etatberatung hat das gelehrt. Wir müssen das, was im Interesse des Landes notwendig ist, für die AuSlcmdvertretungen bewilligen. Die Mittel dafür müssen vorhanden fein. Es ist daS ein Teil unserer Rüstung, unb unsere Stellung im Auslande hängt wesentlich davon ab. Sie nützt uns manchmal mehr als ganze Reihen von Regimentern und Bataillonen. Die Maschine muß arbeiten, wie eS die deutschen Interessen erfordern. Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser. (Lachen bei den Soz.) Das alte Wort ist wahr unb bleibt wahr: Wir müssen Weltwirtschaft treiben und können nicht überängstlich fragen, wie Montenegro oder Serbien handeln würden. Deshalb berfnufen wir feinen Regenschirm mehr dorthin. Der Staatssekretär hat die Vorschläge des Abg. v. Richthofcn als undurchführbar bezeichnet. Dieser hat lediglich gefordert, daß man die Vorbildung der Diplomaten und Konsuln auf die gleiche Basis stellt, damit ein breiter Unterbau geschaffen wird. Die Mittel dafür müssen ausrcichen. Warum sollen nicht auch die Attaches unb Botschaftsräte ausreichend bezahlt werdend Die Konsuln sollen im wesentlichen eine juristische Vorbildung mitbeingen wegen der Konsulargerichtsbarkett. Aber für Oftasien und China liegen die Verhältnisse ganz besonders. Es war gewiß sehr bedauerlich, daß zurzeit der chinesischen Unruhen unsere bewährtesten Vertreter fortmußten und unsere neuen Leute den dortigen Verhältnissen nicht gewachsen waren, weil sie sie nicht kannten. Die Engländer konnten eine ganz andere Rolle spielen. Da sie neben dem langjährigen Generalkonsul in Tientsin noch zahlreiche Leute hatten, die chinesisch sprachen und auch Beziehungen persönlicher Art hatten, weil sie auch Kaufleute heranziehen. Eine derartig fremdartige Sprache wie die chinesische, die ihresgleichen nicht in der Welt hat, yisttz bei der Vorbildung für diese Karriere verlangt werden. Es ist ein Unfug, wenn für die Vertretung des Deutschen Reiches nicht dasselbe verlangt wird. Dann haben wir aber auch die Möglichkcill für die diplomatische unb konsularische Karriere in China Leute heranzuzichcn, die an Ort unb Stelle die Gewohnheiten des Volkes kennen lernten unb Beziehungen zu ihnen 'mitbringen. Dann kommt noch die Verschiebeilartigkeit unserer konsularischen Stellungen erschwerend in Betracht. In Südamerika sagen unsere jungen Diplomaten: was brauchen sie Spanisch zu können, da sie nach zwe- ober drei Jahren doch fortgingen. Das ist unhaltbar und gilt noch mehr für die chinesischen Stellungen. Wenn auch den Dolmetschern die konsularische Karriere eröffnet würde, dann wäre das auch im Interesse des Deutschtums. Endlich wäre wohl daran zu denken, daß den Beamten unserer Missionen dort c i n Heimaturlaub, wie den Kolonialbc-mten, ermöglicht würde. Wir wollen keinen Löndererwerb in China, aber wir wollen einen kommerziellen Wettbewerb mit den anderen Mächten. Dazu brauchen wir in erster Linie deutsche Schulen für Chinesen, damit sie, wenn sie erwachsen sind, für unsere Interessen tätig sind. Amerika ist hier nrustergiltig vorangegangen. Alle Parteien sind damit einverstanden, daß wir die deutschen Schulen fördern; namentlich kommen die Missionsschulen in Be-- tracht, da sie ins Innere am weitesten borgebrungen sind. Sie arbeiten am ökonomischten. Weiter kommen Regierungsschulen in Frage. Die deutsche Kaufmannschaft interessiert sich jetzt crfreu= licherweise sehr für diese Unterrichtsfrage. Auch in Japan kommt man immer wieder auf das deutsche Unterrichtswesen als das beste zurück. Erst gestern ist eine deutsche Hochschule in Tokio gegründet worden. (Beifall.) Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Fagow: Die Angriffe des Abg. Lcdebour gegen die russische Regierung hat der Präsident durch seinen Ordnungsruf schon für erledigt erklärt. Ich habe auf diesen Ordnungsruf bezug genommen. Ich mutz für mich in Anspruch nehmen, auch meinerseits gegen 2lcufecrun(|cn Verwahrung cinzulegen, die ich im Interesse der auswärtigen Politik nicht für schicklich erachte, Abg. Dr. Weill (Soz.): Die Pariser Presse hat in erfreulich-r Weife gegen die Vorgänge in Ranch Stellung genommen. Aus solchen Einzelfällen' darf man keine wetteren Konsequenzen ziehen. Selbst der Vertreter des „Berliner Tageblatts", Victor Auburtin, stellt fest, datz die Nachrichten über einen außergewöhnlichen Chauvinismus in Frankreich falsch sind. Rian begegnet jeder selbständigen Regung Elsatz-Lothringenö mit übergroßer Aengstlichkeit. So gibt es dort nicht einmal Konsulate aus Furcht, daß auf einem französischen 5tonfulate die Trikolore aufgezogen werden könnte. Wir verlangen für Elsaß-Lothringen die volle Autorwmre. Abg. Ahlhorn (Vp.): Die wirtschaftliche Gleichberechtigung in Marokko wird durch die französische Regierung einfach illusorisch gemacht. Strategische Bahnen zu bauen, hat sich die franzosisä-e Verwaltung Vorbehalten. Wer garantiert dafür, daß nicht, alle Bahnen für „strategisch" erklärt werden, wie das bisher geschehen ist. Spanien ist entgegen» kommender. Auch sonst werden die deutschen Interessen von der sranzösischeu Verwaltung, z. B. in ber Schiffahrt, nicht berücksichtigt. Der Frechheit, mit der die Werbungen für die Fremdenlegion betrieben werden, sollte die Regierung mit aller Entschiedenheit entgegentreten, um diesem Menschenhandel ein Ende zu machen. Nntcrstaatssekretär Zimmermann: In der Angelegenheit der Fremdenlegion gehen wir energischer bor. Es ist aber nicht immer möglich, die Reklamationen durchzusetzen. Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Die deutschen Schulen im AuSlande sind doch dazu da, die deutschen Interessen 'm Auslände zu fördern. Es ist daher nicht verständlich, weshalb die höl^ren Volksschulen, die Deutschland in China eingerichtet hat, die englische Sprache obligatorisch gemacht haben. München 220 (ff- 1) . . Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 209.00 Pest Mai 187.90 (- 1.90), Paris April 234.00 i Liverpool Mai 168.80 (— 0.00), Chicago Mai 140.50 . Roggen: Beilin Aial 168.50 (— 1.50). Hafer: Berlin Dlai 169.00 (4- 125). Futtergerste: Sudruss. frei Hamburg unverzollt chivim. 133.00 (— 1.00). Mais La Plata schwim. 118.00 (4- 3.50). Mai/Juni 114.00 (4- 2.50), Mixed schwim. 111.00 (4- 5.50) Mark. ■ ■ - ■. ■■■ liefert billigst die ßrühfsctie El mit 5" I l*m 13 Universitäts-Buch- und Stein- IXllVüi lo illll r II Illa druckerei.Gießen,Sch«lstr.T 164 >/,(- ) — 163 (4- 1) 166 160 (+ 4) 166 160 (+ 2) 156 158 (- ) 154 164 (+ 2) 194 162 (+ 2) 175 165 (+ 3) 186 166 (+ 2) 180 163 (+ 2) 179 171 (+ 1) 190 172 (+ 1) 180 183 (+ 5) 180 185 (+ 7) 183 176 (4-17,) 185 178 (- 2) 180 17b (-77,) 190 175 (+ 1) 172