Nr. 141 Erscheint täglich ifrit Ausnahme deS Sonntag?. Um 8atM jäi> sjt erhältlich. ldesbank sind mündel Regierungsbeziw Mädchen und Fme mit dünnem, brüchigem M schwachemHaar.derenA: ,'uchi prächtiges, Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strage 7. Expedition und Verlag: es® 51. Redaktion:^4S113. Tel.-Adr» AnjeigerGießen. ^sbaden, bei sämtliche 'schen Sparkasse; ferne Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universitats - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Tie „«lehener Zamllienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis riehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen monatlich zweimal. Börsenkurs 9to W Zch«,, cr- "folgen, wird dn jn9en Nauifc ,letod. Herren** llein-Verk*® Kranfen Gold-filobns Haar ift,seiiolgendesbe^ biüiae fRejeptaurb/ •- Haareö emviohlcc.^^ HaaresmKnÄb SÄ Zocker» OngE» SS3SÄ MSL-KL Mb. Deutscher Reichstag. 164. Sitzung, Mittwoch, den 18. I u n i. Am Tische des Bundesrats: v. Heeringcn. nutc^rU^li,Cnt $>r' ßacmpr eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 15 Mi- Die Meile Lesuna der Wehrnorlage. (Sech ste r Ta g.) Z u n ä ch st w i r d a b g e st i m m t. Dec sozialdemokratische ? 2 ra0\J”K ' rnstzclt allgemein aus ein Jahr fcstzu- sctzcn, wird gegen die Antragsteller a b g e l c h n t. A n g e - nom men wird die Resolution der Budgetkommission auf eine Reform des Einjahrig-Freiwilligen- o i c n st c s im Sinne einer Erweiterung und Erleichterung der Zulassung auf Grund auch der Fachausbildung. Hin-m- gcfugt wird auf Antrag Ablaß (93p.): „ober erwiesener hervorragender Leistungen auf dem Gebiete des Turnens" 3ur Annahme gelangt auch die Resolution der Volkspartei aus Er- eichterung und Abkürzung der Dienstzeit, cnt- Jugend d bCt bcffcrcn geistigen und körperlichen Ausbildung der Die Resolution der Budgetkommission auf Mahnahmen zur Verringerung der Burschen wird angenommen. Die anderen Anträge zum Burschenwesen werden abgelehnt." Privilegien. Die Budgetkommission verlangt Mahnahmen gegen die Bildung a d 11 g e r Offizier korpS und empfiehlt einen ständi- gen A usta u s ch zwischen den OffizierkorpsdcrGrcnz- g a r n r s o n e n und den Offizierkorps in den großen Garnisonen. Ein Antrag Ablaß (Vp.) wendet sich gegen jede Privilegierung einzelner bestimmter Truvpen körper Ein Antrag Albrecht (Soz.) verlangt die Beseitigung der Privilegien des Gardekorps. Abg. Dr. Lcnsch (Soz.): Resolutionen sind billig wie Brombeeren. Man sollte gleich -Kas Gesetz ändern. Für die Gründung eines Gardekorps fehlt jede gesetzliche Grundlage. Es existiert dafür kein gesetzlicher Begriff. Aber wo Begriffe fehlen, da stellt sich ein Wort ein, oder vielmehr em Platzregen von Wortci^mit andern Worten: Kollege E r z - bergerl (Heiterkeit.) Für bic Mobilmachung der Garde bestehen außerordentliche Schwierigkeiten, da die Gardisten aus den entserntcslen Landestesten genommen werden. Die Berliner Bevölkerung wird bei der Garde so gut wie gar nicht berücksichtigt. Die Heeresverwaltung nimmt aufs schärfste Stellung gegen unfern Antrag. In deinselbcn Moment, wo man uns sagt, das Vaterland ist in Gefahr, wenn die Vorlage nicht angenommen wird, erklärt der Kriegsminister in der Kommission: Wenn Ihr mir die Garde st reicht, fällt das ganze Gesetz Wir danken dem Kriegsminister für diese offene Erklärung, die barlb‘C Berechtigung unseres ablehnenden Standpunktes Wenn wir gefragt würden, wer dekoriert werden soll, würden Dir für den Genossen Heer ingen deshalb den Orden pour le merite verlangen. (Große Heiterkeit). Man verschanzt sich hinter den mystischen Begriff der Kommandogewalt. Tas ist eine Oer stärksten Wurzeln der politischen Rückständigkeit in Deutschland. Es ist die A u f r e ch t- erhaltung des Absolutismus m schärfster Form. Deshalb ist cs unsere Oringendste Pflicht, dieses Feigenblatt des deutschen Absolutismus, die höchste Kommandogewalt, zu beseitigen. Unser Antrag ist ein Schritt auf diesem Wege. Die Garde stammt ja aus der Zeit der Soldatenspielerei, der Serenissimuszeit. Aber auch heute ist diese Solbatenspielerei noch nicht beseitigt. Tas zeigt besonders die Aufrechterhaltung der Uniform der Gardekavallerie, die für den Kriegsfall ganz unbrauchbar ist. Tie Gardcrcgimentcr werden zu allen möglichen höfischen Zwecken, zu Fackelzügen und dergleichen verwendet. Und welchen Leuten diese Soldaten präsentieren müssen! Ich erinnere nur an den Zaren und seine Kumpanei. (Große Unruhe rechts.) Präsident Dr. Kaempf: Herr Abgeordneter, es geht nicht an, fremde Souveräne in der Weise zu beleidigen. Ich rufe Sie zur Ordnung. (Lebhafter Beifall rechts. — Lärm bei den Soz.) Abg. Dr. Lcnsch (Soz.): Wenn man solche Zustände hier nicht kritisieren darf wie in jeder Volksversammlung, — — — (Präsident Dr. Kaempf fordert den Redner erneut auf, dies Thema zu verlassen). Die Garderegimenter garnisonieren in Berlin und Potsdam. Diese Städte entsenden Sozialdemokraten in den Reichstag. (Sehr- gut! bei den Soz.) Und noch dazu was für welche! (Heiterkeit.) Sehen Sie sich z. B. meinen Freund Ledebour an: Wenn das die Früchte der Gardeerziehung sind! (Erneute große Heiterkeit.) Was hat denn die Garde geleistet? Bei St. Privat sind die Soldaten gescheiter gewesen als die Gardeoffiziere und die Offiziere dümmer als die1 Soldaten. Was ist in der Budgetkommission nicht alles abgeleugnet an Tatsachen, die nicht abzuleügnen sind, es sei denn, daß man Kriegsnstnister ist. (Unruhe.) Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner zum zweitenmal zur Ordnung. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Lcnsch (Soz.): Der Feudalismus in der Garde nimmt anstatt ab immer noch mehr zu. Es gibt sogar eine besondere Gardejustiz. Ta wird selbst bei der Urteilsverkündung die Oeffent- lichkcit ausgeschlossen. (Hört, hört! bei den Soz.) Wie man die Gardeofsizier-e bevorzugt, dafür ein Beispiel. Als vor einigen Jahren Hauptmann von Grolman wegen Mißhandlungen verurteilt und versetzt wurde, folgte gleich darauf seine Beförderung zum Major unter Uebcrfprirgen von vier Vordermännern. Der Kriegsminister sagte, gegen innere Unruhen brauche er die Armee nicht. Wenn cs bei Unruhen noch nicht zum Schießen gekommen ist, so tragen Sie nicht die Schuld daran. Die Sozialdemokraten sind nicht so dumm dorthin zu gehen, wo Sie sie gern hinhaben mochten. 1896 hat der deutsche Kaiser in einer Ansprache an die Gardcofsizüre von einer Rotte von Menschen gesprochen, die nicht wert sei, den Namen „Deutsche" zu tragen, und ?r hat da die Garde aufgerufen, bereit zu sein, um der hochverräterischen Schar zu wehren. Also zur Niedermetzelung des Volkes - und die Sozialdemokratie gehört doch auch zum Volk __ soll die Garde verwandt werden. Die Garde steht in Widerspruch mit der Verfassung, sie ist sogar eine ständige vedrohnng der Verfassung. (Lachen rechts.) Darum muß sie beseitigt werden. Das Volk verlangt sein Recht. Es oird der Tag kommen, wo der Soldat sagt: Auf Vater und Mutter : allein drei Viertel seiner Offiziere und ein Drittel seiner Mannschaften, nachdem cs bei Großgörschen im Jahre vorher schon zwei Drittel seiner Offiziere hatte liegen lassen. Wie der Abge- ordnete das als einen Spaziergang bezeichnen kann, muß cr vor s'ch selbst verantworten. Tann kommt 1866, wo das erste Garde- rcgimcnt mit flammender Bravour bis zu den Hohen von Blumenau stieß und über die Hälfte verlor. Der Vorredner ist dann auf das Jahr 1870 gekommen und speziell auf Et. Privat. Ich mochte ihn auch an die Attacken b e i V i o n v i l I c und Mars - la ° Tour erinnern. Da haben drei Garderegimenter die 38. Brigade vor der Zertrümmerung bewahrt. In jedem Feldzug macht natürlich auch der Sieger Fehler. Ter alte Moltke bat einmal erklärt, es komme nur darauf an, daß man die wenigsten Fehler macht. Wenn nachher am grünen Tisch die Airittf einsetzt, kommt man oft zu ganz anderen Resultaten als im Auge«» blick der Aufregung vor dem Feinde, wo der Offizier in aller Eile disponieren muß. So war es auch bei St. Privat. Deshalb nun in aufreizender Weise zu sagen, daß die Offiziere dümmer gewesen wären als die Mannschaften, dafür habe ich überhaupt keinen Ausdruck. (Sehr richtig! rechts.) Der Offizier hat seine Schuldigkeit im Frieden und im Kriege b i i 1870 und na ch dem I a h r e 1870 getan. (Beifall.) Ich weise weiter auf die großen Verluste der Garde bei St. Privat hin, daß die Gardeschützen alle ihre Ofsizicre auf dem Platze ließen. Selbst, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß das durch schlechte Führung entstanden wäre, müßte man den Mut, die Tapferkeit und Entschlossenheit anerkennen, die in der Garde damals geherrscht haben. (Beifall.) Selbst wenn die Auffassung des Vorredners richtig wäre, dürfte er das doch nicht die Truppenteile entgelten lassen. Alle Ausführungen, die Dr. Lensch dagegen gemacht hat, fallen damit zu Boden. Glauben Sie, daß Sie Regimenter mit so ruhmvoller Vergangenheit einfach durch ein Gesetz aus der Welt bringen können, ohne daß Sie damit das innere Wesen der Armee erschüttern und die Leistungsfähigkeit gegen den Feind? Ich nicht. Wie ist denn die Garde größtenteils entstanden? Sie ist nicht, wie Dr. Lensch sagte, eine Haus- truppe gewesen, die sich nachher ausgewachsen hat. Nein, die Garde ist aus der Anerkennung der Leistungen der Linie entstanden. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß gerade heute das 2. Garderegiment hier sein 100 jährige» Jubiläum feiert unter der Anteilnahme von über 5000 alten Leuten (Bravo! rechts) und daß gerade an demselben Tage hier im Reichstag eine solche Rede gegen die Garde gehalten lverden kann. In der Kabinettsorder vom 20. Juni 1813, durch die das 2. Garderegiment errichtet wurde, heißt es: „Der hohe Mut meiner braven Truppen, der den alten Ruhm Preußens wieder bewährt hat, hat mich bewogen, der Armee einen ausgezeichneten Beweis meiner Zufriedenheit über die Pflichterfüllung zu geben, daß ich aus ihrer Mitte das 2. Garderegiment formu- miere." — Die Garde i st eine i m Frieden und Kriege erprobte Truppe, die ihre Pflicht und Schuldigkeit bei jeder Gelegenheit in überreichem Maße getan hat, an der eine Kritik, wie sie hier geübt ist, überhaupt vorbeigeht. (Lebh. Beifall. — Zischen bei den Soz. — Erneuter lebh. Beifall.) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.)k Wir haben nur solche Anträge gestellt, die bei der Zusammen^' setzung des Hauses Aussicht auf Annahme haben. Wir haben verzichtet auf die Forderung der achtzehnmonatlichen Dienstzeit. Wir haben keinen Demonstrationsantrag gestellt, rein sachliche, feine Manifestationsanträge ä la Rosa Luxemburg. Wir haben verzichtet auf Anträge, die streng sachlich mit den militärischen Interessen zusammenhängen. So wie es die Sozialdemokratie macht, bei Dingen Anträge zu stellen, die mit ihnen nicht im geringsten zusammenhängen, können Sie erleben, daß Sie bei einer anderen Zusammensetzung des Reichstags aus gewerblichen und sozialen Anträgen eine Zuchthausvorlage, eine Lex Heinhe, eine Verkürzung des Wahlrechts bekommen. (Sehr richtig!) Ich. warne Sie vor solcher Gesetzesmucherci. Einige Anträge der Sozialdemokraten verlangen etwas Unsinniges, andere die Politisierung der Armee, eine dritte Gattung geht auf administrativem Wege vor. Es fällt mir nicht ein, die Garde anzugreifen oder gar beleidigen zu wollen. Tas Gardekorps hat ganz unzweifelhaft große Verdienste, hat seine Pflicht und Schuldigkeit getan, wie die besten Truppen der anderen Teile der Armee. Unsere Anträge haben keine Spitze gegen das Gardekorps. Aber die Privilegien einzelner Truppenteile können nicht geleugnet werden, und es ist Tatsache, daß vom Oberstleutnant an das Verhältnis zugunsten der Adligen immer besser wird. In den gesamten Gardekavallerieregimentern gibt cs nur einen bürgerlichen Offizier. (Hört! Hort! links.) Es ist eine erfreuliche Stellungnahme des Kriegsministers, was er über die Mißhandlungen gesagt hat. Ich bedaure nur, daß mit der De - Mobilisierung von Gerhart Hauptmann die No- bckisierung von dreißig bürgerlichen Generälen erfolgt ist, die im Volke als Mißachtung des Bürgertums und als vorsätzliche Provo- kation angesehen wird. Von militärischer Seite bin ich wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Garde die besten Unteroffü z-ere aus andern Regimentern herausnimmt. Vom sozialen Standpunkt aus stellen wir unsere Anträge. Das Gardekorps erscheint beim jetzigen System als ein unnatürlicher Fremdkörper und paßt nicht in die jetzige Zeit. Tie Verfassung hat damit nichts zu tun. Die Kommandogewalt des Kaisers wird in keiner Weise angegriffen. Man verwechselt die Armee des Staates, des Volkes mit einer Haustruppe. Ein Kaiserwort, von Friedrich III. sollten wir nicht vergessen: «Wir können ein Gebäude nicht deshalb festhalten, weil wir uns wie in eine Gewohnheit eingelebt haben." Nicht Stillstand, sondern Fortschritt. Die Idee der sozialen Gerechtigkeit' muß auch in der Armee durchdringen. Je freimütiger der Fort,' schritt geboten wird, desto besser für die Arnee und die Monarchie/ Deshalb nehmen Sie unsere Anträge an. (Beifall links-X Abg. v. Graeve (Kons.):' Die Resolutionen sind kein Blumenstrauß, sondern "eine Menge lose nebeneinanderliegender Blumen, die allerdings aus einet Wurzel, aus einem Stil gewachsen sind, und darum einem Ziele zu streben. (Heiterkeit.) Der sozialdemokratische Antrag wurde zwar sehr harmlos begründet, aber es ist doch Erpressung, wenn jemand die Zwangslage eines andern ausnüht, um Zuge- geständnisse zu erhalten, die er unter normalen Verhältnissen nicht erhalten würde. Die ganzen Resolutionen gipfeln letzten Endes in einem Ansturm gegen die vermeintliche Bevorzugung des Adels in der Armee. Wenn Ihnen immer wieder von berufener Stelle versichert wird, daß das nicht der Fall ist, bann haben Sie keine Berechtigung, diese Behauptung immer aufs neue aufzustellen. (Lachen links.) _ , Die Tabellen, die Dr. Müller-Meiningen vorgetragen hak, sind sglsch.Sie dürfen nicht dir, heutigen Uenergle zum. Vergleichs schieße ich nicht! Tann ist ihre Stunde gekommen, dann ist es aus, bann kommen w i r! (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Kriegsminister v. Heeringcn: Es liegen Ihnen die beiten Anträge der Sozialdemokraten und der Fortschrittlichen Volksparlci vor. Ich bitte Sie, beide ab- zulehnen, und zwar namentlich den der sozialoemokratiscken Partei, aber auch den anderen. Ich mochte zunächst fragen, was beißt denn: „sonstige Elitetruppen"? Vielleicht ist -es Ihnen selbst nicht Nar. Was heißt das im Antrag der Volkspartei: „gewisse ■ Truppenteile"? Wenn man Anträge stellt, so muß man doch ganz genau wissen, was man will. Ferner: Im Antrag der Sozialdemokraten heißt es: „Es sollen die besonderen Bestimmungen dieser Art abgeschafft werden." Ja, welche Bestimmungen? Man muß darunter die Forderungen in bezug auf die Ausbildung verstehen. Kurz und gut: alles soll gleich- gemacht werden, alles soll ßerungeniert werden. Dauernde Versetzungen von Truppenteilen in vermutlich schlechtere Garnisonen sind doch nicht angängig, nicht nur nicht aus finanziellen und militärischen Rücksichten, sondern auch mit Rücksicht auf bas Volk. Jeder Truppenteil wächst mit seinem Standort zusammen und schlägt bortWurzeln. Das Ausziehen oieser Wurzel ist öfter eine sehr schmerzhafte Operation, nicht nur für bic Truppen, sondern auch, Gott sei Dank, für das Volk selbst. In einem Falle bat deshalb ein Regiment, das in eine sogenannte bessere Garnison kommen sollte, dringend, an seinem Platze zu bleiben. Ich glaube, es war Dieuze. Wer den Zusammenhang zwischen Armee und Volk aufrecht erhalten will — und das wollen angeblich Sie — (zu den Soz.), der soll nicht Wandertruppen schaffen. Damit schneidet cr bas Band zwischen Armee und Volk durch. Auch ein Beförderungsprivileg einzelner Truppenteile existiert tatsächlich nicht. Es ist geradezu falsch, daß die Garde ein solches Privileg haben soll. Tie Beförderung ist genau geregelt. Jeder Vorschlag des Regimentskommandeurs hat jede einzelne Dienststelle zu passieren bis herauf zum Kaiser, und lmnn cr hier einheitlich gut geheißen wird, nur dann hat cr Aussicht auf Erfolg. Es kommen nicht Truppenteile, sondern lediglich die einzelnen Personen in Betracht, die nach der Ansicht ihrer Vorgesetzten eines solchen Vorzuges würdig sind. Heber die adligen ^Regimenter haben wir in diesem Jahre schon öfter gesprochen, und ich kann nur wiederholen, daß wir jetzt eine viel größere Mischung haben als früher. Wenn bei einem adligen Regiment, das an die Grenze verlegt wurde, die adligen Offiziere angeblich den Abschied genommen haben, bann ist auch schon das Umgekehrte geschehen, nämlich bei dem zwölften Dragonerregiment, das in Gnesen steht. Die militärische Kommandogewalt des Kaisers ruht sicher auf der Verfassung, dem Reichs- militärgesetz. Das hat nichts Mystisches, sondern eine sehr reale Grundlage. Auf der Reichsverfassung ruht aber mehr als die Kommandogewalt des Kaisers. Die Regierung hat noch niemals versucht, an den verfassungsmäßigen Rechten anderer Rcichsinstan- zen zu rütteln. Ich bitte, rütteln S i e auch nicht an den Rechten Seiner Majestät. (Unruhe b. b. Soz., Beifall rechts.) Wenn nach Artikel 63 der Reichsverfassung der Kaiser die Pflicht hat, für die Einheitlichkeit der Organisation der Armee zu sorgen und daraus die VerfassungsWidrigkeit der Garde gefolgert wird, so kann ich auf die Ausführungen verschiedener Mitglieder wie des Abgeordneten Erzberger in der Kommission Hinweisen, daß die Einheitlichkeit der Organisation ganz genau in dem Reichsmilitärgesetz festgelegt ist. Ich bestreite auch ganz entschieden, in der Kommission das Wort gebraucht zu haben: Erst die Garde, dann das Vaterland. Ich habe mich sofort gegen diese falsche Auslegung — ich hatte das Wort „Verdrehung" gebraucht, das, wie Sie sich erinnern werden, von dem Präsidenten moniert wurde (Heiterkeit) — gewendet. Hier handelt es sich wieder um die Kom- manbogctoalt des Kaisers. Ein Eingreifen wäre ein Eingreifen in den Geist der Armee. Wer ein Stockwerk auf ein Haus setzen will, greift die Fundamente nicht vorher an, sondern stärkt sie. Und die Fundamente sind hier die Autorität und bic Kommandogewalt des Kaisers. (Beifall rechts.) Ich habe auch nicht zugegeben, daß die Existenz der Garde die Mobilmachung und Schlagfertigkeit schädige. Das ist mir nicht im Traum eingefallen. Im Gegenteil, bie Mobilmachung der Garde ist durchaus gesichert,- und die Garde wird an demselben Tage, wie jedes Provinzarmeekorps, mobil sein, weil wir spezielle Vorbereitungen dafür getroffen haben. Es ist Phantasie, daß die Schlagfertigkeit dadurch geschädigt würde, ihre Widerlegung lohnt sich kaum. Hinsichtlich der Mißhandlungen habe ich betont, daß nicht nur ich, sondern auch die oberste Stelle mit Energie darauf hält, daß gegen Mißhandlungen eingeschritten wird, und daß der Kaiser durchaus der Meinung ist, solche Mißhandlungen seien ein Fleck auf der Ehre der Armee. Denken Sie doch an bie Amnestieorber z u seinem Jubiläum, worin gerabc Bestrafungen wegen Mißhandlungen ausdrücklich ausgenommen sind. (Lebhafter Beifall.) Bei der Garde wird genau so scharf und entschieden gegen solche Mißhandlungen eingeschritten wie bei anderen Armeekorps. Auch ist wohl zu beachten, daß der größte Teil der Leute bei ber Garbe aus Freiwilligen besteht, die sich wahrhaftig nicht in Verhältnisse hineinbegeben würden, wo wirklich die Mißhandlungen derartig in Hebung wären. Die Garde beruht auf gesetzlicher Grundlage, ihr einziges Vorrecht ist die Aushebung, alle anderen sind abgeschafst. Artikel 63 ber Reichsverfassung sagt ausbrücklich, baß ber Kaiser bie Einteilung ber Kontingente bestimmt. T«mch hat cr zweisellos das Recht, für die Ergänzung bestimmter Truppenteile besondere Anordnungen zu treffen. Zum Heberfluß wird dies Recht durch das Reichsmilitärgesetz ind'irekt bestätigt. Im ersten Reichsmilitärgesetz von 1874 wurde bereits im § 3 bie gesamte Heeresmacht des Deutschen Reiches in 18 Armeekorps geteilt, bas Gebiet von Dcutschlanb aber in § 5 nur in 17, unb dies hat sich bann in bem Gesetz immer weiter erhalten. Daraus geht zweifellos hervor, baß die Gesetzgebung des Reichsmilitärgesetzes von Anfang an gewollt hat, baß ein preußisches Armeekorps auf alle Bezirke verteilt to rb. Die Rekrutierung der Garde aus den verschiedensten preußischen Orten hat besondere monarchische Bebeutung. und darauf ruht insbesondere auch die Bedeutung der Garde. Der Abg. Lensch hat von ber „PotsdamerWacht- parabe“ gesprochen. Das ist ein Ehrenname. Wenn Sie die Geschichte angesehen hätten, würden Sie wissen, daß dieser Name nach ber Schlacht bei Leuthen entstanden ist, und an diesem Ehrennamen werden Sie auch hoffentlich heute im Jahre 1913 nicht mehr rütteln wollen. Da der Vorredner weiter auf historische Ereignisse eingegangen ist, muß ich ihm darin folgen. Er sagt, im Jahre 1813 hätte die Garde mit Ausnahme von Großgörschen gar nichts geleistet, sondern nur einen Spaziergang gemacht. Am 30. März 1814 war die Schlacht bei Paris, da verlor baS erste Aarberegiment _ SM *■" 163. Jahrgang Donnerstag, IN. Juni 1813 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen 2ic M Ä r-LsLEk« &ln -150X190 Ware, i6f7L A 5.25 ? Rabatt kora-Bade-Tücii'r hercmzieheii, sondern Sic müssen die heutigen Offiziere vergleichen mit der Zeit, als die jetzigen Generale Offiziere waren. Noch haben wir ein homogenes Offizierkorps, und Gott bewahre uns vor solchen Outsiders, wie sie im „Berliner Tageblatt" und anderen sozialistcnfreundlichen Blättern ihren Unfug treiben. (Sehr richtig! rechts. — Lachen links.) Die äußerliche Erscheinung von adligen Offizierkorps ist auch für uns etwas nicht Wünschenswertes. Wir glauben aber ein besseres Verständnis dafür zu haben. Wir wissen, daß das aus der Entwicklung und nicht zufällig entstanden ist und nur auf dem Wege der Ent- Wicklung verändert werden kann. Hier find ja genug Herren vom Hansa-Bund, die werden mir bestätigen, daß auch ein Großkausmann als Lehrling den Sohn eines Großhändlers lieber nimmt als andere. Ebenso ist es beim Offizierkorps. DaS Publikum sieht in jedem Offizin einen kleinen Joseph, der einen bunten Nock trägt und mehr ist als seine Brüder. Aber kein Beruf erfordert mehr Selbstverleugnung und Selbstbeherrschung als der Beruf des Offiziers. Diele sogenannte adlige Regimenter stehen in Orten wie Pasewalk, Leob. schütz, Militsch und Gnesen. Tas sind doch keine verlockenden Garnisonen. Viele Leute schimpfen über den Adel. Sie sind aber froh, wenn sie den H o f mit Mühe und Not erreichen. (Heiterkeit.) Würden Sie schimpfen, wenn Herr v. Vleickiröder Kommandeur des Gardekorps wäre? (Heiterkeit rechts.) Es ist unerhört, daß Herr Zuber! ungestraft (Gelächter der Soz.) das deutsche Öffizierkorps so schmähen konnte. (Zurufe der Soz.: Er hat die Wahrheit gesagt!) Ein Volk, das seine Helden nicht ehrt, hält sein Ehrenschild nicht rein. Herr Zubeil hat unerhörte Verdächtigungen ausgesprochen. (Lärm der Soz., Vizepräsident Dove rügt den Ausdruck.) Ilcberall ist der Adel zu finden, wo es fürs Vaterland gilt, auf den Kriegerdenkmälern und in den Kolonien. (Lärmende Zurufe der Soz.: Eulen- bürg, A r e n b e r g !) Ja, die Namen Cohn, Man ässe, Moses findet man dort nicht. (Große Heiterkeit rechts.) Auch Dr. Müller macht ein so kühnes Reiterstückchen nicht nach, wie der Leutnant v. Cgan- Krieger. (Großes Gelächter links.) Auch bei den Adligen kommen schwere Verfehlungen vor. (Zuruf: Na also!) Sie wollen nur die Armee demokratisieren. Sic wollen ein parlamentarisches Heer haben. Wir stimincn daher gegen alle diese Resolutionen. Die Krone wird uns stets als zuverläffige Stützen finden. (Hurrarufe der Soz., Beifall rechts.) Abg. Graf Praschma CScntr.): Wir können schon aus formellen Gründen nicht für den sozialdemokratischen Antrag stimmen. Vollende die Begründung des sozialdemokratischen Redners hat gezeigt, wohin der Antrag geht. Es war geradezu eine Revolution icrnng der Armee, die uns da vorgemalt wurde. Ter fortschrittliche Antrag läuft auf eine Politisierung der A rmce hinaus; das wollen wir vermeiden. Mollen Sei, Herr Dr. Müller, ein Armeekorps haben, das nur aus Berliner Jungen besteht? Finden Sie in der Berliner Bevölkerung etwa irgendtvelchc Mißstimmung gegen die Garde? Wenn sich nur ein kleiner Trupp in den Straßen zeigt, läuft alles zusammen, auch Ihre (zu den Soz.) Leute. Wenn Sie zum Adel alle die Leute rechnen, die gestern und in den letzten zehn Jahren geadelt sind, bekommen Sie natürlich ein ganz falsches Bild. Wenn ictzt etwa Herr v. Pah er zum Reichs schätz- jelretär ernannt würde, würden Sie wieder klagen, daß schon wieder ein Adliger in die höchsten StaatSämtec berufen ist? (Heiterkeit.) Abg. Keinath (Natl.): Der Redner der konservativen Parte: hat eine Resolution, die meine Parteifreunde in der Budgetkommission mit Bezug auf den Mittellandkanal gestellt haben, hier in lächerlicher Weise behandelt. Bei den Verhandlungen über den Mittellandkanal ist ausdrücklich von den Vertretern des Generalstabs auf die hohe strategische Bedeutung dieser Ost-Westlinie hingewicsen worden. Wenn nun heute, wo die zu betoegenben Menschcnmassen eine gewaltige Steigerung erfahren haben, von einer Partei ein diesbezüglicher Antrag gestellt wird, so kann man das nicht mit einer Bemerkung der Lächerlichkeit abtun. Der Redner der Konservativen hat hier wieder das hohe Lied des Adels gesungen. Wir in unserer Partei haben niemals die hohen Verdienste adliger Persönlichkeiten in der Vergangenheit und in der Gegenwart geleugnet, aber inan soll auch nicht die Sache umkehren. So leicht es ist, einzelne Heldentaten von Mitgliedern des Adels hervorzuheben, so leicht'wäre es av ch, eine Anzahl von bürgerlichen Männern aufzuzählen, die ebensolche Taten vollbracht haben. (Sehr richtig; links.) Niemandem liegt es ferner als unS, an- zuerkeimen, daß der Adel speziell in der Vergangenheit Großes geleistet hat, aber man mutz dem auch die andere Tatsache an die Seite stellen, daß es in jenen Zeiten vielfach gar kein Bürgertum gegeben hat, das zur Betätigung innerhalb des Staates zugelastcn war. Heute ist das anders geworden, wir haben heute breite Massen votn Bürgertum, die auch bereit sind, sich für das Vaterland einzusetzen an dieser oder jener Stelle. Diesen tatsächlichen Verhältnissen sollte auch innerhalb der Militärverwaltung Rechnung getragen werden. Wir werden der R e so l u t i on der Kommission zu° stimmen, aber nicht dem Antrag der Sozialdemokratie und nicht dem Antrag der Vollspartei. Wenn der Kriegsminister sagt, wenn man ein neues Stockwerk auf das Gebäude unserer Armee aufbauen wolle, dürfe man nicht die Grundfesten ersc^lttern, so bewegt sich gerade in dieser Richtung die Resolution der Kommission. Sic geht dahin, daß die Einheitlichkeit und Geschlossenheit unseres O f f i z i e r k o r p s , daß die Dienstfreudigkeit der Offiziere in allen Regimentern aufrecht erhalten bleibe. Wir wollen mit der Resolution keineswegs das innere Gefüge unserer Armee erschüttern, wir wollen es erhalten. Es kann doch nicht geleugnet werden, daß bei zahlreichen Regimentern sich das Ofsizicrkorps ausschließlich auö Adligen zusammensetzt. DaS mutz zum mindesten Mitztrauen erwecken und das soll man vermeiden. Wir haben in der Kommission anerkannt, daß seitens des Kriegsministers gerade in letzter Zeit da und dort auch bürgerliche Offiziere m höhere Komm-ndostellen gebracht worden stnd. Aber dem steht auf dec anderen Seile gegenüber, daß in neu- er e r Zeit weitere Regimenter, namentlich auch in Süddeutschland, allmählich das bürgerliche Element a u s s ch e i d e n und sich mehr und mehr ein geschlossenes adliges Offizierskorps bildern. Gewiß liegt die Schuld daran wahrscheinlich in höherem Maß? bei den einzelnen Regimen tskommandeuren. aber wir wünschen, daß auch seitens des Kriegs Ministers mit aller Entschiedenheit dahin gedrängt iuirb, daß wir in dieser Beziehung keinerlei Bcvoczuaung fabcu und daß mehr und mehr im Interesse der Armee selbst, solche Mißstände ausgemcrzt werden. Daffclbe trifft zu für die zweite Forderung in der Resolution, daß ein st ändiger Austau schzwischendemOffizier- ! orps der inneren Garnisonorte und der Grenz- g a r n i s o n e n stattfindcn soll. Es ist in hohem Maße wertvoll, toenn Offiziere, die das Jahr hindurch in Grenzgarnisonen gestanden haben, die Möglichkeit erhalten, auch anderswo wieder geistige Anregung zu bekommen. Aber ebenso wertvoll ist eß für die Offiziere in bevorzugten Garnisonen, wenn sie einmal den harten schweren Dienst in den Grenzgarnisouen kennen lernen. Gerade in inilitärsreundlichen Kreisen werden die von mir betonten Forderungen erhoben, und sie bedürfen der Vrwirklichung insbesondere in diesem Augenblick, da wir wieder an eine wesentliche Verstärkung unserer Wehrmacht hcrautreten. (Beifall linls.) Aba. Schv-slin (Soz.): Die Konservativen sind die Richtigen, uns Vorwürfe zu machen. Sie setzen die Regierung bei jeher Gelegenheit den Da umen aufs Äugel Und nun muß das Volk wieder neue Lasten aufnehnien, ohne eine Reform erlangt zu haben. Wir haben die Offiziere nicht beschimpft. In Süd west sind von Soldaten hervorragende Taten geleistet worden, aber keiner ist Offizier geworden. Herr v. Gräfe glaubte ein paar Witze über die Juden machen zu müssen. Herr v. Gräfc, Ihr Adel ist ja noch sehr jung. ^HciterkeitZ Und wieviele Adlige gehen nicht in den Inseratenteil liberaler Zerrungen und suchen sich ein goldenes Rebcckchen. (Gr. Heiterkeit.) Ein paar Tropfen semitisches Blut wäre den Junkern zur Auffrischung sehr gut. (Zuruf links: Graf Limburg-Stirum). Die Leute, die jetzt zur Parade laufen, würde auch rennen, wenn vielleicht in einem öffentlichen Aufzuge der Monarchie ^ein Ende be- reitet würde. Krregsm'mister v. Heeringen: Ich glaube, das, was der Abgeordnete zuletzt gesagt hat, können wir ruhig erst einmal abwarten. (Große Heiterkeit.) Trotz den Behauptungen des Vorredners muß ich wiederholen, daß die Garde keinerlei Beförderungsvorteile hat. Auch heute noch können Unteroffiziere, wenn sie sich vor dem Feinde auszeichnen, zum Offizier befördert werden. Wenn der Vorredner wieder davon gesprochen hat, als ob die Armee heute schon sozialdemokratisch wäre, so muß ich das mit aller Entschiedenheit zu- rücklveiscn. (Lachen b. d. Soz.) Um %8 Uhr spricht Slbg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.) und ertoi'ocrt auf die Siebe v. Graefe. Nach lebhafter Debatte wird die Diskussion geschlossen. Die Resolution auf Abschaffung der Garde wird abgelehnt. Morgen Fortsetzung. Schluß nach 8 Uhr. Die Besitzsteuer im Budgetaurschutz. :: Berlin, 18. Juni. Der Bridgetansschnß des Reichstags hat mit allen gegen 5 Stimmen, nämlich 3 konservative, und 2 Zentrum, die Paragraphen 1 und 2 des Entwurfs betreffend Aendernngen im Fmanz- ivejeii abgelehnt. Reber die Sitzung wird uns noch gemeldet: Der Budgetausfchus; des Reichstages begann heute vormittag die Beratung dcß Besitzsteuergesetzcs. Ter Berichterstatter kam nach einer kritischen Würdigung der §§ 1 und 2 des Entwurfs betr. Aenderung im Finanzwesen (Erhöhung d e r M a t r i k u l a r - beitrage uni insgesamt 1.25 Mk. pro Kops der Bevölkerung, zu bereu Ausbringung die Bundesstaaten eine a(l- gemeine Besteuerung des Vermögens, des Einkommens ober ber Erbschaften bei sich einsühren sollen) zu bem 21utrag, biefe beiben Paragraphen abzulehnen. Reichsschatzsekretär K ü h n trat für die Annahme ber Regierungsvorlage ein. Tie Bundesstaaten sollten gehalten fein, bie Beiträge aus dem Besitz oiifjubringcit, und das sollte bas Besitz- steuergeietz sicher Hellen. Dem Sicher uugsgeset; sei bie Gestalt einer Vermögenszuwachssteuer gegeben, weit es richtig erschienen sei, nachdem vom Reiche in dem Wehrbeitrag das Vermögen einmal steuerlich ersaßt werde, den seildem entstehenden Zuwachs dem Sieidje bauernd nutzbar zu wachen. Der von der Negierung vor- geschlagene Weg gewährleistet dem Reich eine Einnahme von 80 Millionen, ohne in bie einzelstaalliche > Gesetze einzugreifen. Ein solcher Eingriff wäre naheliegenb, wenn bas Sicher ungsgesel; zi> einem primären Reichsgesetz erhoben würbe. Deshalb würben bie Versuche, bas Sichernngsgeietz zu einem einmaligen Reichsaefctz zu erheben, bei ber Bundesregierung schwere Bebenken miSlöfcn. Ein Zentrumrcbner erklärte, bie Beratiing fei an einem entscheidenben Punkte angelangt. Für seine Freunde sei vor allem entjebeibenb, baß bie Versuche zu einer Verständigung aus dem Weg ber Vorlage nicht zum Ziele geführt hätten. Sie würben aber prüfen, ob ein anderer Weg gangbar sei und zwar durch Unuvanb- hing des Entwurfs in ein Reichsgesetz. Der vom Schatzsekretär bemerkte Eingriff in die Finanzhoheit ber Einzelstaaten sei in ber Vorlage schon in hohem Grab vorhanben. Der Biindesrat könne beshalb feine wesentlichen Bebenken mehr gegen bie geplante Lösung erheben. Ein fortschrittlicher Redner lehnte wie der Vorredner und der Berichterstatter die Paragraphen 1 und 2 ab unb bestätigt, daß die Besitzsteuer einen starken Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten bedeute. Aber das Reich müsse an dem Gedanken sesthalten, daß es die Mittel für die Sicherung seiner Grenzen von allen Reichsangehörigen gleichmäßig durch reichseigene Einnahmen aui- briiigc. Ein Vertreter der Nationalliberalen Partei bemerkte, seine Freunde seien auch zur Ablehnung der genannten Paragraphen 1 und 2 gekommen. Die Wurde der Einzelstaaten würde nicht gewinnen, durch die Regierungsvorlage würde ihre Finanzhoheit t a t s ä ch l i ch g e b r o ch e n. Es müßte auch der Reichstag ständig darüber wachen, daß die sozialen Gebankendes Reichs- gesetzes auch wirklich in den bundesstaatlichen Finanzgesctzcn durchgeführt werden; damit würden Jahr für Jahr die unerguiä- lichsten Streitigkeiten hcraufbeschworen. Wollte man eine Veredelung durchführen, so müßte man allgemein die Matri- fit larbeit rüge in einer allgemeinen Finanzrefo r in veredeln. Seine politischen Freunde seien bereit, auf der Basis des Besitzsteuergesetzes eine Einigung herbeizuführen. Sie seien zunächst für eine Vermögenssteuer gewesen, hätten bann aber nach ber Erklärung der Regierung, das; diese Steuer unannehmbar sei, darauf verzichtet. Der Verzicht auf die Einbringung einer Erbschaftssteuer erkläre sich daraus, daß man eine Einigung zunächst auf einer anderen Grundlage habe versuchen wollen, um nicht sofort in erbitterte Kämpfe zu geraten. Man habe dies umsomehr tun können, als die Erbschaftssteuer in gewisser Form in dieser Zuwachssteuer enthalten sei. Eine Verständigung würde auch die Möglichkeit gewähren, Unstimmigkeiten int Wehrbeitrag zu beseitigen und auch den Scheckstempel fallen zu lassen. Die endgültige Stellungnahme seiner Partei hänge natürlich von der Gesamtgestaltung ab. Ein Vertreter der Konservativen hätte zunächst gerne die Entscheidung über den materiellen Inhalt des Besißsteuergesetzes getroffen. Seine Freunde stünden auf dem Boden der Regierungsvorlage, obwohl diese schon ein großes Opfer für seine Freunde bedeute. Der Besitz scheine seiner Partei insbesondere in Staat und KoMmune genügend belastet; dazu komme die neue starke Belastung durch den Wehrbeitrag. Trotzdem seien seine Freunde bereit, AM des großen Zweckes der Durchbringung der Leeresvorlage willen der Regierungsvorlage zuzustrmMen. Seine Partei ziehe den Umweg über die Bundesstaaten entschieden vor, die direkten Steuern sollten den Einzelstaaten Vorbehalten bleiben. Gerade die letzten Verhandlungen hätten gezeigt, daß eine Vermögens- stcuer ohne Einkommensteuer unmöglich durchführbar sei. Damit aber würde allmählich den Einzelstaaten der Lcbcns- fadcn.abgeschnitten. Auch die Regierungsvorlage enthalte einen Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten, aber immerhin lasse sie die Möglichkeit offen, diese Steuer in das sonstige System einzufügen. Am liebsten freilich würde feine Partei auf das ganze Sicherungsgesetz verzichten, da die Veredelung der Matrikular- beiträge auch ohnedies möglich sei. Seine Freunde möchten von der Regierung gern bestmrmte Erklärungen darüber erhalten, ob die Regierung an ihrer Vorlage festzuhalten gedenke oder nicht. Sollten die beiden Paragraphen abgelehnt werden, so werde seine Partei an den Einzelbestimmungen trotzdem Mitarbeiten, aber die Gesamtabstimmung werde eine provisorische sein. Ein Vertreter der Sozialdemokraten erklärt sich als entschiedener Gegner der Matrikularbeiträge. Der Zentrumsabgeordnete Speck führt aus, er für seine Person sei geneigt, für die beiden Paragraphen zu stimmen. Richtig sei, daß der Bundesrat selbst keine grundsätzlichen Bedenken mehr äußern könne, aber es sei doch etwas wesentlich anderes, wenn man nur subsidiär das Reichsgesetz antoenben wolle, so baß jedenfalls jeder Bundesstaat sich ber Durchführung entziehen könnte, oder ivenn man ein zwingendes Reichsgesetz schaffe. Ihm scheine das Gesetz Bassermann-Etzbetger nicht mehr anwendbar zu sein, sondern durch die bisherige Gesetzgebung bereits erledigt. Eine vollständige Unversehrtheit ber einzclstaa Richen Finanzen lasse sich bei der fortgesetzten gewaltigen Inanspruchnahme der Steuerkraft für das Reich nicht mehr durchführen, mbenen lottfe man dabei nicht über das notwendige Maß hrnauSgehen; man hätte in die beiden Paragraphen Bestimmungen über die untere Grenze der Vermögcnsbelastmig aufnehmen können, er verzichte aber darauf, Anträge zu stellen, nachdem offenbar eine Verständig gung auf der Grundlage der Regierungsvorlage nicht mehr möglich sei. Der Schatzsekretär glaubt, daß die lex Bassermann- Erzberger mit der Annahme des W c h r b cr t ra g c s an Bedeutung verloren habe; es seien auch seinerzeit die Auffassungen über dieses Gesetz anscinandergegangen. Die Regierungsvorlage enthalte keinen starken Eingriff in die ?ytnan^ Hoheit der Bundesstaaten, beim das sekundäre Reichsvcrmögens- zuwachssteuergesetz werde nicht oktroyiert, sondern werde gewissermaßen im Eiiivcrständnis mit dem betreffenden Staate durchgeführt. Das Sicherungsgesetz 'soll kein Gesetz gegen die Bundesstaaten, sondern für sie sein. Auf die Anfrage des konservativen Redners über die Haltung der Regierung erwidert der Schatzsekretär, er sei zu einer Erklärung nicht ermächtigt, da der Bundesrat keinen Beschluß gefaßt habe. Der Bundesrat könne übrigens auch noch gar keinen Beschluß fassen, denn abgesehen von dem prinzipiellen Grundsatz komme cs doch hauptsächlich auf die Ausgestaltung des Gesetzes im' einzelnen an. Die Abstimmung ergibt dieAblehnung ber §§ 1 unb 2 ber Regierungsvorlage (Matrikularbeiträge) gegen die Stimmen der Konservativen und der Zentrumsabgeordneten Speck und Graf Praschma. Ter Ausschluß geht dann über zAr Beratung des Besitzsteuergesetzes selb st und nimmt ohne nennenswerte Erörterung die ersten Paragraphen mit einer von dem National- liberalen Tr. Schiffer-Magdeburg beantragten Acn- b cru n g an, wonach zum steuerbaren Vermögen zwar nicht das im Ausland befindliche Grund- und Vetriebsverinögen, wohl aber, waS die Regierung gleickffalls steuerfrei lassen wollte, das in einem anderen deutschen Bundesstaat befindliche der Steuer- Pflicht unterliegen soll. Tic Volkspartei beantragt die Hincinziehung noch nicht fälliger Ansprüche aus Lebens- und Kapital v e r s i ch e r u n g. Ein Rcgierungsvertreter verweist aber auf den Grundgedanken des Gesetzes, den Vernwgenscrwerb zu besteuern, also könne man diese Ansprüche erst besteuern, wenn sie fällig sind. Vom 'Antragsteller wird benigegcnüber die Möglichkeit betont, sich der Steuer durch die Eingehung einer Versicherung zu entziehen, aus der erst später Ansprüche erwachsen; es bestehe doch ein Rückkanfsrecht; er findet hierbei die Zirstimmnng von nationalliberaler Seite. Ter Schatzsekretär legt Wert darauf, daß die Bestimmungen über den Wehrbeitrag und über das Zusatzgesetz gleichlautend werden, bei der zlveiten Lesung könnte inan den Begriff des Rückkemfswertes einführen. Es wird schließlich in Aussicht genommen, die Frage in der zweiten Lesung des Wehrbeitrages zur Entschei- 1 S »•**6; E meilte« flSterttH Lirfte, dem sie Kg der Zum Z Zcntr" i6tr die l°'M trag SÄler an. Aeuerfreihnt der -gß er tatsächlich rifirenb dies nach feine Person Mr Nn Konser m der Konsewa uofte ben Vermög w bei einem Erb! innerhalb einer ab risches Zentra ]fqci! die Achiah jr die konservativ Mgelhaft seien, xvhl auch dieser - ergibt die Äblcli ■täge gegen die ■llinismitgn' -chiffer wir! ikmokraten v timmig ange tfben Mehrheit c Mag um 9 Uhr 56. D Um Jaibling zu bringen. , . Nach einer kurzen Frühstückspause werden in rascher Folge die folgenden Paragraphen mit Aendcrungcn auf Grund von Anträgen des Nationalliberalen Schiffer, die Bestimmungen über die Behandlung von Deutschen im Auslände entlMlten, ähnlich dem Beschluß beim Wehrbeitrag erledigt. Eine Reihe der folgenden Paragraphen bringt die wesentlichen Bestimimrngen über bie ft euer f r c i c Grenze und bie Staffelung. E s wirb i n A u s s i ch t g e n o m m e n, b i e S t a f f e l u n g b u r ch c i n c n U n t era u s sch u ß pr üfen zu lassen. Der Nationalliberale Schiffer begründet einen Antrag, ber bie Steuerfreiheit nicht toic im Entwurf schon bei zweitausend Mark, sondern erfo bei zehntausend Mark Zuwachs aufhörcu läßt, und nicht wie der Enttourf ein Vermögen von sechstausend, sondern mindestens z w an zigtausend Mark voraussetzt. Es sei notwendig, das Auskommen der unteren Volksklassen nicht durst Steuergesetzc M verhindern oder zu erschweren -unb den PcgM' der Leistungsfähigkeit dem Steucrgcsetz zugrunde zu legfli- Ter Schatzsekretär erklärt, man könne im Zweifel sein, ob man bie Freilassung ber kleineren Vermögen auch misdehnoi soll auf ben Zusatz selbst. Tie Gefahr für bas Aufkommen ber nottocnbigcn Summen sei natürlich bei bem Zuwvchsfteuerge,etz * noch besonders groß. Auch wenn, wie cs der Antragsteller nnu, bei mehr als zivanzigtansend Mark ohne iveiteres Ttenerpstiast eintrete, werde der Ausfall etwa z to a n z i g Million c n Mark betragen. Ein Sozialdemokrat beantragt als Grenze seck?stansend Mark Znwgchs und ztoölftausend Marl Vermögen. Die Regierungsvorlage sei zu eng, dagegen der Antrag Scknficr zu weit. Ein Konservativer glaubt, baß hier schon bie । Schwierigkeiten der Hereinbeziehung der Erb s ch a f t s st e u c r auf treten. Er stimme vorläufig für den Antrag Schiffer, aber nur in dem Gedanken, baß die Erb anfälle hcranskommen. Ein V^olkspar- teilet erklärt seine Zustimmung zum Antrag Schiffer; es ' werden dadurch doch zahlreiche kleine Leute geschützt, die ihr Leben lang mühsam sparen. Tie Erbschaften können natürlich nicht herausgenovrmen werden. Ein Zentrumsmitglied stimmt ebenfalls den Anträgen zu, hält aber einen Schutz der Minderbemittelten für notwendig. Eine längere Erörterung schließt sich an die Bestimmungen über die Grenze der Steuerfreiheit und bie Deutung >■ ber einzelnen Bestimmungen. Bei ber Abstimmung wirb bann angenommen ■ als Zuschlagsgrenze zehntausend Mark, als Ver- tnögensgrenze ztoanzigtausend Mark; die Frage, inwieweit noch die geringen Spitzen, die über Awanzigtausend Mark Isinausgehcn, herangezogen werden sollen, wirb noch im Unterausschuß geprüft werben. Zu ber Besteuerung ber Kindeserben beantragt der Nationalliberale Schiffer, den Zusatz zu machen, baß, wenn der Erwerb einer Erb selbst in ben Veran l ag ungSzeitraum fallt, wenn ber Erbe ein Mkömmling bes Erblassers ist unb zur Zeit bes tErlffalls bas einunbzw anzigste Lebensjahr nod) nickt vollendet hat und wenn bas steuerbare Vermögen den Gesamtwert von fünfzigtausend Mark nicht übersteigt, die Abgabe nm einen Beittag der für jedes bis zur Vollendung des einundzwanzigsten Lebensjahres fehlende volle Jaljr auf fünf Prozent der Abgabe bereckpict wird. Tic Gesamtermäßigung darf fünfzig vom öunbert der Abgabe nicht übersteigen. Weiter liegen zwei konservative Anträge fror: ber erste bedeutet bie Ausschaltung ber Steuer für alle Erbfälle, der zweite die Ausschaltung für minorenne I Kinder. Ter nationalliberale Antragsteller erklärt, die konservativen Anträge seien für seine Freunde in beiden Formen unannehmbar, denn sie würden die Erbschaftssteuer so gut wie vollständig aus scheiden. I Sein Antrag beabsichtige, die Schwierigkeit aus^uschaltrn, bic darin Hegt, daß Kinder, die den Ernährer verlieren, eventuell sich schlechter stellen trotz der Ervsckjaft als vorher. Et soll I eine Milderung mit Rücksichr auf die persönlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen bringen. Ein Konservativer erflärt, daß von den Bestimmungen in dieser Frage bie Entscheidung seiner Freunde z u dem ganzen Gesetz ab hänge. Tic Ao lehnung ber Erbschaftsbesteuerung burd; seine Partei sei bekannt Der Antrag Schiffer bedeute wohl eine Milderung, beseitige aber nickt die grundsätzlichen Bedenken. Sogar die Einschließung der Seitenvertoandten sei ungerecht, weil sie eine Doppelbesteuerung enthalte. Die Heteinbeziehung des Kindesetbes widerspreche allen | Gesetzen der Logik. Der Schatzsekretär ist der Meinung, daß auch die konser- I oatiöen Anträge nicht ganz logisch seien. Außerdem seien sie prast tisch schwer durchführbar; man wolle gerade eine genaue Aufncrhmc I bet Erbmasse vermeiden; die ganze Konstruktion des Gesetzes I sei die, daß eine Unterscheidung des Erbzu Wachses I , 1 MW kfcWei ÖNt seh tikS1611" KbtirCnti d K e d- ^schreibt: bm.'S? ter 9h !ÄXf' Äii J.T'g ab «t (Alen, fei iu Unter dem 1 mb bei Beteiligui ÄeidjcS, sowie a Aniveienheit von itnt hier der Te !nq zusammen. Obermeister Fal des Fleiicherqew« uon der Regierm Jahre getroffene borgung, die abe ^kifthergeroerbt SlcvbiUigung de ■gegen die höbt 1 triftigen Serträgi ZitoMinMlegiu mwniiigen jii ‘en |v/c6/iger Nabrunqi \f Polizei Ausküi [P? bÄente einen F Sinne der A Füe&mtfl winde c Weitere Antw Intiänotiermigcn ui ^Adie^Ausiiahn ullmann (Lii p 8kischbkscha„f, |L.rt mies darauf hil pRufiiljrcn geeic Pf?) Hellte bcingci y e>wa 20 Milli P« ölaat diese Su zur Annahme A verlangte b; r Ulngel, Wild L erlllc lebhafte E ö üu' Autt S»‘ JM ick liftrL . q dieji E Si,i’ KoÄ,0,’flebiil L*Hur$er4i JJnsereMarine arl vormisirtzl. v-’1 innigen zernage am ^leieiimi Volkskassen nicht iV I C<-fo‘noinicfo(Iegtuni trage sich ron-m imi) dm Kegs ' rrgierungcn zu ermächtigen, zui gegen die städtischen Schweinemästereien und gegen die lang- frifligcn Verträge auf Lieferungen von Schweinen. Tas Lanbes- ') mit dem Gebanlen, die Landes- regierungcn zu ermächtigen, zum Zwecke der Feststellung der Preise wichtiger Nahrungsmittel vorzuschreiben, daß die Handeltreibenden affeluitg burd)ein:n s e n. Der NalionallibcrL- 3, der die Steuerfrei ^tausend Mark, sondern cii' >achs anshören läf«, uti • n von sechstmscnd, fonbr Mark vvransscht. Es1 der Polizei Auskünfte über den Geschäftsbetrieb zu erteilen haben. Tas bedeute einen neuen Schlag für das Fleischergewerbe. Eine im Sinne der Ausführungen des Vortragenden gehaltene Ent° Schließung wurde einstimmig angenommen. Weitere Anträge bezw. Vorträge betrafen die Vieh- und Fleisch- preiSnotierungcn und -Statistik, ivorüber Friedrich (Nürnberg) sprach, lerner die „Aufnahme der Winterfütterung unter die Hauptmängel". Ullman n (Liegnitz) begründete einen Antrag au Ucbcrnahme der Fleischbeschaukosteu auf die Staats- bezw. Kommunalkaffen. P;c wies darauf hin, das; der Antrag eine Verbilligung des Fleisches derbeizuführeu geeignet sei. Neichstagsabgeorbneter Leube (Hamburg) stellte demgegenüber fest, daß die Fleibeschaukosten jetzt jährlich etwa 20 Millionen ausmachten; es sei kaum zu hosten, daß der Staat diese Summe übernehmen werde. Der Antrag gelangte aber zur Annahme. Em roeiterer Antrag, der ebenfalls gebilligt wurde, verlangte die Ausdehnung der obligatorischen Fleischbeschau aus Geflügel, Wild und Fische. Eine lebhafte Erörterung knüpfte sich an einen Antrag Michael (Breslau) auf Aufhebung des § 100 q der Reichsgewerbeordnung. Man einigte sich schließlich auf einen Antrag, der eine Abänderung des § 100 q für diejenigen Gewerbe verlangt, für welche die Durch- I lührbarkeit der Einführung von Mindestpreisen nachgewiesen werden I kann. Nach einem Vortrag von Kiefer (Breslau) wurde ein An- I trag angenommen, bei den maßgebenden Behörden dahin vorstellig ! zu werden, daß die Verkäuferinnen im Fleischergewerbe ! von ber Angestellten-Versicherungspflicht befreit werden. Endlich I sand noch Annahme der fast jährlich wiederkehrende Antrag, daß I die Schlachthosgebühren nur so hoch bemessen werden sollen, daß I die Kosten für Verzinsung und Anlage gedeckt werden. 36. Deutscher §leischer-verband;tag. ~ Cassel, 18. Juni. Unter dem Vorsitz seines fBräfibenten Marx «Frankfurt a. M.) und bei Beteiligung von über 500 Delegierten aus allen Teilen des Reiche?, sowie aus Deutsch-Böhineu und der Schiveiz, ferner in Anwesenheit von Vertretern staatlicher und städtischer Behörden trat hier der Deutsche Fleischer-Verband zu seinem 36. Verbandstag zusammen. Nach den üblichen Vegrüßungsanspracheu sprach Obermeister Falk ('Mainz) über die Bedrohung der Celbstäildigkeit des Fleischergewerbes. Er ivanbte sich in scharfer Weise gegen die von der Negierung und verriebenen Stabtverwaltungen im vorigen Jahre getroffenen „Maßnahmen" zur Verbilligung ber Fleischver- forgung, bic aber in Wirklichkeit nur eine schwere Schäbigung bes Flcischergewerbes dargestellt hätten, ohne das Geringste für die Verbilligung des Fleisches zu erreichen. Ebenso wandte er sich 2Cird>e und Schule. Die Rehabilitierung von Pfarrer Traub bevorstehend? Bereits vor cinig.cn Tagen hatte die „Dortmunder Ztg." bic Nachricht gebracht, gerüchtweise verlaute, daß Pfarrer Draub rehabilitiert ivcrden solle. Auf ein darauf erfolgtes Deincnti des offiziösen Bureaus bleibt das genannte Aalt bei seiner doch wohl etwas fragwürdigen Behauptung, indem cs schreibt: „In der Nachmittagsausgabc der „Dortmunder Ztg." von Samstag litten wir ein Gerücht mitgeteilt, wonach die Dortmunder Ncinoldigcmcrndc vor der erfreulichen Genugtuung stehe, daß ihr früherer Pfarrer, der jetzige Landtagsabgeordnete Traub, den Pfarrertitel wiedererhalten werde, der ihm in Konsequenz des drakonischen Spruches des Oberkirchenrats genommen wurde. Das offiziöse Wolsfbureau hat auf diese Mitteilung hin sofort die Apsnrate spielen lassen und festgestellt, daß amtlich von dieser Rehabilitierung nichts bekannt sei. Tas kann stimmen. Die Tatsache jedoch, daß die Rehabilitierung über kurz oder lang erfolgen wird, ist damit nicht dementiert Das Wolffsche Dementi ändert an unserer Behauptung also nichts und wir l-alten sic voll und ganz aufrecht. Auf welchem Wege die Rehabilitierung erfolgen wird, darüber wollen wir uns vorlaustg noch nicht ans lassen. Es mag die Tatsache genügen, dap bis in sehr Hobe Kreise hinein der für Traub entehrende Spruch des Obertirchenrats tief verletzt hat und dap diese Kreise in dem BerlMtnis Traubs zur Kirchen gemein de nicht ausreichende Gründe gefunden haben, das furchtbare Urteil zu rechtfertigen." lB) Die 31. Pfarrkonferenz der G eist l ich en der Houins OberHessen fand gestern vormittag in Lttms harten unter dem Vorsitz des Superintendenten D-L>ettrlen=±arm- BUt statt. Nach einer längeren Begrutzungsansprachc des Dorbic lex • iJ11™ N Angriff innhi/'e 3k, | andere . ' '»NbentsBnnözenL gegen bi, s* Bundesrat Uen * rtungi>cr^iuni>2. J* d« Stift,,, fa 'Mm unb ^Ctütung des °hne ncniVm em« von ^2! mbffirC9ten rwar nickt ö oetricLovcrmögen, wvfik Ä" rooIltc- das befindliche der Steuer- t bie bincinziehung noch rebengs und Kavi- ^cter vmvkist aber auf ^Berniogensewcrb zu be- nax ent besteuern, wenn ■b Demgegenüber die Möq- bic Ängchmg einer $cr« lotet A-yMch: cmxKbfcn; flt; er finbet hierbei die DerSchabiekretör gen über den Wehrbcitrag d werden, bei der zwätm RuckkaussweNes einjiiljrcn. nen, die Frage in der träges zur Entschci« e werden in rasckxr Folge ungen mtf Grund von An- ■ c r, die Bcsliimnungen über lnslandc enthalten, ähnlich digt. Eine Reihe der ivl= eben Bestmummgen über die Staffelung. Es wird and besanderen Züwachsesnicht getroffen werden soll. Man könne nicht den ganzen Ausbau wieder umstvßen. Der Antrag Schisser sei annehmbar, weil er praktisch feine Schwierigkeiten biete und auf der anderen Seite manche Härten beseitigen würde. Für die erste Lesung sei dieser Antrag zu empfehlen. Ein Mitglied der Volkspartei bezeichnet diese Bestimmungen ebenfalls als den springenden Punkt. Wenn man nicht eine Erbschaftssteuer beschließe, sondern das Kindeserbe nur in dieser Form heranziehe, so sei das ein Entgegenkommen gegen die Minderheit. Aber ein Herausnehmen dieser Bestimmungen würde das Gesetz für seine Freunde wertlos machen. Es würden nun wohl Erbschaften, die an Kinder fallen, bis zu 20 000 Marl in denmeiften Fällen steuerfrei bleiben, unb bas wäre doch sicherlich ein ausreichender Schutz. Seine Partei sei bereit, Erleichterungen zu gewahren, der Antrag Schiffer sei bas äußerste, dem sie zustimmen könnte. Eine sehr nützliche Nebew Wirkung der Zuwachssteuer sei die Kontrolle der übrigen Steuern Ein Zentrumsmitglied gibt der Genugtuung Ausdruck über bic Steuerfreiheit des Gattenerbes. Tie Freilassung des Deszenbentenerbes könne seine Partei nicht mehr erreichen, da die Mehrheit eine andere sei. Sie werde daher möglichst für Erleichterungen eintreten: insofern erkenne er den Antrag Schiffer an. Der Antrag der Konservattven erreiche die Steuerfreiheit der Deszendenten nicht und habe auch den Mangel, daß er tatsächlich eine Aufnahme der Erbmasse in sich schließe, während dies nach dem Gesetzentwurf nicht der Fall sei. Er für seine Person stimme nicht für einen so inkorrekt gefaßten Antrag. Ein Konservativer glaubt, daß der Vorredner den Antrag der Konservativen mißverstanden habe. Seine Partei wolle den Vermögenszuwachs besteuern, ein solcher aber liege nicht vor bei einem Erbgang, hier banbcle es sich um einen Besitzwechscl innerhalb einer als Einheit aufzufassenden Familie. Ein bavc- risches Z e n t r n m s m i t g l i e d äußert grundsätzliche Bedenken gegen die Aufnahme des Mndeserbes. Er werbe baber zunächst für die konservativen Anträge stimmen, obwohl diese in der Form mangelhaft seien, in zweiter Linie für den Antrag Schiffer, obwohl auch dieser zu Unzuträglichkeiten führe. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung der beiden konservativen Anträge gegen die Antragsteller und den größeren Teil der Zentrum s m i t g l i e d e r des Ausschusses. Der Antrag Schiffer wird gegen bic Stimmen ber Sozialdemokraten von allen bürgerlichen Parteien ein- st i m m i g angenommen. Folgeparagraphen werden mit derselben Mehrheit angenommen. Die Beratung geht morgen vormittag um 9 Uhr weiter. erschweren und kn w I Acrgesetz zugrunde zu Irr- nnn könne int Zweifel '■ ; Vermögen mich E ■riebt iit WÄ ) bei dem ZuwacPM' ohne '^crcs Ä ^zwanzig lgcgcn der W; hir im, bnii 'N. tfin CÄ "vv Einträgen ; iir no"«* 7 die Bcfimmunqc- WM ff® «5. M«---- crvaNvt ufI i s». * »«.S'Ä KOL KHj-W mH i8i*° (.»VA sitzenden, in welchem er bes 2ö jährigen Jubiläums bes Kaisers eingehenb gedachte, hielt Pst. Bechtolsbeimer -Gießen einen sehr gehaltvollen Vortrag über „Die apologettsche Aufgabe des evangelischen Geistlichen in der Gegenwart". Apologetische Tätigkeit, so führte ber Redner aus, ist von jeher eine Lebensäußerung der christlichen Kstche gewesen (die alten Apologeten, Schleiermacher) unb hat besonders in ber Gegenwart eine große Bedeutung. Sie muß sich der Hilfsmittel ber modernen Philosophie und Wc- schichte bedienen und mehr davon verstehen, als der Verfasser der Welträtscl, Häckel, vom Christentum. Diesem, wie auch dem modernen Pessimismus, wie er von Eduard v. Hartmann vertreten wird, Nietzsche, Drews u. a., bic mit Dilettantenwissenschaft gegen das Christentum fechten, gilt es ins rechte Licht zu setzen. Auch auf bic Sekten, bic das Geincinbeleben zu zerstören suchen, gilt es ein wachsames Auge zu haben. Die Kreise, in denen die anti- christlichen Anschauungen vorzugsweise vertreten sind, sind bic der Gebildeten und der Arbeiter, die vom Monismus durchseucht sind. Aber auch in Landgemeinden mit rein bäuerlicher Bevölkerung ist das Eindringen des „Zeitgeistes" zu spüren Darum muß jeder Pfarrer sich mit ber einschläglichen Literatur bekannt machen. Was zu bekämpfen ist, sind die verderblichen Auswüchse einer falschen Wissenschaftlichkeit und einer irregeleiteten Weltanschauung, die von einem höheren Geistesleben nichts wissen will. Der Kampf ist nur sachlich und mit den Waffen des Ofeistes zu führen. Der Konfirmandenunterricht bietet hierzu reichlich Gelegenheit, selbstverständlich auch die Predigt und Seelsorge, weniger Bibclsttinden und Kasualreden. Anlaß zum apologetischen Einschreiten ist genügsam vorhanden, öffentliche Veranstaltungen zur gottesdienstlichen Zeit, bas Ueberhandnehmen der Feste, an denen viele ernste Christen Anstoß nehmen und andere Zeitereignisse, geben ihn. Von rein apologetischen Predigten rät der Redner ab, positive Darlegungen ans dem Leben und der Geschichte tun den besten Dienst. Auch von apologetischen Vorträgen ist abzusehcn, dagegen ist die anständige Presse hierzu geeignet und zugänglich. An den Vortrag schloß sich eine eingehende Aussprache an, in welcher noch manches gute Wort zu dem fraglichen Gegenstand gesagt wurde. Mit dem Gesang bes Luthcrliedcs schloß bic zahlreich besuchte Versammlung. (KtericbtsfaaL -th. Gießen, 18. Juni. Kriegsgericht. Am Samstag nachmittag verhandelte das Kriegsgericht der 25. Division in der alten Kaserne in drei Fällen. Der Vlnsketier H. vom 80. Infanterie- Regiment, der nach dem Vezirkslommando Wetzlar abkoinmandiert war, war angeklagt der Urlanbsüberschreitnng, Ungehorsam, ))lchtnngsverletznng, Bedrohung unter Plißbrauch der Wasse und Beharrung im Ungehorsam. Er war am ersten Pfingssieierlage abends VA Stunde nach dem Zapfenstreich in die Xvalerne zurück- gefommen. Gleich nach 10 Uhr war er mit einem Mädchen vor dem Kasernentor angclangt, kam aber der Anssorderung des Stubendienst habenden Lameraden, in die Kaserne zu kommen, nicht nach. Erst U'äter erschien er und bedrohte mit dem gezogenen Seitengewehr einen Lameraden. Den Be'ehl, sich ruhig zu verhalten, den ihm der diensttuende Ge'reite wiederholt gab, befolgte er nicht und trieb allerhand dummes Zeug Dec ^lugeflagle will sinnlos betrunken gewesen sein und in der Hauptsache von nichts wissen. Es hat sich aber durch die Verhandlung nur ergeben, daß der Mann betrunken war; iveil er aber bisher ein guter Soldat gewesen und auch unbestraft ist, erkannte das Kriegsgericht auf 4 Wochen strengen Arrest. — Eine weitere Psingsigeschichte hat sich der iDlnöfetier H. L. von der 6. Lompagnie des 116. Jnfanterie-Negiments auf seinem Urlaub in der Heimat zuschulden kommen lassen. Er bat in dem Dorfe am Abend des ersten Pfingsttages in einem Falle einem Metzgerburschen bei einer Rempelei mit dem Seitengewehr über den Kopf gehauen, ober nur unbedeutend verletzt, einem anderen Burschen aber einen Tritt ober Stoß ins Gesicht versetzt, so daß dieser hingefallen ist. L. behauptet, er sei angegriffen worden und habe in Notwehr gehandelt. Das.Üriegsgericht erkannte wegen Körperverletzung unter Mißbrauch der Waffe und ivegen einer einfachen Körperverletzung auf die geringste zulässige Strafe von 44 Tagen Gefängnis. Ter Anklagevertreter, itriegsgerichtsrat Heß, und der Verteidiger, Leutnant 5ttenitz, waren darin einig, daß das geringste znlässige Strafmaß, auf das nach Lage des Falles hat ersannt werden müssen, im vorliegenden Falle eine außergewöhnliche Härte darstellt, uud daß zu wünschen wäre, wenn durch einen Gnadenakt des obersten Kriegsherrn die erkannte Strafe gemildert ober, wie der Verteidiger wünschte, ganz erlassen werbe. — Der Musketier F. B. von ber 10. Kompagnie bes 116. Infanterie-Regiments, ein geborener Elsässer, war geständig des Diebstahls tm wiederholten Nücksall, der Fahnenflucht, des versuchten Betruges unb ber Entäußerung von Tienstgegenstänben. B. hat in ber Kaserne nachts ben schlafenben fiamerabeu die Brustbeutel durchschnitten, um sie ihres Geldes zu berauben. In einem Falle war der Diebstahl geglückt, in zwei weiteren Fällen sind die Leute erwacht unb es blieb nur bei ben Versuchen. Als die Sache bekannt wurde, ist B. aus bet Kaserne oerschwnnben. Er hat. wie er selbst zugibt, in die Heimat gewollt, um sich von bort über bie Grenze zu begeben. Am Abend des ersten Tages klopfte er an der Tür ber Eheleute Sch. in Münzen berg, bie schon im Bette lagen, unb begehrte Einlaß unter dem Vorgeben, er bringe Nachrichten von dem Sohne, ber als Tambour bei ben 116ern bient. B. erzählte, er unb ber Tambour hätten in Gießen auf der Straße mit einem Zivilisten Streit gehabt S. hätte das Seitengelvehr gezogen unb ben Zivilisten so schwer verleljt. baß er im Sterben liege ober vielleicht schon tot sei. Er wolle flüchten und bann bie Tat allein auf sich nehmen; zu biesem Zweck sollten bie Eltern ihm einen Zivilanzug und Gelb geben. B. hänbigte der Mutter einen angeblich von dem Sohn geschriebenen Brief ein, den bie durch die Geschichte aufs höchste erregte SDiutter nicht einmal selbst lesen konnte, so baß B. ihn vorlesen mußte. Ter Brief enthielt alles, was der lleberbringer schon mündlich mitgeteilt. Die Mutter war ratlos, sie stellte dem Soldaten vor, daß sie erstens keine Zivilkleiber habe und auch das Gelb im Hause knapp sei, soivie daß sie sich strafbar mache, wenn sie einem Soldaten zur Flucht behilflich fei. Schließlich entdeckte die Tochter, daß ber Brief gar nicht vom Bruber geschrieben war. Man schöpfte Alißtrauen und der Fahnenflüchtige mußte unverrichteter Dinge abziehen; er ging wieder nach Gießen zurück und wurde nach 2 Tagen in unmittelbarer Nähe ber Kaserne in der Kaiser-Allee aufgegriffen. Auf ber Wanderung nach Münzenberg hat B. in einer Wirtschaft in Großen-Linden seine Trillichhose unb den Helmüberzug, weil ihm beibes lästig war, liegen lassen. Tas Kriegsgericht sprach eine I2monatliche Gefängnisstrafe aus unb die Versetzung in die 2. Klasse des Soldaienstandes. Wegen des Rücksalldiebstahls unb ber beiden Diebstahlsversuche hat ber Gerichtshof mildernbe Umstände zngebilligt, um ihn noch einmal vor dem Zuchthaus zu bewahren. Tie schwerste Tat war, nach Ansicht des Kriegsgerichts, der Betrugsversuch. B. hat mit seiner eriunbeuen Geschichte die Fran Seh. in bie höchste Angst versetzt unb ber Gerichtshof ist überzeugt, baß bei der schwächlichen Frau sehr leicht schlimme Folgen hätten eintreten können. Diese Tat hat das Kriegsgericht veranlaßt, statt der beantragten 10 Monate auf 12 Monate Gefängnis zu erkennen. Universitäts-Nachrichteir. — T i c Universität Marburg zählt im lausenden Sommcrscmcstcr *2028 inunatrihiiicrtc Studierende, davon 179 Theologen, 311 Juristen, 436 Mediziner und 1102 Philosophen. Der Staacsangchöriglcit nach find 1570 Preußen, darunter 608 aus Hessen Nassau, 265 au5 der Nheinprovinz und 179 aus Westfalen, ferner 394 aus den übrigen deutschen Bundesstaaten unb 64 Ausländer. Dazu tonunen 44 Hörer. Mithin ist die Gesamtzahl der Berechtigten 2072. — Der ordentliche Professor der klassischen Philologie Dr. Hermann Acköuc in Greifswald hat einen Ruf an die Universität Jena erhalten. — Der Senior der Heidelberger Juristenfakultät, Ge- hcimerat Pros. Dr. Richard Schroeder vollendet am 19.Juni das 75. Lebensjahr. — Bei der Kaiserlichen Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Iftswriea in Berlin sind Dr. Phil Mario Krammer und der Prioatdozent für Geschichte an der Friedrich-Wü- belms-Universität Dr. Erich Caspar zu ständigen Mftarbei^rn ernannt worden. — Dr. med tret. h. e. Tie etatsmäßigen Prostsforen en der Berliner Tierärztliävu Hochsämle Geh Rat '?fTb. (Fgeling unb Otto Regenbogen wurden von der Tierärztlichen Hochsclmle zu Hannover zum Dr. med. vet. hott causa ernannt. üermiicbkf. * Unglück beim Festzug. Rus Glückstadt, 17. Juni, wird gemeldet: Bei beni gestrigen Festzuge scheuten die Pferde eines Wagens und rasten in die Menge hinein. Ein achtundsiebzigjätzriger Veteran wurde getötet, zwei Personen schwer und einige leicht verletzt. * Ei send ah nun fall. Aus Schwerin, 17. Juni, wird amtlich gemeldet: Okftcrn abend fuhr in Za- chun der Strecke S ch w e rin—Ha gen ow der Per- sonen^ug 89 auf den dort haltenden Güterzug 6212 auf. Einige Reisende und der Lokomotivführer deS Personenzuges wurden leicht verletzt. Der 9)latcrialfd)at)cn ist nicht erheblich. Das durchgehende Gleis ist nicht gesperrt. Die Unterfftchung ist eingeleitet. * Der Westdeutsche Verkehrsausschuß des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands hielt in dem Stadtverord- neten-Sitznngssaalc zu Gelsenkirchen ihre satzungsgemäße Früh- jahrsvcrsammlnng ab, die von 29 Ortsgruppen durch ihre Ab- geordneten besucht war. Eine Awzahl neuer und wiederholter Anträge auf Fahrplanv^rbessernngen wurden eingehend beraten unb bereit Eingabe bei den Eisenbahndirektionen beschlossen. Ans dem Bericht des Obmannes der Verkehrskommission über deren bisherige Tätigkeit und Erfolge ging hervor, daß von den bisher bei der Eisenbahnverwaltnng eingebrachten 297 Anträgen auf Fahrplanverbesferungen 236 angenommen und 17 teilweise erledigt sind. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Köln bestimmt. Kleine Tagerchronik. Das „Berl. Tagcbl." meldet aus Pohlitz (Thür.): Bei der Vorstellnng einer S eil tä u z e r t r u pp e auf dem Schützenplatz zerriß ein 5 M e t e r hohes Turm seil. Do>- Seiltänzer stürzte auf einen siebenjährigen Knaben, der tödlich verletzt wurde. Ter Seiltänzer selbst erlitt schwere Verletzungen und starb. Der „Berl. Lok.-Anz" meldet aus München: Auf der Fahrt nach Pfaffenhofen fuhr ein Automobil, in dem sich die Gräsin von Sandizell befand, gegen einen Baum. Die Insassen wurden herausgeschlcudert. Die Gräsin wurde leichter, ihre .Üammcrjungfer schwer verletzt. Sport. 4- Krofdorf, 18. Juni. (Verspätet ciugegangeli). Der Radklub „Teutoifta" Krofdorf feierte am Sonntag, 15. Juni, sein Stiftungsfest, mit dem er bie Bannerweihe verband. Gegen 6 Uhr wurde bie Preisverteilung vorgenommen. Tas Ergebnis stellte sich wie folgt: Dauerfahrt: Den 1. Preis Rabfahrerverem Lollar mit 4,9 Punkten, ben 2. Preis Radfahrerverein Hattenrod mit 3,6 Punkten, den 3. Preis 9iabfahrerverein Dornholzhausen mit 3,4 Punkten, den 4. Preis ^Rabenau"-Lonborf mit 3,3 Punkten, den. 5. Preis „Germania" Wißmar mit 3,2 Punkten, den 6. Preis Großen-Linden mit 2,9 Punkten, ben 7. Preis Trais-Horloff mit 2,4 Punkten, ben 8. Preis Münchhausen mit 1,35 Punkten, den 9. Preis „Sport" Ockershauseu mit 0.95 Punkten. Außerdem erhielt ber Radfahrerverein Münchhausen den Weltpreis. Korso- fahren Klasse A: Den Ehrenpreis ,1895' Lollar mit 16,2 Punkten, ben 1. Preis Rabenau-Lonbors mit 15,54 Punkten, ben 2. Preis Großen-Linden mit 15,51 Punkten, den 3. Preis Münchhausen mit 13,2 Punkten. Klasse 8: Ten Ehrenpreis »Sport" Ockershausen, mit 13,9 Punkten, den 1. Preis Hattenrod mit 13,8 Punkten, den 2. Preis Dornholzhausen mit 13,5 Punkten, den 3. Preis TraiS-Horloff mit 12,6 Punkten. Klasse D: Den 1. Preis „Germania" Wißmar mit 13,7 Punkten. Märkte. th. Gießen, 18. Juni. Der gestrige R i n b v i e h m a r k t hatte einen Vorrat von zirka 800 Stück Großvieh, 250 Jungtieren und 150 Kälbern. Beim Bormarkt nntrbcn nur schwarzbimte Milchkühe zu hohen Preisen gehandelt. Infolge außergewöhnltch starkem Besuch des Marktes durch Käufer entwickelte sich in Großvieh sehr bald ein flotter Handel, wobei die Preise besonders für Fettvieh stark anzogen. Bei dem heurigen Futtersegen wurden auch Jungtiere für Zuchtzwecke flotter abgesetzt, als bei ben letzten Märkten bies ber Fall war. Ter Kälbcrhanbel schnitt für bie Verkäufer weniger gut ab. Trotz bes geringen Vorrates war bie Ware schwerer an ben Mann zu bringen, infolgedessen gingen bic Preise selbst für beste Kälber erheblich herunter. Ein Paar Gangochsen rourbe in bie Gegend nach Münster am Stein verkauft. Bezahlt tvurbe für das Stück: Kühe, frischmelkend unb tragend, 1. Qualität Mk. 580—650, 2. Qual. Mk. 475-5A5, 3. Qual. Mk. 375—450; junge Stiere unb Rinder je nach Form und Alter Mk. 180—250 Gehandelt rourbe ber Zentner Schlachtgeroicht: Fettvieh: Rinder Mk. 90-93; Kühe 1. Qual. Mk. 83-85, 2. Qual. Mk. 78-81, 3. Qual. Mk. 75-77; Kälber 1. Qual. Alk. 90-92, 2. Qual. Mk. 75—77, 3. Qualität fehlte am Markte. Fahrochsen, mitlel- fchroere Paare, rourben zu 1100—1200 Mk. verkauft. Tie Preise für fette Schweine zogen vro Zentner im Lande um Mk. 2.— an. Nächste Markttage 8. und 9. Juli b. Js. fe. Frankfurt a. M., 18. Juni. (Orig.-Telegr. des »Gie'r. 2lnzeigersE.) K a rt o f f e 1 m ar ft. Man notierte: Kartoffeln in Waggoits Mk. 4.50—5.00, im Kleinhandel Mk. 5.50—6.00 für je 100 Kg. Limburg a. d. Lahn, ltt. Juni. Fruchtmerrkt. Durch« schnittspreis vro Malter. Roter Weizen (nasiauischer) 17,50 Alk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 17,00 '.WL, Korn 12,80 Mk^ Gerste: öuttergerste 10,50 Dtk., Braugerste 0,00—0.00 Alk., Hafer 7,00-8,50 Alk., Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln Alk. 4,00-0,00 Alk. ©li'ffert GEORG A. J ASM ATZ l AKT. GES. DRESDEN Grösste deubsche Cigaretten Fabrik Todes-Anzeige. beinahe 72 Jahren sanft verschieden ist. 4004 Die trauernden Hinterbliebenen. Allendorf an der Lahn, Heuchelheim, den 18. Juni 1913. Die Beerdigung findet Freitag, den 20. Juni, nachmittags 2% Uhr, statt. I Heinr. Hahn,Sieten Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater und Grossvater Wegen Aufgabe des Fuhrwerks sind folgende Gegenstände au verkaufen: _ 1 Landauer, wenig gebraucht, innen nut veder ausgetchl. 1 Halbvcrdeck mit nbnehmb. Bock, 1- u. 2-spänn. zu fahr. Ludwig Volk XIIGastwirt, heute nacht 12 Uhr nach längerem schweren Leiden im Alter von ^ipcbslr. 13 Samenfeanteg Feiw.® Empfehle zur jetzigen und späteren Saat: Erbsen, Karotten, Kopf-Salat, Endivien, Spinat, Feldsalat, Wintersalat usw. Grassameu für Zier- und Vleichrasen, sowie für Wiesen. Englische Brachrüben, Herbst- oder yniljUmuL Stoppelrüben, Gelbsenf usw. S743 Neu aufgeuommeu: Bogelfutter, prima Qualität und Mischungen. Ein Produkt hygienischer Erkenntnis und wissenschaftlicher Verwertung Statt Bohnenkaffee! jSt Statt Malzkaffee! Hrsalz-Marmal-Kaffee feines Aroma, reich an natürlichen Nährsalzen, besond. zu empfehlen für Herzkranke u. Nervöse ü Pfand 50, 65 Pfg. und 1.00 Hk. 1533 Reforahaus, Kreuzpl.5 1 OZcicNschast^waacn 1 zwcisvännigcs Pferdegeschirr, ülbernlattiert 1 älteres dcsgl. plattiert, Pferdegeschirr für Landwirt,chast 2 Sättel intt Zubehör, 1 Mäbmaichinc für 2 Pferde 1 leicht. Oekonowiewagen mit Zubeh., 1- u. 2-soänn. zu fahr. 1 Schlitten, 1 Häckselmaschine, 1 Heblade, 1 Pflug. 3997 H. Winn, («jenen, frankfurter Strafte. [äi[5]@[ä][e]@[ö![ö]°l°]L2]!B][Dl[s]l°l[H]@!2] [g] [Ö] | AugustOssmann | 0 Giessen 0 [ül |nj [□j Seltersweg 89 Telephon? 33 [□]□□□!□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ §] fnl dd U ffllöbelfiandlung E□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□3 0 Ueher nähme □ Spezialität: @ iSj ganzer □ Bürgerliche W Ausstattungen □ Wohnungs-Ein- L=j Lang jähr. Garantie □ richtungen Lj | | [ O] (ö][ä]|ä][ä]!ä]|a][ä][ä]lä]S[ä][äl[ä][ä][ä][ä][ä]0 Unentbehrlich für jedermann ist Prospekte kostenfrei — Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien ,y- 18,593 Seiten 150,000 Artikel 16,831 Bilder 20 Bände, schön in Halbleder gebunden zu je 10 Mark Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage 1522 Tafeln 160 Textbeilagen 343 Karten Lexikon ■ - Meyers Grosses Konversations- ' ■ " V. - - v V ' ■■■ ■ ^Kaffee empfehlen: Wiener Mischung . . L70 Konsum-Mischung . Schokoladen ö | Auf der hervorragenden Qualität aller unserer Waren beruht unser altes gutes Renommee Emmerichen Waren-Expedrtion Giessen, Seltersweg 59 ■ gegenüber Hotel Prinz Carl Alsfeld, Butzbach, Darmstadt, Frankfurt am Main, Homburg v. d. H. etc. Haushalt-Mischung . Pfund 1.60 Holländische Mischung „ 1.50 .... Pfund L40 IColraiO Deutscheund ■wctEwBIO Holländische Fabrikate. — Pfund 1.00 bis 2.50 Tj"—Direkter Import ® aus China, Indien, Ceylon. — Erprobte Mischungen Besonders za Karlsbader Mischung Pfund 1.80 In tiefer Trauer teilen wir mit, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, gestern abend ß1/^ Uhr meinen treuen, inniggeliebten Mann, unseren teueren Bruder und Schwager Herrn Georg Anton Herrmann nach längerem, in Geduld ertragenem Leiden im 42. Lebensjahre heimzuholen. Um stille Teilnahme bittet namens der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelmine Herrmann geb. Georg. Strohmühle bei Bieber, den 19. Juni 1913. Die Beerdigung findet Samstag, den 21. d. Mts. um 2!/4 Uhr vom Sterbehaus aus statt. 04953 ■iS":' AM W A K Sach en — wie Hüte, Blumen, Federn, Schleier, Schürzen, schwarze Seidenstoffe, Cröpe, schwarze Hals-Ketten, Krawatten, Handschuhe usw. usw. K. Sahmm L Tel. 249 EAWNB Der enorme Zuspruch den seit dem Tage der Eröffnung unser Ausverkauf findet, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Wege sind, das in uns gesetzte Vertrauen voll und ganz zu rechtfertigen. Wir bitten das geehrte Publikum, sich die von uns gebotenen Vorteile zunutze zu machen und sich für die nächste Zeit mit Schuhwerk zu versehen zu Preisen, wie solche in Anbetracht der Vorzüglichkeit unserer Qualitäten wohl zu den Seltenheiten gehören. SS LSiiss Marktstrasse 9 und Wettergasse llleinmkaol der beröbmten „Herz“-Schuhwaren