Erstes Blatt 163. Jahrgang Gießener Anzeiger A Er Anzekgrr — Blatt 163. Jahrgang Donnerstag, JO. Juni 1913 erscheint täglich, außer JES&ntff Hcutre. ;3-sE: flliAHA|f AM illf 4A| S5S VfItlltllPT /in?pi(iPi BsBS-^tVIJVllVl 4*lljVIHVt MM für die Redaktion 112, ®W Verantwonlich für den Aerlag n. (Lxnedrtwn S1 * * tt /jur »» politischen >eil: August LLZL.,. Seneral-Anretger f«r Gberhessen MM für die TageSnninincr Hdtationsorua uns Verlag der Vrühl'schen Univ.-Buch- und Ztemdruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 5chu!strahe 7. Ä--^E.Heü^Mr den bt§ vornrrttags 9 Uhr. Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten. Was kann -er Einzelne zur Verbesserung unserer Geldverhältnisse tun? Ern Betonter Fachmann schreibt uns: Seit vielen Monaten steht Deutschland im Zeichen eines iapitalbildung hat mit der Ausdehnung unserer Erwerbsständc nicht vollständig Schritt halten können, so daß alles in allem betrachtet, zurzeit, wenn auch nur vorübergehend, eine gewisse Beengtheit auch in den Umlaufsmitteln in Gold, öilber und Papier bei uns im Reiche eingetreten ist. In solchen Zeiten ist es dringend erforderlich, daß allseitig dazu beigetragen wird, diesen Uebelständen des Mangels an Geldmitteln nach Möglichleit abzuhelfen, und so klein manche der geeigneten Mittel erscheinen müssen, so werden sie in ihrer Gesamtheit doch geeignet sein, eine gewisse Milderung des Zustandes herbeizuführen. In erster Linie darf auf den Scheckverkehr verwiesen werden; mustergültig in dieser Beziehung ist England, wo jeder Selbständige sein Scheckbuch bei sich trägt. Nun hat gewiß die Einführung. des Scheckstempels bei uns in Deutschland dieser nützlichen Art des Zahlungsverkehrs in gewissem Sinne Einhalt geboten, immerhin lohnt es sich auch hier noch durchaus, mittels Sck)eck besonders nach auswärts zu bezahlen. Man kann sich hierbei der.Poft und ebenso der Banken bedienen und wird durch die Benutzung dieser Zahlungsinstitute gleichzeitig von dem Uebelftande befreit, größere Barmittel zur Bezahlung von laufenden Verbindlichkeiten im Haufe haben zu müssen. Will man mit Rücksicht auf den Scheckstempel diesen Ver^ kchrszweig nicht wählen, so gibt es ein ebenso einfaches Mittel für jeden Geschäftsmann oder für jeden Privatmann, für alle Behörden sowohl, als auch Verbände, indem alle irgendwie flüssigen Mittel bei einer Bank zur Einzahlung gebracht und diese wiederum beauftragt wird, in jedem einzelnen Falle, der in Betracht kommen ton, Zahlungen für den Kontoinhaber zu leisten. Wer eine Nech- irung zu begleichen hat, oder seine Stenern bezahlen will, her außerhalb seines Wohnsitzes eine Zahlung leisten muß, braucht in solchen Fällen lediglich die ihm befreundete Dank zu beauftragen, die fragliche Zahlung in seinem Auftrage gegen Quittung an die betreffende Stelle abzuführen. Zu diesem Zwecke kann er die unquittierte Rechnung oder den Steuerzettel dem Bankhaus übergeben, das dann feiner- seüs die Zahlung im Auftrage des tfunben ausführt. Ter Lin bericht über die 5chrödcr-§tranz-hi!fsexpedition. Berlin, 17. Juni 1913. Bei dem Ausschuß „Hilfe für deutsche Forscher im Polareise" zu Händen t>onjw?l)ciinrat Mothe ist folgender Bericht des Leiters der Schröder-^tranz-Hckfsexpedi- tion Hauptmann Staxrud cingegangen: Greendarbonr, 25. Mai 1913. Wie telegraphisch nut- geteilt, kam meine Expedition nach Adventba i Mitte Mai, wobei wir Dr. fliüdiger und Marinemaler Rave mitbrachten. Die Eisverhältnisse in der Hinlopenstraße veranlaßten, bau ich die Nordostlandtour zurückstellen mußte, bis Rüdiger und Rave lieber nach Greenharbour oder Adventbai gebracht sein würden. Unsere auj der Hinreise ausgelegten Depots brachten es mit sich, daß wir das Fjordeis auf der Wijdebai und dem Eisfjord benutzen mußten. Aber letzterer konnte inöglicherweise unfährbar werden, wenn wir auf der Nordostlaudtour uns verspätet hätten. Wenn die >nnlopen- straße passierbar gewesen wäre, sei es mit Boot oder nut_ Schlitten, zurzeit als wir nach Treurenbnrg kamen, würden ivir foTort aufgebrochen sein und unter günstigen Umständen die Tour m zwölf Lagen gemacht haben können. . Da das Eis in der Wijdebai aufgebrochen war, und bi» her hinein ungangbar war, mußten wir von Treurenbnrg nach J)em Oskfford in der Wijedbai über das Inlandeis marichleren. -Lic» machte es notwendig, daß ich selbst als Leiter dieser Lour mit zurück mußte, da keiner der anderen Teilnehmer große Eriahrung int Jnlandseis hat. * Dr. Rüdiger mußte den ganzen Weg in entern Bett gezogen werden, auch Rave mußte auf einem Schlitten wahrend des grotz- ten Teiles des Weges befördert werden, da er wnst uns nicht hätte folgen können. Beide bekamen dann Unterkommen in der Adventbai, wo Ritscher schon seit längerer Zeit ist Dr. Bockiman konnte während dieser Zeit auch die ärztliche Behandlung des lettcrcn übernehmen, dessen Fun noch sehr schlecht ist und stch sogar in der letzten Zeck verschlimmert bat. , Ich habe mein Möglichstes getan, um Lchiff-gelegenheit nach Norwegen für die sechs Teilnehmer der ^chroder-Stran.z-^pedition und die fünf Teilnehmer der Hilfsexpedition zu finden, ^ai hoste, He jetzt durch das DampnE ,,«ctro" ,u "hatten, welches Mansfields Expedition hier heraufbrurgen soll. (Mittlerweile lind ja die drei Geretteten der, ^ebrober - ötxan> - äjpebetwit und die drei norwegischen Matrosen in L.romioe angekommen, i Das Eis im Eissjord ist jetzt soweit ausgebrochen, datz wir tir Motorboot bis zur Sassenbai benu^ , können. Hierdurch fnre ich auf der Reise nach NardoAand fünf Tage, die mr die bmnbe anstrengend gewesen waren. Am 31. -Rai gedenke ich mtc- dn mich nach Norden zu begeben. Wir wollen den Weg über kem Posthgletscher und dann über das ^nlandEs nach ^reuren- liarg wählen. Von Trenrenburg wollen wir über bte H^lopen- He setzen und an der Küste entlang bei Sh^puntt vorbei, Brr Lavoen, Nordtap, Ripsbai nach Kap Llatcn marichieren 'N diesem Wege hoffe ich bestimmt, Spuren zu finden, damit bas Schicksal Schröder-Atranz volltommM festgestellt roerben fann. Künde aber hat den Vorteil, daß ihm erstens unnötige Gänge aber Portofpesen erspart bleiben, zweitens aber auch die Möglichkeit gewährt wird, durch die Einrichtung eines Kontos bei einer Bank für sonst unnütz im häuslichen Geldkasten liegende Beträge Zinsen zu erhalten. Wenn alle Behörden auf diesem Wege die Gelfälter ihrer Beamten an die Banken abführen würden und jene nneberum die ihnen zukommenden Beträge je nach Bedarf zur Abhebung brächten, wenn jeder Gesclfäftsmann seine Ladenkasse möglichst niedrig hielte, kurz wenn alle Faktoren im Lande mitwirkten und die Umlaufsmittel nach Möglichkeit den Banken zur Verwaltung und zur Verwendung im bargeldlosen Ueberweisungsverkehr zufuhren würden, müßte am letzten Ende eine Rückwirkung auf die Lage des Geldmarktes unter allen Umständen eintreten. Diese Rückwirkung erfolgt dadurch, daß die verschiedenen Bankinstitute des Reiches ihrerseits flüssige Gelbmittel wiederum der Deutschen Reichsbank zufuhren, die dadurch in die Lage versetzt würde, große Bestände an Metallgeld zu halten. Der Erfolg dieses Umstandes wäre aber, daß die Höhe des Zinssatzes bei der Deutschen Reichsbant, der ja maßgebend ist für das ganze Deutsche Reich, entschieden einen Rückgang aufweisen würde, da sich die Höhe des Zinssatzes bei unserem Zentraluoten- institut danach richtet, wie hoch der Metallbestenid bei ihr ist, und wieviel Noten auf Grund des Metallbestandes seitens der Reichsbank zur Ausgabe gelangt sind. Es wäre daher sehr zu wünschen, wenn die in allen Gebieten Deutschlands immer wieder ei ns eßenden Bestrebungen, den bargeldlosen Verkehr, wie dies in England seit vielen Jahrzehnten bereits der Fall ist, zu heben und zu fördern, seitens der Privatpersonen und der Behörden die wünschenswerte Unterstützung erhielten. Die Allgemeinheit und damit jeder einzelne Geschäftsmann ober Privatmann wird davon nur Vorteil haben. Die bulgarische Antwort auf die serbische Note bezüglich der Demobilisierung hebt, wie von amtlicher bulgarischer Seite gemeldet wird, hervor, daß die Konzentrierung bulgarischer Truppen an der serbischen Grenze keineswegs den Charakter und die Tragweite habe, welche Serbien ihr beimesse. Tie bulgarische Regierung hat nicht aufgehört, zu erklären, daß man sich zur Regelung der zwischen beiden Regierungen bestehenden Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Liquidation und eines Kon- dominismus in VLazedonien ehestens der Entscheidung des von beiden Teilen in dem Bündnisvertrag gewählten obersten Schiedsrichters anvertrauen müsse. Die militärischen Maßnahmen der Bulgaren seien nur die Folge der militärischen Maßnahmen der Serben. Während alle bulgarischen Truppen sich an der türkischen Grenze befanden, und längs der serbischen Grenze und Mazedoniens nur 8000 Mann standen, habe die serbische Regierung, ohne damals zu berücksichtigen, daß dies eine' Gefahr für die friedliche Lösung des Streitfalles bilden oder eine Erregung der Gemüter l-ervorrufen könne, die Konzentrierung aller militärischen Kräfte an der bulgarischen Grenze angeordnet, und zwar in höherem Ausmaße als in jenem, der in dem Kriege gegen die Türkei zur Verwendung kam, ja, sie ging sogar so weit, ihre Reservisten dritten Aufgebots unter die Fahnen zu berufen. Diese längst beendete Operation hing durch Zufall infolge eines Einvernehmens mit der analogen Konzentrierung der griechischen Was die Hilssexpedition int ganzen anlangt, so werde ich detaillierten Berickü und Abreckprung sendcn, sobald sie ausgesührt ist. Erscheint dies wünschenswert, so will ich auch gern einen Bericht darüber einsenden, was mir von der Schröder-Strang Expedition bekannt geworden ist. Leider hat sich auch zwischen den Ueberlebenden der Expedition ein überaus gespanntes Verhältnis herausgebildet. Ich hoffe in der ersten Hälfte des Juli hier zurück zu sein. Der Grund, weswegen Dr. Rüdiger und Rave sich meiner Expedition nach Süden anschlossen und nicht an Bord von^Lerners Schiff ,Lövensttold" gingen, war folgender: Unsere Tour erschien mit unserer Ausrüstung und unseren Depots an den drei verschiedenen Stellen leicht und sicher. Der Bettschlitlen, welchen wir für Mdiger einrichteten, war sehr bequem. Der Transport nach Lerners Schiff, welches an der Eiskanle liegt, — mit Schneeschuhen in zwei Stunden vom Hause in der Mosselbai zu erreichen — wurde für ziemlich schwierig angesehen. Ferner kannte man nicht darauf rechnen, daß man Greenyarbour oder Adventbai mit Lerners Schiff erreichen konnte, sondern hier war wieder Schlitten- transport zu erwarten, ßa nicht einmal konnte man mit Sicher- heit darauf reckmen, daß man mit Lerners Schiss in ocr Nähe bis Tänengats einen Durchgang finben würde, da das Eis ziemlich nahe der Nordtuste liegt. Hier sind schon zahlreickxe Schiffe verloren gegangen, wenn das Eis non nördlichen Winden gegen Land gesetzt, die Passagen unter Land geschlossen hat. Ferner würde ein längerer Aufenthalt auf dem ,Löoensl'wldch welcher für die Jagd ausgerüstet ist, mit 8 Manu Besatzung außer den 5 deutschen Teilnehmern der Lerner-Expedittou wegen des knappen Platzes sehr bedenklich für einen kranken Mann gewesen sein, dessen Fuß dauernd verbunden werden muß. Der Kutter „Löven- skiold" ist nur halb so groß wie der ,Herzog Ernst'. Ich ließ Lerner durch einen Bries alle diejenigen Nachrichten, welche ich von Schröder-Stranz hatte, samt meinen Plänen für die Nordostlandreise zugehen, aber ich bedaure lebhaft, daß ich keine Gelegenheit zu gemeinsamer Arbeit mit ihm sand. Einige Bilder von unseren Hunden und Remitieren sende ich mit, und werde Ihnen später besseres zukommen lassen, wenn ich meinen Schlußbericht gebe. Das Breslauer Festspiel und sein Ende. Tas ,^Zahrhundertsestspiel in deutschen Reimen", das der ScUesier Gerhart Hauptmann der Hauptstadt seiner lieben engeren Heimat gedichtet hat, ist, wie gestern schon telegraphisch gemeldet, für einige Zeit eingestellt und eingesargt worden. Es hat nur kurze Zeit im offiziellen Deutschland leben dürfen, aber in dieser kurzen Zeit merkwürdigere Schicksale erlebt, als man erwartet hatte, und vielleicht sogar weiter gewirkt, als man hoffen durste, wenn es — wir wollen das Wort doch ganz ruhig sagen — nicht unterdrückt worden toi"re. Gerhart Hauptmann hat — das ist der Vorwurf, den man ihm machen könnte, wenn eß ein Vorwurf wäre — die Zeit Truppen an der bulgarischen Grenze zusammen, wo die Bulgaren damals über nicht mehr als zwei Regimenter verfügten. Die Entsendung bulgarischer Truppen an die serbische Grenze zielte darauf ab, die Bevölkerung des Landes, insbesondere in den Grenzgebieten, zu beruhigen. Die von der serbischen Regierung ausgedrücktc Befürchtung, daß die bulgarische Regierung in der gegenwärtigen Krise sich nicht etwa von dem Gefühle der Solidarität zwischen den Verbündeten leiten lasse und nicht alle friedlichen Mittel zur Lösung der Streitfragen erschöpfen wolle, sei al jo nicht begründet. Was die serbische Forderung anlangt, die Konzentrierung der bulgarischen Truppen sofort einzustellen und gleichzeitig die Effektivbestände auf ein Viertel zu reduzieren, so hebt die bulgarische Regierung hervor, daß sie schon am 13. April (26. April) der russischen Regierung Vorschlag, ihre Sckpedsrichterrolle aufzunehmen, daß aber dieser Vorschlag in Serbien kein sympathisches Echo gefunden habe, wo der Finanzministcr in der Skupschtina "und der Kriegsminister in der Presse erklärte, die Demobilisation der serbischen Truppen könnte erst nach der Regelung der Streitfragen mit Bulgarien stattsindcn. Nichtsdestoweniger nahm die bulgarische Regierung, stets von dem Gefühle und den Ideen der Brüderlichkeit und Freundschaft beseelt, die dem Vertrage zu Grunde liegen, jetzt noch die gleichzeitige Reduzierung der gegenwärtigen Effektivbestände auf ein Viertel an, indem sie inrter dem Titel eines serbisch-bulgarischen Kondominiums in jenen mazedonischen Gebieten, welche auf Grund des Artikels 2 des geheimen Zusatzabkommens zum Bündnisverträge eine strittige Zone bilden, ein aus bulgarischen und serbischen Truppen in gleicher Zahl gebildetes Oktn- pationskorps läßt, das dcntt bleiben soll, bis die schiedsrichterliche Entscheidung gefällt ist. Da aber die gleichzeitige Demobilisierung unter gegenseitiger Kontrolle relativ lange Zeit in Anspruch nehmen könnte, und da die Anrufung des vorgesehenen Schiedsspruches wirksamer gemacht würde durch den Willen, die Liquidierung friedlich zu beendigen, schlägt die bulgarifche Regierung vor, datz in den ersten Tagen, die der Ileberreichung dieser Antwort folgen werden, die beiden Verbündeten durch Vermittelung der russischen Regierung erttären, datz sie den Kaiser von Rußland bitten, fein Recht als Schiedsrichter auszuüben auf Grund des Bündnisvertrages und der Zusatzabkommen, sowie der Memoranden, welche von den beiden Pa^reien binnen einer Woche überreicht werden. Das serbische Regierungsorgan „Samou- prava" erklärt, daß der bulgarische Antrag behr. den ruf- sisck^en Schiedsspruch nicht als Antwort auf die letzte serbische Note betrachtet werden könne. Durch diesen Antrag weiche Bulgarien der direkten Beantwortung des serbischen Vorschlags über die Demobilisierung aus. Die von Bulgarien angeführte siebentägige Frist sei zu kurz, um eine Revision des serbisch-bulgarischen Bündnisvertrages, der rechtlich nicht mehr in Kraft stehle, durchzuführen. Dom Kaiser. Berlin, 18. Juni. Ter Kaiser empfing um 13/4 Uhr im Schlosse den griechischen außerordenllichen Botschafter Theotokis zur dtotiftzierung der Thronbesteigung König Konstantins von Griechenland. .Heute mittag nahm der Kaiser auf dem Moabiter Exerzierplätze aus Anlaß des 100 jährigen Bestehens des 2. Garde-Regiments zu der Befreiungskriege nicht vom cngdeutscheu Standpunkt gesehen, sondern welthistorisch. Für ihn begann die Epock-e mit dem Befreiungsversuch der Franzosen und endete mit dem der Teut- schen: beide erreichten nickst sosorr ihr Ziel, aber in beiden lebte der Geist der Freiheit, wirkte der Gedanke des Fortschritts, schlug daS Herz der Dienschlstit: und diese ewigen Ideale deutscher Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat Gerhart Hauptmanns Jahrhundert-Festspiel in deutschen, beschwingten, begeisterten Reimen verherrlicht. Steinern von den gegen Hauptmann Prote- stterenden ist der Gedanke gekommen, das; auch die Meinung eines großen deutschm Dichters zu recht bestehen könnte, selbst wo sie von der offiziösen Tradition abweicht. Das ist auch ein Zeichen der Zeit und birrdjauö in der Ordnung: Joseph Lauft ist geadelt und das Festspiel Gerhart Hauptmanns ein-, gestellt worden. Er hat von deutsck>er Freiheit allzu frei gesungen. Daß unter den Protestierenoen der Leipziger Literatur- Professor M. Koch zu finden ist, hat kaum Belang, denn er ist nicht nur ein erklärter Widersacher Hauptmanns, sondern hat auch durch seine Literaturgeschichte bewiesen, daß er künstlerische Werte nickst beurteilen kann. lieber die Einstellung der Aufführungen des Hauptmann- scheu Festspieles wird aus Breslau noch gemeldet: Ter Oberbürgermeister sagte: „Wir haben die toeiteren Ausführungen des Hauptmannschen Festspieles eingestellt, weil wir der Ansicht waren, daß wir verpftichtet seien. Die Preßpolemik, die unsere erhebende Feier zu stören geeignet ist, zu beendigen. Um den Frieden herbeiniftihren, haben wir uns zu dieser Maßnahme entschlossen. Ueber weitere Motive bin ich nicht in der Lage, Auskunft zu geben. Nack einer stürmisch verlaufenen Sitzung zwischen dem Magistrat und deni Theaterausschuß ivurde auf einen Druck von Berlin aus die iveitere Aufführung des Hauptmannschen Jahrhundert-Festspieles eingestellt. Tie letzte Vorstellung sand gestern abend statt. Geplant waren ursprünglich noch vier toeitCTC 9bif= sührungen. Ter Magistrat verweigert über die Grunde des Be- scAusses jede Auskunft. e Hierzu schreibt die Breslauer Zeitung: Wie immer die offiziöse Begründung des^chrittes lauten mag, zu dem der Breslauer Magistrat sich bestimmen ließ, wird sie den peinlichen Eindruck des beschämend zaghaften Beschlusses nicht verwischen können. Tie frunjtfrage ist selbstverständlich ausgeschlossen,vrn einer Gesinnungsfrage aber durfte die Vertrettuig der BreÄauer Bürger- l’djaft keiner Verdächtigung gegenüber die Waffen strecken, keinem Drucke ober Zwange nachgeben, sondern war verpfficktet, aus ihrer UÜberzeugung zu bestehen und jede Zumutung, an sich selbst Zensur zu üben, mannhaft und gelassen abzulehnen. Tas war sie der Würde der Bürgerschaft und auch dem Tickter schuldig, dem sie das Wort gegeben und dessen Wort sie zu ihrem eigenen gemacht hat. Aus Stadt und Land. Gießen, 19. Juni 1913. Bäume und Blitzgefahr. Die zahlreichen Gewitter, welche während der letzten Wochen in den verschiedensten Teilen Deutschlands auf trat en, haben wiederum nicht wenige Beispiele geliefert, daß Menschen, die sich unter Bäum« geflüchtet hatten, vom Blitz erschlagen wurden. Es scheint sonach, dgß die seit alten Zeiten gemachte Erfahrung über die Gefahr, welche Ehrend eines Gewitters Bäume dem Blitz gegenüber darbieten, noch immer nicht genügend gewürdigt, ja von manchen Personen geradezu in den Wind geschlagen wird, lieber großen Städten sind Blitzschläge im allgemeinen selten, wahr- scheinlich weil sie der Elektrizität der Wolken zahlreiche 'Gelegenheiten zum stlllen Ausgleich darbieten. Ja sogar hoch aufsteigende Baulichkeiten wie Kirchtürme und Schornsteine bleiben auffällig verschont, obgleich freilich auch die meisten davon mit Blitzableitern - versehen sind. Es kann als erwiesen gelten, daß Telegraph und Telephon in großen Städten die Blitzgefahr nicht erhöhen, sondern vermindern. Wer sich also beim 'Gewitter in einem an das Telegraphen- oder Telephonnetz angeschlossenen Gebäude befindet, hat sich großer Sicherheit vor dem Blitzschlag zu erfreuen. L. v. Szalay hat die während einer Reihe von Jahren in Ungarn eingetretenen BlitzsclMge gegen Gebäude genau untersucht und sand, daß die Zahl der Blitze in den Orten mit Staatssernsprech-Einrichtungen im Verhältnis zur Tauer der Gewitter bei weitem geringer ist als in den Orten ohne Fernsprechnetz; ferner, daß die in Orten mit Fernsprechnetz vom Blitz getroffenen lebenden Wesen sich nur in den seltensten Fällen in der Nähe von 'Fernsprechanlagen aufgehalten haben. Tiefe Ergebnisse finden in anderweitigen Untersuchungen durchaus Ve- stätigung. Anders gestalten sich dagegen die Verhältnisse in Land- oder Dorfgemeinden, hier sind hohe Punkte weit mehr einer Blitzgcfährdung ausgesetzt, und stets ist die Gefahr größer für eine im Freien sich aushaltende Person, als für eine, die im geschloffenen Raum weilt. Der größten Gefahr setzt sich aber derjenige aus, der wälchend des Gewitters unter einem Baum Schutz sucht, wobei fogar die Baumart und vielleicht auch die Beschaffenheit des Bodens eine beträchtliche Rolle spielen. AM meisten von Blitzschlägen bedacht sind Pappeln und Eichen, wert weniger Ulmen und Nadelhölzer, noch weniger Buchen. Nach den Untersuchungen von Van der Linden in Belgien, welck>e sich aus einen 23jährigen Zeitraum beziehen, ist auch die Aufstellungsort der Bäume, ob in Reihen, in Gruppen oder als Waldbeftand, keineswegs gleichgültig. Die größte Häufigkeit von Blitzschlägen findet sich bei den in Reihen geordneten Bäumen, und auch hier steht die Pappel, besonders die Schwarzpappel, mit in erster Linie. Nadelhölzer gewähren keineswegs, wie die Volksmeinung null, Scljutz vor denr Blitz. Vielfach ist auch die Meinung verbrertet, der Aufenthalt int Wald während eines Gewitters sei besonders gefährlich. _ /^bse Meinung ist indessen nach den Untersuchungen von Profesjor Aßmann rm allgemeinen nicht zutreffend, vielmehr lehrt bte Erfahrung, daß in einem geschlossenen Bestand annähernd gleich hoher Waldbäume vertältniSmäßig selten Blitzschläge Vorkommen. Nur da, wo zwischen den Bäumen größere Zwischm- ynnne iwrhanden sind oder wo einzelne Bäume ihre Umgebung beträchtlich überragen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Blitzschlags grösser. -Ler in einen Wald einfchlagende Blitz wirb außerdem unbedingt einem Baum folgen und durch dessen Wuseln in die Erde abgeleitet werden. Für einen zwischen den Baumen sich aufhaltenden Menschen ist also die Blitzgefahr im Walde keines- wegs groß, um so größer dagegen für jemand, der sich während des Gewitters unter einen einzelnen Baum stellt. ** Ta geSkalender für Donnerstag, 19. Juni- Steins Garten, abends 8'X Uhr: 2. Som m e r - A b o n u e m e n t s- 5 o n z er t unsererRegimentskapetle. Solist: Pros. A l s ch a uskn° Berlin (Tenor-Zugposaune). 1 ’ * ii Groß Herzog empfing gestern früh von 11.30 ab ui Iden Raumen der Gesandtschaft zu Berlin (Kur fürst endarnm 210) die Vorsitzenden des hessischen'Krieger- Vereines Herrn R. Voß (116), Oberl. d R Heiw^ Hes- stnVer (116), Leutn. d. R., den 1. Schriftführer Herrn Wagner (117), und viele Militärs aller Chargen «meist abkommanidierte Offiziere hessischer Regimenter) K ^S^ennung. Der Großherzog hat den Direktor der Wiener Volksoper, Rainer Simons, der früher rektor des Mainzer Stadttheaters war, anläßlich der In- fotmimrrog des „Tristan" im Zyklus der F-rühlingsscst spiele des Darmstädter Hofthcaters zum Geheimen Hosrat ernannt worden. 1. Assenheim, 18. Juni. Unter starker Beteiligung i der Gemeinde und des Ortsvorstandes wurde heute der - langjährige Gemeinderechner Georg Kreuter II. beer- i digt. Der Verstorbene war zugleich Vorsitzender der Ortskrankenbasse für Assenheim und Umgegend. Starkenburg und Rheinhessen. d. Mainz, 18. Juni. In der Wirtschaft von Menzel in der Rhein-Allee verübte der Kesselschmied Karl Kärcher aus Frankenthal eine schwere Bluttat im Atkoholdusel. Um Mitternacht mißhandelte er ohne jede Veranlassung die Frap des Wirtes und als der letztere hinzusprang und Kärcher aus dem Lokal brachte, versetzte dieser dem Wirt einen yvuchtigen Messerstich in die Lunge. Der lebensgefährlich Verletzte wurde ins H-vsPital gebracht und dort sofort eine Operation an ihm vorgenommen. Der Täter wurde von der Polizei in der Rheinpromenade vor einer Bank schlafend aufgefunden, neben ihm lag fein btutbesudettes Messer. Er will von der Sache nichts wissen. Kreis Wetzlar. Wetzlar, 18. Juni. Anläßlich des 25jährigeu Regierungs- jubiläums bewilligten unsere Stadtverordneten folgende Beträge: 1500 Mk. für bedürftigeVeteranen und deren Witwen und Waisen, 1500 Mk. zur Unterstützung der Bestrebungen der I u g e n d - pflege, 1000 Mk. für die freiwillige Feuerwehr und 300 Mk. dem Geschichtsverein zur Beschaffung eines Museums. O Krofdorf, 18. Juni. Als Jubiläumsgabe hat die Ge- meindeoertretung dem Verein „Kinderhort" 3500 Mk. übergeben. — Dem Bürgermeisterei-Beigeordneten und Gemeindevor- üeher a. D. Karl Pfeiffer wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. — Bei der jüngsten Schweinezählung wurden ingesamt 4530 Tiere festgestellt. Wißmar, 17. Juni. Bei den? öffentlichen Preis- schießen des Kriegervereins wurden recht gute Erqebniffe erzielt, so daß als Preisträger nur solche mit 35 und 34 Ringen (bei 12er Scheiben) in Betracht kommen konnten. Den 1. Preis erhielt ß. Kreutz zuerkaunt, 2. Preis L. Groß, 3. Fr. Feht, 4. L. Ufer, 5. E. Kraft, 6. H. Schnell, 7. L. Groß, 8. E. Kraft, 9. E. Pfeiffer, 10. L. Kreutz. Braunfels, 18. Juni. Dem langjährigen Bürgermeister Weber, der am 1. Juli aus dem Amt scheidet, wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. — Die Fürstliche Hauptkaffe bewilligte zur Jubiläumsspende 500 Mk. Hessen-Nassau. = Ro ßb er g, Kr. Marburg, 18. JUni. Am vergangenen Sonntag gerieten hiesige Burschen mit solchen aus Wermertshausen aus geringfügiger Ursache in Streit. Ein Wermertshäuser junger Mann schlug dabei mit einem Knüppel einem hiesigen Bür scheu von 16 Jahren so auf den Kopf, daß er jetzt noch bewußtlos darniederliegt. () M a r b u r g , 18. Juni. Das Lokalkartell der vier schlagenden Verbände der hiesigen Studentenschaft, das gestern abend in den Stadtsälen anläßlich des Rcgierungsjubiläums einen Kommers abhielt, veranstaltet am Freitag auch eine besondere Biswarckfeier. Am Samstag schließt sich dann die Bismarckfeier der übrigen Studentenschaft, die durch den Studentenausschuß vertreten wird, in der hergebrachten Weise an. Dadurch, daß die durch den Austritt des erwähnten Kartells aus dem Studentenausschuß veranlaßte Spaltung, die im vorigen Herbst erfolgte, noch nicht beigelegt ist, finden diesmal zwei große studentische Bismarckfeicrn statt. (h) Frankfurt a. M, 18. Juni. Die hier erscheinende „Süddeutsche Nationalliberale Korrespondenz" stellt dem Verneh- inen nach ihr Erscheinen ein und wird in die in Darmstadt herausgegebenen „Neuen hessischen Volksblättcr" aufgeben. w. Fra nkfurt a. M., 18. Juni. Der Giftmörder Hopf. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt in der Untersuchung gegen den Giftmörder Karl Hopf die Ausgrabung der Leiche seines Vaters angeordnet, da der Verdacht besteht, daß Hopf auch seinen Vater, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, aber noch sehr rüstig war, durch Gift ums Leben gc- brächt hat. Der Vater starb im Jahre 1899 nach zweitägiger Krankheit, die sich durch Erbrechen äußerte. X. Gelnhausen, 17. Juni. Zum Regierungsjubiläum des Kaisers haben die städtischen Körperschaften einen Sport- und Spielplatz für die Schuljugend gestiftet, bet gestern bei einem Schulfest feierlich eingeweiht worden ist und den Namen „Kaiser Wilhelm-Vlatz" erhalten hat. (h) Höchst a. M, 18. Juni. Ein Groß feuer zerstörte in der Maschinenfabrik „Holebi" eine große Anzahl außerordent lich wertvoller Modelle und Zeichnungen. Der zufällig in der Nähe übenden Höchster Feuerwehr war es int Verein mit anderen Wehren der Nachbarschaft möglich, die angrenzenden Gebäude zu retten. Der angerichtete Schaden ist erheblich. xv Homburg o. d. H., 18. Juni. Zum Besten der durch das Unwetter vom 1. Juni geschädigten Bewohner des Obertaunuskreises findet, veranstaltet von Damen und Herren der Homburger Gesellschaft, am 20. Juni im Kurhaus-Theater eine Sonder-Vorstellung statt. Die Regie führt wieder Direktor Adalbert Steffter-Hanau. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen hat da§ Protektorat übernommen. Der Reinertrag der Vorstellung wird dem Sammel- onds für die Geschädigten zugeführt. le. Wiesbaden, 18.'Juni. Der Nassauische Heil- stätten-Verein für Lungenkranke hielt heute im „Rheinhotcl" in Wiesbaden seine ordentliche Generalversammlung unter Vorsitz des Sanitätsrats Dr. Bindseil-Wiesbadcn ab. Fuß frtc Parade über ixa§ Regiment ab, wobei deut ersten Bataillon ein Säkurlarfahnenoarid verliehen wurde. In Begleitung des Ministers v. Breitenbach und des bayerischen Gesandten befichttgte der Prinz-Regent von Bayern den Groß-Schiffahrtsweg Berlin-Stettin. Die Fahrt, die sich bis zum Nachmittag ausdehnen wird, erfolgte teils tm Automobil, teils auf einem Dampfer auf dem Kanal. 10 Mann beteiligen, die am Montag noch teilweise eine Rheinfahrt unternehmen. ** Bei dem Gew itter, das gestern abend über die Stadt ging, aber erst im Lause der Nacht Abkühlung brachte, schlug der Blitz in den Turm der Stadtkirche und zerstörte die Fernsprechanlage. Weiterer Schaden ist nicht entstanden, doch scheint es, als ob die Spitze der Wetterfahne etwas verbogen sei. ** Bon den Wandernden. In der Herberge zur Heimat kehrten im Mai 1201 Gäste (gegen 1186 im gleichen Monat des Vorjahres) ein. Von diesen nahmen 408 (318) Herberge gegen Arbeitsleistung an, während 793 (868) Selbstzahler waren. — Im Arbeitsnachweis der Herberge waren 115 offene Stellen an gesammelt, von denen 111 besetzt wurden und zwar durch 41 Handwerker und 71 Arbeiter. 31 der untergebrachten Arbeitskräfte wurden außerhalb unserer Stadt untergebracht. Landkreis Gießen. = Muschenheim, 18. Juni. Die Eheleute Johs. Reif I. feierten in seltener Rüstigkeit das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaare wurden allseitig Ehrungen zuteil. -- Londorf, 18. Juni. Zum Besten des Bismarckdenkmals auf der Elisenhöhe bei Bingen findet nächsten Sonntag um 3 Uhr nachmittags hier ein Waldfest im ,^Zungenholz" statt, bei dem Lehrer Dietz aus Heuchelheim die Festrede halten wird. Zur Verschönerung des Festes werden der Gesang- und Turnverein mitwirken. Auch die Schulkinder haben einige Turnspiele eingeübt, die sie zur Aufführung bringen werden. = Bellersheim, 18. Juni. Die am 1. Juni wegen eines tragischen Todesfalls ausgefallene Gedächtnisfeier an 1813 findet nunmehr am 22. Juni statt. Nachmittags 3 Uhr bewegt sich der Zug unter Musikbegleitung nach dem nahen Wald. Die Festrede hält Oberlehrer Dr. Strecker von Bad-Nauheim, während von den Schulkindern patriotische Gesänge und Gedichte vorgetragen werden. -ch. Rodheim a. d. Horloff, 18. Juni. Durch den Tod unseres langjährigen, verdienstvollen Bürgermeisters Schäfer ist eine Neuwahl erforderlich, die auf den 1. Juli festgesetzt wurde. Bis jetzt werden als Kandidaten Land- und Gastivirt Reichert, Landivirt Hofmann und Beigeordneter Kröll genannt. Kreis Büdingen. -k. Kohden, 18. Juni. Gestern fand hier Beigeord- u e ten wähl statt, weil der seitherige Beigeordnete K. L. Rühl von seinem Amte zurückgetreten ist. 21 (§ Kandidaten waren die Landwirte Friedrich Lehmer und Louis Merz aufgestellt. Bei sehr reger Wahlbeteiligung siegte L. Merz mit 7 Stimmen Mehrheit; er erhielt 41 Stimmen. Kreis Alsfeld. k. Als felt», 18. Juni. Der Gesamtkostenaufwand für die Wiederherstellung des Rathauses beträgt 47 525 Mark. Diese Kosten wurden in der Hauptsache gedeckt durch einen Staiatszuschuß, von 4284 Mark, den Lotterieertrag von 23 708 Mark, den angesammelten Fonds von 18845 Mark und die Stiftung von Kanzleirat Wursttus und Baurat Berth mit 571 Mk. Es ist also keine Belastung der Einwohnerschaft aus der Erneuerung des Rathauses erwachsen. Kreis Schotten. h. Schotten, 18. Juni. Unter Aristo-endung von mehr als 22 000 Mk. wurden im letzten Rechnungsjahr in den Kreisen Lauterbach und Schotten 84 Hektar zu Gemeindeweiden eingerichtet und 44 Hektar Hutweiden verbessert. Zu den Kosten steuerten die Gemeinden etwa 10 000 Mark bei, den Rest bewilligte die Regierung. Auf Grund der bei diesen Arbeiten gemachten guten Erfahrungen wurden im laufenden Rechnungsjahre Ackerverbesserungen und Weideanlagen in folgenden Gemarkungen vorgenommen - Herbstein, Obermoos, Lanzenhain, Reichlos, Grebenhain, Heisters, Bermuthshain, Krainseld, Bannerod, Feldkrucken, Oberseemen, Herchenl-ain und Gedern. Zum Teil sind die Arbeiten schon vollendet. Damit der Abnahme der Vogelwelt aber gesteuert wird, sollen zugleich mit den Weideanlagen ausgedehnte Vogelschutzhecken eingerichtet werden, wozu in erster Linie Weißdorn- und Haselnuss sträucher Verwendung finden sollen. Kreis Friedberg. r. Friedberg, 18. Juni. Heute fand im Saalbau bic ordentliche Generalversammlung der Landwirt- schaftlichen H a u p t g e n o s s e ns'ch a f t statt, bei der mit allen gegen drei Stimmen die Erhöhung der Geil o s s e n s ch a f t s a n t e i l e, die zur Deckung der 93er- luste verwendet werden soll, sowie auch die L i q 'n i d a t i o n werdenlüUrbe- sTonfair§ dürfte somit vermieden . ?sP\cI' 1S- Juni. Die Gemeinde hat zu der hier bestehenden höheren Bürgerschule in diesem Jahre einen Zuschuß von 3124 Mk. zu leisten. ' ** Der Gießener Verein für Luftfahrt hatte am Dienstag abend seine Mitarbetter am Flugfest zu. einem gemütlichen Bierabend eingeladen. Profeffor König begrüßte die Erschienenen und dankte zunächst den staatlichen und städttschen Behörden. Vor allem die Stadt habe zum Gelingen des Festes beigetragen, so durch die Gewährung des Vorschusses von 2500 Mk., der aber sofort nach dem Fest zurückgezahlt werden konnte. Er dankte dem Militär, das vom 9JZ!orgen bis aum Nachmittag auf feinem Posten aushielt, dem Automobilklub, der Sanitätskolonne und der frei» willigen Feuerwehr. Die beiden letzten Vereine brauchten zum Glück nicht in Tätigkeit zu treten. Zum Schluß betonte er,,daß der Flug trotz des schlechten Wetters Und der unvorhergesehenen Dauer von drei Tagen ausgezeichnet verlaufen sei. Direktor Grießbauer ergänzte den Bericht und hob die vorzügliche Absperrung hervor, die dem Militär, der Polizei und der Gendarmerie zu danken sei. Die Arbeit der Post mußte besonders anerkannt werden, denn vom Flugplatz wurde nicht weniger als 212 mal an 30 Orte nach auswärts gesprochen. Auch das sinanzielle Ergebnis, über das Universitätssekretär Erle berichtete, war befriedigend. Kaufmann Hornberger dankt dem engeren Vorstand des Luftfahrervereins für die Arbeit, die er vor und während des Flugfeftes geleistet habe. Hauptmann Schröder spricht den Dank der Fliegerofsiziere für die zuvorkommende Aufnahme in Gießen aus. Leutnant Som me r , der, wie erinnerlich, bei Naffau verunglückte, hoffe in drei Wochen wiHerhergestellt zu sein und seinen Dank nochmals aussprechen zu können. Die Anwesenden blieben noch längere Zeit zusammen und hörten mit Interesse die Berichte des Herrn Rechtsanwaltes Römheld und des Hauptmanns Schröder über ihre Fahrten im Flugzeug. ** Die hessischen freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz halten am Sonntag, den 22. l. Mts., in Alzey eine größere Hebung ab, an die sich eine Kritik durch den Inspekteur der Hess, freito. Sanitätskolonnen, Generalarzt Dr. Lindemami, anschließen wird. Von der hiesigen Kolionne werden sich an der Hebung etwa 30 Mann, von der Zweigkolonne Klein-Linden etwa Deretetiafiriditen. — Dau dring cu, 18. Juni. Der Gesangverein Eintracht ,eiert vom 5.-7. Juli fein 4 0 jähriqes Stiftungsfest und verbindet damit gleichzeitig ein volkstümliches Wertungssingeu. Als musikalischer sachverständiger ist Musikdirektor Prof. Trautmann-Gießen geivonnen. Der Doüsfinöertag in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 18. Juni. Den erfolgreichen Mar-» gueriten- und Kornblumentagen vor zwei Jahren kann sich der heute abgehaltene Bo l ks kin der t ag stolz und würdig anreiheii. Eine ausgezeichnete seit Monaten vorbereitete Organisation und ein köstliches Sommer weiter reichten sich die Hände, um der Veranstaltung den Erfolg von vornherein zu sichern. In allen Stadtteilen, auf allen freien Plätzen ttrurbc der gebefrohen Menge in hundertfacher Form Gelegenheit geboten, sich an der großen Kollekte zugunsten armer Kinder zu beteiligen. Schon der Bor- abeud setzte mit zwei prächtigen Festen in der Louisa und auf der Gerbermühle glückverheißend und goldbrinaend ein. ^ws Hauptinteresse lenkte sich heute den großen Verkaufs- ftänben in dem Anlagen ring zwischen Opernplatz und Ms marckdenkmal sowie der Budenwelt auf dem Römer zu. Und wenn schon vvm frühen Morgen an eine festlich gestimmte Menge in froher Gebelaune durch die Sttaßen spazierte und sich von den ungezählten jungen Damen „erleichtern" lief’, so schwoll sie am Nachmittag zu einer gewaltigen d'lut an, wie sie Frankfurt bei den früheren Wohltätigkeits- tagen nicht geschaut hat. Dem Mcnschenstrom entsprechend ging auch das — Geschäft. Schon am frühen Abend war mancher Stand geleert. Eine willkommeiie Abwechslung baten die Umzüge der Pfadfinder, wandernden Schüler unD der Hans-Sacl)s-Komödianten. Große Summen flössen auch ' den theatralischen Aufführungen zu. Just aber als die Aus Hessen. Die Desoldnnqsvorlage im Finanzausschuß. bs. Darmstadt, 18. Juni. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer fetzte heute seine Sitzungen fort und besprach den Tarif der neuen Besoldungsordnung. Mitteilungen an die Presse sollen bis auf weiteres noch nicht gemacht werden. Alle Nachrichten, die sich den 'Anschein geben, als stammten sie aus guten Quellen, sind freie Kombinationen mit mehr oder minder großfer Wahrscheinlichkeit. . Auslanv. In der französischen Sa ml Trier hielt am Dienstag und Mittwoch (!) der bekannte Sozialist Jaures eine Rede über die Rüstungen. Dabei erklärte er, D e u t s ch l a n d denke nicht nur an einen plötzlichen Angriff, für den es bic beiden jüngsten Reserveklassen den aktiven Beständen eingliedere, • sondern es denke an einen M a s sen a n g r i ff. Die deutschen Strategen hätten für die erste große Schlacht 1 300 000 Mann vorgesehen. Bei allen Manövern fänden in Deutschland Massenübungen der Reservisten statt. Die deutsche Militär- Vorlage ziele to£fchen mit solchen ou- Ursache in Streit schlug dabei mit einen wn 16 Jahren so mir ißtlos darniederliegt' falfartclt der vier schlagn,.- aft, das gestern abend r lubilaums einen Konmm ie besondere Bismarcheirr bismarckicier der übrige: mansschuß vertteten iPir, daß die durch den Austru denlenansschuß veranlass te, noch nicht beigekgt ij. Bismarckseiern statt. ti. Die hier etidimr? ndenz" stellt bem Lmnt, in die in Darmstadl K'- blätter" ansgehen. ni. Der Gistinördci seht in der UntersuL- pf die 2lu§grabun;i k der Verdacht bestcb.'?^ ter von 72 Ich' ach Gift ums W1 sahre 1899 n:<- rechen äußerte. ni. Zum KyM’ scheu Körpechchrmü hnljugend -Wt, der ciugewetht wotbtn > - ih" erfjtrflen Hot. ■ $r ob feuer idtortt , SfT nUtotiui M ul im Stettin imi l,KM‘n grenzen Monde zu i4 Zum Besten der d'igten Bewohner des ltet von Damen und 20. Juni im Kur« stellung statt. Die tesster-Hanau. W |Q§ Protettorat über* wird dem Sammel* )er Nassauische Hc,>. eute im '.lversammlung uni« Wiesbaden ab^^ VXcuter n der '“Men. Ä1"9 * «w -oracht undNEch- »nabe bor’T; l0ur^ lag fein Kr LneT W r. Site,. tqe fsk,/?2ngeiid. r W tets-Or *S?ÄÄ ÄT9!"«« ©&nrbe ber 5Ro,( uuMlche Hauplkasse bt- Verantwortlich für „Aus Stadt rind Land" i. V.: K. N e u r a t h. Meteorologische Beobachtungen der Station Eiehen. Jlini WeUer 1913 K. 43/13. (B’°, vermieten. 4019 4014t E. H. MüUcr. Löwennasse. 04937 Mtize Brimrbeitcr per sofort ncfudit. 3994 bünbitt biltin- 104943 Dammstraße 34. [D’/i Marktplatz 21. 4012 Htilappai* Mtf-tan Brinde- Komman- 746,7 747,0 747,1 26,0 17,3 17,6 + 26,2 • C. + 11,9 6 C. 3u mieten gesucht einegroße Etage oder zwei kleinere, cöcntl. ganzes Haus mit Warten. Schristl. Angebote mit Preisangabe unter 04930 an den Gien. Anzeiger erb. Lchtlhmilchergkselle für ballernde Arbeit gesucht. 4 gebracht htchen, die ben ^mn-eautiLingäbeünen nftp. ahne Nnterichred Siegeleut werden sollen. söhne. An einer Tafel hatten auch die S^ur^nttirnen sich ein gefunden. Ein Nachspiel Kum K«iser-lF«b^l§nm. Wien, 18. Juni. Da§ Unterbleiben ber .Huldigung für den deutschen Kaiser führte im Abgeordneten hau s e heute zu erner vornbergehenden Präsidentenkrise. Der deutsche dcationalt^erband Inett heute eine Sitzung ab, in welcher dem Präsidenten Silvester wegen dieses Vorfalles nun verschiedenen Abgeordneten heftige Borwürfe gemacht^ wurden. Sylvester erffarte, daß er angesichts dieser StimmuTrg im Verbände und wegen der zalstreichen in der Presse gegen ihn erhobenen Airgriffe auf die Prä- srdeirtenstelle verzichten müfte. Er verließ den Beratnngs- saal. Hieraus begab sich eine Deputation -u Splvester, itm ihn zu bitten, daS Amt beizubehaliten. Sdlvester gab dieser Bitte nach, womit die Krise beigelegt ist. Die neue Aera in der Titrkei. Smyrna, 19. Juni. Seit drei Tagen werden viele Verhaftungen verdächtiger Anhänger der liberalen Partei vorgenommen. Die Verhafteten werden kriegsgerichtlich verbannt. Zn m Fri ed en sff'chlu ß. Kvnstantinvpel, 19. Juni, lieber den Schritt der Mächte wegen der gleichzeitigen Abrüstung der Krieg- führenden gibt die Pforte bekannt, daß die Türkei auf keinett Fall abrüsten werde, bevor der Friedensvertrag ausgewechselt sei, die Pariser F-inanzkonferenz ihre Arbeit abgeschlossen habe und von der Bezahlung einer etwaigen Kriegsentschädigung keine Rede mehr fei „Imperator". New York, 18. Juni. Der Imperator ist um 10.30 Uhr hier angekommen. Ertappte JuwelendieVe. Berlin, 19. Juni. Seit Anfang dieses Jahres Mir» den die Juweliere Berlins dadurch beuurtililigt, das; fast keine Woche verging, in ber nicht mindestens ein oder zwei Einbrüche verübt wurden. Der Sittenpolizei war in der letzten Zeit aufgefallen, daß mehrere Damen der Halbwelt einen sehr iippigen Prunk entfalteten und sich mit (Uschmeide umhängt hatten. Ehestem nntrden verschiedene dieser Damen überrascht, als sie mit drei schweren Ein^ breckiem ein Zechgelage abhielten. Zwei Brüder Zicholski gestanden angesichts der graviermden Sck)uldbeweise, die in der Form der den Mädchen abgenommenen Schmucksachen vorlagen, Juwelen und Geldsachen im Werte von 50000 Mk. erbeutet zu haben. Tödlicher Fliegerun fall. Johannistal, 19. Juni. Heute früh 5.04 Uhr erlitt der Flieger Krastel, der mit dem Werkmeister Wer« bitz um 3.48 Uhr zum Wettbewerb um die Nationalftug- spende aufgeftiegen war, einen schioeren Unfall. In etwa SO Meter Höhe überschlug sich plötzlich die Maschine und stürzte zu Boden. Die beiden Insassen wurden getötet. Fliegerabsturz. Paris, 19. Juni. Bei dem Dorf Nevers stürzte der Fliegerleutnant Per sonne aus 150 Meter Höhe ab und wurde lebensgefährlich verletzt. 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Juni 1913' Freitaa abend 8.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Ubr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-AuSgang 9.40 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 7.30 Uhr. Die fchlimmsten Feinde der Kinder sind die besonders im Sommer austretenden Magen- und Darmerkrankungen. Ten besten Schutz dagegen bietet die rationelle „K u f e ke"-Nahrung mit Bei» gäbe von Milch. Diese seit vielen Jahren bewährte Nahrung führt dem Organismus alle Nährstoffe zu, die zu seinem Ausbau nötig lind, und macht ibn dadurch widerstandsfähiger gegen Lirairkbeiteu Die ini „K u s e k e" enthaltenen Mineral- und Etweißstosse fördern die .^bnochen- und Muskelentwicklung aufs günstigste. hv*/8 vermischte«. » WrirfrWtiwaHid'. tuns Mörz. 18. Ami, wirb ac. mFbrt: ber 400 -MrtrrsMc txs Schacktrs 1 ber Ä sJILS^nrt^rt unrrden beute morgen im luoirnjen JÄctfdnag- durch Zubrnchegeben ber Strecke 14 Mann n n aeschlpffen. ^Sckmtllche,Leute sind am Leben. Sie können den 9fcttmt^ntomtfcbaften, die sofort in Tätigkeit traten ststiestellt, verletzt worden' Da 'Zechenlackmtg hofft, dre Verschütteten hn Laufe des Nachnnttags zu retten. * Stf-jjffrabcTt. »t Seminr schlug ber Mrtz in einen £ eu trug en, unter den sich vier Personen geflüchtet hatten Sic warben betäubt, kanten aber bald wieder zu sich. — nach Aegypten. Aus Stutt- nurt, F7 ^nnrb gemeldet: WcTjeimer .Hvsrat Tr. v. Sieg- l'N bat die Mittel zu emer großen archäologischen Er- p cditton n ach Aegy pken und Nubien zur Berfügung ge- ttcllt. Ke »xsscnülwftftche Oberleitung hat der Leipziger Aegyp- wloge ProftfforDr Steindvrff, der schon srülser eine'von Smolin geRWe EM4nttvn geleitet batte. Die Ervedili an be- mnnt ihre Awett m Mcrbat in einer Mittel-Aegypttschen Totenstadt. Prima iskiße Kernseife Marke Pfeildreiecku.Panther 10 Pfund 2,00 ML, feinste Alber-Annerseife 10 Pfund 2,20 ML, prima Waschpulver Pfund 18 Pfg. (i» Jakob Blaterans. Kulturfichel mit Beil Anständiges, beff. 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