Rk. 76 Zweites Blatt 165. Jahrgang Erscheint tsokich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Kietzener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^Lreirblatt für den Kreis Gießen" zweinwl wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für vbrrheffrn Mittwoch, 2. April 1913 Rotationsdruck und derlag^cr Brühl'schen Universitäts - Buch- und ©teiubructereu R. Lange, Giehen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion:«^112. Tel.-Adru AnzcigerGießen. Aus Vein preutzischen Abgeordnetcnhaufe. Der Acltestcnrat des preußischen _Avgeordnetenhauses hat den Arbeitsplan für die nächsten Tage festgestellt. 9(m Mittwoch soll die 2. Lesung des Kultusvoranschlags beginnen. ?riir die Beratung des Kultusvoranschlags wurde ein besonderer Arbeitsplan ausgestellt, der so gestaltet ist, daß eine Beschleunigung der Beratungen durch ihn ermöglicht wird. Nach dem Plan sollen gleichartige und verwandte Titel in der Besprechung zu .sammengesaßt werden, während bisher eine solche Zusammen ckassung nicht immer stattsand. Man rechnet damit, auf diese 'SSBeife den Kultusvoranschlag in 8 bis 9 Sitzungen beenden zu können. Die gesamte Haushaltsberatung soll am 17. April be endet sein. Die Beratung soll tunlichst nicht durch andere Materien unterbrochen werden, es soll versucht werden, das Oderwasserstraßengesetz und die Vorlage über die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn, deren baldige Verabschiedung vom Mrinster der öffentlichen Arbeiten gewünscht wird, in die Haushaltsberatungen einzuschieben. . ..... lieber die Erledigung der übrigen Gesetze wrrd spater nach Beendigung der Etatsberatungcn Beschluß gefaßt werden, nach- ibem die Fraktionen ihre Wünsche geäußert haben werden. Tie Sitzung des Abgeordnetenhauses am gestrigen Dienstag wurde von 6cm wiedergenescnen Präsidenten Grafen von Sckwerin-Löwitz eröffnet. Zur Förderung der Landeskultur und der inneren Kolonisation sollen der Regierung 25 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden: von diewn sollen 12 Millionen zur Urbarmachung von fiskalischen Mooren, .3 Millionen zur Ausführung von Meliorationen auf Domänen und 10 Millionen zur Beteiligung des Staates bei gemeinnützigen Ansiedlungsgesellschaften verwendet werden. Der Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer leitet die Lesung mit einer ausführlichen Rede ein. Tie Vorlage stehe im engsten Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Bekämpsung der Fleischteucrung. Tenn die neugewonnenen Wiesenländercien sollen eine erhöhte Viehproduktion nach sich ziehen. Daneben bezweckt die Vorlage durch Vermehrung des mittleren und kleineren Besitzes die Förderung der inneren Kolonisation. Eineii notwendigen Zusammenhang zwischen Vorlage und Fleischteuerung vermag der Konservative Frhr. v. M a r e n h o l t nicht zu erkennen, denn selbstverständlich sei diese doch nur eine vorübergehende Erscheinung. Die Haltung der Konservativen in der Frage der inneren Kolonisation beleuchtet sodann der nationalliberale Abg. Glatzel. Der freikonseroative Dr. I d e r h o f f erklärte, daß mit der Urbarmachung die weitestgehende Ansiedlung von Kolonisten Hand in 5rand gehen müsse. Auch Herr Hoff von der freisinnigen Volkspartei unterstreicht die Notwendigkeit der Besiedlung kultivierter Moore. Es sprachen noch der Pole v. Saß-Jaworski und der Sozialdemokrat Leinert, worauf der Entwurf dem Agrarausschuß-verwies en w urde. Der Gutspächter Sohst in Rehberg trat von der Pachtung des Mr Cadiner Besitzung des Kaisers gehörigen Gutes Rehberg zurück. Die Auflösung des Pachtverhältnisses' erfolgte auf Grund einer unter- Zuziehung der Landwirtschaftskarnmer für Westpreußen zustande gekommenen, beide Parteien voll besrie- digendeu Vereinbarung. Sohst erhielt zugleich den Krone n v r d e n vierter Klasse. — Die Meldung stammt vom Wolff-Bureau her, ist also wohl kein Aprilscherz. Die ,,Morgenpost" erfährt noch aus Elbing: Man behauptet hier, das; der Kaiser die R e g e l u n g des Falles Sohst selbst in di e H» an d genommen habe. Er veranlaßte durch seinen Kabinettschef v. Valentins den Vorsitzenden und den.Generalsekretär der westpreußischen Land- wirtschaftskammer, die Herren v. Oldenburg und v. Stein- meyer, mit Sohst zu verhandeln. Dieser lehnte ein persönliches Erscheinen in Elbing ab, und sandte seinen Bruder, dem die Herren am SamStag zunächst hier erklärten, der Kaiser bedauere die Herrn Sohst zu gefügte Beleidigung. Herr Sohst wird Rehberg sogleich verlassen und da er kränkelt, einen Erholungsurlaub antreten. Dem Cadiner Bevollmächtigten, Geh. Oberregierungsrat v. Etzdorfs wurde nahegelegt, nach einer Karenzzeit sich ins Privatleben zurückzuziehen. Au; der Zweiten Kammer des elfatz-lotlmngischen Landtage;. Straßburg i. Els., 1. April. Den bemerkenswertesten Punkt der heutigen Verhandlungen der Zweiten Kammer des Elsaß-lothringischen Landtages bildete die Teuerungszulage der mittleren und unteren Beamten, die in erster Lesung auf der Tagesordnung stand. Unterstaatssekretär Köhler begründete den Entwurf, der als ein Notgesetz zu betrachten sei bis zur Fertigstellung der Besoldungsreform und machte wegen der Deckungsfrage dem Hause den Vorschlag, das Gesetz über die erhöhte Bergwerkssteuer in einer Form wahrzunehmen, die für beide Teile annehmbar fei. Abg. Hauß fC8tr.) gab *bie üb errcischen.de Erklärung ab, daß die Vorlage .in keiner Weise den Beifall des Zentrums finde. Er bezweifelte, ob die Vorlage heute überhaupt noch zeitgemäß sei und verlangte die Einbeziehung der nicht etatsmäßigen Beamten und der Geistlichen in die Vorlage. Hauß stellte den Eintrag auf Ueberweisung der Vorlage an den Budgetausschuß. Abg. B ö h l e (Soz.) sprach sich im gleichen Sinne wie der Zentrumsocrtreter für eine einmalige Unterstützung, aber gegen die Auszahlung der Raten im Juli und Oktober 1913 aus. Abg. Tonnevert (lib.) schloß sich deni Antrags auf Ueberweisung an den Budgetausschuß an. Er tadelte, daß die Vorlage von der Regierung so spät vorgelegt ivord?n sei, und verlangte, daß auch die höheren Beamten bedacht würden Der Antrag Hauß wurde dann einstimmig angenommen. Nächste Sitzung morgen 10 Uhr 30 Min. politische Tagesschau. Der Prozeß Sternickel und die Reform des Strafrechts. Das Interesse, das dieser Raubmordprozeß: erregt hat, ist ein vorwiegend kriminal-psvchologisches, ausgelöst durch die außergewöhnliche verbrecherische Persönlichkeit des Hauptmrgeklagten. Aber ein die Gemüter so stark beschäftigender Kapitalprozeß regt das Nachdenken von neuem an. Von besonderem Interesse ist die Ansicht, die der Staatsanwalt und Privatdozent an der Universität Berlin, Dr. Klee, in der Deutschen Juristen-Zeitung veröffentlicht. Er behandelt dabei vor allem die Frage, ob, wie es ein Verteilger in dem Prozeß in einem nachträglichen Plai- doyer in der Vossischen Zeitung getan hat, mit Recht den Geschworenen eine Verkennung des Begriffs der Mittäterschaft vorgeworfen werden dürfe. Mit überzeugenden Grün- P——mm—MmgnBiriim—BiiBiiii !■ miw»—m— den zeigt Klee, daß ein Rechtsirrtum der Geschworenen bei der Unterscheidung von Mittäterschaft und Beihilfe gar nicht vorliege, abgesehen von anderen juristisch-wissenschaftlichen Gründen schon deshalb nicht, weil nicht nur der Vertreter der Staatsanwaltschaft, sondern auch der Verteidiger Ster- nickels und, was noch mehr bedeuten will, einer der Verteidiger seiner Tatgenossen selbst den Standpunkt verfochten hätten, daß letztere nicht aks Gehilfen, sondern als Mittäter anzusehen seien. Aber Klee, der vor allem auch den Prozeß unter dem .Gesichtswinkel der künftigen Reform des Strafrechts betrachtet, und der eine Reihe interessanter Fragen für diese Reform erörtert, bespricht auch die Lehren, die über die Frage der Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe aus dem Prozeß Sternickel zu ziehen wären. Er kommt zu dem gleichen Schlüsse, wie der bekannte Gelehrte Geheimrat Kohler, daß wohl die Voltsmeinung nach diesen schauderhaften Verbrechen unzweifelhaft darin gefestigt worden sei, daß gerade der Prozeß Sternickel die Unentbehrlichkeit der Todesstrafe eindringlich zum Bewußt- scin gebracht habe. Bon Interesse jedenfalls ist die Meinung Klees, die in den Worten gipfelt: „Soll die Gesellschaft auch'nur mit der Wimper zucken, wenn cs sich um die Vernichtung eines Berufsverbrechers handele der kaltblütig feiner Mordlust fröhnt oder etwa durch Brandstiftung ohne Strupel das Leben vieler aufs Spiel setzt? Man verweise nicht aus die lebenslängliche Freiheitsstrafe. Macht man Ernst mit der Lebenslänglichkeit, so führt logische, sicherungspolitische und ökonomische Erwägung notwendig Mr Todesstrafe. Doch weit entfernt, das Anwendungsgebiet der letzteren in vernünftigen Grenzen auszudehnen, will 'ihr unsere schwache Zeit unter dem fadenschcckkigen Deckmantel des „Kulturfortschritts" womöglich selbst das Todesurteil sprechen." Dies die Ansicht eines Gelehrten und Staatsanwalts, die aber in interessanter Weise dadurch unterstützt wird, daß der bekannte Rechtsanwalt Dr. Hachenburgs in der gleichen Nummer der Deutschen Juristen-Zeitung ebenfalls zu dem Ergebnis kommt, daß gerade durch diesen Prozeß manch ein Gegner der Todesstrafe in seiner Meinung gewiß wankend geworden sei. Deutsches Die Landtagswahl in Preußen. Der nationakliberale Verein in Marburg beschloß, bei der Lanütagswahl den seitherigen freikonfervativmi Abgeordneten, Professor Br e d t-Marbura, zu unterstützen. Von irgend einer GegenkaUdidakur verlautet nichts. AusLauv. Eine schweizerische Lttfkflotte. Nach dem bisherigen Ergebnis der schweizerischen Nationalversammlung für die Militärflugschiffahrt ist die Schaffung einer Luftflotte gesichert. Zwei große Firmen stifteten je ein Flugschiff. Die Stadt St. Gallen brachte beinahe allein 120000 Mk. auf. Aus tzefsen. Aus dem Bittschriften-Ausschuß. bs. Darmstadt, 1. April. Der Vierte Ausschuß hielt heute eine Sitzung ab und erledigte zwei Vorstellungen (Gendarm Freund und Georg Dorsch'. Ausführlicher wurde über den Antrag Molthan verhandelt, betr. Sonntagsruhe der Eisenbahnbediensteten, ferner über den Anrtag wegen der Ei n q u a r t ie r ungs la ste n. Auch ein Antrag Raab betr. Ausführung der Reichsversicherung fand eingehende Erörterung. Durchgesprochen wurde auch der Antrag Ulrich auf Einführung der Einheitsschulen. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Heer und Flotte.. Berlin, 1. April. Admiral Pohl ist mit dem 1. April 1913 zum Chef des Admiralstabes der Marine ernannt worden. Admiral v. Heer in ge n, der Chef be^1 Admiralstabes der Marine, wird am 1. April unter Enthebung von dieser Stellung zur allerhöchsten Verfügung gestellt. Ans Stadt und Land. ♦ Gießen, 2. April 1913. '* Lehramtsassessoren. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsrefercndare Aug. Blum in Offenbach, Wilh. Gimbel in Mainz, Wilh. Hahn in Gießen, Wilh. Heineck in Alsfeld, Gg. Heßler, Wilh. Jüdicke, Franz Klingelschmitt und Eduard Mak; in Mainz, Franz Munk in Vexhill-on-Sea, Herm. Rudolph in Darmstadt, Hch. Sack in Laubach, Karl Schmidt in Friedberg, 9(ug. Schneider und Gg. Schorn in Mainz, Friedr. Schuckmann in Alzey, Emil Vogel in Groß-Geryu, Wilh. Wiener in Butzbach, Hch. Witzel in Worms und Ltldw. Zerb es in Mainz zu Lehramtsassessoren ernannt. ** Justizpersonalien. Der Großherzog hak den Notar mit dem Amtssitze in Nieder-Olm Justizrat Dr. Bernhard Pfeifer auf sein Mchsuchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand versetzt, sowie den Aktuar bei dem Amtsgericht Grünberg Jak. Pitzer zum Aktuar bei dem Amtsgericht Mainz, den Aktuariatsafsi- stenten bei dem Amtsgericht Höchst Karl Dietz zum Aktitar bei dem Amtsgericht Grün berg und den Aktuariatsas isten- ten bei dem Amtsgericht Friedberg Gg. Denn zum Aktuar bei dem Amtsgericht Laubach ernannt. Der AktnariakS- assistent bei dem Amtsgericht Butzbach Bal. Döring wurde zum Aktuariatsassisteiiten bei dem Amtsgericht Friedberg, der Aktuoriatsassistent bei dem Amtsgericht Wöllstein Jak. Bi er hell er zum Aktttariatsassistenten bei dem Amtsgericht Putzbach ernannt: der Gerichtsschreibergehilfe bei dem Amtsgericht Darmstadt II Gg. Ho f faller wurde zum Aktuariatsassiskenten bei dem Amtsgericht Wöllstein und der Gerichtsschreibergehilfe bei dem Amtsgericht Darmstadt I Wilh. Götz zum Akkuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Höchst ernannt. •• Ma ßn ach men gegen die Trunksucht. In der Provinz Oberhessen sind zt,rzeit zwischen einigen Kreisämtern Verhandlungen im Gange über ein gemeinsames Vorgehen gegen den Mißbrauch geistiger Getränke und eine wirksame Durchführung der über trunksüchtige Personen verhängten. Wirtshaussperre. Es ist beabsichtigt, eine einheitliche Polizeiverordnung zu erlassen, die die Gast- oder Schankwirte oder Branntweinverkäufer bei Zuwiderhandlungen gegen das Alkoholverbot mit einer besonderen Geldstrafe belegt. Eine solche Bestimmung bestand seither nicht. Den Wirten wurde lediglich bei Androhung der Konzessionsentziehung verboten, an Personen, gegen die ein Alkoholverbot erlassen war, geistige Getränke zu verabreichen. Eine wirkliche Konzessionsentziehung ist aber nur in ' sehr seltenen Fällen ausgesprochen worden, weil dies eine ungewöhnliche Härte und Vernichtung der Existenz des Wirtes bedeutete und in gar keinem Verhältnis zu seinen'Verfehlungen stand. Die Wirtshaussperre wurde daher von den Wirten nur leicht gehandhabt und deshalb ein durchgreifendes Ziel nicht erreicht. Man hofft, mit den einheitlichen Maßnahmen, die Geldstrafen bis zu 30 Mk. oorsehen, eine wirksamere Bekämpfung der Trunksucht zu erzielen. ■ Landkreis Gießen. () Große n-Bu se ck, 1. April. Ter Schulhausneubau soll nunmehr begonnen werden. Das Gebäude wird in seinem Erdgeschoß auch ein Volksbad aufnehmen. Die Gemeinde hak 80 000 Mk. für den Bau vorgesehen. Kreis Schotten. ck. Eschenrod, 31. März. 91m zweiten Osterfeiertage wurde der hiesige Landwirt und Schreinermeister I o st von dem Gendarmerie-Wachtmeister Noß aus Schotten in Haft genommen und nach dem dortigen Gefängnis zur Untersuchung überbracht. Jost soll mit seiner 15jährigen Tochter längere Zeit ein unsittliches Leben geführt haben, was nicht ohne Folgen geblieben sein soll. d. Burkhards, 1. April. Der frühere Bürgermeister Heinrich Kunkel stürzte, mit dem Herunterwerfen von Heu beschäftigt, von dem Stallboden in die Scheuertenne ab und erlitt nebst einem doppelten Bruch des linken Armes einen Schlüsselbeinbruch. Kreis Friedberg. (L) Friedberg, 1. April. Gestern hat in her O b st - banschule ein K li r s u s für O b stb aum Wärter begonnen. 31 Schüler sind eingetreten. Von heute an sind die hiesigen Zigarren ges ch äste an den Sonntagen nur von 11 bis 3 Uhr geöffnet. Die Stadtverwaltung will auf dem Friedhöfe eine neue Leichenhalle nebst Sezierzimmer erbauen. Auch wird eine neue Begräbnis- orbnung eingeführt. = B a d-N anheim, 1. April. Wie bereits mitgeteilt wurde, beginnen die Minder ft ein-Konzerte am Sonntag, 6. April. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei hier mitgeteiU, daß die Konzerte vom 6. bis 15. April außerhalb des Rahmens der eigentlichen Kurkonzierte und von Professor Wmderstein auf eigene Rechnung veranstaltet werden. Die Kur- und Dauerkarten haben daher ffür sie keine Gültigkeit. Der Eintrittspreis ist auf 50 Pf. für die Person festgesetzt. Die regelmäßigen Kurkonzerte beginnen am 16. 2lpril. Starkenburg und Rheinhessen. m1. Offenbach, 2. April. Mit dem neuen Sommerfahrplan werden auf her Frankfurt — Bebra er Bahnstrecke erhebliche Verkehrsversckilcckiterungen eintreten, wie in einer im Eiscnbahnpräsidialgebaude in Frankfurt abgehaltenen Besprechung besttmmt wird. Der Vertreter der Eiscubahnver- walrung teilt^mit, daß nach der Fertigstellung der' Verbindung des Oft- und Südbahnhofes Frankficrt, unter möglichster Schonung der Verkehrsinteressen Offenbachs im Interesse des Durchgangsverkehrs 10 Züge und 2Luxus^üge im hiesigen Hauptbahnhof nickck mehr 'halten werden. Tie EifeNbahnverwaltung habe sich 1511 diesen Änderungen ohne Rücksicht auf den Staatsvertrag von 1868, nach dem' vlle Züge in Offenbach halten müssen, für berechtigt gehalten. Einige von den Vertretern vorgebrachtc Kompenfationsvorschläge blieben unberücksichtigt. Man versprach, Offenbach so zu behandeln, wie eine preußische Stadt von gleicher Bedeuttmg und einigte sich schließlich dahin, 'Die Vertreter der Stadt sollten bis zum' 10. lApril die Möglichkeit haben, Wünsche vorzubringcn. Nach den Fahrplanänderungen der Eifenbahnverwalturlg werden vom 1. Mai au um Offenbach herum oder vorbeifahren 6 Berlin—Franffurter- Züge, in jeder Richtung 3, 2 Frankfurt—Münchener, 2 Frankfurt —Wiener und 2 Luxuszüge und zwar ebenfalls in jeder Richtung einer. Es werden folgende Züge in Wegfall kommen: vormittags 8,33 Uhr nach Berlin, nachnnttagS 1,04 Uhr nach Berlin, 2,58 Uhr nach Berlin, 3,33 Uhr von Berlin. 4,44 Uhr von Berlin, 9,12 Uhr von Berlin, 2,35 Uhr nach München, 1,52 Uhr von München, ferner je 1 Zug in der Richtung von und nach Wien und die beiden Luxusz^üge 12,32 Uhr von iWürzburg und 3,48 Uhr nach Würzburg vormittags. Kreis Wetzlar. — Launsbach, 1. April. Lehrer Dittert ist nach Niederkostens (Hunsrück) versetzt worden. An seine Stelle tritt Lehrer Luh aus Lützellinden, der bisher in Erda tätig war. Unsere Schule zählt jetzt 130 Kinder. A Kinzenbach, 1. April. Frau Weckmüller feierte heute in voller Rüstigkeit ihren 9 3. Geburtstag. Ihr Mann amtierte bis zum 1. Oktober 1884 als Lehrer im' nahen Atzbach. Die Frau erfreut sich bis jetzt einer steten Gesundheit und besorgt noch allein ihren Haushalt. Hessen-Nassau. )( Wetter, 1. April. In Karlsruhe wurde ein junger Manu verhaftet, der vor einiger Zeit einem hiesigen Geschäft, bei dem er in Stellung war, einen großen Geldbetrag veruntreut hatte. d. Frankfurt, 1. April. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten Frankfurts, der nationalliberale Stadtverordnete Professor Dr. Trommershansen, legt wegen Wegzugs nach Marburg sein Stadtverordneten Mandat n i c b c r* Wiesbaden, 31. März. Der neue Wiesbadener Oberbürgermeister Karl ©(affing wurde heute mittag «in einer außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten durch den Regierungspräsidenten Dr. v. Meister in sein Amt ein- geführt. Gleichzeitig verabschiedete sich der seitherige Ober* bürger meister Dr. v. Ibell, bcm ein klm sterisch aus- ßcftattctcr Ehrenbürgerbrief überreicht wurde, von den städtischen Körperschaften. w. H ombürg v. d. H., 1. April. Heute morgen machte das Kaiscrpaar einen Spazierritt. Zur FrüfistuckStafel bei dem Kaiser und der Kaiserin ist der Prinzgemahl Heinrich der Niederlande geladen. Vereinsnachrichten. ? B n d . N a u l) c i IN, 1. April. Die Ortsgruppe der D c u t s cl) c n Kolonialgosellschaft hielt heute ihre erste Hauptversammlung ab. Die Vorstandswahl ergab: 1 Vorsitzender Oberstabsarzt Dr. Schrode; 2. Vorsitzender Oberamtsrichter Fuhr; 1. Schriflsührer Lehrer Ostwald; 2. Schristst'ibrer Bahnmeister i. P. Bast; Rechuer Nechmmgssührcr Lange; Beisitzer Bademeister Kissel und Konditor Kollig. Tie Zahl der'Mitglieder ist aus 40 ordentliche und 25 austerordentliche angewachsen. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Hessen. Darmstadt, 1. Llpril. Die Unglückseligen Verhältnisse im hessischen landwirtsckraft- lichen Genossenschaftswesen haben bekanntlich — neben manchen anderen Unglücken — auch dahin geführt, daß die Landwirtsck>aft- lirfK Genossenschaftsbank in Darmstadt sich zur Ansuchung eines Moratoriums genötigt sieht. Zu diesem Zwecke sand Ijeute im Städtischen SaaUmn zu Darrnstltot eine Versammlung der Land- imrtschaftlichen Genossenschaftsbank und der dieser angeschlossenen Genossenschaften statt, die eine UederfüNung des großen Saales zeigt. Diese Versammlung gab ein Spiegelbild der Stimmung, in der sich die hessische Landwirtschaft befand, und man darf sagen, daß man nicht allzu rosig in die,Zukunft sieht. Ten Vorsitz in dieser- Versammlung führte Herr Schmitt- Guntersblum. Er erteilte zunächst Herrn Becker-Wörrstadt zu einer Darlegung über den gegenwärtigen Stand der Landw. Genossenschaftsbank das Wort. Dieser gestand ein, daß der Zustand der Bank kritisch sei; damit sötte aber nicht auch die Hoff- nuirgSlosigkeit ausgxspröchen sein. Der Aufsichtsrat, dem er. angehöre, schlägt einen Weg vor, der eine zwangsweise Abwick- lnng der- Geschäfte, d. h. also den Konkurs vermeiden würde. Ein Fehlgriff war die Gründung der- Reickrsgenossenschaftsbank, die sich zu sehr bei der Landwirtschaftlichen Kreditbank in Frank furt übernommen habe. Auch die Beteiligung bei der- Verwal- tungs- und Berwertungsgesellschaft in Frankfurt sei ein Unsegen gewesen. Die Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank hat sich durch das Moratorium der Reichsgeiiossenschaftsbank in Darmstadt in ihren Mitteln beschränken müssen. Um der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank zu ermöglichen, ihre Geschäfte in Ruhe abzuwickeln, d. h. in eine stille Liquidation einzutreten, sei es nötig, daß eine neue Gesellschaft gegründet werde, die frei von all diesen Verbindlichkeiten sei Diese soll die Sanierung der alten Bank übernehmen. Der 9tufsichtsrat schlägt deshalb die Gründung einer neuen Zentral k ässe her hessischen landwirtschaftlichen Genossensckfasten vor. Alieu Genossenschaften wird der sofortige Beitritt zu der neuen Zeniralkasse dringend empfohlen. Weiter wird denjenigen Genossenschaften, Gesellschaften und sonstigen Körperschaften, welche Gläubiger der Genossenschaftsbant sind, empfohlen, dieser ein Moratorium zu gewähren, d. h. rechtsverbindlich und bedingungslos zu erklären, ihre Guthaben jeglicher Art bis zum 15. April 1916 gegen Gutschrift von 4 Prozent jährlickier Zinsen stehen zu lassen, bezw. in keiner Form darüber zu verfügen. Geh. Rat B i ch m anu, der nach diesem Redner spricht, betont, daß auch der- L^erbandsausschlnst der Hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften ein großes Interesse an der Sanie rung der Genossenschaftsbank habe. Dabei ist zu berücksichtigen, dast auch der Verband mit einer Schuld von 217 000 Mk. am Gemüsenschaftsbankhaus beteiligt sei. Mit dem Verbände würde aber auch der Berater der Genosseujchcksten fallen. Er bitte deshalb dringend, das vvrgeschkagene Moratorium anzunehmen. Rechtsanwalt W i nd i sch sieht die Notwendigkeit einer Liaui dation nicht ein, denn es bestehe keine Gewähr, daß nicht das Aktien oder Gefchüftsguthaben dabei txertoren gehe. Die neue Zentralgenoffenschaftsbank solle nur interimistisch tätig sein. Die Genossenschaftsbank dürfe nicht ganz vom Erdboden verschwinden. Wem: alle zusammenhalten, könne es nicht schief geben. Nun macht Bankdirektor Zobel Mitteilung von der Bilanz vom 31. Dezember 1912. Danach weist die Bank an Aktiven auf: An Kasse Kupons 180000 Mk, an Wertpapieren 351000 Mark, an Beteiligungen 650000 Mk., darunter bei der Preußen kasse und laudwirtsch. Treuhandgesellschaft 110000 Mk, an Wechseln 880 000 Mk., an Gut traben bei Banken 8137 000 Mk, darunter an Beteiligungen 110000 Mk., baruntcr 100 000 Mk. bei der Preußenkasse, an Wechseln 880000 Mk., Guthaben bei Banken 8137 000 Mk., darunter 8 029 000 Mk. bei der Reichsgenossen schaftsbank, der Rest von 108 000 Mk. befindet sich bei anderen Banken. Guthaben bei den Genossenschaften am 31. Dezember 1912 9 385 000 Mk., darunter- befindet sich die Forderung an die Verwaltungs- und Verwertungsgesetlfchaft mit 4 913 000 Mk., sonstige Guthaben, lausende Rechnungen 138 000 Mk. Dem ftel-en gegenüber Grundkapital 2 500 000 Mk., Reserven 550 000 Mk., Rückstellungskonto 200 000 Mk., Schulden bei Banken 488 000 Mark, Schulden an Genossenschaften 6 451 000 Mk., Schulden an lausenden Rechnungen zusammen 190 500 Mk., Schulden im Scheckverkehr 480000 Mk., Sparkonten 95 800 Mk., Depositeneinlagen 9 202 000 Mk., von der Bank gegebene Akzepte 282 000 Mark, von der Bank gegebene Bürgschaften 36 000 Mk., uner- bobenc Dividenden 2100 Mk., passive Hypotheken 216 300 Mk. rückständige Wohnungskosten und Zinsen 8000 Mk. Dies ergibt -eS wurden nur runde Zahlen genannt) einen genauen Verlust von 992 097.06 M k. Dieser Verlust, fährt der Direktor fort, erscheint kolossal, nachdem man immer gewohnt war, von einem Gewinn zu hören. Der Vorstand habe es aber für seine Pflicht gehalten, eine den wirklichen Verhältnissen Rechnung tragende Bilanz aufzustellen. Die Beteiligung an der Reichsgenossenschaftsbank in Höhe von 500 000 Mark ist bis auf l Mk. abgeschrieben, ebenso die Beteiligung an dem Konkurs von Niedeimiodau mit 300 000 Mk. Ferner wurde abgeschrieben der Geschäftsanteil an der Verwaltungsund Verwertungsgesellschaft. In der Aussprache dankt Landtagsabg. W o 1 f - Stadecken dem Herrn Becker- für die Klarstellung ber'ganten Sachlage. Dazu hätte man aber früher kommen müssen. Auch hätte man Sach- oerftänbigenrat holen müssen. Der Verlust wird sickwr 5 Millionen betragen. Dem Moratorium müsse man zu stimmen, damit nicht die Gegner sagen, daß man in Hessen, dem Mutterlande des Genossenschaftswesens, kein Vertrauen mehr zu den Genosseusckraften habe. Herr Fresenius tritt gleichfalls für das Moratorium ein Rechtsanwall Dr. Mainzer- Darmstadt ist ber Ansicht, daß unbedingt Schritte getan werden müssen, um eine Sanierung der GeuossensclfaftSbank he r bei zu führen. Aber- klare Verhältnisse müssen geschassen werben. Die mitgeteilten Ziffern sind aber nicht ausreichend. Man müsse immer daran denken, das; iwch vor kurzem eine Bilanz nmgetcilt wurde, die anders lautete, obwohl die Ver hälinisse, wie sie liegen, betannt waren. Es wurden Forderungen in die Bilanz ausgenommen, die sich nicht pari einbringen lassen so z. 'B. an die Refr. Der Redner unterstützt den Gedaüken der Neugründung, da die prenstische Bank nur dann das Gelb bergeben würbe. Eine Vorführung ber alten Bank sei unmöglich, da sie ja nicht zahlen lärme. Tie Bedingungen der Preußischen Zentralkasse seien durchmis annehmbar: 1000 Mk. Haftpflicht, Geschäftsanteil 500 Mk. Einen anderen Weg gäbe es nicht. Die Liguidation kann nur durchgeführt werden, wenn neues Geld beschafft wird. Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt-Worms unterstützt die Ausführlmgen der Rechtsanwälte Windisch und Dr. Mainzer. Lehrer- O f e n l o ch aus Finthen widerspricht der Bildung einer besonderen Kommission. Herr Kämmerer will von einem Moratorium nichts wissen, da er sich mit den Mitgliedern seiner Bank noch nicht habe beraten können. Justizrat v. Brentano spricht sich für das Moratorium und die Gründung einer Zentralkasse aus. Derjenige, der einem Moratorium widerspräche, begehe ein großes Unrecht am Genossenschaftswesen. Die Regierung kann hier nicht eintreten, bas würde zu unübersehbaren Konseguenzen führen. Herr Hallstein aus Posen ist der Ansicht, dast die hessische Genossenschaftsbank mit einem großen Verlust zu rechnen haben wird. Man habe sich auf faule Sachen wie die landwirischaft- liche Kreditbank eingelassen. Der Redner ist für ein Moratorium, und sei es auch nur auf 1 Jahr. Auch ber neu zu gründenden Zentralkasse müsse man beitreten. War man im Reiche früher stolz auf die hessischen Organisationen, so ist man es nach den neuesten Erfahrungen nicht mehr. Der Redner fchlost mit ber Aufforderung, die Spareinleger zu beruhigen. Herr Wols-Stadecken macht Aenderungsvorschläge zu einer vorgeschlagenen Entschließung. Dr. Mainzer-Darmstadt ipeift nochmals auf das Gefährliche der Sage hin. Wenn das Moratorium nicht bewilligt werde, wird ber Zusammenbruch von Niebermodau ein Kinderspiel gegen Darmstadt sein. Dem jetzigen Vorstände dürfe man keine Vermögensverwaltung an- öertrauen. Rach weiteren Ausführungen des Oekonomierats Walter, des Lehrers Solms- Nierstein und des Landtagsabgeordneten von Brentano wird folgende, von dem Rechtsanwalt Windisch stammende Erklärung angenommen: Es wird beschlossen: 1. Die ©laubige r, soweit sie Genossenschaften sind, gewähren vorerst Stundung bis 31. Dezember 1914 unb erklären ihre Zustimmung, ihre Guthaben jeglicher Art bis zu diesem Termin gegen Gutschrift von vier Prozent jährlicher Zinsen stehen zu lassen. 2. Es toirb eine Kontrollkommission von 5 Mitgliedern gewählt unter Zuziehung von banktechnischen Beamten unb mit dem Recht der Kooptation, die die Verhältnisse der Bank untersucht und alle 6 Monate Bericht erstattet und Vorschläge macht. 3. Die neue Z entralg eno sscnsch astskasso tritt zwischenzeitlich in Tätigkeit. Diese Entschließung wird ohne Widerspruch angenommen. Der vorgerückten Stunde wegen ivird von der beabsichtigten Wahl des Ausschusses Abstand genommen. Diese soll bei der nächsten Hauptversammlung vorgenommen werden, die in etwa vier Wockwn abgehalten werden wird. Sfmftcr Deutscher 8ceschiffahrtL-Tag. Berlin, 1. April. Der Deutsche Nautische Verein und der Verband c u t f'tfi- e r Seeschifier-Verein traten gestern vormittag im großen Saal der Berliner Handelskammer zu dem 5. Deutschen Seeschiffahrtstage zusammen, um eine Reihe wich- tiger Jöerufefragen zu erörtern. Eine große Anzahl von Reichs und Staatsbehörden hatten Vertreter entsandt. Aus bcirt gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht des Deutschen Nautischen Vereins geht hervor, das; die Lage für die Seeschiffahrt im Berichtsjahr glänzend war und daß Die günstige Entwicklung erst durch den Balkankrieg rmt seinen politischen Folgen gehemmt wurde. Das erste Thema bei- Tagesordnung betraf das Befahren des Kaiser'-Wilhelm Kanals ohne Lotsen. Die Kanalverwattung hat angesichts des bestehenden Lotsenmangels genehmigt, daß kleine und mittlere lotsenfreie Dampfer hinter Lotsendampfern fahren dürfen. Mit dieser Erlaubnis sind wohl die Reeder, aber nicht die Kapitäne zufrieden. Der entgegengesetzte Standpunkt kam auch in den Vorträgen und der Aussprache zum Ausdruck. Ter Präsident des Kanalamtes, Geheimrat Kautz erklärte, daß die Verwaltung alles tun werde, um den Lotsenmangel zu beseitigen unb daß das Rrickfsamt des Innern und baS Reichsschatzamt ihre Mitwirkung dazu zugesagt hätten. Navigationslehrer W e l tz i e n (Hamburg) sprach hieraus über den Befähigungsnachweis für die Führer von Fluß-, Haff- unb L u.ft fahrzeugen. Es wurde hierzu eine Entschließung angenommen, in der ber Bundesrat aufgeforbert wird, einen Erlaß über den Befähigungsnachweis herauszubringen, aber dem Seeschiffahrtstage Gelegenheit zu geben, sich gutachtlich darüber zu äußern. Kapitän Ben dir (Hamburg! berichtete über unlautere Stellenvermittlung für Schiffsjungen. Tie Versammlung beschloß, die schulentlassenen Jungen, die sich dem' at Konkurs angemeldet. Der Inhaber ein alter Bürger- von Küstrm, der zahlrriche-Ehrenämter bekleidete unb ein Einkommen von 40 000 Mark versteuerte, hat mit seinem Sohn Küstrin verlassen. Von Berlin aus hat ber Sohn die Eröffnung des Konkurses beantragt. Es handelt sich um einen Millionenkonkurs. Viele kleine Leute haben ihr ganzes Vermögen verloren; auch wird der .Konkurs den 9iuin zahlreicher angesehener .Küstriner Geschäftsleute zur Folge haben. Die ganze Stadt ist in großer Aufregung. An die Frau des jungen Puppe ist rin Schreiben ihres Mannes aus Berlin des Inhalts gelangt baß Vater und Sohn bei Ankunft des Schreibens nicht mehr am Leben seien. Die Firma Gustav Puppe ist im Jahre 1835 gemundet worden lyeschäftsinhaber ist der Sohn des Gründer^ Gustav Puppe, Prokurist dessen Sohn, ber ebenfalls Gustav heisst' Für btc Firma zeichneten Vater- und Sohn, jeder für sich allein rechtsverbindlich. Die Firma ist Zahlstelle für die Zinsscheine und gezogenen Obligationen der Ober-Oberbrnchdeichkrsse v;r Lotalanzeiger meldet: Der Konkurs des Bankhauses Puppe in K ü ft rin dürfte sich als einer der größten Herausstellen, die sich in den letzten Zähren ereigneten. Wie verlautet, sollen die Passiven nach beit vorläufigen, aber nicht nackpzu prüf enden Schatzungrii sich. auf 25 bis 30 Millionen Mark belaufen. Weiter wird gemeldet: Tie Gefamtsumme der Verbindlichkeiten des Bankhauses Puppe ist noch unübersehbar, doch ist eine Schuldenlast von ungefähr anderthalb Millionen wahrscheinlich. Sehr viele kleine Leute der Stadt unb Umgebung, eine Anzahl Offiziere und Verwaltungsbeamte sollen zum 2ri( schwer geschädigt fein. Die geschlossenen Depots sind vollkommen intakt, es ist dagegen möglich, das; die offenen Depots angegriffen sind. ♦ München, 2. April. Der Fehlbetrag bei ber Firma Hagen-Pappenherm, dessen Inhaber sich kürzlich im Starenberger See ertränkte, beträgt nahezu dreiviertel Millionen. Tie Depots sind angegriffen. *^D e r englische Thronerbe, der ivährend den letzten 1'-ragen in Friedri ch s h a f c n zu Gast weilte, ließ sich "ach dem Automobilausflug nach Bregenz z>var bewegen, den Rückweg bis Lindau im Wagen zu machen, von Lindau ab aber trat er den Marsch zu Fuß an und traf, hocherfreut von ber reizvollen Landschaft des Sees und seiner Umgebung, hier ein. Xen Abend verbrachte der Prinz bei dem Grafen Zeppelin. Gestern vormittag 10 Uhr trat der Prinz nach Verabschiedung von dem Grafen Zeppelin die Rückfahrt an. Sie führt über Heiligenberg, Tuttlingen nach Stuttgart. ®rofjfeuer. Am Montag abend brach in den Ziegelei- toerfen der Aktiengesellschaft Gebrüder Vetter in Langensteinbach, Amt Ettlingen, gegen 8 Uhr Großseuer aus, daß binnen 2 Stunden das ganze Fabrikgebäude mit den Neben gebauben einäffberte: nur das Maschinen Haus steht nock>. Der durch Vei-sicherung gedeckte Schaden wird auf 350 000 Mk. geschätzt, •tie Gemeinden Reichenbach und Langensteiiibach waren gestern abend ohne Licht und fverden es auch iwch in nächster Zeit bleiben müfien, bis die Lichtanlage der Ziegelei wieder be- ttiebsfahig hergestellt sein wird. E* falscher Offizier. AuS Thorn, 31. März, wird gemeldetIn ber Nacht zum Freitag erschien, wie jetzt bekannt wird, auf dem Artillerieühungspla'e Weist Hof ein Mann in Offlzierumform und gab sich dem Posten gegenüber als Reserv- yjn^cr au^, wobei er einen Namen nannte. Als sich der angeb- liche Offizier an den dorr stehenden Geschützen zu schaffen machte, ries ihn der Posten er zu treffen. Die Nachforschungen waren erfolglos. Märkte. Ic. Frankfurt a. M. Schweineinarktbericht vom 2. April. Anfgetrieben waren 1934 Schweine. Vollfleischio.e Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 60.50-64.00 Mk., Schlachtgewicht 78.00—81.00 Mk.» vollsteischige Schweine unter 80 k^ Lebendgewicht 60.00—62.50 Mk., Schlachtgewicht 78—80? 0 Mk.; vollrleischige Schweine von 100—120 k» Lebendgeivicht 60.00—64,00 Mk Schlachtgewicht 79.00—81 Mk.; vollfleischige Schweine von 120 bis 150 krr Lebendgewicht <0.00-64.00 Mk., Schlachtgewicht 79—81.00 Alk. Geschäft mittelmäßig, bleibt llederstand. ie. Frankfurt a. M., 2. April. (Orin.-Telegr. ves „Gieß. Aiiz.") Slmlliche Notierungen der bclltigen Frucht marktv rei ,'e. Weizen (hiesiger) 21.00—00.00, Kur-hessischer Mk. £0.90—21.00, Wetterauer Alk. 00.00—00.00. Roggen (hiesiger) Mk. 17.50 bis 00."0, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.50—18.50, Gerste, nrauken, Pfälzer Ried Mk. 17.50-1^.50, Hafer Mk. 17.50—19.00, Mais Mk. 15.25 bis 15.75, Weizenmehl 0 Mk. 32.50—32.75, Weizenmehl I Alk. 30.50—30.75, Weizenmehl IHM. 27.25-27.5', Roggen- nrehl 0 Mk. 27.75—28.00, Roggemnehl 0/1 Mk. 26.50—26.75, Roggenmehl I Mk. 00.00—00.00, Weizenkleie Mk. 10.60—11.80 Weizenschalen Mk. 11.00—11.15, Roggenkleie Mk. 11.25—11.50, Malzkeiine Mk. 13.00—13.25, Biertreber 14.00—14.25, Raps Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab fiter. fc. Frankfurt a. M„ 2. April. (Orig.-Telegr. des „Giest. Anzeigers^.) K a rt o s f e l m arkt. Man notierte: Kartosfelir in Waggons 3)tk. 4.00—4.50, im Kleinhandel Mk. 5.00—5.50, für je 100 Kg. Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 31. Mürz 1913. Weizen 100 Kg. 21.25—21.50 Mk. Weißbrol 2 iig. 56 Pfg., Roggen 100 Kg. 17.75—18.00 Mk. Schwarzbrot 2Kg. 48Pfg, Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kalber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 77—95 Alk. '/, Kg. Schlachtgw. 81-107 Pf. 7,_, , 78-81 „ 7, Kg. 92-100 Pfg. 7, „ 94—98 , 7, , 90-110 „ Getreideprcise in Mannhe im Brotpreise in Gießen Ein Geschenk des Meeres könnte man Lebertran nennen. Doch ist dieses, um richtig ausgenutzt zu werden, erst einer Behandlung zu unterziehen, wie ja auch z. B. ein Diamant erst, nachdem er Bearbeitung und Schliff erhalten, den rechten Wert für uns bekommt. Dem Lebertran müssen im Scottschcu Herstellungs-Berfahren, seine ihnl anhaftenden Nachteile, wie schwere Verdaulichkeit, unangenehnier Geruch, fviderlichcr Geschmack, genommen 'werben, um ihn zuträglicher und wohl- schmeckender zu machen. Die so gewonnene Scotts Lebertran-Emulsion besitzt alle Vorzüge des gewöhnlichen Tranes in erhöhtem Maße, wirkt appetitanregend, ist äußerst nahrhaft und bekömmlich, selbst für einen empstndlichen Gaumen unb Magen. 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Gemarkung Nodbcim: Neinertr.: Karlenblatt 31, Nr. 238/9, Acker im Erlenacker Holz-Submisston. Folgendes Stammholz aus den Waldungen der Gemeinde Hausen soll auf dem Submissionswege vergeben werden: Los 1. Fichten: 3 St. 3. Kl. --2,99 Fstm., 16 St. 4. m. = 14,57 Fstm., 173 St. 5. Äl.=44,80 Fstm. Kiefern: 1 St. 4. Kl. 0,27 Fstm., 14 St. 5. Kl. — 3,53 Fstm. Los 2. Fichten: 2 St. 3. Kl. = 2,67 Fstm., 16 St. 4. Kl. = 15,97 Fstm., 126 St. 5. Kl. = 59,16 Fstm. Los 3. Fichten von Nr. 449 bis 667: 209 Stück 5. Kl. = 102,28 Fstm. Los 4 Fichten von Nr. 668 bis 873: 2 Stück 3. Kl. ----- 3,06 Fstm., 28 St. 4. Kl. = 32,68 Fstm., 186 St. 5. Kl. = 92,92 Fstm.H Los 1 lagert in den Distrikten Schindanger, Kirchberg, Blärrwäldchen, Beckerswald 3 und 4. Los 2, 3, 4 im Distrikt Bruch. Angebote können getrennt nach Klassen und Losen oder im ganzen bis zum Montag, den 7. April, nachmittags 2 Uhr, bei hiesiger Bürgermeisterei abgegeben werden, wo deren Eröffnung stattfindet. Die Bedingungen sind die gewöhnlichen. Das Holz kann auf Wunsch zur Hälfte bis Martini 1914 kreditiert werden. Hausen, den 2. April 1913. Großh. Bürgermeisterei Hausen. ________________Müller.____________2248 Holzversteigerung. SS*/2 ,Erdal schwarz — gelb — braun Nutzku?vvel Rnu! Fichte 1. Kl. 12,2. Kl. 36, Lärche 2. Kl. 6; Nutzreijer Nm.: Fichte 8; , Scheiter Nvr.: 144 Buche 1. Kl., 48 2. 17 ftufttc: KniivvelN 276 Buche, 1 Hainbuche, 142Eiche, DBrrke, 10 Kirjmbaum, 7 Elsbeere, 2 Akazie, 7 Awe, 18 Kiefer, 7 Lärche, 115 Fichte: Kniivvelreiser Nm.: 71 Buche, lo Eiche; , Neiscr gcw. Nm.: 257 Buche, 22Eiche, 3Larche, 133 Fichte du ganzer Läpgep Stöcke gew. Nm.: 185 Buche, 5 Elche, rO Fichte: Stöcke zerkl. Nm.. 11 Buche. Zusammenkunft: 10'/. Uhr norm, am Schnittpunkt von Taubenwcg mit Kreisstrafte Nainrod—Eichelsackicn. Borgezeigt wird nur das im Gichelsächser Auerberg und Lännsbach 14 und 16 sitzende Holz. Das übrige bittet man sich vorher anzusehen. Holz mit blau unterstrichenen Nntmnern ivird nicht ausgeboten. Nähere Auskunft durch Grohh. Forstwart Schott zu Schotten. Schotten, den 31. März 1913. Groftherzogliche Oberförslerei Schotten. Sei del. D2/< Um nicht minderwertige Nachahmungen zu erhalten, achte man stets auf den Namen „Dl*. ■ I Verschiedene dem Hause. [02344 Kaplansgasse 27 L 03-523 gestellt. ricvtcn erbeten 02542] chottsirafte 17. elterSweg 70. 2220. Aut Teilzahlung j Möbl. Zimmer forberunnen an '2184 Gartenmöbel 2357 Blcichstrafte 15. zu vermieten 02504 Äivbelfabrik. 2196 tagsüber gesucht. 02590 Seltersweg 812/i0 III. Diezstraftc 15 I. [02539 Sommer daselbst. 1888 stehend in 02637 B. Nuhn, Lollar. 214 Alte Weinflaschen gesucht. 02652 | Läden u. dgi.| kauft fortwährend schrank. 1 Küchen- * i b 2 Küchen- S tühlen. (a7< tisch. stählen. Schneiderlehrling zu vermieten. 02621 9läherec> Seilersiveg sucht 2162 JJttmann Ein Jnnge der die Metzgerei erlernen will, kann sofort eint icicn -*lsP 11 Solföge 02525 Theorie Rhythm. 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