Nr. 140 Trscheinl täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Gießener Fam^ienblätler" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Mittwoch, 18. Juni 1913 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejsen 163. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der Drüblsichen Umversitäts - Buch- und Steindruckercl. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- ftrnße 7. Expedition und Verlag: ^IKbl. Redaktion: e=8® 112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 163. Sitzung, Dienstag, den 17. Juni. Dm Tische des Bundesrats: v. Heeringen. Präsident Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. mw teilt mit, daß er mit dem Vorstande des Reichstags dem Kaiser die Glückwünsche des Hauses überbracht habe. Der Kaiser habe in seiner Antwort auf ein bereits früher von rhm gebrauchtes Wort hingewiescn: „Ein Reich, ein Voll ein Gott!" Der Abg. v. M a l s e n (Zcntr.) ist verstorben. die zweite Lesung dec Mehrooriage. (Fünfter Tag.) Die Aussprache wird bei der Dauer der Dienstpflicht fortgesetzt. Die Sozialdemokraten beantragen, die Dienstzeit auf e i n Jahr zu beschränken. Die Fortschrittler fordern eine •C FJ 3 u V fl der Dienstzeit und eine Erweiterung des Einjährig-Freiwilligen-PrivilegS, bcsondexs auf Grund hervorragender Turnleistungen. Abg. Graf Praschma (Zentr.)r Eine Herabsetzung der zweijährigen Dienstzeit ist undurchführbar. Die Kritik des Abg. Gradnauer an der Institution unseres Einjährigen-Privilegiurns war unberechtigt. Diese Einrichtung hat sich gut bewährt; wir sind daher auch für ihre Erweiterung. Abg. Nehbel (Kons.): Auch wir sind für eine Erweiterung des Einjährigenprivilegs, aber keineswegs für eine allgemeine Verkürzung der Dienstzeit. Die Söhne unserer kleinen Bauern dienen gern ihre drei oder gar vier Jahre. (Widerspruch bei den Soz.) Dafür haben Sie (zu den Soz.) ja kein Verständnis. (Lachen bei den Soz.) Wenn unsere Bauernjungen auf Urlaub kommen, sind sic stolz darauf, des Königs Rock zu tragen. (Erneuter lärmender Widerspruch b. d. Soziald.). Das ist Ihnen natürlich sehr unangenehm. Entsprechend der besseren körperlichen Ausbildung der Jugend eine gesetzliche Verkürzung der Dienstzeit vorzubereiten, ist ganz ausgeschlossen, so lange unsere Nachbarreiche eine längere Dienstzeit haben. Bei einer einjährigen Dienstzeit würden wir nichts als undisziplinierte, zur Kriegsführung ungeeignete Haufen bekommen. Kriegsminister v. Heeringen: Die beiden Herren Vorredner haben schon eine Reihe von Momenten, die gegen eine Verkürzung der Dienstzeit sprechen, angeführt. Wenn der Abg. Dr. Gradnauer sagt, die Verkürzung der Dienstzeit sei ein Mittel für die Einschränkung der Rüstungen, so mutz ich entgegnen, daß das ein sehr untaugliches Mittel ist. Alle Mächte, die sich dazu verstehen, die Dienstzeit herabzusetzen, also die Qualität ihrer Soldaten herabzusetzen, werden zweifellos gezwungen sein, in der Quantität in die Höhe zu gehen. Wenn die ganze Bevölkerung wehrfähig gemacht wird, so verursacht das ganz erhebliche Mehr- kosten. Es sind dann im Ernstfälle eine Menge Vorbereitungen nötig, wie bas Aushändigen der Waffen, die Verpflegung usw. Die Kosten wachsen damit ganz erheblich. Die Sozialdemokraten wollen ja auch ganz etwas anderes mit der Verkürzung der Dienstzeit. Der „Vorwärts" hat es einmal offen ausgesprochen; er schrieb: Die Miliz ist vor allen Dingen eine politische Forderung, nicht eine ökonomische; wir fordern sie im Interesse dec Demokratie, um die Macht der Regierung zu schwächen. Also Sie (z. d. Soz.), wollen eine Herabsetzung der Leistungsfähigkeit und der Zuverlässigkeit der Armee. (Unruhe b. d. Soz.) Sie wollen die Negierung schwächen, aber tatsächlich schwächen Sie die Sicherheit des Vaterlandes damit. (Erneuter Lärm b. d, Soz.) Wenn unsere Armee heute und hoffentlich für alle Zeiten ein zuverlässiges Werkzeug für die Sicherheit des Vaterlandes ist, so beruht dies nicht darauf, daß die Disziplin durch Schrecken und Furcht eingehalten wird, sondern es beruht auf der sachgemäßen Erziehung, die den Leuten zuteil wird. Die Ausbildung beschränkt sich nicht allein auf das Lernen von Schießen und das Exerzieren usw., die Leute müsien dazu erzogen werden, daß sie ihren Führern willig folgen. Diese moralischen Eigenschaften, die der Soldat unbedingt haben muß und die der Armee auch in schwierigen Zeiten zum Siege verhelfen, sind nicht so einfach in die Massen hineinzubringen, das erfordert eine lange Spanne Zeit. Das muß um so mehr einleuchten, als wir unsere Friedensausbildung nicht aus dem Grunde so lang bemessen, weil wir den Soldaten innerhalb seiner aktiven Dienstzeit zum Soldaten machen wollen, sondern weil wir ihm eine Ausbildung geben wollen für die lange Zeit des Beurlaubtenstandes, damit er im Falle eines Krieges sofort mit Erfolg gegen den Feind geführt werden kann. Der Abg. Gradnauer hat gemeint, wir brauchten die zweijährige Dienstzeit, um die Armee auch bei inneren Unruhen verwenden zu können. Die Armee ist sich allerdings bewußt, daß sie in ernsten Zeiten unter Umständen das Rückgrat des Staates bilden muß. Tie Armee hat unbedingt die Aufgabe, die Leute zur Treue zu König und Reich und Fürst und Vaterland zu erziehen. Eine Abwehr gegen Bestrebungen, die dem entgegenwirkeii, ist keine Provokation, das ist eine einfache Erfüllung selbstverständlicher Pflicht. Die Verwendung unserer Armee für innere Zwecke spielt Gott sei Dank eine sehr geringe Rolle. Ich glaube, es gibt fein Land, wo die Armee so wenig bei inneren Unruhen verwendet wird lüic Deutschland. Gegen eine Verkürzung der Dienstzeit sprechen aber noch weitere Gründe. In der Einstellung alles Parademäßigen sind wir ja bereits an die Grenze des Möglichen gegangen. Aber als Mittel zum Zweck, um das Beherrschen großer Menschenmengen zu ermöglichen, sind solche parademäßigen Hebungen auch beute noch durchaus am Platze. Eine Parade gibt einen guten raschen Ueberblick über die Truppenmassen. Daneben bilden sie — das sollte man nicht ganz unterschätzen — auch eine Art von Volksfe st. (Gr. Heiterkeit links.) Man muß auch auf diese Aeutzerlichkeiten Wert legen. Die Resolution der Fortschrittlichen Volkspartei, die die Periode zwischen der Entlassung der Reserven und der Einstellung der Rekruten vergrößern will, ist nicht annehmbar. Jetzt werden die Reserven in der zweiten Hälfte des September entlassen und die Rrkruten werden in der ersten Hälfte bezw. Mitte Oktober eingestellt. Eine längere Zwischenpause ist nicht möglich. D:e Hauptstärke des deutschen Heeres liegt in einer soliden gründlichen Einzelausbildung. Wenn wir daran rütteln, rütteln wir an den Grundpfeilern unserer Armee. Heber die fortschrittlichen Anträge, die eine Verkürzung der Dienstzeit entsprechend der besseren körperlichen oder geistigen Ausbildung des Volkes fordern, bin ich mir nicht ganz klar, ob diese Ausbildung heute schon als vorhanden gelten soll oder ob das erst für die Zukunft zutreffen würde. Im ersteren Falle würde ja auch die Bestimmung über den Turnunterricht eigentlich gegenstandslos sein. Heute besteht eine derartige Ausbildung in dem wünschenswerten Maße noch nicht. Die Sache ist also ivohl noch nicht spruchreif. HebrigcnS ist ein guter Turner noch lange nicht nn guter Soldat. Dieser muß ein guter Schütze sein oder sonstige soldatische Eigenschaften haben. Wer soll übrigens bestimmen, daß die bessere Ausbildung vorhandeii ist, die Schule oder die Militärbehörde? Die Praxis der freisinnigen Anträge würde eigentlich nur eine Vermehrung der Einjährigfreiwilligen ergeben. Wir haben in der letzten Zeit auf den sogenannten Künstler Paragraphen größeren Wert gelegt und danach die Berechtigung zum Einjährigendienst gegeben. Bei aller Wertschätzung des Turnens muß doch hervorgehoben werden, daß der Handwerker ober Künstler, der etwas Hervorragendes leistet, für seine Umgebung immer ein Sporn zur Nachahmung sein soll, der Turner aber kommt nur für sich allein in Betracht. Außerdem, wer soll festsfellen, was „erwiesene", hervorragende Leistungen im Turnen sind? Wenn der Abg. Gradnauer das Institut der Einjährig-Freiwilligen überhaupt abschaffen will, so ist doch entgegenzuhalten, daß die Ausbildung einer kleinen Anzahl durch ausgesuchtes Ausbildungspersonal unter besonders günstigen Verhältnissen etwas leichter liegt, als die Ausbildung einer Kompagnie mit achtzig und mehr Rekruten. Außerdem tritt durch die öfteren Hebungen des Beurlaubtenstandes ein gewisser Ausgleich ein. Ferner würden die Kosten eine Mehrausgabe von etwa 24 Millionen betragen. Schließlich sprechen auch organisatorische Gründe gegen die allgemeine Einführung der Einjährigendienstzeit. Wir müssen unsere Friedenspräsenz in aller Stärke beibehalten. Wir brauchen sie auch im Frieden, denn nur so können wir die genügenden Cadres erhalten. Frankreich will die dreijährige Dienstzeit, tveil die schwachen Friedenseadren nicht mehr zur Ausbildung genügen. Die schwachen Cadres würden bei einer Mobilmachung die Bezirkskommandos derart belasten, daß sie zusammenbrechen würden. Es geht auch nicht an, bei den heutigen gespannten politischen Zeiten an der Grenze die Mannschaften des Beurlaubtenstandes heranzuziehen. Was würde da die Folge fein? Der Krieg! Wir müssen deshalb die Armee so organisieren, wie es am ersten Tage eines Krieges ii o t wendig ist. Auch würden bei der einjährigen Dienstzeit zurzeit der Entlastung der alten Mann- schaften eigentlich nur die Offiziere und Unteroffiziere zur Stelle sein, so daß wir bis zur bollen Ausbildung der Rekruten wehrlos wären. Tas ist aber unmöglich. Herr Tr. Gradnauer hat sich ferner auf die kürzere Dienstzeit der Serben und Bulgaren berufen. Ohne unsere deutschen Soldaten herabzusetzen, muß doch gesagt werden, daß die Bulgaren und Serben viel mehr Naturvölker sind als wir, daß sie gewisse physische Eigenschaften mehr haben als unsere Soldaten. Die Leute sind abgehärteter, brauchen die Nahrung nicht, kannten starke Märsche und dann zogen sie in diesem Jahre begeistert in den Krieg gegen den Erbfeind. Und gegen ein Heer, das eigentlich nur ein Rekrutenheer war, in Entwicklung begriffen, von dem eine Anzahl kaum ein Gewehr in der Hand gehabt hatte und ganz unausgebildet war. Man hat dann auf die Schweiz zurückgegriffen. Ich möchte hier die Neußerung eines schweizerischen Offiziers anführen. Er sagt, die 9lcgicrnng eines Landes, das nach feiner Größe und feinen fpnjtigen Verhältnissen zur offensiven Kriegführung verpflichtet ist, und aus irgendwelchen Gründen es unterläßt, ein solches Heer sich zu erhalten, versündigt sich gegen ihr Volk und namentlich gegen b i c Arbeiter des Landes. Für die Offensive sind aber Milizen ungeeignet, und Deutschland muß den Krieg offensiv führen. Es braucht daher eine gut ausgebildete Armee im Frieden, die auch in dec Mobilmachung bestehen kann. Ich kann nur auf das dringendste bitten, alle Anträge auf Verkürzung der Dienstzeit abzulehnen. Die jetzige Zeit ist nicht angetan, derartige Experimente zu machen, von der die verantwortlichen Leiter der Armee meinen, daß sie zum Ruin des deutschen Heeres führen würden. (Beifall rechts.) Abg. Licsching (Vp.): Ich spreche nicht nur die Hoffnung, sondern die Erwartung aus, daß unsere Resolutionen Annahme finden werden. Es war hoffentlich nur eine Entgleisung, was neulich der Reichskanzler und heute der Kriegsminister gesagt haben. Der Kriegsminister hat ja vor einigen Tagen erklärt, daß er die Resolutionen genau prüfen wird, daß er sie nicht ohne weiteres ablehnen wird. Der Wert der Resolutionen hängt wesentlich ab von der Stärke des Willens des Parlaments. Die Resolutionen sollen so gefaßt sein, daß sie den ernsten Willen bekunden, sie auch durchzusetzen. Die große Zahl der Resolutionen ist der beste Beweis, daß sie von der Militärverwaltung so sehr unerfüllt bleiben. Wir haben jedenfalls den nachhaltigen, ernsten Willen, auf die Durchführung der Resolutionen zu drängen, wir würden sonst die Konsequenzen beim Etat ziehen müssen. Was die Miliz betrifft, so würde es den Leuten gar nicht lieb fein, wenn sie alle Jahre aus ihrem Erwerbsleben herausgeristen werden. Etwas anderes ist es, wenn Leute, die durch Fachschulen, z. B. Bangewerksschulen gegangen sind, Vergünstigungen in der Dauer der Dienstzeit erhalten. Wir wünschen eine Erleichterung und Abkürzung der Dienstzeit für das stehende Heer durch spätere Einstellung oder frühere Entlastung der Mannschaften, und weiter, daß eine gesetzliche Verkürzung der Dienstzeit, entsprechend der besseren geistigen und körperlichen Ausbildung der Jugend vorbereitet wird. Gewiß, es soll vorerst „vorbereitet" werden. Der Kaiser hat ja dieser Tage das als seine Ansicht ausgesprochen, daß eine bestere Ausbildung der Jugend organisatorisch erfolgen soll. Es kommt nur darauf an, daß eine starke Mehrheit sich im Reichstag für diese Resolution zusammenfindet; das ist dann nicht die Limonade, von der die Sozialdemokraten reden. Sie spotten ja über alle, die nicht ihrer Anschauung sind; aber wenn wir Ihre Zwischenrufe von Ihren Bänken hören, müsien wir die Anschauungen, die dabei oft zum Ausdruck kommen, als Zeugnis für unsere Stellungnahme nehmen. 2Tba. Schultz-Grsurk (Soz.): Ter Kriegsminister sagt, ihn gehe die Jugenderziehung nichts an, das sei Sache anderer Restarts. Aber, wenn er will, kann er bei feinem Einfluß erfolgreich wirken. Er vertritt den Standpunkt des Berufsmilitärs, des Zunftmilitärs, der mit der bisherigen Heeresorganisation verwachsen ist. Wir können seinen Standpunkt begreifen, aber wir werden uns von ihm nicht abschrecken lasten; die militärischen Sachverständigen sollten etwas mehr Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse des Lebens. Wenn Sie uns bekämpfen, sind es nichts als politische Gründe, ungerecht politische Maßnahmen. Der Reichskanzler ist zum Generalleutnant b cf ö r b c r t ; hat da der KriegSminister mehr Respekt vor ihm bekommen? Vor einem anderen Mann hat der Kriegsminister mehr Respekt, von dem läßt er sich auch militärisch lvaS sagen, der nicht mal die Gefreitenknöpfe hat: Erzberger; und Herr Häusler, der leider hier selten spricht, hat einen berufsmilitärischen Blick und Vorbildung, aber er hat sich auch einen Blick für das andere Leben bewahrt. Aber dann freilich heißt es, er versteht von den Dingen nichts! Jahr für Jahr tritt der KriegSminister mit einer neuen Militärvorlage hervor, und jede ändert, und die jetzige erschüttert und wälzt das ganze bisherige Glcfügc um. Wenn die Söhne der Reichen nur c i n Jahr zu dienen brauchen, bann muß auch für die Armen ein Jahr Dienstzeit genügen. Wenn das Privileg dos Einjährigenbicnsles, das jetzt etwa 5 Proz. des Volkes zugute kommt, erweitert wird, so daß es 6 bis 7 Proz. der Bevölkerung erhalten, bann bleibt cs für die übrigen 97 Proz. um so mehr verrammelt. Man soll schon in der Schule die Erziehung so einrichten, daß die jungen Leute einen großen Teil der Eigenschaften schon besitzen, die für den Heeresdienst notwendig sind. Dann brauchen wir nicht mehr als ein Jahr. Wir verlangen, daß die ganze Jugendausbildung gesetzlich geregelt wird; die privaten Bestrebungen aus, diesem Gebiete lehnen wir ab, vor allem den Jungdeutschlandbund, der geradezu eine Karikatur auf die Erziehung zur Wehrhaftigkeit ist. Blücher konnte einst sagen, cs sei der Ruhm Preußens, daß man nicht weiß, wo der Bürger aufhört und der Soldat anfängt. Heute aber richtet man Schranken zwischen Bürgertum und Soldatenstand auf, die nicht zum Vorteil des Ganzen beitragen. Kriegsininister v. Heeringen: Es ist richtig, daß militärisch das Einjährigenprivileg nachteilig wirkt, weil cs die Ausbildung schwieriger gestaltet. Aber daneben hat cs doch auch große Vorteile, da in die einzelnen Hceresabtcilungcn Leute mit größerer Bildung und höherer Intelligenz verteilt werden. Ich habe nie behauptet, daß wegen der Paraden die Dienstzeit länger sein müsse als cs sonst nötig wäre. Es ist doch selbstverständlich, daß die Herabsetzung der Dienstzeit eine weniger gute Ausbilduiig zur Folge hat. Im jetzigen Moment an die Herabsetzung der Dienstzeit heranzutreten, würde aber zweifellos noch schwieriger sein. Die Heeresvorlage will doch eine Stärkung der Armee, damit aber wäre die Ber- türzung ber Dienstzeit in direktem Gegensatz. (Zustimmung rechts.) Ausschlaggebend muß der Gesichtspuntt sein, daß die Armee im Ernstfall den Aufgaben, die an sie herantreten, auch wirklich gewachsen ist. Wenn es nach den Herren Sozialdemo, freien ginge, dann müßten wir unter den Soldaten erst ab- stimmen lassen, welche Vorschriften nötig sind und welche nicht. Aber in einer Armee kann doch nur ein Wille herrschen, sonst versagt sic. (Lebhafte Zustimmung rechts.) In der deutschen Armee sind Offiziere und Mannschaften eng aneinanbergefettet. Das haben erst in jüngster ZeU bic Kämpfe in A frika gezeigt. So liegen die Verhältnisse überall im deutschen Heere, nicht, wie es sich die Herren Sozialdemokraten in ihrer Phantasie ausmalen. (Sebr gut! rechts. Unruhe b. d. Soz.) Unrichtig ist die Behauptung, daß die Ausbildung der Rekruten jetzt eine andere ist wie in den Vorjahren. Die Idee, die Rekruten monatelang in der Kaserne einzusperren und sie nur auf dem Exerzierplatz zu drillen, ist längst überwunden. Wir wissen ganz genau, daß der Mann sich von allem Anfang an im Gelände bewegen lernen muß. Das ist der moderne Standpunkt, den wir seit Jahren vertreten. Die Jugendbewegun.g und die bessere Ausbildung der Jugend ist geradezu vom Kriegsministerium ausgegangen. Ich will gar keinen Anstand nehmen zu erklären, daß viele der vom Vorredner geäußerten Gedanken und Anregungen richtig und nützlich sind. Aber wenn er dir sozialdemokratischen Jugendvereine als die bestell preist, so kann ich ihm darin nicht beipflichten. Ich kann es nicht billigen, daß die Jugendbewegung mit politischen Zwecken verbunden wird. (Lebhafte Zustimmung rechts. Große Unruhe b. d. Soz.) Ter Vorredner hat eine Menge Artikel von Generälen verlesen, die ihm jetzt plötzlich als Autor täten gelten, weil sie mit ihm übereinftimmen. (Heiterkeit.) Ich muß feststellen, daß bei der Jugendbewegung nicht Soldaten- spielcrei die Hauptsache ist, sondern, de körperl'che und geistige Ausbildung. Die Statuten des Jungdeutschland-Bundes stellen als Ziel hin, die Jugend wehrhaft und wahrhaft zu machen; zur Ordnung und zum Gehorsam zu erziehen, der Armee das Herz der Jugend zu wahren. (Zuruf der Soz.: Ist das nicht politisch?) Neu, meine Herren, das ist nicht politisch; diese Ziele rann ich vollständig unterschreiben. Wenn von einzelnen S ch a u m s p r i tz e r n darüber hinausgegangen wird, so dürfen Sie nicht die ganze Bewegung dafür verantwortlich machen Nicht auf die Verherrl chung des Kr:eges kommt cs dem Jungdeutsch. land-Bund an, sondern auf die Lpferwilligkeit und die Allgemeinheit. Daß die Sozialdemokratie nicht damit einverstanden ist, Heer und Volk zu verbanden, das kann ich ihr nachfühlen, aber ich kann nur sagen, daß wir dem Generalfeldmarfchall von der Goltz nur dankbar sein können, daß er sich an die Spitze dieser Bewegung gestellt hat. Ich wünsche dem Bunde weiter gutes Gedeihen. (Lebhafter Beifall rechts. Unruhe b. d. Soz.) Abg. Koch (Vp.): Die Ausdehnung ber Berechtigung zum Einjährig-Freiwilli. gen-Dienst ist einfach eine Forderung der Gerechtigkeit. Mindestens sollten sie die Fachschulen, Bangewerksschulen und dergleichen erhalten. In derselben Weise sollten auch die anderen Schulen des Mittelstandes gehoben werden. Heute müßte er seine Kinder auf die höheren Schulen schicken zum Nachteile des Handwerkers und Gewerbe, die auf diese Weise keinen Nachwuchs haben. Auch bic höheren Schulen klagen über ben Ballast, ber ihnen durch baS Berechtigungswesen zugeführt wird. Bei mehr Einjährigen ist auch ber Offizierersatz bester gebeckt. Die Söhne unserer Bauern bienen heute noch gerne freiwillig. Abg. Dr. Luarck (Soz.): Die Debatten sind eine große Enttäuschung für bas Volk. Man häuft ihm neue Lasten auf, aber auch bc liberale Linke weiß dafür nicht politische Freiheiten wie die einjährige Dienstzeit cinzutauschen. Man begnügt sich mit ver- wässerten Resolutionen. Tie Militärverwaltung fühlt sich als das Ressort, das auf die Allg-emcininteresien überhaupt keine Rücksicht zu nehmen braucht. Eine Kollegialität zwischen Gemeinen und Offizieren besteht nicht, wie her Kriegsminister behauptet. Im Feldzuge gegen Frankreich mag sie während der Not bestanden haben, aber nach dem Feldzuge war es mit der Kameradschaft vorbei, da haben die Offiziere die Mannschaften wieder geschuriegelt. KriegSimmftet v. Verrinnen: SBfnn der Abgeordnete Dr. Quarck behauptet, eine Kollegialität zw.scheu Len Off.zicrcn und Gemeinen hätte nur während des Feldzuges in der Not bestanden, sie bestehe aber heute nicht mehr, so mutz ich daS al? eine Seiet'-igung des deutschen Ossi- zierkorps ansehen, das 1870(71 Gut und Blut für das Vaterland eingesetzt hat. (Unruhe b. d. Soz.. lebhafter Beifall rechts.) Abfl. Anveil (Soz.): Auch die Gemeinen haben 1870 ihre Pflicht getan. Was mein Kollege Qnarck behauptet hat, ist durchaus richtig. Eine Kollegialität zwischen Offizieren und Gemeinen kann solange nicht bestehen, solange nicht die Beschimpfungen und Mißhandlnn- gen der Soldaten aus der Kaserne verschwinden. (Sehr richtig b. d. Soz.) Krieflsmmrfter b. Heerrnqen: Nicht deshalb habe ich angeführt, bog die deutschen Offiziere 1870*71 ihr Gut und Blut hmgegebcn hätten, um damit zu sagen, daß der deutsche Soldat cs nicht getan hätte. Aber es ist selbstverständlich, baß in jebcr Not und Gefahr der Offizier seinem Untergebenen vorangeht, nnb bas; das 1870-71 so gewesen ist, zeigt der Prozentsatz der gefallenen und verwundeten Offiziere, der erhel-lich höher war, als der der Mannschaften. Wenn gesagt wird, das; deshalb ein anderes Verhältnis zwischen Offizieren und Soldaten nach dem Feldzüge eingetreten sei, weil der Offizier d« nichts mehr zu befurchten hatte, dann fehlen mir die parlamentarischen Ausdrücke für solche Behauptung. (Großer Lärm bei den Soz., Beifall rechts.) Der deutsche Offizier fürchtet überhaupt nichts. (Lachen bei den Soz., erneuter Beifall rechts.) Wenn etwas anderes behauptet wird, so- ist das nach meinem Empfinden nicht nur eine Beleidigung dcL Ofsizierkorps, sondern auch eine Beleiht» ß u n g des- deutschen Soldaten, die ich zurückweisen muß. (Lebhafter Beifall rechts.) Damit ist die Besprechung über das Kapitel „Dauer der Dienstpflicht" beendet. Der Präsident teilt mit, daß wegen des schwach besetzten Hauses bre Abstimmung über Artikel la erst -morgen stattfindet. Das Brrrschemvesen. Abg. Stücklen (Soz.) begründet den sozialdemokratischen Antrag, einen Artikel IC ein- zusügen, wonach, die zum Militärdienst eingezogenen Mannschaften nicht zu häuslicher, Dienstleistungen verwendet werden dürfen. Es werden jährlich 30 000 Mannschaften als Burschen eingestellt. Das beweist, daß die heutige Dienstzeit viel zu lang ist. Die Bestimmungen, die dw Tätigkeit deö Burschen regeln, sind teilweise geradezu lächerlich Eine geht z. B dahin, daß sic die Nachtgeschirre sauber satten müssen. (Lärm rechts, Zuruf: Unerhört!) Ja, Herr Nehbcl, Sie finden c5 also auch unerhört, daß den Burschen so etwas zu- gemutct wird. (Abg. N ehbel: Nein, daß Sie so etwas hier Vorbringen I) Ich trage cs nur vor, um zu beweisen, zu welchen Diensten der Bursche verwendet wird. Der Redner trägt unter großer Heiterkeit eine große Reihe von häuslichen Dienstleistungen vor, die die Burschen zu verrichten haben. Wenn die Militärverwaltung behauptet, daß die Soldaten trotz einer solchen Fülle von Dienstleistungen eine volle Ausbildung genießen, dann ist das ein Beweis, daß die zweijährige Dienstzeit viel zu lang ist. Die Zeugoffizicre sollen jetzt keine Burschen mehr bekommen, dafür aber eine Entschädigung. Gegen eine derartige Entschädigung wenden wir uns, denn ein Recht, das nicht besteht, kann nicht abgelvst werden. Außerdem will die Militärverwaltung damit die Zeugoffizicre nur gegenüber den anderen Offizieren herabsetzen. Wir wollen, daß die Burschen sämtlichen Offizieren entzogen werden, aber ohne Entschädigung. Mit demselben Rechte könnten schließlich auch die Assessoren kommen und. Diener ver- langea. (Beifall b. b. Soz.) Generalleutnant Wandel: Der Vorredner hat hier wicber dieselben Nnrichtig- feiten vorgetragen wie schon in der Vudgetkommission. Es ist vor allem nicht richtig, daß jährlich 30 000 Burschen eingestellt würden. Die Leute, die zu Burschen genommen werden, haben eine einjährige volle Ausbildung (Stufe bei den Soz.: Na alsol) und müssen noch während des zweiten Jahres, wenn sic Burschen sind, innerhalb der Kompagnie ihren Dienst tun: sie muffen zu den Schießübligen, stc gehen mit in das Manöver und auf die Truppenübungsplätze usw. Daß den Offizieren Burschen zn- stehen, hat selbst der Reichstag anerkannt. Tenn in dem Mrlitar- pcnsionsgrsetz für Offiziere suchet sich die Bestimmung, daß bei der Seredjnung der Pension den Offizieren eine Entschädigung von fünfhundert Mark für die ihnen zu steh en de Bedienung zuzubilligen ist. Es hat sich kaum jemals ein Mann g e • weigert, Bursche zu werden. (Sehr richtigI rechts. Lachen bei den Soz.) Die Burschen denken auch stets mit größter Freude an ihre Durschcnzeit zurück. Die Zeugoffiziere sollen auf ihren eigenen Wünsch anstatt der Burschen eine Eutschäd gnng eichaltcn. Sic begründen das damit, daß sie von den Burschen doch nicht viel hätten, weil diese viel Dienst tun müßten, daß sie ein eigenes Zimmer für die Burschen mieten müßten und daß sie ohne ein Dienstmädchen doch ncht anskoimnen könnten. Daß tnele Offiziere zwei Burschen haben, wie 'fror Vorredner behauptet, ist der Militärverwaltung nicht bekannt; jedenfalls ist es schon seit langem verboten. Die Miiitärverlvaltnng bedarf durchaus nicht einer Mahnung nach der Richtung, daß ci'ae Verringerung der Burschen stattfinden soll. Wir haben ja fein Interesse daran, daß die Zahl der Burschen vermehrt werd, wir wünschen im Gegenteil selbst, daß bi-c Zahl möglichst niedrig bleibt. Wir werden dahin auch wirken, ohne daß ein besonderer Paragraph in das Gesetz ausgenommen wird. (Beifall rechts.) Abg. b. Graefe (Kons.):' Soweit die Rede des Abg. Stücklen ernst zu nehmen wär, hat General Wandel bereits geantwortet. Aus das Humoristische darin zu erwidern, entspricht nicht dem Ernst der Stunde. Wir lehnen die Anträge und Resolutionen zum Vurschcn- wesen a b. Selbst die abschwächendcu Anträge der Freisinnigen enthalten Eingriffe in die militärische Gewalt, die gefährlich werden können. Abg. Graf Praschina (Zeutr.): Der Deutsche Reichstag ist nicht der geeignete Ort, solche Dmgc, wie Abg. Stücklen getan hat, vorzubringen. Warum beantragt er nicht einfach: die eingezogenen Mannschaften dürfen nicht zu Dienstmäbchenlcistungcn hcrangezogen werden. Die häuslichen Dienstleistungen sind zum Teil geradezu selbstverständlich. * Abg. Schöpflin (Soz.): Zum Stiefelputzen und zum Wecken des Herrn Leutnants sind deutsche Soldaten nicht da. Generalleutnant Wandel: DaS Durschenwescn ist nicht seltsam. Alle Nationen haben diese Einrichtung. Die Aussprache schließt. — DaS Haus vertagt sich. Mittwoch 3 Uhr: Weiterbcratung. Schluß 6 Uhr, Zur Sieuerverständigung. □ Vertin, 17. Juni. Der Mud getan sschuß des Reichstags hat seine für Dienstag an gesetzte Sitzung, in der das Besitzsteuergesetz in Angriff genommen werden sollte, aus Mittwoch verschoben, um der Verständigung unter den Vertrauensmännern der Parteien nochmals Zeit zu lassen. Inden beteiligten .streifen hofft man aber immer noch bestimmt, daß unter dem Zwang der Verhältnisse eine gemeinsame Basis für eine erfolgversprechende Beratung im Bndgetaüs schuß — das ist «jjicl und Zweck der Vorbesprechungen, nicht eine in allen Teilen durchgearbeitete Vorlage — gesunden wird. Ist das bis Mittwoch der Falt, dann wird in die Beratung des als Anlage,dem Gesetzentwurf über die Aenderungen im Finanzwesen beigegebencn Besitzsteuergesetzes cingctrcten werden. Diese Beratung dürfte.ohur besondere Schwierig- teiteii Don patten gehen bis zu den Bestimmungen, die auch das Kindeserbe heranziehen. Hier wird mit eine der wich-- tigsten Entscheidungen fallen, bon der das weitere Gelingen der Verständigung abhängt. Im Anschluß an das Befttz- stenergefetz werden sodann die Paragraphen des Hauptgesetzes beraten werden, die bekanntlich bestimmen, daß das Anlagegesetz für den Fall in Straft tritt, da st ein Bundesstaat es versäumt, bis zum 1. April 1916 eine allgemeine Besteuerung des Vermögens, des Änkommens oder der Erbschaften zur Ausbringung des erhöhten Matrikularbeitrages einzuführen. Entfprechend dem Plan der Verständigung mußten diese Paragraphen abgeleintt werden, womit natürlich auch das Anlagesetz abgelehnt wäre. Es bedürfte dann eines neuen Beschlusses, dast nunmehr das Anlagegesetz in der Fassung der stommiffion als selbständiges Gesetz in Kraft treten soll. So der Plan der Parteien, die die Z^rständigung auf der Grundlage des Zuwachs ft euergesetz es betreiben. Ob er gelingt, ist eine andere Frage. Mißlingt die Ver- stänbigung, dann kommt es in jedem Falle zum Konflikt. Beschiiesten Zentrum, Nationalliberale und Linke eine Reichsvermogensfteuer, dann entsteht der Konflikt mit dem Bundesrat, der nun einmal gleichberechtigter Faktor in der Gesetzgebung ist. Deschliesten dagegen Nationalliberale und Linke die Erbanfallsteuer gegen Zentrum und Konservative, dann ist die Wehrvorlage durch das Zentrum gefährdet. In beiden Fällen droht die Auflösung. Beim zweiten Weg, dem der Erbanfallsteuer, der von der Industrie am ersten gewünscht wird, ist aber tuet ter zu bedenken, dast dann das Zentrum beim Wehrbeitrag keine )Mcksichten mehr kennen und im Verein mit der Svzialdemvkr atie, wie der Antrag Erzberger bei den Aktiengesellschaften beweist, die alten Beschlüsse bestätigen und vielleicht neue hinzufügen wird, die Handel und Industrie schwer schädigen können. Schlich der Session de; preußischen Landtags. :|: Berkin,. 17. Juni. Tie erste Session des neuen Landtags fand hente ihren Abschluß in einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser, die etwa zwei Minuten dauerte. Allzu groß war der Andrang nicht. Von den Llbgeordneten dursten sich etwa hundert und von den Mitg'lieidem des Oberhauses gar nur einige dreißig eingefunden hoben, bngcgen waren sämtliche Mitglieder des Staatsministeriums anwesend. Sofort nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten des Herren-- l>auses, Grafen v. Wedel, erfyöb sich der Ministerpräsident v. Bethmaun-Holkweg zur Verlesung der Allerhöchsten Botschaft, durch die in geschäftsmäßigem Tone der Präsident des Staatsministeriums beauftragt wird, die Session der beiden Häuser des Landtages zu schließen. Herr v. Beth- mann-Hollweg überreichte dem Präsidenten die Urkunde und erklärte die Tagung für geschlossen. Noch eine freundliche Verbeugung zum Präsidenten mit nachfolgendem Händedruck, das übliche Hoch auf den König, ausgebracht vom Präsidenten, und Sitzung und Session waren zu Ende. Zur Streitsache Grünewald-Winkler. Gießen, 17. Juni. In dem heutigen, lediglich zur Verhandlung über den Umfang der zu beantragenden Beweisaufnahme anberaumten Termine vor dem Vorsitzenden des hiesigen Sdwffengerichts waren beide Parteien persönlich erschienen: außerdem vertrat den Privatkläger noch Herr Rechtsanwalt Schneider, Gießen, ivährenb Herrn Tr. Winkler Herr Rechtsanwalt Braß, Wiesbaden, zur Seite stand. .Für die mitverklagten Zeitungen war Herr Rechtsanwalt Tr. Spohr, Gießen, erschienen. Einleitend bemerkte der Vorsitzende, Herr Geh. Justizrat Gebhardt, daß der Zweck des heutigen Termines sei, eine Einigung der Parteien über die Vereinfachung der weiteren Vcr- Ixmblung herbeizustlhren. Gr sei der Ansicht, daß das wichtigste sei, daß man das Originalprotovoll der Kammerverhandlung zur Stelle schaffe, und daß dieses dann als Grundlage der weiteren Verhandlung dienen sollle. Tie Angelegenheiten aus dem Privatleben des Privatklägers hier zu erörtern, halte er für überflüssig. Er glaube, daß die Beweisanträge des Herrn Tr. Wintter ßu umfangreich seien, daß es tnelmclyr wohl genügen werde, wenn lebe Partei einen Sachverständigen angeben werde und das Gericht noch einen dritten von sich aus bestelle. Wenn wider Erwarten aber doch frühere Angelegenheiten des PrivatUägers, insbesondere dessen Verhälmis zu dem .Korps zur Sprache gebracht werden würden, bann müsse er sich, da er sich bereits für die eine Seite offen ausgesprochen habe, für befangen erklären. Hieraus ergriff der Privat klüger das Wort zu folgenden Ausführungen: Seine Gegner — es seien dies, zwar noch nicht alle, aber doch jedenfalls ein Teil davon die Herren, die Herr Tr. Winkler als Zeugen benannt habe — hätten von Zeit zu Zeit das Bedürfnis, ihm Gelegenheit zu geben, mit ihnen vor aller Oeffent- lichkeit eine Generalabrechnung zu halten. Seien zwar auch an und für sich derartige Verhandlungen für niemand an- genefjm, so müsse er doch sagen, er febene eine derartige Klarstellung früherer und jetziger Angelegenl^iteir durchaus nicht, ja int Gegenteil, er begrüße sie sogar. Er sei aber der Ansicht, daß diese früheren Erlebnisse — es handle sich hier vor allem nm seine Verabschiedung als Offizier der Landwehr und seinen Streit mit dem Stortz — durchaus nichts mit dem vorliegenden Prozesse zu tun hätten: lediglich der Klarstellung halber wolle er aber doch hier kurz auf diese Vorgänge eingehen. Grundlage für seine Entlassung mit schlichtem Abschied als Offizier fei folgender Vorgang gewesen: Vs junger Assessor habe er in dienstlicher Eigenschaft — als Vertreter eines hiesigen Rechtsanwaltes — bas Verleiten eines Angellagten kritisiert und kritisieren muffen. Schärfer aber als feine Ausbrückc seien biejenigen gewesen, bie in ber Berufungsinstanz sein baznaliger Chf, sowie auch der Vorsitzende ber Straffammer für bas Verleiten bes betreffenden Angeklagten gesunden hätten. Wegen feiner Ausdrücke habe ihm einer ber damaligen Angeklagten eine Forbenurg überfdürft, bie er, weil er in Erfüllung feiner Berufspflickck gehanbelt nnb weil ber Angeklagte sich mit ihm ausgesprochen gehabt habe, abgelehnt habe. Sein Verhalten habe damals die Billigung sowohl ber Anwalts ko mmer, als auch bes Ehrengerichts der alten Herren bes Korps gcfitnbeii. Er überreiche biescs Ehrcngerichtsurtcil, sowie bie in bem Militärver- jahren von seinem Berteibiger, bem späteren Lanbgerichtspräfi- benten Herzberger verfaßte Verteidigungsschrift zu den Mten. In beiden Sdjriftftip.tcn sei bestätigt, daß er verpflichtet gewesen sei, so zu handeln, wie er es getan habe. Trotzbem aber habe er den schlichten Ab schieb erhalten, nicht aber etwa wegen Satisfaktionsverweigerung, sondern deswegen, weil er einer Weisung, bie Fordern na pro forma anzunehmen, nicht gefolgt habe, bas zwar im äinnerneljmen mir seinen Freunden. Nun würde aber immer wieder und wieder von seinen Gegnern ihm jene Entlassung als Offizier vorgehalten, ja nod> in jüngster Zeit habe man sie nriebrr an das Tageslicht gezogen. Tr. Winkler habe den Borwurf ber Satisfaktionsunsähiglrit aus ihr her- gdeitet. Bemerken wolle er übrigens doch, daß aitfd'rinenb in militärischen Kreisen selbst ein Zweifel in biefer Richtung nicht bestehe: baS beweise der Umfianb, daß noch vor einigen Jahren ein Offizier bei ihm als Kartellträger erschienen sei. Ganz ebenso verhalte es sich and) mit seiner Angelegenheit mit bem Korps. Er bestreite keinen Augenblick, baß einige Herren — darunter die von Herrn Dr. Winklcr als Zeugen benannten — ihm einen Vorwurf gemaclft hätten und wohl jetzt noch madXett. Er sei aber seinerseits in der Lage, urkundlich zu belegen, baß 33 alte Herren erklärt hätten, baß er vollkommen korrekt gehandelt hätte, unb baß in biefer Angelegenheit der Fehler der um einige Tage verspäteten Stellung ber Forderung uidjt von ihm, fonbern von seinem .Kartellträger gnnacl-r worben sei, bezw. auf bie Ungunst ber Verhältnisse zurückzuführen fei. Im Geridusvetfahren hätte eine Reihe von alten Herren bies eidlich betäubet. Jedenfalls müsse man sich bock aud) über ben Widerspruch in bem Verhalten bes Herrn Tr. Winkler wundern, ber, obwohl er ihn erst habe kontrahieren lassen wollen, nunmehr erkläre, er halte ihn nicht mehr für fatisfaktivnssähig wegen biefer früheren Vorgänge. Wenn ber Herr Vorsitzende betont habe, daß bie Grunblage für bie weitere Verhandlung die Origil.alkammeroetichte sein ■mühten, so stimme er dem vollkommen zu, bebe aber hervor, baß der Gegner sich bis heute weigere, ihm Einsicht in ben unkvrrigierten Steuogrammtext zu gestatten. Merkwürbigcr-- weise habe biefem Verhalten aud- bas Präsidium der Zweiten Kmnmer zugestimmt und die Einsicht des Origiwalstenogramms abgelehnt. Ter Privatkläger ging sodann nochmals auf die Vorgänge in ber Zweiten Kammer ein unb wiederholte die Darstellung, wie wir sie seinerzeit hier im „Gießener Anzeiger" veröffentlicht haben. Desgleichen wies er auch au Hand des bekannten Briefwechsels nach, baß ihm überhaupt wegen ber Vorgänge in ber Kammer b i s heute noch Feine Forbernng von Herrn Dr. Winkler gestellt worden sei, baß er aber ar stets seinen Bevollmächtigten, Tr. Wallau, beauflagt hätte, eine Forderung, wenn sie gestellt werden würde, anzunehmen. Er nnes darauf Inn, daß seine Berater, hochangesehene Herren, deren Ehrenhaftig leit doch auch von dem Herrn Dr. Winkler nid;: ange^toeifelt werden konnte, fein Verhalten für vollkommen i'arrch hielten. Dies sollte eigentlich Herrn Tr. Winkler zum Nadzdenken veranlassen, ob er im Recht fei. Aufs schärfste fei jedenfalls zu bedauern, baß Herr Dr. Winkler den ganzen Ehrenlnrndel in der breitesten Öffentlichkeit, in der Presse, breitgetreten habe, während doch solche Angelegenheiten nid)t geeignet seien, bem Publikiun vreisgegeben zu werben: er habe feine beleidigenden Kundgebung cm mit größter Intensität fortgesetzt. Er tviederhole nodnnals, eine Klärung aller Vorgänge vor bem Forum des Geridfts könne ihm nur erwünscht fein; Herr "Tr. Winkler könne aber auch dann, wie ihnt ja warnend aus 'ben Kreisen von Landtagsabgeorbneten mitgeteilt worben sei, nicht mehr darüber im Zweifel fein, welcher Art die Strafe sei, die nad) diesen schweren Beschuldigungen ihn treffen müsse. Er habe bie ganze Angelegenheit nochmals offen zur Sprache hier gebracht, babe urftinblidx Belege angeboten, um es doch Herrn Tr.. Winklers Ritterlichkeit anheimzustellen, eine alles um = faffenbe eingehende Ehrenerklärung abzugeben. Mit einer solchen habe er auch bem Kammerpräsidium gegenüber sich einverstanden erklärt, Herr Dr. Winkler weigere sie aber unb deshalb müsse, er Sühne vor Gericht fordern. Herr Rechtsanwalt Dr. Winkler erwiderte hieraus, das; der Privatkläger der Verabredung zuwider doch den ganzen Tat- bestand hier aufgerollt habe; er müsse für sich dann bas gleiche Recht in Anspruch nehmen, obwohl er doch nur auf einzelne Punkte eingehen werde. Vorweg bemerken wolle er aber, baß ■der Herr Privatlläger durch seine Bemerkung über bie Art ber Strafe bei ihm jeden Gebauten an einen Vergleich ausge- schaltet habe. - Er betone, baß nickt er es gewesen sei, der ben Brieswechsel an bie Öffentlichkeit gebaucht habe, sondern baß ben Privatlläger mindestens die gleiche Sdpllb hieran treffe. Für ihn sei bie ganze Sache im übrigen auch keine Elirenangelegenheit mehr, sondern nunmehr zu einem politischomProzeß geworden, an bem bic Oeffentlichkeit ein Interesse nehmen müsse. Er verbreitete sich sodann im Anschluß an eine Bemerkung! des Privatklägors darüber, warum er ben Säbel für eine ritter liebere Waffe halbe als die . Pistole, ferner auch über di« Vorgänge in der Kammerverhanblung selbst. In Ungarn hätten Parlamentarier wiederholt Säbel gefochten. Er verwahrte sich schließlich bagegen, daß ber Privatlläger behaupte, das Amtsgericht Oppenheim sei ihm „gewiß nickt ungünstig gesinntt". Wenn er übrigens von biefem CRricht in dem Prozeß gegen die „Frankfurter Zeitung" wegen einer Be leibigung, die er in derselben.Rebe begangen haben solle, in befl auch die angebliche Beleibigung gegen beit Privatlläger gefallen sei, für schuldig befunden worden fei, so werbe bic zweite Instanz bieses Urteil wohl korrigieren. Sein Stenogramm gebe er absichtlich nicht heraus. Er sei zu keinerlei Rücksicht Herrn Grünewald gegenüber mehr bereit. iSr werbe aber dann jederzeit das Stenogramm zur Verfügung stellen, wenn man ihm genau präzisiere, warum man bie Vor läge desselben verlange, z. B. wenn man behaupten wolle, daß der lorrigierte Text ivefentlid}e Mänderungen von dein Ur ftenogramm enthalte. Er hebe noch hervor, daß er auf keinen Fall den Privatlläger einer unehrenhaften Handl nag bezichtigen wolle, daß er auch glaube, daß in ber Militärangelegenheil unb in ber Korpssachö ber Tatbestairb sich so verhalte, wie er vorn Privatlläger bargestellt werde. Er werde, wenn bie Beweisaufnahme ergeben habe, baß er Herrn Grünewalb Unrecht getan habe, nicht an stehen, bann fein Unrecht einzugestehen. Herr Rechtsanwalt Braß hob hervor, daß man doch heute nur über den Umfang der Beweisantretung verhandeln wolle und baß man sich ja dod) nun einig fei, baß eine Beweisaufnahme' über bic früheren Vorfälle ftattfinben müsse. Der Herr Vorsitzende habe sich ja schon selbst für befangen erklärt unb werbe htfolgcbeffon abge 1 ehnt. Nachdem nunmehr ber Borsitzenbe bes Schöffengerichts abge lehnt worben ist, wird bic weitere Verl>andlu.ng ber Sache feinem Stellvertreter anhcimfallen. Das Schöffengericht wirb sobann zu entscheiden haben, welche Zeugen und Sachverständige, zikr Vernehmung gelangen. Der P ri v at kl ä ger hob insbesondere zum Sdilusfe hervor, daß, bevor Sachverständige ernannt würden die Fragen, bie bereit Begutachtung zu unterbreiten seien, fest gestellt 'werben müßten: über die Frage, ob die Ablehnung eines zweiten Kartcllträgers, roäbreitb das Mandat des ersten noch nicht erloschen war, und eine Antwort desselben noch ausstand, gleich zu achten sei ber Stellung unb Ablehnung einer bis bahin noch nicht gestellten Forderung, bebime es leiner Exper tise: bic könne jeder vernünftige Menick entsdwidcn. Tie weitere Frage, ob bie Enllasfung mit schlichtem Abschied Satissaktionsun - fähigkeit bewirke, sei allgemein überhaupt nicht zu entscheiden. Es lomme hierbei aus den Tatbestand an, ber zur Entlassunfl geführt habe. Dieser Tatbestand, könne in einer ehrenrührigen Handlung bestehen, wenn schon in einem solchen Falle meistens ntch! die Enllassung mit schlichtem Abschied, sondern die Entsernung aus dem Heere ftattfinbe. Vorliegend sei eine Handlung die Ursache der Entlassung gewesen, die er vslicktgc mäß in feinem AnwaltSberus bewirkt habe. Es habe bisher auch noch niemand seine Satisfaktionsfähigkeit bczweisclt. Wegen ber Auswahl ber evtl, zu crncnncnbcn Experten bemerke er, baß er an deni am besten unterrichtetenDv. Bopp seß hatte, im übrigen die Auswahl dem Gerichte überlasse. Selbstverständlich werde er, ber Privat- Häger, wenn die Militär- unb Korpssadre verhanbclt würbe, ein1 große Anzahl von Zeugen angeben, da er selbstverständlich nicht zulassen könne, daß cinfeitig urteilende Gegner zur Vernehmuns gelangten. Der Prozeß wirb biernad), wenn das Schöffengericht bem - nächst bie Einbeziehung der von dem Angeklagten beundmcfcti Angelegenheiten zuläßt, einen sehr großen Umfang an nehmen, und bis zu feiner Erledigung wird geraume Zeit verfließen. Arbeiterbewegung. Stuttgart, 17. Juni. Tie elektrotechnische Firme. Robert Bosch, die kürzlich wegen des Vorgehens des Metall- arbri.terverbarrd.es alle Arbeiter aussperrte, veröffentlicht eine Erklärung, wonach sie allen iiichtorganifierteu Arbeitern die glriche Unterstziitznitg zukommen läßt, wie sie der Metallarbeiterverbaud feinen Mitgliedern gewährt. 111 Chat alter u in ME' .lN Edler v. W» w sörderung Fi Louis Ferdm< Äabe des In M 117 verie stc Oberleutu M. 168, Riem im Füs.-Regt- M 35 m bei! As Atterltt Lauenburg. F 1. Großh. tze, Batteriechef w Aegt. Str. 25, v. Dewitz, M der Militär-Li im Großh. zum Luftschtf Regt. Rr. 69 i Ein Patent K halten der Le art-Regt. Nr,, befördert: bi Großherzogin Niederfchles. ' in das 5. G Niederlahnstei Nr. 115, v. Er Hess.) Nr. 116 Regt. Kaiser Garde-Drag.-' im 2. GroK. serve beforde Fnf-Leib-Rec Ruckelshauser Hess.) Nr. 11s des Garde-D (Minz) des Großh. Hess. ** Kre- bmtng der verein eine aus erftklas geführt. Ä auf bem $o) freigenuig. g- Hung Togen in volle guten Witterun der letzten Zeit ^e Ernte sow nich ist. 0 Niddl Ellern bei uns Unegeroerein [ über das Mott: eure Gelübde/ (N zu einen lin niusikaljschl unb die Gesang gotisches Th $ie Festrede hi, '* Weimer m Meten und Wungvollei, ss ^verein wirk zahlreich be ^'serhoch ein, , Wne war. u P Von b ^.^uernte. noch ^"d'nann mit Üt^ M- ( Ware es s?"1 Plsh^ 7’" i zsnze SipK einer der 8 i 11 «»M. M u. Ui|in Mi“1 '•‘«»oll, % ,tt Otö > Äl W j Dral tL. ftcigerung. Landkreis Gictzen. Schützet unsere Anlagen! bis 17. Juni 8,3 'n Meteoro!ogische Beobachtungen der Station der Die daS ge. 16. 16. Höchste Temperatur am Niedrigste ,________„ schwungvollen Prolog Oberamtsrichter Nöinheld. Auch Turnverein wirkte durch turnerische Darbietungen mit. sehr zahlreich besuchte Versammlung stimmte begeistert in Kaiserhoch ein, wie denn die Feier eine in allen Teilen lungene war. Au- Statt und Can», Gießen, 18. Juni 1913. ** Du s demMilitärwochenblatt: Kago, Fe.icr-- werkshanptmann a. T. in Darmstadt, zuletzt bei der Kommandantur de^Tri^ppenübungs^iayes Darmstadt, wurde der Charakter als Feuer w.-Major verliehen. Die Erlaubnis zum Tragen der nachgenannten Uniform an Stelle ihrer bis hörigen Uniform erteilt: Kaltrein, dauptm. a.D. in Elster- tottba, zuletzt im jetzigen Inf.-Regt. Prinz Carl (4. Großh M) Nr. 118, der Uniform des genannten Regis. Der Charakter als Lt. fcerfielen: dem Wachtmeister a.D. Fri e s; in Mainz, früher im ictzigeu Leib-Trag Megt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24. Zu Oberstes. befördert: der Major Ritter und Edler v. Braun im Jnf.-Leib-LRegt. Großherzogin (3. Grofch Hess ) Nr. 117. Unter Beförderung zum überzähligen Major versetzt: der Hanptrn. u. Konrpagniechef v. Western Hagen im Königin-Elisabeth-Garde-Gren -Regt. Rr. 3, zum Stabe des Leibgarde-Inf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Rr 115. Zum Hom- pagiw'chef ernannt: Heimann beim Stabe des Jnf.-Leib- Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Rr. 117. Unter Be förderung zum .Hauptmann Ewald im Jnf.-Rcgt. Prinz Louis Ferdinand von Preußjen (2. Magdeb.« Nr. 27 zum Stabe des Fnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 versetzt. Zu überzähligen Hauptleuten befördert: die Oberleutnants Deist im 5. Großh. Hess. Jnf.-Rcgt. Rr. 168, Rievers im 9. Bad. Jnf.-Regt. Rr. 170, Schindler im Füs.-Regt. Prinz Heinrich von Preußen (Brandend. Rr. 35 in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Rr. 168 versetzt. Ms Batteriechef versetzt der Hauptmann v. Britzkc im Lauenburg. Feldart.-Regt. 9h:. 45 in das Großh. Art.-K., 1. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Rr. 25. Versetzt: v. Heuser. Batteriechef im Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feldart.- Regt. Nr. 25, als Lehrer zur Kriegsschule in Potsdam, v. Dewitz, Rittm. und Platzmajor in Mainz, zum Vorstand der Militär-Lehrschmiede in Hannover ernannt, v. Küchler im 'Großh. Art.-K., 1. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25. zum Luftschiffer-Bat. Rr. 1. <5h)cFe im 7. Rhein. Jnf.- Regt. Nr. 69 zum Leib-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) 9h:. 24 Ein Patent seines Dienstgrades vom 22. Juni 1913 hat er halten der Leutnant. Zühlsdorfs im 2. Großh. Hess. Feld- art.-Regt. Nr. 61. Zu Lts. mit Patent vom 17. Juni 1911 befördert: die Fähnriche Offenbacher im Jnf.-Leib-Rcgt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Schloenbach im Niederfichles. Pionier-Bat. Nr. 5, dieser unter Versetzung in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. 9h:. 168, v. Wenz zu Mederlahnstein im Leib-Garde-Jns.--Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, v. Erhardt im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Rr. 116. Zu Fähnrichen befördert: Walter im Ins. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) 9h:. 116, Licht im Garde-Drag.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, Bodcnbender im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. 9h:. 61. Zu Lts. der Reserve befördert: die Vizefeldwebel Schwöbel (Mainz) des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Rr. 117. Ruckelshausen (Gießen > des Inf.-Regis. Prinz Carl (4. Gr. Hess.) Nr. 118; die Bizewachtmeister Weber (Frankfurt a.M.) des Garde-Drag.-tRegts. (1. Großh. Hess.) Nr. 2:3, Mayer (Mainz) des Bad. Train-B. Nr. 14, Reichardt (Worms) des Großh. Hess. Train-B. 9h:. 18. ** Kreis ziegenzuchtvereinGicßeu. Zur Förderung der einheimischen Zucht hat der Kreis-Ziegenzuchtverein eine größere Anzahl Zuchttiere (Lämmer und Böcke) aus erstklassigen Zuchten der Provinz Starkenburg ein» gefichrt. Die Tiere kommen Donnerstag, den 19. d. Mts. auf dem Hofe des Oekonvmen 9debe zu Gießen zur Ver- UuiverfStats-Nachr-ichten. Marburg, 17. Juni. Ter o. Professor uni) Tirektor des ckennschen Jrgrirms 5/eij, RegieruugSrar Tr. Hart von Auwers in Greifswald ist in gleicher Agemcluft an die Univerfitat M arburg versetzt worden; er ist hier Nachfolger von Gch Rar Prof. Th. Zincke. Vie Befämpjmtg öcs Zchmntze; in wort und Bild. O Berlin, 16. Juni 1913. Ter Volksbund zur Bekämvstmg von Schmutz in Wort und Bild hielt in den Räumen des Archnektenbauses seine 8. General- versammluug ab. Ten Bericht über die Tätigkeit des Vereins er« ftnttcte Pastor Lic. Bohn. Er betonte, daß es dein Bund gelungen sei, bte öffentliche Meinung gegen die Zusendung von Schmutz- artikeln cmzuuehmeu. Tie ausländische Voruo ravhie fei durch das energische Vorgeben des Bundes ebenfalls so gut wie aus- aecoltct. Als ein weiterer Erfolg sei die Errichtung der Zentralstelle zur Bekainviung von Schmutz und Schund im Polrzei- vräsidium zu begrüßen. Es stehe ihm aber noch eine große Reihe von Aufgaben zu lösen bevor, so das Verbot von Schaustellungen unsittlicher Schritten gegen Schmutz und Schund in der versteckten Anregung n. a. in. Besonders müsse die Jugend vor dergleichen geschützt ivevöcn und die ttinderleseballen, von denen der Volks- bund bisher vier errichtet habe, und die sich großer Beliebiheil erfreuen, iveit»gefordert' iverden. — Sodanii sprach Pro'effor Tr. stark Brunner aber den auoenblicklichen Stand des Hamvfeä. Es sei erfreulich, daß sich der Bund jetzt soweit durchgefetzt habe, daß er mit den Behörden und der gesunden öffentlichen Meinung zusammen arbeiten könne. Es seien jetzt 61 internationale Polizei- Sentralflellen errichtet, die besonders gegen den Handel mit Schmutzart ileln vorqingen. Erne besonders idimere Arbeit erwarte den Bund iebodi noch in dem Kampf ne un die unsittlichen Kino- darstellungeu. Audi hier erhoffe man en Sieg lediglich durch das (£riuad)en des gesunden Geschmacks im deutschen Publikum. i-----— Speziaf-Haus für---. . [Braut* Ausstattungen \ Eigenes Atelier zur Anfertigung von Wüsche-Au.sstztlu.ige! . • Bei Ausstattungen Vorzugs - Preise 11 ' ■— -------——- n Hcsscn-Nassau. [] Marburg, 16. Juni. Zum Regierungsjubiläum sand eine a k a d e m i s ch e F e st f e i e r in der reformierten Mirdy statt, bei der ein unter der Leitung des Universitäts-Mü sildirel'torÄ Prof. Jenner stehender gemischter Chor mitwirkte und (fsen.-.^chns.- Rat .Prof. Jülicher über Thron und Mtar sprach. Morgen ickiließt sich ein Kommers der schlagenden Verbindungen an. — xer langjährige Pfarrer an der Kirclx? St. Elisabeth, Melro- volitan Manger, tritt mit dem heutigen Tage in den Ruhestand. Gestern hielt der beliebte Seelsorger seine Abschi easprcdigt und nachmittags fand ihm zu Ehren im Stadtgarten eine J-est- ltchkeit statt. fc. Höchst a. M., 16. Juni. Da von der Hengst - statioii in Kriftel, wo drei Hengste aufgestellt, auch in diesem Jahre bis jetzt von den Pferdezüchtern nicht in dem erwünschten Maße Gebrauch gemacht worden ist, soll ihre Aufhebung erwogen werden. ko. Wiesbaden, 16. Juni. Die Wahl zweier Mit- glichet und deren Stellvertreter in dem Wahlbezirk der Provinz Hessen-Nassau für die zu errichtende Zahnärzte- Kammer in Preußen findet in der Zeit vom 22. bis 28. Juni d. I. statt. g. Hungen, 17. Juni. Die Heuernte ist seit einigen Tagen in vollem Gange und wird bei der jetzt eingetretenen guten Witterung bald beendet sein. Die feuchte Witterung der letzten Zeit war dem GraSwuchs sehr förderlich, so daß die Ernte sowohl in Menge als in Güte außerordentlich reich ifL Kreis Büdingen. (7) Nidda, 16. Juni. Das Kaiserjubiläum wurde gestern bei uns durch einen Gottesdienst, an dem sich der Kriegerverein beteiligte, gefeiert. Pfarrer Werner predigte über das Wort: „Opfert Gott Dank und bezahlt dem Höchsten eure Gelübde.* Heute abend vereinigte sich die Einwohnerschaft zu einem Kommers mit Damen in Krafts Saalbau. Den musikalischen Teil der Feier hatten das Kaiserorchester und die Gesangvereine von Nidda übernommen. Auch ein patriotisches Theaterstück trug zur Erhöhung der Feier bei. Die Festrede hielt nach einer Begrüßungsansprache des Oberst z. D. Weimer und nach einem vom Oberamtsrichter Nömheld gedichteten und vom Beigeordneten Menget vorgetragenen wandern und Reisen, Bäder. ** V- H.°C. Wohl eine der schönsten und lohnendsten Wande- rnugen in der Umgebung von Gießen unternahm am Sonntag der Vogelsberger Höhen-Elub. Zweigverein Gießen, in der Stärke von 60 Teilnehmern. Bei Hellem Somie-ichem ging es von der Unterführung in der Edersttaße über Wißmar und dann burd) das Wtßmarbachtal (schwarzer Strich», das namentlich zur Zeit der Schlehenblüte einen reizvollen Anblick gewahrt, nadt dem Forst Hans WaldhauS. Ter Weitermarsch (gelber Punkt) führte durch den Buchenbühl zu dem prächtigen Ausblick nach dem Berstal und den Gladenbacher Bergen. Durch den Sauwasen, einen tieseinjdmeidenden Wiejengrunv, ging es hierauf in mäßiger Steigung Über ein Hoch- platcan, dessen Gipfel wiederum recht hübsche Blicke auf die Berge hinter Marburg und Oie der Rabenau boten, in das Salzbödener Tal. wo die .Schmelz" zu kurzem Aufenthalt cinlud. Einen guten Teil dev Salzböde aufwärts gehend, wurde bei der Steiniurtsmühle das Tal verlassen, uni, nochmals eine aussichtsreiche Höhe übersteigend, durch Lberwalgern nach dem Endziel T-ronhausen zu gelangen. Bei der Rast im Gasthof sprach der Vorsitzende den beiden Führern, die die Strecke zum großen Teil markiert und dadurch dem Wandervertthr erschlossen batten, den herzlichsten Tank der Wanderer aus. Kreis Friedberg. L. tyriebberg, 16. Juni. Zum Jubiläum des Kaisers bewegte stch ein etwa 3000 Teilnehmer -,äf>leTtber Zug burd) ine uach dem Feitplaye. Gemeinsamer (tzestrng leitete die Fest- rebe des ^wettors D. Tr. Sclwrrl cm, die mit emrm Hoch auf &enJ - , 1>cc lärloß. Wettspiele der Schuler aller Lehranstalten wechtettcn mtt turnerischen Hebungen. (Singdeitrt wurde bte 5eter “H1 norber durch einen Zapfenstreich 9£m Smmtag morgen Tanb durch bic Militärmusilsckule großes Decken statt. -r. Butzbach, 17. Juni. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr bewegte sich unter Vorantritt der Spielleute des hie- 'igen Bataillons ein stattlicher Festzug durch die Stadt, um ,n dem Zipfenwalde das Jubiläumsfest des Deutschen Kaisers zu feiern. Auf dem Festplatzc hielt Hauptlehrer -storch eine Ansprache. Hierauf begannen die Spiele für die -Schulkinder. Der evangelische Kirchenchor, der Gesangverein .OrpheuS^ und der Gesangverein .Eintracht* trugen einige Lieder vor. Am Schlüsse fand die Preisverteilung unter die Srchüler statt. Geschlossen traten die Schulkinder unter Ab- singung von Liedern den Heimiveg an. Abends von 8 Uhr ab sand die Feier des hiesigen Bataillons im »Hessischen Öof* statt. Rieder-Florstadt, 16. Juni. Gestern und heute 'eierte der Kriegcrverein sein 40jähriges Bestehen, wozu sich zahlreiche Kriegervereine aus der Wettcrau eiugefimden hatten. Au> dem Feuplatz begrüßte Vorsitzender 51 r a 6 die Kameraden, rfianletn Trant sprach ein Festgedicht, Kreisamtmann Herberg- fxrtebbcvfl überreichte die Kaiserfchleife, Vfarrer H e be r e r hielt die Festrede. Die Glückwünsche des Hcffsiabezirks Friedberg überbrachte Bezirksvorsteher Rendant DongeS-Friedberg. Starkenburg und Rheinhessen. m. £ ff en bad) a. M., 17. Juni. In der Vieberer Straße wurde der 60jährige Portefeuiller und Leichenbefchauer Merte von dem Automobil des Unternehmers B l a m überfahren. Ter Verunglückte erlitt an dem Kopf, an den Händen und Füßen schwere Verletzungen. — Die 73jäluige Frau Alarie Groh wurde durch einen Herzschlag auf der Straße sofort getötet. Worms, 16. Juni. Zur Erinnerung an das Regieruugs- jubitirum des Kaisers hat die Stadtverwaltung 70 000 Mark ge- itiftet für die Errichtung eines Fe st Platzes zur Vorführung von ^^ugenbspielen, sotvie von turnerischen und sportlichen Ver anstaltungen. — Mainz, 16. Juni. Vom 6.—13. Juli halten der Mittelrheinische und der Pfälzische Schützen- v erb and, smvie der Badische Land esschütz en verein in den Mauern der alten Moguntia ihr 2 6. VerbandS- schießen ab. <ßcrid?t»faaL . .. Darmstadt, 17. Juni. Die zweite Schwnrgerichtsperiode sur die Provinz Starkenburg hat heute unter dem Voichy des Vanb- Dr. Stein begonnen. Ter Tagelöhner Balthasar u o.' •’ n_9# l'iSher unbestraft, und der Btakler (ifcorg Schmidt, Qu8 Langen, sind des Dtemeides angeklagt, beziebnngSweife der Beihilfe dazu. H. wohnte bei einem Fabrikarbeiter Schaum, öem er einen geringfügigen Betrag zu zahlen hatte. Schaum verklagte H. und dieser leistete einen Cffenbaning8etb. Hierzu halte ibn ber Makler Schmidt veranlaßt, der in Langen als ReckUS- kousulent tätig ist, früher aber Schweinehirt war. Schmidt haue ba« Verzeichnis des Besitzes für Hosting ausgearbeitet. Erst später stellte sich heraus, daß .’DÖtling etwa 760 Alk. Vermögen halle. Er wurde oerbaftet und nad) ihm and) Schmidt. Höfling ift ein alter Veteran, der sich bisher auf ehrliche Weife sein Brok verdiente und dem von seinen Brotherren das allerbeste Zeugnis ausgestellt wird. Schmidt dagegen genießt in L'an gen den denkbar schlechtesten Ruf. Las Urteil lautete gegen Hösting auf 1 Jahr Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust: zwei fDloiinte Untersndumgshaft imtrbcn thm angerechnet Schmidt wurde zu einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 fBlonaten verurteilt. Ihm wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre aberkannt. 1 Monat wurde als verbüßt ererbtet. ' Ci1' AftV-' Müller'sche Badeanstalt. Waf i e rw arme d er La hu am 18» Juni: 17 Erste Delikatessen - und Kolonialwaren- Ausstellung Berlin 1913. Lsfizieller Bericht der Ko« lonialwaren-Woche Berlin 4. 6. 1913. Auf der Ausstellung hat besonders der Sanella-Pavillon der Sana-Gesellschaft m. b. H. in Cleve, der in einer klassischen Vornehmheit und prächtigen Tcko« ration sich wie rin Schmudkästchen präsentierte, ungeteilteste Bewunderung gefunden. Tie Sana-Gesellschaft liest es sich nick' daran fehlen, den zahllosen Besuchern Kostproben und Sanella-Ost-bach zu verabfolgen, und konnte von allen Seiten lobende Anerkennungen über die Vorzüglichkeit der von ihr hergestellten, von Geh. Medizinalrat Pros. Tr. Liebreich erfundenen Mandelmilch- Pflanzenbutter-Margarine Marke „Sanclla". entgegennehmen. Zanella ist im ganzen deutschen Reiche bekannt.__________ssl7.r, TaS stafciii der Kuhmilch gerinnt in schwer verdauliche plumpen, die der ^äugliiigsmagen zu bewältigen kaum imstande ist. -tr«1 zu diesem Nachteil noch der Umstand, daß die Mild) im Sommer leicht säuert, so rückt die Gefahr der Magen- und Darmkrankbeiteii immer naher heran. Die in Nestle s .Qinbermebl enthaltene Milch bet gesunden Alvenkühe ist bei der Fabrikation io behandelt, daß sie teinstocktg gerinnt, derartige Krankheiten verhütet und vom zartesten .Langlingsmagen vollständig verdaut und vertragen werden kann. vermischte». * Der Palmen ga r t en in Frankfurt a. M. bat feinen Sommerschmuck angelegt und besonders die Blumen- parterre-AnIogen prangen in reichem Flor der verschieden" sten Blüten- und Blattpslonzen. Man hat auch dem Re- giermtgsjubiläum Rechnung getragen; die Teppichbeete au ber Böschung vor dem Oleselljchgftshanse zeigen im Mittelst eine Kaiserkrone in erhabener Pflanzung, rechts iutb links von einem Reichsadler geschützt, die beide fein modelliert als Flachrelief auSgcführt sind. Die beiden Wappen^ schttder an den Seiten des Mittelbeetes haben auf fchwarz- weip-rotem Grunde die Zahl 25, die Seitenbeete die Initialen des Kaisers mit dem Eisernen Kreuz. Auf dem Rasenplast rechts vom Eingang sieht man in diesem Jahre ein reichhaltiges Arrangement von Palmen, Phoenix, Eha- maerops, Coeos, Dracaenen imb Arauearien. — In schönem Flor stehen die Wasserrosen in dem Teich bei den Pslanzett- schatrhänsenl, die edlen weißen, gelben, roten und rosa Blumen erfreuen den Beschauer wahrend des Tages, sie schließen sich gegen Wend, um am nächsten Morgen wieder aufzublühen. Herrlich ist der Rosengarten, wo tausende von prächttgen Rosen ihre Blütenkelche geöffnet haben und einen entzückenden Anblick bieten. Tie verschiedensten .Hlafjen von Rosen sind hier vertreten, jede in ihrer Art ein Schmuckstück für sich und die Farbentönungen zeigen, welche Mannigfaltitzleit der Königin der Blumen eigen ist. Neben den grotzblumigen Rosen find es besonders die vielblumigen oder Polvantha-Rosen, die mit ihrer Blütensülle und Reichblüttgkeit sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Platz im Garten erobert haben. In der Berwendungsart auf langen Rabatten sind sie durch ihren meist niederen, gleichmäßigen Wuchs sehr ansprechend, ebenso schön sind die an den Bäumen angepflanzten Ranlrosen, die ihre Blutendolden aus dein Geäst zu schütten scheinen. Auch die auf den Rasenflächen im Park ausgesetzten Strauchrosen blühen üppig und zieren den Garten in lpohem Maße. Gin Stranöbnb im Rhein soll an der Roltbergsmie g eich affen werden. In einer abaehaltenen Versammlung des Ver- schönerungßvereins Schierstein, der lidi nut der Au'findnug von Alittcln zur Verhütung der vielen tödlichen Unfälle beim Baden im Hafen beschäftigte, wurde beschlossen, nut der Wasserbauverwaltnng sofort in Verhandlungen zu treten, um einen Teil des fiskalischen Geländes auf der Rottbergsaue als Badeplatz zu vachten. Tas dort auzulegeude Bad soll den Eharakier eines Strandbades erhalten. Es ist begründete Aussicht auf Verwirklichung des Vlanes vorhanden, der den Wiesbadener Kurinteressen ganz wesentlid) dienen tniifte. • Das „Z w i s ch e n m ü d ch e n*. Im englischen Haushalt gibt es sogenannte tweenies oder Zwischenmadchen (aus Barries Admirablc Creif^thon wohl bekannt», die ost eine fdmnerige Er i st en z zwischen der Autorität der Köchin und der deS Lberhausmädchens führen. 'Ulan erzählt vom Vater des jetzigen Erzbischofs von önnterburn, das; er einmal die Trevve seines Hauses herabkam und em ihm unbekanntes weibliches Wesen traf, das hinaufging. „Wer sind Siefragte er. rPleasc, Sir, ich bin das Zwischeu» madchen zwischen der. Köchin und dem Hausmädchen." Ter alte Herr sah sie stumm an. „Tann sei dir Gott gnädig," sagte er und ging weiter. Verantwortlich für „Aus Stadt und VanD" i. V.: K. Neurath. 0 Von der Nidda, irn Juni. Wir stehen im Zeichen der Heuernte. Solch ein Bestand an Gras ist in unseren Wiesen noch selten gesehen worden. Ueberhaupt steht infolge der günstigen Witterung alles im Felde so prächtig, daß der Landmann mit Freuden seine Arbeit tut. Auch der Stadter freut sich; er hofft ein Sinken der Milch- und Butterpreise. 9iecht wäre es, wenn eS geschähe, denn die ewige Klage über hohe Futterpreise wurden stets als Ursache der hohen Milch- und Butterpreise angeführt. Von Obst gibt es Zwetschen und Mirabellen, auch hie und da Aepfel. Tie Raupen haben an manchen Plätzen eine ganz furchtbare Verheerung an den Bäumen angerichtet, manche Bäume stehen ganz kahl. Eine ernste Mahnung: Schützet die Singvögel und schafft ihnen 9?istgelegenheit! Kreis Lauterbach, ~ Lauterbach, 16. Juni. Seit ungefähr 3 Wochen treibt hier ein Hund (?) während der Nacht sein Unwesen, indem er den Kaninchenzüchtern Besuche abftattet und deren ganze Bestände vernichtet. So wurden einem Züchter in einer Nacht 8 wertvolle Tiere totgebissen. Einem andern, der tags zuvor 2 Zuchtkaninchen für teueres Geld aus Belgien bezog, stieß dasselbe Unglück zu. Im ganzen sind jetzt' etwa annähernd 200 Kaninchen, darunter eine große Anzahl wertvoller Exemplare, dem Räuber zum Opfer gefallen. Trotz der größten Vorsicht, mit der Die Kaninchenbesitzer ihre größtenteils im Freien stehenden Käfige ver- ivahren, gelingt es dem nächtlichen Räuber doch, durch Zerreißen des Drahtgittcrs die Tiere zu erwischen. (Sollte cs wirklich ein Hund sein? Doch wohl eher ein Marder oder ein Frettchen. D. Red.) » nbUing der - . • jffcngcridft w<' § nb W-A dasselbe» nM t. ,b bedürferc,Jjr cnti^ wj ?ur E ac in ,, sondern P bisher & # Wegen W A iHWj* tW*’ ..z AchSssed"^ f AngcM^ ««(tot ZSL?"- [Lr roun«nnn ßWs feigere i)T>’r‘ 1 «Batten * Äibium a,r» solche Sngtiegenhfu- lQ grökter JntrnsiL aller Vorgänge »- nur crivunicht fein; roie 'hm ja warnend cr- ä mitgcteilt worden i« welcher Art die Strafe J :m M treffen muffe. L L5 -offen zur Sprache fc- -boten, um es doch tzew ustcllen, eine alles rr ugeben. Mik einer iolä- gegenüber sich cinmfc ere sie aber und te. er mviüerle hierauf d nder doch den ganzen 1; : für sich dann das gln er dock nur auf em?.:- necken wolle er aber, tc Bemerkung über die:: an einen Vergleich eu_> :n sei, der den Brikiü>D- nbem daß den Priouk!:>- i treffe. Für ihn sei Eljrenangclegenheü rrozeff geworden, and«:: müsse. nschluf an eine den Säbel für eint niw le, ferner auch Her; selbst. In Unger fiten. _ gen, daß ber p-1-" iV fei ihm 11 von diesen , Zeitung" W®« egangen bti*' icit PrivaiM' werde ta W» tlifi nifit betaue & iti> firgtmifrr mrir - enogramm wr . re, warum mon d e I 1fllt bebauDteit >*^\ Mitnmngelegenheü ■ | io verhalle, mic er I . ergeben habe, daß « I chi anstehm, dann Ki I , daß man doch beut' I Juni 191 föaromelev auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit | Relative Feuchtigkeit j Windrichtung Windstärke (Brab btt ‘Bewölkung In gehnlel der flchld. Himmelbfl. Wetter 17. 749,1 24,7 8,4 36 8 4 0 Sonnenschein 17. 911 749,1 18,3 11,0 70 SE 7 Bew. Himmel 18. 711 748,7 15,8 10,7 80 SW 2 3 Sonnenschein Vermietungen1 Villa, WWelmsir. 7 durch bevorsteli. Versetzung des Herrn Oberleutnant Firmenich anderweit au vermieten, auch au verkamen. Reftektanten belieben Wil' belmttr. 51 vorznsvr. 04/80 Scltersw. 38 »'S. herrschaitl. 1O-Zimmcriv. m. ar. Diele, Bad, Zentralhe,z., WaS, elcktr. Licht a- verm. P16 Nah, das, b. Hausmstr. 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