Die heutige Nummer umfatzt 16 Seiten. Hamidijc" vier griechische Transport »er ,-,E r t i & jährlich '])«. 2.20; durch 2'.... Zweigstellen inonatlich 65 Pf.; durch folgende Bedingungen: 1. Fortdauer der Feindseligkeiten bis z u m Abschluß des Fried en s; 2. Als Basis der Friede n s v e r h a n d l u n g e n hat der von den Delegierten her Balkanstaateu am 23. Dezember 1912 in London gestellte Antrag zu Dienen, nämlich die Grenzlinie Midia- Rodosto unter Neberlassung der Halbinsel Gali- poli an die Türkei, die Abtretung des gesamten westlichen Territoriums an die Verbündeten mit Ausnahme von Albanien, dessen Grenzen und Organisation die Londoner Botschafterkonferenz regeln wird. Es wird ausdrücklich gefordert, daß Adrianopel und Skutarivor dem Friedensschluß Bulgarien und Montenegro übergeben werden müssen; 3. Uebergabe der ägäischen Inseln an Griechenland. Hierbei wird insbesondere Kreta angeführt und gefordert, daß die Türkei auf alle Rechte an Kreta verzichtet; 4. Die Türkei verpflichtet sich, an die verbündeten Balkanstaaten eine K riegsent- schädigungzu zahlen, deren Höhe vor der Unterzeichnung des Friedens festzusetzen ist; 5. Die Sicherung der Rechte jener christli ch e n Untertanen der verbündeten Bal- schiffe, „C h r i st o m a r i t i s", „V e n i o t i teilnehmen. Die Verschärfung der Bedingungen i,t durch die Fortsetzung des Krieges verursacht. Sollte die Türkei die Verhandlungen neuerlich verschleppen, dann werden, schließt das Regierungsorgan, die neuen F-rre- densbedingmigen noch schwerer sein, als die gegenwärtigen. Der Berliner „Lokalanzeiger" berichtet aus Sofia, allgemein bestehe der Eindruck, daß die mit der Ueber- reichung der Antwort ber Balkansta>aten tatsächlich beginnenden Friedensverhandlungen zum Ziele führen wurden. Daraus, daß der siegreiche. Führer der bulgarischen dritten Armee Dimitriew in politischer Mission nach Petersburg gehe, lasse sich schließen, daß die Bulgaren keine weiteren Kriegsoperationen erwarten. Ein Erfolg des Kreuzers Hamidije. Cetinje, 13. März. (Aus amtlicher Quelle.) Im Hafen von San Giovanni di Medua befand sich während der Beschießung durch den türkischen lenzer „Hamrdrjc" auch der österreichische Lloyddampser „Skutari", der jedoch keinen Schaden erlitt. Kurze Zeit vor dem Bombardement auf Durazzo war Prinz Mirko an Bord der königlichen Facht von Antivari nach Tuleigno gefahren, um sich ins Feldlager des Generals Martinowitsch zu begeben. Prinz Mirko ging bei San Nicolo an Land. Die Jacht, welche den „Hamidije" bemerkte, suchte in Sutomore Zuflucht. Cetinje, 13. März. Die Vertreter der Großmächte unternahmen heute im Ministerium des Aeußeren einen gemeinsamen Schritt, um zu verlangen, daß der gesamten Zivilbevölkerung von skutari ge- sta t t e t w e r d e, d i e S t a d 1 z u v e r l a s s e n. Der Minister des Aeußeren erklärte, er werde dieses Verlangen dem Mii'.isierrate mitteilen und nachmittags die Antwort bekannt geben. Nach an die hiesige amtliche Stelle gelangten Nachrichten sind bei deni gestrigen B o m b a r d e in e n t in San Giovan nidiMeduadurch deut ürki scheu.Kreu- kanstaaten, welche sich in der Türk.i aüfhalten roerben. Für den Fall, daß irgendwelche Fragen finanzieller Natur verhandelt werden, welche durch den Krieg hervorgerufen werden, so verlangen die Verbündeten, daß an solchen Verhandlungen auch die Vertreter eines jedeil Balkanstaates und „Trifilia" schwer beschädigt worden. Zwst dieser Dampfer, die Lebensrnittel für die Armee führten, gerieten durch Aufschlagen der Geschosse in Brand; die ganze Labung wurde vernichtet. Die anderen Dampfer führten Soldaten und Munition mit sich, doch war die Ausschiffung bereits beenbet. Etwa zehn Personen sollen dem Bombardement zum Opfer gefallen sein. Belgrad, 13. März. Durch die Geschosse des türkischen Kreuzers „Hamidije" wurden im Hafen von San Giovanni bi Medua' 50 serbische Soldaten getötet ober verwundet. Rom, 14. März. Nach der „Tribuna" ist die griechische Flottille von Korfu abgedampst, um auf den Kreuzer „Hamid iie" zu jagen. Gelingt es diesem. nicht, durch ben Kanal von Otranto Früwafler zu gewinnen, so wird er wohl in Brindisi abrüsten. nur su deutlich beim „Märchen", bei „Liebelei" und „Nuatol". Nun hat fick die verdienswolle „Stage Societi," (Bühnengesellschast) auch der „Comtesse Mizzi" und des „Grünen Kakadu" angenommen. „Comtesse Mizzi" hat im englischen Gewände eher langweilig als amüsant gewirkt. Dagegen hat „Ter grüne Kakadu" in der tüchtigen Ucbcrtraguiig Penelope Wheelers und der interessanten Regie von Norman Page eine starke Wirkung erzielt, die sich durch Beifall auf offener Szene und anhaltenden Applaus am! Schluß äußerte. Das Jneinanderfließen von Spiel und Wirklichkeit gelang täuschend. Voir einzelnen Irrtümern und unrichtigen Besetzungen abgesehen, gelangen die Wirkungen durchweg, und es war eine wahre Freude, Schnitzler in englifäjenii Gewände temperamentvoll neu erstehen zu sehen. Köstlich war Luke Forster als Prosper, ausgezeichnet wirkte „ber Henri von Leon Quartermaine. Es war eine genußreiche Darstellung, bit einen nur bedauern läßt, das; sie so vereinzelt dasteht. K. W. — Sudermanns „Katze n st e g" i m Kino. Aus Berlin wird gemeldet: Hermann Sudermann hat seinen Roman „Der Katzen st eg" durch den Lichtspielvertrieb des „Verbandes Deut- Üfter Bühnenschriststeller" au die Projektions-Gesellschaft Union und die Firma Tusker G. m. b. H. zur Verfilmung verkauft. Ms Honorar sind 60 000 Mk. gezahlt worden, dazu kommt noch ein Anteil an der Einnahme als Taickiemc. — Die 4 Kolossalfiguren am Völkerschlacht- d e n k in a l, die in der Krypta angebracht sind und die zusammen 260 000 Mk. kosten, sind nunmehr bis auf eine völlig fertig» geftellt. Die Figuren sollen, so wird uns aus Leipzig geschrieben, die Opferwilligkeit, Tatkraft, Glaubensstärke und deutsche Volkskrast barstellen. Jede Figur hat eine Höhe von 9,60 Metern; entsprechend sind alle anderen Maße; so ist beispielsweise der Mittelfinger der einen Figur einen Meter lang. Zu jeder Figur waren 5000 Zentner Granit notwendig, allein der Kopf der „Tatkraft" hatte unbehauen ein Gewicht von 250 Zentnern. Die Arbeiten an den Figuren haben drei Jahre erfordert. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Vom 8.—11. Juni findet in Rom ein Nationaler Italienischer Kongreß für Gewerbekrankheitcn statt. — Die Große Kunstausstellung Stuttgart 19 13 soll eine Erweiterung erfahren. Man hat beschlossen, die aut der Ostseite des Kunstgebäudes befindliche Allee in die- Ausstellung hereiuzuzieheu und eine Ziergartenanlage zu schassen, in dem Werke der Plastik aufgestellt werden sollen. Die Ausstellung wird am 8. Mai eröffnet werden. — Dettmar Heinrich Sarnetzkis Schauspiel „Der Eroberer" fand bei seiner gestrigen Uraufführung im Stadttheater zu Düsseldorf ber* dienten Beifall. verschärfte AiedensbsdingMgen. Auf die Vermittlung der Großmächte werden die Bal- kanstaaten heute wohl formell ihre Antwort erteilen. Es wirb aber noch ein gutes Stück Zeit vergehen, bis ber Friebe endgiltig zustanbe kommt. Mach ben von einem bulgarischen Blatte veröffentlichten Bedingungen ber Balkanstaaten sollen die Feindseligkeiten fortgeführt werden, bis der Friebe unterzeichnet ist. Das wird offenbar mit Rücksicht barauf gefordert, daß die Türkei nicht wieder Verschleppungsversuche macht, dann aber auch in der Hoffnung, baß bic Festung Adrianopel in ben nächsten Tagen kapituliert. Ferner wird von der Türkei eine Kri egsentschädigung verlangt. Die türkische Regierung hat sich gerade dagegen bisher am lautesten gesträubt. Nun wirb ihr von Sofia aus klar gemacht, baß die Kriegsentschädigungssumme umso größer werden soll, je länger der Krieg noch dauert. Wenn nun heute berichtet wird, daß der türkische Kreuzer Hamidije wirklich einmal bic Tat vollbracht hat, indem es ihm gelungen ist, die albanische Küste unsicher zu machen und die Hafenstadt San Giovanni di Medua zu bombardieren , so baß vier griechische Tra nsp ortschifse schw erbeschädigt und eine Anzahl von Soldatengetötet worden sind, so werben die Bälkanvölker dies auch in die Rechnung ihrer Kriegskosten einstellen. Die Türkei wirb schließlich alles bezahlen müssen. Aus Konstantinopel laufen nur spärliche Nachrichten ein, und über den Verbleib oder den Rücktritt der jetziges Regierung ist anscheinend noch nichts entschieden. Belgrad, 13. März. Wie bas Regierungsorgan „Sainuprava" mitteilt, stellen die verbündeten Bälkanftaaten Zur zranksurter Theatettri.se. Felir Hollaender hat aus Berlin folgendes Schreiben an den Aufsichtsrat der Neuen Frankfurter Theater- Aktiengesellschaft gerichtet: . Ich erlaube mir, Ihnen mitzutetlen, baf? ich bem ehrenvollen Ruse,' bie Jntendantenstelle am Frankfurter Schau- spielhause zu übernehmen, nicht Folge l elften kann. Dieser Entschluß ist mir um |o schwerer gefallen, als ich mich durch die ganze großzügige Art der VeEndlungen sowohl der Thcater-Akticngeselftchaft wie der Stadt i- ftimmten ber eine neue Besitzsteuer verlangte, iicfc .-teuer Ut au sich auch nicht geboten durch ben Grundsatz Der Neuerlichen Gerechtigkeit. Man darf das Finanzsvstenr des Reiches nicht betrachten'ohne Rücklicht auf die Sieuersvsteme ber Bundesstaaten. (Sehr richtig!) Man muß auf den Zusammenhang Hinwegen zwischen ben Finanzen des Reiches und den Bundesstaaten, darauf, baß bic Bundesstaaten Steuern auf ben Besitz in einer durchaus gerechten Weise erheben und daß die Belastung durch indirekte Steuern in Deutschland geringer ist als in anderen Kulturpa iten. Man wollte also wieder eine neue Besftzsteuer. Aber es kommt in der Politik immer anders. Jetzt ist der ungeheuere Bedarf für bie Verstärkung unterer Wehrkraft Hervorgetreten. In einer konservativen Versammlung ist es selbstverständlich, daß bewilligt werden muß, was nach dem Urteil des obersten striegsherm und seiner berufnen Ratgeber für die Rüstung notwendig ist. Wir stimmen auch zu, und ich bin ermächtigt, dies als einmütige Stellungnahme der R e i ch s t a g s s r a k - tion aus zu sprechen b a ß für bie großen einmal}* gen So ft en ber Vorlage eine einmalige große ÄbgabevomVermögener hoben werden soll. (Lebh. Zustimmung.) Wir wissen zu schätzen den Appell an die sittliche Opferwilligkeit des Volkes, der in diesem Vorschläge liegt. Aber die grundsätzliche Zustimmung entbindet uns nicht von der Verpflichtung, im einzelnen vorsichtig und sorgfältig zu verfahren. Auch bei der Einführung der einmaligen Vermögensabgabe werden wir mit versitätsrektoren und gestern eine solche sämtlicher deiltscher Universitätsrektoren stattfand, lieber die besprochenen Gegenstände wird st r e n g st e s Stillschweigen bewahrt. — Andreas Hofer auf der Bühne. Die Verlags- gesellsckxift Tie Lese föreibt uns: Das Drama „Andreas Hofer" von Walter Lutz, das im1 Januar am Stuttgarter Hof- theater mit lebhaftem Erfolge feine Uraufführung erlebte und seitdem über verschiedene deutsche Bühnen gegangen ich wird am 17. d. M. am Gießener Stad11heater aufgeführt werden. Tas Stück ist vielfach als Festspiel zur Jahrhundertfeier der Befreiungskriege angenommen worden, beim in diesen Tagen des Gedenkens an große volksbefreiende Zeiten erinnert man sich besonders gern jenes heldenhaften ttiroler Volkes und seines Führers Andreas Hofer in deren trotziger Tat der deutsche..Volkszorn gegen den fremden Eroberer zum ersten Male ausflammte. Walter Lutz hat das Stück allerdings nicht als aktuelles Gelegenheitsstiick un Hinblick auf die kommenden Feiern geschrieben^ andere Stoffe wären hierzu immerhin noch näher gelegen. Tas T-rama ist lediglich in ber Wsichi entstanden, Hofers Gestalt, bic mit ihren kraftvollen, ehrlichen Zügen wie nur wenige andere im Volksbewußtsein ragt, zu dichterischem Ausdruck zu bringen. Unzählige sind seit Jmmernmun in den Bann der wuchtigen Gestalt des Sandwirts gezogen worben, doch ist es dis jetzt noch keinem gelungen, über Den durch die geschichtlichen Ereignisse so fest umschriebenen und der dramatischen Behandlung schier unzugänglichen Stoff Herr zu werden. Walter Lutz läßt sein, im Verlag der Lese erschienenes Drmna erst da beginnen, wo Hofers Schicksal sich ins Tragische wendet, nämlich in dem Zeitpunkt, da die Tproler nach der' großen Schlackst am Jnselberg erfahren, daß Oesterreich sie preis gegeben hat. Jetzt steht Hofer, in dessen Hand alle Fäden des' Aufstands znsammenlausen vor der ö-ragc, ob das l'anb auf eigene Faust nur mit den eigenen Kräften weitermachen oder sich unterwerfen soll. Tic Liebe zu den Seinen und ber Heimat bringt ihn in ben tragifrfien Konflikt zwischen ber Sorge, alle« zu gefährden und zu verderben und der kühnen Hoffnung alles zu wagen und alles zu gewinnen. Wie Hofer sich hier entscheidet und wie er seinen Weg starken Herzens vollendet, obwohl alles um ihn zusamrneiüiricht und weicht — das ist der Inhalt des Lutzschcn Dramas. — S ch nck tz l c r s „G r ü u e r K a k a d u" i n L o u d o u. AuS London, 11. März, wird uns geschrieben: Die Londoner hal'm ImcrTiüürbige Begriffe vom modernen Wien. Wenn eine litei tusche Gesellschaft alle Jubeljahre einmal ein Sckstutzlerwerl aufführt, werden die Männer darin regelmäßig mit allmächtigen Bärten ausgestattet, und mit seltsamen vorsintflutlichen Kleidungsstücken, nm dem „Milieu" gerecht zu werden. Tie eigentlickst Schnitzler- lvrik, der berühmte „Wiener Tust", lassen sich - noch dazu m gewöhnlich recht manae(l;aimi Uebertr.igungen — unmöglich von der Donau an den Themsesttand verpflanzen. Das fühlte man Allgemeiner konservativer Parteitag. ~ Berlin, 13. März. Ur. 62 Erster Blatt 165. Jahrgang zreitag. 14. März 1915 =s lniononor 71 nrpittptz UlmWJvlgs Seuilpw^-Slnfdllufie: SW ^7 x-Milch-n T-ii: Au«ust für bie Redaktion 112, «• * oy zsia ir a* m ..1,. t.".«. ^enille- Adresse ^sür Depeschen: General-Anzeiger für Mecheßen !.Geri'chtssaal"! K. 9len- Witjetßer Gießen. " 6 * " , . _ , ... . rath’ für Stadt und An,eigen Rgtationstinick «n!» Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. fange. Nedaltisn. Erpeditian und Druckerei: squlstratze X. Land": E.Heß; für den SS »^nüt°tag§n9nu^ vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.2l"öeigenteil: H. Beck. aller Entschiedenheit dafür ebttmen, ban die »rinanzhohen der Einzelstaaten geschützt und gewahrt bleibt Weiter werden wir bestrebt sein, der Steuer den Charakter einer Ausnahme zu be wahren Es mutz dem ein Riegel vorgeschoben werden, datz die einmalige Abgabe etwa Nachfolger zv anderen Zwecken bekommt Wir werden ferner dafür eintreten, datz das mobile Kapital, aas in Banken und Börsen umläuft, von der technisch leichten Möglich leit sich der Besteuerung zu entziehen, einen nicht allzu reichlichen Gebrauch macht Heiterkeit und Zustimmung Und eins sage ich mit aller Entschiedenheit Wenn wir dieser einmaligen Belastung zustlmmen dann wird eS uns nicht möglich sein, daneben noch die Erbschaften der Frau und Kinder der Besteuerung durch das Reich in irgend einer direkten Form zu bewilligen stürmische Zustimmung. Vielfach beschäftigte uns im Reiä>stage die Sozialdemokratie. Der Staatssekretär Delbrück glaubte cmen Gegensatz zwiiclren seiner und unserer Auffassung von der Sozialdemokratie betonen zu müssen. Tie Beseitigung der sozialen SchrHen ist eine sittliche Dflicht des Staates und eine der vornehmsten Aufgaben unserer Zeit (sehr richtig Wenn der Staatssekretär Telbrück den Bor muri hätte erheben wollen, datz die konservative Partei kein Ber ständnis für die Sozialpolitik habe, so würde dieser Borwurf entschieden zurückzitweisen sein. Aber aut einem anderen (Miete besteht ent Gegensatz zwischen dem Staatssekretär und uns Er meinte, die Sozialpolitik sei das vornehmste Mittel zur Bekamp kling der Sozialdemokratie Rächen, um der sozialdemokratischen Agitation den Boden zu entziehen. Wir müssen auch Rechnung I ragen der wirtsclaftlichen Geredpigkeit und uns sagen, datz der Arbeitgeber gewissermatzen auch ein Mensch ist, und datz nicht zum minbefteii seinem Wagemut und seiner Intelligenz der hohe wirtschaftliche Aufschwung Teutschlands zu danken ist. Daher müssen wir uns vor einer Ueberspannnug des sozialpolitischen Gedankens dringend hüten. Andererseits wollen wir in die soziale Fürsorge lnneinbeziehen den M i t t e l st a n d , der zwischen den Mühlsteinen des Kapitals und des Proletariats ganz besonders der Hilfe des Staates bedarf. Datz wir für den Schutz ber nationalen Arbeit ent' schieden eintreten werden, bebart keiner Erläuterung. Wir sind auch für die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in den Kolonien. Wir wollen, datz den (Singeborenen Kultur gebracht werde, mir können uns diese aber nicht denken, ohne die christliche Religion (Stürm Beifall.» Die Entwicklung der Ma rine ist in den ruhigen und glücklichen Dahnen weiterverlaufen, durch die sich die letzten Jahre auszeichnen. Wir glauben dadurch am besten, gewissen nervösen Aeutzerimgen von jenseits des Kanals cntflcflculreten zu können Wir wollen weiter dafür sorgen, haft das Reich bleibt ein Bundesstaat auf monarchisch konstitutiv netter Grundlage. Das parlamentarische Regime wollen wir im Deutschen Reiche nicht zulassen. Ter Redner wendet sich bann mit grotzer Energie gegen die Aeutzernngen Ledebonrs und Srtnibemamtd inbezug auf die Person des Kaisers. Zu unseren stolzesten Erinnerungen aber gehört die Zeit vor 50 Jahren, damals, als man gähnte, unsere Fraktion habe in einer Droschke Platz, uacltdem sie bei den Kämpfen um die Wehrvorlage zusanimengeschmolzen war. TamalS waren es die Konservativen, die dem alten Kaiser, Bismarck, Moltke und Roon in ihrem Perlangen nach einer Heeresvermehrung treu zur Seite standen, und bis heute haben wir der Regierung niemals einen Groschen für die Heeresverwaltung verweigert. Lassen Sie uns zusammen stehen auch weiter in ehrlicher, begeisterter, selbstloser, in sich geschlossener gern, infamer Arbeit für des Baler landes Grütze, einer ?lrbeit, der der Segen (Kaltes noch niemals versagt .geblieben ist. (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Es folgten bann die Berichte aus den Einzel land tagen. Kammerherr v S p i e tz kMiinchim» teilte unter lebhaftem Beifall der Versammlung mit, datz sich der Landesverein der tzaherischen Konservativen neugebildet habe und datz auch in der Landeshauptstadt selbst eine konservative Organisation zustande gekommen sei. Für die sächsische LandtagSfraktion sprach hierauf Geheimrat Opitz (Treuen). Stadtrat Behringer (Stuttgart) berichtet über die Arbeiten der Konservativen Wärt tembergs 1895 sei es zum ersten Male gelungen, in Württem berg einen koirservativen Abgeordneten zu wählen _ Heute zähle ber Württembeigische Landtag deren 20. (Lebhafter Beifall. > Freiherr v. Maltzaliti sprach hieraus über die „Arbeiten des Preußischen Landtages'^. Unsere Arbeiten, so sagte er, sind ja nicht durch die Arbeiten der Sechsmämter Fraktion gehindert »vorbei,, (Heiterkeit und Beifall) »vir haben melmclyr positive und fruchtbare Arbeit leisten können. So haben wir volles Berständ nis für die Forderungen der preutzischeit Beamten an den Tag gelegt. Nur haben mir uns von Versprechungen ferngehalten, die sich bod nicht erfüllen lassen, und solche Bersprechnngen anberen Fraktionen überlassen, die das vertreten zu können glaubten. Wir sind ferner für die Gleichstellung der Lehrer in Stadt und Land eiugetreteii, die unter allen Umständen herbeigefuhrt werden mutz. Die Mittelstandssreundlichkeit des Preutzischeu Mgeordnetenlianses steht allster allen .'«»veiseln, weil die Klnyervativcn daran den Aus schlag geben iVebh. Beifall.) Tie freisinnige Presse leugnet ftmar bad Borlmndeuseiu eines Miltelstandes. Wir aber stehen auf dem Standpunll, datz, »venu soviel im Reiche für den Mittel stand fleid/ehcu wäre, wie aus bem Webicte der soziale»: Gesetzgebung, der beut i dH Mittelstand um vieles besser daftehen würde. (3tiirniiidxr Beifall.) Bon minutenlangen, Beifall bcgrützt ergriff sodann Reichs^ und LandtagSabgeordneter v. Heb de brand das Wort: Der Parteitag ist der oberste Richter über das, was die Vertreter unserer konservativen 5ad»e in den Parlamenten zu vertreten haben und leisten Da hat es sich mit hoher Befriedi ou»lg erfüllt, das' die ausgezeichnete», Darlegungen der Vorredner, wie id» aus Ihrem Beisatt entnommen habe, Ihre volle Anerkennung gesunden haben Wir versuchen jetzt die g rotzen Kräfte i, „lerer k v n scrvat iven Partei mobil z u m ad-en, wir »vollen nicht läiifler schlafen, wie wir es früher taten morden Tie bodenständige Art, die früher das Land beherrschte, ist nid-t mehr. Die städtisd, eEn t» Wicklung schreitet immer weiter fort und damit die Industrie. Wir Konservative merben es aber nicht vergessen, datz die Wurzeln unserer Kratt in den bobenftänbigen Verhältnissen liegen, und her Tag wird nicht kommen, an bem die konservative Partei „ergibt, datz sie dafür mit aller KFast einzutreten Hat Wir dürfen aber der Entwicklung jiirfit verständnislos entgenentreten. Was wir »rüber getan haben; hat iüdit unnu*r den, entsprochen, waS wir heute vertreten n,Offen Wir Konservative wissen alle, ums mir an Prentzen, an einem starken Preutzentuu, haben Dieses Preußen- tum, das der Begriff konservativer Ordnung ist, dieses Prnitzeu tum, das lätzt fid) nicht bestreiten, ist das Rückgrat des den, scheu Reiche S. Die Zeit ist ernst. Ich will Ihnen keine En, hüflungen über die diplomatischen Verhältnisse machen, aber: es ist eine sehr ernste und f cb w er.- Zeit für unser Vaterland gekommen. Wein, mir die Stellung in der Welt, die hnr jetzt tnitebaben, behaupten wollen, bann ist eS abfolut notwendig, datz mir unsere milu irischen Rüstung en aus eine Höbe bringen, die weit über das hinausgeht, iva- mir im gegenwärtigen Augenblick haben. Es ist absolut notwendig, datz nur di. allgemeine Veln pflicht dieses Palladium des Vaterlands zu brhcit machen Lassen Sie m dieser schweren Stunde Bedeuten im nujclncn, die Sie Haben können, nicht zu laut merben. Lassen Sie es als eine Stimme erklingen, datz die konservative Partei in dieser Not des Vaterlandes bereit ist, Opfer zu bringen, bannt »matten wir, was wir für das Vaterland brauchen Der Liberalismus schlietzt sich immer mehr zu einer Front zusammen unb, macht es notwenbig, datz ihm eine Front der Rechten gegenüberftebt. xte Sozialdemokratie berührend, fuhr der Redner fort: Haben Lie die Empfindung, datz man an hon Stellen, tue dazu berufen »ind, von der Erkenntnis der Sachlage fo durchdrungen ist, jme es eigenthdj fein mutzte? (S^emifche Nein Rufe.) Haben Sie die Empfindutig, datz da die rücksichtslose Entschlossen beit unb Kratt vorhanden ist, um den Kamps zu führen? Wiederholte ftürmücbc NeiwRufe i Tas ist sehr bedauerlich und »'ehr ernst und könnte hoffnungslos stimmen, wenn unsere Partei nicht den Mut bäte, auch unter solchen Verhältnissen die Fahne zu tragen. Wenn niemand auftreten will für die bürgerliche Gesellschaft, für die ganze Kultur, für einen gesunden Fortschritt und das Heil der Menschheit, bann werben mir es tun. Wir hoffen aut oen Sieg und erhobenen Haupt,., wollen wir einer Zukunft ent qegensehen, ba uns bic Hilfe und Rettung bes Vaterlandes beschiebcn worben unb liniere Pflicht fein mutz. Tic Ausführungen des Redners wurden verschiedentlich, na» mentlich am Schlutz durch stürmischen Beiiatt unterbrochen. Hierauf verlas Freiherr v. R t ch t h o f e n Mertschütz) folgende E n t s ch l i c tz u n g , die einstimmig angenommen wurde: „Ter Parteitag nimmt mit Befriedigung Kenntnis von dem fid> geltend machenden arbeitenden Leben in der Partei. Er billigt die seit seinem letzten Zusammentritt eingenommene Haltung der konservativen Vertreter im Reidtstage unb in ben Einzellandtagen. Er beglückwünscht insbn'onbcrc unsere konservativen Freunde in Württemberg zu dem schönen Erfolge den sie bei den letzten Landtagswahlen errungen haben und fordert unsere Freunde in Prentzen auf, auch ihrerseits mit aller Kraft bei den bevorstehenden Landtagswahlen aut Aufrechterhaltung und Förderung des Besitzstandes unserer Partei, auf bem nicht -nm wenigsten ein starkes Preußentum in seinen staatsrechtlichen Grunblagen beruht, binzuwirken. Er erwartet von den konservativen Vertretern im Reichstage, bat) sie im Einvernehmen mit ber Reichsleitung dafür sorgen, datz unsere militari j dt e A usrüstung voll auf die Höhe der unserer politischen Ok’iamtlage entsprechenden Notwendig feit gebracht unb and» für ausreichende Deckung ber ent iprerbenben Kosten gesorgt wirb. Ter Parteitag steht, test auf der föderalistischen Grundlage des Reiches unter entschiedener Bekämpfung der auf einem deutsche»! Ei n heits- staat gerichtete»! Bestrebungen des Liberalismus und der Demokratie. Er verlangt eine kräftige Bekämpfung der immer mächtiger werdenden sozialdemokratischen D e n d e n z e u , insbesondere ihrer Unterdrückung Der freien Arbeit. Er wünscht nach wie vor ein tatkrätiges Eintreten für die Interessen des Mittelstandes in Stadt und Land un Alls reck,' terhaltnng unseres gegenwärtigen wirtschaftlichen Schutzes der produktiven Arbeit in Landwirtschaft und Industrie. Er fordert die Parteileitung auf in ihren Bemühungen, den konfervaliven Ideen eine noch weitere Verbreitung zu geben, sortzufahren und ficht mit Vertrauen dem weiteren Fortfdtritt unserer Partei entgegen." Ter Vorsitzende schloß darauf die Tagung mit einem Hockt auf ben Kaiser____________________________________________________ 2lit» Stadt titiö Land. G setzen, 14. März 1913. Die Gießener Kunstsammlungen. Ter Bürgerverein hielt gestern abenb int Einhorn eine gutbesuchte M i t g l i eder - Vers ammlung ab. Profest'or Tr. Ranch sprach bann über die Gießener K u n st i a tu m l n n g e n. Wir haben in Gietzeu eine ganze Reihe von Stätten, bie ber Kunst bienen. Das archäologische Institut bat in der letzten Zeit namentlich auf dem Gebiet des Hellenismus eine bchädttlidte Erweiterung erfahren. Leider ist es nicht inögltd), die zahlreichen Werte ber Kleinkunst zweckentfpreckiend unteizubringen. Auch das hinftiuincnidtaftlidte Institut hat in den letzten Jahren eine »vcsentliche 'Bcmdjcnmg erfahren, namentlich auf dem 6k*bict ber uns befonbers am Herzen liegenbeu rheinischen Kunst. Tas Lokal des Kunstvereins ist vermöge seiner ungünstigen Lichtver- hältnisse ungeeignet. Es besteht die Absicht, eine städtische Galerie zu begrünbnt. Gegenwärtig ist man mit dem Ankauf eines Gemäldes von llbbelohbe befdtäftigt. Es stehen zwei Projekte in Frage Das eine geht dahin, die drei hier vorhandenen Kunst- faniinlinigcn in einem zweckentsprechenden Gebäude zu vereinigen,' vielleicht im jetzigen Bürgermeistereigebäude. Eine Kunftbibliotbcf und ein Lesezimmer würde die Sammlungen vervollständigen. Das zweite Projekt geht dahin, die alle Klinik für die Kunst iammlungen zu vertvenben. Anckt das etbnographiidw Museum unb das historische Museum könnten in die alte Klinik verlegt merben. Namentlich bas historische Museum enthält Schätze, die in ganz Deutschland einzig dasteheu. Namentlich die darin vor hanbenen fränliidten (Kräber sind nur einmal auf der Welt vorhanden. In der Besprecktung teilte Stadtv. Winn mit, datz beabfidttigt sei, in ber alten Klinik eine ständige GcwerbeauSstel hing eitizuricktten. Ter Redner- tritt bann marm für bic Errichtung eines Unfallkrankenhaiises und eines Lehrstuhls für soziale Medizin ein. Stadtv. Löber ist gegen die Erridstung des Unfallkrankenhaus. Apotheker Schmieder führte aus, datz die Verbreiterung der Dammsttatze unbedingt notwendig fei. ** Tagcskalcnder für* Freitag, den 14. März: Stadt- t It c a t c r : Gastspiel des Darmstädter HostheaterS: „M a r t h a.e Anfang 7 Uhr. •• Landesuniversität. Auf der Internationalen Ausstellung für Sozialhygiene in Rom erhielt die Klinik für psychische und nervöse Krankheiten den großen Preis für Fortschritte in der Amvendung der Psychiatrie auf soziale Hygiene. Der Leiter der Klinik, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Sommer, erhielt den Ehrenpreis als höchste Auszeichnung der Ausstellung für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiete der Sozialhygiene. Der frühere Mechaniker der Klinik, Gotthold Hempel, und ter jetzige Mechaniker Wilh. Mulkau erhielten in ihrer Eigenschaft als Mitarbeiter des Direktors die goldene Medaille. ’• GerichtSpcrsonalien. Der Grobherzog hat den Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Wimpfen Wilh. Krämer auf fein Rachfuchen unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm auS diesem Anlaß die Slronc zum Ritterkreuz 1. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Ter Verein Hessischer Geometer I. Klasse hielt am Sonntag unter dem Vorsitz des Wasserbau" gcometerS Blaß tu Darmstadt eine stark besuchte Haupt- Versammlung ab. Unter anberrm bildete die Refvrm- bedürstigkeit der hessischen Katastervermessung den Hauptpunkt her Tagesordnung Die Grundlagen und Methoden der hessischen KNtastcrvermessung sind vor. beinahe Inut- bert Jahren gegeben worden imd das Verfahren l>at später für manche Staaten als Muster gedient Bedeutende F-ort- schritte der Wissenschaften im allgemeinen, die große Steigerung des Grund- und Bvdemmrtes und die dadurch erforderlich gewordene bessere Sicherung der Eiqentums- grenzen in Verbindung mit im Lause ber Jahrzehnte entdeckten yihlreichen Mängeln, lassen die heutige Landes- triangulierung als in leiner Weise ben Ansprüchen der Zeit entfprcdwnb erscheinen. Dieselben Erscheinungen haben sich schon längst auch in anderen Staaten gezeigt und dort infolge richtiger Würdigung der Bedeutung der ?-oche zu '”-uen Landesvermessungen »inlaß gegeben Nachdem sich nun betnabe zu jeder neuen ParzeNendermessung die Güte der Arbeit stark beeirtträchtigende Mängel der Landestriangulierung herausgestellt haben, hat die Geometerversammlung einmutig dessen Erneuerung als ein dringendes Bedürfnis erklärt •• Reue Iohanniterrilter. Der König von Preußen hat den Hauptinann im Groß!;. ^lrtilleriekorpS, 1. Hessischen FeldartilleriereqimentS Rr. 25, Ericht von Gilsa, den Hauptmann im Leibgarde-Infanterieregiment (1. Hess.) Rr. 115 Frhrn. AlexiS v. Bndden brock-HelterSdors, den Hauptmann und .Kompagniechef im Leibgarde-Infantene- regiment (1. Hesstschen) Rr. 115 Max von Schröter nach Prüfung derselben durch daS Kapitel und auf Vorschlag deS Herrenmeisters Prinzen Eitel-Friedrich von Preußen zu Ehrenrittern deß JohanniterordenS ernannt. " Stadttheater. Die 20. Freitag-AbonnementS- vorstellung, die wegen der Oper auf den kommenden Montag verlegt »oerben mußte, fällt auf einen für jeden Deutschen denkivürdiqen Gedächtnistag, auf ben hundertsten Jahrestag deö preußischen Aufrufs ,An mein Volk". Da dieser Tag einen Markstein in der Geschichte der Befreiungskriege bildet, so wird die für den Iahrhunderttag angesetzte Aufführung deS neuen Dramas .Andreas Hofer^ von Walter Lutz besonderes Interesse beanspruchen dürfen, da sie eine gewaltige Episode au8 jenen Kämpfen zur Befreiung der deutschen Ration unb deS deutschen BodenS behandelt. Eine besondere Weihe mirb bic Vorstellung daburch erhalten, baß Herr llniversitätSvrofeffor Tr. Vogt sich bereit erklärt hat, durch eine bie Aufführung einleitcnbe Ansprache der Beziehungen deS TageS zu gebenken. Kreis Schotten. = Schotten, 13. März. Mit bem Sommersahrplan war je ein neuer Zug Ribda — Schotten unb Schatten — Nibda eingeführt worben. ES ist vorgesehen, baß der Zug Vorm. IO15 von Schotten abgeht unb in Nibda IO57 eintnfft, ber Gegenzug geht in Nidda um 1117 Dorrn, ab und trifft in Schotten um 120R Nachm. ein. Der letzte Abendzug soll in Schotten um 865 abgehen und um 945 in Nldda eintreffen. Kreis Friedberg. (L.) Friedberg, 13. März. Sitzungder Stabt- verordneten unter Vorsitz des Bürgermeisters Stahl. Tie Rechnung für 1911 wird verlesen. Sie schließt ab in Einnahme mit 777356 Ml., in Ausgabe mit 662 338 Mk. Der Ueberschutz von 115 018 Mk. wird für die Reckmung von 1912 vorgetragen. Die Rechnung jtiirb vorbehaltlich der Prüfung burd» die Oberrechnungstalume!. genehmigt. Sodann wird in die Beratung des Bora n schlaas für 1913 eingetreten. Er stellt fick» in ben .hauptsächlichsten Titeln wie folgt: Grundstticke Einnahme 18 250 Mk, (Ausgabe 6065 Ml i, Lichttverke 23100 (8600 , Wasseriverk 22450 (50», Schlachthaus (500), Kirchen 16 558 (16500), Friedhöfe 2655 (3653) Bolksfvrtbildungsschule 3547 (70182), Höhere Bürgerschule für Mädd)en (6500 , Gymnasium unb Realsdiule (11 811), Gewerbe Akademie 51 518 (73 411 , Obst- imii im t Schule I 1 , Handwerk — (1064), Kaufm Fortbildungsschule (200 , Kleinkinder-, schule 1130 (27691, Gemeinnützige Zwecke — (6,388 , Ceffent- ltd)c Anlagen 200 (7000; Straßenunterhaltung 605 (16556), Straßenreinigung — (21 100), Straßenbeleuchtung — (12850, Feuerlöschwesen (3515), Armenpflege 15 073 <15.320, Zwecke be? vreife - — (54 000), Polizei 3792 (30047), Allgemeine Berimiltuu^. 12131 (54 406), Kapitalzinsen 27 718 (71 795>, Schuldentilgung 27 000 (33 4085 Oktroi 18800 (9000), Hundesteuer 3000 ( 200), Reservefonds (20(MX)), Betriebskapital (50 069), Gemeindesteuer 317 283 (16 700), Befitzwechfelabgabi 6000 (—), Wertzuwachssteuer 1000 ( -), Filialsteuer 2000 (—), Warenhaussteuer 1000 (—),. Tie Betriebsredmung schließt ab in Ausgabe unb Einnahme mit 725.319 Mk Die BermögenSrechnnng schließt ab in Ausgabe unb Einnahme mit 291 500 Ml'. Beide Redinungen in Einnahme unb Ausgabe mit 1016819 Mk. Der Gesamtvoranschlas wird nach den Vorschlägen des Bürgermeisters mit geringen Abänderungen angenommen Eine Erhöhung der Gemeindesteuer ist für dieses Jahr nicht erforderlich. Die zu erhebende Gemeindesteuer beträgt 289 700 Mk. Starkenburg und Rheinheffen. w. Darmstadt, 13.März. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß die Begebung eine 4prozentigen Anleihe in Höhe von 4 Milli onen Mark an ein Bank- konsortium unter Fühnmg der DiSkonto-Gefcllschaft in Frankfurt a. M. h. Darmstabt, 13. März. Bei ber Herstellung von Wasserstoff in ber Mäbchenmittelschule explobicrte heute mittag ein Eifentiegel. Durch bie umherstiegenben Eifensplitter »üurbc ber Lehrer Zimmermann unb zwei Schülerinnen erheblich verletzt, so baß sie bem Krankenhause zugesührt werben mußten. HesseN'Nassau. CI Marburg, 13. März. Ter Kre iShauShalt fü 1913 schließt mit 401000 Mk. (gegen 524 771 Mk. »m Vor- jähre) ab. An Steuern werben wie im Vorjahre 20 Prozent Real- unb 10 Prozent Bezirksabgaben, Insgesamt 195 200 (188 100) Mark erhoben. — Die Marburger Kreisbahn stellt 98 784 (87 700) Mk. in Einnahme unb 86 410 (80 485) Mk. in Ausgabe. Zur Verzinsung nnb Amortisation ber Anlagekosten sind 39 750 (43 172) Mk. durch ben KreiS zu decken. — Bei ben heute vorgenommenen Ersah- unb ErgänzungSwahlen zum Magistrat würben folgenbc Herren teils wieber , teils neugewählt: Rentner V. Zeiß, Zimmer- meister G. Vollanb, Rentner P. Runkel, Apotheker Scholl» meyer, Rentner Engel, Schreinermeister Bang unb Geh. Mebizinalrat Prof. Dr. v. Behring. Skrnitfcbproief). Frankfurt (Oder), 13. März Unter ungeheurem Andrang bee Publikum? begann heult vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandluug in dem umfangreichen Mordprozeß gegen ben Müttergesellen August Stemickel und seine drei Genossen, die Brüder Ktrfttn unb ben Arbeiter Schliewenz. Die Zahl ber Zeugen und Sachverständigen beträgt etroa 40. — Die Anklage lautet auf dreifachen Raubmord, Beihilfe und Brandstiftung. Als Opfer der Angeklagten fonrmt für den gegenroärtige« Prozeß der Bauemgutsbesitzer Fritz E alies in Ortwig. dessen Ehefrau und das Dienstmädchen Anna Philipp in Betracht Alle drei wurden von Sternickel und seinen Spletzgescllen am 8. Januar d. I in der scheußlichsten Weise ums Leben gebracht, »voraus Sternickel die Leichen von (lalics und »einer Frau auf freiem Felde bei Ringenmalde inmitten einer Strobnncle verbrannt' Hierbei wurde er beobachtet unb schließlich zur Strecke gebracht. •«d’ar.na»’ ■„nt soNlN -r ÄoN' c.®-' .,-^crrerlt! öcllitz 11. ^,'lklsall 1Ö i> a W «W mit 1 Jn:rri.t!aai 3:crnu < ericht so Ölungen- uratet Oct i«b doä' n «XcittHt du ubriflcn d> bfliür Ion» von neuen iuchlhaiis -ictait Ich nabe zuerst in '.IngcN.'.. neben r \1ngtu. : roden? int Cbcr eic mir» clMb a eie sich eie nanu Sie 3tra nn(ierei4l mmrmett abgelegt Itr ' orkiter? stellt au” Angrllagt ui Äerim sei. (fr s wegen Un Ter fllrbe bei Frank Es ic alle vier s vder 'brau 3n ix hnb eie ni lüll l iUftCft.'. tat 2\t w sind । ,)n einer (ialiei cn a\i ich vo p u r tö g ■ nutzte ai $ori.: ? perrati u Däne ge lnwmme 1 I l l 1 r 11 1913 • 10 Personen 1687 Nichtmitglieder willkommen Eintritt frei! Theater - Verein Anfang 7 Uhr pünktlich. Ende 10 Uhr. weg (Teleph. 671). v13/3 D*S O Eintrittskarten zu Mk.2.— bis Mk.6.—, sow'e Textbücher in der Musikalienhandlung von E. CHALL1ER, Neuen- bis Samstaa, den 15. März inkl. vrolonniert. Vollständig neues Programm. - Anfang 7l/a Uhr. Neu! — Saxophone» (Quartett. — Neu! Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Dessen für Samstag, den 15. März Meist trüb, leichte Niederschläge, mild, westliche Winde. Wcifabrplan $°Hen und ’,fl vorgesehen, ' und in Nidda im 11» Vorm. «n. Der letzte und um 9« m III. Kl., 25 Stg. IV. Kl./ b) Brennbolz. Crumbach, den 12. März 1913. Der Kirchenoorstand, Cuntz, Pfarrer. t Herstellung von lobierte heute ^liegenden Eisen- ,nn und |wei io daß sie dein Lyon, 14. März. In einer Versammlung kam es zwischen demokratischen Studenten und Royalisten zu einer wüsten Rauferei. 15 Leute wurden verletzt. ds. Darmstadt, 14. März. Abgeordneter Fenchel hat die dringliche Anfrage gestellt, ob der Regierung bekannt ist, das; die Bilanz der Spar- und Darlehns- raffe Langsdorf mit einem Fehlbetrag von über 600000 Mk. abgeschlossen haben soll. Wenn ja, können die Geschädigten auf die Unterstützung der Regierung rechnen? Ein Protest der deutschen Studentenschaft in Wien. Wien, 14. März. Die deutsche Stuben tenschafi- der deutschen Hochschule in Wien veröffentlicht eine Kundgebung gegen die Errichtung einer italienischen Fakultät. Beschlagnahme eine? französischen Schiffes. Konstantinopel, 14. März. Ein türkisches Kriegsschiff hielt den französischen Dampfer Henry Frey'ssinet an und durchsuchte ihn. Der französische Botschafter hat die sofortige Freigabe des Schiffes verlangt. Mülhausen (Elsaß-, 14. März. Auf die Anregung hoch angesehener alttlsäßischer Kreise hin, und einberufen von den drei politischen Parteien Rdülhausens, der fortschrittlichen, der sozialdemokratischen und der Zentrums- Partei, fand gestern im großen Börseniaal eine öffentliche Versammlung", unter dem Vorsitz des fortschrittlichen Landtagsabgeordneten Drumm, statt. Die Redner der drei Parteien, Pfarrer Scheer (Fortschr.), Stadtrat Wicky (Soz.) und Stadtrat Hänggi (Ztr.) verliehen einmütig dem Gedanken Ausdruck, daß die elsaß-lothringische Bevölkerung als von einem höheren Kul'turstandpnnkt ausgehend, eine kriegerische Lösung dvr elsaß-lothringischen Frage durchaus verwirft. Eine vom Vorsitzenden vorgeschlagene Entschließung sand einstimmig und begeisterte Aufnahme. Drucksachen ailer Art liefert in jedergewünschten Ansstattangpreiswert die BrühFsdie Universitäts-Drnckerei, Scbulstr. 7 iderStadt- lneislers Stahl. ■ schließt ab in nt 662338 M. - Rechnung von 'rbehaltlich der senehmigt. So- lags für 1913 hlichsten Titeln M., iAusgabe 'Crf 22450 (50), 500», oriedhöse 70182), Höhere ifium und Real- < (73411), Cb[l- Mrkerschule - Di, Äeinkinder- (63881, Lessenl- ing 605 (16 556, Beleuchtung - ietyattumi 96 bcx* ftreifeä - ' Verwaltung 5), Schrüdw , MMüuei i'vttetafntat - itzwechsel-abgck lilialsteuer 200C letriebsrechnuna nt 725 319 M. sgabe und Ein- m in Einnahme samtvoranschlac lejsters mit ge ic Erhöhung stihr nicht er- ibciteuer beträgt 5N. tverorbneten« iprozentigen irt nn einBank- llschast in Frank- Jede MäliausMt braucht eine PatentpUttmascbine von der FonrterWäscherel-fflaschinenlabrikBumsch&Kannner 75008t.im Betriebe. FOFSt LL. 163 Offerte kostenlos. iShauShaltfü 771 < im Dor- 8 3* 3'””* , Bang 1,1,0 KoiifmännifcherVerein Samstag, den 15. März 1913, abends 9 Uhr, in unserem Hause Nord-Anlage 15 — 1. Stock —: VsvtZmg des Herrn Otto Seipp, Tarmstadt: UnsereGeldverfassnng unter besonderer Berücksichtigung der Rrichsbank und ihrer Diskontpolitik tat y d, Tä* fSl: !,S *■ ÄS Sl[ ^annt 0 irf" " -in.« S bildet. y*« b.5 Sich be. 9-nMltigt b» dnittch.« j ne besondere fe bQrt hak, durch er ^kziehungcii Mrz ., sfWs und p.ni odicn YtoN rt? s-- Mlvt ei Eifenbahnhofel Samstag, de» 15. März: Metzelsuppe Morgens Wellfleisch m.Kraut 1791 Adam Ilopfeld. 3. Opernvorstellung: Freitag, den 14. März Gesamtgastspiel des Grossh. Holtheaters und der Hofmusik MARTHA oder.- Der Markt zu Richmond. Romantisch-komische Oper von Fr. von Flotow. — Angekl.: Jawohl, am Sonntag, den 5. Januar, hatte ich Urlaub und fulir wieder nach Fürstenwalde. Bei meiner Rückkehr trat cck in einer Wander Herberge die beiden Brüder Beriten und den Schliewenz. Ich fragte sie, vb sie Lust hätten, „cm Ding mit mir zu drehen": ich wäre bei einem Bauern, der . geizig sei, aber eine größere Erbschaft gemacht hätte, wir wollten ihn < etwas erleichtern. | Bors.: Hatten Sie den Plan schon genau überlegt? — Angekl.: Rein, den Plan überlegte ich erst später. Ich wollte ( den Bauern und seine Frau fesseln, ihnen das Geld wegnehmen und dann verschwinden. — Bors.: Hatten Sie nicht die Msicht, sie zu töten? — Angekl.: Nein. — Bors.: Was geschah dann weiter ? — Angekl.: Wir gingen dann zu Fuß nach Ortwig uni) , besprachen unterwegs noch die Sache. Ich nahm die drei Leute in ; meine Kammer mit, und wir schliefen dann bis zum Morgen. Morgens um JA5 Uhr — es war dies am 7. Januar — weckte 1 ich sie und erklärte ihnen die Sache nochmals. Ich wollte mit Ealies Streit anfangen, und sie sollten ihn dann überfallen und betäuben, so daß er eine Stunde lang bewußtlos wäre. . . ‘Sie Tat. Bors.: Sie sind mit Ihren drei Mitangeklagten in den Pferdestall gegangen? — Angekl. Jawohl. - Bors.: Was taten Sie dort? — Angekl.: Wir warteten, bis Ealies komme. Ich trat dann vor und stellte ihn wegen der gestohlenen Schürze zur Diebe, packte ihn an und wollte ihn zu Boden werfen, t Wir kamen aber beide z u Fall. Einer der drei anderen, wer, weiß ich nicht, hat den Ealies sestgehalten, so daß ich auf ihn zu liegen kam, der andere hat die Fiißc festgehalten, der brüte band ihm, während er ihn am Halse festhielt, den Strick um den Hals. — Bors.: Ist denn nicht versucht worden, den Ealies am Schreien zu hindern? — Angekl.: Jawohl, einer, wer, weil! ich nicht, hat dem Ealies ein rotes Taschentuch in den Mund gedrückt. Ealies hatte aber die Hände frei und riß es heraus. — Bors.: Hat er denn nichts dabei gesagt? — Angekl.: Ja, aber was, weiß ich nicht. Ich habe ihn bann in bic Rüben kämm er geführt und dort auf die Rüben gesetzt. — Bors.: Er hatte da den Strick um den Hals? — Angekl.: Jawohl. Nach einiger Zeit kam bann auch bas Dienstmädchen Anna Philipp in den Kuhstall. Ich warf auch sie zu Boden, und die anderen halfen mir bann, dem Mädchen die Beine zusammenzubinden und einen Strick um den Hals zu legen. Ich habe sie bann auf die Seite des Ganges auf Stroh gelegt. Wir haben das Mädchen im Stalle hegen lassen und gingen alle vier ins Wohnhaus. - Bors.: Wohin gingen Sie dort? — Angekl.: Wir gingen ins Schlafzimmer. Dort lagen bic Kinder des Ealies zu Bette. Wir wollten |te ein- schüchtern. — Bors.: Haben Sie nicht zuerst auch bic Fr a u unschädlich gemacht? — Angekl.: Ja, ich ging in das Schlafzimmer, faßte sic nm Halse, warf sie plötzlich zu Boden, w daß sie. mit dem Hinterkopf auf die Steinfließen auffiel. Die anderen haben habet geholfen. Einer von ihnen, es wird ,eden- fatls Willi Kersten gewesen sein, hat bei den Mädchen Wache gehalten und sie eingeschüchtert. Wir haben bann der Frau auch einen Strick um den Hals gelegt und ihn zugezogen. Wir gingen bann in die Wohnstube, wo der Gelchchrank stand, und nahmen das Geld, bas wir dort sanden, heraus. Bors.: Woher hatten Sic die Schlüssel? — Angekl.: Die hatten wir uns von den Kindern geben lassen. Bors.: Was hatten Sic den Minbcrn gesagt? — Angekl.: Wir sagten ihnen ne sollten aufstehen und sich anziehen. Wir steckten sie dann in den Schrank und verlangtest von ihnen dic^Gcldschrankschlüsiel. Wtr setzten noch eine Fußbank in den Schrank hinein. Bori.: Haben die Kinder nicht sehr geweint? — Angekl.: Ich habe ihnen ja gesagt, es passiere ihnen nichts. — Bors.: Haben <2tc timen die Wahrheit gesagt oder ihnen etwas vorgelogen? — Angekl.: Natürlich haben wir ihnen etwas vorgelogen. ( Fortsetzung folgt.) Vermachtes. * Seltsame Austritte in Nom. Die Tochter des Münchener Professors Kröpelin ging gestern mittag ohne Begleitung durch die Straßen der Altstadt am Tiber spazicrcu Dicht bei der baherischett Gesandtschaft auf der Piazza Sandor!o Gattinari wurde sie von zwei Männern angehalten, die sich als Geheimpolizisten ausgckben, aber ebenso gut Apachen sein konnten. Die beiden Fremden faßten die 'Tarne ohne weiteres am Arm und suchten sie in einen Wagen hineinzuziehen. Dies gelang ihnen aber nicht, ba sich die Ueberfallene kräftig wehrte. Mittlerweile sammelte sich eine neugierige Menschenmenge an, die d e r Szene z tt s a h. Nach einer viertelstündigen Balgerei entschlossen sich die beiden Fremden, von der Übel zerzausten jungen Tarne, die sich mit ihrem mangelhaften Italienisch schwer veritöndlich machen fomttc, abzulassen. Zu der Voruntersuchung ist die Täterschaft Stemickels einwandfrei sestgestellt: nur über die Frage, wieweit seine Mitangeklagten der Täterschaft oder Beihilfe schuldig erscheinen, wird die gegenwärtige Verhandlung voraussichtlich noch weitere Aufklärung bringen. Ein starkes Polizei- und Gendarnterieaufgebot sorgte in der Nähe des Gerichtsgebäudes dafür, baß nur die mit Eintrittskarten versehenen Personen Zutritt erhielten. Sternickel, der sehr gefaßt aussieht, wird in schweren Fesseln vorgeführt; . neben ihm nehmen ein Gendarm mit geladenem Revolver und Aufseher Platz. Sternickel ist ein Mann mit sehr hoher Stirn, bic fast ebenso hoch ist wie bic ganzen unteren Partien des Gesichts. Er hat graue Gesichtsfarbe, einen starken Kinn-, .Backen- und Schnurrbart. Vernehmung des Angeklagten. August Sternickel gibt an, er sei am 11. Mai 1866 in Nicder- Machanna int Kreise Rybnik geboren. Der Vorsitzende hält ihm .seine Vorstrafen vor. Er ist zum erstenmal im Jahre 1889 vom Schöffengericht Brandenburg wegen Hausfriedensbruchs mit vier Wochen.Haft bestraft worden. Im gleichen Jahre erhielt er von benrfcibcn Gericht wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe von einem Monat: von der Strafkammer am Amtsgericht Brandenburg ebenfalls int gleichen Jahre vier Wochen Gefängnis wegen Körperverletzung. Dann folgen die erlittenen Strafen in kurzen Zwischenräumen aufeinander. Er wurde u. a. vorn Landgericht Berlin mit zwei Jahren Zuchthaus wegen schweren Diebstahls int Rückfall und wegen desselben Verbrechens vorn Landgericht P o t s d a m mit drei Jahren Zuchthaus und bann rmn Landgericht Neiße mit vier Jahren dinem Monat Zuchthaus wegen Betruges, Unterschlagung und schweren Diebstahls bestraft. Sternickel: Das war ja gar kein Betrug, das wird nur vom Gericht so gemacht! Bors.: Lassen. Sie gefälligst diese Bemerkungen. — Eine Vorstrafe von drei Monaten Gefängnis bestreitet der Angeklagte, die habe er nicht erlitten, ba müßte er sich doch entsinnen können; ba werde wohl ein anderer auf feinen Namen die Strafe abgebrummt haben. Vors.: Geben Sie im übrigen bic Richtigkeit ber Vorstrafen zu? Angekl.: Jawohl, dafür kann man ja nickst, bas wirb ja schon so gemacht, Herr Präsident, das; man herein muß. Der Vorsitzende unterlagt ihm -von neuem solche Bemerkungen und fährt dann fort: Die letzte Zuchthausstrafe haben Sie im Jahre 1905 verbüßt. Was haben Sie getan als Sie aus dem Zuchthaus herauskamen? Angekl.: Ich habe in ber Gegend von Liegnitz und Görlitz gearbeitet, Zuerst in Raucha. Vors.: Sie sind doch wohl auch in Plagwitz gewesen wo Sie die Sache mit der Mühle gemacht haben? Angekl.: Jawohl. Bors.: Darauf wollen wir heute nicht ein- gchen. Sie wissen, daß deshalb gegen Sie ein Verfahren schwebt? Angekl.: Jawohl. Bors.: Sie sind dann auch in Rußland gewesen? Angekl.: Jawohl, sechs Wochen. Vors.: Sie haben dann im Oberbruch verschiedentlich unter falschem Namen gearbeitet. Sie nannten sich zuerst Voigt, doch legten Sie diesen Namen alsbald ab, als Sie erfuhren, daß gegen Voigt, dessen Papiere Sie sich anzueignen gewusst hatten, ein Strafverfahren schwebe. Sie nannten sich bann Philipp, und unter diesem Namen haben Sie Strafanzeige gegen einen anderen wegen Körperverletzung cingereicht und sind bann in dieser Strafsache als Zeuge ver- nrnnmeu und haben unter dem Namen Philipp eidlich Zeugnis abgelegt. Angekl.: Ja. . , . . Der Angeklagte Willi Kersten tft als Sohn eines Alabasterarbeiters am 31. März 1895 in Berlin geboren. Der Vorsitzende stellt aus beit Akten fest, daß Willi Kersten unbestraft ist. — Der 'Angeklagte Georg Ster ft en bekundet, daß er am 9. Dezember 1893 ■ in Berlin geboren und der Bruder des Mitangeklagten Wille Kersten ■sei. Er sei wegen Diebstahls mit zwei Monaten Gefängnis und wegen Unterschlagung mit einer Woche Gefängnis vorbestraft. — Der Arbeitet: Franz Schliewenz ist am 7. August 1894 in Kunitz bei Frankfurt a. O. geboren und mehrfach vorbestraft^ Erössnungsbeschluß. Es wird hieraus ber Eröffnungsbeschluß verlesen, ber gegen alle vier Angeklagten auf breifachen Raubmvrb unb schweren Raub ■ober Brandstiftung lautet. In der fortgesetzten Vernehmung fragt der Vors.: Wann sind Sic nach Ortwig gekommen? — Angekl.: Am 28. Oktober 1912 — Vors.: Was für einen Namen legten Sie sich da bet? — Angekl.: Ich nannte mich Otto Schöne. — Vors.: Ealies hat hat Sie verschiedentlich aufgefordert, ihm Ihre Papiere zu geben. Sie sind aber immer mit Ausflüchten gekommen. — Angekl.: 'Jawohl. — Bors.: Wo wohnten Sie bei Ealies? — Angekl.: ’3n einer Kammer im Pferbestall. — Bors.: Wie sind Sie mit Calies ausgekommen? — Angekl.: Ganz gut. Aber einmal, als ich von Fürstenwalde zurückkam, bemerkte ich, daß meine Sachen durchgekramt waren unb mir eine Schürze fehlte. Ich «mußte aunehmen, baß Ealies mir die Schürze gestohlen hatte. vBorf.: Wo haben Sic in Fürstenwalde gewohnt? Angekl.: Das ‘verrate ich nicht. — Vors.: Haben Sie dem Ealies darüber Vorwürfe gemacht? — Angekl.: Nein. Jedoch hatte ich mir vor- jcitommen, ihn auch einmal zu ärgern, und zwar wollte ich ihm 'Geld wegnehmen. — Vors.: Hatten Sie dazu eine bestimmte Ab- Jch wollte die Leute fesseln unb bann ver- • sr', Lehrmädchen gegen sof. Bergütung gesucht. 01997] Max Ma rum. Mädch. z. Aühr. e. Oauvl). ges. ftatbarinc Schmidt, gewerbstnähiae Stellenver Mittlerin, Walltorstr. 18. r2C’1- Ein groher, massiv, eichener 2=türiqcr fileiheridirint für Kleiber unb Wäsche paff., umzugshalber billig zu verk. Zu erfrag, i. b. 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