Nr. 14 Erschein! tttgltd) mit Ausnahme des GonntagS. Die ..Gtetzene» HamtltendläNer- werden dem #21nAeiQer* oiennal wöchentlich betgelegi das „Kreisblali fflt den Kret» Ließen^ «roetmal «öcheiulich. Die ..Landwlrtlchaftllchen Sett- ftagcn* erscheinen monatlich twennat. 163. Jahv"ang Freitag, 17. Januar 1913 General-Anzeiger für OberheUn tRotattongbrua an» tirrtag »ci Ötübi’ldjen Unioeriitotfl • Buch, and •StemörudeteL UL Bange. Giegen. iRebaftton. LxoedMon and Druderet: Schul- ftrnBe 7 Ervedition and "Bering bL fRcöafMonier 112. TeU-Adr.:AnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reick)staq. 92. Sitzung, Donnerstag, o e n 16. Januar 1913. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Kühn. Präsident Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. Etat des Reichsamls des Znnem. (Vierter Tag.) Abg. Dr. Haegy (Elsässer): Die Angriffe, die hier gegen meine Freunde laut geworden sind, nötigen mich, die Stellungnahme meiner persönlichen Freunde zu den Konferenzvorträgen, die der Abg. Wetterle auf Einladung in Frankreich gehalten bat, hier klarzulegen. Die Berichte darüber haben in her deutschen Presse eine große Aufregung hervorgerufen, und diese Aufregung ist auch in den Aeußerungen verschiedener Abgeordneter zutage getreten. Der Abg. Müller- Meiningen besonders glaubte die Vorträge des Wetterle der Zentrumsfraktion deS Reichstags zur Last zu legen. Wer die Verhältnisse fern t, weiß, daß Wetterle der Zentrumsfraktion des Reichstages nicht angehört Ueber die Rede Wetterles liegen aber authentische Berich'e bisher nicht vor. Freiherr v. Gamp hätte warten können mit seinem Urteil, bis das der Fall war. Ick meine, daß Über dergleichen Dinge, wie sie Wetterle in seinen Vorträgen gesagt haben soll, erst zweifellos authentisches Material vorliegen müßte. Ich und meine Freunde stehen auf dem Standpunkt, daß den clsaß-lothringiscl)en Abgeordneten die Aufgabe zufällt, in dem ganzen Verhältnis zwischen Deutschland und Fra n k - reich versöhnend zu wirken. (Lachen.) Die Vorträge meiner Parteifreunde, die Über die Verhältnisse und Stimmungen in Elsaß-Lotoringen aufklären, fönnen in Frankreich nad^ jeder Hinsicht günstig wirken. (Ironische Zustimmung.) So sehr die Stimmungen bei uns im Lande auch den Erwartungen von deutscher Seite nicht entsprochen haben, so iinb_ sie doch andererseits geeignet, bestimmte Hoffnungen der Gegenseite herabzumindern. Die Erfahrung kann in dieser Hinsicht unterrichten, wie die Dinge in Elsaß-Lothringen liegen. Es ist nickt ganz unwichtig hier fest- zustellen, daß schon ein anderer Abgeordneter unserer Fraktion Delsor vor etwa acht Jahren, als er bei einer elsässischen Weihnachtsfeier in Lüneville einen Vortrag halten wollte, von dem Polizeikommisiar gefangen g e n o m men u n b eine A u s - Weisung z u g e ft e l l t erhielt. TaS geschah allerdings, weil sein Vortrag den Machthabern, die damals regierten, vom Ministerium Combes nicht in den Kram paßten. Erst in den letzten Wochen wurde die Ausweisung Telsors zurückgenommen. Die Stimmung in Elsaß-Lothringen könne bei politischen Gegnern unliebsam empfunden werden. Sollten wirklich die Vorträge auf französischem Boden die Geister stark aufstacheln, dann würde ich, und mit mir meine Parteifreunde, darüber unser lebhaftes Bedauern aussprechen. (Gelächter.) Von dergleichen Dingen will bet uns niemand etwas wissen. Die Sensation, die dadurch hervo" gerufen wurde, läßt es allerdings als wünschenswert erscheinen, daß die Vorträge lieber nicht gehalten worden wären. Das habe', die Blätter unserer Partei schon unumwunden zugestanden und wir sind auch dieser Ansicht. Tatsächlich hat auch der Kollege Wetterle selbst seine Vortragstour abgebrochen und hat seinen Vortrag von einem Bekannten vorlesen lassen. In der Presse wurde nun unterstellt, er habe das getan, weil er befürchten mußte, sonst bei seiner Rückkehr nach Deutschland innerhalb der ersten 24 Stunden nach Abhaltung des Vortrags trotz seiner Jmunnität verhaftet zu werden. Wenn ich auch anneijme, daß die Staatsanwälte in Elsaß-Lothringen nicht so rasch zugegriffen hätten. Aber jedenfalls kann ich diese Unterstellung zurückweisen und erklären, daß er die Vortragstour abgebrochen hat, weil ihm die unerwartet eingetreten c' Sensation nicht lieb war. (Unruhe und Gelächter rechts und bei den Lib.) Uebrigens haben die französischen Blätter von dem Vortrag Wetterles nur ganz nebenher Notiz genommen. Erst der „Matin" hat einen sensationellen Aufputz für gut befunden. Aber die Darstellung deS „Matin" stimmt mit den Tatsachen nicht überein. Es wurde so dargestellt, daß Herr Wetterle am Schluß seines Vorgehen-, gesagt habe: Wir haben im Elsaß große Fortschritte in der Erkämpfung der Freiheit gemacht und hoffen noch weitere Fortschritte zu machen. Der „Matin" fügt hinzu, der Applaus nach diesen Worten habe sinngemäß ergänzt, was Wetterle damit gemeint hat. Ich kann aber feststellen, das Wetterle dergleichen nicht gesagt hat. Man kann es uns im Elsaß nicht verargen, wenn wir die auf 200 jähriger Gemeinschaft beruhenden Familien- und gesellschaftlichen Beziehungen aufrecht erhalten wollen. Und ich darf darauf Hinweisen, daß ähnliche Bestrebungen wie die einer Versöhnung zwischen Deutschland und England auch bei uns im Gange sind. Elsaß kann und will das wirkliche Bindeglied einer freundschaftlichen Entente sein, in welcher die endgültige Sicherung des Weltfriedens eine feste Basis finden könnte. Ich und meine Freunde bedauern es auf das lebhafteste, daß die sogenannte elsässische Frage immer wieder als drohendes Gespenst am F r i e d e n s h i m m e I auftaucht. Wir meinen, das; der Krieg von 1870 der letzte gewesen fein sollte, der die glücklichen Gefilde unseres Heimatlandes getränkt hat mit dem Blute zweier Völker, die geschaffen sind, sich zu verstehen und mit einander in edlem friedlichen Wetteifer zu arbeiten an dem Fortschritt der Zivilisation. Wir können von uns persönlich sagen, daß alle f r i e d e n s st ö r e n d e n Tendenzen bei uns auf schroffe Ablehnung stoßen. Ich hoffe, daß die Herren hier im Hause trotz dieses nicht weltbewegenden Ereignisses der Vorträge des Kollegen Wettert, ihr kühles Blut bewahren werden. Sie werden doch nickt gewisse Beamtenkreise im Elsaß nachahmcn wollen, die in Aufregnng geraten, wenn einmal bei einem Ausflug nach Frankreich die Elsässer stürmisch begrüßt werden. Davon wird doch der massive Bau des Deutschen Reiches keine Erschütterung erfahren. Ob für Herrn 2B c 11 c I e i n Zukunft noch ein Platz im Deutschen Reichstag fein wird, daß muß Herr v. Gamp den Wählern des Wahlkreises Rappoltsweiler überlassen. Uebrigens kann Herr v. Gamp ober einer seiner Freunde künftig dort kandidieren, die Bahn ist frei. Anfügen möchte ich nur, daß doch auch ein Abgeordneter einer anderen Partei die Vertretung einer französischen Zeitung übernommen hat. Trotzdem hat er Sitz im Deutschen Reichstag. Unsere Opposition gegen die Regierung hat mit irgend welchen Sympathien für unser Nachbarland nichts zu tun. Diese Opposition ist begründet durch die Mißgriffe der Regierung, die auf Herrn v. Köller zurückgehen. Wir fühlen uns davon abgestoßen und erblicken darin ein System der Brüskierung unserer Partei. Der Redner kommt dann auf die kurze Anfrage des Abg. Dr. Müller-Meiningen über die Straßburger Universitätsverhältnisse zu sprechen, wird aber vom Präsidenten darauf aufmerffam gemacht, daß dies nicht zum Gegenstand der Tagesordnung gehöre. Die Anregungen zur Weiterführung der Sozialpollik unterstützen wir auf das lebhafteste. Es besteht die Gefahr, daß sich Deutschland jetzt von anderen Ländern überholen läßt. So ist in Frankreich die Altersgrenze für die staatliche Versicherung auf 60 Jahre festgesetzt. Bei uns aber ist dafür kein Geld vorhanden. Ter Redner wendet sich dann der Frage des Neblausgesehes zu und schließt: Mit Befriedigung stelle ich fest, daß der Staatssekretär sich in Elsaß-Lothringen persönlich vom Stand der Tinge überzeugt hat. Möge sich die Berliner Regierung auch sonst ihre Informa- tionnen selbst holen und sich nicht auf eine gewisse Presse verlassen. Abg. Hoch (Soz.): Hätte die Z e n t r u m s p a r t e i nicht so oft versagt, so hätten wir in der ^Sozialpolitik schon viel mehr erreicht. An der sozialen Frage wird nur noch herumgeflickt. Ter Umsatz der Großbanken ist in die Hunderte von Milliarden gestiegen, das ist die vollkommene Ausbeutung des arbeitenden Volkes. Hunderte von Millionen luerben aus der Arbeit der Massen gezogen. Der Mittelstand wird aufgerieben rind kommt in die Abhängigkeit des Großkapitals. Wenn man den Leuten vorredet, man könne ihnen noch helfen, b e l ü g i man l i e. Nicht Zwirnsfäden soll man dem Siegeszug des Großkavitals in den Weg spannen, sondern die Entwicklung weit erführen zum sozialistischen Staat. Die Zollpolitik hat den Betrieb der Landwirtschaft mehr verteuert, als die Einnahmen gewachsen sind. Die Abnahme der Bevölkerung beußt aus ler Notlage eines großen Teils des Volkes. Und bei diesen Zuständen unternehmen die Konservativen einen energischen Vorstoß gegen die Grundrechte der Arbeiter, um sie zu knechten und wehrlos dem Großtapital auszuliefern. Leider steht Graf Westarp mit seinem Vorstoß nicht allein. Auch der Staatssekretär Dr. Delbrück hat eine eigenartige Stellung dazu eingenommen. Er hat die Rede des Grafen Westarp als c *ne Entgleisung angesehen. Ich glaube, mit dieser Rede hat er den BefähigilngönachiveiS dafür erbracht, auch an höheren Stellen, etwa als preußischer Justiz-Minister, die Geschäfte der Scharfmacher zu besorgen Beim Streik im Ruhrrevier wurde eine Mutter mit ihrem Säugling ins Gefängnis gesteckt, weil sie einem Arbeiter Streikbrecher rind Pfui zugeruien batte. Ein solcher Rechtszustand ist eine S ch in a ch rind Schande. Die Entrüstung über den Terrorismus der Arbeiter ist nur eine schamlose Komödie. Die Arbeitgeber treiben einen viel schlimmeren Terrorismus. Tie Konservativen sind beute immer mehr zu einer Söldnertruppe des Großkapitals geworden. Der Staatssekretär Delbrück bat sich in der Budget komm istion bitter darüber beklagt, wie er in seinen sozialpolitischen Bestrebungen immer von Preußen gehemmt würde. Als auf Antrag des Abg. Lcdebour diese Erklärung bann zu Protokoll genommen werden sollte, hat er sie allerdings erheblich abgeschwächt. Die Mitteilung des Materials des Abg. Fischer, die mir zur Zeit der Kommissionssitzung noch garnicht bekannt war, gibt eine interessante Illustration dazu, wie sehr der S t a a t § f ' f r c t ä r eine untergeordnete Behörde des preußischen Ministers ist. Die nächsten preußischen Landtag "wählen müssen da? deutsch- Reich von dem Albdruck der preußischen Junkerherrschaft befreien. (Beifall bei den Soz.) @taof§fcFrct(ir deS Innern Dc. Delbrück'. Ich muß mich gegen die Ausführungen des Vorredners wenden, daß '.ck meine Bemerkungen in der Budgetkommission die ich auf Wunsch eines seiner Parteifreunde zu Protokoll gegeben habe, wesentlich abgeschwächt hätte. Ich habe an dem mir von der Budgetkommission zugestellten Korrekturabzug an den maßgebenden Stellen nichts gestrichen. (Zuruf des Abg. Hoch.) ES ist ja möglich, daß ich den Abg. Hoch mißverstanden habe und ich stelle hier nur fest, daß ich an den mir vom Bureau des Reichstags zugestellten Protokollentwurf nichts geändert habe. Ich habe mich nicht über bie Schwierigkeiten, bic mir von Preußen gemacht würben beklagt, sondern ich habe lediglich darauf Hinweisen wollen, daß die fertig Stellung eines Gesetzentwurfes im Deutschen Reich auf Grund feiner eigenartigen staatsrechtlichen Struktur immer auf große Schwierigkeiten stößt. Der heutige Artikel des Abg. G o t b c i n im „Berliner Tageblatt" „Reicysämter und preußische Staatsministerien" nötigt mich, auf diese Dinge einzugehen. Im Bundesrat kann jede der Regierungen durch ihren Bevollmächtigten Anträge stellen. Damit ist auch Herr Gothein einverstanden. Der normale Weg und die ursprüngliche Entwickelung geht dahin, daß mit Rücksicht darauf, daß Preußen der führende Bundesstaat ist, daß der Vorsitzende des Bundesrats gleichzeitig preußischer Bevollmächtigter und Ministerpräsident ist, seine Anträge unter der Firma prcußische Anträge gehen, ebenso wie bayerische, württembergische unter dem Namen ihrer Regierungen. Tatsächlich hat sich nun aber nicht der Form, aber der Sache nach eine A r t Neichsregierung entwickelt. Das mußte geschehen mit dem Augenblick, wo durch das Stellvertretungsgesetz dem Reichskanzler ein ständiger Stellvertreter mit Ministerverantwortlichkeit zur Seite gestellt wurde. Tatsächlich ist durch dieses Gesetz der Reichskanzler entlastet Ivorden, nicht nur hinsichtlich der Arbeit, sondern auch der Verantwortlichkeit, daß die einzelnen Staatssekretäre für alle Angelegenheiten ihrer Ressorts die volle Verantwortlichkeit in jeder Beziehung zu tragen haben. Daraus ergibt sich ferner, daß die Vorlagen, die früher in den zuständigen preußischen Ministerien ausgearbeitet wurden, heute in der Regel in den betreffenden Reichsämtern ausgearbeitet werden. Be» diesen staatsrechtlichen Verhältnissen können die Vorlagen an den Reichstag nicht anders kommen, als durch einen Bundesstaat und mit seiner Ermächtigung Der Reichskanzler als solcher hat im Bundes- rat keine Anträge zu stellen, sondern als preußischer Vertreter formell. Tatsächlich aber werden in zahlreichen Fällen sogenannte P r ä s i d i a l v o r l a g e n eingebradjt, das heißt, Vorlagen des Reichskanzlers bzw. der einzelnen Ressorts. Aber derartige Präsidialvorlagen fönnen von uns, die wir preußische Bevollmächtigte sind, nicht eingebracht werden, da wir nicht der Zustimmung des preußischen Staatsministeriums sicher sind, daö verantwortlich ist für die Instruktion seiner Stimmen im Bundesrat. Daraus egeben sich zwei Wege; entweder wird auf Antrag Preußens ein preußischer Entwurf eingebracht ober eine Präsidial- vorlage, bas heißt, bie Vorlage wirb in bem betreffenden Neichs- amt ausgearbeitet, und bann wirb burch Verhanblungen mit dem zuständigen preußischen Restart sestgestellt, daß dieses damit einverstanden ist. Es wird die Ermächtigung des Kaisers eingeholt, der nach erfolgtem Bericht sein Einverständnis mit dem preußischen Ministerium erklärt. Einen anderen Weg gibt es nicht; in dem einen wie dem anderen Fall aber ist die Reichsleitung genötigt, bie Zustimmung Preußens beizubringen. Diese staatsrechtlichen Ver- hältnisse sinb nach Lage bet Verfassung nicht auszuschalten und sollen auch gar nicht beseitigt werben. (Oho! bei ben Soz.) Das beutsche Reich ist aufgebaut auf bem Gebauten, baß Preußen b c r f ü () r e n b e Bunbesstaat ist unb daraus ergibt sich ohne weiteres, baß bie preußische Politik unb bie Poli - til bes Reiches nach einheitlichen Gesichtspunkten unb mit benfclbcn Zielen geführt werben muß. (Unruhe bei ben Soz., Zurufe: Wahlrecht!) Tas Gegenteil würbe bie staatsrechtlichen Grundlagen des Deutschen Reiches beseitigen. tErueute Unruhe und Zurufe.) Auf dem Boden des Bundesstaates ist das Deutsche Reich aufgebaut. Darin, daß bie Rechte bet einzelnen Bunbesstaaten nicht beeinträchtigt werben, liegt bie verfassungsmäßige Garantie für bie Einzelstaaten. Die Bezugnahme auf das Wahlrecht ist also vollkommen unzutreffend. In beiden Fällen ist aber die Zustimmuiig der Mitglieder des Bundesrates erforderlich. Tie ist nur möglich, nachdem bi» Bevollmächtigten von ihren Regierungen informiert waren. Tie Regierungen prüfen bic Vorlagen im Hinblick auf bie befonberen Reckte ber Einzelstaaten, auf ihre besonderen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse. Auck das ist nötig. Diese Art gereicht dem Reiche nicht zum Schaden, sondern zum Nutzem Denn die sorgfältige Mitarbeit aller Bundesstaaten gibt die Garantie, daß bic Versst iebenartigkeit ber Interessen im weiten Deutschen Reich berücksichtigt werben und auf ihre Rechnung kommen können. An dieser Einrichtung ist nickt zil rühren, ^ie Kompliziertheit aller Faktoren bringt gewiß große Schwierigkeiten und bringt gewiß manche Schwächen mit sich. Schon Fürst Bismarck hat sich darüber bitter, beklagt, aber er ist nie auf ben Gedanken gekommen', daß dwie Schwierigkeiten etwa beseitigt werden könnten durck eine Abänderung der Verfassung hinsichtlich der föderativen Grundlagen des Reiches. Das muß ick aufs allerentsckiedenste feststellen. Der Abg. Hoch hat Klage geführt über d i c Kompl i z iert - beit unserer Arbeiter schutzge setze. Ein ähnlicher Vorwurf, der von der Arbeitgeberpresse weiter getragen wurde, ist säst gleickzeitig von ganz anbeter Seite erhoben worden, in einer Broschüre des Professors Bernhard Tatsächlich ist nicht in Abrede zu stellen, daß unsere Arbeiterschutzgesetzgebung kompliziert ist und daß ihre Durchführung Schwierigkeiten verursacht. Das kommt aber nur daher, daß schon im Reichstag jede einzelne Partei, vor allem aber die Vertreter der Arbeiterintcressen, darauf bedacht sind, jeden nur irgendwie möglichen Fall mit größter Sorgfalt zu berücksichtigen. Das beste Beispiel dafür ist bic Reichsversicherungsorbnung. Je kasuistischer ein Gesetz ist, desto schwerer aber wird seine Anwendung. Die Schuld liegt also nicht an der Regierung, sondern an der eigenartigen Entwicklung unserer sozialpolitischen Gesetzgebung. Sicher hätte ich ben u n g e - h c u e r st e n W i d e r st a n d g e f u n b e n, wenn ich z. B. für bic Reichsversicherungsorbnung eine einheitliche Grundlage vorgeschlagen unb damit alle bestehenden Einrichtungen von Grund auf umgestürzt hätte. Auch der Wunsch der Sozialdemokratie, die Arbeiterschutzgesetze van paritätisch besetzten Organen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer antoenben zu lasten, ist undurchführbar, weil bie Sozialdemokraten ihre Ziele nicht ohne politischen Beigelchmack und ohne die Tendenz die bestehende Staatsordnung auf ben Kopf zu stellen, verfolgen. Wir können die Ausführung der Ge- setze nicht einer Partei überlassen, bie, wenn sie auch beute m i l b c r i st a l S noch vor 2 0 Jahren, boch neben ihren wirtschaftlichen eine Reihe von politischen Forderungen aufstellt, die den Wider stand des gangen Vaterlandes Hervorrufen müssen. Wir dürfen nicht Gesetze, die zum Wohl ber Arbeiter erlassen sind, zu politischen Zw»ck»n ausnützen lassen. Daß baS aber geschieht, beweist am besten bas Beispiel ber Sicherheitsmänner. Diese meiner Initiative entsprungene Institution war als eine rein technische geoacht. Tatsächlch aber haben bie Sozialdemokraten eine politische Sache barauS gemacht — bas beweist jebe Wabl von Sicherheitsmännern — und haben dadurch den Hauptzweck des Gesetzes von vornherein vereitelt. Wenn Sie in diesen Ausführungen einen Verstoß gegen d i e Sozialdemokratie erblicken, so antworte ich Ihnen: Druck erzeugt eben Gegendruck. lieber die Mittelstands fragen habe ich mich im Vorjahre sehr eingehend ausgesprochen und möchte im allgemeinen auf diese Ausführungen verweisen. Der Abg. Irl hat mit einem gewissen Recht gegen die Regierungen den Vorwurf erhoben, sie seien nick)t aus den Erwägungen fier ausgenommen unb könnten keine Testen aufweisen. Ein typisches Beispiel dafür, lüic schwierig es ist, sozialpolitische Forderungen in bic Wirklichkeit umzusetzen, ist bic Frage ber zwangsweisen Heranziehung ber Großindustrie zu den Ko st en der Lehrlingsausbildung. Bei meinen wiederholten Besprechungen mit den Vertretern des Handwerks haben diese selbst anerfannt, daß sie den finanziellen Effekt ihrer Forderung erheblich überschätzt hätten. Man einigte sich schließlich dahin, baß bic Handwerks- und Handelskammern zur Erledigung dieser und anderer gemeinsamer Angelegenheiten zusammenarbeiten wollen. Ich freue mich dieser durch meine Vermittlung zustandegekommenen Einigung und werde auch an einer gesetzlichen Regelung arbeiten, wenn sie sich als notwendig Herausstellen sollte. Die Forderung einer Aufhebung des § 100 q wird zwar oft wiederholt, ich habe aber ben Einbruch als ob die Erkenntnis von den Vorteilen dieses Paragraphen und von der Schwierigkeit seiner Aufhebung in immer weitere Kreise des Handwerks gedrungen ist. Bei der Handwerkerkonferenz wurde die Frage des § 100 q auf Wunsch der Handwerksvertreter von der Tagesordnung abgesetzt. (Hört! hört!) Bei ber späteren Konferenz ist bie Einigung nicht an bem Mangel meines guten Willens gescheitert, sonbern daran, daß bic Beteiligten sich selbst nicht schlüssig werden konnten, in welcher Form das Problem gelöst werden könnte. Die Fordernugen auf Reform des Sub> m i s s i o n sw e s e n s werden am besten durch Maßnahmen bet Landeszentralbehörden erfüllt, wie dies in Preußen schon burch zwei Ertaste des Ministers der öffentlichen Arbeiten geschehen ist. Eine reichsgesetzliche Regelung dieser Frage kann ick nicht in Aussicht stellen. Die Frage, ob bic Handwerkergesetzgebung hinsichtlich der Organisation des Handwerks einer Ergänzung bedarf, bin ich geneigt, zu bejahen. Ich denke bald mit einer Vorlage zu kommen, bic besonders bie sehr dankenswerten Anregungen der Denkschrift des Handwerks- und Gewerbe- kammertages berücksichtigen soll. Ich werde vorher eine Besprechung mit den Vertretern des Handwerks veranstalten und dabei wird auch die Frage des § 100 q noch einmal zu erörtern sein. Die Handwerksorganisation findet meine wärmste Unterstützung. Durch das Entgegenkommen des SchahFekrelärs Ein ich in der Lage, dem Handwerksblatt diesmal einen Zuschuß von 10 000 Mark zu gewähren. (Beifall.) In meinen Ausführungen über unsere Wirtschafts' Politik kann ich mich sehr kurz faflen, weil bei der großen Mehrheit des Hauses absolute Einigkeit in der Ae- crlennung der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik besteht. Ich habe schon bei früheren Gelegenheiten ausgeführt, daß unser Streben nur sein kann, unsere bisherige Wirtschaftspolitik ohne Schwanken fortzuführen und für das Jahr 1917, wo unsere meisten Handelsverträge ablaufen, die geeignete Grundlage für die Fortsetzung dieser Politik zu schaffen. Tie Politik der Rcichsbank hat namentlich in den letzten schweren Zeiten von 1911 und 1912 die allgemeine Billigung gefunden. Die Börsenkrisen der letzten Zeit hängen weniger mit den Börsen- Verhältnissen selbst als mit der Kreditgewährung der Banken zusammen. Wir schenken diesen Vorgängen die ernsteste Aufmerksamkeit, wollen aber gesetzgeberische Eingriffe veroieiden, so lange cs geht. (Beifall.) Abg. Dr. Pieper (Zentr.)s e Die Negierung darf nicht dabei stehen bleiben das Bnhnen- ivesen gesetzlich zu regeln, sondern sic muß auch das Kinemato- graphenwcscn hincinzichen. Während die Schmutz- und Schundliteratur zurückgegangen ist, hat sich bei uns ein Bilder- sch u n d schlimmster Art eingenistet. Fast noch schlimmer als die Vorführungen sind die Reklamen der Kinematographentheater, die durchweg auf die niedrigsten Instinkte der Menschen spekulieren. Die Bilder müssen bei dem Gesetz gegen die Schund- und Schutzliteratur ebenfalls getroffen werden. Die Abänderung des Handelsgesetzbuches bezüglich der Konkurrenzklausel mutz durch Abänderung der Gewerbeordnung auch auf die tcch- Milchen Angestellten ausgedehnt werden. Tie Vorschriften für die Handlungsgehilfen und technischen Angestellten müssen auch aus die Burcaukräste der Rechtsanwälte ausgedehnt werden. Erfreulich ist, daß nach den Ausführungsbestimmungen zum Heimarbeitergesetz die Gcwcrbeaufsichtsbeamten ihre Verfügungen ohne Mitwirkung der Lrtspolizeibehörden erlassen können. Dies muß auch für ihre Verfügungen auf Grund der Gewerbeordnung gelten, namentlich bei den hohen Anforderungen, die heute in Preußen an die Vorbildung dieser Beamten gestellt werden. In Hamburg hat man ihnen dies Recht schon cingeräumt. Die Nachtarbeit muß nach Möglichkeit eingeschränkt werden. Die Entschließungen des Bundesrats auf die Beschlüsse des Reichstags zeigen in diesem Jahre ein etwas freundlicheres Gesicht als früher. Wir werden dem Verbot des S t r e i kp o st c n st c h e n s nicht z u st i m m e n. Die Auswüchse können durch die jetzigen Gesetze schon hinreichend bestraft werden. Will man, wie Graf Westarp, die Menschenansammlungen Verbindern, müßte man entweder das Streiken überhaupt verbieten ober bei jedem Streik den kleinen Belagerungszustand verhängen. Das Verbot des Streikpostenslchens wäre ein .Klassengesetz gegen die Arbeiter. Gegenüber den Tarifverträgen von Bedeutung für das ganze Reich mutz das Rcichsamt des Innern dieselbe Stellung einnehmen wie die Gewerbcgerichtc nach dem Gewerbcgerichtsgesetz für ihren Bezirk. Dem Woh- nungselcnd mutz mit aller Energie entgegengetreten werden; seine Wirkungen machen sich schon bei dem Geburtenrückgang bemerkbar. Redner begründet zum Schluß eine Resolution des Zentrums, welche die Vorlegung einer Denkschrift über die Ergebnisse der Arbeiterschutz- und Arbeiterversicherungsgesetz- gebung fordert, Abg. Lützel (Notl.) : Durch die Gelegenheits-Gesetzgebung, wie die Bäckerei- Verv r d u u i: g , wild das Handwerk geschädigt. Wir müssen eine andere Anwendung dic,er Verordnung verlangen und vor allem eine einheitliche im Reiche. Eine Besserung im Handwerk wäre nur zu erreichen durch eine gründliche Umgestaltung unseres B > l d u n g s w e s e n s. Die Vorbereitungskurse zur Meisterprüfung scllten im ganzen Reiche eingeführt werden. Der Redner erörtert im weiteren das Programm seiner Parteisreunde in den M i t t c l st a n d s f r a g c n , in Ergänzung dec Ausführungen der Abgg. Kölsch und Schwabach. Abg. Dr. Oertel (Kons.):" Ich habe von der Kommandi-rungstätigkeit der Junker, die der Abg. Hoch behauptete, noch nichts bemerkt. Wenn wir wirklich das Oberkommando hätten, würde manches ganz anders außschen. Und Sie auf der äußersten Linken würden manche anderen Empfindungen haben. Mat hat uns sogar für das, Jahr 1808 verantwortlich gemacht. Damals gab's noch keine konservative Partei. Junker gab's, aber sie bilden keine Gemeinschaft, so daß man den einen nicht für den anderen verantwort- lich machen kann. Es gab ja ai'ch Junker auf der Linken. Air d'r Hetze gegen Marschall haben wir uns nicht beteiligt, und der einzige Junker v. Lützow, der dabei beteiligt war, wurde von den echten Junkern abgeschüttelt. Den „P o st" - Artikel gegen den Kaiser haben wir mißbilligt. Auch die Frei» konservativeli waren dabei nicht erbaut. Unsere Resolution gegen das Streikpostenstehen ist kein Vorstoß, sondern ein R ückzug gegen das Vorjahr, weil wir Politiker filib, die mit den gegebenen Faktoren rechnen. Wir hofften, für diese abgemilderte Resulution mehr Verständnis zu finden, allerdings vergeblich. Wir haben sie cingcbrocht, weil alle bürgerlichen Parteien darin einig sind, daß etwas geschehen muß gegen den Terrorismus, der geradezu himmelschreiend ist. Wir engherzigen, einseitigen Agrarier (Hört hört! links) — in Gänsefüßchen — (Heiterkeit) erkennen an, daß die Industrie unter dem Terrorismus außerordentlich schwer leidet. Wir sind zu kluge Rechner, um aus Wahltaktik der Großindustrie Zugeständnisse zu machen, denn sie verfügt nicht über zahlreiche Wählerstimmen. (Zuruf: Aber über GeIdl) Wir sollen Söldner des Großkapitals sein? Tas sagt man besser von einer anderen Partei. (Sehr gut! rechts.) Wir bekämpfen die Auswüchse des Großkapitals. Dr. Müller-Meiningen würde es mir übel nehmen, wenn ich stillschweigend an ihm vorübergehe. Ich möchte das nicht haben bei unseren zarten Beziehungen. (Heiterkeit.) Der „Vorwärts" hat gerühmt, daß Dr. Müller bei seiner Polemik gegen die Konservativen glückliche Momente gehabt habe. Ich gönne ihm diese warme Anerkennung seines hohen Gönners von ganzem Herzen. Leider hat er uns nicht erzählt, wer zuerst den guten Gedanken von der Dämpfung im Wahlkampf gehabt hat Vielleicht sind sich beide Teile auf halbem Wege cntgegengekommcn, bis sie sich dann liebevoll in die Arme sanken. Tic Liebe w'rd vielleicht nicht allzu lange 6c» stehen bleiben. Dr. Müller hat mit dem Brustton der lieber» zeugung, der ihn so gut kleidet, erklärt, daß die Volkspartei nicht von der Sozialdemokra'.ie abhängig sei. Dr. Müller hat dann den Spieß umgedreht, darin >si er Meister, und er hat dann mit der Zungenkrast, die ihm fast so stark zur Verfügung steht, wie mir selbst (Heiterkeit), behauptet datz die Konservativen mit den Sozialdemokraten zusammengeganj-cn seien. Er hat sich dann so hingestellt, (Dr. Oerkel stellt sich breit hm und steckt die Daumen in die Armlöcher der Weste — große Heiterkeit rechts) — ich Ditte mich nicht für einen verkappten Antisemiten zu halten — und hat uns ein Techtelmechtel m l t den Sozialdemokraten vorgeworfen. Wenn je ein Parteifreund mit den Sozialdemokraten paktieren würde, so wäre ich der erste, der mit klarer Entschiedenheit einen Strich zöge zwischen einem derartigen Vorgehen und unseren Grundsätzen (Beifall rechts), die Konservativen haben niemals nut der Sozialdemokratie paktiert. (Beifall rcchlS, Lachen links.) ES ist mir sogar nicht angenehm, wenn wir mit ihnen hier verhandeln müssen. (Lachen bei den Soz.) Herr Delbrück meinte, die Sozialdemokraten seien milder geworden. Daö erinnert mich an fein Wort von der „ritterlichen Kampfes- weise". (Sehr richtig! rechts.) Ich habe von beiden nicht« gespürt. Die Sozialdemokrat, n sind eine republikanische Partei, die nicht auf dem Boden der Verfassung steht und grundsätzliche Gegnerin der Monarchie ist. Das Deutsche Reich ist aber infoiucit Monarchie, als der preußische König an der Spitze des Reiches steht. Daher gibt cs für uns gegenüber der Sozialdemokratie nur den Kampf b i s zum äußersten Taö gilt besonders wegen ihrer Stellung zum Krieg. Vom wütendsten Marxisten bis zum sanftesten pomadisierten Revisionisten wollen.sie den Krieg , mit allen möglichen Mitteln verhindern. Wenn man fragt: Mit welchen Mitteln, dann schweigt des Sängers Höflichkeit. Zwischen einer bürgerlichen Partei und der Sozialdemokratie kann irgend welches Paktieren nicht stattfinden. (Beifall rechts.) Gegen diese Logik kann auch Dr. Müller nichts einwenden. Freilich, er macht ein indifferentes Gesicht. (Heiterkeit rechts.) Tas ist in diesem rz-all schon sehr viel. (Dr. Müller: Sie langweilen mich!) Ich vergelte Gleiches mit Gleichem. (Heiterkeit rechts.) Nun Herr Hägy. Er meinte, man könne über Herrn Wetterle nicht urteilen, ehe nicht der Wortlaut seiner Aeußerungen vorliegt. Es sind aber schon Tage ins Land gegangen seitdem. Warum sorgt Herr Wetterle nicht für den genauen Wortlaut? Richt nur c i n französisches Blatt hat über die Vorträge Wetterles berichtet, sondern mehrere, die auch in der Sache übereinstimmen. Die Entrüstung des Hauses und aller Parteien bis zu den Sozialdemokraten über das Verhalten Wetterles war völlig berechtigt, wenn er sich wirklich so ausgesprochen hat. Hat er es nicht getan, dann mußte er für Aufklärung sorgen. In seinem Blatt wurde erklärt, datz noch 50 Vorträge in Frankreich erfolgen sollen. Vielleicht ist das nur ein bißchen französische Ueber- treibung. Aber wir müssen damit rechnen, daß er Nachfolger findet. Mir kommt es nicht nur darauf an, was er gesagt hat, sondern darauf, datz er jetzt überhaupt über deutsche und elsaß- lothringische Verhältnisse in Frankreich gesprochen hat. (Lebhafte Zustimmung.) Schon diese Tatsache genügt, um die herbe Kritik zu verstehen, die fein Auftreten hier im Reichstage gefunden hat. Ich weiß nicht, wie er das mit den Aufgaben her Stellung und der Würde eines deutschen Abgeordneten vereinigen kann. (Lebhafter Beifall.) Hägy hat die Rede harmlos genannt. Sein Auftreten war keineswegs harmlos. Jetzt ist Wetterle indenHaushalts- aus schuß der elsaß-lothringischen Karniner gewählt worden. (Hört! Hört!) Ich verstehe nicht, wie die Parteifreunde des Wetterle, falls sie auf dem Standpunkt Haegys stehen, diese Wahl zu diesem Zeitpunkt haben vollziehen können. (Sehr richtig!) Ich hoffe, Herr Haegy hat Einfluß auf Wetterle. Viel helfen wirds nicht, denn er gehört zu den Herren, die die Gewohnheit haben, in die Binsen zu gehen. Ich würde ihm raten, den Wetterle zu einem Frühstück einzuladen und ihm zu sagen: Lieber Freund, wenn du weiter noch Vorträge in Frankreich halten willst, dann sage_ das, was ich hier im Reichstag gesagt habe dann sage, daß die Elsaß- Lothringer keinen französisch-deutschen Krieg mehr wünschen. (Sehr gut!) Ich verstehe es auch nicht recht, iaie ein Abgeordneter des Deutschen Reiches das hiesige Bureau einer französischen Zeitung vertreten ka n n, die auf dem Standpunkt de» Herrn Iau res steht. Ich stütze mich nur auf Zeitungsnachrichten. Vielleicht kann Dr. Weill sie als unrichtig Nachweisen. (Dr. Weill (Soz.): Ich habe keinen Anlaß dazu.) Da denkt man freilich alles mögliche. Tie Privatgeschäfte eines Reichstagsabgeordneten gehen uns nichts an, gewiß; aber in der jetzigen Zeit das Bureau einer französischen Zeitung zu leiten, erfordert ein M a tz von Takt, politischer Klugheit und vaterländischem Sinn, das ich Herrn Tr. Weill von Herzen wünsche. Ter Staatssekretär hat unsere Resoliltion mit freundlichen Worten abgelehnt. Er meint, der Reichstag nimmt sie doch nicht an. Nun, die Zeit lvird kommen, wo auch der Reichstag eines besseren belehrt wird. Sie verweisen, Herr Staatssekretär auf die Strasrechts- reform. 1919 soll sie kommen, andere sprechen von 1922. (Zuruf: 1972.) — Jawohl, vielleicht 1972. (Heiterkeit.) Nun, dann wird das Volk die bedenkliche Auffassung haben, datz die Negierung nicht ben Mut, nicht die Macht unb nicht den Willen hat, diesen bedenklichen Zuständen entgegenzutreten. Deshalb bebmiere ich auf. richtig die Ausführungen be§_ Staatssekretärs. Weil das leider den Eindruck niacht, daß der ^Staatssekretär und der Reichskanzler in dem bevorstehenden unvernieidlichen Kampf gegen die Soz'al- demokratie nicht den Mut und die Entschiedeiiheit zeigen wird, die dringend notivendig sind. (Zurlife vom Zentr.) Daß dieser Kampf die Aufgabe der Zukunft ist, meine Herren vom Zentrum, habe ich in Ihren Zeitungen oft überzeugend gelesen und hat Trimbaru erst neulich in einer Versammlung unzweideutig dargelegt. Die Väterlichen Ermahnungen des Staatssekretärs an die Sozialdemokraten verfangen nicht. Ihr Lachen hat ihm das gezeigt. Mit väterlicher Erziehung ist hier nichts mehr zu tun. (Die Sozialdemokraten rufen: Knute! Lärm.) Dazu sind Sie jetzt noch zu unschuldig. Dr. Oertel spricht sodann über Mittelstands- Politik. Wir können die Staatsordnung nur ausrechterhalten, wenn wir eine mutige und kräftige, gesunde und kraftvolle Mittelstandspolitik treiben, nötigenfalls auch mit Rücksichtslosigkeit, sonst sind wir dein Ruin nahe (Huh, Huh bei den Soz.), treiben hinüber in das uferlose Meer des sozialdc moratischen ZukunftS- staates. (Unruhe bei den Soz, lebhafter Beifall rechts.). Persönlich bemerkt Abg. Dr. Weill (Soz.): Auf die liebenswürdige Anfrage deö Abg. Dr. Ccrlel stelle ich mit größter Bereitwilligkeit fest. Ich war bisher der Korrespondent der „Snimanite", des von meinem Freunde Jaures geleiteten sozialistischen Blattes, ich bin cs noch und werde es auch bleiben. (Bravo bei den Soz.) Diese Tätigkeit als Mit- arbeitet des sozialdemokratischen Zentralorgans Frankreichs sieht keineswegs im Widerspruch mit meinen Pflichten als Mitglied dieses Hauses. Denn oie „Humanste" verfolgt sei ihrem Bestehen mit großer Ruhe und Entschlossenheit gerade die Politik, die Dr. Oertel den Herren Wetterle unb Hägy als mustergültig empfohlen hat. (Sehr wahr! bei den Soz.) Eine Politik der Versöhnung und der Verständigung zwischen den beiden großen Nationen. Ich habe durch diese Tätigkeit bewiesen, daß ich ganz unabhängig von den vermrtlich sehr wohlgemeinten Ratschlägen des Dr. Oertel die politischen Eigenschaften besitze, die zur Führung meines Amtes nötig sind. (Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Werner-Gießen (Rp.): Die Behauptung des Abg. Hoch, datz ich in einem Warenhaus eingekauft habe, weise ich als ganz gewöhnliche Verdächtigung zurück. (Präsident Kaempf rügt diesen Ausdruck.) Abg. Dr. Haegy (Elsässer) k will die Vorwürfe, die gegen den Abg. Wettcrlö erhoben sind zu- rückweisen, wird aber vom Präsidenten unterbrochen; er könne für diesen keine persönliche Bemerkung machen. Abg. Dr. Haegy (Elsässer): Dann stelle ich in meinem Namen fest, daß Herr Wetterle mir Zwei Exemplare ,einer Rede geschickt hat, die ich im Hause verteilt habe. Abg. Gros Westarp (Kons.): Ich stelle fest, daß ich als Polizeipräsident c8 niemals ver- sucht habe auch nicht durch meine Untergebenen, mir Schriftstücke auf eine Weise zu verschiffen, wie sie der Abg. Fischer sich verschafft hat. (Zuruf bei den Soz.: Weißer Rabe!) Frcitag 1 Uhr: Kurze Anfragen, Weilerberalung. Schluß 6% Uhr. 21115 Statt und Land. Dießen, 17. Januar 1913. "Ordensverleihungen. Ter König von Preußen bat den u ad) benannt en Offizieren die Erlaubn zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreußischen Orden erteilt: des Komturkreuzes zweiter Masse des Hessisd)en Verdienstordens Philipps des Großmütigen: dem Oberst, n v M tt Iler, Kommandeur der 31. Felbarttlleriebrigaoe; des Ritterkreuzes zweiter Klasse desselben Ordens: dem Oberleutnant v. Groote im 3. Ostpreußischen Fcldartillcrie- reflinicnt Nr. 79. ** Versammlung von Augenärzten. Am Sonntag, den 19. ds. Mts. findet in der Universitats- Augenktintt eine Versammlung der hessischen und hessen- nassauischen Augenärzte statt; damir soll die Gründnna einer gleichnamigen Bereinigung verbunden werden 2(n die Besichtigung der neuen Augenklinik schließt sich eine wissenschaftliche Sitzung mit Vorträgen und Demonstra- Honen an. " Reichsgrundungsseier. In der morgen abend in 3tcins Garten stattsindenden R e i ch s g r ü n d u n g s k e i e r wird Der Bancrschc Gesangverein einen Vortrag bringen: „AinAnimcr- iee", von Langer; „Sein S-Bube, von Sauer; .Deutscher Ehren- orcis", von Meth^essel und .Zaiüenslreich", von BiU6. Frau K Lerch (Sopran) wird singen: .Ja, Du bist mein", von Heymann; .Rezitativ und Largo aus Sersecs fuv Sopran und obligater tziolme, von Händel (Violini'olo Herr Franz Bauer jun,) unb .Mignon, kennst du das Land!" von Thomas. Herr Dtorflutl)' .Tenor) hat ausgemählt: „DaS Fischermädchen", von Schubert, .Waldesgespräch' und .Frühlingsnacht", von Schumann, .Laus der Welt", vvn Grieg, .Ich denke ost an's blaue Meer", von Wein- lartner, und .Freude soll in deinen 'Werten sein', von Schillings, oerr Hahn (Pianist) wird spielen: „Ballade G-mo!l von Brahms, arcaiolc A-moll von Rubinstein, und Tarantella" von Liszt. Der großen Reichhaltigkeit des Abends wegen wird pünktlich begonnen werden. Landkreis Gießen. h. Steinberg, 16. Jan. Der Gesangverein „Eintracht" begeht Samstag abend die Feier seines 14jährigen Stiftungsfestes int „grünen Baum". Lin überaus reid)haltiges Programm, das fid) aus Theater stücken, Gesangs- und Kvnzertvorträgen zusammensetzt, wird ',nr Verschönerung der Feier beitragen. Tie Musikkapelle sieht unter Leitung des Bereinsdi igenten Gg. Burger. — LiNdeUstrN 1 h, 16. Jan. Am Sonntag feiern der Gesangverein >m) der K r i e g e r v e r e i n ihr Winter- vergnügen mit Gefangsvorträgeu, Tyeater und Ball. n. Lich, 16. Jan. Eine rohe Tat vollbrachte ein Landwirt in Bettenhausen, der feinen Baier auf der Straße zu erstechen versuchte. Vater und Sohn, letzterer ebenfalls Familienva.er, leben schon längere Zeit jt Feindschaft und nicht zusammen. Als am Samstag jer Großvater am Hause üoibeiging, riefen ihm die Enkelkinder zu, er solle doch hereinkommen, was er and) tat. In zwischen kam and) der Sohn, der seinem Barer das Haus verboten hatte, nad) Hau,e und fing Spektakel an. Der alte Mann eilte fort unb sein Sohn lief ihm auf die Orts- siraße nach, wo er ihm mit einem Messer leb ens- gefährliche Stiche beibrachte. Der Baler wurde in oie Klinik gebracht und der Sohn in Haft genommen. Kreis Lauterbad). i. Herbstein, 16. Jan. Am kommenden Sonntag .1 b c n d findet wieder im Saale des Deutschen Hanfes ijicr ein ösfentlicherreligiöser Vortragsabend statt. Im Mittelpunkt steht diesmal die große Kernfrage „Die Gegenwart und) Wesen, Wahrheit u n d Wert des d) r i ft l i d) c ii Glaubens und des ch r i st l i ch c n Glaubensbekenntnisse s". Die von allem kirchlichen Schematismus freie, kon sessioneil unbefangene, religiös warmherzige und wiffenfchastlich objektive und ticigründige Art, wie der Vortragende, Pfarrer vjc ö b u 5 von Udenhausen, das Thema behandeln wird, kann jedem ernst denkenden uuo tiefer gerichteten Menschen in unserer an religiösen Irrungen und Wirrungen leidenden Zeit geistige Anregung, Belehrung und Versöhnung bieten, einerlei, aus welchen, religiösen und kirehlichen Standpunkt er nud) sonst im Leben stehen mag. Der Vortrag lvird wirksam unterstützt werden burd tiinsigerechte deklamatorische, gesangliche und musikalische Dar- biehuigeit einiger Mcisterschöpfungcn aus dem reichen Schatze religiöser Dichtung und Musik. Reben dem Redner des Abends, der auch seine wohlbekannten gesanglidien Gaben ivieber, für einige Solostücke ans dem Oratorium Elias von Mendelsohn, aus bem Evangelimanii u. a. zur Verfügung stellen will, wird ein gemischter Ehor für gefängliche Unterhaltung sorgen. .Tie Deklamationen haben junge Glieder der evangelischcir Gemeinde Herbstein übenwinmen, und die Musik ist wieder in die auf Klavier unb Geige bewährten Hände deS Amtsrichters Wap/ gelegt. Er wird diesmal durch Herrn Direktor Reue nb or sf^ Hochivaldhausen auf dem Klavier unb durch einige andere Herren der Durerschule mit Violine und Eello unterstützt werden. Pro gramme werden int Saale ausgegebeu werden. Eintrittsgeld wird nicht erhoben, doch werden freiwillige Gaben zur Deckung der Kosten gern angenommen. Startentmrg und Rhein Hessen. b. Mainz, 15. Jan. In der heutigen Sitzung der Stabtverorbneten lief eine Beschwerde der Handelsgärtner gegen die S t a d t g ä r t u e r e i ein, die am Aller- icclentag durch Schmückung von Gräbern den Gärtnern Konkurrenz bereitet habe. Die Beschwerde soll geprüft werden. — Das Gewerrschaftskartell ist um Einführung der Ar- bcitslosenunterstützung für den Winter eingekommen. Der Oberbürgermeister tcLtc dazu mit, baß nach einem Berichte des ftäbt. Arbeitsamtes bic Arbeitslosigkeit nicht solchen Umfang angenommen habe, baß stäbtische Hilfe notwenbig sei. Die sozialpolitische Deputation solle die Eingabe prüfen. — Stablv. Adelung fragte wegen der Straßenräuberei an, wobei sich ein Schutzmann, der von einem der Ueberfallenen auf der Wache antelephoniert wurde, recht unsad)gemäß verhalten hatte. Auch lvcgen der Schneereinigung und dem mangelhaften Betrieb der Straßenbahn fragte Stadtv. Adelung. Bon der Bürgermeisterei wurde nachgewiesen, daß die Polizei bei ben nächtlichen Ueberfällen alles getan hätte, was in ihrer Macht staub, allerbings habe der Schutzmann sich reckst uiigc)d)iät benommen. Es wird jetzt eine ständige Nachtwache für Kriminalbeamte eingerichtet und auch der Polizeihund verwendet. Am Sonntag morgen 10 Uhr feier vier der Hauptkinien der Straßendayn in betriebsfähigem Zustande gewesen. Der Schnee in den Fahrstraßen unb auf den Bürgersteigen sei mit Hilfe von 315 Arbeitern so rasch als mögrid) weggebracht worden. — Stadtv. Schäfer wurde zur Beratung des Verwaltungsberichts als Vorsitzen-, der unb Gewerberat Falk als dessen Stellvertreter gewählt. — Die Bestimm urigen über die Gehälter bet Lehrer würben auf ben Stabtteil. Mainz-Kostheim ausgedehnt. — Tie (£md)tung neuer Parallelilassen an der höheren Mädchensdiule wurde beschlossen, es sollen drei akademisch gebildete Lehrer angestellt werden. Kreis Welzlar. = Wetzlar, 16. Jan. Die Bereinigung ehemaliger 80er Wetzlar hält am Sonntag, 19. ds. Mts., im Hotel ft altto aff er ihre Bierteljahrs-Beriammlung ab. Hierzu werden die Kameraden von Gießen unb Uingegenb eingeladen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten für bas Regiment sollen am 7., 8., 9. unb 10. Juli in Wiesbaden und Homburg v. d. Hohe ftattfinben. Das Regiment legt den größten Wert darauf, baß unbedingt alle ehemaligen 80er sich ben bestehenden Vereinigungen anschließen und an den Feierlichkeiten teil“ nehmen. Um die außerordentlich schwierigen Vorberei- tungen zu solch einer Feier mit ihrer in viele Tausende gehende Tettnehrnerzahl in gehöriger Weise treffen zu können, ist es unumgänglid) notwendig, daß das Regiments sobald wie moglid) weiß, mit wieviel Festteilnehmern es rechnen muß. Es ist oeshaib geboten, baß alle Kameraden, bic teilnehmen wollen, sich vorher bei einer in der Nähe bestehenden Vereinigung unter Angabe von Kompagnie unb Jahrgang baibigit anmelben. Anmelbungen von einzelnen Personen nimmt das Regiment nicht an, sondern gibt sie an die nächststehenbe Vereinigung weiter,! von ber bann vor ber Abreise zur Feier bie Quartierscheine, Festkartenbücher usw. an bie Einzelmikglieber ausgegeben Ö3H FS 2.5 ro H, — Meteorologische veodachtungen der Station Gietzen. Wetter Schneeball Gedenket der hungernden Vögel! ss*7i» theke und Löwen-Drogerie. Aus der 'Wohnung 10 000 2)!k. in Wertpapieren und Spar- wurde eine Kassette mit und so suchen Unhold u» CZCrC r? o 5 üöW ö I5v P ,a» :;Sa» .5 » 0-=*^ 2. #7 3 w Uv ®e ä » 5 K3 s Fr x PZtr CO Ko GO rrs 5 s- ro tD CD CO 00 CD 00 TP <* 16' 1 SS ,>2 ~ -., ? ® 2.0 S » 15. 15. 2 5 3 v 8 8 rZ 8 8 W 2 — 0,9 ' C. — 4,5'0. 5 5 er-sä: S'ö roÖ'§ £ 5 er —to q Z 2.Z 3 5 = Ian. 1911 ISv Ä- O^p 5 >5v «5,3^2 8~2S* 8 re 601 8 91 §•0 <£> 5 8 to K s -2, 5 SE:O y re " Hu — 'S re F?2.^8 q.- P P re werben. Anmeldungen für die Vereinigung Wetzlar nimmt entgegen Kaufmann Emil Erdmann, Wetzlar, Buchhalter Louis Kämpfer, Wetzlar-Niedergirmes und Polizei-Sergeant L. Brück, Wetzlar. V Hörnsheim, 16. Jan. Der Gesangverein Eintracht", ein Glied des Hüttenberger Sängerbundes, i'oirb in diesem Sommer sein 40jähriges Stiftungsfest il-iern. Als Festtage routben der 8. und 9. Juni in Aus- ficht genommen. •8'p re —-> E §:S imMen. Universitäts-Nachrichten. [] Marburg, 16. Jan. Ter Direktor des pathologischen Instituts, Professor Dr. Benno Martin Schmidt, wird einem Mlf als Nachfolger des Professors Kretz in Würzburg Folge lchsben. Es wird allgemein angenommen, daß die erschwerte Bc- icbaffung von Lehrmaterial (Leichen) für die Anatomie mit ein >iuptbeweggrund für den Weggang dieses ausgezeichneten Ge- :ehrten bildet. — Der Professor der Mathenratik, Dr. Ernst Neumann, hat darum nachgcsucht, von seiner Berufung nach .^iel als Nachfolger des Professors Landsberg Abstand nehmen zu S. 2^ re, « re « <5v 2 S'-a re. (S — (Q -- ~ r-f- C O -r Ls- « re x r o q P '' rjT W P re tommenbtn Sonntag ■teu11djen sauft: or.tragSabend statt rn’tQ9£ „!ic toegenroart rt des christlichen ■’laubenöbclennt ■ fmatismu» ittie, Ion ’igc und wifjenichafUich [ Vortrageiiöe, Pfarrei xmfccin wird, kann jtbcin ..cniöxn in unftrtr ar. >cnX-n Zeit gtifligt An •n, einerlei, aut welchen r auch sonst un Lckt untmtüRt werden hüte und musikalische Tai' ui dem reichen Schah! >cm Reblin des Abend-, t-.n toaben wieder für ttlias von Mendelsok ngung stellen will, m!» '.Krtaltung sorgen. Tic ct angel ii^f/r Aemnnva ist midxr in dir. aiii tfftot ')lcvicnbot|i» - , andere Herren ntcxW iperben. ty ötn. Einttinsgeld M 6 ab en zur Deckung der 5 er ci ™ = K Sre re 2 ZZZ fafienbüfhern gestoblen. Es gelang, Büclier und Papiere zu sperren ehe der Dieb sie zu Gelbe machen konnte. In Stralsund wurden auf dem Telephon-Fernamt zwei Beamtinnen durch Starkstrom der elektrischen Ueberland- zentrale schwer verletzt. Eine dritte kam mit leichteren Verwundungen davon. Die Leiche des im Oktober 1909 verschwundenen Assistenten im Statistiscl)cn Amt Behm in Dabendorf ist in einer .Mesgrube in der Nähe der Großmachnower Grenze an der von Frau Behm bezeichneten Stelle ausgefundeir worden. Am Unterleib sind Spuren von Sckwotschüssen. Der des Mordes verdächtige Brunnenbauer Kolbe ist seit einigen Tagen v e r s ch w u n d e n. Wegen eines häuslichen Zwistes ermordete der Taglöhner Broz in Prag seine Frau und sein Enk e l lind durch Beilhiebe und begoß, um einen »lanbmorb vorzuläuschen, die Leichen mit Petroleum, das er anzündete. Der Täter, der flüchtig ging, ist verhaftet worden. ________________ kleinere Geschwister bes Piäbchens n m käme n. eines Alilchgroßhänblers in Eöpenik MhksjtN. ieuiigm •idM.-rbe 6er •ei rin, die M W äbtm ben «irtnm «rde j-li z-M M im Cmjuirun« bei» ict eNeWOT.®* ,i na* äel?y \ tglr.i ne*t »ilK ni’ln,,X • t> c Einjobt f “f01 n-n-M-iib-M«. iniCi'tii Heben««"" •>• nn|«tgkin«i n- remis«1!?, “"b «* -ZW , habe der Jrt jetzl eine st« •■■«ÄS» Äe*» UV 5 Z 8-s" -3g Sef Knoerts mit $irma billigst vrühllche Univer?ität§ Druckerei. R. Lange, GieSen 2 '9 re' iP er 3« o ~ re x Q“ re — re CP » u § r js ga~5 COjs V-H ” LPj S,-.w 2 re re » tS' re Cö CP P 2,=: 2? L-7M! NLr 4“. ““Mit ein Ctct °«! der *«•« und Äh, n 'Qion längere Zeil •,Jln samstao ne,en lhm die 6nfef; er auch tat. »n, lfnJ -'a-er das hau^ - -pektakel an. lhm auf die Ott"- ?Mer lebens. 4-tF ^aler wurde in W genommen. Hessen-Nassail. n. Naunheim, 16. Jan. Der Gasttnirte-Ver- |b a n b Krofdorf-Rodheim und Umgegend hielt Mitt- tooch abend in dem geschmückten Saale Vvn K. Wagner sein Winterfest ab. Infolge des Schnee mar die Veran- istaltung nicht in gewohnter Weise besucht. Vorsitzender, "Zurgwirt Niebergall -Gleiberg, begrüßte alle Erschie- n enen und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser worauf iirie Nationalhnmne angestimmt wurde. Gastwirt W. Dender sprach über die Entwickelung der Wirtschaften und die Freuden und Leiden des Wirtestandes und Gastwirt i4o k e - Wetzlar sprach auf den Bund deutscher Gastwirte. An folgende Mitglieder, die 25 Jahre das Gastwirtgewerbe betreiben, wurden Ehrenurkunden überreicht: Witwe Reich- niann-Betzberg, I. Braun-Blasbach, K. Georg GeNer-Kö- uigsberg und Kaspar Wagner-Naunheim. Für Unterhal- tung sorgte die Krofdorfer Kapelle, sowie ein gemischter Ehor und Komiker Straub-Gießen. Verlosung und Tanz bildeten den Schluß der Veranstaltung. )( Marburg, 16. Jan. Im Alter von 60 Jahren starb heute infolge eines Schlaganfalls der Direktor des Kgl. Gymnasiums, Prof. Dr. Friedr. A l y. Der Verstorbene, der als Vorsitzender der Kgl. Wissenschaftlichen Prüfungs- tommission für Hessen-Nassau und Vorsitzender des Vereins deutscher Philologen und Schulmänner in weiten Kreisen bekannt war, wirkte fast 21. Jahre in Marburg, vorher war er Direktor des Gymnasiums in Burg bei Magdeburg. Märkte. fc. Wiesbaden, 16. Ja». Heu- und Stroh markt. Angeiahreu wareH Wagen mit freu unb Stroh. Man notierte: den । .uO—8.U0 VDIL, Stroh (Nicht st roh) 5.20—0."0 Alk. — tfrucbtm ar ft. £Wer oo.oo— n.o Mk. "Astes stir lOaKilo re 2 «-re « r- _ cr = «1 r* S " S s- « re reU- § CO P 2 re _ 8 re . re er re c* re ^-'„reS.O 2, L^öchste Temperatur am Niebngste * „ 9iiebericl)lag 2,3 mm. „Gefühlrwt". Tie grausigen Ueberraschungen, die die Geitändnisse des Mörders Sternickel gebracht haben, lassen uns wieder einmal einen i schaudernden Einblick in die Psyche eines menschlichen,Wesens tun, dessen Wildheit und Grausamkeit uns schier nnfaßlich ist. -bic llnempfindlichkeit für jedes bessere Gefühl stellt einen solchen gleichsam außerhalb unserer Erfahrungen, S 3 re re P &re^re'5(2.;B.§ CO o CO re ö 2.re- wre.ro A. re 5= § g re.p,5 wir bei der Wissenschaft Aufklärung über diese dunkelsten und furchtbarsten Probleme, die die Menschenseele aufgibt. Während man sich seit Lombroso mit der Hypothese des „geborenen Verbrechers" bel>als, der eben ein Phänomen für sich sei, ist die moderne Psychologie bemüht, auch die seelische Erfassung dieser Bestien in Menscheirgestakt in den allgemeinen Verlauf menschlicher Seelenzustände einzuordnen und uns so den Defekt zu zeigen, der das Verbrechen entstehen'läßt. Besonders der bekannte Psychologe Prof. Münsterberg, der an amerikanischen Mördern und Mörderinnen genaue Beobachtungen und experimentelle Forschungen vorgeiwmmen hat, gibt darüber bedeutsame Aufschlüsse. Er findet den Urgrund solcher Bluttaten, wie sie Sternickel verübt Trat, in einem eigenartigen Seelenzustand, 'den er als „emotionally dead", „gefühlstot" bezeichnet, und den er in wechselnder Stärke bei den meisten Kapitalverbrecheru beobachten konnte. Ter PMelyrtc hat mit bem amerikanisären Massenmörder Orclrardson Versuche augestellt, die sich auf das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Gefühlsbetonung der Assoziation, Wille, Urteil und Suggestionsfähigleit des Verbrechers bezogen. „Ich fand, daß er „gefühlstot" war, was jedoch nicht bedeutet, daß er Gefühlsregungen überhaupt nicht zugänglich gewesen sei. Wie bei den meisten Verbrechern war seine Empsindungsfähigleit aufoerorbenU lich herabgemindert. Ein tiefer Nadelstich z. B. ergab keinerlei Reaktion, sein Tastsinn war äußerst abgesMmpft, während Gesicht und Gehör sein setzarf enttvickelt waren. Allein trotz dieses Mangels an organischem Schmerz empfinden (er war nie krank gewesen) zeigte er die Fähigkeit, die Leiden anderer sofort aufzunehmen." Vielleicht deswegen richtete er seine Verbrechen so ein, daß er feine Opfer nicht sah. „Er fertigte Höllenmasch neu an, legte Dynamit und Bomben unter Türen und Treppen und dachte^dabei ebenso wenig an die Leiden der Unglücklichen, wie etwa ein Spielwarenfabrikant an die Freuden, die seine Waren bei den Kindern Hervorrufen. Er war gefühlstot." Andere Mörder weiden sich wieder geradezu an den Ovalen ihrer Opfer. Dies tat die berüchtigte Mrs. iGuineß, der „weibliche Blaubart", die auf ihrer einsamen Farm jahrelang Verbrechen auf Verbrechen häufte, als „hübsche Witwe mit 15 000 Dollar" junge Männer anlockte, so gegen 180iMenschui ermordete und verscharrte und deren Untaten nur durch »einen Zufall herauskamen. Münsterberg stellte bei ihr schwere hysterisck>e Erscheinungen fest, und sieht überhaupt in der Hysterie den Impuls zu vielen Mordtaten. Ter Verbrecher wird jedenfalls nicht geboren, sondern „irgend ein Gefühl, das wir nicht kennen, hat die Tätigkeit des gesunden Organismus des Empfindens und Handelns gestört: der Gelstrnweg, durch den die gefühlsbetonten Empstnduugeu einbringen, ist gesperrt. . . Dieser Zustanb, ber viele Entstehungsmöglichkeiten hat, ist bic Quelle der meisten Verbrechen. Die Hemmungsvorstellungen schwinden, das Gleichgewicht der Gesüh.e ist aufgehoben. Verbrecher sind Menschen mit einem schlecht arbeitenden Geist. Wer aber kann sagen, wo ein absolut rächtig arbeitender Geist ist? Es sind alles nur Gradunterschiede. . ." 3 re 3 Z'-F ZZ? (Ofl- Q Cf" Z.Z-Z'^Z re ° fy-re re re.OT ^£»3 ® L -♦’S,'« re 3 — ro e* CP 3 CP ro S S rop CS-Q.(-r ro Co 2 re • 5 P O ’S ri O re ^3 o O — o' 3 re CM re 3 S 2 § CP 8 r er. <-t p 5, Q- ~ »O 3 §S®" re »5. 2QOi»a3H §yS^re ■ n — 0 ? ,§ Z-re teq miunfl .nb voknbulg »ch teil' D.n Korbes ftb^rig laufen^ rt ix« i)ou6ltQuR ’W h.Jjp >inb von voir ccülnn«, “)ub«t, ■S'Ä <5. 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Es I2ie Tcharfm »ganze Ernte r Maßnahmen i Ntidtftaß aua hit ab. ander den Men M wurde, der d, zu seins so de sich zum den tagsabgeord' irct, als Fc Mittämpe s Bulach im / Nachdruck v E Von den Ve ?'■ gen leider sc ■ iLrig bliebe I Parlamente I deutsche Tön daß alle P. 11'°» diesem i R "Franks. Zta zu wich iöß den an 5>. 21 S w4 »9 2 n Eisern n MKen. 4r‘Uc b E^cfete h beüQri M Kietze», . C:'- fcilette Di) '' n *», lueir k c(ailb Sethes Tee Li-ch^ ta c DL c <.;.(9 (Sum T rirtf 9Ju5 seiner. . 1 einc aanr S/ndertlmlb ZM- Klig US o“ L KZ c _ ^_ CO 2 SS <9 GL M 2 G <9 G 3 T QJ a «n L UO n$» an ’S L) 2 L e 051 - die 5