Nr. (58 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. ersetzt schnell urV- i als 50« o Glaicr»«l KanzleMK 7 TclcM°^- *> Leipzig Die Antwort öes Königs Herdinand an den Zaren. Tie Lage ist doch wieder ernster geworden, und während die „Nordd. Allg. Ztg." am Samstag an die bekannte Kundgebung des Zaren noch frohe Hoffnungen knüpfte, verzeichnen wir heute die Meldung vom Rücktritt des Kabinetts Paschitsch und von u.nberechenbaren Stimmungen in Belgrad. Es scheint, als wolle Rußland seine Parteinahme mehr auf die Seite Bulgariens neigen, und die Aut- wiort, die König Ferdinand an den Zaren gerichtet hat, ist in einem entsprechenden Tone gehalten. König Ferdinand schiebt alle Schuld an den Un-uträglichkeiten auf die serbische Politik. Ob diese beim ftürftritt des Ministerpräsidenten Paschitsch nun einlenken, oder ob ein Mann der Kwiegspartei das Ruder ergreifen wird, das wird die gespannt wartende Welt lvohl tn kurzer Frist erfahren. Sofia, 14. Juni. Das vom II. Juni datierte Antworttelegramm des Königs der Bulgaren auf das Telegramm des Kaisers von Rußland lautet: „Ich habe die Depesche erhalten, durch welche Ew. Majestät in Ihrer Fürsorge für den Frieden und die slawische Sache unmittelbar an mich appellieren betreff der schweren Krise, ivelche unsere Beziehungen mit den Verbündeten durchmachen Inb leider nur durch sie selbst hervorgerufen ist. Ich bin es der Wahrheit schuldig, Em. Majestät in Erinnerung zu bringen, daß meine Regierung tief durchdrungen ist von der Verantwortlichkeit, die sie auf sich genommen hätte, wenn sie einen anderen Weg verfolgt hätte, als der im voraus den Gefühlen Ew. Majestät entfprach- Schon am 13. April 1913 wandle sie sich an Safonow, um ihn zu bitten, die Erregung auf beiden Seiten der Grenze anfhören zu machen durch die Einladung beider Parteien, sich dein in dem Bündnisvertrag vorgesehenen Schiedsspruch zu unterwerfen. Tiefe Einladung erfolgte, und meine Regierung nahm sie sofort an. Was die serbische Regierung betrifft setzte s i e i I) r e Politik fort, deren leiste Kundgebung, die Erklärung des Ministerpräsidenten Paschitsch in der Skupschtina, in meinem Lande mnso größere Erregung heroorgerufen hat, als die Verlesung in dem Augenblick erfolgte, wo die Zusammenkunft der Minister- präsidenten in Vorbereitung stand. Ew. Majestät werden nicht ablehnen, anzuerkennen, daß Bulgarien feinem Worte treu gewesen ist, und daß es noch immer erwartet, daß der Schiedsspruch in gleicher Weise, nach seinem Beispiel von Serbien angenommen wird, und daß es die serbische Regierung ist, die, indem sie sich dem Schiedsspruch entzieht und feindliche Kundgebungen gegen Bulgarien häuft, fortfäfjrt, die Gefahren eines bru der mörderischen Kampfes h e r a u f z u b e s ch w ö r e n. Diesen Kampf würden ich und meine Regierung mehr beklagen als irgend ein anderer. Wir wünschen aufrichtig, ihn zu vermeiden, aber wir können nicht den einmütigen Gesühlen der Erbitterung entgegentreten, die bei dem ganzen Volke an dem Tage nach seinen unerhörten Anstrengungen und ruhmreichen Siegen die Versuche unserer Verbündeten Hervorrufen, die ihin, dem Rechte und dem beschworenen Glauben zum Hohn, die heiligsten Früchte dieser 9lnftreiigungen und Siege entreißen wollen. Bulgarien hat nicht nur Rechte auf Mazedonien, auch unausweichliche Pstichten gegen die Bevölkerung, die stets bulgarisch gewesen ist und um jeden Preis bleiben will. Ew. Majestät werden sich zu erinnern geruhen, daß diese Pstichten durch Jahre hindurch von Rnßland selbst anerkannt worden sind. Die BilömstSamnilung der Berliner National-Galerie. Von Paul We st heim. Aus einem Ballast der National-Galerie, aus Portraits, die in einer Kunstsammlung ungebührlich viel Raum Wegnahmen, ohne den letzten Anforderungen an künstlerische Qualität «zum Zeil wenigstens) zu genügen, ist ein neues, und wie gleich hinzugemgt werden mag, ein höchst schätzbares Museum entstanden. -Jtit der Schaffung dieser Portraitgalerie, die eben in einem ^tockverk der von Schinkel errichteten Bauakademie eröffnet worden ist, bat Ludwig I u st i einen Plan verwirklicht, der schon bei der Gründung der National Galerie in Angriff genommen war, der aber durch die Ungunst der Verhältnisse immer wieder zuriickgestelll werden musste. Wie Justi in der vor einiger Zeit verostenllichten Denkschrift barlegi, fand der Gedanke, dem deutschen tu den Bildnissen seiner großen Männer eine Gedenkhalle zu ichaften, die eifrigste Untkrstützung des alten Kaisers. An eine Verwert (Übung dieser Absicht kam es indeß nicht, da der einzige repraien- tative Saal der National-Galerie den Eorneliusichen Kartons Vorbehalten war. Auf Veranlassung des damaligen Kronprinzen Friedrich, der der Pfleger der National-Galerie war, wurden in den 70er und 80er Jahren Portraits.führender Manner bestellt. So entstanden die Knausfchen Brldmne von Mommien und Helmholtz, so die Darstellung der Generäle, dre m den Feldzügen voll 66 und 70 die Führung hatten ^a- alles blub m dm Sälen der Nationalgalerie zerstreut, bis letzt dank^ustrs Jnitiattve dieses Museum der großen Deuftchen Wlrll.chkett werden konnte. Einstweilen ist natürlich nur ein Grundstock da. Da beträchtliche Mittel noch nicht zur Verfügung standen.mutzte man fick mit dem begnügen, was dte Nattonal-Galerre bot und - vom Kaiser Friedrich-Muieum inib Leihgaben überlassen werden konnte Aber dreier Kern weck hohe Erwartungen und gibt das Gefühl, daß wir, J^nn lieb nicht besondere Hindernisse dem aufgemachten ^lan entgegenstll^ len werden, hier ein neues Mufeum von Wert und Gehall he- Emmen dürften. Tie Anordnung geschah in der Weise, daN man zuiammen- 9 chorige Gruppen schuf und nach Mogllch kntiededrei er Gruppen in einem Raum zusammenhrelt Es werden affo dre Iticnerälc, die Gelehrten, die Künstler usw. nebeneinander ge- Mb. Deutscher Reichstag. 162. Sitzung, Sonnabend, den 14. Juni. «ra Tftch dcs^Bundesrats: Dr. v. Be t h m a n n ° H o II - Mitgliedern '&taat§ielrctären und zahlreichen Bundesrats- Präsident Dr. Kacmpf g^«^d e An spräche2° ^'"uten und hält fol- ^ine Herren! (Die Abgeordneten erheben sich von den «ltzen, dre Sozialdemokraten waren nicht erschienen.) Nur eine kurze Spanne Zeit noch trennt uns von dem Tage, an dem wir das fünfundzwanzigjährigc Ncgierungöjubiläum S. M. bc8 ßaiicrä feierlich und festlich begehen. Wehmütig steigt die Erinnerung an das Lcbenscnoc des kaiserlichen Gründers des Deutschen Reiches, des ersten Kaisers aus dem Hause Hohen- zollern, vor unf-rem Geiste auf. Wehmütig denken wir des edlen Dulders auf dem Kaiscrthron und seines tragischen Schicksals, Kaiser Friedrich III. Mit Stolz und Freude aber erfüllt U"s der Gedanke an die jugcndfrische Gestalt unseres Kaisers, wie er in vollem Bewußtsein seiner jugendlichen Kraft und mit der Begeisterung seines iocalen Strebens vor 25 Jahren die Regierung übernahm. Der Kaiser kannte die Bedenken, die seine militärischen Neigung-en erwecken konnten. Er wisse wohl, so hat er selbst es ausgesprochen, daß ihm nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken zugeschrieben würden. Er weise, so hat er hin- zugefügt, solche Beschuldigungen mit Entrüstung zurück. Jene KeOenfen haben sich als gänzlich grundlos erwiesen. Er, der das mächtigste Kricgsinstrument in seiner Hand hält, hat es benutzt, nicht um kriegerische Lorbeeren zu pflücken, sondern um uns und der Welt den Frieden zu bewahren. Wir leben in einer ernsten Zeit, aber wir haben das felsenfeste Vertrauen, daß der Kaiser das bleiben wird, was er war, und was er ist: ter Friedensfürst, der das Kriegsschwert nur ziehen würde, wenn eS gelte, die Lebensbcdingungcn des deutschen Volkes zu verteidigen. (Lcbh. Bravorufe.) Roch nach einer anderen Richtung hin danken wir dem Kaiser. Er hat einst als den Urgruno, auf dem das Deutsche Reich errichtet ist, alle jene hohen sittlichen Anschauungen be- Seichnet, die unseren Vorfahren eigen waren und hat mahneitd gerufen, das Gefühl für den kategorischen Imperativ der Pflicht möge im deutschen Volk niemals ersterben. Als eine Verkörperung der damals ausgesprochenen Grundsätze steht der Kaiser heute vor uns. Er hat sie in seinem Wirken als Kaiser wie in seinem Familienleben zur Tat gemacht. Kürzlich hat der Kaiser bei der Vermählung seiner Tochter Worte gesprochen, die in ihrem hohen sittlichen Ernst wie in ihrem echten, aus loarmem Herzen kommenden Gefühl das Gepräge tiefsten Empsinlcns zeigen und in allen Kreisen 0eS Volkes rein menschliche Verehrung auslösten. (Lcbh. Bravorufe.) Bei der gleichen Gelegenheit aber hat der Kaiser ein Wort geprüft, das in epigrammatischer Kürze zeigt, wie er seine fürstlichen Pflichten auf- faßt: Anderen zu dienen und für andere zu sorgen, hat er als vornehmste Aufgabe eures Fürsten bezeichnet. (Erneuter lebhafter Beifall.) Wer in feierlicher Stunde solche Worte in das Leben mitgibt, kann nicht nur Anspruch erheben auf die Achtung, bic jeder deutsche Bürger seinem Kaiser schuldet und entgegenbringt, er weckt darüber hinaus zm ganzen Volke ein herzliches Gefühl der Verehrung und Liebe. (Lebh. Bravorufe.) Sie aber, meine Herren, fordere ich auf, an dem Tage, an bem wir hier im Reichstag das 23jährige Regierungsjubiläum S. M. des Kaisers und Liönigs feiern, den Gefühlen, die uns alle beseelen, Ausdruck zu geben und den Wünschen, die wir für eine lange, glückliche und segensreiche Regierung S. M. des Kaisers, für sein Wohl und für das Wohl des ganzen kaiserlichen und königlichen Hauses zum Ausdruck bringen wollen — diesen Gefühlen und Wünschen Ausoruck zu geben, indem Sie mit mir rufen: S. M. Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, er lebe hoch, er lebe hochl (Die Dundesratsbevollmächtigten und die Abgeordneten stimmten begeistert in die dreimaligen Hochrufe ein. Darauf brachten die Abgeordneten lebhafte Bravorufe aus.) ___ Zweites Blatt 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Klanei“ Stimmen Reparieren Polieren tadellos. Ausführung. N iwioe hi» SB® MS- efretE LMwelluiM K • r.Sotöfr von tri »t^onen entlaiteti I leflarnsaurenAblaaerWan I enu.Aerzien glanzend be°r icriitat0:2(i)othftc z. M den Drogerie l.Noll,T.schaaiu.E.M __[sl%] fig g birthioi« J-:; Bille W " iü i3 |3jj te Sofia, 15. Juni. Der König -empfing ^en bisherigen Ministerpräsidenten Gcschow in Abschiebs- audienF. Er überreichte ihm die Insignien des Ordens vom Apostel St. Kyrill Methodi ifür seine hervorragenden Dienste, die er dem Land leistete. Geschow ist der einzige Bulgare, der bisher die höchste bülgarische Auszeichnung erhielt. Der Rücktritt des Kabinetts Paschitsch. Belgrad, 16. Juni. Ministerpräsident Paschitsch hat gestern abend dem König den Rücktrittdes Kabinetts überreicht, da Serbiens Heer und Volk nicht genullt seien, Land am rechten Wardaufer äbzutreten. Die politische Lage ist dadurch äußerst schwierig geworden. Unterrichtete Kreise behaupten, das neue Kabinett werde der Minister d e s Aeu ße r n P r 0 li ts ch bilden, derfüreineencr- aifche Aktion cintrete. Freilich wird auch mit der neuen Berufung von Paschitsch gerechnet, weil -kein Koalitionskabinett möglich sei. Dar Urteil im Nieder-Modauer Prozeß. bs. D a r m st a d t, 14. Juni. Wie wir bereits telegraphisch meldeten, wurden die vier Angellagten im Nieder-Modauer Prozeß mit folgenden Strafen ^b^Phjlipp Adam wird zu einer Zuchthausstrafe timt insgesamt 5 Jahren und 6 Monaten verurteilt, ferner zu einer Geldstrafe von 1500 Mark, im Falle der Nichteinbrm- qung zu weiteren 100 Tagen Zuchthaus. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten aus die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Ein Jahr wird ihm auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnct. , Der Angeklagte Beck wird zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten verurteilt, sowie zu einer Geldstrafe von zweimal je 100 Mark und zweimal K 200 Mark. Auch ihm wird ein Jahr auf die erlittene Untersuchungshaft Der Angeklagte Isaak >mrd zu einet Zuchthausstrafe von 1 Jahr 9 Monaten verurteilt, wovon ebenfalls ein Jahr durch die erlittene Untersuchungshaft als verbükt erachtet ""^Dcr Angeklagte Ihrig wird zu einer G c f ä n g n i s st r a s c von 6 Monaten verurteilt und außerdem zu 1500 Mark Soweit Verurteilungen erfolgt sind, haben die Angeklagten die Kosten des Verfahrens zu tragen, in den Fällen, wo Freisprechung erfolgt ist, werden die Kosten der Staatskasse auferlegt. Aus der Begründung: Bei Adam hat das Gericht ein einheitliches vorsätzliches Delikt nicht •angenommen. Die Wecpselfälschungen der Jahre 1904—1208 werden Dagegen zu Gunsten Adams als eine Handlung angenommen. Wegeii der Hohe der Fälschungen mußte allem nuferne Zuchthausstrafe von 3 Jahren erkannt werden. In allen Fallen sind mildernde Umstände angenommen. In dem einen Falle, wo 9lbam die Unterschrift Pallmanns gefälscht hatte, wenn auch mit dem Einverständnis Pallmanns, mußte das Gericht auch zu einer Verurteilung kommen, da die Fälsärung zum Zivecke der Täuschung vorgenommen wurde. Mit Rücksicht auf die schweren Folgen seiner Handlungsweise mußte auf cm so hohes Strafmaß erkannt werden. , Der Angeklagte Isaak ist schuldig des Verbrechens gegen die 259 und 260 des Str.G.B- Bezüglich der Wechsel 1904 bis 1908 nimmt das Gericht an, daß er gewußt habe, daß Untreue vorliege, es mußte sogar angenommen werden, daß ihm die Tatsache der Fälschungeii bekannt war. Dich mußte sich ^saak bewußt gewesen sein, daß eine landwirtschaftliche Genopcnlchasts- kasse nicht derartige Wechselgeschäfte machen durste. Ferner mußte er wissen, daß es sich nur um Gefälligkeitswechsel gehandelt habe. Das spricht für gewerbsmäßige Hehlerei in VerbinDnng mit Beihilfe. „ ... . . Der Angeklagte Beck ist schuldig der Protokoll- und der Quittungsfälschung. Die Angabe, daß er der Ansicht gewesen sei, tatsächlich 200 Mark mehr an Adam gezahlt zu haben, kennzeichnet sich als leere Ausrede. Auch von der Bilanz pro 1908 hat er germißt, daß sie falsch sei. Dem Angeklagten Ihrig war es bekannt, daß am 11. No- vrmber 1909 für die Bilanz 1908 sich ein Verlust von 14 610 Mark herausstellte. Es ist dann die Urkunde über 275 000 Mark unterschrieben worden. In der Verlesung der Bilanz ist dieser Fehlbetrag nicht zum Ausdruck gekommen. Die Frage, ob eine Aktivierung dieser Urkunde angebracht rvar, ist nicht klar beantwortet. Es wird zu Gunsten Jhrigs angenommen, daß er Uch der Rechtmäßigkeit der Aktivierung bewußt war. Für die An- sickit, daß es sich um eine Scheinurkunde handele, i|t der Nack>- weis nicht erbracht. Die Zeugenaussagen, daß nichts bezahlt zu werden brauche, sind kein Beweis für eine Schein urkunde. Wenn Ihrig gesagt habe, daß nichts bezahlt zu rverden brauche, so kann das auch so gemeint sein, daß der Fehlbetrag auf anderem Wege cingebracht werden könne. Darin aber war die Aktirierung nicht angebracht, da man Wechsel auf die Zukunft nicht in die Aktiva aufnehmen dürfe. Das Konto Adam mußte Ihrig als zweifelhaft erscheinen. Daß Adam nichts beiaß, wußte Ihrig auch aus bem Bericht Becks. Daß es also gefallchte Bilanzen waren, die hier verlesen mürben, mußte den Sachkennern Ihrig und Beck bekannt sein. Ein Beweis, daß Ihrig den Beck zur Mittäterschaft angestiftet habe, ist aber nicht erbracht. ?yur die Bilanz 1909 kann eine Verurteilung nicht erfolgen. Es steht nicht fest, ob sich nicht auch einer ober der andere der Vor- standsnlitglieder über die falsche Bilanz im Klaren war. Auch eine Beihilfe ist nicht nachweisbar. Die Neuwerbung der Mitglieder ist fallen gelassen worden. In dem Falle der Zession mußte aber eine Verurteilung erfolgen. Hiermit geht ein Vermögensvorteil für die Bank Hand in Hand. Aus die Urkunde über 275 000 Mark hatte Nieder-Niodau einen moralischen Anspruch, dlber nicht durch die Zession ist ein Betrug erwiesen, sondern durch die durch Täuschung erreichten Unterschriften. Die Begünstigung des Adam ist glatt erwiesen. Was nun die Strafabmessung bei den Angeklagten anbetrifft, so sind als straferschwereich anzusehen die furchtbaren Folgen ihres Verhaltens. Die Handlungsweise des Adam ist am schwersten zu verurteilen. Sie erscheint empörend gegenüber dem Bewußtsein, daß er so und so viele Familien ins Verderben stürzte. Ebenso muß seine Sorglosigkeit die schärfste Verurteilung finden. Zu seinen Gunsten kommt in Betracht der unheilvolle Einfluß Pallmanns. _ Adam ist daher als Urheber des furchtbaren Unheils am schärfsten zu bestrafen. Für Isaak kommt straserschwerend in Betracht die Rücksichtslosigkeit, mit der er die Verhältnisse für sich ausgenutzt hatte. Er mußte die Untreue des Adam gekannt haben. Zu seinen Gunsten spricht, daß er irach Möglickf- teit versucht habe, den entstandenen Schaden rvieder gut zu machen. Für Beck kommt in Berradck, daß er mit dem Haupturheber in Verbindung trat. Eine weitere eingehende Strafmilderung ist es aber, daß er in eine verworrene Wirtschaft kam und nicht der Mann war, Ordnung zu schäften. Zu verurteilen ist auch Ihrig. Das in ihn gesetzte Vertrauen hat er getäuscht. Er hat auch nichts Nennenswertes getan, was Nieder-Modau Vorteil gebracht hätte. Die Wechsel ei nlösu n gen geschahen ohne Opfer seinerseits. Tas Be streben, den Konkurs zu vermeiden, hat ihn nicht abgehalten, Wcch- selUagcn gegen Nieder-Modau zu erheben. Tie Bemerkung „Ihn Nieder-Modauer seid mir ans Herz gewachsen" erscheint in einem sonderbaren Lickste, wenn man die andere Bemerkung berücksichtigt: „Wenn nur die Bank gesichert ist, dann ist mir das Schicksal Nieder-Modaus gleichiültig." Persönlich hat er sich allerdings keinen Vorteil zu verschaffen gesucht. Er ist Fanatiker einer Idee Erhebend hätte der Gedanke wirken können, der sterbenden Kasse wieder aufzuhelfen. Man hätte aber von Ihrig erwarten dürfen, daß er die Unzulänglichkeit der gebotenen Mittel erkennen mußte Seine Handlung verstößt gegen Treu und Glauben, und so mußte auf das ausgesprochene Strafmaß erkannt werden, das als eine Sühne angesehen werden bann. Dazu schreibt uns noch unser Miturbeiter: .. Ms Samstag morgen um V»9 Uhr in der „S trasfache gegen Ada m und Genossen" weiter verhandelt wurde, war der Gerichtssaal dicht gefüllt. Es war eine ^ovannung, und auf allen Gesichtern stand die Erwartung deutlich zu lesen. Bon den Angeklagten war Adam heute wohl etwas bleicher als sonst. Tie Gleichgültigkeit über sein Geschick schien ihn aber auch heute nicht verlassen zu haben. Bcck wußte, bahJeiner nur die geringste Strafe noch harrte, wenigftrns soweit^fie für ihn noch zu verbüßen war. Leichenblaß aber war «jbrtg. «Er wußte am wenigsten von dem, was seiner harrte. Ebenso J'saak, der eine auffallende Nervosität zur Schau trug. Kurz nach V?9 Uhr betrat der Gerichtshof den Saal. ^Lautlose Stille! Wie bei großen Prozessen üblich, wurde der vor der Begründung verkündet. Bei Adam und Beck sckstoß sich das Gericht den Anträgen des Staatsanwalts an. Bei Ihrig und Isaak waren die erkannten Strafen nur nm etwas geringer. , _ Ter Spruch der Richter in diesem großen Prozeß ist streng. Trotzdem aber wird man aus der Urteilsbegründung eine große Vorsicht herauslesen können. In all den Fällen, die nur den geringsten Zweifel zuließen, trat weitgehendste Milde ein, die besonders dem Angeklagten Ihrig zugute tarn. Diese Milbe kommt auch in der Anrechnung der Untersuchungshaft zum Ausdruck: allen drei Angeklagten, die .sich in Untersuchungshaft befanden, wurde ein volles Jahr angerechnet. Tas Gericht begründete dies damit, baß die Länge der Haft nicht die Schiild der Angeklagten sei. Tie ganze Sckpvcre des Gesetzes trifft die Angeklagten aber da, Ivo man die Straftaten als erwiesen ansah. Tas geschah angesichts der „furchtbaren Folgen", wie es in der Urteilsbegründung heißt. Der Urheber des ganzen Unheils, Adam, wird seine Taten im Zuchthaus büßen, ebenso Isaak, dessen Treiben das Gericht als verwerflich bezeichne!e. Ausdrücklich hob das Gericht bei Adam noch hervor die Unbekümmertheit, mit der er zu Werke ging. Selbst Warnungen fruchteten nichts mehr. Und gab er ein Versprechen, fortan geordnete Wege zu geben, o brach er es kurze Zeit nach seiner Abgabe. Streng verfuhr das Gericht mit Ihrig und zwar deshalb, weil er fein reiches Wissen und seine große Begabung zum Schaden der Kasse benutzt habe. Er sei nicht ber Helfer gewesen, ür ben man ihn hielt, und das Vertrauen habe er schändlich getäuscht. So endete der Prozeß, der durch neun lange Wochen die gespannteste Aufmerksamkeit nicht nur des Hessenlandes, sondern auch des ganzen Reiches in Anspruch nahm ! Alle Angeklagten behielten sich die Entscheidung darüber, ob sie das Urteil anerkennen wollen, vor. Schützet unsere Anlagen! Ans Stadt nnd LanH. Gießen, 16. Juni 1913. Akademisches Turn- und Sportfest in Gießen. Es wird uns geschrieben: Am 28. und 29. Juni d. I. Hübet in Gießen das zweite Mademische Turn- und Sportfest unter dem Protektorat unseres Landesherrn statt. Vier Hochschulen beteiligen sich: Darmstadt, Gießen, Heidelberg, Marburg. Tas Programm ist sehr reichhaltig. Samstag, 28. Juni nachmittags 2fts Uhr, findet in der Militärschwimmanstalt ein WettickMimmen statt, bei dem auch Ballspiele und Reigen gezeigt werden sollen. Daran soll sich ein Wettrudern anschließen, das aber wohl leider nicht zustande kommt. (Viererbooie und Ziveier Toppelruderer.) Zugleich finden auf den beiden großen Sportplätzen an der Hardt, die von ihren Besitzern der Hochschule freundlich zur Verfügung gestellt werden, sportliche Ausscheibungskampfe und ein Hokkep statt, das die Darmstädter Mannschaft als Propaganda spiel vorführen wird. Sonntag früh beginnt der große turnerische Zwölffkanups'. Um 9 Uhr finden Tenniswettspiele statt. Zugleich beginnt ber sportliche Treikamps. Nadnnittags treten die Turner zu Freiübungen an, während Gießener Studenten eine Schaustafette vom Gleiberg herab taufen; wir zeigen damit, baß wir hier auch. in größerer Menge etwas leisten. Dann folgen Musterriegenturne.n, Sportmannschaftskämpfe, Turnspiele, sportliche Endkämpfe unb zum Schluß ber große Eilbotenlauf um ben Kranz des Grobherzogs, der vergangenes Jahr in Darmstadt blieb. Auch ein volkstümlicher Treikamps gewesener Studierender ist vorgesehen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Das ganze fordert aber viel Arbeit, an der sich hoffentlich viele Kommilitonen rege beteiligen. Besonders schwierig ist auch die Wohnungsfrage, da die fremden Wettkämpfer möglichst unentgeltlich unterzubringen sind. Ueberall bedürfen wir des Entgegenkommens, das wir auch wegen der guten Sache wohl zu finden hoffen. Tie Regierung hat es durch die Anstellung des Lehramtsassessor I. Müller als Pka- bemischen Tum- und Sportleiters schon bewiesen: auch die Studentenschaft fördert die Veranstaltung in dankenswerter Weise. 'Nun heißt es nur, daß Turner und Sportsleute eifrig mitüben und mitkämpfen. In der neuen schönen Turnhalle des Realgymnasiums ivird Dienstags und Freitags ab 8 Uhr abends geturnt. Hinter bem Seftetariatsgebäude konnte ein eigener Platz für Laufübungen u. bergt gcfdxiffcn werden. Aus ben Sportplätzen unb auf bem Trieb stehen Spielgeräte zur Verfügung und kann stets geübt werden. Wir müssen gegen die guten Kräfte der mitkämpfenben Hochschulen auch tüchtige Kämpen vorschicken können! Lluch wir hoffen, von ben Kränzen unb ben Ehrenurkunden, die ein Gießener Künstler entwirft, viele zu erwerben. — Herr Assessor Müller, Ludwigstr. 14II, ist zu jeder Auskunft bereit, ebenso die Herren Tr. Mittermaier, Feist, Knöllinger. Tas Tennisspiel hat Herr Tr. Demoll, zoologisches Institut, zu leiten. — Auch der Studentische Turn- und Spvrt- ausscl-uß tstud. theol. W. Berger, Schillerstr. 11) unb o-er aka- bcmiidje Sportverein lAssistent L. Sack, Landwirtschaftliches Institut) nehmen an der Arbeit teil. •* Der Großherzog, der Protektor des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, ist am Freitag abend zu der Frühjahrsfeier des Verbandes in Essen eingetroffen und auf bem Hügel abgestiegen. Die Vereinigung besichtigte am Samstag die Krupp'schen Werke, während der Großherzog mit Herrn v. Krupp von Bohlen und Halbach zum Hauptverwaltungsgebäude fuhr. Am Abend nahm der Großherzog an dem Festessen, das die Stadt Essen in dem Kruppsaale des Städtischen Saalbaues gab, teil. Am Sonntag früh 10 Uhr eröffnete der Großherzog die Ausstellung und am Nachmittag fuhr er nach Berlin, um an ben Jubiläumsfeierlichkeiten dcS Deutschen Kaisers teilzunehmen. — Die Großherzogin ist mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig am SainStag mit Gefolge nach Lich abgereift. ** Praktische Krankenpflege in ber Schule. Welchen Wert man tu Hessen ber Ausbildung der Mädchen in der Haushaltungskurrde beilegt, das zeigt sich in der steten Zimahme der Wcmder-Haushcrltungsschuleu. In vielen Orten melden sich für diese Kurse auch Frauen in solcher Anzahl, daß man für dieselben besonderen Unterricht in Krankenpflege einführte. In der .Hauptsache kam mau in den hessischen Schulen in der Gesundheitslehre und in der Krankeripflege über die Belehrungen wohl wenig hinaus: trotzdem muß die Uebung in der Krankenpflege das Ziel bleiben, das zeigen die ersten Versuche in den Wanderschulen. Besondere Beachtung verdient eine Neuerung, die man letzten Winter in der .Heidelberger Haushaltungsschule einführte. Aus einer Abteilung dieser Schule bildete man nämlich zwei freiwillige, gleichlaufende, praktische Kurse für Krankenpflege unb Gesundheitslehre. Der Unterricht wurde von einer praktischen Aerztin unter Beihilfe einiger Lehrerinnen erteilt. Verbände, Packungen, die Lagerung der Kranken usw. müssen von den Schülerinnen selbst ausgeführt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird der Wartung unb Pflege der Neugeborenen gewidmet. Die Sckfülerinncn zeigten für diese praktische Krankenpflege großes Interesse, und die Schulleitung ist mit dem ersten Versuch recht zufrieden. Landkreis Gieren. — Lang-Gons, 14. Juni. Unsere für ben 15. und 16. Juni geplante Feier mußte wegen ber Heuernte auf ben 2 9. unb 3 0. ds. Mts. verschoben werben. Krieger-und Turnverein feiern zusammen. ? Li ch, 15. Juni. Im Stadium des Feldbereini- gungsverfahrens liegt eben der zweite Abschnitt, die Besitzstandsaufnahme, zwei Wochen offen. Allgemein hört man Klagen, ja selbst Erbitterung laut werden wegen der ungeeigneten Jahreszeit, der kurzen Frist der Offenlegung und dem damit verbundenen Revlamationstermine auf die gesetzlich zulässige Minimalfrist. Ans eine Beschwerde hiesiger Grundbesitzer hierüber an Großh. Ministerium wurde die Offenlegungsfrist um eine Woche verlängert. Inzwischen ist ein weiteres Gesuch, unterzeichnet von annäfyernb 200 Grundbesitzern, hem Großh. Ministerium zugegangen um Verlegung in den Herbst unb um längere Oflenlegungsfrist. Man hofft auf Entgegenkommen seitens Großh. Ministeriums. Der zweite Abschnitt im Feldbereinigungsverfahren ist für die beteiligten Grundbesitzer der in ihr Vermögen am tiefsten einschneidende und wichtigste Akt. Hierbei handelt es sich um die Nachprüfung der von der B-vnitierungs- Kommissivn festgestellten Werte ihrer Grundstücke bezw. ihres Vermögens. Daß, diese Prüfling, angesichts der Größte der-Feldgemarkung Lich von 1100 Hektar, nicht in zwei, nunmehr in drei Wochen, und mit Mcksicht auf die in dieser Zeit auszuführenden Feldarbeiten und die Heuernte zu vollbringen ist, wird jedem, auch Nickchlanbwirt, einleuck)- tend sein. Bei dem hier außerordentlichen großen Umfang der Gernarküng und dem außergewöhnlichen Maße an Bwdenverschiedeuheiten war die Kommission vor fast unerfüllbare Anforderungen gestellt, die nachcuprüsen jetzt Sache der Besitzer ist. Nur hierdurch wird es möglich sein, einen Ausgleich eventueller Ungleichheiten zu.finden. Hierzu muh den Grundbesitzern die geeignete und notwendige Zeit eingeräumt werden. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 15. Juni. Ein hiesiger Installateur stürzte gestern in Schwanheim von einem Dache, wobei er den Schornstein mit sich riß-, und erlitt einen doppelten Armbruch sowie sonstige Verletzungen. Er wurde nach Frankfurt ins Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr ist nicht vorhanden. — Der gestrige Wochenmartt war gut bc- schickt. Butter kostete 1.40 Mk. bas Pfund, Eier das Stück 8 Pfg., Käse 6 Pfg., Kartoffeln der Zenter 2.50 Mk. Vereinzelt sind schon neue Kartoffeln zu Markte gebracht, Gemüse, namentlich Spargel unb Kernerbsen wurden vielfach gekauft. Kirschen das Pfund 55 Pfg., Erdbeeren, welche in unserer Gegend im Garten und Wald gut geraten sind, kosteten 60 Pfg. der Schoppen. — Bad-Nauheim, 14. Juni. Zur 2 5 jährigen Jubelfeier des OrtSgewerbevereins sind die Vorarbeiten fast erledigt. Zu der Ausstellung sind 26 Anmeldungen eingelaufen. Zu dem Festkommers am Samstag abend haben der Gesangverein „Frohsinn" und der Turnverein ihre Mitwirkung zugesagt. Sonntag, 22. Juni, findet vormittags eine akademische Feier statt, auf die nachmittags ein Festessen und ein gemeinsamer Spaziergang nach dem Teich- l)au§ und dem Johannisberg folgt. Abends findet ein Fest« ball statt. h. Heldenbergen, 13. Juni. Die Spar- und Leih lasse beschloß, ihre bisher mit unbeschränkter Haftung eingetragene Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haftung umzmvandeln. h. Vilbel, 13. Juni. Die Bürgerineisterivahl ist auf den 23. Juni festgesetzt. Neben dem bisherigen Bürgermeister Mühl sch wein wurde Stadlsekretär Berg als Kandidat aufgestellt. Hefsen-Nafsau. O Breidenbach, 15. Juni. Ein seltenes Fest feierte heute unsere Gemeinde: das tausendjährige Bestehen des Dorfes Breidenbach. Eine Urkunde vom 16. Juni 913 gab ihr bas Recht zu der Feier, die einen würdigen Verlauf genommen hat. Ein Festgottes- dienst in unserer alten, durch ihren seltsamen Turm bekannten Kirche machte den Anfang; die Predigt hielt Pfarrer Ohly. Den Glanzpunkt des Oiachmittags bildete der Festzug, in dem prächtige Trachtengruppen laus alter und neuer Zeit vertreten waren. Ta sahen mir Frauen unb Mädchen in .Kirmes-, Sonntags-, Kirchen-, Trauer-und .Halbtrauer tracht, da marschierten Männer und Burschen in altväterlicher Kleidung, wie sie vor 200, 100 und 40 Jahren int Gebrauch war und von der im Leben der Gegenwart auch nicht eine Spur mehr vorhanden ifl. Allerlei Wagen mit lebenswahren Gruppen — Spinnslube, Flachsbereitung, Feierabend, Erntefest — zogen vorüber. Auch eine Schar Freiheitskämpfer von 1813 war vertreten, und hinter ihr eine Abteilung moderner Infanteristen in feldmarschmäßigem Anzug. Aus dem Festplatze fand Lehrer Haak herzliche Worte der Begrüßung^ eine ebenso freundliche Ansprache hielt der Landrat Dr. Daniels; eine packende Festrede hörten wir aus dem Munde unseres 2. Pfarrerd Henkelmann. Auch Bürgermeister Kamm, ber bei dieser Gelegenheit vom Kaiser das Silberne Verdienstkreuz erhalten hatte, entbot den Willkomm und den Dank der Gemeinde Breidenbach. Der Festausschuß hatte in weitgehendster Weise für die Unterhaltung des Jubiläums gesorgt, am schönsten aber durch ein Altertumsmuseu m, dessen Gegenstände, in einem eigens zu diesem Zweck erbauten Bauernhaus untergebracht, viel Beachtung seitens ber Kenner fanden. Auch eine Festschrift aus der Feder des Lehrers Eschhofen war vorhanden. fc. Wiesbaden, 13. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten gedachten der Vorsitzende Dr. dllberti und Oberbürgermeister Glässing des Ablebens des langjährigen Stadtverordnetenvorstehers Geh. Sanitätsrat Dr. Pa geilst ech er. Zur Ehrung des Verstorbenen soll im neuen Natur- historischen Museum eine Gedenktafel angebracht werden. Dec ! Vorsitzende bemerkte, daß man sich im 9lusschnß zur Vorberatung der Wahl des Bürgermeisters dabin geeinigt habe, bei der in der nächsten Sitzung vorzunehmenden Bürgermeisterwahl den Beigeordneten Travers vorznschlagen und wenn dessen Wahl nicht zustande komme, Stadtrat Seidel ans Eharlottenburg in Vorschlag zu bringen. Der Errichtung des Lyzeums II an der Dotzhcimer Straße mit einem Kostenaufwand von 8 8 3 000 Marl wurde zugestimmt, ebenso. 10061 Sdlf« » « g&k « 51 fjei'’*" •5'S? Äg? 8 Win. 41 vU- 5 W"; 2, 11101= l'Nd Mn. 4 Sek., d. - lurterWeteu pichen Ellen, M Lfnmvorbrmi Anlänger-D, Herein): L Kalte! Aderverem b w 55 Sek, Ruderve big 100 Meter v corgebt und in wein Amicitia, «elellschaft sind : Steuermann (ü Ruderverein 7 : Lacklenhausen 8 wo Mainz lanali orächtiqen Eudspi ibejäränfl) (Gl |por!-$crein „Tei verein Hechenhei Vierer ohne Ruderverbandes) riefle des Essener Wort die Führ« Ziel. - Zweite i. Amicitia-Man (uort 7 Min. 25 4. Mannheimer 1 7 Min. 50 Sek. von Amicitia ur |am vor und sie an vierter Stell der Rennen vei im EM ©oder (riihen Morgen Auch heute und doch eroifl Wellen bearnfiei Tie Ergebnisse Junior = J. Ttänjer fRubt 8 Mui, 15 Set., Start ab und gei Ins halber Bahn ihrenpreiS St. 5 »ereilt 7 Min. 39 7 Min. 56 ( ■Mu gewinnt uc '«kein vokal. > Heidelberger R Merluovt' 8 A =«".1902. Seidel Jainiiinafiof) und M Maschmam t-ftenpreis des WtOicfiait von ] Mfchast von 18k iM-und Fechlkl. .1 ^achienhmi, F«>17 Min. 56 S LScf< Seht span A vor Essen; Ach aus, und t Sjmit kapp ei Aerpreis von ( oder t S"?ein,cr R> ÄSSjj «ey 2'9«ermanne B'off« KLtz. ).'»N1N1, '!,ei|^lahhy ev d SSkSj Ä erkau UU| UU liuujnuu". erlang nach bew^l’ Abends finbet ff 'f'1. onden- ü. Zur Lbjahrig^ Vereins sind die fe usstellung sind 26 & ‘ftfonnnerS om 6mis!x inn* und der Turn«'' Reklamemarken in den Verkaufsstellen erhältlich. I, 22. Zuni, finbet.' aus die nachmitte/' n hiesiger MallatM i einem Dache, lvok > erlitt einen doppelter igen. Er wurde naö . Lebensgefahr ist nid): nmartt war gut k Pfund, Eier das SÄ Zenter 2.50 M. Hei, u Markte gebracht, lerbfen wurden Dielfüf Erdbeeren, welche ir Kald gut geraten sine wurden 10 000 Mark bewilligt für die Ferienspazier - g ä n g e. w Wiesbaden, 14. Juni. In der vergangenen Nackt wurde in das Antiauitäten- und Juwelengcschäst L. Meiler auf der Wilhelmstraße eingebrochen. Die Diebe erbeuteten für 50000 Mart Juwelen. Von den Einbrechern fehlt bisher jede Spur. ii. Die Sp. ,"ub it unbeschrai^ lchc mit beichlänNN 'imnncifteriüdbl 'S ,fll” Berg fl« ^nblbat ,ur»‘ i19 , ** •■<*•$* n. ■Ä iah0"ätermi'”51”? tttänSt^S" >t hn» ' ^Wtfaen annähernd'^ um “»ÄS’* n Mundstücke bezw 'WWber Erle » ? d'e in dieser Sv bl.c veuernte zu Eandnnrt, einte Wn großen Umtana ewohnlichen Maße i nrnffion vor fast uner- blc .uacheuprüseu jetzt 1) >oird es möglich sein ^ten zu.finden, hierzi! ;e Md notwendige Zen ii fettend ,v-'|t endjährlgc^' ach Eine Urkunde it 5U der Mr, die mt An W^; fnwen Turnt bckann' igs büdrt- d-r^« 'Trauen md ber G-gcn^ ®* nd)f, Flachsber^ tr. Auch me^! r.KKs llNg ^rnsinE ltertUP „ ^l- "ö.r" Achtung s§ A'-"" 28. Mainzer Regatta. Erster Tag. Hatte die vorjährige Regatta sebr unter den Unbilden der Witterung nn leiden, so lachte dafür in diesem Jahre ein sonnenklarer Himmel über dein alten Vater Rhein, dessen leichtbcwegte Wellen festesfreudig alänzten. Tie Fahrbahn ist in diesem Jahre wieder an ihre alte Stätte bei der alten Eisenbahubnicke verlegt. Tie Ergebnisse des ersten Tages sind folgende: R h e i n - V i c y e r (Herausforderungspreis, gegeben von, Mainzer Ruderoerein): 1. Ruderrieae des Esseiter Turn- und Fechtklubs 8 Min. 7 Sek., 2. Düsseldorfer Ruderoerein 8 Min 46 Sek. Germauia-Di'isfeldorf überninnnt die Führtmg, die cs bis kurz vor dem Ziel behält, mo es von Essen überholt und schließlich auf den dritten Platz gedrängt wird. — Zweiter Einer (Ehrenpreis der Kegelgefellfchall .Eiserner Bund"): 1. Piez, Mainzer Ruderoerein 8 Min. 41 Sek., 2. Menz, Kasteler Rudergescllschast 8 Min. 50 Sek. Piez setzt sich sofort an die Spitze uud gewinnt glatt mit etwa 5 Längen. — Ga st-Vierer (Wanderpreis der Stadt Mainz, Vorjahr Ludwigshafener Ruderoerein): 1. Rudcrriege des Essener Turn- und Fechtklubs 8 Wlin. 4 Sek.. 2. Mainzer Rudergesellschaft 8 Min. 4 Sek., 3. Mannheimer Ruderklttb 8 Min. 7'/, Sek., 4. Frankfurter Ruderoerein 8 Min. 15 Sek. Geschlossenes, prächtiges Rennen zwischen Essen, Mainz und Mannheim bis dicht vor dem Ziel, ivo Essen langsam vordrängt und sich die Führtmg nicht mehr entreißen läßt. — Anfänger-Vierer (Ehrenpreis, gestiftet voin Mainzer Ruderverein): i. Kasteler Ruderacsellschast 8 Min. 29 Sek., 2. Wormser Ruderoerein 8 Min. 20'/, Sek., 3. Offenbacher Rndervercin 8 Min. 55 Sek., Ruderoerein Rüsselsheim abgestoppt. Wechselnde Führung bis 100 Meter vor dem Ziel, wo Kastel mit mächtigem Endspurt vorgeht und mit einer halben Länge siegt. Mannheimer Ruderverein Amicitia, Rudergesellschast Worms und Mainzer Ruder- gesellschast sind nicht gefahren. — Ziveitcr Vierer ohne Stell ermann (Ehrenpreis des Mainzer Rndervereinsi: 1. Mainzer Ruderoerein 7 Min. 52 Sek., 2. Frankfurter Nudergesellschafl Sackseuhallsen 8 Min. 8 Sek. Sachsenhansen führt bis 1500 Meter, wo Mainz langsan, vorgeht und nach scharfem Kampf mit einem prächtigen Endspurt das Reililen mit 5 Längen gewinnt. -Vierer (beschränkt) (Ehrenpreis des Mainzer Rlidervereins): 1. Rudersport-Verein „Teutonia" Frankfurt a. M. 8 Min. 25 Sek., 2. Ruder- verein Hechenheün Frankfurt a. M. 8 Alin. 37 Sek. — E r st e r Vierer ohne Steuermann (Wanderpreis des Deutschen Ruderverbandes): 1. Mainzer Ruderverein 7 Min. 49 Sek., 2. Ruderriege des Essener Turn- und Fechtklnbs 8 Min. Mainz übernimmt sofort die Führung, behält sie spielend uild geht glatt durch das Ziel. — Zweiter Achter (Ehrenpreis des Mainzer Rndervereins): 1. Amicitia-Mannheim 7 Min. 24 Sek., 2. Kölner Klub für Wassersport 7 Min. 25 Sek., 3 Kasteler Rndergesellschall 7 Min. 32 Sek, 4. Mannheimer Ruderklub 7 M. 36 Sek., 5. Offenbacher Rllderverein 7 Min. 50 Sek. Geschlossenes Rennen unter wechselnder Führung von Amicitia lind Köln. Slmicitm schiebt sich langsam uild müh- sanl vor und siegt mit einer Länge. Ter Mainzer Rlldervereiil, der an vierter Stelle liegt, gibt kurz vor dem Ziel auf. Rach Schluß der Reilnen veranstaltete der Mainzer Rnderverein ein Nachtfest im (Säte Wocker, das sehr stark besucht war und sich bis zum frühen Morgen hinzog. Zweiter Tag. Auch heute blaut wieder ein lachender Himnrel über dem alten und doch ewig jnnqeit Rhein, und dessen funkelnde, kräuselnde Wellen begrüßen die Tausende, die die Rennen herbeigelockt haben. Tie Ergebnisse derselben fteQen sich ivie folgt: I u >l l o r - V i e r e r. (Ehrenpreis des Wettfahrt - Komitees): 1. Mainzer Ruderoerein 8 Min. ’/, Sek., 2. Wormser Ruderverein 8 Mm. 15 Sek., 3. Kasteler Rudergesellschast. Mainz fährt vom Start ab und geivinnt nach Belieben mit 5 Längen. Kastel hat auf halber Bahn abgeüovpt. — Groß Herzogs-Vierer. (Ehrenpreis Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs): 1. Mainzer Ruder- Dcrciit 7 Min. 39 Sek., 2. Ruderrieqe des Essener Turn- und Fecht- tlubs 7 Min. 56 Sek., 3. Mannheimer Rnderklud 7 Min. 52 Sek. Mainz gewinnt nach hartem Kampfe mit 2 Längen. — Einer- Nbein vokal. (Wanderpreis der Gesellschaft G. L. u. I.): 1. Heidelberger Ruderklub 8 Min. 7 Sek., 2. Kölner Klub für Wassersport 8 Min. 22 Sek., 3. Mainzer Rudergesellschast von 1902. Heidelberg (Graf) fährt mit 2 Längen vor Köln (Münnintilwll und gewinnt mit großem Vorsprung; Mainz (Ernst Maschmaunl stoppt auf halber Bahn ab. — 2. Vierer (Ehrenpreis des Mainzer RndervereinS): 1. Mainzer Ruder- geiellichast von 1902 7 Min. 40 Sek., 2. Kasteler Rudergesellschaft von 1880 7 Min. 43 Sek., 3. Ruderriege des Essener Turn- und FechtklubS 7 Tim. 44 Sek., 4. Frankfurter Ruderqesell- schall Sachsenhausen 7 Alin. 52 Sek., 5. Kölner Klub für Wassersport 7 Min. 56 Sek., 6. Frankfurter Ruderverein von 1865 8 Min. 7 Sek. Sehr spannendes Rennen. Mainz fährt mit kleinem Vorsprung vor Essen; Kastel, das anfangs an, Schluffe liegt, rückt allmählich auf, und es entspinnt sich nun ein heftiger Endsport, den Mainz mit kapp einer Länge zum Siege fährt. - Kaiser Vierer Wanderpreis von Sr. Mas. Kaiser Wilhelm II. Offen für Immatrikulierte oder vor dem Staatsexamen stehende Studierende): 1. Mannheimer Ruderklub 7 Min. 47 Sek., 2. Salamander, erster Karlsruher Ruderklub 7 Min. 50 Sek., 3. Heidelberger Ruderklub 7 Min. 52 Sek., 4. Akademischer Ruderoerein Hannover 8 Min. 9 Sek., 5. Kölner Klnb für Wassersport 8 Min. 20 Sek. Unter wechselnder Führung von Karlsruhe und Heidelberg beginnt 50" Meter vor dem Ziel ein strammer Endspurt, den Mannheim mit einer knapoen Länge gewinnt. — Jun i o r-E i n c r (Ehrenpreis von Karl Opel und'Schöneweis.) Mainzer Ruderverein (Pier) geht in 8 Min. 15 Sek- allein über die Bahn. — Zweier ohne Stell er mann. (Herausforderlingspreis des Mainzer Rndcr- vereins.) 1. Mainzer Ruderverein 8 Min. 11 Sek., 2. Mannheimer Ruderoerein „Ainicitia" 8 Min 22 Sek., Mainz (EordeS und Eismaner jun.) führt vom Start ob mit zwei Längen, und geivinnt ohne sonderliche Anstrengung mit 4 Längen — In nior - Achter Ehrenpreis des Wettfahrt-Komitees. 1. Mannheimer Rllderverein „Amicitia" 7 Mill. 7 Sek, 2. Mainzer Ruder- verein 7 Mm. 9 Sek,. 3. Ruderaefellschall Worins 7 Min 17 Sek., 4. Mainzer Rudergefellschaft von 1902 7Min. 19 Sek., 5. Mannheimer Rliderklub 7 Min. 23 Sek. Unter wechselnder Führung von Mainz (Riidergesellschast) lind Mannheim (Amicitia) nach schönem Kampfe mit einer knappen Länge gewonnen. — Dritter Vierer. «Ehrenpreis des Mainzer Nudervereins). 1. Kasteler Rudergesellschast von 1880 7 Min. 50 Sek.. 2 Hanauer Rudergesellschast von 1879 7 Miil. 57 Sek., 3. Rudergesellschast Worms 7 Min. 59 Sek. 4. Ruderklub Germania, Düffeldorf von 1904 8 Min. 5' 2 Sek 5. Offenbacher Ruderverein von 1874 8 Mm. 27. Sek. Kastel gewinnt sicher mit vier Längen, nachdem es vom Start ab fast ohne Unterbrechung geführt hat. Offenbach stoppt auf halber Bahn ab, nimmt später das Rennen ivieber auf und muß sich mit dem leisten Platz begnügen. — E r m n n t e r n n g sD i e r e r.'Ehrenpreis des Mainzer Ruderverems). 1. Ruderklub Nanovia, Höchst a. Al. 7 Min. 55 Sek., 2. Mainzer Rllderverein 8 Min., 3. Ruderverein Rüffelsheim 8 Min. 15 Sek., 4. Frankfurter Ruderverein Fechenheim In ber WX sM-v zblcbcns^ >uni. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 6. Henneberg, Hoff. F. M. d. deutschen Kaiserin, Zürich L. Dyssenhop «Sc Co.. G. m. b. EI., Mainr. + 21,2 • 0. 4- 5,9 6 Oe Verantwortlich für „Aus Stadt und ßanb" i. V.: K. Neurath. bis 15. Juni , 15. , Milller'sche Badeanstalt. Wasser wärme der Lahn am 1 6. Iu n i: 15 ® R. Höchste Temperatur am 14. Niedrigste , „ 14. Niederschlag: 0,0 mm. Russische Aristokraten als Mörder. "2< Petersburg, 13. wandern und Reisen, Räder. — Salzungen, 13. Juni. Bis zum helitigen Tage sind 1305 Personell zur Kur hier eingetroffen. [tatrianb, gelangte bas (Bendit zur Uederzeugung, daß 9. brr ihm zur Last gefegten Tat überführt sei, und verurteilte ihn yi zwei Monaten Gefängnis, Degradation und Versetzung in die 2. Xflaffc des Soldatenstandes. L., der m>n Ansang an feine* Unschltld beteuert hatte, legte Berufung beim OberkriegSgerieht: bes Gardekorvs ein Bei der Orlsbesicktigung, die auch in dieser Instanz erfolgte, glückte es deut Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Ulrich, den Nackpi'eis zu sichren, daß es dem Be- idralbigten lurmoglich gewesen sei, in der Zeit, die zwischen dem Aufsik-en des Radlers und seiner Mtiicffebr lag, das Portemonnaie zu öffnen, das 0>eld herauszunechmen und zu verstechen, und die Börse dann nach dem Fundorte zu schaffen Das OderkriegSgerichl kam desbalb einstimmig zu einem freisprechenden Urteil. Trinkt Sanitätskraftbier! Giessener Brauhaus, A. & W, Denninghoft [3551[ Rack mehrtägiger Verhandlung ist vor dem hiesigen Bezirks gericht ein Mordprozeß zu Ende gegangeii, her geeignet ist, markante Streiflichter auf die moralischen und sittlichen Anschauungen roijfcr Kreise der russischen befferen Aesellschaft zu werfen. «Es handelte sich bei den Angeklagten nm zwei erst Anfang der 20er Jahre stehende junge Männer, die ihrer Geburt und Ujrer Stellting nach den ersten Kreisen der rnnifdicn Hauptstadt angehörten Alexandra mit sch Dolmatow arbeitete im Ministerium des Auswärtigen, während fein Freund und Mitangeklagter Baron Wladi- miroivitsch von Geismar im Finanzinittisterium beschäftigt war. Die beiden hatten sich in der Provinz kennen gelernt und trafen hier nach ihrer Versetzung in di? Hauptstadt wieder zusammen. Gemeinsame Neigungen verbanden sie schon von früher her, und die bezogen fick vor allem aus die Auslostung des Lebens um jeden' Preis. So tonnte man denn die F-rennüe Abend für Mend oder vielmehr Rackst fier Nacht an den besuchtesten Vergnügungsstätten sehen, überwiegend an Orten, wo die jeunesse dor6e verkehrte? und zu denen auch die Weiblichkeit leichteren und leichtesten Genres zugelassen war. (Ein solches Leben kostete natürlich Geld, und da beide Angellagte von .Hause aus über Verntögen nicht verfügten, andererseits aber auch das (Schatt eines jungen Mimst erialbaamten in Petersburg nicht allzu lfock? bemessen ist, gerieten sie bald in Schuldeit. Zhre p nanu eile Lage ronrbe immer unsicherer, so daß sie schließlich nickst davor zurückschreckten, Droschken kutscher, Portiers und andere Heine Leute anzuborgen. Dazu kam, daß Dolmatows Geliebte, eine frühere Pariser Chansonette, sich von ihm lo^zusagen drohte, als sie merkte, daß der Geldstrom versiegt war. Tic Angeklagten brachten noch einmal bei Wucherern einen größeren Betrag auf und machten eine Reise in das Ausland, irm durch Spielgewinn ihren zerrütteten Verhältnissen aufzuhelfen. Das mißlang aber, und fast völlig mittellos kehrten sie nach hier zurück. Wie abgefeimte Verbreck>er beirftonen sie nun, sich auf gewaltsame Weise Geld zu verschaffen. Sie lernten auf der Straße die Frau eines Katrfinanns Thieme kennen, eine schon- ettvas reise Schönheit, die an öfsentlick^n Orten die Bekanntschaft von jungen Leuten suckste. Sie wurden in der Folge auch mehr' fach in die Wohnung der Frau eingeladeit, und als sie dort aus der Eleganz der Einrichttmg die lleberzeugung gewannen, baß; Frau Thieme reich sein müsse, beschlossen sie, an ihr einen Raubmord zu begehen. Es wurde besckstossen, daß Dolnratow gelegentlich eines Sck.äfferstündchens die Frau erschlagen solle, dem Angeklagten mangelte aber der Mut, allein die Tat zu begehen. Der Mord tvv.rbe also für ein folgendes Rendezvous, an dem beide' Angeklagten teilnahmen, festgesetzt. Als die nichtsahnende^ Frau zwischen den beiden sicitgeu Leuten saß, ergrisi' Dolmatow ein Beil und Geismar einen Totschläger, und beide bieben auf die Frau' ein, bis sie bliitiiberftrömt zu Boden sank. In aller Sie zogen sie der Ohnmäckstigen einen Nina vom Finger und nahmen ihr eine Perleit keile ab. Als ?ie schrecklich zugeri ästete Frau von ihrem Dienstmädchen aufgesirndeu wurde, konnte sie keine näheren Angaben über die Täter mehr machen und starb nach kurzer Zeit. Die Perlen der geraubten .Halslsette erkannten die Mörder bald als uneckst, weshalb sie den Schmuck in die Newa warfen. Der Ring, den sie bei einem Fuwclicr versetzt hatten, führte auf ihre Spur, sie wurden kurze Zeit nach der Tat auf dem Gute eh red Freundes verhaftet. In der Poruntersuckmug suchten dic ?üi- aeflaqten die Tat als Ausfluß der Eifersucht hinzustell"n. 'Die Verhandlung ergab aber, daß es sich nm einen wohlüberlegten Mord handelte. Das Urteil des Gerichtshofes lautete gegen D a l m a t o w aus 17 Jahre Zwangsarbeit, gegen Baron Geismar auf 15 Jahre Zwangsarbeit. b« ■ Ä 2 । von Mk. 1.35 an per Meter, in allen vnifln Farben. Franko und Ndion ver- Ol ^<51 9eenHll!r! zo,lf ins -Haus geliefert. Reiche Ul UlH VIuV Muftcrauswahl umgehend. |DVIO Reise nach der blauen Adria nnd Venedig vom 9.—19. Juli and 6.—16. August (rückkehrend über Gardawee, Bozen, Heran, Innsbruck). Prein alles I von ^lainz bis Mainz Mk. 290.— elngcbchlossen I „ München . München 260.— Ausführliches Programm durch Reisebureau Juni 1913 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke (Brob der BcwOIhung in gehnlel ber fichlb. Himmelsg. Wetter 15. 2n 755,0 21,0 7,1 38 8 9 0 Sonnenschein 15. 9“ 754,3 14,1 8,8 74 8 2 0 KlarcrHiuunel 16. 7" 754,5 15,3 7,7 59 E 4 0 Sonnenschein 8 nilin. la" Sek.,5.OffenbacherRuderverein von 1874 8Miu42Sck. Mainz kommt vom Stark mächtig ab, ivirb aber im Endspurt oon Höchu a. M. mit 1Längen auf den zweuen Platz verwiesen. Erster Achter tWanderpreis oon Mainzer Tarnen): 1. Mainzer Rllderverein 7 Mm. V. Sek, 2. Mainzer Riidergesellschast von 1902 7 Min. 6 Sek. 3. Rndez-riege des Effener Turn- und Fecht- klnbs 7 Min. 6'/, Sek., Mainz sühn vom Start ab und gewinnt mit enter Länge. Ein bat ter Kampf entspinnt sich zwischen Mainzer Rudergesellschall und Esten um den z,veiten Platz, den erstere um Lnftlastenlänge gewinnt. Smart nach Beendigung der Rennen wurde in dem Bootshaus des Atainzer Ruderverems die Preisverteilung vorgenommen, an die sich wieder ein Nachtfest im Eas4 Mocker anschloß. Gictzener Strafkammer. Gicsten, den 13. Juni 1913. Fahrlässigkeit bei der Ausgabe von Patronen. Der Kriegerverein Kölzenhain veranstaltete im Herbst v. I. ein Sckeibenschießen, bei dem der Angeklagte, Landwirt und Vorstandsmitglied H. F. von Kölzenhain, mit der Ausgabe der Patronen beauftragt war. Er soll dabei insofern fahrlässig gehandelt haben, als er eine Patrone an einen 18jährigen Burschen abgab. Dieser lud eines der alten, an einem Baum stehenden Gewehre mit der gekauften Patrone, aber nicht wie das an geordnet war, unmittelbar vor Wgabe des Schusses, sondern in dem Gewühl, der sich um den Schießstand herumdränqendeu Menschen. Er hantierte dabei so unvorsichtig, daß das Gewehr losging und der Landwirt M. B. in den Oberschenkel getroffen und ihm eine derart schwere Verletzung beigebracht wurde, daß eine Verkürzung des Beines zurückbleiben wird. Das Schöffen- gericht Ulrichstein war zu einer Bestrafung des Angeklagten loegen fahrlässiger Körperverletzung gekommen, weil er nach Lage der Dinge bei der Abgabe der Patrone an einen 18jährigen Menschen mit dessen Unerfahrenheit und den sich daraus ergebenden Folgen hätte rechnen müssen. Die Sttastammer schloß sich dieser Auffassung an und wies die von dem Angellagten zur Erzielung von Freispreckulng eingelegte Berufung foftenfällig zurück. Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit wurde gegen den Spengler G. R. von Romrod verhandelt, der sich an einer Reihe von unmündigen Mädchen vergangen hatte. Strafe: 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Vermindert zurechnungsfähig ist nach dem Gutachten des Sachverständigen der Zimmermann W. B. von Braunschweig, dem Betrug und Diebstahl, beide begangen im wiederholten Rückfalle, zur Last gelegt wird. Er soll, als er aus der Strafanstalt Butzbach nach Vilbel zur Entlassung gekommen war, den Wirt D. um 3 Mk. betrogen und feinen Hut gestohlen haben. Wegen Betrugs wurde indessen auf Freisprechung erkannt, da eine betrügerische Absicht nicht feststellbar war: die Entwendung des Hutes wurde als Untere schlagung angesehen und mit einer Woche Gefängnis gesühnt, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurde. Berufungsverwcrfung. Der Landwirt K. S. in Massenheim ist des Vergehens gegen das Fleifchbeschaugesetz angeklagt, aber vom Schöffengericht Vilbel freigesprochen ivorden. Er hatte eine kranke Kuh schlachten lassen, deren Fleisch von dem Tierarzt als minderwertig, wenn auch als geniestbar, bezeichnet wurde. Rach den bestehenden Vorschriften darf derartiges Fleisch nur durch Verkauf auf der Freibank in den Verkehr gebracht werden: aber auch feine Verwendung im eigenen Haushalt ist zulässig. Entgegen feiner ursprünglichen Absicht der Verwendung im eigenen Haushalt, die er auch dem Tierarzt zu erkennen gegeben hatte, entschloß sich der Angellagte später zu einem Verkauf des Fleisches an einen Metzger in Vilbel. Hierdurch soll er sich strafbar gemacht haben. Da indessen der Angeklagte der Meinung fein konnte, das Fleisch sei, wenn auch minderwertig, doch allgemein zum Genust tauglich, verwarf die Strafkammer dic Berufung, die die Staatsanwaltschaft gegen das freifprechende Erkenntnis des Schöffengerichts eingelegt hatte. Berufungsverwerfung infolge Ausbleibens des Angellagten erfolgte in der Straffache gegen den Weißbinder V. in Laubach, der von dem Schöffengericht Laubach wegen Pfandveräußerung bestraft worden lvar. (BericbtofaaL rb. Darmstadt, 14. Juni. Im Kelsterbacher Diebstahl - und H e l) l e r e i p r o z e ß wurden die Plaidoyers fortgesetzt. Zuerst sprach sehr ansksihrlich Rechtsanwalt Dr. Oppenheimer für den Angeklagten Menz. Er bestritt, daß die Anklage irgend einen Beweis für Tiebstabl ober Hehlerei des Gastwirts Menz erbracht habe. Tie ganze Angelegenheit sei durch Wirts- hansgeschwätze und anonyme Anzeigen anfaebanscht worden. Was den Diebstahl von Getreide ans dem Frachtschiff „Trusns^ betreffe, so liege hier für Menz nur versuchter leichter Tiebsiahl vor; hierfür seien mildernde Umstände angemessen. Bon der Hehlerei sei Menz freiznsvrechen. Ebenso beantragt Rechtsanwalt Jourdan- Mainz für Povliolek Freisprechung im ganzen°Umfange nnd Ucbcr- nahmc der Kosten auf die Staatskasse. — Jnsiizrat Tr. Reis stellt sich ans den gleichen Standpunkt wie Tr. Oppenheimer und verneint für den Angeklagten Heilack jeden Nachweis einer Hehlerei auch für dessen Beteiligung am Tiebstahl fei kein Beweis erbracht worden. — Ter Verteidiger Rechtsanwalt Rohde beantragte für die beiden Kiritz, Oiecktsanivalt Raab für PonS und Rechtsanwalt N e u s ch ä f s e r für Stentel gleichfalls völlige Freisprechung. Das Urteil lautet: Ter Angeklagte Karl M e n z wurde zu einem Jahre sechs Monaten Zuckthans verurteilt, der Zollhilfsbeamte Eckert zu fünf Monaten Gefängnis, der Steuermann Ritter aus Aiainz zu einem Jahr acht Monaten Znchthans, der Schlaffer Povliolek ans Kelsterbach zu sechs Monaten Gefängnis, der Metzger Heifack II. zu sechs Monaten Gefängnis und der Fruchthändler Rudolf Kiritz zu fünf Monaten Gefängnis. Tie Angeklagten Pons, Zrentel II. und Jakob Kiritz wurden freigesprochen. Ein Unteroffizier unter der Anklage des Straßenraubes. Ein Samaritcrbienft war für den Unteroffizier Lücke vom 2. Afenbahn-Regimont verhängnisvoll geworden. L., der sich vor dem Obcrl'riegsgericht des Garbekorps wegen Diebstahls zu ncrantroirrrcn hatte, war nach ber Station Saabow abFoimnanbicrt. Dort beobachtete er eines Abenbs, baß ein Rabsichrer, ber sich in angetrunkenem Zustande befand, vergeblich verfuckste, aufs Rad hinauf zu kommen. L. hob den Radfahrer auf die Maschine, und ein Kutscher hielt sie fest. Dann versetzte der Unteroffizier dem Rade nock) einen kleinen Stoß, damit ber Rabl er glücklich in bie Fahrt kam. Fast unmittelbar barauf, cs mochten inzwischen höchstens IV2 Minuten verstrichen sein, lehrte ber Radfahrer zurück, fuhr auf seine beiden Helfer los und warf ihnen vor, sie hätten ihn bestohlen. Während sie ihn aufs Rad gesetzt, hätten sie ihm aus, ber Hosentasche bas Portemonnaie mit 70 Mk. genommen. Entrüstet wiesen beide die Verdäcktigungcn des Radlers zurück. Man zündete ein Stteich- holz an und leuchtete die Umgebung ab. Mehrere Meter entfernt wurde die Börse dann gefunden. Sie war aber leer. Der Radfahrer zeigte nun die Sache an. Unglücklicherweise hatte der Untervfsizier an jener Seite des Rabes gestanden, au der der Fahrer bas Portemonnaie in "ber Hosentasche aust>ernährte, an ber linken. Auf ihm blieb infolgedessen der Verdacht sitzen. Er wurde verhaftet unb vor das Kriegsgericht gestellt. 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Streifband u. schwarz-weis;- roter Schutzmarke. Sieis eckt u. frisch zu hab. in Gienen bei Carl Schwaab, Eberhard Metzger Aachs., Georg WallenselS, Marktpl. nur 21, gegenüber d.Engelapotheke, Emil Fischbach. Fußboden- Lackfarben Bernsteinlacke Oelfarben Bohnerwachs Streu- und Saalwachs Staubfr. Futzbodenöl Pinsel liefert billigst 2824 J. SOHN Tel. 136. Nord Anlage 13. r,- »i« SA EL lut die Tagesn bis Konkursverfahren. Ueber das Vermögen deS Maurer- und Weiß- bindermeisterS Heinrich Litt in Obbornhofen wird heute am 13. Juni 1913, nachmittags 7 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsanwalt Sandmann in Hungen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 5. Juli 1913 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubiger- ausschuffes und eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag, den 11. Juli 1913, vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 5. Juli 1913 Anzeige zu machen. bw/s Großherzogliches Amtsgericht in Hungen. ZUIN Re! Der Berlin, prächtigem W Wecken eingel > Gardeulanei räle blich. Ei garten und 2 irortete .auf d Wädckicn de gegen 8 Uhr Glichen Lchlo musterhafter schierten sie, d kränze im dal jlarben geschm tor Hoffmann wieder, Morg Schwestern w „Aus der Iuo mit dem „De: misch und bl zum Vortrag Liedes bracht die Majestät! grüßte ein ches mit bei Hartzes von lauschte. A sie gefomme Tücherschwew die nnaujhötl Wermutft mofy und Mertrcf ^est bei. . Um 9.15 Ul "tt kaiserlichen ! ""gegen, um 9 «onprinzcnpaaa | MN-Hauses so, nnd Souveräne । °n Königsrimmcl M Rittersa der General ”8 ber Klügelnd ™ Gratulaiion i , 2er G r oß J1! Bahnhof d. wnrid) empfan Imn9- Um ii । dem Anha । "et. Epfan ^glichen C. A. Hartmann vormals Otto Rathschlag Fernruf 2064 Seltersweg 81'/.» Fnbartcn Ten rK-N «du, 'S« un» ”*« Ui,.™!™ “ >»Ä ch °-be|,C gehen. 90 ch etbih? un! hitlfr " Beive h“« Sei, «l-A, Sy „ ** «i hl ««(ff 1 »nii S u8V“i VA A §tn S.na8hi ?:.& Grossem Posten Point-Lace-Beckchen u. -Läufer zirka 3© Prozent unter Preis al6/» Die Wanze nebst Brut sowie jeglich. 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Um stille Teilnahme bitten Trinker-FörsorgeM :: für Stadt und Landkreis Giefzen. :: Giesten, Asterweg 9, unterer Stock. — Sprechstunde: jeden Dienstag 6V»—8 Uhr abends. — Unentgeltliche ärztliche Untersuchung von Alkoholkranken, Rat und Beistand für sie und ihre Angehörigen, auch hinsichtlich der Heilung. Auch schriftliche Anfragen werden von der Trinkerfürsorgestelle beantwortet. D31/3 UchiiW WkshM WiksbOeu Bon den neu auszugebenden Schuldverschreibungen der Nassauischen Landesbank wird ein Teilbetrag von sm» tt n Buchstabe Z zum Vorzugskurse von 98,40% (Börsenkurs 99%) in der Zeit vom 17. Juni bis 12. Juli 1913 einschließlich zur Zeichnung aufgelegt. Bei Einzahlungen, die bis zum 30. Juui cr. erfolge», wird der Kurs mit 98,30% berechnet. Zeichnungen können erfolgen: Bei der Hauptkasse der Nassauischen Landesbank in Wiesbaden, bei sämtlichen Landesbankstellen und den Sammelstellen der Nassauischen Sparkasse; ferner hei nachstehenden Gießener Banken: |r । deutsche d. IraiizösMie K 111111^170 so™ Kognak-Wmille Hvä H II K 11 SB Bekannte Spezialität HOilOOnO rer“" V E. Dort, Walltorstr. 45., ■ Simons Unentbehrlich für jedermann ist: = a Prospekte kostenfrei — Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien 20 Bände, schön in Halbleder gebunden zu je 10 Mark Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage 18,593 Seiten 150,000 Artikel 16,831 Bilder 1522 Tafeln 160 Textbeilagen 343 Karten