fünf* Tie totenlufti igc türkische Militärpariei bereitet ihrer eigenen Verlegenderten. Von einer Zivilgcwalt im os- marsch leiten. Die Regierung in Sofia hat den Botschaftern bewegliche Klagenoten übersandt und gefordert, das; dem türkischen Vorgehen, das mit erfundenen Nachrichten begründet sei, Einhalt geboten werde. Es scheint, als ob die lungtiirkischen militärischen Führer wieder ganz das Heft 1,1 der Hand hätten und die Regierung in.Konstantinopel zum Zusehen verurteilt sei. Das sind nun innere Angelegen- hetten der Türkei, die nicht gleich das übrige Europa wieder auf die Berne bringen müssen. Die „Boss. Ztg." ereifert sich in geradezu ungestümer und nicht verständlicher Weise für oie Rechte der Bulgaren und versetzt den türkisckfcn Autoritäten scharfe, allerdings aus so weiter Ferne wohl unwirksame Rüssel. Da ist es schon begreiflicher, wenn ein deutsches Blatt auch einmal die Kehrseite dieser Tinge betrachtet und das Verhalten der Türkei etwas objektiver betrachtet -ue „Hamburger Nachrichten" schreiben: Der Vormarsch der Türken. Es ist kein Zweifel mehr, die Türken rücken vor nicht nur in der legend von Kirk Kilisse, sondern auch im Süben Uw sie die Maritza überschritten und im Anzug auf Gümül- dlmma sein sollen. Tiefe Stadt liegt schon 60 bis 70 .Mifo, meter westlich von der Maripa? Enver Bei soll den Vor- es Stületzt am besten, ihn selbst mitzumachen. Disziplin mar na turhrfj ment die ftärfite Seite der Lützower, wenn die Karnvfesc- begcntcrung ne fortriß. 21m 18. Angult erneuten die Franzosen den Versuch, bei Lauenburg durchzubrechen. Der Feuerwerker Gärtner vollbrachte mit leinen drei alten^Böllern geradezu Wunderdinge: die Jäger itürm» ten wieder den Feinden entgegen, aber diese erschienen in so star- rer Ucbermacht, daß General Tettenborn, der mit Major - “ASl!0 auf dem Schlachtfeld erschien, den Rückzug befahl. Tic ^.amligen Jäger waren hier zum erstenmal in einem größeren Gerecht tätig gewesen und suchten einander an Mübnbeit ru überbieten. „Lic liefen den Feinden entgegen," er^hlt Friedrich För - Ü k r, der selbst unter ihnen war, „riefen ihnen zu, was für elende schützen sie wären, und machten ihnen nach jebem Fehlschüsse Reverenzen von hinten und Born, wie die Pritschen meister beim Scheibenschießen. Dem Jäger Schmidt bekam der r:vaß sehr übel: er erhielt eine Kugel ^aus seinen losen Mund, die ihm zwei Reihen Zahne einschlug, die Zunge streifte und im Gaumen stecken blieb. Einige Zpit nach seiner .Heilung hustete er zu seiner großen Freude bei einer Balgerei die Kugel, die ihn sottwährend noch beschwert hatte, aus dem Munde in die Hand." Turch einen kühnen Streich rettete sich der schwerverwundete .Cbcriägcr Stargardt, einst der berühmteste Fechter unter den Studenten zu Frankfurt a. d. £., vor der Gefangennahme durch die Franzoic». Er war nach Lauenburg gebracht worden, und als hier um die Mitternacht des 19. August die Franzosen eindrangen horte er ne unter leinen tftnftern. Er raffte sich aus dem Bett auf' wart seinen grauen Mantel über die Schulter, verbarg darunter »einen gezogen-'n ^abel und marschierte mit der französischen Kolonne durch die ^tabt bis sich Gelegenheit bot, in ein Seiten gaBdcn emsubrcgtrt. Als ihn an einer Pforte der Stadtmauer ein hieb er ihn nieder und schleppte lich dann muhtam tort, bis er lein Korps erreidjte. wagchalüsc @efe[Ien_mtter den Lütz-wmi knnd° icha.teten inV e r^k l e i d u n g e n die stärke des Feinocs aus. Ter Ipatere ^>rat ^ha r , damals ein Bürschchen von kaum 17 Jah- -5 ' '°a örci,t' UÄ als reisender Student bei dem fran^si- fchen Vorposten zu melden. Er wurde vor Davon st geführt und von die,ein als ..• Verbleiben der ottonmnifchen Truppen diesseiti Llnre Mrdür-Enos zu verhindern, sowie einen neuen Vor marsch, der die Gefahr d e S Z u s a m m e n st o ß e s in i t bulgarischen Truppen in sich birgt und ernste Zwischenfalle herbeisühren kann, und womöglich einen ßii- flanb sck-afft, der an und für sich und durch vielfache ernste Rückwirkungen das Werk der Gerechtigkeit und des Friedens, das fte unternommen, noch schwieriger machen rann. Meldungen aus dem Hauptquartier zufolge werden die türkischen Vorposten bei Mustap ha-Pascha beständig verstärkt. Es befinden sich dort drei Regi- meuter. Tie türkischen Soldaten schießen grundlos auf die bulgarischen Po st en. Beträchtliche Truppenmassen zwischen Adrianopcl und Ortikbi werben angehäuft. ~ic Türken zwingen bie türkische Bevölkerung von Adria- nopel und Umgebung, südwärts auszuwcmdern- sie mähen die Felber ab, deren Besitzer geflohen sind und schaffen die Garben nach Abrianopel. . . ?°"lt-ntiAopcl, 17. Äug Bezüglich der Meldung, daß tick) türkische Truppen Gümül d s d) ih a nähern und bezüglich des Gerüchts, das; ein Sck)ritt der Mächte bevor- stehe, wodurch die Türkei aufgefordert werben solle, die nicht zu überschreiten, hat eine hohe Persönlichkeit im Ministerium des Auswärtigen den Vertreter des Korre- spondenz-Burcaus zu der Erklärung ermächtigt, daß die biorte ihren Truppen n i e m a l s d e n B e s e h l g e g e b e n *J.abc au f Gümüldjin a zu marschieren und daß sie fest entschlossen sei, die Maritza nicht zu überschreiten. Wenn Truppen den Fluß überschritten haben oder überschreiten werben, um die Bevölkerung zu schichen, so würden sie wieder zuri'cktehren. Die Pforte werbe ihre Botschafter beauftragen, demnächst eine Erklärung in bleiern Sinne abzugeben. Ter erwähnte Artikel der „Vossischen Zeitung" zudem neuen Vorstoß der Türken lautet: Au§ der eisernen Zeit: Lützower Geschichten. Die ersten, die gleich nach Ablauf des Waffeiistillftandes am 1.. August ben ö-einb in Gerechte und Plänkeleien verwickelten waren L n f o w s schwarze Jäger, bereit io keck und verwegen biirdigcfubrtc ^trcifzugc ihre» tragischen Höhepunkt im Tode TRcodor Körners erreichten. Die Lützower gehörten in dem an ber Niederelbe venammellen Armeekorps des russischen Generalleutnants Graten Wallmoden, unter dem die Derfdncbcnartiqüen Voller oerfammelt waren, Schweden und Engländer Kalmücken und Kosaken, Spanier Italiener, Ponugiefen und Deutsche aus allen Gauen ein babMonuches Sprachengewirr, bie rounberlidx sten Gegennme der Zivil mitwn mischten sich hier auf ben Fluren Mecklenburgs unb Holsteins durcheinander. Das aufgeweckteste und anregende Leben im ganzen Lager herrschte iedoch bei dem Frei- IfffflCn_2Ul^ben daraus brannten, sich mü dem Feinde 5U-. T/J • Wallmoden iah sich vor die schwierige Mn'gabe SjH'Ut, mit letnem bunt zuiammengewürfelten Heere dem Mar 'lballavouit den Durchbruch gegen Berlin zu verwehren, mäh- 52? m > £aTndH\ Heerführer alle, aufbot, um sich zur rechten ^ett mit £ »btnot yim Manch gegen die Hauptstadt Preußen'' zu vereinigen. General Tettenborn, dem das Lützowsche HorpÄ ?ugcteilt :uar, hielt die Linie von Möllen bis Lauenburg bcfai keilen^ r- ?r /fu9u’? iur Eröffnung ber Feindselu, br bie ftrit'JSS J'.Iühnr^ncn„bcgann der große Her bst selb; IM, VDäi *Oth2?.$.C ?,c$?crJQ9r Napoleons dcrveiiühren sollte } y; 1 ' bl- 5nmat und ber Schauplatz von Till Eulen- jpn^els «tretchen, gesochten würbe, nannte der Tuntvater Zahn ^'N7 aut9cnommenen Scherzwort die Kämpfe mit ^cm --apouitichin Korps „Eulempiegelfechtereien". .... u cn bürg gekämpft. Tie Lützower hat- Mer ihn „Artillerie ausgesahren, die aus drei eiferncn sog. 1 nbipärballern bestand. Tie altertümlichen Geschütze, einst in »ochst . fr i cd fertiger Absicht vor dem Schlosse zu Havelberg von dem alten Feldmarschall Möllendorf aufgepflanzt, von denen zwei bemiten» eine zwCipfünbige, das dritte höchstens eine cinpfündlge M’ugeL schossen, waren in kunstlosen Schanzen untergebradu, schonen, aber tapfer draus los und begleiteten mit ihrem Gebrumm den An- 9nTf der flotten Burschen, die ben Feind aus einem Gehölz auf einer Anhohe vertrieben. Ter Befehlshaber ber Abteilung, Leutnant v. d. X) e t) b e, versuchte die Jäger vergebens von dem ohne seinen Befehl unternommenen Sturmlanf zurückzuhalren und fanb Man plünderte zwar ihre mit Speck unb < aus,, ließ sie aber bann ungehindert die feindliche Stellung durch- streifen, so baß sie sich über alles genau unterrichten konnten. Tie Kämpfe um Lauenburg, an denen die Lützower so hervorragend beteiligt waren, hatten den Erfolg, daß sie den Marschall ^.avoust mit feiner überlegenen Strcitmadn drei Tage lang amhielten, so daß unterdessen die Schlacht bei Großbeeren geschlagen wurde und Tavoust es aufgab, „sich von seiner gesicherten Stel- lung aus den gesegneten Fluren des Hamburger Rauchfleisches unb bet Mecklenburger Spickgänse zu entfernen". ♦ 5* Liszt über das Urbild der „K amelieNdame". ^.nrch verschiedene Jndisttettonen ist neuerdings ber Name ber „caric 4. u d I e i f i e als das Urbild der „Kamclicndamc" von ^.umas bekannt geworden. Als sie am 20. Februar 1817 an de- ^chimndmcht starb, befand sich unter den zahlreickLn Gläubigern, die ihr Sterbebett umstanden, unb die ben Tod nicht einmal ungestört fein schauriges Werk vollenden liefen, auch ber russische Arzt stören, ber bie junge Frau vor ihrem Tod bchandelt hatte. Um seine Ansprüche zu verteidigen, stützte sich Koresf am das Zeugnis den er Ende 1845 in den Salon der Duplessis, wv die ganze Srumtnx’It von Paris zusammenkam, cingcführl Hal. Liszt kam yon Weimar aus, in einem Briese, ben soeben Georges Montorgeuil tm „Eclaire" veröffentlicht, dem Wunsche des Arztes nach. Er lautet folgendermaßen: „Wie kommt es, mein lieber Korcff, daß mein Name Mit den traurigen Angelegenheiten, von Denen Sie mir beruhten, verwickelt ist? Zch verstehe dies durchaus nicht und würde es mir nie verzeihen, wenn irgend ein Fehler auf meiner Seite liegen würde. Tie liebreizende Persönlichkeit hat damals, als sie mit einer kokettei^.Beharrlichkeit nicht abließ. Sie zu den entzückenden SouverMinzuladen, nicht Daran gedacht, daß Ihnen daraus eines Täges Unannehmlichkeiten entstehen imir= den. Wenn ich doch heute noch bie Worte ber begeisterten Anerkennung, der zarien Dankbarkeit niederschreiben könnte, die sie, wie ich mich genau erinnere, jedesmal, wenn sie auf ihre schwere Erkrankung im Frühling 1845 zu reden kam, -,u Ihnen gesprochen hat! Wenn ich mich nicht tänscki?. haben Sie Ihren ärztlichen Beistand bis in ben Juni des Jahres weiter geführt, während meine Bekanntschaft mit Fräulein Du- pleffis nicht über den November 1845 hinausgichr. Wenn Ihre .Gegner heute die Worte, ine ^täulän Duplessis damals gc- • Europa das osmanische Heer aus Adrianopel und Kirk Mihne hinausjagen, so muß cS selbst zu bcif Waffen greifen, ."ber jebe Grotzmadst, bie nun gegen bie Jurten Vorgehen wollte, fonbr selbst ihre rigenen Freunde als polüischc Gegner fiel» gegenüber, fo bah ein unheilbarer Wirrwarr durch ein solches Vorgehen gezeitigt würbe. Der Friede von Bukarest hat für einige Zeit Ruhe aus ber Balkanhalbinfel gestiftet. Es ist gut so, unb die dürfen, die sich selbst übcrlaficn worben sind, haben männlich ge bandelt, als sie Thrazien znrückcroberlcii. Tie Leiter des Dreibundes dürfen fid) getrost zu einer türken freundlichen Politik m unseren entscheidungsschweren Tagen bekennen, ixmit die jia- ,v’!.(P.cn Staaten auf der Balkanhalbinfel werden künftig eine ruNisch-sranzösische Richtung annehmen. Tic Türken brauchen T h ra 5 i en z u m Schutze ihrer .Hauptstadt. Tie Tscha- taldschalmie nt eine ungenügende, viel zu dicht vor den Toren St-onstantmopels gelegene Verteidigungsstellung. Das künftige Bulgarien umklammert bie europäisdse Türkei gleich einer zupackenben Faust. Gegen diesen Griff, ber nid>t_^nur Konstantinopel, sondern auch das Marmaraiiicer uno bie Dardanellen bebrolst, müssen nörblidvr gelegene Stellungen beimigt und. längs der Maritza neue Werk errichtet werden, db na nobel und Kirk Kilisse sind die von der Nattir vorgesd-rie- venen -Stellungen nach Norden hin. Sache der Osnianm ist es, bie übrigen Maritzowällc zu erbauen. Tic Tiplomaten sudren eine neue riormcl für die Adrianopelcr Frage. Sie wollen ihr gc fünf en cs Prestige wahren und eine ben Londoner Verhandlungen küHid; tjifwredjenbe Lösung finben. Das ist nickst über alle Maßen ld)iüer. Man gebe bas östliche Thrazien, ohne das die Türkei nickst in Europa leben kann, dem Sultan wieder unb halte im übrigen an der Grenze Enos Midia fest? Nack> diesem Zugeständnis wird die Hohe Pforte jeben Wunsch ber Großmächte bedenkenlos erfüllen." Regierung arge '_________________________ uw Ull inamsdstn Reiche Tann im gegenwärtigen Augenblicke Dielt ei dt noch meniger bie Rede fein, als hu irgendeinem anderen Zeitpunkt seit der Wicdercinqührung der Vcrfaffung, die bciüiufig beincrlt, seit Auslösung der junglürsischen Partei völlig in der Lust schwelst. Die lungtürkischen Offiziere selbst haben anderes zu tun, als die überzeugten Slonftitutioncllen äu 'spielen Tic Zivilregicrung muß tanzen, wie es der Militärgewalt beliebt und bas Parlament hätte auch bann nichts zu sagen ^nn (in foldics vorhanden wäre. Tie Regierung ist allamach etn bloter Ent,d>uldigungsapparat für die Eigenmadstigkeiten ber "rmec geworden. Ten Marsch nach Adrianopcl tonnte bie fHr- gicrung mit guten Gründen immerhin noch decken, unb sic hatte bas Glück, daß nach einigen Schwankungen bas Ausland bie Arme verschränkt und, wenn auch unirr Protest, die Rolle des passiven Zuschauers übernahm. Man aewöhnt sich ja vielleicht auch an die Griechen in Äavala, an bie Serben in Jsttp und an bie Türken in 90manoocl; nur an imaufbörlid-? Reizungen grnxihit man sich stickst. Indem die türkischen Ofsizierc in ilster Selbstherrlichkeit die Annee über die Grenze hinaus nach Neu-Bulgaricn führen, überspannen sic den Bogen und ordern die sd-ärfsten Pressionen des Auslandes- die ihnen sonst vielleidst erspart geblieben mären, gegen die Türket heraus. Es ist nidü zu bezweifeln, daß sie zu einer vorläufigen Räumung des Landstrid.cs westlich der Maritza schließlich be- müf.fgt sein werden, und damit wird auch die Adrianopcl- Ein bulgarischer Protest gegen das Vorrücken der Türken. Sofia, 17. Auq. lAgence Bulgare.) Die Regierung überreichte den Gesandtschaften ber Großmächte eine Note, in welcher sie die Mächte in Kenntnis fetzt, daß die türkischen Truppen unter dem Vorwande, die Bevölkerung m den von der griechischen Armee geräumten Gebieten Außen zu wollen, nach der Besetzung von Mustapha Pascha, Limotika, Sufili, srirschutavak, 16 Kilometer westlich der Maritza, erreichten und auf Kirdjalue Gümüldschina ziehen. -Lw Note macht darauf aufmerksam, daß die Tatsache, baß die Türken die erwähnten Gebiete besetzten, noch bevor die bulgarischen Truppen wieder von ihnen Besitz genom men hatten, klar beweise, wie wenig der von der Pforte angeführte Grund den Tatsachen entspreche. Um vor den Großmächten die Wahrhaftigkeit ihrer Erklärungen und bic volllommenc Aufrichtigkeit zu bezeugen, sowie um neuen Anllagen vorzubeugen, schlägt die Regierung vor, daß die Wiederbesetzung der fraglichen Gebiete in Gegenwart ber Militärattachees pattfinbe, welche solange dort bleiben könnten, wie sie es für nützlich hielten. Ta ber Vertrag von Bukarest Bulgarien zur Demobilisierung zwinge, würbe es bic höchste Ungerechtigkeit bebe Uten, wenn es den Türken erlaubt 8laf* *$• 3*WN rnontag, (8. AugO «z Bi Gwßpnor Uitioirtor General-Anzeiger für Oberheisen SSs frag c triefet stark in den Vordergrund rifricn. Den Beschwerden ^Bu^aricns wegen der türkischen Wiederbesetzung von Adrianopel scheint kein Erfolg bei den europäischen Kabinetten zu blühen. Die Ueberschreitung der Maritza durch die Türken ist der nachte kFrredensbruch. Schon als vor etwa 8 Tagen die Nach- -richt ein traf, daß die Türken die Ortschaft Sosli am rechtien Marrtzauscr besetzt hätten, ist hier auf die Unzweckmäßigkeit dieses Verftrhrens hingewiescn worden. Inzwischen sind die Türken noch 'weiter nach Westen marschiert. Dieser Marsch liegt, wie immer er von der Militärpartei begründet und von der Zivilregierung entschuldigt wird, keineswegs im Interesse des osmanischen Reiches. Er Zwingt t>:c Kabinette und die öffentliche Meinung gegen die Türkei, für die Bulgaren Partei zu ergreifen. IDer Uebermut der Militärpartei ist daher bedauerlicherweise nur geeignet, die Positionen der Türkei zu schwächen. Sofia, 18. Ang. Ter Kaiser von Rußland richtete an den König Ferdinand aus Anlaß des Jahrestages seiner Thronbesteigung eine herzliche Glück w un s ch- dep e s ch e. Ein Rncktrittsgesuch d6s Grafen Berchtold. Die „Vossische Zeitung läßt sich aus Wien melden: Die Demission des Grafen Berchtold istnichtanbenom- men worden. In einer dreiviertelstündigen Audienz beim Kaiser in Ischl habe Graf Berchtold seine Demission angeboten. Der „Lokatanzeiger" erfährt dagegen in Berlin: In hiesigen unterrichteten Kreisen liegt keinerlei Bestätigung des Wiener Gerüchtes über einen Rücktritt des Grafen Berchtold vor. Graf Berchtold teilt das Schicksal aller verdienten Staatsmänner. Man vergißt völlig, welche j Dienste er der österreichisch-ungarischen Monarchie an der Spitze der Auswärtigen Geschäfte geleistet hat. Gerade vom Standpunkt der Dreibundpolitik, als deren treuester Anhänger sich Graf Berchtold stets bestätigte, ist es erfreulich, daß mit einem Rücktritt des Grafen Berchtold zurzeit nicht zu rechnen ist. Der Kaiser in Homburg. Homburg, 18. Aug. Der Kaiser hörte gestern den Vortrag des Vertreters" des Auswärtigen Amts Gesandten v. Treutler. Heute vormittag nahm das Kaiserpaar am Gottesdienst in der Erlöserkirche teil. Zur Frühstückstafel toaren Herzog Alexander von Oldenburg, Prinz Albert von Schleswig-Holstein und Pfarrer Holzhausen geladen. Ter österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyeni-Mariach mit den .Herren der Botschaft ist heute abend hier eingetrosfen und hat in Ritters Parkhotel Wohnung genommen. Bebels Begräbnis. Zürich, 17. Aug. Bei prächtigem Sommerwetter fand heute die Leichenfeier von August Bebel statt. Um 2 Uhr setzte sich der Trauerzug in Bewegung, das Musikkorps an der Spitze. Weiter hinten folgten 200 Kranzträger und zwei mit Kränzen hochbeladene Wagen. Der Sarg war reich mit Kränzen geschmückt. &n 14 Wagen folgten bi_e Familie Bebels und die näheren Au- perwaudten; daran schlossen sich eine Abordnung, darunter der Vorstand der deutschen sozialdemokratischen .Partei, zahlreiche Mitglieder der Reichstagsftaktion und eine lAbordnung des Ständerates von Zürich. Es folgten mit mehr als 200 Fahnen Vereine aus Zürich und der ganzen Schweiz, Olles in allem etwa 9 00 0 bis 10 000 Personen. Ter Weg war auf beiden Seiten von einer dichten Menge besetzt. Auf dem Friedhöfe sprachen von den Abordnungen u. a.: Die Reichs- Kagsabgeordneten Molkenbuhr, Fischer, Legien, ferner Greulich, .Mira Zetkien, van der Velde-Brüssel, Viktor .Adler-Wien und Trölstra-Amsterdam. Zum Schluß fand eine von 1000 Personen chefuchtc Trauerversammlung auf der Rothwand-Wiese statt, die mit der Ärbeitermarseillaise endete. Deutsches Resch» Die Reform des Strafrechts. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Am 18. August beginnt der letzte Sitzungsabschnitt des Strafrechtsausschusses. Die Arbei- 6eiten sollen mit allem Nachdruck weiter gefördert werden. Man hofft, daß der Schluß der Sitzungen Ende Oktober erfolgen kann, worauf dann die Auflösung des Strafrechtsausschusses zu gewärtigen ist. Zur Aufstellung eines endgültigen Strafgesetzbuchentwurfs wird voraussichtlich ein kleinerer Ausschuß berufen werden, dem nur Vertreter der beteiligten Dienststellen angehören, nicht aber auch außerhalb der beteiligten Ressorts und Ministerien stehende fachgelehrte Juristen. • Gegen bic französische Fremdenlegion! Eine am gestrigen Sonntag von etwa 40 Fremdenlegionären .besuchte Versammlung in Köln beschloß, im nächsten Monat große Kundgebungen gegen den Eintritt in die "Fremdenlegion Uu veranstalten. Zu den Versammlungen sollen namentlich die militärpflichtigen jungen Leute eingeladen werden, um sie vor dem Ein- . tritt in die französische Fremdenlegion zu warnen und sie mit bin Greueltaten, den Entbehrungen und den Widerwärtigkeiten in der Legion bekannt zu machen. sprachen hat, hören könnten, so würden sie gewiß von ihrem Irrtum überzeugt sein, und nicht zögern, ihn gut zu machen. Ich glaube immerhin, daß Ihnen die vollkommene Schlichtheit und Ehrlichkeit meines Zeugnisses genügen wird." — Das Ende der Hutnadel. Wie lange und heiß ist tim die Hutnadel gestritten worden! Poliz-eiverbotc mußten gegen die gefährlichen Spitzen erlassen werden, die nicht nur in den Händen wutschnaubender Frauen ab und zu, sondern auch in ihrer drohenden Stellung am Hut eine gefährliche Waffe bildeten. Auch die Damen selbst klagten darüber, daß sie sich mit diesen langen Dingern die schönsten Kopfzierden zerstörten. Tas soll nun alles ein Ende haben. Bon England aus wird das Ende der Hutnadel proklamiert. An iljre Stelle tritt ein ebenso harmloser wie anmutiger Gegenstand: das Kinnband, das den Hut nicht > minder festkält, aber in weniger provozierender Weise. Es ist begreiflich, daß die neue Mode der Hutbänder gerade in England die begeistertsten Anhänger findet, denn hier 'hat man auch schon früher, besonders zur Zeit jener Moden, die nach der bekannten Zeichnerin Kate Greenwap ihren Namen haben, das Kinnband aus dem Reich der Kinderwelt in das Kostüm der Großen emporgehoben. Nunmehr, da die großen Schuten, die Hauben und Hüte aus Großmutters Truhe 'wieder modern werden, tritt auch anstelle der kalten spitzen Hutnadeln das liebliche breite Band mit der koketten Schleife in feine Rechte. Eine Fülle eleganter und kleidsamer Formen bietet sich der Modedame bar Die Samtbänder sinb in Schwarz oder auch in starken Farben, wie Purpur und .Hellblau, gehalten: sie werden mit dem einen Ende an den .Hut angenäht, und bann vermittelst eines Dropfts und einer kleinen elastischen Schleife an dem anderen Ende des Hutes befestigt. Am besten eignen sich für das Kinnband Hüte mit weichem Kopf und breitem Tüllrand, wie sie jetzt so modern.sind, der Matrosenhut mit Samtkopf und schwarzen Tüllrüschen, der rate Samthut, mit farbigem Bande garniert. Daneben tauchen bereits Formen auf, bic, wie in der Blütezeit der Jncroyables, die Mitte halten zwischen einer Babymütze und einem Lanrpenschirm, und bald werden wir wohl im Zusamm«mhang mit bem Kinnband die Fülle jener grotesken und «originellen Formen begrüßen dürfen, die der Befestigung selbst durch die größte und sAtzeste Hutnadel widerstrebten. Ans StaM und Land- Gießen, 18. August 1913. T r i n k e r f ü r s o r g e st e l l e für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, Aslerweg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 6'/,—8 Uhr. * ** Das Großherzoglich Hessische Regierungsblatt, Beilage Nr. 17, enthält: 1. Verzeichnis der Vorlesungen, Uebungen und Prakttka, welche im Wintersemester 1913/14 in den sechs Fachabteilungen der Großherzoglichen Technifchen Hochschule zu Darmstadt abgehalten werden. — 2. lieber sicht der von Groß- herzodlickwm Ministerium des Innern genehmigten Umlagen des israelitischen Friedhofverbandes Dalsheim im Kreise Worms für 1913. — 3. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern.für das Rechnungsjahr 1913 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Büdingen. — 4. Uebersicht der für das Jahr 1913 (Rj) genehmigten Umlagen zür Bestreitung der Bedürfnisse der israelittschen Religionsgemeinden des Kreises Alzey. — 5. Berichtigung. ** Neue Sonntagsfahrkarten? Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. stellt zurzeit Erhebungen an wegen Einführung vou Sonntagsfahrkarten auf derSolms- bachtal-Bahn, Strecke Grävenwiesbach—Abshausen— Wetzlar. *' Ein „Ochsenfest" für unsere Soldaten. Es war ein schönes Bild des Soldatenlebens, welches uns am Samstag mittag auf dem Hinteren Trieb am Eulenkopf geboten wurde. Das Regiment war in der Nacht vom Freitag zu in Samstag zwischen 2 und 3 Uhr ausgerückt zu einer sogenannten Vormanöoerübung und sollte nach Rückkehr am Rande der Garnisonsgemarkung auf freiem Felde Biwak beziehen und abkochen. Zwischen 11 und 12 Uhr kamen die Truppen trotz der Anstrengung des Nachtmanövers im strammen Schritt angerückt. Die Gewehre wurden zusammengesetzt und es begann die Verteilung von Fleisch, Kartoffeln, Zwiebeln usw. Auch für den Durst war gesorgt und das nötige Holz für das Feuer war bereit. In kaum 10 Minuten waren die Mannschaften mit dem zu einem Mittagessen Nötigen versorgt. Ueberall flammten die Kochfeuer auf, und geschickt begannen die Mannschaften die Zurüstungen trotz der recht primitiven Einrichtungen. Als Feuerstätte diente ein eiligst im Erdboden hergestelltes Loch, das nach einer Seite, um dem Feuer Luft zuzuführen, offen war. Mit einer Geschicklichkeit, auf die jede Köchin stolz sein könnte, wurden Kartoffeln geschält, sauber gewaschen. Wir sahen, wie das Ochsenfleisch in Würfeln zu Gulasch geschnitten wurde. Andere Mannschaften bereiteten sich einen Ochsenbraten mit Kartoffeln. Doch wurde auch Bouillon gekocht, und zwar wurde die Kochkunst nur in den Feldkesseln getrieben, die jeder einzelne Mann mit zur Stelle gebracht hatte und die einfach über Knüppel am prasselnden Feuer hingen. Bei diesem Treiben schaute der Himmel mit lachendem Gesicht drein, die Militärkapelle ließ ihre Weisen ertönen, und zahlreiche Zivilisten fanden sich ein und verfolgten mit Interesse das Leben und Treiben des Krieges im Frieden. ** Die Gieß euer Affäre Rosenthal. In unferm Blatt vorn 14. August berichteten wir von dem Betrug des Rosenthal, begangen zum Nachteile einer Wirts-- witwe. Bon unterrichteter Seite wird uns hierzu mitgeteilt: Rosenthal hat den Betrag von 11 500 Mark, den er als „Depot" haben wollte, unter Hingabe von angeblichen Garantien — unter anderin eines vollständig wertlosen Schuldscheines; der Schuldner verfügte über keinen Pfennig Vermögen, er war in Konkurs — und unter der Beteuerung, er wisse daß geschrieben stünde, daß man keine Witwe betrügen dürfe, seine Schwiegermutter sei selbst eine Witwe, erhalten. Nachdem die Wirtswitme von den zerrütteten Vermögensverhältnissen und von dest anderseits verübten Betrügereien Kenntnis erlangt hatte, suchte sie naturgemäß ihr Geld ivieder zurückzuerhalten. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit Rosenthal über die Zahlungen, die ratenweise erfolgen sollten, und die Beibringung von evtl. Bürgen zogen sich über eine Woche hin. Von einer „ungestümen Zurückvcrlangung der Papiere" kann daher keine Rede sein. Ebensowenig von der behaupteten angeblichen Drohung, denn es ist naturgemäß und allzu selbstverständlich, daß der Vertreter der Wirtswitwe angesichts der Sachlage nicht nur berechtigt, sondern auch vervflichtet war, zur Wahrung der Rechte der Gläubigerin einen derartigen Schuldner aus das strafrechtliche und moralisch verworiene Tun hinzumcisen. Nicht dies angebliche „scharfe Vorgehen" — dies war der Schuldner seit langer Zeit schon gewöhnt (siehe Gerichtszeitungi und ließ ihn auch kalt — nicht diese angebliche Drohung haben den Schuldner in „die Enge getrieben und ihn zur Flucht veranlaßt", solidem seine Kenntiiisl,ahme, daß seine übrigen Betrügereien und Manipulationen größtenteils durchgesickert seien und wohl über kurz oder lang unbedingt zur Kenntnisliahme der zuständigen Strafbehörde kommen müßte. ** Der Ausb rech er Stephen Will, der sich aus dem Provinzialarresthau.se selbst Urlaub genommen hatte, um eine Fahrt an den Rhein zu unternehmen, den man aber in Koblenz festgehalten hat, ist am Freitag nachmittag in der Ost-Anlage wieder eingetroffen. Man hatte, so schreibt uns einer unserer Mitarbettev, dem gefährlichen Menschen, um feiner sicher zu sein, sofort nach seiner Einlieferung Fesseln angelegt, aber zum Erstaunen der Gefängnisbeamten hatte sich der Mensch in ganz ku rzer Zeit der Fesseln entledigt. Erneut noch schärfer gefesselt, glaubte man sich wegen des Menschen nicht mehr beunruhigen zu sollen. Aber nach kaum einer halben Stunde pfiff Will die Melodie „Frei ist d-er Bursch" und ging dabei stolz wie ein Spanier ohne Fesseln in seiner Zelle auf und ab. Ter Wärter traute seinen Augen nicht, und als er den Will frug, wie er es denn fertig bringe, die festen Bande zu lösen, dla meinte er, das fei eine Kleinigkeit, man müsse dies nur verstehen. Auch eine dritte, erneute Fesselung war vergeblich. Will streifte die schwersten Ketten ab, als to-enn es gar nichts wäre. Ter Beamte der Staatsanwaltschaft, dem man von diesem noch nie dagewesenen Vorfall Meldung erstattete, war nicht wenig überrascht und meinte mit Recht, den Menschen könne man ja für Geld sehen lassen. Er ordnete eine besondere Bewachung des Gefangenen bei Tag und Nacht an und erbat von der Zellen st rafan st alt Butzbach eine besonders schwere und komplizierte Fesselung für den Gefangenen, aus der sich W. sicher nicht zu losen imstande ist. Wie der Ausbrecher, der ganz ohne Mittel war, so schnell nach Koblenz gekommen ist, darüber verweigerte er bei feiner Vernehmung jede Auskunft. Auch darüber, wie es ihm möglich war, beim Verlassen des Provmzralarrefthauses die verschiedenen schweren Schlösser zu öffnen, erklärte er sich nicht äußern zu wölben Humorvoll meinte Will, er werde doch nicht so dumm sein, das zu verraten, denn er werde wieder versuchen ins Freie zu kommen. Er könne jedes noch so feste Kunst- schloß öffnen, und es wäre ihm ein Leichtes gewesen, in jener Nacht, als er die gastliche Stätte an der Ost-Arttage verlassen hat, noch wettere Zellentüren zu öffnen, um auch anderen Gefangenen zur Freiheit zu verhelfen; er habe dies aber unterlassen, weil ihn die Mitgefangenen nichts an- gingen. Will hat bis zu seiner Aburteilung (Ende des Monats) in Untersuchungshaft ^ub ring en. Man wird den gefährlichen Verbrecher jetzt strenger hüten. Uebrigens trifft feinen der Beamten ein Verschulden für die Flucht des Will. Tas Provinzialarresthaus, das, abgesehen von kurzfristig zu Strafe verurteilten Uebeltätem, nur zur Unterbringung von Untersuchungsgefangenen dient, ist für solch geschulte Vögel wie Will nicht berechnet. ** Keine schlechten Zeiten. Tie Klagen über schlechte Zeiten, zunehmende Teuerung, scheinen nicht zuzutreffen; denn sonst könnten die Stempelabgaben für Vergnügungen bei den Kreisämtern und in den Städten Darmstadt, Bensheim, Offenbach, Gießen, Bad-Nauheim, Friedberg, Mainz, Alzey, Bingen und Worms nicht von Jahr zu Jahr beträchtlich steigen. So stiegen bei den Kreis- Ämtern die Einnahmen für Singspiele und Schaustellungen von 18 859 Mk. in 1910 auf 26 292 in 1912, die für Tanz- beluftigungen auf Kirchweihen von 73 005 Mk. auf 76 891 Mark, die für sonstige Tanzbelusttgungen von 113 712 Mk. auf 125 815 Mk. In den genannten Städten stiegen die Einnahmen für Singspiele und Schaustellungen von 10 041 auf 25 914 Mk. und die für Tanzbelusttgungen von 41649 auf 48 029 Mk. Insgesamt stiegen von 1910 bis 1912 die Einnahmen für Lustbarkeiten im Großherzogtum Hessen von 157 266 auf 202 941 Mk. ober um runo 25 Proz. ** Gesangs wett st reit. Welche Opfer die Gesangswettstreite an die Gesangvereine und Sänger stellen, hat ein Sänger eines wettstreitlusttgen Vereins aus dem Kreise Gießen berechnet. Tie vielen Gesangsstunden stellten an die Kasse des Vereins große Anforderungen. Tie Singstunden werden in Wirtssälen abgehalten, der Wirt sieht darauf, daß. auch etwas verzehrt wird. Die Reise zum Wettsttett kostet wiederum Geld, ein neuer Anzug, ein neuer Hut war erforderlich. In besagtem Verein entfallen auf den einzelnen Sänger Geldausgaben von 40 bis 50 Mk. für einen Wettstreit, bei 40 Sängern sind das rund 2000 Mk. Im günstigen Falle erhält man dann einen Preis Don 100 bis 200 Mk., die meisten Vereine gehen natürlich leer aus. Das sind unerfreuliche Erscheinungen der Wettstreite. stiller und stiller wird es in den nächsten Tagen in unserer Stadt. Die höheren Schulen und die Vorlesungen in der Universität sind schon seit 14 Tagen geschloffen. Am Samstag machten die Volksschulen Ferien und morgen, Dienstag, in aller Frühe rückt das Regiment an§, zuerst nach Griesheim auf den Truppenübungsplatz, um von da ins Manöver zu gehen. Landkreis Gießen. O Heuchelheim, 17. Aug. Infolge der unbeständigen kühlen Witterung war unser Kirchweihfest nicht nach Wunsch besucht. Ter Zuspruch aus der Stadt war ebenfalls nicht so stark wie in früheren Jahren. In 6 Gastwirtschaften wurde zum Tcmz aufgespiett. L i ch, 17. Aug. Der Gesangverein „Männerguartett" unternahm gestern und heute bei einer guten Beteiligung von Angehörigen und Freunden einen Ausflug nach dem Niederwald und verband damit eine Rheinfahrt bis Koblenz. — Die Hofteite des Gemeindcrcchners Hch. Zimmer, ein Teil des ehemaligen Södel- hoss, ging durch Verkauf für den Preis von 13 000 Mk. an Gendarmeriewachtmeister Weber über. 2$. Grünberg, 17. Aug. Der Privateifenbahnbeamtenver- em des Bezirks der Wettertalbahn unternahm am vorigen Sonntag und heute seinen üblichen Familienjahresausflug. Ein go- sebmückter Eisenbahnzug brachte die Teilnehmer von Butzbach nach Müntzer, von hier ging es dann über Wetterfeld und Lauter nach der N e u m ü h l e, wo für Unterhaltung reichlich gesorgt war und dann weiter nach Grünberg. Von hier erfolgte abends die Heimfahrt. △ Grün berg, 17. Aug. Infolge der fortgesetzten Einbrüche wird es den Bewohnern unserer Gegend unheimlich. In Ruppertenrod wurde gestern in einer Wirtschaft einge- brochen. In Saasen brachen am Donnerstag beim Gastwirt Schepv Spitzbuben ein und hießen Zervelatwürste, Schwartcmmagen und Speckstücke mitgehen. Aehnlich wie in Beltershain brachen sie von der Scheuer aus ein Gefach heraus um in die Speisekammer zu gelangen. Die Diebe sind bis Gießen marschiert. Bei dem Bahnwärter an der Leppermühle kehrten sic ein; der ahnungslose Mann gab den Fußgängern gern das gewünschte Wasser. — Dem Landwirt Karl Petrie-Beltershain gingen gestern von Gießen aus die gestohlenen 5 Mark (Wertpapiere) durch die Post wieder zu. Kreis Alsfeld. X Ruppertenrod, 16. Aug. In der verflossenen Nacht wurde hier ein sehr kecker Einbruch in drei Gasthäusern ausgeführt. In dem einen Fall drangen die Einbrecher in den Keller, stahlen sechs Flaschen Wein, zwei Flaschen guten Branntwein und einen Limburger Käse. Im anderen Fall stiegen die Diebe in die Wohnstube des Gastwirts. Unmittelbar an dem Wohnzimmer schliefen die Wirts- leute in der Kammer. In dieser Wirtschaft hießen die Einbrecher nur ein halbes Kistchen Zigarren und eine Mark mitgehen. In der dritten Wirtschaft fliegen sie durch einen im Erdgeschoß befindlichen Raum ein, der früher als Schmiede gedient, und betraten den Keller. Lier taten sie sich gütlich an Bier und Branntwein. Die Gendarmerie war morgens zur Stelle, und von Gießen kam ein Kriminalbeamter mit einem Polizeihund. Ter Hund konnte aber keine Spur mehr aufnehmen. Nachmittags kam das Gericht von Grünberg, um den Tatbestand aufzunehmen. Kreis Friedberg. L Friedberg, 18. Aug. In dem Hause, in welches das Bataillonsbnreau kommt, werden eben Ställe für drei Pferde des Bataillonskommandeurs und des Adjutanten und außerdem eine Wohnung erbaut. In die Usavorstadt kommen die Wagen für das Bataillon und die Krankenwagen. Viele Arbeiter sind beschäftigt, das v. Helmolt'sche GntshauS als Wohnräume für die Mannschaften von drei Kompagnien, mehrere Feldwcbelwohnungen, eine Kantine usw. herzurichten; auch an dem Hause für Munition wird eben gebaut. r. Bad-Nauheim, 17. Aug. Der durch sein im vorigen Jahre im hiesigen Kursaal abgehaltenes Konzert auf das beste eingeführte Bauersche Gesangverein-Gießen veranstaltete heute — einer Einladung des Großh. Kurdirektors folgend — in Gemeinschaft mit der Kurkapelle auf der Kurhausterrasse ein Doppelkonzert. Trotz des wenig günstigen Wetters — es war kühl — war die Terrasse vorzüglich besucht. Die Darbietungen deS Vereins fanden sehr reundliche Aufnahme und wurden mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet. Der Verein ist an Zahl nicht groß und kann nicht durch Maffenwirkung imponieren. Seine Stärke liecft in der Feinarbeit. Einzelne Chore, wie beispielsiveise das schwierige „Thalatta^ von Heuser zeugten von großem Fleiß, den Dirigent und Sänger auf die Einstudierung verwandt haben. Dem beliebten Dirigenten Herrn Otto Görlach, der hierin sehr gutem Andenken steht, muß man hohe Anettennung für n über 'n Tagen ’lefungen n. 91m morgen, l zuerst da ins ftänbi- t nicht x eben« chtwirt« un* von An» wald nnd ifreiie drs en Söbd# , an Öen« imtonoe r* n Sonn« (Sin gfr ach nfltfi Ate nach 19t war rmds die esctzten nheimlich. ast cingc- GastMtt tcnnwen t bratfieit e Spciie« jieit. Bei ein; der zewünschte in gingen ertvapiere) te Ge« Anger Vereins kfiW ^nforöe- iehalten, irb. Tie -Anzug, em ent« 140 bis as rund m Preis latürlich ir Wett« stabten ^heim, von l Aeis. -lluugen ? Tanz, 'M 12 Ke An. 041 auf 649 auf Ke Ein. len von in we'ch^ . für drei antcn «”b A toi«”!1“ L'iele ^118018 ^agnie»' »richten'. W'enen :ei M* die Ein- in, zwei des ®n|t« ne Wirts- die Ei»- Ai? Mar! rch einen iiher als taten sw icrie war irilninat- ,nte aber Gericht sein ini izert out # Giehcn h. pelle a"s ,§ n’cn'ö roße vor- nben sch e.falln"S kan"'E eat in *f jchio-cr'S' ;.S Veruntreu» r Rendant der Letzte Hacbricbkn der Stabt einer nach Nochn S- Witterung Sport m. Offenbach a. M., 18. Aug. Arn Sonntag fand die Einweihung des neuen, hinter bet Rosenböhc gelegenen 20 000 Quadratmeter umfassenden Tum- und Spielplatzes des Offen- backerTurnvereins statt. Nach der Weiherede des Vorsitzen- den Sckäfer begannen die turnerischen Ausführungen mit allgemeinen fYrerübunqen und dem sich anschließenden Schauturnen unter Leitung des Turnwarts W. Gail. Tie übrigen Vorführungen bestanden in Wettfechten, Faustball-Wettspielen, leichtathletischem Wurf und Laufübungen und einem Fußballwcttkarnpf. Amtlicher Wetterbericht Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Dessen Vir Dienstag, beit 19. August 1913 Wolkig, meist trocken, etwas wärmer. * Tas Denkmal der „unbesi egten Stadt". Aus ■3c Hort wird berichtet: Am Tyreitag ist in Anwesenheit des französischen Iustizministers mit großer Feierlichkeit in Belfort da? trauliche Denkmal enthüllt worden, das zum Andenken an bje drei erfolgreich bestandenen Belagerungen der Festung er- Achtet wurde. Tas Monument, ein Wer-, des Bildhauers Bartholdi! hat seine Stätte auf der Place de la Republigue gesunden. Aus allen Teilen Frankreichs waren Kriegsveteranen ch-rbeigeeilt, die Zahl der bei der Feier anwesenden ehemaligen Verteidiger Belforts betrug über 5000 Mann. Frn Anschluß an die Feier fand am Sonntag ein großer musikalischer Wettkampf Itatt, an dem gegen 20 elsässische MusiLvereine sich beteiligten. * Ein ganzes Torfverhungert. Aus Petersburg wird berichtet: Don der Insel Nowaja Semlja kommt die Kunde von einer furchtbaren Tragödie, abgeschnitten von jeder £>ih'c bat ein kleines Fischerdorf einen furchtbaren Kampf gegen den Hungertod geführt, der damit endete, daß die ganze Ansiedlung, gegen 100 Fischer mit ihren Familien, ein grauen- volles Ende fand. Vor 4 Fahren errichtete die Fischerei-Gesellschaft von Arckangel auf Nowaja Semlia ein Tepot und bald blühte eine kleine Ansiedelung auf. In unregelmäßigen Zwischenräumen wurde die abgelegene kleine Siedelnng von Fahrzeugen der Fischerei-Ge sellscl'aft ausgesucht, die dann die Bewohner mit den nötigen Vor n an Nahrungsmitteln versahen und di.- geräuck rten 7 • Rußland wieder mitbrachten. Ter le&te Winter aber war ganz besonders hart. Es war unmöglich, neue Vorräte zu erlangen: da das Meer zusror, entschwand auch die Aussicht, durch Fischfang Nahrungsmittel zu erlangen. Man vernahm in Rußland nichts mehr von der kleinen Kolonie: erst kürzlich, als eine wissenschaft- Htbe Expedition die Insel besuchte, erfuhr man von dem entsetzlichen Schicksal, dem die Kolonie verfallen war. Nickt ein lebendes Wesen war in dem Torfe übrig geblieben. Leer und verlassen, von den Stürmen halb zerstört, fand man die Hütten: tm Freien aber lagen die Skelette der Fischer, der Frauen und der Kinder, lagen dort, wo die Sterbenden kraftlos bingehinfensparen, um das Ende ;u er warten. In einer öüttc fand man das Tagebuch eines Fischers, das an furchtbares Bild von dem Leiden gab, dem die unglücklich Bevölkerung erlag. Unter den letzten Eintragungen liest man: „liniere Vorräte sind zu Ende Deute schien ein Schiff iu kommen, aber es war nur ein Traumbild. Es ist furchtbar, unsere Kinder am Dünger dahinsterben zu sehen. Sie kommen, betteln um etwas zu essen, aber wir haben nichts, nichts." Und später heißt es: ..Tie Kinder find tot. Nun leben nur noch 4 Fischer und 2 Frauen Unsere Leiden sind unbeschreiblich. Zwei Männer sind eben gestorben. Sie versuchten ihren Dünger zu stillen, indem sie d a-■« nichts weniger 0I6 günstig, doch ließen sich die vielen au? der näheren und weiteren Umgebung zu diesem Feite herbei» geilten Personen nicht in ihrer festlichen Stimmung stören. Auf dem Nochnsberge zelebrierte Bischof Dr. Heinr. K i r st e i n aus Mainz das Hochamt, während die Festpredigt von Stabt« pfarrer Knebel auS Mannheim gehalten wurde. Nach der Festprediqt entwickelte sich auf dem freien Platze vor der Kapelle das altgewohnte und seit Jahrzehnten gehegte Leden und Treiben. Frankfurt übergegangen. Starkenburg und Rhein Hessen. oh. Bingen, 17. Ang. Unter Beteiligung Hunderten zählenden Menschenmenge zog heute die Prozession zur NochuSkapelle. Zwar war die polnischen Volksbank in Neuenburg (Westprcußcn) soll verschwunden sein. Nach einer anS Bozen eingetloffenen Meldung sind der Sohu der ui Leipzig wohnenden Frau Rechtsanwalt Müller, der zur Zeil in München studierende 22jährige Eberhard Muller, zusammen mit Tr. L11 Yens aus Freiburg 1. Br. und der Mediziner R. Heine von dem ErasleitenSgrat abgestürzt. Müller und Lützens sind tot daS Schicksal HemeS ist unbekannt. Aus Petersburg wird gemeldet: (Gräfin Torno w s k 0 , bekannt aus dem Mordprozeß von Venedig, wurde in einem Eisenbahnzug bei der Station Tom- browo erhängt aufgefunden. Ob'Mord oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Tie „B. Z." meldet aus Paris: In einer Menagerie in Magie Eich, einem großen Vergnügungspark, wurde am Samstag cm Tierbändiger von einer Löwin an gefallen und schwer verletzt. Es wurden nicht weniaer als 25 schwere Verletzungen konstatiert. Im Publikum herrschte große Aufregung. ä ■ a । von Mk. 1-35 an per Meter, in allen Ul* Al IT \ AlfiA Farben. Franko und *chon ver- n| All iHlllH zollt in6 Haus geliefert. Reiche ijB VIUl UUIUU Musterauswahl umgehend. 1D’/m G. Henneberg, Holl. J.M. d. deutschen Kaiserin. Zürich. summe von 200 000 Mk. ist der Tr u ppenü du n gSv la tz ,im Rusieuseld' nunmehr endgültig in den Besitz Hessen-Nassau. ke. Frankfurt a. M., 17. Aug.' Heute mittag 12 Uhr fand im ZirkuS Schumann eine Tranerfeier für Ang u st Bebel statt, die von ca. 500 Männern und Frauen besucht war. An jener Stelle des Zirkus, wo Bebel 1907 zum letztenmal in Frankfurt a. M. sprach und zwar damals für die bevorstehenden Reichstagswahlen propagierte, stand heute daS umflorte Bild des Verstorbenen inmitten reiche» Pflanzenschmuckes. ReichstagSabgeordneter Dr. Quark- Frankfurt a. M. gedachte des toten Führers der Arbeiterklassen. Die Feier begann und schloß mit besang. h. tV r a n f f u r t a. M., 17. Aug. Unter starker Betei Itgung aiis Hessen Nai,au und Denen, sowie aus Württcmbera Vaden, Banern, Rheinland und Westfalen, sand heute im nlallus faul eine Veriammlung von Fahrrad- und Näh m a s ch i n Anhand le r n statt, in der ^hlreick brennende Tages fragen des nachs erörtert wurden. Vor allem nahm man eingehend Stellung zu der uberbanb nehmenden unlauteren Konknrren- und beschlotz, dteie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfet. _. 2lug. Seit Samstag weilet mer zahlreicv'' e n g 11 ] dj e Stubenten, um die Stabt und tbre Umgebung kennen zu lernen. Deute früh wurden sie in der ™ ' okSrüßt. Am Tienstag besuchen sie Dombure und tnc ^aaraurg; am Donnerstag wohnen sie einer.Ausführun. von Shakespeares „Heinrich IV." (2. Teil) bei und begeben iid- bann Freitag nach Detbellxwg. Leonberg, 18. Aug. Deute früh 5 Uhr tvurde der 38 Jahre alte Ortsvorsteher Äöhl von Flacht durch einen Automobilunfall getötet. Ter Eigentümer des Autos und ein anderer Insasse wurden schwer verletzt. Der Unfall wurde durch einen Radbruch verursacht. Mordtat eines Geistesgestörten. Wien, 17 Aug. In der Kaserne des Leib-Garde-Jn- fanterie-Regiments feuerte heute einOffiziersdienerauf einen .Hauptmann sowie auf eine bei ihm zu Besuch weilende Dame. Tic Tarne ist tot, der Dauptmann schwer verletzt. Ein zu Hilfe eilenoer L fftzier wurde durch einen Schuß leicht verwundet. Ter Ornziersdiener stürzte sich aus dem Fenster auf den Hof, wo er schwer verletzt liegen blieb. Tie Verwundeten wurden in das Garnisonlazarett gebracht. Der Offiziersdiener scheint geistesgestört zu sein. fcuu Äertung p&n. Alles in allem bewertet daS Konzert ciae angenehme Abwechselung im Unterbai lang-Programm be^> KnedweklocS asb der Baneriche Se.angverein wird te< x n»eren Kurgästen einen freundlichen Eindruck hinterlassen 9 eben. A Butzbach, 17. Aug. JnS Manöver ist gestern unser Bataillon gerückt; eS hat sich nach dem DrieSheuuer Ererzierplatze begeben. — Hier soll 1914 das Kirchen- qefangvereinSfest für daS Großherzogtum Hesien statt- finden. r- Du tzb a ch, 17 Aug. Gestern abend fand im großen Saale des Heimchen DoseS die Generakversammlung des Krieg cr- vereins statt Der Vorsitzende, Medizinalrat Tr. Vogt, erstattete den Jahresbericht. Die von dem Rechner A. Steinhäuser vvrgttragene Rechnung wurde gutgeheißcn. Bei der nun folgenden -3orüanbänMbl wurden der Vorsitzende und die übrigen seitherigen Borltandsmitglieder wiebergewählt. Für den verstorbenen 2. Vorsitzenden wurde Werkmeister Unverzagt gewählt. Dierauf hielt bir Vorsitzende einen längeren Vortrag über die Säst acht bei Grave- wtte und über die wichtigen Ereignisse im Jahre 1913, der reichen Beifall erntete. Zum Schlüsse gratulierte das Borstandsmitglicd Metzger im Namen des Vereins dem Vorsitzenden zu der ihm vom «atfer verliehenen Auszeichnung. antwortlich i ft. Bulgarien erhob Einspruch gegen 'die Haltung Rumäniens auf die Beschwerden. Die Vergewal- tigungen bulgarischer Frauen und die Wegnahme von Vieh nehmen zu. 3um Vorrücken der Türken. Konstantinopel, 18. Aug. Wie der Mali von Adria- nvpel telegraphiert, besuchte er verschiedene Orte der Umgegend. Er schildert die von den Bulgaren während der Besetzuna begangenen (Greuel tat en. Die griechische Gemeinde in Otto- loej überreichte dem Walt eine Adresse, in der der Tank für den (iiniug der türkischen Truppen ausgebrückt, welcher den bulgarischen Greueltaten ein Ende bereitete und erklärt wirb, man wolle unter türkischer Herrschaft bleiben. Der Reichskanzler und Herr v. Jagow beim Kaiser. Domburg v. d. H., 18. Aug. Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg ist heute vorm. 8,34 Uhr in Begleitung des Freiherrn v. Sell hier ein getroffen. Der Reichskanzler wurde vom Gesandten v. Treudler empfangen und nach dem Schlosse geleitet, wo der Reichskanzler Wohnung nehmen wird. Ter mit dem Reichskanzler eingetroffene Staatsfekretür des Auswärtigen v. Jagow ist in Ritters Parkhotel abgestiegen. Im Streit erschossen. Göppingen, 18. Aug. Heute nacht geriet der Reifende Dreher aus Difserdt mit dem die Bahnhosssperre rersehenden Hilfsweichenfteller Beß in Streit, weil Dreher ohne Fahrkarte durch die Sperre wollte. Im Verlaus des Streites schoß Dreher den Beß nieder, der sofort tot war. Ter Erschossene ist Vater von fünf Kindern. Der Täter wurde verhaftet. Ein Automobilunfall. vermischtes. * E i n neues großes Schwindelmanöver, durch das eine LeipzigcrGroßbankum 180 000 Mark geschädigt werden sollte, ist im letzten Augenblick durch die Verhaftung des Schuldigen in Berlin vereitelt worden. Weil er durch Spekulationen tief in Schulden geraten war, kam der 25 Jahre alte Bankbeamte K e r f c, der bei einem aroßen Bankinstitut in Leipzig angestcllt war, auf den Gedanken, sich mit Hilfe eines Spießgesellen tn New Pork in den Besitz^einer größeren Geldsumme zu setzen. Er ließ an die Bank chiffrierte Telegramme absenden, mit dem Ersuchen, an einen Eharles Rupper 45 000 Dollars auszuzahlen. Es lief dann bei der Leipziger Bank ein Brief des angeblichen Ruvper ein, worin dieser, da er nicht nach Leipzig kommen könnte, um Ucbcr- fenbung zweier Schecks nach Berlin postlagernd bat. Inzwischen batte das Leipziger Bankinstitut durch Nückirage in New Bork die Mitteilung erhalten, daß von der dortigen Bank keine Geldanwei- lung aur den Namen Rupper erfolgte. Sofort wurde ein Telegramm an die Berliner Großbank, bei der die Schecks zahlbar waren, ab- gcianbt und gleichzeitig die Berliner Kriminalpolizei benachrichtigt, -tiefe nahm den jungen Mann Merfc fest, als er den Brief der Bank auf einem Postamt abholen wollte. Bulgarische Klagen. (i) Köln, 18. Aug. Nach einem Telegramm der „Köln. Ztg." aus Sofia ist anzunehmen, daß zwischen dem Rückzug der griechischen Truppen und dem türkischen Vormarsch ein Zusammenhang möglich ist. Glaubwürdig wird versichert, daß die Begründung des türkischen Vormarsches mit der Bcschützung der Moharn- nredaner nicht zutrifft, da diese nicht geflohen, wohl aber die Zustande der dortigen christlichen Bevolflwung unter den Bulgaren entsetzlich find. TieteilweifeBefetzung des nördlichen Bulgarien seitens der Rumänen führe zu mancherlei Unannehmlichkeiten r. Butzbach, 16. Aug. Ans der Gemeinderats- 'ichung vom 15. August. Anwesend: Gr. Bürgermeister Flach, dre 0Jr. Beigeordneten Habermann unb Hell; bie Gemeinberato- mftglieber Grauer, Heil, Hehd, Küchel, Oppenheimer und Tr. Vogt. Eittschuldigt fehlen: Braubach, Müller und Tröster. Zwischen der Bu tzback-Licher-Eisenbahngesellschaft unb beit beteiligten Gemeinden, vertreten durch ihren Bevollmächtigtet' Mebtzmalrat Tr. Vogt, ist wegen Sanierung ein Vertrag vereinbart worben. Der Entwurf würbe dem Gemeitrderat zur Einsicht vorgelegt Dr. Vogt beantragte namens des Finanzausschusses, dem Vertragsentwurf zuzustimmen. Hieraus wurde beschlossen, den Vertrag zu genehmigen mit der Ermächtigung des Bürgermeisters Flach, ihn rechtsgültig zu unterzeichnen. — Einige Reklamationen wegen Erlaß von D a s s e r g e l d wurden abgelehnt — Die Eisenbahn-Tirektion Frankfurt a. M. hat gegen den Orts- Bauplan von Butzbach Einspruch erhoben bezüglich des Teiles südlich der TaiinnSsttaße. Tie der Weslgrenze der Bahn entlang vorgesehene Straße von der Taunusstraße bis zu dem Weichenstellerdoppelwohnhaus vor der Trosterschen Maschinenfabrik soll um 5 Meter seitlich nach Westen verschoben werden. Ta bie Straßenslnchtlniie dort bereits feflgclegt unb biese Straße bebaut ist, so lehnt der Gemeinderat es ab, eine Aenberung der Straßcn- fluchllinie vorzunehmen. — Hierauf iverden einige Unter- ft ü h u n g d g c i u d) e erledigt. — Ter Vorschlag des Finaitz- auSschufteS, die Bankfilialen von der F i l i a l ft e u c r ; u befreien, wurde angenommen. Die Ortsjatzung betr. Filial- Itruer mürbe alsbann in ber jetzigen Fassung gegen die Stimme Oppenheimer einmütig genehmigt. — Die Ortssatzung, bie A 11 - fteHung eines besoldeten Bürgermeisters betr., mürbe in der vorn Finanzausschuß abgeänberten Fassung angenommen. — Dem Lehrer Müller von PohlgonS würbe gestattet, ein Kellerloch vor seinem Wobnhause bahier, Wetzlarer Straße 19, anjubrin ini. Die jährliche Pacht wurde auf 50 Psg. festgesetzt. — Die Ausführung der Arbeiten zur Herstellung eines Brunnens am Klärbecken wurde auf Antrag des technischen Ausschusses dem Maurermeister und Bauunternehmer Kock) über» tragen. △ Münster bei Butzbach, 16. Aug. Der Blitz schlug in die Kirche, welche erst 1912 neu hergeftellt wurde. Er beschädigte das Dach deS TunneS, drang ins Innere ber Kirdjc und richtete Beschädigung an der Kanzel und einer Tür an. 4t Rockenberg, 17. Aug. In der Nacht von Samstag auf Sonntag versuchten drei im hiesigen Landeszuchthause sitzende schwere Verbrecher einen Au 8 bruch. Sie hatten in, Schlassaale^bereitS eine zirka 60 Ztm. starke Wand durchbrochen. oie wurden ober von der Nachtwache noch rechtzeitig an der Vollendung ihres Vorhabens gehindert. b Vilbel, 17. 9(119. Durch bie Zahlung der Nennt a n e n führe zu mancherlei Unannehmlichkeiten für die Bulgaren. Dieser Tage wurden 2000 entlassene waffenlose Bulgaren auf dem Wege zur Heimat von den Rumänen angehalten. Wenn diese Behindc'rung der zurückgekehrten Reservisten längere Zeil andauert, sind Verzweiflungstaten zu erwarten, für welche Rumänien ver- sh Bad H,«»nrg v d. H., 17. Aug. Fm Stodttell Lrrdors wurde fttrte nachmittag bie vom Rentner Dippel der evangelischen Gemeinde gestiftete E>edächttriskirchc bei außerordentlich starker Beteiligung weitester Streife feier lich einaeweiht. Der Kaiser und die Kaiserin, die ur- sprüngltch ihr Erscheinen zugesagt hatten, ließen in letzter stunde absagen und hatten Exz. v Plessen mit ihrer Vertretung betraut. Ter vom Baurat Jacobi auf geführten Kirche wurden zu ihrer Ausschmückung reiche Spenden zuteil; u. a. stiftete der Kaiser die .gan^l und den Tauft stein aus der Homburger Schloßkirche. Die Stadt spendete die Turmuhr. d. Oberursel, 17. Aug. Der älteste Bürger der Stadt, Privatmann Karl Fuchs, ist im Alter von 91 Jahren einem Herzschlag erlegen. fc. HerSfeld, 17. Aug. Im Kalibergwerk in der Ge- markung Ransbach wurde, nachdem die GesteinSmasien durchbrochen, in einer Tiefe von ca. 800 Metern auf zwei flarfc Kalisalzlager gestoßen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbar gebiete 11. Der z Zt. auf der „Hohen Mark' ivcilenbc Prinz Heinrich der Niederlande folgte am Sonntag einer Einladung dcs GroßherzogS von Hesien zur Miltagstafel. rrleif* ihrer toten Kameraden aß««." Die testen Worte des Tagebuches lauten: ^_Jch, Genow, bin ber letzte lieber* lebende, unb wenn auch febr schwach, schreibe ich dock noch diese feilen. Ich zittere und Hände unb Augen versagen mir ähren Dienst. . . “ Kleine Tageschronik. Die Blätter melden aus Berlin: Zum ersten Male seit feinem Bestehen mußte am gestrigen Sonntag wegen oeo schlechten Wetters und deS dadurch bedingten unbefriedigenden Besuches daS Freibad Wannsee geschlossen worden. m 3” Königsberg bei Gger erschlug der Bergarbeiter Graf auß Tram über den Verlust feiner Ehefrau feine beiden Söhne im Alter von drei Jahren und sieben Wochen mH einer Hucke Nack der Tat stellte er fick der Gendarmerie Aus Posen wird gemeldet: Ter Direktor der polnv schon Volks bank in Zf 01 s ch e n ist nach S* ung von 70000 Mk. verhaftet worden. — Te * 400 000 Mark als „Kaufpreis" für einen Baseball-Spieler. Aus New Port wirb bcridüct: Die zahllosen Enthusiasten des Bascballspiel^s, biescs amettkanisckcn Lieblingsspottes, erörtern voll Aufregung das Angebot ber Baseball Truppe von Washington, die dem berühmten Spieler Evbb, der gegenwärtig für den Bascball'>flnb von Detroit kielt, für sich »CTrfiidTten will unb dem rivalisierenden 5'Hub als Kaufpreis für die Abtretung Cobbs die Summe von 400000 Mk. geboten hat, was selbst für Amettlft einen bisher unerhörten Rekord bar wellt. Gobb be^og von dem Klub in Dettoit bisher ein festes Jahres- As halt von nahezu 30 00) Mk., das aber in Anbetracht seiner Popularität unb seiner Anziehungskraft auf bas Publikum zu Beginn dieser Saison auf 62 000 Mk. erhöht worden ist. Es scheint, daß ber Klub, der gegenwärtig „Eigentümer" Eobbs ist, selbir dies Angebot von 400 000 Mk. ablehnen will. Der höchste Pr iS der bisher für einen Baseball-Spieler bezahlt mürbe, betrug 90 000 Ml. Wenn man bedenkt, daß ber Präsident ber Vereinigten Staaten f it sein Amt nur 300 000 Bck. Jahresgehalt bezieht, ist dreie hohe Bewertung eines Baseball-Spielers nicht ohne eine gc- wrsse Komik, aber Enthusiasten halten die für Cobb gebotene \summe für durchaus angemessen. felM-lalirriier! 35 M. 0. P., 44-50 M.. PPWl 53.-M. 10 J. Garantie frank, jed. deutschen l£?-4ub Bahnst. Laufd. 1-50>L J 1.90M.Gebirß-sd.4.25M m. Gar. LnftschL LOO Kett.L205LGrifF.19Pf. usw. Katalog grat. ^4 J Gehr. Hofacker, Fahrrad-Export in Wlta- helden, Kr. Solingen. [D*/ Fabrikant: Aug. Jacobi, Darmstadt. Reklamemarken in den Verkaufsstellen erhältlich. I r Die trauernden Hinterbliebenen Krofdorfer Str. 12 GIESSEN Fernsprecher 487 Statt Kart Verlobte Alsfeld absehen zu wollen 5361 August 1913 Gießener £897 det sich Kaiserstrasse 8, [5353 Hammttrafte 1 oerm. wer Alleiniger Fabrikant: Carl Gentner, Göppingen. APOJH.FECHER'SJ Zentrale lenb leidneS 83'°/, Marie Geye: Karl Möhl Giessen 5356 Fanny Baer, geb. 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