licher, als man glaubt." Ter Kaiser sagt: „Man hat mich schlecht erzogen; ich habe keinen großen , einem Monarchen die schwersten Aufgaben stellt, und diese drei harten Nüsse zu gleicher Zeit aufzuknacken, wer soll dazu seine Kinnbacken hergeben? Für Jung-Wilhelm wird es eine Lehrzeit, weit schwerer, als wir sie ihm wünschen durften, und für uns andere eine harte Zett. Irre ich mich, wenn mir vorkommt, als ob schon jetzt, bevor Bismarck seinen Sitz geräumt hat, die *) Prinz von Wales, nachmals König -Eduard VII. von England. -*-*) Alexander III, Vorboten einer führerlosen, schwierigen Zukunft durch die Seelen fliegen? Wiesbaden, 11. Januar 1891. Es war wir auffallend, von einem Berliner Besuch unter anderem zu erfahren, daß Jrrng-Wilhelm dort im ganzen weit mehr beliebt ist, als man außerhalb annimmt. Taß er so rührig ist und sich um alles kümmert, immer eine „eigene" Meinung hat, gefällt der Menschheit sehr, und es schadet ihm auch nicht sehr, wenn er sich in seinen Reden verhaut. „Tie Meinung ist doch gut." Möge diese Stimmung lange währen, so lange, als die Begeisterung der Primaner bestehen wird, die er von zwei unangenehmen lateinischen Aufsätzen befreit hat! Doch diesen werden die Lehrer, wie zu hoffen steht, anderes Unangenehme an die Stelle setzen . . . Blankenberghe, 13. September 1892. Was Sie über die RegierungslUnst hoher Bekaimten schreiben, sind goldene Worte. Aber Caprivi ist ein größerer Schlaukopf, als Sie ihm zutrau cm. Er weiß den Kaiser zu behandeln — er gibt ihm nach, und das ist an sich keine Kunst: aber er verstehe doch allmählich, ihn an der Leine zu behalten, und wenn nicht etwas Unberechenbares eintritt, so setzt er sich als unentbehrlich durch. . . Wiesbaden, 21. November 1892. . . . Tie große nationale Menge wird diesen Winter einen Ruf nach Bismarck erheben, dem der Kaiser nicht zu widerstehen vermag; der wird ohnedies durch Aeußerungen der Mneigung Seinmütig werden. Tie Frage ist, will Bismarck wieder regieren oder treibt er nur Nachesport? Will er noch einmal in den Stuhl, so werden ihn Mttliouen Fäuste hineinheben. Er wird nicht lange darin irin. Entweder ruft ihn der alte Germanengott Wuvtan hinauf in seinen Heldensaal oder er fällt, durch seine eigene Größe zerbrochen. Wahrscheinlich wird er den Gedanken, noch einmal auf das Seil zu gehen, mit Verachtung zurückweisen; dann, wenn die Forderung heftig wird, nimmt er trotz allem an, damit auch sein Schicksal sich vollende' Tenn er gehört zu denen, welchen nicht beschieden ist, ruhig sich auszuleben . . . Wiesbaden, 30. März 1895. . . . Jedem großen geschichclicken Leben wird zuletzt ein tragisches Schicksal bereitet: durck vieles, was man erlebt und getan hat, borniert man sich selbst die Uubrfangenhmk, innere Freiheit und Größe; je länger man sich gelrend macht, desto größer wird die Macht der widersttcbenden Kräfte. Auch Bismarck mußte das erleben. Hätte ihn der Kaiser noch kurze Beit tm Amte ertragen, er würde sich an Junkern, lUtramonianc.n und Sozialisten abgenutzt haben, und sein Scheiden wäre eine dauernde Bitterkeit geworden. Jetzt aber ist gerade das. was ihm als der größte Schmerz und uns anderen als sein P l mgnis erschien, die Erhebung seines Alters geworden. Eine Popularität und eine, Betätigirug der allgemeinen Dankbarkeit, mie sie nie ein Deutscher gehabt hat. Seine Entlassung ist sein letztes großes Glück, seine Sühne geworden. . . ■H rage 65» ZU prellen Expedition und Druckerei: Schul« Expedition und Verlag: 51. 112. TeU-Adr.:Anzelgeripleßen. Ober- nur. Redaktion, straße 7. Redaktion: i und nur. :/1 in ein Bad oder in emeSommerfrische, 50 versäumen Sie nicht, sich bei An- fragen oder bei Prospekteinforder- Wen auf die Anzeigen hn Gießener Anzeiger zu beziehen! Tagcskalender aus dem Jahre 1813. 1 4. ^5uni. Vertrag zu Reichenbach zwischen P reuße n, R u tz l a n d und E ngland. Preußen sollte das Meiste teilten und das Wenigste erhalten. Samstag, Zum (913 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Steindruckerer. R. Lange, Gießen. Die „Gießener §amilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krefsbkitt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- kragen" erscheinen monatlich zweimal. Das Sesihsteuer-ttompromib. Berlin, 13. Juni. Die Verhandlungen über das V e s i tz st e u e r k o m p r o m iß sind gestern von den Parteiführern im Beisein des R e i chs s ch a tz s e k r e t ä r s fortgeführt worden. Zum erstenmal haben die Konservativen «ich lelciligt. Dem Scimtzsekretär wurden die Vorsckstäge unterbreitet, doch konnte er noch nidxi mitt eilen, wie sich die verbündeten Regierungen zu dem Kompromiß stellen. Zentrum und Konservative wiesen er neut darauf hin, daß sie mir bei ganz bestimmten Kautelen zur Sclwnung besonders des ländlichen rrindescrbes bereit seien. Tie „Rundschau" teilt mit, es werde eifrig daran gearbeitet, die Vcrständigu- g bis Samstag abend zum ^kbschluß zu bringen. Zugestimmt hätten bis gestern abend noch nicht der größte Teil der Konservativen und ein kleiner Teil des Zentrums. Tie „Boss. Ztg." hört, der agrarische Teil des Zentrums und die Frrikonservativen wollten von dem Kompromiß wenig wissen, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß sich der größte Teil des Zentrums mit den Liberalen und den Sozialdemokraten zu einer Meln'heit rusammenfinden werde. . Tie fortschr. Bolkspartei fordert, daß niart allein das Kindes, sondern anck das Gattencrbe heran - gezogen wird. Sie verlangt, daß der Sckeckstemvel und der Ver kehrsstempel aufgehoben werden. Mclweren Blättern zufolge be zeickmet das sächsische F i n a n z m i n i st e r i u m den Kompro- mißvorschlag der Reick>svermögenSzuwachssleuer als einen voll- ständigen Ruin der Finanzen der Einzel stauten. Die grundsätzliche Stellung der säckn'iscken Regierung gegenüber der Vei-mögens^uwachssteuer bleibe sich gleich, ob der Zuwachs von 2000 Mark oder von 20 000 Mark an besteuert werden solle. Der .Lokalanzeiger" veröffentlicht einen Artikel „G egen das S t e u e r ko m p r o mi ß". Torin wird erklärt, daß die Dcrmögensruwachs- und die Vermögensfeststellungsgebühr den Steuerzahlern Unheil bringen würden. Tie Parteien hätten gar keinen Ueberblick über die Wirkung, die ihre Komvromißvorschlägc auf das Wirtschaftsleben auÄlben werden. Tie Zeit sei zu einer sorgfältigen Durchberatung aller neu aufgetauchten Gedanken viel zu kurz. Ter Bundesrat dürfte im Interesse seiner Autorität gegenüber dem Volke eine solche Gelegenhetts- und Verlegenheitsgesetzgebung nickt mitmachen. Ferner sei es weder vaterländisch noch sozial gedacht, bei dem Wehrbeitrag nach dem Ausschußbeschlüssen nur die dünne Oberschickt der wohlhabenden und reirium Kreise ins Auge zu fassen imb sie über das Maß ihrer Kräfte von neuem in Anspruch zu nehmen. Auch die Befreiung der Toten Hand sei nicht gut zu heißen. I xsiunme_t>on Zahlungsmitteln dem Verkehr glatt entzogen, und dies müßte erhebliche Folgen nach sich ziehen. Ein lehrrrick-es Bei tMel in dieser Hinsicht biete die Krisis von 1 907, wo um j eben Preis Gold an sich j u ziehen oui ü h t e. Tie Folge nfar, daß die betten mit Amerika wirt Ichattlich am meisten verbundenen Länder in sehr ernste Mitleidenschaft gezogen wurden. Aus Deutschland wurden damals etwa 120 Mill. Mark herausgezogen, und diese Entziehung batte außerordentlich gefährliche Folgen. Tas entzogene Gold floß natürlich im nächsten Jahre wieder zurück. Würden wir zur Schaffung des zweiten Juliusturms ohne jeden Ersatz 120 Millionen aus dem Verkehr nehmen, so Würden ähnliche schlimme Folgen eintreten. In diesem Falle würde dann auch die Einwirkung eine dauernde bleiben, zumal in der jetzigen Zeit, wo der Zinsfuß sehr hoch sei und auch weiter hochgehalten werden müsse, wäre die Heraus- ziehung von 120 Millionen Zahlungsmitteln außerordentlich gefährlich. Richtig sei natürlich, daß für die Reichsbank die Kassen- lcheine feinen vollen Ersatz für das Gold bedeuten, aber hier komme eine höchst merkwürdige Erscheinung zu Hilfe, nämlich ein enormes Anwachsen des Bedarfs an ileinen Kassenscheinen und Noten, wie er sich namentlich seit 1911 in steigendem Maße bemerkbar mache. Es hänge dies wohl damtt zusammen, daß bei den Lohnzahlungen die Zahlung in Papier immer stärker in Gebrauch komme. Die Vermehrung der Reichskassenscheine sei daher eine dringende Notwendigkeit, wenn auch selbstverständlich die Vermehrung der Umlaufsmittel in vernünftigen Grenzen gehalten werden müsse. Tie Reichskassenscheine hätten ja aller- dings keine formelle Deckung wohl aber sei ohne Zweifel eine wirtschaftliche Deckung vorhanden. Ein Bolksparteiler erklärt sich als Gegner der Vorlage. Er glaube, die 120 Millionen Gold würden in der Praxis eben doch der Reichsbanl entzogen werden, während man sich gerade darum bemühe, diesen Goldbestand zu erhöhen. Eine Begründung für die Ansammlung des Silberschatzes sei überhaupt nicht gegeben. Tatsächlich sei auch der Bedarf an Silber nur gering, selbst in der Weihnachtszeit mit ihrem relativ hohen Bedarf. Seine Partri lehne jedenfalls die Verwendung des Silberschatzes in Kriegszeiten ab, da ohnedies die Rrichsbank über einen höchst unerwünschten Bestand au Silbergeld Dornige. Um das Silber zu kaufen, müsse man 50 Millionen Mark Gold an das Ausland abgeben, noch dazu, wo schon die Heeres- vorlage eine Verschlechterung unserer Gold- decke nach sich ziehe, da infolge der Entziehung von Arbeitskräften die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte und damit die Goldentziehung gesteigert werde. Es wäre viel richtiger, d i e Reichsbank würde anstelle des Rrichskriegsschatzes einen un - an tast baren Goldschatz anlegen. Man könnte auch daran denken, eine Reichsanleihe im Ausl ande zu begehen, um dadurch den Goldbestand zu erhöhen. Nach seiner Ansicht wäre es das beste, die ganze Frage zu vertagen und im Zusammenhang damit die ganze Baniverfas- sung zu revidieren. Herr von Glasen app erwiderte darauf, der Sinn des Silberschatzes sei auch, daß im Falle des Ausbruchs eines Krieges der Bedarf an klein st en Zahlungsmitteln außerordentlich steige. Für die Militärverwaltung sei die Ausstattung der Kriegskasse mit Silber eine Notwendigkeit, man müsse also auch die Elastizität der kleinsten Zahlungs mittel vermehren. Die Reichsbank selbst aber könne die Rücklage nicht schaffen, da dadurch ihr Metallbestand allzusehr verwässert würde. Sin Zentrumsmitglied tritt der Auffassung des nationalliberalen Redners bei und meint, es sei zweifellos, daß der Verkehr die kleinen Scheine und Noten sehr gern aufnehmen werde; die Vorstellung über den Wert des Papiergeldes habe sich sehr geändert. Er halte es für zweckmäßig, die Verwendung des Silberschatzes in Friedenszeiten mit Garantien zu umgeben. T i e Volkspartei stellt den Antrag, die Verwendung des Silberschatzes in Fri c d e n s z ei t e n auszu schließen. Die Weiterberatung wird auf morgen vertagt. SS«-«*?! ,jf Appartement« i (ädern. !' .7nrfC iben Balkon. PMtkn”d' nft- und Sonnenbad- ZW Sommerfrische Mlenburg: Hoss-Botel I droWilhelmst«™. ®sion'Tuäl errasseu-Kestaur i risten emj)f Prosp^ ZWi m i. Station der ÄotoTuoitlr. Lriirzbra.Tanbcrbi^ icim, biet. GrbolungrM? i Geschützteste Lag« ii a tr schön. Kurorte d.Sctoi: Todtnws 850 m über dir' Nald.nteM ; SoiwM6 " Waldfotel Aus Gustav Kreistags Briefen. Der junge Kaiser und der alte Kanzler. Die Briefe Gustav Frehtags an Albrecht von Stosch, den verdienten General und Admiral, sind soeben bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart ericksteucn. Tas Buch wird Aufsehen viachen. Was vom Jahre 1864 bis 1895, d. h. in der Zeit zwisckum dem ersten und letzten Briefe, die Oeffentlrchlrit besonders beivegte, das sinder fast ausnahmslos seinen Reflex in bieicn Briefen. Vieles, was sich hinter den Kulissen der Weltgcschickste abspieltc, wurde Frei)tag bei seinen Beziehungen zum Koburger Hose und zu bedeutenden Zeitgenossen bekannt; an den Freu iw gab er es in seinen Briesen weiter, und so ist die Ausgabe drcser Brrcsc auch reich an Ueberrasckmngen für die Ocfsentlichkeit, umsomehr, als dieser dnrckmus nationalgesinntc deutsche Mann die ge^chicht- lichen Ereignisse ans nächster Nähe, ohne den Schimmer der ontzws- tradiiwnellen Koiwcnienz sieht und scharf beurteilt. Wir grien heute einige Briese wieder, die in die erste Regieruugszett Wtt- fÜ6cen' Siebleben, 26. August 1890. .... Einen Tag Ivar ich in Rrinhardsbrunn, bat ben Herzog Ernst von Kobnrg-Gotha, über den ^bsnck, oct Bismarck zu erzählen mW referiere nach seinen Worten Ursache des Konfliktes keine Einzelheit, sondern der Kampf um dre Herrschaft. Als ich ungeladen nach Berltn kam,, sagte der Kaiser sogleich: „Du kommst wegen Bismarck. Es ist nur ganz recht, gehe hin, versuche, was Tu vermagst, beim fo, wie es ist, kann es nicht bleiben." Darauf begann er die Klage: er (Bismarcks saß Monate in Varzin, ich schreibe und telegraphiere, er soll m der und der wichtigen Angelegenheit zu einer Bespreckmng Herkommen, er kommt nicht, ja, zuletzt antwortet er gar nicht (.-) Tas muß anders werden. Mso Herzog zu Bismarck. -Lieger kommt ihm mit Umarmung entgegen und fangt laut an zu schluchzen Ter Herzog bietet seine Vermittlung an und rejenert ihm die Klagen des Kaisers. Bismarck antwortet: „Unter feinem Großvater und auch Vater habe ich esrienw gehalten; ich brauch in großen Fragen meine Zeit, um mit nur fertig zu werden und die Tinge vorzuberriten; dieses,Zögern von vier, v^^-iiochen hatte der alte Kaiser immer respektiert Herzog: .„Mer dem jungen Herrn ist das doch nicht zuzumuten. Darauf Bismarck. ,Ja, er selbst will alles leiten: es ist Zett, daß ich gehe^Man intrigiert gegen mich." Und letzt kam wie aus der Champagner- flasche die Geschichte mit Bötticher und dem Schwarzen Adler- orben, die er als die schmerzvollste personlick/e,Kränkung empfand, so daß der Herzog ganz erstaunt war imb sagte: „Um so eme wichtig leit wie eine Ordensverleihung können Durchlaucht Sämierz empfinden; dergleichen ist gar nicksts, wo es sich um io Ernstes handelt " und er sprach, wie er berichtete, mit viel genmöer Un- o^angenbeit Über diese Begebung. Aber das wollte nicht Helsen. Disrnarck fuhr fort, über die Belechigung zu.klagen, und lagte hrieber weich: ,Feh muß gehen, ich kann nicht bleiben. Es rtar also vergebens. Ter Herzog beurteilt, ^ung-Wtthelm etwa ebenso, wie andere, die wir kennen, über ihn denken ^och um cnige Striche vertrauensvoller: „^eme Reisen sind biel nutz- Aus Hessen. Die Besoldungsvorlage im Finanzausschuß. rb. Darmstadt, 13. Juni. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hielt auch heute wieder eine Beratung über die Bcsvldungsvorlag" ab, zu welcher zahlreiche Regierungsvertreter mit den Rrinistern ^an der Spitze erschienen waren. Die Beratung drehte sich heute lstuipt- sächlich um den Besoldungstarif, dessen zum Teil nicht unerheblich von der Besoldungsordnunq des.Jahres 1898 abweichende Sätze eingehend besprockien wurden. Die Fortsetzung der Beratung soll am nächsten Mittwoch'erfolgen. Wenn die jetzige gemeinsame Beratung mit der Regierung zu Ende geführt ist, wird der Ausschuß noch in einer erneuten Beratung ohne Regierung die zu fassenden Beschlüsse zu erörtern und die Abstimmung vorzunehmen Haden, um die ganze Vorlage für die Beratung im Plenum festzustellen. Ob diese Abstimmung schon jetzt erfolgen kann, oder ob sie erst nach den Sommcrferien vorgenommen wird, steht noch nicht fest. Die Zweite Kammer hatte bekanntlich am 14. März einstimmig den Beschluß befaßt, die Regierun.g zu ersuchen, .bis zum 1. Juni d. I. den Entwurf eines Besoldungstarifs vorzulegen, der sich möglichst an die bestehenden preußischen EKHaltssätze mischließt laus sch ließlick Wohnungsgeld) ohne diese Sätze zu überschreiten. Mesem Ersuchen hat sich in seiner letzten Sitzung auch der Finanz-» Die Erhöhung ver Nriegsschatzer im Sudgetaurschutz. :: Berlin, 13. Juni. • Nackdeni gestern der Gesetzentwurf über das Erbrecht des Staaies in erster Lesung erledigt mar, begann der Budgetausfchuß heute mit der Beratung des Gesetzentwurfes über Aende- r u n g e n i m inanzwese n, und Mar bei den Paragraphen, welche die Erhöhung des Zvriegssck,atzes betreffen. Wahrend der wzialdernokratische Berickterstcttter, Dr. «Sübc Fum, nach rin- gelyenbcr Begründung die Ablehnung ber Vorlage vor- schlägt, tritt ein Mitglieb der Volkspartei lebhaft für diese S chutz- hnaßregel für den Fall der Mobilmachung ein. Gerade in den ersten Tagen der Mobilmachung werde der Bedarf an Umlaufsnittteln gewaltig steigen, und wenn bann das Reich ftebenhundert-walizig Millionen fsttark Noten durch die Ueber wei'Ung von zwnhundertvierzig Millionen Mark Gold an die Reichsbank emtög(irfye, so bedeute' dies eine we.seittliche «Erleick terung. Zu wünsck)en sei allerdings, daß die Regierung auf eine Verwendung des Silberschatzes schon in Friedenszriten vrn- zichte, da man sonst befürcht en milsse, daß das Silber nach Mwick lung ber Krisis nickst rasch genug wieder aus der Reic^bank herausgezogen werden könne. Ter S cha tz s e l r etä r begründet die Regierungsfordernng. Deute nach vierzig Jahren fri naturgemäß das Bedürfnis nach einer i Erhöhung des Kriegsschatzes entsprechend der gewaltigen Stei aerung der finanziellen Ansprüche in den ersten Tagen einer Mobilmachung hervorgetreten. Die Einwirlimg ber Heraus- richung von hiindertztvanzig Millionen Mark Gold ans dem Verkehr werde wohl' überschätzt. Tie Ausgabe von Kassenscheinen werde eine erwünschte Steigerung ber Umlauffsmittel in Zehn- marhoerten ergclten. Eine Verschlechterung bes Status der Rrichsbank sri durch die i'lüsgabe von Kassensck>rinen nicht zu befürchten, denn letzten Endes sri nicht die Rrichsbank zur Einlösung verpflichtet. Etti N a t i o n a l l i v e r a l e r begründet den zustimmenden Standpunkt seiner Partei. Tas Reich lasse in der Praxis . die ReiMsolon>echsel der Kassenscheine fomniifsivnswrise einlösen. Daraus folge, daß die Reichsbank tatsächlich jederzett die Reichskassenscheine bei der Reichskasse rinlösen könne. Er bitte aber um Anerkennung dieser R e ck t s a n f s a s s u n g durch die Regierung. >veil die ansdrücklickw Feststellung dieser Rechts läge die Entscheidung erleichtere. Der erhöhte Kriegsschatz fr- deute zweifellos auch eine Festtgung des wirtschaftlichen Lebens in Handel und Industrie für den Kriegsfall; man müsse alles tun, was dazu diene, das panikarttge Empfinden zu Beginn des 'Krieges rinzuschränken. Der stellvertretende Reichsbankspräsident v. G l a s e n a p p macht eingehende Mit- tciluitgcn über die Verkehrsfunktionen der Reichsbank. Die wirt- sck»aftlickw Entwickelung vollziehe sich immer mehr in der Richtung «einer intensiven Verwebung aller Kreditverhält- nisse. Notnrendig sei eine regelmäßige Liguidierung dieser Kredit- Verhältnisse bei Monatschluß und in höherem Maße bei Quartal- scklluß und zivar besonders Ende September und Ende Dezember. Diese Liguidationstermine beanspruchen eine gewaltige Vermehrung der Ilinlaufsmittel. Im Falle eines Kriegsausbimches werbe die ganze Kreditunterlage des Wirtschaftslebens erschüttert. Der Metallbestanb des Kriegsschatzes werde nun unter gewöhnlichen Verhältnissen ganz aus dem Kreditsystem ausgeschaltet, so daß also im Falle eines Ausbruches eines Krieges entsprechend dem enorm gesteigerten Bedarf plötzlich neues Metallgeld zur Belebung der wirtschaftlichen Beziehungen in Umlauf komme. Diese Funktion könne aber offenbar nur erfüllt werden, wenn der Metallbestand wirklich dem Verkehr c n t zogen fei. Die Anlage von Wechseln usw. würde, den Kriegsschatz eben mit dem Kreditsystem verweben, das er im Kriegsfälle stützen soll, und das wäre dann eine Unmöglichkeit. Würde man nun die notwendige Summe au Gold durch eine Anleihe aufbringen, so würde diel 2 iio, /* ;$ 165 » x ' 'Ul', my* volle Pension 350j clektr-Acht. PillaW°!^ j,x ■ rommcrsrüchc o-orithau Kt. 13Z Dritter Blatt 163. Jahrgang Erscheint ISglkch mit Ausnahme des Sonntags. « Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejfen M Georg PuJASh^Tzi h.G.raESDEM GrössJ-e deuhsche Cigarefhebfabr)k Die beste PPG. i „ Unstete JVLärine" Y • N D v>„ jr rm kjiPCi » ^1L A Tr 51 % iü wl eil nti ®f bc LS Bec auf in den wa E nni 1 sch' erben au>. W< die bal kui flff . Pr au Dru W f der förd | * Vor * । erfd abei • 1 erhi 1 1 mit s ane f" aan‘l 3u( Ä Mac *1 der -' der . Schon anno 18 war es, als nebenstehende Schuh für Apotheker Schweizerpillen kam. — ahmungen. — A.» (h. Richard Brandt, 77 Marke unter qesctziichcn Richard ÄrandtS Wir warnen vor Naäi» vor«. Apotheker Schaffhausen (Schweiz) rrusschuß der Ersten Kammer an geschlossen. Wie wir hören, ist die Ausarbeitung eines solchen ^Tarifs im Ministerium auch im vollen Ganae. Es ist darnach auch wahrscheinlich, t»aß der Ausschuft seine vorläufig entscheidenden Beschlüsse erst nach Eingang dieser neuen Vorlage treffen wird. Jedenfalls aber hat der Ausschuß das feste Bestreben, dre ganze Besotdungsv-orlage so schleunig wie möglich für die Plenarberatung fertigzustellen und das kann auch im allgemeinen öffentlichen Interesse nur dringend erwünscht sein. Deutsches Reiche Die Telcphongcbühren zwischen Deutschland u n d d c r S ch w e i z. Vor einiger Zeit hat die Handelskammer Frankfurt a. M. bei dem Staatssekretär des Reichspostamtes in Berlin beantragt, bar, int Verkehr zwischen Deutschland und der Schwerz ermäßigte Telephongebühren für die Nachtzeit eingeführt werden. Nach einer kürzlich der Handelskammer zugegangenen Mitteilung sollen die gewünschten billigen Nachttaxen von Vs der Tagestaxe im deutsch-schweizerischen Telephonverkehr schon am 1. Juli eingeführt werden. Der Reichstagsausschuß für die Konkurrenz- kl a u s e l der Handlungsgehilfen hatte am Freitag eine v er t r aut i ch e Besprechung, in der zu den Erklärungen des Staatssekretärs des Reichsjustizamts auf die Kompromißvorschläge des Ausschußes Stellung genommen wurde. Die Besprechung wird am nächsten Mittwoch noch fortgesetzt werden. Im ungarischen Abgeordneten Hause reichte der Justizminister eine Gesetzesvorlage eiiL in der für Majestätsbeleidigungen und Angriffe auf die monarchische Regierungsreform schwerere Strafen wie bisher gefordert werden. Die Strafe für Majestätsbeleidigungen soll auf drei Jahre Gefängnis, diejenige für Agitation gegen das Königstum auf fünf Jahre Staatsgefängnis erhöht werden. Die Vorlage wird damit begründet, daß die anfangs unterschätzte Bewegung, Die zwar auch heute noch geringfügig ist, einen besonderen leidenschaftlichen und rohen Charalter annahm, wodurch eine nachdrückliche und strafrechtliche Verfolgung erforderlich geworden i|L Anfrage wegen Ermordung eines Deutschen in Colorado. Von den fortfchr. Abgg. G o t h e i n und W a l d st e i n ist eine Anfrage an den Reichskanzler gestellt, ob ihm bekannt fei, daß am 4. Februar 1913 in Alma 'Colorado- ein Deutscher, Oswald Heinrichs, von Leuten, die ihm Geld schuldeten, e r - mordet worden sei, und daß der zuständige deutsche Konsul in Denver sich um die Sache nicht kümmerte, sondern einen urkundlichen Nachweis der deutschen Staatsangehörigkeit des Getöteten verlangt habe, ferner, ob der Konsul, der sich später geäußert habe, es liege kein Mord vor, vom Auswärtigen Amt angewiesen sei, sich der Interessen der Angehörigen Heinrichs anzunehmen und die Bestrafung der Schuldigen zu verlangen. AuslanS. Ein neues Flottenprogramm Oesterreichs. Laut dem „Neuen Wiener Tageblatt" werden in leitenden Marinekreisen Vorbereitungen für ein neues Flotten- progamm getroffen, das den Delegationen für 1915 vorgelegt werden soll. Es handelt sich um die Ausgestaltung der österreichischen Dreadnoughtflotte. Türkische Reformen. Nach Meldungen aus Konstantinopel gedenkt der Sultan einen Nation al rat einzuberusen, der sich mit der Wiederherstellung des inneren Friedens befaßt und die Grund- ,züge der politischen und wirtschaftlichen Reformen sowie der künftigen Beziehungen zum Ausland festzulegen hätte. Verhaftung eines Mörders von Schefket Pascha. Aus Konstantinopel wird berichtet: Die Polizei stellte 'fest, daß einige der Mörder des Großwesirs Mahmud Schefket Pascha sich in Pera in der Piräusstraße unweit des deutschen Generalkonsulats aufhalten. Bei dem Versuche, *•:,.) zu verhaften, entspann sich nachmittags nach 3 Uhr ein Feuergefecht. Mehrere Personen wurden verwundet. Das Haus ist von der Polizei nm 4.30 Uhr eingenommen worden. Acht Persone n wurden verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich auch der Mörder des Großwefirs Zia, sowie der wegen Teilnahme an der Ermordung Mahmud Schefkets gesuchte frühere Rechtsstudent N az t7w Neue Kämpfe in Marokko. Aus Rabat wird gemeldet: Oberst Mangin, der am 6. Juni in der Richtung auf K ' ima, wo sich die Truppen Maha -Saids befanden, aufbrach, mußte mehrere Anhöhen stürmen. Die Verluste auf französischer Seite sollen 45 Tote, darunter ein Offizier, und 109 Verwundete betragen. Tie französische Artillerie richtete verheerende Verluste in den Reilwn des Feindes an. Mangin kehrte am 11. Juni nach der Kasbah von Tadla zurück. Wie amtlich aus Melilla gemeldet wird, ist der Kommandant von Alhueemas in Verhandlung en eingetreten, ,um die Befreiung der gefangenen Matrosen zu bewirken. Der Kreuzer „Reina Regente" beschoß früh Eingeborenentrupps. Das Feuer dauerte zwei Stunden und endete mit einer völligen Z c r- itreuung der Kabyle n. Vier Matrosen wurden verwundet. Aus Stakt unK Gießen, 14. Juni 1913. * Landwirtschaf 1 skainme r. Unter dem Vorsitz des Ockonomicrats Walter-Lengfeld fand am Freitag eine Sitzung des B o r st a n d e s der Landwirtschaftskammer statt, in der eine größere Anzahl Verwaltungsfragen Erledigung fand. U. a. wurden die Bestimmungen über die Prämiierung bäuerlicher Wirtschaften genehmigt. Die Prämiierung, die Anregung zur Verbesserung der bäuerlichen Betriebe durch ihre Besichtigung und Zuerkennung von Auszeichnung bei musterhaften Leistungen bezwecken sollen, sind noch im Laufe des Jahres durchzu- sühren. Ferner hat der Vorstand der Landwirtschaftskammer den im Laufe der Jahre gegebenen Anregungen folgend, eine Reihe von A bände rungsvorschägen zum Feldbereinigungsgesetze zugestimmt. Diese Vorschläge sollen dem Ministerium mit dem Antrag auf Berücksichtigung bei der demnächstigen Revision des Gesetzes vorgelegt werden. ♦* St 8 Uhr: „Tie Regimenlstochter." Hieralis, zum ersten Male: „Les petitg riens.“ Ballett in 1 Akt von W. A. Mozart. Montag, den 23. Juni, abends '/,,8 Ubr: „Der liebe Aug»istin." Dienstag, den 24. Juni, abends ",8 Uhr: „Tie Entführung on§ dem Serail.- Mittrvoch, den 25. Jnni: „Tonnhäliser." Donnerstag, den 26. Juni, abends ’/,8 Uhr: Zum ersten Male: „Wiener Blut." Operette in 3 Akten von Johann Strauß. Schauspielhaus. Sonntag, den 15. Juni, abends 8 Uhr: „Püppchen." Montag, den 16. Juni, abends 8 Uhr: Ans Anlaß des 25jährigen Regierungs- jubilänms Sr. Majestät des Kaisers: Prolog, hierauf: „Prinz Friedrich von Homburg." Dienstag, den 17. Jnni, abends 8 Uhr: „Romeo und Julia " Mittwoch, den 18. Juni, abends 8 Uhr: „Das Konzert." Donnerstag, den 19. Jnni, abends */,8 Uhr: „Kabale und Liebe." Freitag, den 20. Jnni, abends 8 Uhr: „Liliom." Samstag, den 21. Jnni, abends Uhr: „Herodes und Atariamne." Sonn- tag, den 22. Juni, abends 8 Uhr: „Robert und Bertram." Montag, den 23. Juni, abends '/,8 Uhr: «Maria Stuart." Dienstag, den 24. Juni, abends 8 Uhr: „Der Pfarrer von Kirchfeld." Mittwoch, den 25. Juni, abends 8 Uhr: „Prinz Friedrich von Homburg." Donnerstag, den 26. Juni, abends 8 Uhr: „Alt-Heidelberg." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends unt 7 Uhr. Moderne Herren- und Damenschneiderei Bahnhofstraße 60 ‘♦TOrtvfitÄ Kein Laden: (Parterre) ^NNer Fernsprecher 269 WTiTJ Schöne gr. ( njoijnimfl, 1. St. Badezimmer. Blei v?r 1. Oktober zu ■ Aterwcglv.Ecke Jnr 2. Stock, em lii schöne geraum, wahrt, mit Bera und sonst. 3 1. Oktober zu v Babnbofstraire' Seltersw, schöne geräumige 'Bnbtv u. fänttl$ih 1 i'■Perm. 'Jlatj.ini(fett SGS? 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Der Durchschnittsverkehr an Wochentage-n beträgt etwa 3200, an Sonntagen 5000 Fahrgäste, so daß sich der Ver- fetyr an den drei Tagen ohne bas Jubiläum auf 11400 Fahrgäste stellen würde. Somit hat das eine Steigerung des Verkehrs um 44 697 Fahrgäste gebracht. Die Ein- nahrne an den Festtagen betrug 5561 Mk. Zur Zählung dieser Summe und der Abrechnung waren Beamte drei Tage lang beschäftigt. Der Reichsbank wurden für 5000 Mk. 10-Pfennigstücke zugeführt. ** B i l l i g e s F l e i s ch u n d Brot. Einer der Festwirte beim Jubiläumsseft hat über 500 Laib Brot, vier Zentner Rippchen usw. nicht abgesetzt. Um diese Nahrungsmittel abzusetzen, hat er den Vierpfundlaib Brot zu 20 Pfg. und das Fleisch 20 Pf. unter dem Einkaufspreis, Bratenstücke für 70 Pf. das Pfund verkauft. Unsere Metzger brauchen diese Woche kaum zu schlachten, so viel Fleisch hängt von der letzten Woche her noch in den Kühlhalten. Ein Viehhändler batte zur Reserve 10 Stück Großvieh im Stalle stehen, die für die nächste Woche stehen bleiben, da jetzt kein Bedarf vorliegt. ** Praktische K rankenpflegein der Schule. Welchen Wert man in Hessen der Ausbildung der Mädchen in der Haushalttlngstunde beilegt, das zeigt sich in der steten Zunahme der Wander-HauShaltungsschulen. In vielen Orten melden sich für diese Kurse auch Frauen in solcher Anzahl, daß man für dieselben besonderen Unterricht in sbrankenpflege einführte. In der Hauptsache kam man in den hessischen Schulen in der Gesundheitslehre und in der Krankenpflege über die Belehrungen wohl wenig hinaus; trotzdem muß die Uebung in der Krankenpflege das Ziel bleiben, das zeigen die ersten Versuche in den Wanderschulen. Besondere Beachtung vlv.'dient eine Neuerung, die man letzten Winter in der Heidelberger Hachshaltungsschule einführte. Aus einer Abteilung dieser Schule bildete man nämlich zwei freiwillige, gleichlaufende, praktische Kurse für Mankenpflege und Gesundheitslehre. Der Unterricht wurde von einer praktischen Aerztin unter Beihilfe einiger Lehrerinnen erteilt. Verbände, Packungen, die Lagerung der Kranken usw. müssen von den Schülerinnen selbst aus- gesührt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird der Wartung und Pflege der Ne?rgeborenen gewidmet. Die Schülerinnen zeigten für diese praktische Krankenpflege großes Interesse, und die Schulleitung ist mit dem ersten Versuch recht zufrieden. Kreis Friedberg. A. Groß-Karben, 14. Juni. Als gestern vormittag die Frau eines Lehrers in Rendel in den Zug stieg, sah sie einen Schirm im leeren Wagenabteil hängen. Da in Groß-Karben ein Ehepaar ausgestiegen war, so gab sie ihn in dem Glauben, daß das Ehepaar den Schirm hätte fyängen lassen, dem Schaffner. Als sich dann der Zug in Bewegung gesetzt lyatte, kam ein Mann aus dem ^kbort, beschimpfte die Frau mit unflätigen Worten, da der Schirm fein Eigentum sei, packte sie an und wollte sie zum Zug hinaus werfen. Er machte schon Anstalten die Wagentüre zu öffnen. Die Frau, die mit ihrem einjährigen Kinde allein war, schrie in ihrer Todesangst um Hilfe und glücklicherweise drang auch ein Herr aus dem Nachbarabteil durch den Abort in den Wagen ein und verhütete ein Unglück. In Friedberg wurden die Personalien des Reisenden festgestellt. Es handelt sich um einen nervösen Mann, der nach Bad-Nauheim reisen wollte, um hier feine Nerven wieder zu stärken. Ein Spionageprozetz vor dem Reichsgericht. Leipzig, 13. Juni. Vordem Reichsgericht begann heute vormiuag der Spionageprozeß gegen den 28 jährigen Eisenschmelzer Erich Nawrzik aus Georgenberg (Kreis Tarnowil)), zu- lelst in Oderberg wohnhaft, der des versuchten Verrates militärischer Geheimnisse und intellektueller Urkundenfälschung angeklagt ist. Zur Verhandlling sind zwölf Zeugen soivie ein militärischer unb ein medizinischer Sachverständiger geladen. 9tach bem Erofsnungs- bescblnß soll der Angeklagte im November 1912 in Beuchen sich ein Gewehrschloß verschafft haben in der Absicht, es einer fremden 'Macht auszuliefern. Ferner legte sich der Angeklagte in der Unter- sllchungshait einen falschen Namen bei. Der Reichsanwalt beantragte, wegen Gefährdung der Staatssicherheit, die Oeffentlichkeit ausznschließen. Das Gericht entprach dem Anträge. — Ter Angeklagte wurde zu zwei Jahren unb einer Woche Zuchthaus, zu fünfjährigen Ehrverlust sowie Stelln.ng unter Polizeiaufsicht verurteilt. Trohbem Wan rzik geständig ist, wurde ihn: mildernde Umstände versagt, da er selber als Soldat gebient unb trotzdem verflicht hatte, einen Unteroffizier zum Bruche semeS Fahneiteides zu verleiten.. Vermischtes. — Der N o g i - T c in p e l. _ Die feierliche Einweihung des Nogi-Tempels durch Schinto-Priester in Gegenwart der höchsten Würdenträger des japanischen Reiches hat den berühmten General, der Selbstmord beging, um seinen Kaiser nicht zu überleben, nunmehr endgültig in den Olymp der Japaner eingereiht. In der Illustration schildert I. E. Balet dieses modernste Heiligtum des >A)rhfanthemenlandes, das von zahllosen Frommen besucht wird. Tie Schinto-Religion, bereit Mittelpunlt der Kultus der Ahnen ist, basiert hauptsächlich auf der Verehrung Der großen Männer, und so ist es denn natürlich, daß dem Andenken des 5)elden von Port Arthur ein Heiligtum geweiht wurde. >Ls ist das 5>aus, in dem Nogi bei Lebzeiten selbst seine Ahnen verehrte, das nun seinen Namen erhalten hat. Der schlichte Bau erhebt sich im Innern der Mauern der Besitzung, die der General in seinem Testament der Sradt Tokio zum Geschenk machte. Nachdent der ganze §>eldenstamm seines Geschlechts erloschen i|t, wird dies Gebäude, das den Selbstmord des „Letzten der Samurai" sah, als Gotteshaus weiter seinem Richme dienen. Es ist noch ganz so geblieben, wie es an dem Tage des blutigen Dramas war. Noch sind die Mauern des kleinen Zimmers im zloeiten Stock 'mit dem Blute des Helden befleckt: kleine Schristtaselu erzählen an jeder Tür von dem einstigen Zweck dieser Räume: „Rrrhezimmer der Frau Nogi, Zimmer .des Selbstmordes der Frau Mogi" usiv. Andächtige neigen skch irar diesen Zeugnissen einer großen Erinnerung; mit besonderer Ergriffenheit betritt man den Raum, in dem der General das Harakiri verübte. Im Garten drängt sich die Menge. Hier, auf diesem Quadrat von 400 Meter, sind noch die Spuren der Arbeit zu schauen, die Nogi zur Pflege seiner Bäume und Pflanzen verrichtete. In einer Ecke liegen noch Hacke und Spaten, mit denen er den Boden gelockert. Nicht weit davon blühen die berühmten Kakipflanzen, die die Gräsin Nogi bei der dfoburt jedes Sohnes einsetzte, „damit ihre Enkel, wenn die Bäume groß geworden sind, die Fruchte pflücken konnten." Aber wenn die Bäume blühen werden, bann werden mir Andächtige sie betrachten, denn die, für die sie gepflanzt nmrben, haben ihr Blut dahingegeben auf den Hügeln von Port Arthur und Nansck>an, und alles, was von ihnen lebendig geblieben ist, umschließt die fromme Erinnerung, die aus dem Hause Nogi einen Tempel der patriotischen Andacht und der stillen Verehrung gemacht hat. von der landwirtschlistlichen Ausstellung in Straßburg. Die seit 1871 bestehende Firma Klein, Sch anzlin L Becker, Frankenthal (Pfalz), eine der größten Spezialsirmen der Welt für den P u m p e n - unb A v m aturÄnbau, ist auf der Ausstellung mit einer sorgfältigen Auswahl ihrer Fabrikate vertreten. Die Ausstellung zeigt Pitrnpeu aller Größen und Ausführungen fü'* die verschiedensten Verwendungszwecke. Sieben den einfachen Flügelpumpen und Fraukoniapumpen für Handbetrieb zur Förderung von Wasser und anderen Flüssigkeiten und den Tiaphragmavumpen für dicke Flüssigkeiten (Jauche us>v.) sind stehende Unapmnpen, Simvlex- pumpen und Pliingerpumven ausgeslellt. Besondere,?lusmerksam- feit erregt die durch eine Niederbruck-Zentrifiigalpumpe betriebene aroße Fontäne. Sie soll die Verwendung dieses Pumpensystems für Wasserversorgung zeigen; für die Wasserversorgung von einzelnen Geschäften und Villen wird beionders die Zentrifugal-Hochdruck- Miniaturpumpe „Kleinod" empfohlen, die für alle Antriebsarten geliefert wird. Den einfachsten Betrieb erhält man mit ber „SUeüiob" in Verbinbuna mit einem Elektromotor mit automatischer Ein- und Ausschaltung je nach Wasserbedarf. Tie Kleinodvumpen arbeiten ohne jede Wartung selbsttätig. Für Förderung größerer Mengen von Wasser und anderen Flüssigkeiten fabriziert die Firma Hochbruck-Zentrifugalpumpen für jede Leistung. Klein's Pumpen haben sich feil Jahren in lanbwirtfchaftlichen Betrieben glänzenb bewährt; sie finben auch in ber Industrie, im Bergwerk usw. Verivendung. Ebenso leistungsfähig ist die Firma in der Fabrikation von Armaturen für Wasser, Dampf unb Gas. Das zeigt ein Sortiment biefer Erzeugnisse. Sieben ben Originalstücken wie Hybranten, Schiebern, Ventilen, Llonbenstopfen werden Schnittmodelle gezeigt, die die sauber biivebgearbeitcte Konstruktion dieser Armaturen zeigen. Sie finden für Wasserleitung, Kanalisation, für Dampf- und Gasleitung und bei Zentralheizungsanlage» Verwendung. Alle Fabrikate werden vor 93er(affen des Werkes in eigenen Prüfstationen auf Brauchbarkeeit, Leistung und Festigkeit geprüft. Dieser Sorgfalt bei der Lieferung ihrer Fabrikate verdankt die Firma ihren Ruf und das Anwachsen ihres Umsatzes. In den letzten 10 Jahren hat sich der Umsatz der Firma nahezu verdreifacht; der Jahresumsatz beträgt 8 Millionen Mark. Tas Werk beschäftigt über 1890 Angestellte und besitzt mehr als 150 Filialen unb Vertreter in ben größten Stabten ber Welt. 7 Zimm m-h bevochcb. L toi Axrrn -uc Kn.Landerwe nieten, auch »•>. Serien»«?'i Our brÄ Jetl»8 SS” Marteir Srnltielauttfl ; ttrrschastliche « ■ Keluruno. mit flü Aniralbetzung, B Itnrn undParkütbl 1. Cftobcr ob.mto- M, Franks, »fr. Q 6 Zimm. Plolkstraiie7ll.tz LaI>e;.u.Znbeb..eli -er 1. Ost anderw. MereS im Laden. Geraum. 6-Zimni M 1. Oktober 1911 Ms Moltkcit Hlockitraire 1 I. Adez. n. Zubehör, acrichiet, perl. Jul sicheres im Vaben Alte Feuerversicherung A.-G. Kat gut cittqcfäbrtc Inkasso Agentur baldigst neu w bcfchcn. Gen. Offerten unter F. R. i>. 291 an Rudolf Möge, Frankfurt a. 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Die trauernden Hinterbliebenen: Katharina Aff geb. Jäger nebst Kindern. Die Beerdigung findet Montag, nachm. 3 Uhr, statt. 3943 Todes-Anzsige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, datz mein lieber Gatte, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grotz- vater und Onkel Peter War, Weichensteller i. P. heute früh 4 Uhr nach langem schweren Leiden im 70. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten Die trauerrr-en Hinterbliebenen. Gietzen (Wetzsteinstr. 36), Lich, 14. Juni 1913. Die Beerdigung findet DienStag, den 17. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom neuen Friedhöfe aus statt. 3945 G '-•r-ä Kl ■v'Sr MM ***v^?;* MK - I VA • ■ -’v.v. ?; ■; - •*. 8 'ä B Hildegard Die Geburt eines Mädels zeigen sehr erfreut an Gustav Löwenberg und Frau Paula geb. Katz Reiskirchen, im Juni 1913 Vifitkarten fn Jeder beliebigen Schriftart u. 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