Nr. 58 testetet a-Nch mit Ausnahme bei Sonntag*. ®t» »Metzeuer LamMenblStter- werben dem ,Ängetgere viermal wöchentlich beige!egl. das »Xreisbloti für dev Kreis Metzen- zweimal Wöchentlich. Die ..LcmvwtNjchastltchev Lett« tragen- erscheinen monatlich zweimal. 163. Jahrgang Montag, 10. März 1913 Gießener Anzeiger General-Anzeiger fiir Gberhejien Rotattonsdrukt on> Verlag 6et Brühl'lchw UnwersttälS • Buch- und SfotiibnitteicL R. Lange, Sieben. Redaktion. Expedition und Druckereii CtfjttU ftrabe ?. Expedittoa und Declag: e=^6L Redaktrom^MIIL Te^-AdruAnzetgerGieboa Mb. Deutscher Reichstag. 129. Sitzung, S' nnabend, den 8. März. Am Tische des Bundesrats: Dr. Solf, Seitz, von L i r p i tz. Präsident Dr. Kaemps "röffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten. Die portugiesische Deputiertenkammer hat dem Präsidenten des Reichstags d,.§ Mitgefühl zu dem Marincunglück bei Helgoland ausgedrückt. Ins Etalnolgesetz. Zur dritten Lesung erklärt Abg. Haase (Soz.)5 im Namen seiner Fraktion: Wir lehnen jedes Budget ab, also auch dos Etotnotgesetz. Das; der Etat nicht bis zu Ostern hat erledigt Werder, können, liegt daran, daß kein Beratungsstoff vorliegt, die Budgetkommission hat ihn nicht geliefert. Schuld ist die späte Einberufung des Reichstags und auch das Diätengesetz; es bedarf der Abänderung. Der jetzige Zustand ist eine Verkürzung der Rechte des Parlaments. Abg. Sehda (Pole): Der Reichstag tat in der Budgetkommission und in zweiter Lesung im Plenum die Ostmackenzulage abgelehnt. Ich stelle fest, daß danach die Reichsregierung nicht berechtigt ist, auf Grund des Etatnotgesetzes die Ostmarkenzulage zu zahlen oder die im vorigen Jahre bewilligte Entschädigung. Das Elatnotgesetz wird verabschiedet. Ostafrika. Die Resolutionen der Budgetkommisfionen werden angenommen. Die eine richtet sich gegen den Arbeits- zwang in den Kolonien und verlangt die Aufhebung der Verordnung des Bezirksamtmanns von Daressalam über den Arbeitsmarkt; zwei andere Resolutionen fordern größere Mittel für Eingeborenen-Spitäler. Eine weitere Kommissionsresolution ersucht um einen Nachtragsetat zur Förderung der Baumwollkultur. Hierzu hält Abg. Krätzig (Soz.) eine einftündigc Rede über die Technik der Baumwolle und die soziale Lage der deutschen Baumwollarbeiter. Abg. Schiffer (Zentr.)' bespricht gleichfalls, vom Standpunkt der christlichen Textilarbeiter des Rheinlandes, die Rohstoffrage in der Baumwollfabrikation. Der Redner fordert die Sozialdemokraten auf, doch praktisch zu arbeiten. Herr Krätzig lehnt den Etat ab; ginge cs nach ihm, dann würde in unseren Kolonien nicht eine Staude Baumwolle wachsen. Wir wünschen eine erhebliche Erhöhung des Fonds; unsere Textilarbeitecschaft hat ein außerordentlich großes Interesse an billigen Rohstoffen. Der Nachtragsetat, den die Kommission beantragt, fordert nichts als ausreichende Mittel; und das wollen die Sozialdemokraten nicht bewilligen! Das große Ziel kann nur durch Geduld und Großzügigkeit erreicht werden. Es handelt sich um eine nationale, später aber auch gewinnbringender Tat, wenn wir für eigene Rohstoffe sorgen. Abg. Dr. Paasche (Natl.): Herr Krützig hat die Aussichten unserer Baumwollbestrebungen herabgesetzt; er meint, es wächst ja anderswo eine viel bessere Kultur. Wir »vollen ja aber eben versuchen, uns allmählich von den „kapitalistischen Spekulanten und Ausbeutern" in Amerika freizumachen. Wie kann man dagegen sagen, wir hätten ja schon vor fünf Jahren angefangen und bisher noch nichts erzielt. Wie schwer ist cs, in einem noch absolut unaufgeschlosienen Lande, ohne Weg und Steg, ohne Kenntnis des Klimas, des Bodens usw. sofort die geeigneten Plätze zu finden? Wenn eine Gesellschaft uneigennützig im nationalen Sinne gearbeitet hat, so ist es das Kolonialwirtschaftliche Komitee (Beifall); das verdient nicht die Verdächtigung, daß cs auf Spekulationsgewinn abgesehen ist. (Beifall.) Staatssekretär Dr'. Solf dankt dein Vorredner für die Zurückweisung des Angriffs auf das Kolonialwirtschaftlcche Komitee und seinen hochverdienten Leiter S u p f. Die Kolonialverwaltung ist dem Komitee überaus verpflichtet und gerade seinem tatkräftigen Leiter, und ich wünsche ihm an dieser Stelle eine glückliche Ausreise und guten Erfolg. (Beifall.) Auch der Staatssekretär spricht kurz gegen die eigenartige Auffassung der Sozialdemo- i raten. Deutschland kann nicht zurückbleiben, es ist seine Pflicht, dieser Baumwollfrage seine ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es ist eine große Kulturarbeit, die wir machen wollen, auch gegen das Votum der Sozialdemokratie. (Sehr gut!) Natürlich kann es nicht von heute auf morgen erreicht luerben. Ich hoffe im nächsten Jahre Ihnen eine eingehendere Aufstellung der Entwicklung vorlegen zu können. (Beifall.) Abg. b. Böhlcndorff-Kölpin (Kons.): Mit Entrüstung weise ich die Vorwürfe auf das Kolonial- Wirtschaftliche Komitee zurück, dessen Mitglied ich bin. Wir sind int vollsten Maße für eine größtmöglichste Produktion durch Eingeborene, auch als selbständzge Fabrikanten. Es ist nicht richtig, daß wir zu leichtsinnig vorgegangen sind; hier handelt es sich um eine Produktion, bei der wir 600 Millionen pro Jahr ins Äus- land gehen lassen müssen, um den Rohstoff zu erhalten. Das ist wohl wert, daß wir die Rohstoffgewinnung national gestalten. Wie darf man eine fruchtbringende Kolonialpolitik treiben unter engherzigen Parteiinteressen? Das hat man in der Kommission erkannt. Mit Ausnahme allein der äußersten Linken haben wir ohne Rücksicht der Partei das Interesse unserer Arbeiter wahrgenommen, wenn wir dafür sorgen, daß in hoffentlich nicht zu ferner Zeit die Baumwolle auf dem Boden des eigenen, Schutzgebietes erzeugt werden kann. (Beifall.) Abg. Gothein (Vp.):' Es ist erfreulich, daß sich solche Gesellschaften finden, die trotz aller Mißerfolge Weitere Versuche mit der Baumwollkultur machen. Auch unsere Wasserstraßen müssen dem Verkehr erschlaffen werden, besonders der Rufisifluß. Staatssekretär Dr. Solf: Diese Anregungen sind außerordentlich dankenswert. Den Oberlauf des Rufiji haben wir untersucht. Der Unterlauf ist bereits schiffbar gemacht. Die Unkosten sind aber sehr erheblich. Abg. Dr. Arendt (Rp.): Die Flußschiffahrt kann immer nur eine Ergänzung, niemals aber ein völliger Ersatz der Eisenbahnen sein. Die Fi-rdc- rung des Baumwollanbaues ist für unsere Arbeiter von größter Bedeutung. Eine herzliche innere Genugtuung hat mir die Rede Gothcins bereitet. Es freut uns, daß wir mit der Volkspartei in den Kolonialfragen endlich zusc^mmcngehen. Es ist mit den Kolonien besser gegangen, als es die Kolonialenthusiasten erhofft haben. Die Resolution zur Förderung der Baumwollkultur wird angenommen. Abg Dr. Paasche (Natl.)* weist daraus hin, daß am Viktoriafcc z. T. 90 Proz. der Bewohner syphilitisch sind. Diese Seuche muß systematisch bekämpft werden. Leider ist die Trunksucht auch unter den Weibern stark verbreitet, die sich dann allerlei Roheitsverbrcchen zu schulden kommen lassen. Die jungen wohlhabenden Schwarzen aber machen d i e europäischen Trinksittcn nach und legen all ihr Geld in Schnaps an. Offen erklären sic: Ein junger, vornehmer Mann muß trinken, und standesgemäß sein Geld in Schnaps urn- sctzen! (Hört! Hört!) Die Weißen sollte»: durch Enthaltsamkeit den Negern ein gutes Beispiel geben. Staatssekretär Dr. Solf: Die Schilderung Dr. Paasches über die Verbreitung der Lucs ist zu schwarz. Im großen und ganzen ist unser Schutzgebiet nicht durchseucht. Die Eingeborenen berauschen sich nicht an Alkohol, sondern an ihren einheimischen Getränken, wie Pombc. Ein völliges Verbot wäre nicht durchführbar. Wir wirken aber für Mäßigung. Abg. Dr. Pansche (Natl.)'* macht weitere Vorschläge für die Fortführung der Nordbahn. Das Land dort ist zur Besiedelung durchaus geeignet. Die Nordbahn muß möglichst rasch bis an den Viktoriasee herangebracht werden. Staatssekretär Dr. Solf: Bei den Bahnbauten sind drei Firmen beteiligt. Wir haben keinesfalls die Absicht, eine andere Konkurrenz auszuschließen. Im Gegenteil, wir iverben jede neue Konkurrenz gern zu lassen. Abg. Erzberger (Zentr.): Das ist erfreulich, denn wir dürfen t e i_n e Ur ivat - Monopole aufkommen lassen. Beim Etat für Kamerun wird eine Resolution angenommen, die die Errichtung von Eingeborenenreservaten und die Sicherung der Handelsfreiheit deutscher Kaufleute in Neukamerun fordert. Abg. Dr. Braband (Vp.): Neukamerun ist kein Paradies, aber das erst ungünstige Urteil hat sich doch in weiten Kreisen gewandelt. Es gilt jetzt die Gebiete zu erschließen. Auch mit dem Schwert mußte das Land erschlossen werden. Der Name des Hauptmanns Dominik kann mit Stolz genannt werden. Gegen die Menschenfresser muß mit rücksichtsloser Schärfe vorgegangen werden. Die großen Verdienste Puttkamers dürfen nicht vergessen werden. Viele gute deutsche Brüder haben ihr Leben in Kamerun gelassen. Das Werk, das sie begonnen haben, müssen wir weiter ausbauen. Abg. Dr. Paasche (Natl.)? Besonderen Dank für diese kolonialfreundlichc Rede! Gegenüber den gestrige»: Angriffen des Kollegen Dr. Weill gegen meinen Freund Dr. Scmler möchte ich bemerken, daß ich es für absolut unzulässig halte, jemandem wegen seines Privatberufes Vorwürfe zu machen und cs so darzustellen, als ob er seine Stellung a l s Abgeordneter mißbraucht hat. Davon kann gar keine Rede sein. Die Verhandlungen, die Dr. Semler geführt hat, hat er lediglich als Advokat geführt und hat juristischen Rat erteilt, da er darum gebeten wurde. Er hat sich vorher, wir er dies ja selbst schon hier mitgcteilt hat, mit Mitgliedern des Hauses verschiedener Parteien darüber beraten, und alle diese Herren — ich nenne nur die Abg. ErAicrger und das frühere Mitglied des Hauses v. Richthofen — haben übereinstimmend gesagt, daß er in Ausübung seines Privatberufes selbstverständlich juristischen Rat geben darf. Um mehr aber handelt es sich nicht. Daß er dabei mit vollen Titeln genannt wurde, dafür kann er nichts, das kann aber jedem von uns passieren. Die Sache ist wirklich so harmlos, daß deshalb derartige Angriffe nicht erhoben werden sollten. (Sehr richtig I rechts, im Zentr. und bei den Natl.) Trotz all der p e s s i m i st i s ch e n M i tt cilungen, die wir in letzter Zeit über Neu-Kamerun erhalten haben, ist meine Auffassung nicht erschüttert worden, daß sich dieses Land zu einer guten Kolonie wird ausbauen lassen. Staatssekretär Dr. Solf: Nach Rücksprache mit dem Staatssekretär v. Jagoiv habe ich die Beantlvortung auf die gestrige Rede des Abg. Weill übernommen, da das Auswärtige Amt in allen Maßnahmen, die Neu-Kam er un betreffen, in Uebcreinstimmung mit dem Kolonialamt borgegangen ist. Daß das Konzessionssystem schlecht ist, ist nicht nur die Ansicht des Abg. Weill, sondern die Auffassung aller Parteien des Hauses, und auch die Regierung hat damit nicht hinter dem Berg gehalten. Aber ich habe schon vor zwei Jahren die Hoffnung ausgesprochen und kann das heute nur wiederholen, daß die Berechtigungen der Konzessionsgesellschaften allmählich zusammenschrumpfen und dafür geminderte Rechte eingeführt werden. Ob Herr Dr. Weill tn der individuellen Kritik der Kolonialgesellschaften nicht zu weit gegangen ist, muß ich den Gesellschaften selbst zur Beurteilung überlassen. Aber das kann ich versichern, daß wir diese 'Gesellschaften ganz genau kontrollieren und nichts aufkommen lassen, wozu sie nicht berechtigt sind. Dazu haben wir unsere Kontrakte, unsere Gesetze und die Lastenhefte der Konzessionsgesellschaften selbst in Händen. Freilich können wir nicht die Gesellschaften mit allen Mitteln bekämpfen, denn wir sind gebunden durch die Vertragstreue gegen Frankreich, aber kontrollieren können und werden wir sie. Daß der Botschaftsrat von der Lanken gemeinschaftlich mit dem Abg. Dr. Semler Maßnahmen zur Stärkung der Konzessionsgesellschaften getroffen hat, muß ich entschieden bestreiten. Die beiden Herren — hier kann ich auch das Verhalten des Abg. (Wernler_in Schutz nehmen, dem wir im Gegenteil dankbar sein müssen, daß er feine Kräfte in den Dienst der Regierung gestellt hat — haben sich in völliger Uebereini'timmung mit dem damaligen Staatssekretär v. Kidcrlen bemüht, die vorhandenen Grenzschwierigkeiten zu beseitigen. Das lag im Interesse unserer Verwaltung, oa es nicht angenehm fein konnte, gleich bei Erwerb der neuen Ländereien in Streitigkeiten mit der französischen Regierung und den einzelnen Gesellschaften zu geraten. Aus diesem Grunde sind wir den beiden Herren dankbar. Mit Entschiedenheit aber muß ich den Gedanken zurück^ weisen, als ob die beiden Herren dabei irgendwelche Privatinteressen verfolgt hätten. Der Plan des Eisen- bahnbaucs Duala über Edca bis zum Sanga hat bereits eine Rolle gespielt, lange ehe wir Neu-Kamerun hatten. Die Bahn x hat also nicht den Zweck, den Interessen der Konzessionsgesellschaften zu dienen, die zur Zeit ihrer Fertigstellung übrigens nur einen ganz kleinen Teil von ihrem Terrainbesitz übrig haben werden, sondern den ganzen Verkehr von Osten nach Westen zu tragen und Alt-Kamerun mit Neu-Kamerun zu verbinden. Der Handelsfreiheit in Neu-Kamerun sichen lediglich die Konzessionsgcsellschastcn im Wege. Mit Hilfe der Kongoakte, der Gesetze und der Lastenhefte können wir aber die Macht dieser Gesellschaften so einschränken, daß wir für die Zukunft nicht besorgt zu sein brauchen. (Beifalls Abg. Erzberger (Zentr.): Der Staatssekretär steht hoffentlich hinsichtlich der A lkotz olf rage nicht auf dem Standpunkt: Wcr niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann. Wir haben allerdings in Togo und Kamerun mit dem Widerstand der französischen Regierung zu rechnen, der Deutschland hindert, den Alkoholzoll in diesen beiden Kolonien wesentlich zu erhöhen. Es ist eigentlich ein Armutszeugnis für ein altes Kulturland wie Frankreich, daß es die Bemühungen, der Alkoholpest cntgegcnzutrcten, zu hindern sucht. In tropischen Kolonien, wo sie besonders gefährlich wirkt, muß ihr, wenn nötig, durch eine Verdoppelung des Zolles begegnet werden. In Neu-Kamerun müssen den Eingeborenen genügend Referate Vorbehalte»: werden. Die Konzessionen der Gc - sellschaftei: sind nach Möglichkeit einzuschränken. Ich halte cs für meine Pflicht festzustellen, daß Dr. Semler der Budget- kommission sein Amt als Koloi:ialreferent zur Ver- f ü g u »: g gestellt hat, als er Aufsichtsrat der Südkamerungesellschaft wurde. Er übergab das Referat für Kamerun einem Partei» freunde, behielt aber unter einmütiger Zustimmung dasjenige für die anderen Kolonien. Darm: ist nichts auszusetzen, solange nickst nachgewiesen ist, daß er dies Amt in persönlichen: Interesse aus« geübt hat. Aber selbst Dr. Weill hat das nicht behauptet. Die Angriffe gegen Major Dominik sind durchaus u::bcrechtigt. Das bezeugt jetzt, wo sein Mund verstunnnt ist, gern die katholische Mission, die unmittelbar in seiner Nähe tätig war. (Beifall.) Abg. Dr. Weill (Soz.): Die Erklärungen des Staatssekretärs über die Tätigkeit Dr. Semlers verwundern mich nicht. Aber cs war überraschend unt1 erfreulich, wenn wir erfahren, daß er mit Hilfe der Kongoakte und der Gesetze den Gesellschaften entgegentrete»: will. Ich behaupte, daß die Taten der Negierung in Widerspruch stehen,mit ihrer theoretischen Antipathie gcgei: die Konzessionsgescllschaften. Dem Botschaftsrat v. d. Lancken »nache ich keineswegs den Vorwurf, daß er bei feiner Vermittlung irgendwelche persönliche Interessen verfolgt habe. Die Verhandlungen Dr. Semlers fanden lange vor der Erwerbung Neu-Kameruns statt, sie sirrd also keine vaterländische Tat. Belehrungen über das, was mir zu tun haben, lehnen wir ab, wir handeln nach Pflicht und Gewissen. Die Debatte ist nicht ohne Einfluß und Eindruck geblieben. Das Wesentliche ist, daß die Eigenschaft Dr. Semlers als Kolonialreferent als Empfehlung für gewisse geschäftliche Transaktionen dienen »nußte. Daß sic dazu ausgenutzt wurde, gleichviel ob mit ober ohne seinen Willen (Zuruf rechts: Daraus kommt cs an!), mußte ihm die Ucbcrnahmc des Referates außerordentlich erschweren. Diese Auffassung teilt auch die Presse, die Herrn Dr. Paasche nahesteht. Sie sagt bereits, daß Dr. Semler am besten täte, das Referat nicderzulegcn. Wir Sozialdemokraten halten es für eine Gewissenspflicht, in die Zusammenhänge zlvischen Politik und Finanzkapital hineinzuleuchten. Abg. Dr. Arendt (Rp.): Ich löunbcre mich, baß ausgerechnet Herr Dr. Weill hier die bcutfchcn Interessen gegenüber bei: französische»: wahrnimmt. Herr Dr. Semler hat den andere»: Parteiei: in der Budget- kommission loyaler Weise Mitteilung von der llcbcrnahme des Amtes als Vorsitzender der Sübkamerun-Gesellschaft gemacht, und es hat niemand darin etwas Unzulässiges gefunden. Ich freue »nich, daß man heute den Wert der Erwerbung Neu-Kamcruns anders beurteilt, als im ersten Augenblick der Erregung. Durch Ausbau des Bahnnetzes wirb das Laub sicherlich erschlossen werden können, wenn auch langsamer als die andere»: Kolonien. Abg. Ledebour (Soz.): Herr Dr. Semler leidet an einer seltsamen Farbciwlindheik auf dem Gebiet der politische,: Moral .... (Präsident Dr. Kaemps ruft den Redner wegen dieser Beleidigung zur Ordnung), ai: einer sehr bedauerlichen Gedächtnisschwäche. Die Sache »vird seit Jahre»: erörtert, und es ist z. B. in allen (StabtüeriDaltungeii so gehandhabt, daß jeder Stadtverordnete ausschcidet bei Fragen- die eine Erwerbsgesellschaft betreffen, an der er interessiert ist. Herr Erzbergcr hat auch nicht, wie Herr Semler sagt, ihn: erklärt, daß er das Referat ruhig übernehmen könnte, sondern daß er das mit feinem Gewissen abmachen müsse. Das ist doch cii: fundamentaler Unterschied. Ich verwahre mich aber auch gegen die böswillige Msicht, die Berufe der Journalisten und Schauspieler zu diskreditieren, wie es Herr Dr. Semler gestern hier getan hat. / । Ich würde mich in den Grund meiner Seele schämen, wenn ich als Rechtsanwalt eine solche Aufsichtsratspolitik triebe. Herr Dr. Semler wurde doch ii: den Aufsichtsrat gewählt, weil er Abgeordneter ist, nicht tvci! er RechtSanlnalt ist. Herr Semler hat eine wirtschaftliche Bahn empfohlen auf einer Strecke, die die voi: ihm vertretene Gesellschaft außerordentlich fördern würde» und hat das begründet, daß dadurch Der Verkehr vom Kongo herunter abgclenkt würde, was geradezu widersinnig ist. Das ist der Beweis, daß er seine Stellung hier im Haus ausnüht zur Empfehlung von Maßregeln, die seiner Gesellschaft vorteilhaft sind. Das verträgt sich nicht mit unseren Begriffen poli- tischer Moral. , Damit ist der Etat für Kamerun crlediat. Der Etat für Togo wird debattelos angenommen, Siidtvestnfrika. Eine Resolution der Budegtkommission fordert im nächsten) Etat für Südwcstafrika bei den Anforderungen für die Militärverwaltung die Stärke der Schutztruppe zu verringern. Abg. Dr. Qncssel (Soz.): Auf die Diamantcn-Produktio»: kam: man Ke Zukunft Südwestafrikas nicht aufbaucn. Vielleicht wird aber au# der Viehzucht etwas. Dem Asphalt-Agrarier Dr. OcricI fäfli seine ganze Kolonialbegeisterung unter den Redaktionsnsch, wenn er daran denkt, daß Südwcst einmal 300 000 Schlachtochsc« tttrb mhtbrQn-5 800 000 Fleischschafe nach Deutschland liefern kSnnte. Südwefiafrika ist die einzig« deutsche Kolonie, m der Nordeurvpäer dauernd leben können. Der Heimaturlaub der Beamten und Offiziere verschlingt Riesensummen. Welche .Reisebeihilfe" mag wähl Herr Gouverneur Dr. Seitz bekommen, um hier erscheinen z» können? Für soziale Fürsorge für Beamte and Arbeiter ist kein Geld da. Sie fallen daheim der Armenpflege zur Last. (Sin Ivjähriger Neger hatte ein 4jährige» Kind vergewaltigt, wurde deswegen zunächst zu 18 Jahren Zuchthaus und dann, als der Rastenhaß losbrach, zum Tode verurteilt. DaS ist eine Lynchjustiz, dir um so schlimmer ist, als sie ttn Rahmen des Rechts geschah. Sie entehrt und schändet den deutschen Namen in der Welt, und deshalb wenden wir uns dagegen. Die schwarzen Arbeiter dürfen den weißen keine Konkurrenz machen. Gouverneur für Deutsch-Südwestafrika Dr. Seitz: DaS Urteil gegen den 18jährigen Neger wurde zurückverwiesen, weil einige Fragen noch nicht geklärt waren. Die Tat stellte stch als schwerer heraus, als man zunächst angenommen und der Junge wurde zum Tode verurteilt. Ich habe ihn dann zu 10 Jahren Gefängnis begnadigt. (Hört! Hört! b. d. bürger- Lchen Parteien.) Die Lohnverhältnisse für dre weihen Ar- beiter sind im allgemeinen günstig; ungelernte bekommen 10 Mark, gelernte ca. 18 bis 20 Mark. Der Gesundheitszustand der Eingeborenen ist leider immer noch schlecht; die bisherigen Versuche mit Salvarsan haben einen günstigen Erfolg gehabt. Die Verbannung der Hottentotten nach Kamerun war unbedingt erforderlich; sollte sich Herausstellen, dah sic das dortige Klima nicht vertragen können, müsien wir sie allerdings nach Sudwest znrückholen. Es ist kein Hottentottcnstamm, sondern mir eine Bande, die sich wahrend des Aufstandes zusammen- gefunden hatte. Abg. Hoch (Soz.): Die Versprechungen, die der Staatssekretär im Vorjahre uns geyeben hat, hat er zum gröhten Teile erfüllt. Wie man die Interessen der Diamanteninduslri« weiter fördern kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die alte Schablone von Schutzzoll und Liebesgabe darf man gegenüber einer so leistungsfähigen Industrie nicht anwcnden. Die Interessen der Arbeiter müssen in erster Linie berücksichtigt werden. Die Hauptsache für die Industrie ist, dah sie gute Steine bekommt. Staatssekretär Dr. Sols: Die Interessen der Arbeiter haben wir nach Möglichkeit besser als bisher berücksichtigt. Es ist eine Schleifschule in Hanau gc- schaffen imd eine Schleiferei in Berlin eingerichtet — beides ün Interesse der Arbeiter. Der PreiSnachlah von 5 Prozent fat nicht so im Interesse der Arbeiter aewirkt, wie wir hofften. Wir haben daher das Syndikat veranlagt, die Steine den Leuten so zu liefern, wie sie sie schleifen können. Wir können selbstverständlich das Syndikat nicht zwingen, den Lohnschleifern ihr Brot zu geben. Die Resolution wird angenommen. Die Resolution, die eine Zurückfühmng der nach Kamerun verbannten Hottentotten in ihre süd- westafrikanische Heimat fordert, wird angenommen. Die Etats für Neu-Guinea und Samoy werden erledigt. Der Etat für Kiautschou. Abg. Heckscher (Vp.) fragt nach der Südbahn und der Hochschule. Es gibt kein besseres Mittel, um deutsche Tüchtigkeit, Kultur, deutschen Handel und deutsche Industrie zu verbreiten als die deutsche Sprache. Der Redner verweist aus die Schrift von Dr. F. Wertheimer über Deutsche Leistungen und deutsche Aufgaben in Ch ino. Abg. Nacken (Zentr.)^ Erfreulich ist die günstige Entwicklung Kiautschous und besonders Tsingtaus. Die deutschen Unternehmungen müsien noch mehr unterstützt werden. Die deutsch-chinesische Hochschule muh gefördert werden. Staatssekretär d. Tirpitzr Auch ich glaube, dah Tsingtau in den letzten Wochen einen star- ken Aufschwung genommen hat. Bezüglich der Südschantungbahn können wir mir auf die Basis deS KiautschouverttageS zurückziehen. Der Staatösekrteär verweist auf seine gestrigen Ausführungen in der Budgetkommission. Deutsche Schulen in China werden wir gern fördern. Wir wissen, welchen Wert sie haben. Wir sind aber nocy nicht so weit, um 'm eine kulturelle sprachliche Konkurrenz mit Amerika zu treten. Die Krönung aller deutschen Schulen in Cchina muh die Hochschule in Tsingtau sein. Damit sind die Etats der Kolonien erledigt. Nächste Sitzung: Mittwoch, 2. April, 2 Uhr: Antrag Ablah (Vp.) auf ein Verbot der Errichtung und Erwerbung von Familien- sidcikommisscn, Petitionen. Präsident Dr. Kaempf: Ehe ich die Sitzung schliche, fühle ich mich gedrungen, den Gedenktagen, die demnächst begangen werden, ein Wort zu widmen. Die Erinnerung an jene glorreiche Zeit vor hundert Jahren gilt der Gesetzgebung von Stein und Hardenberg unter Friedrich Wilhelm HL, die das Volk innerlich befreit und zu aröfeen Leistungen befähigt bat. Sie gilt den Gesetzen der all- gemeinen Wehrpflicht aus Grund des Scharnhorstschen Gc- dankens des BolkSheereS. Sic gilt den begeisternden Aufrufen .An mein Volk!" und „An mein KriegShcerl". Sie gilt der Opferfreudigkett und dem Opfermut, den zu jener Zeit alt und jung, nrm und reich betätigt haben. Sie gilt dem ersten Auf- [flammen des deutschen Gedankens. (Beifall.) Und nienn von tiefem ersten Anfflammen des deutschen Ge- dankens bis zur Errickstung des Deutsäien Reiches der Weg hart und dornenvoll war, so sicht das Eine fest, dah nunmehr endgültig mir alle leben unter dem sckpvarz-weih-roten Banner, bat unS beschützt. Meine Herren, angesichts dieser Tatsachen feiert das Deutsche Reich zusammen mit dem preußischen Volke und desien König freudig die Gedenktage an den grohen Beginn der staatlichen Erneuerung, an den Dölkerfrühlchg in Deutschland. (Seb= Hafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien, die sich von den Plätzen erhoben hatten. Dir Sozialdemokraten waren fitzen geblieben.) Der Präsident entläßt daö Haus mit einem Ostergrnh in di« Ferien. bach, Freiherr Gilbrechr von Löw zu Nieder-Florstadt, Hotelbesitzer Max Lehr-Bad-Nauhetm: a u f 3 I a h r c (1913 bis Ende 1915 Kammerdirektor Dern-Asfenheim, Fabrikant W. Rohbach- Friedberg, . _ 2. Ergänzungswahlen zu mKreisaus schütz. 2,tc ausscheidenden Mitglieder Hotelbesitzer I. P. Aletter zu Bad- Nauheim, Geheimer Justizrat Jockel zu Friedberg, Bürgermeister Reuhl zu Gamback und daS Ersatzmitglied Großh. Bürgermeister Kayser-Bad-Nauheim wurden für die Jahre 1913 bis 1918 einschl. wiedergewählt. 3. Kreiskasserechnung und Verwaltungsbc- richt des K r ei s a u s s ch u s s es für R j. 1911. Tie Rechnung schließt ab mit einer Gesamteinnahme von 609 495,76 Mk., einer Gesamtausgabe von 590862,03 Mk., bleibt ein Restbestand von 18 633,73 Mk., wovon verfügbar sind 12 640,95 Mk. Tie Kreisschulden betrugen zu Anfang des Rj. 1911 474 117 Mk., am Ende 467 317 Mk., haben sich mithin um 6800 Mk. verringert. Tas finanzielle Gesamt-Ergebnis kann gegenüber denjenigen vorhergehender Jahre als ein recht günstiges bezeichnet werden. 1910 z. B. betrug der Rechnungsrest nur 901,05 Mk., und 1909 nur 712,20 Mk.) Die Rechnung, sowie der Perwaltungsbericht ür 1911 werden ohne weitere Debatte einstimmig genehmigt. 4. Antraader Gemeinde Vilbel auf Gewährung eines Zuschusses durch Kreis und Provinz zu den Kosten der Ortsdurchfahrt Vilbel. Tie Ge meinde Vilbel ist genötigt, die Ortsdurchfahrt umzupflastcrn und hat daher um Gewährung eines Zuschusses durch Kreis und Provinz zu den auf 160 000 Mk. veranschlagten Kosten gemäß Art. 19 Abs. 5 des Kunststraßengesetzes nachgesucht. Sie begründet ihren Antrag damit, daß die in Frage stehende Ortsdurchfahrt den ganzen Verkehr von und nach Oberhessen aufnehinen müsse. Ter Kreistag beschließt nach längerer Debatte das Gesuch dem Antrag des Kreisausschusses entsprechend, der Konsequenzen wegen ab zulehnen. Um der Gemeinde jedoch in anderer Weise wieder entgegenzukommen, wird ein Drittel der Kosten für Neuschaussierung und Grosipflasterung eines anderen Teils der Ortsdurchfahrt W» aus 18 600 Mk.) auf den ftrciS übernommen. Ein weiteres Drittel trägt die Provinz. 5. Voranschlag der Kreiskasse für 1913 (Rj.). Der Voranschlag bietet im allgemeinen ein günstigeres Bild wie in früheren Jahren, wenn er auch eine Umlagenerhöhung Vorsicht. Diese wird lediglich durch bestimmte Mehrsorderungen bedingt, so z. B. haben sich die Kosten der Straßcnuntcrhaltung usw. um rund 18 000 Mk. erhöht: ferner sind die Provinzial umlagen mit einem um 5000 Mk. erhöhten Betrag eingestellt worden. Der Ansschlagskoeffizient geht durch die vorgesehene Umlagenerhöhung bei Annahme einer gleichen Steigung der steuerlichen Grundzahlen wie in früheren Jahren von 19,9178 Proz. aus 20,2381 Proz. in die Höhe. Die Umlagenerhühung wird also kaum bemerkbar sein. Besonders zu erwähnen sind die vorgesehenen Kleinpflasterherstellungen. Für 1913 l ammen in Betracht die Straßen Bonames—Hombupg v.,d. Höhe, Ortsdurchfahrt Vilbel. Hierfür sind im ganzen erforderlich 182 880 Mk., der Kreis trägt hiervon 80 650 Mk., die Provinz 80 650 Mk., die Gemeinde Vilbel 21580 Mk., zusammen 182 880 Mark. An Straßenneubauten kommen in Betracht: a) die Straße Friedberg—Bad-Nauheim (Kosten 120 000 Mk., zurzeit im Bau), b) die Straße Harheim—Berkersheim bis Landesgrenze an der Nidda Gesamtkosten 250 000 Mk. — von Kreis und Provinz genehmigt — die Zustimmung der Stadt Franl- ürt ist wohl in Kürze zu erwarten, c) die Straße Stendal— sironau (von Preußen noch nicht endgültig genehmigt. Bei der Kreiswasenmeisterei soll eine Sammelgrube hergestellt werden, in die alle Mwässer aus der Anstalt eingeleitet werden. Die Kosten sind auf 2200 Mk. veranschlagt. Der Voranschlag schließt ab mit ctitcr Gesamteinnahme und ^lusgabe von je 959 941,66 Mk. 6. Bestimmung der Straßen, die im Rj. 1914 mit Klein Pflaster versehen werden sollen. Vorgesehen werden die Straßen: Butzbach—Lieh, vorn Bahnhof nördlich Okarben bis Okarben, vorn Bahnhof südlich Okarben bis Okarben, Ortsdurchfahrt Okarben, Klein-Karben—Gehfpitz, Asscn- heirn—Bahnstation freie Strecke, Assenheim—Bahnstation, Ortsdurchfahrt. 7. Abtretung von Gelände der alten Kreis- traße Bad-Nauhei m—R ob gen an die Eisen- b a h n v e r w a l tu n.g. Der Kreistag hat sich mit dieser Angelegenheit bereits in den Sitzungen vorn 14. April 1909 und 5. Dezember 1911 beschäftigt und beschlossen, das zu dem Umbau des Bahnhofs Bad-Nauheim erforderliche Gelände zum Preise von 5 Mk. für den Quadratmeter, und das zur'Verlängerung der Unterführung der SchwalHeimer Straße erforderliche Gelände zum Preise von 1 Mk. für den Quadratmeter abzutreten. Die Eisenbahndirektion hat jedoch die Zahlung der geforderten Preise abgelehnt unb bas Enteignungsverfalwen ein- geleitet. Durch Entscheidung bes Provinzialausschusses vom 4. Dezember 1912 ist dem Kreis eine (riitschädigung von nur 1,25 Mk. bezw. 30 Psg. zugebilligt worden. Ter Kreistag beschloß, von einer Weiterverfolgung der Angelegenheit abzusehen. 8. Organisation der Krankenkasse im Kreise Friedberg. Da die erforderlichen Vorarbeiten noch nicht solveit gediehen sind, daß die Beratung unb Beschlußfassung über biefen Gegenstanb ftattfinben konnte, soll zu diesem Zweck in Kürze eine besondere .Kreistagssitzung ftattfinben. Die Verhandlungen des Kreistages ergaben eine erfreuliche Uebereinüimmung ber Ansichten bet Vertreter des Kreises mit denen der Kreisverwaltung in den wesentlichsten Punkten. Universitäts-Nachrichten. — Fortbild ungsku r s e für höhere Bcrw a l - tungsbeamte und Juristen. Das Programm des 17. Frankfurter Staats unb w i r t f cha f t s - w i s s e n- schaftlichen Fortbi ldun gskn r suS für höhere Verwaltungsbeamte unb Juristen ist erfefnenen. An dem >kurs»S, ber gemeinsam von ber Städtischen Verwaltung, dem Institut für Gemeinwohl, der -?lkademle für Sozial und Handel sw i s sen schauen unb der Gesellschaft für wirtschaftliche ^Eisbildung als Gcsch'ifts filhrerin) in der Zeit vom 28. ?lpril bis Ende Juni in den Räumen der Akademie für Sozial- und Hmrdelswissenschaften veranstaltet wird, können wie bisher wieder Herren des höheren Verwalttings- unb Justizdienstes teilnehmen. Um die Veranstaltungen auch weiteren Kreisen als bisher .zugänglich zu mo m, sollen zu den einzelnen Veranstaltungen des Kursus and» Hörer zugelassen werden. Schluß Vk Uhr. vnror. .Hututn. >> _ 6 Jahre .1913 bis Ende 1918) volclbchtz^ I. P Alciter -ar Auheim, ik'crbtmicrcibqiticr (El;riitvpb Jakob ..Zdduoi II.- Kreistag der Kreises Friedberg. F r i e d b e r g , 8. März. In dem Saal über den Pferdeställen dahier sand unter dem Vorsitz des >breiSrats Sck>liephake die dies- jährigc ordentliche Sitzung des Zkrcistags des Reifes Friedberg statt. Der Dagesordnung entsprechend, kamen folgende Gegenstände zur Verhandlung: 1. Die im Herb st 1912 vorgenommenen Ergän- zu ngSwadlen zum Kreistag mürben für gültig erklärt. Es sind gewählt worden: a) burthbic '8 c D o 11 -- Mächtigten ber Gem eindevorstünde auf 6 I a hre 11913 bis Ende 1918): 1. im Wahlbezirk 4. Bu(>bach: Altbürger - mcifter Bernhard üä»el Bn'.bach: 2 im Wahlbezirk 3. Vilbel: Gemeinderot W. Möß Vilbel: im Wahlbezirk 7 Rodlxim v d tz - Beigeordneter Jakobi Rodheim: 4. im Wahlbezirk 9. Wölfersheim: Rentner Phil >Mler IV. Melback»Reichelsheim: 5 im Wahlbezirk 12. Ober Mörlen: Bürgermeister Rumpf Ziegen berg' 6. im Wahlbezirk 13 Helbenbergeu Sdirnnenneti'ter forin rich Wilhelm Schaub Düdelst-nin 7. im Wahlbezirk 11. Ober« Erlenbach: Bürgermeister Fr.'^el-Ober itübadr 8. uu Wahl- hciirf 15. Groß Karben: Karl 'Silbeim Br».!- ann Dogclmuhle bei Groß Karben: b) durch die 50 Ho ch n b Nt e^u er t c n auf Cericbtsfaal. ä Nürnberg, 7. März Ein fast unglaubliches Sittenbild entrollte eine Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgericht, vor dem sich der Tischlergeselle Friedrich Haiger megett ber Verbrechen der Blutschande und des Totschlags zu verantworten hatte. Neben ihm mußte feine jetzt 21 Jahre alte Tochter Else unter der Anklage von Sitllichkensvergehen auf der 'Anklagebank Platz nehmen. Der Angeklagte Haiger wird be* schuldigt, an seiner Tochter Else fortgesetzt unzüchtige Handlungen vorgenonrmen zu haben, und zwar schon von deren 9. Jahre an. Als dem Angeklagten im Jahre 1908 die Frau starb, trat er zu dem damals 18 Jahre alten Mädchen in intime Beziehungen, die er bis in die letzte Zeit fortsetzte, '^üifeerbem verführte er vor zwei Jahren seine ziveite Tochter 'Babette, die damals 14 Jahre alt war. In einer Septembemacht des vorigen Jahres verweigerte sic sich ihm, worüber er in fo große Wut geriet, baß er auf das Ptädchen schoß. Als sie aus dem Bett sprang unb flüchtete, eilte ihr der rohe Patron nach und feuerte fünf Kugeln auf sie ab, von denen drei löbliche Verwundungen hervorriefen. Das Mädchen starb bald daraus, mi(übern es noch vernommen worden war In der Verhandlung trat der Angeklagte mit den schmutzigsten Beschuldigungen gegen seine TöclUcr auf, obwohl die Mädchen mir aus Angst ^gefügig waren Aus Verzweiflung hatte die mit angeklagte Tochter Elfe sogar schon einen Selbstmordversuch ge mach! Die Geschworenen bejahten bei Haiger die Schuld'ragen und versagten ihm mildernde Umstände, währeno bei der Ängc- klaßten Else Haiger die Schuldfragen verneint wurden., so daß diese freigesprochen wurde. Der Angeklagte Haiger erhielt zehn Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. C Königsberg i. Pr., 7. März. Unter Anklage des Verbrechens gegen die Sittlichkeit standen nicht weniger als zehn Personen, die sich sämtlich an einem Mädchen vergangen batten. Das Opfer der Burschen war^eine Winschafterin, die hierher gekommen war, um sich eine Stellung zu suchen. Da sie in der Stadt fremd war, fragte sie einen der Angeklagten nach dem Beg und wurde nun üt eine einzclstchende Scheune verschleppt, wo die Straftaten trotz ber verzweifelten Rufe ber Uebersallenrn geschahen. Die Burschen ergriffen bann die Flucht, nachdem sie ihrem Opfer noch die Geldbörse gestohlen batten. Ter Gerichts^ Hof verurteilte den Haumschuldigen zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und fünf Jahren Ehrverlust. Tie übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von drei Jahren bis yi einem Jahre sechs Monaten. Vcrmiicbtcs. * Ter Lctte-Verein, Berlin W., Viktoria-Luise-Platz 6, macht zum Beginn des neuen Semesters auf seine Wirtschaftliche Frauenschule aufmerksam, die jungen Mädchen Gelegenheit bietet, in einem Jahreskursus alles das zu erlernen, wasfiftir die Leitung einer größeren Häuslichkeit erforderlich ist. Die Ausbildung, die gediegen unb vielseitig ist, umfaßt außer den hauswirtschaftlichen Fächern auch Unterricht in Schneidern, Handarbeiten, Maschinen- nähen, sowie in theoretischen Fächern wie Nahrungsmittel- und Gesundheitslehre, ein rache Buchsiihrung, Kür perl ehre, Krankenpflege am Bett usw. Neben ber ivirtschMichen Ausbildung iverden auch Wissenschaften wie Deutsch unb Literatur, Jugend!eljre ^Psnchologie unb Pädagogis) gepflegt. Einige technische stunden wie Turnen, Singen unb Zeichnen vervollständigen den umfangreichen Lehrvlan der roirtschaftlichen frauenschule. Nähere Auskunft — schriftlich wie mündlich — erteilt das Verwaltungsbureau des Lette-Bereins. Börscn-Wochenbcricht. — F r a n k i u r t, 7. März. Börse und Industrie erwarten ungeduldig das Ende des Balkan- kn'egeS. Gibt man sich auch keinen ernsten Belorgnisien hin, fo macht man sich doch daran! gefaßt, daß die FriedenSverhandlunaen noch manche Schwierigkeiten bringen werden. Das «"efchäst bewegt sich andauernd in enacn Grenzen, zumal der Svokulation die Gefolgfctmft des PrivatvublikumS fehlt. Noch mehr als die politifcbc Vage trägt tue unerqutdli nc Situation am Geldmärkte bei. Ter Privatdiskont ist bis nahe an die Diskontrate der Reichsbank herangerückt. Ein Privatdiskont von fast 6 Proz. im März und ein Satz für tägliches Geld in der gleichen Höhe war noch nickt da. Im Vorjahre bewegte sich der Privatdiskont um 4 Proz. herum. Forscht man nach den Gründen für die'es Anziehen der Diskontsätze fo sieht man, daß sich das Wechselangebot sehr verstärkt hat, die schwere Industrie mit Hochdruck arbeitet. In der Industrie gehen infolge der politischen Lage die Gelder sehr schwer oder gar nicht ein. Die Großdiskonteure verhalten sich reserviert, weil sie ihre disponiblen Mittel für die Befriedigung der Rrcbit- bedür'nisfe ihrer Kundschaft verwenden wüsten. Dazu kommt, daß ber Geldmarkt seil 'Monaten auf seine eigenen Kräfte angewiesen ist, weil ihm die ausländischen Gelder entzogen worden sind. Zur Verschärfung der Geldknappheit tragen noch die Anleihen des Reiches und Preußens bei, zumal die Einzahlungen dafür unmittelbar vor dem Apriltermiu ftattfinben. Bei der minimalen Differenz zwischen Irivatdtskont und offizieller Diskontrate der Reichsbank wird das 3entralnoteninftitut naturgemäß stark in Anspruch genommen, und es muß damit gerechnet werden, daß sich der Status weiter verschlechtert. Die Aussichten am Geldmarkt sind somit nicht günstig und man hat auch die Hoffnung auf eine Ermäßigung be« Zinsfußes der Reichsbank aufgegeben. Dem Quartalswechsel sieht die Börse mit Besorgnis entgegen und beobachtet erhöhte Zurückhaltung. Etwas lebhafter ging es in dieser Woche nur am Markte der 2 ch i f f a h r t 5 m e r t c zu, wo der glanzende Abschluß der vansa- Dampfschiffahrts-Gesellschaft und deS Norddeutschen Lloyd, sowie die Liguidation der letzteren Gesellschaft Anregung bot. ES wurde darauf verwiesen, daß der Krieg einen Ausfall in den Ernten bet Valkanftaaten bringen wirb. DaS fehlenbe (Betreibe wirb aber aus überseeischen Gebieten gebracht werden wüsten, was zu einer Belebung der Geschäftstätigkeit führen muß. Trotzdem konnten Schifi- fahrtSroerte sich nicht völlig behaupten. Bahnen und Banken lagen meist etwas schwächer, ebenso Montan werte. Don anderen Jnduftriepapieren hielten sich nur Chennsche Werte bester. Schcideanstalt haben 15 Prozent verloren. Kleyer habet: 10 Proz., Dürr ko pp 13 Proz. eingebüßt. Schwach lagen wieder heimliche und ireinde o n d S. Sfanöcdmntsnacbricbten* (Nachträglich eingegangen.) watzenborn-Zteinderg. Aufgebote: Mürz 4. Heinrich Euler, Ncaurer in Don- Gill, mit Maria Wallbott in Steinberg. — Ludwig Schmitt V., Fabritarbciter, mit Sophia Kolmer, beide in Steinberg. Gebor e n e: März 1. Dem Weißbinder Georg Willi Möckcl ein Sohn, Willi. Wichtig für junge Mädchen. ctti Wenn die Jungfrau in die Jahre der Reise angelangt ist, stellen sich oft Störungen ein sie wirb bleich, matt unb abgc spannt, Koviichincr.zcn unb Schwindclanfälle treten auf: Ber bannuasbcfchwerbcn und Riickenfchincrzcn machen sich bemerkbar. In dieser Periode ist cs wichtig, Lccifcrrin (Ovoiecithinei> llüstig' gi die MS vorw' Ain btt ehen Sniwieh sollte in gedenken srarkung Leise v Prograr tum ges ihm ver Es war be mehr 1] und bc tausend in sm deutsch der lä sah der ringen, himpft nutzten kennkni höhere sagte si lagt bi tommei sireubic kommet und ar Un und se diesen! bei! 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