Nr. 136 Erscheint ti-Iich mit Ausnahme des Sonntag?. Tie „Gießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. 163. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Freitag, 13. Jnni 1913 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität-; • Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Gdjut- slraße 7. Expedition und Verlag: 51. Rcdaktion:ssSH2. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 160. Sitzung, Donnerstag, den 12. Juni. Am Tische des Bunocsrats: v. H-e c r i n g c u. •ir F.^lidcnt Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. ' Die zweite Lesung der Mehroorlage. (Dritter Tag.) KrieILminister v. Hccringcn: Der Abgeordnete Noske hat es bemängelt, baß die Heeresverwaltung gegenüber seinen Behauptungen über die A l l a s - wer ke noch feine Stellung genommen hat. Ich habe gestern, da em Vertagungsantrag vorlag, die Debatte nicht wieder eröffnen wollen und erkläre mut heute: Es ist vollftändig ausgeschlossen, das; die Behauptungen des Prospektes der Atlas- werke auf irgend eine Zusicherung der Militärverwaltung zurück- zufuhren sein konnten. Weder an das K r i c g S m i n i st e - rium noch an eine ter in Frage kommenden QJc = ner al Inspektionen ist bis jetzt ein Mitglied des Gründungsausschusses der Atlaöwerle herangetreten. Auch der Aeroklub und die anderen Flugvereine, an die ich mich um Auskunft gewandt habe, wissen nichts von der Angelegenheit. Damit kann die Militärverwaltung die Sache als erledigt ansehen. Der Abgeordnete NoSke hat dann in Der Kommission und auch hier im Plenum die Tätigkeit der Intendantur in Sud Westafrika scharf kritisiert. Ich stelle zunächst fest, daß die hiesige Militärintcubantur weder an der Mobilmachung noch an der späteren Versorgung des Expeditionskorps irgenbwic beteiligt gewesen ist. Sie hat lediglich die Anweisungen oc-5 Materialamts und des Oberkommandos der Schutztruppe auöführen lassen. Die Intendantur des Expeditionskorps stand aber vor ganz besonders schwierigen Verhältnissen. Wir hatten nur zwei Landungsstellen, in Lüderitzbuckt und Smakopmund, und selbst hier war zu befürchten, batz die Schiffe scheiterten, jedenfalls, daß erhebliche Verluste bei den Löscharbeiten eintraten. Dazu kamen die grasten Entfernungen von den Hafenplätzen-, für die Beförderung der Vorräte standen vielfach nur Ochsen oder Kamele zur Verfügung. Man konnte mit keiner Sicherheit darauf rechnen, wann die Transporte eintreffen würden. Bei der Länge des Weges mutzten die Vorräte monatelang vorauSbestellt werden, während andererseits die Verhältnisse beim Eintreffen der Schiffe gar nicht zu übersehen waren, wo die Operationen gerade statt- fanden. Ferner war cs sehr schwer, eine Heb erficht über d i e Vorräte im Lande zu getninnen. Die Folge war eine ungeregelte Anhäufung von Vorräten im ganzen Lande, und der spätere Verbrauch wurde erschwert durch die sprlingbafte Vor Minderung der Schutztruppe. UebrigenS wird das Gebiet der Intendantur sehr häufig verwechselt mit den Gebieten verschiedener anderer Behörden. Was hinter der Front i st, i st nicht immer Intendantur, sondern Train, Etappenwesen, Eisenbahn. Die Beschaffung von Vorräten und alles das ist Sache anderer Behörden. Schwierigkeiten müssen unvermeidlich entstehen, die Intendantur hat aber nichts damit zu tun. Auch fsteht die Verpflegung im Kriege unter anderen Gesichtspunkten als im Frieden. Im Frieder: hat die Intendantur mit ganz bestimmten Mitteln möglichst billig zu wirtschaften, im Kriege ist die Rücksicht auf die Rcichskassc auch nicht ganz aus dem Auge zu verlieren, aber die Hauptsache bleibt doch die rechtzeitige Versorgung der Truppen, die die Unabhängigkeit der oberen Führung sicher stellt. Der schwerste Vorwurf wäre, wenn unter dem Mangel von Nahrungsmitteln die Operationen litten. Da man damit im Kriege rechnen mutz, so müssen die Vorräte immer möglichst doppelt rind dreifach gedeckt werden. Das ist unvermeidlich. Die o b e r ft c Führung mutz von der Jntcndan.tur rin abhängig sein. Berücksichtigt man diese Gesichtspunkte und daneben die ganz ausnahmsweisen enormen Schwierigkeiten in Afrika, so hat die Intendantur in Afrika gut funktioniert; die Vorwürfe sind unbegründet. Namentlich darf lein Rück sch lutz auf die heimischen Verhältnisse in Europa gezogen werden. Der Abgeordnete Noske hat auch das bedauerliche V o r ko m m n i s auf dem Ucbungsplatz von A r h S berührt, bei dem fünf Soldaten den Tod fanden, und daraus den Vorgesetzten einen Vorwurf gemacht. Es lagen hier besondere Verhältnisse vor. Während der Hebungen, als einige Soldaten krank wurden, wurden sofort Pausen gemacht, in denen nach Möglichkeit für die Erkrankten gesorgt wurde. Erst auf dem Rückwege kurz vor den Quartieren kamen mehrere Ohnmachtsfälle vor, die bei mehreren Leuten zum Tode führten. Von diesen Ivar während der Uebung kein einziger erkrankt, sie hatten sie ohne Beschwerde durchgemacht. Es ist nun eine alte Erfahrung, datz diejenigen Soldaten, die die m c i ft e Energie und Ehrgeiz besitzen, im letzten Moment, wenn ihre Kräfte doch versagen, umfallen und bann gleich so schwer erkranken, batz bic Vorgesetzten unb Aerztc bem ratlos gegenüber stehen. Acrztliche Hilfe war sofort zur Stelle. Von den 22 im Lazarett behandelten Mannschaften konnten acht schon am siebenten Juni entlassen werden. Acht werden in wenigen Tagen entlassen. Sechs Fälle bleiben dann noch übrig, davon sind vier ohne Komplikationen, bei zweien ist es zweifelhaft, aber Lebensgefahr besteht nicht. Den Vorgesetzten ist feine Schuld beizumessen. Die Schuld an dem Unfall trägt der Umstand, daß die Truppe in der Mittagszeit von einer Gewitterschwüle mit einem hohen Grad von Feuchtigkeit überrascht wurde. Es ist sofort alles geschehen, um die Truppe aus diesem schwierigen Gelände heraus- zubringen. Daß das nicht völlig gelungen ist, wird niemand mehr bedauern, als die unmittelbaren Vorgesetzten. Auch ich bebnure, bast fünf brave Soldaten in dieser Weife ihr Leben im Dienst des Vaterlandes lassen mutzten. Herr Dr. Müller fragte bann nach ber Angelegenheit bes österreichischen Obersten Redl unb verlangte eine Bestätigung bes Wolffschen Dementis. Diese Bestätigung gebe ich ihm sehr gern in Uebereinstimmung mit bem Generalftabe. Ter Oberst Rebl ist nichlirr der Lage gewesen, irgendein geheimes Material der deutschen Heeresverwaltung zu verraten, weil er es überhaupt nicht in die Finger gekriegt hat. (Beifall.) Dr. Müller hielt mir weiter vor, ich hätte mich in der Budgetkornmifsion unnötig hinter die Koinmandogewalt zurückgezogen. Das ist nicht richtig. Die Rechte des Kaisers in bezug auf bic Armee sind genau festgelegt, ebenso die des Reichstags. Die verbündeten Regierungen haben noch nie den Versuch gemacht. Rechten des Reichstages entgegenzutreten, greift man aber in die durch die Verfassung gewährleisteten Rechte des Kaisers ein, so ist der Kriegs Minister nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, Front zu machen und sich zu Mehren, umsomehr als die gesetzlich gewährleisteten Rechte des Kaisers gerade das innere Wesen des Heeres betreffen. Es handelt stch vor allem um die Stellung des O f s i z i e r k o r p s. Der Kaiser allein hat über bic Anstellung unb Entlassung von Offizieren zu entscheiden. Er hat auch die Bedingungen fest- zusetzen, die für bic Zulassung unb Bcförbcrmig ber Offiziere map,gebend sind. Eine juristische Festsetzu'.^ ber Rechte bes AU'zwrs besteht natürlich nicht. Das patzt auch nicht in bic Verhaltnistc ber Armee hinein. Das innere Wesen bc3 Offizierkorps beruht ganz wesentlich aus seinem unmittelbaren Verhältnis zu dem obersten Kriegsherrn. Davon hängt das feste Gefüge unb bic Einheitlichkeit des Ossi,zierkorps ab, fein Geist unb feine Pflichterfassung.' Dieser ©eilt wirb von ber Armee gewährleistet, so datz fic jederzeit e i n r C |t c Ö I n st r u ni c n t in der Hand des obersten Kriegsherrn zur Sicherheit des Vaterlandes ist. Dr. Müller hat bann ben nicht sehr geschmackvollen Vergleich gebraiichl, das; der Kriegsminister nur ber Prügelknabe des Ehef des Militärkabi- netts ist. Das weise ich sehr bestimmt zurück. Ich bekomme weder Weisungen noch Befehle vom Chef des Militärkabinetts. Ich bin in der Lage, dem Kaiser meine Angelegenheiten vollkommen allein vorzutragen. Seinen Meinungen bin ich natürlich verpflichtet nachzutommen. Denn nicht ocr Kriegsminister, sondern der König von Preußen koinmandiert die preutzische Armee. Dr. Seniler bat von kleinen Garnisonen gesprochen, aber die kleinen Garnisonen haben auch ihre Vorzüge. Wir können die Homogenität unseres Offizierkorps nicht durch massenhafte Verfetzungcu schädigen. Es wurden Versetzungen von Regimeiitern an bic Grenze angeregt. Der Versuch wirb immer unglücklich ausfallen. Ein Regiment wurzelt in der Garnison. Nicht nur wirtschaftlich, sondern in ber ganzen Bevölkerung. Versetzt man ein Regiment, so bauert cs eine ganze Zeitlang, che.es an einem neuen Orw wieber Wurzel faßt. Eine besondere Bevorzugung bezüglich der Garnisonen und bezüglich ber adligen Offiziere besteht nicht. Es gibt gute Garnisonen, wo oas Offizierkorps bürgerlich ist, und cs gibt schlechte Garnisonen, wo das Offizierkorps adlig ist. Zu meiner Freude hat die Budgetkommission unseren Fordc- riingen zugesliinmt. Nur in einem wesentlichen Punkte nicht, das sind d i c g c f o r b e r t c n Kavallerieregimenter. Ich hotte gehofft, baß bic vertrauliche Drucksache, bic wir der Kommission überreicht haben, ihre Wirkung haben müßte. Ich kann das hier in der Oeffentlichkeit natürlich iiicht auseinandersetzen. Unser Hauptgrund ist aber der, daß unsere Nachbarn uns an Kavallerie wesentlich überlegen sind. Die letzten kleineren Kriege können für den Wert der Kavallerie nicht als Beweis herangezogen werden, selbst im russisch- japanischen Kriege war Kavallerie so gut wie gar nicht zur Stelle. Ein großer -europäischer Krieg aber ist ja in "letzter Zeit nicht geführt worden. Tie wichtige Nolle im Anfang des Krieges tvird die Kavallerie immer behalten. Diese Rolle tönnen bic Flugzeuge, 3iimat sie von ber Witterung abhängig sind, niemals übernehmen. Sic können ja auch den Feind nicht auf halten und nicht schlaaen. Gegenüber diesen durchschlagenden Grünoen sollte bic Behauptung, daß höfische Rücksichten für unsere Vorschläge maßgebend sind, verituinmeil. Lassen Sie sich bei bet Entscheidung dieser Frage nicht von politischen Maßnahmen leiten. Wenn politische 91 ü d f i d) t en ausschlaggebend sind, bann kommen bic militärischen entschicben zu kurz. Hier aber hanbelt es sich um eine so ernste Frage, daß sic mit allgemeinen Ausführungen nicht beantwortet werben kann. (Zustimmung rechts.) Wenn Sie bic von uns vorgeschlagene Zahl von Kavallerieregimentern nicht bewilligen, so bleiben nach Auffassung bes Kriegsministeriums unb bes Gencralstabs so wesentliche Lücken, baß fic bei Ausbruch -eines Krieges s i ch aufs E m p f i n b l i ch st e bemerkbar machen würben. (Lebhaftes^Hört I hört! rechts.) Deshalb richte ich bic bringenbe Sitte an Sic: Bewilligen Sic, was die Regierung gefordert hat. Es ist das Mindestmaß dessen, was gefordert tirerben muß. Ter Antrag der Konservativen, noch zwei Regimenter mebr zu bewilligen, wäre für die Militärverwaltung gewiss gut, denn niemand kann die Verhältnisse so vollständig übersehen, baß er mit abso- lutcr Sicherheit sagen kann, welche Truppenzahl genügen wird. Aber wir haben uns auf das unserer Meinung nach zulässige Mindestmaß beschränkt. Mehr wird zweifellos besser fein. (Zustimmung rechts. Widerspruch links.) Abg. Herzog (Wirtsch. Vgg.): Erfreulicherweise erkennen alle bürgerlichen Parteien die Notwendigkeit der Wehrvorlage an. Wir begrüßen, daß die Wehr- Pflicht eine weitere Ausdehnung erfahren soll, wenn wir uns auch der Gefahr bewußt sind, die in der Entziehung von Hunderttausenden w-ertvoller Arbeitskräfte liegt. Aber bic harte Notwendigkeit zwingt uns dazu, und tatsächlich hat die politische Lage auch bereits eine Beruhigung erfahren. Die Vorlage ist in ihren Forderungen berechtigt. Nicht cinverstanben sinb wir mit ber Streichung ber brei Kavallerieregimenter. In solchen Dingen muß die letzte Entscheibung bei ben Sachverstänbigen, also ber Heeresverwaltung, bleiben. Die sozialbemokratischen Forberungcn gehen viel zu weit, sie würben einfach bas deutsche Volk der Möglichkeit berauben, sich in Zukunft eine Stellung in der Welt zu sichern. Nur das Volk erhält seine Zukunft, das Gold in Eisen, in Waffen verwandelt. Abg. Lcdcbvur (Soz.): Der Kriegsminister hat sich sehr kurz gefaßt, augenscheinlich weil er dachte: „Nur nicht zu viel reden, ich lege euch ja doch hinein". (Heiterkeit.) Der Kanzler hat einen Mangel an gcntigcr Arbeit gezeigt, der beweist, wie wenig er sich seiner Pflicht bewußt ist. (Präsident Kacmpf rügt den Ausdruck.) Der Kanzler hat mit feiner sogenannten Rede die bcwilligungs- frcubigc Mehrheit einfach vor ben Kopf gestoßen. Als Dr. Müller ihm mit feinem Glas lauer Limonabe zuprostete, hat er cs ihm aus ber Hanb geschlagen, baß ihm bic Limonabe um bic Ohren spritzte. Wollen sich bic Freisinnigen biese unerhörte Bchanblung gefallen lassen? Will ber Kanzler etwa einen neuen Reichstag? Wir sehen einer Auflösung mit Freuben entgegen. (Lachen rechts.) Wir haben uns in ber Kommission alle Mühe gegeben, aus ben Negierungsvertretcrii etwas herauszubringen. Beim Staatssekretär v. Iagow muß man habet so vorgehen, wie wenn man aus einem Flaschenhals einen eingctricbencn Korken heraus- bringcit will. (Heiterkeit. Präs. Kacmpf rügt ben Vergleich.) Ich habe ben Staatssekretär nicht mit bem Korkenzieher verglichen, sonbcrn mit bem Flaschenhals. (Heiterkeit.) Die geschichtlichen Er- cignisse haben bic Segrünbung ber Wehrvorlage in Fetzen gerissen. Der Reichskanzler hat sich baher gehütet, seine alte Bc- grunbung zu wicbcrholen. Er hätte sich ja sonst selbst seinen Hals abschneiben müssen, ich meine natürlich seinen politischen Hals. (Heiterkeit.) Von Rußlanb broht uns keine Gefahr. Nir- genbs gibt es so fürchtcrlickc Korruption wie in Rutzlanb. wo Nikolaus I. sagte: „In Rußlanb stiehlt alles, außer mir!" Niko- Inus II. kann bieses Wort wieberholen. Das ist allerbings bis einzige äugend, bic ick, ihm nachsageu kann. (Heiterkeit. Präs. Kacmpf bittet, bclcibigcnbc Äußerungen gegen frembe Fürstlich- leiten zu unterlassen.) Der Rcbner spricht bann über bic preu« Wiche Wahlreform und erklärt, datz sic durch den politischen Massenstreik erzwungen werden Müsse. ^Beifall der Soz. Hört, Hört! rechts.) ¥ Präsident Dr. Kacmpf: Herr Abg. Ledcbour, Sie haben gesagt, daß die Agrarier solche Kanzler, die die agrarifchc Sache betreiben, im Amt erhalten wollen, wenn auch alles drüber und drunter geht, sobald nur die Agrarier ihren Geldsack dabei füllen. Tarin liegt eine Beleidigung einer Partei dieses Hauses, unb ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. (Widerspruch bei 'den Soz.) Kriegsminister b. Hccringcn: Gegenüber dem Vorredner muß ich feststellen, daß von ben 3S4 Millionen bes Ergäiizungsetals nur 52'/2 Millionen für bic Waffenmbustrie, von diesen 52*/2 Millionen aber über 24 Millionen fnr ArbeitSlöhne bestimmt sind. Der Vorredner hat, wie cs seine Freunde schon ost getan haben, die allgemeine Landesbewaffnung, die Miliz, als ihr Ideal bingestellt. lieber die Miliz können wir ja uns später unterhalten. Heute nur baS Eine: Kein sozialbeinokratischcr Arbeiter würbe seine Arbeitsstätte ober seine Heimat gegenüber ben disziplinierten Massen» Heeren unserer Nachbarn dem Luftgebilbe der Miliz» a r in ee anvertrauen. _ In ber Kommission haben auch sozialdemokratische Abgeordnete sich bereit erklärt, Die Verteidigung des V a t erlaubet aufs höchste zu steigern. Was will aber biese Vorlage anderes? Trauen Sie uns wirklich zu, datz hierbei der sogenannte innere Feind eine Nolle spielt? (Lärm und Widerspruch bei den So.;.) Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung genügt die Polizei ober, wie einer meiner Amtsvorgän. fler sagte, öie Feuerwehr. lHciterkeit recht', Lärm bei ben Soz.) Wenn Zustänbe eintreten sollten, baß bic Armee bazu mit- Helsen sollte, bann genügt auch baS heutige Heer. (Zuruf: Ruhr- revierl) Das Beispiel patzt ausgezeichnet. Die Polizei konnte dort die Ordnung nicht mehr aufrechterhalten, eS trat der Ausnahmezustand ein, aber mit dem Erscheinen der Armee war die Ruhe und Ordnung wiederhergestellt. (Lärm bei den Soz.) Die Art, wie sie wiederhergestellt wurde, kann der Armee nur zum Ruhme gereichen. Kein deut- scher Bürger würbe in seiner Freiheit durch unsere Truppen beschränkt. Selbst einige Ihrer Parteigenossen haben ba5 zugegeben. Mit dem Eintreffen der Armee würbe wieder Ordnung und Ruhe geschaffen. Wie steht eS nun mit der Verteidigung d e s V a t c r« landes? Deutschland ist friedlich bis auf die Knochen. Wenn wir anderes beabsichtigten, würden wir eine andere Vorlage cinbringcn. keine die Jahre braucht, um volle Wirksamkeit zu erlangen. Wir wollen nur deutscher Industrie unb Arbeit den Frieben sichern. Aber wenn wir in Zukunft wider unseren Willen gezwungen fein sollten, da? Schwert zu ziehen, dürften wir dann ruhig abtoarten, bis der Feind an unsere Grenze kommt unb in unsere Heimat einbringt? Die Heeresleitung mutz baS Wort beachten, batz ber Hieb bic beste Deckung ist. Das bedeutet bie jetzige Vorlage, glich hinsichtlich ber Kavallerie. Ihr Wert für bie Aufklärung ist unbestritten aber auch zur Durchführung ber Gefecht? ist ihre Rolle int Zukunftskriege nicht aus- gespielt. Wohl sinb große Attacken gegen einen uiierschüttertcn Fcinb nicht mehr möglich. Das war aber auch schon früher so, als es noch feine Maschinengewehrc unb moberne Geschütze gab. Ter Angriff gegen diese mobernen Waffen ist auch für Infan» teric unb Artillerie sehr viel schwieriger geluorben, er bebingt bic Heranziehung aller Reserven und bic Anspannung der Angriffs- truppen bis zum Aeußersten. Ter Angreifer muß heute bei einem Angriff auf die mit modernen Waffen verteidigte Stellung des Feindes sehr viel mehr verlieren, als der Verteidiger. D i c Frucht des Angriffes bringt allein bic Verfolgung. Durch biese wird ber halste Erfolg erst zu einem ganzen gestemvelt unb hunberttauseiibeii von neuen Opfern vor- gebeugt. Sonst erscheint ber Feind ivieder im Feld. Die Kavallerie kann so den Krieg erst endgültig entscheiden. Ich soll die Resolutionen als quantite ncgligcablc behandelt haben. Das ist nicht richtig. Ich muß aber den verbündeten Regierungen ihre Stellungnahme Vorbehalten. Jetzt kann ich nur sagen, ein großer Teil von ihnen ist ohne weite- res annehmbar, für einen anderen Teil muß mit Rück- sicht auf die noch nicht übcrfebbarc Tragweite erst in Eiwägun- gen und Erörterungen cingetrctcii werden. Tie Verbündeten Negierungen werden sie aber in eingehendster Weife prüfen, wie weit den Wünschen des Reichstags cntgeaengckominen werden kann und sie werden ihnen auch nach Möglichkeit entgegen» kommen. Abg. Dr. Müller-Meiningen fDv.) beantragt über bic Anträge betreffend Wiederherstellung und Ver- mchrung der Kavallcric-Reginientcr namentliche Abstimmung. ?lbg. Fischbeck (Vp.): Die Militärvorlage bewilligen wir nicht ber Negierung um ihrer schönen Augen willen, sonbcrn um ber Sicherheit bes beut» 'chcn Volkes willen. Das g c ft r i g r Auftreten bes Reich s. kanzlers gegen Dr. Muller war vcrwunberlich. Seine Ausführungen waren enttoeber beplaeiert ober brüsficrenb unb verletzend». (Sehr richtig!) Was wollte er nur? Unsere Forberungcn liegen auch int Interesse ber Armee unb zugleich in bem bc3 Polles. Das sollte nicht nur ber Kriegsminister anerkennen, sondern auch ber in ziviler Stellung bcfinblidjc Reichskanzler. Im Heere finbet zweifellos eine Bevorzugung bes Abels statt, bic mit ber Verfassung nicht in Einklang zu bringen ist. DaS erweckt auch Mißvergnügen in Offizierskreisen. Darunter muß bie Disziplin leiben. Unsere Anträge stehen auf bem Bobcu ber Rechte bes Reichstags. Auch bic Koinmandogewalt hat eine gewisse Beschränkung, die in den eingeborenen Rechten der Verfassung liegt. Man tut dem Kaiser keinen Dienst damit, wenn man sich immer hinter die Kommandogcwalt zurückzicht. Damit setzt man ihn geradezu der öffentlichen Kritik aus. (Sehr richtig', Die Bedeutung der Kavallerie hat gegenüber der modernen Bewaffnung der Heere zweifellos abgenommcn. In keiner Truppe fpielen die Zurücksetzungen und Bevorzugungen, über d c nur uns beklagen, eine solche Rolle, wie bei der Kavallerie. Wir bewilligen bic Heercsverstärkung in bem Umfang, wie ihn bie KommiZion vorgcschlagcn hat, aber unter ber unerläßlich-m Vor» cru§icfeung, baß die Rechtsverhältnisse des H'eercS tn Einklang gebracht werden mit bem Empfinben des Volkes ■on dem Kampfe dafür werben wir niemals ermüden. Ein Vertagungsantrag wird angenommen. * Freitag, 1 Uhr: Weiterberatung. — Schluß 5% Uhr. bi Iv fl' T t ! Bec hi D u St Nr tu toi eil rrti Es be LS Bru ru 1 her förb >' • Vor erfd abei. er bi mit cne flanv. Züc rl Mac der ' der auf in den rod rou sch' er' bfli au>. W< die bat fui fltr Pr au 2. Lö =S" 9 er >-O, 3 3 Ci o CD Ci Qi oc er <7. CT Ci Ci 03 «e 3 3 er o 27- er © Uu 3 'D D s ’• 3 'D Ul’ g CD 2 2.3 •3 -C 3 =0 OT- 3 3 !uu ÖS s> 3 3 D — r?ö S -i o C7> Ö- s* 3- ‘3D n 5: er- 2^. - © 5 3> S «•> •i» S Kl s K n 03—. O Ö3 Ä di) CD D er S 77- c D w <Ä ~ — » o” -.5 Ö-?-3 3 3 .2,2 o — £ - <7 ? 6r '^Z = CD 6)3 T*. 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