Die heutige Nummer umfaßt 10 Seilen. Moitte und Napoleon. Achuefsens ' rötzten Strategen des 19. Jahrhunderts reich in den weit geöffneten Saal, wo die Krone Barbarossas 'Ä sndwobldleg^ feines Werkes. Der «sich vorfinden soll." Moltke, der die Strategie em Smtern ftäfiifSe General ,%ar nicht Feldherr, er war nur.Chef, der Aushilfe" nannte, hat die Lehre hmterlaisen: „Ntcht dratkilometer aufweist. , , , _ , Nun kommt das liebe Federvieh: ^m Gegensatz zu den eben behandelten Tieren weist das Geflügel überall im Deutschen Reiche eine erfreuliche Zunahme aut. Nur Bayern macht eine Ausnahme. Dort ist eine Verminderung von 2,5 Prozent eingetreten. Dessen hatte 1907 1604 771 Stuck Federvieh, 1912 aber 1 671 468. Die Zunahme betragt asio 4,2 Prozent und steht damit noch hinter dem Reichsdurchschnitt, der 7 Prozent beträgt, zurück. Auf den Quadratkilometer kommen in Hessen 204 Stück Geflügel, im Reich nur 152, in dem geflügelreichsten Laude Deutschlands, Oldenburg, 241 und in dem an Geflügel ärmsten Lande, Meck- lenburg-Strelitz, 77. Merkwürdig ist, daß die freten Stabte und Berlin einen ungeheuren Geflügelbestand auf weilen. So kamen auf den Quadratkilometer in Berlin 982, Hamburg 452, Bremen 690 und Lübeck 239. Den Schluß bilden die Bienenstöcke, die auch cme kleine Vermehrung aufzuweifen haben. Diese Vermehrung, die im Reich 1 Prozent beträgt, ist in Hessen recht bedeutend, denn sie beträgt dort 53 Prozent. Die Zahl der Bienenstöcke stieg von 33 513 im Jahre 1907 auf 35 276 im Jahre 1912. Die wenigsten Bienenstöcke hat Braunschweig aufzuweisen, die meisten Württemberg und Baden. Auf den Quadratkilometer kamen in Hessen 4, im Reich 5, in Braunschweig 2 und in Baden und Württemberg 9. Eine gewisse Aehnlichkeit zwischen beiden lag in der Un- scheinbarkeit ihres Aeußern. Wie Prinz Eugen, über den der Sonnenkönig verächtlich fortsah, wie Friedrich der Große, den sein Vater einen „effeminierten Kerl" nannte, mußte sich auch der kleine kümmerliche Bonaparte erst durch seine innere Größe Respekt verschaffen, und den jungen, eben in die Er hat Fehler gemacht, wie Napoleon auch, aber er hat in den wichtigsten Momenten doch verstanden, seine Theorie in einfachen und klaren Entschlüssen in die Praxis umzusetzen. „Man kann in der Schlacht nicht stark genug sein." Dies Wort ist zur Wahrheit geworden in den geschlossenen Vorstößen der gesamten Kräfte von 1866 und 1870. Napoleon aber, der auch gesagt hat: „Man muß seine Kräfte vereinigen," hat doch 1813 seine Heere zerplittert und hat auch bei seinen glänzendsten Siegen eine konsequente Vereinigung seiner Kräfte nie durchgeführt. „Napoleon hat die großen Armeen erfunden und geschaffen: aber er will 100000 Mann wie ehedem 25 000, 200 000 wie früher 75000 behandeln, von einem Punkt aus die großen Massen leiten, die langen Fronten beherrschen." Die große Armee der Völkerschlacht aber wollte sich seiner Hand nicht fügen; erst Moltke hat es verstanden, gewaltige Heere wirklich zu handhaben; ihm halt freilich dabei eine Macht, die Napoleon noch nicht gekannt: die Eisenbahn. „Er ist der erste, der einen planmäßigen zielbewußten Eisenbahnaufmarsch ausgeführt hat." „Bauen Sie keine Festungen, bauen Sie Eisenbahnen," war noch eine seiner letzten Mahnungen vor dem Tode. Den Ruhm, mit einer großen Armee gegen eine andere große Armee eine Vernichtungsschlacht zu schlagen, mußte Napoleon einem nach ihm Kommenden überlassen. „Fünfzig Jahre nach ihm ist ein Mann erstanden, der mit ruhiger Sicherheit die großen Armeen und die weiten Schlachtfelder beherrschte. Kein Versuchen, keine Unsicherheit, kein Mißlingen bestand für ihn. Nicht weil er hoffte oder glaubte, sondern weil er wußte, konnte er am 3. Juli noch während der einleitenden Kämpfe melden: „Eure Majestät haben nicht nur die Schlacht, sondern den Feldzug gewonnen." Sein Genie „war Arbeit", hatte nichts von der Dämonie des Korsen, aber er ist auch! nicht unter den Trümmern dessen, was er triumphierend er» richtet, begraben worden, wie Napoleon, weil er das „Leibst" und das „Ich" nicht kannte, weil er weit erhaben war über alles, was uns an die eigene Person fettet. Der Viehbestand de; Grohherzoytumr Hessen im vergleich mit dem des Reichs und anderer Länder Deutschlands. Das erste Vierteljahrsheft der Statistik des deutschen Reiches für 1913 bringt eine vorläufige Zusammenstellung der Ergebnisse der Viehzählung vom 2. Dezember 1912. Darnach waren im Großherzogtum Hessen 62 690 Pferde vorhanden. Gegen 1907, wo 61951 vorhanden waren, hat sich der Bestand um 1,2 Prozent vermehrt. Diese Vermehrung steht unter dem Durchschnitt der Vermehrung im Deutschen Reiche, denn dieser beträgt 3,9 Prozent. Jrn übrigen aber entspricht der Pferdebestand Hessens dem Nerchsdurchschmtt, denn sowohl im Reich, wie in Hessen kommen auf einen Quadratkilometer 8 Pferde. Die meisten Pferde hatte Berlin aufzuweisen, wo 734 Pferde auf deck Quadratkilometer kommen. Auch die freien Städte mit ihrem dazu gehörigen Gebiet weisen einen starken Pferdebestand auf. So kommen auf einen Quadratkilometer in Hamburg 51, in Bremen 30 und in Lübeck 14. Da aber in Berlin und den freien Städten andere Verhältnisse herrschen, so müssen diese auch anders behandelt und können nicht zum Vergleich mit anderen Ländern herangezogen werden. Die meisten Pferde hatte Ost- preußen mit 13, die wenigsten Sachfen-Meiningen und Schwarzburg-Rudolstadt mit 4 auf den Quadratkilometer. Fast überall im Deutschen Reiche ist eine Vermehrung des Pferdebestandes zu verzeichnen und nur einige wenige Länder weisen einen kleinen Rückgang auf. Diese Vermehrung ist um so wunderbarer, als doch durch die immer größer werdende Verbreitung der Automobile viele Pferde' überflüssig werden. Eine recht erfreuliche Vermehrung zeigen auch die Maultie re und die Esel, die dazu bestimmt sind, die Hundefuhrwerke immer mehr zu verdrängen. Hessen hatte 1907 nur 14 Maultiere, 1912 aber schon 28. Esel waren 1907 140 vorhanden, 1912 aber 224. Auch diese beiden Tiersorten haben sich im ganzen Deutschen Reiche sehr stark vermehrt, 1907 waren nur 942 Maultiere und 10 349 Gl et vorhanden, 1912 dagegen 1747 Maultiere und 11115 ©fei. Der Rindviehbestand Hessens betrug 1907 332 498 und 1912 302 584. Mithin ist eine Verminderung von 9 Prozent zu verzeichnen. Diese Verminderung ist Iei= ber fast überall eingetreten. Sie betrug im Durchschnitt im Reich 2,3 Prozent. Da auch die übrigen Schlachttiere (Schafe, Schweine, Ziegen) eine Verminderung zu verzeichnen haben, so ist das auffällig und um so merkwürdiger als der Fleischverbrauch sich doch ständig vermehrt und unsere gesamte Landwirtschaft doch einmütig bestrebt ist, so viel Fleisch zu erzeugen, daß Deutschland in Bezug auf feinen Fleischbedarf völlig unabhängig wird vom Auslande. Auf den Quadratkilometer kamen in Hessen 40 Stück Rindvieh, im Reich V7 in Berlin 190, in Hamburg 30, in Bremen 69, Lübeck 35, Schleswig-Holstein, das rindviehreichste Land Deutschlands, 57 in Meckleuburg-Strelitz, das doch einen Ochsenkopf im Wappen führt, aber nur 19. So wenig Rindvieh hat kein anderes deutsches Land aufzuweisen . Die Verminderung der Schafe geht ja schon seit Zähren mit Riesenschritten voran. Die Bedingungen für ine Schafzucht, werden eben immer ungünstiger. In Hessen zahlte man noch 1907 64 643 Schafe, 1912 aber nur noch 47 545. Sie haben sich also um 26,4 Prozent vermindert ^m ganzen Reiche betrug die Verminderung 24,9 Prozent und zwar ist sic überall ,u verzeichnen, mit einer emziqen Ausnahme, Berlin kann stolz darauf fein, als einziger Bezirk Deu lands eine Vermehrung der Schafe verzeichnen zu binnen- Auf einen Quadratkilometer tarnen in Hessen 6, im Reich 16, in Mecklenburg-Strelitz 32, in Reuß ältere Lune und Schaumburg-Lippe aber nur 2. Recht erheblich haben sich in Hesien auch d i e S ch w e i n e vermindert. 1907 wurden 384 815 gezählt, 1912 aber nur 336 124. Es ist also eine Verminderung um 12,7 Prozent eingetreten. Der Reichsdurchschnitt betrug aber nur 1,2 Prozent. Auf den Quadratkilometer kamen jedoch in .Hesien immer noch 43 Schweine, während im Reich nur 40 aut den Quadratkilometer kommen. Das schweinereichste Land Deutschlands ist Schaumburg-Lippe nut 166 Schweinen auf lern Quadratkilometer. Die wenigsten Schweine kommen m Bayern und Württemberg vor, denn da weist der Quadrat- ilometer nur 24 auf. t Auch die Ziegen, die Kühe des kleinen Mannes, haben trotz aller Bemühungen der in letzter Zett wie Pilze aus der Erde geschossenen Ziegenzuchtvereine eine Verminderung erfahren, die im Reiche 4,2 Prozent betragt. >zn Helsen hat sich diese Verminderung nicht geltend gemacht. >zm Gegenteil ist hier eine kleine Vermehrung eingetreten. 1.107 wurden 131960 und 1912 132116 Ziegen gezählt. Auf den Quadratkilometer kommen in Hessen 17 Ziegen, das ist weit über den Durchschnitt, der nur 6 im Reich beträgt. Am wenigsten Wert scheint man in Ostpreußen auf die Ziegenzucht zu legen, denn dort kommt nur eine einzige Ziege auf den Quadratkilometer, während das ziegenreichste Land Deutsch- lands, das Fürstentum Lippe-Detmold, 32 auf dem Qua- Kriegsakademie aufgenommenen Leutnant von Moltke begrüßte, als er blaß, dünn, schmal, verhungert, einem Bindfaden vergleichbar, hinter dem letzten Zuge erschien, Prinz Wilhelm von Preußen, mit den Worten: „Keine gute Akquisition!" „Lassen Eure Königliche Hoheit das gut sein. Dies bißchen Bindfaden, diese schlechte Akquisition wird eincks Tages, es kann freilich noch eine Weile dauern, aber einmal kommt es gewiß, des Königs Wilhelm I. Majestät geleiten über Königgrätz vor die Tore von Wien und über Metz und Sedan nach Versailles in das Schloß der Könige von Frank- Der König von Griechenland in Paris. Paris, 20. Sept. Aus Anlaß der Ankunft des Königs Konstantin beschäftigen sich verschiedene Blätter von neuem mit der Potsdamer Rede. Mehrfach wird daraus hin- geroiefen, bqü Tag und Stunde der Ankunft geheim gehalten worHn seien und König Konstantin den Bahnhof unbemerkt durch die Gepäckhalle verlassen habe. Der „Maki n" meint, der jüngste Trau erfüll in dem griechischen Königshause bilde keinen genügenden Grrmd für diese Es- famotage. Man habe den König nach seiner unglücklichen Potsdamer Rede der Neugierde des Publikums entziehen wollen. Gewiß, die Worte des Königs hätten in Frankreich berechtigte Unzmrieden- Ijeit hervorgerufen, aber d a s französische Volk i e i ,z u Die große Katastrophe des Dramas von 1813, das wir in diesen Monden in der Erinnerung miterleben, naht immer mehr her au und läßt auch das Problem über Schuld und Größe des tragischen Helden mehr und mehr m den Voi- herornnh treten War damals Napoleon wirklich der kranke, in seiner genialen Kraft erschöpfte Feldherr, der von fernem günstigen Stern verlassen der idmnengen Lage nicht gewachsen war Oder fand er nun, auf der Höhe seiner Strategen- kuustwie immer, ebenbürtigere Gegner, die von ihm gelernt hatten? In dieser bedeutsamen Streitfrage verdient eine gewichtige Stimme gehört zu werden, die m diesen -tagen nehmUch zu uns spricht. Die soeben im Verlage von E. S. Mittler und Sohu erschienenen Gesammelten Schriften O>-m - nera 1 feldmar 1 cha11s von Schlieffen, de- kanachbrigen Generalstabschefs der Armee und eines der be- xJJwSftpn Strategen aus der Schule Moltkes, enthalten an ScÄlS Ä«« in her großen Abhandlung über IRIS torafältig erwogene Urteile über die Kriegs,ubrung des Kaisers in diesen entscheidenden Monaten vom Augult b l um Oktober und decken seine strategischen Fehler scho- S auf Nur dadurch, baß er gegen die wichtigsten wründiäve seiner eigenen Strategie »erftieß, konnte er ge- Eaaen werden. „Glück, Znsall, fern Genius ober tme man die aeheimnisvolle Macht auch nennen will, die ihm zur - r.nnb icine Entschlossenheit und Tatkratt, aber auch a.el‘e - wenchstcn die Fehler seiner Gegner haben dem " Mann über die Eigentümlichkeiten seiner Knegs- ?^^nknweaa?h°lien Wenigstens eine Zeitlang. Nicht für mmer gmiB nicht für 1813. Endlich mußten doch ,eme immer, geroiB Grundsätze zur Geltung kommen. End- Uch mußte"°et d°chdemer7egem was er selbst als untrüglich Ms de^ligentliche Vollender der von Navoleon begrün- deten modernen Kriegskunst erscheint m der Schilderung Graf Schlieffens Moltke, und die häufigen Parallelen, die er zwi- Im Verlaufe des Frühstücks brachte Poincare folgenden Trinkspruch aus: „ „Sire! Indem ich Ew. Majestät die besten WiNkommenwunschS darbrinqe, habe ich das große Vergnügen, der edlen hellenischen Nation vor ihrem erhabenen Herrscher den Ausdruck der Gefühle Frankreichs zu erneuern. Nichts was das tapfere griechische Volk berührt, ließ Frankreich jemals gleichgültig. Es begrüßte einst nut Begeisterung die ruhmvolle Wiedergeburt der modernen Zw,Nation und verfolgte seitdem mit einer Art Familiensto Izes du raschen Fortschritte, die Griechenland seiner Vaterlandsliebe und Energie verdankt. Es beglückwünscht sich, daß es aus Bitten der hellenischen Regierung die Aufgabe habe übernehmen können, wahrend der beiden letzten Kriege über die Sicherheit ihrer Landsleute zu wachen. Es freute sich, daß es zwischen ihren Oss i z i er en und den unsrigen enge Bande der Kameradschaft habe knüpfen sehen. Es zollte dem Heldenmut und den Erfolgen der schönen Truppen Ew. Majestät Beifall. Es nahm teil an ihrer Trauer wie an ihrer Freude. Gestern noch betrauerte es mit Ew. Majestät und ganz Griechenland den grausamen Verlust des Herrschers, besten treue Freundschaft es erfahren hatte, und der mit im letzten Jahre so liebenswürdig selbst für die tätige Anteilnahme dankte, von der Frankreich ihnr wiederholte Beweise gegeben habe. Ich bitte Ew. Majestät zu glauben, daß Frankreich, dessen Gefühle iiuoeränderlich siiid, für Griechenland der loyale und sichere Freund bleibt, der es immer war. Ich erhebe mein Glas zu Ehren Ew. Majestät und trinke aus die Größe und Wohlfahrt Griechenlands." König Konstantins Antwort lautete: „Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für die Willkommwünsche, die Sie an mich gerichtet, und für die beredten Worte, in denen Sie an die Gefühle ri n v e r ä n d e r l i ch e r Freundschaft erinnert haben, welche Ihre edle Nation immer für Griechenland bekundet hat. Ich bin meinesteils glücklich, dem ersten Beainten der Nepiiblik meine lebhafte Dankbarkeit auszudrücken für die wertvolle Unterstützung, die Frankreich nicht aufhörte, dem Besreiungswerk Griechenlands zu gewähren. Von seinem Erwachen zur Unabhängigkeit bis einschließlich der ruhmreichen Kämpfe, die es soeben geliefert, in guten wie in bösen Tagen ihrer Geschichte ist die griechische Nation immer aus die Sympathie und die Unterstützung der großen französischen Nation gestoßen. Neuerdings noch hat Frankreich während zweier Kriege ritterlich, als daß es dam Oberhaupt einer befreundeten Nation, dessen Regierung alles getan habe, umdieunglucksick^n Worte vergessen zu machen, einen schlechten Empfang bereiten sollte Es wäre passender gewesen, sich auf den Tart oes s ra nzö fisch en Volkes zu verlassen,, als feine Leiden, De?"P e t'i? P arisic n" schreibt: Wir verlangen gewiß nicht, daß'unsere Leser dem König Konstantin eine Begeisterung entgegenbringen, die ihrem Herzen fern siegt, aber es gibt einen Rus, in den jeder einstimmen kann, der Ruf. „Es lebe Grie ch en land". Es heißt, daß die Mitglieder der ch a u ojitn ift:ti* scheu Patriotenliga beabsichtigt haben, g cgen ben Königs Konstantin eine Kundgebung zu veranstasieu Der Präsident dieser Liga, D e r o u l c b c, richtete an den Generalsekretär der Var-, einigimg ein längeres Telegramm, in dem er dringend vor leder feindseligen Kundgebung gegen den König Konstantin warnt' es wäre sonst zu fürchten, daß dann selbst die unzufriedmsten Offiziere und die verständigsten Staatsmänner Griechenlands sich notgedrungen um das Königspaar fdxiren, roeim Pariser Patrioten Miene macksten, den Schützling Kager Wilhelms aus-« zuzischen-r. Sept. Ter König von Griechenland crnpfiug heute vormittag den Minister des Aeußern. P i ch o n Tie Unterredung dauerte etwa 40 Minuten. Hierauf frühstückte der König im Elysöe, wo ihm militärische Ehren erwiesen und die Königshymne gespielt murde. Ter König überreichte dem Präsidenten Poincare das Groykrcuz des Erlöserordens. An dem Frühstück nahmen der Ministerpräsident, der Minister des Aeußern, der Kriegsminister und General Eydoux teil. Hr. 222 Erstes Blatt <63. Jahrgang Montag, 22. September 1915 Der Siebener Anzeiger MlüßF Ä — monatlich?» Vf., viertel- erscheint täglich, außer JgasMBr ▼ fW W _ Jk A jährlich Mt. 2.20; durch A-M A'M Hl »SK: |> eZ|> ||r /| i|n*in*dJ« Rofatiottsftrud und Verlag der vrühllchen Univ.-Vuch. und Sleindruckerei 11. ränge. Nedaktion, Srpeöitidn und Druckerei! Schulstrahe 7. L°nd": E b°b! !ür d°» L S-schaft-stell- vüdingen, vahnhasstratze lb-.__aUiCI9enlclL der Generalstab«, er war nicht Befehlshaber, er war nur!einc Methode, ein Mittel, eine Aushilfe, sondern viele." Ratgeber, er hat nie im Felde den Degen gezogen oder ben |** """ "" A " ,n Stab, das Zeichen der höchsten Kornmanbowürde, in der Hand gehalten. Er war ein Mann der Karte, des Zirkels, der Feder ... Es fehlte ja dem greisen Gelehrten das die Phantasie Packende, bas Legcnbenhafte, welches bic kriegerische Laufbahn bes jugenblichen Korsen auszeichnet, so bie Brücke von Lobi, bie Fahnen von Arcole, berUebergang über bie Alpen, bie Pyramiben als Hintergrunb eines Schlachtbilbes, aber es fehlten ihm auch bas Flammenmeer von Moskau,, bie Schrecken ber Beresina, bie Flucht von Leipzig, ber Zusammenbruch von Waterloo." Die Nachwelt hat sich barüber gestritten, ob er Napoleon erreicht, ihn übertroffen oder hinter ihm zurückgeblieben sei. „Freilich, er kann sich nicht rühmen, 19 Jahre lang eine militärische Promenabe burch Europa gemacht zu haben, aber er hat es zustanbegebracht, innerhalb sechs Wochen brei stolze Armeen einzuschließen. Seine Siege finb nicht so zahlreich wie biejenigen, welche mit 1796 anfangen unb mit 1815 abschließen, an Glanz aber übertreffen sie alle anberen, benn er siegte nicht, er vernichtete". Schisser beobachteten gestern wie cm nur mit Hemd und groHmütig die Mission übernommen, über die Sicherbeit meiner Landsleute zu wachen. In dem Augenblick, wo sich schwere fragen erhoben, welche die Lebensinterefsen Griechenlands berührten, war es Frankreich, daS, immer bereit, die Sache der Gerechtigkeit und Freiheit -u unterstützen, die Initatioe ergriff, nm die Rechte meines Volkes zu verteidigen. Tank der unerinnd- lichen Sorge meines verewigten Vaters, deffen GedächniS Sie in Worten erwähnten, die mich tief gerührt hoben, ist Griechenland ungeachtet fo vieler Schnürigkeiten aus dem Weae dcS Fortschritts und der Gesitliing weitergegangen. Im Bewußtsein seiner Kräfte und seiner Recht.- hat es sich vorbereitet fnr den Kampf, aus dem es größer und geachteter hervorgegangen tfl. Und in dieser letzten Vorbereitung hat e5 noch einmal die Lilie Frankreichs genießen dürfen. Tie Regierung der Republik hatte die Freundlichkeit, Griechenland eine ]»< hervorragenden Offizieren aller Waffen zufam- n en gesetzte Mission zu bewilligen, die unter Leitung deS Generals Eydoux mit Sachverständnis, Arbeitseifer und hinreißender Legeisterung an ihre Ausgabe gegangen und der in ei ne H Schichtung zu bezeugen mir ganz besonders angenehm ist. Ich bitte Sie, Herr Präsident, zu glauben, daß ich die Gefühle tätiger Anteilnahme, von der Frankreich Griechenland so viele Beweise gegeben hat, hock einschätze und größten Wert lege auf die (hrholtimg und Entwicklung der Bande traditioneller Freundschaft, welche beide Länder einigen. Ich erhebe mein GlaS zu Ehren des Herrn Präsidenten der Republik und Frau Voincark- und trinke auf die Wohlsahrt und den Ruhm Frankreichs." Beide Trinksprüche wurden stehend angehört. Nach dem Trinkspruch des Präsidenten spielte die Musik die griechische Königshymne. Nach dem Trinkspruch des Königs die Marseillaise. Kreis Friedberg. r Bad-Na nheini, 21. Sept. In Gegenwart ber Vertreter der Großh. Bade- und Kurvertvaltung, der Stadt, deS gesamten RerztevereinS und einer großen Menge Verehrer dcS verewigten ersten Badearztes von Nauheim, Dr. Friedrich Bode, wurde heute mittag dessen Denkmal ini hiesigen Kurpark enthüllt. Die Feier wurde durch das Bläser- Toppelquartett der Kurkapelle unter Leitung von Professor Win der st ein mit dem Mozart'schcn „Ave verum* eingeleitet. Die Gedächtnisrede hielt der Vorsitzende deS Aerzte- verdnC, SanitätSrat Dr. Baur. Ein Enkel Dr. BodeS, Prm. Dr. Kna tz-Kassel, dankte im Namen der Familienmitglieder für die Ehrung ihres Vorfahren und namentlich dem Aerzteverein und dessen Vorsitzendem für die Aufbringung der Kosten und der mühevollen Arbeit der Vorbereitungen. Kurdirektor v. Franken berg übernahm daSDenkmal für feine Verwaltung und versprach, es treu zu hüten. DaS Denkmal besteht in einem riesigen Findling aus der Gletscherzeit, in dem ein Bronze-BildniS Bodes eingelassen ist. Die Inschrift lautet: „Dr. Friedrich Bode, Geheimer Medizinalrat 30. 11. 1811—29. 12. 1899. Dem Andenken an den ersten Badearzt und Ehrenbürger Bad-NauheimS". Nach der Enthüllung dcS Denkmals wurden zahlreiche Kränze und Blumen« spenden niedergelegt. Das Bildnis stammt vom Bildhauer Georg Wagner, Buchschlag. Die Kosten dcS Denkmals belaufen sich auf etwa 2000 Mark. Sein Standplatz be- findet sich neben einem Stück Alt-Nauheim, dem Waitzeschen Turm, dicht an unserem Sprudelhof, wo die neuen Badehäuser stehen. △ WcckcSheim, 21. Sept. Das Fest der goldenen Hochzeit konnte gestern der Gastwirt Georg Konrad Lindt mit seiner Ehefrau Margaretha in körperlicher und geistiger Frische begehen. Starkenburg und Rheinhessen. Der zn'etzensverttag von Konstantinopel. Die Iungtürkcn feiern gegenwärtig sozusagen den Abschluß des neuen Friedensvertrages als ihr Werk. Der Jahresbericht des Generalsekretärs urdelt das Wassenftul- standsprotokoll von Tschataldscha, welches die Berproviantie- run/g Adrianapels verboten habe, und legt dar, daß die Türkei, indem sie den Konflikt zwisctien den Verbündeten benutzte, zu einem vorteilhaften Friedensschluss gelangt sei. Der Bericht zählt die Reformen auf, die die Partei für Einheit und Fortschritt anstreben will, darunter namentlich die Vergrösserung der Flotte, und schliesst mit der Ankündigung, daß sich das Komitee in eine politische Partei umbilden werde. K o n ft a n t i n o p e l, 21. Sept. Die technischen Berater bCjt türkisch bulgarischen Delegierten arbeiteten den ganzen Tag an der Prüfung der weniger wichtigen Fragen und an der endgültigen Redaktion des Textes des'Vertrages, der 13 oder 1 l Artikel umfassen wird. Uebcr mehrere Artikel wurde ein Einvernehmen erzielt. Der türkisch-bulgarische Friedensvertrag beginnt mit den Worten: „Beide Souveräne in dein Wunsche, auf fester, dauernder Unterlage den Frieden herzuftellen" usw. In der Einleitung wird .nicht, wie im Londoner Verträge von ewiger Freundschaft gesprochen. Artikel 1 setzt die bekannten Grenzen fest. Artikel 2 erörtert die Nationalitätenfrage. Hiernach wird den Bewohnern der den Bulgaren verbleibenden Gebiete eine Frist von vier Jahren gewährt, nach deren Ablauf sie entweder auswandern oder die bulgarische Nationalum nunc Innen können. Während dieser Fahre weiden die Muselmanen nicht zum Militärdienst herangezogen werden. Artikel 3 behandelt die Rechte der Muselmanen und ihrer Gemeinden. Die Muselmanen sollen dieselben politischen Rechte genießen wie die christlichen Bulgaren. Nach Artikel 4 werden die Kaufgüter von den muselmanischen Ge- meinben verwaltet Zn A i < r allac senstillstand festgestellt. Nach Artikel 6 findet die Räumung der den Bulgaren verbleibenden Gebiete in zwei Monaten statt. Artikel 7 enthält die Bestimmungen über den Austausch der Gesänge n e n. Ein anderer Artikel spricht aus, dass der Friede von London in Kraft bleibt, soweit er nicht durch den gegenwärtigen Vertrag uv^eändert erscheint. Der Vertrag tritt vom Datum der Unterzeichnung in Kraft. Die Forderung der Bulgaren, einen besonderen Artikel über die Errichtung und Instandhaltung von Denkmälern aus den Schlachtfeldern in den Vertrag aufzunehmen, wurde fallen gelassen. Dem Vertrage sind mehrere äusatzprotokolle an gesügt, in denen die einzelnen Artikel erläutert oder sekundäre Angelegenheiten geregelt werden. Ein Protokoll betrifft die Bezahlung für Requisitionen seitens Bulgariens während der Okkupation. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Aochenrundsctmu: Die Frieden sversicherung auf dem Balkan beit in der abgelaufenen Woche einen neuen wesentlichen Fortschritt gemacht. Der endgültig Friedensvertrag zwischen der Türkei und Bulgarien ist zwar zur Stunde noch nicht unterschrieben, die Beendigung des Kviegszustan- des aber durcb daS am 18 September unterzerchnete Protokoll über die Ergebnisse der Konstantinopler Ber- l>andlungen schon besiegelt. Darin ist die neue Grenze der Türkei, bis auf die der topographischen Aufnahme vorbehaltenen Einzelheiten, politisch festgelegt. Auch für an- dere in Konstantinopel behandelte Streitpunkte, besonders für die Regelung der Nationalitätenfrage ist eine grundsätzliche Lösung ausgestellt —Die hier wiederholt aus gedrückte Hoffnung auf eine Beilegung des türkisch-bulga^ rifchcn Zwistes durch unmittelbare P e r h a n d l u n - rren beider Staaten hat sich erfüllt. Beim Abschluß des Friedens scheint man in Sofia wie in Konstantinopel den Wunsch zu hegen, dass die t ü r ki s ch -b u l g a r i f ch e n Be - z i e h u n g c n fernerhin auf eine sichere Grundlage gestellt werden. Die bulgarisch-griechischen Gegensätze. Sofia, 21. Sept. Nach einem Telegramm des Unter- Präfekten von Nevrokov sind bulgarische Flüchtlinge aus den Gebieten von Serres und Demirhissar, die in ihr Land zu rückkehren wollten, von den Griechen zurückgeschickt worden Es wurde ihnen nicht gestattet, die Grenze zu überschreiten. Gegenüber ber Meldung auswärtiger Blätter, daß die Stadt Melnik zerstört sei, wird nunmehr amtlich scstge stellt, dass in Melnik nur drei Häuser, welche Bulqaren ge hörten, sowie das Postgebäude und die Kaserne cingeäschert u'urden. Hingegen zerstörten die Griechen S t r u m i tz a vollständig, Petritsch zur Hälfte. Gegenüber der Darstellung, nach der der bulqarischc Kaufmann Spiro Surudschiew im Spital von Saloniki an Dhoiera gestorben sei, hält die Agence Bulgare die Behaup tung ausrecht, daß Surudfchiew bei Vvlo durch Stein- würfe verletzt, in bewusstlosem Zustande nach Saloniki transportiert und in die borkigen (Sbolerabaradcn gebracht worden ist, um die Spuren des an ihm begangenen Berlin chenS zu verwischen Dieser Fall kennzeichne da.- Borqcden her griechischen Behörden. Daß d,csc. Boraehen auf die fufh mansche Ausrottung der bulgarischen Elemente abziele, be weise auch der Umstand, daß 2500 P u lg arenau s d e m Bezirke Florina auf öden Inseln des Äegäischcn McereS einem s i ch c re n H u n g e r l o d c cnigegcnsähcn hat das LberlandeSgerichr ohne Rechtsirrtum bejaht. Es bat auSgemhrt, daß nach den Zeugenaussagen dem Kläger die Vorstellung fremd gewesen sei. Dar er beim Umbau seines ,VQuic<; Aba oben an die Stadt entrichren müne; er dabe kerne Kenntnis gehabt, daß die Stabt die Erteilung ber Bauerlaubnis verhindern konnte, wenn er nicht auf ihre Bedingungen an ging. Der Irrtum habe auch wesentliche Eigenschaften betroffen. Die bauliche Ausnutzung be« Grundstücks habe non der Zahlung eines gant außerordentlich hoben, mehr als ein Fünftel des Äaufpreifc« auS- macbenben Beitrags zu den Straßen- und Kanalbaukosten abhängig gemacht oder auch ganz untersagt werben können. Wenn ber Kläger währenb ber Kaufverhandlungen bu schließlich vereinbarten 110 ODO Mark alS aus ent es Gebot genannt habe, so sei dieS au- ber Erwägung heraus geschehen, baß er sonst nach dem Umbau für seine Verhältnisse zu teuer wohnen werde Es sei daher anzunehmen, daß er den Kaufvertrag bei Kenntnis ber Belastungen verständiger- weise nicht geschloffen haben würbe. Diese Ausführungen beS Oberlanbesgerichts verstoßen nirgends gegen bas iHeiep. ES ist für bie Annahme eines Irrtums des Klägers binreicbcnb, wenn er bie Belastungen nicht gekannt bat, ohne sich dessen bewußt zu fein. Das mangelnde Bewußtsein Der NichttcunrniS ist baimreb sestgcstcUt, baß für cnviesen erachtet ist, ber Klager würde DaS Grundstück bei Kenntnis ber Belastungen nicht gekauft Haben. Damit ist bem Begriff deS Irrtums Genüge geschehen Kommt nun, wie Hier, hinzu, daß der Irrtum eine verkebrsweienNiche Eigenschaft betrifit, und baß der Käufer bei Kenntnis Der Sachlage und bei verständiger Würdigung des Falles nicht abgeschlossen haben würde, so sind bie Voraussetzungen des $ 119 BGB erfüllt. Ter Kläger Hatte bas Grundstück in der Absicht gekauft, das WobnbauS alsbald umbauen zu lassen. Er glaubte, durch bloße Aunveubuug des Kaufpreises das Recht Hierzu zu erwerben. Ob er da-> dec-halb annahm, weil er der Meinung war, die Straßenbau kosten vm xx scholl^ von einem Vorbentzer bezahlt, ober weil er Dir Benign S ber Städte, die Anlieger zu den Kosten des Straßenbaues heran- zuzieben, nicht kannte, ist gleichgültig. In beiden Fällen bat sich sein Irrtum auf die Belastung des Grundstücks mit den Beitragen bezogen. • •• Audienz. Der Großherzog empfing am Samstag den Hauptmann v. FolleniuS vom k. u. k. österr. FeftungS- Artillerie-Bataillon Nr. 5 in Krakau, den Hauptntann im Schwedischen Gen oral stabe Falkman, den Cbericutnant o. Wachter vom Leibgarbe-Jnfanterie-Negiment (1. Großh. Hess.) Nr. 115, den AintSgerichtSrat Wetdig, den Dr. Karl Merck, den Professor Albin Müller, den RegierungSbaumeisker Röhrich; zmn Vortrag: den Staatsminister Dr. v. Ewald, den Vorstand dcS Kabinetts Geh. Rat Röniheld. "Radium-Experimental- Vortrag. Im kleinen Saal von Steins Garten hielt der Dresdener Physiker Herrn. Scheffler einen sehr gut besuchten Vortrag über Radium, mit dem er die Zuhörer nahezu zwei Stunden lang zu fesseln verstand. Er besprach zimächst die Gcwiiinung deS Radiums und seine chemischen, physikalischen und physiologischen Wirk- ungen, erläuterte die verschiedenen Strahlcnartcn, baS Rabium- ga8 imb bie Umroanblung ber Elemente. Nachbem er noch ben Atomzerfall und bie Elektroncntheorie erörtert hatte, ging er zu seinen Experimenten über, bie außerorbcntlich interessant unb unterhaltend waren. Er zeigte die elektrischen Erscheinungen der Luft unter bem Einfluß bc8 Radiums, photographierte mit Radium, indem er die Platte mit verschiedenen metallischen Gegenständen belegte und durch einen Deckel hindurch belichtete, so baß nach ber Entwickelung ein klares Bild zu Tage trat. Sehr interessant war das Aufteuchten echter Diamanten im Dunkeln, sobald ihnen Radium genähert wurde. Auch bie übrigen Experimente, bie sehr lehrreich waren, würben mit grossem Beifall ausgenommen. "Stabtverorbneten-Sißunq. Geheimrat Sommer bittet unS in feiner Eigenschaft als Stabtocrorbneier lestzufiellen, daß ber Bericht über feine Aeußeruugen in der Versammlung vom 18. September in Bezug ans bie Anlage vor her Universität mehrfache Unrichtigkeiten enthalte. Ter gefaßte Beschluß, roonoct) die Stadt die £>älfte der Kosten für bie Verbesserung bet Anlage übernimmt, entsprach seinem Antrag. Kreis Büdingen. Q Blofeld, 20. Sept. Bei der heute vorgenommencn Ergänzungswahl der Gemeinderatsmitglieber würben wieder« gewählt: KarlSchäfer, GeorgKoburger und H e i n r. Nohl 7., neugcwählt Karl Nicolay 4. Die Wahl verlief ziemlich lebhaft. Kreis Schotten. R Groß-Eichen, 21. Sept. Am 1. Oktober wird Lehrer Hallstein unseren Ort verlassen, um eine ihm übertragene Lehrerstelle an der Gemeindeschule in Lich zu über- nchnien. Ungern sieht man ihn von hier scheiden, zumal er als Dirigent imsereS Gesangvereins recht gutes geleistet hat; vor zwei Monaten gründete er hier einen Turnverein. Tie besten Wünsche begleiten ihn nach seinem ferneren Wirkungskreise. Straßenhaukosten den Käufer zur Anfechtung d e S Kaufs b c re ch t i g t. Denn die Belastung ober 'J?i*tbciafhmg wird im Verkehr als wesentliche Eigensckxift eines Wrunb- ltücks angesehen. Es handelte sich bei dem Streitfall um folgen- des: Der Kaufmann H kaufte im Mai 1909 von ber Firma o. u. Go. in Düsseldorf ein dieser gehöriges Wohnhaus- gninbftucf, daS er schon seit längeren Fahren als Mieter inne batte, für 110 000 Ml. Als H halb darauf Pläne zum Ihn- unb Ausbau deS Lautes in Auftrag gab. erfuhr er, daß im Falle der AuSnidrung bitier Pläne runb 23 500 Mk an Straßenbau- koltenbeitrogen unb Kanalkosien zu zahlen feien. ES würbe bann aiid) die polizeiliche Bauerlaubms von ber vorherigen Zahlung nf-uart,t Tcr Mauser . *to9cr in dcm geiedl.chen relevanten Irrtum befand/abenb bei HeideSheim, Serbien und Albanien. Belgrad, 21. Sept. Die Regierung ermächtigte ihre Vertreter im Auslande, die Regierung, bei der sie beglaubigt find, auf die Gefahr binzuweisen, der bie Grenze gegen Albanien, p>clches noch ohne die elementarst.' Organisation ist, und wo vollchärrdige Anarchie herrscht, ausgesetzt ist, falls nicht in allerllirzefter Zeit die Ordnung und Sicherheit wiederhergestellt wird. Die serbische Regie > rung hat die Ueberzeugung gewonnen, daß die Albaner in den an Serbien grenzenden Gebieten die Bevölkerung bewaffnen und einen Angriff auf unser Gebiet vorbereiten. Außerdem überschreiten die Albaner die Grenze, um die serbischen Mbanesen aufzureizen, ihnen Waffen zu geben und sie gegen die serbischen Behörden und die serbische Armee aufzuwiegeln. Da die Versuche von albanefischer Seite ich täglich immer zahlreicher wiederholen, hat die serbische Regierung die notwendigen Schritte unternommen, um den Frieden in diesem Teil Serbiens zu sichern und gleichzeitig erklärt, daß sie energische Maßregeln zur Verteidi gung ihres Gebietes ergreife. Hiernach kann niemand überrascht sein, wenn sich Serbien im Zustand berechtigter Verteidigung befindet. Sobald den Albanern der Gedanke kommt, Angriffsversuche in den serbischen Gebieten zu machen, dann wird Serbien, obwohl es seinen guten Willen zeigte und den Wünschen der Großmächte zuvorkommend, eine Truppen vom albanischen Boden zurückzog, sich gezwungen sehen, die wichtigsten strategischen Punkte auf albanischem Gebiet, wenn auch nur provisorisch wieder zubesetzen. 1 Dcuffcbcs Reich. Eine Auszeichnung für den Reichskanzler. Der König von Rumänien hat dem Reichskanzler das Großkreuz des Ordens Karls I. verliehen, wie aus folgender Mitteilung des „Reichs- und Staatsauzeigers" hervorgeht: „Se. Maj. der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht: dem Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Dr. v. Bethmann Hollweg, die Erlaubnis zur Anlegung des von Seiner Majestät dem König von Rumänien ihm verliehenen Großkreuzes desOrdens Karls I. zu erteilen." Keine Erhöhung der Zivilliste des Groß- Herzogs von Baden. Die „Karlsruher Zeitung" schreibt: Aus der in Hechingen erscheinenden Zeitung „Dor Zolles ist in mehrere Blätter die Nachricht übergegangen, daß in badischen Hof- greisen die Absicht bestehe, vom Landtag eine Erhöhung der Zivilliste ru verlangen. Von zuständiger Seite erfahren wir, daß eine derartige Forderung an den ßanbtag in keiner Weise beabsichtigt ist. Die Betriebseinnahmen > c r preußisch-hessischen Staatseisenbahnen haben im Monat August gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 5,7 Millionen Mark, gleich 8,26 Prozent, im Güterverkehr 1,1 Millionen Mark, gleich 0,78 Prozent, insgesamt mit Einschluß der Mehreinnahmen ans sonstigen Quellen 7 Millionen Mark, gleich 3,20 Prozent, mehr betragen. Auch die Betriebsausgaben hatten eine sehr erhebliche Steigerung. Zum Fall Schleinitz erklärt der Abg. Erzberger gegenüber der Mitteilung der Täglichen Rundschau, daß man im Reichskoloniatamt zum Oberstleutnant der Schutztruppe Frhru. v. Schleinitz gesagt habe, er müsse gehen, da man vor dem Zentrum Ruhe haben wolle, diese Behauptung für eine glatte Erfindung. Der Kobonial^taatssekretär Solf habe eine solche Aeußerung nie getan. — Dazu bemerkt ein Berliner Blatt ganz richtig: Jeder, der diese Erzbergerfche Ableugnung iest, wird im ersten Augenblick über ihre Mhnheit verblüfft ein. Es handelt sich doch hier um eine Unterredung, welche allein zwischen dem Staatssekretär Dr. Solf und Frei- )crrn v. Schleinitz stattgefunden hat. Uebcr den Inhalt der Unterredung können dal>er naturgemäß nur entweder der Staatssekretär oder der Schutz truppe nkommandenr verläßliche Angaben machen. Sollte vielleicht Herr Erzberger ein so intimer Busenfreund des Staatssekretärs sein, dass der letztere ihm den Inhalt der vertraulichen Gespräche zugänglich macht? Auslanv. Die wirtschaft!. Erschließung der Republik Columbia. Wie „Standard" mitteilt, hat Lord Murray für die Firma Pearson & Sohn nach einem scharfen Kon- turrenzkampfe mit amerikanischen und europäischen Firmen einen Kontrakt von vierzigjähriger Dauer zwecks der wirtschaftlichen Erschließuna der Republik Columbia abgeschlossen. Der Kontrakt enthält die Konzessionen zum Bau von Eisenbahnen, Hafenanlagen, Kanälen, Telegraphen- und Telephonleitungen sowie zur Erforschung und Ausbeutung von Petrolcumqucllen. Aus Stadt unfc Land. Gießen, 22. September 1913. Anfechtung eines Grundftückslaufs wegen Frrtnms über die Freiheit von Stratzenbaukoften. Wenn jemand bei Abgabe einer Willenserklärung über deren Inhalt im Irrtum war, so kann er nach $ 119 des Bürger liehen Gesetzbuchs die ErNärnng an fechten. Als Irrtum über ben Inhalt ber Erklärung gilt auch der Irrtum über solche Eigenschaften einer Sache, bie im Verkehr als ro e f e n t - l i d) angesehen werden. In einer unlängst ergangenen Entscheidung hat das Reichsgericht anerkannt, baß ber Irrtum über bjc vermeintliche Freiheit eines Grunbstücks von । ii i t liefert in jeder gewünschte* Bmcks* aller Arl xsss Hierdurch benachrichtige ich Freunde und Bekannte von dem am 21. September erfolgten Ableben des Sem Julius Herdt, Maler c in Saarbrücken. Christian Herdt. Leverkusen, 22. September 1913. 6190 schwarzen Strümpfen bekleidetes Mädchen sich in den Rhein stürzte. Die Rettungsversuche blieben erfolglos. Es war, wie fcstgestellt wurde, die 16jährige BäckcrmeisterS- tochter Gertrude Reitz auS HeideS he im, die in der letzten Zeit schwermütig war und öfter? Selbstmordgedanken geäußert hatte. Hessen-Nassau. [] Ma.rburg, 21. Sept. Am Freitag geriet an der abschüssigen Hofstaat ein Malerlehrling unter seinen mit Gerüslstangen beladenen Wagen und erlitt solche Verletzungen, daß ihn die Sanitätskolonne in die Klinik bringen mußte. Der Wagen kam erst in der Unter- gassc, wo er eine Mauer einstieß, zum Halten. — Bei Wolfshausen überschlug sich am gleichen Tage ein Automobil iknd ging dabei in Trümmer. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. w Frankfurt a. M., 20.Sept. Seit Donnerstag wird der 19 Jahre alte Sohn des Kainmerherrn und Hofchefs der Landgräfin von Hessen, Freiherrn v. Bothmcr, vermißt. Der junge Mann war auf der Durchreise von Hamburg nach Würzburg hier in einem Hotel abgestiegcn, wo er sich als Herr v. Bothmer aus Wien eintrng. Am Donnerstag ist er, ohne überhaupt seine hier wohnenden Eltern besucht zu haben, vom Hauptbahnhof abgefahren, und man vermutet, daß er nach Frankreich gereist ist, um sich dort für die Fremdenlegion anwerben zu lassen, da er sich verschiedentlich in diesem Sinne geäußert hatte. li Fulda, 21. Sept. Die spinale Kinderlähuung ist seit einigen Tagen vom Keise Hünfeld, wo sie schon länger auftritt, auch nach hier gekommen. Sie wurde bereits in vier Fällen festgestellt. verband der Vauvereine im Grohherzogtum Hessen. Vilbel, 21. Sept. Die gemeinnützigen Bauvereinc des Großherzogtums traten heute unter der Leitung des Landcswohnungsinspektors G r c tz - schel (Darmstadt) hier zu ihrem diesjährigen Verbandstage zusammen. Von den Staats- und Kommunalbchördeu waren vertreten das Kreisamt Friedberg durch Reg.-Assessor Grebel, das Kreisamt Alsfeld durch Rcg.-Ass. B l u m c r s , die Landesversicherungsanstalt durch Amtmann Bechtel und Kassierer Stier (Darmstadt), die Stadt Vilbel durch Beigeordneten Her- g e t und das Frankfurter Soziale Museum durch Gerichlsassessor Birk en stock (Frankfurt). Vor Eintritt in die Verhandlungen widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Bürgermeister Fre- noy einen herzlichen Nachruf. Nach den üblid)cn Begrüßungen erstattete Inspektor Gretzschel den Jahres- und Geschäftsbericht: Im Jahre 1912 lag im ganzen Lande die Bautätigkeit arg darnieder. Infolgedessen konnte auch dem Woh nungsbcdarf nicht genügend entsprochen werden. Es entstanden zwar 3000 neue Wohnungen, durch den Bevölkerungszuwachs entstand aber eine Nachfrage nach 3700 Wohnungen. Während an Wohnungen unter 4 Zimmern großer Mangel ist, herrscht an solchen von mehr als 4 Zimmern Ucberfluß. Unter diesen Schwierigkeiten litt die Tätigkeit der Bauvereine nicht. Diese erbauten 52 Häuser im Werte von 420 000 Mk. und erhöhten damit die Gesamtzahl der von ihnen errichteten Häuser auf 785 mit 1612 Wohnungen im Werte von 8 250 000 Mark. Durchschnittlich schütteten die Vereine 3,5 Prozent Dividende aus, doch hielt der Vorsitzende es für wünschenswert, auf 4 Prozent zu gehen. Ende 1912 betrug der Reservefonds 122 000 Mark, der Hilfsreservefonds 250 000 Mark; die Höhe der Kapitalien bezifferte sich auf 2 380 000 Mark. Der Auflösung verfielen die Bauvereine von Roßdorf, Homberg a. d. O. und Fürth i. O.; neue entstanden in Worms, Gustavsburg, Bischofsheim und Offenbach. Insgesamt sind dem Verbände 31 Genossenschaften angeschlossen. — Bei der Besprechung des Berichts wies Direktor Doering (Gießen) auf die Einziehung der Wertzuwachssteuer bei der Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins Gießen und der Baugesellschaft von Nidda hin. Herr Metzger (Butzbach) gab bekannt, daß man in Butzbach und Schlitz Reichsstempelgebühren bezahlte und eine dagegen eingelegte Berufung vom Gießener Landgericht abschläalich beschie- ben sei. — Der vom Direktor Doering erstattete Kassenbericht weist in Einnahmen 538,78 Mk. und in Ausgaben 473,73 Mk. auf Der Berbandsbeitrag wurde von 10 auf 15 Mk. erhöht. Die Vorstandslvahl brachte die Wiederwahl der Herren Gretzschel und Doering; neu trat Landtagsabgeordneter Wiegand (Heppenheim) in den Vorstand ein. 3m Anschluß an die geschäftlichen Erörterungen fanden Vorträge statt. Oberlehrer Geck (Vilbel) sprach über „Die Bilbeler gemeinnützige Baugenossenschaft", Landtagsabgeordnetar Wiegand (Heppenheim), über „die Bürgschaft der Gemeinden". Das in Aussicht genommene Referat von Direktor D o e r r n g (GieArtt über Die Kalkulation der Kausprcnc und Mieten in den Ge- nossenschaftshäusern" fiel aus, es sott aber im Druck erscheinen. Den Referaten folgten rege Besprechungen, an denen sich zahlreiche Herren beteiligten. Von der Gründung einer Zentralver- bandskasfe nahm man wegen der gewannten finanziellen Lage Abstand Zum Ort der nachMahrigen Versammlung wurde Gustavsburg besttmmt. - Aach einem gemeinsamen Mittagsmahl fand eine Besichtigung der Genossenscha,tshau,er und des Sprudels statt. , veretnsnachrlchtm. ** Der evanq. Arbeiterverein hielt am Samstag Abend #inc VereinSversammlung ab, die sich in der Hauptsache mit der deutschen Dolksversicherung beschäftigte. Nach einer kurzen Erläuterung deS Zwecks und der Einrichtungen durch den Vorsitzenden des Vereins Obewibliathelar Dr. Heuser wurde besch affen, d.e DattS- Versicherung auch im hiesigen cvang. Arbeiterverein emzufuhren Zur Erledigung der Vorarbeiten wurde eme Komisfion von Vertrauensmännern gebildet die sich auch an der Ag'tationbete.ligen soll. Weiter wurde be- schloffen das Vertraucnsmännersystem auch für die sonstige DereniStatig- keit einzuführen. Einer Anregung d-S Vorsitzenden zustlge sollen ,m Winterprogramm u. a. auch Vorträge über Gartenbau, Säuglingspflege etc vorgesehen werden. — Luftschisfahrt. Neue Versuche Pegouds. Npi-kailles, 21. Sept. Der Flieger Pegoud setzte seine Flu an ersuche auf dem Flugplatz Bue fort und warf bei einem Fluge den Apparat so herum, daß die Flügel vierzig Sekunden lang fast senkrecht standen. Frankfurt a. M., 20. Sept. Auf dem Frankfurter ö'Iug' platz am Rebstock wurde am Freirag der erste Flug um einen Preis aus der Nationalflugspende unternommen. Der Flieger Albrecht Schäfer stieg um 5 Uhr nachmittags mit einem selbst konstruierten Pfeil-Eindecker zu einem Stundenflug auf und lan bete nach einer «Stunde und 3 Minuten. Er gewann damit 1000 Mark aus der Nationalflugspende. Das neue M a r i u e l u s ts ch i s I. Berlin, 20. Sept. Das Marine luftschiff ,8. II." ist heute nachniittag um 47, Uhr nach erfolgreicher Fahrt in Johannisthal gelandet und auf Grund der Probefahrtergebniffe von der Ab- uahinekomniission in den Besitz der Marine übernommen worden. Das Wasserflugzeug Dahns. Köln, 20. Sept. Ingenieur Dahn, der heute früh nut einem Wasserflugzeug in Friedrichshafen ausgestiegen mar, ist um 7 Uhr 30 abends mit seinem Passagier hier gelandet, xie Schwimmer des Apparates sind leicht beschädigt. Er beabsichtigt, morgen mittag nach Kiel weiter zu fliegen. Ein Rundflug um London. London, 20. Sept. An dem Rundflug um London um den Becher der „Daily Mail", dem sogenannten Luft-Derby, das sich über 153 Kilometer erstreckt, beteiligten sich dreizehn Flieger, darunter zwei Franzosen. Sieger wurde berj: n g- 1 ische Flieger Hamel mit einer Flugzeit von 1 stunde 15 Minuten 49 Sekunden. Auch der zweite, dritte und vierte Preis siel an englische Flieger. Die Vernehmungen der Lehrers Wagner ergeben immer ein weiteres Bild davon, mit welch klarer Ueberlegung der Massenmörder zu Werk ging. Nach dem Mord in Degerloch entfernte er sich, mit dem Mordwerkzeug in einem Handkoffer, das Fahrrad neben sich herschicbend, von zu Hause. Das Rad ließ er als Passagiergut nach Ludwigsburg befördern, während er den Koffer mit dem Werkzeug in dem Eisenbahnwagen mitnahm. Nach seinem Besuch in Eglosheim fuhr er mit der Bahn nach Bietigheim, wo er, ohne eine Spur von Aufregung zu zeigen, mit einem Kollegen zusammenkam. An dem Rad ließ er sich noch die Rücktrittsbremse in Ordnung bringen. Alsdann fuhr er nach Gtoß- sachsenheim und von dort nach Untermberg und Bissingen, um den dortigen Bahnübergang zu besichtigen, denn, so sagte er: „Ich hatte doch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß ich auf meiner Fahrt von Mühlhausen nach Eglosheim verfolgt werde, und mußte deshalb die Enzübergänge genau kennen/ Tann ging der Weg wieder zurück nach Großsachsenheim über Berkheim, Vaihingen Staatsbahnhof, Kleinglattbach, Illingen bis auf den Uebergnng von Mühlhausen. Dort ging er vom Rad, um sich für die Ausführung der Tat vorzubereiten. Währenddessen kam ein Mann vorbei, der ihn etwas fragte. Er gab ihm zur Antwort, das Rad gehöre ihm, er solle seiner Wege gehen. „Wenn er," so sagte er, „mich l ä n g e r b e l ä st i g t h ä t t e, h ä t ,t e i ch i h n e r s ch i e s; e n müssen." Er ließ Rad und Rucksack liegen und machte sich an die Telephonleitung. „Aber", so sagte er wörtlich, „ich hatte meine Kräfte überschätzt; mit Klettern kam ich nicht hinauf und mit dem Bohren und mit dem Einschlagen der Kloben hatte ich zu viel Zeit verbracht. Da mir nun das Durchfeilen der Leitung mißlungen war, konnte Mühlhausen Vaihingen um Hilfe ersuchen und damit war mir auch der Rückweg über Illingen abgeschnitten, da von daher die Vat- hinger Feuerwehr kommen mußte. Deshalb mußte ich so rasch als möglich hinein in den Ort und meinen Plan ausführen, wenn ich zur rechten Zeit nach Eglosheim kommen wollte." In welch raffinierter Weise Wagner den ganzen Plan erdacht hatte, geht auch daraus hervor, daß er vor etwa einem Jahre aus dem Degerlocher Schießplatz se ine Pistolen erprobt hatte. Dabei hatte er gefunden, daß die Feder, die die Patronen von unten her in den Lauf einfährt, dem Einschieben des Ladestreifens Widerstand entgegensetzte. Er kam daher auf den Gedanken, aus den einzelnen Ladestreifen die zehnte Patrone zu entfernen und nur neun darin zu lassen, weil so das Laden schneller vor sich ginge. Wagner sagte weiter, wenn ihm das Mißgeschick nicht passiert wäre, daß er in Mühlhausen in der Aufregung beide Pistolen abgeschossen hätte, so wäre ihm jedenfalls auch sein Plan gelungen und er hätte auch Eglosheim so betroffen, wie es nach seinem Plane festgesetzt war. Er wollte auch in Eglosheim morden. ___________________ Vermischtes. * Di e Trauerfeier für Prinzessin Sofie von Sachsen-Weimar. In Heidelberg fand am Samstag nachmittag im Palais Weimar im engsten Familienkreise eine Trauerseier für die verstorbene Prinzessin Sosie statt. Tie Trauerrede hielt Stadtpsarrer Götz-Heidelberg. An der Trauerfeier nahmen außer dem Prinzenpaare teil die beiden Brüder der Verstorbenen Hermann Graf von Ostheim und Prinz Albert von Sachfen-Weimar, die Familie Isenburg, der Vertteter des Weimar - ischen Hofes Erzellenz Fritsch, als Vertreter des badischen Hofes Oberstattmeister von Göler, in Vertretung der Großherzogin Luise von Baden Freiherr v. Chclius, sowie Vertteter staatlicher, städti- scher, akademischer und militärischer Behörden, ferner Deputationen des 21. und 23. Dragoner-Regiments und der Korps Saxo- Borufsia und Rhcnania. Nach der Feier sand die Uebcrführung der Leiche nach dem .Krematorium statt. — Entgegen anderen Kombinationen wird übrigens im Berl. Lok.-Anz. behauptet, der Tod der Prinzessin hinge nicht nfit einer Neigung zu dem Sohn eines Berliner Finanziers zusammen, die Prinzessin habe Diel« mehr die eheliche Verbindung mit einem Heidelberger Offizier ersehnt, der sich aber unüberwindliche Schwierigkeiten in den Wea.stellten. ' Zum 50jährigen Jubiläum der Gesellschaft Solvay & Eo., Brüssel, das am 20. September begangen wurde, errichten die Deutschen Salvaywerke Aktien-Gesellschast in Bernburg, wie der „Anhalter Courier" meldet, für ihre Fabrikarbeiter und deren Hinterbliebenen einen Pensionsfond mit 31/, Millionen Mark; ferner wurde den Fabrik- und Bergarbeitern die Gewährung eines jährlichen Erholungsurlaubes zugesagt. Zur Ehrung der wissenschaftlichen Verdienste von Ernst Solvay überwiesen ste der p re u ß i s ch e n Akademie für Wissenschaft c n, deren korrespondierendes Mitglied Solvay i,t, 250 000 Mark, damit auS dem Erträgnis eine ordentliche Mtt- gliederstelle der mathcmatisch-physikalischcn Klasse und zwar ut erster Linie eine Stelle für den Vertreter der technischen Wisien- chaften mit Fachgchalt ausgcstattet werde. • Ein sittlicher Skandal in Breslau. In Breslau ist eine Untersuchung über einen großen Sitten, kaudal im Gange. Nachdem vor einiger Zeit eine Badeanstalt polizeilich geschlossen worden war, weil sich in ihr ältere Männer an unmündigen Kindern vergangen hatten, ging die Staatsanwaltschaft der Sache weiter nach. Zahl reiche schulpflichtige Mädchen sollen in die Angelegenheit verwickelt sein. Sieben beteiligte Personen haben bisher durch Selbstmord ihrem Leben ein Ende gemacht, und zwar ein Offizier, ein Polizeibeamter a. D., ein Bademeister, ein Hotelbesitzer, ein Baumeister, ein Konditoreibesitzer und ein Badeanstaltsbesitzer. Spätere Meldungen besagen jedoch: Die Sache scheint stark übertrieben worden zu sein. Sicher ist nur, daß zwei schulpflichtige Mädchen verhaftet worden sind. Diese wurden von einem Kriminalbeamten verhaftet, als er zufällig auf der Straße hörte, wie sie sich über Geschenke, die sie von Herren erhalten hätten, unterhielten. Aus der Vernehmung der Mädchen ergab sich dann belastendes Material gegen eine Anzahl angesehener Bürger. Die Beteiligten suchten sich, als sie von der Verhaftung Kenntnis erlangt hatten, durch postlagernde Briefe zu verständigen. Diese Briefe sollen ebenfalls in die Hände der Polizei gefallen sein. Ob einige in der letzten Zeit in Breslau verübten Selbstmorde mit der peinlichen Angelegenheit zusammenhängen, steht noch keineswegs fest. / * Autosuggestion. „Was heißt eigentlich Autosuggestion," fragte Mr. Binks. „Das heißt, wenn deine Frau sich auszurechnen anfängt, wieviel sie an Auwgeld waren wurde, wenn ihr cuern eigenen Wagen hättet," cntluortctc Mr. Jmks. Kleine Tagerchronik. Von drei Touristen, welche die Zugspitze besteigen wollten, sind, den „Münchener Neuesten Nachrichten" zufolge zwei am Höllentat ab gestürzt. Sie sind wahrscheinlich t o t. Eine Er Position von acht Führern ist nach der llnfallftellL luuterwegs. Die Namen der Touristen siird unbekannt. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen für Dienstag» den 23. Sept. 1913: Wechletud bewölkt, meist trocken, wenliche Winde. ; Letzte riacl?richten. EinSturz Henri F Niederlage bei Aug. Noll, Kreuz-Drogerie. ’ ® Taufende^ -Sc [jfir& Kandier p *" ” Ide n empfehl. mein.« c • IgScs aaranl. enge-’,' § ® Ithoeldl., des- \i • * IE halb sehr bekömmt. B ® cJjE a. gesunden Tcbek. 1 Tabakspfeife um- 8 foafizuSPfd.meiner ® berühmten Tabake j? lEWE l'aoto gegen Dadie. WE Bille anzagcbcD, :5 jj Xi M nebenstehende 6c- fundbeiispfcifc oder f ■ V] eine relmgetdwitfte rc e J Bofzpfelfc :der eine g tie# lange Pf. erEünldif. j-j Dfb.- m.Pf. b 8 ,, SaUortnIaboL „ 5.— M 8 „ 3aflb-amuirtrr 6.60 B 8 „ -oll. Äanoftcr „ 7.60M 8 Äanafler „ 10 — @ 8 Kaisers kalter 13.50 B E. Köller,-Briiebsal 8 k Fäbrik.WdtruUBadflO^Ji Universität-Tum- und Tanzlehrer. Wer krank ist und Interoie hat für gute Hausmittel (Ireine Arznei- oder Gehetm- mittel') verlange koitenloee schrillt. AufkUrung durch: Krankenschwester Marie Wiesbaden 3. 75. Adelheldsir. 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