Nr. 135 Erscheint täglich mit SluSnatjme deS Sonntag?. Lie „Gießener Zcnnllienblälter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeltfragen" erscheinen monatlich zweimal. Gmeral-Mzeiger für Gberhefsen 163. Jahrgang Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- snaüe 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Tel.-2ldr.:AnzeigcrGießen. Donnerstag, 13. Jnni 1913 Z AA Rotationsdruck und Verlag der Vrnhl'schev Universität? - Blich- und Steindruüerei. R. Lange, Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 15 9. Sitzung, Mittwoch, den 11. Juni. Am Tische des Bundesrats: v. Bcthmann Hollwcg, V. H e c r r n g c n , Tr. D e ! b r ü ck . Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Sis zweite Lesung he: Mehrevrlage. (Zweiter Tag.) Abg. Erzbcrgcr (Zentr.): hat cs mit seiner 4)6 stündigen Rede gestern noch gnädig gemacht, denn sein Parteifreund Jaurös in Pari:' rat angekundlgr, dag er drei Tage reden werde Rosa Luxemburg wird honcntt.ch befriedigt (f-citcrfcin, denn sie hatte ja schon in £..ec. r"2'1eipd-prCrt Volkszeitung" geschrieben, daß die Partei hier im Reichstag ichl^pp )uarc und schon auf das Niveau der 6 o r t s ch r r 11 l i ch e n Volkspartci h i n u n t e r g c g l i t - len sei. Auch die Genossen im Württemberg, die eine schärfere Stellungnahme verlangten, werden nun wohl wenigstens m i t d c c äußeren K r a f t l e i st u n g ihres FraktionsrcdnerS zu- «rieden sein. Daß die sozialdemolratischc Partei innerlich ^,0 h l ist, kann niemand in Abrede stellen. Die ganze Rede des Abg. Aos.e hatte Sinn gehabt, wenn sic bei der ersten Lesung gehalten worden wäre. Die ganze Beratung in der Bud- g e t r o m m i s s i o n i st v v l l st ä n d i g erfolglos an dem sonst sehr aufnahmefähigen .'Kollegen Noskc abgcglitlen. Es ift anrfallend, wie unsere Sozialdemokraten im Vergleich zu ihren fr a nz osis ch en G c n o s s c n diese Heeresvorlage als etwas Unerhörtes bezeichnen. In der französischen Tcpulicrtenkammer sagen die Sozialisten, die deutsche Militärvoclage sei so etwas Unbedeutendes, daß sie kein Grund sein könne, in Frankreich die drci- sahrige Dienstzeit cinzuführcn. Ter Abg. Noske sagt, daß wir uns m der Kommission gar nicht mit einerEtatsverslärkung beschäftigt ijattcm Er scheint nicht zugehört zu haben. Wve haben allein ztvei Tage über die Notwendigkeit einer Etatsvcrstärkung beraten. Die Rede Noskes hat sich unendlich viel widersprochen; ich mache ihm gar keinen Vorwurf; wenn man viereinhalb Stunden zu reden verpflichtet ist, muß es zu Widersprüchen ko m m cn. (Heiterkeit.) Noskc verlangt das Milizshstcm und die Ausbildung jedes jungen Mannes. Jeder, der bisher frei war, soll cingezogeii werden, und Noske verlangt, daß gespart wird. Dabei haben seine Genossen Gradnauer niid Schöpflin im vorigen Jahr das Zugeständnis gemacht, daß das Milizstistem genau so viel verschlingt wie das stehende Heer. Natürlich kann in drei Stunden der Vorder- und der Nachsatz nicht zueinander stimmen. (Heiterkeit.) Er greift die Luftschiffe u n d ihre F ü h r u n g an. Die besten Schiffe seien im Privat- dicnst. Dabei i;t bekannt, daß die ältesten' Zeppeline im Heeresdienst sind, länger anSgehalten haben als die im Privaldicnst. Aber daß hier von der R c i ch s t a g s t r i b ü n e ans solche A n g r i f f e und solche herabsetzende Ans- brüefe Qcncn unsere braven Offiziere gewagt werden, die j e d e n Augenblick i h r L e 6 c n aufs Spiel setzen, das braucht sich der Reichstag wahrlich nicht gefallen zu lassen. (Beifall.) Was die Bemerkungen Noskes über die K r u v p sch e n Zulagen an die A b n a h m e o f f i z i c r e betrifft, das hat Herr General Wandel nicht widerlegt, sondern bestätigt. Es ist das eine große Ungehörigkeit. 1909 habe ich selbst in der Budgetkommission auf diese skandalösen Verhältnisse verwiesen, d a S w a r bei der Marine, und das i st a b g e s ch a f f t. Man muß -doch annehinoii, daß die Verhandlungen nicht nur von dem einen Ressort gelesen werden. Wir verlangen restlos eine Beseitigung dieses UebelstandcS auf dem Uebungsplatz in Meppen, wie damals bei der Marine. Es wäre furchtbar töricht, erst zu rüsten, wenn die Kriegsgefahr unmittelbar bevor steht. Der kluge Mann baut vqx. Für Deutschland liegt immer eine Gefahr vor. Noch der Fraktionsfreund NoSkes, Wendel, hat das am 9. Mai 1913 in der „Neuen Zeit" anerkannt. Noch im Juni wiederholte das Genosse Thomas. Beide beweisen, was jeder, nur der Abg. Noske nicht weiß, daß in "ben letzten Jahren der Chauvinismus in Frankreich gewachsen ist. Dem Wort von dem angeblich uneingelöstcn Königswort möchte ich ein anderes cntgegcn- halten, das der Kaiser vor 25 Jahren an den Reichstag gerichtet hat. Es heißt: meine Liebe zum deutschen Heere wird mich nicht in Versuchung führen, dem Land die Wohltaten deS afiebrig zu verkümmern, wenn uns der Krieg nicht durch einen Angriff auf- gedrungcn wird; das Heer ivird den Frieden mit Ehren aufrecht erhalten." Der Kaiser hat dieses Wort in diesen 25 Jahren gehalten und das deutsche Volk ist ihm dankbar dafür (Beifall rechts und in der Mittel Das ist auch das Programln des deutschen Volkes. Diesen Gesichtspunkt werden wir auch bei Bewilligung der Heeresvorlage Vertreten — unter d er Voraussetzung, die schon unser Fraktionsvorsihende nm Montag abend betont hat, daß gleichzeitig mit der Verstärkung des Heeres auch die erforderliche Deckung beschafft wird. Wir können uns dabei auf die Autorität des Bundesrates stützen. Und dieser Hftundfatz sollte für jedermann im deutschen Vaterlande sclbstver- pändlich sein. Tas Gegenteil wäre halbe Arbeit, Stückwerk und Stümperei Die gleichzeitige Genehmigung der Deckung ist unentbehrlich. Eins ohne das andere — das geht nicht! Eine Politik, die hier nicht die erforderlichen Einnahmen schafft, i st eine unehrliche, widerspruchsvolle, halbe Politik, die zum Zusammenbruch führen muß. Wir wollen eine militärische Kräftigung Deutschlands als Garantie des Friedens. Wir wollen diesen' nicht erlaufen durch den Ruin der deutschen Finanzen. Dann erst ergibt sich ein erschreckendes Minus für daS deutsche Volk. Tie Deckung steht so auf dem gleichen Rang wie, die Militärverstärkung. In Frankreich unter dem Ministerium Ariand hieß eS ausdrücklich, die größere Menschenzahl Deutsch- landS bedeute nicht so viel, denn Frankreichs finanzielle Leistungsfähigkeit sei so viel größer. Die drei Grundsätze, die die Militärvorlagc enthält, halten wir für durchaus zutreffend: Erhöhung unserer Etatsstärke, Herbeiführung einer schnellen Mobilmachung im Ernstfall und Ausbildung m ö g l i ch st vieler junger, unverheirateter Leute. Wir wollen unser Vat^land so stark machen, luic wir es nach unserer Bevölkerungszahl können. Wenn man von der Durchführung dieser drei Gesichtspunkte schon im April überzeugt war, so ist sie heute erst recht eine Notwendigkeit. D i c französischen Maßnahmen, die in der Zwischenzeit erfolgt sind, zwingen uns einfach zur Verabschiedung unserer Heeresvorlage. Herr Noskc sagt, wir sollten uns doch mit Frankreich verständigen. Nun, dazu gc- hörcn zwei. Gerade Frankreich hat mehrfach versucht, uns cinzu- ift eisen, ich erinnere nur an Delcasse. An die F r i e d e n s l i e b e l pt r a n r r e i ch s können wir nicht glauben, solange c5 nicht fern Rechnung trägt, daß unser Volt '.ibcr die Hälfte stärker ift -tic Agitation, die von den verantwortlichen Stellen in Frankreich Cur Durchführung der militärischen Maßnahmen in Frankreich getrieben wird, zeugt auch nicht von Friedensliebe. Frankreich bat in den letzten Jahren eine Anzahl von militärischen Maßnahmen durchgesuhrt, noch ehe von unserer Wchrvorlage irgend etwas ve- tannt war. Millerand hat in der Tcputiertenkammer erklärt, cr brauche 500 Millionen, ganz unabhängig, ob in Deutschland das •veer verstärkt werde oder nichst Frankreich hat in unserer Vorlage nur ein billiges A g i t a 1 i o n s m i 11 e l gesehen um die b. 5 c l j ah iige Dienstzeit durchzusühren. Grade die franzö- Iischen Maßregeln zwingen uns, auch unsererseits vorzugeben, nicht umgekehrt, daß unsere Rüstungen die französischen hervorgc- rufcn hatten. Wir stimmen den von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen in der festen Ucberzeugung bei, daß sic eine starke Garantie für die Aufrechterhaltung des Friedens geben. Der Respekt vor den deutschen Waffen muß so groß und stark sein, daß jedermann das Risiko, gegen Deutschland anzustürmen, für zu groß halt Wir halten sie für ein ausgezeichnetes Instrument für öic Auirecc)terhaltui,g des Friedens für Deutschland und Europa (Beifall). . r Abg. Dr. Sentier (Natl.): 31-’- Jahre 1886 bei der damaligen Wehrvorlage hat uns Winr-thorst vorgehalten, wir bewilligten ja jeden Mann uab jeden Groschen. Heute sind die Vertreter aller bürgerlichen Parteien darin einig, daß jeder Mann und jeder Groschen bewilligt ivird. Diese Wehrvorlage iß nötig, wie cs die damalige war. Nach den Neutvahien, die die Auslösung des Reichstages notivenöig gemacht hatte, kam das Gesetz in allen drei Lesungen m fünf Tagen zustande! Die Grundlage der jetzigen Vorlage.ist der Wunsch, die allgemeine Wehrpflicht nach dem Scharnhorstschen Gedanlen durchzuführen. Tas wollen wir in dem Grade tun, daß wir nicht bloß jeden Mann, sondern auch jedes — Pferd bewilligen. (Heiterkeit.) Demgemäß beantragen wir die Wiederherstellung der Regierungsvorlage mit den drei Kavallericrcgi- m entern, die die Kommission gestrichen hatte. Wichtiger als jede Deckung erscheint uns aber, daß die Wehrvorlage zum 1. Juli beschlossen wird, um zum 1. Oktober durchgeführt zu werden. Wir wollen dazu alle Hilfe in Anspruch nehmen, die sich bietet, auch die unserer v e r l ä ft e r t c n Oberlehrer, die die Führer und Bildner unserer Jugend sind. Es ift nicht richtig, daß wir, wie Abg. Noske behauptete, vor feinen Gefahren stehen. Ich verweise aut die Rede dcS damaligen Kriegsministcrs v. Bronsart. der ausdrücklich betonte, wie sehr wir jeden Augenblick bedroht sind. Und was Bismarck damals in seiner großen Rede sagte, luirft so unmittelbar, als wenn cs mit Bezug auf die heutige Lage gesagt ivorden märe. Es ist gewiß richtig, daß der Entschluß, den wir jetzt hier fassen, auf die französischen Entschlüsse cinmirfcn wird. Dann soll sich aber Frankreich bei feiner Presse und den Landsleuten bedanken, d:e immer gegen und gehetzt haben. Wir haben tagtäglich Heraiisforderunacii gegen deutsche Interessen erlebt. Tas'dürfte ein so großer Staat wie Frankreich einfach nicht dulden. Wir halten b:c ganze Wchrvorlage für außerordentlich notwendig und wir werden auch beantragen, die drei gestrichenen Kavallerieregimenter wicdcrherzustellen. Es sind in der Kommission auch eine Reihe von Offizier- und U n t e r o f s i z i e r st c l l e >i gestrichen worden. Tas ist im Lande mißverstanden. Wir haben diese Stellen nur gestrichen, weil sie nicht besetzt werden konnten und weil wir nicht einen pavicrnen Etat haben wollen. Natürlich müssen wir auch gewisse Forderungen aufstelleii und mit besonderem Nachdruck jetzt wiederholen. Denn cs würde im Volk nicht verstanden werden, wenn die Volksvertretung in bem Augenblick, wo sie große Mittel bewilligen soll, nicht auch berechtigte Kritik übte. Wir haben in manchen Dingen ein Entgegenkommen der Militärverwaltung vermißt, so in der Frage des M i l i t ä r v o y k o 11 s und der Sorge für die Militär- anwärtcr. Wir verlangen auch, daß der Zutritt zum Ein- jahrigenexamen in höherem Maße geöffnet wird: Leuten mit einer gewissen Fachausbildung muß die Möglichkeit dazu gegeben werden. Zu unserem Bedauern finden sich noch immer zahlreiche Regimenter, die überwiegend mit adl gen Offizierkorps beseht sii'd. Daniit hängt auch die Bevorzugung gewisser Oiarnifoncn zusammen. Unsere gegenwärtige M i l i t ä r j u st i z b.rgt große, zum Teil barbarische Härten. In dieser Hinsicht muß, sei es auch durch c:n Notgesetz, schleunigst Remedur geschaffen werden. Ein Teil der Presse hat uns wegen unserer langen Beratungen in her Budgetkommissioir angegriffen und von „Resolntionsgewäsch" gesprochen. Tic Presse hat unrecht getan; diese Resolutionen sind notwendig. Es ist überhaupt nicht Aufgabe der bürgerlichen Prcffc, dic Budgetkommission hcrabziisetzen, das geschieht schon von anderen Stellen. Der Abg. Noskc hat gestern am Schlüsse seiner Nedo Drohungen gegen unsere Armee ausgesprochen. Noch ist unsere Armee ein gewaltiges Bollwerk für den monarchischen Gedanken, sie kann und wird es auch bleiben, es sei denn, daß Ungerechtigkeit den monarchischen Gedanken zerstört. Aber die Drohungen Noskes sind für uns und die verbündeten Negierungen eine Mahnung, daß wir uns auch bei einer solchen Vorlage nicht bekämpfen, sondern daß wir, die bürgerlichen Parteien, wenn es irgend geht, uns vertragen. (Sehr richtig! bei den bürgert Parteien, Lachen b. d. Soz.) Wer zuletzt lacht, lacbt am besten. Es wäre sehr zu bedauern, wenn cs in der Tcckungssrage unter den bürgerlichen Parteien eine Partei der Besiegten ober der Sieger gäbe. (Beifall im Zentr.) ES kommt nicht nur darauf an, daß diese Vorlage irgendwie zustaudekoinint, es kommt darauf an, den guten Gedanken zu erhalten, baß jeber nach Maßgabe feiner Kraft für baä Vaterlanb beiträgt. (Beifall.) Abg. Gans Edler Herr zu Putlitz (Kons.): Tas ist dic» größte Wchrvorlage feit Gründung des Reiches. Aber noch heute ift der Krieg das Ausschlaggebende im Tasein der Völker. Tarum muß je De Nation gewappnet sein. Wir können uns nicht verbchlcn, daß sich im Lause des letzten. Jahres die politischen Verhältniffe außerordentlich verändert babeii, und wir können nicht an der Tatsache vorübergehen, daß die Nachbarländer treue Rüstungen machen. Tie Notwendigkeit einer verstärkten Rüstung ist danach für uns gegeben, und es kam nur auf das Maß dieser Rüstungen an. Im ersten Moment konnten die großen Neuforderungen verblüffen, aber bei näherer Betrachtung muß sie jeder billig Tenkende für berechtigt ansehen. Ich bin Der lieber* zeugung, daß unser Vorrat an neuen Wehrpflichtigen auch jetzt noch nickst erschöpft erscheint, sondern daß wir immer noch starke Reserven behalten. Bei Der Kavallerie sind gegen unseren Willen Drei Regimenter gestrichen worden. Die Kavallerie hat zu ihrer bisherigen Ai:fgabe, die ihr geblieben ist, eine neue erhalten, und deshalb erscheint einem Teil meiner Freunde nicht einmal die Zahl von sechs neuen Kavallerieregimentern aus- reichend, so daß sie eine stärkere Vermehrung beantragt haben. Daß wir durch Resolutionen auf die Heeresverwaltung cinwirken, ist unser gutes Reckt. Tie Resolutionen enthalten ja vieles, waS eigentlich selbstverständlich ist. Wir haben manche Resolutionen abgelehnt, obwohl sic in unserem ÖJcDanfcufrcis lagc.i, weil sie einen Eingriff in die .Kommandogcwalt darstellten. Daran können wir nicht rütteln. Auch sind die meisten Resolutionen unberechtigt gegenübei einer Militärverwaltung, die ihre Pflicht tut. Ja, wenn unsere Heeresverwaltung während der letzten Jahre geschlafen hatte, iväre cs etwas anderes. Wir wollen nicht unsere Heeresverwaltung schwächen, in einem Zeitpunkt, in dem gewisse Kräfte am Werke sind, unseren Staatsgedanken zu beseitigen. D i c Sozialdemokratie versteht unter Vaterland etwas ganz anderes als wir. Sic kämpft nur für ihre internationalen Bestrebungen, und sic spricht cs offen aus, daß sie unsere Jugend mit einem antimilitaristischen Geist erfüllen ivill. Ter Abg. Noske hat gestern a u f I c n a h i n g e w i e s e n. (Lcbh. Unterbrechungen der Soz., Zuruse: Er hat kein Wort von Jena gesprochen!) Ich habe es in Den Zeitungen gelesen, aber wenn cr auch nicht davon gesprochen hat, kann ich nicint Ausführungen trotzdem machen. (Stürmisches Gelächter bei den Soz.) Es ist also gesagt worden (Zwischcnruse der Soz.: Wo?), ich habe c-3 selbst gehört, daß wir an Jena denken sollen. Aber Jena ist nur durch die übertriebene Sparsamkeit, durch dcO Ausruhen auf den Lorbeeren verschuldet worden. Und gerade der Hinblick auf Jena müßte Veranlassung sein, die jetzige Wchrvorlage anzunchmen. Herr Noske hat sich auch bemüht, den Kapitalismus zu bekämpfen. Wenn er das wirklich tun will, bann müßte er gerade unser jetziges Nc- gimc aufrecht zu erhalten suchen, beim ein starkes monarchisches Regime setzt diesen kapitalistischen Strömungen viel stärkeren Dampf entgegen, als cs in demokratischen Ländern geschieht. Und wenn man die parlamentarische Herrschaft in den Vordergrund schieben will, so muß ich sagen: mir können in Deutschland aus unser Parlament st o l z sein. Wenn wirklich bedauerliche Strömungen im Parlament vorhanden sind, so sind das nicht kapitalistische Strömungen, sondern solche, die gerade von Der entgegengesetzten Seite ausgchen. Auch dagegen ist eine starke Monarchie das stärkste Gegenmittel. Wir werden den Kriogsminister uniorstützen in. allen Bestrebungen, das Heer vor sozialdemokratischen Einflüssen zu bewahren. Wir glauben, daß wir durch unsere Wchrvorlage zur Erhaltung des Friedens beitragen. Darum können wir dem Volk auch die Lasten dafür auforlegen. 29ir hoffen, daß daS Volk die Ueberzcugung gewinnt, daß diese Lasten eine Existenzfrage für unser Reich sind. (Beifall.) Abg. SDtüUcr TZciningcn (Vp.): Ter Vorredner meinte, das deutsche Volk könne stolz fein auf sein Parlament. Es ist noch nicht lange her, da fiel von der rechten Seite dieses Hauses daS Wort von dem Leutnant und den zehn Mann. Wenn von einer Verschleppung der Verabschiedung der Wohrvorlagcn gesprochen wird, dann muß gesagt werden, daß niemand anders cls die Rechtsparteien daran schuld sind. (Lachen rechts.) ES ist noch nicht lange her, da hielt ein Mitglied dieses Hauses eine Rede, worin cr sagte: „Wenn ich Reichskanzler wäre und die Wchrvorlage wäre Ende Juni nicht verabschiedet, würde ich dem Kaiser sagen: Dieser Reichstag muß nach Hause geschickt werden oder ich rann nicht länger regieren!" Dieser Herr war Herr Dr. O c r t c l. (Heiterkeit. — Der Abg. Dr. Ocrtcl tritt vor die Rednertribüne und verbeugt sich unter allgemeiner Heiterkeit.) TaS corpus delicti liegt uns jetzt vor. (Erneute Heiterkeit.) Ich schenke ihm aber im gegenwärtigen Zeitpunkte keine weitere Beachtung. (Der Abg. Dr. Ocrtcl wendet sich um und verläßt unter stürmischen Heitcrkeitsausbrüchcn den Saal.) Tie geschickte aber rücksichtslose Inszenierung der Vorlage erschwert uns die Prüfung der Vorlage. Diese Milliardcnvorlage wurde einem abgespannten übermüdeten Parlä - ment erst spät im April vorgelegt. Auch ist die Vorlage ctat. rechtlich unübersichtlich. Wir müssen auch Front machen qc^cii die unanständige Art der Polemik, mit der die offiziöse Presse abweichende Meinungen alter Offiziere bekämpft hat. Der Äriegsministcr hat mit wahrem Löwenmut jeden Leutnant verteidigt; er hat seine Schuldigkeit getan. Wir haben auch nur den Abstrich von drei Kavallerie Regimentern erreicht. Der Beschluß wurde erst nach gewissenhafter Prüsrrng gefaßt. Wir müssen uns vor^Ucberschätzurigcn in Acht nehmen. Tas borgend)Ta- gcnc Spionagegesetz geht zu weit; fein § 9 liefert Presse und Parlament bezüglich ihrer Gutachter vollständig dem Staatsanwalt aus. Der größte Verbrecher aller Zeiten, als welchen ich den Obersten Redl bezeichnen möchte, muß doch sehr bedenklich machen. Ten offiziösen Dementis bringen wir aroßes Mißtrauen entgegen, aber wir haben doch den Eindruck, daß das österreichische Landesverteidigungsministerium sehr viel vertuscht hat, Unterlassungssünden und die blödsinnige Handhabung des Ehrbegriffs. Daß die auswärtige Lage so scklecht ist, dafür trägt dock; aud; die Leitung unserer Politik mit die Verantwortung und die Schuld, auch dafür, daß wir jetzt diese ac« wattige Vorlage bringen müssen. Ter Kriegsminister hat das bei der ersten Lesung ausdrücklich anerkannt. Von unserm Verhältnis zu Frankreick, äußerte Ernst Lavine, es gebe viele Deutsche, die Frankreich verachten. Tas ist eine riesige llcbcrtreibunß und gilt für keinen gebildeten Teutschen. Es ift in erster Linie eine gegenseitige Aufklärung nötig, und von diesem Standpunkt au? ist die erste Konferenz der deutschen und französifchen Parlamentarier in Bern mit Freuden zu begrüßen. (Sehr richtig! links.) Unsere Wehrvorlage ist keine Drohung gegen Frankreich, sondern lediglich eine Verteidigungsmaßnahme gegen zwei Fronten. Die Rede des Abg. Noske war ein starker Theaterdonner. (Zuruf bei den Soz.: Nie- mand spielt mehr Theater als Sie!) Ihre Haltung in der B u d g e t k o m m i s ff o n war ganz anders als hier im Plenum; sie war so milde, so bürgerlich gemäßigt! (Widerspruch bei den Soz.) Sie haben teilweise ganz verständige Reden dort gehalten, Sic haben sogar dic Angrifssmoglichkeit von Osten einmal ganz offen anerkannt! Sic (zu den Soz » können nicht leugnen, daß die Mitteiliing.cn, die uns in geheimer Sitzun g über die Schwierigkeit der Mobilisierung der deutschen Armee nach zwei Fronten gemacht sind, auf Sie keinen Eindruck gcmackt haben. Wenn diese Mitteilungen bekanntgewordcn wären, wäre dic Rede des Herrn Noske unmöglich gewesen. (Widerspruch bei den Soz.) Wie gesagt, in der Budgetkommission haben Sie ^u den Soz.) sich viel verständiger benommen. Militärtechnische Gründe waren für uns maßgebend: die Mängel der Mobilmachung und die Notwendigkeit, technische Truppen auszubilden. Der Ausfall Noskes gegen die Flieger war eine bedauerliche Ent. gleisung. Wir wollen keine Erhöhung der Quantität des Heere? a-f Kosten der Qualität. Deshalb beantragen wir auch eine bessere körperliche Jugenderziehung. Tie in den Resolutionen nicdcrgelegtcn Wünsche muffen durchgeführt werden. Lis auf die Rechte waren sich alle Parteien darin einig. Dre Heeresverwaltung prästiert allerdings an Verständnislosigkeit für moderne Reformen das denkbar höchste Maß. So wird cs auch bei dem Zeitungsverbot des General Deimling wieder heißen, das ist ein Ausfluß der Kommandogewalt. Diese Antwort kommt automatisch wie aus einem Grammophon. Aber der Kriegsminister ist ja nur der parlamentarische P r ü g e l k n a v e des Mili- tärkabinettö. Das muß zu Konflikten zwischen Verwaltung und Parlament führen. In der Schaffung des richtigen Verhältniffcs zwischen jenen beiden Behörden hat die Militärverwaltung länger als ein Jahrhundert geschlafen! Darüber sollten sich die Veteranen eher entrüsten als über das Festspiel unseres besten deutschen Dichters. Regieren heißt nicht, sich mit angstvollem Starrsinn Reformen widersehen, sondern voraussehen und mit weiser Hand überlebte Formen zerbrechen. Hier hat der Reichskanzler eine große Aufgabe vor sich, zu der ihm das ganze deutsche Volk die Hand bieten tvird: an d i e Stelle der heiligen Tradition die Gerechtigkeit zu sehen, die Verfassung klar zu ste11c n und namentlich aus ihrem Artikel 4 mehr a l S ein Stück Papier zu machen. Der Reichskanzler, der ja nach großen Aufgaben sucht, wird sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. W i r unsererseits lehnen jede Verantwortung ab für den Schaden, der aus der Verweigerung von R e.f o r m e n entstehen könnte. Diese würde der Armee in ihrem Geiste mehr schaden als die größte Militärvorlage gut machen könnte. Vor einer solchen Kurzsichtigkeit behüte uns ein günstiges Schicksal, zum Segen der deutschen Armee. (Beifall.) Reichskanzler vr-. v» Vethmann Hollweg: Meine Herren! Der Herr Vorredner hat so- ebenmiteinemAppellgeschlossen.indemeraus- einandcrgeseht hat, tvas jetzt meine hohe Verpflichtung wäre. Wir sprechen von der Armee. Meine ober st e Pflicht gegenüber der Armee ist, dafilrzusorgen.daßsieinderTreuezumKaiser, in der festen Disziplin und in einer unbeugsamen Organisation, die durch nichts Fremdes durchbrochen tvird, aufrecht erhalten werde. (Beifall.) Das ist die Pflicht, die ich der A r m e e und b e in Volke gegenüber habe. (Erneuter Beifall.) Meine Herren! In Ihrer Kommission hat sich eine entschiedene Mehrheit für die Wehrvorlage ausgesprochen. In einzelnen Positionen ist Meinungsverschiedenheit geblieben; darüber wird im weiteren Verlauf der Debatte zu sprechen sein, insonderheit über d i e A n z a h l der Kavallerieregimenter, welche aufzustellen sind. Ich überlasse zunächst die weiteren Ausführungen meinem Nachbar, dem Herrn Kriegsminister darüber. Aber ich will für meine Person schon jetzt betonen, daß die Forderung, die wir Ihnen in der Vorlage unterbreitet haben, bezüglich der sechs Kavallerieregimenter, eine Forderung ist, die tvir zur Sicherung des gesamten Heeres- gefüges zurbesonderen Sicherung der Grenz- Provinzen, welche im E r n slf a l l am e r st e n bedroht sein würden, aufrecht erhalten müssen. (Beifall rechts und bei den Natl.) Ich richte die nachdrückliche Bitte an dieses hohe Haus, daß Sie in dieser Beziehung den Beschluß der Kommission revidieren mögen. (Beifall rechts und bei den Natl.) Meine Herren, ich würde die Tatsache, daß die Wehrvorlage im ganzen in der Kommission eine so ausgesprochene Mehrheit gefunden hat. abschU'ächen, wenn ich heute auf die Gründe zttrück- kemmen Ivollie, welche zu dieser Vorlage geführt haben und deren Stichhaltigkeit von der Mehrheit der Kommission anerkannt worden ist. Ich nehme das Wort, nachdem von einigen Herren der Zusammenhang zwischen Wehr- und Dcckungs Vorlagen besprochen und eine Auskunft darüber erbeten worden i ft, w i e sich die R e g i e r n ng zu dieser Frage st e l l t. Meine Herren, der Standpunkt der verbündeten Regierungen ergibt sich klar und deutlich aus der Lage der gesamten Dinge. Wie ist die Situation? Es ist ein unbedingtes Erfordernis, daß die HeereSverstärkung unverzüglich ins Werk gesetzt wird. Das ist das ob e r st e Gesetz, nach dem ich meine Haltung regeln muß bis in alle Konsequenzen hinein und regeln muß. (Beifall. Bewegung.) Daneben steht die Forderung, daß dic Fi - n a n z e n lv c d e r des Reiches noch der Bundes- staat/!n erschüttert werden Auch das ist ein zwingender B e st a n d t e i l d c r B e r e i t s ch a f t der Nation. (Sehr richtig! rechts.) Die Verbündeten 9kgicriin= gen sind dieser Forderung vollauf nachgekommcn; wir haben ihnen volle Deckung vorgeschlagen. Daß ebenso wie in der Kommission auch in diesem hohen Hause eine ausgesprochene Mehrheit für die Wehrvorlage vorhanden ist, d a r a ii z w e i f I e i ch n icht, und daß sie deshalb an = genommen werden wird, darauf vertraue ich zuversichtlich. Das gleiche gilt bezüglich der außergewöhnlichen Maßregeln, die wir Ihnen zur Deckring der außergelvöhn- lich hohen einmaligen Kesten vorgeschlagen haben, bezüglich des Weh r bei träges. Auf die Einzelheiten, wie sich dieser Wehrbeitrag bisher in der Kouimission gestaltet hat, gehe ich jetzt nicht ein; wir st e h c n noch vor der zweiten Kom- missionSlesung. Einigung ist bisher in allen Punkten noch nicht gefunden über die Deckung der lausenden Kosten. W'a s folgt aus dieser Situation? Sie, die Sie die Wehrvorlage bewilligen wollen, lv o l l e n sie nicht auf dem Papier bewilligen. Sie wollen sie bezahlen. (Sehr richtigl) Und deshalb, meine Herren, ist es unsere Pflicht, eine Einigung zu suchen über die Frage der Deckung der laufenden Kosten, soweit Einigung noch nicht erzielt worden ist. Den Weg zu dieser Einigung haben wir Ihnen in unseren Vorlagen gewiesen, und ich bin f e st überzeugt, die Einigung wird gefunden to erben, tu eil s i e gefunben io erben muß. (Sehr richtig!) Meine Herren, ein Volk, das in der Mehrheit seiner parlamentarischen Vertretung zu der Gewißheit gekommen ist, daß seine Wehrmacht gestärkt werden muß, weil cs die Sicherheit und der Schutz des Vaterlandes verlangen, hat ein Recht darauf, daß ihm dieser Schutz auch wirklich gewährt wird. Auf dem Wege, den wir eingeschlagen haben, giot e s keinZuruckl Meine Herren, mir können, keiner Don uns, nicht Sw und nicht wir hier im Bundesrat, wir können n.cht das Volk um den Schutz betrügen, von dem lüir überzeugt sind, daß er ihm nottut. Das >vare eine Versündigung am Vaterland. Deshalb werde ich mich mit allen Mitteln dafür ein fetzen, daß die Wehr Vorlage zu dem Zeitpunkt ins Werk gefetzt wird, den die Vorlage vorsieht, und ich werde mit dem gleichen Nachdruck mit Ihnen arbeiten und wenn cs notig ist, auch kämpfen, daß die Mittel bereitgestellt werden, die dazu gehören. Wenn ich nicht fest entschloffen wäre, hätte ich die Vorlage überhaupt nicht eingebracht. Und ich meine, Sie, die Sie in der Kommission für die Wehrvorlage gestimmt haben, müssen derselben Ansicht sein. Deshalb, meine Herren, lassen Sie uns jetzt handeln und ein Werk zum Abschluß bringen' für dessen Scheitern kein Mensch die Verantwortung tragen könnte. Abg. b. Lieber! (Rp.) kann sich in der allgemeinen Bewegung und Unruhe, die nach ^cr Rede ves Reickskanzlers eintritt, lange nicht verständlich machen, trotzdem der Präsident wiederholt eingreift, ^tcr Redner kommt auf die Bedeutung der Kavallerie zu iprccycn. Die russische Kavallerie ist sehr viel stärker als die untere. —tek I)at außerdem einen Krieg nach zwei Fronten zu gewärtigen. Lv auch nicht richtig, daß Kavallerie in der Schlacht nichts leisten kann. Durch geschickte Ausnutzung des Terrains kaiin sie manche Ciu= Kbcitung bringen. Außerdem hat sie nicht immer nut feuernocr "Artillerie oder mit Schützenlinien zu tun. Bei Kirkkilipe hatten die Bulgaren die türkische Armee veriiichtend schlagen rönnen, wenn sie Kavallerie besessen hätten. Gneisenau hat nach Bellc-Alliance durch die Verfolgung Napoleons den Krieg an einem ^.age ent- schieden. Uuigekehrt konnten die Japaner 1904 ihre ^iege ohne .Kavallerie nicht ausnützen. Alles das gilt auch Tut den Auf- klärungsdiem't, der gleichfalls unentbehrlich ist. Er hcn ls><(J den Krieg mit zu unseren Gunsten entschieden. Heute ist die französische Kavallerie stärber und besser ausgebildet als damals. Ein st ä r k e r e r Grenzschutz ist nötig, wir brauchen mindestens die vorgeschlageiien Regimenter. Auch die Abstriche an Ossiztcr- stellen oder an der Jnlendantur lassen sich praktl,ch nicht reast- fertigen. Die Offiziere und Militärbeamten haben keine Sine- ^^it dem Gardekorps würde unser bestes und stärkstes Armeekorps ohne Ersatz einfach von der Bildfläche verschwinden. ^8 Vurschenwesen besteht in allen Armeen und kann nicht entbehrt werden. Mit den Militärkapellen würde dem Heer ein wertvolles moralisches Element genommen werden. Eine andere Einstellung der Mannschaften ist undenkbar und unmöglich, da wir nur ein Ausbildungspersonal haben. In der Schweiz ziehen die Sozialdemokraten genau so scharf über das dortige Milizheer her, wie die unsrigen über das stehende Heer. Die Form, in der eS dort geschieht, ist vielfach eine stärkere Nummer als bei uns. Dabei betragen die Kosten der schweizerischen Miliz mit 45 Millionen etwa die Hälfte aller Staatsausgaben. Es ist also dort alles nicht so, wie man uns hier glauben machen will.. Wir halten in Preußen den obersten Kriegsherrn für eine besondere Stärke unseres Heeres, das mit ihm siegt oder fällt. _ Abg. Eolshorn (Welfes: Nachdem die Arbeit der Kommission Klarheit über die Einzelheiten der Vorlage geschaffen hatte, werden wir für die Vorschläge der Kommission stimmen. Die notwendig locrbenben neuen Steuern sind nach der Gerechtigkeit zu verteilen. Bei Verteilung der Garnisonen sind möglichst die kleinen Städte zu berücksichtigen. Abg. Bassermann (Natl.): Ich wollte zur Begründung unseres Antrags auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage bezüglich der K a v a I le r i e - R e g i m e n t e r , von denen die Kommission einige gestrichen hat, ein paar Worte sagen. Zuvor möchte ich kurz auf die Erklärung des Reichskanzlers e i n = gehe u. Der Reickskanzler hat zunächst davon gesprochen, daß die rechtzeitige Verabschiedung der Wehrvorlage ein Gebot nationaler Notwendigkeit ist, dem sich alle anderen Rücksichten unter- ordnen müßten. Das ist genau der Standpunkt, den wir laut Fraltionsbeschliiß iinsererseits in der Kommission vertreten haben. (Sehr richtig! b. d. Natl.) Wir haben gesagt, das ist das oberste Prinzip, hinter dem die zeitliche Erledigung der Deckung zurück- trctcii muß. Ich teile die Auffassung des Reichskanzlers, daß der Wehrbeiirag ziistande kommen wird, möchte aber doch heute schon der Hoffnung Ausdruck geben, daß es gelingen möge, gewisse Härten, die dieser Wehrbeiirag in der ersten Lesung gefunden hat, wieder zu beseitigen. Wir müssen hellte bereits mit der Tatsache rechnen, daß in wachsendem Maße gegen einzelne Beschlüsse erster Lesung der Kommission reckt erhebliche Beschwerden a u 5 gewerblichen Kreisen laut werden. Ich hoffe, daß die verbündeten Regierungen mit der gewohnten Energie (Heiterkeit) sich für die Regierungsvorlage in den einzelnen zu beanstandenden Teilen des Wehrbeitrags einsetzen werden. Sodann sprach der Reichskanzler von der fortlaufenden Deckung. Auch meine Freunde halten es für dringend wünschenswert, daß wir in fortgesetzter Tätigkeit i n diesem Sc mm er d i e Deckungsfrage erledigen und ich hoffe, daß es da zu einer Einigung kommt, die dem größeren Teil des Halises vielleicht genügen wird. Entgegen den Ausfüh- rniigeii des Kanzlers möchte ich aber, daß wir die Deckung für die fortlaufenden Ausgaben aus dem Boden einer allgemeinen Rcichsbesih st e u c r finden und nicht in Form der Abwälzung auf Matrikularbeiiräge, auch wenn sie veredelt find. Denn da wälzt niaii doch schließlich die Schwierigkeiten von dem Reich auf die fünfundzwanzig Einzelstaaten ab. ^Das ist ein Weg, den icy mit meinen Freunden nicht zu gehen vermag. Tanu glaube ich, daß es der Mahnung zu i n t e n f i v e r Tätigkeit wirklich nicht bedarf. Wir sind doch in allen Parteien seit Wochen bemüht, der schlvierigeil, zum Teil sehr spröden Materie Herr zu werden. Jeder von uns, der vom frühen Morgen in den Kommissions- und Fraktionsfitzungen tätig ist, hat ein reiches Maß von Arbeit. Was die Refolulionen anlangt, so möchte ich dem Reichskanzler diese vielen Resolutionen, die zum Teil mit großen Mehrheiten in der Kommission beschlossen worden sind, recht warm ans Herz legen. (Lachen bei den Soz.) Denn bei so großen Opfern, die verlangt werden, ist wohl der Wunsch berechtigt, daß die Reformen ins Werk gesetzt werden, die zum Teil feit Jahrzehnten Jahr aus Jahr ein bei den Budgetberatungen hier von den Parteien ber» langt werden. (Sehr richtig!) Es ist nicht richtig, mit einer leichten Halidbewegung die Resolutionen beiseite zu schieben. Von uns denkt niemand daran, durch das, was wir Vorschlägen, die Treue gu_ dem Allerhöchsten Kriegsherrn oder die Disziplin zu lockern. (^>ehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Wir wissen ganz genau, daß das das Fundament unseres ganzen Heeres ist. Die Forderur-g der neuen sechs Kavallerieregimenter halten wir für begründet. Wir haben uns in der Kom- iiiission ja sehr eingehend über die. Bedeutung der Kavallerie für die heutigen Riesenheere unterhalten. Für die Aufklärung, die dock schließlich die Grundlage für die richtige Entscl)Lidung der Führer im Kriege ist, können wir eine zahlreiche Kavallerie niemals entbehren. (Sehr richtig 1 rechts und bei den Natl.) Es kann insbesondere nicht davon die Rede sein, daß bei der zunehmenden Entwickelung des Flugwesens die Flieger die Kavallerie ersehen könnten, weil das ganze Flugwesen von atmosphärischen Verhältnissen abhängig ist, und weil in einer Reihe oft schwieriger Situationen der Führer absolut auf die Aufklärung angewiesen ist, die ihm die Kavallerie bringt. Wir haben uns auch in der Kommission über die Möglichkeit unterhalten, in künftigen Kriegen durch Kavalierieatiackcu Erfolge zu erzielen. Ich erinnere an die glänzenden Kavallerieattacken im Kriege von 1870, die den Beweis liefern, daß es möglich ist, durch Einsetzung von Kavalleriemassen, die feindliche Bewegung zum Stillstand zu bringen. Wir müssen doch auch auf diesem Gebiete an die Nachbarstaaten denken, in denen keineswegs eine Vernachlässigung der Kavallerie stattfindet. Wir sehen im Gegenteil wie Frankreich und Rußland in steigendem Maße sich der Aufstellung von Kavalleriedivisioneu zugewandt haben. Rußland ist uns darin weit überlegen. Auch ein kürzlich erschienener Aufsatz über den türkisch-bulgarischen Krieg weist darauf hin, welche bedeutsame Nolle die Kavallerie in der Hand eines energischen Führers spielt und lvie es vielfach den Türken nicht so schlecht ergangen wäre, wenn sie inehr Kavallerie gehabt hätten. Die Frage, ob wir eine ausreichende Divisionskavallerie haben, ist zu verneinen. Auch in der Provinz besteht volles Verständnis für die Notwendigkeit einer starken Grenzkavallerie. Wir müssen bedenken, lvie stark das Pferdematerial bei der Zuteilung ber einzelnen Eskadrons an die Regimenter beim Auftlärungs- bienft strapaziert wird. Wir halten die Forderung der Regierung von sechs neuen Regimentern somit für hinreichend begründet. Uur die Forderung der Konservativen, noch zwei w-sitcre Regimenter zu bewilligen, gehen wir nickt ein, weil wir in diesen Singen im großen und ganzen die Ace 'nllvortung der Negierung herzustellen Wir bitten, die Regierungsvorlage ' wieder mexluwJ3 ° U S b“‘Q6‘ [i<6'' ® pcrsmMchc B-. Abg. Noske (Soz.): Es ist mir nicht eingefallen, die Fliegeroffiziere herabzu- toürbigcn. Ick stelle fest, daß der Abg. v. Böhlendorfs sich noch immer nicht zu meiner Behauptung geäußert hat, daß er dem Gründungsausschuß der AtlaSwerke angehört. (Hort! Hort!) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.): Dem Reichskanzler erwidere ich, daß das, was ick vertreten habe, etwa nicht mit dem in Widerspruch sieht, was er als obcriic Pflicht bezeichnet hat. Das, was er als feine Pflicht erklärt hat, sind Selbstverständlichkelten. Abg. v. Böhlendorfs Kölpin (Kons.): Ich war gestern im Hause nicht anwesend, aber da Herr NoZke heute auf die AtlaSwerke zurückgekommemn ist, stelle ich fest, daß ich mit feinem einzigen Mitgliede der Regierung oder irgendeiner Persönlichkeit, die der Regierung auch nur nahestehen könnte, über die AtlaSwerke auch nur irgendeine Silbe oder ein einziges 4 Wort gewechselt habe. (Lachen der Soz.) Donnerstag 1 Uhr: Weitcrberatung. Schluß 6% Uhr.__________________ Aus dem Reichstage. Di e Geschäftslage. Im Seniorenkonvent des Reichstages fand am 11. Juni vor der Plenarsitzung eine B e spre üj it n g der Geschäftslage statt. Sollte eö, was man hofft, gelingen, die z w e i t e Lesung der Wehrvorlage am Samstag dieser Woche zum Abschluß zu bringen, so würde die nächste Plenarsitzung, erst am nächten Mittwoch, andernfalls am Dienstag statlsindeu. Nach Abschluß der zweiten Lesung der Wehrvorlage solleu Die am Montag im Hinblick aus die GeschäftsorduuugSert'läruugeu von der Tagesordnung abgesetzteu kleinen Vorlagen uno die Walsi- prüfungen zur Beschlußfassung kommen. Ueber eilten Festakt des Reichstags aus Aulaß des RegiervlngSjubilauMS wurde vom Seniorenkonvent kein Beschluß gefaßt. Die Deckungsvorlagen. Innerhalb der Fraktionen des Reichstag s faw den am Vormittag B e s p r e ch u u g e n statt, die größtenteils vertraulich waren. Es handelte sich neben der Stellungnahme zu den Beschlüssen des Budgetausschusses über deu Wehrbeitrag, um die Schaffung einer Grundlage für die Beratungen über die weiteren TeckungSvorlagen. Dem Anscheine nach steht eine Verständigung der bürgerlichen Parteien bevor und zwar wegen der Erbau fällst euer. Vou Ersatzsteuerprojekteu der Regierung, die diese in Vorbereitung habe, gehen Gerüchte umher. Der H a u s h a l t s a u Z s ch u ß wird voraussichtlich die zweite Lesung des Wehrbeitrags noch ajn Schlüsse dieser Woche erledigen. Einem Wunsche des Ausschusses gemäß soll der Reichstag in der ersten Hälfte der nächsten Woche keine Sitzungen abhalten. Am Ende der Woche soll im Plenum der Wehrbeitrag in zweiter Lesung beraten werden. Aus Hessen. bs. Darmstadt, 11. Juni. Der Vereiufachungs- ausschuß hielt heute unter dem Vorsitz des Staatsministers Dr. v. Ewald eine längere Sitzung ab. Eine offizielle Mitteilung über das Ergebnis der Sitzung wird morgen vom Staatsministerium ausgegeben. Deutsches Aerch. Deutsche und Polen in der Provinz Posen. Nach einem Aussatz von Prof. Dr. Broesike in der Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamts haben die Polen der Provinz Posen im Laufe der Zeiten etwa rund 8 Proz. ihres jetzigen Bestandes aus Deutschen für ihr Volkstum gewonnen. Die Auszählung der Polen mit deutschen Familiennamen, auch nach dem Religionsbekenntnis hat eine überraschende Bestätigung der alten, vom — katholischen — Landwirtschaftsminister v. Schor- leiner vor längerer Zeit anfs neue bestätigten Erfahrung ergeben, daß die katholischen Deutschen der Polonisiernng eher verfallen, als die evangelischen. Von diesen früheren Deutschen gehörten nämlich 86 589 oder 95,20 Proz. dem katholischen und nur 4281 ober 4,71 Proz. dem evangelischen Religionsbekenntnis an. Leider ist die gleiche Auszählung für alle anderen preußischen Lanoesteile unterblieben, so daß das hier vorliegende Problem nicht erschöpft ist. Tie nächste Volkszählung läßt noch wichtige Aufschlüsse erwarten. Der Ausschuß zur Untersuchung der Z u st ä nd e im Vieh- und Fleisch handel ist am Mittwoch unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern Staatsministers Dr. Delbrück znsammengetreten. Aus der Tagesordnung steht die weitere Anhörung von Sachverständigen. Während bei den bisherigen Sitzungen die Sachverständigen aus dem Berliner Versorgungsgebiet nnd aus Süddeutschland das Wort hatten, erschienen jetzt etwa vierzig Sachverständige aus W e ft - und Mitteldeutschland. Es ist beabsichtigt, in zwei Tagen die Verhandlungen zu beenden, um an den beiden folgenden Tagen die Sachverständigen aus Ostdeutschland, Sachsen und Thüringen zu vernehmen. Damit würden die Sachverständigen-Vernehmungen beendet fein. Nachdem im ganzen 180 Sachverständige gehört worden find, wirb noch eine Schlußsitzung des Ausschusses erforderlich fein, nm eine Besprechung über den »Gesamteindruck hcrbcizusührcn, sowie über die Verwertung des Materials zu beschließen, nachdem die umfangreichen Gutachten der Sachverständigen zufammcngestellt sein werden. Die Verhandlungen werden an der Hand desselben Fragebogens geführt werden, der bei den früheren Erörterungen zu Grunde gelegen hat. Entsprechend der Aufgabe des Ausschusses, diese Preisbildung beim Vieh, beim Fleisch non' den Produzenten bis zum Verbraucher zu verfolgen, beschäftigt sich der Fragebogen zunächst mit den Stallpreisen, sodann mit den Preisen und Gebühren auf dem Vieh- und dem Scklachthos, schließlich mit denen im Laden des Fleischers. Daran schließen sich Fragen über Nachrichtenwesen und Statistik. Deutsche IColoitictt* — Dcr Ständige Wirtschastliche Ausschuß der Kolonial Verwaltung, der biA-er zu Nein nnd einseitig zusammengesetzt war, wurde durch den Staatssekretär Tr. Sols neugestaltet. Ter Staatssekretär hat erwogen, daß im Wirtschaftlichen Beirat des Reichsamles möglichst alle Bundesstaaten vertreten fein müßten. Bisher waren es Preußen, Sachsen, Bavcrn, Baden nnd die Hansaftädte. Jetzt treten hinzu Württemberg, Hessen, Sachsen-Weimar-Eisenack, Oldenburg, Braunschweig und Sachsen-Altenburg. Ihn eine möglichst vollständige Vertretung für die Kolonien durch die wichtigsten Handels- und Industriezweige zu erreichen, wird der Ausschuß künftig, anstatt wie bisher nur das Bankgeschäft, den Baumwollhandel und -induftrie, die Traht und Eisenindustrie, den Warenhandel und die Reederei, folgendc Handels- und Industriezweige umfassen: Baumnwllindustrie, Bank geschäst, Maschinen- und Eisenindustrie, die Tiaman4en-, Bijouterie-, Oel-, Woll-, Kautschuk-, Hanf-, chemisch?, Nahrungsmittel-, Jute-, Glas-, Leonische Traht- und die Tabakinduftrie, den Berg- bau, den Waren-, den Baumiooll-, Holz- nnd Kohlenhandel, sowie • die Reederei. Tazn wird dem Ausschuß angehören je ein Vertreter des Kvloniatwirtschaftlichen Komitees, der Teutschen Kolo- nialgeselljchaft und der Ständigen Ausftelluilgs-Kommission der deutichcn Industrie sowie zwei Vertreter der Landwirtschaft, die an den wirtschaftlichen Bczichung.cn der Schutzgebiete zum Aiutterlanoc, _ erhebliches Interesse bat h Ordens eö* WerW « "nd°° « Ä Sw« Litt i”1 9* r L n a eine». - . I' " sss* ;<> eri von >e 'W/iy ., 6C[te Wer l>® Lensarten erft ck zuweilen nenn >Elii Lande herge O -udem äusser jinbet durch die Sichen siatt. $)ll£> Ha uns Anlab Kaisers seine D „kschlosse" sind ** 1200 Ma Raubmörders sanii-lchrling ernu ür am Mtwocli, i rcrmitlagS, int W Mn äruifinannslc tot liopf niiticllt Mole rjn 6,35 :( toauüt hoi, in t! mnticit worden. 1913 gegebene Bef tic folgt, ;n bericht fkilak: schlank bis Ingen: braun: G fnidi und gesund: C Jart: mittelstark, Mlgrauct bis initti (in wenig ausgefpi Mett, neuer bra l&ige nach eingeb ihaMeck des Tat: Lcr Pame „Soll1 rot der Tat abgeid i n er als Dstmi feinem Bekannten Aus-ahluitg des je raum des hiesige einem Vorwande M Geldes tut 3 im Poslfchewml 'vermutliche Täter Postscheckamt gege, uari) bcni 3 em Znnfgdb ,er ä Ä-K Sgti Mr i’JtiiiiJ,1'“1'?"« ^ioiint?. )ln(Ou die ;Sq bet te” ! les bem " '!°"dcr^ehalt -ck^iug,EU-NB bn'i ' ü -'Set ” , der f ei reij. - Ulli S6Ä ,:/age 1|. S.:SS, r Vereinfachililg- rfitz des StaatsminijA- ib. Eine offizielle Aii- :r Sitzung wird moc den. !ge. ^^555s‘ >ge. 5,°Gst-gez fMb Ä"°n«g° !„ U », zu bl-liiflen in M «Ä ®',lM Nach Abschluß di' le» die am Monlaa Erklärungen von de" lagen unv die Aah- -n- Uebee einen Fest. /Werungsjchl^mz lchluß gesüßt. 09 en. y Reichstags {an- ' n statt, die größlep? - sich neben der Sieb lndgetausschusses über rung einer GrundlaZ, •en Leckungsvorlagen unbigung der Bürger en der Erbanfall- ‘r Regierung, die dm e umher. s schuß csung des Wehr, er Woche erledigen ß soll der Reichstag i: e keine Sitzungen A m Plenum der 'M tverben. rch. Provinz Pofn Zroesike in der 3^ ts haben die Wta troa ninb 8 M Volkstum geivow rn amiliennamcii, $tnM1 mschende lschoftsminilk«^ igten Srfahms MM, itijicrung e^r reiM. TeutschengrKmiib '(fielt unb nur 42m i»n 'feniitHiv M~eu*! 'l1. preulW.711^'; 'Problem md>: rrM1 Mtige WM*cr derZustände im kdel ssekretars des Innern ngctretcu. Aus der rung von Sach- >rigen Setzungen d - gung§gebiet unb am -n jetzt etwa W. deulschland. l-' idlungen )U deend^ Sachverständigen 1 vernehmen. Dam beendet iem ZMZx - **83^ •J =adidi <* % °"d B»' ,chers- , *1!?^ Wtell 1nc ** (Kons)- ^fl’crun^ daß ^nah-L'/M. ->lbe ober onrU(. C Cln cllli'9Cj erwogen, itfu^m ~ x’ürtKO1^;, tc" ^SauuÄü bur?'^ Leit« xSÄkS ■ tnie bi»*c nvüb &«’,rlL‘ f*. ) *■, q}eei>erC-''! W- GM Mk U-sL '$$*y Aus Stadt und Cau^ Gießen, 12. Juni 1913. •• Ordensverleihung. Der Gro ßherzog hat dem Vorstandsmitglied dos Spar- und Vorschnßvcrcins zu Bad-Nanheim Hartmann Stoll das Ritterkreuz 2. Klasse bc5 Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *:ic Tie hessische Vereinigung für Volks - 7unde l)ält Lonntcrg, 22. Juni, nachmittags von 3» Uhr an, ihre diesjährige vauptverlammlung. An die eigen t lrche Mitgliederversammlung schließt sich um 4 Uhr ein »ertrag des Prof. Dr. Reis von Mainz über hessische M u n d a r t e n und M u n d a r t e n d i d) t u 11 a der auch Nichtmitgliedern zugänglich und bei der zunehmenden Wertschät-ung des Tialektes sicherlich große Beachtung finden irirt. Eine besondere lleberraschung aber soll die Tagung beschließen. Um 6 Uhr nachmittags be ginnt im groben Saale von Steins Garten die A u f f ü h r 11 n g eines Oden Wälder Volks st ückes: Tas M ü l l e r l i e s e l von Amorbach, durch Mitglieder des Gesangvereins „Eintracht" in Klein Linden. Ter Eintritt wird Mitgliedern und deren Angehörigen gegen Zahl i:ig von je 30 Pfg. ermöglicht. Richtmitglieder zahlen das Tappelte. Wer sich an hessischem Volksleben und hessischen Redensarten erfreuen will, wer dabei Zeuge sein will, wie cs zuweilen beim Handschläge, oder bei der Hochzeit auf dem Lande hergeht, dem kann der Besuch dieses Stückes, das zudem äußerst unterhaltend ist, nicht dringend genug empfohlen werden. Der Vorverkauf der Eintrittskarten smdct durch die Musikalienl>andlung von Ehatlier in Gießen statt. "Das Hauptsteueramt Gießen teilt uns mit, bas; ans Anlaß des 25jährigen RegiernngsjudilänniS beS Kaisers seine Di en st räume am M 0 ntag, 16. l. Mts. geschlossen sinb. ** 1 7 0 0 Warf s i n b für die Ermittelung eines Raubmörders auSgefctzt, ber in Hannover einen Kauf- mannslehrlina ermorbch und oab.i 231 Mt. raubte. Ter Tater, der am Mittwoch den 2X. Mai 1913, zwischen 1 11 uno II Ul;r vormittags, im Hanse Schillerstraße 20, 3 Treppen, den 13 Jahre alten Kausmannslöhrling ^Haiis Steins durch einen Schliß in ■ den .\torf mittelst einer Selbstladepistole «Browning-, Mauser Pistole- von 6,35 Millimeter getötet und um ungefähr 231 Mark beraubt hat, ilt trott eingehender Nachorschungen bisher nicht ermittelt worden. Tie in der Bekanntmachung vom 28. Mai J913 gegebene Beschreibung des Täters und seiner SUeioung ist, ipie folgt, zu beridtigen und zu ergänzen. Alter: zirka 25 Jahre: Gestalt: schlank bis mittelkräftig: Größe: 1,72 bis 1,7.5 Meter: Augen: braun : Gesich': voll (geriinbcie Backen); Gesichtsfarbe: srisd', und gesuild: Gesichtsausdruä: vfseu und freundlich: Schnurrbart: mittelstark, vielleicht etwas gestutzt, bloud. Bekleidung: hellgrauer bis mittelgrauer, menig getragener Anzug, dessen Stoss rin wenig ausgesprochenes Muster bat, einreihig, offengetragenes Jackett, neuer brauner, weicher Jilchul, der in der Mitte der Länge 11 ad) eingebrüdt ist, schwarze Stiefel. Ter dunkelbraune jbanbftcrf des Täters hatte einen nicht näher sestgestellteu Griff.' Der Marne „Zoll", den der Täter bei der etwa eine Stunde vor der Tat adgesd lossenen Miete des Zimmers für seinen Stuber, den er als Poilaijistent bezeichnete, sich beilegte, ist möglicherweise seinem Belanntenlreise entlehnt. Ter Täler hat vermutlich die Auszahlung des seinem Opfer später geraubten Geldes im Schalter- raum des hiesigett Poßschedamtes beobad>tet und Steins unter einem Vorwande in das Zimmer gelockt. Tie AuSl>ändigung des Geldes an Steins ist zwischen 10 uitb 10' \ Uhr vormittags im Postscheckamt erfolgt. Sck.on kurz vor dieser Zeit hat der | vermutliche Täter einen Zeugen nad dessen Angabe an der dem Postsdreckanit gegeniiberliegenden Sd.mucianlagc zur Begleitung I nach dem Hause Sä illcrstraße 20 und zu einer Besorgung gegen ent Trinkgeld zu veranlassen gesucht. Etwa eine halbe Stunde später will dieser Zeuge den Täter zusammen mit Steins vorn Äusl August Platz her bie Schillerstraße haben entlang gehen >kMu. Mit dem Gelbe ist auch das Portemonnaie geraubt, in iflij Steins das Geld bei sich hatte. Es ist ein Lederporlemonnaie, auf dem fünf Weinblätter und zwei Weintrauben an einer Ranke fiugepref’t sind. Tie braune Farbe des Leders ist burch den Cicbraud) bunkel, fast schwarz geworden, das Leder ist abgegriffen. 2a5 Portemonnaie (Größe 5:8 Zentimeter) hat vier Fächer und dunkel gewordenen Ni ilvcrschlnß. Tie Herbcifckaffung dieses, von dem Täter höchstwahrscheinlieh fortgeworfenen, Portemonnaies 1 ist im Hinblick auf den etwaigen Fundort von großer Bedeutung. V 2s ergeht hiermit nochmals an ledermauu, der Angaben zur I Ermittelung des Täters machen kann, die Aufforderung, solche I unverzüglich der Innigen Kriminalpolizei zu melden. Für die I Angaben solcher Tatsachen, die zur Ermittelung des Täters führen, I hat der Herr Regierungspräsident in Hannover die bereits in I vöhe von 500 Mark ausgesetzte Belohnung auf 1000 Mark er al. Bei Mitwirluug mehrerer bleibt die Verteilung der Be nmg dem Regierungspräsidenten unter Ausschluß des Rechts- F iveges Vorbehalten. Außerdem hat die geschädigte Firma Gebe | Greiser, Hannover, eine Belohnuttg von 200 Mark unter gleichen I Bedingungm ausgesetzt. Kreis Alsfeld. ? Alsfeld, 10. Juni. (8 t n b t v c r 0 r b n e t e n f i h u u g.) L "tuweseub: yingcrinciftcr Dr. Völling als Vorsitzender, Beiaeorb- I ncter Weitz, sowie zehn Stabtoorstanbsinitglieber. Vor Beginn der I Sitzung teilt ber Vorsitzende ein Schreiben des Kreisaints Alsfeld ■ mit, worin es seinen Tank für den von der Stabt zur Vlldnng eines Kreis ob st- und 6) a r t e n b a n v e r e i n s bewilligten I Beitrag von 50 Alk. anssvricht uitb initlcilt, baß die vom Stadl» F povftanb hieran geknüpfte Bedingung, daß ber Obstbautechniker bte I 'achmännische Beauinchtigung ber stöbiischen Obstanlagen über- [ nimmt, genehmigt worden sei. Ebenso wird ein Dankschreiben des I Laudwn-tschastskammer-Ausschnsses zu blieben für bie Bereitstellmtg und Einrichtung des Viehmarktplatzes und bie Mitwirkung ber 'tädtischen Beamten bei ber Durchführung ber Zuchtviehauktion am | 30. Mai mitgeteilt. Weiler teilt ber Vorsitzenbe mit, daß bie k Ei s e n b a h n b a u a b t e i l u n g A l s s e l d von dem Anerbieten | desSlabtvorstanbcs, den Anbau des alten Bollsschulgebäubes . |u B u r e a u r ä u in e n zur Verfügung zu stellen, abiehe, da ihr I mit Rücksicht auf bie Entfernung eine Kontrolle des bort tätigen I Personals nahezu unmöglich sei' unb bie Einrichtung und Unter [ Imltung ber Räume, sowie bie Herstellung eines Fernsprech-An- - I.HIusses bem Mietpreis von Räumen in unmittelbarer Räbe ber Aauabteilung aleichkärne. Tie Bauabteilung werde für die Unter- W dringimg des Personals selbst Räume anmieten. Weiler wirb mit- ■ geteilt, daß das Finanzministerium bie G eneb in 1 gun g zu bem 0111 28. März abgehaltenen lanbespolizeilichen Prüfimgstermin des obg e ä n d e r t en Bahnhossvrojektes erteilt habe unter der Bebingung, das; u. a. die bem Bürgermeister ber Stadt Als- leib von den Vertretern ber Eisenbahnverwaltung gemachte Zusage bezüglich der Herstellung einer Wegunterführung an ber ‘Marburger Straße erfüllt wirb. Zu bem (tzesuch ber l a n b m. 8J i n t e r s ch u l c um Abgabe von elektrischem Strom $u e iter Dresch anlage auf ihrem Versuchsfeld bat Beig. Weitz Erhebungen angestellt' und unterbreitet folgenden Vorschlag: Die ctabt Alsfeld stellt die Starkstromleitung auf ihre Kosten her, die Gesuchstellerin verzinst die nach seiner Berechnung auf etwa 2500 Mk. V sich beziffernden Anlagekosten dauernd mit 5%, sie zahlt die für ■ Irdftftvom zu entrichtende Taxe und bat sich zu verpflichten, nur 0111 Tage zu dreschen, letzteres mit Rücksicht auf bie an die fragliche Leitung a'ngeschloffenen Lichtabnehmer. Nach emgehenben Er- | ivLgungen'bes Stabtvorstanbes besonbers bes Gemeinberats Bücking, dcr die in'Aussicht stehende lleberlanbzentrale ins Feld führt, wird ue Angelegenheit dem Elektrizitätswerksousschnsseziir Prüfung iiber= ui den' - Tas Gesuch des prakt. Arztes Dr. Rothschild wegen Genehmigung zur Uebevbrüdimg der Liederbach vor seinem in ber ^licllengapc erbauten Wohnhause wirb mit einer kleinen Bebingung kki-iehmigt, desgleichen ein Gesuch um Pachtnachlaß. - Tie Firma L. Wallach hat um Erteilung ber GastwirlfchaflS- k 0 nzessi 0 n für ein in ber neuen Bichnhofszufuhrstraße zu errichtendes Gebäude anstelle des durch bie Straße in Wegfall kommenden fogen. „Alten Brauhauses- nachgesncht. Hierzu ist eine Eingabe des Gastivirtevereins Alsfeld und Umgegend eingegangen, die Beigeordneter Weitz - Bürgermeister Dr Volsmg nimmt als Kieisausschußmitglied an der Beratung dieses Punktes nicht teil - verlieft Ter Gastwirteoerem bittet den Gememderat, die Bednrf- mslrage zu verneinen, da in Alsfeld genügend Wirtschaften - etiva 50 an bei Zahl - beständen und da es sich nicht um den Eingang einer gutgehenden Wirtschaft handele. Kem Wirt in Alöield könne sagen, daß seine Wirtichaft gut ginge, insbesondere die nicht, bie ausschließlich Wirtschaft betreiben. Es sei an ber Zeit und nn vorliegenden Falle dringend erforderlich, daß mit Erteilung von Wirtschaftskonzessionen Schliiß gemacht werde. Ter Stadtvorstand verschließt sich nicht ber Ansicht, daß ein tatsächliches Bedürfnis Alt einer neuen Wirtschaft nicht vorhanden ist, vertritt jedoch seinen grundsätzlichen Standvmikt, das Gewerbe zu fördern, d. h. der Geiverbefreiheit ihren Latif zu lassen nut) bejaht die Bcdürfnis- frage. — Ter z. Z. im Konkurs befindliche ehemalige Kinemaot- gravhenbesitzer Emil Martin II beabsichtigt, das Kineinatographen- Theatcr pachtiveise zu übeiuehiiien und hat um Abgabe von eleftr. Strom nachgesiicbt. Der Vorsitzende teilt dazu mit, daß er Martin veZvrochen habe, wieder Strom znznführen, ivenn er 1) bie ber Stabt burch semen Konkurs verloren aegaiigeiien 348 Al. ersetze, 2) eine Bürgschaft hinterlege und den Strom ivöchentlich bezahle. Der Vorsitzende vertritt diesen Standpunkt in ber Sitzung. Gemeinberat Bücking ist ber Ansicht, daß man in bas schwebende Konkursverfahren nicht eingreifen könne, hingegen sei er dafür, daß man Martin bei Gründung einer neuen Existenz nicht hinder lid) sei. Er beantragt die Hinterlegung einer 100 M. betragenden Kaution und allivöchentliche Negiilierimg des Stromgeldes. Ter Antrag wird mit Stimmengleichheit abgefeimt. Hierauf wird auf Antrag des Vorsitzenden angenommen, die Angelegenheit dein ElektrizitätSwerksansschnß jur Prüfung zu überweisen. — Tie Prüf'ling von Blitzableitern von Privaten durch städtische Angestellte soll künftig nicht mehr ftattfinben. - Beschlossen wird, von der Firma E B. König in Slltoim einen R a u ch s ch u tz - A p p a r a t für die freiwillige Feuerwehr anzilschasseu. — Ter Vertrag mit dem V 0 l f f i n t> c r g a r t c 11 wegen der ihm im alten Volksschnl- gel'äude üherlassenen Räume ivirb nunmehr ciibgültig genehmigt unb ber über bie erstmalige Herrichtung ber Räume vorgelegte Voranschlag in Höhe von 1100 9)L zur Ausführung beschlossen. Ruppertenrod, 11. Juni. In diesem Jahre sind c5 3 5 Jahre, daß der Gemeindcrechncr Hch. Philippi sein Amt angetreten hat. Mit Gewissenhaftigkeit und Trettc hat er sein Amt geführt. Die Kassenprüfitngen ergaben für ihn stets bie Anerkennung der Behörde. Hesfcn-Naffau. — Bad Hom bürg u. d. H., 11. Juni. Beim Spielen rannte gestern abend der 10jährige Schüler Diel gegen einen Straßenbahnwagen, der ihn erfaßte und auf der Stelle tötete. Lnn^wirtscbcAft. x Ruppertenrod, 11. Juni. Tie Aussichten unserer Landwirte sind nach jeder Richtuiig vortrefflich, dagegen die für die Finke r schlecht. Während der RavZbliue ivnrdeil die 't-ölker 14 Tage durch Wettersturz zur Untätigkeit gebracht. Die gleiche Erscheinung trat während der Avfelblüte auf, unb jetzt wiederholt sich zum britlenmale das Vorkommnis beim Blüheir des ivcißcn Klees und bei Wiesenblumen. Ta kann eine gute Houig» ernte nicht gebeihen § V 0 m öorbere» Vogelsberg, 11. Inni. Das Gras ist icif zur Heuernte. 91 ber bie Witterung läßt ben Grasschnitt nicht zu. Em solcher Graswuchs, wie ihn bie Wiesen zeigen, gehört zu ben Ausnahmen. Selbst bie trockenen Felbwiesen iveisen einen vortrefflichen Grasbestanb auf, besonders auch dichten Steinklee. Die Grasversieigcrnngen bringen niedrige Preise, weil überall nutterüberfluB vorhanden ist. Die imfreuviHige Bluse in der He>i- ernte benutzen die Landwirte zum Setzen der Hackvflanzen. Hierfür ist allerdings bas Wetter sehr geeignet. Nur sehleu in vielen Ge° meinben bie Setzpslanzen. besonbers Gemüse- unb Krautpslanzen. Vieri» sinbet ein lebhafter Austausch stall. Tie jungen Pflanzen sinb von ben Erbflöhcn sehr geschädigt worben. In ber Annahme, daß bas naßkalte Frühjahr bas Ungezieser vernichtet, hat man sich getäuscht. — Ausstellung b e r V e r k a u s 5 - V e r e i n i g u n g für S t i ck st 0 s f b ü n g c r in Straßburg 1913. Immer mehr bringt bei ben Landwirten die Erkenntnis burd), baß sie im Kalk- slickstoss ein Stickstoffdnngemiltel besitzen, bas an Wirkung ben üb» riacn o.leichkommt und im Preif'e aber ben anberen stickstoffhaltigen Dünaemilteln geqenüber erheblich znrückbleibt. Ein Beweis hierfür sinb die von Jahr zu Jahr gewaltig steigenden Llbsatzziffern. Tie Vertaiifs-Vereiingimg für Stickstoffdünger, Berlm-81V. 11, läßt es nicht an der nöti en Anfklärimg unter den Landwirten fehlen, ,vas der fachgemäß amgebauic Stand in ber Erzengnishasie der bie§- jäbriqen Wanberschau der Deutschen Landwirtschafts-Gesestschaft in Straßburg beivciü. Aus ben verfchicbenftcn Gegeuben Teutsch- lanbs war Material von Düngungsversiicheu vertreten, an benen der Landwirt die dnugeude Wirkung des Kalkstickstoffes schlagend bewiesen sah. 9luss:iche von Roggen-, Weizen» unb Haferselbern und Wiesen reihten sich aneinander, wobei besonders Elsaß- Lothringen nnb bie angrenzenben Gebiete eine 63rnvpc für sich bildeten, die im Hintergrnnbe burch ein Kunstgemälde, das eine Scbwarzwald-Landschaft darstellt, abgeschlossen wurde. Staubgläser unb Photogravhien bemonstrieren bie Erträge von verschiedenen TüngnngSverjuchen, wie auch der Besncher der Ausstellung bas Rohmaterial, sowie bas Produkt selbst einer Betrachtung unterziehen konnte. Universitäts-NaeHrrchten. Am Mittwoch mittag sand in ber Berliner Charite im Hörsaaie ber Ersten mebizinischen Klinik bie Enthüllung bes Denkmals bes Geheimen Rats v. Leyben statt. Anwesend waren 11. a. Vertreter ber Ministerien des Innern unb des Kultus. Tie Festrede hielt Professor Lllbert Fränkel. — Tie Universität Heidelberg zählt im laufenden Sommerhalbjahr 2617 Studierende. Hierzu kommen 175 Hörer (Hospitanten). — Tein Professor für Naturwissenschaften an der Großherzogi. Sächs. Forstakademie zn Eisenach Dr. Walther Migu la ist der Titel „Hofraf verliehen worden. — Dem Projektor am Stadtkrankenhause Johannstadt zu Dresden Dr. med. Paul Rudolf Geipel ist der Proieffortitel verliehe» worden. Dr. Geipel war früher Assistent bei Professor B 0 st r 0 c in in 63 ieße n. Arbeiterbewegung. Schutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von Ausständen. Ter „Arbeitgeberverband der Edel- unb Un- cbclmetaninbuftrii' und verw. Hilfsgeschäfte zu Schwäbisch-Gmünd" und der „Arbeitgeberverband der Holzimporteure unb Holz- inbuftriellcn im Hafen zu Tüsselborf" haben sich, um ihren Mitgliedern bei Streiks unb Aussperrungen eine feste und ausreichende Entschädigung zu sichern, bem Deutschen Inbustrieschutzverbanb Sitz Dresben> angeschlofscn. Sport» = Bad-Nauheim. Das Hockevs Piel, das in England schon seit Jahren zu den beliebtesten Rasensportspielen gehört, ljat nun auch bei uns in Teutschtaiid festen Fuß gefaßt. Viele Turnvereine in ben größeren Städten haben es in ihr Programm aufgenommen ober es bestehen Hockch-Klubs, deren Mitglieder dem gesunden BewegungSspiel mit Begeisterung obliegen. Bereits im vorigen Jahre hatte die Bade- und Kurverwaltung auf ihrem Golfplatz ein H 0 ckev Dettfpiel veranstaltet, daß allseitig das größte Interesse erregte. Deshalb ist für den nächsten Sonntag, den 15. Juni, »hebet ein Wettspiel an gesetzt, und zwar wird es sich um einen Kampf zwischen dem Deutschen Hocken m 111 b Hannover und dem Fra n I f u r t e r Turnverein 1860 handeln, der sich zweifellos äußerst intcreffant gestatten nnrb. - 28. Mainzer Ruder Regatta. Am nächsten Samstag und Sonntag findet, wie schon mttgeteitt, auf der alten Mainzer Rennstrecke, Weifenauer Zcmentfabrik-Eifenbahn- brücke, die große Regatta des Mainzer Ruder Vereins statt. Am Samstag kommen 9, am Sonntag 10 Rennen zum Austrag. Glicht weniger als 95 Rennboote werden ihre Kräfte mitetnanbev messen. Handel nnd Oerkel-r, T i e erste B I i n d e n g e n v f 1 c n f d a ft in Deutschland. Heilbronn, 8. Juni Tas Neueste auf bem Gebüre ber modernen Blindenfürsorge ist die vom Württernbergifchen Blinden verein ir. V.) kützlid» gegründete „Blindengenoffenfck-aft, c. G. in. H zum Ein und^Veriaui fiir blinde Wiverbetreibende Württembergs", die ihren Sitz in Heilbronn a. R. tat. Das eigenartige Unternehmen, das burd) beträd tlid.? Zuschüsse des Württem bergifd^n Blinbenvereins gestützt wird, stellt den ersten Versuch dieser Art in ganz Deutschland dar. Tie unter so außerordentlich ungünstigen Verhältnissen nur ihre nürifdnftlidM’ Selbständigkeit kämpfenden blinden Hanowertvr sollen bind’ ben genossenschaftlichen Zusammenschluß in ihrer ^Erwerbsfähigkeit unb Archeits- fuubigleit gefördert werden, ohne daß in ihnen das meberbrii f-mbe Bewußtsein des Almosenempfangens gcivf ft ivirb. Tie Gesdüfts- ftthrung ber Blindengenofscnfchaft liegt in ben Händen eines blinden und zweier sehenden Vorstaiiosmitgliedcr Ter .ckufsidüsrat besteht aus zwei Blinden und zwei 2el>?ndcn. lieber 70 blinde Handwerfer haben sich bereits ber Genossenschaft angcsdhoffen, bereu Gefckxrftsbetrieb fick» insbcsonbere auf die Bürstenrnacherri, Korbmad-eeri, Seilerei, Stuhlfled terei und fvciblid-e Hantarbritcn erstreckt. * Tie K 0 hl en pro b u kti 0 n in Hessen. Die monatliche Statistik ber Kohlenprobuktion Hessens foeist 11 ad) ber „Tarmst. Ztg." für ben Monat Mai 1913 folgende Zahlen nad): An Rohbraunkohlen wurden gefördert 37113 T., verkauft 2784 T. Der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt, dlus den verarbeiteten Rohkohlen wurden erzeugt 1795 T. Braunkohlenbriketts unb 3286 T. Naßpreßsteine. Unter Berücksichtigung ber auS Vormonaten übernommenen Bestände, sofvie des Absatzes und Selbstverbrauchs blieben absatzfähig 229 T. Rohkohlen, 299 T. Briketts unb 3959 T. Naßpreßsteine, zusammen 4487 T. Braunkohlen unb Braunkohlenprobukte, im Gesamtwert von 49 700 Mark. Heibelverg, 11. Juni. Der hier tagenbe Raiffeisen- verbanb, beit auch bie lanbw. Zentralbarlehnskasse angehört, beschloß hcnte gegen bie Stimmen ber 180 Posener bas Grnnb - kapital bieser Kasse nicht nur wie es bie Verwaltung empfohlen hat, um eine Million, sonbern um 5 Millionen auf 15 Millionen zn erhöhen. märtte. FC. Wiesbaden. Vieh Hof-Marktbericht vom 11. Juni. Auftrieb: Rinder 29 (Ochsen 10, Bullen 5, Kühe 14), Kälber 223, Schale 00, Schweine 387. Geschäft mittel. Preise für 100 Pfd. Lebend- Schlacht- Ochsen. gewicht Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht- Mk. Mk. ivertes im Alter von 4-7 Jahren .... 52—56 91-98 Tie noch nicht gezoaen haben umaejodne) . . 51—55 90 — 97 Jnnge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 46—50 81—88 Bullen. Vollsleischige, ansgew., Höchsten ScHlacHtw. . . 49—52 82—88 Vollfleischige, jüngere 44—48 74—82 Färsen, K n h e. Vollfleischige anSgemästete Färsen höchsten Sd)lad)tiucrie§ 51—65 91—98 Vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zn 7 Jahren .... 42—48 78—85 Acltere ausgemäsiete Kühe und ivenig gut ent- ivickelte jüngere Kühe 45—49 83—91 Mäßig genährte Kühe unb Färsen 37—41 68—76 Gering genährte Kühe unb Färsen .... 30—35 60—68 Kälber. Feinste Mastkälber 64—67 107—112 Mittlere Blast- unb beste Sangkälber .... 58—63 97—105 Geringere Blast- nnd gute Saugkälber . . . 53—57 88—95 Geringere Sangkälber 46—52 78—88 Schaf e. Meibemaslschafe: Mastlämmer unb Blasthammel .... 47.00-00,00 98—00 Schweine. Dollfleischtge Schweine von 80—100 kg Sebenb» gewicht * . . . . 52-54 67-69 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebenbge,vicht 51‘/2-53 66—68 Vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebenbge wicht 537,-55 67—69 Vollfleischige Schweine von 120—150 kg Sebenb- gewicht 52-537, 65-66 Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht . 50-51 " 63—64 Limburg a. d. Lahn, 11. Juni. Frucht markt. Durchschnittspreis vro Bialter. Noler Weizen (naffanischer) 17,50 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 17,00 Bit, Korn 12,80 Mk^ Gerste: nuitergerfte 10,50 Dlk., Braiigerste 0,00 —0.00 -BIC., Hafer 7,00-8,50 Mk., Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln Mk. 4,00-0,00 Bik. C3tECto A.cIASNdATZI A.(3. DRESDEN* GRÖSSTE DEUTSCHE c igahettenfabrik Zwangsversteigerung. Die nachstehend bezeichneten Grundstücke, die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvcrmerks auf den Namen der aj Sophie Heim geb. Korbacher, Witwe des Georg Heim zu 6/12, h) Thiriot, Marie geb. Heim, Ehefrau des Jakob Thiriot zu Vl2, c) Zutt, Helene geb. Heim, Ehefrau des Theodor Zutt zu Vi2» d) Wagner, Anna geb. Heim, Ehefrau des Louis Wagner in Essen zu 712, e) Dürr, ' Margarethe geb. Heim, Ehefrau des Konrad Dürr ?ii Vt2, f) Stark, Elise geb. Heim, Ehefrau des Karl Stark zu 1/v,, g) Nau, Luise geb. Heim, Ehefrau des Emil Nau zu v/v, im Grundbuch eingetragen waren, sollen Samstag, den 2. August 1913, norm. 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Justizgebände dahier, Zimmer Nr. 18, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Der Vcrsteigerungsvermerk ist am 2. Mai 1913 in das Grundbuch eingetragen worden. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvcrmerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Bersteige- rungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumeldcn und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Bersteigerungscrlöscs dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nach- ,gefetzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung ent- gegenstehendcs Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens hcrbci- zuführeu, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Gießen, den 17. Mai 1913. Großhcrzogliches Amtsgericht. b*7g Bezeichnung der Grundstücke. Grundbuch für Gießen, Band 29 Blatt 1353: Flur 2 Nr. 1581/, 0 — 728 qm Hofreite links der Chaussee (Stei nstr. Nr. 73) Mk. 57000 Flur 2 Nr. 1585/i0 =271 qm Grabgarten daselbst ........1000 _________________________________ Mk. 5bU<)Ü Zwangsversteigerung. Das nachstehend bezeichnete Grundstück, das zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen der a) Fink, Ludwig, zu Gießen zu V«' b) Fink, Dorothea geb. Keßler, dessen verstorbene Ehefrau, zu x/2 im Grundbuch eingetragen war, soll Freitag, den 8. August 1913. vorm. 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Justizgebände > dahier, Zimmer Nr. 18, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt zum Zwecke der Aus- einandersetzung. Der Verstcigerungsvermerk ist am 28. April 1913 .in das Grundbuch eingetragen worden. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sic bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nach- gesctzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung ent- gegenstehcndcs Recht haben, werden ausgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbei- i zuführen, widrigenfalls für das Recht der Ver- steigerungserlös an die Stelle des versteigerten 'Gegenstandes tritt. Gießen, den 20. Mai 1913. Großhcrzogliches Amtsgericht. b17c Bezeichnung der Grundstücke: Grundbuch für Gießen, Band 19 Blatt 862: Flur 3 Nr. 263, 264, 265 = 642 qm Hofreite auf die Grünberger Chaussee (Wolsstraßc Nr. 7) ' Mk. 27000.— Verdingung. Das Streichen der 52 Meier langen eisernen Lahn- brücke bet W nun ar soll öffentlich vergeben werben. Die Verdingungsunterlagen liegen ans dein Bnrean des KrerShochbaumeisterS in Wetzlar, Bnlmhoistraffe Nr. 29, ans und können, io lange der Vorrat reicht, gegen porto- unb beiteUgelbsreie Einsendung von 0,50 Mk. bezogen werben. Sämtliche 'Angebote sind verschlossen itnb mit ' entsprechender Ausschnst versehen bis zum DonncrStaa, vormittags 11 Uhr, einzusenden, wo- ielbit bte Oemiung ber eingegangenen Angebote erfolgt. ^uichlagSinst 14 Tage. Wetzlar, den 11. Juni 1913. v>,/. ________________Der ztreishochbaumeister.__ Mit dem Heutigen eröffne ich Walltorstr. 18 ein Gelegenheitskalifhaus für Herrenkonfektion u. Schuhwaren Durch Masscneinkauf bin ich in der Lage, auch Wäsche weit unter Preis abzugebcn! Kene Anzüge von 14.50 Mk. bis 25 Mk. Nene Herrenschuhe v 4 50 bis 9.50 Mk. 3716 Ha Goldberg, Hauer I Berlin, im Juni 1913. 3864 Bank für Handel und Industrie Mektm üer NaPmslhtll Lalldesbllllk D'7, ||ö][ä][ä][ö]g[ä][ä][ä][ä|[ä][ä][ä](ä][ä] □ Bronzen Giessen. Telephon 733 |qJ [□ Selter smeg 89 [□]□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□[□] 0 □ □ D richtungen Langjähr. Garantie □ □ □ [2l@[°][Dl!äl|D][ä]@lBlD[ällä][ä][ä][Hl@@[5] MUMM □ d" Die am TO. Juni d. J. abgelaufene Frist für den Umtausch von Aktien der Breslauer Disconto-Bank in Aktien der Bank für Handel und Industrie wird hiermit bis zum □ Lj □ □ n Tubcnfarbcn Spritzfarben Karbolineum Eifenlackc Tapetcnkleber Jahresproduktion 100000 Waggons Vertreter: Eugen Braun, Cassel, w Telephon Nr. 4033. ■o o CO Bank für Handel und Industrie, Mitteldeutsche Creditbank. näheren Zeichnungsbedingungeu sind daselbst erhältlich. Schuldverschreibungen der Nassauischen Landesbank sind mündel- sie werden vom Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden garantiert. Wiesbaden, den 12. Juni 1913. 22.Juii I9lZ einschließlich' verlängert. Bis zu diesem Termine kann der Umtausch bei den bereits bekannt gegebenen Stellen wie bisher bewirkt werden. Die bis dahin nicht zum Umtausch eingereichten Aktien der Breslauer Disconto-Bank werden gemäss § 290 H. G. B. für kraftlos erklärt werden. Die Die sicher, IHJ DO [Hl -j. ganzer L=J Ausstattungen Spezialität: Bürgerliche Herren mit trockenem, sprö- dem ober dünnem Haar sei zwecks Anregung eines vollen, kräftigen Haarwuchs es, bzw. der Haarwurzeln, folgendes bewährte u. billige Rezevl empfohlen: Wöchentlich 1 maliges Waschen des Haares mit Zucker’»« kom- binicrtcniKriiuter-Shani- poen «Pak. 20 Pf.), daneben möglichst tägliches kräftiges Einreiben des Haarbodens mit Zucker’s Original- Kriiuter - Haarwasser 3. Gioth, G.m.b.H. Alleinige Glieder läge: Wilh. Wagner, Stcinstrabc 45. [D'/i „Wenn Sie von hartnäckigen FBechten, juckenden Hautausschläge» usiv. geplagt find, so das; bcc Hautreiz Sie nicht schlase» läfft, bringt Ihne» „salu- derma" rasche Hilfe." Aer»t- lich warm cmvi. Dose 50 Pt- u. IM. istärküe Aorml bei W. Kilbinger, Seltersiveg 79a, 'N. Wall, Bahnhofstr. »L E- Noll, Kaiier-Drogerie^E ar». Seibel, Frantsurter Str. 39, Dito Schaaf, SelterswegM^ E. Karn, Schulstrahe. OP/i- i?f, 156 EASk fjiendtflü111,0! jc! s&X“ «,-I- * iS «Mae W”.1 • für die Tsaesnu' bis vsriull-'^ Vom hessi folge» in der Ä mb scheu Richter Lberlehrer w ber im Beioldun» licheu Bemmen, D fertigt sind. Von einem u Sidlicr unb Cberb luheir Bchmmung unb der ^rbcrcit ffnifcllung^igfei ein Kandidat ö(* ! als ein Jurist, a! logen durchschmlü baß dieser Unterfc 1885-1894 Habei mis bU zum ? He Juristen r_un Aeserendar beträgt 7 Semester. Ta- die Juristen 14',e (tfr.cerlid; wesentm Ähe'mingen haben logen bis zum j lauer von 11,6 G DieWarte allerdings sehr i ungünstig. Aber unb Obttlehrer ii t; dieWartezei Tas muß betont Borstellungen zu wirb. Ts ist i des Artikels „Li die Richter zur Richtern und £ Hinsicht für die die Richter ung vorbehaltlos w es in btn neutiü W' uüi) anqcftt: Cfalefrcr. Tie $ I 'M, iff verschieben | u-M mb auch - I "en. Tie £ber! I «tr Hinsicht ach I * Schn Jahr- PHiaj aus dieser I Jfdn, können gert lÄn 9Jntec I L.;’crliegen tu I 'sd'chmtttlichen D, jhe £talfijOT dem Tienst - &Q((er durch q Ältliche,, gieirf-M, L!^"'telluZgmd von 1885— 1890— feS 1900- NSA. 'ält i a" t ^«btbclci[i! b0T?Utt> Wtt bi'nJ^rrei rb!nUlti* Ilnet ’S das Nein Age.