m. 84 Erstes Btott 163. Jahrgang Aeitag, April 1913 Der Siehsrrer Anzeiger erscheint tätlich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKamilienblätter.' zweimal wöchentl.ttreis- uloit finden Kreis Gießen (Dienstag und Freilag); zweimal mcmali. Land- wirlschaftliche Zeitfragen Fernjprcch - Einschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. üir'^dle^Ta^esnununer Notationsdruck und Verlag öer Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei n. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschäftsfteüe Vahnhofstratze 16a. Bezugspreis: monatlich 75Ps.,victtel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen inonatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; sür „Feuilleton", „Vermischtes" und ^Gerichtssaal": St Neurath; sür „Stadt und Land": E.Heß; sür den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Die Blockade der mMenegrimfchen KSstengebistes. Mit der Erklärung T>ex Blockade des montenegrinischen Küstengebietes treten wir in eine neue Phase der Balkanfragen. Noch wirksamer vielleicht als die Flotten- knndgebung ist eine Erklärung des russischen Auswärtigen Amts, die eine höchst bedeutungsvolle Klärung der Lage darstellt. König Nikita wird dadurch leicht abgeschüttelt. Es wird aus dieses Werk Sasonolvs noch näher einzugehen sein; so viel ist sicher, daß, es auch gegen die übertriebenen panslawistischen Forderungen gerichtet ist, gegen die das amtliche Rußland sich heute zu wehren hat. .Wir erhalten folgende Meldungen: Die friedliche Blockade von Antivari bis zur Drinmündung. Cetinje, 10. April. (Aus amtlicher montcnegrini- scher Quelle.) Der Kommandierende der internationalen Flockte in den Gewässern vor Antivari, Bize-?ldmiral Bu r- n ey, hat heute früh dem Gouverneur von Antivari notifiziert, daß von heute 8 Uhr früh ab die f r i e d l i ch e Bl o k - lade von'Antivari bis zur Drinmünoung erklärt sei. Tas wäre also die montenegrinische Juteressensphäre, nicht die serbische. Belgrad, 11. April. Eß bestätigt sich, daß die serbische Regi er u n g beschlossen hat, ihre Truppen von Skutari zu rück zuzieh en. Sine rMche amtliche ßdl>!u:g Petersburg, 10. April. Das Ministerium des Aeußern veröffentlicht folgende Erklärung Das hauptsächliche Ziel, welches die russische Negierung anläßlich der militärischen Erfolge der B a l k a n st a a t e n verfolgt hat, war, die Erfolge ihrer Siege, tzoweit irgend möglich, zu sichern. Die Verhandlungen, welche zu diesem Ziele. geführt haben, waren verwickelt und mühsam, denn die Verbündeten konnten ihren Erfolg nur erreichen auf (Grund einer Mchtintcrvention der Mächte. Wenn inan den Wert und die Wichtigkeit des Dienstes, welchen Rußland beit Balkair- staatcn erwiesen, richtig einschätzen Null, so muß man fick das gesamte Bild der internationalen Lage und die .Kollision der widerstrebenden Interessen vor Augen halten. Die Lokalisierung des Krieges war nur auf zwei Bedingungen möglich: Erstens Verzicht der Großmächte auf territoriale und lovspg? Vorteile für eigene Rechnung, zweitens Verzicht auf fede einzelne Aktion von ihrer Seite. Diese negativen Bedingungen brachten eine dritte positive mit sich: Revision der durch den .Krieg geschaffenen Lage und Einfügung derselben an diejenigen Interessen der Großmächte, auf welche fi? nicht verzichten konnten, und dies konnte nur geschehen durch das europäische Konzert, dessen Entscheidung im Namen von ganz Europa geführt wurde. Auw ein vereinzeltes Vorgehen irgend einer Macht konnte nur durch die geineinsame Anerkennung der verbündeten SViräftc der Entscheidung Europas veruiieden werden. Unter diesen Bedingungen wurde die Botschaft erkonferenz in London einberufen, welche soeben die schwere Aufgabe gelöst bat, die Grenze von Albanien festzusetzeu, eine Aufgabe, welcher die Interessen Montenegros und Serbiens in ihrem sehr natürlichen Streben nach Ausdehnung im Wege stehen. Andererseits wurden die Interepen der Albanesen von Oesterreich-Ungarn und Italien geschützt, welche den StatuSquo am Adriatischen Meere für so lebenswichtig für sich hielten, daß sie keinen Zweifel daran zulassen wollten. Die Erhaltung des Status- guo bedinge auch die Existen.', des albanischen Gebietes, an deut sich selbstverständlich das Streben anschloß, die Grenzen dieses Gebietes, welches die homogene Bevölkerung albanrfischer Abstammung umfassen sollte, nach Möglichkeit auszudehueat. Im Verfolg langer und hartnäckiger Verhandlungen und gegenseitiger Zugeständnisse, durch welche Prizrend, Ipek, Djakowa und Dibra für die slawischen Staaten gewonnen wurden, glaubte Rußland die Annexion Skntaris an Albanien z u g e st e h e n j u m ü s s e n. Daß Skutari eine rein albanische Stadt und der Sitz eines katholischen Erzbischofs ist, wird durchaus bestätigt durch den Bericht des russischen Vizekonsuls in Skutari, welcher auf Grund von Tatsachen die hauptsächliche militärische Wichtigkeit Stutaris nachweist. Die Montenegriner sind s ch o n unfähig, einige T a u s e n! d katholischer und muselmanischer Albanesen, welche seit fünfunddreißig Jahren an den Grenzen Montenegros wohnen, i i z u assimilieren. Folglich würde die Annexion eines Teiles des Sandschaks und diejenige Skntaris "lediglich bewirken, Montenegro durch die Einverlcibirng einer geringen Anzahl von Montenegrinern und von hunderttausend Menschen anderen Blutes, anderer Sprache und anderer Religion zu schwächen, was Montenegro in die Gefahr bringen würde, ein montenegrinisch gefärbtes Albanien zu werden. Unser Gesandter in Cetinje glaubt, daß die Vereinigung einer bedeutenden Anzahl römischer Katholiken mit Montenegro diesen Gelegenheit hätte geben können, die Verbindungen mit oem Auslande noch zu festigen, welche das Eindringen fremder Einflüsse erleichtert hätten. König Nikolav.s hat seine Verpflichtung, die er über - nowmen hat, Rußland von dem Beginn des Krieges zu benachrichtigen und seine Zustimmung e i n z u h o l c n , nicht erfüllt. Trotzdem lieh ihm der Kaiser großmütig seine Hilfe, indem er der montenegrinischen Bevölkerung Hilfsmittel und Beistand zusagte. Als die Frage von Skutari gelöst wurde, wurde der König sreundschaftlich davon in Kenntnis gesetzt unter Hinweis auf die schwere Veranttvortung, die er auf sich nehme, wenn er weiterhin seinen Widerstand fortsetze. Dann wurde ihm der Rat erteilt, sich den Beschuldigungen, persönliche Gesichtspunkte zu verfolgen, indem er die Montenegriner nutzlosen Nöassacres preisgebe, zu entziehen. Ms diese Schritte bei dem König Nikolaus erfolglos blieben, wurde klar, daß er mit der Einmischung Rußlands und der Großmächte und einem europäischen Krieg rechnete. Die russische Regierung konnte also nicht dagegen sein, daß Maßregeln ergriffen wurden, die sich nach der Weigerung des Königs Nikolaus, sich dem Beschluß der Mächte zu unterwerfen, als notwendig erwiesen haben. Die kaiserliche Regierung verliert nicht die Hoffnung, daß Montenegro seine hartnäckigen Bemühungen einstellen wird, da sie der Ansicht ist, daß der Eigenliebe Montenegros vollkommen Genüge getan ist, wenn es sich dem Willen Europas unterwirft, da dieser sich auf seine so imponierende Entfaltung der Flottenstrrökräfte stützt. In diesem Falle würde Europa Mittel finden, die Lage des mvntenegrinischen Volkes zu erleichtern, das schwer zu tragen hat au. den durch die BAagerung Skntaris geforderten überm ästigen O pfern. 'Die slawische und orthodoxe Großmacht Rußlauos f p a r t e n i e m a l s mir H i l f e u n d O p s c r n für ihre slawischen Brüder, aber diese letzteren haben auch die Pflicht, welche übrigens unsere, Presse ihnen nicht immer im Gedächtnis zu halten weist, die Ratschläge zu respektieren, mit denen Zinßtand fernen Mißbrauch treibt und sich zu erinnern, daß, tocim wir auch stolz auf ihre Erfolge sind, diese doch nicht hätten erreicht werden können ohne Rußland, welches iformt das Leben gab und welches sowohl in der Freude wie int1 Schmerze noch immer nötig ist, besonders auch um die Einigkeit unter ihnen aufrecht zu erhalten, ohne welche diese Völker reine Kraft noch Stärke gewinnen könneir. Diese Beziehungen Rußlands zu den slawischeir Völkern schließen jede Feindseligkeit gegenüber den anderen Staaten und Völkern aus. Die Verschiedertheit der Rassen braucht durchaus nicht zu einem. Gegensatz unter den Rassen zu führen. Mair kann nicht gut zugebcn, daß die Sache des Friedens dabei gewinneir würde, wenn man eine Rasse einer anderen, welche ihres Rechtes bewußt ist, eirtgegrirstelle. Die innere Kraft Rußlands hat es nicht nötig, von Besorgnisseit zu Drolmngcn über- Die MuüerstM der IiMMur entdeckt. Die große peruanische Expedition der amerikanischen Pale- Nniverütät, die sich znr Aufgabe gestellt hatte, den Spuren des lepteit vor Pizarro geflüchteten Inka Maneo zu,, verfolgen, I)Oi dabei ein ganz unerwartetes Ergebnis gezeittgt: jte entdeckte eine großartige Stadtanlage der frühesten Jnkazett, drp als dre erste Metropole anzusehen ist, von der die ruhmrerme .Herrschaft und Kultur der Inkas ihren Ausgang nahm e. er Letter der Expedition föiram Bingham veröffentlicht in .Harpers Magazrne crncn ausführlichen Bericht über diese wichtigen Denkmäler, die zu den großartigsten gehören, die je in Peru gefunden worden pnd. Es ging ein unpriübares Gerücht, daß srck in bent 2 al de-> Urubcmrlm-Flusses völlig unbelannte Ruinen der ^nias befanden: aber selbst bic vorzüglickrsten Reisenden, wie.Wiener, Eastelnau und Marcon, die davon gehört hatten, waren in diesem uwl nicht vorgedrungen, weil es bis oor wenigen Jahren saft unzugänglich gewesen itxir. Erst in jüngster Zett hatte die N'uamicke Re^ gierirng einen Maültterweg an den Usern des Flu,üs anlegen lassen ‘ und so konnte deiin Bingham ohne allzu große Muhen auf diesem jungfräulichen Gebiet der Forschung Vordringen und jene steinernen Zeugen der alten Zivilisation entdecken, die i lateres san testen und umfangreichsten, die pit den -vagen der Konquistadoren gefmiden worden sind. Es Wert un- glaublich, daß diese wundervolle >stadtanlage, imr fünf ^.age- reiseit von Enfzo entfernt, bisher nur wenigen Eingeborenen bekannt gewesen iind noch nirgends beichrieben worden war. Machu Picchu - so heißt dm Ort — ist.auf einem steilen Felsgrat erbain, an dessen Ende pch cm riesiger Berggipfel erhebt. Jähe Abgründe stt.rzeii zu beiden gelten.Jer Stadt nieder, und zu den Hauvtgel. utben fuhrt eine große Anzahl von Terrassen heraus, nie augenscheinlich für Ack.-rbauzwecke angelegt waren. Di. Reste einer gtofarhgnr Beman eru ng s- c i n c i ch t u n g lassen i Lei} erlernten, zahlreiche Brunnen und Wa<- lerbecken Ein sehr hübsches Badchaus und cm an,chltep?nder RulMMNN mit SZ-N glück, tu Wans ber Stabt; das ÄaMr wurde den Bädern durch einen steinernen Kanal ZügefuAck. Aui der Spitze eine gewaltigen Granitblocks W m der Nahe ein halbkreisförmiges - Gebäude, aus fast rechteckigen ^teinblockcn erbaut und rin Innern hübsch behauene Richen enthaltend, Eine Treppe führt weiter hin auf dein Felsgrat zu emem Platz, den Binglsam die „heilige Plaza" genannt hat. Dieser M'ttel- tnmfi der Anlage zeigt auf der Sichelte von grotzen Bücken eingefaßte Terrassen und eine Art halbkrctssörrniger Bastion, oluf ber Oscheite sind die Wände eines rechteckigen ^Kbäudcs, 29 Fuß lang und 37 Fuß breit. Das mit Nischen ausgestattete Gebäude hat Mei Türen, die nach dem Platz gehen, aber keine Fenster. Auf der Westseite ist ein gervaltiges, aus unbehauenen Steinen getürmtes Bauwerk, das sich mit der einen Seite ganz nach dem" Platz öffnet. Wie bei allen anderen Baulichkeiten fehlt das Dach. Tie Blöcke aus weißem Granit sind in einzelnen Reiher; anfgesthichtet, von denen die der untersten Reihe viel größer sind als die der anderen. Tic größten dieser Blöcke messen in der Länge bis 13 Fuß, sind etwa 2,8 Fuß dick und höher als ein Mensch. Direkt unter frem1 heiligen Platz führen Terrassen zu einem' großen hufeisenförmigen Platz, per augenscheinlich ein alter Spielplatz war. Dieser ist auf einer Seite von einer Anzahl weniger bedeutender, aber gut gebmiter Hüustr abgeschlossen. Das Material, aus Hern die ganze Stadt errichtet ist,'ist weißer Granit. Die dlrchttcftur weist bereits alle die Vorzüge auf, dü die Bewuuderung der spanischen Eroberer erregten, als sie die Städte der Inkas sahen. Die Gesamtheit der Ruinen von Machn Picchu gcwährk einen geradezu labyrinthischen Eindruck, so zahlreich und vielgestaltig drängen sich Plätze und tzäuserkomplcxe durcheinander. Ein Geheimnis umwittert diese Stadt, die nach Jahrhunderten ungestört en Schlummers nun auserweckt worden ist und Antwort geben soll auf viele Fragen. Der Entdecker glaubt des Rätfels Lösung in einem Bauwerk gefunden zu haben, das sich an der Nordfcite der „heiligen Plaza" erhebt und in seiner Anlage dem Ban der Westseite sehr ähnelt. Wie der Wcstbau scheint auch dieser ein Tempel zu sein, aber er hat etwas Auffälliges, was sich sonst nirgends findet: eine Reihe von drei großen Fen stern, die 3,1 Fuß breit und etwa 4 Fuß hoch sind und sich in der Hinterwand befinden, einen weiten Ausblick über das ganze Land hin gestattend. Diesen „Tempel mit beit drei Fenstern" bringt Bingham mit einer alten Sage der Inkas in. Verbindung, die sicherlich röten geschichtlichen Kern hat. Danach ist das Jniärcich von drei Stämmen gegründet wvrocu, die zurrst von einem Felsen aus durch drei Fenster erblickt wurden. Ter Ort, von dem sie auszogen, wird Tampuioceo genannt, ix h „Haus der Fenster". Wahrscheinlich ist das jetzt entdeckte Machu Picchu diese sagenhafte Mutterstadt der Jukakultur. * „Freut eu ch des' Lebens . . Ein jeder kennt das Lied, das mit diesen Worten beginnt. Wohl ein jeder von uns hat cs auch schon ungezählte Male im! fföhlichcn Kreise gesungen, aber nur sehr wenige wissen, wem sie dieses einfache Lied zu danken haben Wer weiß beute noch den Namen des Dichters, der vor 150 Jahren, am 12. A pril 1763, in Zürich als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie geboren wurde? 9hir eine kleine Gemeinde ist es, dir, wenn der Bcck-cr fröhlich die Runde mack't und schließlich jene zum Vollsliedc. gewordene Melodie an- gestimmt )uirb, sich erinnert, daß als Schöpfer dieser Dichttmg zugehen, welche nicht der Ausdruck der Stärke eines Volkes sein würden. Die Kanzlcrrede in der serbischen Presse. Belgrad, 10. April. Die Presse veröffentlicht die Rede des ReichskanKlers ihrem v o l l e n I n h a l t e n a ch , ohne sie vorläufig zu kommentieren. In po itischen Kreisen erweckten die Erklärungen des Reichskanzlers da.s allergrößte Interesse; sie werden als ein gewichtiges politisches Ereignis beurteilt. Die Friedevsbedingungen. Konstantinopel, 10. April. Alte türkischen Blätter weisen den Oledanren einer Kriegsentschädigung zurück imb bestehen darauf, daß die Balkanverbündeten eine Quote der türkischeu Staatsschuld übernehmen. Zu Delegierten der Türkei für die Pariser Jinanztonferenz sind der Engländer Crawford, Rat im türkischen Finanzministerium, und der frühere Minister Djavid bestellt. Neue Kämpfe. Sofia, 10. April. (Agenee Bulgare.) Am 7. April früh landete eine türkische Infanterickom- pagnie unter dem Schutze eines Kckckegsschiffes südlich des Derfes Ksafteros und rückte gegen eine bulgarische Kompagnie vor, die eine vorgeschobene Stellung aus der nordwestlich des Dorfes Jabos gelegenen Höhe besetzt hielt, um sie int Rücken zu fassen. Die Bulgaren eröffneten ein heftiges Feuer und brachten den Feind zum Stehen. Gleichzeitig erschien ein aus der bulgarischen Hauptstel- lun g e n tsan dtes B a ta.il l o n. D i e tür ki s ch e Kolonne wurde vernichtet. Nachmittags, rückten zwei bulgarische Jnfanterieadteilimgen, von Artillerie unterstützt, gegen dos Dorf Kunbuvgas vor und säuberten das Küstenland. Auf den anderen Punkten der vor her Front vorgeschobenen Divisionen verlief der Tag ruhig. Konstantinopel, 10. April. Der am ckiche Kriegs-, bericht meldet: Im Lause des gestrigen Tages fand ans dem linken Flügel der T s cha.t a l d s chulin ie ein leichter Artilleriekampf statt. Au anderen Puntten der Tschataldschalinie ereignete sich nichts neues. Vor Bu- l a i r herrscht Ruhe. Gestern bombardierteein griechisches Torpedoboot den südlich von Aiwali gelegenen Ort Ayeman'ly. Ein von der Küstenartillerie avge- feuertes Schrapnell fiel auf die Kommandobrücke des Torpedobootes, tvoraus sich das Torpedoboot von der Küste entfernte. .Hierauf wendete das Torpedoboot gegen Kcpi Sar- mussak Burnu und gab einige Kanonenschüsse gegen die zur Beobachtung des Feindes dienende Trupp en ab-teilung ab, ohne Schaden anzurichten. Der türkische Kreuzer Hamidije. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat die griechische Regierung zuständigen Orts Vorstellung en darüber erhoben, daß, der türtische Kreuzer „Hamid i j e" wiederholt den Sucztanal passiert hat. Man hob dabei hervor, daß das Verhalten der „Hamidije", die sich in Mexandria verproviantieren durfte, auf hoher See bohlen einnahm und ungehindert mir den türkischen Behörden in Konstantinopel in Verbindung stand, nicht nur eine Verletzung des Kanal-Reglements, sondern auch einen gefährlichen Präzedenzfall für die Schiffe anderer Mächte fei und besonders Mr den Fall eines zukünftigen Krieges, in dem 'der Kanal eine Rolle spielen würde. Anfragen im englischen Nnterhaus. London, 10. April. Im Unterhaus« fragte Rees an, ob Greß irgendwelche Nachrübten über die schlechte Johann Martin Ufteri zu preisen ist. „Freut euch des Lebens" hnt Uftcri für ein Fest ber Zürich ttvnsttergesellsclrö! int Ja ine 1793 gedichtet, doch blieb eS mcrkwürdigerweffc viele Jahre bin» durch bei den Zeitgenossen unbekannt. Zuerst ist es im „Göttinger Musenalmanach für 1796" ohne Namen des Verfassers, jedoch mit der heute noch gefangenen Melodie, von Lians Georg N ä g cli gedruckt, erschienen. Erst durch Zutun des 'Dichters und ^Malers David Heß ist feit 1819 der Dichter jenes Liedes dem großen Publikum bekannt geworden. 5oeß ist es auch, der nach dem Tode Usteris seine Dichtungen uni) Schriften gesammelt und foerausgc- geben bat. Am meisten Ijat Usteri in der schweizerischen Munh- art geschrieben, und diese Dichtungen sind es auch, durch bic sein Name in der Literaturgeschichte Bestand haben wird. Wenig Eigenart und Selbständigkeit dagegen weist ein Teil seiner hochdeutschen Tichcungeu auf, die deutlich al» unter dem Einfluß von Claudius und 5)öltn entstanden sich kennzeichnen. Ufteri gehört zu jenen Auserwähtten, die nicht mir Dichter waren, 'sondern auch Zeicheittaleut in hol-emi Maße besaßen: in ihm regte der bildende Künstler den dichtenden, und dieser den bildenden mt. Leider find aber 'den Dichtungen die Zeichnungen nicht bcigcgebcii worden, obgleich Hcß bii der Herausgabe der Werke versprochen hatte, diese hcstweisc uachzuliefern. Am' 29. Juli 1827 ist Johauu Martin Uftcri sanft verschieden. Seine Leiche wurde nach feiner Vaterstadt gebracht, wo bic sterbliche Hülle dcS 'Dichters die letzte Rüche gefunden hat. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. 'Tic Meteorologische Station ber M agnnshofer Schisfahrtsschule in Riga errichtet eine snnlcntelegraphische Station zwecks direkten Verkehrs mit dem Eiffelturm in Paris. — Ter plattdeutsche Diclücr Fehrs feierte in Itzehoe seinen 75. Geburtstag. Tie Stadt ließ dem' Jubilar einen E h r e n b ü r g e r b r i c s überreichen. — Die „Daily Mail" teilt mit, daß zum ersten Male eine telephonische Verbindung Köln — London gelungen sei: die Verständigung sei glänzend gewesen. — Ernannt wurde der o. Professor Dr. med. Franz Hofmann von der deutschen Universität iu Prag zum' ordenttichen Proscfsor und Direktor des physiologischen In- stittitS an ber Universität Königsberg i. Pr. als Nachfolger des Geh. Med.-Rats Prof. L. Hermann. — Im Königlichen Schanfpielhause zu Berlin erlebte das fünfattige Schauspiel „V c i t Stoß" von Tim Klein seine Erstaufführung und errang mit seiner frisch imb kräftig zugrcifenden Dramatik einen starken Erfolg. Der junge Dichter, wie es heißt ber Sohn bes Verfassers ber Fröschweilcr Chronik, wurde nach dem zweiten All lebhaft, nach dem dritten siiirmisch und nadj dem fünften achtungsvoll gerufen. Behandlung der Mo h am nred'-aner in Makedonien habe, und wenn ja, ob er dann bei den Verbündeten deswegen Vorstellungen machen werde. Grey erwiderte: Ml es, was ich tun kann, ist, irgendwelche Berichte, die ich erhalte, zur Kenntnis der bulgarischen Regierung zu bringen, damit Schritte unternommen werden, die Schuldigen zu bestrafen und neue Ättßhandlungen unmöglich zu machen. Tas ist geschehen und wird auch weiter von der britischen Regierung getan, ganz gleich, ob es sich um Mohammedaner oder Christen handelt. — Walter Guinneh fragte, ob Grey Schritte unternehmen wolle, um Garantien in Mazedonien zu erlangen, entsprechend denen, die er versprochen habe, für öklbanien anzustreben. Grey antwortete: Diese frragc ist, soweit sie Mbanieu betrifft, eine Frage des internationalen Uebereinkommens. Bezüglich Mazedoniens gibt es lein internationales Abkommen. Wir löunan nicht gut Schritte tun, um ein Protektorat über Mazedonien zu errichten. SiUftrm Rumänien zugcteitt? Paris, 11. April. Die Petersburger Botschafter- ronferenz habe, wie die Agenee Fournier meldet, ihre letzte Sitzung abgehalten und endgültig entschieden, daß Sili- stria an Rumänien fällt, falls dieses formell sich verpflichtet, während der nächsten 30 Jahre strikteste Neutralität zu bewahren, wenn Bulgarien mit irgend einer Macht in Krieg geraten sollte. Bulgarien soll sich dieser Entscheidung bereits gefügt haben. — Die Meldung klingt unwahrscheinlich. Schweizerische Studien in Adrianopel. Bern, 10. Äpttl. Auf Vermittelung der deutsche n Gesandtschaft hat die bulgarische Regierung sich damit einverstanden erklärt, daß sich eine Schweizer Militärmission nach Adrianopel begibt, um das Festungswesen und die Sch nsom rinn gen zu studieren. Die stsuerosriagen im Reichstag. □ Berlin, 10. April. Mit der Beratung der Steuervorlagen ist der Reichstag zweifellos in den schwierigsten Teil seiner Aufgaben im lauf-enden Tagungsabschnitt eingetreten. Herr Kühn hat das, was er zu sagen hatte, bereits am Mittwoch gesagt: das Beinerle.uswerteste an seinen Ausführungen war wohl, daß er sich nirgends besonders festgelegt, sondern den Weg freigelassen hat, eventuell auch Aenderungen ans dem Schoße 'des Reichstages heraus zu akzeptieren. Ehe mm heute der Faden von den Parteien weiter gesponnen wurde, wirrde zunächst der Zwischenfall Häusler-Wenninger beigelegt: der bayerische Militärbevollmächtigte batte erkannt, daß er am Mittwoch zu weit gegangen hwr, und ließ in loyaler Weise, nachdem auch noch Herr Dr. Spahn mit einer feierlichen Erklärung seiner Fraktion eingegriffen hatte, die freilich in der Hauptsache auf den amtierenden Vizepräsidenten Dr. Dove abziette, d.'m Abg. Häusler volle Genugtuung widerfahren. Auch Herr Dove konnte H-errn Spahn befriedigen, so daß kein «chatten znrückblieb. -Die Reden der Parteien zu den Deckungsvorlagen zeigten fast durchweg eine gewisse Zu r ü ck h a l t u n g. Das ist begreiflich: niemand will sich festlegen, um bei späteren Verwicklungen die.Hände frei zu haben. Die Sozialdemo- fratie ist durch solche Rücksichten nickst gebunden. Sie zerbricht sich auch gar nicht den Kopf über alle Vorlagen: ihr macht lediglich der Wehrbeitrag Freude. Und ihr Sprecher, Herr Dr. Südekum, unterstrich das in behaglicher Brette. Er stellte sogar fest, daß der Urheber des Planes nicht der Kaiser, nicht der Kanzler, nicht der Schatz- sekretär ist, sondern sein Parteigenosse Dr. David, der schon 1907 eine ähnliche Anregung gegeben habe. Herr Dr. Paasche bestätigte das nachher und fügte noch an, daß Fürst Bülow die Verwirklichung des Davidschen Gedankens damals als eine „frivole unb phantastische Politik" bezeichnet habe, während man sie heute eine große Tat unserer Finanzpolitik nenne. Herrn Südekums Rede, so angenehm sie im großen und ganzen von den sonstigen Leistungen der Genossen abstach, Ivar natürlich nicht frei von den üblichen Uebertteibungen, so als er z. B. die alten Phrasen über die Mistungskapitalisten als Kriegshetzer wieder auftischte. Nicht ganz unberechtigt aber waren wohl seine Fragil, wie sich die Regierung die Finanzlage nach 1915 denke, und seine Warnung, daß unserem Wirtschaftsleben auch wieder Rückschläge drohen, so daß es gewagt ish die Finanzen auf die Einnahmen unter einer günstigen Konjunktur auszubauen. Herr Speck, den das Zentrum vorschickte, spracy sehr lange und sehr ausführlich: aber es fiel ihm nicht bei, die Karten seiner Partei aufzudecken. Er kritisierte den Wehrbeitrag sowohl grundsätzlich wie steuertechnisch, trat für Hinaufsetzung der Vermögensgrenze, eventuell Staffelung, ein, sprach gegen den Umweg über die Einzelstaaten bei der Besitzsteuer, gegen die Beibehaltung des GrundMckumsatzstenrpels, gegen das Erbrecht des Staates und wies aus alle die ^beplazierden Reminiszenzen an das Jahr 1813" zurück; er wollte es auch gar nicht wahr haben, daß itn Volke eine Begeisterung für die Wehrvorlage herrsche. Dieser ziemlich zweifelhaften Haltung gegenüber konnte sein Schlußsatz, daß hoffentlich etwas Brauchbares zustande komme, wenig besagen. Nur in einem Punkte schien dem Zentrumsredner an der nötigen Klarheit zu liegen, unb den unterstrich er ganz besonders: das Zentrum ist nicht bereit, die Wehrvorlagen zu bewilligen, wenn die Deckungsvorlagen von einer anderen Mehrheit angenommen werden. Für die Nationalliberalen sprach sodann der Abg. Dr. P a a s ch e. Er sprach auch seinerseits die Hoffnung aus, daß dieselben Parteien, die die Wehrvorlage bewilligen, auch die Deckungsvorlagen zur Verabschiedung bringen, und vor allem so zur Verabschiedung bringen, daß auch wirklich der Besitz der .Hauptträger der neuen Last ist. Dr. Paasche trat dann der Spech'chen Behauptrmg entgegen, daß feine Dtzfersreudigleit im Volke vorhanden fei, und bedauerte, daß der Zentrumsredner es abgewiesen habe, Vergleiche mit der Zeit vor 100 Jahren zu ziehen. Herr Paasche ging dann auf die Vorlagen im einzelnen ein und erklärte die BLreit- williaektt feiner Freunde zur Annahme des Wehrbettrages im Prinzip. Der Weg einer'Anleihe sei mit Recht abgewiesen worden. Die Erhebung müsse nach der Leistungsfähigkeit des einzelnen erfolgen. Das Einkommen Tef mit zu berücksichtigen. Zu ben Steuern für die laufenden Mehrausgaben übergehend meinte Dr Paasche, die Regierung hätte sich ihre Aufgabe sehr leicht gemacht. Mau nehme von den Einzelstaaten etwa 50 Millionen Stcmpelabg'abeu, 80 Millionen neue Matrikularbeiträge, lasse Zuckersteuer und GrundstückÄimsatzstempet bestehen und setze im übrigen die Ekatstttel heraus. Mit der Beibehalttrng der Zuckersteuer erklärte sich Herr Po asche einverstanden, dagegen wollte er die Besitzwechsc'labgabe so schnell wie möglich beseitigt wissen. Jur Besitzsteuer erklärte dann der Redner klar uns deutlich: ^,Was uns die Regierung als Befttzsteuer vvr- legt, entspricht nicht denk, wir Wollten,, wir verstanden ba runter entweder eine Vermögen s st euer ober Erbau fall st euer" Nach Herrn Dr. PaaLche nahm für bie Konservativen Graf Westarp das Wort. Er will auf der Grundlage her Vorlagen weitergearbettet haben, unb meint auch, bie Deckungsvorlagemüsseg leichze itig mit ber Wehrvorlage verabschiedet werden. Darauf würbe bie WetterverHandlung auf Freitag vertagt. preuMches Abgeordnetenhaus. Berlin, 10. April. Das Haus beriet heute über die E Le m c n t a r s chnlen, Lehrerseminare und S ch u l a n f s i ch t. Kultusminister von Trott zu Solz führte aus, daß bie Regierung bie durch das Lehrcrbesoldungsgesetz geschaffenen ^stände für durchaus befriedigend halte unb davor warnen müsse, jetzt wieder eine Aeudcrung vorzunehmen und die alten Kämpfe aufs neue heraufzubeschwören. Die weitere Ausbildung und Fortbildung ber Lehrer werde er sich angelegen sein lassen. Die Akademiker an ben Seminaren glaubt der Minister nicht entbehren zu können. Für sie ist neuerdings eine besondere Stelle, die )ogenannte Prorektorstelle, geschaffen worden, die er als ben Eckstein der ganzen ©eminarreform betrachtet und die er daher beizubehalten, bittet. Auch von der Neuordnung der zweiten Lehrerprüfung verspricht sich der Minister viel. Abg. E r n st 081).) weist die gestrigen Vorwürfe des Abg. Dr. Heß gegen den Deutschen Lehrerverein zurück, erkennt den Idealismus der Lehrerschaft an und wünscht ein Einheitsgehalt für alle Lehrer. Der Resorm der Seminare steht er sympathisch gegenüber, weniger aber ben Prorektorstellen. Abg. Borchardt liey an unserer Volksschule kein gutes Haar. Abg. K loppen - borg (Däne) stellte die Forderung, daß in den Volksschulen in Nordschleswig auch dem dänischen Uni:erricht ein Platz eingeräumt werde. Abg. Dr. von Schenckendorsf Natl.) spendet dem Deutschen Verein für Knabenhandarbeit und dem von ihm errichteten Lehrerseminar Anerkennung und hält einen Ausbau und eine Verkiesung für notwendig. Er hat daher schon int vorigen Mai an den Unterrichtsminister die Bitte gerichtet, ben staatlicheit Zuschuß für diesen Zweck zu erhöhen. Das (besuch hak aber keine Benicksichtigimg gefunden, weshalb er ben Unterrichts- und den Finauzminister bittet, diesem Anträge im nächsten Etat Gehör zu verschasseu. * Ter verstärkte Gemeindeausschuß des Abgeordnetenhauses beschäftigte fick am Mittwoch mit dem Gesetzentwurf über die Verpflichtung zum Besuch ländlich c r F o r tb i l d u u g ss chu le n. Ein Zentrumsmitglied be- ankragke die Aufnahme der religiösen Unterweisung als obligatorischen Unterrichtsgegenstaud. Er erblickte in der Nichkein- füljrung des Religionsunterrichts eine Gefährdung des religiösen unb sittlichen Lobens. Ein konservatives Mitglied meinte, daß solange ber Staat an ber religiösen unb sittlichen Erziehung sest- halte, an sich auch in ben Fortbildungsschulen Religionsunterricht erteilt werden müsse. Llber um die Annahme des Gesetzes nicht zu gefährden, ftimmc er gegen den Zentrumsantrag. Der Re- gtcrung5i) er tretet «erklärte, daß die Staatsregieruug sich ablehneud verhalieit müsse. Die Regelung des Lehrplans könne nur Sache der Aufsichtsbehörde sein. Von anderer Seite wurde erwidett, daß, wenn ein Zwang zum Besuch der Fortbildungsschule eingeführt werden solle, auch Religionsunterriche erteilt werden müsse. Ein Zentrumsmitglied wies aus die Inkonsequenz- der Konservativen bin, die noch im vorigen Jahr beim Gesetz über die gewerblichen Fortbildungsschulen sich für den ReligionSuwerricht eingesetzt habe. Aus Ministererktänmgeu aftein könne man kein Gesetz auf bau eit. Er sei ein scharfer ßieguer ber Erbschaftssteuer. Aber er bewillige lieber 10 solcher Steuern, ehe er auf den Religionsunterricht verzickür. Das Zentrum tue ia gerade so, als wenn es die einzige Hüterin ber Religion sei. Der Zeickrumsanttag wurde gegen 5 St imm e u a bg el ohur. Ein Eventualantrag des Zentrums, deit Geistlichen die Beteiligung am schulplanmäßig en Unterricht zu ermöglichen, wurde ebenfalls gegen 5 Stimmen abgelehnt. Schließlich wurde eilt weiterer Antrag abgelehut, an Sonn tagen die Teilnahme am Unterrichts für bie Schäler freimillig zu machen. Daraus wurde das Gesetz im ganzen tu der Fassung des Herrenhauses angenommen. * Sie Ansiebelungsbenkschrift Vor bent Vor an schlag sausschuß. Der Ausschuß beriet am Mittwoch die Denkschrift über bie Ansiedelung in den Dftmarfeit, vertagte aber die Beratung des neuen Ansiedeluiigsgefekes. — Tie Einbringung des Parzellier n n^g s g c s e tz c s kündigte der Landwirtschastsminister für die nächste Session an, von Verschleppung könne nicht gesprochen werden Die Wirkung eines Parzcllicrungsgesetzes würde übrigens vor 10 bis 12 Jahren eine größere gewesen )cin, jetzt würde sie nur für die Auschlußparzkllieruug in Betracht kommen, die aber wegen der Höhe der Preise Nachlasse. Zu der Enteignung der vier polnischen Grundbesitzkäufer erklärte der Minister, das; mau größere Güter wegen ber Begrenzung im Gesetz nicht habe ent- eigneu können. Man habe nur solck>c Enteignungen borgenommen, bei denen Ethik und Recht nicht verletzt worden seien. Tie Preise feien noch nicht endgültig festgesetzt. Ter Landerwerb habe 1912 und auch schon 1913 die Erwartungen übertroffen. Die Arbeiter- ansiedelung schreite langsam zwar, aber stetig fort. Dezentralisierte Ansiedelungsarbeit sei vorzuziehen. Die Mittelstandskasse und die Bauernbank unterstützen die kleinen Genossenschaftskassen. Ein Viertel der Ansiedler seien einheimische Bauern: die an Polen verkauft haben, werden nicht angesiedelt. Die Kriegsfurcht im letzten Jahre hat die Ansiedelungsbcwerbungen vermindert. Der Welsenbesuch in Homburg. Bad Homburg v. b. H., 10. April. Zu ber Ankunft ber cumberlänbischen Herrschaften hatte die Stadt Homburg reichen Fahuenschnvuck angelegt. Mehrfach benterftc mau Fahnen in beit cumberlänbifdiett Farben blau-gelb. Tie Straßen waren timt einem zahlreichen Publikum besetzt, das auch aus Frankfurt und bett umliegenden Ortschafteu starken Zuzug erhalten hatte. Das Wetter war kühl und regnerisch. Gegen 113/4 Uhr fanden sich auf bent Bahnsteig ein: ber Kaiser in der Unifomt ber Posener Jäger zu Pferde, die Kaiserin, Prinz Adalbert, Prinzessin Viktoria Luise unb das Gefolge. Um 11 Uhr 50 Min. lies der Sonberjug ein, welchem ber Herzog von Cumberla nd, die Herzogin, Prinzessin Olga, Prinz Ernst August und Prinz unb Prinzessin Max von Baben entfliegen. Ter Herzog trug die Uniform feines österreichischeit Regiments, der Bräutigam die Uniform ber Rathenvwer Husaren. 'Der Kaiser war ber Herzogin beim Ausftetgen behilftick mtd wechselte .Msse mit ihr: er begrüßte sodann ben Herzog. Kais ex und.Herzog s ck ü t- t e l l e n s i ch l a n g e die Hände. Der Herzog begrüßte da raus die Kaiserin mit einem Kuß, ebenso die Prinzessin Bittoria Luise. Der Kaiser überreichte der Herzogin uud der Pttnzessin «Olga Blumensträuße. Es erfolgte fobamt die Vorstellung ber Gefolge. Kaiser und Herzog sowie Kaiserin unb Herzogin plauderten längere Zeit miteinander. Alsdaitu wurde die Fahrt nach dem Köuig- licheit Schlosse in Automobilen angetreten. In dem ersten 'Autv- mobil nahmen die .Miseriu, die Herzogin und das Br aut Paar- Platz: iM zweiten der Kaiser und der Herzog, welcher rechts saß, sowie Prütz Adalbert. Publikum und Schulkinder bcgrtiBten die Majestäten und ihre Gäste mit lebhaften Hochrufen. Tie Cinnberländischen .Herrschaften haben im Königlichen Schlosse Wohnung genommen, wo heuck mittag Familien laset und für das Gefolge Marschalllafel stattfand. Die Majeftöteit blieben nach ber Familientasel mit ihren hohen Msü.ii itoch längere Zeit vereinigt. Um 3’/« Uhr unternahmen jÄnttliche .Herrschaften eine A.u 1 omobilfa hrt uack der Saalb u r g. Hier wurde unter persönlicher Führung des Kaisers eine mehrstündige Besichtigung des Kastells und dos Saalburg- museums vorgenommen. JAnlchlicßend daran imnebe der Tee in den oberen Mimten des Sratlburgrcfl.aiirantd serviert. Trotz des regnerischen Wetters hatte sich zahlreiches Publikunk auf ber Saalburg eingefunden, welches bie Majestäten und ihre Gäste herzlich begrüßte. Um 61/4 Uhr kehtten bie Hertfchasten nach dem Schloß in Hornburg zurück. Morgen früh trifft der Reichskanzler hier ein. Der Herzog von Cumberland Ritter des schwarzen Adlerordens. Der Kaiser verlieh dem Herzog von Cumberlaud den Schlvarzen Adlerordeu, der Herz-oqin von Cumberland den Luisenvrdeu mit der Jah-res^ahl 1813 1814. Zur Abendtaset holte der Kaiser seine Miste aus deren Gemächern ab. Der Kaiser trug die Uniform ber KönigSjäger, ber Herzog österreichische Uniform. Btzi der Tafel saßen die Majestäten einander gegenüber. Die Tafel war mit Maiglöckchen unb Rosen geschmückt. Rechts von ber Kaiserin folgten zunächst der Herzog, bie Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Ernst 1 August, Gräfin Keller, Hausinarsck>all Graf Grote, links Prinz Ma?: von Baben, Prinzessin Olga, Generaloberst von Plessen, Baronin Hinüber, Exzellenz Valentini. Rechts vom Kaiser faß bie Herzogin, Prinz Adalbert, Gräfin Kieliwanns- egg, General Lyncker unb Folgenbe, links Prinzesfin Max von Baben, ObcrhofiMlNgchall Graf Eulenburg, Gräfin Rantzau, Wirklicher Geheimrat bon ber Wense itnb Folgenbe Derrtsches Reich. Das Jesuitengesetz. Entgegen einer früheren Meldung ist zu berichtigen, büß sich bie Zweite 5banrmer dos Elsaß-Lothringischen Lanbtages nicht für bie Beibehaltting, sonbern für die Aufhebung des Jesnttengesetzes ausgesprochen hat. Königsberg unb Kaisersubilä um. Die Stabtverorbnetenversammlung in Königsberg nahm nach geheimer Sitzung einen Anttag bes Rtagisttats an, aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ein Kaiser-Wilhelm-Wohlfahrtshaus für 175 000 Mark zu errichten. Es' soll bent Betriebe einer Volksküche nebst Wärmehalle «ober Speifesaal, je eines JugenbHeimes für junge Mäbchen unb jungc Männer nebst einem Vorttagssaal sowie einer geräumigen Krippe gewibmet sein. Keine Spionage in Kolm ar ? Mit Bezug auf eine in der Presse veröffentlichte Straßburger Korrespondenz, ber z-ufolge man in Ko lm ar privLtc brahtlose Verbinbungen mit b ein Pariser Eif- felturm entbeckt hat, unb es sich dabei um offenkundige Spionage handelt, ist bas Wolff-Bureau ermächtigt, fol- genbes festzustellen: In mehreren Privathäusern imb Schulen in Kolm ar unb Metz haben feit einiger Zett Physiklehfrer unb sonsttge Fachmänner Empfangsapparate für drahtlose Telegraphie, also keine Gebestationen angebracht, um mit diesen Apparaten die Zeitsignale des Eiffelturmes (Feststellung der Mtttagsstunde usw.) abzunehmen. Für einige dieser Apparate war die Mnehmignng der kaiserlichen Ober- post-Dtrellion vorhanden, w' hrend anderen Befi 'ern solcher Empsangsstationen, denen die Anzeigepflicht bei der Post- behörde nicht bekannt gewesen ist, jetzt die Auflage zuging, die Apparate zu befeiligen. Bei der ganzen Angelegenheit hanbett es sich l e b i g l i ch ' u m wissenschaftliche ^i-eLereren ober Experimente, bie Lehrzwecken zu bienen chatten. Anzunehmen, baß Spionageakte vorliegeu, ist kein Grund vorhanben. Eine Erhöhung ber Zivilliste bes Königs von Württembera. Wie ber „Schwäbische Merkur" ntetoet, hat bie mürt- tcmbergische Regierung bei bem Landtage ben Entwurf einer Erhöhung ber Zivillifte des Königs um 350000 Mark 1 eingebracht. Begründet ist die Erhöhüng in ber Hauptsache mit ber Notwenbigkeit einer Aufbejserung der Besoldung ber Hofbeamten und HosangesteUten. Die Besteuerun gs rechte der württeinbergischen Gemeinden. Die württembergische Regierung hat dem Landtag einen Entwurf zur Erweiterung ber Befteuerungs'rechte der Ge< meinbeu vorgelegt, wonach der zulässige Bettag ber Ge- meiubeeinkommensteuer von 50 auf 75 Prozent der staatlichen Einheitssätze sowie ibie Hunde ab gäbe von 8 bis 20 Mk. künftighin auf 10 bis 25 Mk. erhöht werben. Wegen Kuppelei verurteilter Abgeorbueter. Der badische sozialdemokratische Landtags- abgeoTbnete unb Arbettersekretär Willi in Karlsruhe ist wegen Kuppelei zu d r e i M 0 n a t c n, seine F r a u wegen bes gleichen Vergehens ^u f u n s M 0 n a t e n G e f ä n g n i s verurteilt worben. Wie die „Mannheimer Volksstimme" meldet, hat der Lftnbesvvrstanb ber sozialbemottattschen Partei den Landtagsabgeordneten Willi gleich nach der Eiii- leitung ber Untersuchung aufgeforbert, sein Man bat zur Zweiten Kammer niederzulegen. Willi hat sich unter Hinweis auf feine völlige Unschuld geweigert, bies zu tun Nachbem aber feine Verurteilung! wegen Kuppelei erfolgt ist, will ber Laiibesverbanb nunmehr bie Sache wetten verfolgen. Ausland. Die Vereinigten Staaten und Japan. Es wirb aus Tokio amtlich mit geteilt, baß ber japanische Botschafter in WaMngton Bei ber amerikanischen Regierung Vorstellungen gemacht hat wegen des Msetz« entwurfes im Staate Kalifornien, ber ben Japanern ben Erwerb von Grund unb Bvben verbieten soll. Ans Stabt und Land. Gießen, 11. April 1913. Tlprilwetter. „Regen, Mnb und Sonnenschein, führen ben April erst ein", heißt ein altes Berschen. Unb damit finb bie besonderen Eigenschaften dieses SchaLkmonats kurz und treffend charakterisiert. Es besteht nun im Volke die irrtümliche Meinung, Wind sei eine der gefährlichsten Aeußerungen der Naturkräfte. Gefährlich ist aber nur ber Wind, ber größere Mengen von Staub aufwirbelt, beim der Staub ist tatsächlich einer der erbittertsten Fettide der lebenden Geschöpfe. Dagegen ist reiner Wind von ungemein erfrischendem unb reinigendem Einfluß auf unfern Körper: er regt den Stoffwechsel an, befreit von lästigen Blutstockungen, erfrischt bie Haut, macht Appettt, klärt ben Geist — kurzum, Wind ist unter Umstanden ein ganz Bedeutender Heilfaktor! Besonders warmer, auf einen Regen folgender Wind, der viel Ozon enthalt, ist gesundhettsfordernd. Nur Zugluft ist zu vermeiden; allein auch vor ich ist die Furcht eine viel zu große. Was sollen denn Briefträger, Soldaten usw. sagen, die sich von einem zugigen Ort nach dem anderen Begeben, bald in dem windigen '.Hausflur, bald im Freien stehen? Wäre der Zug wirklich iso schllimm, so müßten sie fortwährend traut fein; statt dessen sehen sie gesünder aus und sind es Sie sondern iw , iffftt nd S?"** .. Aprillch" f,«ben tann : ** L tobl-i, d-r !L- ,„it (leinen unb gr» f'.q8 fOVt. is5rt8 sind 111,6 3,1 wird v°m §o6tr -chncedecke von K soll halt nock an. ä#id)neit. «St Rahet°l Sil'1« unb der Wl Lchneesnll «US de> gib, oitf der 1 ' " Einzig"' Seit Grritfilimfl »« rin halbes ME gammerbenrls/lels tragenen bev Auilraaiieber erle Reäitsuxgiill'^e'/ obc vetiolflt werden form« bie angemelde'en «orö aewtftn, do« nMi l ienen lieb muj“' 7 Ter llmffanö, daß es I fiafltn ooHflänbifit. ob, (ijeiofltjt dabw, dog de Leiiranen enfqegenqebt iahet nochmals gejagt „Mut ist, sondern hefämv'en ivill. Geqc der SlNgemeinheit zi dacht, für ihre Ar größere Vorteile zu „eiiesie Seicbhiö, roon AiiftragSgebiihr erhob getretenen Vunfche de geringen Gebühren, d zu zahlen sind, solllen ziibringenden Ansslän her werden alle Hanl Ginziehnngsstelle zu l zu Tarmsiadt ist jede erteilen, sowie Dnickj = Lich, 10. Tarlehnskasse iammlung in S. ffungab. Dar doch tung btr Pigettaoe \Tl üttt nnt sch atttn Äi JOTirbe auf 500 W ^El, auf .1000' Mm Mitglieds Kasse bietet mit i Uneben Einlei beit, mit ^usammi 1^000 MH und 345951 Ä X « 11 WtzliA *9® «Matti » Segen her 1=5 ®ubinqe £^9 auf bem S'a be§ hi-sig-, ‘Raffen, „om Ä Sarlel,; 11 ^"«Vaters, Fep S18t bntt -Sir!-- Ä Ü Sn" k»«°-hd NSr ^Ä" -jonbem tut bic Krochen hat. biläum. l/tö?nj9^erfi gsillklmms be?' 'lfahrtshaus 'm Betriebe einer >« Speisesaal, je dchen unb jungt fincr gtrmtmigtt ntrr! ffenüichke Grch tolmarprivatk Pariser Eis- um osfenkm-igk ermächtigt, fol- msern um Schu- Znt WsiklelM ate jÜT drahtlose gebracht, um mit ffclturmes (^jr* men. Ar einige tai'erlichen £bcr m Betern sokbei ’id)t bei der Post- e Auflage zuging, zen Angelegenheit senschastliche LehrMken zn ageakte vorliegen, -es Königs -t, bat bie toüri*, »n Entwurf etncx MM ^Xat! w Ur YMptsackr ng der Besoldung chte meinden. , dem Landtag einen uigsrechte der K ;e Betrag der Gk' ^zent der staa ' rden. Abgeordneter icke Landtag eil^esangnl. „er Vo5sstmM ^naldemokrLtrW sein Mndat zur und ■ft*»* hen Aprils MN de» 2 ^it sind d'^ssent r» •« »?!< ,#!5 ■-’Ä-’? irr Sei,'“h i>d °>^ ><•£**£ ir ""&« f'S '"LorW^e, auch, als solche, die jebem Lüftchen aus dem Wege gehen und brbe nicht bim Staub und die in ihrem Körper sitzenden Kra.uk- heitsstoffe, sondern den „Wind" und die „Zugluft" anklagen, wenn sie sich einen Schnupfen geholt haben. Uebrigens: w-ohl dem, dessen böse Säfte rechtzieittg aus dem Körper austreten, statt sich zu schwerer: .Krankheiten zu verdichten! Nur hüte man sich int Frühlinge davor, daß, man sich auf talte Steine setzt oder sich von warmer Temperatur z-u rasch und unvermittelt in kalte begibt. * •• Aprilschnee. Der April macht in diesem Jahre seinem Nus als wetterwendischer Geselle besondere Ehre. Nach wundervollen Frühlingstagen, wie man sie im Mai nicht schöner haben kann, folgten kalte, stürmische unb regnerische Tage, so richtige Apriltage. Und heute hat cs sogar und zioar teilweise recht lebhaft geschneit. Es war ein wunderlicher Anblick, der nns nicht allzu ost geboten wird: das lustige Treiben der Schneeflocken, wie c§ die im frischen Grün und teilweise auch im Blätterschmuek prangenden Bäume neckisch umspielte. Hier begann der Schneefall gegen 8 Uhr und setzte sich mit kleinen und größeren Unterbrechungen bis nach 11 Uhr vormittags fort, selbstverständlich ohne liegen zubleiben. Auch von auswärts sind unS Nachrichten über Schneefälle zugegangen. So wird vom Hoherodskopf um 10*/, Uhr vormittags eine Schneedecke von 10 cm bei 5 ° Kälte gemeldet. Der Schneefall hält noch an. Auch in Frankfurt hat es heute morgen aeschneit. Aus Sobernheim wird berichtet, daß im ganzen Nahctal Schnee fällt. Auch aus dem Hunsrück schneit es und der Schnee bleibt liegen. Auch Stuttgart meldet Schneefall aus dem Neckartal und von der schwäbischen, Alb, auf der 4° Kälte herrschen. •* E i u z i e h u n g s st e l l e der Handwerkskammer. Seit Errichtung der Einziehungsstelle der Handwerkskammer ist ein halbes Jahr verflossen und sie erfreut sich aus allen Teilen des Kammerbezirks stets wachsender Inanspruchnahme. Von den übertragenen Austrägen fonntc ein erheblicher Teil zur Zusriedenheit der Auftraggeber erledigt tverden, ivährend eine Anzahl wegen Rechtsungültigkeit oder Verjährung der Forderungen nicht weiter verfolgt werden konnten. Wie die Erfahrung bis jetzt gelehrt, sind die angenlelde'en Forderungen fast durchweg sogen, faule Posten gewesen, der n Entstehung in vielen Fällen schon 1—2 Jahre zurück- liegen uub umhin oft die Grenze der Verjährung erreicht hatten. Ter Umstand, daß es trotzdem gelang, in einer erheblichen Anzahl Fällen vollständige oder Zielzahlungen zu erlangen, bietet wohl Getvähr dafür, daß der neuen Einrichtung der Handwerkskammer Vertrauen entqegengebracht werden kann. Den Interessenten fei daher nochmals gesagt, daß die Einziehungsstelle kein Erwerbsinstitut ist, sondern nur das allzu verbreitete Vorgunwesen bekämpfen luill. Gegen geringen Entgelt stellt sie ihre Dienste der Allgemeinheit gut Verfügung und ist nur darauf bedacht, für ihre Auftraggeber mit möglichst wenig Kosten größere Vorteile zu erreichen. Beweis hierfür ist auch der neueste Bescblilß, wonach bei Aufträgen unter 10 Mk. eine geringere AiiftragSgebühr erhoben wird, womit einem mehrfach hcrvor- getretenen Wunsche der Auftraggeber entsprochen worben ist. Tie geringen Gebühren, die l ei Inanspruchnahme der Einziehungsstelle zu zahlen sind, sollten jeden Handiverler bewegen, seine schwer cm- zubringenden Ausstände der Einziehniigsstelle zii überweisen. Datier werden alle Handiverkerkreise aufgefordert, sich rer Dienste der Einziehunqsstelle zu bedienen; das Bureau der Handwerkskammer zu Darmstadt ist jederzeit bereit, über die Einziehung Auskunft zu erteilen, sowie Drucksachen und Formulare zu versenden. Landkreis Gietzen. — Lich, 10. April. Heute hielt die Spar- und Darlehusrasse e. G. m. u. H. ihre Jahres-Versammlung in SteinS Saalbau bei sehr starker Beteiligung ab.. War dvch u. a. zur Tagesordnung „Die Umwandlung der gaig ertragenen Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in eine solche mit beschränkter Haftpflicht gestellt. Die Unüvanblung wurde nach längerer Beratung nrit fast allen Stimmen genehmigt. Der Geschäftsanteil wurde auf 500 Mk. und die Haftsumme, für jeden Geschäftsanteil, auf,.1000 Mk. festgesetzt. Es können jedoch von jedem Mitglied Awei Geschäftsanteile erworben werden. Die Kasse bietet mit ihren 200 Mitgliedern je 1500 Mk. Haftsumme den Einlegern gegenüber die größtmöglichste Sicher- heit, mit jammen .300 000 Mk., ohne den Reservefonds von 18 000 Mk. und einem Hypothekenbestand an 1. Stelle von 345 951 Mk. Gegründet wurde die Kasse am 11. Juni 1898 mit 11 Mitgliedern, hat sich aber unter der Leitung ihres rührigen Vorstands und Auffichtsrats setfl: schön entwickelt z,um "Segen der ganzen Wogend und schließt bei äusterst gesunder Bilanz am 31. Dezember 1912 mit einem Reingewinn von 4888,33 Mk. ab. Kreis Büdingen. ----Büdingen, 9. April. Infolge der anhaltenden Teuerung auf dem Geldmärkte hat der Vorstand und Anssi chtSrat des hiesigen Vorschuß- und Kredit-Vereins beschlossen, vom 1. April d. Js. an bis auf weiteres den Zinsfuß für Darlehen auf 5*/2 Proz. zu erhöhen. -4- Nidda, 10. April. In der verflossenen Nacht sank hier das Thermometer 10 C. unter Null. Da gegenwärtig schon das Frühobst in Blüte steht, ist die Kälte von großem Schaden. Kreis Lauterbach. x Schlitz, 10. April. Gestenr a'btenfr starb nach langem, schweren Leiden der hiesige^ Oberpfarrer und Dekan Fritz Schmidt im 53. Lebensjahr. Er erfreute sich großen Ansehens weit über das Schlitzerland hinaus. Als Prediger war er hochgeschätzt. In aller Erinnerung ist noch die eindrucksvolle Festpredigt, die er am 1100 jährigen Jubiläums- feft des Bestehens der hiesigen Stadtkirche gehalten hat. In Anerkennung seiner Verdienste als Dekarr und Pfarrer der lffcsigen Geineinde erhielt er damals das Ritterkreuz 1. Kl. des PlMppsordens." Fast 20 Jahre, von Anfang seiner Dienstzeit an, war er im Schlitzer Land tätig, davon 14l/2 Jahre in Schlitz, Dekan wurde er 1902; außerdem gehörte er längere Zeit der Landessynode an. Sein frühes Scheiden erregt allenthalben schmerzlichstes Bedauern. Die Beerdigung findet am Samstag um 1 Uhr hier statt. ~ UellerShausen, 10. April. Ein gutes Geschäft machte die hiesige Gemeinde bei Verpachtung der Gemeindejagd. Der Gemeinderat hatte sie nach Ablauf der Pachtperiode zuerst an zwei Jagdliebhaber aus Pfordt und Schlitz gegen einen jährlichen Pachtpreis von 450 Mk. freihändig vergeben, welcher Betrag auch bei seitherigen Verpachtungen erzielt wurde und angemessen erschien. Das Ministerium erteilte seine Einwilligung nicht und forderte eine öffentliche Verpachtung, da nach einer Schätzung der Oberförsterei Lauterbach die Jagd auf 600 Mk. taxiert wurde. Bei der nun erfolgten öffentlichen Verpachtung blieb die Gräfliche Herrschaft in Schlitz mit 700 Mk. Höchstbietender und es wurde dieser der Zuschlag erteilt. ~ Maar, 10. April. Die Firma Scheidhauer & Giesing, Aktiengesellschaft in Duisburg, hat in unserer Gemarkung ein größeres Terrain (Saustallskopf) erworben und beabsichtigt, einen Qua rz i t st e i n b ru ch zur Herstellung feuerfester Produkte zu eröffnen. Es wird dadurch der hiesigen arbeitenden Bevölkerung Gelegenheit geboten, einen lohnenden Verdienst zu erwerben. Kreis Schotten. Schotten, 10. April. Der von der Gr. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen durch die Wandcr- lehrerin, Schwester Hedwig von Below, abgehaltene Kursus in Säuglingspflege nahm sofort bei Beginn eine ungeahnte Ausdehnung an. Am ersten Abend waren es 75 Teilnehmerinnen, die den Rathaussaal bis zum Bersten füllten. Um das Baden zu sehen, lvurden Tische und Bänke bestiegen. Wegen des erstaunlichen Andranges mußte der Kursus in den größten Saal Schottens übersiedeln. Die Zahl der regelmäßigen Trtl- nehmerinnen beträgt jetzt ea. 112. Man hört, daß auch an allen Orten der Andrang zum Wandertürsus der Zentrale außerordentlich groß und der 14 tägige Besuch so regelmäßig !var, daß die Mehrzahl der Frauen während 14 Tagen kaum einmal fehlte. Ebenso ist es hier. Kreis Friedberg. B Friedberg, 10. April. Eine schöne P r o m cn ad en- anloge ist hier fertig gclvorden. Es ist die Mainzer Tor- Anlage, die jeder größeren Stadt zur Zierde gereichen dürfte. Bäume, Blumenbeete nsw sind angelegt worden An ihr stehen außer Privathänsern staatliche und städtische Gebällde, die Blindenanstalt, die neue Post, die Rcichsbank, die Geiverbe- schule usw. Starkenburg und Rheinhessen. (M) Offenbach, 10. April. Morgen, Freitag, findet eine eilige Sitzung der Stadtverordneten statt, in der über die Bahnhofsfrage und die mit dem neuen Sommerfahrplan in We g fa l l I'ü m in c n b c n D- und L-Züge beraten werden wird. Auf die entschiedenen Darstellungen des hessischen Ministers beim preußisclum Ml- nister der Oesfentlichen Arbeiten, ist der Eisenbahnpräsident in Frankfurt angewiesen worden, Wünsche der Stabt Offenbach über Kompensationen für das Rillttanhatten einiger Züge entgegenzunehmen. Die Vertreter der Stadt und der Handelskammer haben sich dahin geeinigt, der Eisen- bahnverwaltung mitznteilen, daß die Stadt bereit sei,'auf das Halten der Züge L53, 54, D 11, 12 unb 67 in Offenbach zu verzichten, fall,? die Eisenbahnverwaltung der Stadt gleichwertige Zugeständnisse macht. X Beerfelden, 10. April. Als in der Mittagsstunde der Personenzug von Hanau in die Station Hetzbach- Beerfelden einlief, sprang der Eisenbalwschaffner Greif aus Hanau vorzeitig ab, geriet unter die Näder und wurde zermalmt. Greif hinterläßt eine zahlreiche Familie. d. Mainz, 10. April. Vor einigen Tagen wurden zwei Brüder Konrad aus Bretzenheim verhaftet, weil sie in den Gürten der Gcmarkimg in mehreren Fällen die Ställe erbrochen und Hasen sowie Geflügel gestohlen hatten. Der jüngere der Brüder hat sich in seiner Zelle im Provinzial- arresthaus erhängt. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos Kreis Wetzlar. G. Krofdorf, 10. April. Hebamme Leib von hier feierte gestern in voller Rüstigkeit ihr 40jähriges Jubiläum. Zu dieser Feier, welche tm Cafe Appel abgebalten wurde, batten sich fast sämtliche Hebammen des Kreises Wetzlar, der Kreisarzt Dr. Seipp von hier, der Bürgermeister und die Familie Leib eingefunden. Der Kreisarzt hielt eine Rede, in der er betonte, das- bie Jubilarin bis sicht hei 1415 Geburten behülflich warr (diese Zahl entspricht fast der Größe unseres Ortes». Im ,Anschluß hieran wurde ihr die von der Kaiserin gestiftete qolde ne Brosche überreicht. Auch sonst wurden der Jubilarin zahlreiche Geschenke zuteil. Gegenwärtig steht sie im 72. Lebens jähre und gedenkt rwch weiter ihren Beruf fortzuführen. Hessen-Nassau. Rodheim a. d.Bieber, 10. April. Die Frühjahrs- Kontrollversammlung ist auf Samstag, 19. April, festgesetzt und zwar 845 Uhr vormittags für sämtliche Ersatzreservisten und 945 Uhr vormittags für sämtliche Reservisten und Landwehrlcllte 1. Aufgebots. — Die OrtSkranken- BOQfl»w^MMUui.jiWKtigiag^«iwmiBfl»ai«geuangwBymriiiM i i—ws iiiMMmicawaiMmMn kasse für den Sparkaffenbezirk Rodheim hält Sonntag, 20. April, auf dem Rathaus ihre Hauptversammlung ab. w Wiesbaden, 11. April. Gestern abend kurz vor 11 Uhr entstand im Projektionsraum des Jmperial- KinoS in der Rheinstraße während der Vorstellung Feuer. Die Zuschauer konnten unversehrt in Sicherheit gebracht werden. Der Besitzer deS Kinos, Ferd. Faber, und der Operateur erlitten so schwere Brandwunden, daß sie in da? Krankenhaus gebracht werden mußten. Sämtliche FilmS Hub verbrannt. Die Feuerwehr beschränkte daS Feuer auf seinen Herd. Vermischter» * Wu r stv-erg i ft un g. Aus Karlsruhe, wird gemeldet: Die „Badische Presse" meldet aus Sandweier: Am Dienstag erkrautten hier sieben Kinder und drei Frauen in Familien, die nebeneinder aus vier Käufer verteilt wohnen. Einige halten am Montag Wurst gegessen. Gestern vormittag starb der sechsjährige Knabe Roman des Briefträgers Pfleger. Die Sektion des Kindes ivurde heute früh durch die Bezirksärz-te von Baden Baden und Rastatt vorgenommen. Die übrigen sechs Kinder sind svfveit her gestellt, daß sie sich außer' Lebensgefahr besindcn. Von den drei erkrankten Frauen schwebt aber noch eine in Lebensgefahr. * In der Mordsacbe des G1}milasiasienThi c mann widerrief das verhaftete Dienstnrädchcn Heinrich ihr erstes Geständnis. In der Sache selbst erscheint übrigens noch vieles unklar. Die Leiche des jungen Mannes soll mm abermals ausgegraben und untersucht werden. Der „Berliner Lokaleinzeiger" teilt mit, daß es ber Kriminalpolizei bis in die späte Nachtstunde auch gestern nicht gelungen ist, den angeblichen Schlosser Schulz zu ermitteln. Die Heinrich bat sich bisher nidjrt bewegen lassen, den Widerruf ihres Geständnisses zurü.1 zunehmen. Die „Vossisch- Zeitung" schreibt: Es hat sich bis jetzt fein Anhaltspunkt dafür ergeben, daß Thiemann einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Angaben des Privatdetektivs begegnen auch bei der Staatsanwaltschaft Zweifeln. Ktehio Tageschronit. Der Erfinder des Schisfskreisels, Konsul Otto Schick, ist int Alter von 73 Jahren in 5) a in b u r g gestorben. IHärftc. le. Wiesbaden, 10. April, öeu- unb Strohmark t Ang eia h reu waren 15 Aagen mit Heu unb Stroh, ffllait notierte H e u 7. 0—8.40 Mk., Stroh (Nichtstroh) 4.40—4.80 Mk., Krumm stroh 8.40 - 4,00 Mk. — Frachtmarkt. Hafer 15,00—18,20 Aik. für 100 llilo. Amtlicher wetterbeiicht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen für Samstag, den 12. April 191:3: Wolkig, Aiecers klage in Schauern, Temperatur wenig verändert, westliche bis norbwestliche Wurde. Letzte Hac&ricbtett* Der Neichskanzler beim Kaiser. Ho m b u r g v. d. H., 11. Llpril. Der Reichskanzler ist heute vormittag 8,34 Uhr hier eingetroffen. Eine Jubiläumsstiftunfl. Halberstadt, 11. Llpril. Die städtischen Körperschaften bewilligten aulästlicb deS RegierungSjubiläums 25 000 Mk. als Grundstock für ein Volks b ra u s e b a d und 3000 Mk. als Beitrag zur Jubitäuursspende der Provinz Sachsen. Die Herzogin von Connaught außer Lebensgefahr. London, 10. Slpril. Ein gestern abend ausgegebenes Bulletin sagt, daß das Besiudeu der Herzogin von (Ion< naught fid) sehr gebessert hat, so daß, keine Lebensgefahr mehr besteht. Kämpfe in Marokko. Paris, 11. April. Aus II b s ch d a wird gemeldet, da st der neu errichtete Militärpofteu Nechila am linken Mulur-a- ufer in der vergangenen Nacht von B.eni ben Jahi, bie erst vor 14 Tagen ihre Unterwerfung angeboten hatten, angegriffen wurde. Die Marokkaner wurden mit b e * deutend en Verluste n i n bie Flucht geschlag en. Die Franzosen hatten einen Toten und neun Verwundete. Rach einer Meldung aus Rabat svll Oberst Mangin am"/, d. Mts. die Tadlaleute geschlagen, ihre Kasbah eingenommen haben und gegenwärtig bort lagern. W i c i ch f i e liebe, bie kleine goldene E m a u zi vierte! Wie, kann rnan eine Zigarette lieben? O ja, ganz gewiß! — Wer wie ich so lange nach der „Richtigen" suchte und diese nun endlich in der eleganten S a l e m A l e i k u m fand, ist einfach hoffnungslos verliebt und nichts könnte ibn ver anlassen, die so lange Gesuchte und Ersehnte mit einer anderen zu vertauschen. Sie hat Temperament nnd Rasse, sie nmsttickt mich mit ihrem süßen Duft, sie spannt meine Nerven, sie um schmeichelt meine Sinne, sie spornt mich an zur Arbeit und will ich ruhen von des Tages Last und Sorgen, dann ist sie es wieder, die mich in ihre weichen Arme schließt, um mich in das Wunderland der Träume zu führen. So ist mir die schöne Orientalin unentbehrlich geworden nnd nie mehr gebe ich sie her, die herrliche, die wunderbare: Salem Aleikum-Zigarette! C12/» Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Vaters, Schwiegervaters, Grossvaters, Bruders, Schwagers und Onkels Ferdinand Nennstiefl sagt innigen Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ferd. Nennstiel Jun. Giessen, 11. April 1913. 2477 Drucksachen oller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl'sche Univ.-Druckerei Schulstrasse 7 Nidda, 10. April 1913. 2473 Für die wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme bei unfeiein schweren Verluste sagen aufrichtigen Dank Sic trmrickn Hinterbliebenen. In deren Namen: Minna Hunsinger geb. Schenk. H-tan! in nur starker Ware, Farbe nach Wunsch der Besteller. 10 Stück M. m 100 Stück y)L 14.—. Neueste Sorten: Linon, Mook ä Stück 40 Psg. empfiehlt ver Nachnahme Georg Tbänaes II. 2469] Steinfurth lHessen). 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