Unternehmungen auscinandergefetzt und sich vermlichtct, von den geborgenen Schätzen 15 Proz. an den Lloyd's und 15 Proz. an die holländische Gesellschaft auszuzahlen. 1912 stellte das schlechte Wetter den Arbeiten jchwcre Hindernisse entgegen. Man konnte nnrksam mir im ganzen 278 Stunden arbeiten, die aber sehr nut'-bringend angewandt wurden. Im Juli vorigen Jahres ent- bedte ein Taucher im unteren Teile des Sckiffsrurnpfes der „Lu° tinr" ein Lock, durch das er seinen Arm stecken und die Goldbarren berühren konnte. Tie Dimensionen dieser Darren betragen nach seiner Schätzung 18 Zentimeter Länge, 6 Zentimeter Breite und 3 Zentimeter Höhe. Unglücklicherweise war einige. Tage später das Wrack in die durch die Pumpen gebildete Höhlung geglitten und der Zugang zu der Oesfnung unmöglich. Um die Anhäufung von Sand zu vermeiden, den die Strömungen der Zuidersee immer wieder, auch wenn die mächtigsten Pumpen ibn beseitigt hatten, in grober Fülle herbeiführten, hat man einen liefen Graben von 1850 Meter Länge bis zu dem Wrack bin und über dieses hinweg gezogen. Tie Strömung der Zuidersee, die bis ru 7 Knoten erreicht, stürzt sich nun in diesen Graben und spült den Sand mit fort Diese großartige Arbeit erforderte die Wegschassung von fast V'i Mill. Tonnen Sand. Die größte Schwierigkeit, die gegenwärtig noch besteht, liegt in einer ungeheuren Masse von Kugeln und Ballast, die durch den Rost zu einem kompakten Haufen zusammengeballt sind und in deren Mitte der Schatz wie eingcschlossen ruht. Die Metallbarren waren nämlich bei der Einschiffung vor 113 Jahren in den Schinskammern unter Haufen von Kugeln gelegt worden. Bei den Bergungsarbeiten von 1855 fand ein Taucher eine Menge itxmndk’T Taler und Kugeln von mehr als 1 Meter Dicke. Später stieß man auf eine gewaltige Masse von Silberbarren und rerroftetem Eilen, die zu schwer war, um sic zu heben. Bei den Arbeiten in diesem Jahre sollen nun auch diese Schwierigkeiten behoben werden. Man bedient sich dabei eines Magnets, der imstande ist, drei Tonnen zu beben. Tie Metallmassen lverden in Stücke zerbrochen, die der Magnet emporheben kann. Tie Bcr- iuche, die man in einem Londoner Dock angestellt hat, ergaben, daß man in 5 Tagen 90 Tonnen Metall mit bejn Magneten ans Licht ziehen konnte. Die Glocke, die aus der „Surin?" war, ist übrigens seit langem gehoben und hängt heute im Gebäude von Lloyd's, wo sie bei traurigen Ereignissen geläutet wird. Jedenroicbcr in Wien her Versuch gemacht worden, die deutschen Absichten in eine falsche Beleuchtung zu setzen, so daß halbamtlich darauf erwidert werden mußte: wie ein Goldschatz vom Meeresboden gehoben wird. Zahlreich' Versuche sind bereits unternommen worden, um ben Millionenschatz, der seit 1799 im Rumpf der Fregatte „L u tine" auf dem Meeresgründe am Eingang der Zuidersee ruht, zu heben: während aber bisher alle Mühe vergeblich war, scheinen nunmehr die Anstrengungen doch zu einem glücklichen Resultate zu führen. Wie Sauvaire Jourdan in der Nature ausfübn, ist man seit 1912 mit allen Mitteln der rortgcfchrit lenen Technik an der Arbeit, d.r See ihre Beute noch nach 113 Jahren zu entreißen, und die hier getroffenen Vorkehrungen bieten ein anschauliches Bild für die Methode, mit der man heutzutage Schätze vom Meeresboden zu heben sucht. Der Schatz der „Lutine" beftebt aus 1900 Goldbarren, 500 Silberbarten und barem Geld: alles in allem belief sich der Wert der hier aufgespeicherten Schätze auf 30175 000 Frs. Das Sckii' mit seiner kostbaren Ladung war bei der ältesten aller Seeveriicheruugsgesellschaften, Lloyd's, versichert, und als die „Lutine" mit ihrer reichen Ladung so nahe vor bem Ziel gc fünfen war, mußte die Versickerung der lwlländiscken ^nrma, die Eigentümerin war, gegen 22 Millionen auszahlen. Llovd s hat niemals die Hoffnung ganz aufgegeben, in den Besitz der 30 vom Meer verschlungenen Millionen zu gelangen: Veriucke, sie zu heben, wurden 1855, dann wieder in größerem Maßstabe 1900 unternommen, unb nunmehr hat man zu diesem Zweck em besonderes 'Dampfschiff konstruiert, den .Lyons", der seine Au' gäbe im vorigen Jahre in Angriff genommen bat Bald nach bem Sckissbruch, bei dem die Mannschaft mit Llusnahme emes einzigen Matrosen ertrank, wurde ber. Anspruch auf^Hebung des Sckatz's Dom König vom Holland auf Grund des Ltrandrecktes erhöh-H und im Auftrag des Königs bildete sich eine Gesell- sckhift zur Hebung der Millionen. Nachdem aber alle Venucke vergeblich gewesen waren, machte ber König von Holland 182c, freigebigst die „Lutine", deren Rumpf fron den Wogen der Zu,der see allmählich zu Sand zerrieben wurde, dem König Georg ix. oon England zum Gcickcick C'korg I\ übertrug die w erhal lenen Rechte wieder an Lloyd's. Tie hollandncke Gc'cllickart. die sick damals gebildet hatte, existiert aber auch beute noch und Bet auf ihre Ansprüche keineswegs verzichtet. Die Londoner National Salvage Association, die seit zwei Zähren die Hebung in einer großartigen Form ausgenommen hat, hat sich mit beiden Deutschland und Oesterreich. In verschiedenen Wiener und Ofenpester Blättern Hal der Telegrammwechsel Mischen M'önig Karl und Kaiser Wilhelm einiges Unbehagen l^ervorgerufen, weil dadurch offenbar wird, das; Deutschland für die von Oesterreich gewünschte Revision des Bukarester Vertrages nichts tun wird. Die „Neue Freie Presse" stellt auch bedauernd fest, daß die rumänische Politik im Anschluß an den Dreibund nicht mehr in Wien, sondern in Berlin den entscheidenden Faktor sehe. Interessant u't nun, wie sich die deuLsch-österreichische Mei nnngsverschiedenheit in einzelnen deutschen Blättern spiegelt Bemünstigen Bcurteilern kann es schwerlich einfalleii, die deutsche Politik zu beschuldigen, daß sie den Bundes- genoffen im Stiche lasse, denn die Selbständigkeit unserer Ansichten dürfen wir uns von Wien aus nicht beeinträchtigen lassen Ein ähnlicher Gegensatz ist ja aus demselben Anlaß auch in dem französisch-russischen Verhältnis aufgetreten, und eine amtliche Veröffentlichungaus Paris stell^das heute ganz offeusundig fest, ohne für die Minderung der russischen Freundschaft etwas zu hcfürdTten. So hat auch die „Kreuz- Zeitung' ganz recht, wenn sie urteilte: -Daß die Tcuttoc Regierung gegenüber ber unklaren unb wenig zielsick>eren Politik, wie sie am Ballhausplatz inauguriert wurde, eine gewisse Zurückhaltung beobachtet bat, wird ihr kein objektiv ^Denkender verargen können, um so weniger, als man in Oesterreich Vien ziemlich unbedenklich zu dem Opfer der rnmänisckien Freund- >ck.as! entschloß, an der — wie man in Wien selxr wohl wußte — Tcutsct-land nicht nur ans dynastischen Gründen fefauhalten wünschte. Es ist dringend zu honen, daß man in Oesterreich ruhiges Blut unb einen Haren Blick behält: beim bann wird man von selbst leben, warum gcrabc der Bukarester Vertrag in seiner jetzigen Gestalt ber. Interessen des Dreibundes unb nicht znm wenigsten bememgen Oesterreich Ungarns am meisten dient. Tann wird man aber auch erftvinen, das: die österreichische Politik trotz ihrer mangelnden Ergiebigkeit Ammer noch besser abgefchnitien bat, als das von Petersburg au» verfolgte Bestreben, den mittel europäischen Kaiserreichen und ber Donaumonarchie als^ ihrem südöstlichen Exponenten auch vom Süben ber eine kompakte Slanx n mässe irntgegenzusdellLN. Beivahrt man sich in Wien dieses nüchterne Urteil, so wird man auch den — rein nrenschlich verständlichen — tidjiThdi aber bcbauerlidxm unb unrationellen Fehler vermeiden, das eigene Versehen auf fremde Schultern abzuwälzen. Der „Germania", dem Berliner Zentrumsblatt, bleibt *eS nun Vorbehalten, gegen diese angeblich „scharfen Worte" des konservaiiven Blattes einen förmlichen Protest ein Sulegcn! Selbstverständlich läßt sich die „Germania" dabei ■tn der Hauptsache wieder einmal von klerikalen Rücksichten leiten. Sie läßt durch blicken, daß Deutschland die „aktive", HaS heißt also wohl kriegslustige Politik des Erzherzogs Franz F-erdinand nicht genügend unterstützt habe: Die wichtigste Frage wird von dem konservativen Blatt nicht berührt, unb diese lautet: weshalb denn die österreichisch lungarudx' Regierung zu einer aktiven Balkanpolitil sich nicht habe entschließen können'? Weiß die Kreuzzeitung wirklich nichts von den argen Meinungsverschiedenheiten zwischen Berlin unb Wien, wie sie im November vorigen Jahres Butane getreten sind? Weiß sie nicht, was der russische Kriegs- Minister Suckomlinov in Paris über gewisse Aeußerungen erzählt hat, die er in Berlin über den Erzherzog Franz Ferdinand gehört haben will'? Weiß sie nicht, wie die von ihr erwähnte Erklärung des Reichskanzlers vom 6. Dezember zustande kam ? Wenn man an der österreichisch ungarischen Politik in der Balkanfrage .Kritik Srhen will, bann muß man auch diese Tatsachen in Rechnung stellen — ober man dirs nickt über Dinge schreiben, über die man niru genau informiert ist. In Wien werden die 'Ermahnungen der Mreiwitung deshalb gar keinen 'Eindruck mackren. Tatsächlich ivirb der Telegrarnnnvechsel zwischen Kaiser Wilhelm unb König Karol und die Ernennung M önig .stvnstanrins zum preusnfchen Generalseldmarsck all in den Kreisen der TripleenteMe-Mäckte als eine Desavouierung Oe st erreich-Ungarns durch die deutsche Diplomatie betrachtet, und das ist gewiß nicht angenehm unb dem demsch^österreickstsckxn Bündnis nickt förderlich. Daß man in ^krlin den Wunsch hatte, die Tinge nicht verdunkeln zu lassen, ist ganz begreiflich. Ist doch schon Die „Kölnische Leitung"' meldet aus Berlin: Rack) Ofen- pest sollen aus '-Berlin Meldungen gelangt sein, nach denen in Berliner amtlichen MYcifen der Widerstand gegen die Revisionspolitik gewisse.rmaßen zurück- g e t r e t e n sei. Dieser Ausdruck ist i r r e f ü h r e n d. Deutschland kämpst in der Frage der Ueberprüfung nicht gegen andere Mächte: aber es nimmt nicht an den europäischen Versuchen zur Mänderung des Bukarester Vertrages teil. Es verhindert dadurch ein europäisches Vorgehen gegen das mühevoll zustande gebrachte Friedenswerk. Deutschland be teiligt sich nur an solchen Erörterungen der Mackste, die der 9kb sicht dienen, dem Vertrage die Zustimmung Europas zu sichern. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien ist nicht im Spiele. '?Ibcr wie die Dinge jetzt liegen, lassen sich die bulgarischen Wünsche ohne neue Gefährdung des Friedens nicht verwirklichen. Sehr deutlich über die Kavala-Angelegenbeit hat sich gestern im englischen Unterhaus auch Sir Edward Grey vernclMen lassen. Seine Ausführungen lassen sich in den Satz zusammenfasfen: es wird nichts aus einer Revision des Bukarester Vertrages, denn auch England hat, wie Deutschland und Frankreich, keinerlei Interesse daran. So ist denn die Begeisterung in Bukarest über die Erfolge der rumänischen Politik sehr berechtigt. König Karl hat auf telegraphische Mitteilungen vom Friedensschluß auch von den Königen der beteiligten Balkanländer noch einmal Kundgebungen des Dantes und der Sympathie erhalten Die Antwort des Königs Ferdinand bedeutet freilich nur gute Miene zum bösen Spiel. Deutsch la nds Einflußnahme auf das Zu ftanbefommen des Bukarester Friedens ist, wie der „Tägl Rundschau" von „hoher diplomatischer Seite" versichert wird, wesentlich größer, als die Oeffentlichkeit nach den bisher bekannien Nachrichten annimmt. Tag und Nacht spielte der Draht zwischen der „Hohenzollern" einerseits und dem Berliner Auswärtigen Amt, den ^Gesandtschaften in Bukarest, Sofia, Belgrad und Athen andererseits. Der Kaiser wurde in den letzten Wochen von allen Einzelheiten der Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes, der sich im Gefolge des Kaisers auf der „Hohenzolleru" befand, hatte vom Kaiser persönlich Befehl, ihm unverzüglich von allen wichtigen Mitteilungen Kenntnis zu geben, selbst während der Nachtzeit. Das Schlußprogramm des Bukarester Friedens ist in einem schwierigen Stadium der Verhandlungen zustande gekommen, als "noch im letzten Augenblick das Friedenswerk gefährdet erschien. Der bedeutungsvolle Inhalt der Drahtungen zwischen dem Kaiser und König Karol ist von beiden Regierungen vereinbart worden, um in Europä k.ine Zweifel über die Stellung Deutschlands und Rumäniens aufkommen zu lassen. Als die Frage der Zugehörigkeit des Hafens von Kavala die Friedenskonferenz zu sprengen drohte, wandte sich der Kaiser drahtlich an König Konstantin von Griechenland und riet ihm, Bulgarien das Hinterland von Maoala zu überlassen. Der König verständigte seinen in Bukarest weilenden Ministerpräsidenten von dem Rate seines faiferlichen Schwagers, und das schon schwer gefährdete Friedenswerk wurde durch das kaiserliche Eingreifen im letzten Augenblick gerettet. Tas Drängen nach Revision. Ofen pest, 12. Aug. Der „Pester Lloyd" veröffentlicht eine Wiener Information, nach der die Notwendigkeit einer Revision des Bukarester Friedens damit begründet wird, daß der Friedensschluß die wichtigsten Momente der Rassenverteilung in Mazedonien außer Acht läßt. Europa! habe nur die Wahl zwischen einer Revision, welche die härtesten ethnischen Ungerechtigkeiten wieder falls besteht bcgrünbctc Aussicht, das d« seit mehr alS 113 Jahren im Sand ber Zuidersee schlummernden Millionen wiebcr aui Tageslicht gehoben werden. * ff. Ein R ettungst urm für Unterseeboote In Sfrcua sind jüngst Versuche mit einem neuen Rettungsturm für Unterseeboote angestellt worden, den ein Seeossizier, Virginia Cavallini, ersunden hat. Bei den Versuchen wurde ein Modell ins Wasser versenkt, das durck eine Tclephonleitung mit dein Mitgliedern des Prüfungsausschusses an Land in Verbinduw- ftanb: wenn von oben der telephonische Befehl gegeben wurde, den Rettungsturm zu verwenden, vergingen nur 3 Sekunden, bis ber Rettungsturm an der Oberfläche erschien, und die „Gerct teten" aus ihm herauskamen. Nach den Mitteilungen, die die „Stampa" aus Spezia über die Versuche erhalt, scheint ber „Rettungsturm" eine hermetisch verschließbare flammet ;u sein, in ber bic ganze Besatzung eines Unterseebootes Plag findet. Im Falle eines Unglückes last sich der Rettungsturm rasch vom Schifsskörver lösen, so daß- die Mannschaft des Fahrzeuges sich in ihm retten kann. — 12118 Analphabeten im französischen Heer. Durch die neueste Statistik, die daS sranzösilche Kriegs Ministerium über die Zahl der des Schreibens Unkundigen in der Armee veröffentlicht, wird erwiesen, daß von 249 163 neu eingestellten Rekruten des Jahres 1911 12118 nicht schreiben und lesen konnten. Tie Zahl ist nur um ein Geringes niedriger als die von 1910. Im Iahte 1876 freilich betrug die Zahl ber Analphabeten noch 46 092. Die übervölkerten Departements des Norden und Westen liefern ben größten Prozentsatz ber Anal< phabeten. DaS Departement du Nord ist mit 895, das von Pas- de-Ealais mit 438 vertreten. Das Departement des 'Jura hat dagegen nur 9 unb das von Obetsafrvyen 7 Analphabeten gc- stellt. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Aus Freiburg i. B. nrirb gemeldet: Der Chirurge am Freiburger Diakonissenhaus unb Dozent an der Unifremtat Tr. Edwin Goldmann ist gestorben. i gut macht, unb fatalistischer Erwartung eine« - neuen Balkankrieges. Ter französisch-russische Gegensatz in der Frage von kavala. Paris, 12. Aug. HavaS veröffentlicht folgende Note: Der Augenblick scheint uns gekommert zu sein, die wider- sprechenden Nachrichtett über die Ha l tun g der Regierungen von Frankreich und Rußland in der K analaangc- le gen beit klarzu stellen. Weine von beiden verlangte jemals Don dem andern das Opfern seines Staudpunlte«. Betse teilten einander regelmäßig ihre Ansichten mit. Rußland wußte, baß Frankreich dafür war, Kavala, eine griechischeStadt,an Griechenland zu ge- ben. In Frcntlreich war der Wunsch Rußland« nicht unbekannt geblieben, diesen Hafen am Aegüischen Meere Bulgarien zu sichern. Die beiden Reißerungen wußten, daß keine von ihnen ihrer Meinmtg solche Wichtigkeit beimäße, daß sie von ihren Verbündeten bas Opfer seiner Neigungen hätte fordern müssen, da die Tendenzen der allgemeinen Politik der Mächte und die Tatsack)en sie balrtn führen mußten, sich auf eine ber Lösungen zu einigen. Da bie Frage ber Revision heute negativ entschieden ist, ist es nicht mehr an ber Seit, auf die An gelegen tunt einzugehen. Sickler ist, baß bie Beziehungen zwi'sck)en beiden Länbern niemals herzlicher waren, als in diesem Augenblick. «ihrig Karl unb Äihrig Ferdinand. Bukarest, 12. Aug. König Marl hat Einzelheiten des abgeschlossenen Friedens dem König Ferdinanb mitgeteilt, welcher mit einem] Telegramm antwortete, in dem er dem Mönig von Rumänien dafür dankt, daß seine und der rumänischen Regieruny Weisheit durch ben Bukarester Frieden dem Balkankrieg ein Ende gemacht habe, unb in welchem er ben Wunsch Lmsspricht, bie Beziehungen Nu- mäniens und Bulgariens möchten zukünftig bie freundlichsten sein. Wenn der König Karl dieses Telegramm mit dem gestern veröffentlichten Tagesbefehl Ferdinands an feine Soldaten vergleicht, muß er auf seltsame Gedanken kommen! Sir Edward Grcy über die Balkanpolitik. London, 12. August. Sir Edward Grey sprach heult Nachmittag im Unter häufe über bie Lage aus dem Balkau. Er teilte mit, daß die Botschafter ko ufere uz sich für die Serien vertagt habe. Ihre Hauptaufgabe war, unter den Mächten eine Perständigung über die Frage von Albanien nnb der Aegäi-schen Inseln zii Lrzielen. lieber beide Fragen ist eine Verständigung erzielt worden. Was Albanien betrifft, so wird eine internationale Kontrollkommission eingesetzt werden, deren Aufgabe c5 ist, einen autonomen Staat unter einem Fürsten an der Spitze zii errichten, der von den 'Dt ä d) t e n gewählt wird. Was die ägäischen Inseln betrifft, so hat En glan d durch seine Stellung im Mittelmeere ein besonderes Interesse daran, nämlich, daß keine dieser Inseln von einer der Großmächte in Anspruch genommen ober behalten wird. Wir erzielten darüber eine Verständigung nnd da« Schicksal aller dieser Inseln einschließlich derer, die augenblicklich von Italien okkupiert sind, uiteressiert alle Großiuächte und wird schließlich von ihnen entschieden werden. Keine der Grosirnächte wird eine der Inseln für sich behalten. Die Frage sing an, kritisch zu werdeu, was geschehen würde, falls die Türkei die 9lii4fiihrunfl der Bestimmungen des Vertrages von Lausanne auf unbestimmte Zeit hmauszöqere und die italienische Okkupation daher auf unbe- stimiute Zeit fortdauere. Italien ließ uns keinen Augenblick im Zweifel, daß es beabsichtige, seinen Teil des Vertrages zu ersüllcu, wenu die Türkei den ihren erfülle. Wir haben alles Vertrauen in den fluten Glauben Italiens. Wir wissen, daß eS die Türkei drängt ihren Teil des Vertrages zu erfüllen. Daher braucht unS die Frag eines Aufschubs flegemvärtig nicht zu beschäftigen, WaS die gegenwärtige Lage betrifft, fo bestehest zwei seh ernste »ind fehrfchiviengeFragen, nämlich die schließliche Entscheidung über Thrazieu und Mazedonien. WaS Thrazien betrifft, lo hat sich die türkische Regierung über den Frieden von London hhiroc i- gesetzt, der unter den Auspizien der Großmächte geschlossen war, und Nr. 188 Erster Blatt 165. Jahrgang Mittwoch, 15. August 1915 Sichcner Anzeiger '"er''fprkck-A''fchlufse: politische.,Teil: August »«äs General-Anzeiger für Vberhesfen SMs «ut"aer Ettrtzea. 0 f • ’ • ? rach- iür ,Stabt und Annahme von iinyigen Rofationsörud und Verlag der VrLhl'schen Univ.-V»ch- und 5tei«druckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedtüon und vruaerel: dchulstrage r. annbv. hir dc>» KXÄ Bnbntlof8ra6c ,6a. ___________ Thrazien und Adrianopel besetzt. Was Thrazien und Adrianopel betrifft, so haben die Mächte V o r sl e ll u n g e n in Konstantinopel erhöhen, daß die Enos-Midia-Linie im großen und ganzen respektiert werden müsse. Dabei ist jedoch jener Punkt zu berücksich- lügen, den die Pforte für unerläßlich zur Verteidigung ihrer Grenze erachtet. Eine gute Grenze kann auf der Grundlage des Londoner -Friedens geschaffen iverden, aber der Besitz Thraziens imb Adria- 'riopels würbe nach begründeter Auffassung irur die Fi n a n z e n der Türkei mehr belaste n und würde jedensalls für sie eine /dauernde Schmächuiig bedeuten. Die Enos-Midia-Linie wäre ! vielleicht nicht zu Stande nefoiiunen, wenn man nicht gewußt hatte, daß eine oder mehrere Großmächte interveniert haben würden. 'SBenn im Kriege zwischen der Türkei und ben Alliierten die Frage -von Konstantinopel und der Meerenge mügeivosöen roorben wäre, daiin wäre die türkische Grenze vielleicht wd)t so vorteilhaft ausgefallen, als es jetzt der Fall ist. Wenn es direkt oder indirekt den 'Großmächten zu verdanken ist, daß der Londorrer Friede an der Enos — Midia-Linie Halt machte, so siiid die Mächte berechtigt, ihre 'Wünsch-O in Koiistantiiiopel bekannt zu geben und ihre Ratschläge zu erteilen, wenn es sich darum handelt, die türkische Grenze sestzilsetzen. Tie eirglische Politik gegenüber der Türkei ist, die türkische Herrschaft und Integrität in ihrem asiatischen Gebiet und in dem Gebiet jenseits der Enos - Midia- Linie zu konsolidieren und zu sichern. Diese Politik hängt aber voir dem guten Willen der übrigen (Großmächte ab. England -allein kann diese Politik nicht erfolgreich durchführen, denn viele andere Mächte haben auch Interessen in der asiatischen Türkei. WaS geschehen lanit, muß auf Grand allgemeiner Zustimmung geschehen. Der gute Wille der Großmächte kann aber nicht erreicht werden, wenn die Türkei ihren Rat betreffend Adrianopel und Thraziens nicht befolgt. Was den Frieden von Bukarest betrifft, so glauben wir, daß, wenn überhaupt eine Einmischung der Mächte stattfinden soll, cs nur ein Minimuni von Einmischung sein würde. Der Friede sollte als rechtskräftig betrachtet werden, abgesehen von etwaigen Modifikationen in besonderen Punkten, die bestimmte Mächte zu machen wünschen, deren Interessen stärker in Frage kämen, als unsere eigenen. Niemand bestreitet das Recht 1 irgend einer Großmacht, Punkte hervorzuheben, die nach ihrer Ueberzeugung modifiziert, das heisst einer Erörterung unterzogen 1 werden müssen. Aber man muß sich vergegenwärtigen, daß, wenn | eine Macht die Revision eines Punktes Vorschläge, möglicher- weise andere Mächte die Revision anderer Punkte Vorschlägen 1 würden. Es wäre zwecklos, Modifikationen vorzu- !schlagen, wenn die betreffenden Mächte nicht bereit wären, ihren Willen durch Anwendung von Gewalt durchzusetzen. Wir find bereit, allen Entschei- , düngen zuzustimmen, die die Zustimmung der Großmächte finden. Wir selbst beabsichtigen nicht, Modifikationen vorzuschlagen. Der Armeebefehl des Königs von Serbien vom 11. August lautet: „H eiben! Gestern wurde zu Bukarest 'der .Frieden ge- . schlossen. Durch den Frieden ist auch unsere neue Grenze gegen Bulgarien, festgesetzt worden. Diese schliesst außer den im Kriege । gegen die Türkei eroberten Gebieten auch den wertvollen Teil I Mazedoniens ein, in dem sich die wichtigen Orte Egri Palanka, 1 Kratvwo, Kotschana, Jschtip, Radewischta, Petschewo, Tsarevo Selo und Doiran befinden mit einem bedeutenden Teil des Doiransees. Helden! Durch das Blut, das Ihr vergossen, durch Euer Helden- < tum, Eure Selbstverleugnung und Eure ruhmreichen Siege habt , Ihr erreicht, daß Serbien einen Jahrhunderte alten Wunsch erfüllte. Es nahm Rache für Kossowo und wusch beit Flecken von Sliwnitza ab. Ihr habt die Opfer gerechtfertigt, die das Volk freiwillig um dieses Krieges willen ertrug. Habt meine Hoffnungen gerechtfertigt und die Hoffnungen Eures Oberbefehlshabers. Ihr habt es bewirkt, baß Serbien ruhmreich dasteht urch in -der ganzen Welt Anerkennung fand. Ihr, mein glorreiches heldenhaftes Heer, seid der Schöpfer der neuen Grenze Großserbiens. Helden! Bald werde ich meinen Befehl zur Demobilisation folgen lassen. Aber trotz der Freude, daß Ihr zu Eurem Herb zurückkehrt, krampft sich mein Herz zusammen bei dem Gedanken, daß zahlreiche Familien ihre teueren Helden nicht Wiedersehen werden, die auf dem 'Schlacht- felbe gefallen sind. Unsterblicher Ruhm ziert die Helden, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Sie vergossen ihr Mut- und gaben ihr Leben für das Glück und die Größe des Vaterlandes. Und Ihr, Ihr Helden, die Ihr alle Anstrengungen der Kriege überlebt und alle Hindernisse überwunden habt, Ihr werdet zu den Euren zurückkehren, um Eure Arbeiten fortzusetzen und Euch auf Euren Lorbeerkränzen auszuruhen. Es lebe meine mutige, unbesiegbare Armee! Deutsches Reich. Der Termin der badischen Wahlen Ist, laut „Neue Badische Landeszeitung", nunmehr für die Zweite Kammer auf den 21. Oktober, für die Erste Kammer auf den 12. November festgesetzt. Der Zwischenfall in Lunsville. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die amtlichen Ermittelungen über den Zwischenfall in Luneville bestätigen, daß den Erzählungen der Frau Schn ei b er etwas Tatsächliches nicht zu Grunde liegt. Als irrtümlich! stellte sich auch die Pressemeldung heraus, batz der Landwehrmann Schneider die Angaben seiner Frau nach dem Besuch in Lmreville als zutreffend bezeichnete. Ausland. Kämpfe im Soma lila nd. Nach offiziellen Depeschen aus London betreffend die Niederlage im Somaliland griffen 1000 Derwische das Kamelreiterkorps am 9. August zwischen Berbern und Dowai au und schnitten ihm den Rückzug ab. Das Maschinengewehr funktionierte nicht. Am 10. August langten die Verstärkungen an und es gelang dem Kämelreiterkmps, nach B u r a o zu kommen. Wegen Munitionsmangel verfolgten sie die Derwische nicht. Me Kamelreiter werden Burao räumen, da ein neuer Angriff in Aussicht steht. Me Verluste betragen: ein englischer Offizier tot, einer verwundet und einige fünfzig Mann tot und ver- wundet. Die Verluste der Derwische sollen bedeutend sein. Aus Staöt und Cait^e Gießen, 13. August 1913. ' Das Großherz ogliche Paar ist heute von Jagdschloß Wolfsgarten mit Gefolge zu der Kaiferparade nach Mainz gefahren und wird dort im Schlosse Wohnung nehmen. Die Rückkehr erfolgt voraussichtlich am Mittwoch. ** Aus dem Tru PP enübungstzlatz Darmstadt -sind 25 Leutnants der Reserve und Vizewachtmeister aus dem Bereich des 18. Armeekorps zu einem Ausbildungs- kursus einberufen worden. Der Kursus wird von Rittmeister Rogalla v. Bieberstein vom Dragoner-Regiment 24 geleitet, idem die Oberleutnants Lindemann von Dragoner 6, Freiherr v. Preuschen von Dragoner 23 und Volk von Ulanen 6 als ^Lehrer für den Unterricht im Felddienst, im Schicßdienst -und im Pionier- und Telegraphendienst beigegeben sind. ** Für die G ew e r b e a u s stell un g Gießen 1914 soll bekanntlich ein Plakat hergestellt werden, das geeignet erscheint, die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf unsere Stabt und ihre demnächsttgc Veranstaltung zu lenken und hierdurch den zu er- - wartenden Fremdenzusttom in günstigem Sinne zu beeinflussen. Es hat denn auch bereits, wie berichtet wurde, eine Preisaus- schreibung stattgesunden, und das Preisgeriae hat crct Entwürfe . einer Auszeichnung für würdig erkannt und zwei weitere an- gefauft. Alle 28 cingegangenen Entwürfe waren der £c m lichkeit im Turmhaus am Braud zugänglich gemacht i"orhcn Tie i Mehrzahl ragte freilich wenig über ben üblichen D >.c!ckcknitt hervor. Wie nicht anders zu erwarten war, hatte sich ein • Anzahl der Künstler bemüht, bas Gießen und Hessen Eigentümliche zu betonen, sei es durch Wiedergabe der Silhouette der Stadt mit ihren Türmen und Schornsteinen oder der Burgruinen in ihrer Nähe (Gle»berg, Vetzberg), sei es durch das in den Mittelpunkt des Plakats gerückte Wappen von Hessen. Ms wenig glücklich aber muß der Versuch bezeichnet werden, Gießen als ein Lahnathen der Oeffentlick-keit vorzuführen, zumal die Idee — Pallas einen Jüngling leitend und anfeuernb — keineswegs neu ist. In dem an sich löblichen Streben, jede Schablone zu vermeiden, vorbeigehauen hat aber ein Künstler, der das Pvodutt feiner Muß nnter dem gleichfalls recht merkwürdigen Motto: „Die Tätigkeit der Gewerbe ist lohnend" in die Welt gesetzt hat. Wäre man nicht durch die allbekannten „Kunstschöpfungen" der Futuristen und ähnlicher Heiliger bereits einigermaßen abgehärtet, so hätte man im Zweifel sein tonnen, ob sich nicht eine Nummer aus einer Ausstellung der „Kunst Hes Kindes" in die gegenwärtige verirrt habe. So ist es denn vollauf begreiflich, daß das Preisgericht von der Wahl des betreffenben Plakats Abstand genommen hat, da es sicher nicht angängig erscheint, neben jedes der zu versendenden Plakate eine erläuternde Broschüre zu hängen. Mit Befriedigung muß vielmehr festgestellt werden, daß die zuerkannten Preise durchaus am Platze sind. Höchst gelungen ist der mit dem ersten Preise gekrönte Entwurf des Herrn Hermann Keil, Gießen, z. Zt. Kelsterbach, mit dem Kennwort „Ann'mane". Ein Mädchen in hessischer Tracht hebt wie kosend ein Erzeugnis heimischer Töpserkunst in die Höhe. Auch die Farben — weiß, schwarz, blau, gelbbraun — sind dem betrachtenden Auge durchaus wohltuend. Auch der zweite Entwurf (Verfasser: Herr Gewerbe- und Zeichenlehrer Louis Garnon, Gießen; Kennwort: Jwwerrasching), ist der.Landschaft und ihren Bewohnern glücklich angepaßt: ein unwillkürlich zu Frohsinn anregendes Landestöchterlein mit einem großen Strauß Rosen in der Hand. Farben: gelb, schwarz, rot, weiß. Es fehlt nur die Beziehung auf den Zweck der Ausstellung. Großzügig gedacht ist auch der an dritter Stelle ausgezeichnete Entwurf des öerrn Architekten Ernst Schmidt, Gießen (Kennwort: Kunst im Gewerbe; Farben: hellgelb, schwarz, braunrot, blau. Ein kraftstrotzender Arbeiter mit dem Hammer über der Schulter, und im Hintergründe die schwärzliche Silhouette des Turmes der Stadtkirche vor fahlem Himmel. Dies Plakat schien unter den Besuchern der Ausstellung viele Freunde zu finden. Dennoch scheint uns der Entschluß der Preisrichter, den Keilschen Entwurf an erste Stelle zu setzen, das Nichtige getroffen zu haben. Zu loben sind auch die außerdem noch angekauften Entwürfe „Quelle der Arbeit" (Herr Architekt Ernst Schmidt, Gießen) und „Geist, Arbeit, Leben" (Herr Willi Woellke, Gießen>. ** D ie Aus kun fis stelle für Frauenberuf e des Allg. Deutschen Frauenvereins (Rathaus) bieibt bis Ende September geschlossen. Landkreis Gießen. — Lollar, 12. Aug. Für die Gemeinderatssitzung am Samstag, den 16. August, ist folgende Tagesordnung aufgestellt: 1. Die Anpflanzung einer Erinnerungseiche gelegentlich der Hundertjahrfeier der Schlacht bei Leipzig. 2. Walzen des Auweges; hier Arbeitsvergebung. 3. Walzen eines Teiles der Bleichstraße. Kreis Alsfeld. W Alsfeld, 12. Aug. (S t a d t v o r st a n d s s i tz u n g). Anwesend: Beigeordneter Weitz als Bors., die Stadtvorstandsmit° glieder Bücking, Koch, Ramspeck, Braun, Klingelböffer, Jakob, Enders, Bastian, Arnold und Brauereibesitzer Karl Wallach. Der Stadtvorstandssitzung ging die am 29. Juli beschlossene Orts- besichtigung des zur Erbauung des Armenhauses in Aussicht genommenen städtischen Geländes am Niederdruckbehälter voraus. Gegen die Erricht ung eines Armenhauses am alten Wasserbassin in unmittelbarer Nähe ihres Holzlagerplatzes legt die Firma Gebrüder Wallach entschieden Verwahrung ein. Des.weiteren ist eine von einer Anzahl Petenten unterzeichnete Eingabe eingelaufen. Hierin wird zum Ausdruck gebracht, daß da, wo ein Armenhaus errichtet werde, die angrenzenden Grundstücke entwertet, die umliegenden Wohnungen an Miet wert verlieren würden und eine bauliche Entwickelung für absehbare Zeiten ausgeschlossen sei. Ein Armenhaus dürfe also nur in einer Gegend errichtet werden, wo die Nachteile, die seine Erbauung nun einmal für die Umgebung mit sich bringe, möglichst gering seien. Es könne nicht bestritten werden, daß durch die Errichtung eines Armenhauses am alten Niederdruckbehälter, in unmittelbarer Nähe des neuen Bahnhofs, ein sehr wertvolles Baugelände entwertet würde und daß die erwähnten Nachteile für die Umgebung ganz besonders empfindlich seien. Der Vorsitzende erwähnt hierzu, daß nach seinem Ermessen niemand ein Recht habe, Einwendungen zu erheben, daß vielmehr der Stadt freie Bestimmung über den zu wählenden Bauplatz zustehe, da das Armenhaus ein Gebäude sei wie jedes andere. Er könne nicht verstehen, wie die Eingabe von Grundbesitzern unterzeichnet werden könne, die fast eine Viertelstunde weit von dem Bauplatz entfernt wohnten. Er ist der Ansicht, daß kein Bauplatz zu finden sei, wogegen nicht protestiert werde. Gem.-Rat Ramspeck erwähnt, daß von der Bau- kommsission in ihrer ersten Sitzung doch eine Reihe von Bauplätzen vorgeschilagen worden sei, die man anscheinend ganz unbeachtet ließe; so z. B. das Gelände hinter dem städt. Schlachthofe. Er stellt hierauf den Antrag, als Baugelände für das zu errichtende Armenhaus das städtische Gelände hinter dem Schlachthause unter Hinzukauf des etwa von der Pfarrei erforderlich iverbenben in Aussicht zu nehmen und den Gemeinderatsbeschluß vom 29. Juli aufzuheben. G.-R. Bücking stellt die Ausführungen des Vorsitzenden insofern richtig, daß^ wenn auch verschiedene, mitunterzeichnete Petenten in geraumer Entfernung von dem in Llussicht genommenen Bauplatz wohnten, sie doch mit ihren Grundstücken in Mitleidenschaft gezogen würden. Im übrigen spricht er ich gegen die Ausführung des Vorsitzenden aus und gibt zur Erwägung anheim, ob man nicht das alte Brauhaus, das als Armenhaus vorgesehen ist, zum Abbruch verkaufen und einen massiven Neubau errichten solle. Er kann sich indessen auch nicht enträtseln, weshalb gerade städtisches Gelände zum Bauplatz verwandt werden olle; sei denn dies billiger als etwa sonst zu erwerbendes? Er pflichtet dem Anträge Ramspeck bei. Gem.-Rat Braun vertritt ebenfalls diesen Standpunkt und ist nicht dafür, das Armenhaus aus der Stadt hinaus zu verbannen, allein sckwn mit Rücksicht auf die Kontrolle. Er erachtete die Eingabe der Finna Gebr. Wallach für vollständig begründet. Gem.-Rat Jakob ist ebenfalls nicht der Ansicht, daß man das Armenhaus aus der Stadt hinaus stellen solle und rügt in scharfem Tone die Unter- ftellungen in der Petitton gegenüber den ärmeren Familien. Er ist grundsätzlich nicht gegen die Errichtung eines Armenhauses, glaubt jedoch, wiederholt betonen zu müssen, daß der Stadt eine große Ausgabe erftnrl geblieben sei, wenn man das Hospital als Armenhaus beibehalten hätte. Gem.-Rat Ramspeck bemerkt hierzu, daß bas Hospital ein Vermäcftnis sei, worüber niemand, auck, dem Stadtvorstand nicht, ein Verfügungsrecht zu stehe. Gem.- Rat Ar nold stimmt der Ansicht Jakob bei, da kein dringendes Bedürfnis zur Errichtung eines Armenhauses vorliege. Zum Schlüsse bietet er noch sein in der Rambach gelegenes Gelände zum Preise von 0,70 Ml. für den Quadratmeter an. Nach eingehender Beratung wird Her Antrag Ramspeck angenommen mit dem Zusatz, baV, falls die Forderung der Pfarrei zu hoch erscheine, dem An- gebote Arnold näher getreten werden solle. Die Herren Jakob und Basttan stimmen gegen diesen Beschluß, da sie nicht der Ueber- zengung sind, daß das Gelände hinter dem Schlachthaus ein der Gesundheit entsprechender Platz ist. i Homberg n. b. £),, 12. Aug. Heute abend gegen 7 Uhr passierte die Kaiserin mit Gefolge in 2 Automobilen unser Städtchen. — Die Kaiserin war vorübergehend in Wilhelmshöhe und ist heute nach Homburg v. d. H. zurück- gekehrt. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 12. Aug. Stadtverordnetensitzung unter dem Vorsitz des Bürgernieisters Banrat Stahl. Nach Erledigung einiger kleineren Baugesuche werden den Gebr. Ullrich für bie Beoauung der Wilhelmstraße die Pläne für Neubauten am > üblichen und nördlichen Eck genehmigt. Ein weiterer Bau wird unter der Bedingung genehmigt, daß vorher eine Erwerbung des hierzu benötigten städtischen Geländes stattfindet. — Für den Platz, auf dem die Kasernenbauten errichtet werden sollen, werden verschiedene fßnoiefte in Vorschlag gebracht. — Die Verlängerung der Hanauer Sttaße wird ebenfalls mit dem Namen Hanauer Straße bezeichnet, und die Bahnhofstraße, um Irreführungen vorzubeugen. Alte Bahnhofstraße benannt. — Die Umänderung des alten Bahnhofsgebäudes für die vorläufige Unterbringung einer Kompagnie wird an die Miirdestfordernden vergeben, und zwar Maurerarbeit an Sott u. Bopp, Ziinmerarbeit an W. Füller, Glaserarbeit an Gg. Bieler, Schreinerarbeit an I. Trapp, Schlosserarbeit an R. Drott, Weißbinderarbeit an Karl Ferber. Den Neubau einer Baracke erhält Wilhelm Füller für 5592 Mark. — Den Gebr. Sinsmeier werden für Anfertigung gärtnerischer Pläne und Gutachten 450 Mark bewilligt. — Die Einführung von Gas und Wasser in die v. Helmoltsche Hofreite wird beschlossen und für Gaseinrichtung 2524 Mark, für Wasser 1410 Mart bewilligt. — Die Unterrührung der Bahn muß durch die Stadt beleuchtet werden. Es sollen Kandelaber im Betrag von 610 Mark ausgestellt werden. — Der Voranschlag _ der Schillerschule für 1914 wird in Einnahme und Ausgabe mit 28 163 Mark genehmigt. Der Zuschuß der Stadt beträgt 6500 Mark. — Es wird mitgeteitt, daß K. K. Müller das Kommando der Freiw. Feuerwehr niedergelegt habe. Bis zur Neuwahl oder Ernennung eines Kommandanten werden die Geschäfte der Feuerwehr durch die Brandmeister Füller und Fourier besorgt. — Wegen der Mißstände und Härten, die sich bei dem neuen Umlagegesetz, namentlich bei der Gewerbesteuer herausgestellt haben, sollen durch die Finanzkommission Vorschläge dem Ministerium unterbreitet ioerben. — Direktor Buxweil in Antwerpen und Georg Buchacker in Hamburg, beide in Friedberg geboren, haben für das Museums-Archiv jeder 500 Mark gestiftet, wofür die Stadt ihren Dank ausspricht. Büdingen, 11. Aug. (Schöffengericht.) Ter Strin- richter I. D. von Orleshausen wurde wegen körperlicher Mißhandlung des 12jährigen Fr. R. von Orleshausen zu 3 Mk. oder 1 Tag Gefängnis verurteilt. Von der weiter erhobenen Anklage der vorsätzlichen Sachbeschädigung wurde er ft eigesprochen. — CSer Bäcker und Gastwirt I. F. von Bindsachsen wurde wegen Uebertretung des Art. 262 Pol.-St.-G. fteigesprochen. Er hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl, weil er angeblich als Leiter seines Fuhrwerks während der Fahrt von Bindsachsen nach Büdingen auf seinem Wagen geschlafen hatte, rechtsgültig Einspruch eingelegt. — Der Taglöhner A. I. aus Breslau, zurzeit hier in Untersuchungshaft, wurde gegen Bettelns zu drei Wochen Haft und wegen Ruhestörung und groben Unfugs zu einer Woche Haft verurteilt. — Dor Taglöhner H. Sch. von Helsers- dors hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl wegen Betteln- rechtsgültig Einspruch eingelegt. Die angesetzte Haftstrafe von 14 Tagen^ wurde unter Berücksichtigung des hohen Alters und t>ey Geständnisses des Angeklagten, welcher anscheinend aus Not gebettelt hat, auf einen Tag Haft ermäßigt. — In der Privatklage der M.,M. von Bösgesäß gegen die K. W. geb. K. vor Streitberg bei Wächtersbach wegen Beleidigung wurde die Angeklagte zu 30 Mk. oder 6 Tagen Gefängnis verurteilt. — Die Privatklage der M. M. von Bösgesäß gegen die L. B. daselbst wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt. Die Angeklagte nahm die beleidigenden Aeußerungen mit Bedauern Mrück und trägt die sämtlichen Kosten des Verfahrens. Kleine Tageschronik. In der Guntzelstraße in Berlin-Wilmersdorf wurden bei einem Einbruch in die Wohnung einer Privatin Silber- fachen, Schmuckgegenstände und Pelze im Werte von 50 000 Mark gestohlen. Wetteraussichten in Hessen für Donnerstag, den 14. Aug. 1913: Meist trüb, zeitweise Regenschauer, kühl, nordwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Der Kaiser in Mainz. Mainz, 13. Aua. Der Kais er ist mit Gefolge im Sonderzug bei dem Bahnwärterhaus Nr. 39 der Strecke Mainz—Alzey eingetroffen. Der Kaiser trug die Uniform seines 116. Regiments. Zum Empfang waren anwesend: Der Groß Herzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Generalinspekteur v. Eichhorn, der Kommandieremde General v. Schenk, der Gouverneur von Mainz, Generalleutnant v. Kathen. Nachdem der Kaiser die Anwesenden begrüßt, stieg er zu Pferde. Sogleich begann auf dem Großen Sand das Exerzieren des 6. Ulanen-Regiments. Selbstmord. Darmstadt, 13. Aug. Die 19 jährige Tochter des hiesigen Hofbuchbinders und Papierhändlers Gresser in der Gartenstraße tötete sich gestern abend gegen 6 Uhr in der Eschollbrücker Straße hinter dem neuen Lazarett durch einen Revolverschuß. Noch lebend wurde sie durch die Rettungswache in das Krankenhaus gebracht, verstarb aber kurz nach ihrer Einlieferung. Der Um'bau des Bahnhofs Friedrichstraße. Berlin, 13. Aug. Mit dem Umbau des Bahnhofs F ri e d r i ch straß e dürfte noch im Herbst begonnen werden. Die Anordnung ist so, daß ein dreigleisiger Umbau vorgesehen ist. Zu dem jetzigen Stadtbahngleis kommt noch ein dreigleisiges Paar, auf welchem die Fernzüge, deren Abfertigung natttrgemäß längere Zeit in Anspruch nimmt, halten werden. Die Berufung im Krupp-Proz>eß. Berlin, 13. Aug. Die Verhandlung über die von 6 der in dem Tili an-Pr ozeß Verurteilten eingeleitete Berufung vor dem Oberckriegsgericht dürfte kaum vor Oktober stattfinden. In den Berten verirrt. Grenoble, 13. Ang. Dre drei Studenten, die sich bei der Besteigung des Casque de Neron verirrten, sind aufgefunden; sie waren sehr erschöpft, aber unverletzt. Es handelt sich nicht um Deutsche, sondern um einen Oester- reicher, einen Bulgaren und einen Engländer. Bürgermeister Trömel. Paris, 13.Aug. Der Fremdenlegionär Trömel ist zur Beobachtung seines Geisteszustandes in das Untersuchungsgefängnis in Oran überführt worden. Aus st and in Barcelona. Barcelona, 13. Aug. In den Webereien ruht die Arbeit. Tie Zahl der Streikenden beträgt 22000. Kochen Sie FrrrchtflarnrnerLs von frischem Obst! Stets werden Sie dann den frischen, reinen Fruchtgeschmack erhalten. 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Verschlossene, postfreie und mit entsprechender Aufschrift (z. B. Angebot ans Maurerarbeiten für den Erweiterungsbau des Gymnasiums zu Laubach' versehene Angebote, zu denen das vorgedruckte Formular zu verwenden ist, sind bis zum Freitag, den 22. August 1913, vorm. 11 Uhr bei unterzeichneter Dienststelle einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Schotten, den 7. August 1913. Der Großherzogliche Kreisbauinspektor. Täglich frische Preiselbeeren W. Hantel, Neuen Baue 7, Nicht selbst waschen! Das besorgt viel schneller, besser und billiger Persil — Nur einmaliges etwa viertelstündiges Kochen und die schmutzigste Wäsche ist im Nu blendendweiss Irisch und duftig wie auf dem Rasen gebleicht. Ueberall erhältlich, nie lose, nur in Original-Paketen. HENKEL & Co., DÜSSELDORF. Huch Fabrikanten der eHbcliebtea halten. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 9. August 1913. Grohh. Kulturinspektion Gießen. H. Steinbach. der humoristischen “Herren - Kapelle „Speyer“ Kanalisation. Montag, den 25. 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In unser Genossenschaftsregister wurde heute bezüglich des Landwirtschaftlichen Konsum-Vereins, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht zu Hausen eingetragen: Der Reservefonds beträgt 3000 Mark; demselben ist künftig nichts mehr zuzuführen mit Ausnahme der Eintrittsgelder und etwaiger Strafgelder. bi8/„ Gießen, den 11. August 1913. Groscherzoaii re* Amtsgericht. Zache is. Dr. Alker verreist bis zum 27. August 06308 HabenSie leere Säcke? Zahle dafür höchste Preise. Ford. Sie bitte Preisl. von V.H. Rau, Dortmund, Saarbrücker Straße 53 Itaiim- tiömuskranke erzielen durch eine Trinkkur im Hause mit Altbuchhorster Mark- Sprndel Starkquelle rasch Erleichterung und Hilfe. Die Gelenke werden von Schmerzen u. Schwellungen befreit, der Körper von den Krankheitsstoffen entlastet u. dieharnsaurenAblagerungen beseitigt. Bon zalUr. Prosesso- renu.Aerztenglänzcndbegut- aditet. ^l.6öu.WPf.i.d.Uni" versitäts Apotheke z. gold. Engel, in den Drogerien (s*. Seibel, WL Ltilbinger, A. 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