Nr. 83 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „viehener $oinilienMätterM werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehe«" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Mittwoch, 9. April 1913 163. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und ©teiixbrudercu R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=® 51. Redaktton:L^il2. Tel.-Adr,:AnzeigerGießen< Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oderheßen Mb. Deutscher Reichstag. 134. Sitzung, Dienstag, den 8. April. Am Tische des Bundesrats: b. Be thmann Hollweg, d. Heeringen, Kühn, Dr. Lisco. In der Hofloge wohnt der Fürst von Schaumburg-Lippe den Verhandlungen bei. .Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr, Sie erste Lesung der wehrvorlagen. (Zweiter Tag.) Abg. Bassermann (Natl.): Die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers ivaren getragen von dem Gefühl des Ernstes und der Schwere der politischen Lage. Es ist ihm durchaus zuzustimmen, wenn er darauf hingewiesen hat, daß beim Ausbruch eines Weltkrieges auch Deutschland nicht verschont werden würde, und daß es sich bei einem solchen Weltkrieg wohl um die Existenzfrage für die beteiligten Staaten handeln wird. Wr können es nur billigen, wenn der Reichskanzler dabei ohne jeden übertriebenen Optimismus seinem Vertrauen zu unserer Nation und zu unserem Heere Ausdruck gegeben hat. (Sehr richtig!) Wer an diese große Militärvorlage mit ihren großen Lasten, die sie für das Volk bringt, herantritt, der wird in erster Linie zu prüfen haben: ist in der Tat die internationale Lage so geworden, daß es notwendig ist, den letzten Mann einzustellen und die allgemeine Wehrpflicht durchzuführen? Wir müssen uns unsere Ellbogenfreiheit bewahren, das ist doch eine Binsenwahrheit. Auch wir müssen gehört werden im Rate der Völker. Nun die Frage der Verschlechterung der politischen Lage. Soll man sich nur auf die Vorgänge am Balkan beziehen und die Folgen, die sich für Zukunft und Gegenwart daraus ergeben? Liegen die Gründe der Verschlechterung der Lage nicht vielmehr weiter zurück? Liegen sie nicht vor dem Balkankriege? Wenn wir uns die politische Entwicklung ansehen seit der Bismarckschen Periode, dann kommen wir zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland verschlechtert haben. Diese Verschlechterung beginnt in dem Augenblick, da die Annäherung von Rußland und Frankreich erfolgt ist. In der Folgezeit ist Deutschland mächtig aufgeblüht in seiner Industrie, in Gewerbe und Handel. Es ist ein unbequemer Konkurrent auf dem Weltmarkt geworden. Die Folge war, daß eine gewisse Verstimmung zwischen Deutschland und England eingetreten ist. Nun ist richtig, daß auf dem Gebiete der Stärkeverteilung durch den Balkankrieg Veränderungen vorgekommen sind. Das Schicksal der Türkei hat sich erfüllt. Die Versuche Enver Behs und Mahmud Schevkets noch zu retten, was zu retten war, sind gescheitert. An die Stelle des europäischen türkischen Reiches treten slavische Staaten, die in raschem Vordringen die türkischen Truppen über den Haufen geworfen haben, und deren Selbstbewußtsein dadurch gewachsen ist. Es sind anspruchsvolle slavische Völker. Das ist weniger von Bedeutung für uns, wohl aber für das befreundete Oesterreich. Dazu kommt Rumänien, das angesichts der Stärkung des benachbarten Bulgariens ebenfalls Ansprüche erhebt. Oester- uruß im Südosten infolge der Erstarkung des fudslavischen Elements stärkeren militärischen Schuh aufrichten. Auch Konstantinopel bietet Konfliktstoff für die Zukunft, da mancherlei Staaten vorhanden sind, die davon träumen, Konstantinopel sich einzuverleiben. Weiteren Anlaß zu Konstikten kann däs unabhängige Albanien bieten und vor allem Kleinasien. Da sind deutsche Interessen sogar unmittelbar vorhanden und es wird von einer geschickten Politik abhängen, daß diese Interessen nicht angetastet werden. Für die Beurteilung der Gesamtlage ist auch Italien in Betracht zu ziehen, zumal da es zu den Dreibundmächten gehört. Wir freuen uns über d i e Erneuerung des Dreibundes, der sich in den Wirren durch das einmütige Zusammenwirken der Dreibundstaaten bewährt hat. Die Eroberung von Tripolis hat natürlich Einfluß auf die militärische Kraft Italiens, da es nunmehr einen Teil seiner Truppen in Tripolis verwenden muß. Auch ist es durch die Eroberung von Tripolis noch an einer ganz anderen Seite ein Mittelmeerstaat geworden, und hat deshalb noch in anderer Weise als bisher Rücksichten auf Frankreich und England zu nehmen. Daß unsere Beziehungen zu Rußland gut sind, erkennen wir gern an, zumal sie in der lehtvergangenen Zeit nicht sehr erfreulich waren. Das jetzige russische Kabinett ist gewiß von friedlichen Tendenzen geleitet und hat sich während der Balkanwirren bemüht, den Krieg zu vermeiden. Aber es fragt sich, wie lange das Regiment dieser Minister dauern wird. Wir lesen ja in der Presse von dem ftarlen Vordringen der panslawistischen Elemente und ihrer steigenden Unzufriedenheit mit der Politik des jetzigen Kabinetts. Daß wir uns auf die daraus möglicherweise erwachsenden Komplikationen rüsten müssen, wird niemand der deutschen Regierung und dem deutschen Parlament verargen. Darin liegt keine Angriffspolitik, wenn wir Königsberg mit stärkerem Schuh versehen. Der sozialdemokratische Redner hat beS Panslavismus und auch des Chauvinismus in Frankreich mit leichter Hand beiseite geschoben. Aber man darf doch nicht übersehen, daß das .französische Militärorgan, die „France militaire" und andere Blätter eine Deutschenhetze betreiben, an der selbst ruhigere Zeitungen teilnehmen. In Frankreich ist die Zuversicht zur französischen Armee von Jahr zu Jahr gewachsen. Die deutsche Politik hat Frankreich gegenüber seit mehr als 40 Jahren eine sehr ruhige und friedliche Rolle gespielt. Das reicht zurück bis auf die Bismarckschen Zeiten. Deutschland hat niemals daran gedacht, mit Frankreich einen Krieg anxufangen, um E r - oberungen zu machen. Die jetzige Stimmung Frankreichs geht zum Teil auf die Marokkokrise zurück. Die Entsendung des „Panther" nach Agadir hat die französische Empfindlichkeit sehr tangiert. Die Hoffnung, mit dem Preiögeben von Marokko im Eintausch gegen den Kongo, diese Stimmung in Frankreich zu beseitigen hat sich nicht erfüllt. Der französische lieber mut, nicht in der Negierung, aber in manchen Teilen der Bevölkerung, hat sich immer mehr gesteigert und hat auch unerfreuliche Folgen gehabt, wie den Boykott deutscher Waren. Der Abg. Haase hat gestern gesagt, die deutsche Politik treibe Frankreich zur Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit. Das ist, glaube ich, nicht richtig. (Lachen bei den Soz.) — Lassen Sie mich doch ausreden. Dieser Plan war bei der französischen Militärverwaltung wohl schon früher vorhanden. Der „Temps" brachte seit Jahr und Tag Klagen Über die mangelhafte Ausbildung der Kavallerie durch die zweijährige Dienstzeit. Ein anderes Blatt wirst schon im März d. I. der Einführung der zweijährigen Dienstzeit vor, daß sie die französische Armee zugrunde richte. Selbstverständlich ist durch die deutsche Heeresvorlage die Zahl der Anhänger der dreijährigen Dienstzeit vermehrt worden. Die Verschlechterung der internationalen Lage ist in erster Linie auf den sogenannten Imperialismus zurückzuführen. Die starke Bevölkerungszunahme in vielen Ländern drängt zu einer überseeischen Betätigung. Diese imperialistische Bewegung hat nichts zu tun mit Cäsarenwahnsinn oder mit dem Ehrgeiz von Herrschern, ihr Gebiet zu erweitern. Sie findet sich in dem noch stark absolutistischen Rußland ebenso, wie in dem republikanischen Frankreich und in dem parlamentarisch regierten England. Der imperialistische Zug führt selbstverständlich in seinen Folgen dahin, neue Reibungsslächen zwischen den Staaten zu schaffen und drängt die Staaten zu einer Verstärkung ihrer Dtachtmittel. Immer mehr tritt die Macht eines Staates in den Vordergrund, die sich durch Schaffung immer größerer Schlachtflotten und Heere zeigt. Deutschland hat sich an diesem Wettlauf erst spät beteiligt. Unsere Bilanz ist nicht aktiv, unsere Erwerbungen sind gering. Aber weit über das, was die kühnsten Erwartungen annehmen konnten, sind die Kosten für unsere Rüstungen gestiegen. Darin liegt wiederum ein gewisser Konfliktstoff, ein Element, an dem wir nicht vorübergehen können. Fürst Bülow hat zweimal darauf hingewiesen, daß für uns eine Politik unerträglich fein würde, die uns einkreist und lahmlegt. Auch bei den Sozialdemokraten wächst das Verständnis für unsere Weltpolitik. Allerdings zeigt sie sich vorläufig nur in den „Sozialistischen Monatsheften", die man auf der äußersten Linken nicht gern erwähnen hört, und in Ausführungen des früheren sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Schippel. Die Kriegsgefahr ist in den letzten Jahren permanent geworden. Deutlich trat sie hervor, als Oesterreich die Herzegowina und Bosnien nahm und jetzt bei dem Balkanstreit. Der Abg. Haase hat sich über die angebliche österreichische Prestige-Politik sehr aufgeregt. Man kann hier kaum von Prestige-Politik sprechen. (Sehr richtig!) Im Gegenteil, diese Politik war sehr bescheiden. Früher hieß es bei den österreichischen Staatsmännern, der Weg nach Saloniki muß für Oesterreich-Ungarn offen bleiben. Das war das große Ziel. Mit der Rückgabe des Sandschaks war es nicht zu erreichen. Oesterreich hätte diese Zunge, die es nach Saloniki hingöstreckt hatte, behalten müssen. Die Sache liegt aber heute so: Oesterreich wollte die Adria freihalten, Serbien dort keinen Hafen einräumen in der richtigen Erkenntnis, daß serbische Häfen auch russische Häfen wären, und damit der österreichischen Politik entgegentreten. Seine zweite Forderung war die Unabhängigkeit Albaniens. Daraus ist der bedauerliche Streit nm Skutari hervorgegangen. Das kann man nicht als Prestige-Politik bezeichnen; im Gegenteil, sie ist eng gesteckt, enger als man es in Oesterreich selbst durchweg billigte. Der Tadel, daß wir Oesterreich in der bosnischen Frage und heute auf dem Balkan treu geblieben sind, ist unberechtigt. Wir mußten Treue halten. Diese Politik bewegt sich durchweg auf den Bahnen der alten Bismarckschen Politik. Es ist in dieser Zeit interessant, in der Geschichte ausgangs der siebziger Jahre zurückzublättern, der Zeit, als Bismarck der Cauchemar des coaJitions drückte. Die gefährlichste Situation, in die Deutschland geraten könnte, war ein Bündnis zwischen dem europäischen Westen und Osten. Damals hat er das Bündnis mit Oesterreich abgeschlossen und daran festgehalten und daran den Rückversicherungsvertrag mit Rußland geknüpft, um es von Frankreich fern zu halten. Der Rückversicherungsvertrag ist fallen gelassen, aber auf das österreichische Bündnis hat Bismarck den größten Wert gelegt. Es macht eine Koalition zwischen Frankreich, Oesterreich und Rußland unmöglich. Diese würde eine ernste Gefahr bedeuten, der unsere Politik begegnen muß. In diesen Richtlinien bewegt sich unsere heutige Politik. Wir haben Oesterreich von 1908 bis 1913 die Bündnis- treue gehalten, und nach den Erklärungen der leitenden Staatsmänner in der Budgetkommission ist der Vorwurf, daß die österreichische Energie durch die deutsche Politik gelähmt worden sei, durchaus unzutreffend. Das erklärte gestern auch der Reichskanzler, und das bedingt auch, daß wir bei der jetzigen Demon- stration vor Montenegro die Oesterreicher mit unserer Flottenmacht unterstützen. Das Ergebnis aller dieser Umstände ist doch, daß die auswärtige Lage sich für uns bedeutend schwieriger gestaltet hat und wir mit der internationalen Verwicklung eines Krieges rechnen müssen. Ein vorsichtiger Hausvater muß seine Politik auf solche Möglichkeiten einstellen. Die Folgen eines unglücklichen Krieges werden Deutschland sehr schwer treffen. . Unglückliche Kriege büßen die Sünden des Friedens. Aus diesem Grunde sind meine Freunde bereit, bie Verstärkungzu bewilligen. Der Abg. Haase meinte, dem Wettrüsten und Weltrüsten folgte der Weltkrieg, die Weltrevolution, der Weltsozialismus. Diese sozialistischen Gedankengänge sind, wie ein Artikel des Abg. Ouessel in den „Sozialist. Monatsheften" ergibt, nicht so ernst zu nehmen. (Zustimmung.) Darin bin ich allerdings mit Haase vollständig einverstanden, daß die Besserung der Beziehungen zu England mit Freuden zu begrüßen ist. Wenn England in den langwierigen Balkanverhandlungen dce Erkenntnis gewonnen hat, daß die deutsche Politik richtig orientiert war und wir nicht daran denken, ans dem dort lokalisierten Kriege einen Weltbrand zu entfachen, sondern mit (5ng= lanb für den Weltfrieden zu sorgen, so ist das eine gesunde und richtige Unterlage für diese Besserung. Niemand in Deutschland denkt daran, Englands Weltstellung und seine Seegeltung anzutasten. Das liegt auch unseren Flotten- rustungen gänzlich fern. Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hat sie notwendig gemacht. Großadmiral Tirpitz hat in der Kommission auf die Frage, wie sich die deutsche Politik zu den Aeußerungen Churchills stelle, gesagt, daß für die deutsche Schlacht- flotte nur unser deutsches militärisches Interesse in Frage komme. Wenn diese ISrllärungen Widerhall gefunden haben bei den englischen Staatsmännern, so können wir das mit Befriedigung verzeichnen. Der Ton, der durch die Reden der englischen Staatsmänner geht, ist ein ganz anderer als früher. Nun zur Militärvorlage selb st. '(Heiterkeit.)' Es ist nicht zu leugnen, daß Kontraste bestehen zwischen der heute' geforderten wirklich großzügigen Verstärkung und den Erklärungen, die die Kriegsverwaltung zu denen von 1911 und 1912 abgaben. Schon damals waren wir mit allen Teilen der Vorlagen nicht einverstanden, wir hatten die Empfindung, daß Lücken vorhanden seien. Auch jjeht habe ich den Eindruck, daß die jetzige Vorlage sich bestrebt, Dinge n a ch z u h o l e n , die man schon früher hätte einftiPren müssen. Ter Abg. Haase hat für die Entstehungsgeschichte her Militärvorlage den deutschen .Generalstab verantwortlich gemacht. Wenn dieser ober fein verantwortlicher Leiter in der Tat an die deutsche Kriegsverwaltung herangetreten ist, daß sie eine Verantwortung für den derzeitigen Umfang der Armee und ihre Form nicht mehr übernehmen, so kann die Kriegsverwaltung daran nicht vorübergehen. (Sehr richtig!) Wenn die Militärvorlage wirklich bezweckt, die allgemeine Wehrpflicht durchzuführen und jeden waffenfähigen Mann ein» zustellen, und wird diese Vorfrage bejaht, dann müssen auch die Konsequenzen gezogen werden für die Anstellung von Unteroffizieren und Offizieren, Beschaffung von Waffen, Munition, Unterkunft usw. Diese Konsequenzen wären im einzelnen in der Budgetkommission zu prüfen. Das Gesetz ist so die Verwirklichung des alten Scharnhorstschen Gedankens, der in die Reichsverfaffung übergegangen ist: Jeder Deutsche ist wehrpflichtig. Das Volk in Waffen! Durch die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht wächst die deutsche Armee um 120—130 000 Rekruten. Die Militärverwaltung will keine neuen Armeekorps aufstellen, sondern lediglich die Zahlen verstärken von den einzelnen Waffengattungen. Das ist zu begrüßen. Die stärkeren Cadres erleichtern nachher auch die Einstellung der Reservisten. Bei dieser Frage der Verstärkung des Heeres können wir auch an einer Reform des Militär st rafrechts nicht vorübergehen. Das jetzige Militärstrafrecht ist vielfach bereitet und entspricht einer Kultur, die wir seit Jahrzehnten hinter uns gelassen haben. Es muß anerkannt werden, daß die Militärverwaltung die Soldatenmihhanblungen mit großer Energie bekämpft. Das ist wohl auch eine Folge der Kritik in diesem Hause. Gerade jetzt wo so viele neue Rekruten eingestellt werden, möchte ich die Aufmerksamkeit der Militärverwaltung in verschärftem Maße hierauf richten. Wir wünschen keine Zurücksetzung ober Ausschließung wegen des religiösen Bekennt» n i s s e s und feine Bevorzugung des Adels. Ich erkenne an, daß es gewisse Regimenter mit starken Familientraditio- nen gibt, die man berücksichtigen soll. Aber nicht zu billigen ist es, daß bei der Garbe-Infanterie nur 23 bürgerliche Offiziere — früher waren es sogar noch weniger — und daß es bei der Garde- Kavallerie nur einen gibt. (Heiterkeit.) Auch sonst zeigt sich die Neigung, eine Provinzialgarde durch Schaffung adliger Regimenter zubilden. Hier wäre ein häufiger Wechsel der Garnisonen sehr wünschenswert, wie er in Oesterreich ftattfinbet, damit die Offiziere der Großstadt auch einmal die Genüsse der östlichen und westlichen Grenzgarnisonen mit ihren Entbehrungen kennen lernen. Die Vorlage ist in der Öffentlichkeit sehr verschieden aufgenommen. Herr Haase sprach von einem Rüstungswahnsinn von chauvinistischen Kriegstreibereien. Ich habe auch gelesen vor einer dumpfen Resignation, mit der man die Vorlage aufnehme. Beides ist nicht richtig. Unser Volk ist wirklich reif genug, um die Gefahr zu erkennen. (Sehr richtig!) Angesichts der Jahrhundertfeier schweift unser Blick in die Zeit zurück, in der das alte Preußen Friedrich des Großen zusammenbrach. Diese schweren Niederlagen sind nut dadurch zu erklären, daß die preußische Negierung Friedrich Wilhelms II. nicht erkannte, daß eine neue Zeit angebrochen war. (Zuruf b. d. Soz.: Ganz wie heute! — Heiterkeit.) Man unterließ es, die Armee zu reformieren. (Zuruf b. d. Soz.: Genau wie heute! — Erneute Heiterkeit.) Man unterließ es, bie Armee in der Zahl zu ergänzen. (Sehr gut! bei den bürgerlichen Parteien.) Das Offizierkorps war überaltert. Es brach zusammen mit der neuen Zeit Napoleons. Dann setzte die Reformbewegung unter Stein und Scharnhorst ein. Die Grund- sätze des Letzteren wollen wir durch diese Vorlage verwirklichen. Wir haben uns ein starkes H » e r geschaffen', zu dem wir volles Vertrauen haben, eine Achtung gebietende Flotte. Aber daß eine neue Zeit angebrochen ist, empfinden wir alle. Der Zeit der Kontinentalpolitik ist eine Zeit des Imperialismus gefolgt. In diese Zeit der Welt- wirtschaft ist auch Deutschland durch seine Volkskraft, seine Tüchtigkeit, seinen Fleiß hineingewachsen. Sie haben unseren Handel und unsere Industrie schon längst in die Welt hinaus- geführt und uns zu Konkurrenten für Völker gemacht, die diese Konkurrenz zum Teil sehr unltpfifam empfinden. So ist diese Zeit eine Zeit der Reibung und der Kriegsgefahr. Die. glänzende Aufwärtsentwicklung Deutschlands, in der wir gewachsen sind unter Bismarck an politischem Einfluß, vor allem aber in unserer nationalen Wirtschaft, stellt uns in dieser neuen Zeit neue Aufgaben. Was wir errungen haben, wollen wir nicht verlieren. Die Zahl unserer Feinde ist größer geworden als früher; wir wollen aber jeder Gefahr gewachsen sein. Das ist das Moment, das uns veranlaßt, diese Verstärkungen unserer Wehrmacht zu bewilligen. Meine Freunde sind bereit, den Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht durchzuführe n. Wir erachten dies als eine nationale Pflicht und als ein Gebot der Selb st erhalt u n g. (Lebhafter Beifall.) Abg. Gras Kanih (Kons.): Wir werden die Vorlage annehmen, denn sie ist ein Friedenswerk allerersten Ranges. (Beifall rechts.) Die Sozialdemokraten wollen gegen den Rüstungswahnsinn protegieren; sie veranstalten große Versammlungen hier und in Poris und anderwärts. Aber wie ist es I a u r ö s gegangen, als er gegen den Militarismus protestierte? Niedergeschrien wurde er mit dem tausendstimmigen Ruf: ä Berlin! (Lärm der Soz. Hört, hört!) Wir wallen dafür sorgen, daß die Fran- zosen nicht ihren Ruf: ä Berlin! betätigen werden. Die deutschen Sozialdemokraten wollen sich an ihre Rachegelüste nicht kehren, aber Sie werden cs müssen und wenn Sie selbst Stadt- Hagen nach Paris schicken. (Große Heiterkeit!) Sic vergessen in Ihren Protestversammlungen, wenn Sie von den kolossalen Lasten sprechen (ein Sozialdemokrat ruft: Hurra!) — von einer Hurrastimmung ist wahrhaftig nicht bei uns die Rede — das eine große Opfer, das dem Lande auferlegt wird; es handelt sich um die Mannschaften, um die vielen Tausend Männer, die in ihrer frühesten Zeit auch zur Armee müssen und dadurch der Arbeit zu Hause auf dem Lande entzogen werden. (Sehr wahr! rechts.) Schon seit einer Reibe von Jahren gehen die Rüstungen Frankreichs, und lediglich und ganz allein durch die Rüstungen Frankreichs sind wir gezwungen, die großen Opfer zu bringen. Durch ganz Frankreich ertönte der Ruf: i Berlin! (Lachen der Soz.), obgleich seine Bevölkerung nur 39 gegen unsere 6;" Millionen beträgt. Mit diesem Ruf hat eS in den letzten Jahren eine Armee unterhalten, die an Stärke hinter der deutschen Armee in keiner Weise zurücksteht. Nun sind die neuen CadreS. Gesetze angenommen und bringen eine starke Vermehrung der Armee. Sic sind von den französischeii parlamentarischen Kör- perschaften einstimmig, ohne jeden Widerspruch, angenommen. (Hört! Hört!) Auch die Sozialdemokraten stimmten dafür. (Unruhe der Soz.) Und jetzt wird die Wiederherstellung der dreijährigen Dienstzeit verlangt, daß die Armee uns über den ftopf wachst. Däs können wir nicht zulasten, da können wir nicht den Kops in den Sand stecken. (Beifall.) Wir können mit unserem Menschcnmatcrial doch etwas länger aushaltcn als die Franzosen. (Beifall.) Aber eS wäre eine schlimme Unterlassung, wenn wir von diesem Vorsprung keinen Gebrauch machen wollten. Deshalb müssen wir dem Reichskanzler dankbar sein, daß er diese Vorlage cingebracht hat, die uns den Frieden garantieren wird. (Beifall rechts.) Tics Verdienst des Reichskanzlers muß offen ausgesprochen und auch gewürdigt werden. Die Bevölkerung Frankreichs nimmt ständig ab. Sic wird -nach zuverlässiger Berechnung Ende dieses Jahrhunderts nur noch 30 Millionen betragen und Ende des nächsten Jahrhunderts wohl nur noch 25 Millionen. (Gelächter b. d. Soz.) DaS ist ein ganz einfaches Nechcncrempel. (Zuruf b. d. Soz.: Aber falsch!) Das sind keine erfreulichen Aussichten für den künftigen Ersatz der französischen Armee, deren Anforderungen an die Ddilitärtauglicbteit ständig herabgesetzt werden müssen. Wir in Deutschland haben jetzt wohl noch einen Geburtenüberschuß; aber auch bei uns ist ein bedenklicher Geburtenrückgang zu verzeichnen. Wir tragen uns wahrhaftig nicht mit irgendwelchen Angriffsgedanken. Dafür bürgt die 25jährige Friedensrcgieriing unseres Kaisers. Aber wir wollen lieber jetzt eine Milliarde opfern, als uns einer künftigen Niederlage aussetzen, die unzählige Milliarden kosten und hunderttauscndc Menschenleben fordern würde. Au unserer Friedensliebe scheint erfreulicherweise setzt auch England nicht mehr zu zweifeln. Wir bedauern, daß England eine Aenderung der Dislokation seiner Schifssmacht vornimmt und die Vormacht im Mittelmeer auf eine andere Macht übergehen soll. Wir hoffen gleichwohl noch, daß der Statusquo im Mittelmcer nicht zuungunsten Englands geändert wird. Die Verteilung der von den Balkanverbündeten eroberten Gebiete wird gewiß noch große Schwierigkeiten verursachen, und cs wird der ganzen Kunst der Diplomatie bedürfen, um hier neue Komplikationen zu vermeiden. Wir dürfen uns der Kriegsgefahr nicht verschließen. Solange wir die Stärkeren sind, lvird uns der Friede erhalten bleiben — aber nicht einen Dag länger. Möge das Deutschland von 1913 nicht an Opferwilligkcit zurück- stehcn hinter dem von 1813. (Lebhafter Beifall.) Abg._Dr. Müller-Meiningen (Vp.): Graf Kanitz scheint in einem großen Gegensatz zu Heydc- kcand zu stehen, der weniger friedliebend ist. Die »Konservative Korrespondenz" hat ja sogar seinerzeit erklärt: ..Ein Krieg käme uns gerade recht!" (Hört! Hört!) Von Hurrastim- mung ist nichts zu spüren. Man fand sie nur in der Rede des Llbg. Dr. Spahn. (Große Heiterkeit.) Sic war ein Extrakt der Schriften des Wchrvercins. (Hört! Hört!) Nach der schneidigen Sprache der Zentrumspresse hätte man etwas anderes erwartet. ^Widerspruch des Dr. O e r t e l.) Das ist so, selbst wenn Dr. Oertel aus angeborener Zcntrumsliebe widerspricht. (Heitert.) Die Güte der Motive steht aber in umgekehrtem Ver- hältni§ zu der Wichtigkeit oder Bedeutsamkeit der Vorlage. Die {Regierung braucht nicht die großen ^Geheimnisse der auswärtigen Politik auszutramcu, aber die Ausführungen des Kricgsministers waren doch das st ä r k st e Stück, das bisher dem deutschen Parlament geboten ist. Er hätte wenigstens einige militärische Anhaltspunkte geben müssen. Die ganze Vorlage ist geradezu provozierend und etatsrechtlich vollkommen unübersichtlich, die Zahlen der Deckung irreführend! _ Wir haben rein nüchtern und objektiv zwei große Fragen zu prüfen. Ist eine solche ungeheure Kostenerhöhung und Hceres- vermehrung unbedingt nötig und lvird unsere Ausrüstung so angewendet werden, daß der Zweck des Gesetzes, die Sicherheit des Reiches auf die beste und billigste Weise, erreicht wird? Es geht um die Unabhängigkeit und Großmachtstellung des Deutschen Reiches, nicht aber um irgendwelche theoretischen Prozentbercch- nnngen nach der Laune des Gesetzes von der ewigen Schraube. Wir haben die moralische Pflicht, jede Ausgabe doppelt und dreifach zu prüfen, und cs ist Wahnsinn, jeden Abstrich als Vaterlandsverrat zu bezeichnen. Der frühere Zentrumsabgeordnete Dr. Heim hat die ungeheure Höhe der Blutsteuer berechnet, die der deutschen Landbevölkerung auferlegt wird, wie gerade das Land dadurch entvölkert lvird. In keinem Staat, ich nehme nicht einmal Rußland aus, wird die Volksvertretung so behandelt wie hier. Der Kriegsminifter tut so, als wäre es selbstverständlich, daß die jetzige Vorlage dasselbe wäre, wie 1911 und 1912. Als »b sie nicht allem entgegentritt, was er selbst hier vertreten hat! Die ganze auswärtige Lage, die heute die Vorlage begründen soll, war uns schon im Frühjahr 1912 vollkommen bekannt und wurde in der Kommission besprochen. Man hat die Kriegsrüstungen am Balkan vollkommen ignoriert. Das ist ein schweres Schuldkonto in der militärischen und diplomatischen Vorbereitung. Wir sind auf den völkcrpsychologisch suggestiven Zustand gekommen! Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Endel Tie fortgesetzte Beunruhigung von Handel und Wandel durch diese fortwährenden Vorlagen ist unerträglich. Unser Londoner Botschafter Fürst Lichnowski hat ganz reckst, wenn er sagt: Nichts Schlimmeres als der niederträchtige Einfluß der Vorbereitung für Kriege. Heißt es nicht, daß im nächsten Jahre eine neue Flottenvorlage kommt? (Hört! Hört! v. d. Soz.) — daß diese Militärvorlage bcMs eine neue Vorlage in zwei Jahren nach sich zieht (Hört! Hört!); die Lücken sind bereits gelassen. Die gestrige Rede des Reichskanzlers zeichnet sich aus durch den offenen und freimütigen Ton über unsere Beziehungen zu den anderen Mächten. Dabei das Fernhalten von jedem falschen Chauvinismus. Es wird jedenfalls in der ganzen Welt mit Befriedigung begrüßt werden. Die Situation des Reichskanzlers ist nicht leicht: beruhigend auf der einen Seite, daneben die Begründung einer Milliardenvorlage! Das ist ein Kunststück, und das hat er sehr gut gemacht. (Heiterkeit.) Aber die Rede des Reichskanzlers märe vielleicht noch viel wirkungsvoller gewesen, wenn nicht den politischen Ereignissen die parlamentarischen Verhältnisse entgegenstäiiden. Sic war int allgemeinen auf einen rosigen Optimismus gestimmt, sic hat sich von einer falschen Schwarzmalerei sehr geschickt ferngehalten, aber eine Begründung für eine solche Riesenvermehrung der Armee ist darin nicht enthalten. Das Merkwürdige ist ja, daß die Situation sich noch niemals zu unseren Gunsten geändert hat, sondern stets zu unseren Ungunsten. Das ist ein sehr schlechtes Zeichen für den Wert u n d die Tätigkeit unserer deutschen Diplomatie, was gar nicht scharf genug festgestellt werden kann. Was uns jetzt auferlcgt wird, ist nichts anderes, als die kondensierte schlechte Diplomatie, die wir in den letzten zwanzig Jahren durchgemacht haben. Der Reichskanzler meinte, daß c5 keinen europäischen Staat gäbe, durch den wir mit Naturnotwendigkeit in einen Krieg gezogen werden fönnten. Nun, die jetzige politische Lage im Südosten zeigt doch, daß das nicht ganz richtig ist. Aber interessant ist, daß der Reichskanzler das Rassemoment zurückweist. Hier wird es Sache einer verständigen Diplomatie sein, die den Wahn eines zaristischen Chauvinismus im Wege einer Verständigung beseitigt. Die deutsche Politik entspricht diesen Anforderungen gerade in Ostasien sehr wenig und sie weist darin sehr viele Fehler auf. Als höchsten Zweck der Vorlage hat der Reichskanzler die Möglichkeit, für den allgemeinen Weltfrieden unsere Macht in die Wagschale zu werfen, gesprochen. Aber wir bedauern von diesem Stand- p unkte aus sehr, daß die Regierung nicht die mit großer Mehrheit angenommene Resolution unserer Partei 1911, die die Beschrä i'urg der Rüstungen durch Verständigung foricrlc, damals iLsgefahren hat eine Metallgießerei ihre Putzerei fixtubfrei eingerichtet. Die Putzarbetten werben nicht mehr mit ber Hanb, sondern mittels Gebläse unb Trommel verrichtet unb auch die Schleifmaschinen sinb mit Staubabscmgvvrrichtungen versehen worben. Ueber diesen Betrieb hatten vor Jahren bie Arbeiter bei ber Gewerbeinspektton schriftlich Beschwerbe erhoben, es war jeboch nach Lage ber Umstände, da bauliche Veränderungen bevorstanben, unmöglich, alsbald Wandel zu schaffen. Auch bie ^Betriebsleitung war von ber Notwendigkeit einer Verbesserung überzeugt, die Verhältnisse aber zwangen, wie so manchmal, zu einem längeren Aufschub. In einer Formerei ist durch Anschaffung eines neuen Pressesystems ein leichteres Arbeiten erreicht worben. Das Hin- unb Her Ziehen ber Formkasten ist entbehrlich geworden. Die Arbeit ist viel! weniger anftrengenb itnb baburch die Leistung unb ber Ver- bienft ber Arbeiter gestiegen. Die Vorschriften ber Bekanntmachung betrcffenb Betriebe, in beiten Maler-, Anstreicher- und bergleicken Arbeiten ausgeführt werben, vom 27. Junt 1905 (R. G. Bl. S. 853) hatten mattrfre Betriebsinhc.ber zur Anschaffung von Ersatzmitteln für Bleifarben B. Lithopon unb Lichtweiß) veranlaßt. Man ist aber allmählich mieber bavon abgekommen, weil ben bleifreien Farben mancherlei Mängel anhaften unb außerdem beim Mischen unb Nachschütten von Farben m ihm ter Verwechselungen derselben vorgekommen sind, indem man beispielsweise Litbopon unb Bleiweiß vermengte und baburch bas Gelingen ber Arbeit in Frage stellte. Da vom 1. Jomuar ab bie Bekanntmachung betreffend die Einrichtung unb bim Betrieb von zur A n f.« r t i g u n g von Zigarren bestimmten Anlagen vom 17. Februar 1907 Oft. G Bl. S. 34), bie Ausnahmebestimmung bes 8 12, wonach für die beim Erlaß dieser Bekanntmachung bereits bestehenden Betriebe auf jede beschäftigte Person nur 7 Kubikmeter Luftraum zu gewahren waren, wegfällt, unb fortan 10 Kubikmeter aus den Kopf verlangt worben, ist bereits im verwichenen Jahre eine Anzahl von Zigarrenfabriken umgebaut worben ober vergrößert worben. Die Forbcrung bieses erhöhten Luftraumes hat einige Fabrikanten aus Naumersparnisrücksichten veranlaßt, ben Arbeitsräumen eine Stockhöhe von 4 itnb mehr Metern zu geben. Sie klagen jetzt über bie außerorbentlich gestiegenen Hcizungskofteii. Tic gcnügeitbc Heizung ber hohen Räume verschlinge unverhältnismäßig viel .Heizungsmaterial. Tie Polizeiverorbnung über bie Einrichtung unb ben Betrieb von Bäckereien hat bie gute Wirkung, baß fortgesetzt an Stelle unhygienischer Backstuben neue gebaut werden ober die bestehenden ben Vorschriften entsprechenb umgeändert icerbeit. Im ganzen sind in den letzten Jahren nicht weniger als 18 Bäckereibetrichc in ber Provinz um- ober neugebaut worden. Wegen Nichtbefolgung der Reinlichkcitsvorschriftcn musste auch im Berichtsjahre gegen eine Anzahl Bäckermeister mit Strafen vorgegangen werben. In einer Fabrik, wo ber Meister in ben Frühpausen an die Arbeiter Bier in Flaschen verkaufte, würbe bies burch bie Betriebsleitung auf Vorstellung ber Gewcrbeinspektwn verboten. Der Meister hatte zwar anl’cficinenb keinen Vorteil von dem Verkauf, es ist aber sehr schwer, wenn nicht unmöglich, bie Verabredungen zwischen Fabrikangestellten unb ben Lieferanten klar zu ermitteln. ___ Wundern und Reisen. ** D c r Vogelsberger Höhen-Club, Zwcigverein Gießen, hielt kürzlich im1 Kaiserhof seine orbentlidjc Hcmptversamm lung ab, ber sich am 4. April noch eine außerorbentlickw Hauptversammlung anschloß. In bei- ersten erstattete ber 1. .Vorsitzende, Rebakieur Heß, ben Jahresbericht, nach bem sich ber Verein auch im vergangenen Jahre einer ruhigen, aber steten Weiterentwicklung erfreuen konnte. Tie Mitgliederzahl betrug am Jahres- sckstuß 252. Der Wegebezeichmmgsausschuß (W. B. A.) ist im abgelaufenen Jahre eifrig an ber Arbeit gewesen unb hat bie Markierungen, bie der Verein imi Vorjahre vom D.-Oest.-Alp.-Ver. Sekt. Gießen übernommen hat, zum großen Teil aufgefrischt und einige neue bcrgcfteilt. Doch bleibt immer noch vielen tun übrig. Auch bie Wanbertätigkeit war reckst lebhaft, beteiligten sich doch nach bem Berichte bes Wandernieisters Wenzel bnrckstcherittlich 54 Personen an den 12 Vereinswanberungen. Der vom Neckmcr A u b r e« s erstattete Rechnungsbericht zeigte, baß ber Verein auch finanziell auf guter Basis steht. Ms 1. Vorsitzender würbe, nachdem ber seilherige verbicnte Vorsitzende gebeten hatte, von seiner Wieberwahl abzusehen, Reallehrer Will genstihlr. Die übrigen Aemter, mit einer Verschiebung, blieben meist in ben Händen der seitherigen Inhaber: K. Wenzel 2. Bors, unb Wander- meister, K. F-aber unb E. Heß Schriftsührer, K. Anbrvas Rechner, W. Frohichäuser und F. 9äoll Beisitzer. Ein Antrag ans Bildung eines Wanberansschnsses, mit bessen Funkrionen bic Mitglieber bes W. B. A. betraut werden sollen, fand einstimmige Annnh-mc. Die außerordentliche .Haupwersammlung befaßte sich im wesentlichen mit bem Abhalten ber Monats versa mm l ungcii, bie man, um eine bessere Vorbereitung ber Vereinswanberungcn xu er- möglick>en, nm 8 Tage ftnher als seirlnr, verlegte und mit ber neuen Wanderorbnung, die man nach längerer Aussprache ohne jebe Stteichung versuchsweise für ein Jahr annalym, mit bem Zusatz, baß auswärtige Klubgenosscn vom Besuche ber Monats- üerftimmlungcn befreit sind. Für bas VcreinSjahr 1913/1914 ist folgcnbcr Wanderplan ausgestellt worben: Sonntag, 13. April Grünberg—Laubach—Frievrichshütte—Ul fa— N id da (5 Stunden): Sonntag, 18 Mai Butzbach—Maibach—Michel bachtal—Branbobernborf—Kraftsolms—Möttau—Braunfels (sechs Stunden): Sonntag, 15. Juni Gießen—Wißmar—Wißmarbachtal—Waidhaus—Sauwasen—Schmelz—Fronhausen (51 '•> Stund.); Sonntag, G. Juli (.Hoherobskopfsesr) sJtidda—Michelmru—Hof-Zwu-- falten—Bilstein—.Hvher odsko p> — Schotten (G Stunden): Sonntag, 3. August Alsfeld—Schloß Herzberg—Grebenau—Schlitz (6 St.); Samstag, 16. unb Sonntag, 17. August lh:.tägige Wanbcrung, in bas Knnllgcbirge; Sonntag, 14. September Gro^n-Bufeck—^ers- rob—Geilshausen—Weitcrshain—Grünberg (6 stunden); Sonntag, 12. Oktober Lich—Kloster Arnsburg—Münzeubcrg—Stein- furt—Bab-Nauheim' (5 Stunden): Sonntag, 9^November Frvn- hausen—Oberwalgern—Gladenbach—Marburg (5 Stund. : Sonntag, 7. Dezember: Ehringshiufen—Sinn—Herborn—Dillenburg (4 Stunden); Sonntag, 11. Januar: Bieber—Kvnigsberg—.Hohen- solms—Helfholz — Dünsberg—Robheim (5 Stunden); sonntag, 8. Februar, Gießen—Forsch. .Hochwart—Großenbuscck—Mtenbu- scck—Wieseck—Gießen (5 Stunden): oonntag, 8. März: Gicßm— Allcudorf (Lahn)—Stoppelberg—.Houigmühle—Wetzlar (51/« ötbi. — Der Assistent an ber Sternwarte ber Universität Göt-- t i n g e it Dr. Franz Pingsdorfs ist zum Ches ber astrophoto- graphischen Abteilung ber neuen Sternwarte in Santiago b e Chile berufen worben. Dr. Pingsdorfs ftanrmt aus Flerzheim, Reg.-Bez. Köln. Früher war er an ber Bonner Sternwarte tätig. _________ Der Schutzmann als Gattenmörder. A Göttingen, 7. April. Unter großem Andrange begann heute vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlung gegen den Pokizeisergeanteu Romabn aus Berlin, der beschuldigt ist, im Januar ds. Is, in Hannoversch-Münden seine Frau ertränkt zu haben. Nach Augobe Seiner persönlichen Verhältnisse stellte der Angeklagte den Fall zunächst so dar, als ob seine Frau, die in der letzten Zeit sehr nervös gewesen wäre, sich auf einem Spaziergang nach dein Winterhafen von ihm losaerissen und in das Wasser gesprungen sei, wo sie alsbald unterging. Im weiteren Verlauf des Verhörs verwickelte er sich in mancherlei Widersprüche und behauptete schließlich, daß sowohl er wie seine Frau beabsichtigt hätten, sreiwillig aus dem Leben zu scheiden. Tie Frau habe bereits früher einmal einen Selbstmordversuch unternommen und zwar in Lankwitz. Nach der Tarslellunq des Angeklagten hätten er und seine Frau nach einem Familienzwist am 5. Januar beschlossen, freiwillig aus dem Leven zu scheiden, und beide seien dann auch am 6., abends, an den Winterhafen gegangen, Härten jedoch ihr Vorhaben nicht ausführen können, weil Leute in der Nähe gewesen rvaren. An einer anderen Stelle hatten sie beide den Versuch unternommen unb hierbei sei er zu Fall gekommen; er habe sich dabei unfreiwillig von seiner Frau losaerissen und habe sie seitdem nickst mehr gesehen. Die Frau ser die Böschung hinabgerollt und in das Waffer gefallen; er habe auch ihre Hilferufe gehört, sei aber in der Aufregung nicht in der Lage gewesen, seiner Iran zu Hilfe zu komnien. Woher die an der Leiche konstatierten Verletzungen seiner Frau gekommen sind, vermnq der Angeklagte gleichfalls nicht anzngeben, — Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich - nicht die Frage vorgelegt habe, was aus den Kindern — zwei 6 und 10 Jahre alten Mädchen — werden sollte, erwiderte der Angeklagte, er habe sich gedacht, die Großmutter werde die Kinder fdion zu sich nehmen. Verschiedene Zeugen werden über das Eheleben des Angeklagten vernommen und darnach die Verhandlung vertagt. Vüchertisch. — Der Bund ber technisch-inbustricllon Bc^ amten veröffentlicht soeben Bericht unb Abrechnung für bas Jahr 1912 als Heft 30 ber Schriften bes Burches ber technisch-industriellen Beamten. Jnbuftriebeamten-Vcrlag, G. m. b. H., Berlin NW. 52. 48 Seiten. Vermachtes. * Neuartige Abstempelung ber Monats^ karten auf der Eiseubuhn. Tie zahlreichen Betrugsfälle, bie nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten mit bereits ungültig geworbenen Monatskarten immer mieber auf der Gisenbul)n trotz der drohenden gerichtlicheu Strafe versucht werden, haben den beteiligten Direktionen den Wunsch nahegelegt, dem Mißbrauch der Karten endgültig ein Ende zu bereiten. Die preußisch- hessische St-aatseisenbahnverwaltung hat sich deshalb entschlossen, zunächst probeweise im Bezirk Altona einen Versuch mit einem neuen Stempclapparat zu machen, welcher außer der Monatsbezeichnung noch die dem Monat entsprechende Zahl in etwa drei Zentimeter Größe farbig und mit vertieften Eindruck aufprägt. Der eigentliche Text der Karte, der die gelöste Strecke bezeichnet, wird trotzdem deutlich erkennbar sein. Die Versuche sind noch nicht ab- ' geschlossen. Falls die Erfahrung ergibt, daß die neue Art der Abstempelung dem erstrebten Zweck entspricht, soll künftighin auf alten Strecken dec preußisch-hessischen Staats- bahnverwaltung das neue Abstempetungsvcrf^hren eing.- führt werden. kf. Wo bie Frau bie Herrschaft führt. Tie Suffragetten werben nüt Neid zu ihren Schwestern l)trüberührten, Die ui Afrika in der Gegend von Bnssangfi, -brblich dci deutschen Kolonie Togo ansässig sind. Im Hohen Rat der einzelnen 'Jiegevftämmc, der zuwinmentritt, um über bas Wohl unb Wehe der t^emeinfchast zu beschließen, hat die Frau ein mächtiges Wort mit-- znsprechen. Ja, in Kriegsiragen gibt die Stimme der Frau regelmäßig den Ausschlag. Während sonst bei den Negerslämmen Afrikas die Frau durch ihre Arbeit für den Unterhalt der Familie sorgen mnß^was ja auch ein Grund mit ist zur Bieliveibcrei), trägt in Bussangsi auch dec Mann sein Teil zur Arbeit bei. Eine Qitzellc steter Sorgen für Mütter und schwächliche, in ber Entwicklung zurückgebliebene Kinder. Es kommt bet diesen hauptsächlich daraus au, bie BerdanungSkräfte anzuregen nnd den Allgeineinzustand des KürverS zu heben, wozu eine leicht verdauliche aber nut ernährende Kost erforderlich ist. „ K ufeke " - Nahrung entspricht bieten Anforderungen und vereinigt hiermit den Vorzug des Wohlgeschmackes und der Ausgiebigkeit. hvlb, • I ■ ■ ■■■ liefert billigst die BrühPsche 1 K HVPoQ mit I* Irmii Universitäts-Buell-unä8tein. IXlIüUi HO lllll I II IIIU druckerei.Gießen.Schulstr.7 DK heutige geb. Hartmann Wilhelm Beimborn Familie Karl Hartmann, Asslar [2431 Giessen (Wetzsteinstrasse 16), den 8. April 1913. 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Wir teilen dies Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme mit. Spaten uteto Unterdessen hat st manches geändert. A Mm Marie Louise vi zvgs Ernst August, vor heimführte, sah man i bahnung eines besser' .bohenPllern und der Seitdem Prinz Ma) Thrones, eine inoffij inä) Berlin Hergestell tung der anderen Pr Großherzog von Mc Kronprinzessin Cäcil wecken ist, hat sich bi Mite Sohn des her) August, trat in ba ment ein und wurde deutschen Kaisertochter Aus den zwei Al MeudMg.e Dpnchi Wtox Achen «Epto1 4°^ sah baki schm waltet über den tn die Zeiten des Heinrich dem Löwe und kulüvierte, au- Bmnchter nftanbei salH-a hatte der Ich edler Würde sein ' Heckensinn, seine I Men Minister Me geheo^t hatte.- /z®£ AsWWWnW! frinttjcit Utterhenj (Staunten un feindlich« ’#• ' eine aanaOT aus dem w ben» haWH-td-rH-r, daß er,M ÄnMch Ä' Wunb am gibt neue Cebeneteaft Willen, deren Tlewen durch geistige oder körperliche Anstrengung gelitten haben, es ist von unfifjäQ&aeem Werke für Vlutavme, fiir Kincker, welche:n der Entwicklung zurückgeblieben, für Steofulöfe, für Wägete, für filternde. 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Besonderen Dank Herrn Pfarrer Köhler für seine trostreichen Worte, der Krankenschwester für die liebevolle Pflege, den Altersgenossen, sowie den beiden Vereinen. Familie Schmitt. Albach, den 9. April 1913. 24 3» Kassenverkauf mit M"., Rabatt. ■ST M. KANN 2171 ttertco Emil SeeligAG Oeiibrorv' art ■vl trsatz Emai e-Güsciiirr-VeW Beachten Konsole mit mass Kasserollen Es sind Koch-n.Milchtöpfe Sie Kuchenformen Teioschüsseln nur Essenträaer Preise Wasserkessel l^phrenhanfpln gute, be- im Zwiebelbehälter währte rvuiiouiu Schau- odiiu, ocuü, ovua Toiletteeimer Quali- bpuiwannen feuster Schusseln und dergl. mehr täten zu ausserordentlich billigen Preisen! 0"/- Ludwig Kröll, Ploskstrasse