,2?? > Erstes Blatt 163. Jahrgang Donnerstag. 9. Oktober M3 SS ©ICnCHCr 4WGWB MM General-Anzeiger für Oberheffen ßDW bis vorinitlags 9 Uhr. Kotntionsörud und Verlag der Bnchl'lchen Univ.-Buch- und Steindruckerei H. Lange. Heöoftion, Lrpedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeig?ntett:' H? Beck! Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Der Stand der hessischen v esoldungsresorm. Es herrscht sowohl in den Kreisen der hessischen Be- nmten lute auch in der weiteren Bevölkerung eine vn- dauernde Mißstimmung darüber, daß die Verhandlungen über Die Besoldungsvorlage der Regierung anscheinend noch immer nicht recht von der Stelle rücken wollen, trotzdem wir bereits das erste Drittel des Oktober erreicht haben. faöt sich mit Recht, daß ein endgültiger Abschluß der Beratungen und eine befriedigende Lösung über die Neuordnung der Beamten- und Lehrergehälter überhaupt nur dann noch im Lause der gegenwärtigen Landtags- scssion erzielt werden kann, wenn die ganze Vorlage spätestens im nächsten Monat vor das Plenum der Zweiten Kammer kommt. Gelingt das nicht, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Besoldungsresorm, die nun schon seit etlua fünf Jahren das parlamentarische Repertoire beherrscht und hüben wie drüben die Gemüter in Erregung hält, in diesem Landtag überhaupt nicht mehr zur Verabschiedung kommen wird. Bekanntlich haben nun aber im Herbst des nächsten Jahres die dreijährigen E r g ä n z u n g s w a h- len zur Zweiten Kammer stattzufinden, und dann haben wir, wohlgemerkt, den ersten Landtag in Hessen, der nicht mehr, iuic der gegenwärtige, zur Hälfte aus direkten und zur Hälfte aus indirekt gewählten Mitgliedern, sondern ausschließlich aus 58 direkt von: Volke gewählten Abgeordneten bestehen wird. Die hessische Wählerschaft würde also nach Ablauf der jetzigen Tagung in der Lage sein, sich ihre Vertreter in der Gesetzgebung recht genau anzusehen und deren Glaubensbekenntnis bezüglich der Besoldungsresorm einzuholen. Und auch die Beamten und die Lehrer Hessens würden gewiß nicht verfehlen, von den wiederkandidierenden Herren Rechenschaft einzu- fordern über die wirklichen Beweggründe, die zu der immer wieder veranlaßten .Hinauszögerung der Beratung Veranlassung gegeben haben möchten. Gerade dieser Umstand sollte doch den mehr oder weniger verstockten Gegnern der Vorlage eine recht ernste Ermahnung sein, sich jeder weiteren Erschwerung der Beratung, zu enthalten und alles zu tun, um im Interesse der direkt betroffenen Beamten sowohl, wie der ganzen Bevölkerung des Landes die Besoldungsreform jetzt so schleunig wie möglich zum Abschluß zu bringen. Die Regierung hat ja nun der ganzen Sache zweifellos einen guten Dienst getan, indem sie in der vorigen Woche im Finanzausschuß ihre Stellungnahme näher kennzeichnete, nicht minder auch dadurch, daß sie mit großer Entschiedenheit auf eine Beschleunigung der Beratungen drang und die Notwendigkeit einer Verabschiedung der Vorlage noch im H erb st betonte. Auch aus der Ersten Kammer soll bereits unzweideutig zu verstehen gegeben worden sein, daß sie nur dann noch für eine Erledigung der Vorlage in dieser Tagung einstehen könne, loenn sie in die Lage versetzt werde, sich vor der neuen Budgetberatung damit zu beschäftigen. Diese Tatsachen scheinen nun auch auf den Finanzausschuß der Zweiten Kammer — dessen Mehrheit übrigens den besten Willen zur raschen Arbeit nie verleugnete — etwas belebend eingewirkt und den Willen zur Verständigung gestärkt zu haben. Aber die Schwierigkeiten sind damit noch lange nicht behoben. Es ist vor allem noch immer nicht gelungen, über die Gestaltung des Verhältnisses zwischen den städtischen und den ländlichen Beamten eine Einigung zu erzielen. Der Finanzausschuß tappt da auch gewissermaßen im Dunkeln herum. Selbst wenn es ihm nämlich gelingt, alle Schwierigkeiten und auseinandergehenden Anschauungen glücklich zu überwinden, so ist noch lange nicht abzusehen, wie sich später das Kammer- Plenumzu den Ausschußbeschlüssen stellen wird. Man operiert z. B. jetzt noch immer sehr stark mit den „Richtlinien" der 31 Mitglieder der „Wirtschaftlichen Vereinigung"; es wird aber von kundigen Thebanern doch einigermaßen bezweifelt, ob diese bei der entscheidenden Abstimmung namentlich bezüglich des Wohnungsgeldes sämtlich auf ihrem Standpunkt beharren und damit auch die Verantwortung für ein evcnt. Scheitern der ganzen Vorlage auf sich zu nehmen den Mut haben werden. Der Ausschuß hat sich nun auch, wie schon früher kurz erwähnt, in seinen letzten Sitzungen sehr eifrig mit der Frage einer Vereinfachung der Gehaltsskala durch Zusammenlegung ähnlicher Dienststellen zu gleichen Gehaltssätzen beschäftigt. Diesem Gedanken an sich, den verwickelten Apparat mit den 81 verschiedenen Gehaltsklassen zu vereinfachen, wird man eine gewisse Berechtigung nicht absprechen können und auch die Mehrheit der davon betroffenen Beamten dürfte sich mit ihm befreunden, namentlich wenn, wie uns versichert wird, die unteren und mittleren Beam- ten dabei zumeist eine kleine Gehaltsaufbesserung erfahren, lieber diesen Punkt dürfte eine Einigung im Ausschuß nicht allzu schwer werden, und auch die Regierung hat sich in der gemeinsamen Sitzung nicht dagegen ausgesprochen. Wie sich im übrigen die jetzigen Ausschußberatungen gestalten werden, ist bei der strengen Diskretion, deren sich die Mitglieder ja nicht mit Unrecht so lange befleißigen, nicht zu ermessen. Es wird aber die Hoffnung gehegt, und es besteht jedenfalls auch der Wille dazu, die Aus- schußberatungen in einigen Wochen zum Abschluß zu führen, damit dann um die Mitte, oder doch wenigstens gegen Ende November die P l e n a r b e r a t u n g e n ihren Anfang nehmen können. Hoffen wir das Beste! Der Geburtenrückgang. Von einem Besucher der öffentlichen Versammlung, die am Montag in Gießen stattfand, erhalten wir folgende Betrachtungen zum Abdruck: Es wird viel über die abnehmende Kinderzahl geklagt und nach Mitteln zur Abhilfe gesucht. Moral, Vaterlandsliebe, Religion, das Strafgesetzbuch sollen helfen. Das wirksamste Mittel wurde aber — meines Wissens — bisher nirgends erwähnt. Dies ist die volle Berücksichtigung des Egoismus, der im ganzen menschlichen Leben doch eine große Rolle spielt. Haben die Eltern Vorteile von den Kindern, so werden sie die Kinderzahl gewiß nicht freiwillig beschränken, im Gegenteil, jeder Familienzuwachs wird mit Freude begrüßt und alles getan werden, die Geborenen gesund und leistungsfähig zu erhalten. Wir sehen denn auch, daß überall da die Geburtszahl eine große ist, wo es Sitte, daß die Kinder, nachdem sie leiftungs- und erwerbsfähig geworden sind, die Eltern unterstützen. So fast überall auf dem Lande, wo die Kinder, bis sie selbst eine Familie gründen, Mitarbeiten, oder, wenn sie eine Stellung an- nehmen, einen Teil ihres Lohns den Eltern abgeben, so in vielen Industriegebieten, beispielsweise in dem Bergwerksgebiet der Saar, wo dies auch geschieht und wo es von Kindern wimmelt. In jungen Jahren nehmen dann die Eltern die Sorgen und Mühen, welche die Sprößlinge bringen, gern auf sich. Sie wissen, daß die Kinder, wenn diese erwerbsfähig geworden sind, es ihnen vergelten werden. Was sie für die Nachkommenschaft aufwenden, ist eine gute Kapitalsanlage, die später Zinsen trägt. Sie ist eine Sicherung für das eigene Alter. Der Egoismus, der in jedem: Menschen steckt, wirkt also hier int allgemeinen Interesse. Es sollte daher alles geschehen, um die Sitte zu erhalten, daß die Kinder ihre Eltern unterstützen. Wie ist es aber in Wirklichkeit? Wie viele Leute gibt es, die sich — man muß sagen, lurzsichtigerweise — darüber aufregen, wenn ein Dieuftbote, ein Geselle, ein Arbeiter und eine Arbeiterin: einen Teil des Lohnes an feine Eltern abgibt. Sie sind der Ansicht, das sei unbillig, es wäre besser, das Kind spare sich etwas. Wenn es den Eltern gut geht, wenn diese die Unterstützung des Kindes nicht brauchen, ist dies auch richttg, wie aber, wenn es den Eltern knapp gebt? Da müssen die Kinder ein)Dringen und zwar nicht mit Almosen, sondern infolge einer durch die Sitte gebotenen und durch die Gesetze gestützten Pflicht. Die Kinder vergelten dann den Eltern, was diese für sie getan haben, und müssen ihrerseits die Gewißheit haben, daß auch dermaleinst ihre Kinder das Gleiche für sie tun werden. So geschieht niemand Unrecht, reicher „Kindersegen" wird auch zum persönlichen Segen. Kommen dann die Einwirkung der Religion, der Moral, der Vaterlands- liehe und auch die Scheu vor dem Strafgesetzbuch hinzu, so wird von einer gewollten Beschränkung der Geburten kaum noch die Rede sein. Geht es den Eltern gut, so wird diese die Liebe zu ihren Kindern schon veranlassen, entweder für sie zu sparen, oder sie selbst sparen zu lassen. Der Grundsatz, daß es Pflicht der Kinder ist, für ihre Eltern mitzuerwerben, darf darunter aber nicht leiden; nicht das Kind hat also über das Erworbene! zu verfügen, sondern die Eltern. Im bürgerlichen Gesetzbuch ist zwar die Unterhaltungspsticht der Eltern durch die Kinder festgelegt, aber nur für den Fall, daß die Eltern außer Stande find, sich selbst zu erhalten und wenn der eigene standesgemäße Unterhalt des Kindes nicht gefährdet lüirb. Das ist zwar etwas, aber nicht genug. Tie Eltern bestimmen bis zum 21. Jahre den Aufenthaltsort des Kindes. Der Vater hat das Recht und die Pflicht, das Vermögen des minderjährigen Kindes zu verwalten, die Einkünfte des Vermögens darf er für sich, den Arbeitsverdienst des Kindes aber nur für dieses verwenden. Wie ist das im täglichen Leben auseincmderzuhalten! Zudem ist das Vormundschaftsgericht stets berechtigt, Mißbräuchen entgegenzu- treten. Die Bestimmung, daß das, was das Kind durch feine Arbeit erwirbt, von der Nutznießung durch die Eltern ausge- schlossen ist, muß also beseitigt, zum wenigsten beschränkt werden. Sie widerspricht dem staatlichen Interesse. Der Staat muß aus eine hohe Kinderzahl hinwirken. Das gleiche Ziel läßt sich zwar seitens des Staates durch manches andere erreichen: Wochenbettbeihilfen, Säuglingsheime, Erziehungsbeiträge, Steuerbefreiungen oder wenigstens Ermäßigungen, Unterstützungen, Pensionen, wenn die Kinderzahl eine bestimmte Höhe überschreitet (in Frankreich: 3). Aber das kostet viel Geld, da ist es schon besser, zunächst an die dem deutschen Familiensinn sich anschließende Sitte anzuknüpfen, daß das Kind bis zur Gründung seines eigenen Heims die Eltern unterstützt. Auf dem Gießener Frauentag ist auch die Frage des Geburtenrückgangs behandelt worden. Wirtschaftliche Rücksichten wurden verantwortlich gemacht. Andererseits wurde von sachverständiger Seite darauf hingewiesen, daß über die Geburtenbeschränkung vielfach sehr laxe Anschauungen herrschen. Diese das Volkswohl und die eigene Gesundheit auf das höchste gefährdende Seuche der Zeit ist nach den statistischen Erhebungen besonders in die intelligenteren msttleren Klassen, vor allem in die der gehobenen Arbeiter eingedrungen. Trifft dies alles zu, fo ist es um so mehr nötig, durch eine große Kind erzähl den Eltern wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Kl.« Geburtenrückgang auch in England. Auch in England wird, so teilt ein Londoner Berichterstatter der Frkf. Ztg. mit, feit den letzten Jahren der amtliche Bericht über die Bevölkerungsbewegung mit einer sorgenvollen Spannung erwartet: denn obgleich man von der französischen Stagnation noch ziemlich weit entfernt ist, so bestätigt doch jede neue Statistik, daß man sich in dieser Richtung befindet. Die Geburtenrate ist in dem veröffentlichten Berichte über das Jahr 1911 die niedrigste» Aus der eisernen Zeit: Bayerns Anschluß an die verbündeten. Noch kurz vor der großen Entscheidungsschlacht gelang es, auch Bayern auf die Seite der Verbündeten zu ziehen: nach langen Verhandlungen kam es am 8. Oktober zu dem Vertrag von Ried. So schwerwiegende Momente diese lange geheimgeh ftenen Abmattungen zwischen Oesterreich und Bayern auch für Preußen hatten, das dadurch Ansbach und Bayreuth verlor, so war doch der Anschluß des Königreiches in diesem kritischen Augenblick ein wertvoller Machtzuwachs, der auf Napoleon feinen Eindruck nicht verfehlte. Tie bayrischen Truppen sehnten den Augenblick herbei, da sie nicht mehr gegen ihre Brüder zu fechten gezwungen sein würden. Ter Prinz August von Thurn und Taxis, der selbst an den Verhandlungen gewichtigen Anteil hatte, erzählt in seinen vor kurzem im Jnselverlag erschienenen Erinnerungen, daß der Oberbefehlshaber der bayrischen Truppen, der General Wrede, schon seit der Aushebung des Waffenstillstandes nun seinerseits in einen „stillschweigenden Waffenstillstand" trat, non dem er den Franzosen keine Mitteilung machte, den er aber ffrprta durchführte. Anfang September begannen dann die diplo- mattschen Verhandlungen zwischen Wien und Nymphenburg. Metternich entsandte einen seiner gewandtesten Diplomaten,, den Baron ftriibn * die beiden Kaiser suchten auf den baynfthen König darrch freundliche Schreiben zu wirken. Alles wurde auf das Un- rrnffn'mcifte betrieben. „Da man immer das größte Geheimnis beobachten wollte," erzählt Prinz August „so erschien Hruby als Parlamentär mit einem Trompeter und unter dem Namen „Ä o,nnüm eines Majors von Renner im Generalstab. Ueber- hauvt war cs mir & nur möglich, dem äußeren Gang des Ge- schäftes^n folgen, und selbst hier verlor ich nochmals den Faden, so sehr geschah alles im stillen, und vielleicht waren nicht sieben Personen in Braunau, die wußten, was trorging/ Ire Diplomaten äSSwS Vöaerten noch immer und suchten die Sache hintan^u- W n ÄHk Soldaten ungeduldig auf einen Anschluß Ä Verbündeten drängten. Als der Prinz, von Thurn und Taris am 5 Oktober früh im Auftrag des Königs von dem Mi- iftfttr eine klare Antwort haben wollte, erklärte dieier, die Sachen Kph mit llcbercilima betrieben; er wollte die Verhandlungen S möaltoft in ihige ziehen, um erst die Entscheidungs- !ck>lack>7 von der man munkelte, abzmvarten. Der Prinz wutte !mk n-schMe Weise die Entsendung eines neuen D.plomnten, S neue Schwierigkeiten bereitet hatte, zn »ettnnbern Aber AI mit feinen unbestimmten Antworten am 6. Oktober in Rftd eintraf, waren die Oesterreicher so außer sich, daß sie drohten, sofort abiiireisen Wrede eilte nun ftlbst zum König, der ihm nach Bogenhausen eutgegeukam, „sprach mit ^ 'etzte alles auseinander, kurz, sagte, was zu sagen war, und überwand alle Bedenklichkeiten. Am 8. um 3 Uhr früh war er wieder in Ried, und an diesem Tage wurde endlich der Traktat abgeschlossen und unterzeichnet." Schon am 9. konnte der Vertrag zur Ratifikation nach München geschickt werden, und am 10. ließ General Wrede das bayrische Armeekorps sich in marschfertiger Bereitschaft auf den Straßen nach Landeshut aufstellen, um auf den ersten Befehl gegen den früheren Verbündeten und nunmehrigen Feind, den er und seine Soldaten schon lange hassen gelernt hatten, zu marschieren. — W ie Gustav Frenssen zum Dichter wurde. Neue Mitteilungen über die künstlerische Entwicklung des „Jörn Uhl"-Dichters, der am 19. Oktober seinen 5 0. Geburts- t a g feiert, bietet Hans von Bruneck in dem demnächst erscheinenden Heft der Grenzboten. Sein innerliches Wachsen und Werden, das in der bäuerlichen Kindheit so reich sich entfaltet, war während der Studienjahre unterbrochen worden. Die Eindrücke der Fremde in Tübingen und Berlin hatten seinen Blick nach außen abgelenkt. Erst da er als Pfarrer in die Heimat, zuerst nach Hennstedt und dann nach Hemme, beides Dörfer in Norderdithmarschen, kam, begann er sich in seinem Amt wieder als selbständige Persönlichkeit zu fühlen und rang heiß mit den seelischen Konflikten, die keinem erspart bleiben, der es ernst meint mit seinem Verhältnis zur Welt, zu den Menschen und zu Gott. Woche um Woche, bei jeder Predigt, brachen diese innerlichen Qualen hervor, und in diesen ruhelosen Jahren der geistigen Not wurde in ihm der Dichter geboren. Neben dem Erleben und Schaffen seiner Predigten ging sein künstlerisches Gestalten folgerichtig her, denn sein Ringen mit dem Genius hing unmittelbar mit dem Ringen um den Ausdruck seiner Weltanstt>auung zusammen. Beim Predigen wurde ihm seine dichterische Begabung klar und immer klarer. Zuerst war er durch einen reinen Zufall an die poetischen Versuche seiner Jünglingszeit erinnert worden; nun klammerte sich mit eiserner Notwendigkeit sein Inneres an diese Erinnerung, und er empfand es, wie er in einem Selbstbekenntnis sagt, „daß ich endlich die Stelle gefunden hätte, wo meine Wunderlichkeit und meine Gabe läge. Und allmählich, wie ich weiter sann und wie ich die ersten kleinen Geschichten schrieb, wurde es immer heller, ich merkte, daß ich Augen hatte, welche die Dinge und die Seele plastisch sehen. Ich merkte, daß ich idas Weinen mit den Weinenden und das Lachen mit den Lachenden nicht als christliche Lebensregel mir zu eigen gemacht hatte, sondern daß es eine besondere Naturanlage war, die mich so hob, so bedrückte; das Leben aller Menschen rnit- zuleben. Ich hatte die Gabe, mich zu vergessen, ja ich kann sagen, mich zu verlassen, und auf Stunden und Tage wie einer zu sein, der das Leben eines andern führt. Da, nach kurzem Zaudern fing ich an, den ersten Roman zu schreiben. Ich hatte eine neue Aufgabe. Ich zog aus, mit dem Mut und mit dem! Bangen der israelitischen Kundschafter, neue Länder zu entdecken. Und ich habe die Länder wahrhaftig und nicht im Traume gesehen." — OesterreichischeHöhlenforschungen. Durch die Sektion Salzburg des Oesterreichischen Vereins für Höhlenkunde sind nach „Peterm. Mitt." in den letzten zwei Jahren Untersuchungen in den bereits bekannten Höhlen Salzburgs gemacht worden in der Absicht, ungewöhnliche Funde aufzuspüren, sowie neuen Höhlen nachzuforschen; beide Bestrebungen sind in diesem Sommer von vollem Erfolge gekrönt worden. Es ist gelungen, in der Fortsetzung der Posselthöhle im.Tennengebirge ein so ausgedehntes System von Gängen mit Eisbildungen zu entdecken, daß die Posselthöhle an Ausdehnung die Rieseneishöhle im Dachsteingebiet, die bisher als größte Eishöhle Europas galt, übertrifft. Am Urttersberg wurde fast gleichzeittg ein diluvialer Bärenhorst aufgefunden, dessen Alter auf mindestens 50 000 Jahre geschätzt wird. Diese Entdeckungen gaben den Anlaß zu einer Salzburger Höhlenschau, die am 11. September eröffnet wurde, sie enthält eine große Sammlung von Bildern, Modellen, Plänen und Grundrissen sowie von Ske^tftunden. — Das Museum des heiligen Franziskus in Assisi. Aus Assisi wird berichtet: In diesen Tagen hat Corrado Ricci in Amvesenheit der Prvvinzbehörden und der Vertreter der internationalen Gesellschaft für franziskanische Forschung den Grundstein zu einem neuen Museum gelegt, das in unmittelbarer Nahe der Basilika erstehen wird und in dem die zahlreichen Reliquien und Dokumente über das Leben des heiligen Franziskus vereinigt werden sollen. Damit hat ein langgehegter Wunsch der führenden Franziskus-Forscher den ersten Schritt zu seiner Erfüllung gefunden. Im Anschluß an das Franziskus-MusenM wird eine historische Bibliothek erstehen, die bestimmt ist, ein Mittelpunkt aller auf das Leben und Wirken des heiligen Franziskus gerichteten Studien und Forschungen zu werden. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Die 11. Internationale Tuber kulosekon- ferenz findet vom 22. bis 25. Oktober 1913 im Reichstagsge- gebäube zu Berlin statt. — Der ordentliche Professor und Direktor des pharmakologischen Instituts an der Universität St raßburg t. E., Dr. Oswald Schmiedeberg, vollendet am 11. Oktober das 75. Lebensjahr. Er ist Ehrendoktor der Universttäten Edinburg und Bologna, auswärtiges Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Bonn, korrespondierendes Mitglied der Akademie der Medizin in Paris und Ehrenmitglied der gleiüen Akademie in Brüssel. — Der Direktor der Akaoemnchen Dochlchu e der bildenden Künste in Berlin, Anton v Werner, erhielt zur Kräftigung seiner Oesuntcheit einen sechsmonatigen Urlaub, je beobachtete. Es wurden auf 1000 Einwohner 24,4 Geburten gezählt. Seit 1876 ist die englische Geburtenziffer um fast ein Tritte! gefallen: Ware die Fortpflanzung der Bevölkerung noch dieselbe wie in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, so würden b.'ute ungefähr 400 000 Menschen jährlich mehr gefcren werden Tie bereits vorliegenden, aber noch nickt genau bearbeiteten Zahlen für 1912 machen es wahrscheinlich, daß in diesem Jahre ein weiterer Rückgang um 0,6 auf tausend erfolgt ist, die Geburten Ziffer also jeti weniger als 24 beträgt. Dieser Abnahme steht nicht mebr eine ebenso große der Sterbeziffer gegenüber, Knb es ist dal>er von einem stetigen und sich beschleunigenden Falle des Devölkerungswachstums zil reden. Es starben 1911 14,6 auf 1000 Menschen. Diese Zahl ist sogar erheblich, nämlich um 1,1 höher als die für 1910, doch hofft der amtliche Bericht, dan die Steigerung bloß vorübergehend sei. Sie wird nämlich aui die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen des Sommers 1911 zurückgeführt; nicht weniger als 0,8 von jener Ziffer kommen auf vermehrte Sterblichkeit durch«. Diarrhoekranff beiten. Einen der Gründe für die verminderte Geburtenzahl gibt d-r Rückgang der Heiraten ab. 1871 waren auf 1000 Personen im ehefähigcn Alter 56,9 verheiratet; 1911 waren es bloß noch 46,2. Aus Hessen. Aus dem Finanzausschuß. rb. D a r m st a d t, 8. Oft. Der Finanzausschuß bei Zweiten Kammer setzte heute vormittag seine vertrauliche Beratung über die Besoldungsvorlage fort. Ten Gegenstand der Verhandlung bildete hauvtsächlich die Vereinfachung des Gehaltstarifs, der auf einige 40 Gehalts st ufen zusammengelegt werden soll. Am nächsten Freitag erfolgt die Fortsetzung der Beratung. Der parlamentarische Sonderausschuß für die Revision der land st ändischen Geschäftsordnung tritt in der nächsten Woche unter Vorsitz des Kammerpräsidenten Oberbürgermeister Köhler zu einer Sitzung zusammen, um über die Abänderungen der landständischen Geschäftsordnung weiter zu bevaten. Auch diese, betanntlich der Initiative der Zweiten Kammer entsprungene Gesetzesvorlage soll noch in der kommenden Herbsttag ung erledigt werden. Deutsches Reich. Beurlaubung des Herrn v. Jagow. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldrt: Der Staatssekretär des Auswärtigen, v. I a g o w , hat am gestrigen Mittwoch seinen Urlaub angetreten. Der Kiewer Mualmordprozetz. w. Kiew, 8. Oft. Dor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen den 39 Jahre alten Kleinbürger Menachil-Mendel Tewjcw Beilis, der beschuldigt ist, nach vorheriger Verständigung mit anderen von der Untersuchung nicht entdeckten Personen aus religiösem Fanatismus den zwölfjährigen Andrei I u s ch t s ch i n s k i, um ihm zu Ritualzwecken das Leben zu rauben, als er am 25. März 1911 auf dem Grundstück >der Ziegelbrennerei Saizew mit anderen Kindern spielte, ergriffen und in das Gebäude der Brennerei geschleppt zu haben. Seine Mitschuldigen sollen dann mit seinem Wissen und seiner Zustimmung Andrei Juschlschinsli die Hände gebunden, den Mund zugedrückt und den Knaben sodann getötet haben, indem sie ihm mit einem spitzen Werkzeug 47 Wunden an Kopf, Hals und Körper beibrachten, die Gehirnvenen, Halsvenen und die Arterie an der linken Schläfe und auch die harte Hirnhaut, die Leber, die rechte Niere, die Lunge und das Herz verletzten, wobei diese Verletzungen von andauernden schweren Qualen begleitet waren und fast vollständige Blutleere des Körpers verursachten. Nach dem Gutachten des ä r z t l i ch e n S a ch v e r st ä n d i g e n sind die Verletzungen an Kopf und Hals JuschtschinskiS mit einem Stilett oder einem Pfriemen beigebracht worden, als sein Herz noch unbeschädigt arbeitete, die übrigen Wunden aber bei schon geschwächter Herztätigkeit. In der Leiche verblieb nicht mehr, als i,'3 der normalen Blutmenge. Ob die Art der Ermordung auf die Absicht schließen lasse, dem .Knaben als Hauptzweck schwere Qualen zu bereiten, darüber gehen die Ansichten der Sachverständigen auseinander; ein Sachverständiger ist der Meinung, der Zweck der Verletzungen sei die Herbeiführung eines möglichst großen Blutverlustes gewesen. Im übrigen enthält die äußerst umfangreiche Anklageschrift unter anderem folgende Angaben: Der ermordete Knabe ist ein unehelicher Sohn der verheirateten Alexandra Pri- chetka. Am 2. April 1911 wurde feine Leiche im Lukjanowka-Stadt- , viertel auf dem schon genannten Grundstück gefunden, und zwar ; in einer Höhle, Kopf und Rücken an der Wand, die Füße gegen , die entgegengesetzte Wand gestemmt. Die Leiche war halb bekleidet, andere Äeidungsstücke lagen auf dem Boden der Höhle. In einer i Vertiefung der Wand über dem Kopf der Leiche fand man fünf zusammengerollte Schulhefte. Blutspuren waren in der Höhle nicht zu entdecken. Im Magen wurden unverdaute Rüben- und Kartoffelstückchen von der Morgenmahlzeit gefunden, woraus die Sachverständigen schließen, daß der Mord drei bis vier Stunden ' nach der Mahlzeit verübt worden fei. Mitteilungen eines Journalisten, der ein seltsames Verhalten der Eltern des ermordeten Knaben beobachtet haben wollte, führten zunächst zu deren Verhaftung. Sie wurden jedoch wieder entlassen, da eine Haussuchung nichts Verdächtiges ergeben hatte. Immerhin bezeichnete ein Gerücht auch später noch die Mutter und den Stiefvater des Knaben als der Tat verdächtig, während inzwffchen schon die Version von einem Ritualmord auftauchte. Das Motiv der Verwandten des Knaben sollte gewesen sein, sich in den Besitz einer auf seinen Namen deponierten Geldsumme zu setzen. Eine dritte Version wollte wissen, der Mord sei von berufsmäßigen Verbrechern begangen, von deren Treiben Juschtschinski manches bekannt gewesen sei. Mitschuldige sei die Mutter seines Kameraden Tscheberjak, die beständigen Verkehr mit der Verbrecherwelt unterhalte. Die Untersuchung ergab jedoch 'tfudi in dieser Richtung kein Belastungsmaterial, dagegen imtrbe der Jude Mendel-Beilis als Angeklagter in Untersuchung gezogen. Nun tauchte das Gerücht aus, der Mord sei von berufsmäßigen Verbrechern in der Absicht begangen, einen Pogrom hervor-zurusen. Auch dieses Gerücht bezeichnete die Tscheberjak als Mitschuldige. Die Voruntersuchung wurde am 18. Januar 1912 abgeschlossen und das Verfahren gegen Beilis mar bereits im Gang, als dem Staatsanwalt von dem! Journalisten Brasul Bruschtschewski, einem Mitarbeiter der „Kiews- kaja-Mhsal", die Erklärung zuging, Juschtschinski fei von einer Verbrecherbande ermordet worden, die, um die Untersuchungsbebörd? irre zu führen, einen Ritnalmord inszeniert hatte. Als die Mörder bezeichnete Brasul-Bruschffchewski Juscktsck.inskis Stiefvater, Onkel ünd andere. Der Mortd sei in der Nähe her Höhle verübt morden. Brasuls Erklärungen blieben ohne Einfluß auf den weiteren Gang der gegen Beilis erhobenen Anklage, die am 12. Mai 1912 zur Verhandlung gelangen sollte. Hieraus erfolgten neue Erklärungen des Jolcrnalisten, welche zur Folge batten, daß das Untersuchungs- material der Behörde zur Vervollständigung zurückgegeben wurde. BruschtsckM'sli nannte mm andere Personen als Täter und be hauptete, der Mord sei in der Wohnung Wjera Tscheberjals mit einem Pfriemen verübt worden. Die wieder angenommene Vor Untersuchung ergab, das; Bruschtschewski mit Hilfe von vier Agenten, von welchen drei zeitweilig in der Geheimpolizei tätig waren, be müht war. Beweise für die Schuld der Wjera Tsckuberjak zu er bringen. Diese gab an, Br. habe ihre Bekanntschaft gesucht, sie v-im Mitteilungen über die Mordtat gebeten und ibr auch des öfteren nahe gelegt, die Schuld an dem Morde auf sich zu nehmen und hinzugefügt, sie könne dabei verdienen. Die Untersuchung stellte fest, daß Br. im Dezemlber 1911 mit der Tscheberiak zu einem „wichtigen Herrn" noch Charkow gereift war; dieser wichtige Herr war der Kiewer Rechtsanwalt Margolin, der die Verteidigung des Beilis übernommen hatte. Die Tscheberiak behallptete, dieser Herr habe ihr nahe gelegt, den Mord auf sich zu nehmen. Sie sollte dafür viel Gctld erhalten. Eine hin zu getretene Person habe ihr tOÜUO Trubel geboten und geragt, sie braucke sich nickP zu ffirckften; man werde ihr ein Dokument einhändigen, damit sie selbst am Tage nicht mit Licht ausgefunden werden könne. Sollte sie dennoch gesunden werden, so würden die besten Verteioiger sie verteidigen. Br. seinerseits gab an, die Reise nach Eharlivw habe den Zweck gel^abt, Wjera Tscheberjak zu prüfen, auch habe sie dort ^Auskünfte einzichen sollen. (Ä sei nicht wahr, daß Margolin der Tscheberjak Vorsckstäge gemacht oder Geld geboten habe. Tie Anklage gegen Beilis beruht im wesentlichen auf folgendem Material: Man betrachtet als erwiesen, daß Juschtschinski sich am 25. März nicht in die im Zentrum Kiews gelegene Schule, sondern in den abgelegenen Lukjanewkastadtteil begeben hat. Im April erzählte sein Spielkamerad Eugen Tscheberjak dem Studenten Golubew. I. sei am Vtorgen des 25. Mär; bei ihm gewesen und sie seien spazieren gegangen. Später stellte er in Abrede, daß er I. am 25. März gesehen habe, doch nnirbe seine anfängliche Behauptung durch die Zeugen Kasimir Schachowskoi und dessen Frau. Uljana bestätigt, welche an dem Morgen beide Knaben zusammen gesehen hatten. Das den Eltern Tscheberjaks gehörende Grundstück grenzt an das Grundstück einer Ziegelbrennerei, die wiederum in der Nähe des Grundstücks liegt, wo die Leiche gesunden wurde. Am der Ziegelbrennerei war Beilis als Kommis beschäftigt; sie hat eine Sattlerwerkstatt mit dem nötigen Handwerkszeug. Der Zaun der Brennerei war stellenweise zerbrochen und die Knaben gingen oft von dem Grundstück Tscheberjaks auf das der Brennerei, um zu spielen. Schachowski gab nun an, •einige Tage nach dem 25. März habe er auf der Straße den Eugen Tscheberjak gefragt, wie er mit Juschtschinski am 25. März spazieren gegangen sei. Der Knabe habe geantwortet, sie seien am Spielen auf dem Grundstück der Ziegelbrennerei verhindert worden; ein Manu mit schwarzem Bart habe sie verscheucht. Schachowskoi sagte dem Untersuchungsrichter, er glaube, der Mann mit dem schwarzen Bart sei der Kommis Beilis gewesen; er setze voraus, Beilis sei am Morde Juscht- schinskis beteiligt, den Eugen Tscheberjak auf das Grundstück der Ziegelfabrik gelockt habe. Die Frau des Schachowskoi wollte von ihrer Bekannten, Anna Sacharowa, in Gegenwart Nikolai Koljuschnis gehört haben, Juschtschinski sei beim Spielen mit Eugen Tscheberjak auf der Ziegelbrennerei von einem Mann mit schwarzem Bart vor ihren Augen in den Brennraum geschleppt worden. Tie Sacharowa bestritt, das gesagt zu haben. Auch der Knabe Koljuschni stellte in Abrede, eine derartige Behauptung der Sacharowa gehört zu haben, bestätigte aber später die Aussage der Schachowskoi. Sie, wie ihr Mann wurden mehrmals vernommen und jedesmal machten sie andere Aussagen. I Eugen Tscheberjak gab an, er habe Juschtschinski zum letzten mal 10 Tage vor Auffindung seiner Leiche gesehen. Andrei sei damals gegen 2 Uhr nachmittags zu ihm gekommen und habe ihn zu einem Spaziergang aufgefordert. Als er ablehnte, sei Juschtschinski fortgegangen. I Der Angeklagte Beilis, der jede Schuld bestreitet, saß im Untersuchungsgefängnis eine Zeitlang mit einem gewissen Kasa- tschenke zusammen. Als dieser bei seiner Freilassung vom Ausseher aufgefordert wurde, Zettel abzuliefern, die ihm etwa von anderen Arrestanten zugesteckt worden seien, gab er nach einigem Zögern folgenden Brief des, Beilis an seine Frau ab: „Teures Weib, den fDiann, der Dir diesen Bries bringt, nimm, wie einen der unseren auf. Er kann Dir in meiner Sacke viel helfen. Sag ihm, wer noch falsch gegen mich zeugt, warum wirkt niemand für mich? Ich fühle, daß ich es im Gefängnis nicht ackshalte, wenn ich noch lange fftzen muß. Wenn Dich der Mann um Geld bittet, so gieb es ihm für nötige Ausgaben. Es sind meine Feinde, die falsch gegen mich zeugen." Der Brief schließt mit dem eigenhändigen Zusatz Beilis: „Auf diesen Mann kann man sich verlassen, da er selbst. . . ." Vor dem Untersuchungsrichter gab Kasatschonko an, B e i l i s h ab e ihm Geld für die Vergiftung zweier Zeugen und Erkaufung eines dritten Zeugen angeboten. Die zu Vergiftenden habe er mit Spitznamen bezeichnet. Den Brief an feine Fran habe Beilis einem Arrestanten diktiert. Beilis habe ihm gesagt, auf diesen Brief hin werde feine Frau ihm die von der jüdiscken Nation gesammelten Geldsummen übergeben. Wenn er den Auftrag mit Erfolg ausführe, bekomme er soviel Geld, daß er für sein ganzes Leben lang genug haben werde. Von den erwähnten Spitznamen bezeichnet der eine einen gewissen Michael Nakonetschnp, der andere ben schon erwähnten Schachowskoi. Ersterer sagte für Beilis günstig aus und erzählte, Schackwwskoi habe auf dem Gang zum Verhör gesagt, er werde es Mendel heimzahlen, daß er ihn Detektivbeamten gegenüber des Holzdiebstahls beschuldigt habe. Der Vater Eugen Tscheberjaks gab an, sein Sohn habe ihm einige Tage vor Auffindung der Leiche mitgeteitt, er habe mit Juschtschinski auf der Ziegelb-rennerei gespielt. Daher sei Mende. Beilis ihnen nachgelaufen. Ferner habe fein Sohn bei Beilis zwei Juden in ungewöhnlicher Kleidung gesehen. Eugen Tsche- berjak selbst ist an Dysenterie gestovben. Seine neunjährige Schwester Ludmilla bestätigte die Aussagen ihres Vaters. Sie will ebenfalls die beiden Juden gesehen haben und erzählt weiter, Juschtschinski sei etwa eine Woche vor der Auffindung der Leiche um 8 Uhr morgens zu ihnen gekommen, um ihren Bruder zum Spielen auf der Ziegelbrennerei abzuhvlen, sie und noch einige andere Kinder seien mit den Knaben durch eine Deffnung im Zaun auf das fremde Grundstück gelangt. Während des Spiels sei Mendel Beilis auf sie zugelaufen. Juschtschinski und ihr Bruder Eugen seien von Beilis ergriffen worden. Ihrem Bruder sei es gelungen, sich loszureißen, den Juschtschinsti aber habe Beilis zum Brennraum geschleppt. Ein anderes Mädchen, das cm dem Spiel teilgenommen haben soll, erinnert sich des Vorfalles nicht. Beilis erklärte, er habe weder Juschtschinski noch Eugen Tscheberjak gekannt, wohl aber kenne er des letzteren Mutter. Zuweilen sei er genötigt gewesen, auf dem Grundstück der Ziegelbrennerei spielende Knaben fortzujagen, den Besuch von Juden in ungewöhnlicher Meldung habe er nicht erhalten. Sein Vater sei Chasside gewesen, er selbst fei nicht religiös und arbeite auch am Samstag. Heber die Frage des Ritual m orffes find einige Gutachten eingeholt worden. Der Psychiater Sikorski sieht in dem Mord einen Akt der Rassenrache einer „Vendetta der Söhne Jacobs" gegen Subjekte einer anderen Rasse und meint, die Wahl von Opfern im Kindesalter und die Blutentziehung wiesen möglicherweise auf einen religiösen Akt hin. Die Professoren der geistlichen Akademie in Kiew und Petersburg Hlegelew imb Troizki verneinten unter Berufung auf die Lehren der Bibel und des Talmuds die Möglichkeit des Gebrauchs von Menschen- und insbesondere von Chriftenblul durch Juden. Dagegen ist der katholische Geistliche mag. theol. Pranaitis der Ansicht, daß bet den Juden das sogenannte „Blutdogma" existiere. Alle Rabbinerschulen würden, ungeachtet ihrer Meinungsverschiedenheiten in verschiedenen Fragen, durch den Haß gegen Nichtjuden geeint, die der Talmud nicht mal für Menschen, sondern „für Tiere in Menschengestalt" halte. Dieser Haß gegen Nichtjuden erreiche seinen Höhepunkt im Haß gegen Christen. Tiefes Haßgefühl sei ber Ausgangspunkt der vom Talmund erteilten Erlaubnisse, ja sogar Weisung, Nichtjuden zu töten. Mag. Pranaitis bezieht sich dabei auf eine Schrift des Mönchs Neophyt, eines zum Christentum übergetretenen jüdischen Rabbiners, der ausführt, die Juden brauchten Christenblut, das sie dem ungesäuerten Brot beimischten. Kiew, 8. Oft. Im Ritualmordprozeß Beilis wurde die Geschworenen bank gebildet aus sieben Bauern, zwei Kleinbürgern und drei Beamten. Aus Stadt und Land. Gießen, 9. Oktober 1913. Gießener Eisenbahnfrngen. Die Schädigung der Stadt Gießen durch die Verlegung des Güterverkehrs oder wenigstens eines beträchtlichen Teiles vom Bahnhof Gießen nach dem Bahnhof Wetzlar, über die wir s. Zt. eingehend berichtet haben, ist Gegenstand einer Mitteilung des Oberbürger- mcisters an die Stadtverordneten gewesen, wonach die Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. aus eine Anfrage der Bürgermeisterei noch keine sachdienliche Antwort erteilt hat. Diese Säumigkeit der Eisenbahnbehörde läßt tief blicken; sie beweist wohl, daß die Schädigung des hessischen Staates, unserer Stadt und eines Teils der Gießener Geschäftswelt durch Verlegung eines größeren Teils des Eisen-» bahnpersonals von Gießen nach dem preußischen Wetzlar im Werke ist. Durch die im Bau begriffene Schienenverbindung zwffchen dem äußeren Bahnhos Gießen und der Lahnbahn, firmten nach Fertigstellung große Güterzüge in Wetzlar zusammengesteUt (rangiert, und unter Umgehung von Gießen auf den Weg gebracht werden. Diese Maßnahme war getroffen, um Sen Bahnhof Gießen von Durchgangsgütern zu entlasten. Damit Hand in Hand gehend, war eine wesentliche Vergrößerung des Bahnhofs Gießen nach der Lahn hin geplant, um unsere Bahnhofsanlage dem stetig wachsenden Verkehre anznpassen. Äeser Teil des Planes ist aber wieder aufgegeben worden; man will dagegen den Bahnhof Wetzlar vergrößern und, was die Hauptsache ist, die Strecke Lollar—Wetzlar zweigleisig ausbauen, um mit der Zeit den ganzen Rangierdienst von Gießen nach Wetzlar zu verlegen. Wenn es auch nur hundert Eisenbahnerfamilien sind, die Gießen durch die geplante Aenderung verlieren würde, so wäre die Schädigung für unsere Stadt schon groß genug, aber man wird mit der Zeit schon Mittel und Wege und auch Gründe finden, den gewaltigen Verkehr des Bahnhofs Gießen nach Preußen zu verlegen. Man sollte daher nicht warten, bis die Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. Zeit und Gelegenheit findet, die Anfrage unserer Stadtverwaltung zu 'beantworten. Breite Schichten unserer erwerbstätigen Bevölkerung befinden sich in begreiflicher Erregung über den Plan der Eisenbahnbehörde, der ihre Interessen auf das schwerste schädigen würde. Noch ist es Zeit, bett drohenden Schlag abzuwenden. Die Stadtvertretung sollte nicht erst lange auf eine sachdienliche Antwort warten, sondern sich eine solche persönlich an Ort und Stelle in Frankfurt a. M. erbitten. Die beiden Landtagsabgeordneten in unserer Stadt hätten alle Veranlassung, das Ministerium in Darmstadt auf die drohende Schädigung der Stadt Gießen aufmerksam zu machen, eine Schädigung, von der besonders unsere Gewerbetreibenden betroffen werden, die die meisten Lasten in Staat und« Gemeinde zu tragen haben. Es ist in fiüherer Zeit der große Fehler gewesen, daß man den Veränderungen im Verkehrsleben teilnahm- los gegenübergestanden hat, und vollzogene Tatsachen ab- toartete, an denen nichts mehr zu ändern war. Der Selbsterhaltungstrieb und das Interesse unserer Stadt gebietet, daß in dieser Frage alle Faktoren sich regen, um einen Plan zu verhindern, dessen Verwirklichung dem Gemeinwohl der Stadt Schaden bringen muß. * * * Tageskalender für Donnerstag, den 9. Oft.: Kaufm. Verein unb Ortsgewerbeverein. Vortrag über Samoa. Abends 81/, Uhr in der großen Universitäts-Aula. Oesfentliche Eisenbahner - Versammlung. Abends 9 Uhr int Felsenkcller. . ” Ernennung. Der Groß Herzog hat den ordentlichen Professor an der Universität Marburg Dr. Karl Kalbfleisch zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1913 ernannt. * * Audienzen. Der Großherzog empfing am 8. Okt. l. I. u. a. den Pfarrer Kleberger von Friedberg und den Professor Dr. Engel von Gießen. • * Ordensverleihung. Der Großherzog verlieh dem Lehrer Jakob Liebmann zu Weinolsheim, Kreis Oppenheim, anläßlich seiner vom 1. November 1913 ab erfolgten Versetzung in den Ruhestand daZ Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen. • * Gerichtliche Personalveränderungen. Der Großherzog ernannte den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg, Dr. Willy von Becker, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Neinheim und den Gerichtsassessor Karl G u n d r u m in Homberg zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg, beide mit Wirkung vom 15. Oktober 1913. **DasReserve-Jnfante r ie-Re g i m en t, bav am 23. September auf dem Darmstädter Truppenübimgc- platz zu einer 14tägwjen Hebung zusammengezogen wurde, wurde gestern vormittag wieder aufgelöst. ** Bürgerverein. Herr Lehrer Kling schreibt uns: In '.Ihrem Berichte über die gestrige Versammlung des hiesigen Bürgervereins sind meine Ausführungen unrichtig wiedergebeben. Ich habe ausdrücklich erklärt, daß ich mich mit ernem Zusammengehen des Bürgervereins mit der Sozialdemokratie nicht einverstanden erklären könne. Ferner sprach ich den Wunsch aus, der Bürgerverern möchte, wenn er an die politischen Parteien zwecks einer Verständigung über die Stadtverordneten wähl heranträte, auch die politisch rechtsstehenden Parteigruppen berücksichtigen. Dies wurde mir auch von dem Vorstände des Bürger - veveins zugesichert. ** Rückgang der Geburten. Frau Schneidermeister W a m s e r in Gießen erfreute sich einer weitverzweigten Kundschaft bei den Frauen und Mädchen der Landbevölkerung besonders im Busecker Tal und in der Wetterau als kluge Frau, die die H e i 1 k u n ft ausübte. Heimlich hat sich die Frau Dokter aus Gießen jahrelang in der Hauptsache damit befaßt, den Kindersegen auf dem Lande zu korrigieren, bis sie endlich der Justiz in die Hände gefallen ist. Ihr unheilvolles Treiben ist zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft gekommen, weil Frau Wämser mit ihrer Behandlung eine Frau andenRanddes Grabes geliefert hat. Die geführte Untersuchung hat feftgestellt, daß in einem etwa 250 Einwohner zählenden Dorfe im Kreise Gießen, in welchem pro Jahr früher stets 20 bis 22 Geburten zu verzeichnen waren, die Geburtsziffer seit einigen Jahren auf 4 bis 6 herunterging. Die Dorfältesten schüttelten die Köpfe und wunderten sich, daß der Klapperstorch die Gewinde so sehr stiefmütterlich behandelt, aber daran, daß die Besuche der klugen Frau aus Gießen an dem spärlichen Nachwuchs in der Gemeinde schuldig sein könnten, hat keiner der Männer gedacht, bis die Staatsanwaltschaft das Rätsel löste. Frau Wämser hatte sich, als sie Unheil witterte, in die Sommerfrische nach der Schweiz begeben, sie wurde dort verhaftet und nach Gießen zurückgebracht, wo sie in der festen Billa an der Ost-Anlage vorläufig ein sicheres Unterkommen fand, bis im Dezember wieder das Schwurgericht zusammentritt, um sich mit ihrer sonderbaren Heilkunst zu beschäftigen. Landkreis Gießen. H. Alle n dor s a. d. Lda., 8. Okt. Der Geslügelzucht- v er ein Mlendvrs und Umgegend hält vom 15.—17 November im Ranftschen Saale dabiec eine Bczirksausftellung von seshstgezücktetem Gkflügd ab. Die Ausstellung zerfällt in 26 Klassen, in welchen je drei Preise im Betrage von 8, 5 und 3 Mk. vergeben werden können; dazu kommen 12 Ehrenpreise sowie mehrere lobende Anerkennungen. Mit der Ausstellung ist eine Verlosung von Geflügel und Zuchtgerätschaftcn verbunden, zu der 1000 Lose 43-49 92-96 86-90 36-38 63.00—65.00 82.00-84.00 62.50—65.00 81.00—83.00 80.00-82 00 63.00—66.00 11 63.00—66.00 Diehhof -M arktbericht 81—89 45—49 91—100 50 -55 ernte in 94—00 SIC., Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln 8,60-4,00 Mk 82—87 82—89 48—50 43-47 >g empfm] am 8. Oft. 'on ^riebberg unb ben Mk. 93-100 91-99 73—81 64—78 78-80 78—79 erzog hat ben ordcnl- arburg Tr.Karl Kalbin der philosophischen Gießen mit Wirkung Lebendgewicht . . FC. Wiesbaden. 81^)0—83.00 vom 8. Oft 78—80 72—75 Durch. 70—78 65—69 59—64 53—58 117—122 109-115 99—107 90-98 39—43 82-37 81—85 75-80 Kälber 813, Schale 307, Schweine 1240. Tendenz: Kälber, Schafe und Schweine Mk. 52-56 61-55 44—47 45—49 Mk. 117-120 107-115 98—105 fleröinnl.Q Preis fite 100 Psd. Lebend- Schiachr gewicht Lebend- Schlachtgewicht Das Gute von neftern wird heute durch das Bessere überholt. Das eben ist das Merkmal aller Kultur, das; sie unaufhaltsam fortschreitet. Auch die Zigarettenindustrie schlicht sich von dieser Vorwärtsbewegung nicht aus. Die Georg A. Jasmatzi Aktien-Gesellschaft, Dresden, die grösste deutsch Zigarettenfabrik, hat neuerdings unter dem Namen „P u ci ' eine 3-Psg.-Zigarette auf den Markt gebracht, die in ihrer Reinheit und vorzüglichen Qualität einen Merk st ein in der Zigaretten- industric bildet: schon ihre ansprechende Fasson, flaches Ho hl- mund stück (auch Gold), zeigt von einer gewissen Geschmacks Einheit und Eleganz, die dem Raucher Freude macht. (’;/l0 “9- ben 9.01t: Raufm. n. vortrag über Samo«. sts'Aula. • Versammlung. unb geringere Mastlämnter . . . Schweine. Vollsteischige Schweine von80-100kg Lebendgewicht Doll fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht Dollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht Vollsteischige Schweine von 120—150 kg x Aus dem Ohmtal, 8. Oft. Daß nfan jetzt, der Mitte des Oktobers nahe, noch Körbe voll Bohnen bricht, ivie vielfach der Fall, gehört zu den Seltenheiten. Während die Bohnen in den Talwiesen bei den jüngsten Frösten erfroren, sind die in den Hausgärten erhalten geblieben. 93ei der wahrhaft sommerlichen Temperatur liefern diese unausgesetzt weiter Früchte. Ein anderes Produkt des sommerlichen Herbstes, ein Sträußchen vollreifer Erdbeeren, wurde uns heute überbracht. Mk. . 70—72 . 63-68 . 58-62 L. Friedberg, 8. Okt. Die Karto Unserer Wetterau ist beinahe beendet. Der Ertrag ist recht gut. Ter Doppelzentner kostet jetzt 2,50 Mark. Auserlesene Kartoffeln werden mit 14 Mark bezahlt. Letzte Nachrichten. D i e braunschweigische Frage. Braunschweig, 9. Okt. In Blankenburg wurde die Hofhaltung des Herzogregcn l e n aufgelöst, der auch bereits einen Fackelzug zum Abschied entgegennahm, und in der Residenz arbeitet man eifrig an den Einzugs Vorbereitungen. Die Bevölkerung wünscht eine schnelle Beseitigung der das ganze Geschäftsleben beeinträchtigenden Schwierigkeiten. Französische Postgehilfinnen vor Gericht. Paris, 9. Okt. Vor dem Disziplinarhos der Post und Telegraphie werden heute 14 Telephonistinnen und drei Hauptlehrerinnen erscheinen. Diese sind beschuldigt, i m Dien st ein es Getreidehändlers zu stehen, indem sie beim Umschalten der Telephonleitungen diesen zum Schaden feiner Konkurrenten begünstigt zu haben. Markte. ~ Lauterbach, 8. Okt. Der heutige Herbstmnrkit (Vieh- und Krämermarkt), mit dem auch die Lauterbacher Kirmes dem Namen nach verbunden sein soll und der letzte Krämermarkl im Jahre ist, hatte gegen frühere Jahre einen außerordentlichen Rückgang zu verzeichnen. Obwohl um die Mittagsstunden von 11—2 Uhr der Verkehr noch als genügend zu verzeichnen war, stockte dieser darauf sehr und nur die schaulustige Jugend besetzte die Vcrkaufsstände. Der Zug nach dem Vogelsberg um 2.57 nachm. nimmt das früher bis zum Abend aushaltende auswärtige Publikum frühzeitig vom Markte weg und von Einheimischen wird Amtlicher Wetterbericht. O effentl i chc c Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichtcn in Hessen stir Freitag, den 10, Okt. 1913 : Zunachu Abnahme 'der Niederschläge und der Bewölkung, später erneute Trübung, westliche Winde. Kälber. Feinste Mastkälber . . Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . Geringere Mast- und gute Saugkälber . . S ch af e. Ctallmastschaie: Mastlämmer und jüngere Masthammel . . . Aeltere Masthammel, gut genährte junge Schafe Universitäts-Nachrichten. Baden und bie ausländischen Studierenden. Die in jüngster Zeit an der Mehrzahl her außerbckdischen deutschen Universitäten getroffenen Maßnahmen zur Verhinderung einer übermäßigen Zunahme der Ausländer unter den Studierenden lassen erwarten, daß der Andrang ausländischer Studierender an den Universitäten .Heidelberg und Freiburg in den nächsten Semestern eine erhebliche Steigerung erfahren wird. Das badische lln - terrichtsministerium hat nun nach einer amtlichen Mitteilung der „Karlsruher Zeitung" Anlaß genommen, die Landesuniversitäten aus die Notwendigkeit einer strengen Handhabung der Vorschriften über die Aufnahme von.Ausländern von neuem aufmerksam zu machen. Zugleich hat das Ministerium, um bei der drohenden Heber- süllung von Auditorien und I n st i t n t e n das Vorrecht den inländ. Studierenden zu wahren, angeordnet, daß Ausländer zur Einschreibung in die Listen der Vorlesungen und Hebungen und zum Belegen der Plätze erst vom 5. November bezw. 5. Mai ab und nur insoweit zugelassen sind, als der zu den bezeichnenden Zeiten verfügbare Platz dies gestattet. Bei dieser Sachlage müsse den inländischen Studierenden in ihrem eigenen Interesse dringend empfohlen werden, sich möglichst frühzeitig in die Listen der Vorlesungen und Hebungen einzutragen. Termin sollen die in erster Instanz vevnommenen Zeugen geladen und ein ärztlicher Fundbericht ein gefordert werden. Berufungsverwerfung. Ter mehrfach vorbestrafte Weißbinder G. S. von Kirtorf hatte vom Schöffengericht Homberg eine ttzefängnisstrafe von 2 Wochen erhalten, da es ihn des Diebstahls zweier Dielen schuldig fand. Die erneute Beweisaufnahme vor der Strafkammer führte zur Bestätigung des ersten Urteils unb Zurückweifung der Berufung des Angeklagten. Wegen Vollstreckung Svercitelung war der Handelsmann 5T. H. von Kirtorf mit 60 Alk. Geldstrafe belegt worden, weil er vor einer ihm drohenden Zwangsvollstreckung das Eigentum an einem in seinem Besitze verbleibenden Wagen eurem anderen überschrieben hatte. Wie das Schöffen geeicht, nahm auch die Strafkammer an, daß der Angeklagte in der Absicht gehandelt hatte, die Befriedigung seines Gläubigers zu vereiteln, und ivies seine Berufung zurück. verelnrnaHrichten. ** Fortschrittliche Volkspartei Gießen. Wie aus heutiger Anzeige ersichtlich ist, spricht in der Mitgliederversammlung am nächsten Dienstag Herr Zorn über die Tagung des Reichsvereins liberaler Arbeiter und Ange- st e l l t e r zu 5) a l le^ Lustschisiahrt. Rostock, 8. Okt. Der Militärflieger Oberleutnant Schil ler, der mit einem Wasserstugzeug gestern von Holtenau nach Warnemünde flog, ist heute mittag nach Rostock geflogen und auf der Warnow am Koßfelder Tor niedergegangen. Ueberrarcbender erfolg durch Hftmol-H ftbma-pulver. Schwester Anna Schwarzburg, Fürsorgeheim, Frankfurt a. O., schreibt am 15. Jnll 1913: »Seil 4 Jahren gebrauche ich gegen mein, von Lungenerwcüerung herrllhrendes Asthma Ihr vorzügliches Astmol, wofür ich sehr dankbar bin. Ehe ich es kennen lernte, war ich aus einer Heilanstalt ungeheilt und nicht erwerbsfähig entlassen und auch nicht imstande zu arbeiten. Jetzt habe ich seit Jahren hier meine Station und kann bei regelmäßigem Räuchern meine nicht leichte Arbeit tWvcbew und SäuglingSvslegei besorgen." Man achte beim Einkauf aus den Namen Astmol. Preis der großen Blechdose M. 2.50, in Apotheken. Hauptdepot: Cnael-Avotheke, Frankfurt a. M. Limburg a. d. Lahn, 8. Okt. Frucht markt, schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) lr-,20 Mk. weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 15,70 Mk* Korn 11,90 Mk., Gerste (Fuller) uo,OO Mk., Braugerste 00,00 Mk., Hafer 7,80—0,00 Schake 48, Schweine 401. Geschäft mittel. Ochsen. Vollsteischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes im Alter von 4—7 Jahren .... Die noch nicht gezogen haben (ungejochle) . . Itmge, fleischige, nicht ausgemäslete und ältere ausgemästete Bullen. Dollfleischige, ausgew., höchsten Schlachtw. . . Vollsteischige, jüngere Färsen, K ü h e. Dollfleifchiqe ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes Dollfleifchige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtiverles bis zu 7 Jahren Wenig gut entwickelte Färsen Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe Mäßig genährte Kühe und Färsen Kälber. Feinste Mastkälber Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . . . Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . Geringere Saugkälber Schafe. Austrieb: Rinder 139 (Ochsen 27, Bullen 24, Kühe 88), Kälber 245, " - Preise für 100 Psd. Weidemastschafe: Mastlämmer und Masthammel .... 45,50—00,00 Schwein c. Vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht . .......• . . . . 61-62'/, Vollsteischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 61-61'/, Vollsteischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 62-34 tzettschweine über 150 kg Lebendgewicht . 57'/,-60 Gericht^saaU -ch. Hungen, 8. Okt. Vor dem hiesigen Schöffengericht fand heute die Verhandlung gegen den wegen Körperverletzung an- geklagten hiesigen Einwohner Sch. statt, lieber die Schlägerei Ivar seinerzeit an dieser Stelle eine kurze Notiz gebracht worden, und wenn auch in einem Eingesandt eines Rechtsanwalts der Inhalt dieser Notiz in säst allen Teilen als unwahr bezeichnet wnrde, so brachten der Verlauf der Verhandlung und die Zeugenaussagen doch den schlagenden Beweis von der Schuld des Angeklagten. Er wurde deshalb zu drei Wochen Gefängnis nnd zur Tragung der Kosten verurteilt. w. M eluu, 8. Okt. Vor dem Zuchtpolizeigericht hatte sich wegen fahrlässiger Tötung der Chauffeur Palmer zu verantworten, der angeflagt war, am 10. August in der Gegend von Melun ei» zwölfjähriges Zigeunermädchen umgcworfen und dadurch deren Tod herbeigeführt zu haben. In der Verhandlung wurden von den Insassen des Automobils die vor einem Notarin Frankfurt a. M. abgegebenen Erklärungen verlesen, aus denen l>ervorgeht, daß der Wagen von der verstorbenen Prinzessin Sophie von Sachsen-Weimar gelenkt worden ist. Der Chauffeur saß neben der Prinzessin, hinter ihr ihre Mutier und Baron Bleichroeder. Das Gericht sprach den Chauffeur frei, ebenso den Baron Bleichroeder, gegen den zivilrechtliche Forderungen erhoben worden waren. wwpt .-.-yyiy Starkenburg und Rheinhessen. rm. Dfarmstadt, 8. Okt. An der Technischen Hochschule in Darmstadt werden mit Beginn des Wintersemesters 1913/14 Vorlesungen und Hebungen auf dem Gebiete des Flugwesens und der ärv nautischen Meteorologie abgehalten. Für Flugwesen ist Diplom-Jng. Karl Eberhardt, zurzeit leitender Ingenieur der Fliegerstation Döberitz, für Meteorologie der Dozent an der Handelshochschule zu Frankfurt a. M. Dr. F. Linke gewonnen worden. rm. Da r m st adt, 8. Oki. Das Kaiserpreisreitcn nm den vom Kaiser gestifteten Ehrensäbel fand heute untre Beteiligung von n-ahczn 40 Offizieren aller Waffengattungen des ganzen achtzehnten s2trmectorv» statt und ging zunächst über Dieburg, Baben- Haufen ufro. Das Ergebnis wird bekanntlich erst nach einiger Zeit, meist erst am Kaisers Geburtstage im Januar bekannt gegeben. ch Bingen, 8. Okt. In einer Regenzisterne tot aufgefunden wurde der Geschäftsführer des Hotels „Zum Adler", Herr Frey. Die Beweggründe zum Selbstmord sind noch nicht bekannt. Färberei Oebr.Röver &BST'8 dSw» I fhamiarbPR Rpiniifen u. Färben von Damen-, Herren- u. Kindergarderobe, Vorhängen, Decken, Teppichen, Portieren, Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, KinderniUtzen, Handschuhe!) etc. LhemiBcncs An9.CNtc||tee v»/,„ Einrichtung nnd Organisation unserer Werke sind in der gesamten Fachwelt als muaterpnlfuz anerkannt. Großherzog w i Weinolsheim, KM oöembtt 1913 ab er- ßmütiyn. :tänberungtn. Dcr )ftt bei dem Amtsgericht |um Amtsrichter bei dm aWrKarlVundr««i n Amtsgericht Hm^rg, 1913. rie-Aegiment,das -Mer SuMMbungr- isommengezogen wurde, rfaM »er ^liug schreibt (iti'irigc Versammlung ne ÄusführuMnUN- nsbrücklich erklärt' ften des Mgerverems mwersttmdeu erklären aus, der MgnvMM Parteien zwecks einer mtentvahl W* essts® Seffifsn! 1 Km L-nde lstir 'N ottv Staats- ur Kenntnis mr i Sanf« rcrfio™ D? BesN^ r daran- em ” „urt-60 SW« W-S Vermochte-. * Zum Untergang des Marineluftschiffs. Aus Bremen, 8. Okt., wird gemeldet: Einer Meldung aus Geestemünde zufolge wurde vom Dampfer „J u u o" 16 Meilen von Helgoland eine Leiche in Manneuniform, in deren Hemd der Name Balke gezeichnet ist, auf gefischt. Tie Leiche wurde nach Seemannsbrauch im Meere versenkt. Ferner hat der Dampfer eine jedenfalls von dem Marine- luftschiff „L. 1" stammende kleine Ledertasche und eine Marinemütze aufgefischt, in denen der Name Adam ein- gezeichnet war und dem Bande nach ebenfalls von einem Angehörigen der Besatzung des 1" stammt. * Explosion. Aus Straßburg i. E. wird gemeldet: In der Dachpavvensabrik von Büscher und Hoffmann in dem nahen Bischheim kam rts heute Kvvmittag gegen '/.ll Uhc zu cincd Teetkesselexplosion, wobei drei Leute schmier und einer leicht verwundet wurden. * Radium- und Mesothorbestrahlung b e'i Schwerhörigkeit und Ohrensausen hat Dr. Hügel, Bad Münster nm Stein, mit Erfolg angewandt. Schon früher hat Dr. Hagel über Beobachtungen berichtet, die er bei Schwerhörigkeit und Ohreng eräuschen machte, wenn er die Patienten ein bis zwei Minuten mit einem Radium- oder Mesothorpräparat bestrahlte. Er legte das Präparat eine halbe bis eine Minute direkt aus das Ohr, eine halbe Minute hinter das Ohr und konnte dann sofortige Besserung des Hörvermögens, bezw. des Ohrensausens in der Mehrzahl der Fälle feststellen. Nachdem diese Beobachlungen inzwischen von verschiedenen Seiten bestätigt worden sind, berichtet nun Dr. Hügel in der neuesten Nummer der „Münch, med. Wochenschr." über weitere günstige Erfolge dieser Behandlungsmethode zumeist in veralteten Fällen, die nach langjähriger Behandlung als letzte Zuflucht auch die Nadiumbestrahlung versuchten. Kleine Tageschronik. Bei Konstanz kippte ein mit vier Personen besetztes Ruderboot um. Ein 20jähriges Mädchen ertrank. , ».-sfälltmpff' L ■'» un9 dieser ivenig besucht. Der gegen 4 Uhr cinsetzendc Regen hat auch viel zum Fernbleiben bcigetragen, wodurch die mcisteu Verkauf-.' stände frühzeitig zum Schließen genötigt wurden. Aus dem R i n d V i c h m ark t war kein einziges Stück nufne trieben, dagegen zeigte der SchweinemnrIt einen guten Austrieb und lebhaften (Geschäftsgang. Es wurden für junge -Tiere je noch dem Alter 25—45 Ntark und für stärkere Einlegeschweine bis zu 80 Morl geboten. Fast sämtliche Tiere sanden Absau Von der eigentlichen Kirmes ist außer dem Karussell wenig zu sehen. Nur in einer Wirtsckxrft wurde Tanz abgelackten. fc. Franksnrta.M. Diehho 1-Ma rkt beri cht vom 9. Okt. Austrieb: Rinder 110, Ochsen 2?, Bullen 8, Kühe unb Färsen 86, ä 50 Pfg. auSgegckben toerbcu, die hcrefts züm größten Teil ab- gesetzt sind. G r o^ßen -Lrn den , 8. Okt. Dreißig Jahre wer- oen m .stürme vcrfloffen sein, daß unser Bürgermeister und ^andtagsabg. Leun lan der Spitze unserer Gemeinde steht, llnt das Aufblühen unseres Ortes hat er sich sehr verdient gemacht. r. Londorf, 8. Okt. Gestern fand hier Gerne inde - rat§100.^ für drei ausscheidende und zwei verstorbene Mitglieder statt. Tie ansscl^eidenden Mitglieder Wilhelm ® dyn e t.M«bd>cnNL gesucht. Frau Oberlehrer Weber, Bismarckstr.46v. I66’6 S.tücht.Allciumädcheu welch, gut koch, tonn Jckrath, Mainz, Gonzenheimer Str. Gin ordentliches älteres Dienstmädchen gesucht, t6688 Plocknraffc 9 lVaden). an allen Plätzen bei hoher Provision. Schristliche Ange- bote unter 0677 an den Giehener Anzeiger erbeten. 1*1 Boltz ßL. Ifc: Ilmenau i.Thür.Prosp.frei. lhv8/iol Klavicruntcrrichtoreisw.u. gründl. w. v. g. empf.Dame m. langj. Erfahr. crt. Schristl. Angeb, u. 08071 a. d. Gieh. Anz. 15jäbr. Mädchen s. Stell, s. sos..ZätchenHetzger,gewerbs- mäffige Stellen Vermittlerin, Ktrchenvlatz 12 I. [08061 AI.MWenL^L 080)21 Bismarrkstr. 46 II. Nur von Mitgliedern eingeladene Gäste haben Zutritt. 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