Nr. 81 Erscheint ISgNch mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Gießener Zamilienblätter- werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweünal. General-Anzeiger für Gberhessen 'Rotationsdruck und Verlag der D'rühl*schen Universitäts-Buch- und ©teinbrudetet,' R. Lange, Gießen. - . > ------ A. _ Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul-, straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: sqK 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. f 163. Jahrgang Tienstag,8. April 1913 Gietzener Anzeiger Mb. Deutscher Reichstag. 133. Sitzung. Montag, 7. April. Am Tische des Bundesrats: von Bethmann Hollweg, Freiherr von Heeringen, von Iagow, Kühn, Kraetke, Delbrück, Sols. Die Vertreter der Bundesstaaten sind anscheinend vollzählig anwesend, im übrigen füllt die Bundesratsestrade ein Stab von Offizieren. Der Andrang zu den Tribünen ist gewaltig und jeder Stehplatz besetzt. Der Saal ist vor Beginn der Sitzung schon längst gefüllt. In den Logen und auf den Tribünen fällt die große Zahl höherer Offiziere und insbesondere der Damen auf. Di» Hofloge ist bis auf den letzten Platz besetzt. Desgleichen die Diplomatenloge und Loge des Bundesrats. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Mimiten- Die Wehrvorlage. Mit der ersten Beratung der Wehrvorlage ist auch die deS Ergänzungseiats für den Ausbau der Luftflotte verbunden. An zweiter Stelle der Tagesordnung steht hinterher die erste Lesung der DeckungsVorlage. Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg: Meine Herren.' Die Ihnen zur Annahme unterbreitete Wehrvorlage fordert die Verstärkung unserer Wehrmacht, welche nach dem einmütigen Urteile unserer militärischen Autoritäten notwendig ist, um die Zukunft Deutschlands zu sichern. Wir nutzen gegenwärtig die Wehrfähigkeit unserer Bevölkerung nicht voll aus. Rund 280 000 Rekruten stellen wir jährlich ein, aber die militärtaugliche junge Mannschaft ist so stark, daß wir jährlich einige 60 000 Mann mehr einstellen können. Trotz der Verstärkungen, die wir periodisch und noch im vorigen Jahre vorgenommen haben, hat die Entwickelung unseres Heeres mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht gleichen Schritt gehalten. Sollte uns jetzt ein Krieg aufgenötigt werden, so können und werden wir ihn schlagen in sicherem Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Tapferkeit unseres Heeres. (Lebhafter Beifall.) Aber die Frage ist nur die: Können wir uns weiterhin den Luxus gestatten, auf den die Zehntausende von ausgebildeten Soldaten zu verzichten, die wir haben könnten, die wir jetzt aber nicht einstellen?, (Sehr richtig rechts.) Kein Mensch weiß, ob und wann uns ein Krieg beschieden sein wird, aber soweit menschliche Vor- ansficht reicht, wird kein europäischer Krieg entbrennen, in dem »rcht auch wir verwickelt sein werden, und dann werden wir um unsere Existenz zu kämpfen haben. Wer will die Verantwortung dafür tragen, daß wir bei einem Ringen auf Leben und Tod nicht so stark sind, wie wir stark sein können. (Sehr richtig!) Diese Frage hat sich in den letztverflossenen Monaten einem Jedem mit elementarer Gewalt aufgedrängt. Von Anfang des Balkankrieges an sind die Großmächte be- strÄt gewesen den Krieg zu lokalisieren. Keine Großmacht hat an den territorialen Veränderungen auf dem Balkan teilhaben wollen, und doch hat monatelang eine Spannung bestanden, welche die zunächst interesiierten Großmächte Oesterreich-Ungarn und Rußland zu außergewöhnlichen militärischen Maßnahmen veranlaßten. Ich will nicht sagen, daß in irgendeinem Augenblick der Krieg unmittelbar vor der Tür gestanden hätte, aber wiederholt hat es des ganzen Verantwortlichkeitsgefühls der zunächst interesiierten Kabinette bedurft, um Mernungsverschiedenheiten und Jnteresiengegensätzen diejenige Schärfe zu nehmen, welche zu einem gewaltsamen Ausbruch hätte führen können. Europa wird dem englischen Minister der Auswärtigen Angelegenheiten Dank wiffen für die außergewöhnliche Hingabe und den Geist der Versöhnlichkeit, mit der er die Londoner Botschaftsbesprechungen leitet und immer wieder Gegensätze zu vermitteln verstanden hat. Deutschland nimmt an diesem Dank um so innigeren Anteil, als es sich mit den Zielen der englischen Politik eins weiß und treu zu seinem Bundesgenoffen stehend in demselben Sinne gearbeitet hat. (Bravo!) Sir Edward Grey hat im englischen Unterhause die bisherigen Ergebnisse der Londoner Boschafterbesprechungen der Oeffentlichkeit bekanntgegeben, auf die sich die Großmächte geeinigt haben. Jetzt handelt es sich darum, daß die Entschließungen der Großmächte zur Geltung gebracht werden. Wir sind entschlosien, auf das Energischste dabei mitzuwirken. (Bravo!) Nach dem Falle von Adrianopel hätte man annehmen können, daß es bald zum Frieden kommen würde. Das ist aber leider bisher nicht geschehen. Die Türkei hat die ihr von den Großmächten unterbreiteten Vorschläge für den Friedensschluß akzeptiert. Die Antwort der Balkanstaaten ist dagegen erst vorgestern eingegangen. Diese Antwort unterliegt gegenwärtig der Beschlußfassung der Gesamtheit der Großmächte. Ich muß mich daher enthalten, heute näher darauf einzugehen, denn hier, gegenüber dem herausfordernden Wider st a n b von Montenegro (Lachen bei den Soz.) kommt es darauf an, daß das bisherige Zusammenarbeiten der Großmächte auch weiterhin Stand hält. (Zustimmung.) An der Flottendemonstration nehmen alle Großmächte mit Ausnahme von Rußland teil, das indessen die Aktion an sich sanktioniert hat. Ich wiederhole: die Londoner Beschlüsse müssen schleunigst und mit Nachdruck durchgeführt werden, dann — (der Reichskanzler macht eine kurze Pause) wirdsichauchfürdienochungclösten Fragten eine friedliche Erledigung finden. (Beifall.) v Alle diese Vorgänge, die Behutsamkeit und die Vorsicht, mit der die Londoner Besprechungen geführt werden, die Haltung, die die Großmächte gegenüber den kriegführenden Staaten und diese gegenüber den Großmächten einnehmen, zeigen doch sehr eindringlich, daß die Ereignisse auf dem Balkan die Verhältnisse der Großmächte zueinander nicht nur sehr eng berühren, sondern auch verhängnisvoll stören können. Bis jetzt ist es vor allem die albanische Frage gewesen, die Interessengegensätze zwischen einem Teil der Großmächte hat hervortreten lassen. Für die Zukunft ist es entscheidend, daß an die Stelle der europäischen Türkei mit ihrem passiv gewordenen staatlichen Leben Staaten getreten sind, die eine ganz außergewöhnliche aktive Lebenskraft dokumentieren. (Sehr richtig!) Wir alle haben ein Interesse daran, daß sich diese Kraft in der Friedensarbeit ebenso bewahrt, wie sie es im Krige getan hat, und daß die Balkan st aaten einer Epoche langer Friedenszeit entgegengehen, die sie in wirtschaftliche und kulturelle Zusammenhänge mit ihren Nachbarn und der Gesamtheit der europäischen Staaten bringen wird. (Beifall.) Dann werden auch sie ein Faktor des Fortschritts und des europäischen Friedens sein. Trotzdem bleibt das eine unzweifelhaft: sollte cs einmal zu einer europäischen Konflagration kommen, die das Slawentum dem Germanentum gegenüberstellt, dann ist es für uns ein Nachteil, daß die Stelle im Gegengewicht der Kräfte, die bisher von der europäischen Türkei eingenommen wurde, jetzt zum Teil von slawischen Staaten besetzt ist. Diese Verschiebung der militärischen Situation auf dem Festland hat sich vorbereitet. Jetzt, wo sie eingetreten ist, würden wir gewissenlos handeln, wenn wir nicht die Konsequenzen daraus ziehen. (Sehr richtig!) Ich sage dies nicht, weil ich einen Zusammenstoß zwischen dem Slawentum und dem Germanent tun für unausbleiblich halte. (Lachen b. d. Soz.) Manche Publizisten vertreten das Gegenteil und das ist ein gefährliches Unternehmen. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Solche Thesen wirken als in die Ohren fallende Schlagwörter suggestiv und düngen den Boden, auf dem mißleitete Volksle.den schäften in die Halme schießen. (Allseitige Zustimmung.) Mit der Regierung Rußlands, unserem großen slawischen Nachbarreich, st eh en wir in freundschaftlichen Beziebungen. (Beifall.) Ich habe es, seitdem ich im Amt bin, für meine Aufgabe angesehen, mit dem russischen Kabinett offene und vertrauensvolle Beziehungen zu unterhalten. (Beifall.) Und aus dem Gang der Geschichte und aus meinen persönlichen Beziehungen zu den Staatsmännern, die nach dem Willen Se. Majestät des Kaisers Nikolaus die russische Politik in den Bahnen guter Freundschaft mit Deutschland erhalten, habe ich den Eindruck gewonnen, daß meine Bestrebungen nicht unerwidert geblieben sind. (Beifall.) Direkte Interessengegensätze zwischen Deutschland und Rußland kenne ich nicht. Deutschland und Rußlan^ können an ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Erstarkung arbeiten, ohne s i ch gegenseitig ins Gehege zu kommen. Gute gegenseitige Beziehungen können diese Entwicklung nur fördern. Die Rassengegensätze allein werden zu keinem Kriege zwischen uns und Rußland führen. (Zustimmung.) Wir jedenfalls werden ihn nicht entfachen und die gegenwärtigen russischen Machthaber werden es auch nicht tun — das glaube ich nicht! Aber, meine Herren, den russischen Staatsmännern ist so gut wie uns bekannt, daß die panslawisti- schen Strömungen, über die schon Bismarck geklagt hat, die schon Bismarck beunruhigten, durch die Siege der Balkanslawen mächtig gefördert worden sind. Die bulgarischen Siege werden von diesen Kreisen zum Teil als Siege des slawischen Gedankens im Gegensatz zu dem germanischen Gedanken gefeiert. (Unruhe bei den Soz.) Ich brauche nicht, meine Herren, auf die erregten Auseinandersetzungen hinzuweisen, die zwischen einem Teil der russischen und der österreichisch-ungarischen Presse stattgefunden haben; sie sind allen bekannt. In diesen leidenschaftlichen publizistischen Fäden klingt die Erinnerung an alle Unstimmigkeiten wieder, die seit Jahren das Balkanproblem zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland entstehen ließ. Wir sind bemüht, diese Spannung zu mildern, soweit es möglich ist, aber den Kopf in den Sand stecken dürfen wir trotzdem nicht. Denn daß wir unsere Bundestreue auch über die diplomatische Vermittelung hinaus gewähren, ist selbstverständlich. (Beifall!) Durch die neue und akute Belebung der Rassengegensätze erhält aber die Verschiebung der militärpolitischen Situation, die durch den Balkankrieg entstanden ijst, erhöhte Bedeutung. Wir sind gezwungen, sie in Rechnung zu stellen, wenn wir an die Zukunft denken. Unsere Beziehungen zur französischen Regierung sind gut. Bismarck lat in seiner großen Rede vom 11. Januar 1887 diese Beziehungen geschildert, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben und wie sie sich durch den nationalen Charakter der Franzosen gestaltet haben. Er sagte damals, wenn die Franzosen solange Frieden halten wollen, bis wir sie angreifen, wenn wir dessen sicher wären, dann wäre der Friede für immer gesichert. Daran hat sich nichts geändert. Wir haben in diesem vierzigjährigen Zeitraum auch in kritischen Momenten der Well und Frankreich soviel Beweise davon gegeben, daß wir auch mit unserem westlichen Nachbar schiedlich-friedlich leben wollen, daß dieser unser Wunsch durch Worte nicht bestärkt zu werden braucht. (Sehr richtigI) Bismarck besorgte damals einen Angriff Frankreichs, wenn eine kriegerisch gewonnene oder durch innere Schwierigkeiten zu auswärtigen Aktionen gedrängte Regierung ans Ruder käme, und wenn Frankreich irgendeinen Grund habe, zu glaichen, daß es uns überlegen sei, sei es wegen der eigenen militärischen Stärke, sei es auf Grund bestehender Bündnisse. Bismarck hat keine dieser Eventualitäten im Amte erlebt. Ich habe allen Grund, zu glauben, daß die gegenwärtige französische Regierung im nachbarlichen Frieden mit uns zu leben wünscht. Ob mnd welchen Wechsel die Zukunft bringen mag, weiß niemand. Im Vergleich zu der Zeit vor 25 Jahren sind, wie ich glaube, die Chancen dafür, daß die Kabinette der Großmächte den Mittelpunkt kriegerischer Aspirationen bilden, nicht gestiegen, sondern gesunken. (Sehr richtig! links.) Von den Dimensionen eines Weltbrandes, von dem Elend und her Zerstörung, die er über die Völker bringen würde, macht sich kein Mensch eine Vorstellung. Alle bisherigen Kriege werden wahrscheinlich ein Kinderspiel dagegen sein. (Sehr richtig links.) Kein verantwortungsvoller Staatsmann wird flittfonnen fein, leichtfertig die Lunte an das Pulper zu legen, die Neigung dazu hat abgenommen. Zugenommcn aber hat die Macht der öffentlichen Meinung > > innerhalb der öffentlichen Meinung ber Druck derjenigen, die sich am lautesten gebärden. DaS pflegen, je demokratische die Einrichtungen sind. in leidenschaftlich Zeilen"«i'chk Major itakettjson* dem Minoritäten zu sein. (Sehr richtig! rechts.) DaS französische Volk, meine Herren, so kriegstüchtig und tapfer, so stolz auf Ruhm und Ehre, so vaterlandsliebend und opferwillig es ist, in seiner Gesamtheit glaube ich nicht, daß es zum Kriege drängt. Aber für weite Kreise der Franzosen, nicht nur für die Chauvinisten, nein, auch für die Ruhigeren und Ueberlegten, ist eingetreten, was Bismarck befürchtete: man glaubt, uns, wenn nicht überlegen, so dixh zum mindesten gewachsen zu sein im Vertrauen auf die Güte der eigenen Armee, im Vertrauen auf das Bündnis mit Rußland, vielleicht auch in der Hoffnung auf England. Das ist die gefährliche Kehrseite des Wiedererstarkens be? französischen Nationalempfindens. Die chauvinistischen Elemente zeigen uns die gegen Deutschland gerichtete Spitze' zu häufig mit einer gewissen Ostentation. Die französische Armee ist gut, nach militärischem Urteil sehr gut. Sie ist die Hoffnung der Nation. Alle Parteien, das ganze Volk tut ihr zugute, was immer nur möglich ist. Aber jenseits der Vogesen ist eine chauvinistische Literatur entstanden, die, wenn sie mit berechtigtem Stolz von dieser Armee spricht, es tut, um im Vergleich mit der deutschen Armee unsere Unterlegenheit in einem zukünftigen Kriege dar- zulegen. Man pocht auf die Ueberlegenheit der französischen Artillerie, auf den Vorsprung der französischen Fliegerkunst und auf b i t bessere Ausbildung der französischen Feld- s o l d a t e n , und man sieht dabei schon im Voraus die Massen russischer Infanterie und Kavallerie unser Land übersAvemmen. Dem lebhaften französischen Geiste erscheinen die Niederlagen der Türkei bei Kirkilisie und Lüle Burgas als Niederlagen der Deutschen, als Sieg der französischen Instrukteure gegenüber Deutschland. Der Anschluß der Balkanstaaten und der Anschluß Elsaß-Lothringens wird im Voraus angenommen. In der Illusion hat Frankreich schon einmal den Krieg gewonnen. Als Bismarck 1887 das Septennat forderte, hatte er die Möglichkeit der Gefahren eines zukünftigen Krieges für Deutschland im wesentlichen nach den Beziehungen Deutschlands zu den anderen Mächten abgeschätzt. Der Dreibund bestand, aber I e.ic Zweibund und keine Triple-Entente. t Wir, meine Herren, können französische und panslawistische Aspirationen, wir können den Einfluß der Balkanvorgänge auf die europäische Lage, wir können die militärische Stärke unserer Nachbarn nicht isoliert betrachten. Die Gruppierung der Mächte bestimmt die Situation und dann, meine Herren: wie sind wir seit jener Zeit mit dem Weltgetriebe verkettet worden! Die Friedensgarantien, die in unserem engen Bündnisse mit Oesterreich-Ungarn und Italien liegen, schätze ich hoch ein. Ueberzeugt vom großen Wert des Dreibundes für die in ihm vereinigten Völker haben wir ihn erneut und er steht so fest zusammen wie je. (Lebhafter Beifall.) Er dient nicht nur den verbündeten Völkern, sondern dient der Welt. Diese Probe hat er doch wirklich abgelegt. (Sehr richtig!) Trotzdem bleibt Deutschland auch mit dem Dreibund und gerade als die gegen Osten und Westen vor- geschobene Macht des Dreibundes wie kein anderes Land eingekeilt zwischen der slawischen Welt und den Franzosen. - Der Herr Kriegsminister wird Ihnen in der Kommission detaillierte Angaben über die militärische Stärke unserer Nachbarn machen, nicht, als ob unserer Vorlage irgendwie der Gedanke des Wettrüstens ober die rage de nombre . . (Lachen bei den Soz.) — Ihre Heiterkeit beweist nur, daß ich recht habe — diese Vorstellung ist von vornherein abzulehnen. Mit unfez rem russischen Nachbarn werden wir niemals um die Wette rüsten. Der russische Zar wird immer sehr viel mehr Soldaten aufstellen können, als wir es je vermögen. Wir setzen für jeden Krieg, in den wir verwickelt werden können, unser Vertrauen auf den Mut und den Geist unserer Nation, wie er sich in unserem Heere verkörpert. Aber wir werden Ihnen doch mit Zahlen belegen müssen, daß unsere Nachbarn ganz außerordentliche große militärische Anstrengungen gemacht haben und machen. I n Rußland' vollzieht sich eine st ir u n e 'n 5 • werte ökonomische Entwicklung dieses mit un- erschöpflichen Naturschätzen ausgeftatteten Riesenreiches. Und Hand in Hand damit geht eine Reorganisation her Armee, wie sie Rußland wohl noch nicht gekannt hat, nach der Güte des Bewaffnungsmaterials, nach der Organisation, nach der Schnelligkeit des Uebergangs vom Friedenszustand in den Kriegszustand. ’ Frankreich hat uns in bet Ausnutzung seiner Wehrfähigkeit längst überholt. Es stellt seit langem ben letzten Mann ein. Jetzt will es, um sich militärisch stark zu machen, auf die breijährige Dienstzeit zurückgreifen. I n biefer außergewöhnlichen Anstrengung, bie Frankreich m achen will, liegt so wenig eine Herausforderung, to i e unsere Vorlage eine Provokation Frankreichs ober irgend jemandes in der Welt bedeutet. Auch Frankreich will sich so stark machen, wie es vermag. Kein Mensch kann eine Garantie dafür übernehmen, daß kern Krieg kommt. Es wäre vermesien, eshietzegeradezuda» Schicksal herausfordern, wollten wir sagen: Wenn ein Krieg kommt, sind wir stark genug. Wir müßten zwar sehr viel starker fein, als wir sind, aber das kostet zuviel Geld, wir werden es auch so machen! Solche Stimmungen sind immer noch bet An. fang des Unheils gewesen. (Sehr richtig!) So 1870 in Frank- reich und schließlich auch jetzt in der Türkei. Die Chancen eine? Zukunftskrieges, in dem Millionenheere mit den modernsten Waffen ausgerüstet gegeneinander geführt werden, sind jetzt noch schwerer zu übersehen als früher. Aber eins wird Wahrheit: Sieger wird immer nur das Volk bleiben, das sich in den Stand gesetzt hat, mit dem letzten Mann dann einzutreten, wenn die ehernen Würfel unseres Schicksals geworfen werden, das mit der ganzen Macht seines Vollst n m § dem Feinde die Spitze bietet. (Sehr richtig.) W i r machen Ihnen die Vorlage nicht, weil wir Krieg, sondern üfisTTTot r1 etett haben ühb" Werl — toenn Krieg kommt — wir Sieger bleiben wollen. (Beifall.) Die große Mehrheit des Volkes erkennt diese Bedeutung der Vorlage an. (Sehr richtig. — Lachen bei den Soz.) Sie will, daß die Vorlage Gesetz wird. Wir werden, auch wenn die Vorlage Gesetz geworden sein wird, s o tvenig ein Störenfried i n der Welt sein, wie wir es bisher waren. Den negativen Beweis dafür bietet die jahrhundertealte Geschichte des alten Reiches und den Positiven Beweis die Zeit seit 1870. (Beifall.) . Vo n der englischen M i n i st e r b a n k ist in der letzten Seit wiederholt betont worden, daß bei voller und unveränderter Aufrechterhaltung der bestehenden Mächtegruppierung Fäden der Freundschaft von d.'r Macht der einen Gruppe zu der anderen Gruppe hinüberlaufen könnten. Ich stimme dem zu, möchte dieses aiott sogar dahin erweitern, daß solche Fäden der Freundschaft gesponnen werden müssen. Wir werden das nm so leichter tun können, je sicherer und ruhiger wir in die Zukunft sehen können. Denn politische Freundschaften, meine Herren! — w i r wollen i. i ch t sentimental sein — sind politische Geschäfte. (Bewegung.) Wie im Wirtschaftsleben, so lassen sich auch im politischen Leben Geschäfte am leichtesten und zuverlässigsten unter starken Partnern abschließen. Der Schwache kommt immer unter die Näder. (Sehr richtig.)) jj z ..... 2ch habe schon betont, daß wir gute Beziehungen zur franzo- .srschen und russischen Negierung pflegen, wie ich glaube, nicht ohne Erfolg. Dasselbe gilt von England. Von unserer gemeinsamen Tätigkeit bei den Londoner Botschaftsbesprechungen habe ich schon gesprochen. Nun hat Mister Churchill in der großen Rede, die er neulich gHalten hat, das V erhältnis der englischen Flotte zur deutschen Flotte beleuchtet und dabei einen Gedanken wiederholt, den er bereits im vorigen Jahre und zwar auch im Parlament ausgesprochen hat, den Gedanken, daß zur Verminderung der Rüstungen die Schiffswerften der großen Nationen von Zeit zu Zeit ein Jahr Feiertag machen. Mister Churchill hat diesen Vorschlag speziell an Deutschland, und zwar für die Jahre 1914 oder 1915, gerichtet. Aber er hat selbst anerkannt, daß alle Großmächte an dieser Kontingentierung beteiligt werden müßten. Die Marinesachverständigen diesseits und jenseits der Nordsee haben, wie mir scheint, ziemlich übereinstimmend, auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen, die sich der Ausführung dieses Problems entgegenstellen. Mister Churchill selbst hat diese Schwierigkeiten gekannt. Auch ist mir nicht bekannt geworden, daß sein Gedanke hn englischen Parlament oder in der englischen öffentlichen Meinung mit besonderer Entschiedenheit aufgegriffen wäre, (Sehr richtig!)) y.. - - - Wir tocfb'en daher abwarten können, ob d i c englische Regierung mit konkreten Vorschlägen an uns herantreten sollte. Aber die Tatsache, daß dieser Gedanke ausgesprochen worden ist, und die Formen, in die der erste Lord der englischen Admiralität sie gekleidet hat, bedeutet schon einen großen Fortschritt. (Sehr richtig.) Es gab eine Zeit, wo jede Form eines Vergleichs der englischen und der deutschen Seestärke, des englischen und des deutschen Schiffsbaues, zu einer Flottenhetze führte, die immer wieder ine Beziehungen beider Länder vergiftete. (Lebh. Zustimmung.) Ich hoffe, daß diese Zeiten der Vergangenheit angehören. (Beifall.) Mir scheint, daß das Vertrauen wiederzukehren beginnt, das lange Zeit zum Schaden beider Länder und der Welt gefehlt hat. •*«•' _> Wir alle kennen die Worte, mit denen Mr. Asquith und Sir Edward Grey die derzeitigen deutsch-englischen Beziehungen besprochen haben. Die Feststellung, daß diese Beziehungen zurzeit gut sind, kann ich nur bestätigen, und freue mich, das tun zu können. Herr Churchill hat seine Rede mit Worten geschloffen, die die ganze Sicherheit einer selbstbewußten Stärke hatten, er Hat die englische Seemacht gefeiert, daß keine andere Seemacht die politische Entwicklung in England ablenken oder einschränken .könne. Er hat darauf hingewiesen, daß in diesen Monaten voll ^Besorgnis, Spannung und Gefahr es keine Großmacht gegeben habe, die nicht dankbar gewesen wäre, daß Englands Bedeutung im Konzert der Mächte eine Wirkung und kein Schatten sei, daß jEngland frei und stark gewesen sei, um für den allgemeinen Frieden zu wirken. Nun, meine Herren, das ist nichts anderes, Äls was wir wollen; auch w ir wollen frei und stark [fein, nicht um andere zu unterdrücken, sondern um uns frei und ungehemmt nach den Kräften der Nation zu entfalten, und um, wenn es not lut, unser Wort mit dem ganzen Gewicht unserer Stärke für den allgemeinen Frieden in bie Wagschale werfen z u können. (Lebhafter Beifall.) x Meine Herren, ich habe die Lage geschildert, wie ich sie sehe, ohne schön zu färben und schwarz zu färben. Wir alle sind nicht Herr darüber, ob in Zukunft der Friede bedroht werden wird, aber wir sind Herr darübe, ob wie einer ungewissen Zukunft mit gutem Gewissen enigegengeheu können. (Lebhafter Beifall!) An Ihnen, meine Herren, liegt jetzt die Entscheidung. Letzten Endes liegt die Entscheidung bei den moralischen, physischen Kräften eines Volkes. Helfen Sie, daß uns die allgemeine Dienstpflicht, der Deuts chland seine Wiedergeburt verdankt, unverkümmert erhalten bleibt. Die Werte, die wir zu schützen haben, steigen von Jahr zu Jahr, Getragen von der Zustimmung der Parteien wird, wie ich hoffe, der Reichstag nicht vor der Größe der Forderungen zurückschrecken, die diese Vorlagen enthalten. Wir sprechen von schweren Opfern, von ungeheuren Lasten, wir hören die Klagen, daß diese fortgesetzten Rüstungen entweder den Frieden ruinieren oder zum Kriege führen müssen. (Ironisches Sehr richtig! bei den Soz.) Nun, meine Herren, Sie, die hier Sehr richtig rufen, beachten Sie, fett einem Menschenalter haben wir und auch unsere Nachbarn ungeheure Aufwendungen für unsere Rüstungen gemacht. (Sehr richtig! bei den Soz.) Und auch bei jeder deutschen Militärvorlage hat es geheißen: Jetzt kommt der Krieg! — Bisher ist der Friede erhalten geblieben! (Lebhafte Zustimmung.) Der Balkankrieg von 1877 und der jetzige Balkankrieg, der russisch-japanische Krieg, auch die gegenwärtigen Spannungen haben doch mit den Rüstungen der Großmächte nicht das Entfernteste zu tun. - z» Und, meine Herren, trotz der ungeheuren Aufwendungen, die wir für unsere Rüstungen gemacht haben, hat es niem.als einen Zeitraum gegeben, in dem w i r uns wirtschaftlich s o stark gefüllt haben (Lebhaftes Sehr richtig! rechts) und in dem wir so leistungsfähig geworden wären in dec Erfüllung staatlicher Aufgaben für die kulturelle und soziale Entwicklung, wie in der Lebenshaltung ibe§ einzelnen. Die Weltgeschichte kennt kein Volk, das zugrunde gegangen wäre, weil es sich in seiner Wehrhaftmachung erschöpft chatte, wohl aber sehr viele, die verkommen sind, weil sie über Wohlleben und Luxus ihre Wehrhaftigkeit vernachlässigt haben. (Lebh. Zustimmung rechts; Gelächter b. d. Soz., Zuruf b. d. ,Soz.:,UeberflüssigI) Ein Volk, das nicht reich genug zu sein glaubt, um seine Rüstung instaudzuhalten, zeigt nur, daß c s feine Rolle ausgespielt hat. (Sehr richtig! rechts.) lieber alle Schwierigkeiten hinweg halten Sie bitte an dem einen Gedanken fest: Wenn uns jemand Haus und Hof bedroht, dann [teljeii wir bereit bis auf den letzten Mann! (Stürmischer Beifall red)td und bei den Nationalliberalen, Zischen bei den Soz. Erneutes Bravo! rechts.) Kriegslist, nister v. Hecringen: Es handelt sich bei den Gründen für die Verstärkung unserer Wehrmacht,, wie der Herr Reichskanzler hervorgehoben hat, weniger um eine akute Gefahr, die heute bereits Deutschland bedrohen könnte. Bei der Einführung des Gesetzes von 1912 wies ich bereits darauf hin, daß die Ueberlegenheit der Armee über einen etwaigen Gegner nicht in der Hauptsache zu suchen sei in der überwiegenden ^ahl, sondern in der guten Organisation, Ausbil- d u n gundFührung. Aber schließlich kommt doch auch der Ziffern mäßigeVergleich unserer Wehrkraft gegenüber der andererStaaten in Betracht. Was damals ausreichend war, ist e§ unter den heutigen und den heute in der Entwicklung befind- iichen Verhältnissen nicht mehr. Deutschland bedarf, daß ist die Ueberzeugung aller derjenigen Stellen, die für seine Verteidigung die Verantwortung tragen, notwendig einer besseren Ausnützung der allgemeinen Wehrpflicht. Wir verzichteten bisher auf einen großen Teil der wehrfähigen Bevölkerung, überwiesen einen großen Teil der Ersatzreserve. Die Folge davon ist, daß im Kriegsfälle die Ergänzung des deutschen Heeres ganz erheblich auf ältere Jahrgänge zurückgreifen muß. Damit schwächen wir unsere Truppen quantitativ wie qualitativ. Für eine Verstärkung des Schutzes unserer Grenzen bestehen zwingende Gesichtspunkte. Für unsere Telegraphentruppen werden vier neue Bataillone angefordert, um die Nachrichtenübermittelung im Ernstfälle so zuverlässig wie möglich zu gestalten. Das Luitfahrwesen ist aus dem Stadium vorsichtigen Tastens herausgetreten. Zur Verstärkung unserer Luftstreitkräfte enthält die Vorlage daher ganz bedeutende Anforderungen. Der größte Teil der Ergänzung unserer Friedensstärke an Mannschaften und Pferden soll aber dazu verwendet werden, die Etats der einzelnen Waffen zu erhöhen. Eine solche Erweiterung unserer Friedensarmee verlangt naturgemäß eine entsprechende Verstärkung an Offizieren und Unteroffizieren. Eine logische Folge dieser personellen Verstärkung ist eine ebenso ausreichende Verstärkung unserer materiellen Streitkräfte. . Der Kriegsminister schließt: D i e Wehrvorlage ist keine Bedrohung unserer Nachbarstaaten. Wer die Vorlage vorteilhaft prüft, muß erkennen, vorausgesetzt, daß er es überhaupt will, daß sie nichts anderes ist als eine st a r k e Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens und für die Weiterentwicklung von Deutschlands Arbeit, Deutschlands Industrie und Deutschlands Handel. (Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Haase (Soz.)k Die Heeresvorlage fordert vom Volke ungeheure Opfer. Darüber gibt es im Lande nur eine Stimme. Sie übersteigt alles, was jemals einem Volke in Friedenszeiten von einer Regierung zugemutet worden ist. (Sehr richtig b. d. Soz.) Angesichts einer solchen enormen Vermehrung der personellen und finanziellen Lasten muß erwartet werden, daß die Regierung für eine so außergewöhnliche Maßregel auch außergewöhnliche Gründe beibringen würde. Aber was der Kriegsminister vorgetragen hat, ist im Grunde nichts anderes als allgemeine Redewendungen, mit denen auch jede andere Militärvorlage hätte begründet werden können, und mit denen im wesentlichen auch frühere Militärvorlagen begründet worden sind. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Ob es sich um 10 000 oder 136 000 Mann handelt, die Begründung ist immer dieselbe. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Es ist charakteristisch für unsere Zustände, daß das bei einer Vorlage geschieht, die das Volk in seinen Tiefen aufwühlt, die das Ausland beunruhigt und von entscheidenden politischen Wirkungen ist. Hat denn wirklich die Negierung keine anderen Gründe für die Vorlage, als die dürftigen Argumente? Man hat eine Begründung vermieden bei einer Vorlage, die das Volk aufs tiefste erregt, die das Ausland beunruhigt. Mit den dürf- tigften Argumenten will man den Reichstag abspeisen. Hat uns der Reichskanzler etwas neues gesagt? Was er uns mitteilte, das wußte er doch schon seit langem, zum Teil seit vorigem und vorvorigem Jahre. Wir verlangten schon immer die Einstellung des Rüstens. Man hat uns als Utopisten verspottet. Heute muß der Reichskanzler diese Ideen als einen Fortschritt bezeichnen. Und in England spricht man gar von einem Rüstungsruhejahr. Zweifellos ist zwischen England und Deutschland eine Entspannung eingetreten. Man konnte eine Verminderung der Rüstung erwarten. Statt dessen kommt man mit dieser maßlosen Neuforderung. Der Militarismus hat eben seine eigene Logik. (Sehr gut! b. d. Soz.) Sein Ae-- weismaterial hat sich der Kanzler des Deutschen Reiches aus einigen untergeordneten Blättern hergeholt, wenn er von dem Kampfe zwischen d-»r germanischen und slawischen Welt spricht. Haben denn die Balkanvölker ein germanisches Reich niedergerungen und nicht das osmanische? Die Wehrvorlage ist die Folge der Agitation des Wehrvereins, der „Täglichen Rundschau" und anderer nationalistischer Blätter. Der Brandartikel der vom Auswärtigen Amt gespeisten „Kölnischen Zeitung" mutzte in Frankreich Aufregung Hervorrufen. Man mutzte dort fürchten, Deutschland warte nur auf eine günstige Gelegenheit, um über Frankreich herzufallen. Wir fordern eine ehrliche Verständigung mit Frankreich. Die Gelegenheit zu einer Annäherung an Frankreich war niemals günstiger als jetzt. Denken Sie auch an die chevalereske Art, mit der die französischen Behörden bei dem Vorfall in Luneville aufgetreten sind. Ein Komitee fordert jetzt deutsche und französische Parlamentarier zu einer Verständigungsaktion auf. Warten wir ab, wieviel bürgerliche .Politiker mitmachen werden. Ein frivoles Unterfangen wäre es, um einer Lappalie willen loszu- schlagen. Zu England stehen wir günstig, ebenso zu Rußland. Wozu also neue Rüstungen? Rußland sucht seine Betätigung im Osten und treibt seine Raubpolitik in der Mongolei. Das russische Volk denkt nicht an Krieg mit uns. Es hat andere Sorgen, es muß Aufräumen mit dem zaristischen Absolutismus. Durch äußere Abenteuer lassen sie sich nicht ablenken. Würde Rußland los- schlagen, so würde die Revolution im Innern sofort wieder entbrennen. Bei den deutschen Rüstungen handelt es sich nicht um den Schutz unserer Grenzen, sondern um die Einschüchterung der anderen. Deutschland will fein Gewicht in die Wagschale werfen, wenn es etwa an eine Zerstückelung der asiatischen Türkei gehen sollte. Im vorigen Jahre sagte der Kanzler: Deutschland ist kriegsbereit! — Dann sind diese neuenwahnwitzigen Forderungen unerklärlich. Und als die „Post" seinerzeit diese Vorlage fast in allen Einzelheiten voraus sagte, da ließ der Kriegsminister das als Erfindung erklären. (Hört! Hört!) Also damals wollte er noch nicht, aber wohl der Gene- ralstab. Erst vor kurzem hat der Reichskanzler mit dem Kriegs- minister die Segel gestrichen vor dem Wehrverein und dem damit Hand in Hand gehenden General st ab. Als der Reichskanzler seine Rede schloß, da dachten wir, es würde erst losgehen, weil wir alle Gründe vermihten. Der Kriegsminister machte es noch rascher. Er ist nicht mit dem Herzen dabeigewesen. Er mußte sich vor den Treibereien des W e hr verei n s beugen. Mutz da auch de r Reichstag ; u Kreuze kriechen? Wir sagen: Nein! (Beifall der Soz.) Noch Ende Januar hielt die „Germania" die Meldung der „Post' für Hirngespinste einiger Rüstungsfanati'?. harten wir ab, was Dr. Spahn nachher sagen leiib! Daß di haüonallibera'.cn mit der Regierung durch Dick und Dünn gehen, das haben wir nicht anberl erwartet. Hinter ihnen steh-sn ja diese Unternehmer, die Kapitalisten in Rheinland und Westfalen, i>ie den Prosit hcwcn. (Zustimmung der Soz.) Die jetzige Wehrvorlage wird dahin führen, daß die jetzige Entwicklung über sich selbst hinausgetrieben wird und daß wir zu einem andern System kommen. Sie werden Bataillone organisierter Arbeiter aus den Großstädten in die Armee ein- reihen. Glauben Sie, daß diese Arbeiter in der Kaserne alles Frühere vergessen und andere Menschen' werden? Diese Vorlage ist ein Schlag ins Gesicht des Volkes der Dichter und Denker. Wir stehen dieser Vorlage mit den Worten Fichtes gegenüber, der nicht wenig getan hat, um den nationalen Geist auf- flammen zu lasten, und der eine Freiheit forderte, „gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt". Wir wollen die Zivilisation fördern. Darauf sind der Frieden und die Freiheit der Völker begründet. (Beifall der Soz.) Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Nach der Vorlage der Regierung würde unsere gesamte Macht z u Wasser und z u Lande beinahe 900 000 Mann betragen. Unser Heeresetat würde sich für 1913 auf 1347 Millionen Mark belaufen. Diese Vermehrung der personellen und materiellen Opfer wird uns nach -12 Jahren ungestörten Friedens auferlegt. Der Abg. Haase hät mich gefragt, ob ich auch seinerzeit die „Germania" informiert habe. Ich habe es nicht getan. Auch heute kann i ch m i ch z n b e v Heeresvorlage n o ch nicht endgültig äußern. (Lachen der Soz.) Dazu muß ich ausführlichere Begründungen bekommen, als sie uns heute der Kriegsminister gegeben hat. Der Reichskanzler hat uns die Lage als ernst geschildert. Er sieht sie aber nicht pessimistisch an. Wir haben eine Reihe von Bedrohungen erlebt: Agadir, Marokko, Balkan. Das gebietet Vor-, sicht. T i e Angst vor i)tm Krieg hat seit dreißig Jahren die Großmächte zu großen Rüstungen veranlaßt. Daß unsere Verhältnisse zu Rußland gut sind, läßt sich bei den freundschaft. licken und verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Herrscherhäusern nicht anders erwarten. Trotzdem besteht das russisch-französische Bündnis, durch das Rußland gezwungen wer- den kann, auch gegen Deutschland zu marschieren. Rußland fühlt sich als slawische Vormacht. Das wird immer eine ®e* fahr für uns sein. Frankreich arbeitet andauernd an einer Vermehrung und Verbesserung seines Heeres. Unsere Beziehungen zu Frankreich sind gut. Wir greifen auch Frankreich nicht an, obwohl gewisse französische Kreise es so hinzustellen suchen. D i e Kriegslust in der französischen Bevölkerung ist nicht zu leugnen. Auch mit England stehen wir gut. Es muß sich mit unserer großen kontinentalen Machtstellung abfinden. Alle Großmächte rüsten aber mit gleicher Energie, England zur See, Rußland und Frankreich zu Lande. Wir wollen nur unsere eigene Stellung in Europa behaupten. Andere Mächte einschüchtern wollen wir nicht. Dadurch, daß Italien genötigt wird, inZ^ripolis dauernd Truppen zu halten, wird der Dreibund zweifellos geschwächt. Durch die Wirren auf dem Balkan aber wird Oesterreichs Stoßkraft vermindert. Sind bie Verän derungen auf dem europäischen Theater tatsächlich so schwerwiegend, wie der Kanzler sie hingestellt hat, dann müssen wir tatsächlich alles tun, um unsere Stellung zu stärken. Ich verkenne nicht, daß viele Arbeitskräfte durch die neuen Formationen der Arbeit entzogen werden, daß die Leistungsfähigkeit der Volkskräfte vermindert wird, daß der Zinsfuß steigen wird, trotzdem können wir uns der Notwendigkeit nicht her* schließen. Solange andere Staaten stehende Heere haben, können wir zum Milizsystem nicht übergehen. Das sollte endlich auch Herr Haase einsehen. Nach der Verfassung soll ein Prozent der Bevölkerung unter Waffen stehen. Diese Zahl überschreiten wir jetzt. Das deutsche Volk ist friedlich; es ist aber auch kämpfe bereit. Wir werden Aufklärung über Einzelheiten in der Korn-. Mission verlangen. ' ’ l' Mg. b. Liefert (Rp.)S . Wir beglückwünschen den Reichskanzler zu Res« Vorlage. (Gelächter der Soz.) Gegenüber den früheren Militärvorlagen wird hier endlich eine große, ernste Tat geleistet. (Beifall rechts.) Endlich kommt die allgemeine Wehrpflicht zur Durchführung. Ein einziges Bedauern habe ich, nämlich das, datz diese Vorlage nicht bereits vor 1% Jahren gekommen ist. (Gelächter der Soz.) Gefahren bedrohen uns. Die große Slawen- welle brandet heran. Wir müssen nicht nur gegen unsere Gegner rüsten, sondern wir müssen auch für unsere Bundesgenossen mitrüsten. Es ist hoch erfreulich, datz diese Vorlage getragen ist von der V o l k s st i m mu n g. (Gelachter der Soz.) Sie (zu den Soz.) rechne ich dabei zum deutschen Volk« nicht mit. Hat doch Ihr Herr Wendel in Frankfurt eine Rede ge. halten zur Verherrlichung Napoleons, des größten Blutsaugers und Ausbeuters. Die Wehrvorlage ist immer noch kein militärischer Druck, der auf anderen Ländern lastet. Unser Heer aber übertrifft dann au Zahl die Heere aller europäischen Staaten, ausgenommen Rußland. Das ist notwendig, denn der liebe Gott ist noch immer mit den größeren Bataillonen gewesen. (Heiterkeit b. d. Soz.) Frankreich wird die Einführung der dreijährigen Dienstzeit zweifellos mit der Herabsetzung seines geistigen Niveaus erlaufen. (Hört! Hört!) Der Wehrverein hat im Volke Boden gefaßt. Im Rheinland sind viele Arbeiter dem Wehrverein beigetreten. Sie waren bisher falsch belehrt. (Lachen b. d. Soz.) Die Hauptsache ist für mich, daß nach der Vorlage 63 000 junge Leute mehr durch dis Schule der Armee gehen. Sie lernen dort Vaterlandsliebe, mon. archische Gesinnung und Hingebung der eigenen Persönlichkeit. (Lachen b. d. Soz.) Es ist zu hoffen, datz doch nicht alle wieder den Irrlehren der Internationale anheimfallen. (Lachen b. d. Soz.) Abstriche werden an der Vorlage nicht vorgenommen werden können. (Hört! Hört! links.) Sie erfüllt nur die Wünsche dec Armee. Freilich im „Berl. Tageblatt" hat der Nachfolger des Herrn Gaedtke, ein Major Morath, zahlreiche Abstriche angeregt E, ist auch für eine Verkürzung der Dienstzeit eingetreten. Ich weif ja nicht, wo der Herr gedient hat. Als Soldat müßte er doch wissen, daß heute bei der zweijährigen Dienstzeit nicht nur jede Woche, sondern jeder Tag gebraucht wird. (Lachen bei den Soz.) Es wird der Heeresverwaltung nicht leicht werden, den notwcn - digen Offiziernachwuchs zu bekommen. Auch hierzu hat sich im „Berl. Tageblatt" schon Herr Morath gemeldet und angeregt, jüdische Offiziere einzustellen. Der Herr könnte diese Sorge der Heeresverwaltung und dem Offizierkorps selbst überlassen. Was durch die Einführung von Fremdkörpern au5 einem Ofsizierkorps werden kann, zeigt jetzt die türkische Armee, die Juden, Armenier und Christen aufnahm, wodurch sie den os- manisch-mohammedanischen Charakter verlor und ein Gemengse! wurde. Mir nehmen die Vorlage an. (Beifall rechts.) Abfl. Behrens (Wirtsch. Vgg.): V Wir stimmen der Vorlage gleichfalls zu. Ein verlorener Krieg würde uns viel mehr kosten als diese Vorlage. Die ganze wehrfähige Jugend muß ausgebildet werden, damit nicht im Kriegsfälle die Familienväter herangezogen werden müssen. Diese Maßnahme ist gerade im Interesse der mittleren und unteren Kreise unseres Volkes dringend erforderlich. Wir der- missen leider unter den Deckungsmitteln die allgemein im Volke verlangte Wehr st euer. Der Ausbau unserer Wehrmacht trägt leinen aggressiven Charas er, sie ist lediglich eine Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht. . - Das Haus vertagt sich. » ' Dienstag 1 Uhr pünktlich: Weit^herajun-.- ' Schluß 62 Uhr. MM I W A ■ MO Markttage in Haier (W) 176 (+ 2) (+ M (+ 1) Mai 210,50 (+ (4- 1) 2) 1) 3) 2) 185 180 183 185 180 190 173 165 153 154 194 174 184 180 (- 3) (+1.75), (- (4- (+ (+ (- (— (+ (- (+ (4- (- (+ ) 1) ) ) ) 1741/I( 180 (— 1821/2(— 174 "(— 162 156 158 158 162 IGO 162 164 161 170 178 178 1) 2) ) 1) ) 1) 1) 1) 1) ) o) 3) ) ) 1) (4- 2) (4- 1) (- ) (+ 1) (- 3) (- ) Weizen - (- ) Königsberg Danzig * Stettin Pofen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig Dresden Hainburg Düsseldorf Köln Frankfurt a. Mannheim Straßburg Roggen 163*/?(4-3V2) 206 191 191 191 202 196 201 199 202 202 212 214 210 215 225 219 Markte. Gießen, 8, April. M a rktbericht. Auf heutigem Woche,,- markte kostete: Butter das Pfund 1,20—1.30 Tif„ Hühnereier l Stück 7—8 Pfg., 2 Stück 00 Pfg., Enteneier 1 Stück 8—0 Psg., Gänseeier ISt. 10 P^, SW das Stück 6—8 Pfg" Kasematte 2 Stück 5—6 Pfg., Tauben pr Pv. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 TIL Hahnen pr. Stück 1,50-2,50 M., Enten pr. St. 2,00-3,00 Atk., Gänse das Pfd. 70—80 Pfg" Ochsensleisch pr. Psd. 92—100 Pfg., Rindfleisch pr. Pfand 90—94 Psg., Kuhfleisch 80 Pfg, Schweine- Vermischtes. * 700000 M a r k v o n c i n ern R cchts a nwa lt un t erschlagen. In der Nacht vom 31. Mars zum 1. April hat sich in Hamburg der Rechtsanwalt 'Dr. S i e g f r t c b Lehmann erschossen Wie sich nun herausstellt, hat er verschiedene Vermögensverwaltungen gehabt und diese arm rund 700000 Mk. geschädigt. In einem: hinterlassenen Briefe gibt er die U 'ter- das Geschäft darin still. Es stellten sich die Preise für inländ. Getreide am letzten Mark per 1000 kg wie folgt: Spork. ♦ Hundesport. Ter Verein zur Züchtung reiner Hunderassen in Düsseldorf veranstaltete um 5. Avril eine internationale Ausstellung für Jagdhunde und am 6. Avril eine solche für Lurushunde. Zu dieser lebteren waren etwas über 500 Hunde gemeldet, wahrend nm ersten Ausstellungstage 247 Jagdhunde ausgestellt waren, darunter ) 11 Teckel. Der Teckelzwinger „E i cfi h o r ft", Besitzer Herr Friedrich S ch r einer hier erhielt in Düsseldorf vier 1., iunf 2. und einen Ehrenpreis. F-nkball. Am^ gesttigni Sonntag gewann der Wormser !Fu ßba l l- und L aw nt eun is klu b gegen den F ra nk- i u r t e r 'Fu ßball kl ub 1880 btc Meister, chaft für -L u d- d^utschland im Rugbv. Tas Spiel endete nut 3:0 $u Gunsten von Worms. München Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Pest April 186.75 (4- 1.35), Paris April 231.15 (4- 0.40, Liverpool Mai 168.75 (4- 2.75), Chicago Mai,141.40 (4- 3.05). Roggen: Berlin Mai 170.00 (4- 1.50). Hafer: Berlin Mai 167.75 (4- 1.75). Futtergerste: frei Hamburg unverzollt schwim. 134.00 (— 1.00). Mais La Plata schwim. 114.50 (—). Mat/Juni 111.50 (+ 1.00), Mixed März/April 167.00 (4- 1.00) Mark. LcrrrdVirtschaft. Obst» und GartmLauvereiu für den Kreis Büdingen. -- Stockheim, 6. April. Der Obst- und Garten. B sunden. Der Toten war von einer Zuggardinenschnur eine Schlinge um. den Hals gelegt: das Ende der Schnur mar an einem Fuße des Klaviers befestigt. Das Fehlen zweier werrvoller Miniaturbilder und andere verdächtige Begleitumstände lassen die Annahme als gerechtfertigt erscheinen, daß möglicherweise kein Selbstmord, sondern ein Raubmord vorliegt. Ein in Potsdam wohnender A l t h ä n d l e r ist vorläufig in Haft genommen worden, bis sich weitere nach Berlin führende Spuren aufgeklärt haben. * E i n großer Walbbrand brach auf bem Truppenübungsplatz Zehrensdorf (Prov. Brandenburg) aus. Bisher konnten Militär und Feuerwehren den Brand nicht bewältigen. Das Feuer soll durch Unachtsamkeit von Waldarbeitern entstanden sein, die ihr Mittagessen dort abkochten. * offener. In Nußdorf bei Oberndorf brach in einem Gasthause F euer ans, bessen Ausbreitung vorn Winde begünstigt wurde. Es ergriff die Ki r ch e und öen Kirchturnt, der ein ftür jt e. Tie Kirche brannte gleichfalls aus und ist dem Einsturz nahe. Bisher wurden 21 Häuser eingeäschert. Aus Salzburg ist militärische Hilfe abgerückt. * Der anarchistische Bandit Laeombe floh am Samstag vormittag in P a r i s von dem Gefängnishof, wo er unter Bewachung einen Spaziergang machte, auf das Dach, stürzte sich, nachdem ihn der Direktor und der Verteidiger vergebens zur Vernunft gemahnt hatten, in den Hof hinab und blieb auf der Stelle tot. < l * Der falsche Telegrgphenarbeiter. Ans München wird gemeldet: In einer Wohnung in der Georgenstraß? erschien hente vormittag ein unbekannter MvM, der sick "bem Dienstmäbchen gegenüber als Televhonarbeiter ans gab. Er schnitt das Höhr rohr ab, schlug bas Dienstmäbchen nieder, knebelte es, stahl einen größeren Geldbetrag und entfloh. * Waghalsige Ein breche r. Ein in der Frankfurter Chaussee in-Berlin wohnender Rechtsanwalt überraschte, als er nach Hause kam, zwei Einbrecher, die seine Wohnung durchstöberten. Während es dem einen Spitzbuben gelang, die Treppe herunter zu flüchten, stürzte der andere _auf den Balkon und sprang von dem dritten Stock auf die Straße hinab. Er wurde mit schlveren inneren Verletzungen feftgenominen. * Eisenbahnunglück. Aus Kreuznach wird gemeldet: Heute früh 4.50 Uhr traten vor dem Bahnhof Gundersheim an der Stelle, wo der Eisenbahndamm infolge schlechten Untergrundes schon mehrmals gerutscht tvar, erneut Rutsche ein. Hierdurch ist das Hauptgleis Niederflörsheim—Gundersheim unterbrochen. Ter Verkehr wird bis auf weiteres durch Umsteigen aufrechterhalten. \ * Lawinenunglück. Ans Zürich wird gemeldet: Bei Sauarbeiten -an der Furka-Bahn, oberhalb von Gleisch, wurde eine ^lrbeiterkolonne von einer Lawine verschüttet, wobei brei Arbeiter getötet unb 14 verle tzt wurden. Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschastsrars vvM 1. bis 7. Zlpril 1913. In Uebereinstimmnng mit den Mitteilungen der Preisberichtstelle konstatieren die amtlichen Stellen im allgemeinen eine befriedigende Ueberwinterung der Saaten. Zwar ist ein großer «Teil der Pftmizen wegen später Bestellimg noch schwache entwickett und die ziffermäßige Begutachtung daher ungünstiger ausgefallen als um' die gleiche Zeit des Vorjahres, indes hat das in letzter Zeit herrfchende schöne Frühjahrswetter schon viel gebessert. Die Landwirte sind jetzt vollauf mit der Feldbestellung beschäftigt, und die Folge davon ist, daß das Angebot allgemein stark nachgelassen hat. Lag schon darin eine Stütze für die Preise, so nahm der Markt im weiteren Verlaufe eine umso festere Haftung an, als die rege Nachfrage für Weizen am Weltmärkte die Exportländer zur Erhöhung ihrer Preisansprüche veranlaßte. Argenttnien Ijat für seinen neuerdings geringer geschätzten Ueberschuß viclseittgen Absatz, da West-Europa sich sehr aufnahmefähig zeigt, Rußland-aber nach wie vor mit Offerten fehlt. Neuere Nachrichten aus Indien lauten nicht günstig, und für das zurückhaltende australische Angebot bekundet England umsomehr Kauflust, als das Festland andauernd viele Ware ablenkt. Zu der festen Haltung Amerikas trugen neben gutem Exportabzug auch Klagen über die Saaten und eine niedrige Schätzung des Statisttkers Snoto bei. In Deutschland besteht für Weizen andauernd gute Verwendung zum Export, während sich gleichzeitig mehr Kauflust für fremden Weizen kund gibt. Nach beiden Richtungen entwickelte sich in der Berichtswoche ein ziemlich lebhafter Verkehr, unb im Lieferungsgeschäst erfolgten Deckungen per Mai unb Käufe per Juli, so bat} bie Preise seit Dienstag um 3V2—3Vi Mark abziehen konnten. Roggen war anfangs infolge schleppenben Wsatzes und unter dem Eindruck bes großen Berliner Lagerbestanbes matt, boch bewirkte später schwaches Julandsangebot bei vermehrter Exportnachfrage Deckungen unb Käufe, so daß gegenüber bem niedrigsten Stande der Woche ein Preisfortschritt von 23/4—3V4 Mark festzustellen ist. Auch für Hafer kam int Laufe der Woche eine festere Stellung zur Turchbruch. Ta gute Sorten wenig offeriert unb vom Export ausgenommen werden, wendet sich das Interesse den bisher vernachlässigten mittleren Qualitäten zu. Wer auch in diesen hat bas Angebot uachifelassen. 3-m1 Lieferungsgeschäft erfolgten im Zusammenhänge mit Verkäufen von argentinischem Hafer nach bem Balkan Deckungen. Russische Futtergerste blieb vernachlässigt bei l—li 2 ermäßigten Forberungen. Mais war wenig verändert. Großvieh bleibt geringer, tleberftanb. 84-90 46-50 höchsten 50-55 89—95 höchsten 47.00-49 00 96—98 74—76 73-00 Ueberstand. Mk. Mk. 75—81 41—44 46—50 83—89 45-46 94-96 57.00—60.00 75.00—77.00 56.00—50.00 74.00—76.00 58.00—61.00 75.00—77.00 58.00—61.00 75.00—76.00 100 Kg. 90—93 83-89 46-49 42-45 43-46 39-43 38—42 31-36 60-65 56-59 66—73 60—69 des „Gieft Kartoffeln 102-110 95—100 80—83 75-83 70—78 62—72 77—83 73-76 74—80 85—89 107—110 98-103 92—98 83-90 41—44 45—49 46—50 43-45 50—54 46—49 Mk. 52—56 51-55 76-81 62—68 Preis für 100 Pfd. Lebend-- Schlachtgewicht Lebend- Schlachtgewicht 64—66 59—62 54-58 49-53 fc. Fran'für: a. M. V i e b b o f» 2)1 a t f t b e r i ch t vom 7. April. Austrieb: Rinder 1351, darunter Ochsen 483, Bullen 67, Kühe und Färsen 805, Kälber "276, Schafe 131, Schweine 2651. Tendenz: Rinder langsam, bleibt Ueberstand, Kälber rege, geräumt, Schafe ruhig, geräumt, Schweine sehr gebrüeft, geringer 74—76 74-75 Mk. 93—96 91—95 35—40 30—34 Wenig gut entiuictelte Färfen Aettere ousgeniäslets Kühe unD wenig gut entwickelte jüngere Kühe . Mäßig genährte Kühe und Färsen . . ... 51 ä l bei chafe 20, Schweine 319. Marktverlaui: Im allgemeinen mittelmäßiges Geschäft, bei Prelle für 100 Pid. feinste Mastkälber . , PtttUere Plag- tinö beste Saugkalbsv . Geringere Ptast- unb güte Saugkälber Geringere vaugtalber ...... S ch a tt». Weidemaslschafs: SDlafllämmev und Maubaminel . . Dollfleischige Schweine von 80 —100 kg Lebendgewicht........ Votlfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht ....... Vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht Vollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht ic. Frankfurt a. M., 7. Ppril. Vollfleischige ausgemästete Färsen Schlachtwertes VoUfleischigs ausgemästete Kühe Schlachrwertes dis zu l Jahren . . „ . (Orig.-Telegr. des „Gieß. Shu/) 9lnttliche Notierungen der heutigen Frucht marktvrei se. fo. Frankfurt a. M., 7. April. (Orig.-Teleqv. Anzeigers".) Ka rt o f f el m arkt. Man notierte: in Waggons Mk. 4.00—4.50, im Kleinhandel Mk. 5.00—5^0, für je Ochse n. Vollfleischige, misgemästete. höchsten Schlachtwertes im Alter von 4—7 Fahren .... Tie noch nicht gezogen haben (ungejocht) . . Lunge, fleischige, nicht ausgeinästete und ältere misgemästete .... . . ..... B ul l e n. Vollfleischige, ausgew„ höchsten Schlachtw. . . VoUfleischtge, jüngere Fürs en-. Kn h Weizen (hiesiger» 2i).8n—21.00, Kurhessischer Mk. 20.80—21 00, Wctterauer Alk. 00.00—00.00. Roggen (hiesiger) Mk. 17.35 bis 17.4 >, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.00—18.00, Gerste, kranken, Pfälzer, Ried Pik. 17.u0-l-.00, Hafer Alk. 17.50—18.50, Mais Alk. 1 .\2? bis 15.7:-, 2-. eigeninebl 0 Alk. 32.50—32.75, Weizenmehl 1 Pik. 30.50—30.75, Weizeninehl III Mk. 27.25—27.5 >, Roggeu- mehl 0 Pik. 27.75—28.00, Roggemnehl 0 1 Aik. 26.50—26.75 RoggenwelK I Atk. 00.00-00.00, Weizenkleie Mk. 10.60-11.80, Weizenschalen Alk. 11.00—11.15, Roggenkleie Mk. 11.25—11.50, Malzkeiine Plk. 13.00—1 ‘..25, Biertreber 14.00—14.25, Raps Mk. Ou.Ou—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fleisch pr. Pirmd 84—100 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 94—98 Psg^ Lamnielfleisch pr. Pid. 70—96 - fg., Kartoffeln pr. loO Kg. 5.00 bis 5.50 Pik., Weißkraut das Stück <>0 bis 00 Psg., Zwiebeln per Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch das Liter 22 Psg„ Nüsse 100 Stück 50—6o Psg,, per Ztr. 0—00 Äk., Birnen das Pfund 12 bis 15 Pfg., Aepfel der Zentner 15 bis 25 Alk. Marktzett von 8 bis 2 ilfir. r.6. WkcSbaven. B' ehhol »Mar k tbe r icht vom 7. April. 9lu>trteb: Rinder -G (Ochsen 53, Bullen 0, Kühe 23), Kälber 37, Ochsen. Vollfleischige, ausgeinästete, höchsten Schlacht- wertes, 4—7 Jahre alt . die noch nicht gezogen haben (ungejochte) . . Junge fleischig«^ nicht ausgemästete und ältere ausgemästete ......... Bullen. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. Vollfleischige, jüngere Färsen, Kühe. Vollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachtw Vollfleischige ausgeinästeteKühehöchstenSchlach- wertes bis zu 7 Jahren wenig gut entwickelte Färsen ...... allere ausgemästete Kühe Mäßig genährte Kühe und Färsen .... Kalber. Mittlere Mast- und beste Saugkälber. . . . Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . Schafe. Stallmastschase: Mastlämmer und jüngere Masthammel . Schweine. S ch io e t ir Vollfleischige Schweins von 80—100 kg Lebend» gewicht 58-59'/? Vollfleischige Schweine unter 80kg Lebendgewicht 58-56'/,' Vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 59-601/, Dollflelschige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht ..............58-00 (In einem Teil der Auflage wiederholt.) CIGARETTE- Georg A.Jasmatzf AI Dresden Grösste deutsche Ciga re tten fahrt k e L rr Z5 3 3 2 s 2.» c a .i — » s o iS*51- --! m tiS CTS 2 rc D ra <-t 2 3 ^<55 3 S22 er 2 §3 s A-A ?n3S ■~'aS’w " ■ V O: - Z>gI i^S-2 io cd Sp n\ ra e> C'i? ra 3 ft n ra *DD ti zp. O^cos ZZ.Z ®@5 „ 7—CD O n J-i tos 0.2- rn «’^^’yoÖ 3$ O 03 tc. " 'S ~s> 11 SZ CD ist s 5 s -> a- CD " Cr EZ &?00 w K§LS. :. 2.A »So .— & 3 CP CD *"*■ CT ro — -3 CD r» ." ra » ? ro ST D e s? 'Z o Q orr- r» ®s P «O s g St ro CD «'Ib ^-ö"ro 53 D°sr tr ' <=<§■" er rn S ro *< Sa Z A Lk 2 _ Of S 2* <=r 2 e D S on S D 3t *<3 er ~ «1 O W - P ö J3 äs CD »» ra «O ■S.2. z*>x H 3 O 5 oE an —..CD er ^j- id® ~ 's ^MZE **X~K® ist _ j,S d; er । Ots -tt ra •-3 ZT.« -! ~8> h2 —• co£. S1?£S D 2.' o —-a» ° Ei an^ Sf 5 SS’ Z? 2- q !^rT. 3 5 S 3 ° 3 r^T #-i *"i 15b •— rj* D —S ,-y —-^ @H» V-.CD o «y an _ n o _* -2i ISv _£■»■ (g<53- 3 ra D ra rs s. 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