llr. Pb Drittes Blatt P3. Jahrgang Erscheint tkglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siehener Zamtlienblatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „«reirblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger Srneral-Anzeiger für Kberhefien Donnerstag, 8. Mai PsZ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univcrsitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=^51. Redaktion:e^E112. Tel.-Ad r.:AnzeigerGießen. •Oi Alson§ XIII. und -ie AnarchiftengesaKr. «Mfons XIII. von -Spanien ist mit bcnt Ministerpräsi- Bßnten Grafen R v m a n o n c v zum offiziellen Besuch beim Präsidenten Poincare in Paris angelommen und weilt auf -em für ihn so jährlichen Boden, auf dem er vor 8 Jahren fftn-em anarchistischen Attentat wie durch ein Wunder ent- Ä gtnfl-. Es war am 31. Mai 1905. Der junge König von M Spanien kehrte im offenen Wagen des Präsidenten Loubet, von aHot Seiten mit Mitttär umgeben, uin Mitternacht l I von eurer Galavorstellung der Grasten Oper zurück, die if Straßen waren prächtig erleuchtet: tausende von Passanten > winkten dem König zu, als plötzlich in der kürzen Rue de Rohan -eine Bombe in nächster Nähe des Wagens nieder- 4 ' beim Aufschlagen explodierte und mehrere Gardisten W oerlichte. Alfons XIII. und der Präsident der Republik, - ixt neben ihm im Wagen saß, trugen keine Verletzungen * -«von. Die Behörden gäben sich die erdenklichste Mühe, M die Täter ausfindig zu machen. Es wurden auch An- ij klagen erhoben. Aber das Beweismaterial genügte nicht s zAr Verurteilung. h... Der König von Spanien ist seitdem wiederholt das V'- Ziel von Anschlägen gewesen. So schon gleich damals im Zunr des nächsten Jahres, als Matteo Moran eine Bombe P giegen rhn schleuderte, 13 Soldaten mit) 11 Zivilisten tötete k? irnd Zahlreiche Personen verletzte, ohne den König zu treffen, r Kürzlich war es auch der Tischler Sancho Alegre, der einen taf vergeblichen Anschlag auf König Mfons verübte. Diese j Angriffe geschahen in -der heimischen .Hauptstadt des Königs. |i Dort sind die Behörden über die anarchisttschen Pläne besser , mrterrichtet als in dem viel größeren Paris, wo Alfons XIII. j: sich als Fremder und Gast aushält. Hier lauert aber die I NAevtliche Gefahr auf ihn, hier verfügen die Anarchisten Oer viel ausgedehntere Beziehungen und Hilfsmittel, t haben sie doch auch schon ganz offen eine Kundgebung Jis Men König Mfons veranstaltet. Die kommunistisch-anar- $ (Mische Föderation hat eine Protestversammlung in Paris | ebgchalten, wobei der Sekretär des Verbandes König Mfons \, als den Mörder Ferrers bezeichnete und die Genossen auf- - forderte, auf dem Wege, den der König nimmt, aus voller Lunge zu schreien: „Mörder! Mörder!" ft w HTÄ05 * ; Die erloschene Weltkugeln zu neuem Leben erwachen. Erst im Lause der letzten Jahre hat das Spektroskop uns vfsen- S" u In LÄn ungeheuren Raunr und im, Laufe der unendlicheir ?Lr- schütterung ihres Zusammenstoßes einer anderen Welt das Leben geben, und so setzt sich dieser Kreislauf kosmischer Existenzen bis ins Unendliche fort. * — Gustav Bläser, wohl der begabteste Bildhauer ans der Schule Rauchs, dessen Werke nicht nur die Reichshauptstadt schmücken, sondern selbst im Ausland der deutschen Kunst Achtung erzwungen haben, — die nordische Dichterin Friederike Bremer knüpft eilte ihrer Novellen an die von Bläser geschaffene Kolossal- statne des Apostels Matthäus in der Kirche von HelsingsorS an, — ward am 9. Mai vor 100 Jahren geboren. In Berlin befindet sich von ihm außer einer Statue der Gastfreundschaft in ber, Nationalgalerie eine Gruppe auf der Schloßbrücke, „Pallas schützt den Krieger im Kamps", die wertvollste aller Gruppen, die diese Brücke schmücken. Für Potsdam hat er verschiedenes geschaffen, für Köln die Reiterstatuen Friedrich Wilhelms III. und des IV Wie glückliche Erfolge dieser Meister hatte, beweist die Tatsache bat; ihm eine Bildnisstatuette der 5kaiserin von Rußland zu Pferde so gut gelang, daß er sie nicht weniger als siebenmal zu wiederholen beauftragt wurde. Bläser .war Rheinländer, in gehören, von der die Polizei durch Briefe Kenntnis erhalten habe, die in Barcelona, in Paris sowie bei den in Montpellier fcstgenommenen Anarchisten beschlagnahmt worden seien. Aus Hessen. Aus dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer. bs. Darmstadt, 7. Mai. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute seine Beratungen mit der Regierung fort. Anwesend waren die Minister v. Hombergk und Dr. Braun. Es wurde der Gesetzentwurf über die Aufbringung der Kosten für die höheren Schulen durchgesprochen und dabei die Belastung der einzelnen Otte, an welchen sich höhere Schulen befinden. Nicht allein von den städtischen Vertretern, sondern auch von den Vertretern der beteiligten Gemeinden wurde auf die außerordentliche Belastung durch diese Konftenübernahüie hin- gewiesen, welche in kleineren Orten eine Steuererhöhung bis zu 12 Prozent zur Folge haben würde. Die Regierung berief sich darauf, daß eine Neuregelung der Kosten der höheren Schulen von den Kammern verlangt worden sei, und daß dem durch die Gesetzesvorlage entsprochen werden solle. Von verschiedenen Seiten wurde auch darauf hingewiesen, daß eine Belastung der Gemeinden mit höheren Schulen jetzt nicht mehr angängig sei, nachdem die Belastung der Landgemeinden mit den Kosten der Volksschulen weggesallen sei, und der neuen Besoldungsordnung diese Einnahme nicht m'eljr zugrunde liege. Die einzelnen Besttrnmungen der Vorlage wurden dann mit der Regierung erörtert. Endgültige Beschlüsse wurden aber noch nicht gefaßt, weil erst die übrige Gestaltung der Besoldungsvorlage abgekartet werden müß. Nächste Sitzung Donnerstag vormittag. Auch der Ausschuß für Aenderung der Geschäftsordnung hielt heute eine Sitzung ab. Die Kapitel 1—60 der Vorlage wurden durchberaten. Es ergaben sich bei der Diäten- frage und bei der Präsidialgewalt Meinungsverschiedenheiten. Diese beiden Punkte wurden daher ausgesetzt, da einzelne Mitglieder erst mit ihren Fraktionen Rücksprache nehmen wollen. Endgültig wurde beschlossen, das Plenum auf Dienstag, den 2 0. Mai, einzuberufen. Dieser Tag und der folgende Mittwoch sollen zu Sitzungen benutzt werden, während ber Donnerstag (Fronleichnam) sitzungsfrei bleiben soll. Am Freitag iirirb dann der Ausflug nachO Hertz'ess en unternommen. Der Geschästsordnungsausschuß wird am 21. Mai, vormittags 9 Uhr, seine nächste Sitzung abhalten. politische Tagesschau. Um ein Schinkenbrötchen. In Elsaß-Lothrin gen ist ein Streit um ■— ein Schinkenbrötchen ausgebrochen. In ber ihm eigenen Weise krilästerte in der Zweiten Kammer der Zentrumsabgeordnete Brogch die Haltung des nicht klerikalen Teils der Bolksschulletzrer. In einer katholischen Volksschule habe ein Lehrer am Freitag in der Pause ein Schinkenbrötchen vor den "Augen der Kinder verzehrt. Auch der Frakttonschef, der Abg. 5muß, gab fernen gepreßten Gefühlen über diese schauerliche Szene lebhaften Ausdruck. Auf den EinNumd des sozial- demokrcttischeu Abgeordneten >Emmel, auch ZentruMsabge- ordnete hätten einmal an einem Freitag bei der Besickfti- gung einer Zuckerfabrik Schinkenbrötchen gegessen, erwiderte der Zeutrnmsführer 5-auß, wenn der Abg. Emmel nur eine blasse Ahnung hätte von den kirchlichen Vorschriften der Katholiken, so wurde er wissen, daß in dem Augenblicke, wo der Katholik sich von seinem Anfenthaltsort entfernt, diese Vorschriften nicht mehr gelten. 9'cun kömmt die „Straßb. Post" und ist so grausam, dem Abg. Brogty das Schinkenbrötchen aus der Hand zu nehmen. ^Es war nämlich gar fein Schinkenbrötchen, sondern ein Lachsbrötchen: der Denunziant hatte nicht scharf genug htugeschaut; geräucherter Lachs ist aber am Freitag erlaubt. Es ist gut so; denn sonst hätte das Zentrum im Reichstag anfragen müssen: „Ist dem Herrn Reichskanzler betannt, daß im Oberelsaß ein katholischer Lehrer, der dem „Mlg Deutschen Lehrerverband^ angehört, am Freitag ein Schinkenbrötchen gegessen hat?" Düsseldorf geboren, und hätte ein echt rheinrsckies, ungemein liebenswürdiges Temperament, das sich überall einen großen Freundeskreis erwarb, so auch während seines italienischen Studienjahres 1845, wie man aus Adolf Stahrs Buch „Ein Jahr in Italien" ersetzen tann, wo Stahr wiederholt des „jungen rfyeiinfchcn Bildhauers Bläser" gedenkt, der unter seinen Künstlergenosstn den .üneipnamen „Ian Steen" führte: auch Stahr rühmt dort sein .liebenswürdiges Wesen. Ludwig Pietsch berichtet von ihm daß er „nn Gegensatz zu vielen Männern von älpt(id)cm Naturell cm fest und zäh ausdauernder Arbeiter war. Wenn er sich in fein Werk verbissen hätte, vergaß er alles andere darüber, kannte keine Ermüdung, kein Bedürfnis nach einer Ruhepause. Aber gern ergriff er auch andererseits die Gelegenheit, fröhlich mit ben 'Genossen zu sein, von Zeit zu Zeit ein ihm ans der Heimat säirdtes Fäßchen reinen, echten Traubensaftes vom' Rheine in der Werkstatt aufzulegen und seine Kollegen aus den anderen Nachbar atclwrs, seine ^ckchlcr und Freunde einzuladeii, ihm bei dessen Leeren behilflich zu sein. Seine Trinkertaten, seine mannigsacheii lustigen Erlebnisse und Abenteuer, die im Zusammenhänge damit standen,Znldeten den Gegenstand mancher damals viel verbreiteten Atelier-Sagen, die der Mund der Gipsfonner, Modelle und Marmorarbeiter, fie vergrößernd, erzählte. Aber nie haben selbst Neid und Klatschsucht Bläser eigentlich Schlimmes, Unedles, Ost meines oder Kleinliches nachzuiagen gewagt. Die Güte und xxmn loitgfcit Ieines Gemüts entwaffnete jeden." Am 20. April 1874 starb Blafer zu Kannstatt. — .Welt-Ausstellung für B u ch gewerbe und Graphik in Leipzig 19 14. Soeben ist eine kleine illustrierte Broschüre erschienen, die einen allgemeinen orientierenden Ueberblick über die Bedeutung und über die Ziele der Ausstellung geben soll. Die Broschüre behandelt in großen Umrissen öic Jbee, .die der Ausstellung zu Grunde liegt, schildert die groijc Anteilnahme, die man ihr von allen Seiten entgegen bringt, Beteiligung des Auslandes, der Jndnsttie mit) bei- großen Fachverbande. Auch die innere Orqanisatioii ber Aus- tellung, die Einteilung m eine kulturhistorische uub eine fach- echnische Mei ung, nebcu .de r Die eigentliche Industrie auftritt ferner das Gelaiwe nut feinen riesigen Hallen und Anlagen ist in kurzen Zugen behandelt. J " ", Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- Ichast. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekamp LJ1 ü der G e) cble ch tsIrankheite n veranstaltet ibi • ^ahresverfanttnlung diesmal am 20. und 21. Juni au- Milan der ^akirhunbettausstellimg in Breslau. Die (i() Bei ! n mm lung mittelrheinischer A e r z t e wird am 18. Mai ui Bad Kreuzn a ch abgehalten. vtrsammlmig hejftscher vergwertL-betriebLleiter. Gießen, 7. Mai. Die im yoiel „Viktoria" in (ließen abgehaltene Versa nr in I u n g der hessischen Betriebsleiter war die erste in diesem Jahre. Es umreit fast alle Brrgbanbetriebe uno Unternehmungen vertreten Bergrat Kö brich gab in längeren ^bussühnnrgen an Vonb der von der Geologischen Landesanstatt neu hcransgegebenen Blätter Gießen und Mendorf einen Uebcrolick über den gcotogisüien Ausbau des durch die Matter barg-stellten Gebiets und wies auf die Unterschiede und Vorzüge der im Maßstab 1:25 000 kartierten neuen geologischen Aufnahnw gegenüber der alten des mittel rheinischen geologischen Vereins int Maßstab 1:50000 hin. «Etwas naher ging der Vortragctidc auf die den iKOifdu'ii Bergmann stark interessierende, noch keineswegs ganz aufgeklärte Frage der Entstehung der Eifettsteinlager und ans die mit dieser Frage in ursächlichem Zusamtnetchang stehenden tcfto nischen Erscheinungen des Bogel sberges und seines Vorlandes ein. 3it unterscheiden ist zwischen den an den devonischen Stringoce- plwlenkall gebundenen Eisen und Manganerzlagern der Lindner Mark bei Gnchen und den gleichaltrigen Lagern bet Rosbach v. d. S?. einerseits und den Basalteisensdeinlagern des Vogelsberges anderer seits, die jüngeren Alters sind. Schließlich' wurden auch noch kurz die ix>r, ztvischen und nach den Basalteruptionen des VogelS- bergcs entstandenen Braun kohle na bla gerungen erwähnt, deren größte und jüngste die von Inheiden bis Bauern ifftrn reichende Ablagerung der Wettern» ist. Tas; die Miueralschähe Hessens auch wirtschasttich niÄ ohne Bedeutung sind, zeigte der Vortrag von Bergnarttnann scheerer, der das Wichtigste aus J>em Jahresberichte der Groscherz oglichen Bergbehörden für das Jahr 1912 bekannt 9cb- standen in diesem Jahre 44 Werke mit einer durclrschnittlichen Belegsckxtst von 2250 Arbeitern unter bergbehördlicher Aufsicht. Tie Prvdulrion an Eisen- und Mangam 4Ticn belief sich aus 399 222 Tonnen im^Werte von 3 867 747 Mark, die an Braunkolsten ans 393 730 Tonnen int Werte von 725570 Ms.: außerdem wurden 17 787 Tonnen Salz im Werte von 571917 Ms. erzeirgt. Bon dem Wert von 5,1 Millionen für die genannte Produktion werden 2 643 000 Mk., also rund 52 Prozent, als Bruttolohn für die beteiligten Arbeiter und Besntten wieder aufgewendet. Aus der Lohnstatistik des Jahres 1912 geht hervor, daß der durchschnittliche Nettoverdienst der eigentlichen Bergarbeiter gegen das Vorjahr gestiegen ist. Der Tagesverdienst betrug für einen unterirdisch beschäftigten Bergmann im Braunkohlenbergbau 4,17 Mk. gegen 4,15 Mk. im Vorjahre, für einen im Taaebau besänftigten 3,61 Mk. gegen 3,55 Mk. int Vorjahre. Bei den Eisenerzbergleuten die int Durärsäntftt eine um 0,7 Stiuiöcn kürzere Sckstcktzeit hatten, lauten die entsprechenden Zahlen: 3,87 .3,80, Ml. und 3,13 (3,03) Mk. - Schließlich wurde noch das Ergebnis des bei der Schuiabteiluug gestellten Antrages, die Unterrichtszeiten in den Fortbildungsschulen einheitlich zu regeln, bekannt gegeben. Die Gießener Kreisschnlkimrmissiou hat sich auf einen ablelmenden Standpunkt gestellt Tagten befürwortet sie die Anregung, die schulpflichtigen Arbeiter eines Betriebes der Schule der zunächst- gelegenen Gemeinde zuzuweisen, und ferner, auf größeren Betrieben eigene Fortbildungsschulen einzurichten. Es muß daher den Bergbautreibenden überlassen bleiben, unter Umständen gemeinsam einen der vorge^eigten Wege zu beschreiten. Die Nieöer-Msdauer Genosfenschaftskrise. bs. T a r in stadt, 7. Mai. In dem Prozeß gegen Adam und Genossen wurde zunächst der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Zeuge Lehrer Vogel, der bisher- unvereidigt bneb, teilweise vereidigt. Tie Verteidigung Isaaks benennt noch 23 weitere Zeugen, die über Geschäfts beziehungert und Charaktereigenschaften des Angeklagten Auskunft geben sollen. Tie Verhandlung wendet sich dann speziell der gegen Isaak gerichteten Anklage zu, die auf schwere Hehlerei lautet. Es wird dem Angeklagten, wie bereits früher, auch heute der Vorhalt gemacht, wie er denn die Wechselbeziehungen Pallmanns zu NieDer-NioDau gedeutet habe. Aus verlesenen Briefen geht auch deutlich hervor, daß Isaak von dem 'Vor- handenfem von Blankowechseln gewußt haben müsse, daß iym solche sogar selbst, übergeben wurden. Daraus hatte er unbedingt erkennen müssen, daß hier unlautere Geschäfte gemacht werden. Demgegenüber kommt Isaak immer wieder aus seine früheren Ausführungen zurück, die dahin gehen, daß ihm Pall inann stets gesagt habe, er (Palimann hätte der Nieder-Pdodauer Kasse viele OkfäUigfeiten erwiesen, und diese set ihm deshalb verpflichtet. Für ibn habe keine Veranlassung bestanden, die Art dieser Berpftichttingen näher zu untersuchen. Mit besonderem Nachdruck hebt er auch hervor, daß er bei diesen G? schäften etwa 900 000 Mark ein gebüßt habe. Ter Beisitzer .stonrabt hält ihm vor, ob er denn das Oftmoffensckaftsgesetz nicht kenne, daß derartige große Wechfelgeschäste verbietet. Isaak behauptet, hiervon keine Kenntnis zu haben. Neue Zeugen wurden heute nicht vernommen. Wie heute verlautet, lvird sich die Verhandlung noch bis weit in den Juni hinein erstrecken. Tie Sitzung wird um 1 Uhr abgebrockwn. Fortsetzung morgen. verband reifender Kaufleute. Tort m und, 5. Mai. Der Verband r e i fe n b c r Kaufleute Deutschlands hielt vom 1.—4. Mai hier seine Hauptversammlung ab, auf der auch die Sektion Gießen vertreten war. Auf das verflossene Geschäftsjahr kann mit Befriedigung zurückgesehen werden, verfügt der Verband doch über ein Verwögen von 5 521594 Mark bei einem Mitgliederbestände von 12 324 ordentlichen, sowie 2981 stiftenden und außerordentlichen. Die Verhandlungen gipfelten in folgender Entschließung: Die Generalversammlung des Verbandes reisender .Kaufleute Deutschlands erklärt: 1. Sie erblickt in der Ausbreitung des a m er i k a tt t s ch - e n g l i s ch e u 3 i g a r c 11 e n t r u ft c 5 in Deutschland eine schwere 'Gefahr für die Handlungsrcisenden und .'Handelsagenten der Tabakbranche, hält den Kamps gegen diese Ausbreitung für eine wirtschaftliche Notwendigkeit und beauftragt die Verbandsverwaltnng, an der Agitation gegen die Trttst- finnen teilzunehmen und ihnen in Zukunft die Spalten unseres Fackwrgans zu verschließen. 2. In Sachen der Konkurrenz- klanscl wird die von der Regierung in Vorschlag gebrachte sogenannte „bezahlte Karenz" gutgeheißen, daneben aber eine zeitliche Beschränkung aus höchstens 2 Jahre, soweit das Verbot einer örtlichen Beschränkung über ganz Deutschland und eine sachliche für eine ganze Branche in allen ihren Zweigen gefordert. Sic soll Unzulässig fein bei einem Gehalt unter 5000 Mark. Auch soll es dem Richter überinnen sein, zu prüfen, ob an der Geltendmachung der Klausel ein Interesse auf feiten des Arbeitgebers vorhanden ist. Die sogenannte „kleine Konkurrenzklausel" ist zu ocriverfen. 3. Tie auch vom Verband reisender Kaufleute Teuftchlands schon vor mehreren Jahren gestellte Forderung auf gesetzlicher Grundlage einen Z lv a n g s v e r g l e r ch außer- 2. Qual. 450—525 Mk. B Qual. 300—425 Mk.: junge Rinder ,2—3 , jährige leichtere Tiere 140 bis Verwarnung am Platze gewesen, zumal der Hundebefttzer es. 500 Meter von der Ost-Anlage wohnt und sich das Hündchen en diesem Tage verlaufen haben muß." Singeßandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen. Dem Einsender wurde am 14. März sein ",'i Jahre altes gelbes Tackelchen zur Anzeige gebracht, weil es frei und ohne Auf ficht in den gärtnerischen Anlagen (Ost-Anlage) hcritm- gelaufen fei. Dem Hundebesitzer wurde' ohne vorherige Mit- teilung der Strafbefehl in Höhe von 4,10 Mark am 28. April zugestellt. Da die Stadt von jedem öunb, und hier auch von diesem .Hündchen, pro Jahr 10 Mark Einnahme hat, so wäre wohl hier eine kleine Gegenleistung in Form einer erstmaligen halb des Konkursverfahrens herbeizuführen, wird von neuem an die hohen gesetzgebenden Faktoren des Reiches gerichtet. Wir versprechen uns von ihr große wirtschaftliche Vorteile, die in der Billigkeit und Schnelligkeit des Verfahrens, in der vorteilhaften Verwertung der Masse, in der Beseitigung schädigender Ausverkäufe und Versteigerungen, in der wirksamen Zügelung sogenannter Akkordstörer und in der Erhaltung der Existenz des Geheimschuldners bestehen. Sie erwartet, daß die holte Reichsregierung dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf zugehen läßt. 4. Wir legen im Namen der Ehre uitb des Ansehens des deutfcheil Eiaufmannsstandes Protest gegen die Maßregelung ein, die darin besteht, daß es den Handlungsreisenden, auch wenn sie die. Kaufmannschaft wie üblich erlernt haben, verböte n wird amtlich den Titel „Kaufmann" zu führen, während nicht gelernte Leute, wie ehemalige Handwerker, Kutscher, Handarbeiter nsw., die ein Geschäft kaufen, diese Bezeichnung führen dürfen. Wir fordern, daß uns die Bezeichnung „Kaufmann", auf die wir. stolz sind, auch bei amtlichen Einträgen erhalten bleibt, wenn auch mit der Nebenbezeicknung, die ergibt, daß es sich um einen nickt selbständigen ^Kaufmann handelt. Wir hoffen damit die Zustimmung aller Standesgenossen, auch der selbständigen Kaufleute, zu finden, die etwas ans ihren Stand halten. Märkte. th. Sietzen, 7. Mai. Ter dieswöckentliche Rindvieh- ma rkt hatte einen Vorrat von etwa 1000 Stück Großvieh und 400 Jungtieren und Kälbern. Ter Dorlmudel, der schon am Sonntag einsetzte, beschränkte sich auf Milchware, darunter besonders auf schwarzbunte ostfriesländifche Kühe, und der Handel darin war bei sehr hohen Preisen am Montag sehr bedeutend. Trotz der starken Kontrolle der Marktpolizei läßt jicf) bei einem Zuchtviehmarkt der Vorhandel nicht aus der Welt schassen, eS sei denn, daß man hinter jeden Ein und Verkäufer einen^Schutzmann stellt. Tie Handelsleute erklären, es liege int Jnterefse des Viehes, daß es, fobald es am Markt ist, in andere Hände übergeht, damit cs so schnell wie möglich wieder in geregelte Stallverhältnisse kommt. Am gestrigen Markt war das Geschäft in allen Viehgattungen flauer als sonst, das wird Darauf zurück- füljrt, daß in den Großstädten die Bevölkerung nicht nur den Fleischkonsum, sondern auch den Genuß von Milch einschränkt. Auch liege noch kein großer Bedarf für die Badeorte vor, deren Besuchszahl infolge der Witterung sieh nicht recht entwickeln will. In (enteret Beziehung hofft man nach Pfingsten Wandel zum Besseren. Tic Preise für Milchkühe schlugen durchschnittlich gegenüber dem Erlös des letzten Marktes um 10—15 Mk. das Stück ab. Jungtiere behaupteten ihren Preis, ebenso die ivenigen Stücke Rinder, die am Markt waren, dagegen schlugen fette Kühe, die stärker vertreten waren, um 2—3 Mk. der Zentner ab. Kälber waren seit langer Zeit verhältnismäßig wohlfeil zu haben, weil der Vorrat darin über Den direkten Bedarf hinausging und weil die Frankfurter Einkäufer nur geringes Interesse Dafür hatten. Bezahle wurden für das Stück: Frischmelkende und tragende Kühe 1. Qual. 550—650 Mk. einzelne Tiere bis 680 Mk.!, Fay’5 ächte Sodener fflineral-Paittnen werden aus den Heilquellen III u. XVIII der Gemeinde Bad Soden am Taunus hergeflellt, die sich seil Jahrhunderten bei Butten, Beiferkeit, Bronchialkatarrb vorzüglich bewährt heben. Hacb Pfg. per Sehechtei, tibenll erhältlich- Wetterschau. Tie mittleren Tagestemperaturen steigen int Mat von rund 11 Grad am 1. ds. Mts. auf 17 Grad art 31. an. Wie in allen Monaten ist auch im Mai der Anstieg nickt gleichmäßig, sonderit von gelegentlichen Kälterückfällen unterbrochen. In den meisten Gegenden Mittel und Süddcutschlands sind es gerne die Tage vom 15.—17., deren Normaltentperatur einen merklichen Rückgang aufweist. Gerade im Mai können Kälte- rüdfälle sehr schädlich werden, da ein verhältnismäßig geringes Sinken der noch niederen Temperaturen Frostbildung hervorruft. Int Juni sind noch stärkere Rückfälle die Regel, dock liegt in diesem Monat die Temperatur schon so hoch, daß auch ein starker Rückgang keinen Frost hervorruft. Man führt diese Unregelmäßigkeiten int Wärmeanstieg ^auf die großen Temperaturgegensätze zurück, die fick zwischen Süd und Nordeuropa bilden. Während in niederen Breiten int Mat schott Sommertemperaturen herrschen, hat Nordeuropa kaum den Winter hinter sich, besonders die Meeresgebiete um Island, in die von Norden kommende Eisberge einbringen. Temperaturgegensätze aber schassen Truckunterschiede, die bei genügender Stärke zu gewaltsamem Ausgleich führen, so daß südlicher Lufttransport und Wärme von nördlicher Luftströmung und Kälte abgelöst wird. Ter deutsche Mai weist folgende Monatstemperaturen aus: Aachen 13.0 Grad. Berlin 13.8 Grad, Hamburg 11.7 Grad, Helgoland 9.8 Grad, Frankfurt a. M. 14.0 Grad, Karlsruhe. 13.9 C9r ab, Straßburg t. E. 13.7 Grad, Stuttgart 14.1 Grad, Bromberg 12.2 Grad, Königsberg 11.0 Grad. Der Gegensatz zwischen dem llimatisck bevorzugten badischen Rheingebiet und der Nordseelüste betrügt im Monatsmittel über 4 Grad, im einzelnen Falle noch erheblich mehr. Ter Mai des äußersten Norddentschland ist fthr unfreundlich und rauh und wenig für Erholungsbedürftige geeignet. Der Helgoländer Mai cntsprimt einem Stuttgarter oder Karlsruher April. Unsere Mittelgebirge seien durch Brocken, Feld- berg (Taunus) und Schneekoppe gekennzeichnet mit bezw. 5.3 Grad, 8.3 Grad, 2.9 Grad Wärme. — Tas 65 r o ß Herzog t u m H essen zeigt solgende Wärmcoerhältnifte: Darmstadt 13.7 Grad, Gießen 13.1 Grad, Bad-Nauheim 12.9 Grad, Mainz 11.4 Grad, Offenbach 13.5 Grad, Michelstadt 12.2 Grad, Schotten 12.3 Grad, Worms 14.4 Grad, Alzeh 12.9_ Grad. Fast alle Stationen zeigen einen Kälterückfall in den Tagen hont 16.—20. Die Anzahl der Sommer tage beträgt int Mai int Mittel 4—5. Das Jahr 1868 hatte die außerordentlich hohe Zahl von 21 Smnmertagen. Fro st kommt nur ausnahmsweise alle 5—6 Jahre vor. Die durchschnittlichen Regenmengen sind größer als im April. Der Mai leitet zu Den bei uns gut ausgeprägten Sommerregen über. Gewitter treten durchschitittlich an 3—4 Tagen ein. Ter Monat März hatte in seinen letzten Tagen eine Reche und Stiere für Zuchtzwecke, 1 _ 160 Mk., schwere Ware 180—220 Mk. Gehandelt wurde der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 87—89 Mk. ivereinzelte schwere Stücke bis 93 Mk.,, sctte Kühe 1. Qual, waren nicht am Markt, gute 2. Qual. 78-80 Mk., 3. Qual. >Wurstkühe) 72 bis 74 Mk.: Kälber 1. Quak. 87—89 Mk., 2. Qual. 82—85 Mk., sonniger Frühlingstage gebracht. Auch in den ersten Apriltagen blieb die Wärme über dem Tirrchschnitt und trieb Die Vegetation zu frühzeitiger Entwicklung. Als Dann aber gegen Den 9. d. Mts. ein nördliches Hochdruckgebiet nach Dem westlichen Meere wanderte und einen Transport kalter Nordwesttvinde herstellte, sank in ganz Deutschland die Temperatur ungewöhnlich tief. Am Morgen des 10. April hatte sich zudem ein kräftiger Luftwirbel über der nördlichen Ostsee eingestellt, bei Die Zufuhr norwestlicher Luft- massen noch verstärkte. Von Nordwesten her brach im Lause des Tages eine Kältewelle ein, die bis zum Morgen des 11. auch SüddeutschianD erreicht hatte. Fast überall gingen Schneefälle nieder, Die in Den Mittelgebirgen von 700 m ab eine geschlossene bis 50 cm tiefe Schneedecke her {teilten. Sonntag Der 13. war für den Wintersport, Der im vergangenen Winter wenig zur Geltung gekoimncn ist, ein hervorragender Tag, eine frühlingswarme Sonne sttahlte über einer idealen Pulverschneedecke. Im Flachland aber traten jetzt starke Fröste ein, die Der früh zu Blütcnbildung entwickelten Vegetation sehr schadeten. Tre stärksten Fröste kamen in Den Tagen vom 12.—15. vor. ■ Ostdeutschland hatte schon am ersten Tage Temperaturen Don 6—8 Grad Kälte, die sich am 13.. 14., 15. wiederholten. Auch Süd- und Mittel deutschland brachte es auf 1—6 Grad Kälte. Frankfurt am] 13. —4 Grad, Trier —6 Grad am 14. Vom 18. ab war ganz Deutschland wieder srostsrei. Als sick Dann hoher Truck über Rußland bildete, drangen warme südliche Luststtömungen über Deutschland vor und brachten in Den letzten Aprilragen einen jähen Wärmeanstieg. Am 28. lagen in vielen Gegenden Deutschlands schon die Morgentemperaturen sommerlich hock, bet 17 bis 19 OkaD. Ebenso am 29. und 30. nachmittags wurden 25 Grad überschritten, so daß der vergangene ’Äbril bereits 3 Sommerlage aufweisen konnte, während 14 Tage früher noch Eis und Scknce geherrscht hatten. Die letzten 3 Apriltage waren die luärmftcn feit 60—70 Jahren. Ebenso wie auf die ungewöhnlich warmen Märztage ein jäher Kälterückfall folgte, so hat der beginnende Mai auch bereits einen raschen Temperaturrückgang gebracht. Der sich erfahrungsgemäß in der ersten Maihälfte noch verschärfen dürfte ____________ __________________________________ 3. Qual. 79 - 81 Mk. Der Markt hatte seit langer Zeit bei frühem Schluß, Der wohl auf die falte Witterung zurückzuführen war, einen kleinen UebcrftanD an geringwertigen Kühen. Ter nächste Markt ist am Mittwoch, 21. Mai, und Donnerstag, 22. Mai l Schweinemarkt). — Nidda, 7. Mai. Aus Dem heute hier abgehalteueii Ferkel- markt waren trotz des verhältnismäßig hohen Austriebes von beinahe 550 Stück Die Prelfe sehr hoch, Tas Paar 9 bis 10 Wochen alte Ferkel kostete 60—65 'SIL; sogar 5 Wochen alte Tiere wurden das Paar zu 50 Mk. verkackt. Manchem Kaustiebhaber waren die Preise zu hoch und et zögerte mit dem Einkack. Trotzdem wurden saft olle Zückter ihre Ware los. Für fette Schweine bieten gegenwärtig Die Metzger 63—70 l'fg. für das Pstind Schlachtgewicht. Hoch sind auch die Preise für Milchkühe und Zuchtkälbea. Ter Preis von 550 Mk. für eine junge Kuh ist in unserer Gegend keine Seltenheit mehr. L. Zriedberg, 7. Mai. Ter heutige sDi a r T t war der schlechten Witterung wegen nicht gut besucht. Ter Viehmaric mar mit über 1000 Schweinen befahren. Viele Käufer hatten sich ecngefunden unD der Handel war lebhaft. Tic Preise waren l-och. Fcrftl kosteten 35—40 Mk. das Paar, Springer kamen auf M—60 Mk. und Läiifer auf 60—70 Mk. Da» Paar zu stehen Um 12 Uhr war so ziemlich alles verlaust; der Vieh markt wurde ebenfalls geräumt. Ter KräMerma r ; t war schlecht, nur der G cmüse markt für Händler und Käufer gut. d. herchcnhain, 6. Mai. Ter Walpurgismarkt war des Vormittags als Schweinemarkt gut besucht und ist auch, an Handel gut verlaufen. Der Kr ämerrna r f t am Nachmittage Dagegen war mangelhaft. Trotz Der schleckten Witterung wurden 443 Schweine aufgetrieben, während im Vorjahre die Zahl übet 500 betrug. Der vorwiegende Auftrieb waren Ferkel: Läufer waren es weniger. Fette Schweine waren keine vorhanden. Tie Preise standen folgendermaßen: für geringste Sorte das Pae-x 55—60 Mark, etwas bessere 60—70 Mark, mittlere 70—80 Marl und die besten 80 — 100 Marl. Hiervon waren schon viele als Läufer zu bezeichnen. "Tic zeitweise UnfäbiflEcit zur Fassung eines klaren Gedankens beruht vielfach auf mangelhafter Blulzirlülativn und nicht zuletzt auf schleckt gepflegter Kopfhaut. 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