Nr. 32 tttoetm täglich mit Ausnahme W Srnrntag«. Di» «eitfiener SamiUendlLtter" werden dem ,$lngetflere etermal wöchentlich betgelegt da» „Erebblati tot den Kreis tiiefccn“ zweimal Wöchentlich. Die ^LanVwtrtlchastltchev Selb tragen- erscheinen monatlich zweimal. Freitag, 7. Februar 1913 163. Jahrgang Gießener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Gberheffen ötotattonsbnid an» vertag der vrüblicher UnwersUätS - Buch, und ©tetnbrudttet «. Bangt, ©u&en. Redaktton. Expedition und Druckerei! Schul- strotze ?. LrvedtNon und Verlag: e=^6L Redaktion:112. LeU-Adr^ ÄnzeigerGreben. (Bravo!) Abg. Dr. Braband (93t).): Für die Erweitern» Kanals werden als 7. “xt: _ terunß des Kaiser Wilhelm- . Rate 56 Millionen Mark ausgesetzt. Unsere Wähler sollen überzeug: sein, ob wir auf der rechten oder linken Seite des Sauses sitzen, baß wir die unbedingte Notwendigkeit eines Vorgehens in dieser wichtigen Frage anerkennen. Das preußische Wohn ungsgc setz genügt auch nach unserer Auffassung nicht. Hoffentlich tritt die Wohnungskommission bald zusammen. Wir wollen Schluß machen, an die Arbeit gehen, denn dec Reichstag hat die Pflicht und Schuldigkeit, den Etat zur rechten Zeit fertigzustellen. (2eB= Hafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Freitag 1 Uhr: Weiterberatung und Justizetat. Schluß 7 Uhr. nalflugspcnde wird mir das bestätigen. Abg. Gras Posadowsky nickt zustimmend. Absolut ungebildete Leute steigen auf, die ihre Apparate gar nicht kennen. Wer das ein« maf mit angesehen hat, ist von der absoluten Notwendigkeit durchdrungen, hierüber Bestimmungen zu treffen. Damit mutz auch die Frage der Haftpflicht geregelt werden. Auch den Uebelstanden, die sich beim Automobilbetrieb herausgestellt haben, sind wir erst entgangen, seitdem toir die richtigen Chauffeure haben. Schon vor zwei Jahren hat das Reichsaint des Jnstern ber sämtlichen Bundesregierungen entsprechende.Vorsorgemaßregeln anaeregt, um das Publikum nach Möglichkeit zu sichern. Der Deutsche Luftfahrerverband hat dann die Aufgabe übernommen und umfanareiche K o n t r o l l v o r s chr i f t e n ousge- arbeitet. So ist das Publikum wenigstens autzerhatt, der Flugplätze gesichert. Ganz so schlimm liegen d,e Tinge auch wirklich nicht. Tas Kuratorium der Nationalflugspende hat die Bedeutung der Frage wohl erkannt. Es sollen nur noch Leute zugelassen werden, die ihren Flug durch und durch verstehen. Der Gesetzent- wurfwird bald kommen, allerdings wird ein großer Teil der Bestimmungen im Verordnungswege erscheinen. Wir Wüllen aber immer bedenken, daß wir unser ^lugwefen Nicht unterbinden, sondern fördern wollen. (Beifall.) Eine Resolution der Budgetkommission fordert, daß Bet der Ausschreibung öffentlicher Arbeiten bie 93 oc ar Betten so sorgfältig durch geführt und in den SuBmissionsBedingungen sc genau angegcBen werden, daß die Submittenten in der Lage sind, angemessene Gebote abzugeben. Die Resolution wird angenommen. Die Wohnungsfrage. Im außerordentlichen Etat werden insgesamt 4 Mill. Mark zur Förderung der Herstellung von Kleintooh- nu n g e n für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Staatsbetrieben, durch Gewährung vor Darlehen an Private, Bauvereine usw. gefordert. ... Eine Resolution der B u d g e t k o m m t s s i o n fordert rur den nächsten Etat Erhöhung dieser Summe. Eine andere Resolution verlangt, daß das Reich in Verbindung mit den einzelstaatlichen Regierungeii unter gewissen Bedingungen die Bürgschaft übernehmen soll für die zweiten Hy p o t he - ken der KleinwohnungSbuisteii gemeinnütziger Baugesellschaften im Bereiche von £0 bis 90 Proz. des Gesamtwertes von Boden und Bauwerk. Ab. Göhre (Soz.). Die Bestrebungen des Reichstags auf Inangriffnahme einer wahrhaft großzügigen Wohnungsgesehgebung sind leider ohne Erfolg geblieben, lediglich durch dieSchuldPreußens. Soll der preußische Entwurf nur eine Pression auf den Reichstag und ein Köder für die Landtags Wahlen fern?. Wir dürfen trotz dieses Entwurfes im Reichstag nicht die Hande in den Schoß legen. Tie Wohnungskommission wollen wir nicht auflosen. Sie soll weiter als Stachel wirken. Abg. Graf Posadowsky (b. k. P.): Mit Rücksicht auf das preußische Wohnungsgesetz werden wir ein st weiten von einem Reichswohnungsgesetz a b s e h e n können. Wir müßen aber darauf zurückkommen, wenn das preußische Gesetz nicht eine Gestalt bekommt, die den Bedürfnissen entspricht und, falls das Gesetz zwar in befriedigender Form verabschiede' wird, die anderen Staaten aber nickst den gleichen Weg wie Preußen gehen. Sollten diese Voraussetzungen nicht zutreffen, so hoffe ich, daß das politische Schwergewicht des deutschen Reichstags groß genug fein wird, um die verbündeten Regierungen zu veranlasien, ihrerseits ein genügendes Reichswohziungsgesetz vorzulegen. Aber mit einem Wohnungs- gesetz ist die Wohnungsfrage nicht gelöst. Es trägt im allgemeinen nur einen regressiven Charakter, es muß ergänzt werden durch positive Maßregeln. Es ist mir da sehr zweifelhaft, ob die Bestimmungen des B.G.B. und des Deutschen Hypothekenbank-Gesetzes den wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisien entsprechen, die heute auf dem Gebiet der Wohnungsfrage vorliegen. Minderbemittelten ist es heute schon wegen der Grundpreise unmöglich geworden, in der Nähe dec Arbeitsstätte sich ein Heim zu gründen. Tie Grundpreise haben bei uns eine Höbe erlanat, wie in keinem anderen Kulturstaat. Das B.G.B. hat das Erbbaurecht nur ganz lapidar behandelt. Aber die Wohnungsfrage ist bei einer so ungeheuer schnell wachsenden Bevölkerung, wie in Deutschland, nicht zi: befriedigen, wenn sich das Kapital dieser Frage nicht annimmt. DaS Kapital wird sich aber nicht darauf einlassen, wenn nicht durch eine eingehende Deklaration der Vorschriften des B.G B. über das Erbbaurecht die einzelnen Rechte ganz genau festgelegt werden. Erst dann wird sich das Kapital bemüßigt finden, auch seinerseits Erbbaugrundstücke zu belasten. Gerade vom Erbbaurecht kann man eine große Förderuna des Wohnungswesens erwarten. Das WohnungSwesi.n der Großstädte hat auch seine militärische Bedeutung. Ein Mann mit mäßigem Kapital, der sonst nichts hat als ferne Arbeitskraft, muß sich ein eigenes Heim schaffen können Ein unaebenrer Teil deS körperlichen und sittlichen Zurückbleibens unserer ärmeren Bevölkerung geht aus den elenden Wo^nungsverhältnissen hervvr. Sachliche Förderung deS Wohnungsbaues! Eine kräftige Siedlungspolitik in allen Staaten Deutschlands und eine großherzige Wohnungspolitik könnte einen großen Einfluß auf die politische Zukunft des Vaterlandes ausüben. Ich verspreche mir davon eine große staats-. erhaltende Wirkung, mehr als von Ausnahme- g e setzen, die in diesem Hause keine Mehrheit finden und auch in zukünftigen Reichstagen keine Mehrheit mehr finden werden. Mb. Deutscher Reichstag. 106. Sitzung, Donnerstag, 6. Februar 1913. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Präsident Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten. Ser Etat des Reichsamls des Inneren. (14. Tag. Die Beratung wird fortgesetzt Beim Kapitel „A ussichts - amt für Privatversicherung"-, damit verbunden wird der Besoldungsetat für das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. - Abg. Gicsbcrts (Zentr.) s Die Abonnentenversicherung hat eigentlich mit der Presse nichts zu tun. Wenn wir ein Gesetz gegen die Abonnentenver- ficherung fordern, so ist das lei n Ausnahmegesetz. Wer das behauptet, stellt die Sache auf den Kopf. Durch die Abonnentenversicherung muß der Wert der Presse heruntergedrückt werdest, weil die Ausgaben für die Versicherung nur auf Kosten des geistigen Inhalts des betreffenden Blattes gehen können. Sw ist deshalb ein Krebsschaden am Körper der Presse. Abg. Taubadel (Soz.)? Die Verleger beriEen nicht daran, die Abonnentenversiche- rung aus Mitleid mit den armen Leuten einzuführen, sondern leeil sie ein gutes Geschäft dabei machen. Die Entschädigungssummen find so gering, daß sie gar nicht ins Gewicht fallen. Wir find nach wie vor der Ansicht des ehemaligen Staatsst^tars Nieberding, daß kein anständiges literarisches Unternehmen sich auf eine Abonnentenversicherung einläßt. Der Redner polemisiert gegen den Abg. Dr. Junck. Abg. Dr. Junck (Notl'b.): Ich habe mich lediglich von fachlichen Gesichtspunkten Bet meiner Stellungnahme für die Aboniientenversicherung leiten lassen. OB ein mir politisch nahestehendes Blatt die Abonnenten- versicherung Betreibt, ist für mich ganz gleichgültig. Abg. Werner-.Her?'fplsi (Refv.): verlangt staatliche Ausficht für alle Arten dec Abonneutenver- Lcherung. Es ist bedauerlich, daß das Aufsichtsamt amerikanische Schreibmaschinen angeschafft hat. Abg. Trimborn (Zontr.): Die Entscheidungen über die Zulassung von Versicherungsvereinen als Ersatz-Institute Bei der Angestelltenversicherung hat vielfach böse Blut gemacht. Nach meiner Kenntnis der Dinge scheint es doch, als ob die Magdeburger Privatbeamtenvereine die Zulassung als Ersatzkasse verdient Die Rheinisch-Westfalische Bodenkreditbank in Köln verlangt auch, als solche zugelassen zu werden. Die Arbeitgeber suchen vielfach Werkmeister und andere Arbeiter in gehobenen Stellungen von der Angestelltenversicherung auszuschließen. Die Arbeiterversicherung ist eben viel weniger kostspielig. Das sind Mantpulationen, die dem Geist des Gesetzes widersprechen. Allerdings hat es viele Unstimmigkeiten. Schon jetzt macht sich in weiten Kreisen das Bestreben bemerkbar, sick von dem Gesetz zu befreien. Dennoch sollte die Oesfentlichkeit gegenüber diesen Schwierigkeiten ruhiges Blut bewahren. Das Gesetz ist keiner vorübergehenden gesetzgeberischen Laune entsprungen, es war wohlüberlegt und stellt eine soziale Tat und einen Fortschritt dar. Die Freude daran wollen wir uns nicht vergällen lassen. Ministerialdirektor Caspar: Die Reichsversicherungsanstalt wird später über die Verhältnisse der Angestelltenversicherung ein v c sanderes P uh l l- latioNsorgaii herausgeben. Die Termine für die Zulassung als Erfatzkassen konnten aus verschiedenen Gründen nichts eingehalten werden, so daß die Entscheidilngen nicht in allen Fällen rechtzeitig getroffen werden konnten. Tas Gesetz bat aber eine Uebergangszeit vorgesehen, innerhalb deren die Schwierigkeiten behoben werden können. Die Zulassung von Erfatzkassen werden wir mit allem Wohlwollen prüfe». Das wird namentlich für den Magdeburger Privatbeamtenverein gelten Tie Voraussetzung bleibt natürlich, daß diese .Kossen dasselbe leisten, wie die Reichs- Versicherungsanstalt. Den Klagen, die aus Kreisen der Versicherten laut geworden sind, daß gegen sie Manipulationen vorgenommen werden, werden wir nachgehen und, wo es nötig ist, diesen entschieden entgegentreten. Abg. Giebel (Soz.): Die Art, in der private Einrichtungen als Ersatzkassen zu- gelassen werden, ist recht bedenklich. Vor allem dürfte man nicht bic Werkspensianskasse der Firma Krupp als Ersatzkasse zulassen. Tie von der Behörde vollzogene Zulassung dieser Kasse ist ein offenbarer Verstoß gegen Absicht, Sinn und Wortlaut des Gesetzes. Der an die Firma Krupp erteilte Bescheid müßte deshalb schleunigst zurückgenommen werden. Abg. Graf Westarp (Kons.): Die bestehende Rechtsunsicherheit bei der Anwendung des An- gestelltenversicherungsgesehes wirkt wenig erfreulich. Sie ist wohl eine Folge der mangelnden Vorsicht des Reichstags Bei Beratung des Gesetzes. Bei der Verwaltung der großen Kapitalien, die ihr zufließen, sollte die Reichsversicherungsanstalt nicht nur das Berliner Kreditbedürfnis befriedigen, sondern vor allem den Be- dürfnissen des Mittelstandes im ganzen Reiche entsprechen, Ministerialdirektor Dr. Caspar: Die Zulassung der Werkspensionskasse der Firma Krupp entspricht ganz den allgemeinen Grundsätzen, die bei der Beratung des Gesetzes in der Kommission ausgestellt wurden. Abg. Irl (Zentr): _ Das Wahlverfahren für die Arbeitgebervertrauensmanner zur Angestelltenversicherung ist sehr verbesserungsbedürftig. Die Anregung des Grasen Westarp auf Berücksichtigung des Kredit- Bedürfnisses am Mittelstände kann ich nur warm unterstützen. Zu den Unterhaltungskosten einer Anstalt für die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit verlangt der Etat einen Beitrag von 60 000 Mark Abg. Büchner (Soz.)! begründet eine Resolution feiner Freunde auf Gründung einer Reichsanstalt zur B ekämpsuna und Erforschung der Säuglingssterblichkeii. Die.Haupt' Ursache der großen Säuglingssterblichker. ist die wirtschaftliche Not oer arbeitenden Schichten des Volkes. In vielen Orten Deutschlands ist ein Bevölkerungsrückgang durch die hohe Saug. lingssterblichkeit herbeigeführt worden. Mit Recht bezeichnen auch bürgerliche Aerzte die Säuglingssterblichkeit eines Landes als einen zuverlässigen K u l t u r nm tz st a b A u f d e m Lande ist die Säuglingssterblichkeit beiondcrs hoch, ias ist bet der schlechten Bezahlung der Landarbeiter sehr begreiflich. In den Gemeinden, in denen die Konservativen und m denen das Zentrum regiert, ist eine besonders hohe Saug'.ingssterbli- rett zu bemerken. Herr Sittart hat versucht, diese furchtbaren Zustände der Sozmldemokratie in die Schuhe zu schieben. Aber wir haben in diesen Gemeinden doch wahrlich nicht die Mehrheit. Tas ist dank dem elenden Dreiklassenwahlrecht tn den Gemeinden, das ja dos Zentrum aufrechterhalt, gar nicht anders möglich. (Vizepi'sident Dove bittet den Redner, nicht über das Dreiklassenwablrecht zu iprechen. Lebhafter Beifall im Zentrum.) Ja, das ist Ihnen freilich höchst unangenehm. (Widerspruch im Zentrum.) Wir hoffen, daß unser Antrag einstimmig angenommen wird. Man darf nicht olles der Privatfur- sorge überlassen. Hier mutz das Reich eingreifen. Abg. v. Graefe (Kons.): Heber die Notwendigkeit der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit herrscht natürlich nur eine Meinung. Um so be- bäuerlicher ist es, daß bieseS Thema auch politisch gegen uns aus- genüht wird. Ich werde dem Vorredner auf diesem Gebiet nicht folgen, zumal seine Beweisführung an meinen Landsmann erinnert, der behauptete, daß die Armut von der Powerteh herrühre. (Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie will bei allen Forderungen nur die Vergesellschaftung des Staates herbeiführen, besonders auch bei den Erziehungsfragen. Wir wünschen aber nicht diesen kommunistischen Beigeschmack. Und wir teilen nicht den Oplimis m u s des Staatssekretärs bezüglich der positiven Mitarbeit der Sozialdemokratie. Er Hot ja schon bei der Frage der Sicherheitsmänner eine böse Enttäuschung erlebt. Wir lehnen den sozialdemokratischen Antrag ab, weil wir nicht dem Staat allein die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit zuschieben wollen. Wir begnügen uns damit, die Regierung zu ersuchen, im nächsten Etat größere Mittel zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und zur Förderung des Hebammenwesens anzufordern, und b'tten Sie, die dahingehende Resolution Mumm anzunehmen. Abg. Heyn (Vp.): Die Ziffern der Säuglingssterblichkeit sind noch immer erschreckend hoch. Dabei ist die Zahl der unehelichen Säuglinge, die im ersten Lchensjahr sterben, weit größer als die ehelichen Säuglinge. Tic deutschen Frauen sollten ihre Kinder selbst nähren, bann geben sie ihnen viel fürs Leben mit. Was finb bic aus- getoorfenen 60 000 Mk. für so viele? Es soll aber nicht soviel zentralisiert werben, man soll mehr in die Provinzen hineingehen. Darum sind wir gegen eine Reichsan st alt. Dagegen sollte das Vormundschaftswesen reformiert werden. Mit der Fürsorge für die jüngste Jugend unseres Volkes erhalten wir seine Wehrkraft. Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.): Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit sind größere Mittel notwendig. Da wir angesichts der kommenden Militär- Vorlage nicht wissen, wie sich der Etat gestalten wird, können wir bestimmte Forderungen nicht stellen. Es wäre aber Sache leistungsfähiger Kommunen ober größerer Krankenkassen, hier vorzugehen. Abg. Schirmer (Zentr.): Man darf bie katholische Bevölkerung oder dos Zentrum nickst für die Säuglingssterblichleit verantwortlich machen. Ich wene diesen Vorwurf des sozialdemokratischen Redners ganz en*j^teDen zurück. Die sozialdemokratische Resolution auf Errichtung einer Reichsanstatt wird abgelehnt, die Resolution Mumm wird angenommen. Zur Delämpfung der Tuberkulose sind 100 000 Mart ausgeworfen. Abg. Rühle (Soz.) fördert reichere Mittel zur Vorbeugung, besonders der Kinder- tubertulofc. Abg. Westarp (Kons.): Der Reichstag hat im vorigen. Jahre eine Resolution beschlossen, daß eine Vorlage zur Bekämpfung der Tuberkulose zu machen sei. Die Resolution berührt einen Mangel, für Arbeiter und Privatangestellte sorgen Versicherungsanstalten. Aber der selbständige Mittelstand, die öffentlichen Beamten, werden davon nicht berührt. Auch für diese muß gesorgt werden. Zu den Unterhaltungskosten einer deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt werden 75000 M. gefordert. Abg. Dr. Belzer (Zentr.): Es ist wünschssnswert, daß ein L u f t s ch i f f a h r t s r e ch t geschaffen wird. Womöglich wäre es durch internationale Abkommen zu regeln. England ist auf diesem Wege borangegangen. Für die Luftsahrer wären Versuchsfahrten vorzuschreiben, auf Grund bereu sich ihre Regreß- und Haftpflicht feststellen läßt. Ministerialdirektor Dr. Lewald: Der Auffassung des Vorredners, daß wir ein Luftfahrrecht schaffen müssen, kann ich nur beitreten. Die Reichsressortö haben bereits Verhandlungen in dem Sinne eingeleitet. Wir bedauern, daß es nicht gelungen ist, die ursprünglich in Aussicht genommene internationale Regelung durchzuführen. Darauf müssen toir oorläufig verzichten und, wie andere große Staaten: Frankreich, England, Oesterreich, gesondert vorgehen, meist auf dem Wege der Verordnung. Für die Ausbildung der Luftfahrer muffen toir bestimmte Grundsätze aufstellen, aber bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge können wir die zarte Pflanze der deutschen Luftschiffahrt nicht allzusehr belasten. /Die Erwägungen sind noch nicht abgeschlossen, toir können aber hoffen, daß toir Ihnen möglich st bald eine Vorlage zugehen lassen können. Für bie gegebenen Anregungen sind toir außerordentlich dankbar. Selbstverständlich soll das Publikum möglichst gesichert werden durch eine sachgemäße Prüfung durch Fachleute. Abg. Grzberger (Zentr.): Nach den eben gehörten Erklärungen wird die gesetzliche Regelung doch noch etwas lange dauern. Es ist ein dringendes Be-- dürfnis, sofort im Wege der Verordnung Vorzüge y e n. In keinem Lande der Welt herrscht eine solche Freiheit tote in Deutschland. Hier iteiaen Leute auf, bie keine ?lhnung von ihren Maschinen Haven. Der Prä s ident der Ratio- Vie Viehpreise der nächste« Zeit. Ucker bk voraussichtliche Gestaltung der Viehpreifc in der nächsten aften zurückführen. Er beftreitet entschieden, irgendwelche Bluttat außer den beiden Verbrechen in Crhvig und Plagwitz begangen zu haben. Für die Untersuchung von Wichtigkeit ist die Feststellung der Eigentümer zweier Kleidungsstücke, die noch nachträglich auf dem Calies- schcn Grundstück gefunden worden sind. Das eine i)t ein schwarzer Gehrock mit der Firma Koppen in Wriezen, das andere em langer hellbrauner Ueberzieher mit der Firma Joseph Stock- Frankfurt a. O. Es ist inzwischen nachgewiesen worden, daß diese Firma sei: 20 Jahren in Frankfurt a. O. nicht mehr besteht. Man ist der Ansicht, daß Sternickel eine Wohnung tn der Nähe von Wriezen hatte. Tatt'ächlich ist Sternickel, während er als Knecht im Oderbruch arbeitete, im Sommer in Wriezen gesehen worben unb zwar in Begleitung eines schwarzweißen Hundes, den er „Trolly" rief. Seinen Berliner Komplizen ist Sternickel bisher noch nicht gegenübergestellt worden. ' Boykott deutscher Kinoihea ter durch ausländische Filmfabriken. Zwischen den Fabrikanten und Beziehern der Filmindustrie bestehen, wie schon mehrfach durch die Presse gegangen ist, seit einiger Zeit schwere Zwistigkeiten, die nunmehr zu einer Kraftprobe zwischen einigen großen ausländischen Filmfabriken und der gesamten deutschen Film« indnstrie und einigen kleineren ausländischen Filmfabriken geführt haben. Jin Oktober vorigen Jahres war eine von fast sämtlichen in- und ausländischen Filmfabriken gebildete „Freie Vereinigung der Kinofilmfabrikanten" gegründet worden, die unter dem Namen „Filmkonvention" bekannt wurde. »Zum 1. Februar dieses Jahres traten sämtliche deutschen und starke Gruppen von kleineren ausländischen Filmfabriken, insgesamt etwa 60, aus der Konventton aus, da ein weiteres Verbleiben in ihr sie geradezu ruiniert hätte. In der Konvention verblieb nur noch eine verschwindend kleine Anzahl von ausländischen Fabriken, welche aber die wirtschaftliche stärkste Gruppe bildet. Diese großen Fabriken erklärten nun in schroffster Form den deutschen Filinvepleihem, ihre Fabrikate nicht mehr zu liefern falls sie auch von denFaus der „Konvention" ausgeschiedene Filmfabriken Films beziehen. Bereits abgeschlossene Verträge sind für nichtig erklärt worde«. Die bcutfdie Filmfabrikatton hofft, daß das deutsche Publikum bei ihrem Ltzistenztampf gegen die ausländischen Fabriken seine Sympathien den deutschen Fabriken barbringen wird und nun seinerseits alle die Theater boykottiert, die nur ausländische Films unter absichtlichem Ausschluß der beut|"u . n Firmen zeigen. — Ter Fachverband deutscher Filmverleih r hat für die nächsten Tage eine Proteswersammlung nach der Berliner Handelskammer einberufen, welche zu dem Boykott Stellung nehmen und die Sachlage einer genauen Klärung unterziehen wird. * Ueppig. „Junge, bring’ mir mal ’ne Nähnadel." — „Ach, Merster, kann ich nicht gleich zwei bringen, ich fühle mir heute so stark!" niqlidi- ,'3ei «jod’' monol}- urtWPfMid ÄS fcöit W? Es fiinflt i In® f; titiilb zemdc > »nie | tirrenbcn 3clt I jrflen in den vc I ' ! 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Tube 60 Pfennig; =3 und 1 Mark, lieber-: ■=_=■ all zu haben. 3 o S o" I JJ Ö. ez s£T s CS 5' & fier § er g tg • «V 2 Ci) Relative CQ Windstärke (Brab Z S & 3. auf 0° reduziert O: XK- co" CO o o e o f. o Windrichtung Ö % er o ar* er ra a o 5 c o s 00 c o> O <7. O r-T w o w, WM e 3 K 3 CO Ä U=> S 3 r« C c £ 2. 3 c c er * S»’ Di - o B tS: 3 «v 3 S -)i' G) & o S 9 fil fi 5* S o Oi 5*3* 3 er c- o w »s ■ I o o - ’s «3 I 8 3 •t CO I D er := Ql 8 CD 'S 3.5*2 5 n =- ® ST“ » 2 er ~ 3 5' 'S' O: s S" D = 3 O 3 >$u = O SS = V-3 er 2,^5' %*-p» •& = c . ro ö. r 0» 31 CD r' 5 n CS - 2 „.0 ' : «.KL- gönS* Sc " es •"*''S* fi O _oc « rr ro s C 2 «* - er Öo- er 2. D « Q. 3 0—3 g S.' ™ |$L C i >$u 3 D CD 2 >r<> ll 3 3 3 j±: 2 - »_ 2.' o 3-S S? • er & iS " 1=3' r*> O i I«» 3 ~ O: X ai, ' o * & ~ S-2 D 3 - o ro ■ <-. o a-T .5 5« VZ cd n 2 ZS I I 3- CD ** o-CC - o ff-s S.2. = iSAc 51 x »5> ^"^05 er —•er T?.cs cs F CO q § ” CD 7* ^5 = 3 n Sä? sgl or -■ " 5- S 2. ci «*% ■. 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