Nr. 54 Drittes Blatt 163. Jahrgang Eichener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Gberhesfen CT Die „Gießener Zamtiienblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureirdlatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit- fragrn" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=s®51. Redaktion:e^112. Tel.-Adr.: AnzeigerÄießen. Mittwoch, 5. März 19(3 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 226. Sitzung, Dienstag, 4. März, Beginn 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: von Tirpitz^ 8mze Anfragen. Die Abgeordneten Groebcr und Erzbcrgcr (Zentr.) weisen in einer Anfrage darauf hin, daß der Königliche kcttholisct-c Kirchcn- rat in Stuttgart über Vorträge ter angeblichen Jesuitenpatres Stiegele und Kollmann „geeignete Erhebungen" veranlaßt hat. Tie Fragesteller fragen nun an, was der Reichskanzler zu tun gedenkt, um seine Erklärung im Reichstag, wonach bei der Handhabung des Jesuitengesetzes man sich v o n jeder Nach sch nüffelei und Schikane ferngehalten habe, zur Geltung zu bringen. Ministerialdirektor EnSpar: Tie »Infrage nimmt Bezug auf einen Erlas; des Königlichen katholischen Kirchenrats in Stuttgart vom 20. Februar 1913. Ta diese Behörde dem Königlichen Würtlembergischen Ministerium des Kirchen- und Schulwesens untersteht und nicht bargetan ist, daß ter Jnstanzenzug in Württemberg erschöpft ist, liegt keine Veranlassung vor, daß der Reichskanzler bei der Württembergischen Regierung Vorstellungen erhebt. (Ahal-Rufc im Zentr.) Im übrigen läßt sich ohne tatsächliche Ermittelungen, die der genannten Regierung zu überlassen wären, nicht feststellen, ob der Erlaß mit den Erklärungen vom 4. Dezember 1912 vereinbar ist oder nicht. (Lachen im Zentr.) Die ?fbgg: Dr. Paasche und Freiherr von Richthofen (Natl.) fragen an: Ist es dem Reichskanzler bekannt, daß die englische Firma Lever Brothers sich weiter bemüht, eine Ausbeutungskonzession über c a. 12000 englische Qua - drat Meilen des wertvollsten Landes der Republik Liberia zu erhalten, und ist der Reichskanzler bereit, die durch diese monopolistischen Bestrebungen gefährdete Meistbegünstigung der deutschen Interessenten im Freistaat Liberia zu schützen? Geheimrat Lehmann: Die englische Firma Lever Brothers hat sich im Dezember v. I. bei der Liberianischen Regierung um eine Konzession zur .wirtschaftlichen Ausbeutung gewißer Ländereien beworben. Diese Konzession mürbe mit ihrer erheblichen jr-jebelfnung sowie dem erstrebten Ausschluß jeglicher wirtschaft- rcher Betätigung seitens Einheimischer und Fremder gegen Ar- hfcl 2 des Vertrages von 1867 verstoßen und ein unzulässiges Monopol bedeuten. Die Kaiserliche Regierung hat deshalb durch ihren Vertreter in Monrovia gegen bie E r - teilung der Konzession Ber wa hrung eingelegt. Nach den vorliegenden Berichten haben auch die gesetzgebenden Körperschaften des Freistaates Liberia dem Konzessionsgesuch die erforderliche Genehmigung nicht erteilt. Die Kaiserliche Regie- rung wird die Angelegenheit auch in Zukunst im Auge behalten und eintretendenfalls die Wahrung der Vertrags mäßige n R e ch t e der deutschen Interessenten in Liberia sich angelegen sein lassen. DaS zur e r st e n Lesung stehende Etatsnotgesetz wird ohne Aussprache der Budgetkommission überwiesen. Der WmÄeekak. (Dritter Tag.) Die Aussprache beim Kapitel „Instandhaltung der Flotte und der Wersten" wird fortgesetzt. Abg. GicSberts (Zentr.): ©djon bei anderen Etats ist bei Besprechung der Lage der Staatsarbeiter der A u s b a u der A r b e i t e r a u s s ch ü s s e ^sortiert worden. Die Marineverwaltung untersagt den von ihr beschäftigten Arbeitern die Zugehörigkeit zu sozialdemokratischen Vereinen und fedc Agitation für sie. Trotzdem sind bei den letzten Wahlen zu den Arbeite cauSschüssen weitaus die meisten Stimmen für die sozialdemokratischen Gewerkschaften abgegeben worden. Die Marineverwaltung muß natürlich darauf Bedacht nehmen, daß in ihrem Betriebe Störungen Vorkommen könnten. Staatliche «iriebe bürfen nicht zum Monopol sozialdemokratischer Gewerkschaften werden. Die Verwaltung kann gewisse tforberungen stellen, da sie ja atlch eine größere Sicherheit der Existenz gewährt. lieber die Bezahlung der Wochenseiertage sollte mit den Ar- betterausschusteii verhandelt werden. Nach einem Beschluß des Reichstages sollen die Marine-Lieferungen nur an Firmen ver- geben werden, die dieselben Arbeitsbedingungen, Tarifverträge u,w. haben, wie die Kaiserlichen Werften. Trotzdem ist das nicht sanier der Fall. Das ist in höchstem Maße unglaublich. Die Firma Krupp hat in letzter Zeit anzuerkennenderweise der Gewerkschaftsbewegung keine Schwierigkeiten gemacht, sie hat auch in der Fürsorge, für die Wohnungen und Sicherstellung der Arbeiter viel geleistet; aber Arbeiterausschüsse nach dem Muster der Staatsbetriebe hat sie nicht. Tas ist unzulässig. Ueber- baupt müßte die Großcisinindusrrie derartigen Anforderungen mehr gerecht werden. Ter S l a a t s o l l t e e i n e n D r u rf auf sie ausüben, auch dahin, daß sie höhere Löhne zahlen. Sie müssen folgen in dem, was bie Staatsbetriebe bewilligt haben. Ohnehin leben sie meist nur von Staatsaufträgen. Abg. Legicn (Soz.): Der Staatssekretär hat sich über unsere Kritik beklagt. Er hätte sie leicht vermeiden können, wenn er in den Staatsbetrieben die gleichen Arbeitsbebingungen schaffen wollte, wie in guten Privatbetrieben. Nach unseren Arbeiterbegriffen soll jeder Ar- beitcr, der Sozialdemokrat ist, auch ein Agitator sein. Ter Schiffsbau verlangt intelligente Arbeiter, und da heute jeder geistig fortgeschrittene Arbeiter der Sozialbemokratie angehört, ist diese von den Werften nicht fernzuhalten. Verständige Unternehmer, zii denen der Staatssekretär freilich nicht gehört, nehmen deshalb am liebsten Sozialdemokraten. Der Staatssekretär würde mit würdiger Ruhe in eine Seeschlacht gehen, aber er zittert vor Angst bei dem Gedanken, daß er die Löhne der Arbeiter erhöhen sollte. (Heiterkeit.), Abg. Sir (^enfr ): Die Staatsbetriebe sollen in jeber Beziehung Musterauft a l t e n sein, auch, in der Beziehung zum Verkehr, zur Industrie und zum Handwer' Süddeutschland wird noch nicht genügend berücksichligt. Der Staatssekretär sollte auch einmal uns f ü b b e u t ]" di c n Abgeordneten Gelegenheit geben, den ganzen Marinebetrieb kennen zu lernen. Laden Sie uns nur einmal ein! (Heiterkeit. - Der Staatssekretär nickt.) Wir Süddeutschen sind doch nicht bloß dazu da, für die Marine zu zahlen; wir wollen auch für unsere Landwirtschaft und Industrie Vorteile haben. (Beifall.) Geh. Admirolitätsrcit Hams: Wir bemühen uns, auch Süddeutschland zu berücksichtigen. Die Süddeutschen müssen sich aber auch selbst melden, denn es werden genug Ausschreibungen veröffentlicht. Der Redner bespricht bann die Arbeiterwiinsche. Alles Ivird sorgsam geprüft. Bei den Arbeiterausschiissen soll die Verhältniswahl eingeführt werben. Wir haben so ständige Arbeiterverhältnisse, daß 40 Proz. der Arbeiter länger als 10 Jahre im Dienst sind; 60 Proz. sind fünf Jahre und länger im Dienst. Kommissarische Verhandlungen über die Ausdehnung ter Befugnisse der Arbeiterausschüsse sind ein« ,geleitet. Agitatoren können wir in den Betrieben nicht brauchen. Wer einmal Agitator ist, kann nicht aus seiner .Haut heraus; er agitiert eben außerhalb und innerhalb des Dienstes. — Es kann Vorkommen, daß ein einzelner Arbeiter in der Privatindustrie mehr verdient, aber im Durchschnitt verdienen die Arbeiter bet uns mehr Sollte das für das Jahr 1912, dessen Ergebnisse uns noch nicht vorliegen, nicht gelten, so würden wir unsere Tarife erhöhen. Verbesserungen des Tarifs sind in Vorarbeit, aber »sie stehen noch nicht fest. Abg. Giesberis (Zentr.) weist mit Schärfe die Behauptung Legiens zurück, daß alle intelligenten Arbeiter Sozialdemokraten seien. Das ist eine unerträgliche Großmannssucht. Auf jeden Fall muß darauf gehalten werden, baß die Großbetriebe, bie Staatsaufträge bekommen, nicht scharfmacherische Politik in ihrem Verhältnis zu ihrer Arbeiterschaft betreiben. Abg. Brandes (Soz.): Bei Krupp sind die Arbeiterausschüsse nur eine Farce. „Was?" hat man den Leuten gesagt, „Ihr wollte hier so eine Art P a r l a m e n t b i l d e n und alles kritisieren? Tas gibt es nicht!"' Abg. Legten (Soz.) erläutert den gewerkschaftlichen Begriff der Werkstatts- a g 11 a 11 o n. Daß wir von ihr nicht lassen, davon können Sie überzeugt fein. (Höctl Hört!) Ihr verdanken wir unsere ganzen Erfolge. Aber unter Werkstattsagitation verstehen die Gewerkschaften nicht, daß in der Werkstatt agitiert wird, sondern daß man die Arbeiter aus denselben Werkstätten außerhalb des Werkes zusammenbringt und sie über die speziellen Arbeitsverhältnisse in ihrem Vetriebsteile aufklärt. Angenommen wird eine Resolution Ablaß (93p.), die sich gegen, jede Beeinträchtigung des Petitionsrechts der Beamten, Angestellten und Arbeiter ausspricht. Angenommen wird ferner eine Resolution der Budgetkommission, die eine Revision der Arbeitsordnungen (Ausbau der Arbeiterausschüsse, Einführung der Verhältniswahl usw.) fo-.bert. W-iter werden Resolutionen angenommen, die jährlich Statistiken über die Löhne, die Zahl der Arbeiter usw be; langen. Ebenfalls zur Annahme gelangt eine Resolution, die im nächsten Etat eine Entschädigung für die alteingesessenen Fischer an der Kieler Föhrde fordert, die durch Marineanlagen usw. benachteiligt werden. Abg. Ahlhorn (Bv.) führt Beschwerde, daß ein altehrwürdiges Bauwerk, em alter Leuchtturm, auf Vangeroog in rohester Weise verschandelt werden soll. Man will ihn anteeren lasten. Hoffentlich nicht aus bloßer Vorliebe für die schwarze Farbe- (Heiterkeit.) Auf eine Beschwerde wurde entgegnet, man würde ihn nicht verschandeln, wenn man das nötige Geld zur Ausbesserung hätte. Ben Akiba, was sagst du nu? (Heiterkeit.) Die Welt scheint heute mit Dummheit geschlagen zu sein. Staatssekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz: Es gibt keinen alten Marineoffizier, der nicht den Turm so lasten möchte, tote er ist. Ter Vorschlag zur Anteerung ist aber von der preußischen, bremischen und auch von der oldenburgischen Regierung ausgegangen. Ich toürde es sehr bedauern, wenn der Turm schwarz angestrichen würde. Abg. Dr. Semler (Natl.): Ich stimme Herrn Ahlhorn durchaus zu. Das ehrwürdige Bauwerk darf nicht verschandelt werden. Angenommen wird ein Antrag, wonach im nächsten Etat eine Neuregelung der Bordabzüge in der Weise vorgenommen wird, daß ihre Abstufung der Höhe des Gehaltes an« gepaßt wird. Abg. Wölbstein (Vv.)" verlangt Berücksichtigung der Helgoländer Fischer, die durch den Hafenbau geschädigt Werdern Hier liegt eine moralische Pflicht vor. Nicht nur in ihren Rechten, auch in ihren alten Gewohnheiten mästen diese Fischer geschützt werden. Sie waren auch unter englischer Herrschaft immer gute Deutsche. Staatssekretär v Tirpitz: Wir werben aus Billigkeitsgründen für diese Hummerssicher eine bestimmte Summe in den nächsten Etat einsetzen. Damit ist der Marineetat in zweiter Lesung erledigt. Dec Mchlmgselal. Es handelt sich im wesentlichen um die Kosten für die erste Einrichtung der Verwaltung in Neukamerun, wofür 1 491 322 Mark gefordert werden. Der Nachtragsetat wird ohne Aussprache in zweiter Lesung angenommen. Der Aal siir das 8eichslo!onialamk. Abg. Henke (Soz.): Ueber die Besiedelung s frage in Oftafrila hat der neue Gouverneur Dr. Schnee ein Gutachten abgegeben, das nicht gerade sehr hoffnungsvoll klingt. Die Gebiete, die für die Ansiedlung in Frage kommen, sind danach sehr klein und für Ansiedler ohne erhebliches Kapital existiert keine Möglichkeit des Vorlvärtskommens. Deshalb ist es frevelhaft. Hoffnungen in den Ansiedlungslustiger, zu erregen, die sich nicht erfüllen können. Aber eslbst, kapitalkräftige Elemente sollten ihre Finger davon lasten, weil eS an der Absatzmöglichkeit und an Arbeitern fehlt. Tie Eingeborenenkultur wollen wir mit allen Mitteln fördern. Die Propagandareise des Staatssekretärs Sols hat sich als wahre Bierreise erwiesen. (Vizepräsident Tove rügt diesen Ausdruck.) Also sagen wir, sie ist. ergebnislos geblieben. Unsere ganze Kolonialpolitik muß Bankerott machen, wenn die Diamantenfunde aufhören. Unsere Ausgaben wachsen ständig und die Einnahmen gehen zurück. Die Agrarierarbeiterkultur ist in den Kolonien für die Eingeborenen etwas Unerträgliches. Der Redner ergeht sich in diesem Zesammenhang in einer langen Polemik gegen Dr. Gerte!. Es gibt überhaupt keinen von Natur aus faulen Menschen (Heiterkeit); wer faul ist, wird es durch Ihre Kultur. 150 000 Leute sind in Ostafrika in 25 Jahren niedergeschossen. (Unruhe.) Ter Staatssekretär hat diese Zahlen berichtigt. Ja, woher wissen Sie, daß Ihre Zahlen richtig sind? Tas sind Menschenschlächte- reien. Gut nennen Sie es nicht Mord, Herr Staatssekretär. Schon be: uns in der Jnstruktionöstunde ist vom inneren Feind die Rede und nun gar dort in Afrika! Wir sehen nicht so hoch herab auf diese schwarzen Arbeiter; sie sind unsere Brüder, und diese schwarzen Brüder in Afrika sind uns wahrhaftig lieber als unsere schwarzen Brüder hier in Deutschland. (Abg. Erzberger gähnt.) Der Abg. Henke hat schon anderthalb Stunden gesprochen. Er spricht bann weiter über Samoa und bann über die Mischehe. Er schließt nach mehr als zwei Stunden. Dann vertagt sich das Haus. Mitrwoch 2 Uhr (der späte Beginn ist mit Rücksicht auf die Budgetkommission angesetzt). .Schwermstag- kleine Garnisonen, Petitionen. Schluß 6% Uhr.,- hessische Zweite Kammer. bs. Darmstadt, 4. März. Um 9.30 Uhr eröffnet Präsident Kö hier die Sitzung. Am Regierungstische: Staatsminister Dr. v. Ewald und Minister ü. Hombergs, später der Finanzminister. ES wird fortgefahren in der Beratung über den Staatshaus- haltSetat. Zu Kapitel 39, Höhere Bürgerschule, liegt ein Antrag F enchel und Gen. vor, der eine Unterstützung auch der Schulen, die bisher keine staatlichen Zuschüsse erhalten haben, fordert. Geheimerat S ü s f e r t erklärt namens der Negierung sich mit diesem Anträge cinncrftonben. Kapitel 39 wird angenommen. Zu Kapitel 40, Lehrerseminare, spricht Abg. U r st a d t (fortschr. Bp.) sich im Namen seiner Fraktion gegen die Einführung eines Schulgeldes in den Lehrerbildungsanstalten aus. Tenn dadurch würde unbemittelten Leuten die Lehrerlaufbahn noch mehr erschwert. Der Gesichtspunkt, daß das Ansehen des Lehrerstandes es erfordere, auch in diesem Punkt keine Ausnahme zu bilden, sei zwar sehr beachtenswert, aber, dann müßten statt 50 Mk. 100 bis 150 Mk. eingeführt werden. Dann müßten aber auch die Stipendien, die jetzt schon 30 000 Mk. betragen, bedeutend erhöht werden und der Gewinn für die Staatstasse sei sehr gering. Man solle umgekehrt darnach streben, an allen höheren Schulen das Schulgeld zu beseitigen und die Seminarien nicht ausschließlich zu Lehrerbildungsanstalten aus- baneii, sondern zu einer besonderen Gattung der höheren Schulen, zu Nationalschulen, die eine hauptsächlich auf deutscher Geschichte, deutsche Literatur und Kunst gegründete Bildung mitgeben und dieselben Berechtigungen verleihen wie das humanistische Gymnasium und bi-’ neunklasjigen Realanstalten. Diese Schulen lvür- den sicher großen Zulauf haben, und die künftigen Lehrer würden nur einen Teil der Schüler bilden. Dann sei die Ausnahmestellung der Lehrer gründlich beseitigt. Abg. F Pichet (Bbd.): Ais Vertreter des Bezirks Lich ist mir nun die Mitteilung zugegangen, daß die Großh. Regierung doch eine Aufhebung der Präparandenanstalten Lich, Lindenfels und Wöllstein beabsichtige. Unter den Bewohnern von Lich entstand schon im Jahre 1912, als die beiden Paralellklassen von Großh. Regierung an der Priiparandeiumstalt in Lich eingingen und die Frequenz der Anstalt, die int1 Jahre 1911 95 Schüler betrug, im Jahre 1912 auf 38 sank, hierdurch große Mißstimmung und Beunruhigung. Und jetzt spricht man von Aushebung der Anstalt. Was rätfre nun die 'Folge einer derartigen Maßnahme? Eine erhebliche Schädigung der in beit Städten wohnenden Gewerbetreibenden, dadurch daß viele Leute nickst mehr in die Landstadt kommen und kaufen, sonders Ihre Kaufkraft den größeren Städten zu mcnbeit. Weiter die Summe der Beamtengelder, die in der Stadt bfeiben, dieser verloren gehen, hierdurch größerer Steuerausfall. Nehmen Sie hinzu den Schaden, den die Ver- h.ieter von Wohnungen und den Sck-aden, den die Geschäftsleute überhaupt haben. Ich richte daher an Großh. Regierung die Frage: .Hat Großh. Regierung die Absicht, die Präparcmden- anftalten aufzuheben? Abg. B a ch (natL): Abg. Urstadt hat dapoit gesprochen, daß.burch die «Erhebung eines Schulgeldes der Zuzug ber ärmeren Klassen, auf den der Lehrerstand besonders angewiesen sei, Nachlassen würde. Ich Tarnt nicht cinfepcn, warum mir in den Lehrerstanb der Zuzug anS ärmeren Klassen stattfindet. Auch in anderen Kreisen ist das' der Fall. Was die Beschwerden des Abg. .tfcncM über die ?lufhehuing der Präparandenanstalten in Lich angeht, so kann ich sie im wesentlichen unterstreichen Abg. Adelung (Soz.) wendet sich gegen den Abg. Bach, der mit dem.Bauernbund die Einführung eines Schulgeldes an den Seminaren beantragt hatte. Abg. U c b e I (Ztr. > spricht sich int Namen seiner Partei gegen das Schulgeld aus. Abg. M e r g e l l (Ntl.) schließt sich in Bezug auf die Prä- parandeitanstalt in Lich den Ausführungen Bachs und Fenchels an. Es sprechen hierzu Abg. Stephan und Geheimerat Süf- f c r t. Das Kapitel wird gegen die Stimme des .Abg. Bach, der gegen den Absatz 1 stimmt, angenommen. Zu Kapitel 41, Volksschulen, Abg. Wolf- Stadecken (Bbd.) regt Aufhebung des Schulvorstandes an und liebertragung an den Gemeinderat., Abg. Soherr (Ztr.1 wendet sich dagegen, daß Bingen die Gehälter der Volksschullehrer allein aufbringen muß; hat hierzu einen Antrag eingebracht. Abg. Adelung (Soz.). Sieben Religionsstunden ist zu viel. Abg. Dr. S.tephan (Ntl.^ bespricht bie Stellung ber israelitischen Religionslehrer. Abg. Uebel (Ztr. i kommt auf seine Ausführungen tu ber Frage der Parität der katholischen und evangelischen Lehrer. Der Schächterdienst ist wickstig und die Behauptung, daß der Schächterdienst eines jüdischen Bolksschullehrers unwürdig sei- ist haltlos. Abg. Dorsch (Bbd.) wünscht mehr praktischen Unterricht an den Volksschulen und Zurücktreten des Religionsunterrichts. Abg. U t st a d t (F. Vp^ unterstützt die Klagen über die schlechte Stellung^der jüdischen Religionslehrer. Geheimerat S ü f f e r t: beantwortet einige Fragen, daß die Neligions- und Kominnnions-Stunden in Mainz erhöht wurden, ist richtig; das besteht aber seit 1877. Er teilt dann mit, was die Regierung zur Besserung der israelitischen Religwns- lehrer getan hat. Es gibt in der Tat zu wenig katholische Lehrer. Gegen den Vonvurf der Jnparität wendet sich der Redner nochmals nachdrücklich. Kapitel 41 wirb einstimmig angenommen. Zu Kapitel 42, Turn- und Zeickrennnterricht spricht Abg. Finger (Ntl., der größere Berücksichtigung seines seinerzeit gestellten Antrages fordert. Das Kapitel wird angenommen, ebenso der hierzu von dem Abg. Munch gestellt Antrag. Zu Kapitel 42a, Jugendpflege, berichtet Minister v. Hvmbergk über die Verwendung der 15000 Mark. Neben den örtlichen Ausschüssen ist der Landesausschuß gebildet worden, der kürzlich seine erste Tagung abhalten konnte. Tie Fortsckiritte in der Jugendpflege sind erfreulich. Die Mittel werden den einzelnen Verbänden überwiesen. Abg. Dorsch (Bbd.). Wir stehen der Jugendpflege fonu pathisch gegenüber. Geht auf die wilden Turrwereine ein. Abg. E i ß n e r l iSoz.). Wir haben im vorigen; Jahr für bat Fonds gestimmt. ?lber kein ?lrbeiterverein ist unterstützt worden Auch diesbezügliche Eingaben sind unbeachtet geblieben. Wenn sie glauben, daß die Jugendpflege so richtig ist, so irren Sie sich. Man wendet nur sich den Leibesübungen zu. Die Käieg- spielerei ist nicht notwendig. Es sind darin Auswüchse vorgekom- men. Weil wir sehen, baß die Mittel mir einseitig verwendet werden, stimmen wir gegen dieses Kapitel. Minister Pon Hombergk: Turnvereine sollen sich ber großen Bewegung anfcksließat. Die sozialdemokratische Jugenbpflege fordert bestimmte Zwecke, die Jugend soll mit revoluttonärem Geist erfüllt merben. Derartige Vereine können wir tricht unterstützen. Auswüchse kommen überall vor. Wir sind bestrebt, sie zu verhüten. Tfcft. Adlung 3nngbotWatnb bient der Be- täm*mp der Sozialdemokratie. Die qaxy Jugendbewegung tft tm ganzen ein Äuswuck^ Das Nachässen der militärischen Formen ist ein Auswuchs. __ Abg. Koreil-Ingelheim (F. Lv Man sollte btc alteren Berrine mehr berücksichtigen. Die Jungbeutskhland-Bewcgung. ist noch neu. Es ist em Fehler, ein derartiges Werk gewaltsam ins Große $n treiben Darin liegt eine große Gefahr. Ich möchte hier eine wohlgemeinte Warnung crusiprechen . . Aba. B u s o l d iSoz.): Man bat die Arbeiter Mrürkge,rasten, Sie führen einen Kampf gegen die Arbeiter. Wenn Sie glauben, im5 die Arbeiter zu entziehen, so haben Sie bie Rechnung ohne die Arbeiter gemacht. Sie können und nicht die Jugend nehmen. Abg. Dorsch (Bbd.<: Unsere Iungdeutschlandbewegung soll national sein. , __ . Abg. Ulrich (Soz): Die Art, tote der Herr Minister seine Arbeit auffaßt, ist erheiternd. Man schustert öffentliche Gelder nur den nationalpolitischen Vereinen zu. Das ist I-ugendver- itC6lMi'ibent Dr. Schmitt: Herr Abgeordneter, ich bitte Sie, sich zu mäßigen. _, . Abg Ulrich (Soz.): Die Jugendbewegung geht an der (Soldatenspielerei zugrunde. Ich bestreite, daß das Patriotismus ist. Sie werden nicht dazu beitragen, uns zu bctänrpien xas ist Kraftmeierei. Die revolutionären Gedanken der Sozialdemokratie sind eminent national. Wir haben unsere Vaterlandsliebe tief im Herzen. Man höre auf, uns in Gegensah zur Nation zu bringen. Ä Abg. Stöpler (natlib.): Wenn sich die Sozialdemokratte absondert, hat sie auch kein Recht auf Beihilfe. Abg. Lang (natlibF berichtet aus seinem Kreis. Abg. Adelung (So-.): Die Sozialdemokraten sind gewaltsam ou£ den sog. nationalen Vereinen hinausgedrängt worden. Minister von Hombergk: Wenn Abg. Ulrich glaubt, die Herren, die sich uneigennützig der Jugendbewegung an die Svihe gestellt haben, verdächtigen zu können, so weise ich das zurück. . Das Kapitel wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Kap. 43, Landes-Waisenanstalt, wird angenommen. Zu Kapitel 44, Taubstummen- und Blindenanstalten, beantragt Abg Damm (Fortschr. Vp.) Einführung des Schulzwanges. Geheimrat Süffert sagt Berücksichtigung zu. Die Kapitel 44—47 werden ohne Aussprache einfhnrnug angenommen Zu Kapitel 48, Denkmalpflege, spricht Abg. Schönberger (natlibj. Er spricht nicht für seine Fraktion, sondern für sich persönlich. Der Redner kritisiert Auswüchse der Verwaltung. Es ist ein zu großer Apparat ausgeboten. Abg. Dr. Weber (Bbb.j: Die Zuwendung von 15 000 Mk. für die Kirche in Schotten steht in keinem Verhältnis zu den Kosten. Man wird aber erst bett Erfolg der Lotterie abwarten nÄssen, bis wir eine weitere Forderung stellen. Abg. Reh (Fortschr Bp.): Wir bedauern, daß der Staats- zuschuß für die Walvurgiskirche in Alsfeld nur 7000 Mk. beträgt. Abg. Henrich (Fortschr. Vp.) macht noch einige Aus sühruugen über die Form des Berichtes, der vom Abg. Schönberger bemängelt war. Kapitel 48 wird angenommen. Die Kapitel 49 und 50 ebenso. Zu Kapitel 51, Landesstatistik, fordert 9fbg. Reh lFortschr. Vp.) eine Statistik über die Wirkung des Plurglwahlrechts. Die Kap. 51, 52 und 53 werden angenommen. Zu Kap. 53 hat Abg. Hartmann (2o-.> einen Antrag eingebracht, die in Höchst i. D. staatlich subventionierte Tierarztstelle hi eine Kreisassistentenveterinärstelle umzuwandeln. Abg. W ol s 0>onfcnl)chn lFortschr. Vp.) stellt Anfrage wegen des Desiilsektionswesens. Geheimrat Best: Die Regierung wird demnächst eine Vorlage über Regelung des Desinsektionswejens einbringen. Abg. Lang (natlib.) bespricht die Tätigkeit eines Beterinär- arztes, die sehr groß und anstrengend sei. Abg. Dr. Stephan (natlib.) und Geheimrat Best machen detaillierte Ausführungen. Letzterer begründet die Notwenbjg- keit der Stelle eines 7. Assistenzarztes in Heppenheim. Hierzu sprechen noch die Abg. Henrich und Ulrich. / Das Kapitel wird einschließlich des Hartmannschen Antrages angenommen Zu Kapitel 55, Hebammen-Lehranstalt in Mainz, spricht Abg. Wolf-Gonsenheim (Fortschr. Vp). Er wünscht besser vorgebildele Hebammen. Auch müsse man dafür sorgen, daß die nicht aseptisch vorgebildeten Hebammen durch andere ersetzt werden Abg. Adelung (Soz.) bespricht die Praxis des Direktors imd Leiters der Anstalt, die er int vorigen Jahre schon behandelt habe. Abg. W o 1 s-Gonsenheim (Fortschr. Bp.): Man kann dem Leiter nicht seine Praxis verbieten. Er ist tüchtig und hat sich das Vertrauen der Patienten erworben. Geheimrat B e ft bespricht die wirtschaftlichen Verhältnisse der Hebammen. Der Direktor braucht die Praxis, um mit den Fortschritten der Ghnäkologie Schritt halten zu können. * Eü spreären hierzu iwch die Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.) und Bach (natlib.), der anerkennt, daß Pros. Kupserberg ein sehr tüchtiger Gpnäkologe ist. Man müsse ihm eine gewisse Praxis gernähren. Ferner sprechen hierzu noch die Abg. Henrich (Fortsrhr. Bp.) und Adelung (Soz). Das Kapitel wird angenommen. Damit ist die Vormittagssitzung geschlossen. Nachmittags-Sitzung. Um 3'5 Uhr eröffnet der Präsident Schmitt die Sitzung Zu Kapitel 58, Bandes-Heil- und Pstegeanstalt „Philipps Hospital" bei Goddelau spricht M,g Dr. O s a n n (natl ). Er wünscht Vermehrung der irberiasteten Assistenzärzte in der Anstalt. Statt 11 seien nur 5 Aerzte vorhandeii. Ckbchnrat Best: Dieser Mißstand besteht aber nicht nur bei nn5, sondern auch wv anders. Tas liege auch an dem Andrange zum medizinischen Studium. ___ , Die Kapitel 57, 58 und 59 werbet ohne Beanstandung angenommen Zu Kapibel 59 a, Dohmmysfürforge für MrnbetbemMckte spricht . Abg. Dr. Osann «Mtl?. Sie wissen, dav dem oreuvuchen Landtag der Entwurf eines Wohnungsgesetzes vorgelegt worden ist. Wir in Hessen können uns rühmen, daß wir mü den gesetzlichen Bestimmungen Preußen bereits vvrangegangen sind. Aber in der Ausführung dieser Bestimmungen sind noch lebhafte Mangel zu beklagen. Wir haben zwar einen LandeswohnungsimVektor, wir haben auch in einzelnen Kreisen des Landes Wohnungs- insocktoren ober Damen, die die Wohnungsinspektion besorgen, msbesondere in dem Landkreise Worms. Aber etwas totrfiid) Tätiges aut diesem Gebiete wird seitens des Staates bis letzt doch nicht geleistet und insbesondere werden wesentliche Mittel nicht zur Verfügung gestellt. Die ganze sozialpolitische Tätigkeit der Regierung beschränkt sich zurzeit daraus, daß Revisionen von Wohnungen üorgenommen werden. Damit wird dem Wohnungs- eleftD und damit auch einer ganzen Reihe von sozialen.Fragen, die mit der Wohnungsfrage zusammen hängen, nicht gesteuert. (Sehr richtig!) Es ist notwendig, daß der Staat aktiv hier eingreise. Wir haben hierfür früher das Kreditkassengcsctz gehabt, und aus den Mitteln der Kreditkasse sind in früheren Zeiten erhebliche Beträge an die einzelnen Interessen geflossen, die daraufhin Wohnungen gebaut haben. Die Bestrebungen der Vereine, insbesondere des Ernsts Ludwigs-Vereins, des hessischen Vereins zur Errichtung •billiger Wohnungen, sind ja anerkennenswert, sie haben auch mustergültiges gelerftet Der Redner verbreitet sich bann eingebend über die Schwierigkeiten, die bestehen, um Hypotheken zu erlangen. Tie Sparkassen seien nicht in der Lage, die Kreditbedürfnisse auch nur für erste Hypotheken zu befriedigen. Hier seien der Regierung große Probleme gestellt. (Beifall.) Minister von Hombergk: Tie Wohnungsfrage ist eine der wichtigsten. Wir haben die preußische Vorlage genau geprüft. Abg. Dr. Osann hat es als ein Erfordernis bezeichnet, der Frage der Geldbeschaffung näher zu treten. Das fann aber nur für Miet Häuser geschehen, nicht aber für Eigen Häuser. Die Landeskreditkasse kann das Geld nicht so billig ab geben, wie die LandeSverficherungsanstalt. Es fprerben ferner Wünsche aus zu diesem Küpitcl die Abg. Henrich (fortschr. Vp.), Busolb (Soz., und Eißncrt (Soz.). Ministerialrat H öl z in g er: Was in bezug aus den Stempel gesagt wurde, kann hier nicht in Betracht kommen. Bis Kapitel 66 werden die Kapitel olxneAussprache angenommen Zu Kapitel 67, Reichsversicherung, spricht Abg. Busold (Soz.). Er be) dauert (ich darüber, daß denjenigen, die sich in einer Heilanstalt befinben, bie Beteiligung an Wahlen erschwert wird. Tas Reichsversicherungsamt arbeitet zu langsam. Ministerialrat Hölzinger: Wir haben mehr Personal gefordert. Es ist uns aber gestrichen worden. Die Beteiligung an Wahlen würde eine Unterbrechung der Kur bebcutcn. Zu Kapitel 68 spricht Wg. Adelung (Soz.), der Erhöhung des Betrages wünscht. Minister v. Hombergk: Es ist eine derartige Eingabe bei uns eingegangen, aber verspätet. Wir werden die Angelegenheit im Auge behalten. Zu Kapitel 69, Kreisgeometer, spricht Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.). Zu Kapitel 72, Landwirtschastlichos Unterrichts- unb Bersuchs- wesen, spricht Abg. Grünewald (fortschr. Vp.). Von mehreren Rednern sei am vorigen Freitag gelegentlich der Beratung des «Etats der Landesuniversität an den Antrag wegen Ausbaues des landwirtschaftlid)en Instituts erinnert worden. Er bitt,c die Regierung, möglichst bald ihre Antwort auf den Antrag zu erteilen, damit der Landtag in der Lage sei, die Angelegenheit zu beraten und einen Beschluß zu fassen. Tie Sache entbehre nicht einer gewissen Dringlichkeit, man sei doch darüber einig, daß die Einrichtungen der Landesuniversität, welche der landwirtschaftlichen Lehre dienen, im Hinblick auf Frankfurt ganz besonders gepflegt unb gefördert werden müßten. Tie Studie renben möchten auch bald erfahren, ob bas Institut in der Zukunft au »gebaut werde unb sie ihre Studien fortsetzen und voll enden können, oder ob das Institut infolge Nichtansbaues veröden wird. Ter Antrag habe ja zunächst in den Kreisen des Bauernbundes wenig Anklang, ja starken Widerspruch gefunden, während aus den Aeußerungen der Redner am vorigen Freitag sich ergebe, daß man jetzt, ebenfo wie die philosophische Fakultät unb die Regierung, einig sei in der Erkenntnis, daß das Landwirtschaftliche Institut in den in dem Antrag bc zeichneten Grenzen aus gebaut werden müsse. Es werbe also das seltene Bild einer schönen Harmonie zwischen Bauernbund unb Fortschritt erscheinen. Abg. von Helmolt (Bbd.) berichtet über einen Fall, wv die Versuchsstation Fälfdmngen von Futtermitteln entdeckt, unb trotzdem der Firina guten Glauben zugebilligt. Wg. Wolf-Stadecken (Bbd.). Nachdem Soxleth seine An griffe gemadit bat, müssen toir dafür sorgen, daß reiner Tisch gemacht wird. Es muß Permiebcn werben, daß das Mißtrauen, gegen die staatliche Untersuchungsstation verfcbwndet. Das Kapitel 72 wirb genehmigt. Ebenso die Kapitel 73 unb 74. Die Kapitel 75, Förderung einzelner Zweige der Land wirtschaft unb 75a, Landwirtschaftskammer, werden auf Wunsch des Berichterstatters, Dr. Weber, der verhindert ist, an der Nachmittagssitzung teilzunehmen, aufmorgen zuruckgestellt. Tie Kapitel 76, Bergbau, 77, KunststraßeiilvTscn, 78, Handelskammern finden keine Beanstandung. Zu Kapitel 79, Förderung des kauf inännischen Unterrichts, bringt der Abg. Heerdt (F. Vp.) namens seiner Fraktion einen Antrag ein, der die im Etat geforderte Summe von 18 250 Mark aus 25 000 Mark erhöht wissen ivill. Das Kapitel unb der Antrag werden an den Ausschuß znrückver wiesen. Tie Kavirel 79, 79a, 80 unb 80a werden obne Sämtliche Debatte crlcbigt. Zn Kapitel 81, Gewerbeaufsicht, dos mit einem Anträge Raab verbunden ist, spricht der Abg. Raab brr m einem Antrag: a' eine Vergütung von 2000 bis 2700 Mark, letztere erreichbar in 15 Tienwahrm, b) Anstellung nach fünf- jähriger Verwendung für die Gewerbeinspektionsgebilfen verlangt. Er sucht feine Stellung zu begründen. Abg. Tr. Ciann (Ntt.) macht längere Ausführungen über die Bäckereiverbältnissc. Minister v. Hombergk betätigt bie guten Erfahrungen mit den Gewerbernspektionsgehilfen. Nack weiteren Ausführungen der Abgg. Henrich (F. Bv unb Raab Soz. wird das Kapitel angcnom men. Tie Mapitd 82—85 werden angenommen, Kapitel 86, Gewerblich.' Unterrichtsanstalten, lairb aus morgen zurückgestellt, füllt Kapitel 87, kunstgewerbliche unb gewerbliche Zwecke schließt btc Sitzung um 5", Uhr. Fortsetzung morgen vormittag 9 Uhr. wandern nnd Heilen* — Schüler- unb LehLlingsherbergen im Tau- n u s. Ter Besuch bet vom Tauüusklub eingerichteten Schüler- Herbergen hat im Jahre 1912 infolge des ungünstigen Wetters nicht ben Erwartungen entsprochen. Die Gesamtziffer betrug 1941 gegen 1948 im Vorjahr. Tie Braubacher Verberge mußte aufgegeben werben, dagegen rief man eine zu Nassau ins Leben, die bereits 429 Besucher batte und von der Stadt unterstützt wird. Der Besuch in den übrigen 12 Herbergen war: Altweilnau 96 (1911: 101), Arnoldshain 118 (127), Burgschwalbach 99 1105), Hamberg 102 (121), Esch 91 (59), Glashütten 209 1190), Katzenellnooaen 119 (137), Moehlen 54 107), Nicdcrselter» 173 (121), öberrcifenberg 223 (217), Wetzlar 228 (207). — Um die Unterhaltungskosten zu sparen, soll von diesem Jahr ab in allen Herbergen das erste Frühstück auf Konto des Klubs Wegfällen Man erspart dabei rund 500 Mark. Die Lehrlingsherbergen wiesen nur mäßigen Besuch auf. Für dieJ ugend- wanderungen will der Taunusklub Massenguartiere inSLeben rufen. Friedberg, 3. März. Bei einer Beteiligung von 40 Damen unb Herrn unternahm ber Taunus kl uv „SBet» terau" unb Z weigvcrein Friedberg-Bad-Nau- h e i m b e s B. H. E. unter Führung von Finanzrat HovS gestern seine 12. Wanderung tzes Vereinsjahres 1912/1913. Bon Vilbel ging der Marsch über Bergen, Nieber-Torfelden zunächst auf ben Hühner ko Pf, ber. eine nmfassenbc Runbsicht über bas Maintal gewährt, unb von da über Wachenbuchen weiter nach Wilhelms- bab, wo die Wanderscbar vom Hanauer V. H. E. empfangen wurde. Nach Besichtigung des Badeortes gelangte man nach Hanau, wo man in der „Concordia" frohe Stunden verleben konnte. Sport. ** Fußball. Am Sonntag spielte die gemischte 1. unb 2. Mannschaft des F.-C Germania-Gießen gegen die erste Mannschaft des F.-C. „B i k t o r i a" i d d a, hier znm Retourspiel. Bride Mannschaften traten mit 10 Marrn an Bei Halbzeit hatte Nidda mit 0:3 gewonnen Das Spiel endete mit dem Siege des F.-C. Viktoria-Nidda mit 1:5 Toren. Banöel uiiO Derfcbr, DolfswirffcbaH. ** Warene/klär un g für den Eisenbahn» verkehr aus b cm Ausland. Tic Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverlvaltungen vom 15. Januar unb b~r Gmrrinsanre Tarif-- und Ver'kehrs-Anzriger für brn Guter- unb Tierverkehr im Bereich der prcuß.-hesf. Staatseisenbahnverwaltung usw vom 27. Januar enthalten fol- flrnbc Veröfsentlichmig in bezug aus den Eisenbahn-Güter- taris für den Bcrkebr zwiscknm der: österreichischen u nb ungarischen Eisenbahnen einerseits, den deutschen, luxemburgischen, belgischen und niederläA- bischen Eisenbahnen andererseits, Teil 1 Abt A, gültig vom 1. März 1904: „Am 1. April 1913 tritt in Deutschland eine neue Eisenbahftzzotlorbnung in kraft, die unter anderem vorschreibt, daß alle Waren, die nach Teutschlai^» ein- ober durch Deutschland durchgeführt werden, von einer Warenerklärung begleitet sein müssen. § 10 des oben genannten Tarifs wird daher durch folgende Zusatz^besrinnnung Nr. 17 mit Gültigkeit vom 1. April 1913 ergänzt: „Alle Waren, die zur Einfuhr nach ober Durchfuhr durch Deutschland bestimmt sind, müssen von einer deutlich geschriebenen, dem Frachtbrief offen beigelegten, nach vorgeschriebcnem Muster in deutscher ober französischer Sprache abgefaßten Warenerklärung in doppelter Ausferlixsung begleitet fein. Tie Beigabe ber Erkläruüg hat der Absender auf dem Fracht- brief zu vermerken." Diese Bestimmung gilt auch bereits für solche Sendungon, die erst am 1. April 1913 ober später an der deutschen Grenze emtreffen. Auch diesen Genbunaen müssen daher die oorgeschriebenert Erk.äruu^cn bcigeaeben sein." Nach einer Aeußcrung ber Eisenbahndrrektion Berlin vom 22. Februar erscheirtt es wünschenswert, daß bie deutschen Interessenten die mit ihnen in Verbindung stehenden ausländischen Verfrachter auf die Ü^terung aufmerksam machen. Am Konsirmationstag möchte die Hausfrau ihren Angehörigen und Gasten einen wirüich scknnackhaften Kuchen vor- setzen. Tas stücbcnbacken wird aber zu einer teuren Sache, wenn die Haussrau meint, unbedingt rriihbutter nerromben zu müssen. Sie kann piel Gelb sparen, wenn sie an Stelle ber heute so teuren Kuhbntter bas aus Pflanzensetten he'rgestellte Probukt Pal- mona (Pflanzen Butter-Margarine, nimmt, bas nur etwa halb soviel kostet wie Butter. fC4/i Gesundheitliche Pflichten. „Das Schicksal der Nationen hängt von ber Art ihrer Ernährung ab", sagt Brillat-^avarin, ber geistvolle Verfasser der „Phnsiologie des Geschmacks" in seinen )?lpho°- rismen. Wenn dieser Say auch zu weit geht, so birgt er doch toic manche aphoristisch lxmgewvrfenc Bemerkung einen Kern der Wahrheit : denn die Beziehungen ber Ernährung znr Volksgesundheit .sind sehr mmrnigfaltig und bedeutsam und erstrecken sich nicht bloß auf das körperliche, sondern mub auf das geistige Wohl. Die Ausbreitung von Seuck^en — mag es sich um die Seuck>en handeln, die in vergangenen Jahryuriderten ganze Nationen dahingerafft baden, ober um cbranifdic Jitfektions-- kraickheitcn — wird mvicfnicrmaftcn burd) matcrieUcu Notstand und fdrlcdyte Ernährmig begünstigt. Hierbei ist zu beachten, bas; auch eine übermäßige Speisezufuhr, wie sie bei kulturell hochstehenden Völkern infolge bc« materiellen Reichtums zu einer weitverbreiteten Unsitte wirb, direkt als schlechte bezw. ialschc Ernährung zu betrachten ist Magen und Darm tihmen bas llcbcrmafe ber meist stark gewürzten Kost nidrt verarbeiten. Anderseits hebt eine rationelle Erna Irrung des einzelnen dessen körperliche unb geistige ftraft und erhöbt damit die Leistungsfähigkeit Aus der körverlidren unb geistigen Tätigkeit des einzelnen beruht abt*F das Schicksal der gatten Nation. AuS dieser untmbcrlcqlichen Tatsache entspringt die so IMfig nrivacbtcte persvniidv' Pskicht gegen sich selbst sowohl, wie gegen die Familie mb bi«’ ganze Nation, sich rationell zu ernähren. e Pflicht jebes einzelnen ist es beshalb, durch eine vernünftige Lebensweise derartige Gesundbrits- störungen zu vermeiden. Wer ist oder bei den beruflichen und gesellschaftlichen ^Verpflichtungen des mobemnt Lebens dazu stets imstande? Und Je(b|r ivenn der aute Wille vorhanden ist, so sind doch bei vielen — besonders älteren — Leuten die Derdauungsorgank bereits durch jahrelange Ueberanstrengmigen geschwächt, so daß eine Aenderung in der Ernährung allein entweder nur sehr langsam ober gar nicht helfen kann. Sv steht ben hohen Anforderungen des Erwerbslebens ein (^csdrlecht gegenüber, dessen fehlerhafte Ernährung sich in jener allgemeinen Erschöpfung an Zkörper imb Geist, der Nervosität, äußert, die bet ihrer großen Verbreitung zu Tiner Gefahr für die Leistungsfähigkeit ganzer Völker zu werden drohl. Wer seineii gesundheitlichen Pflichten Nachkommen will, ist unter Umständen darauf cnrgewiesen, bie Verbauungs tätigkeit durch ein geeignetes Mittel zu erleichtern unb zu Unterstufen. Nach den Erfahrungen namhafter Aerzle unb Kliniker, die diese in über 260 wissenschaftlichen Arbeiten in der Fachpresse niedergclegt haben, ist die So- matose — seit nahezu 20 Jahren bewährt — das Mittel, daß vor allem eine bessere Ernährmig und .Kräftigung des gesamten Körpers, einschließlich der Nerven, verbürgt. Die in der Somatose enthaltenen Albunrosen (Fleischeiweißstoffe) sind bereits aufgeschlossen und nehmen, ohne die Derdauungsorgaue zu belasten, sofort an ber Ernährung teil Tie Anwendung der Somatose verbessert deshalb die Verdauung unb Ausnutzung der übrigen, voluminöseren Kost. Es erfolgt unter gesünderer Blutbildung eine gründlichere Ernährung unb Meuerstarkung, die sich im ganzen Organismus deutlich fühlbar macht. Alle, die- unter den Folgen unhygienischcr Lebensweise zu leiden haben, deren Verdauungsorganc schon so gesduvächt wurden, daß sie völlig appetitlos sind, gcwohn- lidye kost nicht mehr gut vertragen, überhaupt der Schonung und kaästigung bedürfen, ferner nervöse, geschwächte Personen sollten deshall zu der Somatose greifen, die die größte Wahrscheinlichkeit eines dauernden Erfolges bietet. Feder Versuch, durch Verwendung der Somatose Kräftezustand und Allgemeinbefinden günstig zu beeinflussen, wird bie Bedeutung richtiger Ernährung für das körperliche und geistige Wohl klar hervortreten lassen. Man verlange btc Somatose in der nächsten Apotheke oder Drogerie und ad)tc genau auf Namen unb Originalpackung Entweder flüssig in Originalflaschen zu M. 2.50 in ben 'Geschmacksarten „süß' .mit Himdeergeschmack) unb ..herb" mü Suppenkräutorgeschmack., oder in geschmack- freier Pulverform in Dosen von M. 1.40 an. c»l. XKT-U II TT W IX tt ll U n n m u n ti 11 r, n MODERNE RAUMKUNST 150 KOMPLETT EINGERICHTETE MUSTERZIMMER HOFMÖBELFABRIK DOSEPH TRIER DARMSTADT COMPLETTE EINRICHTUN6EM FRCO. WOHNUNG INNERHALB DEUT5CHIAND5. inxi ii n u.. xr.-zi n inrir-'h jll ti - n n Gegen Orüsen, Scrophelnllja rptnpn fshQPrkitf Blutarmut, Engi. Krankheit, Hautausschlag, Hals- l>CÄ» 1 'vJ>Ä€ÄOV Röhr & Co. 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