'Tomicrötan, 4. Dc,cnibcr 1913 163.5rtfJrr*n,,n Nr. 2S3 Erscheint tl-Nch mit Aufnahme de» Sonntag». Ü Sor: Mb. Deutscher Reichstag 181. Sitzung, b»u der strafte ioegzunchrnen. (C»ört! i»ärt!) D»,, iten v'„ Mill se 4 Tic Tinge nahmen ihren hfoimtn Leugne, ^tn nut lunflbottu, ne Prämie chrjorderi, nes Zku-,' ung, somit Ingabt her bei unfern inortti bis fif „Oleh euer $«ellleeblit1fr*' werden dem viermal wöchentlich beigelegt, da» „Mrtfsblift flr de» Krris »letze," irocimal iPÖti rnflidf. Tie ..landwIrifchoftltcheN Seit. (»»<■" erfchemen monaUich yeeunaL Trasse ti Stzüls chimg auf seinmohncr hört! i Um allem dic Krone aufzufetzen, wurde auch der Staat»- anwalt Tr. Älcmböbme verhaftet und erst wieder freigclaven, als er sich zu erkennen gab. Auck der AmtsgerichtS- rai Kalisch wurde von oem Leutnant verhaftet, und zwei andere LandgerickrSräte, die habet waren, erklärten, daß wenn man ihre Kollegen verhärte, ne sich selbst für verhaftet erklären, (Sturm. £>citer?cit) Alle Verhafteten wurden bann in ein Keller- ?o ch gesteckt, das ungefähr 20 Quadratmeter groß ist, keinen tr vikdn ,r» dntn ' Mtn ^obefur jubringm. •fünämter ,e Januar ärztlichrm B bit Rur Erfchkini' fmb, bit Sti'iirtionlbnitf und Verlag der Br üblichen Untversuäl» • Buch- und etcmbnidectu 9L Lange, Diesten. 5Mtn tn,9tgtrv >»d die r 1913, »• le. den 3. Dezember 1918. Redaktion, (Spedition und Druckerei: 6. November. An bcmfclbcn Abend ereigneten sich einige Kundgebungen, die sich am Are,tag wiederholten. 8m Samstag kam die Dieooltcaffärc. Die jungen Leutnants haben an diesem Tage bereit» provozierende Spaziergänge durch die aufgeregte Volksmenge gemacht. Das find die Provokationei', von betten der Gemeinderat in fernen Telegrammen an den statt! alter unb den Reichskanzler, an den Reichstag und KriegSminiiter sprach. Sie begannen bereit» am dritten Tage der Affäre. (Hört! hört!) Mittelstädte gefaxt haben Sic lautet: „Tie heute im LandeSgeläudc versammelten Bürgermeister bei Verbandes elfah-lothringifchcr Mittelstände in ihrer Eigcnfckatt al» deren gesetzliche Vertreter sprechen wegen der bedauerlichen vor. solle der letzten Zeit der Stadt Zabern unb ihrem Bürgermeister ihre Sympathie aus. Die Versammlung stellt fest, dah, abgesehen von kleinen Differenzen, wie sie in jeder anderen deutschen Garnisonsstadt Vorkommen können, bi» seht m sämtlichen elsah. lothringischen Garnisonstädtcn cm gutes, zum Teil sogar vorzügliches Einvernehmen zwischen Bürgerschaft unb Militär bestanden hat. (Hört! hört! unb lebhafte Zustimmung.) Aus den objektiven Ausführungen dcü anwesenden Vertreter» der Stadt Zabern geht hervor, dah die Erbitterung der Zaberner Bevölkerung sich an» sang» lediglich gegen einzelne Militärperfoncn richtete. Die ver. sammlung begreift, bah bic Zaberner Bevölkerung wie bic gesamte elsässische Bevölkerung durch den Ausdruck ..Wackes" ,n ber an- gewendeten Weise sich auf baü schwerste beleidigt suhlt. (Lebhafte Zustimmung bei den Elsässern.) ... — Sie bedauert, dah da» unbcgrciflicbc Zögern der militärischen Vorgesetzten die ruhige Entwickelung, den Ausgleich der Gegensätze- im Lande, auf lange Zeit hinaus beeinträchtigen wird und befürchtet, bah daü Staatsintercsse m unverantwortlich schwerer Weise geschädigt ist. (Seht richtig? links unb im gcntc.) Tie Versammlung ist der Ansicht, bah bic Bevölkerung für etwaige übertriebene Presscäuhcrungen unb Ausschreitungen einzelner nicht verantwortlich gemacht werden kann. S'e stellt feit, Daft seitens des Garnisonkommandos von Zabern schwere Eingriffe in bic Polizeigewalt des Bürgermeisters stattgefunben habe» (lebhafte Zuftimmiing link» unb im Zentr) unter Verletzung de» Reichs- unb LanbeSreckst». bic ein Einschreiten des Miliwr» nur auf Ersuchen der Ortöpolizci oder deren vorgesetzter vthotben gestatten. Die Versammlung erwartet, dah der den eliassischen Bürgermeistern laut Ernennungsurkunde im Namen de« Kaiser» zugesicherte Schutz bei der Ausübung ihrer Defugnisse festen» der Militärbehörde respektiert wird." Unterzeichnet verband der clfafr lothringischen Mittelstände. Auch von der elsah-lotbringifchen Vereinigung, bic sich zur Aufgabe macht, ein gute« Verhältnis zwilchen den beiden Testen der Bevölkerung hcrzuftcNcn, ist mir ein EntrustungStele- g r a m m zugegangen. Sie sehen, welch berechtigte Aufregung M Elsah-Lothringen herrscht. P'cr muffen schleunigst Mahnahmen getroffen werden, um die Bevölkerung zu beruhigen. Solche vor. fälle muffen unter allen Umständen vermieden werden, ober nicht na» dem R e z e z t der a l l d e u t f ch c n E h a u v i n, st e n, die bereit» in der „Kreuz-Zeitung", der „Deutschen unb in der .Post" ihre Vorschläge gemacht haben. Tav sind Rezepte einer Gewaltpolitik unh de» schlimmsten Absolutismus. To» würbe 'n unserem freiheitlich gesinnten Lanbe nur doppelt ichäblich wirken. Be, un« ist keine Politik ber starken Hand am Platze, fonbern eine Politik drS Recht» unb der Gerechtigkeit. Be- fettigen Sie dic wahren Ursachen der Beunruhigungen un Lande, mn wird Ruhe unb Frieden .mb gute» Einvernehmen PvisA» ber Bevölkerung und dem Militär wieder zu hnben Tein. W,r verlangen nui eine gerechte Behandlung, Gcrccht' g . clt erhöht ein Volk. (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Abg. PeiroteS (Loz.) mi" A '0 «50 l Herren. einmal auf b e Vorgänge im Zusammenhänge kurz zurückkom- men. Es mobilen eine ganze iNc.bc Militär», höhere und niedere altdeutsche Beamte, in Zabern unb leben im besten Einverständ m» mit bet c,nluim-.scken Bevölkerung, unter anderem cm SS*h'4 ” Hl it SSssS ejiiittel scha,f' itto sc linU4-be Mahregel, bic baS ganze Unheil von vornherein hätte verhüten können, ist unterblieben. , Die Trn^ nahmen ihren Lauf unb erst viel zu ,vat wurde die a b g c\d) wach t c o r. 1 gefunben, bah Leutnant von Fornner die Bedeutung dcS «torteS DackeS nicht bekannt gewesen fc:, und damit nur Radau- Ser gemeint waren. T.c Erklärung kam zu ipat und kon.ue daher nicht mehr zur Beruhigung beitragen. Ich mug noch Am Sonntag, wenn Zabern Zuzug von auswärts erhält, und bic Bevölkerung durch Landpublikum erheblich verstärkt wird, war Leutnant von Forstner Offizier vom Dienst unb passierte mehr- mal» bic strafen ber Stadt. Sckl'ehlich halte er au seiner Be- berfung eine Patrouille mit geladenen Gewehren. E« ist selbswerständlich, bah ihm an biefem Tage einige Bcmcr- lungen nachgerufen wurden. Am Nachmittag diese» Sonntage« erging em anderer Regimentsbefehl, der sämtliche Offiziere unb Mannschaften in bic Kaserne beorderte. Die Patrouille wurde in alle Wirtsckwsten geschickt, um die Leute nach der Kaserne zu holen. Nur die vier Leutnants, diese vier Herren, die am Tage vorher die ganzen Reibungen herbeigeführt hatten, blieben auf der Strohe. Selbst damals konnte man noch alles gut machen, aber man wollte nicht. Die jungen Herren zogen durch die straften mit gelockertem Säbel unb einer groften Dogge, al» trenn sie nur einen Anlah suchen wollten. (Sehr richtig! unb Hört! Hört! links.) , Dann kam die Demission bce Oberst v. Neuster, von die,em Augenblick an herrschte Ruhe in ber stabt, alles atmete auf. Aber nach zwei Tagen war ber Herr Oberst schon rokber ba. Es hieh, ber Herr v. Deimling sei mit ihm in Berlin gewesen. DaS Hal auf die Bevölkerung leinen beruhigenden Eindruck gemacht. Ich will den G«.danken, die sie Bevölkerung dabei beschlickien haben. hafte Zustimmung sink».) Wir wissen nicht, ob sic inzwischen aufgehört hat, ober ob sic noch 'ortbesieht. Wenn sic aber auch aufgebort hat, so hat sic viel zu lange gedauert. (Sehr richtig! link».! E» wäre leicht gewesen, im Anfang durch geringes Entgegenkommen bic ganze Affäre au« der Welt zu schassen, (sehr richtig! link».) Al» bic Nachricht von ber Stempramic zum ersten Mal m ber Zeitung ftanb, ba muhten sich bic El so st Lothringer nalurgcmäft verletzt fühlen, (seht richtig! links) Man weift ganz genau im Elsah, dah cS in gewissen altdeutschen Streifen Mode geworden ist, die Elsaft- Lothringer al» solche mit den Dorten .Wade»" zu bezeichnen. Da« beweist mir auch ein Brief eine» altdeutschen Herrn, bet im Elsaft feinen Lebensabend verbringt unb e» bestreitet, dah der Au», druck nur auf Vagabunden angewandt werde, e» im Gegenteil bervorhebt, duft er gcwohnl^itSmähig von manchem Altdeutschen im sinne ber Geringschätzung der einheimischen Bevölkerung im Munde ges.ihrt werbe. Auch Herr Leutnant von Forstner musste sich über ben bclcibigcnbcn Ausdruck de» Wortes Wacke» klar sein, denn im 09. Regimen, besteht seit 1903,04 ein Regimentsbefehl, dc, der bamahge Cberft als einen bauernden erlassen bat. (Hört, hort!) Dieser RegimcntSbcsebl 'st m den späteren Jahren bc> jedem LolmimgSappell. also monatlich drei Mal. verlesen. (Zuruf heS Abg. Ledebour (soz.): Der St t i e g » m i n i ft c r weih nichts davon!) Er bat folgenden Wortlaut: Eine t.4erichtSverhandlung gibt mir Veranlassung, baraur binzuwcifLN, dah bas Wort .WackeS" für Elfah-Lothringer eme Beleidigung bedeutet unb idi verbiete hiermit strengstens ben Gc- brauch desselben." Der Regimentsbefehl wurde seither allen neu in da» Regiment eintretenden Offizieren vorgelegt (Hort'. Hort!' unb trägt auch ben Vermerk: „Kenntnis genommen, v. Forstner. (Hört! hört!) Es muhte mithin ber Leutnant v. Forstner über die Bedeutung dieses Wortes >m klaren sein, ober trotzdem hat er seine Rekruten täglich mit dem Worte „DackeS" traktiert. (Hört! hört!) Er ist sogar soweit gegangen, daft er die Leute zu sich kommen lieh und sich die Meldung erstatten kleh: .Ick bin ein Wacke».' iPsui-Rufr.) DaS ist nicht dementiert worben, man bat nicht einmal versucht. eS zu dementieren. Dieser unerhörte Mihbrauck ber TiemtgeroalL tiefe H e r a bw ü rb i g u n g ber militärischen -i ' I 8' • p I t n wird auch in ber alldeutschen Presse gebuhrenb beurteilt, rt'te Aufregung im Lanbe war erklärlich unb begreiflich unb e» Wäre bahcr Pflicht ber Militärdchörbe gewesen, b'er «u beruhigen. «her c» zeigte sich hier bic ganze Dcltsrcmbdhcit bic,cr ficrren. bie auch zum AuSbruck gekommen ist in ber Antwor. >es KriegSminister». bah er vier Jahre im Elsah tätig gcrocjcn, ba» Wort WackeS gehört, ihm aber bet sinn dcS Wortes un- bekannt gewesen sei. (Lachen und hört! bört!) xa» berocitt einmal wieder, das-, diese Herren im Elsah Fremde sind, dah sie n> :5 im elfaft gelernt haben. Da» gebt auch an» bem weiteren e Herren vom Mil,- tär Dürfen sich nicht wundern, wenn über ihr Verbauen gelacht worden 'st. Was soll man denn ander» tun, wenn man sicht. Wie sich der Lcutnani v. Forstner beim eintauf von Schoko- lade und Zigarren von vier Bajonetten begleiten läht. (Sehr richtig! link».« llebngcnt ist feinem der Verhafteten nachgewiesen, daft er gel.icht oder beleidigende Zurufe getan habe. Nur kleine Jungen sind ev gewesen, die gelackt haben, und da sagt man, die Zivilbchörde habe ihre Pflicht nicht getan unb habe da» Offizierskorps nicht vor Beleidigungen geschützt. Den Herren vom Militär scheint d,e Empkindung dafür zu fehlen. Wie lächerlich es ist. wenn man ilcincn Kindern mit dem Säbel in der Hand na*lä-ft. Gestern noch bat sich Dann Der traurige Vorfall in Det.wciler »ugeiragen, wo em lahmer Schuster Bcrrounbct würbe. Bei solchen Vorkommnissen ist es kein Wunber. wenn aus bem ganzen Lanbe heran« Prolestkunbgchungen einlaufen. Ich will hier nur folgende Resolution verlesen, bic bie Bürgermeister ber elsah-lothringischen begründet die sozialdemokratische Interpellation. E» wäre besser, wenn der deutsche Re ckSiag sich nicht fo oft mit den Zuüanden in Elsah-Lothringen zu beschastigen hatte. Wir hosten, da^ durch diese Besprechungen wenigsten« die Akte der Willkür, bet Militärdiktatur, de , ' äbelrasselnden Militarismus au,, hören unb w,r wieder z" gerechten Zustanbcn kommen. Die Be. bauptung, cS banbele sich um ein nationalistische» Komplott, ist falsch. Richtig ist vielmehr, bah bic el,aft.lothriu- gjschc Bevölkerung ein System nicht liebt, bas solche Bluten zeitigt, wie die Geschichte mit dem Hauptmann von Köpenick und die Alarmierung eines ganzen Ärrneekorp« ohne Grund. Wenn Zabern der Mittelpunkt ber jetzigen Ereignisse nt, so ist e« ba«, trotzdem eS bic beutsch-freundlichste stadt in Elsas--Lothringen ist. (Höri! £rön'.- -^°n in rranzonscher Zeit hat sie ihre Deutsch-Freunblichkeit bewiesen. rung von Zabern nicht fo harmlos, fo hatte ne ft4 daS meten Ä. nötig'.) Hi« ha, sich . höchsten Höhe feines Kulturnweaus gcieigt Sereebtigt hinb 6 a i rL elfaß-lothringischen Bevölkerung, wenn sie «agt. Hm Tische be» Bunde»'ak»: v. Bcthmann Hollweg, Delbrück, v. Iaqtw, v. Falken Hayn, LiSco, Kroctke. Mandel. Da» Hau» und Vie Tribünen sind voll besetzt. Präsident Dr. Äermpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Rin Die Interpellationen übet Zabern. E» liegen drei Interpellationen vor. Xie Interpellat.on der Fortschrittlichen Volk»- Partei lautet: Ist der Reichskanzlei bereit, Auskunft zu geben über die durch die Presse befanni gewordenen Aeuhcrungen eine» Offizier» in Zabern und bic dadurch veranlahten weiteren Vorgänge? Die sozialdemukratifche Interpellation hat folgenden Dortl.iut: Was gedenkt der Reichskanzler gegenüber dem Verhalten bet Leutnants in ber Garnison Zabern zu tun. Der bic elsah- lothringische Bevöltcrung schwer bdcibiqt und ferner Aeuftc- ruujen getan hat, bic geegnet sind, unsere Beziehungen zu Frankreich zu becinträdNig'n Y Schließlich liegt noch folgende Interpellation der Elsässer vor- Wa« gedenkt her Reichskanzler zu tun. um bic elsah- lothringischen SolDaien unb bie Bevölkerung Elsaft-LothringenS vor Beleidigungen zu schützen, toie sie sich ein Offizier des In- fanteric-Regimenl) Ni. W in Zabern ihnen gegenüber bat zu schulden kommen lassen? Hält bei Re ckskanzler bie Strafe, bic Über diesen Offizier verhängt worden ist. für eine Sühne, die geeignet qt, der Wiederholung folckcr Fälle vorzubeugen t Die syeflrfiiibuiiflrn. Abg Siöfcr (23p.) hegrkinbet die Interpellation der Fortfchrittlichen BolkSparici. Reich- hdi sput kommt unsere Interpellation zur Verhandlung. Wir ' £3c Sen unsere Söhne darum Soldaien, Laß sie int eigenen Hause !.. schimpft werden können? Zahlen mir darum Steuern, um uns blaue Bohnen in den Bauch schießen zu lagen? Wie Kollege Roser schon ausgeführt hat, hat der Königs- leutnant v. Forstner gesagt, daß die Leute, wenn sie non einem Wackcs angegriffen werden, ihn nicderschicßen müssen, und daß sic dafür zehn Mark erhalten. (Hört! Hört!) Es ist also eine Prämie a n f den T o t s ch l a g ausgesetzt. Wenn der Sergeant auch noch einen Taler beitragen will, so wirft das auf die Unteroffiziere ein eigentümliches Licht. Demselben Herrn Sergeanten hat man d'c Wahl gelassen, ob er lieber Prügel haben oder sich als E ck st e i n benutzen lassen wolle. Er hat das letztere borgezogen. (Hört! Hört!) Der Belagerungszustand sollte verhängt werden; 45 000 Patronen waren bereit zur Verteilung. Am Mittwoch, den 26. November, also zwei Tage, bevor der Kriegsminister seine Entschuldigungsrcde hielt, hatte das Militär sich bereits die P o l i z c i g c w a l t angcmaßt und sie der Zivilbehörde genommen. (Hört! Hört!) Das ist eine flagrante Gesetzesverletzung, und dann stellt sich der Kriegsminister hin und hält eine Entschuldigungsrcde, die selbstverständlich öcrrn v. Forstner und diejenigen Leute, die mit ihm geistesverwandt sind, ermutigen muß. (Sehr richtig!) An demselben Tage sind dann die Glsetzesverlctzungen vorgekommen. Wenn der Herr v. Forstner sich unter Bedeckung von vier Mann mit aufgepflanztcm Seitengewehr Schokolade kauft, so soll das kein Bild zum Lachen sein! Das ist ein Bild für den ,S Y m p l i z i s s i rn n s " ! Wir lachen selbstverständlich darüber, wenn der Leutnant Pralinces kauft unter Bedeckung von vier Mann mit aufgcpflanztem Bajonett. Die Bevölkerung hat ihr Vergnügen daran, und zlvar mit Recht, wenn die Fortbildungsschüler, Bürschlein von 14 bis 16 Jahren, nur wenig jünger als der Leutnant v. Forstner, ihm ein Wort nachrufen, das er andern zugerufen hat, tvenn sie ihm einmal Bcttbcsch mutzer nachgcrufen haben. (Heiterkeit!) Da passierten ihm Dinge, die er selbst in der Jnstruktionsstundc sagt, nur daß sie auf die französische Fahne gehen. Wenn der Spott der Straßenjugend sich dieser Affäre bemächtigt, kein Gesetz im Deutschen Reich gibt es, das ihm das Recht verleiht, den Belagerungszustand mit Flinte und Bajonett zu verhängen. Er mag sich an den Richter wenden, wie wir, und Klage erheben. Da hat man 15 Menschen durch einige 50 Soldaten zerstreuen lassen. Eine eigentümliche Art der Kriegsbetätigung. Nicht der Leutnant, sondern ein 50jähriger Oberst läßt scharf laden, das erste Glied niederk.iien, das zweite anlegen und er selbst bleibt hübsch hinter der Front, — wie kann man solche Dinge nur verteidigen? Jn Zabern herrscht die Säbeldiktatur. Hohenlohe- Schillingsfürst, ein Vorgänger des Reichskanzlers, ein gut konservativer Mann, hat schon einmal geschrieben: Man will die Elsässer zur Verzweiflung treiben, um einen Aufstand blutig niederschlagen zu können. Als die Militärbehörde socingriff.hatsie direkt Hochverrat begangen. Wenn cs nicht das war, so Ivar cö nervöser Vcrfolgungswahnsinn. Nach diesem Muster müßte gcg-en eine französische Patrouille ein ganzes Armeekorps aufmarschieren. Wenn das deutsche Heer keine besseren Soldaten hat, als in Zabern, dann bedauere ich den Kriegsminister. (Sehr richtig! links.) Warum spricht der Reichskanzler nur von der Autorität der Ordnung, nicht von dem Rechte, das mit uns geboren ist? WaS soll noch die lange Untersuchung? Nur bei Bc- lagerungszustäno-en oder wenn die Zivilverwaltung cs verlangt, ist ein Einschreiten der Militärbehörde gestattet. Also Anarchie innerhalb dieses Reiches der Ordnung und des Gesetzes. Der Kriegsminister hat in seiner Entschuldigungsrede (Heiterkeit) gewissermaßen den Leutnant gedeckt. Hin 1 Uhr sprach er hier, um ■4 Uhr kannte man die Rede in Zabern und um 7 Uhr ging der Leutnant Schokolade kaufen. (Heiterkeit.) Hat General Deimling ihn überhaupt über die Vorgänge unterrichtet? Steht die Erklärung des Kriegsministers nicht mit der des 99. Regiments in offenem Widerspruch? Sie wußten wohl, daß „Wackes" nicht bloß einen Messerstecher, einen sittlich minderwertigen Menschen bezeichnet, sondern die Elsässer überhaupt. Es ist bereits das Wort von der Weltfrcmdheit gefallen. Es ist doch wirklich merkwürdig, daß jemand vier Jahre in einem Lande lebt und dann dort nicht Bcschcid weiß, und daß man ausgerechnet einen solchen Mann, der in vier Jahren nichts gelernt hat, dann zum Kriegs- m in ist er macht. (Große Heiterkeit links.) Herr von Forstner behauptet, er hätte den Sinn des Wortes „Wackes" nicht gekannt. Dann wollte er also die ganze elsaß-lothringische Bevölkerung tob schlagen lassen. Diese Worte vom Niederschlagen der Wackcs erinnern an daS Jahr 1525, wo man in Zabern 18 000 Bauern niedcrschlug mit dem Schlachtrusc: Schlagt drauf, der Herzog erlaubt es! lLachen rechts.) Das war auch einer der Ihrigen, der daS erlaubt hat. (Lachen rechts.) Der Kriegsminister meinte: Jugend hat keine Tugend! Muß aber ein solcher Mann, der sich so wenig beherrschen kann, ausgerechnet ins Elsaß kommen? (Schi richtig!) Ein solcher Mann, der den Revolver neben sich legt, wenn er ißt, und der die Sveimkarte mit dem Degen ausspießt, weil er darauf das französische Wort „Poularde" findet. (Große Heiterkeit links) Mit der unglaublichen Milde des Kriegs m i n i st e r s gegen die Ausschreitungen des Leutnants von Forstner verträgt sich die strenge Beurteilung der Rekruten sehr schlecht. Ter Herr Kriegsminister vermag auch nicht, wie er cs zu tun versuchte, die Verantwortung für die Vorfälle in Zabern abzulehnen und die vorgesetzten M'litärpersoncn als die allein Verantwortlichen hinzustcllcn. Er ist uns nach dem 6>csetz vielmehr für alle diese Dinge hier Verantwortung schuldig. (Sehr richtig! links.) Schnoddrige Redensarten eines unreifen Burschen können doch nicht durch das Dienstgeheimnis und durch dcn Fahneneid ged.ckt werden. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Merken Sie denn nicht, daß dadurch der Fahneneid zur Farce herabgewürdigt wird? Präsident Tr. Kaempf: Sie dürfen nicht sagen, daß der Herr Kriegsminister den Fahneneid herabwürdigt. Abg. PcirotcS (Soz): . Ich habe den Herrn Kriegsminister weder erwähnt noch gemeint. Und kann so ein junger Leutnant ja nicht beleidigen. Wir würden ihm höchstens ein großes wollenes Tuch kaufen, um ihn gründlich trocken zu legen. Es wird vorgeschlagen, man sollte die Elsässer nicht in elsässischen Garnisonen lassen, sondern sie möglichst an die russische Grenze versetzen. Wir könnten das nur begrüßen, wenn sic dort bu* Kultur der O st c l b i c r kennen lernen würden. (Stürmische Zurufe von der Rechten.) Die Worte dcö Leutnants von Forstner haben nur daS Faß zum Uebcrlaufcn gebracht. Glauben Sie, daß auf solche Weise die Liebe zum deutschen Vaterland erweckt wird? Die Hauptschuld an den Erregungen trägt neben dem Kriegsminister der Herr von Deimling, der S'.egcr aus dem H c r e r o l a n d. (Große Unruhe links, stürmische Zurufe rechts und Hochrufe auf Deimling.) Ich kann mir Ihre Begeisterung für die Hcrerokämpfc schon erklären. (Zuruf rechts: Gehen Sic doch hin!) Das würde Ihnen so passen, dazu habe ich keine Veranlassung. Gehen Sie doch mal hin, Herr Dr. Oertcl. (Präsident Dr. Kämpf ersucht den Redner, in gemäßigterem Tone fortzufahren. — Große Unruhe im ganzen Hause und ironische Zurufe der Rechten, die aber m dem Lärm unverständlich bleiben.) Diesen TvpuS einer übermütigen Soldateska, diesen Hern von Deimling, dessen Auftreten hier im Reichstag schon stürmische Entrüstung hcrvorgcrufcn hat, setzt man uu8 hin. (Zurufe: Das ist unglaublich, unerhört! — Zuruf rechts: Zur Ordnung!) Sind Sie denn hier Präsident. (Präsident Dr. Kaempf ersucht die Herren, sich zu beruh.gcn, da in dieser Weise die Verhandlung unmöglich fortgesetzt werden könne.) Ich toiti mich so viel als möglich mäßigen. Der Regierung gilt der jüngste Leut- lant mehr als die Ruhe und der Friede im Lande. (Sehr richtig! bei den Soz.) Heute kann man schon nicht mehr von einer Nebenregicrung dcs Militärs reden, heute ist das Militär die Regier u r g. (Sehr richtig! links.) Seit den letzten dreißig Jahren sind die Verhältnisse im Elsaß nicht besser geworden. DaS Volk unter die militärische Knute zu bringen, dafür ist Herr von Deimling allerdings der richtige Mann. Er ist mit schuld daran, daß die Ruhe und die öffentliche Ordnung gestört wurden; er ist mit schuld an dem unerhörten Rechtsbruch; er ist mit schuld daran, daß die persönliche Freiheit der Bürger nicht geschützt ist und daß in Elsaß-Lothringcn Gesetz und Recht von der Militärdiktatur mit Füßen getreten wird. Diese Vorgänge in Zabern, das ja doch auch zu Deutschland gehört, beweisen, daß nicht das Gesetz, sondern die Diktatur dcs Säbels in Deutschland herrscht. Man erzählt, daß Herr von Deimling von der Neben- rcgicruug ein Telegramm erhalten hat, worin ihm das volle Einverständnis mit seinem Vorgehen ausgesprochen wird. (Lcbh. Hört! Hört!) Ich frage den Herrn Reichskanzler, ob das richtig ist. Allerdings weiß ich nicht, ob der Herr Reichskanzler, wenn er Zugreifen will, auch wirklich zugreifen kann. (Sehr richtig! bei den Soz.) Denn stärker als er ist ja das Militär. Der Reichskanzler sollte vor seinem kaiserlichen Herrn hintreten und erklären, daß er die Verantwortung für solche Dinge, die an daS 16. Jahrhundert erinnern, nicht länger tragen könne. Wenn Sie den Weltfrieden einigermaßen garantieren wollen, dann müßten Sie vor allen Dingen auf die Aussöhnung der elsässischen Bevölkerung hinarbeitcn und die Säbeldiktatur beseitigen. Frankreich hat in diesem Fall nicht mit dem Säbel gerasselt. Ich möchte mal sehen, was in der sogenannten nationalen Presse Deutschlands für ein Geschrei entstanden wäre, wenn der Fall umgekehrt gewesen wäre. Hier ist ein ganzes Volk in schmählichster Weise beleidigt, 30 Personen unschuldig verhaftet worden. Wir verlangen die Bestrafung dieser Gesetzesverletzer, dieser Hochverräter (Stürmische Entrüstungsrufe von rechts.) Gewiß nd daS Hochverräter. Wie Sie sie bestrafen wollen, das ist Sache. Wenn in Venezuela oder Mexiko einem deut scheu Staatsbürger der Hut cingctricbcn wird, bann erhebt sich hierzulande ein rnörberischcs Geschrei, bann ist bie deutsche Ehre besudelt und ein deutsches Kriegsschiff muß in See stechen. Soll der deutsche Staatsbürger aber nicht auch innerhalb der Reichsgrenzen geschützt werden? Der Rcichskanzler muß dafür sorgen, daß den Beleidigten volle Genugtuung wird, und daß die Hochverräter (Gr. Unruhe rechts), jawohl es sind Hochverräter, gebührend bestraft werden. (Beifall links.) Tun Sie das nicht, Herr Reichskanzler, so rangiert Deutschland in den Augen des Auslandes noch hinter Venezuela und Mexiko (Lachen rechts.) Dann wird der stolze ci vis germanus, von dem der Kaiser gesprochen hat, zu einem verächtlichen Ding. (Unruhe rechts.) Präsident Dr. Kaempf: Ihre Ausführungen sind beleidigend für den Reichskanzler und für das deutsche Volk. (Lebh. Widerspruch b. b. Soz.) Wenn Sic auch nicht direkt eine Beleidigung ausgesprochen haben, so lag doch jedenfalls eine Beleidigung in dem Sinn der Worte, ich rufe Sie zur Ordnung. (Beifall rechts, Gelächter b. d. Soz.) Abg. Pcirotes (Soz.): Ich will das deutsche Volk nicht beleidigen, sondern vor Bc- Icibigungen schützen. Herr Reichkauzler, holen Sie nach, was Sic und Ihre Vorgänger bisher versäumt haben. Bestrafen Sie die Schuldigen und arbeiten Sic mit uns (Gelächter rechts) an der Umgestaltung des Deutschen Reiches zu einem modernen freiheitlichen Staate. (Beifall b. d. Soz.) Abg. Haust (Elsässer): Wider Gesetz und Recht hat man in dem herrlichen Vogcsen- städtchen die Militärdiktatur erklärt, würdige Bürger verhaftet, Frauen und Kinder mißhandelt und sich gebärdet wie eine wilde Horde. (Sehr richtig! links.) Der Oberst des Regiments war ja der Anführer, und General Deimling deckte ihm offensichtlich den Rücken. Tie einzige Entschuldigung des Kricgsministers war die Jugend des Leutnants. Dies Kind — kein Engel i st so rein — soll eurer Huld empfohlen fein 1 (Heiterkeit.) Es ist erstaunlich, wie die Militärbehörde den psychologischen Augenblick zur Beilegung der Sache verpaßt hat. Hätte sie rechtzeitig erklärt, daß die Sache gründlich untersucht wird, bann hätte eine solche Erklärung Wunder gewirkt. Im Gegenteil wurde aber der Leutnant energisch in Schutz genommen. Tie elsaß-lothringische Bevölkerung hat von dem General v. Deimling nichts erwartet. Sie versteht cs aber nicht, daß auch der Kriegsminister kein Wort dcs Bedauerns gefunden hat. Dabei gehört bie Zaberner Bevölkerung zur ruhigsten bcs Landes. Sie hat jahrelang den Rcichs- parteilcr Höffel in den Reichstag geschickt. Der treue Fridolin d cs Leutnants war sein Sergeant Höflich, der sci- nem Namen wenig Ehre gemacht hat und der sogar vor Gewalt- tätigfiiten nicht zurückgcschreckt ist. Einsicht, Reife und Selbstzucht sind Begriffe, die dem Leutnant v. Forst- ncr völlig fremd sind. Hm so mehr ist das Maulheldentum bei ihm ausgeprägt. (Sehr richtig! links.) Er hat die französische Fremdenlegion mit einem Ausdruck belegt, der so niedrig im Kurse steht, daß ein anständiger Mensch sich schämen sollte, ihn in dcn Mund zu nehmen. Ein solcher Vorgesetzter vergeht sich nicht nur gegenüber seinen Soldaten, sondern auch gegenüber seinem Stande. (Sehr richtig! links.) Allerdings ist von Forstnir nicht in der Sage gewesen, hinter seinem Vorgesetzten die richtige Belehrung zu finden. Dieser ist nicht geeignet, Helden zu erziehen. Gleich kam er bei dem kleinsten Tumult mit tönenden Worten: Er werde jeden zur Strecke bringen, der sich zur Wehr setze. Er hat gegen daS Gesetz verstoßen und im Zaberner Anzeiger Hausfriedensbruch verübt. Das Betrübendste ist, daß er sich auf höhere Stellen dabei berufen kann. (Hört! Hört!) Auch in Altdeutschland ist man jetzt der Ansicht, daß solche Zustände in Elsaß-Lothringeu nicht länger bestehen bleiben können. Das gibt ein nationalliberales Blatt wie der „Hannoversche Courier" mit offenen Worten zu. W i r kennen ja im Reichstag den damaligen Ober st en von Deimling vom I u h r c 1 906 her. Damals sagte der Abg. Müllcr-Sagan: So rede die Soldateska. (Lärmender Beifall links.) In diesen sieben Jahren hat Deimling nichts gelernt und nichts vergessen. Tic Ziviloerwaltung soll versagt haben? Sie war ohnmächtig, aber höchstens gegen die Soldaten. Ist es nicht zum Lachen, wenn vier Soldaten von Forstner zum Schokolabekaufen begleiten müssen? Bebauerlich, baß Soldaten sich zu einem solchen Mummenschanz bergeben müssen. In bic Begleitung Forstners gehören keine Soldaten, sondern ci n c Amme zum Trocken legen. (Heiterkeit.) Im Manöver hätte er damals tun sollen, wa8 andere in solchem Falle tun, und schleunigst verschwinden müssen. (Heiterkeit.) Tic armen Rekruten haben ja ihre strenge Strafe erhalten und sind ins Exil gewandert. — Einer nur ist unbehelligt, Leutnant von Forstner. Anderswo wäre der Schuldige schnell über bie Grenze geflogen, wie 1882 in Clbcnburg ein Leutnant, ber bie Rekruten pibcnburgcr Ochsen genannt hatte. Die Ochsen wurden fuchsteufelswild. Warum geht das nicht auch in Elsaß-Lothringcn? Die loyalgesinnten Elsaß-Lothringer sichen heute auf dem Trümmerfeld langjähriger Versöhnungsarbeit. Auch die Altdeutschen im Lande sind darin mit ihnen einig. Die Aufregung ist nicht künstlich gemacht. Die französischen Zeitungen haben die Angelegenheit mit größter Zurückhaltung behandelt. Wir hoffen aber, eß gibt noch Richter in Deutschland. (Beifall links und bei den Elsässern.) Reichskanzler Dr. v. VcLhrnann HoMveg- Nach dcm Ergebnis ber Ermittelungen stellen sich die Vorgänge in Zabern wie folgt dar, wobei ich vorweg bemerken will, baß im unmittelbaren Anschluß an meine Ausführungen ber Kriegsminister ergänzend bas Wort ergreifen wird: Der Leutnant von Forstner hat in einer Jnstruktionsstunde einem Rekruten Anweisung gegeben, wie er sich verhalten soll, wenn er angegriffen würde. Im Hinblick auf bic mancherlei ernsten und traurigen Ereignisse in den letzten Jahren hatte der Leutnant wohl Ver- anlagung. dies zum Gegenstand der Instruktion zu machen. Er hat bei dieser Gelegenheit für dcn Eintritt einer bestimmten Even. tualität eine Geldprämie ausgesetzt, die her gleichfalls an- wcscnde Unteroffizier erhöht hat. Diese Aussetzung einer Geld- Prämie war selbstverständlich eine Ungehörigkeit. Der Leutnant hat bei der Gelegenheit denjenigen, der sich an den Rekruten bergreifen sollte, einen „Wackcs" genannt. Weiterhin hat derselbe Leutnant in der Jnstruktionsstundc: seine Rekruten vor dem Eintritt in die Fremdenlegion gewarnt. Tas war sein gutes Recht. Er hat aber dabei mit Bezug auf 'ben Dienst in ber Fremdenlegion einen durchaus ungehörigen Ausdruck gebraucht. Tie Pressemeldung — und diese Pressemeldung ist von einem der Vorredner heute hier im Reichstag vertreten worden — die Meldung, daß der Leutnant die französische Fahne ber schimpft haben soll, ist nach dcm Ergebnis der Untersuchung un- richtig. (Hört! Hört!) Ta diesem Ergebnis von gewisser Seite widersprochen ist, es aber unbedingt notwendig erscheint, daß in dieser Beziehung Klarheit geschaffen wird, ist die Untersuchung wieder ausgenommen worden, aber noch nicht abgeschlossen. Bc- [cibigungen einer Armee, mit der wir vor bi er • Zig Iah ren in chrcnboller Weise bic Waffen gekreuzt haben, würben s e l b st b e r st ä n d l i ch in der deutschen Armee nicht geduldet werden. (Leb- haste Zustimmung.) Endlich hat derselbe Leutnant in der In- struktionsstundc dreimal Elsässer als „Wackcs" tituliert. Ein Nekrut hat sich auf Befehl der Unteroffiziere beim Offizier melden müssen mit dem Ausdruck: Ich bin ein WackeS. (Hört! Hört!) Für die borgefommenen Ungehörigkeiten ist der Offizier rckti- fiziert und bestraft worden, ebenso der Unteroffizier. (Zurufe links: Aber wie?) Auch das ist eine Selbstverständlichkeit. Die Vorgänge in der Jnstruktionsstunde sind von beteiligten Mili- tärperfonen in die Oeffentlichkeit getragen worden, und zwar die Vorgänge rucksichtlich der Fremdenlegion durch ein mit Namen unterzeichnetes Schriftstück an die Presse. Wegen dieses mit der militärischen Disziplin absolut unvereinbaren Vorgehens gehen die Schuldigen ihrer Bestrafung entgegen. (Zustimmung rechts.) .Ich habe diese ersten Vorgänge noch einmal kurz skizziert, weil sic schließlich die Quelle all der Dinge geworden sind, welche sich hinterher ereignet haben. Ich will ebenso, wie cs dcr Kriegs- minister getan, weder etwas beschönigen, noch verheimlichen. Aber was liegt bei diesen ersten Vorgängen vor? Ungehörig, teilen ein.es jungen Offiziers, begangen in den Wänden der Kaserne, unerfreulich, aber do ch nicht weltbewegend. (Sehr richtig!) Mit dcr verhältnismäßig geringen Bedeutung dieses Anfanges der Dinge steht die spätere Entwicklung in keinerlei Verhältnis. (Erneute Zustimmung!) Bezeichnend ist. daß der Malin unter den ersten gewesen ist, der die Sache in seinem Sinne verwertet hat. Durch Artikel in der Lokalpresse ist bann bic Erregung in Zabern und über Zabern hinaus weiter geschürt worden. Die elsässische Bevölkerung hat sich durch den Gebrauch des Wortes „Wackes" beleidigt gefühlt. Man hat dabei von einem gewollten öffentlichen Affront der Bevölkerung gesprochen. Davon kann ja selbst, verständlich nach all den Umständen, die ich angegeben habe, unter denen das Wort gebraucht worden ist, keine Rede sein. Aber schließlich: das Wort ist gefallen. Tie Presse hat lange Erörte- rungen über die Bedeutung des Wortes angestimmt. Ich bin bemüht gewesen, mich bei Elsäffern selb st über die Sache zu informieren Danach scheint mir bie Sache boch folgender, maßen zu liegen: Das Wort „Wackes" wird bald gebraucht für die Bezeichnung eines Herumtreibers, eines nichtsnutzigen Men. 'scheu, bald gilt cs als ein Spitzname für den Elsässer. (Lebhafte Unterbrechung der Elsässer durch Zurufe: Niemals!) Ich kann ja die Quelle nennen, mir hat das der Abg. von Calker gesagt, (minutenlanges Gelächter bei den Elsässern und links.) Ich zieh« daraus feine weiteren Folgerungen. Wenn Sie mich anhören, werden wir, glaube ich, in dieser Beziehung einer Meinung fein. Mir ist mitgeteilt worden, es würde als Spitzwort gebraucht, und zwar gebraucht es der Elsässer selbst im gutmütigen Sinne seinen Landsleuten gegenüber. (Zurufe: Nein.) Ver« letzend wird es erst im Munde eines Nichtelsässers. Ich halte es für müßig, darüber zu streiten, ob der Elsässer eine Berechtigung hat, zu sagen, daß er durch das Wort beleidigt wird; tatsächlich fühlt er sich beleidigt. Früher ist der Gebrauch des Wortes ausdrücklich untersagt worden an einzelnen Stellen, und ich kann in llcbereinftimmung deö Herrn Kriegsministers die Erwartung aussprechen, daß nach den jetzigen Vorkommnissen und Erfahrungen daS Wort in Zukunft nicht mehr g e. braucht werden wird. (Bravo!) Aber, meine Herren, ich trete den Herren doch wirklich nicht zu nahe, wenn ich meine, die Elsässer sollten doch nicht empfindlicher fein als andere. (Sehr richtig!) Der Elsässer nennt den Deutschen, wenn er von ihm spricht, mit Vorliebe einen Schwaben. (Große Unruhe. — Abg. Ledebour (Soz.) ruft: I n einer so ernsten Sache solchen Kohlzu reden! — Die Alldeutschen regen sich darüber nicht auf, ebensowenig wie wir uns aufregen, wenn unS von Bayern ober Sachsen bedeutet wird, daß wir (Zurufe: Saupreußen!) — Preußen und keine Bayern oder Sachsen sind. (Heiterkeit.) Man sollte das nicht für ernst nehmen. Aber sei dem wie ihm wolle, die Elsässer haben sich tatsächlich beleidigt gefühlt. Das aber bildet doch noch in keiner Weise irgend eine Rechtfertigung dafür, daß in der Folge tatsächlich Offiziere oder Mannschaften beleidigt werden. (Hört! hört!) Das ist tatsächlich geschehen! Ich will dabei vorweg bemerken, daß die Behauptung, die von einem der ßerren Vorredner hier ausgesprochen worden ist, nämlich, von einem mißhandelten und besudelten Unteroffizier, eine Erfindung ist. Sie ist nicht richtig. (Hört! hört!) Im übrigen hat sich nach der dienstlichen Meldung des Generalkommandos, auf bie ich mich beziehe, bic Angelegenheit folgendermaßen abgespielt: Am 29. November, als Leutnant von Forstner durch die Stadt ging, fanden Ansammlungen statt; Kinder warfen mit Steinen nach ihm. (Ruf bei den Loz.: Kinder!) Am Nachmittag desselben Tages sammelte sich eine johlende Menge vor der Kaserne. Auf die beiden Mann- schaftsvcrtreter, die Leutnant v. Forstner nach seiner Wohnung begleiteten (Hört! Hört! b. b. Soz.), wurden Steine aus ber Menge geworfen. Am 10. November schreien und johlen etwa 100 Brenschen, hauptsächlich junge Leute, hinter Offizieren auf der Hauptstraße her. Am 26. Novcmb-er werden mehrere Offiziere in ber Nähe be3 Schloßplatzes von Arbeitern, Kanal- schifsern und Jungen umringt und angeschrien. Zwei von den Schreiern werben vom Militär festgenommen und an die Polizei Herren nur au»reben lassen wollten und Abg. ^ehrenbach t^fr.): heben <1* i£JfL n L ®-l1*' n’4‘ im Munde zu der. tTiihtärttodage!) Tic Aufgabe bcß P Jabern. ’pre* h c 6,01 Reichstag von den Vorgängen in - Meinungen auch e-nzcln.r tfolfßicile i\ fflot bnfl h E« ift bie Pflicht der Behörde, die Menschen am Leben zu schütze-'. Datz e» wenigsten» da» Bewuhtscin dieser Pflicht war, wa» die Kihtärbrfiörbc in Zabern veranlatzte einzuschrciien, da» ift für mich n cht zweifelhaft, auch wenn in der Folge bei den Mahnahmen, die ergriffen worden sind, die gesetzlichen Krenzen nicht eingehalben wurden. (Aha! Großer Lärm l,nk» ) Ich mutz aber bei dieser Gelegenheit scharfe Vcr- Wahrung dog. gen cinlegen. datz der Abgeordnete Peirote» unter einem nickt mitzzuverstcbcnden Hinwei» aus die Offiziere in Zabern von Hochverrat gesprochen hat. (Lärmende Zurufe link»: E» war Hochverrat!» Ta» darf meine» Dafürhalten» nicht ge- schehen. Ich lege jcdenfall» verw'abrung dagegen ein. (?leuc Zurufe und Lärm hnf».) Man darf da» Dort nicht gebrauchen, so lange nicht einer be» Hochverrat» schuldig erkannt worben ist («euer großer Lärm und Zurufe link».) E» ist nicht richtig, die traurigen Vorgänge in Zabern nicht al» au» besonderen Umstände«, bervorgegangen, sondern al» den Ausdruck eine» tief gebenden allgeme.ncn Gegensätze» zwischen Zivil, und M.lilär rcrwaltung anfeben zu wollen. Ich habe objektiv dargclegt (Lacken link»', wie der Vorfall entstanden ift. Er ift au» Verhältnis, mätz, g kleinen örtlichen Vorgängen, au» kränkenden Sorten in ber Kasern«, au» bubenhaften Schmählich, leiten auf der Strotze unter fortgesetzten Steigerungen von Wirkung und Gegenwirkung erwachsen, cs ift weder für die all gern ine», Umiiänbe bei un» charakteristisch (Sehr richtig! reckt» zwisckcn Militär- und Zivilverwattung im Rc,ck»lande al» Ur- fache für diese Unfiimmigfeiten in Zabern angesehen werden. Reine Herren! Ick (Jaule, wir wollen alle, so wenig er- freulu-f) diese Vorgänge sind, nicht lediglich an der Vergangenheit fest kleben, sondern wir wollen auf die Zukunft sehen. (Grosser Lärm link».. Für die Zukunft kommt e» vor allem dar- auf an. daß an dem Herde, wo die Erregung entstanden ist, datz in Zabern wieder normale Zustände einkebren, damit Vorgänge, wie die jetzigen, bei denen eine gesunde Kooperation zwr schen den Organen der Gewalten nicht fiattgefunden hat, n.cht wiederkehrcn können. Dazu gehört ein andauernder Kontakt zwischen militärischen und 3icilbcbörben. Da» ist die Wiederherstellung de» guten freundschaftlichen Verhältnisse» Zwischenrufe au»sprächen, bevor ich meinen Satz zu Ende gesprochen habe? (Sehr gut! recht». — Abg. Lede- bour: Oh bitte, der Satz war zu Ende! — Trotze Heiterkeit.) Da» Militär erklärt, datz e» selbst bei der vorgenommenen Der- stärkung der zivilen SicherheitSorgane in Zabern e» diesen nicht möglich ist, an jedem Orte der Stadt, wo eine Ungesetzlichkeit passiert, sofort zur Stelle zu fein. (Heiterkeit.) Ich glaube, da» ist nach der Vorgeschichte nicht ganz unbe. recht igt (Grotze Unruhe.) Die Militärbehörde hat ni^gctcilt, batz sie den Standpunkt vertrete, datz Militärs Delcidigungen, d,e ihnen zugesügt werden, nicht auf sich sitzen lassen dürfen, und datz da» namentlich in diesem Falle nicht geschehen kann, wo c» sich nicht um vereinzelte Belästigungen gehandelt hat, sondern nach dem, wa» ich Ihnen mitgcteilt habe, um eine ganze Kette von aufeinanderfolgenden Beleidi. fUr-6a,® ^d?ld,'aI Valeria.,de» gelampt, haben. Da helfen den 'Soldaten fc.nc Heben, bi hilft nur die inn’ Ma .ba» ^rpcfuH (Kr.--c Unruhe link» Zurufe. 7®* ’°a btcV? ^ch meine hiermit burcüau« nickt lieber- bebung. Fragen ->e doch m Lothringen noch, wo ich vier Jahre nn. ‘*“"ftt*r,1,dKt stelle tätig war. cb ich je militärische » "J1 bc~r:‘!cn v elmehr meine ich da» Elr- auM, bafr es dem -oldaten nickt ein.,, Augenblick zwe 'elbaft ,em toll trenn e» sich um b,e Entscheidung zwischen c a n fr e ujr b Z o d handelt. Andauernde araic Unruhe sink» T" fc!dk' dem Manne, ob er Cfft|,cr -ber eoLat ist, a.izuerzieben. ift nicht le ckt. E» märe unme wenn man fordern wollte, datz ein Soldat dauerck o.anmatzige -cich.mpsung ertragen soll. Zuruf b b Loz.- Tlr colbaten werden durch vorpcfetzte selbst beschimpft') " e» famen .nur* tu Bele.b.gung e.nc» ganz jun. gen Offiz.cr» m Frage, man mutzte ibn einfach Mtvi-cn ^ab meinen ©endjlrn sind O »' s i z i e r e beleidigt. Ä wenn da» richtig wäre, ftage ick mich, ob denn bte Leute, bie das an fuhren, kern Verständnis da'ur haben, was in unserer Armee kXI Uroffi^icr bedeutet, («eläckter link».) r*L,^!?r6ife 3I-Sr M. IIm so mehr, als ick ick^n^/n^ "Druckt bin. (Hcit.rkcit reckis.) 3bc 9 ,to L,c Sehren les ehrwürdigster, ®rci tc» bat Verspiel eine» einten fr, schenjungen Offizier» C j "l nur überau» schwer gefallen, diese Ausfaiiung. die in .■Jabern Ka:,g und Oiabe nt zu Papier zu bringen, aber e» mutz |a einmal zum Au»drnck gebiad>i n crdei' datz nickt nur im deutschen, sondern auch ,n den ruhigen elsäf,,schen Kreisen..... (Stürmischer Lärm link» und bei den Elsässern.) Ferner ist mir heute morgen eine Proklamation de» Zaberner AteivbitcMor» mitpeteilt worden: _«u* Anlatz ber jünflum Vorgänge in Zabern und Detiweiler. wo Militarpersoiien durch flegelhafte Zurufe beleidigt wurd.n iHori! Hört!> und wo bnl Militär darausbin gezwungen war iHoit! Hört! reckt») zur Selbst. Hilfe zu greifen, fordere ich ,m Auftrage de» Statthalter» bit besonnenen Bürger auf, gegel'enenfall» dazu beizutragen. d.rtz Personen, die Offiziere und Manufchasten durch Zurufe be. leidigen, dingfest gemocht werden und dem Richter behus» Be. ftrnfung zugesuhrt werden. Tie Vetresfenden würden dadurch nicht nur sich um den guten Ruf de» Bürgertums, der durch das unanständige Auftreten einiger Buben kompromittiert wird (Hört! Hört! recht»), verdient macken, sondern auck dem Militär jeden Anlatz zum Selbslschufr nehmen." Dieser Schilderung habe ich nicht» binzuzusügcn und ebensowenig den «u»fuhrungen be» Herrn Reichskanzler» über die Rechtslage. Noch eine» möchte :ch greifen! Die Armee ift eine furchtbare Waffe, unt sic mutz c» (ein, wenn ihr Zweck erreicht werden soll. Sie ift nicht g.'chasfen, wirklich nicht und bestimmt nicht, um den polizeilichen S'cherhcil»dienst zu erfüllen, und c» ift 'm höchsten Krade bebauerhd) — mir selbst auch — datz die» in unserem Falle nölis war durch wiederholte Warnungen der Militärbehörde an die Zioilbehördc. (Hört! Hört! link».« Ebenso ist cfl mit in hohem Krade veihatzt, wenn e» zum Einschreiten kommen mutz. In drohendem Tone: schreitet bic Armee aber einmal ein . . . . (Stürm. jum Ausdruck zu bringen ir wollen nicht Vorwürfe v v, - « . 7 7 -------- sondern an unserem Teil heilend auf d,e «estge>:ellten Schäden wirken. Ick erkläre nan en» meiner ‘Sartci, datz wir die bestimmte ^rwar.ung halten, iutdj die Erklärungen der Regicruna, be» rnz.er» uiiy de» 5)rleg»mrr.ister» würde un» vorgearberlet rnrrben. Diese Erwartung ift nickt erfüllt. (Stürmische Zu. UimmungI Niemand wird unserer Partei nachsagcn können, datz sie kein Kciuhl für Autorität besitz! feine Befähigung für die '( cuturj und Macht.lellung unsere» Militärs. Aber, wa» beute tr bergetrapen n-Urde, klnmt au» einer anderen Seit -lurmifche Zug wmung.) Es ,,t schmerzt,ck, aber hier gibt el r?IUtCK mLhr- ®cnn bct t-'ck'ekanzler zum Schutze dc» Rechte» und der ofrentlichen Gewalten berufen ist. dann mutz er hier Remedur emtreten lassen. (Sehr richtig!) Vir haben bedauernde Aeutzerungen gehört, aber nichts, wa» zur Abhilfe netrosken wurde^ Davon habe ich nicht» gehört. 'Stürmische jufhmmuun., so zieht man unnötige Forschheit und hn‘Lm --'k?erÄe1nJUn0Ct ^ulnanlS auf. Denn man so vor! von dem sabcl, mit bem man einen durchstechen mutz. Ta» K .unj,tcrf,lbl ?cm Gesetz und dem Rech:, c» ist nicht cx lex und darf cS nicht sein. ^er Unteroffizier» nicht ersetzen können. (Stürmische» änbauem* ;1 ^"achter l'nk». Bravo reckt».) Solche Offiziere werden um io eher . ernt (ein. i h r Leden für «in Ideal in d >» f ® 11:1 8 c » u ’ 4 l a g r n. t Zuruf In den Soz . 11 nb die Mann. T.e Armee braucht lange Führer so sehr, datz sie gerr> die manckmal etwa» t üppi sch e n « c u e r u n fl e n ihre» zagend.icke-i U Irrmute» in den Kauf nimmt (Hört! Hört! und i. r «arm In k» und >m Zcnirur Bet der t*eurinlun,i solcher ,ua« b:ba!i bat Gort unsere» Rea!emcnl» vi'lle Kuttigkeit. dad> UntcrlaHuiigen u n d Versäuinnissc eint sch wtre r c Belastung bilden, al» em Fiblgreiien in bet SMbl ber Äittd. .Lebhanc» Hort? Hon! l,nl» , Tiefer «rund» ap mutz wtangen wollten, datz dabei eine geregelte Di«kussion möglich ist. wurde ba» die Sache erleichtern. Die Herren. d,e vor mit zu ®ortc gekommen sind, haben gesprochen von einer Erbitterung unb lebhaften Erregung, die in den letzten Tagen de» November» in Zabern geherrscht hat. Wenn bei dieser erbitterten Stirn, mung der Oberst der Ansicht mar: .Denn ich in dcm Moment. ioo die Offiziere aus dem Scklotzplafr von der Menge belästigt werden, sofort eingrcise. so r-erhutc ich etwa» Schlimmere», so verhüte ich eventuell tätliche Beleidigungen der Offiziere", so nt bat vollkommen verständlich. (Grotze Unruhe link» ) An die Räumung bet Scklotzplatze» haben sich bann weitere Patrouillenganz«' rn»cschlossen. bei brnen baß Militär gegen 30 Personen, barunter zweifello» auch einige unbeteiligte Passanten verhaftete (Lebhafte «Ha-Ruse link»-, Abg. Stadthagen, Soz.: Leider nur einen S t a a t » a n wa 11!), die bi» zum nächsten Tag in ber Kaserne sestgehalten würben. (Zurufe von ben Soz.: Auch bat ist richtig, wa»? flnbauernbe Unruhe.) Ich Und mich durch Ihre Zwisckenrufe nicht mehr stören lassen und werde darauf nicht mehr antworten, vielleicht hören Sie dann auf. l^ehr gut! recht» ) Soweit festgeslelll werden konnte, lag die gesetzliche Bcfugni» zu diesem Vorgehen nicht vor, insoweit e» sich nid,! um Festnahmen auf frischer Tat gehandelt haben sollte, in kvelchem Falle tie Festzenonimenen sofort an die Polizeiorgane hätten abgegeben werden müssen. (Hört! Hört! link». — Unruhe.) Ta» Militär ist in dieser werfe eingeschritten, in derAnsicht. datzdiezivilcnSicherheit»organeversagt und ben Wilitär» bei ben bisherigen Vorkommnissen keinen oder keinen gc- nügenden Schutz gewährt hätten. Die Zivilbchorden von Za b e r n bestreiten die» auf da» allerentfckiedenste. (Lebhafte» Hört! Hört!) In dieser tatsächlicken, nicht nur rechtlichen, sondern tatsächlichen Frage stehen also bte Ansichten der Lokal- behörden schroff einander gegenüber. Der von beiden absolute» Recht hat, ist mir nach der Vorlage der gegenwärtigen Unter- fuchung»verhandlungen zu entscheiden nicht möglich. (Lochen Unk». Unruhe.), ob e» in der Zukunft möglich sein wird (stürmische Zwischenrufe link»), ' jorlc Aiiruft, dcm Betreffenden den Degen durch den Leib stösst — (Stürmische» Hört! Hört! und grosser Lärm links. Abg. Lclebour: Ausfordcrung zum Mord!) Ein Offizicr darf sich nicht öffentlich beschimpfen lassen, da» ist nickt möglich. Ist cS ba nicht besser, wenn da Leute mitgehen unt ihm Helsen, den Uebelläter ruhig anzupacken und zur Polizei zu bringen? Tann hat man von der Aufforderung zum Totschlag gesproch.n. Ich verstehe nicht, wie so etwas auSgcsprechen werden kann. Ter Leutnant hat i-.ach allen Angaben in der Jnstruk- tionSstunde gesagt: Wenn dich . . . oder wenn Sie (Grosse Hei- terkeit und Ahal link») einer so angrcift, so wehren Sie sich ordentlich und flehen _Sie ihm zu Lecke. Ist baß eine Auf. bodi verpflichtet. E» ist in den Reden der Herren Interpellanten viel von der Notwendigkeit der Wahrung der DolkSrechre gespro- chen worden. Ich bin ganz derselben Auffassung. aL°^r iie •1rmce bekanntlich ein Teil des Volke» ist, (Gc- lackier b. d. »oz.> unb wabrl'ch nicht ber unwicktipste, wa» bie unbestreitbare Tatsache beweist, dass ohne b:c Arm.e nicht ein ©iein dieser stolzen Mauern hier standc (lebhafter Beifall reck iS profee Unruhe hnf») — fein Arbeiter konnte fein Brot im Frieden verdienen ohne bic Armee. Zu den LebenSbcdingungen ber flrnue gehört aber auch w,e ber Saueritoff »um Atmen, bafe die Autorität, bie r.>iz>plin und da» Ehrgefühl hockgeholten werben. (Stürmische CC- ^uruf: von den Offizieren! Zuruf: anc ‘-‘hmec ohne TifvPlin idjen n.i Frieden wa!,, •‘,am.en verdient, haben vor mir tausende erfahrende auSgesprocken Lesen S-.e die Worte dcS Fcldmarlchall» Mollke darüber nock, der do» besser gesagt hat, akS ich cZ könnte. Kann aber irgend jemanb. bet nicht von Partdlcidlnfckasi ter- bandet 'n. glauben, bafe e» der Tifziphn in der Armee sörderhck ?OtKtK0-TdU aussen her, durch unverantwortliche T:; '.er bw pfl'chtrnätzigtn Entichhetzungen der verantwortlichen Stellen 5fc.A»tM'? ^"‘f-./öUruf bd ben Soz.: Daß iap?n L.e dem Reichstag.) Ich bitte, mir bie Worte nicht im Munde Wdiien Ausführungen bei ber Beantwortung ber kurzen An. frage über die Vorgänge in Zobern habe ich für Itc Zeit vom 6. b,» 10. November, auf bie sie sich bezog, nickt» Hinz uzu- fugen. Ick sollte meinen, datz trotz der ffiibcrfpradic von der Rednertribüne hier, sie für jeden, der hören nwlltc, allcs enthielt. Eure» freilich tonnte sie nickt enthalten und hat sic nicht cnt- Halten, die Zusickcruna namsick. datz sich die Militärbehörden dem von lärmenden Tumultuanten und hctzeri schen Pretzorganen... (Bei tiefen Worten bricht bei den Sozialdemokraten, Elsässern und im Zentrum ein minutenlanger ! 0 b c r 2 ä r m °u». viele Abgeordnete drängen in äusser- ster Erregung nack vorn und rufen: UnwaHrHritl Slan. boIL ?ret dlbgeordnete Ledebour (So<.) springt auf die Treppe zur Tribüne und schreit den flriegfminiftcr an. vergeblich sucht der Präsident Ruhe zu sckassen. Endlich legt sich die Erregung, und der Krieg»minister fährt fort): Darf ich meinen Sah iDicber- holen. (Erneuter Lärm bei den Soz. und Elsass.) Die Z^sickc- rung nämlick. dass sich die Militärbehörden den von lärmenden Tumultuanten und hetzerischen Pressorganen acstcllten Forderungen fugen sollten. (Dieder brickt auf der Linken ein Entrüstung». i.'urm au». Man hört die Zurufe: Herunter von Der Tribüne! Unv^^ä^Ebeit! unt: Sic sind ja der Forstncr in Person!) 'n Wahrheit der springende Punkt, um den sich seit dem p. Ncvember der ganze Spektakel in 3fll>">1iwu'l,’“tl u,t 41,11 nnvcicinmaidn,,.. (oturm. D rf ?;* lärmende Unruhe be. den Soz.) Darum handelt Heiterkeit 'ink»), so find Härten dabei ganz unvermeidlich. (An. c» ncü; nicht um die mehr ober locmger überlrkbcnen Verfehlungen i dauernder Lärm link».) E» war vorher bie Rebe dc» Leutnant» ober feiner Rekruten. ......9 - - Obersten!) Ieber im Land weiss, bafe deren Reckte unb An-! Herr Roescr, ber davon sprach, nannte ben 8. Novcmöer. Da 0dcflenbeiten in ben festen Händen der Vorgesetzten liegen Ivar aber noch nicht» passiert. Ja, sollen denn die Offiziere in ii Gelachter der Sozst. .00 sie ihr Recht finden werden. Zabern nicht spazieren gehen können? Da» nennt ein deutscher r pue diese mge banbeit cfl sick nicht, sondern um den au».1 ReichStagßabgeordncter provozierend! Zurufe link».) Derselbe neiprocbencn versuch, durch Prefetreivereien, durch Erregung und' Herr sagte cS |ci sonderbar gewesen, bafe, nie da» da» zweite durch systematische Beschimpfungen einen u n g c s ch l, ch c n > Bataillon alarmiert würbe, auch die Maschinengeckehre mit irinfiutz auf d i c Entscheidungen der z u st ä n d i-! alarmiert wurden. Leben wir denn in Deutschland, oder wo leben ff« ’ "x «rra 3 *' f J. braucht man nicht viel Aufhebens zu machen. Aber beides ist instruktionswidrig, ebenso die Redens- art von der Fremdenlegion. Gewiß werden beim Militär Ausdrücke von der Landwirtschaft her gebraucht, aber die Form, in der hier von der Fremdenlegion gesprochen sein soll, ist doch im Munde eines Offiziers durchaus ungehörig. Die Rekruteninstruktion ist gewiß keine höhere Töchterschule, aber der Rekruten- ofsizier muß die Ansichten und Empfindungen richtig beurteilen können, sonst eignet er sich nicht für das hohe Amt, das ihm an- vertraut ist. Ich bin auch empfindsam in bezug auf des Königs Nock und will nicht, daß er sich die kleinste Beleidigung gefallen läßt. Aber wenn man ihn trägt, soll man nichts tun, was an« dere verletzt. Seien Sie ehrlich! Die Elsässer sind nicht immer ganz wählerisch in ihren Ausdrücken, wenn es sich z. B. um den Ausdruck „Schwob" und seine Zusammensetzung handelt. Wenn die Militärverwaltung gleich erklärt hätte: Wir wissen noch nicht, wie die Ausdrücke des Leutnants gelautet haben, gegebenenfalls aber wird entsprechende Strafe eintreten, dann wäre die Geschichte ganz anders gekommen. Warum hat die Militärverwaltung das nicht getan? Warum wieder diese falsche Prestige-Politik, die meint, daß sic die Autorität gesähr- bet, wenn sie ein begangenes Unrecht eingesteht. (Sehr gut!) ES ist umgekehrt: Man gefährdet die Autorität dann, wenn man ein Unrecht zu beschönigen sucht. (Zustimmung.) Darin liegt der schlimme Fehler der Militärverwaltung. Ich hatte erwartet, der Kriegsminister würde heute erklären: Ja, wir haben einen Fehler gemacht. Dann wäre volle Befriedigung gewesen, und dem Reichskanzler wäre seine schwere Arbeit erleichtert worden. Nach den Ausführungen des Kriegsministers hat das Militär sich selbst schützen müssen, weil die Zivilverwaltung versagte. Ich kann mit nicht denken, daß die Zivilverwaltung sich damit abfinden kann. Da muß etwas in Unordnung sein. Wenn die Zustände so wären, dann muß die Zivilverwaltung weg. (Sehr richtig!) Ich kenne den Statthalter Graf Wedel und verehre ihn in hohem Maße. Ich habe die Ueberzeugung, daß ihm wirklich Unrecht geschehen ist, wenn man sagt: Du mit deinen Zivilmännern vermagst die öffentliche Ordnung nicht zu schützen! Wir Soldaten müssen uns selber schützen; wir können ja nicht einmal über die Straße gehen und ruhig unsere Schokolade kaufen. (Große Heiterkeit.) Es freut mich, daß der Kriegsminister im zweiten Fall selber erklärt hat: Wir haben nicht recht gehabt und haben das Gesetz überschritten. Was würde in einem solchen Falle im englischen Parlament geschehen? Ich habe die feste Hoffnung daß in Zukunft nichts geschieht, was die Freiheit des Staatsbürgers im ganzen bedroht. Aber es ist unbegreiflich, daß Leute in den Pandurenkeller gesperrt werden. Es handelt sich doch um eine gute deutsche Stadt, wo kaum ein Zehntel der Bevölkerung französisch spricht. Die Militärverwaltung steht auf einem anderen Standpunkt, die muß aber erst beweisen, daß sie recht hat. Was wird nun geschehen? Wie denkt sich der Kriegsminister und der Reichskanzler die Zukunft des Landes Elsaß-Lothringen? Manche halten eine Militärdiktatur für das Richtige, eine Glatteispolitik, wonach Elsaß-Lothringer« nur ein einziges Festungsgelände toäre. Damit hat man noch niemals Erfolge errungen. Wir brauchen nur an ähnliche Fälle zu denken. Haben wir aber alle die Energie, eine solche Regie- ryngsmethode jahrelang Durchzuführen? Wir würden bald wieder auf die alte Methode zurückkommen. Ich bitte den Reichskanzler dringend, hier zu erklären, wie die P l».ik weitergehen soll. (Zuruf links: Denn der das wüßte! Heiterkeit.) Gewiß kann sich keine Militärverwaltung gefallen lassen, daß sie be» schimpft wird. Soll aber immer ein Gendarm dabei stehen? Welche Maßregeln sollen also getroffen werden, um Elsaß- Lothringen nicht vom Deutschen Reiche abzustoßen, sondern um es näher heranzuziehen an unser ganzes deutsches Vaterland. Herr Reickskanzler, ergreifen Sie Maßregeln und nennen Sie sie, die uns eine glückliche Zukunft des Reichslande- verbürgey! (Lebhafter Beifall.) Preußischer Kriegsminister von Falkenhahn: Der Vorredner hat mich gefragt, wie ich mir die Zukunft Elsaß-Lothringens denke. (Großes Gelächter links und im Zentrum und Zurufe: Den Reichskanzler hat er gefragt!) Er hat auch mich angeredet (Widerspruch.) Ich kann nur über die militärische Zukunft sprechen. Wir werden in der Armee schon Ordnung kalten. (Beifall rechts, großes Gelächter links und im Zentrum.) Sorgen Sie dafür, daß der Geist, der sich jetzt i« der Bevölkerung bemerkbar gemacht hat, herauszieht. (Gelächter links.) Mehr kann ich nicht sagen. (Erneutes Gelächter links.) Präsident Dr. Kacmps: Eingegangen ist folgender Antrag: Albrecht (Soz.), Fischbeck (Vp.): Der Reichstag wolle beschließen festzustellen, daß die Behandlung der den Gegenstand der Interpellationen bildenden Angelegenheiten durch den Herrn Reichskanzler den Anschauungen de- Reichstags nicht entspricht. (Beifall links und im Zentrums Das Haus vertagt sich. Donnerstaa, 1 Uhr; Weiterberatung. Schluß 6 Uhr, ■ Grosse Gelegenheitskäufe ■ Kaufte grosse Posten aller Arten zu enorm billigen Preisen und bringe dieselben in meinem Geschäft, Bahnhofstrasse, sowie neu Mühlstrasse im Hause des Herrn Lederhändl^r W. Plank zu aufsehenerregend billigen Preisen zum Verkauf. 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