Nr. 285 Zweites Blatt 165. Jahrgang Erschein! ttqUch mtt Ausnahme bei Eomuagt. Tte jeetllenHatler“ werten dem ,8n4eiaet* Biennal rocxbcnilid) beiqeteoL b342 Scheidungen. tarn Ehebruch 8 156.) des B. Et B. aU Scheidungsgrund vor, unb zwar mürben hierbei der Mann allein 2422mal, die Zrau allein 2139 mal unb beide Teile 781 mal für schuldig erklärt Am ,weuhäusigsten. bet 4809 Scher düngen, fanden die dehnbaren (Gründe des 8 1568 schwere Verletzung der ehelichen Pflichten, ehrloses oder unsittliches Verhalten, grobe Mißhandlung Anwendung, wobei der Mann 3620 mal, die Zrau 659 mal unb beibe Teile 530 mal die Schuld trugen Turrf) bösliche Verfassung 8 1567 hatte der Mann in 684. die Zrau in 460 Zöllen die Scheidung verursacht, Lebcnsnochstellutig -8 1566- endlich gab insgesamt für 25 Ehen die Veranlassung zur Scheidung, wobei der Mann in 18, die Zrau in 6 unb beibe Teile in einem Zolle schuldig waren. Bemerkenswert häufig .401 mal' traf unter den Scheidungsgründen Ehebruch der Zrau mit pslicktver letzendem, ehrlosem ober unsittlichem Verhallen des Mannes zusammen, dagegen nur 157 mal Ehebruch des Mannes mit Pflichtverletzung ufro. der Zrau. Bei den 10 797 Ehescheidungen wurden insgesamt 12885 Scheidungsgründe aufgvführl Im einzelnen entfie1 len davon. Olli in ben Städten aui dem Männern Lande bei Frauen überhaupt bei Männern bei mrauen bei Männern grauen $ IMS B.G.«. 2 769 2 433 434 437 3 203 2 920 < 1W»6 1b 4 4 3 19 7 § IM" 52.» 331 159 129 684 460 tz IbtW 3 247 937 901 2,2 j 4 1 >0 1 189 § 1569 61 124 22 46 81 170 inSgefaiiii 6617 3 82'J 15» 3 917 8 139 4 716 Tie Männer wurden somit auf Eirund der 88 1565 bis 1568 des B Ei -B mit 8056 Scheidungsgründen an* nähernd doppelt so oft wie die Zrauen (mit 4576 Wrünbenl für schuldig erklärt. Anderseits findet man Geisteskrankheit gemäß 8 1569 al* Scheidungsgrund bei den Zrauen mehr als doppelt so häufig wie bei den Männern. Im einzelnen fiel den männlichen Geschiedenen schwere Pflichtverletzung, ehr loies oder unsittliches Verhalteii 8 1568) brcieinbalbmal und Lebensnachstellnng (§ 1566) - mit insgesamt nur 26 Fäl len — saft dreimal so oft wie den weiblichen zur Last: bei der böslichen Verfassung (8 1567) war die Schuldzisser der Männer um rund die Hoffte größer, während beim Ehebruch Sozialdemofroten Hai *i t für Jerichow unb de) Zentrums abfl ft uef hoff für ku.n-i'anb entsprechend brn Vorschln gen der VahlprüsungSlonimrision für ungültig erf.ar! In Erwartung des gleichen Schicksals hat der nationa liberale Abg M ö I f cf) vor einigen Tagen fein Man bat für Cffenburg Mehl niedergelegt. Noch dem Tode des Zentrums- abg. m l o f c für Leob,chütz unb des sreikonservativen Al' ', Zürn für Rosenberg-Löbau sind also gegenwärtig fünf neue Reicl stags^-rsatzwohlen erforderlich Ta» Ergebnis der Ersatzwahl in Levbschütz iß im voraus sicher In diesem ,.Rioi.era"-DahlkreiS des Zentrums war nod) nie eine Stichwahl nötig Zn dem zwischen Polen und T-cutfchen heftig umstrille- nen westpreutzi den Wohllreis Rosenberg-Löben fdr*- nen die Teunch-.üoniervotivcii nicht übel Lust zu haben, einem Erfolg der Polen vorzuorbeiten durch Aufdrängung einer ertreinogrorischeii Manbibatur Roch ungewisser ist daS Ergebnis der drei anderen Reichstogserfatzwohlen. Zn »e 1) l * E f f en b ur g hat 1912 der nationalliberal? Kaufmann u öl sch doS seit 1888 im Besitz des Zentrums be* fiiidliche Reichstagsmoiidot nur erlangt, in dem er seinen klerikalen Ltichwahlgänger um 8 Stimmen überflügelte In Köln-Land behauptete b:r Zentrumsabg. fluef- hosf das Zentrumsmandat zwar im ersten Dahlgang, aber mit nur 33331 gegen 33 267 gegnerische Stimmen, von denen 24 303 für die Lozialdemolralie und 8500 für die National* liberalen abgegeben wurden. InIerichow hing der Dahlaussall im vorigen Jahre von noch viel weniger Stimmen ab: der Sozialdemokrat Haupt verdrängte den konservativen Abg. v. Stiern mit 15 26.3 gegen 15 236 Stimmen, nachdem im ersten Dahlgong 11992 sozialdemokratische, 9870 konservative und 8291 Volks - parteiliche Stimmen abgegeben worden waren. Für die Ersatzwahl hat die Volkspartei, die daS Mandat 1881 bis 1887, 1890 bis 1893 und von 1903 bis 1906 inne gehabt hat, schon vor längerer Zeit den früheren Reichstagsabgeordneten Zleifchermeister Svobelt ausgestellt. Voraussichtlich werden diese Reichstogsersatzwahlen sämtlich im Februar ftattfinben._____________________________ hessische Zweite Kammer. rb. Darmstadt, 3. Tez. Am Regierungstische: Staatsminister Tr. v. Ewald, Zinanznnnisttr Tr. Braun. Minister v Hombergs, Staats* im Tr. Becker und Lorbachcr, Ministerialrat Schliep Kake, Geh. Ebern neutral Rohde, Ebcrrcgicrungbrat Stammler, Geh. Legationsrat Dr Neibhardt. Präsident Köhler eröffnet bic Sitzung um 9* , Uhr unb führt aus: Nach der langen Sommerpause heiße ich Sie zu gemeinsamer parlamentarischer Arbeit herzlich willkommen Seit unserer letzten Tagung hat die stamm er einen schweren Verlust erlitten, .vnr Celonomierot Tr. Heiden reich ist im per ft offenen Sommer gestorben. Er har feit dem Jahre 1893 der Zweiten Ma nun er angehört unb somit 20 Jahre hindurch seine straft unb seine Arb?it den Interessen brr flammrr gewidmet. Tic .8.immer hat ihn wiederholt in verschiedene parlamenianlche Ausschüsse gewählt, in denen er seine reiche Tatkraft unb Er* sahrung entfaltet hat. Er war kein Zreunb von langen rarlau.cn.orischen Ttbatfrn. wenn er aber sprach, fehl e es ihm nicht an Anerkennung uf allen 3cum Jbe» Hauses So haben wir einen lieben st stiegen vertor.n, triicn An. enken wir stets in Ehren bähen werden Ich stelle fest, da,; n '.) .v.> Haus tu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen erhoben ha: lieber bie Geschäftslage des Hau'-.- i it der Präsident mit, daß in der nächsten m t brr Berat uni der B e s v 1 * bungSvorlage begonnen werten solle Er hoffe, baß in* uni eben bie Vorlage über bie landstünbifl Gefckä iSordnung ihre namentlich auch bic Urage wegen der Regeluni der ^rhältn.sie im lanbn-ir.'diGlichen Otencficr.'.-*« titoden erledigt w r'ri n* rb. damit bann freier Tifch geschahen nr.rb für bie bevorstehenden* EiatSberatungen Staatsmini st er T r v e m a 1 b stellt als neue Sicgie* rungsrertretcr Ministerialrat Schliephake unb EberregicrungSrat Stammler vor Tas Hau» tritt danach in bic Tagesordnung cm unb nimmt ohne Aussprache der RcgicrungSvorlai? m. betr bic summarische llcbcsich! der Einnabmcn und Ausgaben der Staatsfchuldcnver« walt.rng für da- Rcchiiungsiahr 1999, desgleichen die llcberfidit für bas flcchnungSiahr 1910. Tie Beratung über ben Initiativantrag der Abg stöhlcr und Genossen betr den Entwurf einer landständifchen ÄeschäftSord* nung. wird vorläufig »urückgestellt. Neber die Vorstellung des Landesverbandes b e n t • scher M ilitäranwärter für Hessen, betr die Vermcdrung der den Militäronwärtcrn Vorbehalten, n Stellen bat berAusschußbericht* erftatter. Abg Raab, einen auSfübrllchcii s<1r itlick ?n Bench! er* itattet und b.antragi. bie stamm er wolle beschließen. 1 brr Regie* rung gegenüber ;u crllarcn. baß per Stridi ber Steniftr.itordelle bei der Hosbibliotbel als eine ben Milnäramiürtern Vorbehalt nc Stelle nicht nötig war: 2 die Regierung zu ersuchen, beit Mititaranwär* fern die besseren Stellen ber mittleren Bcamtnilaiifbahii ,m Staats* dien': zu eröffnen, wenn bic nötige Alliemeinbilbuiig unb die prak* tische Vorbildung nachgewiesen ist, auch ohne daß besondere Schul* »cugnisse beigebracht werden: 3. bie Regierung zu ersuchen, im Bundesrat bahm zu nnrkeir, daß bie Militärverwaltung den Mil,* idrannänern die mittlere Beanucnlausbadn un Militärdienst er* öffnet, ohne die Anwartschaft von der Drivr ngung von Sckulzeug* Nissen abhängig tu machen und weiter dahin ;u wirken, daß den Müirärannä'iern, die in einem freien Berns eintreten, eine höhere Prämie (Beihilfe, zur Ablösung des ZivilvcrforgungSscheuts gc* wahn wirb: 4 die Vorstellung des Landesverbandes für erledigt zu ciliaren. Abg Tr. Cf nun (natl.) tritt in längeren Ausführungen für die Wünsche ber Militäranw.irter ein Er begrüßt nut Zrenben ber .'iuSichußantrag, der du milUidie Lage der Mititäranwarter in verbessern strebt. In Preußen hätten bie Anforderungen ber Militär* aiiiudrtcr eine viel weitgehendere Beachtung gefunden. Es sei für viele dieser Männer mifllidi. daß sie verschiedene Prüfungen nicht oblegen konnten, die für gewisse Stellen vorgeschrieben seien. Ta\X knmme auch der große Andrang,. burdt ben ihre Lage noch ber* schlechter, werde. Ter Redner empfiehlt bie Annahme deS Ausschuß* antrages. Abg. 11 r st a d t geht aus bic einzelnen Punkte des Ausschuß* antrages naher ein und begrüßt besonders Pos. 1 nnb 3 desAntra - trags: besonderes Gewicht müsse auch auf Pof 2 gelegt werden unb weiter sei eine Anrechnung der ganzen pensionsfähigen Dienstzeit erforderlich. Geh.Legationsrat Tr. Neidhort führt aus, daß bic An* stellungSverhältnissc der Militäranwärter Gegenstand besonderer Fürsorge der Regierung fern Es nrü'>e aber nigcgeben werden, bau auch gewisse Stellen eine wisfenscha'lliche Vorbildung erfordern und daher nicht nut einem Militäranwärter besetzt werben konnten. Ter dritte Punkt des Antrags sei übrigens bereits erfüllt worden. Abg Buiold lSoi । ,pricht sich gegen die Vermehrung der Stellen für Militäranwärter aus Es fei doch in den meisten De* rufen eine Ausbildung von Grund auf notwendig: audV bie Hal* tung ivr M11 it iranroärter d--n feine freundliche und könne die Vermehrung der Stellen nicht bt* fürroorten. Abg. Wiegand Ztr führt aus, baß er im Gegensatz zu dem Vorredner mit den Militäranwartern bic besten Erfahrungen gemacht habe. Sie hätten auch eine außerordentlid) gute Schule beim Militär durd,gemacht und sich auch flenntniffe erworbeo, die bei manchem Zivilanwärter sehr vermißt würden. S t c a t o m i n i ft c r T r. v. Ewald erklärt, er sei nicht bet wa; Küinj von Ludwig II. erzähltk. Da- einzigartige Verhältnis des romantifdien Bayernkönigs zu dem großen Sdiaui'vieler erfährt eine neue Beleuchtung durd bic in diesen Tagen un Verlage von Zclir Lehmann in Berlin erscheinenden Erinnerungen von Felis Philipp, Ter Bet süsser, der ein uttinier Freund von Ioief stainz war, hat die Ent stedung. den Höhepunkt und bas schnelle Ende dieser seltsamen Zreunbscha'i aus nächster Nähe mit erlebt und alle Einzelheiten aus des stünstlerS Munde selbst gehört flainz, der in München als Hoffchauft',.'.er engagiert war, stürzte eines Tages im ?>rüdiahi 1881 zu ihm unb erzählte in feiner übcrauellenben. babimtflrmcn ben Redewetfe. er solle vor dem stonig spulen, „in einem sdient, liehen Schmarren": cd war Hugos „Marion Ttlorme". Ten näd' ft en Tag sauste er wieder herein ..Ich sehe ihn noch vor mir ft eben die knabenhafte Gestalt, den iinbändigen Lockcnwald, bic blitzenden Augen, bie flatternden Hände, und ,ch höre noch bic Worte im Prcitifsimo von seinen Lwv.'n ström n ?laeh frtem Ak» habe ihm bei Aönig „für Die wiindcrvoltc Taritellung banjen lassen", nnc babei fuchtelte er nur immer mit einem enormen Savbirruig unter die Nase, „den ihm ber Äömg noch nachts ui seine Wohnung geschickt habe". .... Ein paar Wochen später erhielt stainz eine Einladung ncdi Schloß Linderhos. um „bc.n .Illergnädigsten etwas vorji.fvrechen Ihm wir oabci „gar ne. rech tra Jt befärd^ete. .'au er in b m ihm völlig ungewohnten Berl'hr mit 'o großen Herren,, in 'eircr totalen llnlenntiu- alles Zeremoniellen grobe Verstöße begeben wirte, dis er dann endlich mit den fich selbst trournbri Worten 91110 Servus beicmanb'. mehr als bin-Vrtdit' kann i ncl wern", Eie vier Treppen binunter'a.ist.- Ter n.:r re Eindruck war mnatt bei beiden kein gün'tiier staun be;ei*i?tc ihn als ..natürlich ’.br interessant, aber wunderlich und äußerst be'rcmbl'ch." Ter n.nna war zunächst recht kühl unb sogar ungnädig, aber nadi wenigen Tagen gab er feine Zurückhaltung au,', und Der E'-uame er-ckste- sich qani dem fungen C’ n,e. das ihm hier gegenubertra: ... d sonnte sagen, was id) wollte, was mir fo gerade Durd) den flov' schwirrte ' erzählte 8ainz später Pbilivvi. „er horchte immer aut: wenn ich' mit ihm sprach, da schien wir's immer, als ob eine , rinde, bie ihn um ranzen hatte, plötzlich autta:n- L.idwiq u.- r schüttete ben flunstier mit Autmcrkiamkeiten unb -.en und bot ihm sogar bas brüderliche „Tu" an. „Tas war 8ain.. nnc er mir erzählte verdammt unangenehm Es war ihm oerteu’clt ve;n- tjch ben flönig zu duzen, und erst nach mehreren -tav:t. rarr :b beren er sich immer um bic direkte Anrede herumg brückt hatf. erwiderte er den ihm gebotenen Ir.undcsgruß. flainz erzählte mir bomaf» • Vor dem oberbaio des Lmdcrho's gtl v r. n B rrtauie Pürschling habe der flönig itim plötzlich die Hand a r bie r: ::r gelegt und mit zitternder Stimme getagt: ..Nil. wahr. ur. kann doch nichts trennen?" Bei den Sorten, fügte Jiatwbunu, fei es ihm eiskalt über den Rücken gelaßen; denn tte worien ein orelles Licht ui das einsame Seelenleben des unglücklichen Mannes, den schon wieder die Angst packte, den, den er soeben erst gefunden, jcrlieren zu müffen." Bald darauf trat dann ber Schauspieler mit bem Monarchen •ine Reife nach dem Vierwaldstättersee an, wo Ludwig besonder.- oie naifiidrn «statten her Tettsagc besuchen wollte, denn er siebte üc hegende von dem Schweizer Nationalhelben ebenso wie Schil lert.'Drama. Qaiiu, ber hier für ben Mclchthal Studien madicn sollte, mußte ihn überall bin begleiten, unb zwar traten Die fVreunbc bcs Nachts, wenn bas grelle Licht unb bic neugierigen urremden ben königlichen Melancholiker nicht störten, ihre Landerungen ar. 3m Mondesschein mußte der Schauspieler dem Herrscher stets die- eiben Stellen aus Teil nnb Ton Earlos vordeklamieren „Erfreue mich durch Gedanken," so etwa sagte Ludwig nach ÜainzenS Erzählung, „bie niemand bemäkelt unb niemand beeinflußt; das Meuicbengcwimmcl mit feinem EogismuS und feiner flitrzfichtig- [cit schlaft. welche Beruhigung!" Tas ewige Rezitieren derselben Stellen wurde aber Lain; allmählich langweilig: er suchte andere Rollen einzuschmuggeln, doch der Mänia bestand auf dem alten Repertoire. Zudem war der lunge flünnlcr auch ber ganzen Situation nicht gewachsen, verletzte den launenhaften Herrscher durch manch unüberlegtes i2ort, und fo entstand eine Verstimmung, bi bann zum Bruch führte Eines Nachts bestiegen bie beiden bei wundervollem Mondschein das Rülli: unb dort wünschte Ludwig gegen 3 Uhr morgens den Vortrag ber Mclchthalszene. Äainz ct- tlärte, er fei müde, Ludwig bat dringlicher, flam; warf ''ich mürrisch ■ immer heftiger. Tic Ungnade des flöntgs war da. Am nächsten läge verließ er, als flamz noch schlief, mit seinen SekrMarcn unb flurier n, Ttcn rn und Wochen bic Villa, wo fie zusammen gehäuft, und der Künstler erhielt durch einen von einem Lakaien geschriebenen Brief die Scnung, baß „Euer Bohlgeboren beute Abend in Ebikon einzutrefjen bitten, um von ba bie Rückreise anzutreten/ In Luzern fand bann noch eine oberflächliche Der« söbnung statt, doch Der kurze Zrcundschafterg^m war aus. — Tas Ende des Londoner Opernhauses. Aus London wirb benditet: Tas Schicksal der seinerzeit von Hammcr> ftein erbauten Londoner En*r bat fich nun vollendet: nn* !afo- ni'che Mitteilung der Dircvion benachrichtigt die Lefsentllchk.it. das: Cas Institut „wegen Mangel art Unterstützung durch di? Ccnenttitfcfeil" bis aui wrtv'res feine Pionen schließe flun unb wenig ruhmvoll irar bic Gcichichrc dieses Bühnendau'c-. das von neuem dir alte Erfahrung bestätigke, nach der die 5 Millionen Stadt- London außerstande ist, eine ständig.- Lver ;u erhalten ?-m Sep ember 1910 kam Hammen:ein n^ch London, vackittte im Lkwber für eine Grundrente von 97 500 Mark einen L8iuplatz, im Te-cmber begann der Bau und am 13 November 1911 öffnete das .London Lvera Hou e' feine Pforten Hammerstcin harte erklärt: „Es wird natürlich ein Riefen »folg, auf dem Gebiete Der Euer bin ich, glaube ich, unfehlbar." Ader nach sieben Monaten hatte er 900 000 Mark zugesetzt. Er wollte im November 1912 eine neue Saison eröffnen, ;og eS aber schließlich vor, in Wett» Bork Gründungsversuchc zu einer neuen Epcr zu mackuu und verpack tete das neue EpernhauZ London- für 240000 Mark Iahresmiete an einen llnternehni r, ber EprreUen, Schaustücke, Lichtbilder unb DarlCt^szenen Porhihrtc Am 28. Mai wurde das Haus Hammcrstein abgekauft unb seitd m gab man eine AuSstat* tungüKtue, der ein Zirkus folgen sollte. Nach Neuiahr, so hieß es, ’ollte dann emc englische Eperniaifon folgen Aber aus diesem vlaionischen Versprechen sollte nicktrs mehr werben, aucki die Umwandlung der Londoner Euer zu einem Variete, AusstattungS* tHeater und flinematographcn konnte den Zusannstcnbruch nicht aushalten, unb nun steht bas prächtige moderne Bühnenhaus leer — bis ein neuer Unternehmer fein Glück versuchen will. ff. Ter Golfstrom ber Luft. Neuere wissenschaftliche ^orfckmngen sollen nach einer Mitteilung von Tr. L Eaze in der Panier „Revue" ergeben haben, daß es einen Golfstrom ber Luft gibt, ber im engsten Zusammenhänge mit dem altbekannten Golistrvm des atlantischen Weltmeers steht unb — was wohl besonders interessant ist — auch auf bic großen Wüsten der alten Welt seinen Einslun ausübt Ter Golsttrom deS Meeres fließt aus dem Menlanifchen Meerbusen mit einer Stunbengeschwinbig* feil von h flilomrtern in das W.lcm'-r. Seine Brite beträgt etwa CO ft dornet er, feine Tiefe 400 Meter und bie $Bärm em engen, bie er in kühlere Meeresgcgenben bringt, > ihlen nach Milliarden von flolorien Tic'e Wärmemenge nun »oll cs sein, auf ber daS Vorhandensein ber Wüsten in der alten Welt beruht Tic Luftmassen über ber mannen Meeresströmung behalten nämlich ihre im Vergleich mit der Nachbarschaft höhere Temperatur bei unb bilden so den ^'wlfftrom b-r Luft, ber bem des Meeres überge- lagert ist. Wöhr end der Golfstrom im Wasser aber seinen Lauf durch die Äästen t*r Zestländer begrenzt ficht, findet der Luftstrom nicht solchen Wiberitanb Er bem it sich über Europa hin* weg unb verliert dabei zunächst b:n Wasscrdampf, den er mirsährt. In Gestalt mächtiger Regenmai'sen cmäbrt er die Sc n Schwedens, Zinnlands unb Nordruslands Turth die Erbdrehung wird der Golnrtom der Luft dann erst ostwärts, bann südwärts ab-gclenh, und fo entstehen die falten Luftmaf'-m, bie den ruffi* fd.cn Steppen ihren Charakter in metcorologiich'r Hinsicht verleiben. Bei der Wicderannöherung an den Aeauator erwärmen fich die stießenben Lumnassen von neuem, aber sie nnb letzt vollständig trocken: der jetzt wieder warme, trockene Golf'rrom ber Lust tritt in den Gegenden, die er jetzt bestreicht, als Heiner, regenloser Wind auf, um in inci r Gestalt streicht er über oic Wüsten in Turkestan, m Arabien unb Die Sahara '?, di' er auf dem Rückwege — er ist roico r nor:wirts umie'ogen — beftreibt Aus ^em Wege um die Erd: herum soll dieser Golntrom ber Lust, dessen Beschrebung in dem Pariser Matte nicht ganz klar ist. wieder seinen Ausgangsounst erreichen, sich um eine geschlossene Luftströmung handelte. Meinung, daß durch den Eintritt der Militäranwärter in den Staatsdienst sich die Verhältnisse ungünstig stellten, sondern vielmehr, daß sie einen sehr wertvollen Bestandteil unserer Zivilvcr- waltung bildeten. Er müsse deshalb auch die entgegengesetzte Anschauung des Abg. Busold zurückweisen. Man erhalte beim Militär auch sehr gute Eigenschaften für den Zivildicnst, z. B. das Verständnis sür die Autorität, das heute im Staatsdienst sehr zu schätzen sei. Abg. Henrich (fr. Volksp.) bemerkt, es sei nur natürlich, daß ein gewisser Gegensatz zwischen Zivil- und Militäranwärtern vorhanden sei. Der Redner wendet sich im übrigen gegen die ungerechten Angriffe und Beschuldigungen gegen die Militär- anwärtcr seitens des Abg. Busold. Oberregierungsrat Stammler legt zu diesem Punkt kurz die Stellung der Regierung dar. Nach einigen weiteren Ausführungen des Abg. Busold, der die Zivilanwärter für bessere Beamte hält, da sie von Jugend auf im Staatsdienst ständen und deshalb auch besser informiert seien, als die Militäranwärter, nimmt das Haus einen Antrag Senßselder an, die Sache noch einmal an den Ausschuß zurückzuweifen. Zu einer längeren Aussprache führt die Vorstellung des Heinrich Rodenhäuser in Darmstadt wegen Ablehnung seines Wirtschaftskonzessionsgesuchs. Die Ausschußmehrheit beantragt, die Ablehnung des Gesuchs zu beschließen. Abg. Reh (fr. Vp.) schildert die schon viel besprochenen Umstände dieses Konzessionsgesuchs näher und erhebt gegen das Ministerium den Vorwurf, daß es in der Sache nickt unparteiisch entschieden habe. Er ersucht, entgegen dem Ausschußantrag der Vorstellung Folge zu geben. „ Aba. Raab (Soz.) legi dar, das; durch die ganze Behandlung dieser Angelegenheit seitens der verschiedenen Instanzen das Rechtsgefühl des Volkes schon verletzt worden sei. Selbst wenn die .von Rodeuhäuser erhobenen Vorwürfe gegen verschiedene Beamte wirklich haltlos wären, wie die Regierung behaupte, so liege doch der Sachverhalt so, daß man ihn nicht für möglich halten sollte. Rodenhäuser habe das betreffende Grundstück mit Zustimmung des Ministeriums zu einem ganz bestimmten Zweck erworben und trotz der zustimmenden Urteile aller Instanzen, des Kreisausschusses zu Offenbach, des Provinzialailsschusscs, der Stadt- vcrordnetcnversaminlung habe das andere Ministerium einfach die Erteilung der Konzession verweigert, und zwar wegen mangelnder, Bedürfnisses, als ob das Ministerium überhaupt zu beurteilen in der Lage sei, ob ein Bedürfnis dafür vorliege oder nicht. Minister des Innern v. Hombergk entgegnet, das Ministerium habe nicht als Verwaltungsbehörde, sondern als letzte Gerichtsinstanz darüber zu entscheiden gehabt. Das Ministerium sei in seiner Beurteilung der Sachlage unabhängig von den Borinstanzen. Nach dem Grundsatz, ne bis in idem konnte das Verwaltungsgericht nicht nochmals Wit der Sache befaßt werden. Er habe mit Bedauern bemerkt, daß die Angaben der Petenten auf den Ausschuß den Eindruck gemacht hätten, als sei dem Männe Unrecht geschehen. Das sei aber keineswegs der Fall, es hätten sich vielmehr alle Angaben Rodenhäusers als unhaltbar oder stark übertrieben erwiesen. Es könnten deshalb auch die vom Abg. Raab, erhobenen Vorwürfe und die Meinung, es müsse etwas faul im Staate sein, nicht aufrecht erhalten werden. Abg. Uebel (Ztr.) erklärt als Ausschußberichterstatter: Ter Ausschuß war einmütig der Meinung, daß das Urteil des Ministe rimns ein Merkwürdiges und nicht zu rechtfertigendes war. Wenn das Ministerium Recht spreche, müsse es sich auch seiner Verantwortung bewußt sein. Mit diesem Urteil werde aber dem Volks empfinden ins Gesicht geschlagen (Ohornfe). Jedenfalls fct der Petent schwer geschädigt worden. Der Ausschuß sei nur aus for mellen Gründen zu seinem Antrag gekommen, weil jetzt in der Sache doch nichts, mehr zu machen sei. Der Ausschußantrag wird darauf gegen eine starke Minderheit (Sozialdemokraten, mehrere Zentrumsabg. usw.) angenommen. Zur Beratung kommt nach einer kurzen Pause der Initiativantrag der Abg. Köhler u. Gen., betr. den Gesetzentwurf über die landständische Geschäftsordnung und in Verbindung hiermit der Antrag Dr. Winkler zu Art. 58 des Gesetzentwurfs. In der Haupterörterung bemerkt Abg. Reh (fr. Vp.), er wolle auf einige Piinkte näher eingehen, da dies von anderer Seite nicht geschehe. Man könne im allgemeinen mit dem abgeänderten Gesetze wohl einverstanden sein, denn es bringe verschiedene notwendig gewordene Neuerungen und Bestimmungen, die auf den langjährigen Erfahrungen des Hauses ausgebaut seien. Mit Freuden begrüße er die Aenderung im Art. 17, daß für ein vorübergehend behindertes Ausschnßmitglied von der zuständigen Mitgliedervereinigung ein Ersatzmann bestellt werden kann, und infolge des abgeänderten Art. 4 werde auch ein „Fall Schön berger" nicht mehr vorkommen können. Im Art. 14 sei das Ord nungs- und Rügerecht des Präsidenten den Mitgliedern des Hauses und den Zuhörern gegenüber geregelt, dagegen fehle jede Bestim mung darüber, wie sich der Präsident den Regierungsvertretern gegenüber zu verhalten fat. Da der Präsident die Sitzungsp'lizei ausübt, so sei es nach seiner Meinung auch ein Recht des Präsi deuten, daß er einem Regiernngsoertreter gegenüber gewisse Crb nungsrechte ausüben kann. Er hrbe mit Absicht diese Frage hier erörtert, um Klarheit zu erhalten, wie das Hans darüber den kl. Die Einbringung eines Ergänzungsaartrags zu Art. 7 b.'halte er sich vor. Staatsminister Dr. v. Ewald: Die B rhan^lnngen, die über die abgeänderte Geschäftsordnung mit der Regierung ge pflogen wurden, haben zu einer erfreulichen UeWtittftimmuni über die zukünftige Form der Geschäftsordnung geführt. Der Regierung wurde die Zustimmung zu den vorgeschlagenen Aenderungen b. sonders dadurch erleichtert, daß die Geschäftsordnung neben der Berücksichtigung der lradititionellen Formen, wie sie 1874 zu gründe gelegt ivurben, auch eine glückliche Einbezi hung der mo b erneu Bestimmungen wie sie z. B. in der Württembergischen Geschäftsordnung enthalten sind, erfahren hat. Es geht nicht an, daß man einer wechselnden Mehrheir die Bestimmung darüber überläßt, wie sie allein die parlamentarisck-e Arbeit regeln nnll. Es sind vom Ausschuß noch unsere Wünsche über verschiedene Punkte übernommen worden und ich darf deshalb heute mit den Worten schließen, daß das Haus in allen Punkten den Ausschußanträgen leitretcu möge. Abg. K öhler (natl.) gibt eine Darstellung über die Hauptpunkte der revidierten Geschästsordnung. Es habe sich für ihn zunächst darum gehandelt, festzustellen, in welcher Form sich die notwendigen Abänderungen zu bewegen hätten. Ta die Geschifts- ordnung in Hessen ein Gesetz ist, war es erforderlich, die Reform auch als Gesetz zu regeln. Der Redner geht dann auf die Geschichte der laudst. Geschäftsordnung näher ein und bemerkt, daß er bei Aufstellung des ersten Entwurfs besonders die Bestimmungen in Württemberg und Elsast-Lothringen beachtet habe, soweit er annehmen konnte, daß sie den Verhältnissen des Ofroßherzpgtums entsprechend sind. Zu der vom Abg. Reh angeregten Frage bemerke er, daß nach seiner Meinung der Präsident nicht bered)- tigt sei, einen Vertreter der Regierung zu unterbrechen ober zur Ordnung zu rufen. Er sei aber der Awicht, daß der Präsident ein greifen und das, was er seitens eines Regierungsvertreters nicht für berechtigt halte, oder was der Würde des Hauses nicht entspreche, auch zum Ausdruck bringen könne. Bezüglich der Emen itnng von Schriftführern in den Ausschüssen hält es der Redner für wünschenswert, daß wenigstens bei wichtigen Vorgängen und Abstimmungen Protokoll geführt werde. Abg. M o l t h a n (Ztr.) bezeichnet es gleichfalls als einen Mangel, daß über wichtige Ausschußvorgänge kein zuverlässiges Protokoll geführt werde. Es sei aber schwierig! jetzt in den Ausschüssen gleich einen besonderen Schriftführer zu finden. Es empfehle sich deshalb, die Protokolle von einem Kammerbeamten an- Tertigcn zu lassen. Abg. Korell (Bbd.) hält es für richtig, daß der Präsident auf jeben Fall die Ordnung des Hauses aufrecht erhält. Er neige daher auch der Meinung des Abg. Reh zu, daß der Präsident berechtigt sein müsse, auch einen Regierungsvertreter zu rügen. Staatsminister Dr. v. Ewald: Wenn das Haus nach Memung der Abg. Reh und Korell-Angenrod diese Bedenken teilen und dem Präsidenten das Recht der Rüge gegen die Regierungsvertreter zugestehen wollte, so würde die Regierung Bedenken tragen dem Gesetzentwurf zuzustimmen. Er stehe ganz auf dem Standpunkt des Abg. Köhler, daß der Präsident nachträglich an Reden der Regierungsvertreter Kritik üben kann, die aber nicht eine Form Ijaben bart bic den Charakter einer Rüge an sich trägt. Abg. Dr. Fulda (Soz.) begrüßt zwar einige Verbesserungen in dem revidierten Entwurf, meint aber, es handle sich nur um eine recht zahme Revision. Aus der Fassung des Art. 14 ergebe sich nach leincr Auffassung ohne weiteres, daß der Präsident zweifellos das Recht habe, die Polizeigewalt auch den Vertretern der Regierung gegenüber auszuüben. Auch der Reichstag suche die Rechte seiner Mitglieder der Regierung gegenüber zu vertreten. Die Ansicht des Staatsministers sei nichi richtig, daß die Regierung ohne weiteres ein Recht habe, allen Ausschußsitzungen beizuwohnen. Dazu bedürfe es stets der Einladung. S t a a t s m in i st c r D r. v. Ewald: Das Recht des Präsidenten, auch ein Mitglied der Regierung zur Ordnung zu rufen, kann unmöglich aus Art. 14 gefolgert werden. Die Befugnisse des Präsidenten sind in Art. 58 genau geregelt. Tort wird auch angeführt, in welchen Fällen ein Einschreiten des Präsidenten zu erfolgen hat und diese Fälle drehten sich nur um die Kammer- mitglieber. Auch die Berufung auf die Verhältnisse des Reichstags kann hier nicht in Betracht kommen. Tenn wenn der Präsident des Reichstags sagt: Wenn der Betreffende ein Mitglied dieses Hauses wäre, so würde ich ihn zur Ordnung rufen, so erkennt er eben an, baß er dieses Recht nicht hat. Und gegen eine solche Form würde ich auch in Hessen nichts einzuwenden haben. Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) erörtert die Besugniftc des Präsidenten von der rechtlichen Seite aus. Heber das Verhältnis des Präsidenten zu den Regierungsvertretern müsse jedenfalls Klarheit, geschaffen werden. Aby. Dr, Winkler (natl.) bespricht zuerst die Vorlage tm allgemeinen und wendet sich bann ber Erörterung bes Art. 58, die Befugnisse bes Präsidenten betr., und dem von ihm dazu eingebrachten Antrag auf Verschärfung dieser Bestimmungen zu. Tie Frage einer Verschärfung ber Geschäftsordnung habe das Haus schon häufiger befdjäftigt. Aus einer Stimmung über gewisse Vorkommnisse heraus seil auch der frühere Antrag ber Fraktion der Bauernbündler geboren worden, der darauf ausging, nad; dem Muster des preußischen Abgeordnetenhauses eine gewaltsame Entfernung des Ruhestörers zu ermöglichen. Tes Redners Antrag sehe davon ab, mit Rücksicht auf die unangenehmen Erfahrungen, die man in Preußen und anderen Parlamenten damit gemackst habe. Es sei also verkehrt, von einem reaktionären Antrag^ Winkler zu sprechen. Ter Antrag bezwecke lediglick) durch die Schärfung der Tifziplinarmittel eine Sicherheit für die Aufrechterhaltung der Ordnung des Hauses. Ter Redner wies weiter darauf bin, daß bei dem jetzigen Zustand ein Nichtredner nichts weiter als Ordnungsrufe erhalten kann. Dem Redner kann man allerdings das Wort entziehen, Cnan kann ihn aber bann nicht hindern, weiterhin die Ordnung zu stören. Ter Unterschied, ob der Präsident eine Bestimmung an- roenben könne ober müsse, sei groß. Man sollte eine Zwangsanweii- bung in dem Artikel schaffen, weil sonst eine Verschiedenartigkeit in ber Anwendung Platz greifen und damit leicht eine Anzweiflung ber Unparteilichkeit eines Präsidenten erfolgen könne. Ter Redner Hält die Verschärfung auch für eine notwendige Ergänzung zu dem geschaffenen direkten Wahlrecht in Hessen. Abg. Ulrich (sozd.) bemerkt, ber Vorredner suche jetzt das allgemeine Landtagswahlrecht durch die Geschäftsorbnuug zu korrigieren. Das sei ein ganz reaktionäres Verfahren. Eine Zwangsbestimmung, wie sie Abg. Winkler wünsche, konnte für den Präsidenten leicht recht unangenehm werden. Ter Redner polemisiert bann noch eingehender gegen versck,iedeue persönliche Ausführungen des Vorredners. Abg. Dr. Zuckmayer (Zentr.) führt ans, daß die Verschärfung der Rechte des Präsidenten nickst nur gegen die linke, sondern aud) gegen die rechte Seite des Hauses sich richten tonnte. Er halte den Antrag Dr. Winkler nicht für zweckmäßig, weil in der Kammer nur anständige Leute säßen (Heiterkeit) und werde dagegen stimmen. Abg. Dr. Fulda (sozd.) meint, ein derartiger Zwang, wie ihn Abg. Dr. Winkler wolle, finde sich in keinem andern deütscl>en Parlament. Abg. v. Brentano (Zentr.) stellt einige Ausführungen des Abg. Dr. Zuckmayer richtig und wendet sich dann gegen den Abg. Ulrich. Abg. Tr. Osann (natl.) möchte nickt die Meinung auf» kommen lassen, daß die ganze na.ionalliberale Partei hinter dem An'rag Dr. Winkler stände und stellt fest, daß dies nicht der Fall sei. Abg. Henrich (fr. Vv.) bekämpft im Namen seiner Partei den Antrag, desgleichen spricht sich Abg. Dr. Boxheimer dagegen aus. Nach weiterer Aussprache, an der sich die Abg. Wolf- Stadeken, Tr. Schmitt u. a. unter großer Unaufmerksamkeit des Hauses beteiligen, schließt die Besvreckmng. Bei der A b stimmung vor Beratung des Art. 58 waren die Art. 1—57 nach den Aussclstißanträgen angenommen worden. Bei Art. 58 beantragte die Ausschußmehrheit die Annahme nach dem Entwurf, die Ausschußmindei heit die Annahme des Antrags Dr. Winkler. Tas Haus erklärt sich mit 26 gegen 22 Stimmen für den Art. 58 in der Fassung des Entwurfs; der Antrag Winkler ist damit abgelehnt. Nachdem darnach auch der Rest des Gesetzes, sowie Einle tung und Ueberschrist angenommen worden sind, schließ der Präsident die Sitzung um 2 Uhr. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr. 0crid)U|aaL § Gießen, 2. Dez. (Schöffengericht.) 1. Tie Ehefrau des Fuhrmanns Theodor Z. von hier hatte ein gepfändetes Pferd an den ursprünglickwn Verkäufer zurückoerkaufr, diesen aber äuge wiesen, den Kaufpreis an den Pfänbungsgläubiger ab uführen. Tas Gericht sprach sie von der Anklage ber Pfanbverschlepvung frei. 2. „Er will ins Gefängnis". Um die Aufnahme i.i ein Gefängnis ober in einer Irrenanstalt zu erreichen, fuhr ber mehrfach vorbestrafte Taglöhner I. R. aus Hagenau extra von Heckelberg nach Gießen. Im hiesigen Hanptbahnhofe.zertrümmerte er eine Flurscheibe, erzwang so seine Verhaftung, unb zunächst seine Unterbringung in die hiesige Heil- unb Pflegeanstalt zwecks Ste- obachtung seines Geisteszustandes Ta nach einem vorliegenden Gutachten R. aber für seine Tat verantwortlich gemacht werden kann, erfolgte seine Verurteilung zu 10 Tagen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden. 3. „A r b e i ts- ko l l e g e n". Während der Arbeit geriet ber Mctzgergeselle Carl K von Lollar mit einem Arbeitskollegen in Wortwechsel und warf die'em schließlich in der Erregung ein großes Schlackamesser in den Unterleib, sodaß der Verletzte zirka zwei Wochen arbeitsunfähig war. Wegen gefährlicher Körperverletzung erhielt K. unter Zubilligung mildernder Umstände — eine Geldstrafe von 20 Mark eventl. 4 Tage Gefängnis. 4. „Ueble Nachrede". Um einem gegen ihn ausgebreiteten Gerücht, mit einer Frau unerlaubte Beziehungen gehabt zu haben, entgegenzutreten, sah sich der Handels- Imamt Joseph S. von hier genötigt, 1. den Handelsmann Nathan N. von Mainzlar, 2. den Flurschützen Caspar M. von da, 3. den Louis Z. 1. von Staufenberg, 4. den Kaufmann Siegfried 5t. von hier int Wege der Privarklage zu belangen. Wahrend das Verfahren gegen den Erstgenannten vorläufig ausgesetzt mürbe, bie Verfahren gegen die unter 2. unb 3. Genannten heute durch Vergleich.— die Betreffenden bedauerten die Acußerung g tan zu haben, übernehmen die Kosten und sind mit einer Veröffentlichung im Gießener Anzeiger einverstanden — verstand sich ber Kaufmann St. zur Vergleichsweifen Erledigtlng der Angelegenheit nickst. Zu seinem Unglück! Eine Gefängnisstrafe von einerWoche und Veröffentlichung des Urteils im Gießener Anzeiger sollte ihn belehren, daß die Ehrabschneidung seines Mitmenschen bei Gericht bie genügende Sühne findet. Darmstadt, 3. Tez. Tie Strafkammer verurteilte heute den verantwortlichen Redakteur des .Offenbacher Abendblattes*, Hanf, wegen Verächtlichmachung des deutschen Heeres in einem Artikel des genannten Blattes vom 29. Septen,ber mit der Ueber- ichrist .Rekrutenablchied" auf Grund des § 131 des Strafgesetzbuches zu 200 Mark Geldstrafe. Ter Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt. vermisster. *Bürgermei st ergehalte in Mannheim. Der Bürgerausschus; in Mannheim, der dem neuen Oberbürgermeister ein Gehalt von 20 000 Mark mit voller Dienstwohnung bewilligt hat, hat in der Sitzung am Mittwoch bozüg- lich des ersten Bürgermeisters R i t er in Anerkennung sei ner großen Verdienste um die Stadt Mannheim beschlossen, dessen Gehalt von 15 000 aus 18000 Mark zu erhöhen, ferner die Gehälter der beiden anderen Bürgermeister v. Hollander und Dr. Finter in Würdigung ihrer bisherigen Tätig- feit auf 16 000 bezw. 14 000 Mark festgesetzt. Damit dürfte wohl Mannheim hinsichtlich der Bürgermeistergehalte mit an der Spitze der deutschen Großstädte stehen. Märkte. FC. Wiesbaden. Vieh Hof-Marktbericht vom 3. Dez. Austrieb: Rinde' 105 (Ochsen 42, Bullen 17, Kühe 46), Kälber 207, Schafe 41, Schweme 402. Marktverlauf: Bei allgemeinem mittlerem Geschäft bleibt bet Großvieh Uebevnanb, Schweine unb Kleinvieh la-'warn aeräumt. Preise für 100 Pid. Lebend- Schlacht- Ochsen. aewicht VoNsteifchige, auSgernästete, höchsten Schlacht- Mk. Mk. wertes im Alter von 4—7 fahren .... 50—55 89-93 Die noch nicht gezoaen haben (imaejochte) . . 49—54 84—96 Iunae. fleischige, nicht ausgemäslete und ältere ausgemäslete 44—48 78—86 Bulle n. Poststeifckige, ausgew., höchsten Schlachtiv. . . 46—49 79—84 Voll fleischige, jüngere . . . . . •. . . ... 41—45 71—78 Färsen, st ü h e. Pollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Scklacktwertes 48-52 88 — 96 Pollfleiickige ausgemä'tete stnhs höchsten Sebla--i rwertes bi» zu 7 Jahren 42—46 78—85 Wenig gut entwickelte Färsen 43—47 82—87 ? eitere aus. einänete stütze und wenig gut entwickelte jüngere stütze 36—40 66—76 Mäßig genährte stütze und Färsen 30—35 59—68 Kälber. Feinste Mastkälber 66—70 110—117 Mittlere Mast- und hefte Saugkälber .... 58—63 97-105 Geringere Mall- und gute Saugkälber . . . 53—57 88—95 Geringe Saugkälber 47—52 80—88 Schafe. WeidemastschlCe. Mastlämmer und Masthammel .... 43,50—44.50 90—92 Geringere Mautzammel und Schafe . . 35'/,—36.U0 75—85 Schweine. Pollsteischrge Schiveine von 80 -100 kg Sebenb- gcivi bt • . . . . 56-58 72-79 Pollfleischige Schweine unter y0 kg Lebendgewicht 55-57 71—73 >4. ollslctschige Schweine von lOu-120 kg L'ebenb- gewicht 57‘/,-59 72—74 l ollsleiscknge Schwellte von!20—15') kg Lebend- gewicht 56 - 57*/, 70 72 ßettjchwei > - ü! er 150 kr Lebendgewicht . . 52*/,-55 63—67 Limburg a. d. Lahn, 3. Dez. tzruchtmarkt. Durch« schuittspreis rro Malter. 91 oter Weizen tNasfall'scher) 15,b0 Vit., weißer Weizen (unbebaute rcmi?forieni l\3O t, Slovn 11,70 fDlf., Gerste Aut er) 9, m 2)1 f.. Braugerste 11,00 Mk» pafee 8,00—0,00, A«k. Erbsen 0,00 9)IL startoffeln 0,00- 0,00 Mk. 0 Kirchliche Nachrichten. Israelitische Ueliqionsgemeinde. Gottesdienst in der Zhnagoge (Süd-Anlages e nm* tag, den 6 Dezember 1913; Paraden)' 4.30 Utzr. Morgens: 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.15 Uhr. Jugcnvgottesdienst. Eabbataudgang: 5.15 Uhr. Israelitische Ueliai 'Urgesellschaft. Eotterdienst. Sabbat'ei er am 6. Dezember 1913: Freitag abend 4.01) Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. ^abbat-?l»,Saailg 5.15 Uhr. Wort enaott'sdienst: R-'oraens 7.00, abends 7.30. Mele Millionen Dorsche werden alljährlich an der norwegischen Küste gefangen, die besten bei dm Lofoten-Inseln. Nur der aUerfcmitc Lofoten-Lebertran wird zu Scotts Einulsioa ^Bcotts Emulsion verwendet und dem Scotti'chen V>-rsah- ren unterzogen, aus welchem der Erfolg des Prävarates beruht Scotts Emulsion schmeckt angmehm, Genich und Geschmack des Tranes sind völlig gedeckt ©ttialt. ca.: Etbertran 150,0, Glyzerin 50,0, untervhosphorigs. Aalt 43. untetpnott* Vhorigs. Natron 2.0. Tragant 3fi, arab. Gummi 2.0, Wafler 129,0, Attohol HA Zimt»,Mandel. u. «aaltlicriaöl je 2 Tropfet» Chemisches Reinigen n. Färben von Damen Zlrkn 1000 Anccwtcllte. Färberei Gebr. Rover Qieß"^'8 chSÄwÄÄ T2 Ziehung 5. KL 3. Preuss.-Süddeutsche (22- KMcUch Prcuss.) Klassen Lotterie Z.<-huag ,IB *< D*ie*Ser 1»U rerwuitec*. 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Te- zember, vorm. 9l/2—12 Nhr. Schüler, die von einer anderen Schule kommen, haben ein von dieser ausgestelltes Abgangszeugnis, joroic Geburts- und Impfschein, die übrigen nur Geburts- und Impfschein vorzulcgen. Großhcrzogliche Direktion. Dr. Rausch. D*/11 Betr. Skrophulösc Kinder. Bekauntmachung. Wir beabsichtigen im nächsten Sommer wieder eine Anzahl armer skrophulöser Kinder, deren Eltern im Sparkassebezirk wohnen, auf Kosten unserer Kaffe zwecks Gebrauchs einer Badekur im Elisabethhaus zu Bad-Nauheim unterzubringen. Anmeldungen, welche durch d»'e Pfarrämter oder Bürgermeistereien bis spätestens Ende Januar k. Js. einzureichen sind, müssen mit ärztlichem Attest belegt sein, woraus hervorgeht, daß die Kur notwendig ist, und mit einer amtlichen Bescheinigung, daß die Eltern nicht in der Lage sind, die Kosten selbst bestreiten zu können. Gießen, den 2. Dezeniber 1913. BczirkS-Lparkassc Gießen. ___________________Zacheis.______________p«/„ Betr. Prämiierung von Dienstboten. Bekanntmachung. Es wird beabsichtigt, auch diesmal wieder eine Prämiierung von Dienstboten deS Sparkasscn- bezirks eintreten zu lassen. Prämien können von 5 zu 5 Jahren solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich darüber, sowie über gute Führung durch Zeugnisse ausweisen können. Von Vollendung der 5 Dienstjahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushalts oder durch Gründung eines eigenen Hausstandes erfolgt. Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach diesen Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkassenbuches (die Angabe der Nummer des Buches genügt ebenfalls) bei unserer Kasse oder der Bürgermeisterei des Wohnortes bis zum 31. Dezember l. I. zu melden. Die Großh. Bürgermeistereien des Bezirks werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung auf geeignete Weise zur Kenntnis der Ortseinwohner zu bringen. Gießen, den 2. Dezember 1913. • Bezirtssparkaffe Gießen. Zacheis.DV., üep- Mus Besonders preimrll Halbseiden. Taft mit 050 Futteral . . . Mk. la. halbseid. Sur ah ££50 mit Naturgriffen Mk. v Hocheleg. Damen- u. Herren- Schirme, Seide u. Halb- 02öO seide, sehr solide,9.-,7.äO, v i. Salomon 8 fe, Schulstrasse 4 a*/13 toSiiez umsonst gMgebende hv*/ia Herren-Remontoir-Uhr bei Beslelluna von 200 Stück 2'/°-Psa -Ziaarctten z. Preise von 6 Mt. Desal. bei 100 ^turf w 3,20 Mk. ein Zign- retten-Etni oder clcktr. Taschenlampe grat Im inkl. Porto u. Nachnahme. Ein Versuch führt a- dauernden Abnehmer. Versandgeschält MMer & Co., Lüdenscheiil 36. i IBIierOppenheimerilelirweg (naturrein) Flasche Mk. 1.30. 1 7383 fi. Austerlitz. Parfümerien u. Toilettemittel all r Art, grosse Auswahl. <7758 Adler-Drogerie, Seltersweg 39, Otto Schaaf.