Dienstag, 4. März 1913 Nr. 53 163. Jahrgang Erscheint KgNch mti Ausnahme bet VmmtagS. (Sehr richtig!) Darauf tomrnt cs doch aber an. Deutschland. (Beifall.) Auf den nicht, wenn nötig , die Abg. Dr. Struve (Vp.): Schiffen mit zahlreicher Mannschaft genügt cs ein einziger Mann die Strafgewalt RotatlonsdruS und Vertag let 8 t 0 bild)en tüiwerfUßts - Buch, und 6teinbruct«cL St. Lange, ©leben. Redaktion. Expedttton und Druckerei: Schul» slratze ?. ExpedtNon und Vertag: 6L SUöof hoiue^ 112. ZeL-Ulöu: AnzelgerGreßen. Mb. Deutscher Reichstag. 124. Sitzung, Montag, den 3. März. Am Tische des Bundesrats: von Tirpitz. Das Haus ist ganz schwach besetzt. Der Marineekak. (Zweiter Tag.) Abg. Noske (Soz.: Cs hat sich wenig politische Einsicht gezeigt, die so gewesen wäre in bezug auf die N ü st u n g s a u s g a b e n für die nächste Z-it dem Volke auferlegt werden sollen. Herr Die „Gießener $mnflienbiatter* werden dem . »Anzeiger* viermal wöchentlich bergelegt. da- wKret$blatl fflr beb Krets Gietzen*' zweimal wöchentlich. Die „Landwtrtjchaftltchev öctt* trage»- erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger fflr Gderhefsen es anders, als cs hier im Hause handelt. Wenn das Zentrum cs will, dann ist die zweijährige Dienstzeit da. Aber wird cs wollen? (Zuruf links: Die alte Komödie!) Wir sollen dieser Negierung, die gegen uns selber rüstet, die nötigen Gelder bewilligen? ■ Das wäre ein Akt der Würdelosigkeit, Eine Negierung, die die Sozialdemokraten verfolgt, die fortwährend gegen die Grundsätze der Sozial< demokratic aufs schroff st c vcrstötzt---(Schallende anhaltende Heiterkeit, in der die weiteren Worte des Redners untergehen.) Damit schließt die Aussprache. Es wird a b g e st im m t. Der konservative Antrag, der die Regierungsvorlage bezüglich der Stelle eines neuen Departementsdirektors usw. wicderhcrstellen will, wird abgclehnt. Angenommen wird ein Antrag Ablaß (Vp.), der dürch möglichste Vereinheitlichung der Laufbahnen der Marineverwaltungs-Offizicre und -Beamten eine Vereinfachung des Marinever- waltungsbetriebs herbeiführcn will. Weiter ange- n o m m e n wird eine von allen bürgerlichen Parteien unterstützte Resolution Ablaß (Vp.), wonach bei Vergebung von Lieferungen, die in der Hausarbeit hcrgestcllt lvcrdcn, die Berufsorganisationen der Hausarbeiter berücksichtigt lvcrden sollen, ebenso Lieferanten, die Tarifverträge vereinbart haben. In der Einzelberatung wünscht Abg. Wcrncr-Hersfeld (Rfp.) Besserstellung der Intendantur- sekretäre. Die A b st r i ch c , die die Budgetkommission bei einzelnen Beamtcngrupven vorgenommen hat, werden betätigt. A n - genommen werden d'.e Resolutionen der Budgetkommission, die eine Verbesserung der Gesamtstellung der Deckoffiziere befürworten, und d:e Einführung der zweijährigen Dienstzeit für die Marineinfanterie und Mgtroscnartillerie forderte. Abgelehnt wird ein Antv»ag Dr. Heckschcr (Vp.), die Auslandszulage für den Marineattache in Buenos Aires, die die Kommission gestrichen hatte, wiedcrhcrzustellen. Beim Kapitel „Bekleidung" klagt Abg. Albrecht (Soz.) über ungeheure Ausbeutung der Heimarbeiterin- n e n. Den männlichen Arbeitern nimmt man die Arbeit weg und läßt drei Viertel aller Arbeiten durch Frauen ausführen, die man natürlich noch viel schlechter bezahlt als die Männer. Meine vorjährigen Beschwerden hat man damit beantwortet, daß man den Arbeitern ein größeres Arbeitspensum auferlegt. Wohl hat man die Löhne um 5—10 Prozent erhöht, dafür aber wurde eine 8—16 prozentige Erhöhung der Arbeitsleistung angeordnet. Das ist also tatsächlich eine Verringerungdes Lohnes. Die Werkstätten widersprechen allen Anforderungen der ^gicne. Vizeadmiral Capelle: Da in der Marine der Mann selbst seine Uniform bezahlen ■ muß, haben wir das dringendste Interesse, daß die Uniformen möglichst billig hergestellt tverden. Die Bckleidungsämtcr sehen darauf, daß die verheirateten Frauen nicht mehr Arbeit bekommen, als sie im Nebenberuf leisten können. Ueber die Werkstätten hat der Parteifreund des Vorredners, Herr Noske, selbst gesagt: Hygienisch tadellos! (Hört! hört! rechts.) Mit unserem Lohnsystem sind wir vielleicht weiter, als es der Vorredner annimmt.' Abg. Giesberts (Ztr.) verlangt Berücksichtigung der organv fierten Heimarbeiter bei der Vergebung der Arbeiten. Vizeadmiral Capelle: Leistungsfähige Organisationen, mit denen ivir verhandeln können, existieren unseres Wissens nicht. Aber !oir haben Vorsorge getroffen, daß die Unternehmer, denen wir Arbeit geben, ihre Arbeiter ordentlich bezahlen. Lohndrücker werden von uns nicht beschäftigt. Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.): Die Durchführung des Hausarbeitsgesetzes wird mit-manchen Beschwerden aufräumen. Dies durchzuführen wird aber weniger Aufgabe der Marineverwaltung als der Gewerbeinstanz und der Arbeiterinnen selbst sein. .... Abg. Dr. Semlcr (Natl.): Es ist nicht festgestellt, daß die Frauen, die in den Bekleidungsämtern arbeiten, Frauen von Werftarbeitern sind. Man sollte sich darüber freuen, daß die Marineverwaltung solche Arbeitsgelegenheiten schafft. Der Durchschnittslohn auf den Werften der Marine ist etwas höher als in Privatbetrieben. Abg. b. Böhlcndorsf-Kölpm (KonsZ: Nach Möglichkeit sollten die Massierungen von Marinetruppen in der Nordsee und in einzelnen Städten der Ostsee, wie Sonder- burg, vermieden werden. Eine Verteilung ans mehrere Orte läge sowohl im Interesse der Verwaltung wie dieser Orte. 'Beim Kapitel „Instandhaltung der Flotte und Marine" bespricht Abg. Brandes (Soz.) die Arbeitsverhältnisse auf den Wersten. Staatssekretär des Reichsmarineamts boh Tirpitz Was müßten wir wohl tun, um von der Partei des Vorredners keine Kritik zu erfahren? (Sehr gut! rechts.) Frie- denstörer in unseren Betrieben dulden wir nicht. Die Löhne können nicht so schlecht fein, sonst würden wir nicht so großen Zulauf haben, Abg. Weinhausen (Vp.): Es ist erfreulich, daß die Marineverwaltung bei der Einführung der Angestelltenversicherung einen nachahmenswerten, fürsorglichen Weitblick gezeigt hat. Die wohltätigen Einrichtun- gen sollten den Arbeitern und Angestellten mehr zur Kenntnis gebracht werden. Der Redner bringt Wünsche der Arbeiter und Angestellten vor, besonders aus. dem Danziger .Werftbetriebe. Das Haus vertagt sich. -mw ... ... Dienstag 1 Uhr: Kurze Anfrage, Etatsnötgesetz, Marineekäk, öioiomaletat. Schluß 7Yi Uhr. den das Flottenbudget ablehncn, sic gehen Schulter an Schulter mit der deutschen Sozialdemokratie. Und auch wir erklären: Unsere Fraktion wird den vorliegenden Flotten- etat ablehnen. (Beifall b. d. Soz.) Staatssekretär des Reichsmarineamts bon Tirpitz: Gegenüber der Behauptung, die Ausgaben für die „Hohen- zollern" seien verfassungswidrig, muß ich darauf Hinweisen, daß wir seit Bestehen unserer Marine derartige Fahrzeuge gehabt haben, phne daß jemals hier Zweifel an der verfassungsrechtlichen Zulässigkeit laut geworden sind. Zu meiner großen Freude sind ja auch alle bürgerlichen Parteien derselben Meinung. Gegenüber der Bemerkung von den übergroßen Gewinnen der Firma Krupp muß doch betont werden, daß von den ganzen Kruppschen Arbeitern nufc ein Sechstel für das Kriegsmaterial der Marine tätig ist und nur ein Viertel der gesamten Organisation für unser Kriegsmaterial verwendet wird. Es ist auch unrichtig, daß unsere Arbeiter nichts von den Bauten für Kriegszwecke hätten. Der Anteil an Arbeitslöhnen für unsere Schiffe beträgt allein auf unseren Werften 50 Prozent und steigt, wenn man die Löhne der Halbfabrikate dazu nimmt, auf 80 Prozent. lieber die angeblichen Verhandlungen des Reichsmckrme- arnts mit dem Reichsamt des Innern ist der Vorredner nicht orientiert Allerdings werden unsere Marinemannschaften bei einem allgemeinen nationalen ober bei einem internationalen Seemanns streik, soweit unsere deutschen Interessen direkt berührt sind, eintreten. (Hört! Hört! bei den Soz. — Sehr richtig! rechts — Sehr falsch! bei den Soz. — Heiterkeit.) Das ist der Fall beim Postverkehr und beim Verkehr mit den Kolonien. Diesen Verkehr müssen wir aufrecht erhalten, das ist ganz selbstverständlich. (Sehr richtig! rechts.) Der Staatssekretär äußert sich zu den bedauerlichen Verlusten bei den Hebungen der Marine. Aber wir muffen damit rechnen, uhb daran sind alle, Offiziere und Mannschaften, in gleichem Maße beteiligt. Das ist begründet darin, daß der Beruf des Seefahrers an sich nicht ganz ungefährlich ist. Würden wir solche Verluste nicht im Frieden riskieren, bann können wir uns eine kriegsmäßige Ausbildung überhaupt nicht leisten. In den beiden Fällen, die der Vorredner erwähnt hat, beim Zusammenstoß der „Zähringen" und Cer „Hessen", mit je einem Torpedoboot, trifft die Kommandanten keine Schuld. Ich bin mit dem Vorredner der Ansicht, daß wir nicht zu alte Offiziere in der Marine haben dürfen. Es gehören jüngere Leute, deren Nerven vollkommen intakt sind, dazu, um allen Situationen gewachsen zu sein, die unser Beruf unvermeidlich mit sich bringt. Wenn der Vorredner den Versuch macht, an der Hand zahlreicher Ziffern zu zeigen, wie unser Etat sich im Laufe der Jahre weiter steigert, so Übersicht er dabei, daß es doch auf d i e Gesamtausgaben ankommt. Diese aber ft eigen b i s 1917 n a ch d e m V o r a n s ch l a g e n i ch t. Der Vorredner hat auch die ungünstigen Folgen der Rüstungen für die Steuerzahler erwähnt. Er hat aber dabei die zweite Folgerung übergangen und das ist die Tatsache, dntz wir doch dank unserer Rüstungen seit 42 Jahren Frieden haben. Diese Tatsache schlägt alle anderen Einwendungen gegen unsere Rüstungen aus dem Felde. (Sehr richtig! rechts.) Der Vorredner hat weiter getadelt, daß bei-uns fein Geld für soziale Zwecke übrig bleibt. Er hat aber keinen Staat genannt, der verhältnismäßig mehr für soziale Zwecke ausgibt als hat. Das führt zu schematischen Bestrafungen. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Deckoffiziere länger bei der Marine bleiben. Was früher Durchgangsstellung war, muß Lebensstellung werden. Bei der Gewährung von Zulagen dürfen die zur t e ch Nischen Hochschule in Berlin kommandierten Herren nicht schlechter gestellt werden, als die zuiw Verwaltungsdienst in Berlin bestimmten. Abg. Erzberger (Zentr.) verteidigt nochmals seine Haltung bei den Messe- n n d T a f c l g e l d c r n in der Budgetkommission. Kann man seine Stellung nicht einmal ändern? Tun das die Sozialdemokraten nicht auch? In der Kommission stellten die Sozialdemokraten den Antrag: Jeder Mann, der an einer militärischen Hebung teilnimmt, erhält feinen halben Tagesverdienst als Entschädigung. Da wies man ihnen nach, daß bann e i n Bankdirektor, der täglich 1000 Mk. verdient, vom Fiskus täglich 500 Mk. erhalten müßte. (Große Heiterkeit.) Das haben sie eingesehen und ihren Antrag abgeändert. Wer also im Glashaus sitzt, der sehe sich vor! Unser Antrag über die Messe- und Tafelgelder ist ein großer etatsrechflicher Erfolg. Darüber sollte sich jeder freuen, der das Ansehen des Reichstags fördern will. (Beifall.) Wann wir unsere Anträge einbringen, geht Herrn Noske wirklich gar nichts an. Ueber die zweijährige Dienstzeit bei der Marineinfanterie wird eine Verständigung zu erzielen sein. Auch für die Matrosenartillerie halten wir daran fest. Wir verlangen tüchtiges Material und tüchtiges Personal. Die Haltung der Sozialdemokratie berührt eigenartig. Da stellt sich Herr Noske hin, hält eine lange Rode, bringt eine Menge von Wünschen vor, und zum Schluß krönt er sein Werk mit dem Ausspruch: „Trotzdem werfen wir das ganze Etatswerk in die Wolfsschlucht!" Das ist eine merkwürdige Art des parlamentarischen Kampfes. (Zustimmilng.) Unser Vaterland muß so stark gerüstet fein, daß es jedem Angriff jeder Macht und auch jeder Kombination von Mächten gewachsen ist. (Lcbh. Beifall.) Wir können ckeine'volkstümlichere Politik treiben, als wenn wir durch ein starkes Deutschland den Frieden erhalten. (Beifall.) Es wäre schrecklich, wenn der Frieden unterbrochen würde, wenn der Frieden erst mit den e n t s e tz l i ch e n O p s e r n e i n e s modernen Krieges wieder hergestellt werden müßte. (Beifall.) W i r stellen keine Neuforderungen. Das ist Sache des Marineamts, dessen Leiter alle Verantwortung zu tragen hat. Er hat allein den vollen Ueberblick über alle Dinge. Es ist bedauerlich, daß diese Nüstungen einen solchen Umfang angenommen haben. Aber wir in Deutschland können sib nicht vermindern. Denn jede Verminderung der Lasten müßten wir letzten Endes furchtbar teuer bezahlen. (Letzh. Beifall.) Abg. Noske (Soz.): Das Zentrum sollte sich rücksichtslos mit uns für eine Friedenspolitik ins Zeug legen. Wir müssen zu einer Verständigung der- Mächte kommen. Die Praxis des Reichstags zeigt, daß Zentrumsanträge nicht immer ernst zu nehmen sind. Das Zentrum macht zuviel Schcinmanövcr. Draußen redet von Tirpitz ist hoch befriedigt, daß Deutschland in so kurzer Zeit eine so getoaitige Flotte gebaut hat, und er wird sich auch weiter bemühen. Das Kunststück ist ihm bisher während seiner Amtstätigkeit sehr gründlich gelungen. Ich erkenne auch ohne weiteres an, daß mit dem riesenhaften Tempo der Ausgabensteigerung die Organisationspolitik und -Technik ein ganz gewaltiges Instrument geschaffen hat. und daß man daran gearbeitet hat, dieses Kriegsinstrument möglichst wirksam zu machen. Freilich ist dem Staatssekretär bisher seine Bestrebung, die Flotte zu vergrößern, sehr leicht gemacht; das Geld ist ihm förmlich auf- gedrängt. Wir haben ja am Sonnabend den Wettstreit zwischen Nationalliberalen und Zentrum gehört, wer bewilligungslustiger sei; die Palme des Ruhmes gebührt beiden gleichmäßig. Herr Krahmer freilich, der Konservative, scheint nicht zu wißen, wer einmal das Wort geprägt hat: Stein Kanitz, feine Kähne! Freilich, damals war es für die Herren Agrarier ein Pressionsmittel; inzwischen sind sie mit wirtschaftlichen Vorteilen so überschüttet worden, daß ihnen jetzt eine Opposition nicht mehr möglich ist. Zum Zahlen haben sich bisher die besitzenden Klassen noch nicht gedrängt, das sollen die anderen, und es klang auch sehr wenig glaubhaft, als Herr Schultz am Sonnabend versicherte, die Rechte würde Opfer bringen. (Zuruf rechts: Hat sie schon immer getan!) — im Nehmen ja! Jedenfalls steht es in keinem Verhältnis zu dem, was den breiten Massen des Volkes an neuen. Steuern aufgelastet. ist. Wie groß die Opferwilligkeit ist, zeigt sich ja jetzt schon, wo darüber geklagt wird, daß im Jubiläuinsjahr solch' eine Kontribution erhoben werden soll. Ich verstehe schon, daß Herr Schultz mit einigem Entsetzen an die Steuerbewilligung denkt, unter dem Eindruck der Wirkung bei den letzten Wahlen, wo gerade seine Partei die allermeiste, wohlverdiente Prügel bekommen hat für ihre Steuerwirtschaft. Freilich so nahe ist der Zeitpunkt Wohl noch nicht wieder herangekommen. Unter dieser Rüstungs- Politik leidet die Sozialpolitik. Jetzt sind die deutschen Kapitalisten wieder dabei, für Rußland Schiffe zu bauen. Man rühmt den Vorsprung Deutschlands im Luftschiffbau und: liefert an Rußland ein Parsevalluftschiff. Die Gewinne Krupps sind so groß, daß die Vermutung durchaus berechtigt ist, die Marineverwaltung zahlt noch Preise, die nicht zu verantworten sind. Es geht nicht an, daß ein einziges Unternehmen auf Kosten der Steuerzahler einen Reingewinn von mehr als dreißig Millionen erzielt. Für diese sympathische Bestrebung, das Reich zu schröpfen, dafür liefert ja der Versuch Len Beweis, ein Schiffsbausyndikat zu begründen. Die Konservativen verlangen einen Nachweis über die durch die Schiffsbauten entstandenen Lohngewinne der Arbeiter. Eine solche Aufstellung hat der „Nau- ticus" schon 1912 gebracht und wenig bei den Arbeitern zur Flottenbegeisterung beigetragen. 1911 hat das Reichsamt des Innern mit der Marinevcrwaltuug verhandelt über Aushilfe im Falle des Ausbruchs des drohenden Seemannsstreiks. Der Streik und damit das Abkommen trat nicht tn Wirksamkeit, aber die Tatsache besteht, daß die Marineverwaltung bereit gewesen ist, ihre Leute als Streikbrecher zur Verfügung zu stellen, um die Lohnbewegung unserer Seeleute unmöglich zu machen. Die Militärverwaltung hat in ähnlichen Fällen davon Abstand gengpunen, Leute zum Streikbruch zu lommanbieren. Wir können uchß eine solche Einmischung in wirtschaftliche Vorgänge verbitten; die Bekämpfung der Sozialdemokratie gehört nicht zur Aufgabe der Marine. Die Leute, die alle technischen Maschinenteile bedienen, kommen zu 88 Proz. aus den gewerkschaftlichen Organisationen, sind zum großen Teile Söhne von Sozialdemokraten. Der Staatssekretär hat nichts vorgcbracht, was gegen die zweijährige Dienstzeit spricht. Die Anträge des Zentr u in s sind nicht ernst zu nehmen, Unter dem dröhnenden Beifall des ganzen Zentrums hat in den letzten Jahren der Zenlrumsgeneral Häusler eine Reihe von Reformen im Landheere verlangt, aber seit Zentrum und Rechte sich wiedergcfunden haben, ist Herr- Häusler in der Versenkung verschwunden. So ist auch mit den Messegeldern; das, da das Zentrum sich seit der Kommission nicht geändert hat, wäre ein Maß von Verlogenheit. Wir geben der Genugtuung Ausdruck, daß die Regierung es jetzt theoretisch für möglich hält, zu einer Verständigung mit Eugl a n d zu kommen. Herr Haußmann hat im vorigen Jahre hier vom Neichsmarineamt behauptet, daß es durch fein Nachrichtenbureau versucht habe, dem Auswärtigen Amt sich ins Geschäft zu mischen; wir haben ja darüber im vorigen Jahre Verhandlungen gehabt. l'(ber der Vorgänger des Herrn von Jagow soll daS hernach bestätigt haben. Vielleicht sind die Herren jetzt dankbar für die Gelegenheit, sich über dieses interessante Thema zu äußern. Am Sonnabend hat die Regierung geschwiegen; ich bezweifle, ob es politisch klug war, nach den Vorgängen in der Kommission über das ganze Problem jetzt mit Stillschweigen hinwegzugehen. Herr Schultz hat ja ganz deutlich erklärt, er sei kein Freund einer solchen Verständigung; wir bauen die Flotte, so lange es uns paßt! Die Zeche des Kampfes zwischen England und Deutschland würden beide Völker bezahlen und die Vorteile würden andere Industriestaaten haben. Merkwürdig, daß eine Reihe von Zentrumsblättern die wütendste Kriegshetzerei betreibt, schwarz und blau. Aber auch die Nationalliberalen sind dabei, ebenso wie Herr Erzberger, und besonders ist Basse r m nun da außerordentlich gefährlich. (Sehr richtig! b. d. Soz.) In all seinen Reden kommt die alte Wendung immer wieder zum Vorschein, die Rüstung müßte erhöht werden, bL deutsche Politik sei nicht aggressiv genug und dem Auswärtigen Wmt müsse das Rückgrat gestärkt werden. Wir haben nicht große Illusionen, geben aber die Hoffnung nicht auf, daß schließlich auch die Vernunft in der Nüstungssrage siegen wird. Wir schöpfen das aus der Gewißheit des Wachsens des k l a s s e n b e w u ß t e n Proletariats. Wie ein glänzender Lichtblick mutet es an, daß am Sonnabend die Sozialdemokraten Deutschlands und Frankreichs gegen die neueste Heeresvermehrung protestiert haben (Beifall b. d. Soz.), die nichts weniger als eine Friedensbürgschaft bedeutet, sondern ein neues Pulverfaß. So nehmen auch die englischen Sozialdemokraten aus ihrer großen Friedensliebe Stellung gegen das Wettrüsten zur Scc. Sic erklären, sicwer- ist ad 14 « : v ■a und ervice 's v r» Hs Steingat jen Vereins I •) a’ . I \ emvWen iit atent-MedJ- gegen unreine kel, Mn usw. Eve- . ä Stul Al und 1-50 M. Forint DM ’rcnieläo V*- lUnivcrsitäts- iridr'hüotbcfe, y, tzarlstibtl, er, C. Sd)66i> Ernii M und tr, Drogerien. > Perücken :öpfC»Kopf' »•2, M! 1 II»- TichV Iler feiner- »nstncfc; orweiO" =, 9. ft Landwirtschaft. Bleichenbach, 2. März. Seit mehreren Jahren ist man hier bemüht, eine verbesserte Ziegenzucht zu bekommen. Die Bemühungen waren nicht vergeben?, die Gemeinde unterstützte das Bestreben, einzelne bessere Zuchttiere zeigten in der Nachzucht den besten Erwlg. Da ein vaimtfafior zur Förderung der Ziegenzucht in der Wartung und Pflege Mitbegründer liegt, beschloß man dieser Tage, einen Ziegenzuchtoerem zu gründen. Landwirtschaftslehrer Wagner-Büdingen besichtigte den Ziegen- bestand dahier und es bildete sich ein Verein, der auch zugleich die Versicherung der Tiere in Erwägung zog. Zeitweise sollen in den Versammlungen über Zucht, Wartung und Pflege von Züchtern Borträge gehalten werden und es in zu erhoffen, daß das bisher stiefmütterlich behandelte, ja last verachtete Tier als nützliches Haustier die Beachtung iveiterer Kreise erwirbt. — Tie Anschaffung einer remen Scho frässe zeitigte ebenfalls seit Jahresfrist beste Erfolge in Wolle, Fleisch und Nachzucht, 6s besteht hier noch eine Gemeindeschälere«, deren Betrieb für die Besitzer und die Gemeinde sich rentabel eriveist. Lnftschiffahrt. Preisausschreiben der National Flugspeude. Tas Kuratorium der Nattonal-Flugspenbe schveibt folgende Flugwettbewerbe aus: Zuverlässigkeitspreise der National-Flug- spende. . . National-Flugspende zahlt deutschen Flugzeugführern, die m der 3eit vom 1. Mörz bis zum 31. Dezember 1913 aus deutschen Flugzeugen, außerhalb sonstiger Wettbewerbe, eine Stunde ohne Zwischenlandung fliegen, einen Preis von 1OOO Mark und für jebc weitere ohne Zwischenlandung geflogene Stlinde einen Zusatz- Preis von je 1000 Marl Wird der Flug mit Fahrgast oder mit v.on 65 Kg. ausgeführt, so wird ein Zusatzvreis von 500 Mark für iede stunde gezahlt, sofern noch eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllt werden. Derjenige Flugzeugführer, der bei Bewerbung um vorstehende Preise jeweilig die längste Zeit, mindestens aber 6 Stunden, ununterbrochen geflogen hat, erhält aus bet National-Flugivende solange eine monatliche Rente von 2000 Mark bis zum Gesamtbeträge von 10 000 Mark, bis ein anderer seine Flugzeit übertrifft. Die Beteiligung am Änstundenfluge ist nur für solche Flugzeugführer offen, für deren Ausbildung aus der National-Flugspende keine Prämie gezahlt worden ist. Die Annahme einer Prämie verpflichtet den Empfänger, sich für den Kriegsfall unbeschränkt, im Frieden während des folgenden, mit bart Empfange der Prämie beginnenden Jahres für eine besondere 3wöchigc Hebung der Heeresverwaltung zur Verfügung zu stellen. "— deutsche Flugzeugführerinnen erhalten bei gleichen Leistungen gleiche Prämien ohne Uebernahme dieser Verpflichtungen. Militär- ffre^er erhalten an Stelle der Geldkrise besondere Ehrenpreise. Jeder Bewerber erhält die genannten Preise und Zusatzpreise pur einmal, die Reute beliebig oft. Rational -Flugpreis. Derjenige deutsche Flugzeugführer, der in der Zeit vom 1. März M3 Küm 31. Dezember 1913 auf rinrni in Dmkschlen) he gesellten, mit deutschen oder ausländischem Motor versehenen Flugzeug außerhalb sonstiger Konkurrenzen mit Passagier oder mit Ballast qemäß den Bestimmungen der Zuverlässigkeitspreise innerhalb 24 Stunden vom Aufstieg an die in der Luftlinie zwischen Aufstieg und LaiKruitgsplatz gemessene längste Entfernung über Land durchfliegt, erhält als Prämie so lange eine monatliche Rente von 3000 Mark bis zum Höchstbetrage von 15 000 Mark, bis ein anderer deutsck>er Flugzeugführer (auch Militärslugzeugführer) diese Flngleistung überbietet * Königsberg, 1. März. Der geplante ostpreußische Rundflug kann nach Mitteilungen des Vorsitzenden des Ost- preußischen Vereins für Luftschiffahrt, Regierungsrat Götte, als gesichert gelten, imdjbnn der Minister des Jimern dem genannten Verein eine Lotterie von 150 000 Mark bewilligt und das Kuratorium der Rationalflugspende eine Beihilfe von 15 000 bis 20 000 Mark in Aussicht gestellt hat, sofern auch die an der Klubveranstaltung beteiligten ostpreußischen Städte eine angemessene Unterstützung leisten. Als Zeit ist der 14. bis 17. August jcstgesetzt. Sport. = Fußball. 9ün Sonntag trafen sich die 1. Mannschaften des Futzballvereins „Kassel Sport" und des Gießener V. f. B. zum Kreismeisterschaftsspiel auf dem Trieb. Nach sehr hartem und zeitweise etwas sehr scharfem Spiele blieb V. f. B. mit 5:4 ^Halbzeit 3:1 Sieger. Die 3. Mannschaft des Gießener B. f. B. gewann gegen den Wetzlarer Ballspielklub 2. Mannschaft, mit 10:1 Toren. vermischter. * Groß fe^u er. Durch die Unvorsichtigkeit eines Lehrlings, der im Sacklager sein Fr ü h st ü ck s v a p i e r entzündete, entstand in der Merkschen Guano- und Phosphatfabrik in Vienenburg Groß feuer, das den ganzen Mittelbau des Fabrikgebäudes in Asche legte. Rur die beiden Seitenflügel konnten von der Feuerwehr gerettet werden. Ter Schaden wird auf mehrere 100 000 Mark berechnet. — In den Lagerräumen der Zuckerfabrik Mastalka-Compagnie zu U n t e r b a u tz e n brach in der Samstagnacht Feuer aus. Zucker, Malasse und Rübsamen im Werte von 400 000 Kronen sind verbrannt. Ter Maschinenraum blieb unbcsclmdigt, so daß der Betrieb nicht gestört ist. * Tod auf den Schienen. 2lus Erfurt wird gemeldet: In der Nähe des JohanniSplatzes wurde heute früh ein Liebes- p a ar aufgefunden, das sich von einem einsahrenden Zug hatte überfahren lassen. Beiden war der Kopf vom Rumpfe getrennt Tie Leichen Igelten sich umschlungen. * Sch reckenstat einer Mutter. In Hauffung an der Katzbach schleuderte, nach einer Depesche aus virschberg, 1. März, die Frau des Steinbrucharbeiters .Hein ihre beiden Kinder im Mtec von 5 und 9 Jahren eine dreißig Meter hohe Felswand hinab und stürzte sich selbst nach. Das älteste Kind und die Frau waren sofort t o t, das jüngere Kind wurde schwer verletzt. Ter Beweggrund zu der Tat ist Schwermut. * Apachen im Automobil. Aus New Bork, 2. März, wird gemeldet: Drei Automobilverbrecher, die mit Revolvern und Betäubungsmitteln ausgerüstet mären, überfielen um Mitternacht auf dem Broadwar einen Juwelier und raubten ihm Juwelen im Werte von 9000 Dollars. Nach einem Revolver kämpf mit Polizeideamten entflohen die Verbreä>er, wobei sie sich nacheinander zweier Automobildroschken bedienten. In der ersten ließen sie einen Teil ihrer Beute im Werte von 7000 Dollars liegen. * Schiffsu n gl ück. Bei Dover stieß der Torpedoboots- zerstörer „Merrnaid" mit dem Dampfer „Lizard", der gerade in den foafen einlaufen wollte, zusammen. Ter Torpedobootszer störer erlitt mitsäsiffs an» Backbord schwereBeschädig ungen. Der ,Lizard" ist anscheinend unbeschädigt. *EinrusfischerWandcrheiliger. Aus Petrosawodsk (Gouv. Olvnez), 2. März, wird gemeldet: Der Polizei ist es jetzt gelungen, den Mönchspriester Inno- kenti aus Balta zu verhaften. Jnnokenti, dem sich die Bauern aus dem angrenzenden Bes'arebien, ihre Höfe verlassend, anfleschlossen hatten, war deswegen nach dem Muromkloster im Gouvernement ^Archangelsk verbannt wor den, hatte aber vor einiger Zeit, als 8Ö0 seiner Anhänger bei ihm erschienen, das Kloster eigenmächtig verlassen. Unter der ihm folgenden Menge waren vietk Kranke, sowie Menschen mit abgefroreuen Gliedmaßen, für die der Biz-- gouverneur eine Abteilung des Roten Kreuzes berufen hat. Eine zweite Abteilung folgt aus Petersburg nach. Tie Gesunden werden in ehre Heimat abgeschoben. Kleine Tagerchronik. Geheimrat Professor Dr. Düh'rssen in Berlin ist infolge einer Infektion schwer erkrankt. Vermutlich erfolgte die Ansteckung bei einer am Freitag voriger Woche vorgenommenen Krebsoperation. In der Nacht zum Sonntag wurde in Berlin der Oberwächter Gericke überrascht, nachdem er einen Einbruch in ein Blumengeschäft ausgeführt hatte. 70 Einbrüche werden ihm zur Last gelegt. Zur gestrigen Trauerfeier für den verdienten Charlottenburger Oberbürgermeister Schuftehrus hatte die Stadt Cbarlottenburg in den Hauptstraßen Trauerschmuck angelegt. Eine überaus zahlreiche Trauergemetnde rüttle den Hestfaal, darunter die Vertreter des Kaisers und der Kaiserin. Die Ueberführung des Sarges erfolgte unter dem Glockengeläute aller Charlottenburger 'trieben nach dem Bahnhof. Tie Beisetzung findet in Thorn stcnt. In Essen .Ruhr» löste Heb bei Dacharbeiten ein Gerüst und die beiden daraus beschäftigten Arbefter stürzten in die Tiefe. Beide waren sofort tot. Bei Frauenwald Thüringens sind beim Rodeln fünf Kinder verunglückt, von denen zwei ben Verletzungen erlegen sind. Auf der Thyssenfchen Gewerkschaft ..Deutscher Kaiser" sind siebzigLolomotivführerindenAusstand getreten. Im Rigaer Meerbusen fitzen dreißig Dampfer im Eise fest. Eisbrecher find zur HUssleistung ausgelaufen Aus N e w c a st 1 e o n T N n e, 1. März, wird gemeldet: Ein Lokomotive ist mit einem von Tvnemoulh kommenden clcltrncten Zuge zusammengestoßen, zerstörte einen Wagen bind rannte in einen anderen hinein. Ungefähr 35 Personen limfocii mehr oder minder schwer verletzt. Märkte. F.C. Wiesbaden. Viebh o' -Mark tbe ri cht vom 3. Mar,. Austrieb Rinder 55 (Ochsen 32, Bullen 0, Kühe 2 3), Kälber 32, Schafs i , Schweins 285, Marklverlau': Bei lebhaftem Geschält in Großvieh geringer Ueberslaud, bei Schweinen und Kleinvieh geräumt. Prei'e für 100 Pid. Lebend- Schlacht- Ochlen. aewicht reinPHTrf-tae, miVaemästete, sechsten Schlacht- Mk. Mk. wertes im Alter von 4-7 fahren .... 51—66 Hy—93 Tie noch nicht gezogen haben lungejocht) . . 50 -55 88—94 r-imae, fleischige, nicht auBgeinä'tete und ältere eulgemäftete ..... 45—49 82—89 Bull en. Bollfleilchiqe, auSgeiv^ höchsten Schlachtw. . . 46—50 78—So VoUfleischige, jüngere 42—45 71—76 rät e ft. K n h». S-ollfleischfge ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes . . 49-54 86—94 9 ollfietldnge ausgemästete Kühe höchsten Schlachiwertes bis Mk. 3— er bältlich in Slpoibeten, Drogerien. Verlangen Sic vom Biosonwers Frankfurt Main, GratiSprobc und Broschüre. b°/' 2 « = 5 61 5- Absolute Q B P S o o => s s cv cn •$u O — a. 2. A o 5 S Windrichtung «=# r» 5 9T* n 3 S2 35 3 ÜD —। C: =r + + O'~— 3 2 7* Gs es E: t£» - « ot£ —-c s 2.2. S) <■>' —■ CW s o O 2 - = o. ÖD — & I^O G3 = * » 2 Z O" 5" er => — 7§. 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Hi AitichZ Vilüo lösen, kinzel von t also i Nam bewul cmseh 1000 iäfitl Sold schätz halfT Ücker Zeit gumti Vater! könntc täglick verlmi llnterl singen Festi Die üi sührm grE teure pernai mir cii ober a neuen ( Äeschütz, nMn müssen in ein und c und ( Feldai Umfm Äecrei baute, N f d)to । den T men. stabs für de nopel gäbe g lAtocrc Ware t beeresc ein Va, '"aßgebi würde Pro 9frr Zeder Di bri ttserve, i Ja Reser Auch 511 b Q [ iieflen D tortage; lfl.?Wttbci ge von Mwi|e ste ghille ^dcnkl n "utfe m i; Apannu ^°ngel k r K HÄ W Ä